Wie gehen Handwerker eigentlich mit der Digitalisierung um? Im Gespräch mit Tino Barnickel vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk der Handwerkskammer für Oberfranken gehe ich auf die Herausforderungen aber auch Lösungsansätze ein.
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 115. Digitales Handwerk, ein Interview mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk der Handwerkskammer Oberfranken, Tino Barneckel. Wie gehen Handwerker eigentlich mit der Digitalisierung um? Im Gespräch mit Tino Barneckel vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk gehe ich auf die Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze ein.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Liebe Zuhörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Ich freue mich, dass wir auch diese Woche wieder einen wirklich spannenden Gast hier im Studio haben. Mal eine ganz andere Betrachtung von Digitalisierung.
Wir wollen ein bisschen über Handwerk sprechen. Wir wollen ein bisschen über digitales Handwerk sprechen. Und ich habe mir jemanden ins Studio eingeladen, der direkt von der Handwerkskammer auch kommt.
Das wäre an sich schon interessant. Aber er betreibt dort eben noch das Projekt Digitales Handwerk im Auftrag des Bundesministeriums. Und was er macht und wer er ist, das wird er uns jetzt gleich selber sagen.
Ganz herzlich willkommen hier im Studio Tino Barneckel von der Handwerkskammer für Oberfranken. Herzlich willkommen. Ja, hallo, ich bin Tino Barneckel.
Vielleicht zunächst mal die Frage, wer ist der Mensch Tino Barneckel? Ich habe sie eben schon angekündigt. Sie sind ja nicht jemand, der rein in der Verwaltung gearbeitet hat, sondern Sie haben ja ganz viel in Projekten in der freien Wirtschaft auch gearbeitet, bevor Sie an die Handwerkskammer gekommen sind. Ja, richtig genau.
Also von der Ausbildung her habe ich im Handwerk gelernt, bin Bauzeichner, Bautechniker, habe auch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung dazu und unterstütze jetzt mit meinem Wissen letztendlich das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk bei uns an der Handwerkskammer für Oberfranken mit dem Schwerpunkt Fertigung und Automatisierungstechnologien. Und da fällt auch das Thema ERP-Software, Beschaffung und so weiter gut mit drunter. Vielleicht klären wir zunächst mal, was ist die Aufgabe, weil nicht jeder, der diesen Podcast hört, natürlich aus dem Handwerk kommt.
Was ist die Aufgabe einer Handwerkskammer? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Genau, also die Aufgabe letztendlich ist es, die Handwerksbetriebe zu unterstützen. Hier bei uns am Projekt speziell im Thema der Digitalisierung. Das kann losgehen mit, wie richte ich meinen Arbeitsplatz, meinen digitalen Arbeitsplatz ein? Macht ein Monitor Sinn oder vielleicht sollten es zwei sein? Es geht über Datensicherheit.
Wann muss ich sichern? Wie muss ich sichern? Bis hin zur Beschaffung von digitalen Hilfsmitteln, ob es ein Laserentfernungsmessgerät ist oder eine Verwaltungssoftware für die verschiedenen Baumaschinen bis hin zur ERP-Software zum Beispiel. Wir bearbeiten aber auch die Themen der additiven Fertigung, um auch hier unterstützende Hilfe letztendlich zu leisten. Okay, also jetzt haben Sie ganz viele digitale Technologien eigentlich genannt, die in manchen Branchen gang und gäbe sind, wo die Unternehmen auch entsprechend groß sind, um sich Unterstützung zu holen, um sich beraten zu lassen, um Dinge einzuführen.
Ist das vielleicht eine Besonderheit des Handwerks, dass man typischerweise kleinere Organisationsstrukturen hat und diese Organisationen auch noch gar nicht so weit sind in der Digitalisierung? Ja, das ist leider so. Es gibt viele Handwerksbetriebe, die von fünf bis vielleicht zehn Mitarbeitern recht kompakt aufgestellt sind. Also es gibt den Chef, der zum Teil mitarbeitet.
