Gerade wenn man ERP-Auswahl macht ist das Thema Open Source bei vielen Mittelständlern präsent. Heute möchte ich ein bisschen in die Tiefe des Themas eintauchen und habe mir dazu den ERP-Experten Robert Duckstein zum Thema odoo Einsatz eingeladen.
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 130 Open Source ERP mit Odoo Ein Interview mit dem Geschäftsführer der Manatec GmbH, Robert Duckstein. Gerade wenn man ERP-Auswahl macht, ist das Thema Open Source bei vielen Mittelständlern präsent. Heute möchte ich ein bisschen in die Tiefe des Themas eintauchen und habe mir dazu den ERP-Experten Robert Duckstein zum Thema Odoo-Einsatz eingeladen.
Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Eine neue Woche, eine neue Folge. Heute begeben wir uns mal ein bisschen in die Welt von Open Source.
Ich werde relativ häufig gefragt, was ist das geeignete System? Das ist natürlich nie pauschal zu beantworten. Wir machen ja auch viel Softwareauswahl. Aber was sehr, sehr häufig von den Firmen, die auch fragen, was ist das richtige System, schon immer genannt wird, sind Open Source ERP-Systeme.
Und das ist für mich heute auch ein Grund, mir einen Gast einzuladen, der tief in der ERP-Szene verankert ist, der tief auch in der Open Source ERP-Szene verankert ist. Wir werden ein bisschen sprechen über Odoo. Ich freue mich, heute den Geschäftsführer von Manatec hier zu haben.
Herzlich willkommen im ERP-Podcast, Robert Duckstein. Vielen Dank für die Einladung. Ja, bevor wir in Medias Res gehen, zunächst mal, wer ist der Mensch, Robert Duckstein? Okay, vielen Dank.
Dann genau, kurz zu mir. Ich habe klassisch Wirtschaftsinformatik studiert und hatte dort dann auch zum Abschluss schon das erste Mal Berührung mit Open Source, weil meine Abschlussarbeit, da ging es dann um die Einführung von Open Source BI-Systemen in KMU-Unternehmen. Bin dann ein wenig beruflich umhergereist, hatte in der Softwareentwicklung, in der Teamleitung Projektmanagement und Qualitätssicherung gearbeitet und bin dann 2015 zur Manatec gekommen.
Ende 2015 eigentlich, um die Business Intelligence, Business Line aufzubauen. Aber dann haben wir relativ schnell mit dem damaligen Geschäftsführer einen Verantwortungswechsel sozusagen durchgeführt, sodass ich seit Anfang 2016 der Geschäftsführer der Manatec bin. Können Sie uns so einen bunten Strauß geben, was sind Ihre Leistungen, was macht die Manatec, wo sitzen Sie, wofür stehen Sie? Natürlich sehr gern.
Genau, die Manatec, ich muss zugeben, ich stelle sie fast immer unterschiedlich vor, weil die Leistungen kann man auch so von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus beleuchten. Wir sind prinzipiell erst einmal ein klassischer IT-Dienstleister aus Dresden. Wir sind eine Ausgründung aus der ARTS, was ein Personaldienstleister war.
Dort wurde das ERP-System Ordu eingeführt 2014-2015 und mit dem Know-how-Aufbau der internen IT-Abteilung und dem Bedarf am Markt, den der eigentlich immer gesehen hat, wurde dann die Manatec sozusagen ausgegründet, um auch dieses aufgebaute Know-how am Markt anbieten zu können. Aktuell sind unsere Haupt-Business-Lines auf jeden Fall das Ordu-System. Das heißt, da unterstützen wir bei Anpassungen, bei Implementierungsprojekten.
