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#91a - ERP- und SAP-Beratung – ein Interview mit dem Leiter Consulting der FIS Informationssysteme und Consulting GmbH Torsten Hartlieb
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Kennen sie die Geschichte von dem Mann, der seinen Hausschlüssel nachts unter einer Straßenlaterne sucht – nicht etwa, weil er ihn dort verloren hätte, sondern weil es dort so schön hell ist?

Es ist die Aufgabe des ERP-Beraters, die Anwendungsunternehmen zu begleiten, Ihnen den richtigen Weg auch abseits der Straßenlaterne zu zeigen und gemeinsam das Unternehmensdatenfundament aufzubauen. Mit dem langjährigen SAP-Experten Torsten Hartlieb spreche ich im ersten Teil der Episode über den Beratermarkt, über das Anforderungsprofil und die Entwicklungen im SAP-Umfeld.

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Folge 91 ERP- und SAP-Beratung Ein Interview mit dem Leiter-Consulting der FIS Informationssysteme und Consulting GmbH Thorsten Hartlieb. Kennen Sie die Geschichte von dem Mann, der seinen Hausschlüssel nachts unter einer Straßenlaterne sucht? Nicht etwa, weil er ihn dort verloren hätte, sondern weil es dort so schön hell ist. Es ist die Aufgabe des ERP-Beraters, die Anwendungsunternehmen zu begleiten, ihnen den richtigen Weg auch abseits der Straßenlaterne zu zeigen und gemeinsam das Unternehmensdatenfundament aufzubauen.

Mit dem langjährigen SAP-Experten Thorsten Hartlieb spreche ich im ersten Teil der Episode über den Beratermarkt, über das Anforderungsprofil und die Entwicklung im SAP-Umfeld. Viel Vergnügen. Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast, eine neue Woche, eine neue Folge. Ich freue mich, dass wir heute ein bisschen über Leid und Lust in der Anwendung von ERP auch sprechen.

Wir sprechen ein bisschen über ERP-Beratung, vielleicht auch SAP-Beratung, denn ich spreche heute mit dem Leiter Consulting, der FIS, einer der großen SAP-Beratungshäuser, die wir in Deutschland haben, insbesondere hier in Süddeutschland haben. Ich freue mich, dass ich heute Thorsten Hartlieb im Gespräch habe. Herzlich Willkommen bei uns hier im ERP-Podcast, herzlich Willkommen Thorsten Hartlieb.

Ja, vielen Dank für die Möglichkeit, hier auch mal teilzunehmen und entsprechend auch Ihnen auch mal einen kleinen Einblick in unser Unternehmen bzw. auch in den Beraterjob mal geben zu können. Ja, und das machen wir gleich als erstes.

Sie sind Urgestein sozusagen der FIS GmbH, aber bevor wir zur FIS kommen, ein paar Worte zu Ihnen. Wer sind Sie, wer ist der Mensch Thorsten Hartlieb, wie ist Ihr Werdekampf? Ja, ich bin, wie man an der Sprache unschwer hören kann, ein Unterfranke, auch geboren und aufgewachsen und mittlerweile hier auch sesshaft in der Region Schweinfurt. Ich bin verheiratet seit über 20 Jahren, zwei große Töchter und habe mich nach dem Studium an der Fachhochschule in Würzburg für den Bereich Kunststofftechnik doch für eine andere Branche entschieden und bin dann vor geraumer Zeit hier im Unternehmen eingestiegen als SAP-Berater.

Ist das etwas, was, anders gefragt, Sie haben Kunststofftechnik studiert, das ist jetzt nicht unbedingt naheliegend, dann als ERP oder SAP-Berater anzufangen, oder? Das ist korrekt. Die Ausgangssituation war die, dass ich Mitte der 90er Jahre mit dem Studium fertig war und dummerweise durch die Krisen, die in diversen Industriebereichen bestanden, die Aussichten auf einen Neueinsteiger relativ schlecht waren und somit musste ich mich ein bisschen umorientieren. Der Bedarf an Beratern war quasi Ende des letzten Jahrtausends schon gegeben und hoch und die Affinität zur EDV, die hatte ich vorher schon ein Stück weit und kam dann über diverse kleinere Stationen in das Thema Beratung rein, was mir mit Kundenkontakt auch durchaus immer Spaß gemacht hat und die EDV an sich war auch ein Thema und somit habe ich diesen Schwenk dann vollzogen und habe ihn auch bis dato in keinster Weise bereut.

