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#130b - Open Source ERP mit odoo – ein Interview mit dem Geschäftsführer der manaTec GmbH Robert Duckstein
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Gerade wenn man ERP-Auswahl macht ist das Thema Open Source bei vielen Mittelständlern präsent. Heute möchte ich ein bisschen in die Tiefe des Themas eintauchen und habe mir dazu den ERP-Experten Robert Duckstein zum Thema odoo Einsatz eingeladen – Teil zwei.

Viel Vergnügen!

Links:

Buchempfehlung:

Die Digitalisierung der Controlling-Funktion – Anwendungsbeispiele aus Theorie und Praxis
Imke Keimer, Ulrich Egle (Hrsg.)

Podcast:

methodisch inkorrekt

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wir sind wieder voll in einer neuen Episode drin, im zweiten Teil. Wir sprechen über Open-Source-ERP-Systeme.

Ich freue mich, dass ich Herrn Robert Duckstein, Geschäftsführer der Manatec GmbH, hier bei mir im ERP-Podcast habe. Wir sprechen über Odoo, denn er ist Systempartner, Systemhaus, gerade insbesondere für dieses Open-Source-ERP-System. Wir haben letzte Woche schon ein bisschen drüber gesprochen.

Wir werden das heute nochmal in der Tiefe tun. Schön, dass Sie da sind. Herzlich willkommen hier im ERP-Podcast.

Vielen Dank heute, Herr Winkelmann. Schön, dass ich nochmal da sein darf. Ich bin Robert Duckstein, Geschäftsführer der Manatec und wir, die Manatec, wir sind ein Dienstleister, wie Sie ja schon gesagt haben, im Bereich ERP und wir sind dort Implementierungspartner für das Open-Source-ERP-System Odoo.

Das ist unser Kerngeschäft, was wir auch seit fünf Jahren schon sehr erfolgreich betreiben. Und genau darüber sitzen wir heute hier zusammen. Ja, ich habe es schon zurückgespiegelt letzte Woche.

Viele, die natürlich in ERP-Auswahlsituationen sind, die haben auch immer wieder das Thema Open-Source-Software im Kopf. Aus Ihrer Perspektive, warum sollte man den Gedanken nicht gleich verwerfen, sondern sagen, das könnte durchaus eine Alternative sein, eine interessante Alternative? Zum einen habe ich natürlich die Möglichkeit, die Open-Source-Software über einen Partner oder vielleicht auch in einem mittelfristigen Schritt über eine intern aufgeschlaute Abteilung anzupassen, besser anzupassen an meine Unternehmensprozesse, auch an das, was in Zukunft kommt. Und zum anderen, das hatte ich ja letzte Woche auch schon erwähnt, ist halt gerade die Zukunftsfähigkeit hinter einer Open-Source-Software, da steht auch einfach eine größere Community als hinter einer Software, die auch von Software Riesen entwickelt wird.

Und das bedeutet, selbst wenn der Haupttreiber irgendwann wegfallen sollte, bin ich ja trotzdem dahingehend noch abgesichert, dass die Community weiterhin dafür sorgen wird, dass das System weiterhin seine Sicherheitsupdates erhält und im besten Fall natürlich auch weiterhin neue Funktionalitäten beigebracht bekommt. Also wir haben funktional ein vielfältiges System, was auch lebhaft von einer Zentrale in Brüssel weiterentwickelt wird. Der Gedanke, den natürlich sehr, sehr viele haben, gerade im kleineren Mittelstand, ist, ich kann dabei Geld sparen.

Können Sie uns ein Gefühl geben, wie aufwendig, wie kostenintensiv ist ein Odoo-Einführungsprojekt? Was kommt da an Folgekosten auf mich dazu? Also stellen Sie sich vor, Sie müssten uns jetzt mal ein Angebot schreiben. Natürlich, das ist ja auch ganz einfach. Es ist wirklich schwer, da eine pauschale Aussage zu treffen.