Wir sind in der Anforderungsanalyse der Prozesse, der Implementierung der Workshops und dann im Nachgang natürlich auch in der langfristigen Betreuung. Damit einhergehend sind wir natürlich ein Digitalisierungs-Dienstleister. Das bedeutet, wir müssen nicht immer das Riesen-ERP einführen, was von dem kleinsten Wareneingang bis zur letzten Maschine alles digitalisiert, sondern wir haben auch klassische kleinere Produkte, so etwas wie einfach nur eine Zeiterfassung, die über zum Beispiel ein Kartenlesegerät funktioniert, wo dann alles im ERP-System Ordu zusammenfällt.
Und genauso können da sozusagen die Teilbereiche rauspicken, die notwendig sind für den Anwendungsfall. Und zusätzlich sind wir natürlich auch noch ein klassischer IT-Infrastruktur-Dienstleister. Das kommt einfach aus der Geschichte heraus.
Und wir haben auch das Business Intelligence noch als Business Line, um bei größeren Datenmengen bei dem Zusammenspiel von mehreren Systemen auch zusätzlich mit unterstützen zu können. Okay, jetzt sitzen Sie in Dresden. Ich muss das eben erzählen.
Wir sind als Würzburger seit wenigen Tagen, Wochen ganz offiziell fast der Mittelpunkt der EU. Durch den Brexit hat sich das alles etwas verschoben. Das ist man als Dresdner typischerweise nicht.
Daher die Frage, sind Sie rein regional aufgestellt oder sind Sie deutschlandweit eigentlich in Mission, Datenfundament, BI, ERP unterwegs? Also mit der Infrastruktur-IT-Dienstleistung sind wir doch eher regional. Das ist ganz klar, weil da ist natürlich auch die physische Nähe wichtig. Bei dem ERP-Ordu-System, da sind wir eher in der Dachregion unterwegs als sogar nur deutschlandweit.
Das heißt, da ist es sowieso gewesen, dass die ersten externen Kunden auch wirklich eher im Bereich München-Hamburg saßen. Und von daher sind wir auch von vornherein schon sehr geprägt und erfahren, was das ganze Thema der remoten Kommunikation anbelangt. Also das bedeutet die Workshops, die Videokonferenzen und alles, das was jetzt ja auch immer mehr Bedarf erlebt sozusagen, das ist bei uns von Anfang an schon mit dabei gewesen.
Einfach wir sind nicht die, ja eventuell das, was das typische Bild des ERP-Consultants ist, dass wir montags irgendwo hinfahren und dann eine Woche beim Kunden oder vier Tage beim Kunden sitzen und dann am Donnerstagabend zurückfahren oder fliegen. Nein, es ist halt wirklich eher so, dass wir mit den Kunden die Workshops gezielt machen und dann lieber mehrere Zwei-Stunden-Workshops und die lassen sich auch perfekt über Videotelefonie abbilden. Und ja, wie gesagt, in den Zwei-Stunden, da ist man dann auch eher fokussiert und kann wirklich sehr produktiv die einzelnen Themen abarbeiten.
Sie haben ja durchaus eine Reihe von Mitarbeitern auf Ihrer Webseite, verraten Sie aber auch gleichzeitig, dass Sie als Unternehmen sehr erfolgreich sind und viele ausstehende Stellen haben. Ich betone das jetzt nicht so sehr, weil ich sage, bewerbt euch alle bei der Manatec, sondern weil wir natürlich ein Phänomen haben in Corona-Zeiten, den digitalen Unternehmen scheint es zurzeit relativ gut zu gehen, anders als dem produzierenden Mittelstand. Genau, also natürlich ist auch für uns Corona kein Normalzustand, das ist ganz klar.
