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#97b - Das Kettengespenst: Ein Einblick in die aktuellen Entwicklungen im Bereich Blockchain
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Häufig werden Blockchain-Technologien nur mit dem gespenstischen Bitcoin-Hype gleichgesetzt, doch das ist eigentlich nur ein ganz kleiner Ausschnitt im Bereich von verteilten Datenansätzen. Mit meinem Mitarbeiter Adrian Hofmann diskutiere ich über die betriebswirtschaftlichen und technischen Grundlagen und den aktuellen Status Quo. Dabei reden wir auch über die aktuelle Forschung und Potenziale der Technologien. 
 
Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Folge 97 Das Kettengespenst. Ein Einblick in die aktuellen Entwicklungen im Bereich Blockchain, zweiter Teil. Häufig werden Blockchain-Technologien nur mit dem gespenstischen Bitcoin-Hype gleichgesetzt, doch das ist eigentlich ja nur ein kleiner Ausschnitt in diesem Bereich verteilte Datenansätze.

Mit meinem Mitarbeiter Adrian Hofmann diskutiere ich über die betriebswirtschaftlichen und technischen Grundlagen und den aktuellen Status quo. Dabei reden wir auch über die aktuelle Forschung und Potenziale der Technologien. Viel Vergnügen.

Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wir reden ein bisschen über das Thema verteilte Datenbanken. Genauer, wir reden über das Thema Blockchain, was Blockchain mit Bitcoin zu tun hat, was die Zukunft dort ist, was man damit alles automatisieren kann, was wir zurzeit in der Forschung darin machen.

All das möchte ich heute noch mal näher beleuchten. Ich freue mich, dass auch heute wieder mein Mitarbeiter Adrian Hofmann da ist. Herr Hofmann, herzlich Willkommen hier zurück im ERP-Podcast.

Ja, danke, dass ich wieder dabei sein darf. Wir haben letztes Mal schon ein bisschen darüber gesprochen, was ist überhaupt Blockchain, eine relativ kryptische, kryptografische Definition, was das ist. Wir haben das versucht so ein bisschen runterzubrechen.

Die Fragestellung eben, wo speichere ich eigentlich Transaktionen, Besitzübergänge von irgendwas, Zustände von einzelnen Dingen, die wir zwischen verschiedenen Organisationen hin und her geben. All das sind ausschlaggebende Dinge, die im Themenbereich Blockchain motiviert werden können, motiviert werden wollen. Wie groß ist das Thema heutzutage? Also man merkt in den letzten Jahren, dass das Interesse in der Öffentlichkeit sehr stark dafür wächst, aber auch Unternehmen sehr, sehr viel mittlerweile in den Bereich Blockchain anfangen zu forschen, zu schauen, wo kann ich das einsetzen, wo kann ich hier mein Geschäftsmodell erweitern.

Es gibt mittlerweile, IBM hat mit dem Hyperledger-Projekt zusammen mit der Linux Foundation ein riesen Open Source-Projekt aufgezogen, um die Blockchain auch für Unternehmen relevant zu machen und leicht einsetzbar zu machen. Also da passiert in den letzten Jahren sehr viel. Wir hatten letztes Mal zwei Beispiele.

Ich glaube, es sind sehr stark transaktionale Beispiele, das heißt, wo es um Besitzübergaben ging. Einerseits hatten wir einen Apfel, der liegt im Lager und wir sehen ihm gar nicht an, wem der jetzt gerade gehört. Wir wissen zwar, dass das Lager mir gehört, aber der Apfel- Konsekvenationslager könnte theoretisch auch Ihnen gehören.

Also sowas müssen wir irgendwo wegschreiben. Wir können uns das in unserer eigenen Datenbank hinschreiben, dann gibt es vielleicht Streit zwischen Leuten, weil jeder sagt, aber in meiner Datenbank steht das so und so. Also dafür brauchen wir irgendwie einen Nachweis.

Wir wollen natürlich auch Dinge vielleicht in Zukunft digital ablösen, die wir heute noch sehr manuell machen. Wir hatten das Beispiel vom Grundbuchamt beim Hauskauf oder beim Wohnungskauf. Auch bei der Wohnung steht ja nicht dran, wem die Wohnung jetzt gerade gehört, sondern da steht sozusagen analog digital in irgendwelchen Büchern drin.

Aber wenn es nur noch digital dasteht, dann stellt sich natürlich die Frage, ob wir wirklich noch 1,5 Prozent für Notar- und Grundbuchamt aufwenden. Und diese Dinge können wir natürlich beliebig durchdenken, CO2-Zertifikate oder irgendwelche anders gelagerten Zertifikate. Wem gehören die jetzt gerade Aktien? Wem gehören die jetzt gerade? Wollen wir da wirklich den Intermediär, den Broker dazwischen haben, der selber Kosten verursacht? Oder können wir das komplett dezentral abbilden? Über diese Szenarien hatten wir uns beschäftigt.

Was fallen uns noch transaktional an Szenarien ein, die geeignet sind für die Blockchain? Ich habe in den letzten paar Wochen über ein neues Projekt erfahren, die die Blockchain nutzen, um Mining-Zertifikate, also wirklich um Mineralienabbau, es geht nicht um Blockchain-Mining, es geht wirklich darum, Mineralien abzubauen, die eventuell aus Krisenregionen kommen, wo eventuell Sklaven noch verwendet werden, um die abzubauen. Dass das zertifiziert wird und die Zertifikate auch dezentral gehandelt werden, das ist natürlich gerade interessant, weil Zertifizierungsbehörden vielleicht nicht überall vorhanden sind. In allen Ländern ist es wahrscheinlich auch schwierig, an Zertifikaten mit Landesgrenzen wegzuhandeln.

