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#97a - Das Kettengespenst: Ein Einblick in die aktuellen Entwicklungen im Bereich Blockchain
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Häufig werden Blockchain-Technologien nur mit dem gespenstischen Bitcoin-Hype gleichgesetzt, doch das ist eigentlich nur ein ganz kleiner Ausschnitt im Bereich von verteilten Datenansätzen. Mit meinem Mitarbeiter Adrian Hofmann diskutiere ich über die betriebswirtschaftlichen und technischen Grundlagen und den aktuellen Status Quo. Dabei reden wir auch über die aktuelle Forschung und Potenziale der Technologien.

Viel Vergnügen!

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Folge 97 Das Kettengespenst Ein Einblick in die aktuellen Entwicklungen im Bereich Blockchain Häufig werden Blockchain-Technologien nur mit dem gespenstischen Bitcoin-Hype gleichgesetzt. Doch das ist eigentlich nur ein ganz kleiner Ausschnitt im Bereich verteilter Datenbankansätze. Mit meinem Mitarbeiter Adrian Hofmann diskutiere ich über die betriebswirtschaftlichen und technischen Grundlagen und den aktuellen Status Quo.

Dabei reden wir auch über die aktuelle Forschung und Potenziale der Technologien. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wie immer habe ich mir überlegt, was wir auch inhaltlich bringen können, was ein bisschen Unterhaltungswert hat, aber vielleicht auch persönlich weiterbringt.

Und Sie wissen es hier am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, wir forschen natürlich in ganz unterschiedlichen Gebieten. Und ich habe gesagt, das Thema Blockchain, das haben wir eigentlich überhaupt noch nicht so richtig beleuchtet. Wir haben ja gerade selber ein großes Projekt in diesem Themenbereich und ich habe mir dann, das ist relativ spontan entstanden, ich habe mir meinen Mitarbeiter, den Adrian Hofmann, gekrallt und habe gesagt, komm, lass uns mal ein bisschen über Blockchain reden, lass uns mal ein bisschen über das Projekt reden.

Insofern herzlich willkommen hier im ERP-Podcast. Hallo. Ja, bevor wir in medias res gehen sozusagen, wer ist der Mensch Adrian Hofmann? Frage, die ich jetzt nicht erwartet hätte.

Total spontan heute. Ich bin seit mittlerweile eineinhalb Jahren hier mit Mitarbeiter am Lehrstuhl, komme eher fachfremd dazu aus der Wirtschaftsinformatik und dementsprechend kenne ich mich viel mit den, sage ich mal, eher kleinen, granularen Prozessen aus, die im Hintergrund ablaufen, die vielleicht nicht für den normalen Bilder ersichtlich sind und gerade auch im Bereich Blockchain, wo es ja viel mit kryptografischen Funktionen zu tun hat und auch durch die Entstehung der Spieltheorie bin ich da in dieses Projekt reingerutscht und setze mich jetzt mit dem Thema auseinander. Ich glaube als Wirtschafts-Mathematiker, als geborener Wirtschafts-Mathematiker sozusagen, sind Sie dafür auch prädestiniert, oder? Könnte man vermuten, ist glaube ich in meinem Fall auch durch meine persönliche Neigung zum Thema Blockchain das auch während der Studie in Paris aufgekommen ist, privat, wahrscheinlich noch verstärkt worden.

Okay, gehen wir mal ein bisschen in das Thema Blockchain und um die Hörer so ein bisschen vorweg zu verwirren, habe ich jetzt einfach die Wikipedia-Definition rausgesucht. Ich weiß, als Professor sagt man natürlich immer, zitiere Leute und so weiter und so fort, aber es soll einfach nur mal so ein kleiner Einstieg sein, wie man das wahrscheinlich nicht versteht. Eine Blockchain, auch Blockchain Englisch für Blockkette, ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, Blöcken genannt, die mittels kryptografischer Verfahren miteinander verkettet sind.

Eine der ersten Anwendungen von Blockchain ist die Kryptowährung Bitcoin. Ja, in der Definition ist man viele Wörter drin, die natürlich wieder definiert werden sollen eigentlich. Kryptografische Verkettung kann sich vielleicht jeder wenig darunter vorstellen.