Ich würde jetzt auch nicht sagen, dass es uns besonders gut geht. Es gibt zwar mehr Bedarf, unsere Kunden sind in den verschiedensten Branchen unterwegs, also das bedeutet natürlich auch, da gibt es gewisse Unsicherheiten, jetzt eventuell auch gewisse Wartestellungen, Vorsichtsstellungen, aber trotzdem mit dem aktuellen Digitalisierungsdruck, der natürlich dann auch wieder durch Corona verstärkt wird und auch der Ambition, die auch vorher schon in den Unternehmen zu sehen war, da ist es natürlich wirklich so, dass das ein Wachstumsmarkt ist und ja, dass es auch bei uns immer wichtiger wird, um die Qualität, die wir in den einzelnen Projekten beim Kunden auch in der langfristigen Betreuung, um die gewährleisten zu können, ist natürlich auch wichtig, dass wir da auch regelmäßig den Nachwuchs sozusagen aufbauen bei uns. Das heißt, Sie arbeiten sehr eng auch zusammen mit der Universität in Dresden.
Vermute ich jetzt mal, machen dort auch viele Projekte zusammen, nehme ich an? Projekte mit der Universität ja, zum Teil auch. Also an der Universität in Dresden gibt es zum Beispiel auch ein Planspiel mit verschiedenen ERP-Systemen, wo wir dann natürlich unterstützend zur Seite stehen, wenn es um die Odoo-Anwendung dieses Planspiels geht und werden auch ein paar andere Projekte schon mal angedacht, aber da gibt es momentan noch nichts, was konkret läuft. Aber was wir natürlich nutzen, ist der Standortvorteil mit der Technischen Universität Dresden hier vor Ort, dass wir auch viele unserer Mitarbeiter kennengelernt haben als Werkstudenten und dann mit dem fertigen Studium auch übernommen haben.
Derjenige, der das Planspiel übrigens mal nach Dresden gebracht hat, sitzt gerade vor Ihnen. Sehr schön, vielen Dank dafür. Gut, also heute wollen wir ein bisschen über Open Source reden, heute wollen wir ein bisschen über Odoo reden.
Ich habe es im Intro erzählt, also das Thema Open Source ist eigentlich immer in den Köpfen, gerade bei vielen mittelständischen Unternehmen. Was kann das Thema Open Source, was kann das Thema, ja bleiben wir vielleicht erstmal bei Open Source generell, leisten. Ist Open Source genauso leistungsfähig, wie das eine professionelle Software, in dem Fall ERP, sein kann? Also gut, um die Frage kurz zu beantworten, ja.
Und um vielleicht etwas weiter auszuholen, vielleicht der erste Punkt, ich muss mich selten dem Konkurrenzvergleich stellen, das ist vielleicht auch da der Vorteil, das ist dann auch eine Einstellungsfrage natürlich unserer Kunden. Viele unserer Kunden kommen wirklich zu uns, weil sie sich für Odoo entschieden haben und jetzt nur noch den passenden Dienstleister suchen. Und da finden sie dann die Manatec.
Und auf der anderen Seite, was die Leistungsfähigkeit anbelangt, Open Source bietet sehr viele Vorteile. Es bringt, oder dieses Odoo-System an sich bringt einige eigene Prozesse mit, viele eigene Prozesse, um Standard-Geschäftsvorfälle abzubilden. Und das auch wirklich auf einer sehr breiten Ebene.
Und andersherum haben wir über den Open Source-Charakter natürlich auch die Möglichkeit, dann jeweils individuelle Prozessausprägungen dem System beizubringen. Also von daher, ja, ein Open Source ERP-System kann das leisten, was ein proprietäres System leisten kann. Aber es hat natürlich auch vollkommen andere Stärken.
Also das heißt, ich muss nicht alles so restriktiv vorgeben, sondern ich kann auch etwas mehr, ja, beispielsweise Verantwortung oder Freiheit entweder in den Nutzer geben oder eben halt dem Implementierungspartner. Und was noch ein anderer, meines Erachtens auch sehr entscheidender Vorteil ist, ist natürlich auch die reduzierte Abhängigkeit. Also, ich meine, bei einem proprietären System, da gibt es dann vielleicht auch das Partnermodell.
Das heißt, man ist dann nicht von dem einzelnen Partner Manatec abhängig, sondern kann im Zweifel auch zu einem anderen gehen. Aber man hat trotzdem noch die Abhängigkeit von dem Hersteller des Hauptsystems. Und bei dem Open Source-System Odoo ist es ja jetzt so, wenn die Hauptunternehmung, die Odoo SA aus Brüssel, wenn die aus irgendeinem Grund sich überlegt, ab morgen will ich nur noch Scheibenwischer produzieren und ich lasse das ERP sein, dann haben wir ja trotzdem noch eine Open Source-Community von, ich glaube, aktuell vier Millionen Teilnehmern.
Und das Odoo-System wird trotzdem weiterentwickelt werden und auch weiter aktualisiert werden. Und damit hat man einfach eine Zukunftsfähigkeit, die es in proprietären Systemen nur bedingt gibt. Sie haben gerade schon die Muttergesellschaft vorgestellt.
Können Sie so ein bisschen die Historie vielleicht von Odoo beleuchten? Auch vielleicht sagen, wo ist das System stark? Wie vergleicht es sich auch mit anderen Systemen? Also ja, ein wenig. Das Odoo ERP-System, wie ich eben gerade schon sagte, wird grundlegend in Belgien und Brüssel entwickelt. Dort war es, glaube ich, initial Tiny ERP und dann Open ERP.
Und seit nunmehr sieben Jahren heißt es Odoo. Es gab auch zu Anfang nur die Open Source, die Community-Variante. Inzwischen seit, ich glaube jetzt fünf Jahren, gibt es auch ein zweites Lizenzmodell.
Das heißt, es gibt eine Enterprise-Variante und eine reine Community-Variante. Genau, das vielleicht einfach kurz zur Geschichte. Die Weiterentwicklung geschieht auch zum Großteil in Brüssel.
Und ja, die Stärken des Systems, das ist, glaube ich, wirklich schwierig, da mir da auch zum Teil der Vergleich mit anderen Systemen fehlt. Was ich behaupten würde, was ich kenne, respektive was ich auch erfahre von den Kunden, bei denen wir das System einführen. Das Odoo-System hat seine Stärken, seine Vorteile in der Kommunikationsplattform, die es ist.
Also man kann innerhalb des Systems mit Kollegen, mit Kunden, mit allen Partnern sehr einfach kommunizieren. Es hat den Vorteil, dass es zum einen zwar modular aufgebaut ist, das heißt, man kann es sich konfektionieren, so wie es für den Anwendungsfall, für die Unternehmung relevant ist. Zum anderen kommt es aber alles aus einer Hand.
Also das heißt, es ist kein zusammengekauftes System von Teilprozessen, wo irgendwann Odoo sein Farbschema drübergelegt hat, sondern die Art und Weise, wie die einzelnen Module arbeiten, die wiederholen sich. Und die findet man auch in anderen Modulen. Das bedeutet, der Mitarbeiter, der seinen Urlaub beantragen kann, der seine Zeiterfassung machen kann, der seine Projektzeiten eintragen kann, der wird sich dann genauso auch im Einkauf zurechtfinden in der Produktion oder meinetwegen im Außendienst, weil die Arbeitsweise von den einzelnen Modulen einfach immer wieder die gleiche ist.
Und ja, ich denke, das ist ein großer Vorteil, weil dann damit natürlich auch die Einarbeitungszeit der Mitarbeiter, der Kollegen entsprechend reduziert wird und auch effizient genutzt werden kann. Jetzt sind Sie ja nicht im luftleeren Raum sozusagen, sondern Sie haben ja auch immer Mitbewerber, die natürlich von Ihren potenziellen Kunden auch angeschaut werden. Können Sie so ein bisschen ein Gefühl geben, was sind typische Mitbewerber, die, wenn man in so einer Abwägung ist, immer wieder auftauchen? Also was letztens von einem Kunden gewünscht war, war der Vergleich zu Sage als ERP-System.