Also für solche Dinge ist es auch sehr interessant. So als einfaches Beispiel mal. Also wir haben sehr viel darüber gesprochen, Zustände abzuspeichern.

Die Blockchain ist eine Verkettung von Datensätzen. Wenn sie einmal akzeptiert wurden von allen Teilnehmern oder von den betreffenden Teilen, Kreis der Teilnehmer einer Blockchain, dann können sie weggeschrieben werden und sie werden halt dauerhaft weggeschrieben und können auch nicht mehr modifiziert oder manipuliert werden, sondern sie sind dauerhaft im Konsens, das ist der häufigste Mechanismus sicherlich, der Teilnehmer weggeschrieben. So das ist das eine.

Dann haben wir, und das ist ja das, wo der Hype eigentlich auch erst ausgelöst wurde 2009, über Cryptocurrencies gesprochen. Bitcoin ist da das große, leuchtende, mittlerweile ja nicht mehr ganz so leuchtende, darf ich Vorbild sagen? Das war auch zumindest der Vorweis. Was immer noch Vorbild ist, darüber lässt sich streiten, technologisch mittlerweile schon etwas veraltet, da gibt es mittlerweile die bessere Varianten, die sowohl ökologisch als auch funktional deutlich mehr können.

Ja, also vom Grundansatz nimmt man quasi einen bestimmten Wert, eine bestimmte Wertmenge und teilt sie durch alle, die an diesem Netzwerk teilnehmen. Es geht ein bisschen weiter, man kann neue Werte in diesen Kreislauf mit einschleusen, durch das Mining. Aber das ist der Grundansatz, zu sagen, wir haben ja eine Menge von Wert, der wird zwischen uns geteilt und weil wir diese Menge von Wert haben, nichts anderes machen wir bei Geld auch, wissen wir, dass das einen validen angenommenen Wert hat und wenn wir jetzt das hin- und herschieben, dann ist es quasi so, als wenn wir mit realem Geld arbeiten.

Genau, was auf den ganzen Handelsplätzen und Kryptobörsen passiert, ist nichts anderes, als was auf normalen Börsen auch passiert. Man kann sich ja jetzt normale Unternehmen anschauen, wie Tesla zum Beispiel, wo die Aktie für einen Wert gehandelt wird, die nicht dem Wellenwert des Unternehmens entspricht. Es geht einfach nur darum, wie viel sind wir uns einig, dass dieser Wert ein Unternehmen wert ist.

Genauso ist es bei den Kryptobörsen ja auch. Mittlerweile sind die Kryptobörsen wieder zum Mehrwert geworden, es kommt wieder alles in den Kommen, aber zur Zeit, durch Angebot und Nachfrage regelt sich der Preis einfach. Also wir haben quasi eine geregelte Menge an Coins, durch Angebot und Nachfrage erhöht sich der Preis pro Coin oder pro Bruchteil von Coins entsprechend oder sinkt.

Und dann gibt es ein Mechanismus des Minings, wo eben zusätzliche Coins generiert werden, damit die Anzahl an Coins eben auch steigt im Laufe der Zeit. Ja, das Mining hat zwei Reihen Hintergründe. Einerseits das Mining dafür da, um neue Blöcke an die Blockchain anzuhängen, um die Blöcke zu validieren und dafür möchte man natürlich die Miner, die diese Arbeitsgerichten entlohnen.

Es geht also darum, denjenigen, der zur Sicherheit des Netzwerks beiträgt, um valide Blöcke anzuhängen, soll er für seine Arbeit entlohnt werden und dadurch sind in jedem Block ein kleiner Anteil Blockrewards drin, der nimmt im Laufe der Zeit auch ab. Aber dadurch wird natürlich die Menge der Coins im Netzwerk erhöht und durch die Abnahme des Rewards ist auch die Gesamtmenge, die irgendwann entsteht, gedeckelt. Also es gibt keine ständigen Inflationen, wie es bei Realgeld, wo jedes Jahr mehr Geld generiert wird.

Das nimmt irgendwann ab, bis es irgendwann keine neuen Coins mehr gibt. Okay. Ist denn so etwas überhaupt interessant? Das ist eine blöde Frage, ne? Ja, also eine blöde Frage würde ich nicht sagen.

Das ist natürlich ein Mechanismus, den man erst mal so aus dem realen Leben nicht kannte. Ich meine, es gab schon mal knappe Güter, es gab schon mal Eremetalle wie Gold, die auch nicht unendlich gewickbar sind. Da nimmt auch die Menge, die jetzt langsam dazu kommt, immer mehr ab.

Aber es ist natürlich ein Mechanismus, der vorher so nicht da war. Auch, dass die Geldmenge nicht zentral geregelt wird, sondern einfach durch ein Protokoll, was einfach am Computer existiert, geregelt ist. Das ist natürlich ein Mechanismus, der so vorher eigentlich nicht da war und auch untersucht werden sollte, wie das sich geldpolitisch auch auswirkt.

Okay. Glauben Sie denn, dass das auch eine Zukunft hat? Das ist immer die Frage vom Vertrauen. Der Wert von dem Geld ist ja immer davon abhängig, wie viel man der Währung auch vertraut.

Beim aktuellen Stand ist es so, dass Kryptowährungen sehr volatil sind und man damit im realen Leben nicht so viel anfangen kann. Allerdings merkt man auch, dass mittlerweile viele Nationen, denen es wirtschaftlich nicht gut geht, wo eine starke Kürzung stattfindet, mittlerweile in der Türkei zum Beispiel, gehen viele Pensioniere ab und kaufen lieber Bitcoins ein, weil sie da mehr Sicherheit sehen als ein türkischer Mieter. Je nachdem, wie groß das Vertrauen in den Bitcoin ist oder in eine Kryptowährung, muss ja nicht unbedingt Bitcoin sein.