Die Handwerker an sich können ihren Beruf super gut ausführen, wissen genau, was sie zu tun haben von den Handhabungen der Werkzeuge. Und wenn es dann in die Digitalisierung geht, ist man oft ein bisschen vorsichtiger, wie man an das Thema rangehen möchte und ist auch von der Mannschaft her nicht so aufgestellt, wie es jetzt bei Unternehmen der mittleren oder ganz großen Betrieben letztendlich der Fall ist. Es gibt keine EDV-Abteilung, keine spezielle Struktur dahinter, die das abbilden kann.
Im Handwerk, vor allem bei den kleinen Betrieben, machen viele Aufgaben vielleicht nur der Betriebsinhaber mit seiner Frau, gerade was die administrativen Tätigkeiten angeht. Und somit ist auch das Wissen in die Digitalisierung bei einem Mal besser ausgeprägt und beim anderen Mal eher weniger. Und da versuchen wir eben die Bestimmung zu leisten mit unseren Arbeiten.
Was ist für den Handwerker der größte Hemmschuh bei der Digitalisierung? Ist es das Wissen, was vielleicht gar nicht vorhanden ist? Ist es die Zeit, die nicht vorhanden ist, um die Axt zu schärfen, statt in den Wald zu gehen und Bäume zu hacken? Oder sind es die finanziellen Ressourcen, um überhaupt in digitale Technologien zu investieren? Puh, das ist schwer zu beantworten. Es ist vielleicht von jedem etwas. Im Moment ist es gerade so, dass auch oft die Zeit fehlt, den Schritt in die Digitalisierung zu gehen, weil es ja doch auch eine gewisse Art der Umstellung bedeutet, die Arbeitsweisen vor allem umzustellen.
Und da habe ich einmal den Faktor Mensch, wo die Mitarbeiter nicht unbedingt gewillt sind, jetzt ihre Arbeitsweise umzustellen. Und auch die Zeit letztendlich fehlt, die Arbeitsweise umzustellen. Es ist aber auch das Thema Wissen und das Thema Geld ein Teil, die den Handwerker davon abhält, den Schritt zu wagen und auch zu verstehen, was ist eigentlich Digitalisierung und kann ich das auch in kleinen Schritten zum Beispiel tun? Ich muss ja nicht immer den großen Schritt zuerst machen.
Es gibt ja viele kleine Schritte, die mich in ein paar Jahren auch dahin bringen, wo ich hinkommen muss in die Digitalisierung. Können wir mal so ein typisches Beispiel machen für einen Handwerker, vielleicht auch für die Anforderungen, die heute an Handwerker gestellt werden, die mit Digitalisierung umgesetzt werden können? Ja, ein typisches Beispiel ist zum Beispiel der Maler, der vom Kunden angerufen wird. Also stellen Sie sich vor, der Kunde denkt sich, Mensch, ich möchte gerade mein Wohnzimmer neu gestaltet haben, vielleicht mit einer besonderen Farbe oder es muss ja keine neue Tapete sein, es kann ja auch nur eine Farbgestaltung an der Wand sein.
Er ruft den Handwerker an und der Handwerker sagt, ja, kein Problem, komme ich nächsten Donnerstag vorbei, schaue mir das an. Da geht es dann schon los, wie notiert er sich seinen Termin? Also der Handwerker, meistens auf einem Zettel, der Zettel liegt im Auto und wenn es ganz dumm läuft, ist der Termin verpasst. Davon gehe ich jetzt einfach mal nicht aus, weil die Handwerker wissen, was sie tun.
Also steht er dann am Donnerstag bei mir in der Wohnung und schaut sich die Wand an und ich sage, Mensch, ich hätte genau gerne diesen Farbton bei mir an der Wand. Was kostet es mich? Wann kannst du es machen? Und kannst du mir auch diese Farbe mischen, die ich jetzt zum Beispiel hier als Sofakissenfarbe vorliegen habe? Der analoge Handwerker sagt, ja, ist kein Problem, ich habe hier meine Farbkarte und suche dann anhand der Farbkarte mit der Farbgleichheit die entsprechende Farbe raus, misst auch entsprechend auf, notiert sich das, fährt zu sich ins Büro, erstellt mir das Angebot und innerhalb von vier Tagen bis einer Woche habe ich dann mein Angebot, was ich beauftragen kann oder auch nicht. Jetzt hole ich mir als Kunde natürlich auch gerne noch ein zweites Angebot ein.
