Sie wollten schon immer einmal wissen, wofür eine Advanced Planning and Optimization Software genutzt wird? Sie arbeiten vielleicht sogar mit einem SAP APO System und fragen sich, wie sie in die SAP S/4HANA-Welt migrieren können? Dann ist diese Folge mit unserem neuen Teammitglied und ehemaligen SAP-Consultant Fabian Gwinner genau richtig für Sie.
Viel Vergnügen.
Literaturempfehlung:
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, von der Uni zu SAP Apo und zurück, Teil 2, mit Fabian Gwinner. Sie wollten schon immer einmal wissen, wofür eine Advanced Planning and Optimization Software genutzt wird? Sie arbeiten vielleicht sogar mit einem SAP Apo-System und fragen sich, wie Sie in die SAP S4HANA-Welt migrieren können? Dann ist diese Folge mit unserem neuen Teammitglied und ehemaligen SAP Consultant Fabian Gwinner genau richtig für Sie. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast, der zweite Teil der Folge von der Uni zu SAP Apo und wieder zurück. Ich begrüße meinen Mitarbeiter Fabian Gwinner.
Ich hatte letzte Woche schon mal berichtet, dass wir am Lehrstuhl sehr stark gewachsen sind, dass ich viele neue Mitarbeiter, viele neue Gesichter hier begrüßen durfte in den letzten Wochen und Monaten. Der Fabian Gwinner ist einer davon. Vier Jahre war er jetzt in der SAP-Beratungsszene, SAP Apo vor allen Dingen Beratungsszene.
Wir haben uns da letzte Woche schon ein bisschen drüber unterhalten. Das macht es natürlich jetzt wahnsinnig spannend am Lehrstuhl, weil wir jetzt Leute haben, die von BWL über Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsmathematik, Informatik, Medieninformatik, also ganz unterschiedliche Bereiche studiert haben, was auch in den Forschungsprojekten rund um das Datenfundament, um ERP, unglaublich spannend ist. Lassen Sie uns ein bisschen in medias res gehen.
Lassen Sie uns ein bisschen über die SAP sprechen, aus Ihren Erfahrungen auch. Zunächst mal herzlich willkommen zurück. Vielleicht müssen Sie sich kurz selber noch mal vorstellen, wer ist der Mensch Fabian Gwinner? Ja, vielen Dank.
Mein Name ist Fabian Gwinner. Aktuell bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Ihnen am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und BWL. Ich habe die letzten vier Jahre als IT-Berater gearbeitet, speziell als Supply Chain Management Berater.
Das heißt als Berater im SAP-Bereich und mit dem Schwerpunkt SAP APO, das APS-Produkt der SAP. Gut, vielleicht sagen wir für die, die nicht aus der SAP-Welt kommen, noch mal kurz, was APO beziehungsweise APS ist, damit alle so ein bisschen abgeholt sind. Und ich glaube, diese Art von Software hat auch eine ganz besondere Bedeutung für das Datenfundament, sprich das Datenfundament muss qualitativ auch sehr, sehr gut sein, um damit zu arbeiten.
Ja, richtig. Also SAP APO beziehungsweise APS-Systeme sind Systeme, die spezielle Problemlösungen, spezielle Prozesse zur Problemlösung anbieten. Speziell jetzt SAP APO ist ein Produkt der SAP, das entwickelt wurde, um im Supply Chain Management Bereich spezielle Funktionen anzubieten, die in Bezug auf Disposition, auf Produktion, auf Produktionsplanung und Steuerung und auf Absatzplanung hinsteuern.
Das heißt, andere Möglichkeiten anbieten, insbesondere, wenn man zum Beispiel größer ist, wenn es um Konzerne geht, werksübergreifende Planung anzubieten, Absatzplanung in den größeren Szenarien anzubieten. Das ist so das Produkt, das die SAP hierfür an den Markt gebracht hat. Wir sahen letzte Woche so ein bisschen stehen geblieben, dass wir gesagt hatten, drei Arten von Unternehmen, die die sehen und können, entweder schon gesehen haben und gekonnt haben und immer noch können, also das Datenfundament vernünftig aufgebaut haben, dann die, die eigentlich könnten und aber nicht so sehr sehen oder die Augen davor verschließen.
Das ist die Gruppe, die wir natürlich auch ein bisschen hoffentlich abholen mit unseren Hintergründen, mit dem, was wir hier im Podcast, mit dem, was wir auf unseren digitalen oder in der Realwelt stattfindenden Messen und Veranstaltungen versuchen abzuholen. Dann gibt es noch eine große Gruppe, vor denen ich persönlich nicht nur Respekt habe, sondern auch um die habe ich ein bisschen Sorgen. Das sind die, die vielleicht sehen, wenn sie nicht selber die Augen verschließen, aber sehr, sehr viele Probleme haben oder haben werden, überhaupt aus der codierten Vergangenheit in die Zukunft gehen zu können, weil einfach so viel in Softwarecode, so viel Mathematik auch in Softwarecodes, in Individualentwicklung geflossen ist.
Das ist sicherlich im Transformationsprozess ein Riesenproblem. Und jetzt gehen wir mal in den Transformationsprozess von Unternehmen rein, in den Transformationsprozess von ERP-Herstellern. Auch da gibt es sicherlich den einen oder anderen, der problemlos in die Zukunft geht, zumindest so tut, als wenn er das problemlos macht, und andere ERP-Hersteller, die vielleicht auch ein bisschen gefangen sind in alter Mathematik, algebraischer Mathematik, algorithmischer Mathematik, die, wie sage ich das, sehr viel Mühe haben werden, hier den Anschluss zu finden.
Die SAP geht ja selber gerade in einen großen Transformationsprozess. Und ich frage jetzt bewusst Sie, weil Sie weder für ein Systemhaus stehen noch für einen ERP-Hersteller selber, sondern neutral am Lehrstuhl agieren. Wie haben Sie diesen Transformationsprozess bislang wahrgenommen, auch hinter den Kulissen? Wie funktioniert das Ganze? Also an sich muss man sagen, die SAP bewirbt das Thema eigentlich komplett mit ihrem neuen System.
Wenn man sich das anschaut, SAP hat, glaube ich, 2015 angefangen, ihr neues System S-Wahana zu entwickeln oder zu vertreiben, zu vermarkten. Und wenn man sich das anschaut, die SAP verlässt sich hier ein bisschen bei diesem ganzen Transformationsthema auf dieses neue System. Meiner Meinung nach hat sich die SAP da etwas ambivalent verhalten, kann man eigentlich sagen.
Denn einerseits macht sie einen richtigen Schritt, andererseits einen falschen. Der richtige Schritt, meiner Meinung nach, ist, anzufangen, diese Funktionen zu integrieren. Das heißt, in dem Fall, oder im speziellen Fall, hat sie angefangen, zum Beispiel die APO-Lösung, die sie seither als eigenes Produkt, als eigene Lösung vertrieben hat, in das S4-System zu integrieren.
Das heißt, einzelne Funktionen wurden daraus genommen, wurden komplett eingebaut. Andererseits hat sie aber angefangen, ich sage jetzt mal innerhalb von einer Cloud-Strategie, bestimmte Softwarelösungen in der Cloud zu entwickeln, und zwar nur dort. Da spreche ich insbesondere von dem SAP Integrated Business Planning, das bestimmte Planungslösungen anbietet für größere Unternehmen, Absatzplanung zum Beispiel, aber in der Cloud.
Und nicht integriert in das ERP-System. Im ersten Moment sogar erstmal komplett losgelöst. Das heißt, für mich ist es so ein bisschen ein ambivalentes Verhalten.
Einerseits machen sie den richtigen Schritt und integrieren die ganze Softwarewelt, die sie haben. Das heißt, das PLM kommt rein. EWM hat eine komplett bessere Anbindung zum S4-HANA anscheinend.
Das APO-System wurde integriert. Diese ganzen Komponenten, die vorher in der Business Suite zu finden waren, haben sie näher integriert in das S4-HANA-System, aber gleichzeitig, wie gesagt, diesen Schritt weggemacht. Bestimmte Lösungen, die wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen sind, dass sie in diesem SAP einen eigenen Inkubator, das heißt ein eigenes Labor, wo sie Cloud-Lösungen entwickeln.
Das ist ein eigenständiger Bereich. Dass sie diese Lösungen nicht integriert haben in ihr neues System, sondern sie stellen es als Systemlandschaft dar. Sie sagen, ja, es ist integrierbar, ich habe eine Lösung, ich stelle zwischen meinem SAP-System und der Cloud noch einen Übersetzer und ich kann dann über diesen Übersetzer bestimmte Daten integrieren.
Aber an sich sind es erstmal losgelöste Systeme. Das ist natürlich nicht nur in Bezug darauf wichtig, dass es jetzt einzelne Softwarelösungen sind, sondern auch die ganzen Trends, die man sieht von IoT über künstliche Intelligenz über diese ganzen Industrie 4.0-Lösungen, die die SAP teilweise als eigene kleine Softwarelösung gebaut hat, die sind nicht integriert in das S4-HANA-System, sondern die laufen eigentlich entweder als Software-as-a-Service in der Cloud oder sind als einzelne Bausätze, Bausteine in der SAP-Cloud-Plattform zu finden. Die SAP-Cloud-Plattform ist nichts anderes wie was eine Microsoft Azure zum Beispiel eben auch hinstellt.
Das heißt an sich nur erstmal ein Server, eine Plattform mit Baukästen zu Machine Learning, mit Baukästen zu IoT. Das ist an sich nur eine Plattform-as-a-Service. Ich sortiere nochmal eben ein.
Wir sprechen jetzt gerade über S4-HANA. Das sind ja eigentlich zwei Teile. Das ist einerseits die In-Memory-Datenbank HANA, die so ein bisschen aus der noch von Peter Zenke, der ja bei uns auch alter Entwicklungsvorstand oder langjähriger Entwicklungsvorstand der SAP, der hier bei uns an der Universität Würzburg in der Wirtschaftsinformatik ja auch Honorarprofessor ist.
Aus dieser By-Design-Entwicklung nach der Jahrtausendwende eigentlich quasi mit entworfen, mitgestaltet wurde als neue eigenständige Datenbank, als Datenbasis für die SAP, seitdem immer stärker basiert oder dafür da ist. Und jetzt eigentlich das Kernelement eines R3 oder ECC ablösenden neuen Systems S4 oder S4 darstellt. Die alte Systemwelt, die ist ja schon seit Ende der 80er Jahre, wenn ich es jetzt richtig in die Anfang der 90er Jahre im Kopf habe, die soll oder die ist abgekündigt, die soll bis 2025 abgelöst werden oder bis dahin noch weiterentwickelt oder gewartet werden, supportet werden.
Und dann sollen alle, die in dieser traditionellen SAP-Welt unterwegs sind, auch schon auf diese neue Infrastruktur, wo sie eben schon dargelegt haben, dass es zur Zeit noch zahlreiche Inzidenzkonsistenzen oder zumindest ungelöste Probleme gibt. Also das ist natürlich das eine. Also bis 2025 hätte die SAP gerne, dass die Kunden entweder auf eine On-Premise-Installation von SAP gehen, das heißt bei sich oder eben in die Cloud.
Es gibt ja eine SAP Cloud-Lösung, also das SAP HANA-System, das dann nur noch bei der SAP läuft. Die beiden Wege oder Möglichkeiten haben die Unternehmen in dem Moment. Und das ist natürlich ein Riesenthema aktuell.
Ich habe selbst so eine Transformation mitbegleitet, ein Projekt, relativ groß, über ein Jahr, über die komplette Transformation oder Migration von einem R3-System bzw. von einem R3-System und einem APRO-System auf ein S4 HANA-System. Das heißt, den Merge noch zusätzlich von zwei Systemen, von einer ERP und einer APS-Lösung in ein ERP, in das zukünftige ERP S4 HANA, habe ich ja mitbegleitet.
Und ich sehe, das ist unglaublich schwierig für die Unternehmen. Einerseits natürlich, weil sich das Datenfundament ändert. Also ganz vereinfacht gesagt, aus einem Viereck wird ein Kreis.
Die Daten müssen geändert werden, weil die Datenstruktur in dem neuen System natürlich anders ist. Auch wenn die SAP da Tools und Möglichkeiten anbietet, relativ aufwandsarm das Ganze zu betreiben, diese Migration voranzubieten. Es ist natürlich trotzdem so, dass Unternehmen die letzten, ich sage jetzt mal, grob 20 Jahre natürlich auf ihrer Systemlandschaft, auf der sie jetzt sind, auf ihrem R3-System Zusatzentwicklungen getrieben haben, eigene Datenbanktabellen gemacht haben, Erweiterungen gemacht haben am System, die alle irgendwo entweder vielleicht nicht mehr in das neue System passen oder mit umgezogen werden müssen.
Das war ein riesen Aufwand. Das war eines der wenigen Projekte oder eines der ersten Projekte, die nicht auf dem sogenannten Greenfield-Ansatz sind. Greenfield bedeutet, ich fange einfach auf der neuen Wiese, auf der grünen Wiese nochmal neu an.
Also in einem neuen SAP-Systemstandard. Ich sage, ich mache einfach nur eine Prozessmigration. Ich möchte meine Prozesse nach dem neuen Prozessmodell in S4HANA sozusagen betreiben und nicht mehr nach dem, was ich vielleicht entwickelt habe im alten System, sondern das war eine Migration eins zu eins.
Ich möchte meine Prozesse, meine Entwicklungen, wenn möglich, mitnehmen. Das war ein unglaublich spannendes Projekt. Sehr, sehr lehrreich, muss man sagen.
Sehr interessant. Man hat auch einfach gesehen, dass es da verschiedene Probleme gibt. Einerseits natürlich der Aufwand, der getrieben werden muss, um diese Entwicklung mitzunehmen, um diese zukunftsfähig zu machen, denn S4HANA ist eine neue Technologie.
Das heißt, auch die Datenbank ist eine neue Technologie, das alles muss berücksichtigt werden, aber auch die Prozesse, die eigentlich absoluter Standard sind, von denen man ausgehen würde, die haben sich nicht geändert, die müssten passen. Auch da ist es so, wenn mein Datenfundament hier in dem Moment nicht passt, wenn ich in meinem alten System schon Daten habe, die nicht komplett korrekt sind, die nicht durchgängig sind, dann habe ich auch in einem neuen System das gleiche Problem. Wenn ich da einen Schritt in die Zukunft mache, nehme ich meine Probleme in dem Moment natürlich mit.
Sowas fällt speziell auf, wenn man so ein Projekt betreibt, das natürlich ganz viele Tests und alles beinhaltet, fallen solche Probleme umso mehr auf. Das wirft bei mir jetzt die Frage auf, also angenommen, ich hätte jetzt ein großes Unternehmen, habe ich leider nicht, aber ich hätte jetzt so einen großen Konzern und ich bin in dieser alten R3-Welt, ich weiß, irgendwann ist das Ende dieser Welt gekommen im Support, in der Weiterentwicklung seitens des Softwareherstellers und ich muss migrieren. Mache ich das jetzt, also sage ich heute, Jahr 2018, ich gebe Gas oder warte ich darauf, dass die Konjunktur sich ein bisschen abkühlt und alle Berater wieder auch ein bisschen Zeit haben, aber ich dann vielleicht leider in die Problematik reinkomme, dass in dem Moment sämtliche R3-Installationen portiert werden sollen, migriert werden sollen auf die S4-Welt? Das ist, ich glaube, das ist gerade allgemein ein Problem in der Branche.
Man fragt sich halt einerseits, ist das Produkt, dieses S4-HANA, ist es überhaupt schon so reif, dass ich migrieren möchte? Das heißt, dass ich in ein Produkt gehe, das auch wirklich funktional, hundertprozentig das ist, was es eben eigentlich bieten soll. Andererseits ist die Beratungsbranche in dem Bereich gerade sehr, sehr, sehr ausgelastet, würde ich sagen. Man merkt es einfach, es gibt unglaublich viele Projektanfragen.
Die Unternehmen wissen, glaube ich, selber nicht ganz, wie man damit umgehen soll, mit dieser Thematik. Ich glaube, aktuell ist es vielleicht ganz gut, wenn man das Ganze auf jeden Fall sehenden Auges betrachtet, diese ganze Thematik, diese Migrationsthematik, wenn man das Ganze mitbefolgt, wenn man da betroffen ist, sich bewusst macht, was bedeutet es für einen? Vielleicht auch einfach über Erfahrungswerte dann zu einem besseren Ziel kommt mit der Zeit. Man darf natürlich, glaube ich, nicht warten bis zur letzten Sekunde, weil es hat natürlich zwei Nachteile, die das nach sich zieht, wie Sie schon gesagt haben.
Das eine natürlich, dass zu dem Zeitpunkt kann es sein, dass ich einfach niemanden mehr finde, der mir bei dieser Migration hilft, der mich unterstützt in dem Projekt. Andererseits ist es so, wenn diese Software Vorteile bietet, bin ich der Letzte, der kommt und die Software nutzt. Das heißt, ich bin schon vielleicht, wenn man den Markt betrachtet, eher in der Verfolgerrolle als sozusagen der, der aktuell einfach schon diese ganzen Vorteile nutzen kann.
Ich glaube, wir kommen ein zweites Problem rein. Wenn ich zu lange warte, dann kriege ich die Leute, die ich eigentlich gerne hätte, um mich zu unterstützen, gar nicht mehr. Also die erfahrenen SAP-Berater, Klammer auf, soweit man denn von erfahrenen Beratern in der Espor-Welt dann sprechen kann.
Richtig. Aber zumindest sind sie betriebswirtschaftlich und ERP-technisch versiert und stattdessen laufen dann unheimlich viele, was wir ja immer als Rookies bezeichnen, unheimlich viele neue Anfänger herum, die auch erstmal in diesen Projekten lernen und die mir vielleicht als Konzern, als Unternehmen dann gar nicht die Unterstützung bieten können, die ich eigentlich bräuchte, um auch Ballast hinter mir zu lassen und nicht nur eins zu eins eine Kopie der alten Welt in eine neue Systemlandschaft zu ziehen. Also das ist durchaus natürlich ein Punkt, den man da auch betrachten muss.
Jetzt haben sie das vier Jahre lang gemacht. Sie waren vier Jahre lang in dieser SAP-Welt unterwegs, in dieser Beratungswelt. Ich glaube, das ist, wenn man Einsteiger ist, also direkt nach dem Studium natürlich traumhaft.
Auch wenn ich den meisten Studierenden sage, macht doch erstmal weiter, öffnet euch noch ein bisschen den Horizont, macht eine Promotion. Sie sind ja auch wiedergekommen, um jetzt am Lehrstuhl zu forschen und natürlich irgendwann die Promotion zu machen. Ja, wie kommt es dazu, dass sie wieder die Seiten wechseln, also von der Uni in die Beratungswelt und wieder zurück? Wie kommt man dazu? Ja, also einerseits muss ich sagen, ich wollte ein bisschen weg von dieser klassischen SAP-Beratung wieder, von dieser extremen Tiefe, die man in dem Job hat.
Also man erlebt da sehr viel, man sammelt da sehr viel Erfahrung. Das ist natürlich einerseits gut, denn die Erfahrung, die bringt man auch später weiter. Andererseits ist es so, dass man eben auch sieht, dass gerade vielleicht im SAP-Bereich sogar, muss man sagen, das mag vielleicht bei anderen ERP-Lösungen gar nicht so der Fall sein.
Gerade im SAP-Bereich habe ich immer das Gefühl, dass diese Innovation, die es eigentlich in diesem IT-Bereich insgesamt gibt, nicht direkt aktiv vorangetrieben wird, sondern es wird sich darauf verlassen, dass jemand eine Lösung hinstellt und man die Lösung dann in ein Softwareprodukt gießt und man dieses Softwareprodukt dann an die Kunden vertreiben kann. Und es ist so ein Nachzyklerverhalten. Die SAP, habe ich das Gefühl, verlässt sich da ein bisschen darauf, dass ihre Kunden etwas entwickeln oder dass die Forschung da etwas vorbringt, was sie dann nachher integrieren können und man ist da nicht wirklich vorne mit dabei bei den ganzen Thematiken.
Wenn ich mir das so anschaue, ich habe unglaublich viel Tiefe gelernt in den SAP-Systemen, also von den Prozessen, den Prozessausprägungen, die es dort gibt, über das Technische. Die Beratungsfirma, bei der ich war, die ist unglaublich technisch veranlagt, das heißt auch die Berater können programmieren, die wissen, wie die Datenbasis davon aussieht, wie das Unternehmensfundament eben in einem SAP-System abgebildet wird. Aber man ist trotzdem irgendwo in so einem kleinen Käfig gefangen, denn das Problem ist, gerade in der Beratung ist es eben so, man kann sich die Projekte nicht aussuchen.
Es kann sein, man ist auf einem total innovativen, tollen Projekt, darf eine Software in der Cloud-Lösung für irgendeinen großen Autobau entwickeln. Es kann aber genauso sein, dass man eben in einem 10 Jahre alten SAP-System von einem Kunden nach einem Problem für seine Produktionsplanung zum Beispiel gerade sucht. Das ist so das Umfeld, in dem man sich da bewegt und man ist aber eigentlich nie bei diesen Innovationsthemen so wirklich vorne mit dabei, habe ich das Gefühl.
Und davon wollte ich einfach ein bisschen weg. Hinzu kommt, dass ich auch das Gefühl habe, dass diese Strategie, die die SAP führt, diesen Druck Richtung Cloud-Lösung, den Kunden auf ein anderes Bezahlmodell treiben, das spürt man in der Branche. Ein Beispiel dafür wäre, dass die SAP aktuell einfach eine Cloud-Lösung hinstellt und wenn man dort eine Software-Lösung als Unternehmensberatung oder als Kunde entwickeln will, dann ist man gezwungen zum Beispiel bestimmte Pay-Per-Use-Mechanismen dort einzubauen.
Man merkt, dieser Druck der SAP, das Modell umzustellen, der ist einfach da und ich bin mir nicht sicher, inwieweit das gut oder schlecht für die gesamte SAP-Branche ist. Ich weiß nicht, wie sich da die Entwicklung vielleicht fügen wird. Ich kann mir auch vorstellen, dass so ein Schnitt zu einem Cloud-System bestimmt viele kleine oder mittelständische Unternehmen in den Zugzwang bringen wird, dass sie sich vielleicht Gedanken darüber machen, wenn ich jetzt emigriere und ich muss auf einer grünen Wiese neu anfangen, muss ich dann unbedingt vielleicht ein SAP-System nehmen? Weiß ich nicht.
Natürlich bietet es sich an, aber man weiß es nicht. Und diese Ungewissheit, die ist auch so ein bisschen was, wo ich gesagt habe, vielleicht muss ich mich da ein bisschen öffnen, ein bisschen umorientieren, ein bisschen meine Scheuklappen öffnen und einfach nochmal in einen anderen Bereich mich auch reinbegeben, um so insgesamt diese Breite einfach, diese Möglichkeiten, die es gibt, nochmal auszulotsen und zu schauen, wo kann man sich da vielleicht hinorientieren, was einerseits natürlich zukunftsweisend ist, Richtung Forschung, Richtung innovative Themen, andererseits aber nicht so zentriert auf ein Produkt, auf einen Bereich, auf eine Branche. Also ich glaube, in dem, was Sie eben gesagt haben, können wir den Term SAP eigentlich gegen den Term ganz viele anderer ERP-Hersteller auch ersetzen.
Folge 44 habe ich mich ein bisschen mit Herrn Scholl über die Microsoft-ERP-Cloud-Strategie unterhalten, wie stark Microsoft, glaube ich, da an vielen Stellen auch das Cloud-Feld prägt und auch vor sich her treibt, vielleicht noch stark Marketing getrieben, aber mit Sicherheit auch mit sehr viel Dampf dahinter und diese ganzen Entwicklungen, die wir in 2018 schon gesehen haben, sicherlich in 2019 auch bei anderen ERP-Herstellern noch sehr viel deutlicher sehen und in den Folgejahren entsprechend mehr. Klar, die führen natürlich dazu, dass sich ein etablierter ERP-Markt mit seinen Playern auch nochmal neu orientiert, dass es viele Veränderungen gibt. Insofern ist es sicherlich sehr, sehr spannend, jetzt wieder aus der Tiefe eines Players herauszukommen und zu sagen, jetzt betrachte ich die Branche, jetzt betrachte ich das Unternehmensdatenfundament auf einer etwas abstrakteren Ebene, auf einer wissenschaftlichen Ebene.
Wir haben sie natürlich auch direkt in ein Projekt reingeschmissen, aber kein 0815-Projekt, sondern direkt in eins meiner Lieblings-Innovationsprojekte, die wir jetzt dankenswerterweise vom BMBF, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, genehmigt bekommen oder beauftragt bekommen haben. DeepScan ist der Projektname und was sich dahinter verbirgt, vielleicht können Sie ein paar Sätze dazu sagen. Ja, ich versuche es mal ganz kurz abzureißen.
Ganz grob gesagt geht es in dem Projekt darum, Betrugsversuche in ERP-Softwaren zu erkennen, allerdings nicht nach den bestehenden Lösungsverfahren, die man seither hat, eben wie es eine Wirtschaftsprüfung vielleicht anwendet oder die eine regelwerkenbasierte Prüfung oder sowas bietet. Wir wollen in dem DeepScan-Projekt künstliche Intelligenz, besser gesagt Machine Learning nutzen. Wir wollen eine Art Baukasten anbieten, der sich nicht auf ein System beschränkt, sondern auf mehrere Systeme anwendbar ist, um mit künstlicher Intelligenz bzw.
mit Machine Learning Betrugsversuche zu erkennen und zwar live, nicht im Nachhinein, sondern wirklich in dem Moment, in dem sie passieren bzw. in dem Moment, in dem vielleicht ein Mitarbeiter eine Buchung durchführt, die in dem Moment vielleicht zu einem Betrugsversuch führen könnte. Ja, ich glaube, das ist der entscheidende Moment.
Wir können heute in fast allen größeren Softwaresystemen, insbesondere ERP-Systemen, können wir irgendwelche Logs einsehen, wenn wir es nicht in der Realität eh merken, weil der Umsatz einbricht oder oder oder und können drei Monate später feststellen, da ist irgendwas nicht sauber gewesen. Das nützt uns aber natürlich überhaupt nichts, weil das Geld ist weg oder die Ware oder oder oder, sondern wir brauchen eigentlich das, was McAfee im Bereich Virenscannen gemacht hat. