Christoph Heinen ist begeisterter Hörer des ERP-Podcast.de und zugleich Leiter IT und Prokurist bei Bergolin. Mit ihm unterhalte ich mich über die IT-Herausforderungen im Mittelstand und in seinem Unternehmen, das von ihm eingeführte ERP-System Microsoft Dynamics NAV und die Möglichkeiten von Industrie 4.0.
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 116, zweiter Teil. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück, liebe Zuhörer, zu einer neuen Woche, zu einem zweiten Teil einer fantastischen Episode. Ich freue mich, dass ich Christoph Heinen hier habe.
Er ist Leiter IT-Controlling und Organisation bei Bergolin. Wir sind im Bereich der Farben und Lacke. Wir haben uns letzte Woche schon ganz viel unterhalten über die Branche, über deutsche Mittelstands-Champions, über den Veränderungsbedarf, über letztendlich auch die Einführung eines ERP-Systems bei Bergolin.
Und ich freue mich, wenn wir heute mit verschiedensten Themen dort wieder anknüpfen können. Herzlich willkommen hier zurück im ERP-Podcast. Christoph Heinen, herzlich willkommen.
Vielen Dank, Herr Professor Winkelmann. Mögen Sie ganz am Anfang, wir sind eine Woche weiter, nochmal kurz sagen, wer ist der Mensch Christoph Heinen, was machen Sie und wer ist Bergolin? Ja, ich bin 43 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, bin gebürtiger Rheinländer und arbeite jetzt schon längere Zeit im Großraum Bremen. Dort arbeite ich für die Firma Bergolin und bin dort für die IT verantwortlich, allerdings auch für das Controlling, die Gesamtorganisation und auch das Qualitätsmanagement.
Und kümmere mich dort um verschiedene Belange. Bergolin selber ist ein mittelständischer Hersteller von Beschichtungsstoffen, von sehr speziellen Beschichtungsstoffen, welche häufig in der Windkraftindustrie eingesetzt werden, speziell die Rotorblätter, allerdings auch in der Automobilindustrie und ist 1909 gegründet worden. Nicht mehr ganz ein Start-up, hat ca.
120 Mitarbeiter mit Niederlassungen in Polen und in China. Darüber hinaus ist Bergolin allerdings auf allen Weltmärkten aktiv und besitzt dementsprechend eine verhältnismäßig hohe Exportquote. Das ist ja jetzt etwas, was so eine klassische Herausforderung im Mittelstand ist.
Also wir sind irgendwo in Deutschland vom Headquarter, aber zunehmend auch in anderen Ländern unterwegs, zunehmend weltweit im Export unterwegs. Wir haben letztes Mal gesagt, Sie haben ein PIM-System, mit dem Sie also auch Dokumente in Chinesisch und in verschiedenen anderen Sprachen sofort auf Knopfdruck realisieren können. Das macht es natürlich, wenn man so ein neues ERP-System einführt.
Sie haben Microsoft Dynamics NAV, also Navision, 2014 eingeführt. Macht es natürlich sehr, sehr schwierig, in der Auswahl ein System zu finden, was auch diese Internationalität mitgeht, oder? Absolut. Das sind also auf jeden Fall Aspekte, die man bei der Auswahl des ERP-Systems ganz besonders beachten muss und dort auch eine geeignete Entscheidung treffen muss.
Okay, Sie haben sich damals entschieden für Microsoft. Da habe ich noch mal eine Frage, das wird den einen oder anderen sicherlich auch interessieren. Microsoft verändert ja gerade sehr stark sein Produktportfolio.
Microsoft geht jetzt komplett in die Cloud. Auch eine Frage im Mittelstand. Microsoft verändert seine Architektur.
Wie viel kriegen Sie mit? Wie viel Zwang haben Sie letztendlich auch, das mitzugehen? Oder wo sagen Sie vielleicht auch, super, endlich geht es in die richtige Richtung? Also definitiv bin ich der Meinung, dass es in die richtige Richtung geht. Die Veränderungen, die Microsoft angestoßen hat mit dem Fokus Cloud-Technologie, ist meines Erachtens nach genau richtig. Den Aufwand ERP-Systeme lokal zu betreiben, den sehe ich zukünftig nicht sehr vorteilhaft an.