Also ich habe den nächsten Handwerker da und der kommt mit digitalen Mitteln vielleicht um die Ecke, hat einen sogenannten digitalen Buntstift, also er nimmt mir die Farbe direkt von meinem Kissen ab, zeigt mir auch gleich die Farbzusammenstellung, nimmt das Aufmaß auch gleich digital auf und kann mir vielleicht schon, weil er eine Verknüpfung zu seiner Datenbank hat, beim Ortstermin sagen, pass auf, das geht in die Richtung, kostet so viel und idealerweise hat er noch einen Kalender dabei und sagt auch gleich, kann ich dir in zwei Wochen am Montag malern, räume bis dahin alles aus, kannst dich drauf verlassen, wenn du gleich hier unterschreibst, also der Handwerker könnte zur Not auch oder was ist zur Not, könnte gleich den Auftrag mit nach Hause nehmen, wenn das meinen Preisvorstellungen entspricht, weil er alle Daten digital schon erfasst und auch gleich verarbeiten kann bis zum Schluss. Das wäre jetzt eine Möglichkeit, wie zum Beispiel ein Handwerker, in dem Fall ein Maler, mit der Digitalisierung schneller zum Ziel kommt, er muss sich auch nicht mehr mit dem Angebot befassen, er muss die Daten nicht nochmal irgendwo eingeben von seinem Papierzettel in irgendeine Software und wenn es nur ein Word ist, um sich hier das Angebot zu schreiben und im Idealfall nimmt er gleich den Auftrag von mir mit nach Hause. Jetzt kommt der Einwand von anderen Handwerkern, das braucht man doch alles nicht, oder? Ja gut, braucht man, das braucht man es nicht.
Im Moment braucht man es vielleicht nicht, weil im Moment die Auftragslage so ist, dass eigentlich jeder Handwerker gut ausgelastet ist. Ich schaue jetzt mal zwei Jahre in die Zukunft oder drei Jahre in die Zukunft, da könnte es natürlich auch so sein, dass verschiedene Handwerksberufe auch wieder Aufträge suchen und dann hat natürlich derjenige, der schnell reagieren kann, den Fuß leichter in der Tür, ist einen Schritt näher am Kunden und dann bringt es natürlich was. Die Kunden sind es gewohnt, ich nehme jetzt mal Amazon, ich bestelle mir was und nach dem Bestellvorgang sagt mir die Software, ihr Produkt wird in zwei Tagen geliefert und das ist dann auch noch mit der Post verknüpft und die Post sagt mir, ihr Paket ist gerade in der Packstation angekommen.
Also da ist ja auch ein digitaler Prozess vorhanden und das ist der Kunde gewöhnt und ich glaube auch, wenn der Handwerker einen ähnlichen Service bieten kann mit einer schnellen Bearbeitung, dann ist es auch gut möglich, dass dieser Handwerker, der digitaler aufgestellt ist, näher am Kunden ist, demzufolge auch leichter Aufträge kommen kann. Jetzt haben Sie ein ganz besonderes Angebot in Bayreuth, in der Handwerkskammer für Oberfranken, nämlich Sie sind digitales Handwerkskompetenzzentrum. Was bedeutet das und wie hilft es den Leuten? Ja, dadurch, dass wir ein Bundesprojekt sind, was vom Bundeswirtschaftsministerium oder Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert ist, bieten wir im Rahmen unserer Verantwortung verschiedene Konzepte an, um die einzelnen Unternehmer oder die einzelnen Handwerker im Bereich der Digitalisierung zu unterstützen und das Schöne an der ganzen Sache ist, die Veranstaltungen, die wir veranstalten, sind auch komplett kostenlos, sodass sich einmal die Handwerker zuerst informieren können bei einer Infoveranstaltung über verschiedene Themen und aus der Infoveranstaltung resultiert in der Regel eine Schulung, eine eintägige oder auch eine zweitägige Schulung, die dann auch wieder kostenlos vom Handwerker besucht werden kann.