Sie sind schon ganz, ganz lange, seit 1998 bei der FIS, vielleicht können Sie ein bisschen was zu Ihrem Arbeitgeber sagen, wer ist FIS? Ja, kann ich ganz kurz, natürlich. Die FIS ist, wie Sie es schon angedeutet haben, ein mittelständisches Beratungsunternehmen. Wir haben ganz klar den Schwerpunkt auf SAP Beratung gelegt.

Die FIS wurde 1992 gegründet, waren einige wenige Personen, elf Personen, die sich damals überlegt haben, wir müssen eine Beratungsfirma aufbauen. Die letzten über 25 Jahre ist die Firma natürlich auch kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile ist es eine kleine Firmengruppe und wir beschäftigen insgesamt ca.

700 Mitarbeiter, haben Geschäftsstellen über Deutschland verteilt, eine Nierschoring Firma in Polen und arbeiten letztendlich direkt auch mit unserem Software-Lieferanten der SAP zusammen und implementieren vorwiegend SAP in kleineren und mittelständischen Unternehmen und versorgen letztendlich diese Firmen auch mit einer entsprechenden Branchenlösung, die wir im Bereich des technischen Großhandels entwickelt haben. Und so versuchen wir natürlich auch zum einen Neuimplementierung und bestehende Kunden natürlich optimal zu betreuen. Wenn ich jetzt sage SAP Beratungshaus, dann hat man glaube ich vor Augen, Sie bestehen rein aus Consultants, die bei der Auswahl und Implementierung des passenden SAP Projektes helfen, aber ich glaube das ist zu kurz gesprungen, oder? Das wäre nur ein Teil der Firma, ganz klar.

Im Wesentlichen ist es wie jede Firma auch, wir haben natürlich die Berater, die Beraterinnen, die quasi die betriebswirtschaftlichen Prozesse auch in den Unternehmen aufnehmen und dann entsprechend auch in SAP umsetzen. In jedem Projekt natürlich auch ein wesentlicher Anteil, es gibt gewisse Anpassungen zu machen, es müssen Daten migriert werden, es müssen Formulare erstellt werden. Und auch diese Sachen werden dann von einer eigenen Abteilung, die in den Projekten dann integriert ist, nämlich den Entwicklern, die in allen möglichen, primär natürlich in ABAP-Programmiersprache, der SAP-eigenen Programmiersprache, das Ganze umsetzen.

Aber mittlerweile natürlich auch durch die Öffnung des Systems auch Richtung Internet, Richtung Webportale und so weiter, werden natürlich auch weitere Programmiersprachen wie java.net oder sowas auch benötigt. Und das ist dann natürlich, das ist ein was, wir haben natürlich auch eine eigene Produktentwicklungsabteilung, die im Wesentlichen aus Beratern und Entwicklern besteht. Und wir haben auch eine relativ große Support-Abteilung, das müssten ca.

100 Mann sein, die ausschließlich für die Betreuung unserer Bestandskunden da sind, denen im Falle eines Problems weiterhelfen, aber durchaus auch größere Projekte wie z.B. einen Release-Wechsel dann eigenständig in der Abteilung durchführen. Und somit greift das alles Hand in Hand. Also die Produktentwicklung stellt uns ein Produkt zur Verfügung, die Berater, die Entwickler implementieren das beim Kunden, der Support übernimmt das Projekt und somit kann der Kunde quasi einen rundum-sorglos-Paket letztendlich buchen von bei uns von der Implementierung bis über Lifecycle-Support.