Dadurch, dass das Odoo-System modular aufgebaut ist und im Standard sehr viele Prozesse mitbringt, hängt es natürlich dann bei den Kunden, bei den Interessenten immer genau davon ab, zum einen, auf welche Prozesse will man sich fokussieren. Geht es beispielsweise nur darum, die internen Mitarbeiter und das CRM abzubilden und vielleicht eine Rechnung rauszuschicken, dann brauche ich natürlich schon mal viel weniger Module, wenn ich aus Gründen für den Rest gar keinen Bedarf habe. Oder will ich wirklich meine Lagerverwaltung mit abbilden, möchte Lagerroboter, die auch aus Odoo erfahren, wo denn an welchem Stellplatz mein Produkt XY steht und möchte ich auch die Produktion mit abbilden, sodass wirklich die Maschine direkt mit dem Odoo-System kommuniziert und sagt, hier, mit Fertigungsauftrag ABC bin ich gerade fertig geworden und will jetzt mit dem Nächsten beginnen.

Bitte suchen wir jemanden, der mir die Ware bringt. Das heißt, da gibt es einfach so unterschiedliche Integrationstiefen, die man haben kann. Deswegen wird es da schwierig, ein pauschales Angebot zu machen.

Und das Nächste ist natürlich auch die eigene, ich möchte es nicht als Flexibilität bezeichnen, aber die Möglichkeit, den Prozessen von Odoo zu folgen oder eben halt die Notwendigkeit, sehr genau eigene, besondere Prozesse abzubilden. Weil ja, im besten Fall ist Odoo an sich, wir suchen die passenden Apps mit ihnen aus, wir konfigurieren das System vor und dann gibt es die Workshops zu den einzelnen Themen mit Beispielprozessen aus ihrem Haus. Also das heißt, die Workshops bei uns sind auch wirklich nicht so, dass wir, was weiß ich, irgendwo mal etwas aufgezeichnet haben und ihnen das vorspielen, sondern da nutzen wir auch schon die Nähe zum Kunden, dass wir auch tatsächliche Geschäftsvorfälle nutzen und mit dem Kunden in dem neuen System diese tatsächlichen Fälle durchgehen.

Und das nutzen wir eben halt auch zur Gap-Analyse, weil genau da dann der Kunde Möglichkeiten hat, zu sagen, entweder ich möchte meinen Prozess in Odoo in irgendeiner Form anders abbilden, muss ihn anders abbilden, muss mehr Daten an irgendwelchen Stellen halten oder mit anderen Systemen kommunizieren oder dieser Prozess in Odoo, der funktioniert für mich und im Zweifel passe ich einige meiner Prozesse an. Und ja, das macht es eben halt gerade auch schwierig zu sagen, was sind die Kostenpunkte von einer ERP-Implementierung mit Odoo. Verstehe ich.

Jetzt muss ich doch nochmal nachbohren sozusagen. Ich versuche jetzt mal ein Unternehmen mir zu backen. Ein bisschen Produktion, typische Dienstleistungsprozesse, was nehmen wir mal 50 Mitarbeiter bummelig, davon 20 im produzierenden Bereich, die haben also gar nicht groß den Zugriff auf das System, vielleicht mal ein Kiosk, Terminal oder ähnliches.

Also wir haben bummelig 30 User plus ein bisschen was. Und aus der Vergangenheit sind wir eigentlich keine Techies, sind wir nicht so IT-affin. Wenn Sie sowas jetzt haben, aus der Hüfte geschossen, wie teuer ist so ein Projekt? Reden wir über eine 4-stellige, eine 5-stellige, eine 6-stellige oder sogar eine 7-stellige Projektzahl? Genau, bei der beschriebenen Projektgröße oder Kundengröße sind wir auf jeden Fall bei 5 bis 6-stellig.