Ich glaube, dass das Dinge sind, die in der Cloud wesentlich besser umgesetzt werden können und dann auch entsprechend mit einem günstigeren Betrieb im Unternehmen dargestellt werden kann. Von daher bin ich da tatsächlich sehr angetan. Und mein persönlicher Plan ist auch, dass ein etwaiges Update unserer On-Premise-Installation tatsächlich dann auch in die Cloud gehen würde.
Also ich bin da ein großer Fan von und denke, dass diese Lösungen doch die meisten Vorteile in sich vereinen kann. Okay, Sie haben viele, viele Jahre diese Vorteile für sich realisiert. Sie sind angekommen in dem großen Buzzword Industrie 4.0. Ich kitzle gleich mal raus, was das für Sie auch bedeuten mag.
Stehen Sie damit in Ihrer Branche noch alleine da oder haben Sie da ganz viele Mitstreiter, die auch aufgewacht sind, die auch die Vorteile nutzen wollen für den Farben- und Lackebereich? Also gefühlt ist in unserer Branche das Thema Digitalisierung in der Praxis bislang nicht so betrieben worden wie in anderen Branchen. Die Lackindustrie ist eine sehr traditionelle Branche, die sich da glaube ich etwas schwerer tut. Es ist allerdings mittlerweile so, dass man doch feststellen kann, dass das Interesse natürlich rapide steigt.
Die Medien berichten eigentlich durchgängig immer wieder von der Notwendigkeit der Digitalisierung und welche Ergebnisse die Digitalisierung in manchen Branchen schon hervorgebracht hat. Das heißt, es geht auch natürlich in der Chemieindustrie mittlerweile los. Allerdings könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das Tempo doch noch drastisch erhöht werden könnte.
Denn da machen uns andere Branchen glaube ich doch vor, wie es gehen könnte. Ich selber bin da ein großer Verfechter dieser agilen Digitalisierung, aber ich glaube das ist nicht bei allen so. Sie haben ja Ihre ganz eigene Agenda sich aufgebaut, was Sie erreichen wollen als Bergolin, wie Sie das Thema Industrie 4.0 aufbauen wollen.
Vielleicht können Sie so ein paar Beispiele mal herausgreifen, was bedeutet Digitalisierung für Sie, wo an welchen Stellen können Sie einfach den Nutzen ziehen? Digitalisierung für sich natürlich im Verwaltungsbereich, glaube ich, ist ja relativ klar, hier auch im Rahmen des ERP-Podcasts. Über die Verwaltungsaufgaben hinaus kommt natürlich das Thema Industrie 4.0 ins Spiel. Ich glaube tatsächlich, dass sich auf Dauer diesem Thema kein Unternehmen entziehen kann, sei es jetzt in der Produktion oder im reinen Handel.
Die Möglichkeiten, die diese Welt bietet, werden doch glaube ich schnell Normalität werden, in vielen Branchen und in vielen Geschäftsbeziehungen. Von daher denke ich, dass sich die Unternehmen dem nicht entziehen können und früher oder später den Druck auch spüren werden, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich selber habe für Bergolin im Rahmen von Industrie 4.0 drei Initiativen gestartet.
Ich habe mir also überlegt, welche Disziplinen innerhalb der Industrie 4.0 können für ein mittelständisches Unternehmen der Lackindustrie sinnvoll angewendet werden und habe also festgestellt, dass es da eine ganze Reihe außerordentlicher Möglichkeiten gibt. Das erste Projekt war der Einsatz von Augmented Reality im Produktionsprozess. Dazu muss man wissen, dass in der chemischen Industrie, wenn es jetzt eben keine Großchemie ist, eben doch viele Produktionsprozesse händisch durchgeführt werden durch einen Mitarbeiter.
Und diese Arbeit findet natürlich in einer Umgebung statt, die etwas komplizierter ist als ein typisches Lager zum Beispiel. Die Mitarbeiter in der Herstellung tragen schwere Schutzkleidung, um sich vor den Gefahrstoffen zu schützen und müssen in der Regel bestimmte Rezepturen abarbeiten. Bislang gibt es dort die traditionelle Möglichkeit, einen Produktionsauftrag in Papier auszudrucken und der Mitarbeiter signiert dann die einzelnen Produktionsschritte mit einem Stift oder mit einem Stempel etc.
