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#113a - SAGE in der Cloud - ein Interview mit dem Executive Vice President und Managing Director Central Europe Andreas Zipser
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Sage erfindet sich als reines SaaS-Unternehmen neu. Was das bedeutet und wie die Veränderungen von statten gehen berichtet im Interview der Executive Vice President Andreas Zipser.

Viel Vergnügen!

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In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 113a. Sage in der Cloud. Ein Interview mit dem Executive Vice President und Managing Director Central Europe, Andreas Zipzer.

Sage erfindet sich als reines Software-as-a-Service-Unternehmen neu. Was das bedeutet und wie die Veränderungen vonstatten gehen, berichtet im Interview der Executive Vice President, Andreas Zipzer. Viel Vergnügen.

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Ja, herzlich willkommen, liebe ERP-Podcast-Gemeinde, zurück zu einer neuen Folge. Sie wissen das ja, ich versuche so ein bisschen den Mix zu machen aus interessanten Unternehmen, die ERP einsetzen, aus Startups, die etwas ganz Neues machen und natürlich aus der Welt der ERP-Hersteller. Und ein ERP-Hersteller ist mir schon mehrfach herangetragen worden, den hatte ich hier noch gar nicht im Podcast, was wir hiermit entsprechend nachholen.

Ich freue mich nämlich, dass ich die Firma Sage heute in der Leitung habe. Ich freue mich, dass ich den Andreas Zipser hier habe. Er selber ist der Executive Vice President und Managing Director für Central Europe der Sage-Gruppe.

Und wir werden ein bisschen sprechen über das Thema Software as a Server, über das Thema Cloud bei Sage. Und ich freue mich, dass er sich die Zeit genommen hat, hier mit mir darüber zu sprechen. Herzlich willkommen im ERP-Podcast.

Ja, vielen Dank für die nette Einladung und ich freue mich sehr draus. Ja, dann legen wir doch direkt mal los, bevor wir in die Sage-Gruppe reingehen, bevor wir in Ihre Produkte auch reingehen, Herr Zipser. Wer ist der Mensch Andreas Zipser? Vielleicht mögen Sie sich selber ein bisschen vorstellen, was ist Ihr Werdegang und wofür stehen Sie? Ja, wer ist der Mensch Andreas Zipser? Das ist natürlich vielschichtig, aber vielleicht mal, was die Zuhörer interessieren könnte.

Ich bin seit knapp 25 Jahren im Geschäft, die allermeiste Zeit davon tatsächlich in der IT-Branche und innerhalb der IT-Branche ausschließlich im Softwarebereich unterwegs. War bereits bei Firmen wie SAS Institute beispielsweise, ein großamerikanischer Business Intelligence Hersteller, aber auch bei einem deutschen mittelständischen CM-Hersteller, der Software AG in Karlsruhe. Jetzt eben bei Sage in Zentraleuropa.

Zentraleuropa umfasst neben Deutschland auch noch die Schweiz, Österreich und Polen momentan. Und das sind so meine wesentlichen IT-Stationen. Neben der IT war ich auch mal in einem amerikanischen Medienkonzern und habe unter anderem zwei Unternehmensberatungen gegründet und wieder verkauft, by the way.

Aber dazu komme ich vielleicht später nochmal. Ansonsten bin ich Mathematiker und Betriebswirt, habe beide studiert und bin mit beiden auch sehr glücklich. Ich freue mich, in der IT zu arbeiten.

Das war übrigens auch der Grund, warum ich die Unternehmensberatungen wieder verkauft habe. Es hat mir einfach zu wenig Spaß gemacht beim Arbeiten und es war mir klar, nach fünf Jahren, ich möchte eigentlich zurück in die IT. Und das ist der Grund, warum ich das gemacht habe und bin jetzt sehr glücklich, auch wieder in meiner Haus und Hof-Branche arbeiten zu können.

Jetzt haben wir ein ganz, ganz spannendes Unternehmen aus meiner Sicht, über das wir heute sprechen werden. Die Sage-Gruppe, eigentlich ja ein englisches Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich. Aber sie haben natürlich auch deutsche Wurzeln.

Lange Zeit hieß es Sage KKK, heute heißt es nur noch Sage. Wofür steht Sage? Wer ist das Unternehmen? Ja, also völlig richtig. Unsere Muttergesellschaft ist eine englische Gesellschaft, dort auch publicly listed, also ein börsennotiertes Unternehmen.