Um das Ganze abzuschließen, haben wir auch noch eine eigene Tochterfirma, die FIS-ASP, die primär Rechenzentrums-Dienstleistungen erbringt und der Kunde könnte dann sogar dort im eigenen Rechenzentrum bei uns die Systeme hosten und entsprechend letztendlich das System aus der Steckdose beziehen. Wenn ich mir das jetzt anschaue, dann ist ja das Spektrum, was Sie da anbieten, sehr, sehr breit. Trotzdem heißt es Systemhaus oder Beratungsunternehmen.

Gibt es überhaupt in diesem Bereich SAP-Beratung, ERP-Beratung ein spezifisches Profil, was man als Berater hat? Ja, ich denke mal, es sind weniger die Erfahrungen, die man braucht, um ein SAP-System bedienen oder einstellen zu können. Es ist vielmehr, der Berater ist vielmehr bei, ich würde es mal mit Soft Skills bewerten und beurteilen, er muss zuhören können, er muss quasi die Anforderungen, die der Kunde ihm erzählt, entsprechend auch umsetzen können in einem System. Er muss konzeptionell tätig sein.

Er muss natürlich eine fundierte betriebswirtschaftliche Basis haben, um überhaupt den Geschäftsprozessen, die er da erklärt bekommt, überhaupt folgen zu können. Also diese Fähigkeit sollte er haben, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse ein Stück weit auch zuhören können und auf Kunden zugehen können, mit Kunden reden können. Das wären so die primären Eigenschaften, die meines Erachtens in der Branche wichtig sind.

Gefühltes Alter, reales Alter der Leute, die so etwas machen? Ja, das ist bei uns ganz breit gefächert. Wir sind grundsätzlich immer noch ein Familienbetrieb, so würde ich es auch immer bezeichnen. Wir haben ein sehr lockeres Betriebsklima.

Die Leute sind auch sehr lange bei uns im Unternehmen. Ich habe mittlerweile auch einige Kollegen aus dem Consulting in den Ruhestand verabschieden dürfen. Das heißt, viele Mitarbeiter sind 20 Jahre und länger schon bei der FIS.

Bedeutet für mich so ein bisschen, so schlecht kann die Firma als Arbeitgeber auch nicht sein. Und die Projekte, die wir hier durchführen, sind natürlich auch immer wieder abwechslungsreich und spannend. Und das wiederum ermöglicht es den Leuten auch lange hier zu arbeiten.

Idealerweise haben wir mittlerweile Mitarbeiter, die nach dem Studium bei uns sofort anfangen, beziehungsweise als Juniorberater anfangen. Und wir haben auch die ganz erfahrenen Leute, die schon über die 60 Jahre hinweg alt sind. Also das ist ein durchgängig, es ist altersunabhängig, würde ich jetzt mal so sagen.

Wenn Sie jetzt sagen, Sie arbeiten auch viel mit Leuten, die aus dem Studium kommen. Logisch, sie brauchen ihren Nachwuchs. Sie sind ja auch ein Konzern, der am Wachsen ist und nicht am Schrumpfen ist.

Wonach suchen Sie? Was ist eine typische Qualifikation, die jemand idealerweise mitbringen sollte, die Ihnen zumindest hilft, erstmal ein Fundament zu haben bei neuen Mitarbeitern? Also wie gesagt, die gewissen Grundkenntnisse, was betriebswirtschaftliche Geschäftsprozesse angeht. So mal mit einem Helikopter über eine Firma fliegen. Was passiert in so einer Firma? Welche Mengen und welche Werteflüsse gibt es dort? Das sollte man so im Groben mal kennen.

Dann das Wichtige ist, man sollte gerne und bereit sein, auch mal außerhalb zu arbeiten, also beim Kunden vor Ort. Man sollte keine Berührungsängste beim Kunden haben und ein Stück weit offen für gewisse neue Sachen auch sein. Also durchaus sehr interessant für junge Menschen, die auch mal ein bisschen unterwegs sein wollen, die die Welt kennenlernen möchten, Menschen kennenlernen möchten.

Und durchaus auch immer wieder bereit sind, neue Erfahrungen zu sammeln und neue Themen dazuzulernen. Also solche Menschen suchen wir. Ich werfe Ihnen jetzt einfach mal drei Studiengänge vor die Füße.