Letztendlich, das alles kommt, ist ja großteils nicht viel Neues. Verteilte Datenbanken gab es schon immer, seit es Datenbanken gibt. Allerdings ist jetzt hier diese kontinuierliche Erweiterbarkeit ein großer Punkt.

Man kann nur Antidatenbanken anhängen. Man kann nicht Datensätze, die einmal eingeführt wurden, verändern. Und das wird halt eben durch bestimmte kryptografische Mechanismen aus der Verschlüsselungstechnik gewährleistet.

Ich würde noch mal ein bisschen weiter vorne anfangen, um das Thema vielleicht noch mal ein bisschen plastischer werden zu lassen. Wir sitzen gerade vor einem Monitor, da ist ein Apfel drauf, abgebildet. Nehmen wir mal an, wir haben so einen Apfel als Naturprodukt.

Digitalisierung heißt ja letztendlich, dass wir Daten über Objekte, über Transaktionen, über Zustände, über was auch immer, abspeichern und sie dezentral nutzen können, um irgendwas damit zu machen. Also über den Apfel wissen wir zum Beispiel, Menge gleich eins, er ist grün, er wiegt so und so viel. Das sind so Daten, die haben wir schon immer erfasst.

Vorher haben wir die in irgendwelchen Karteikärten oder der Einzelhändler, der kleine Laden um die Ecke, hatte das im Kopf. Da sind jetzt noch viele, viele Daten natürlich im Laufe der Zeit dazugekommen. Einkaufs-, Verkaufspreise, Mehrwertsteuersätze, in welchem Land wurde der Apfel produziert, war die Kuh, die neben dem Apfel stand, also runterfiel, glücklich oder nicht.

Also viele, viele Dinge, die passiert sind. Und all diese Dinge, die können wir für uns als Unternehmen, als Organisation natürlich abspeichern. Das ist erst mal Fakt, dafür brauchen wir eine ganz normale Datenbank oder ein Programm.

Also irgendwie speichern wir die ab und gut gewesen ist. Jetzt können wir aber sagen, naja gut, wir sind ja eigentlich in so einer Kette drin von Leuten, die zusammenarbeiten. Und das Problem in so einer Kette ist natürlich, jeder kann die Daten neu erfassen.

Aber meistens sind es ja die gleichen Daten, die vom Produzenten des Apfels, über den Exporteur oder Importeur, über den Großhändler, über den Einzelhändler bis hin zum Konsumenten nachgefragt werden. Wie eben zum Beispiel, sind die Äpfel gespritzt worden, wann sind sie runtergefallen vom Baum, wie sind sie gepflückt worden, was auch immer. Und wenn jeder diese Daten neu erfassen müsste, wir nennen das ja auch immer Medienbrüche, dann wäre natürlich sehr viel Aufwand damit passiert.

Und wir müssen diese Daten irgendwie weitergeben. Das haben wir gelöst. Ich glaube, es gibt auch die ein oder andere Folge hier im Podcast.

Ich werde es verlinken zum Thema digitale Schnittstellen zwischen Unternehmen, alles gut. Jetzt gibt es aber auch Bereiche, wo wir sagen, naja, es wäre schon ganz schön, wenn wir nicht nur die Daten weitergeben, sondern wenn wir irgendwo auch sicherstellen können, dass das, was dort mit den Daten weitergegeben wird, tatsächlich der Realität entspricht. Ich denke zum Beispiel an Brustimplantate in Frankreich.

Großer Skandal vor einigen Jahren, weil das Material, was dort verwendet wurde, eben nicht dem Material entsprach, was eigentlich verwendet werden sollte. Wir kennen das Gleiche aus dem Bereich des Zahnersatzes, wo der Zahnersatz dann materialmäßig doch nicht hier aus Deutschland kommt, sondern von irgendwo auf der Welt. Und genau solche Dinge wollen wir natürlich sicherstellen, dass in solchen Wertschöpfungsketten nicht irgendjemand Opportunitäten ausnutzt, um die Daten über das Produkt falsch weiterzugeben oder ähnliches und damit zum Beispiel ein Brustimplantat oder einen bestimmten Rohstoff wertvoller zu machen, als er tatsächlich eigentlich ist.

Also brauchen wir dafür einen Mechanismus, idealerweise so eine Datenbank, so eine verteilte Datenbank, wo wir alles reinschreiben können. Und jetzt haben wir diesen Apfel, den wir eben physisch weitergeben in der Wertschöpfungskette mit diesen Daten. Aber jetzt können wir auch theoretisch die Daten nur weitergeben und der Apfel bleibt immer an der gleichen Stelle.