Wir arbeiten in sehr vielen Ländern weltweit natürlich, in den großen Märkten, aber darüber hinaus auch in 23 Märkten momentan. Sage hat, und das schlägt an die Brücke zu Deutschland, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, in den 80er, 90er Jahren und auch in den Nullerjahren, sehr viele Softwarefirmen aufgekauft und ist meistens mit einem dieser Käufe, dieser Akquisitionen in den Markt eingetreten. So war das damals auch in Deutschland.

Da wurde die Software KKK gekauft, die Softwarefirma. Deswegen hat man dann auch in der Transition von dem Brandname zunächst von Sage KKK gesprochen, KKK dann nach einigen Jahren irgendwann aus dem Brand herausfallen lassen. Es war aber nicht die einzige Akquisition, es sind viele weitere Akquisitionen erfolgte in Deutschland.

Eine bekanntere möglicherweise für die Zuhörer könnte noch Sage Beurer sein, die ehemalige Beurer AG aus Donaueschengen und weitere Softwarefirmen im Bereich Finanzbuchhaltung, ERP, Warenwirtschaft, Produktion, aber auch in den Bereichen HR Software, also Human Capital Management Software, inklusive der Payroll, also der Lohnabrechnung. Und das ist auch das Spektrum weltweit, das unser strategisches Portfolio darstellt. Hier in Deutschland haben wir einen großen Schwerpunkt auf ERP tatsächlich, sowohl im Bereich der kleineren Unternehmen, aber eben auch, und das ist der Hauptschwerpunkt im Bereich des klassischen deutschen Mittelstands, bis hin zum Upper Mittelstand, sage ich mal.

Also in der Regel könnten Sie sich vorstellen, wir haben ein Portfolio so ungefähr wie die SAP, nur da, wo wir mit unserer Zielgruppe langsam aufhören in der Größenordnung, da fängt die SAP langsam an. Das heißt, wir sehen uns außerordentlich selten nun mal in so einem Graubereich der Zielgruppen. Aber ansonsten ist es ein sehr, sehr ähnliches Geschäft und damit kann man sich, glaube ich, auch einigermaßen vorstellen, was wir hier in Deutschland machen.

Ich hatte bei dem Produktportfolio von Sage immer das Gefühl, Sie holen die Unternehmen ab, wenn sie noch sehr klein sind. Also das Thema Classic Line, KK haben Sie angesprochen, kommt ja aus der Welt, heute Sage 50, Office Line, heute Sage 100. Produkte, die anfangen irgendwo, unterbrechen Sie mich bitte, wenn ich es falsch einordne, im kleinen zweistelligen Mitarbeiterbereich, die aber, sage ich mal, in der Skalierung durchaus auch in den dreistelligen Mitarbeiterbereich gehen.

Und dann haben Sie eine Reihe von Produkten eigentlich anzubieten, um darüber hinaus einfach als Unternehmen zu wachsen. Wenn ich größer werde, nämlich Sage Boira, haben Sie angesprochen, sicherlich auch sehr stark im Handelsbereich oder auch das X3-System. Ich glaube, es kommt aus Frankreich ursprünglich, wenn ich das richtig im Kopf habe.

Ursprünglich, ja. Wo Sie einfach europäische Kompetenz gebündelt haben und als Gruppe, glaube ich, über ganz Europa oder auch weit darüber hinaus Support leisten können und diese Produkte anbieten können, richtig? Das ist völlig richtig. Sie haben es genau richtig dargestellt.

Wir kommen eigentlich von einem Spektrum, wo wir sagen, wir können beginnen bei dem Selbstständigen oder bei dem Freelancer sogar, haben dafür auch Produkte, gehen dann über kleine Unternehmen, mittlere Unternehmen bis hin in die großen Unternehmen hinein. Also insofern ist das völlig richtig. Dabei können die Kunden, wenn sie wachsen, natürlich mit uns mitwachsen.

Aber oftmals ist es eben so, dass ein Mittelständler halt ein Mittelständler ist und das auch eine ganze Weile bleibt. Und dann haben wir natürlich das passende Portfolio für ihn. Tatsächlich möchte ich aber nochmal darauf verweisen, dass obwohl wir letztlich vom Freelancer bis zum Enterprise-Unternehmen, globalen Enterprise-Unternehmen, ein Portfolio zur Verfügung haben, ist der strategische Fokus für Sage, insbesondere auch in Deutschland, sind ganz klar die kleinen und die mittleren Unternehmen und Sie haben es gerade gesagt, von einer kleineren zweistelligen Anzahl von Mitarbeitern bis hin möglicherweise zu tausend oder auch etwas über tausend.