Mal sehen, was Sie sagen. Informatik, Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre. Im Prinzip sind die alle sehr gut für uns geeignet.

Die Betriebswirtschaftslehre legt, wie gesagt, den Grundstein, um diese Geschäftsprozesse auch mal kennenzulernen und etwas dahinter zu blicken. Wirtschaftsinformatik kombiniert das Ganze natürlich so ein bisschen mit der Technik, mit dem Programmieren. Die Informatik bietet auch durchaus spannende Tätigkeiten, weil auch Entwicklung natürlich durchaus ein sehr komplexes Thema mittlerweile ist.

Also die ERP-Systeme, habe ich ja vorhin erwähnt, öffnen sich. Es ist nicht mehr rein ein SAP-System, sondern es gibt eben eine ganze Menge an Systemen, die dort zu betreiben sind. Stichwort zum Beispiel irgendein CRM-System, irgendein Job-System, was auch immer.

Und dafür braucht man natürlich auch technikaffine Menschen, die quasi mit dem notwendigen Hintergrundwissen, was die Informatik angeht, auch verfügen. Also durchaus alle Bereiche, die Sie da ansprechen, sind für uns sehr, sehr interessante Mitarbeiter. Jetzt fängt man ja erstmal an und natürlich hat man das Gefühl, wenn man mit seinem Studium fertig ist, dass man das Ende des Horizonts erreicht hat.

Aber der Horizont, der ist noch viel, viel, viel weiter als das, was man bis dahin dachte, was der Horizont ist. Das heißt, Sie kriegen Leute, die haben irgendwo ein Basisfundament da. Wie geht es von dort aus weiter? Es gibt mehrere Möglichkeiten.

Also wir bieten seit diesem Jahr, das wird jetzt Mitte April starten, ein Trainee-Programm an für angehende Berater. Das heißt, wir versuchen zwischen acht bis zwölf Mitarbeiter junge Absolventen, Absolventinnen in dieses Programm reinzubekommen. Und werden denen eine entsprechende SAP-Zertifizierung, Ausbildung geben, werden die eine Übungsfirma begleiten lassen, selber einstellen lassen, Geschäftsprozesse, um dann circa nach sechs Monaten das Ganze abzuschließen.

Und dann sollten die Kollegen auch in die entsprechenden Fachabteilungen wechseln können. Das ist eine Möglichkeit. Der Normalfall ist, wir haben einen gewissen Bedarf mit einer Stellenausschreibung.

Es bewerben sich auch Junioren, also junge Kollegen als Juniorberater und wir führen die in die Abteilung ein. Dort bekommen sie als erstes mal eine Zertifizierungsschulung, die gewöhnlich circa vier Wochen dauert bei der SAP in Walldorf, um das Ganze auch mit einem entsprechenden Beraterzertifikat abschließen zu können. Ich vergleiche das immer gerne, wenn die Berater fragen, was ist denn das genau? Ich vergleiche es immer gerne mit einem Führerschein, den ich bezahlt bekomme.

Ich lerne die Grundlagen, ich kann mich bewegen in dem System. Ich habe auch mal die Motorhaube aufgemacht, habe mir das mal genau angeschaut, was da genau für Stecker, was da für Kontakte sind und so weiter, dass der Motor mal ein bisschen angeschaut wird. Wir werden die dann begleiten im Rahmen, wir haben ein sogenanntes Patenkonzept und wir begleiten diese Juniorberater mit einem Paten in einem Projekt und führen die letztendlich sukzessive an ihre Projektarbeit ran, indem man ihnen immer mehr Aufgaben auch zukommen lässt, die sie dann entsprechend auch beim Kunden umsetzen dürfen, sodass die Mitarbeiter zum einen mal sich nicht alleingelassen fühlen, zum anderen mal auch immer einen Ansprechpartner im Projekt haben, der ihnen auch weiterhelfen kann, wenn es fachlich eine Frage gibt.