Dann gibt es manche Lösungen, wo entsprechende Industrie-Terminals zum Einsatz kommen, die allerdings auch noch nicht der weiße letzter Schluss sind, meines Erachtens nach, weil eben die Bedienung von solchen Terminals mit Handschuhen, die auch nicht immer ganz sauber sind, auch nicht immer ganz sauber sein können und in Verbindung mit so einem Terminal natürlich schnell dazu führt, dass die Bedienung sehr schwierig wird, beziehungsweise die Oberflächen ständig verschmiert sind etc. Als Microsoft damals die HoloLens-Technologie vorgestellt hat, ist mir eigentlich relativ schnell in den Sinn gekommen, dass das grundsätzlich eine Lösung ist, die ganz viele Probleme in diesem Produktionsprozess lösen kann. Bei der HoloLens-Technologie handelt es sich eben um Augmented Reality, also eine Datenbrille, die künstliche Inhalte in das normale Sichtfeld einblendet.
Und die Brille ist unter anderem auch Sprachen und Gesten steuerbar. Und vor allem letzteres, also das Steuern per GESIC, ist in unserem Anwendungsfall eben eine ganz spannende Geschichte. Wenn man sich also vorstellt, dass der Mitarbeiter auf dem Papier die Arbeitsanweisung abliest und später mit einem Stift signiert, so ist es möglich, dass mit der HoloLens-Technologie dem Mitarbeiter die Arbeitsanweisung direkt ins Sichtfeld eingeblendet wird und er die Abarbeitung dieses Schrittes dann auch zum Beispiel mit einer GESIC bestätigen kann.
Mit dieser Hands-free-Thematik haben wir dann natürlich die Möglichkeit, diesen Produktionsprozess wesentlich schlanker zu gestalten, auch einfacher für den Mitarbeiter. Und ganz nebenbei können wir natürlich auch verschiedene Aspekte der Sicherheit dort noch ganz anders unterbringen. Also Beispiel, wenn ein Mitarbeiter bei einem bestimmten Rohstoff eine zusätzliche Maske tragen muss, das kommt leider vor, dann kann die Software eben hingehen und kann sagen, lieber Mitarbeiter, als nächstes kommt ein Rohstoff dran, für den du eine spezielle Schutzausrüstung tragen musst, hast du diesen speziellen Staubfilter nun aufgesetzt.
Das kann dann der Mitarbeiter eben bestätigen, dann geht es weiter oder er kann eben nicht bestätigen, dann geht es nicht weiter. Also von dem her bietet diese Augmented Reality, diese Datenbrillen einen unschätzbaren Fortschritt in diesem Prozess. Jetzt ist es leider so, dass die Hardware, die bislang käuflich erwerbbar ist, nicht für den gewerblichen Einsatz geeignet ist.
Das mag in einem Architektenbüro, mag diese Brille funktionieren, aber im harten gewerblichen Einsatz, acht Stunden am Tag, so weit ist die Brille, also diese Hardware speziell jetzt noch nicht. Hinzu kommt, dass wir natürlich in der chemischen Industrie noch das Problem haben, dass wir häufig X-Bereiche haben, also Explosionsreiche, wo Elektronik nochmal speziell gesichert werden muss, damit diese Hardware dann auch sicher betrieben werden kann. Und diese Hardware ist leider bislang am Markt nicht verfügbar.
Von dem her ist es bislang eben bei einem Software-Prototypen geblieben. Ist das gleichzeitig ein Aufruf auch an die Hardware-Hersteller, vielleicht auch an die Software-Hersteller, viel, viel mehr noch in die Entwicklung derartiger Bereiche reinzugeben? Absolut. Also gerade was Virtual und Augmented Reality betrifft, habe ich doch den Eindruck, dass die Hersteller im Moment eher den Consumer-Markt im Blick haben.
Für Kunden, die diese Geräte eher zum Spielen einsetzen, wobei eigentlich die grundsätzliche Einsatzfähigkeit oder die Nutzbarkeit im gewerblichen Bereich gegeben ist und da natürlich auch große Stückzahlen eigentlich realisierbar wären, meines Erachtens nach. Also von daher, wenn geeignete Hardware-Hersteller hier gerade zuhören, möchte ich Sie dringend ermutigen, sich diesem Thema anzunehmen. Ich bin ja als Professor immer so ein bisschen dabei, natürlich auch den theoretischen Unterbau, den abstrakten Unterbau zu betrachten.