Das hängt immer ein bisschen davon ab, wie groß der Produktionsbereich eines Unternehmens ist. Also wir definieren einen Mittelständler durchaus auch noch Mittelständler, wenn er zwar 5000 Mitarbeiter hat, davon aber 4500 in der Produktion sind und 500 in der Verwaltung, dann ist es für uns ein klassischer Mittelständler. Also das ist unsere Hauptzielgruppe und Sie haben recht, es gibt darüber hinaus große Enterprise-Unternehmen, es gibt auch sehr sehr kleine Unternehmen, wo wir mit kleinen, einfachen, wenig komplexen Cloudlösungen zur Finanzbuchhaltung oder zur Lohnabrechnung unterstützen, aber der Kernmarkt sind kleine und mittlere Unternehmen, ganz eindeutig.

Ich glaube es ist auch gut für den Markt, dass es Player gibt, die das in einer gewissen Breite und zwar auch europäischen Breite abdecken und jetzt gibt es bei Ihnen einen ganz spannenden Shift, den ich beobachte und das ist ja auch ein bisschen das Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen. Sage ist jetzt kein ganz junges Unternehmen, sondern durchaus ein gereiftes Unternehmen, das spricht nicht gegen oder für eine Software, das ist einfach erstmal eine Feststellung. Ich kenne einen Teil Ihrer Produkte noch aus dem Ursprungskern, sage ich mal, Classic Line ist glaube ich ursprünglich mal 1982, wenn ich es richtig im Kopf habe, Office Line müsste Anfang der 90er, 94 oder so entstanden sein.

So, das heißt wir kommen eigentlich vom Kern Ihrer Gruppe, aus einer kleinen Serverstruktur, aus dem Gedanken, wir installieren die Software beim Anwender auf dem PC und jetzt gibt es plötzlich bei Ihnen einen Schwenk seit ein, zwei Jahren in die Cloud, alles dezentral im Internet zur Verfügung zu stellen. Wie kommt es dazu, was passiert da gerade? Also, Sie haben es völlig richtig dargestellt. Selbstverständlich kommen wir mit unserem Unternehmensalter aus einer klassischen On-Premise-Welt, wie viele andere unserer marktbegleitenden Kollegen, etwas aufzutun.

Das bedingt einfach das Alter unseres Unternehmens, wie lange wir am Markt sind. Heißt also, auch heute haben die allermeisten unserer Kunden selbstverständlich noch On-Premise-Software im Einsatz, gar keine Frage. Der Shift ist eher ein strategischer Shift mit Blick auf die Zukunft.

Wir glauben schlicht und ergreifend, dass sich das Cloud-Modell, also tatsächlich das native Cloud-Modell, das Software-as-a-Service-Modell durchsetzen wird. Da kommt meistens die Frage, wann und wie schnell. Die ist immer schwer zu beantworten.

Es mag sein, dass es in manchen angesächsischen Märkten geht, in denen die Adaption neuer Technologien mit offenen Armen entgegengenommen wird und schneller adaptiert wird, wie in anderen Märkten. Deutschland ist eher immer ein bisschen abwartend und zögerlich am Anfang, aber kommt dann eben sehr schnell hinterher. Es mag unterschiedlich lange dauern.

Jedenfalls, wenn Sie mich nach meiner persönlichen Einschätzung fragen, glaube ich, dass wir in zehn Jahren von heute abgesehen sind. Schlagen Sie mich nicht, wenn es dann acht oder zwölf sind, aber ich behaupte, in zehn Jahren spielt On-Premise-Software eine nicht nur untergeordnete Rolle, sondern nahezu keine Rolle mehr. Und wenn wir es nicht schaffen, die Zeit zu nutzen, um unseren Kunden Zukunftstechnologie anzubieten, die Kunden zu motivieren und zu überzeugen, dass das ihre Zukunft sein wird, wann auch immer genau das so sein wird, dann werden wir die Fahrlaufen, dass wir unsere Kunden nicht gut genug beraten, die Kunden möglicherweise irgendwann in einer veralteten Technologie unterwegs sind, die zwar nach wie vor ihre Prozesse abdeckt, die aber nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Und das sehen wir schon als unsere Aufgabe, natürlich um unser eigenes Unternehmen in die Zukunft zu bringen und zukunftssicher zu machen, aber vor allen Dingen auch, um unsere Kunden mitzunehmen. Und wir haben sehr, sehr, sehr viele Kunden, über drei Millionen weltweit. In Deutschland rund 250.000 Unternehmenskunden.