Aber so werden die jungen Kollegen Projekt für Projekt an ihre Arbeit herangeführt und sie lernen letztendlich durch die Praxis, die sie dann in den Projekten auch erlernen. Wir versuchen sie so auch dann wieder als Mentoren auszubilden, dass sie dann der nächsten Generation natürlich die ähnliche Unterstützung geben können. Und das hat sich in den letzten Jahren eigentlich ganz gut bewährt, dass wir dieses Patenkonzept letztendlich auch so leben.

Wie sieht dann so ein Arbeitsalltag aus? Also Sie haben diese Schulungsphase, dann geht der mit erfahreneren, älteren Beratern quasi im Projekt mit. Bedeutet das, dass ich als Berater von montags bis freitags auf irgendwelchen Projekten im In- und Ausland hänge, also weg von zu Hause? Wie kann ich mir das vorstellen? Ja, so ganz extrem würde ich jetzt mal nicht sagen. Eine gewisse Reisebereitschaft ist dort natürlich notwendig.

Die Projekte lassen sich nur zum Teil remote durchführen beziehungsweise vom Arbeitsplatz in der Firma hier aus. Gewisse Workshops, gewisse Schulungen lassen sich einfach nur effizient vor Ort beim Kunden durchführen. Wir sind nicht diejenigen, die Montag bis Freitag beim Kunden arbeiten.

Diese Zeit hat gewöhnlich der Kunde nicht, weil er ja nebenbei auch noch Tagesgeschäft hat. Ich gehe immer, wenn ich den jungen Kollegen und den Mitarbeitern das erklären will, davon aus, dass es zwischen 40 und 60 Prozent Reisetätigkeit mal wäre. Also circa zwei bis drei Tage die Woche.

Die restlichen Tage verbringt man entweder im Homeoffice. Mittlerweile ändert sich das Ganze auch, was die Projektvorgehensweise angeht. Diese agilen Teams werden sich immer mehr durchsetzen.

Auch die virtuellen Teams setzen sich immer mehr durch, dass die Leute an verschiedenen Standorten sind. Sowohl auf unserer Seite als auch auf Kundenseite. Damit verbunden diese sehr hohen Aufwendungen für Reisekosten versucht man zu minimieren, indem man das Ganze auch virtuell macht.

Wir haben durchaus auch Projekte, die zum Großteil virtuell, also remote durchgeführt werden. Und nur bei Bedarf fährt man direkt zum Kunden vor Ort. Also dieser Eindruck, dass man Montag früh um sieben oder um acht in der Firma in Hamburg ist und am Freitag um 17 Uhr dann die Firma da oben wieder zuschließt und dann wieder heimfahren kann, dem ist nicht so.

Es kommt natürlich auch mal vor, ganz klar, wenn man in einem Projekt ist, wird es irgendwann auch mal hoffentlich zum Abschluss des Projektes kommen. Sprich, der Kunde wird auf SAP umgestellt. Dort sind gewöhnlich rund um diesen Produktivstadt sehr arbeitsintensive Tage.

Und dort ist es dann auch mal durchaus erforderlich, dass man mal ein Wochenende beim Kunden verbringt. Bei einer Projektlaufzeit in unseren Kundenklientel reden wir immer zwischen mindestens 15 Monate bis 24 Monate Laufzeit. Also ausgerechnet alle eineinhalb Jahre muss ich mal ein Wochenende investieren.

Und denke ich mal, das ist überschaubar. Idealerweise bieten sich natürlich auch bei uns, wir sind vorwiegend im deutschsprachigen Raum unterwegs, haben wir dennoch auch international agierende Konzerne als Kunden. Und dort kann es sich auch mal anbieten, dass man durchaus auch mal im Ausland einen Produktivstadt begleitet.

Und das sind dann eher die schönen und abwechslungsreichen Projekte, die mit Sicherheit auch nicht weniger stressig sind. Aber man lernt mal neue Menschen, neue Kontinente, neue Kulturen kennen. Und das ist dann, ich sage jetzt mal, eines der Highlights in einem Beraterleben, dass man dann auch mal entsprechend um die Welt fliegen kann und mal irgendwas Neues kennenlernen kann.