Es ist natürlich auch noch eine Frage, stimmt, die habe ich im Vorfeld nicht gesehen, wann bin ich denn mit meiner ERP-Implementierung fertig? Also diese Modularität gibt natürlich auch die Möglichkeit und das ist auch eine gern angewendete Herangehensweise, dass man iterativ vorgeht, wo es natürlich auch die eigenen Prozesse und die aktuellen Systeme zulassen. Also bedeutet das, dass ich in ODO zu Beginn Kernprozesse abbilde und dann sukzessive weitere Prozesse hinzufüge in das ODO-System. Das funktioniert natürlich genau da am besten, wo wir kein altes ERP-System ablösen, sondern wo wir bestenfalls ein verschiedenes Sammelsurium an Systemen ablösen oder wenn wir wirklich noch im Start-up-Bereich sind, da haben wir auch einen Kunden, den wir, glaube ich, auch schon seit 4 Jahren betreuen.

Das ist auch eine Unternehmung, die, glaube ich, auch aus einer Fraunhofer-Ausgründung kommt. Und ja, da wurde eben zu Anfang nur das CRM eingeführt und die Zeiterfassung und jetzt gerade sind wir dabei, auch die Produktion mit zu überführen und dann wächst das System natürlich. Und genauso werden wir natürlich auch in der Zukunft weiter mit diesem Kunden zusammenarbeiten.

Also das ist uns auch wichtig, die langfristigen Kundenbeziehungen. Und ja, dieses, nennen wir es Buzzword, das gemeinsame Erwachsenen, aber es entspricht dahingehend auch wirklich der Tatsache, dass wir auch selber als Start-up früh gestartet sind und andere Start-ups betreut haben und ja, auch dort die Entwicklungen der Partner, der Kunden sehen und unsere eigenen Entwicklungen. Ja, das ist halt auch sehr schön, dahingehend zurückzublicken.

Aber was ich damit natürlich sagen will, ist, der ERP-Implementierung, der Digitalisierung ein Ende zu prognostizieren und zu sagen, ich bin jetzt fertig, ich habe jetzt alle meine Prozesse digitalisiert, das ist, glaube ich, nicht mal die Frage von Open Source oder von der Lösung, die ich anwende, aber das ist dann halt wirklich eher die Frage, wo ich Schluss machen möchte. Wenn ich jetzt so ein Projekt mache, Sie haben keine Zahl genannt, aber zumindest die Anzahl an Stellen genannt, wo fließt das Geld hin? Ist das Geld Lizenzgebühr oder ist die Lizenzgebühr eigentlich zu vernachlässigen und das Geld ist, wie in jedem ERP-Projekt, eigentlich investiert in externe Consulting, Montage, in externe Beratung? Die Lizenzgebühr ist natürlich schon mal abhängig im Vorfeld, ob wir die Enterprise-Variante von Odoo verwenden oder die Community-Variante. Ich glaube, bei unseren Kunden sind ca.

60-70% bei der Enterprise-Variante. Das heißt, da entfällt ein gewisser Anteil auf die Lizenzgebühr für Odoo, damit auch das System weiterentwickelt wird, damit die Migration zu den neuen Versionen unterstützt wird und der Rest der Implementierung entfällt dann zum Großteil auf uns für die Aufnahme der Prozesse, die Anpassung des Systems, wenn notwendig, die Workshops und die Unterstützung auch im operativen Bereich, soweit wie vereinbart. Die Verteilung davon ist immer dann auch wieder sehr abhängig von der Anpassung und der Größe des Unternehmens.

Beispielsweise können wir mit wenigen Lizenzen an Applikationen auskommen, aber dafür sehr viel Zeit in Workshops stecken. Und diese werden von uns 1 zu 1 im Zweifelsfall geleistet. Und dann ist natürlich das Geld, was beim Berater landet.