Wir können nicht sehend, wo die Softwarewelt hingeht, einfach sagen, jo, mag ja sein, das überlassen wir dann den Cloud-Anbietern. Es wird immer einen On-Premise-Markt geben. Ehrlich gesagt, da glaube ich nicht dran.

Da glaube ich aus mehreren Gründen nicht dran, insbesondere im Sinne der digitalen Transformation und dort Themen, die sich schlicht und ergreifend nur mit Cloud-Software lösen lassen. Ich spreche vom Internet of Things beispielsweise oder andere Dinge, die momentan ja auch sehr stark diskutiert werden. Mobilität und so weiter, das werden Dinge sein, die man wahrscheinlich nahezu nur in der Cloud gut bedienen kann.

Aber ich glaube auch, dass die Erfahrung zeigt, dass immer dann, wenn es günstiger und sinnvoller ist, ein Produkt als Service zu beziehen, anstatt es selber zu kaufen, herzustellen oder sonst irgendwas, dann hat sich das durchgesetzt. Gehen wir mal in den privaten Bereich. Ich glaube, es gibt kaum noch einen Privathaushalt, der heute einen Brunnen in seinem Garten stehen hat, sondern bezieht das Wasser als Service aus einer Leitung, aus einem Netz.

Man könnte es auch Wassercloud nennen, wenn Sie so wollen. Ähnliches mit dem Strom. Wer hat denn schon noch einen Stromgenerator im Teller? Genau so sinnlos ist es aus meiner Sicht, die Software selbst bei sich zu kaufen, zu betreiben, die ganze IT-Infrastruktur sozusagen lösen zu müssen.

Ständig überall bei Infrastruktur, Mittel, Switches, Leitungen, Netzwerken, Software, immer überall die richtigen Patches drin zu haben und die aktuellen Versionen und sicherstellen, dass sich das dann mit Windows verträgt oder mit sonst irgendwas. Das sind alles Dinge, von denen ich glaube, dass wir in einigen Jahren sehen werden, dass sich die Unternehmen davon lösen, um den Fokus auf ihr eigenes Geschäft zu richten und nicht den Fokus darauf haben, wie sie mit ihrer eigenen internen IT umgehen. Da mag es Unterschiede geben.

Ich behaupte mal, Unternehmen, die sich heute neu gründen, die allermeisten von den Neugründungen werden sich niemals eine eigene IT überhaupt erst aufbauen nach der Unternehmensgründung. Viele etablierte Unternehmen, insbesondere diejenigen, die bereits seit vielen Jahren, vielleicht Jahrzehnten, schon große Infrastrukturen aufgebaut haben und diese auch betreiben, da ist das natürlich ein massiver Wechsel, der nur über Jahre hinweg schrittweise erfolgen kann. Da werden wir kein Big Bang sehen und irgendeine alte große Bank stellt von heute auf morgen alles auf Cloud um.

Insofern werden wir unterschiedliche Geschwindigkeiten dort haben und es mag bestimmt auch Bereiche geben, im Bereich privater Daten wie Kranken-Daten, Patientendaten, Krankenhäuser, da gibt es noch andere Regelungen, gesetzliche Regelungen etc. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, aber die Welt geht ganz eindeutig in die Cloud-Richtung, in die Software-as-a-Service-Richtung und deswegen haben wir unsere Strategie tatsächlich, sagen wir es völlig richtig, komplett umgestellt, insbesondere mit dem CEO-Wechsel an unserer Unternehmensspitze letztes Jahr im August, August 2018 oder September, glaube ich, der gesagt hat, okay, unsere Vision ist, wir werden ein SaaS-Unternehmen sein und zwar ein reines SaaS-Unternehmen und wir werden keine Software mehr verkaufen, sondern sie in einem Subskriptionsmodell anbieten. Das, by the way, schon heute auch mit On-Premise-Software.