Wer den ERP-Podcast ein bisschen verfolgt, weiß, dass auch immer wieder dieses Sozio-Technische herausschimmert. Also es ist kein rein technisches Projekt, was dort durchgeführt wird, sondern es menschelt überall in diesem Projekt. Es sind ganz viele organisatorische Entscheidungen, die zu Fällen sind, wo der Berater sicherlich auch von den Anwendungsunternehmen eingebunden wird.

In gewisser Weise stimme ich zu, man kann einen Teil in Homeoffice, in Arbeit aus der Ferne, aus dem FIS-Unternehmen sozusagen machen. Aber wir werden wahrscheinlich immer einen gewissen Anteil beim Kunden vor Ort haben, oder? Das ist richtig. Also das habe ich ja schon erwähnt.

Es gibt gewisse Themen, die sind ineffizient. Und wenn ich die über das Telefon erledige, ich bekomme keine Stimmung mit, ich bekomme die Reaktionen der Mitarbeiter ganz schwer mit. Beispiel eine Schulung durchführen.

Also eine Schulung kann man natürlich als Webex durchführen, also über das Internet. Für Rückfragen ist es dann immer schwierig, wenn 20 Leute dort sitzen sollen. Also das ist kompliziert.

Also wie gesagt, da haben Sie natürlich absolut recht. Man muss, deswegen sage ich zwischen 45 und 60 Prozent Reisebereitschaft, man muss in der Lage sein, auch mal zwei bis drei Tage die Woche beim Kunden arbeiten zu können. Und das würde dann die notwendige Effizienz bringen, dass ich auch so einen Workshop vernünftig und zielführend und vor allem auch ergebnisorientiert durchführen kann.

Würden Sie sagen, das ist ein Beruf, den man sein Leben lang machen kann? Oder ist das ein Beruf, der tendenziell eher jüngeren Mitarbeitern vorbehalten ist? Wie sehen Sie das? Sie haben ja ein bisschen jahrzehntelange Erfahrung, kann man jetzt schon beinahe sagen. Ja, kann man jetzt mittlerweile schon. Nein, also muss ich ganz ehrlich sagen, das ist ein Beruf, den kann man wirklich bis zum Rentenalter durchführen.

Das ist, denke ich, mal möglich. Da haben Sie sehr viel Abwechslung in dem Bereich. Was ich natürlich erkennen kann, ist, ältere Kollegen, die jetzt mal über 60 Jahre alt sind, die versuchen natürlich mehr oder weniger die regelmäßigen Reisetätigkeiten zu vermeiden.

Das heißt, aber auch solche Mitarbeiter sind natürlich, was das Know-how angeht, absolut wichtig für unser Unternehmen, weil nur mit dem Wissen können wir uns auch weiterentwickeln. Und deswegen kann man den Beraterberuf, den Beruf des Beraters, meines Erachtens auch bis zum Eintritt der Rente durchführen. Also überhaupt kein Problem.

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Es gibt ja so, ja, wie sage ich das? Also natürlich ist es wichtig, immer auch junge Leute, die sicherlich auch neue Methoden wissen, neue Ideen, frischen Wind in solche Projekte reinbringen, mit hineinzunehmen. Die heißen dann ja auch immer böswillig ein bisschen, werden sie dann auch als Rookies genannt, als Neulinge.

Wie sieht so ein Verhältnis in so einem Projekt aus? Wie gehen Sie damit um, dass Sie einerseits natürlich auch neue Leute anlernen müssen, die erfahrenen Hasen vielleicht gar nicht mehr so gerne reisen und es natürlich auch immer mehr jüngere als erfahrene ältere Mitarbeiter und Berater gibt? Wie schafft man das hier, eine vernünftige Balance auch im Interesse der Anwendungsunternehmen zu finden? Das funktioniert erstaunlicherweise sehr gut. Die älteren Kollegen, die erfahrenen Kollegen, die geben durchaus sehr gerne, also wir leben das natürlich auch so, die geben sehr gerne ihr Wissen weiter und freuen sich natürlich insgeheim über jede Entlastung, die man ihnen zukommen lässt. Wenn jemand die Arbeit übernimmt, dann sind sie ja gerne bereit, das zu übertragen, weil damit haben sie dann wieder weniger Arbeit.