Also ich halte den Apfel in meiner Hand und wem der Apfel gehört, das steht jetzt erstmal nicht am Apfel dran, das steht eigentlich nur in den Daten drin. Wir kennen die Konzepte zum Beispiel vom Grundbuchamt. Das Haus steht immer an der gleichen Stelle und an dem Haus steht jetzt auch nicht dran, wem es gehört.

Das steht nämlich im Grundbuch. Das Grundbuch ist zwar ein Stück Papier, aber warum muss es ein Stück Papier sein? Es kann auch in der Datenbank sozusagen sein und wir nutzen jetzt irgendwelche Leute, in dem Fall den Notar beziehungsweise das Grundbuchamt, damit sie die Oberhand über diesen Eintrag, wem gehört das Haus, behalten. Aber das ist natürlich sehr hoch in den Transaktionsgebühren, die wir haben, 1,5 Prozent für den Notar und Grundbuchamt.

Und macht das Ganze eigentlich sehr aufwendig. Bei Häusern mag das noch okay sein, dass wir so einen Partner dazwischen haben, so einen Intermediär. Aber bei einem Apfel, den wir einfach digital weiterreichen, obwohl er im gleichen Lager liegen bleibt.

Erst gehört er dem Großhändler und dann gehört er dem Einzelhändler und dann wird er zum Kunden geschickt per, was weiß ich, Overnight Express oder was auch immer. Da wird es natürlich schon interessanter, sich andere Konzepte zu überlegen. Und in so eine Richtung geht, glaube ich, die Blockchain, oder? Genau.

Also wenn ich jetzt mal zum Beispiel ein Haus mir rauspicke, da ist es ja kein Problem. Das Haus wird nicht so häufig verkauft, das erwechselt nicht so häufig den Besitzer. Da kann es mal Sinn machen, den Notar mit einzuschalten.

Wenn es jetzt allerdings um andere Güter entlang einer Erwerbungskette geht, die relativ häufig den Besitzer wechseln, gerade bei, jetzt der Apfel ist vielleicht ein bisschen abstrakt, aber da gibt es ja auch Spekulationen mit Lebensmitteln, die halt ständig hin und her gehandelt werden und nur auf den Papierbesitzer wechseln. Da ist es natürlich sinnvoll, nachvollziehbar zu machen, wem dieser Apfel gerade gehört. Und da kann ich natürlich das Intermediär ausschalten, indem ich das dezentral tracke, dass jeder immer Bescheid weiß, wann dieser Apfel den Besitzer gewechselt hat und jeder das für sich immer verifiziert, dass es auch wirklich so war und auch nur dann praktisch diese Information über den Besitzwechsel dezentral in der Blockchain abgelegt wird.

Ich greife das nochmal auf, um das nochmal plastischer zu machen. Also vor uns liegt jetzt ein Apfel. Wir beide sind jetzt zwei Organisationen, zwei meinetwegen Einzelhändler.

Der Apfel, der vor uns liegt, ist unser Lager mit den Äpfeln. Welche Möglichkeiten haben wir? Möglichkeit 1 ist doch, wir tauschen die Daten aus. Wem gehören die gerade? Dann hat jeder von uns das in der Datenbank stehen.

Das ist die einfachste Möglichkeit. Das könnte ich machen. Ihnen vertraue ich jetzt vielleicht.

Aber wenn ich jemandem, dem ich nicht unbedingt vertraue, dann kann es ja sein, dass der bei sich rein stattdessen vielleicht 10 Äpfel bekommen hat und wir haben plötzlich zwei verschiedene Versionen von diesem Datenblatt. Bei meinem Datenblatt steht, dass ich ein Apfel verkauft habe. In Ihrem Datenblatt steht, dass Sie 10 gekauft haben.

Wem trauen wir jetzt am Ende? Mein ERP-System sagt etwas anderes als Ihr ERP-System. Es steht Aussage gegen Aussage. Das ist irgendwie ziemlich blöd.