Im Vergleich zu dem Vertrauen in die Banken, das Bankensystem, das ja durchaus auch schon mal einige Schläge erlitten hat, kann es natürlich sein, dass auch da eine Zukunft entsteht. Man muss aber auch überdenken, dass der Bitcoin, der gerade daraus entstanden ist, die Bankenkrise 2008, hat dafür gesorgt, dass nachgedacht wurde über ein System, wie kann ich Geld austauschen ohne eine zentrale Instanz, die das für mich verwaltet, die für mich Geld ausschüttet und sonst was. Und dadurch ist halt dieses Konzept des Bitcoins entstanden.

Es ist wirklich aus dieser Bankenkrise heraus geboren worden. Okay, das heißt, es gibt hier durchaus Forscher aus dem IT-Bereich. Nakamoto nimmt man so als Ursprung, wobei irgendwie keiner so richtig weiß, ist das ein Mensch oder ist das eine Gruppe von Personen oder wer ist das eigentlich? Ab und zu gibt es dann mal wieder eine Pressenachricht, jetzt hat man ihn endlich gefunden.

Aber glauben Sie, dass wir hier eine reale Möglichkeit haben, mit Methoden der Informatik etwas zu schaffen, was wir sonst nur mit zentralen Instanzen, mit allen politischen Befürchtungen, die man in zentralen Instanzen haben mag, realisieren können? Ich sehe das als realistisch an. Es gibt natürlich noch einige Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, das ist unbestritten. Die Frage ist immer, wie groß ist denn das Vertrauen von Menschen auch in Technologie, weil das man nimmt ja auch immer Rückschläge mit.

Man sieht ja z.B., dass wieder gehackt wurde, dass heutzutage Kryptowinnungen werden auch angegriffen, es werden öfter mal viele Coins entwendet. Erst kürzlich wurden wieder mehrere Millionen Bitcoins gestohlen. Da fragt man sich, wenn diese Technologie doch so sicher ist, ohne zentrale Instanz, wieso können die gestohlen werden? Und das macht die Menschen ja misstrauisch.

Das Problem ist in dem Fall nicht die Technologie gewesen, sondern eben mangelnde Absicherungen aufseiten von der großen Crypto-Börse, die einfach gehackt wurde, wo dann halt die entsprechenden Schlüssel geklaut wurden, um eben diese Zinsen-Diebstahl durchzuführen. Also Vertrauen in Technologie muss auf jeden Fall da sein und das ist, glaube ich, ein langer Weg. Okay, das bleibt spannend.

Wir haben jetzt verschiedene Methoden auch in der Turn-up, verschiedene Aspekte der verteilten Datenbank der Blockchain letztes Mal schon adressiert. Wir waren ganz am Ende stehen geblieben bei Software-Code, den man verankert in der Blockchain, sogenannte Smart-Contracts. Was hat es mit diesem Thema auf sich? Die Idee dahinter ist eigentlich relativ einfach.

Wenn ich Transaktionen in die Blockchain schreiben kann, dann kann ich auch theoretisch Programm-Code in die Blockchain schreiben und den auch dann wie bei den Transaktionen nicht nur zentral validieren, sondern dezentral validieren und auch dezentral ausführen. Das heißt, ich habe hier die Möglichkeit, also auch bei Vertragsbedingungen in einer Transaktion abzulegen und die dann automatisch praktisch zu forcieren. Das heißt, wenn irgendwas passiert, irgendeine Aktion zwischen uns passiert, ich sage was, in der Blockchain schreiten wir beide auf, wem der Apfel jetzt gerade gehört, könnten wir einen Algorithmus schreiben, einen Smart-Contract schreiben, der direkt die Zahlung auslöst.

Vielleicht mal als einfachstes Beispiel, könnte man einen Mietvertrag beispielsweise dezentral ablegen, wo ich reinschreibe, jeden Monat zum bestimmten Zeitpunkt gehen einfach eine bestimmte Anzahl an Coins von Vermieter zu Vermieter und das wird einfach monatlich durchgeführt, bis der Vertrag gewendet wird. Dann ist von keiner Seite ein Zutun, es ist wie ein Dauerauftrag, es wird automatisch durchgeführt und wenn dann die Transaktion nicht durchgeführt werden kann, weil der Mieter zu wenig Guthaben hat, dann kann automatisch gesagt werden, jetzt entstehen folgende Bedingungen, zum Beispiel ich kündige den Mietvertrag oder ich kann automatisch benachtigen, dass es in den Räumen veranlasst werden kann oder es wird eine Zahlungsfristung herausgeschrieben mit Mahngebühren. Alles was mit If und Else gemacht werden kann, kann praktisch reingeschrieben werden und letztendlich kann es relativ komplex werden.

Ich gebe noch mal ein anderes Beispiel, Versicherung. Versicherung ist ja auch ein typisches Intermediärwesen, also im Grunde genommen alle Teilnehmer an einer Versicherung, alle Kunden, wie wir auch sagen, haben natürlich in Gesamtsumme, bringen sie den Schaden auf, plus einer Gewinnmarge und Risikomarge für den Versicherungskonzern an der Stelle, aber der Versicherungskonzern ist ja nichts anderes als derjenige, der sozusagen zentralisiert alle Zahlungen und Forderungen miteinander in Einklang bringt, der natürlich den Vertrieb macht und so weiter und so fort, aber all das könnten wir auch entsprechend über verteilte Datenbanken, Blockchain-Mechanismen abbilden und wenn wir dann den Smart Contract definieren würden, Sie haben es ja schon gesagt, alles was mit If, Else, Then definiert werden kann, könnte man eigentlich dort auch machen, sodass im Schadensfall die automatische Umleitung von Geldern von den angeschlossenen Kunden in Richtung dem Geschädigten fließen könnten, ohne dass wir ja die Aufwände haben auf Seiten einer zentralen Instanz. Genau, das ist sogar ein relativ einfacher Smart Contract, man zahlt regelmäßig ein, solange man einzahlt, wird man auch berechtigt, daraus zu entnehmen und in einem Schadensfall kann man eben sagen, ich muss folgenden Betrag entnehmen aus dem großen Topf und bekomme das eben ausgezahlt.