Okay, das können wir nicht wegdiskutieren, das haben wir ja in jedem Projekt. Aber was mich natürlich besonders interessiert oder wo ich in der Vergangenheit auch immer mal wieder einen Hemmschuh in der Open-Source-Szene gesehen habe, ist die Weiterentwicklung, um einen Vergleich zu geben. Wenn ich mir die großen Softwarehäuser anschaue, dann steckt da natürlich Geld en masse, was auch durchaus investiert wird in Prozesse oder in Funktionalitäten, die der Kunde gar nicht wahrnimmt.

Also zum Beispiel Stichwort Compliance, Stichwort Datenschutz oder Ähnliches oder bei Microsoft jetzt sehr, sehr stark auch der Bereich Künstliche Intelligenz, wo natürlich im Hintergrund erstmal viel Aufbauarbeit geleistet wird, in Methoden, in Algorithmen, bevor der Kunde überhaupt irgendetwas sieht. Inwieweit ist es überhaupt möglich, wenn mein Geschäftsmodell, also nicht Ihres, sondern das von Odoo, auf Open-Source basiert und inwieweit funktioniert so eine Open-Source-Community mit den vielen Mitarbeitern natürlich, die zentral auch für Odoo arbeiten, in dieser Weiterentwicklung ähnlich wie bei der kommerziellen Software? Das ist ja schon fast eine Glaubensfrage zwischen Open-Source und proprietären Softwareprojekten. Und ja, auch das ist jetzt, glaube ich, sehr gefährliches Halbwissen.

Ich meinte das auch von Microsoft oder einem anderen der größeren Anbieter, die auch die KI-Grundanwendung in Open-Source erfolgt. Aber ja, wie gesagt, sehr gefährliches Halbwissen. Die Triebkraft hinter der Community für ein Open-Source-ERP-System liegt natürlich in den Anwendern des Systems.

Das heißt, wir haben da jetzt keine zentrale Steuerung oder nur bedingt eine zentrale Steuerung aus dem Hause Odoo SE. Aber das hat natürlich auch gerade den Vorteil, dass die Triebkraft in der Community und auch in den Anwendern liegt. Also das heißt, dort werden dann wirklich auch die Applikationen entwickelt, die bei dem Anwender die Bedarfe lösen, die Schwierigkeiten lösen oder eben halt die gewünschte Funktionalität herstellen.

Also ich will jetzt nicht behaupten, dass ein proprietäres System da nicht auch in die gleichen Richtungen, in gute Richtungen, in valide Richtungen entwickelt. Aber innerhalb einer Community ist natürlich die Nähe des Kunden zu dem Softwarehersteller oder zum Teil der Softwarehersteller, nämlich zum Partner, der ja auch Teil der Community ist, ja, die ist ja viel näher. Wir sind unterstelltermaßen näher dran an dem Anwender des Odoo Systems, als es meinetwegen ein, ja, ein proprietärer Softwarehersteller ist, der seine Partner hat, die das System dann bei dem Kunden anbinden.

Und teilweise geht ja, wandert ja unsere Entwicklung dann auch mindestens in den Appstore und von daher natürlich dann auch in die, also der Appstore, das ist so eine zentrale Plattform für Odoo, wo Applikationen auch von, nicht nur von Odoo selbst, sondern auch von anderen Entwicklern mit angeboten werden. Und dort können sozusagen Lösungen, die von einem anderen Odoo-Partner schon mal gebaut wurden, die können dann für unsere Kunden mit eingesetzt werden, so dass wir da nicht zwingend das Rad neu erfinden müssen. Und von daher hat Odoo an sich nicht die eine große Triebkraft, die in vorgegebene Richtungen geht, sondern Odoo hat mehrere Triebkräfte, die ja zum Teil in unterschiedliche Richtungen gehen.

Die Frage ist natürlich, ob der Gesamtvektor dann nicht vielleicht auch sogar größer ist. Jetzt haben sie uns gegenüber einen Vorteil, nämlich sie arbeiten jeden Tag mit dem System. Sie arbeiten auch sehr tief sicherlich in dem System.