Wir konzentrieren uns bei diesen Veranstaltungen direkt auf die Handwerker, also es ist auch keine übergeordnete Veranstaltung, die sich auf ein ganz breites Spektrum der Wirtschaft konzentriert, sondern ist speziell auf Handwerker ausgerichtet und wir machen uns im Vorfeld auch Gedanken, in welchen Punkten wir auch mit Rückspiegelung der Handwerker, wo sehen sie die größten Probleme, wo bräuchten sie Unterstützung, dass wir direkt auf unsere Kunden, sprich die Handwerker, leichter und direkter eingehen können. Okay, gibt es da bestimmte Trends, bestimmte Technologien, bestimmte Arten von Digitalisierung, die Sie anbieten beziehungsweise die auch besonders nachgefragt werden? Gut ja, wir hatten in der letzten Zeit eine Schulung zum digitalen Büroarbeitsplatz. Wie ist so ein Arbeitsplatz einzurichten? Auf was muss ich achten? Wie kann ich mit einfachen Mitteln zum Beispiel zum Thema Datensicherheit Sicherungsmaßnahmen erstellen? Wie geht es mit einer Open Source Software abzubilden? Wie richte ich mir meinen Arbeitsplatz am sinnvollsten ein? Welche hardwareseitige Gerätschaften benötige ich? Gibt es denn auch Softwarelösungen, die relativ kostengünstig zu beschaffen sind? Also in die Richtung hatten wir eine sehr, sehr hohe Nachfrage.
Das Thema DSGVO ist natürlich auch ein Punkt, der immer wieder gut beim Handwerker oder bei jedem Menschen ankommt, weil der Umgang mit personenbezogenen Daten im Betrieb doch ein großes Thema nach wie vor ist und auch ein sehr großes Interesse dabei vorhanden ist. Und was wir jetzt besonders mitbekommen haben oder halt auf uns herangetragen wird, ist das Thema ERP-Systeme, also sprich Wahlenwirtschaftssysteme. Es gibt für verschiedene Handwerksbetriebe sich Lösungen in jeglicher Größenordnung und auch da ist bei den Handwerksbetrieben ein enormes Informationspotenzial vorhanden.
Von der Kleinstlösung per App, wenn es nur eine Zeiterfassung ist, bis hin zu großen Wahlenwirtschaftssystemen oder größeren Wahlenwirtschaftssystemen, mit denen auch ganze Prozesse abgebildet werden können, weil auch der Handwerker merkt, ich benötige technische Unterstützung, digitale Unterstützung, um meine Arbeit ordentlich machen zu können. Und zwar aber nicht die handwerkliche Arbeit, sondern mehr diese administrativen Tätigkeiten im Hintergrund. Sich da einfach Hilfe oder technische Unterstützung geben lassen zu können.
Das heißt, Digitalisierung als zunächsten Impuls findet bei Handwerkern sehr häufig in der Automatisierung, in der Effizienzverbesserung der bisherigen Prozesse statt, oder? Unter anderem ja. Also das Beispiel, was Sie vorhin hatten vom Maler, ich sehe dort Aspekte wie eine Terminvereinbarung beispielsweise, das wären so typische Aspekte der Automatisierung, der besseren Transparenz, des Nichtvergessens von einzelnen Dingen. Und gleichzeitig haben Sie Beispiele genannt, wie die virtuelle Farbpipette, mit der irgendwie die Farbe vom Sofakissen abgenommen wird, damit dann der Farbton gemischt werden kann, korrekt, und dann an die Wand angebracht werden kann, was ja deutlich über das hinausgeht, was den eigentlichen operativen Prozess eigentlich betrifft.
Ja, genau. Also wirklich so ganz einfache kleine Hilfsmittel, mit denen man sich das Leben leichter macht und die auch letztendlich am Puls der Zeit sind, also sprich, die ich auch vom Handy benutzen kenne. Ich kann mir verschiedene Hilfsmittel durch die Apps geben lassen und das ist so der Einstieg in die Digitalisierung auch im Handwerk.