Wir haben in der Digitalisierung eigentlich so drei Phasen. Ich nehme es ja auch so ein bisschen bei Ihnen wahr. Die erste Phase, wo man digitales IT nutzt, um vielleicht nur zu automatisieren, bisschen was zu rationalisieren, besser skalieren zu können, Gefahrgut abzusichern und so weiter und so fort.
Sie kommen langsam in eine zweite Phase rein, wo Sie sagen, ich schaue mich jetzt um, Stichwort Industrie 4.0, an welchen Stellen können wir mit zusätzlichen Dingen vielleicht die Prozesse ganz anders gestalten, noch besser zu gestalten. Und dann gibt es eine dritte Phase. Ich glaube, man muss die ersten beiden aber auch zwingend durchlaufen, nämlich der Aufbau von ganz neuen Geschäftsmodellen, die sicherlich auch auf den Daten basieren.
Sind Sie da auch schon unterwegs, dass Sie sich überlegen, was kann ich mit den Daten zusätzlich machen, welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für uns? Absolut. Also definitiv macht Industrie 4.0 nur Spaß, wenn man vorher im Unternehmensdatenfundament seine Hausaufgaben gemacht hat. Wenn man also eine Stammdatenlandschaft hat, die mehr schlecht als recht dem aktuellen Geschäft gerecht wird, dann wird es mit der zunehmenden Komplexität von Industrie 4.0 sicher eher schwieriger.
Von dem her auch da meine Erfahrung, dass diese Hausaufgaben zunächst einmal gemacht sein müssen. Mit einem geeigneten Unternehmensdatenfundament ist es eigentlich so, dass dann auch Zug um Zug immer mehr Daten entstehen, Informationen entstehen, die zuvor einfach nicht verfügbar waren. Und die lassen sich tatsächlich auch wunderbar dann mit der Disziplin KI, also Künstliche Intelligenz, auch nutzen.
Das ist in unserem Fall auch so. Wir erzeugen heute deutlich mehr Informationen entlang, oder man muss es korrekt sagen, wir erzeugen wesentlich mehr Daten entlang verschiedenster Prozesse im Wertschöpfungsprozess. Das fängt in der F&E an, geht speziell über die Produktion und den Qualitätssicherungsprozess insbesondere, sodass man die darin verborgenen Informationen und Erkenntnisse fürs Unternehmen wunderbar mit dem Instrument der KI eigentlich bearbeiten kann.
Und aus dem Grund ist die KI auch eines dieser Industrie 4.0 Projekte, die wir betreiben, wo es eben darum geht, aus den Produktions- und QS-Daten Optimierungen für den laufenden Produktionsprozess heraus zu entwickeln. In diesem ganzen Prozess, den Sie durchlaufen, haben Sie mal für sich selber, wenn man mal fünf Minuten Ruhe hat, was selten vorkommt, aber manchmal ja doch, geschaut, angefangen von 2009 oder meinetwegen ERP-Einführung in 2014. Wie viel produktiver ist das Unternehmen dadurch geworden, dass Sie einfach immer mehr Richtung digitale Unterstützung drängen an der Stelle? Das habe ich tatsächlich eh ausgewertet, dazu hatte ich nie Zeit.
Ich glaube das, aber vielleicht können Sie was sagen, so ein Gefühl. Ja, es ist mehr als ein Gefühl. In meiner Funktion habe ich natürlich viel Kontakt mit den Mitarbeitern und da erlaube ich mir einfach auch regelmäßig die Nachfrage bei Mitarbeitern, die sowohl die alte Welt kannten als auch die neue Welt und frage dort auch immer wieder nochmal nach.
Könnt ihr euch heute nach all den Vorbehalten, die es damals gegebenenfalls gegeben hat, vorstellen, nochmal so zu arbeiten, wie es vorher war? Und da bekomme ich unisono das Feedback, dass das unvorstellbar wäre und dass man das nicht nur nicht möchte, sondern auch gar nicht mehr könnte. Denn die Arbeit damals war natürlich dadurch geprägt, wie gesagt, man hatte das ERP-System, das wie eine Schreibmaschine funktionierte und es gab eben ganz viele Informationen, die in den Köpfen der Mitarbeiter waren. Diese Informationen waren aber eher belastend, weil es eben immer darum ging, wenn der Mitarbeiter nicht daran denkt, dieses und jenes nach jener Art zu machen, dann funktioniert der Prozess nicht.