Die Architektur von Odoo ist jetzt um die 15 Jahre alt. Ich greife die Frage von eben nochmal auf, weil auch das gehört natürlich dazu. Wie weit wird hier Architekturpflege betrieben? Wie weit entwickelt sich das System unabhängig von einzelner Funktionalität für den Einkauf, für den Verkauf etc.

tatsächlich weiter? Dadurch, dass der CEO von Odoo selber aus der technischen Richtung kommt, also das heißt, er hat die ersten Versionen wirklich selbst programmiert, da gibt es schon mal einen großen technischen Drive aus der Geschäftsführung heraus. Und was ich vorhin glaube ich auch schon erwähnt habe, dass mit der letzten Version auch komplett auf eine aktuellere Python-Version zurückgegriffen wurde, dass die zugrunde liegende Postgradatenbank, da bin ich mir nicht sicher, wann es da den letzten Versionswechsel gab, aber das heißt, da wird auch geschaut, dass die Architektur aktuell bleibt und natürlich dort auch die Entwicklung in der Zeit mitnimmt. Und Umbauten innerhalb des Odoo-Systems gibt es genauso.

Ich glaube, technisch würde das jetzt zu tief gehen, aber da gibt es natürlich auch Datenmodelle, die sich über die Version hinweg entwickeln. Das heißt, dass da irgendwo mal die Verknüpfungen enger sind und die Verknüpfungen später dann etwas lockerer werden, weil eventuell noch andere Datenmodelle dazwischen gehören oder Anforderungen da sind. Also da wird nicht nur Blindfunktionalität erweitert, sondern auch die bestehende Funktionalität, die reift mit dem gesamten System.

Wenn Sie sich was wünschen dürften, also ich wäre jetzt Ihre gute Fee oder Odoo wäre Ihre gute Fee, was würden Sie sich von dem System wünschen? Das ist eine gemeine Frage, ich weiß. Aber man hat ja immer so bestimmte Bereiche, wo man als Systemhaus oder auch als Anwender sagt, Mensch, da wäre doch mal was, wo man jetzt eigentlich mal ansetzen müsste. Ja, da gibt es tatsächlich einen Bereich, eine Schwierigkeit, die Odoo doch gerne mal hat.

Odoo ist mehrsprachig, ja, logischerweise. Das heißt, ich glaube, aktuell in 57 Sprachen übersetzt und mit der Geschwindigkeit der Entwicklung vom Hauptsystem, da kommen manchmal die Übersetzer und auch die Community nicht mit hinterher. Also wir sind da inzwischen auch Teil der Übersetzungs-Community.

Das heißt, wir unterstützen da auch, die deutsche Lokalisierung in einer besseren, vollständigeren Übersetzung mit anbieten zu können. Und ja, dort gibt es manchmal Herausforderungen für uns als Berater, dass wir dem Kunden gegenüber ja diese nicht hundertprozentige Qualität der Übersetzungen in der Anwendungsansicht ja erklären müssen. Und das wäre dann sozusagen mein Wunsch, dass die Lokalisierung, die Übersetzung mit jeder Version gleich einwandfrei daherkommt.

Ja, jetzt frage ich Sie nochmal als Insider vielleicht auch abschließend zum Thema Komplex Odoo. Natürlich kann ich mich informieren über odoo.com. Ich kann mich auch informieren sicherlich über Ihre Webseite Manatec. Aber gibt es darüber hinaus Hidden Secrets, Hidden Information Portale, Foren, die Sie unseren Zuhörern empfehlen würden, wo man ein bisschen intensiver in die Welt von Odoo, in die Welt von Open Source ERP eintauchen kann? Ich glaube, da muss ich Sie wirklich enttäuschen.

Odoo selbst zeigt auf der, oder ja, informiert auf der eigenen Webseite sehr gut über das System. Es gibt dort auch freie Demosysteme unter demo.odoo.com, wo man sich auch wirklich direkt mal ein System anschauen kann und damit herumspielen kann, soweit man das möchte. Ansonsten haben wir natürlich auch einen fantastischen Blog, der auch regelmäßig über neue Entwicklungen von Odoo berichtet oder auch Implementierungen, Anpassungen, die wir oder andere Partner vorgenommen haben.