Und ansonsten sind es seltener ERP-Systeme, sondern eher spezifische Systeme, also dass man sich eher dem Mitbewerber eine Ring, Hubspot oder Salesforce stellen muss. Wo Odo natürlich, das muss man auch zugeben, dadurch, dass es ein generelles System ist, gibt es natürlich dann Player in den einzelnen Bereichen, die dort eindeutige Vorteile haben. Aber Odo gewinnt dann eben halt über die Breite der Integration, über die weiteren Anbindungsmöglichkeiten der anderen Unternehmensprozesse.
Also von daher ist es wirklich schwierig zu sagen, was jetzt die wirklich direkten Kompetitoren sind. Okay, auf der Webseite ist ja auch so ein bisschen dargestellt, rein funktional. Natürlich gibt es einerseits, das hatten Sie ja auch, den Warenwirtschafts-ERP-Bereich.
Andererseits aber auch ganz, ganz viele Funktionalitäten, die damit gar nichts zu tun haben, wie Veranstaltungsmanagement, auch CRM- und E-Commerce-Funktionalität, Personalrekrutierung, Terminplanung etc. pp. All das sind ja Dinge, sag mal, wenn man ein kleineres mittelständisches Unternehmen sind, die man sicherlich auch zusätzlich zu einer typischen ERP-Funktionalität benötigt, oder? Genau, also das ist halt dann auch häufig unser Anknüpfungspunkt, dass wir in kleineren, jüngeren Unternehmen, die ja eventuell die Start-up-Phase kurz gerade am Verlassen sind, dass dort entweder im Vorfeld verschiedene Insellösungen existieren oder eben halt die entsprechenden Excel-Listen dazu.
Und dass dann der Schritt zu einem erwachsenen ERP-System, dem Odoo-System, gegangen wird, weil man damit relativ viel abdecken kann. Und andersrum die Sachen, über die man sich im Vorfeld vielleicht noch keine Gedanken gemacht hat, weil es noch nicht notwendig war, dafür hat man aus Odoo-Sicht heraus dann auch immer gleich eine Lösung. Das spricht, glaube ich, genau diese zusätzlichen Funktionalitäten an, weil als Unternehmung, wenn ich meine Angebote rausschicken kann, mit meinen Kunden kommunizieren kann, meine Rechnungen rausschreiben kann, alles aus dem einen System, das hilft mir wirtschaften.
Aber um zu wachsen, brauche ich natürlich auch die neuen Kollegen. Und wenn ich dann in genau demselben System auch meine Personalausschreibung machen kann und verwalten kann, mit den Bewerbern kommunizieren kann, dann ist es für mich auch ganz natürlich, diese neuen Aufgaben sind für mich auch als junges Unternehmen im Zweifel gar nicht mehr so die Herausforderung, weil ich ja trotzdem schon auf das gewohnte Hilfsmittel zurückgreifen kann. Odoo besteht ja aus wahnsinnig vielen Apps.
Sei es im BI-Bereich, sei es mit Ebay-Anbindung, sei es Projektmanagement, sei es Google Analytics-Funktionalität etc. Also wahnsinnig viele Zusatzfunktionalität, die man an das System anflanschen kann. Die Frage an Sie als Experten.
Sie wissen als Beobachter des Podcasts, ich spreche immer gerne von dem Unternehmensdatenfundament, also dem Zusammenführen aller Unternehmensdaten in einem Topf sozusagen. Wie ist die Philosophie von Odoo? Sind das plötzlich ganz, ganz viele in Verbindung zueinander stehende Einzellösungen oder ist es tatsächlich ein Unternehmensdatenfundament, was ich mit dieser Lösung aufbaue? In Odoo, das ist definitiv einer der Vorteile, die Verbindung zwischen den einzelnen Applikationen. Und also der klassischste, der einfachste Fall ist wirklich, ich habe meine Kontaktdaten oder meine Kontakte, die Daten meiner Kontakte innerhalb des Systems und auf die kann ich natürlich von überall aus zugreifen.