Okay. Kommen die Handwerker selber mit diesen Impulsen oder ist das etwas, wo man doch gerade dem kleineren Mittelstand in Deutschland, in dem Falle im Handwerk, sehr stark auch Unterstützung geben muss und diese Impulse oder diese Beispiele einfach mal nennen muss, damit da im Weiterdenken im Bereich Digitalisierung stattfindet? Ja, das ist sehr unterschiedlich. Also es gibt sehr, sehr viele Betriebe, die schon mit konkreten Ideen auf uns zukommen und sagen, Mensch, ich habe da was gehört oder ich möchte gestern so und so machen und die sich auch schon sehr intensiv mit der Thematik befassen und wir vom Kompetenzzentrum unterstützen dann letztendlich nur noch den Handwerker bei der Beratung, bei der Auswahl, vielleicht auch bei verschiedenen Fördermöglichkeiten, die es gibt und es gibt wiederum andere Handwerker, die wissen, dass sie was ändern wollen, aber wissen nicht zurecht, wie sie vorgehen sollen.
Auch diese Handwerker unterstützen wir. Es ist ein sehr breites Feld. Das kann man jetzt nicht so ganz pauschalisieren.
Wenn Sie jetzt mal in die Glaskugel gucken, wir sind jetzt schon einige Jahre im Bereich der Digitalisierung unterwegs. Einige Branchen sind schon sehr weit, andere Branchen versuchen das Thema IT, Digitalisierung komplett zu entgehen, gerade auch vielleicht in der ein oder anderen Handwerksbranche. Aber wenn Sie mal so einfach versuchen, 15 Jahre in die Zukunft zu schauen, wird das dann immer noch so sein oder verändert sich da eigentlich auch das Geschäftsmodell des Handwerkers? Verändert sich die Anforderung an den Handwerker da vielleicht auch ganz stark durch Digitalisierung? Ja gut, auch da gibt es verschiedene Aspekte letztendlich, die man betrachten muss, glaube ich.
Es wird Handwerksberufe geben, die sich etwas verändern. Man erkennt es jetzt im Kfz-Bereich vielleicht am leichtesten. Früher gab es den Autoschlosser, der das Handwerk des Autobauens und Reparierens ausgeübt hat und mittlerweile durch die Digitalisierung ist es im Kfz-Bereich eher so, dass auch sehr viel Elektrik im Hintergrund vom Wissen her stecken muss, weil auch in den Fahrzeugen letztendlich viel mehr Elektrik verbaut ist.
Somit ist auch die Berufsbezeichnung mittlerweile eine andere als früher. Auch hier hat die Digitalisierung schon ganz automatisch stattgefunden. Die ist auch am weitesten mit umgesetzt.
Bei anderen Handwerksberufen, ich nehme jetzt mal den Friseur, wird es in Zukunft vielleicht auch so sein, dass man sich Online-Termine reservieren kann. Man kann als Kunde sagen, ich möchte gern da und da kommen und ich lasse mir die Haare so und so schneiden. Bei dem und dem Friseur, bei der und der Friseurin, die ich gerne eben als Kunde besuchen möchte.
Mir wird auch gleich der Termin bestätigt und ich habe den Termin auch gleich ausgemacht, ohne dass ich groß telefonieren muss und dass ich da mit jemandem reden muss. In verschiedenen anderen Bereichen, sei es jetzt die Bäcker oder die Schreiner, es ist ja auch mittlerweile schon so, dass ich mir im Internet an irgendwelchen Seiten hier meinen Tisch, meinen Schrank oder vielleicht auch andere Sachen zusammenstellen kann, die dann als Auftrag direkt zum entsprechenden Schreiner geschickt werden. Also da ist es jetzt schon in der Umsetzung und ich glaube auch, dass es in den nächsten 10, 15 Jahren noch viel natürlicher auch für uns als Kunden werden wird und auch die Handwerker in verschiedenen Gewerken letztendlich ganz anders damit umgehen wollen und auch werden.
Und es wird dann aber auch noch so die ursprünglichen Handwerksberufe geben, wo die Umsetzung in die Digitalisierung geringer stattfinden wird, aber auch hier wird es einen großen Schritt in die Richtung gehen. Jetzt haben Sie Beispiele genannt, zum Beispiel den Termin, den ich dann auf einer Online-Seite buche. Das ist ja alles ganz nett, würde jetzt der Handwerker sagen und es gibt tausende von Beispielen, was man hier oder dort machen kann, aber die Frage, die sich dem Handwerker natürlich stellt, lohnt sich das überhaupt? Rechnet sich das? Wo ist der Mehrwert, wo ist der Nutzen von dem Einsatz von digitalen Tools, von Digitalisierung für den Handwerker? Ja gut, wenn ich jetzt zum Beispiel, ich bleibe mal bei dieser Software für den Friseur, in dem Moment, wo der Kunde mir die Arbeit abnehmen kann und sich den Termin selbst vereinbaren kann, mehr oder weniger selbst vereinbaren kann, habe ich schon nicht das Problem, dass ich mich als Friseur nicht dauerhaft um meinen Kunden kümmern kann, weil ich ja ständig zum Telefon rennen müsste, wenn das klingelt, weil ein neuer Kunde vielleicht einen Termin ausmachen möchte.
Gleichzeitig habe ich aber auch die Information über den Kunden, hier zum Beispiel auch besser auf den Kunden eingehen zu können, weil ich weiß, der Kunde XY, die Kunde XY möchte gerne immer diese Frisur haben oder vielleicht kann ich auch ganz andere Informationen an den Kunden mit speichern. Vielleicht sitzt er gerne an einem bestimmten Stuhl oder vielleicht hat er auch verschiedene Interessen, über die ich mich mit ihm gut unterhalten kann. Das sind ja alles Sachen, die kann ich im System mit speichern und somit auch besser auf den Kunden eingehen.
Und im Nachgang habe ich natürlich auch durch die digitale Erfassung hier auch sämtliche Zahlungsdaten zum Beispiel sauber dem Kunden zugeordnet. Ich habe sie sauber dem jeweiligen Friseur zugeordnet. Ich habe es in einer Datenbank und tue mich auch leichter, die Daten an den Steuerberater weiterzugeben, eben weil ich alles digital erfasst habe, weil ich keine händischen Belege mehr irgendwo in der Excel-Datei zusammenfassen muss und meine Daten einfach gar nicht mehr aufbereiten muss.
Und somit sehe ich hier den Mehrwert, in dem Fall beim Friseur, in Zeit, die ich nicht mehr investieren muss, weil es die Maschine für mich tut und ich mich auch als Friseur richtig um mein Handwerk kümmern kann und diese ganzen administrativen Sachen im Hintergrund jetzt nicht ganz alleine ablaufen, aber weitestgehend automatisch oder automatisiert ablaufen können. Jetzt ist das Ganze natürlich, glaube ich, offensichtlich vom Nutzwert her. Selbst wenn ich kurzfristig vielleicht den Case noch nicht rechnen kann und sagen kann, naja gut, wenn ich da jetzt so einen Kalender habe, das kostet mich erstmal nur Geld, aber ich werde vielleicht feststellen, dass ich, keine Ahnung, weniger zum Telefon gerufen werde, dass ich mehr Kundschaft habe, weil die Kunden selber entscheiden können, wann sie ihren Termin wollen und das asymmetrisch vielleicht auch abends oder nachts im Internet einsehen können.
All das sind ja positive Nutzen-Effekte. Die Frage, die sich mir stellt, ist immer, wie viel muss der einzelne Handwerker, der einzelne Friseur, hatten wir ja als Beispiel eben gerade, auch tatsächlich dafür ausgeben, um überhaupt in diese digitale Welt zu gehen und damit ist natürlich auch die Fragestellung, gibt es für diesen Bereich konkrete Förderungen und vielleicht auch Tipps und Tricks. Jetzt weiß ich, dass meine Hörer immer sagen, eine halbe Stunde, das ist eigentlich so ein Idealformat, um hier über ein spezielles Thema aus dem Bereich Digitalisierung, aus dem ERP-Bereich zu reden.
Ich würde wahnsinnig gerne mit Ihnen, Herr Warneckel, weiterreden über Fördermöglichkeiten, aber auch vielleicht Tipps und Tricks, die wir den Handwerkern mit auf die Hand geben können im Bereich der Digitalisierung. Wenn es für Sie okay ist, würde ich Sie gerne nächste Woche nochmal wieder hier in den ERP-Podcast einladen, um das Thema dort noch einmal wieder aufleben zu lassen. Na klar, Herr Winkelmann, ist überhaupt kein Problem.
Machen wir gerne nächste Woche weiter. Wunderbar, herzlichen Dank. Ja, auf Wiedersehen.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.