Da muss man natürlich auch passen, dass da nicht gebrochen wird. Da muss man natürlich überprüfen, war tatsächlich ein Schaden da, da braucht man wahrscheinlich trotzdem noch den Menschen, der das überprüft, aber in der Theorie wäre das ein Handlungsfall, der sehr leicht umgesetzt werden könnte. Man könnte natürlich auch in dem Smart Contract dann komplexe Mechanismen abbilden, die eben Betrug erkennen und automatisch eine Warnung abgeben, hier hat einer jetzt dreimal pro Woche einen Schaden gemeldet, vielleicht sollte man da mal manuell nachschauen und erst mal Austeilung in den Kine gesperrt haben, das wäre, wie gesagt, einfach F und L. Boschs Ansätze der Verhinderung von Tachomanipulation fallen mir da auch ein.

Ja, durchaus, also da wäre es natürlich auch wieder, da bräuchte man wahrscheinlich nicht mal ein Smart Contract dazu, kann man einfach reinschreiben, wenn ich jetzt Auto fahren bin, wird auch mein Kontostand, mehr oder weniger die Kilometer drauf addiert, die ich gefahren bin. Man kann natürlich auch sehr leicht einsehen, wie viel auf dem Tacho drauf ist, der Datenbank. Aber wir haben wieder die Problematik, die wir auch ganz am Anfang diskutiert haben, ja, ich habe mein Tacho zurückgedreht, aber das weiß keiner und mit diesem zurückgedrehten Tacho gehe ich dann eben hin und der Händler sagt mir, ja, ja, du hast aber in Wahrheit einen ganz anderen Tachostand, weil bei Bosch steht drin 150.000 und auf deinem Tacho sehe ich 100.000, du hast manipuliert oder ich habe manipuliert in dem Falle und dann würde ich natürlich hingehen und sagen, nee, nee, da muss ein Schreibfehler in Boschs Datenbank sein, so, ja, das ist wieder so eine Vertrauenssache natürlich auch.

Genau, entweder, ich meine, ich kann natürlich auch, wenn ich wirklich böswillig wäre und vielleicht auch technisch versiert bin, könnte ich natürlich auch Boschs Datenbank angreifen und da vielleicht auch und sogar meinen Tachostand nicht einschreiben, dass ich nur meine Uhr am Auto zurückdrehe, sondern auch gleich natürlich die Datenbank bei Bosch manipuliere oder ich habe da meinen guten Kumpel, der da arbeitet und auf die Datenbank Zugriff hat. Wäre natürlich eine einfache Sache, relativ einfach, einfach die zwei Stellen, wo es geschrieben ist, einmal mein Auto, einmal die Bosch Datenbank, umzuschreiben, dann hätte ich auch plötzlich wenige Kilometer drauf. Wenn ich das jetzt in eine Blockchain schreiben würde, die wirklich verteilt vorliegt, müsste ich ja auf jedem einzelnen Rechner, wo diese Blockchain liegt, das können Tausende sein, es können hunderttausende sein, müsste ich das Ding abändern und das halte ich für unrealistischer.

Okay, also die Blockchain, die Chain schafft Integrität, schafft Vertrauen, es ist eine Technologie, die ist noch gar nicht so alt, ich glaube, wenn ich zurück schaue in den Papern, die ersten Veröffentlichungen zu verteilten Datenbanken, es müsste so 93, 94 glaube ich ist es gewesen sein, aber dass wirklich die ganzen Konsistenzwarenden Mechanismen, die letztendlich auch die kryptographische Absicherung in der Blockchain machen, aufkommen, das ist eigentlich etwas, was wir erst seit wenigen Jahren sehen und was jetzt immer mehr reift. Genau, die Reifung ist da, die ganzen Vorteile kristallisieren sich raus, auch Transparenz, aber auch die Nachteile kristallisieren sich langsam raus, weil die Transparenz ist etwas, was ich vielleicht nicht unbedingt möchte. Ich könnte jetzt vergleichen, also beim Beispiel Tacho, es ist ja nicht so schlimm, wenn jeder weiß, wie viel mein Auto gefahren ist.

Kann natürlich auch schlecht sein, wenn ich jetzt zu meiner zweiten Freundin überfahre, dass meine Frau dann rausfindet, aha, der verdient da irgendwie 20 Kilometer mehr, als er zur Arbeit eigentlich bräuchte. Das ist interessant, ja. Vielleicht macht er irgendwas, was er nicht sollte.

Da kann natürlich viel mit Privacy argumentiert werden, was kritisch sein kann und da geht es mittlerweile auch viel Forschung in die Richtung geht, wie kann ich absichern, dass nicht jeder Zugriff auf das hat, also dass nur die Leute Zugriff auf die Daten haben, die sie auch haben sollten. Wir haben selber ein ganz großes Forschungsprojekt im Bereich von Blockchain-Technologien, bedankenswerterweise durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Vielleicht können Sie das Projekt mal so ein bisschen vorstellen, was machen wir genau mit Blockchain-Technologie? Also unsere Idee ist, das Forschungsprojekt in sich PIMCO wählen.