Die Digitalisierung, wie wir sie vorgenommen haben, hat eigentlich dazu geführt, dass sich die Mitarbeiter viel mehr darum kümmern können, was ihr eigentlicher Job im Unternehmen ist und kein einziger Job ist durch die Einführung des ERP-Systems entbehrlich geworden. Die Menschen kümmern sich einfach viel mehr um ihre eigentliche Tätigkeit. Und ja, von dem her ist das für mich der stärkste Indikator dafür, wie so eine Einführung eines ERP-Systems mit der richtigen Philosophie dahinter, mit dem richtigen Datenfundament dahinter, ein Unternehmen, das egal wie konservativ es ist, eben in die bessere Zukunft führen kann.
Ich ergänze nochmal, vielleicht auch abschließend, bevor wir das Blitzlicht nochmal auf Sie lenken. Sie sind ja gleichzeitig auch Geschäftsführer der chinesischen Tochter von Bergolin. Nun stand der Aufnahme Ende Januar eine riesen Problematik, die wir auf dem chinesischen Markt haben.
Hilft Ihnen die Digitalisierung, hilft Ihnen die zusätzliche Transparenz an solchen Stellen vielleicht auch mit solchen, ich denke mal, das wird bei Ihnen auch der Fall sein, Krisenszenarien umzugehen und vielleicht das Beste aus diesem schlechten Szenario, das wir gerade haben weltweit, zu machen? Ja, definitiv. Also generell hat man natürlich das Problem, wenn man Niederlassungen hat, die nicht gerade um die Ecke sind. In diesem Fall China hat man normalerweise eben einen Geschäftsführer, der vor Ort ist.
Wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht der Fall ist, hat man natürlich, stellen sich ganz viele Fragen, wie Führung funktioniert etc. Und da sind natürlich die Dinge, die wir da in der Vergangenheit gemacht haben, genau richtig und jetzt auch hilfreich. Sei es eben was die Transparenz der reinen Zahlen betrifft, allerdings auch eben und insbesondere die Kommunikation.
Ein Gespräch per Skype ist heute kein Problem mehr. Es ist mittlerweile ja von sehr, sehr guter Qualität, sodass solche Dinge eben auch gut funktionieren. Und natürlich im Zusammenhang mit der Situation gerade in China, ist es natürlich so, dass ein Mehr an Kommunikation dann natürlich auch hilfreich ist und vonnöten ist.
Und das funktioniert eben mit der Technik ganz gut. Erst recht, wo im Moment eben niemand gerne ins Flugzeug steigen würde, um dorthin zu fliegen. Also es bleibt spannend.
Ich glaube, wir haben eine ganze Reihe von Digitalisierungspotentialen, vielleicht auch als Anregung für den einen oder anderen heute gehört. Dafür möchte ich Ihnen ganz, ganz herzlich danken. Ich würde gerne nochmal sozusagen abschließend in die Blitzlichtrunde einsteigen, ein bisschen was über Sie erfahren.
Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie letztendlich seit vielen Jahren bereit sind und was Sie vielleicht auch immer noch mehr werden innerhalb des Unternehmens? Also diese Frage habe ich mir auch vor einiger Zeit mal gestellt und dabei ist mir aufgefallen, dass ich glaube ich seit frühester Kindheit eine hohe Affinität zu Datenbanken hatte und weiterhin habe. Das heißt, dass das Erfassen von Informationen, das Ablegen von Informationen, das mir tatsächlich seit frühester Kindheit sehr viel Freude bereitet, als ich mit meinem C64 erste Programmierversuche unternommen habe. Von dem her glaube ich, ist das eine generelle Neigung auch, die eigentlich zu meinem heutigen Beruf geführt hat.
Okay, diese Neigung. Können Sie so ein bisschen einordnen, gab es da eine Phase, wo Sie sagen, das war mein größter beruflicher Erfolg bisher? Also der berufliche Erfolg, als größten beruflichen Erfolg betrachte ich tatsächlich die gesamte Transformation meines derzeitigen Arbeitgebers. Ja, ich glaube, da kann man auch sehr stolz drauf sein, wenn man in eine Abteilung reinkommt und die Leute sagen, ich war derjenige, der eigentlich dagegen war, aber mittlerweile, ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.