Das heißt, selbst dann, wenn wir heute noch On-Premise-Software verkaufen, was wir in manchen Märkten tun, weil schlicht und ergreifend wir auch noch nicht für alle Märkte voll ausgereichte Cloud-Lösungen in jedem Bereich momentan haben, dann werden aber auch diese On-Premise-Lösungen nicht mehr verkauft, wir verkaufen keine Software mehr. Wir vermieten Software, wir gehen ins Subskriptionsmodell, sodass dann bei einem Umstieg in die richtige Cloud sozusagen diese Hürde und dieser Paradigmenwechsel, ich besitze es nicht mehr, ich nutze es, dass das schon mal keine Hürde mehr für die Kunden ist. Dann müssen sie sozusagen nicht zu viel Veränderung auf einmal realisieren, deswegen führen wir das jetzt schon in eine On-Premise-Welt ein und das nimmt im Grunde genommen nur zukünftige Geschäftsmodelle für SaaS- und Cloud-Modelle vorweg.

Also ich finde das wahnsinnig spannend. Ich habe ganz aufmerksam zugehört. Die Argumentation, die Sie haben, die erinnert mich ein bisschen so an das, was Nikolaus K., ein US-Journalist 2004 in einem berühmten Artikel, IT doesn’t matter, mal gucken, ob ich ihn finde, dann verlinke ich ihn in den Shownotes, geschrieben hat, dass die IT so ein bisschen den Weg nimmt, den wir eigentlich bei Strom und bei Wasser und bei Eisenbahnen und so weiter überall gesehen haben, nämlich, sag ich mal, das individuelle Gut plötzlich nur noch als Commodity zu sehen.

Ich halte mal einfach dagegen, auch wenn Sie mich überzeugen, weil ich schon sehe, wie sich der Markt dreht. Also vielleicht muss man ein bisschen, wenn man mich kennt, ich habe vor 20 Jahren, mein erstes Start-Up war ein Web-basiertes Unified-Messaging-System und wir haben jedem gepredigt, wie toll, man sieht es noch nicht, Cloud, aber wie toll das ist, wenn man dann seine E-Mails und seinen Fax und so weiter überall im Zugriff hat. Und vor 20 Jahren hat der deutsche Mittelstand gesagt, ja, das ist ganz nett, aber ich hätte gerne Zugriff auf meine Daten und zwar innerhalb meines Hauses und jetzt kommt die Branche eben und sagt, oh, Moment, das scheint sich zu verändern.

Der Mittelstand reagiert, ja, aber er wird natürlich nur reagieren, wenn es A, für ihn günstiger wird und wenn er B, und das ist quasi implizit dann auch die Frage, wenn er B, die Möglichkeit hat, auch weiterhin seine individuellen Abläufe, seine individuellen Prozesse in der Software abzubilden. Ich glaube tatsächlich, da werden wir alle ein bisschen lernen in der nächsten Zeit, wie es dann am Ende wirklich aussieht. Also zunächst mal merken wir durch Forschungen, Studien und Umfragen, die wir selber in Auftrag gegeben haben, aber auch Einkaufen von anderen Instituten, Unternehmen, merken wir, dass der deutsche Mittelstand gar nicht mehr so avers ist gegen eine Daten- und auch letztlich Softwarehaltung im Internet.

Wir sind schon jenseits der 70 Prozent von mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die es schon nutzen, plus weitere knappe 10 Prozent, 8 oder 9 Prozent, die sich gerade damit auseinandersetzen, sowas einzuführen. Wenn Sie das drauf addieren, dann sind wir irgendwo bei 85 Prozent der Mittelständler in Deutschland, die heute schon Software-as-a-Service nutzen. Jetzt kommt der berechtigte Einwand wahrscheinlich, ja, aber natürlich nicht in allen Bereichen.

Stimmt. Im E-Mail-Bereich, würde ich sagen, überhaupt im Bereich der Organisation, Microsoft 365, da werden wir wahrscheinlich keine zwei Jahre mehr warten, dann gibt es überhaupt nichts mehr anderes als 365. Das gibt es nur als Lautlösung, würde ich damit sagen.

Auch im Bereich Chat-Dienste oder andere Sachen. Im Bereich ERP und insbesondere im Bereich Produktion, Warenwirtschaft, da mag es sein, dass es etwas länger noch dauert. Das liegt aber auch daran, dass in der Vergangenheit natürlich auf den eigenen Systemen unglaublich viel ge-customized wurde und sehr viel Spezialitäten und eigene kleine Prozessanpassungen etc.

alle hart verkodet und verdrahtet worden sind mit dem System. Und ich glaube, den Paradigmenwechsel werden wir uns schon alle sozusagen überlegen müssen, wie gut wir den mitgehen können. Die Cloud erfordert mehr Standardisierung.