Zweite Möglichkeit. Wir tauschen nicht zwischen unseren Datenbacken, zwischen unseren ERP-Systemen, zwischen unseren Organisationen die Daten hin und her, sondern wir sagen einfach, wir nehmen jetzt eine Oracle, SAP oder sonst was Datenbank. Kann auch eine Open-Source-Datenbank sein oder was auch immer.

Die sitzt außerhalb unserer Unternehmen irgendwo im Rechenzentrum und wir schreiben das gemeinschaftlich da rein. Das wäre auch eine Möglichkeit. Allerdings muss man da wieder aufpassen.

Wer von uns beiden schreibt das rein? Wer hier die Datenbank investiert, vertraue ich dem überhaupt? Das wäre praktisch auch wieder so eine Art Notar, der das für mich trackt. Der muss vielleicht die Datenbank, den Betreiber bezahlen. Das ist auch wieder eine Möglichkeit, die da wäre, aber auch Nachteile hat.

Also ganz einfach ist das auch nicht. Wir brauchen eine Menge Vertrauen oder wir haben jemanden wieder dazwischen liegen, der sagt, ich übernehme das Reinschreiben für euch und ich garantiere, dass das, was in der gemeinsam genutzten, verteilten Datenbank wirklich das ist, was der Realität entspricht. Mit dem Problem, dass der natürlich auch was an Anteil abhaben will.

Genau. Die dritte Möglichkeit wäre dann, wo die Blockchain ins Spiel kommt. Man hat so ein gewisses Hybrid aus beiden.

Jeder von uns führt für sich selbst diesen fortlaufenden Ledger, also die Liste mit den Transaktionen, wie es am Anfang war. Also jeder führt ein Buch quasi für sich. Jeder führt für sich ein Buch.

Allerdings wird der Zustand über dieses Buch immer abgeglichen. Und zwar nicht nur unter uns beiden, sondern unter allen anderen, die das gleiche System nutzen. Das heißt, wenn ich eine Transaktion reinschreibe, wird geprüft, ich habe jetzt verkauft an Herrn Winkelmann meinen Apfel, schreibe ich diese Transaktion an alle Partner des Netzwerks, die dann prüfen, besitze ich diesen Apfel überhaupt, dass ich ihn überhaupt verkaufen durfte, schreibt dann ihm diesen Apfel gut und zieht ihn mir ab und das wird dann von allen Teilnehmern im Netzwerk qualitiert.

Sodass jetzt jeder diese neue Transaktion bekommt und wieder weiß, okay, dieser Apfel gehört nicht mehr mir, sondern jetzt buchen Sie Herrn Winkelmann. Okay, das heißt, wir haben eine Reihe von Mechanismen, die sozusagen die Blockchain-Datenbank oder die ganze Methode, die dahinter sitzt, unterscheidet von einfach nur einer Datenbank, die wir als zentrale Datenbank für alle Organisationen auserkoren haben. Genau.

Also Mechanismus 1 ist, alle wissen über alles Bescheid. Genau, das ist das Prinzip der Transparenz. Jeder hat praktisch den kompletten Ledger immer zur Verfügung und kann immer einsehen, wie der aktuelle Status von dem ganzen System ist.

Okay, jetzt möchte ich dort eine Veränderung. Ich habe Ihnen jetzt einen Apfel verkauft, geschenkt, was auch immer. Diese Veränderung möchte ich da jetzt reinhaben.

Was passiert? Genau, der nächste Schritt wäre eine Konsensfindung, dass im Netzwerk abgestimmt wird, ob diese Transaktion gültig ist und wird dann angehängt. Also dieser Konsensmechanismus, der dahintersteckt, da gibt es verschiedene Varianten von. Aber es geht einfach darum, dass im gesamten Netzwerk einheitlich übernäherstricht, Transaktion valide ist und welche nicht.

Okay, also wenn ich jetzt bei dem Beispiel des Apfels bleibe. Ich verkaufe Ihnen einen Apfel. Jetzt könnten Sie einfach normalerweise eine verteilte Datenbank reinschreiben, ohne dass Sie es irgendjemand anders sagen.

Ich habe einen Apfel gekauft. Und das stünde dann da drin, ob das tatsächlich so ist oder nicht. Egal, in dem Falle der Blockchain, wie sähe es dann aus mit der Transaktion? Genau, vielleicht mal ein anderes Beispiel.