Ja, das hört man gerne. Jetzt sind Sie natürlich damit in einer Branche, die sich permanent verändert und das nicht nur auf technischer Ebene, sondern es gibt ja auch viele Aspekte aus ganz anderen Bereichen. Gibt es beruflich oder privat ein Buch, was Sie den Zuhörern besonders empfehlen können? Also zurzeit lese ich ein Buch, was mir sehr gut gefällt, obwohl ich noch nicht ganz am Ende bin.
Es nennt sich Reinventing Organizations von Frederic Leloux und dort geht es um sinnstiftende Organisationen. Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde. Darüber hinaus, wenn Sie Ihren Tagesalltag anschauen, wo informieren Sie sich, wo bilden Sie sich weiter? Gerne auch online? Ja, definitiv zum sehr großen Teil online, wenn nicht sogar der überwiegende Teil.
Da gibt es natürlich mannigfaltige Quellen, tatsächlich vom unrühmlichen YouTube bis hin zu verschiedenen Blogs aus dem Bereich der Business Software. Da jetzt einen Einzelnen zu nennen, das könnte ich jetzt gerade gar nicht. Wenn Sie sich jetzt Ihr Unternehmen, Ihre Berufswelt anschauen in den nächsten zehn Jahren, wie schätzen Sie, verändert sich das? Ja, ganz klar wird die Digitalisierung weiter fortschreiten.
Es wird immer mehr darum gehen, Prozesse effizienter zu gestalten. Ich glaube, dass die künstliche Intelligenz dabei eine ganz wesentliche Rolle spielen wird, die die Mitarbeiter von bestimmten lästigen Tätigkeiten ablösen wird oder zumindestens dort unterstützen wird. Das ist wahrscheinlich auch ein Plädoyer an die Softwarehersteller, in diese Richtung weiterzudenken.
Ich kann sagen, Sie tun es. Ich bin gerade mit vielen, vielen, vielen im Gespräch. Aber abschließend, Sie haben jetzt die Chance, den Herstellern auch etwas mit auf den Weg zu geben.
Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen von Unternehmenssoftware heute und zukünftig natürlich ganz besonders? Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich eigentlich mit unserem eingesetzten ERP-System sehr, sehr zufrieden bin. Die Flexibilität, die das System ermöglicht, da bleiben eigentlich für uns keine größeren Fragen oder Probleme offen. Was ich mir im ERP-Bereich manchmal wünschen würde, wäre eine Herangehensweise, die hauptsächlich aus dem CRM-Bereich bekannt ist.
Dass bestimmte Entitäten hilfsweise, also wenn sie jetzt nicht zu großen Einfluss auf irgendwelche Buchungsmechanismen haben, eben auf bequeme Art und Weise selber mit einfachen Tools hergestellt werden könnten. Das wäre etwas, was ich manchmal ganz sinnvoll fände. Ja, und die weitere Entwicklung in Richtung Cloud ist natürlich ein Schlüsselfaktor, den aber, glaube ich, auch alle Softwarehersteller schon längst begriffen haben.
Von dem her wären das eigentlich so meine wesentlichen Punkte. Okay, also wir werden das entsprechend in die Shownotes hineinpacken. Ich habe gerade einige Folgen, die mir so durch die Synapsen gehen, die hier zu den Themen, auch zum Thema Cloud, was Sie gerade angesprochen haben, durchgehen. Ich glaube, wir haben eine sehr, sehr spannende Reise durch Ihr Unternehmen.
Ich glaube, wir haben eine sehr, sehr spannende Reise durch die Digitalisierung erlebt. Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bedanken. Für mich persönlich war es sehr interessant, so ein bisschen die Motorhaube im Bereich von Farben und Lacken heben zu können heute mit Ihnen und letzte Woche mit Ihnen.
Ich darf mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen herein bedanken für dieses Spannende, für dieses hochinteressante Interview. Wie immer, die letzten Worte hat natürlich mein Studiogast. Ich bin an dieser Stelle raus, sage noch einmal Dankeschön, wünsche eine schöne Restwoche und ich übergebe das Wort gerne noch einmal an Herrn Hain.
Vielen Dank. Ja, auch ich möchte mich bedanken. Ich hoffe, dass der ein oder andere Punkt, der mir im täglichen Arbeiten häufig unter den Nägeln brennt, rübergekommen ist und ich vielleicht die ein oder andere Inspiration liefern konnte.
Ansonsten nochmal herzlichen Dank, Herr Professor Winkelmann, für die Einladung. Ja, ich danke. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Untertitel der Amara.org-Community