Das ist das Akronym, den langen Namen kann ich mir nicht merken, aber den können wir auf der Webseite verlinken, im Podcast. Es geht darum, eine Kollaborationsplattform zu schaffen in einem Wertschöpfungsnetzwerk, die komplett dezentral ist. Also man will keine zentrale Plattform schaffen, wo die Leute miteinander agieren, sondern es soll dezentral sein, auf Blockchain-Basis, um eben relevante Daten in diesem Wertschöpfungsnetzwerk auszutauschen.

Wenn ich jetzt weiß, dass der Zulieferer von meinem Zulieferer ausfällt, dann muss das erstmal kommuniziert werden, das kann ich durch Einsatz machen, indem ich wieder E-Mails hinterher schreibe oder das irgendwie müßig kommunizieren muss. Oder ich kriege das direkt mit, weil das eben in der Blockchain geschrieben wurde, dass die Lieferung sich verzögert hat. Und wenn mich das auch betrifft, kriege ich das direkt als Alert bei meinem System angezeigt und kann mich schon mal woanders umschauen, ob vielleicht ich doch irgendwo anders her meine Lieferungen kriege.

Oder falls irgendwelche Qualitätsmerkmale nicht eingehalten wurden, kann ich tracken, wo ist da das Problem in der Kette gewesen, wer hat da Schmu gemacht. Wurde schon vorher gemeldet, dass Qualität nicht gestimmt hat. Also generell Transparenz entlang, nicht nur in der Wertschöpfungskette zu schaffen, sondern auch in einem ganzen Wertschöpfungsnetzwerk.

Und da finde ich auch wieder, weil ich es eben schon angesprochen hatte, Transparenz sowohl ein Segen als auch ein Fluch. Weil ich kann natürlich auch gucken, was meine ganzen Konkurrenten so treiben. Und da ist es natürlich wichtig für uns auch zu erforschen, wie kann ich absichern, dass jeder nur das sehen kann in so einem dezentralen, komplett offenen Netzwerk, was er sehen darf.

Das heißt, wir wollen letztendlich Daten, die jede Organisation für sich zentralisiert im ERP-System speichert, dergestalten nutzen, dass sie für die Wertschöpfungskette einen Mehrwert liefert, ohne dass wir eigentlich Konkurrenzvorteilsinformationen preisgeben, sodass sie von anderen genutzt werden können. Genau, wir sehen ein großes Potenzial, Informationsaustausch leichter zu machen durch die Blockchain und müssen halt diese Potenzialungen natürlich nutzen. Die sind offensichtlich da.

Wir müssen halt dreistig darauf achten, dass wir eben das nicht übertreiben und das ganze System ausgenutzt werden kann. Das heißt, hier ist auf jeden Fall viel Arbeit noch, die noch vor uns liegt, um eben da einen gesunden Mittelweg zu finden. Das ist ein Projekt, das wir nicht ganz alleine machen, sondern mit vielen Partnern, namentlich.

Richtig, wir haben viele Partner aus verschiedenen Bereichen drin. Wir haben hier auch aus Würzburg die Infosimme drin, die uns bei der Implementierung hilft, auch bei der Anbindung an Unternehmenssoftware. Wir haben Signavio, ein großer Hersteller, ein sehr aufstehender Hersteller von Projektmanagement-Tools, die sehr viel Process Mining betreiben.

Da geht es natürlich auch darum, die ganzen Prozesse zu integrieren in die Blockchain. Schauen, welche Daten von dem Prozess sind sinnvoll ausgetauscht zu werden, an welche Stelle im Prozess setzt sich dieser Datenaustausch an. Neu dabei ist die Firma Actiware, die auch mittlerweile sehr viel Blockchain-Erfahrung hat.

Die Blockchain-Tools sind auch schon eine große Bandbreite an Blockchain-Integration in Prozessmanagement-Software, in Unternehmenssoftware getätigt. Darauf können wir uns sehr große Potenziale formen. Wir haben Prof. Janisch, eine Uni-Professur bei der Uni, die auch sehr viel mit Prozessen macht, aber gerade auch mit dem Thema Komplex-Event-Processing.

Das ist natürlich ein Thema, was manche Daten an, die in der Blockchain stehen, kann ich nicht nur einfache Daten rausziehen, sondern auch Daten, die da drinstehen, aggregieren und daraus Mehrwert-Animationen noch gewinnen. Mehr als wirklich, was sich drinsteht. Und natürlich haben wir Evaluationspartner dabei, die uns dabei helfen, zu schauen, ob diese Lösung, die wir bauen, überhaupt in der Praxis relevant ist.

Da haben wir einmal API-Engineering drin, wir haben Moral-Tapes mit dabei. Das sind Firmen, die wirklich klassisch produzieren, sie haben Lieferanten, sind viel im B2B-Bereich unterwegs, sehr stark vernetzt. Und da ist es natürlich wichtig, dass wir die Anforderungen von diesen Praxispartnern erfüllen und nicht komplett an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei arbeiten.

Wann wollen wir den Output präsentieren? Sprich, wie lange läuft das Projekt noch? Den Output präsentieren wollen wir natürlich immer noch. Wir wollen immer wieder über unser aktuelles Ergebnis kommunizieren auf unserer Projekt-Webseite. Die aktuelle Forschung, die wir dazu leisten, wird immer wieder publiziert in verschiedenen wissenschaftlichen Konferenzen und Journals.