Ich meine, selbstverständlich kann man auch im Cloud-Bereich Individualisierung und Customizing zulassen, aber nicht mehr in jedem letzten Winkel des Systems noch den letzten RK heranschrauben, weil irgendein Unternehmen denkt, dieser RK macht sie sozusagen wettbewerbsfähiger, als wenn sie ihn eben nicht hätten. Ich glaube, da werden sich Unternehmen umstellen. Und wenn wir jetzt rausgehen zu Unternehmen, die beispielsweise eine neue ERP-Software suchen, weil sie entweder ihre alte ablösen oder kleinere Unternehmen noch nicht wirklich ein Standardprodukt hatten, dann spüren wir das schon.

Die Unternehmen sagen zu uns schon, wenn ich irgendwas nicht will, dann ein ewiges IT-Projekt, wo alles irgendwie ge-customized wird, nur damit ich hinterher genau die Lösung habe zu den Prozessen, die ich jetzt gerade bei mir im Haus habe. Vor fünf Jahren hätten die Unternehmen noch genau das gesagt. Heute kommen sie auf uns zu und sagen, okay, wir wollen so dicht es geht, so weit es irgendwie geht, im Standard bleiben und nur die Sachen, die unser Unternehmen wirklich ausmachen, auf die wir auch nicht verzichten wollen, nur die wollen wir anfassen.

Und dann tatsächlich, glaube ich, über die Jahre wird sich dieser Ansatz durchsetzen und so werden wir zu einer weitreichenden Standardisierung kommen, die auch nötig ist, um einen Cloud-Betrieb zu vertretbaren Kosten, jetzt kommen wir zum Kostenkapitel, zu vertretbaren Kosten auch betreiben zu können. Aber nicht nur die Kosten sind ein Thema, sondern natürlich auch die Skalierbarkeit der IT, das sehen die Mittelständler auch, das kriegen die selber nicht gut genug hin. Das Thema Sicherheit, ja, ich weiß, natürlich, in der Presse ist immer irgendwo ein Data-Breach, wenn gerade wieder irgendwas passiert ist, aber wenn man sich mal anschaut, was alles passiert bei Unternehmen, wie oft die gehackt werden, was aber eben nicht in der Presse ist, wenn ein kleiner deutscher Mittelständler gerade mal wieder einen Datenverlust hatte, das ist viel schlimmer.

Die Mittelständler wissen schon, dass sie mit einem Hochleistungsrechenzentrum, Sicherheitsrechenzentrum nicht mithalten können. Da haben die gar nicht die Ausstattung zu und gar nicht das Know-how, gar nicht die Manpower. Das kann vielleicht eine deutsche Bank oder Daimler generieren, aber nicht ein Mittelständler.

Das heißt, das Sicherheitsthema spricht eher für die Cloud als gegen die Cloud, aus meiner Sicht. Und natürlich die agilen Nutzungsmöglichkeiten wie Mobility, Sie haben es gerade selbst schon angesprochen. Und am Ende des Tages natürlich, dass man sich Ressourcen spart, im eigenen Unternehmen eine IT-Infrastruktur zu betreiben, zu beachten, weiterzuentwickeln etc.

und sich mit diesen eingesparten Ressourcen lieber um sein eigenes Kerngeschäft zu kümmern, nämlich die Produkte, die man herstellt und die Kunden, die man selbst hat, statt eben mit, Sie haben es gerade selbst angesprochen, dem Commodity-Produkt. Und es wird in die Richtung gehen, da bin ich sehr sicher. Ist es vielleicht gerade in dem Kernsegment, was Sie ja auch adressieren, also kleinere bis mittelständische Unternehmen noch leichter einzusetzen, als das bei der großen Betriebe der Fall ist? Ja, da habe ich auch viel gelernt in den letzten Jahren.

Also ursprünglich dachte ich natürlich auch, klar, am einfachsten ist es beim Startup, der hat noch nichts, der startet gleich damit, der hat quasi nichts, was er verteidigen muss oder in irgendeiner Form migrieren oder sonst was muss. Das ist natürlich richtig. Das Startup hat es am leichtesten.