Sie verkaufen dem Apfel sowohl an mich, als auch an einen anderen Mitarbeiter den gleichen Apfel. Sie teilen ihn einem anderen Mitarbeiter mit, schreiben in seine Datenbank rein, in seinen Teil der verteilten Datenbank, dass er den Apfel bekommt. In meinem Teil der verteilten Datenbank schreiben Sie, dass ich den Apfel bekomme.

Jetzt wird diese Datenbank unten abgeglichen und dann kommt irgendwann heraus, Moment, Fehler, diesen Apfel kann man nur einmal verkaufen. Und das kann bei der Blockchain nicht passieren, denn diese eine Transaktion wird von vornherein als ungültig erklärt, weil im Netzwerk so kommuniziert wird, dass jeweils nur eine von den Transaktionen gültig sein kann. Welche es ist, ist dann von Zufall abhängig.

Allerdings kann dieses Double Spending, dass man ein Gut zweimal verkauft, nicht vorkommen. Okay, das heißt, in dem Moment, wo ich eine Transaktion tätige und die melde, dann sagen alle anderen Teilnehmer, das ist okay, damit habe ich nichts zu tun, aber die beiden betroffenen Teilnehmer würden sagen, Moment, da passt was nicht zusammen, beziehungsweise der Algorithmus würde das natürlich überprüfen. Das wäre der klassische Fall, dass die Endteilnehmer merken würden, Moment, hier stimmt was nicht.

Also die Transaktionen werden an alle Teilnehmer im Netzwerk gesendet und jeder Netzwerkteilnehmer schreibt eine Liste von Transaktionen auf, die jetzt in den nächsten Block eingereicht werden sollen, die dann gültig sein sollen. Und jetzt würden erstmal, wenn ich jetzt beide Transaktionen bekommen würde, als Netzwerkknoten, das müssen zwei Knoten sein, das müssen jede Knoten sein, das ist irgendein Knoten im Netzwerk, wird dann merken, okay, eine von den Transaktionen ist ungültig, die lasse ich einfach runterfallen. Und manche Netzwerkteilnehmer kriegen vielleicht nur eine von den Transaktionen mit.

Allerdings wird dann durch den Konstantin-Mechanismus entschieden, dass einer von den Netzwerkteilnehmern entscheiden darf, welches der nächste Block ist. Also welche Transaktionen an den Blocks schon angehängt werden. Und so kann halt sichergestellt werden, dass wirklich nur ein gültiger Block angehängt wird.

Das heißt, wir haben einen Mechanismus, der definiert, was in die Datenbasis aufgenommen wird und der dauerhaft dafür sorgt, dass das, was aufgenommen wurde, auch nicht mehr verändert und erst recht nicht manipuliert werden kann. Genau. In den meisten heutigen Datenbanken oder in den meisten heutigen Blockchains wird das so gehandhabt, dass man praktisch für neue Blöcke, die bei diesen stimmen müssen und sie stimmen rechtfertigen, wird man sich mehr oder weniger mit seiner Rechenleistung, dass man nicht einfach wahllos Stimmen abgeben kann und sagt, ich habe bis zu 1000 Stimmen da abgegeben, dass mein Block der richtige ist, sondern muss sich den praktisch erkaufen, sein Stimmenrecht durch Rechenleistung im Netzwerk einbringt.

Und man kann dann sozusagen nur das Netzwerk überlisten, indem man mehr Rechenleistung einbringt als alle anderen im Netzwerk, was ziemlich schwierig sein kann. Okay, das sind natürlich auch Spielchen, die überlegt werden, wie kann ich so einen Blockchain überlisten. Es gibt verschiedene Mechanismen.

Ich weiß nicht, wollen Sie darauf eingehen oder ist das ein bisschen zu komplex, um hier im Podcast drüber zu sprechen? Wie so etwas überlistet werden kann beziehungsweise welche Mechanismen es dagegen gibt. Also bei dem klassischen Fall, der jetzt auch bei Bitcoin zur Anwendung findet, das nennt sich Proof of Work, dass man durch Rechenleistung dieser Work einfließt, um den Blockchain abzusichern. Da muss man tatsächlich mehr Rechenleistung einbringen, um das Netzwerk zu überlisten, als der ganze Rest des Netzwerks.