Aber das Projekt Ende ist Ende 2021. Und ich hoffe, dass wir bis dahin einen guten Prototypen am Laufen haben von der Plattform und auf der Plattform schon die ersten Blue-Case implementiert haben, um da auch wirklich die Nähe zu zeigen. Wir werden auch beispielhaft an einigen ERP-Systemen zeigen, wie die Daten aus dem ERP-System, wir haben ja hier ein sehr großes Forschungslabor für ERP-Systeme, für das Unternehmensdaten-Fundament, also wie die Daten dann tatsächlich auch in die Blockchain kommen und welche Nutzungsszenarien es dann in der Blockchain entsprechend für so eine Wertschöpfungskette auch gibt.

Genau, wir wollen natürlich das Ganze breit anbinden. Wir haben, wie gesagt, ein großes Labor für Unternehmenssoftware. Wir haben viele Systeme zur Auswahl.

Wir müssen natürlich evaluieren, welche Systeme lassen sich gut anbinden und welche lassen sich schlecht anbinden und möglichst demonstrieren, dass das auf einer weiten Basis möglich ist. Vielleicht abschließend nochmal an Sie. Sie sind ja auch viel auf Hackathons unterwegs.

Sie beschäftigen sich auch privat sehr, sehr viel mit der Technologie. Wir haben jetzt gerade Number Crunching auch gemacht über verschiedene Plattformen, über verschiedene Blockchain-Ansätze, über verschiedene Cryptocurrency-Ansätze. Wenn Sie so ein bisschen die Szene betrachten, wenn Sie so ein bisschen auch die Szenarien betrachten, wir haben ja wirklich nur an der Oberfläche heute gekratzt.

Wo sehen Sie außerhalb von Kryptowährungen die Zukunft von Blockchain, sprich was glauben Sie passiert als erstes? Wo ist the next big thing im Themenbereich Blockchain? Ich bin der Meinung, das lässt sich gar nicht so sehr festmachen. Es geht erstmal darum, die grundlegende Technologie erstmal gangbar zu machen, weil die Anwendungsfelder darauf, die entstehen an allen möglichen Enden. Das betrifft Endanbinder, das betrifft Wertschöpfungsnetzwerke, wie gesagt, der Austausch und der ausgeführten Daten, die dezentrale Ausführung von Programmen, das sind alles nur Basis dafür.

Was darauf aufgebaut wird, ist ja quasi, ja man kann alles, was man auf einem konventionellen Rechner, in einem konventionellen Netzwerk machen kann, kann man auch auf einer Blockchain machen. Die Frage ist nur, wird es zu komplex? Alle Intimidiere ausschalten wird man nicht können. Ich denke vor allem, dass Staaten und Institutionen sich da ein bisschen querstellen werden, weil sie abgeschafft werden.

Aber gerade wenn es darum geht, was wir gerade machen, im Wertschöpfungsnetzwerk zu schauen, wo können wir besser kommunizieren, gerade wenn es dann auch darum geht, in Ländern oder in Regionen zu arbeiten, wo die Infrastruktur oder ein Datenaustausch generell schwieriger ist, ist das ein sehr guter Ansatzpunkt. In Ländern wie Venezuela wird mittlerweile mit Kryptowährungen sogar gearbeitet, als Landeswährung. Das sind also gerade da, wo Technologie generell noch nicht angekommen ist, kann man mit dieser neuen, dezentralen Technik sehr, sehr viel erreichen, weil eben keine großen Rechenzentren gebaut werden müssen.

Es kann wirklich jeder einfach mit seinem Smartphone anbinden an die Technologie und benachteiligte Regionen sind dadurch sehr, sehr gut erreichbar und sehe ich auch großen Potenzial in dem Bereich. Vielleicht nochmal eine abschließende Frage, um sozusagen die Möglichkeiten auch darzustellen. Wenn mich das Thema interessiert als Unternehmen oder als Netzwerk oder wie auch immer, muss ich das mir alle selber beischaffen oder setze ich auf einem existierenden Standort, einer existierenden Plattform auf? Wie kann ich mir das vorstellen? Die Grundlage der Kryptografie ist immer, man soll lieber selbst bauen, weil man macht immer irgendwelche Fehler.

Das heißt, man sollte immer Open-Source-Software setzen, die bereits da ist. Das geht natürlich auch bei Kryptowährungen, kryptografischen Verfahren, Blockchain, das ist genauso der Fall wie bei anderen Verschlüsselungsverfahren. Man sollte das nicht selbst versuchen, sich aufs zu basteln.

Am besten bestehende Software verwenden. Ich habe vorhin schon erwähnt, IBM mit Hyperledger hat eine sehr gute Software, die Open-Source ist, die verwendet werden kann. Es gibt von der Ethereum-Blockchain die ist komplett Open-Source, kann auch private Blockchains nicht aufsetzen, sondern umtesten.

Allerdings würde ich generell sagen, man muss auch nicht selbst das nicht machen. Man muss nicht komplett seine eigene Blockchain aufsetzen und sich komplett mit der Smart-Contract-Programmierung auseinandersetzen, weil das ist vielleicht für das kleine Unternehmen nicht das, wo man den Mehrwert rauszieht, sondern sich aus der Anwendung und dann Kooperationen suchen und im Konsortium dann seine Anwendung erschaffen und dann vielleicht auch in Kooperation mit uns an Lehrstunden sind wir bereit, da mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, auf jeden Fall neue Mittel, neue Wege, neue Use Cases herausarbeiten. Ein kleiner Werb-Disclaimer zum inhaltlichen Schluss. Ich würde gerne nochmal in unsere Blitzlicht-Runde kommen, sozusagen das Blitzlicht auf die Person Adrian Hofmann wieder zurückwerfen.

Jetzt mache ich nicht Werbung für Wirtschaftsinformatik, das passiert mir ganz häufig in der Folge, dass die, die ich interviewe und es sind nicht alle aus der Universität, längst nicht alle, dann doch feststellen, dass das, was Mitarbeiterprofil ausmacht, sehr viel mit Technik und Wirtschaft zu tun hat. Damit kommen wir eigentlich relativ schnell überein, dass eigentlich Wirtschaftsinformatiker ein ziemlich idealtypischer Beruf der Zukunft sein kann. Sie sind jetzt Wirtschaftsmathematiker.

Wie kommt man dazu, Wirtschaftsmathematik zu studieren und war das die richtige Entscheidung? Wieder eine ausgezeichnete Frage. Eine gemeine Frage. Der Hintergrund ist, ich war in der Schule schon immer den technischen Fächern sehr geneigt in Informatik.

Das war mir, also die Reiheninformatik wollte ich mir nicht antun, weil ich ein schlechtes Bild von Informatikern hatte, sagen wir mal so. Das machen die Mathematiker jetzt nicht unbedingt besser. Sie sind, glaube ich, alle so ein bisschen als die Nerds abgestempelt.

Allerdings fand ich die Mathematik schon generell immer sehr interessant, weil es auch sehr viel Attraktion dabei ist. Die Mathematik ist ja in sich ein großes Spiel mit eigenausgestellten Regeln und man muss halt im Spiel neue Wege finden, wie man vorankommt. Aber die Reihenmathematik, das war mir nicht praxisnah genug.

Ich hatte vielleicht Angst, auch dann später im Job damit auf die Haut zu fallen, was auf keinen Fall der Fall ist. Die meisten Mathematiker finden sehr, sehr gute Jobs. Allerdings dachte ich, die wirtschaftlichen Aspekte noch mit zu betrachten im Studium, das ist auf jeden Fall ein Mehrwert.

Man hat sich auch als Mehrwert herausgestellt und gerade die Kombination mit dem tiefen theoretischen Wissen, mit den Abstraktionen zu arbeiten, zusammen mit realwirtschaftlichen Use Cases und Problemstellungen, da kann man wirklich sehr viel Mehrwert bieten und da ist, glaube ich, auch die Wirtschaftsinformatik nicht ganz so weit entfernt davon. Das wäre jetzt direkt die nächste Frage. Wie kommt man aus der Wirtschaftsmathematik, wenn man denn sein Master gemacht hat, zu einer Promotion in Wirtschaftsinformatik? War alles ein bisschen glücklicher Zufall.

Ich habe durch einen Kollegen erfahren, von Forschungsprojekten, die ja mehrstens gemacht werden, hat sich alles sehr interessant für mich angehört und deswegen dachte ich, ich werfe mich mal frei drauf los, vor allem auch in den weiteren Gesprächen und Bewerbungsverfahren. Es ist mir aufgefallen, dass wirklich die gesamte Projektbreite, die hier auch angewogen wird, sehr interessant ist. Also man kann sich wirklich ausleben, man ist nicht auf ein Forschungsthema beschränkt.

Ich mache jetzt viel auch mit anderen Kollegen zusammen, auch im Bereich Standardisierung, auch im Bereich KI. Es ist nichts, wo ich jetzt in der Promotion sagen müsste, ich spezialisiere mich komplett auf ein Thema. Klar, das mache ich auch, aber ich mache nicht nur das.

Ich kann links und rechts schauen und das ist, glaube ich, sehr charmant an der Wirtschaftsinformatik, dass man die Möglichkeiten auch dazu hat. Ja, wir haben gerade ein Paper gemacht zur Untersuchung von digitalen Schnittstellen, wie bestimmte Standards im Austausch von Daten sich verändern, wie sie genutzt werden. Also auch da gibt es viel Number Crunching zu tun.

Genau, da geht es auch hauptsächlich um Datenauswertungen und auch um Simulationen. Wie verhält sich denn sowas, wenn ich einen Standard nicht ganz nutze, wie ich ihn nutzen sollte. Das ist natürlich auf den ersten Blick nichts mit meinem eigentlichen Thema Blockchain zu tun.

Allerdings wird es sich natürlich auch darauf auswirken, wenn ich jetzt ein Kollaborationsnetzwerk machen möchte und da die Standardisierung nicht stimmt und jeder sein eigenes Süppchen kocht und seine Anpassungen an den Standard macht, wie er möchte, dann ist natürlich der Effekt, den ich erhoffe, nicht gegeben. Zu allen Bereichen, nicht nur elektronische Schnittstellen, es gibt vielleicht fachliche Schnittstellen zu allen Bereichen, die ich hier betrachte, also auf jeden Fall sehr interessant und auch die, die in meinen Kollegen arbeiten, finde ich immer eine Rat-und-Tratze-Seite. Jetzt haben wir natürlich die Zuschauer auch neugierig gemacht auf alles, was im Blockchain-Bereich, hoffe ich zumindest, alles, was im Blockchain-Bereich so passiert und wie es da weitergeht.

Ich frage ja meine Zuhörer bzw. meine Interviewpartner auch gerne immer nach, wo kann ich mich informieren, wie bilde ich mich zu einem Themenbereich selber weiter. Gibt es aus Ihrer Sicht für den Themenbereich Blockchain eine zentrale Instanz, ein zentrales Buch, wahrscheinlich eher eine zentrale Webseite, wo man sich informieren kann, was ein guter Einstiegspunkt ist? Das ist tatsächlich relativ schwierig zentral etwas zu finden, weil das Informationsangebot ist sehr breit, es gibt sehr viele Technologien.

Gesamte Einstellung findet man wahrscheinlich nicht. Es gibt einige Bücher, von denen ich nicht alle empfehlen kann. Meine persönliche Empfehlung ist, ich bin ein sehr visueller Mensch, ich habe mir auf einmal die Grundlagen einfach über YouTube angeeignet.