Also wenn ich ein Angebot, eine Rechnung schreibe, dann kann ich auf dieselben Kontakte zugreifen, wie in dem Moment, wenn ich eine Angebotsanfrage, eine Beschaffungsanfrage an einen Lieferanten schicken möchte. Und Odoo arbeitet dahingehend so, dass die Daten in sich verknüpft sind und der Dreh- und Angelpunkt bei Odoo ist der Kontakt. Das heißt, ich kann zu jedem Partner mir anschauen, welche Projekte hatte ich mit dem Partner, wie viele Vertriebschancen gab es, wie viele Rechnungen wurden in welche Richtung auch immer gestellt.
Und diese Informationen konsolidiert Odoo zueinander. Die Firma sagt auf ihren Webseiten, dass sie über 900, ich weiß nicht, was es ist, Personen hat, die oder Mitarbeiter hat, die an dem System arbeiten oder mit dem System arbeiten. Das kann ich mir nicht so richtig vorstellen, weil ich es natürlich auch selber kenne, das System.
Und ich sage mal, ist natürlich auch immer ein Ordner zu anderen mittelständisch geprägten ERP-Herstellern oder Unternehmenssoftwareherstellern, die, wenn das tatsächlich die Realität wäre, sehr viel kleiner wären. Ich vermute mal, in dieser Zahl sind die ganzen Systemhäuser bzw. Partner mit eingerechnet, oder? Das muss ich zugeben, da bin ich gerade gar nicht aussagefähig.
Odoo SA, wenn die sagen, dass sie 900 Mitarbeiter beschäftigen, dann würde ich schon unterstellen, dass das auf die Mutterfirma sozusagen oder die Hauptfirma bezogen ist. Das Partnernetzwerk ist schon relativ groß, das Partnernetzwerk ist international und da wären 900 doch absolut nicht mehr ausreichend. Also dann ist das wahrscheinlich eher einfach der Fakt, dass natürlich die Mitarbeiter gemeint sind, die das System weiterentwickeln, zusätzlich der technische Support, der Vertrieb und dann eben halt auch diejenigen, die rausgehen zu den Kunden, um zu schauen, was die Anforderungen sind, was die Prozesse sind, die als nächstes, als neue Applikationen in das System kommen.
Stichwort Weiterentwicklung haben Sie selber gerade gegeben. Wer entwickelt das System weiter? Wie viel der Weiterentwicklung des Systems stammt tatsächlich aus zentraler Feder und wie viel machen Sie dann als Partnerunternehmen, um Ihre Kunden optimal unterstützen zu können? Also die generelle Weiterentwicklung über die verschiedenen Versionen, also jedes Jahr wird von Odoo selbst eine neue Version präsentiert mit manchmal größeren, manchmal kleineren Erweiterungen oder eher technischer Natur, dass die Prozesse vereinheitlicht werden. Es gab letztens, glaube ich, auch einen technischen Sprung der Python-Version, die zugrunde liegt.
Oder es gibt eben komplett neue Applikationen, die hinzukommen. Wie beispielsweise in der letzten Version kam ein Außendienstmodul und ähnliches, ein Verleihmodul hinzu. Und das sind dann die Weiterentwicklungen, die wirklich konkret von der Odoo-Firma kommen.
Diese können dann auch zum Teil aus der Community kommen, also sprich, das sind Entwicklungen innerhalb der Community geschehen, die dann in die Hauptversion mit aufgenommen werden. Und wenn es dann aber um die Weiterentwicklung beim Kunden geht, dann geht es daher wirklich um das Passgenau-Machen, das Anbinden von kundeneigenen Vorsystemen oder weiteren externen Systemen. Und das ist ein Teil unserer Arbeit als Partner.
Und da würde ich sagen, je nachdem, welche Arten von Prozessen abgebildet werden beim Kunden, kann man sagen, dass von Odoo sozusagen 95 bis 80 Prozent kommen. Und die letzten 10, 15, 20 Prozent, das ist dann praktisch genau das, was wir als Implementierungspartner mitentwickeln, weiterentwickeln, um dann die entsprechenden Schnittstellen aufzubauen. Jetzt haben Sie das beim Kunden eingeführt.
Sie haben selber individuelle Schnittstellen, individuelle Lösungen für den Kunden zur Verfügung gestellt. Ich werfe mal das Stichwort Releasefähigkeit an der Stelle ein. Wie stellen Sie sicher, dass das, was Sie machen, und zwar als letztendlich dezentrales Systemhaus, also weit entfernt von der eigentlichen Entwicklung des Systems, dann auch in der nächsten und in der übernächsten und der übernächsten Version tatsächlich noch funktioniert? Da gibt es grundlegend Vorgaben von Odoo selbst, wie die eigenen moduleigenen Applikationen entwickelt werden sollen.
Da halten wir uns natürlich dran. Und da haben wir natürlich auch einiges an Erfahrung. Das heißt, unsere Kunden, die vor fünf Jahren eine Anpassung, eine Weiterentwicklung durch uns erhalten haben, die sind inzwischen natürlich nicht mehr auf der Version von Odoo von vor fünf Jahren.
Das bedeutet, da haben wir dann auch schon zum Teil drei Migrationen bei Kunden vorgenommen, auch von den Softwarebestandteilen, die wir hier entwickelt haben. Und die Releasefähigkeit basiert dann zum Großteil auch auf der Modularität. Das heißt, da gibt es klare Anknüpfungspunkte, wo wir uns an bestehende Prozesse, an bestehende Datenmodelle ranhängen, um dann die Erweiterung der Funktionalität einzubringen in die Software.
Und die Aufwände können natürlich entstehen, wenn Odoo in genau diesen Bereichen Änderungen vornimmt. Aber das lässt sich durch die Erfahrung, durch die bisherigen Appentwicklungen, lässt sich das eigentlich weitestgehend verhindern. Das heißt, die Zukunftssicherheit ist analog zu Nicht-Open-Source-Systemen, kommerziellen Systemen durchaus gegeben? Grundlegend ja.
Ich frage mich gerade, ob es da überhaupt einen Unterschied gibt. Wenn ich ein kommerzielles System einsetze, entweder ich habe gar keine Änderungen daran, dann sollte natürlich die nächste Version einfach so funktionieren. Und dann kann ich nur hoffen, dass es keine Änderungen innerhalb der Datenstruktur gibt.
Aber dann bin ich natürlich auch dem Ganzen mehr oder weniger ausgeliefert. Und wenn ich aber Änderungen habe vornehmen lassen, respektive Erweiterungen, dann dürften die Herausforderungen bei einem proprietären System ähnlich sein für den entsprechenden Partner, der die Erweiterung vorgenommen hat. Also ich habe das Gefühl, wir haben uns gerade erst warm gesprochen.
Ich schaue wieder auf meine Uhr. Ich würde wahnsinnig gerne noch tiefer in das System einsteigen, funktional. Ich würde natürlich auch wahnsinnig gerne mit Ihnen über Geld an der Stelle reden.
Denn Open Source hat natürlich auch immer die Idee, zumindest im deutschen Mittelstand, man spart kräftig an der Stelle. Das würde ich gerne tun mit Ihnen. Und ich würde Sie gerne einladen, das mit mir in der nächsten Woche zu tun.
Wenn es für Sie recht ist, starten wir einen zweiten Teil dieser Episode und reden weiter über Open Source, ERP, Odoo und die Manatec GmbH. Ist das für Sie in Ordnung, Herr Duckstein? Natürlich, sehr gerne. Dann sehen wir uns nächste Woche wieder.
Herzlichen Dank und eine schöne Restwoche. Danke Ihnen, bis dahin. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.