Also das ist ein Stück Eigennutz, denke ich mal, dass viele Leute das gerne machen und das Wissen vermitteln. Meine Erfahrung ist, wir haben auch sehr junge Kollegen, die vielleicht erst vier, fünf Jahre das Ganze machen, durchaus sehr intensiv in viele Bereiche schon eingestiegen sind und die sind durchaus dann auch, ich nenne es mal auf der gleichen Wellenlänge wie so ein Absolvent, weil sie das eben noch gar nicht so lange hinter sich haben. Und dort ist es so, dass die sehr, sehr innovativ sind, die sind mit den neuen Themen sehr schnell zu begeistern und die geben ihr Wissen auch absolut schnell weiter und versuchen die jungen oder die neuen Kollegen auch sehr schnell in diese Projekte einzubinden.

Also das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung, die momentan da stattfindet, dass die ganz jungen Kollegen auch die Absolventen, die Neueinsteiger hier bei uns sofort in die Projekte integrieren und sich im Prinzip sofort wohlfühlen da drin. Das ist so die Erfahrung der letzten Jahre. Also ich fange wahrscheinlich erstmal an und ich bin Junior-Consultant.

Ja, genau. Und wie sieht das dann aus? Gibt es da eine Karriereleiter in der Beratung oder ist das ein relativ flaches Gebilde? Ja, die Karriereleiter ist letztendlich ein Stück weit überschaubar und wir fangen gewöhnlich an mit einem Junior-Berater. Das ist ein Mitarbeiter, der die Grundlagen kennt, der eine Zertifizierung hinter sich hat, der die ersten Projekterfahrungen gesammelt hat.

Wenn ein Mitarbeiter dann umfassend in einem zu betreuenden Fachbereich in SAP Chagall im Modul entsprechend auch sich auskennt und einen Großteil eigenständig abwickeln kann, dann ist es der Level des Beraters. Und ein Senior-Berater, der wäre dann in der Lage auch solche Projekte mit vielleicht auch über mehrere Fachbereiche hinweg eigenständig zu betreuen, Mitarbeiter zu führen, die Teilprojektleitung zu übernehmen und entsprechend halt mit seinem Wissen im Projekt das Ganze auch nach vorne bringen. Als letzte Karriereleiter oder Karrierestufe würde ich mal sagen, es gibt bei uns auch viele Mitarbeiter, die dann das notwendige Organisationstalent mitbringen und sich vielleicht über dem für das Thema Projektmanagement engagieren.

Dort haben wir dann die Möglichkeit, auch noch dedizierte Projektmanager auszubilden und die dann einem solchen Projekt, was ja doch in der Größenordnung von mehreren tausend Manntagen sind, das Ganze auch zu organisieren und das Budget entsprechend zu verantworten gegenüber dem Kunden. Das wären so die einfachen, flachen vier Hierarchie-Ebenen. Jetzt bin ich mal ein bisschen gehässig, aber ich weiß, dass Sie darauf auch eine Antwort haben.

Es gibt ja wahnsinnig viele Unternehmensberatungen oder auch ERP-Beratungen am Markt, sei es jetzt im Bereich von SAP oder auch für andere ERP-Hersteller. Gleichzeitig gibt es Beratungen, die sehr stark strategisch unterwegs sind. Ich nenne jetzt einfach mal Namen, es soll keine Schleichwerbung sein, irgendjemand wie McKinsey oder Ähnliches auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite haben wir dann Beratungen, die relativ operativ unterwegs sind, auch Namen einfach genannt, Accenture. Wie schafft man es, in diesem Spagat eigentlich als durchaus mittelständisches Beratungsunternehmen, SAP-Beratungsunternehmen, wahrgenommen zu werden, sich zu positionieren, Mitarbeiter zu bekommen, zu halten, weiter zu qualifizieren und letztendlich sehr erfolgreich am Markt da zu stehen? Eines der wesentlichen Erfolgsfaktoren, was uns in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, wir sind definitiv keine reine Beratungsunternehmung, die Unternehmensberatungen oder sonst irgendwas vorantreibt. Wir haben schon immer den Fokus auf SAP-Beratung, also ganz speziell die Ablösung einer existierenden Software durch SAP.