Also auf YouTube gibt es sehr, sehr viele gute Videos, die nicht nur die technischen Grundlagen erklären, nicht nur die technischen Grundlagen visualisieren, sondern auch wirklich klar machen, was sind eigentlich die Verfahren, die es überhaupt ermöglichen, dass diese Technologie existiert, sondern auch weitere Anwendungsfelder einfach aufzeigt. Also da ist wirklich sehr, sehr breit Basis gegeben, kann ich jedem empfehlen. Im Vergleich zum Podcast kann man es nicht nebenbei im Autofahren machen, aber so eine Viertelstunde abends mal sich informieren, das ist glaube ich jedem drin.

Jetzt stelle ich noch die private Frage, wie Sie sich persönlich auch weiterbilden, was Sie persönlich lesen. Wie kommt man überhaupt neben den vielen Papern, Masterarbeiten, Bachelorarbeiten, Seminararbeiten, der eigenen Promotion noch dazu, selber etwas persönlich zu lesen, für die Weiterbildung zu tun? Ich komme sehr, sehr selten genug zum Lesen. Ich lese meistens im Urlaub, wenn ich am Strand liege oder beim Segeln auf dem Boot, wenn sich alles sehr schaukelt und es mir nicht schlecht wird.

Zur Zeit, glaube ich auch schon seit über einem Jahr in dem Buch, lese ich von Daniel Kahnemann, das Buch Thinking Fast and Slow. Er ist Nobelpreisträger in BWL oder Psychologie, eines von beiden. Er untersucht die verschiedenen Handelsweisen im Gehirn, ob ich Entscheidungen, manche treffe intuitiv schnell, bei manchen muss ich eher darüber nachdenken.

Er hat zwei verschiedene Funktionen im Gehirn, die parallel zueinander ablaufen. Er bringt sehr, sehr viele praxisnahe Beispiele, sehr viele spannende Beispiele. Ein Buch, das ich nur empfehlen kann.

Wir werden es verlinken. Herzlichen Dank für die Empfehlung. Ganz, ganz viele Leute, die mich auf das Buch schon angesprochen haben.

Ich denke, da sind wirklich ein paar interessante Anregungen dran, wie so das Gehirn tickt, was wir wahrnehmen, was wir vielleicht auch in Bezug auf Digitalisierung und oder Blockchain wahrnehmen und dass man da vielleicht doch nochmal einen zweiten Blick aus einer anderen Perspektive drauf werfen sollte. Ja, ich habe immer so eine abschließende Frage. Wie sehen Sie die Zukunft von ERP? Jetzt sind Sie an so einem ERP-Lehrstuhl.

Ich formuliere die Frage heute mal ein bisschen anders. Wer hier im Podcast zuhört, weiß, dass ich eine Meinung habe, die ist natürlich ein bisschen abstrakter, die ist ein bisschen Elfenbeinturm, weil ich sage, je mehr wir die Daten in einem zentralen Unternehmensdatenfundament konsolidieren können, desto besser wird das für die Zukunft der betriebswirtschaftlichen Prozesse, die nämlich immer automatisierter sein werden. Also, get rid of allen Schnittstellen, E-Standards, Microservices, die wir da haben zugunsten eines zentralen Fundamentes, eines Datenfundamentes.

Blockchain geht ja jetzt einen anderen Ansatz. Blockchain sagt ja eigentlich Redundanz der Daten, Dezentralität der Daten. Ist das vielleicht die Herausforderung, die wir jetzt aus dem zentralen Datenfundament des Unternehmens zukünftig haben werden? Ist das vielleicht unsere Zukunft? Ich würde sagen, dass sich das gar nicht so sehr widerspricht, weil die Daten, die in der Blockchain liegen, sind ja zwar dezentral verteilt, aber jeder hat ja die gleichen Daten.

Es ist ja nicht so, dass jeder verschiedene Daten hat, vier Schnittstellen machen muss, um die Daten auszutauschen, sondern es ist ja trotzdem ein Datenfundament, was für jeden zugänglich ist, wo jeder darauf zugreifen kann. Das ist natürlich eher sogar noch eine Weiterentwicklung von dem zentralen Datenfundament im Unternehmen, dass ich sage, ich habe nicht nur meine zentrale Datenbank bei mir, sondern ich habe eine zentrale Datenbank über alle meiner Verticals-Kette und das wäre natürlich dann die komplette Konsolidierung aller Daten. Also eigentlich ist das nur die Weiterentwicklung von einem monolithischen Ansatz, dass ich eine Datenbank habe.

Es wird einfach nur weitergetrieben, unternehmenskonsortierend oder übergreifend. Also ich bleibe dabei, die nächste Dekade bleibt in Bezug auf betriebswirtschaftliche Szenarien, in Bezug auf Digitalisierung in Unternehmen wahnsinnig spannend und Blockchain wird sicherlich ein Riesenteil dabei sein. Da können wir ausgehen.

Dann sage ich an dieser Stelle ganz, ganz herzlichen Dank an meinen Mitarbeiter Adrian Hofmann. Wie immer, mein Studiogast erhält die letzten Worte. Ich bin für heute raus, wünsche Ihnen noch eine schöne Woche und keep connected, Ihr Axel Winkelmann.

Ja, keep connected, auf jeden Fall. Informieren Sie sich alle über das Thema. Ich glaube, in vielen Unternehmen gibt es Einsatzmöglichkeiten für Blockchain.

Selbst wenn nicht, man sollte sich generell immer mit den neuesten Technologientrends auf dem Laufenden halten. Da hilft natürlich der Podcast. Also auch daher nächste Woche wieder einschalten.

Vielen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.

Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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