Und dann habe ich auch gedacht, naja, wahrscheinlich haben kleine Unternehmen Vorteile und springen schneller auf den Zug, weil sie eben nicht große IT-Abteilungen haben, die möglicherweise auch noch aus Selbstschutz eher dagegen arbeiten und sozusagen ihr Königreich lieber absichern durch Domainwissen etc. Sowas haben kleine Unternehmen nicht. Deswegen ist es wahrscheinlich leichter, dort auch einen Inhaber, da ist ja der Inhaber in der Regel auch der Geschäftsführer, davon zu überzeugen.

Und bei größeren Unternehmen hat man wahrscheinlich mehr Widerstand, a, wegen der Komplexität und b, natürlich wegen dem Widerstand der Leute, die heute eine IT-Abteilung betreiben oder darin arbeiten, von denen wir dann wissen, die braucht es gar nicht mehr. Das ist natürlich nicht der Fall, aber dass sie auf jeden Fall in ihrer Bedeutung des Unternehmens abnimmt und natürlich auch, was die Ressourcen angeht, Headcount, also Stellen und auch die Budgets angeht, abnehmen wird. Deswegen dachte ich eigentlich, dass die großen Firmen da zögerlicher sind aus diesen Gründen.

Es hat sich aber gezeigt, dass es nicht der Fall ist. Auch die großen Firmen, die großen CIOs und die großen IT-Abteilungen definieren eine Prioritätenliste, wo sie anfangen mit der Cloud-Welt und da nimmt man natürlich erstmal die weniger komplexen und wenige im Unternehmen verbobenen Dinge und geht dann aber auch in die Bereiche bis zum ERT hinein. Also insofern, es war ein Trugschluss.

Ich habe das erwartet tatsächlich, aber die Realität hat das nicht widergespiegelt am Ende. So sehen wir in allen Unternehmensgrößen tatsächlich einen Wandel in Richtung Cloud und zwar mit ähnlicher Geschwindigkeit, muss ich tatsächlich feststellen, jedenfalls aus Sicht von Sage hier in Deutschland. Okay, ich richte jetzt noch nicht mal den Scheinwerfer auf Sage.

Wir sind gerade nochmal bei Cloud im Allgemeinen. Sie sagen, Sicherheit kann ich viel besser abdecken in Sicherheitsrechenzentren als on-premise. Auch die Kosten sind, muss man sich natürlich im Einzelnen durchrechnen, aber wenn man eine Vollkostenbetrachtung macht, wahrscheinlich kostengünstiger.

Also dadurch, dass es mehrere gleichzeitig nutzen, kann ich besser skalieren, der Server ist besser ausgelastet und so weiter und so fort. Wenn ich das als Unternehmen erkenne, egal welcher Größenordnung, was muss ich tun, um in diese Richtung zu gehen? Das Erkennen ist schon mal ein guter erster Schritt, dann das Daran-Glauben, also sagen, ja, ich sehe das ein, das wird so kommen und das wird natürlich eine Journey sein, ich lege nicht einen Schalter um und dann ist alles so und ich werde mich jetzt damit beschäftigen und dann da rein starten. Aber das Wichtigste ganz am Anfang, glaube ich, ist tatsächlich, dass sich so ein Unternehmen, das an dieser Stelle steht, sich mit seinen eigenen Prioritäten befasst.

Um was will ich mich kümmern, was ist mein Fokus und wo fange ich an? Weil es gibt ja unterschiedliche Arten von Unternehmenssoftware, nicht jedes Unternehmen hat alles aus einer Hand, sondern hat durchaus einen Best-of-Breed-Ansatz und in der Software des Bereichs CRM beim Hersteller A und ERP beim Hersteller B und HR-Software beim Hersteller C und so weiter, da muss man schon mal priorisieren und sagen, wo fange ich an? Es ist keine gute Idee, alles auf einmal zu machen. Und dann muss man die Wahl treffen. Was tut man und was lässt man, was macht man nicht mehr? Dann steht ein Server an sozusagen, der muss ausgetauscht werden, der muss erneuert werden.