Und ja, ansonsten ist Odoo wirklich sehr offen, was das anbelangt. Also versteckte Gremien gibt es da nicht. Auch wir als Partnernetzwerk haben keine geheimen Treffen, wo wir die neuesten Geheimnisse erfahren, sondern da ist Odoo sehr offen in der Kommunikation.

Also was wir erhalten, ist natürlich als Partner einen kleinen Ausblick darauf vor dem neuen Release, also sprich das, was jetzt im Oktober wieder ansteht, was der Plan bei Odoo ist und auch über unsere Manager bei Odoo, mit denen wir sprechen, da können wir natürlich auch einiges an Informationen abholen, was die geplanten Weiterentwicklungen anbelangt. Aber auch da, Odoo wird auch agil weiterentwickelt. Also das bedeutet, da gibt es jetzt keine geheime Roadmap, die bis 2030 den Weg vorgibt, sondern der wird auch mit jedem Release wieder etwas durch den Markt gezogen und dann werden die Fokusse genau dahin gelegt, wo sie notwendig sind.

Okay, dann schieben wir den Fokus noch einmal ein bisschen zum Abschluss von Odoo wieder auf Sie. Also ich fand es sehr, sehr interessant, auch über Open Source ERP zu sprechen und ich könnte mir auch vorstellen, dass das für den einen oder anderen durchaus eine Alternative sein kann. Ist diese Faszination Open Source für Sie das ausschlaggebende gewesen, in diese Richtung der IT zu gehen? Kurzum, warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute letztendlich sind? Okay, eine Verkettung von Umständen.

Also, dass der Open Source-Charakter, dass mich das anspricht, das ist natürlich, das hatte ich letzte Woche auch schon erzählt, das war schon zu Studienzeiten, damals allerdings Open Source BI-Systeme, waren das interessante Werkzeug für mich, Open Source dahingehend, dass man als Student einfacher die Systeme ausprobieren kann und auch selber manipulieren kann, auch selber schnelle Weiterentwicklungen durchführen kann. Und als ich zur MAN-Artikel gekommen bin, war dort Open Source Odoo schon die Haupt-Business-Line. Also das heißt, an dieser Entscheidung habe ich nichts beigetragen sozusagen.

Auch ich hatte zu Beginn bei der MAN-Artikel, musste ich mich natürlich genauso auch an dieses System erst gewöhnen, aber man lernt halt sehr schnell die Vorteile kennen. Also aktuell ist es wirklich so, dadurch, dass das System Open Source ist, dadurch, dass unsere Kunden in verschiedensten Branchen sind, können wir als doch verhältnismäßig kleine Firma mit 15 Mitarbeitern sehr spannende eigene Produkte kreieren. Also das hatte ich, glaube ich, auch schon erwähnt.

Das Beispiel Zeiterfassung über einen RFID-Chip, eine NFC-Chip-Karte, das ist zwar einerseits ein alter Hut, aber verbunden mit einem ERP-System, in dem ich natürlich auch noch ganz andere Prozesse abbilde, ist das natürlich auch gleich ein Tor, ein Baustein, um ganz andere Digitalisierungen vorzunehmen, weil ich dann nicht unbedingt nur die Mitarbeiterzeit erfassen muss, sondern ich kann ja auch ganz andere Prozesse damit auslösen innerhalb von dem ERP-System. Also ich kann zum Beispiel die Produktion starten, indem ich als Produktionsleiter eine Karte an einem Terminal halte. Ich kann meine Warenbewegungen darüber ganz anders abbilden.