Was uns auszeichnet ist, wir haben in den letzten 20 Jahren sehr viele Kunden im Bereich des technischen Großhandels gewonnen. Also technischer Großhandel, einfach erklärt, sind Firmen, bei denen Handwerker einkaufen, egal in welcher Art von Handwerker das ist. Das ist ein spezielles Branchensegment. Und da haben wir in den letzten 20 Jahren doch sehr, sehr viele Unternehmen im deutschsprachigen Raum als Kunden gewinnen können. Und unsere Branchenlösung, die wir, also wir haben ein Template gebaut, wo viele Prozesse schon vorkonfiguriert sind, viele Systemanforderungen schon umgesetzt wurden, sodass man dann eine Lösung hat, die der Kunde schon zu einem Großteil gebrauchen kann und letztendlich auch ready to run ist.

Was uns dann auszeichnet ist, wir sprechen letztendlich auch die Sprache des Kunden. Das sollte man nicht unterschätzen. Das hören wir auch immer wieder, wenn Branchen, fremde Beratungsfirmen dann zu diesen Kunden kommen, dann müssen die denen erstmal gewisse Themen erklären, wie sie denn eigentlich arbeiten.

Und das sollte man auch in der Branche nicht unterschätzen. Und wie gesagt, in dem Bereich technischer Großhandel, würde ich jetzt mal sagen, gibt es nicht mehr so viele Unternehmen, die ähnlich viele Referenzen aufweisen können. Und das, sage ich mal, hat uns in den letzten Jahren eigentlich ganz gut weitergeholfen, dass wir diese Forschungsexpertise haben.

Das heißt, klare Positionierung am Markt, klare Kommunikation auch, dass Sie mit dem entsprechenden Fachwissen, auch mit dem mittelständischen Fachwissen aufwarten können, ist letztendlich seit 1992 dauerhafter Erfolg für die FIS-Gruppe. Genau, so würde ich das mal nennen. Wir sind zwar in dem Bereich der Industrie groß geworden.

Die FIS wurde 1992 aus dem FAG, damals FAG, jetzt Schaeffler-Konzern, ausgegliedert. Und wie gesagt, mit elf Personen, die sich damals selbstständig gemacht haben, ja doch eine durchaus positive Erfolgsgeschichte dann hingeworfen haben. Also wie gesagt, wir kamen aus dem Industriebereich, haben uns dann um die Jahrtausendwende auf den Bereich des technischen Großhandels spezialisiert, machen wie gesagt Industrie und technischer Großhandel so im Bereich des Branchensegments.

Ich würde gleich, was heißt gleich, ich gucke wieder ein bisschen auf meine Uhr, also ungefähr eine halbe Stunde ist rum. Ich habe ja immer meinen Hörern versprochen, ich mache nicht länger als eine halbe Stunde pro Woche. Das will ich auch diese Woche gerne wieder halten, aber ich würde Sie gerne nächste Woche nochmal wieder einladen, weil ich ganz, ganz viele Fragen habe, was eigentlich konkrete Projekte, insbesondere SAP-Projekte angeht, von der Größenordnung über, wie skaliere ich dabei eigentlich mit Beratern, kann ich das nicht selber machen.

All diese Fragen würde ich Ihnen gerne nächste Woche nochmal stellen. Sie bringen 20 Jahre Erfahrung im Beratungsmarkt, im SAP-Beratungsmarkt mit. Ich glaube, da sind Sie ein spannender Ansprechpartner.

Wenn das für Sie okay ist, würde ich an dieser Woche den Sack zubinden. Ich darf mich herzlich bei Ihnen, Herr Hartleb, bedanken und freue mich, dass wir nächste Woche das Gespräch wieder aufnehmen. Na, sehr gerne, Herr Wengelmann.

Vielen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.

Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Wengelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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