So jetzt überlegen Sie sich, treffe ich die Investition nochmal, kaufe mir nochmal einen Server, wo meine aktuelle On-Premise-Software draufläuft, dann muss ich den erstmal abschreiben, damit das wirtschaftlich irgendwie sinnvoll ist und so weiter, damit verzögere ich automatisch den Start in die Cloud, allein dadurch, dass ich nochmal eine Investition in Infrastruktur mache, die ich später nicht mehr brauche. Und das sind so die Knackpunkte, wo man, und das ist nur ein Beispiel, das sind so die Knackpunkte, wo man daneben schauen kann, Mensch, steht bei mir eine Infrastruktur-Erneuerung an oder eine größere Wartung etc., soll ich das als Gelegenheit nehmen, um gegebenenfalls einen Umstieg zu planen? Denn kurz nach einer Investition in das bestehende System ist es wirtschaftlich schwer abbildbar und auch schwer argumentierbar, dann einen Wechsel herbeizuführen. Das heißt, das wären so Dinge, wo ich sage, man muss sich sehr genau überlegen, wo man anfängt, dann gibt es eine passende Gelegenheit, wenn es sie nicht gibt, kann ich sie erzeugen oder mache ich wirklich einen disruptiven Change, aber das halte ich bei den meisten Unternehmen wahrscheinlich für gar nicht notwendig.

Und dann geht es, ich meine, Sie sind lange Herr Winkelmann im ERP-Bereich, dann geht es natürlich ab, man muss sich seine Prozesse anschauen, die Prozessanalysen machen, sich dann überlegen, welche Prozesse will ich in die Cloud auslagern, was brauche ich dafür für Partner, was ist meine Roadmap? Sie müssen definieren, was Sie mit dem neuen System erreichen wollen, wenn es denn überhaupt ein neues ist. Es kann ja sein, dass Ihr bestehender Hersteller, dem Sie schon seit Jahren in euren Bremswelt vertrauen, Sie in die Cloud mitnimmt mit dem gleichen System oder mit einem System vom gleichen Hersteller. Also auch das ist die Frage natürlich, muss es unbedingt ein Wechsel sein? Und dann ist die Frage, welche IT-Infrastrukturen brauchen Sie noch? Also wirtschaftliche Betrachtungsweisen, Sie können ja nicht alles abbauen, wenn Sie jetzt aber ohnehin schon quasi einen Art Bodensatz von IT-Infrastruktur haben und den betreiben müssen für irgendwelche Themen, ist der denn nicht vielleicht ausreichend, On-Premise auch noch zwei, drei Jahre weiter zu betreiben? Das wäre eine rein kommerzielle Betrachtung.

Wir sehen also, es gibt unterschiedliche Dimensionen, von denen man auf das Thema schauen kann. Und dann muss man sich auch überlegen, okay, wie sieht es mit den Investitionen aus, wenn ich nur x Euro zur Verfügung habe in einem bestehenden Geschäftsjahr zu investieren, dann muss ich mir natürlich überlegen, investiere ich in den Umstieg der IT mit einer hoffentlich dann besseren Zukunft oder investiere ich in mein Produkt oder in mein eigentliches Geschäft, weil ich gerade unter Druck stehe im Wettbewerb oder was auch immer. Also das ist eine Summe von Dimensionen aus der kommerziellen Finanzwelt, aus der Prozesswelt und aus der IT-Welt und daraus muss sich eine Entscheidung dann ableiten.

Man kann das nicht nur von einer Seite aus betrachten, zum Beispiel von der reinen IT-Seite aus, das wäre zu kurz gegriffen. Jetzt haben sie einen Weg aufgezeigt, der nicht sozusagen Big Bang ist, also nur heute. Wahrscheinlich ist für viele Unternehmen sogar gar nicht Sage der Auslöser, sondern das Office 365 der erste Berührungspunkt auf dem Weg in die Cloud.

Aber es sind viele einzelne Schritte, die man geht und ich glaube ihr Unternehmen bietet da auch sehr viele Schritte an, wie man Schritt für Schritt eigentlich seine Unternehmens BWL, seine Unternehmenstransaktionen immer mehr in die Cloud verlagern kann. Darüber würde ich mich wahnsinnig gerne mit Ihnen unterhalten. Ich gucke jetzt ein bisschen auf die Uhr, meine magische halbe Stunde ist wieder angebrochen.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich Sie gerne nächste Woche nochmal hier in den Podcast einladen, um das Thema am Beispiel von Sage ein bisschen zu vertiefen. Ja, herzlich gerne, da freue ich mich drauf. Wunderbar, Herr Zipser, vielen Dank und wir hören uns nächste Woche weiter.

Bis dahin.

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