Ich brauche keine Laufkarte mehr. Und das ist dann, glaube ich, wirklich dieser Vorteil von dem Open Source, den wir dahingehend nutzen können, dass wir sozusagen innerhalb dieses Frameworks einfach viel mehr mit der Entwicklerzeit, die wir zur Verfügung haben, erreichen können, als würden wir alles vom Grund auf neu aufbauen und selbst entwickeln. Jetzt haben Sie einen ganz interessanten Punkt noch berührt, sozusagen.

Sie kommen jetzt zu einem Unternehmen hin. Das Unternehmen ist in seiner Welt, in seiner Branche, in seiner Domäne gefangen, in seinem Geschäftsmodell, kurzum. Häufig ist es ja so, dass man als ERP-Berater eigentlich nicht nur die Einführung eines neuen Systems begleitet, sondern eigentlich das Hinübertragen des Unternehmens in die digitale, in die neue Welt sozusagen anstößt und viele, viele, viele Impulse mit hinein gibt.

Ist das in Ihrem Falle auch so? Und wenn ja, können Sie vielleicht auch unseren Zuhörern einfach etwas für die Synapsen mitgeben, vielleicht eine Buchempfehlung oder Ähnliches, die auch ein bisschen dabei hilft, lebenslang weiterzulernen, auch gerade, wenn es darum geht, das eigene Unternehmen in die Zukunft zu treiben? Also die erste Frage kann ich ganz klar mit Ja beantworten. Also natürlich, das gehört bei der Digitalisierung der Prozesse dazu, oder bei der Abbildung der Prozesse in einem ERP-System. Häufig sind es auch Prozesse, die vorher über Papier erfolgten und die jetzt digitalisiert werden.

Und dann natürlich auch mit den, nennen wir es, ja, den Eigenarten, den Arbeitsweisen von Odoo, dann eröffnen sich auch ganz andere Möglichkeiten. Und bezogen auf die Digitalisierung innerhalb des Unternehmens und der Unterstützung des Hineinübertragens, da hilft dann natürlich auch die agile Herangehensweise. Das hatte ich, glaube ich, auch schon erwähnt.

Dass wir sagen, wir beginnen, die ersten Prozesse zu digitalisieren und zeigen immer in Ansätzen, was in Odoo auch noch möglich ist. Und häufig ist es dann wirklich vom Kunden der weitere Wunsch kommend, auch die nächsten Prozesse, die nächsten Prozesse noch zu digitalisieren, weil ja die Möglichkeit mit dem Odoo-System auf einmal gegeben ist. Und zum Thema Buchempfehlung kann ich natürlich in erster Linie nicht ganz uneigennützig das Buch Digitalisierung im Controlling von Herrn Prof. Ulrich Egele von der HLSU Luzern empfehlen.

Die Ära hatte auch einen Gastbeitrag zum Thema einer BI-Implementierung schreiben zu können. Und ansonsten muss ich zugeben, eine Buchempfehlung kann ich gerade nicht geben. Es wäre dann eher Podcast-Empfehlungen, aber auch nicht explizit auf die Digitalisierung bezogen, sondern eher auf das lebenslange Lernen.

Und da bin ich aktuell oder auch schon relativ lange neben natürlich Ihrem Podcast ein sehr großer Freund von dem Podcast Methodisch-Inkorrekt, weil das doch immer wieder hilft, um mal in komplett andere Themengebiete reinzuhören und über die Abstraktionen eventuell auch was für seinen eigenen Bereich zu lernen. Was Sie erwähnen hier im Podcast, packen wir natürlich in die Shownotes. Einfach mal draufklicken in Ihrer Podcast-App und dann haben Sie alle Informationen sozusagen auf den Fingertipp, sprich alle Verlinkungen etc.

pp. Wie immer, sämtliche Folgen sind natürlich auch auf unserer Webseite thematisch geordnet www.erp-podcast.de. Also bei uns kommt nichts weg. Der Podcast ERP soll auch ein bisschen Wissensbasis für die Zukunft für möglichst viele Unternehmen sein.

Wenn Sie sich jetzt mal in Ihre Berufswelt schauen, in Ihr Umfeld schauen und ich gebe Ihnen jetzt mal die Glaskugel an die Hand. Wie wird sich das ganze Thema ERP, wie wird sich Ihre Berufswelt in den nächsten 10 Jahren aus Ihrer Sicht verändern? Ich gehe davon aus, dass ERP wird viel mobiler und die Interaktionen werden dann auch, wie es jetzt schon aktuell daheim mit kleinen Hilfsmitteln geschieht, die Interaktionen werden dann weniger über Tastatur und Computer erfolgen, sondern dann auch schon eher in Richtung Sprachsteuerung. Und ja, ich hoffe auch da, dass die Automatisierung deutlich größer wird, deutlich mehr Bestandteil hat, dass der Mensch sozusagen nur agieren muss, wenn etwas nicht auf dem regulären Prozess erfolgt oder eher der Impuls für den Start von komplett neuen Prozessen ist.

Ich glaube, das war ein wunderschönes Schlusswort. Es bleibt spannend. Es wird sich auch weiterhin verändern.

Ich glaube, der Weg, kleinere funktionale Einheiten zu kapseln, wie es auch letztendlich das UDU-Ökosystem beschritten hat, kann ein sehr, sehr sinnvoller sein. Wie immer, ich danke Ihnen, Herr Duckstein, ganz, ganz herzlich für Ihre Zeit, für Ihre Gedanken auch zu diesem Thema Open Source ERP. Und natürlich, wie immer, mein Studiogast hat die letzten Worte.

Ich bin an dieser Stelle raus. Danke sehr herzlich, wünsche eine schöne Restwoche. Und die letzten Worte sind Ihre.

Auch von meiner Seite vielen Dank an Sie, Herr Winkelmann. Und natürlich auch an Sie, die Zuhörer, was ich gerne klar als Empfehlung mitgeben möchte, ist, ja, Open Source, hin oder her, das, wie gesagt, das hat seine Vorteile. Wir haben die Vorteile in jedem Fall erkannt.

Sie funktionieren auch für uns und unsere Kunden. Aber das kann man am Ende auch, ja, proprietär hat dann an anderen Stellen natürlich auch genauso seine Daseinsberechtigung und auch seine Vorteile. Was ich allerdings für wichtiger erachte, ist die Agilität.

Also das ist einfach ein Thema, das betrifft uns auch häufig oder, ja, schwingt uns häufig entgegen, dass bei der ERP-Implementierung der Wunsch ist, dass man, ja, ein großes Projekt aufzimmert, das natürlich auch mit dem Anspruch an Sicherheit und Ähnliches zu tun. Aber gerade in der heutigen Welt, in der Zeit, in der sich die, auch die eigenen Geschäftsprozesse wandeln, die, ja, die Entwicklung der Technologie voranschreitet, schnell voranschreitet, da halte ich Agilität einfach für besonders wichtig. Und deswegen finde ich es wichtiger zu sagen, ich beginne lieber mit einem Prototypen, lieber mit einem Experiment auf kleinerer Ebene und wachse dann organisch in meine Firma hinein, in mein Unternehmen, in den Geschäftsprozess, als wenn ich, ja, mir von vornherein mit dem Ist-Stand meinen ERP für in vier Jahren plane.

Weil, ja, ich glaube, das zeigt nicht zuletzt die aktuelle Krisensituation oder halt die aktuelle Situation, die anders ist als wie sie es vor einem Jahr war, dass sich auch in zwei, drei, vier Jahren auch ihr Geschäftsfeld geändert haben kann und auch die Anforderungen an ihre Prozesse und an ERP sich bis dahin gewandelt haben können. Und gerade da ist dann natürlich wichtig, wenn man, ja, mit einem agilen ERP, mit einem agilen ERP-Implementierungspartner unterwegs ist und dann auch auf die zukünftigen Herausforderungen entsprechend reagieren kann. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.