Man muss 50% plus 1 an Rechenleistung einbringen, dass mit dem aktuellen Stand vom Bitcoin-Netzwerk, da sind so viele Rechner angeschlossen, die das Ding absichern, sehr, sehr teuer. Ich habe mal eine Statistik gelesen, man müsste ungefähr eine Stunde lang die Hälfte vom Netzwerk an Rechenleistung haben, müsste man schon eine halbe Million Euro in die Hand nehmen. Und dann, das ist unter der Art, dass man davon ausgeht, dass es keiner merkt und nicht die anderen Rechenleistungen auch hochfahren, nur um das Netzwerk sicher zu halten.

Das wäre einer der möglichen Angriffe, das ist auch der populärste Angriff, der diskutiert wird. Im klassischen Fall von Bitcoin oder anderen Proof-of-Work-basierten Blockchains führt das dazu, dass sehr viel Rechenleistung verschwendet wird und auch viel Strom dadurch verschwendet wird, nur um die Blockchain sicher zu halten. Da gibt es jetzt auch andere Mechanismen, die das anders lösen.

Allerdings ist auch hier die Frage, wie sicher sind die einfacher zu überlisten, sind die schwerer zu überlisten, was passiert, wenn mal so eine Mechanism überlistet wurde. Kann das wieder rückgängig machen? Das sind immer wichtige Fragen, die sich stellen sollten. Allerdings würde, glaube ich, die Details nicht so tief gehen, wie du sie überhaupt hast.

Ich gehe mal ein bisschen auf unsere Forschungsebene. Wir haben ja gerade ein Paper eingereicht, wo wir uns auch mit der Frage beschäftigen, wie stark diese Netzwerke konsolidieren beziehungsweise wie stark einzelne Player oder einzelne Zentralisierungen dort zustande kommen. Zu welchem Ergebnis sind wir in den Berechnungen gekommen? Also vielleicht mal kurz um das Thema zu motivieren.

Die Blockchain ist ja an sich darauf ausgelegt, komplett dezentral zu sein. Dass wirklich niemandem zentral vertrauen muss, das haben wir ja eben schon erläutert gehabt. Das war bei vielen Technologien der Fall, zum Beispiel Internet.

Das war ein großer Treiber von Dezentralisierung. Jeder kann seine eigene Webseite auf seinem Rechner zu Hause posten und kann es seinen Freunden teilen. Allerdings ist es in den letzten Jahren so geschehen, dass sich da schon viel konsolidiert hat.

Jetzt ist keiner mehr an der eigenen Webseite. Alle haben früher noch auf Myspace ihr Profil gehabt. Mittlerweile gibt es das auch nicht mehr.

Jetzt sind alle bei Facebook und haben da ihre Seite, wo sie ihre Fotos teilen. Das führt natürlich dazu, dass Facebook ein riesiger Player ist im Internet. Die ganze Cloud-Infrastruktur ist mittlerweile bei Google, bei Amazon, bei riesigen Playern.

Das sind Effekte, wo sich eben dieses an sich dezentrale Internet ziemlich zentralisiert hat. Bei Blockchains haben wir uns das gleiche Phänomen angeschaut, besonders in Bezug auf Kryptowährungen, weil das eben zur Zeit noch der größte Use Case ist für Blockchains. Da gab es viele Diskussionen, ob sich das nicht auch zu sehr zentralisiert, dass die Leute, die eine Blockchain-Mining, also diese Transaktionen validieren, dass die zu viel Macht erhalten, weil sie sich auch zusammentun und große Serverfarmen gebaut werden, wo dieses Blockchain-Mining betrieben wird.

Andererseits wird nicht nur dieser Effekt zentralisiert, sondern auch der Handel mit den ganzen Kryptowährungen findet auch an zentralisierten Marktplätzen statt. Auch hier wurde postuliert, dass sich die ganze Infrastruktur zentralisiert, dass es nur große Marktplätze gibt, die den ganzen Handel verwalten, dass es große Mining-Farmen gibt, die das ganze Mining unternehmen, aber auch, dass es viele große Investoren gibt, die einen Großteil der Kryptowährungen halten und somit auch zum Beispiel Kursmanipulationen leicht durchführen könnten. Das Ergebnis von unserer Forschung war jetzt aber, dass diese Effekte besonders am Anfang sehr stark waren.

Sagen wir mal, ganz am Anfang von Bitcoin, wo es noch nicht bekannt war, gab es auch keine Konsolidierung. Da ist noch alles sehr dezentral gelaufen, allerdings als die Popularität gestiegen ist, sind die ersten Marktplätze aufgekommen und es ist alles wirklich sehr zentral geworden. Dieser ganze Effekt sieht man, dass er langsam wieder rückläufig ist.

Das liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel mittlerweile mehrere Marktplätze entstanden sind. Also es hat nicht nur einen großen Marktplatz mehr, sondern auch mehrere große Marktplätze, aber der Marktanteil ist mittlerweile kleiner. Es wird mittlerweile mehr als reales Zahlungsmittel benutzt.

Einige Anbieter akzeptieren schon Bitcoins und andere Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Dadurch sind natürlich auch diese Peer-to-Peer-Effekte größer und es wird nicht alles nur noch als reines Spekulationsobjekt auf einem Marktplatz gehandelt. Man kann eigentlich sagen, unsere Hypothese, dass wir gedacht haben, naja gut, da gibt es ein paar wenige Player, die reißen das sozusagen an sich und je länger so ein Blockchain-Mechanismus auf einer Plattform angeboten wird, desto mehr läuft da eigentlich Gefahr, dass wenige Player ihn sehr stark dominieren.

Diesen Effekt können wir nicht bestätigen. Den Effekt konnten wir nicht bestätigen beziehungsweise nicht mehr. Es ist, wie gesagt, in den letzten paar Jahren alles rückläufig.

Da hat wahrscheinlich auch die gesteigerte Popularität von Kryptowährungen mit zu tun. Man hat gerade Anfang letzten Jahres gemerkt, wo mal ein riesen Boom war, wo der Bitcoin auch bei 20.000 Dollar stand, dass gerade da diese Dezentralität sehr hoch war. Da haben viele Leute, viele Privatanleger auch investiert nochmal und dadurch ist das ganze Netzwerk sehr dezentral geworden.

Jetzt haben wir schon ein bisschen über Bitcoin wieder gesprochen. Wir kamen eben von Apfel, von Transaktionen. Jetzt muss ich mal die Frage stellen, was hat das alles miteinander zu tun? Weil ich glaube, dieses ganze Bitcoin-Thema hat doch sehr stark dieses Thema Blockchain als verteilte Drahtenbank erstmal überlagert und wahrscheinlich hat auch jeder zuerst Kryptowährungen im Kopf, wenn er das Thema Blockchain hört.

Es ist natürlich dem geschuldet, dass es zur Zeit der populärste Anwendungsfall ist. Jeder hat mittlerweile von Bitcoin gehört. Der Mechanismus, der dahinter steckt, ist allerdings sehr, sehr stark abwandelbar.

Mittlerweile kann man nicht nur Transaktionen auf Blockchains ablegen. Es ist auch möglich, mittlerweile ganze Programme in der Blockchain zu speichern und die Programme dann halt dezentral auszuführen. Dass nicht nur der Code vom Programm validiert ist von allen Teilnehmern, sondern auch der Input von dem Programm und der Output.

Warum ist sowas wichtig? Das hat natürlich viele Vorteile. Der Term, der für diese dezentralen Programme geprägt wurde, ist Smart Contract. Also man kann praktisch einen Vertrag dezentral ablegen, dezentral validieren lassen.

Dass ich nicht mehr, um meinen Vertrag auszuführen, meinen Vertrag durchzusetzen, brauche ich nicht mehr eine dritte Instanz, sondern kann es auch komplett dezentral abwickeln. Ich gucke so ein bisschen auf die Uhr. Ich habe schon mal versprochen, ich bleibe unter einer magischen Schwelle von 30 Minuten pro Folge.

Ich würde für heute mal, jetzt haben wir fast alle Bestandteile der Blockchain einmal durchdiskutiert, würde ich einen kleinen Cut machen. Ich würde gerne nächste Woche Sie nochmal einladen und mit Ihnen Anwendungsfälle ganz unterschiedlicher Art durchdiskutieren. Vielleicht auch das Thema Smart Contract.

Mit allen dahinterliegenden Geschäftsmodellen nochmal ein bisschen näher beleuchten und natürlich auf unser derzeitiges Forschungsprojekt eingehen. Für heute sage ich ganz ganz herzlichen Dank und freue mich, wenn wir an der Stelle nächstes Mal weitermachen können. Sehr gerne.

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Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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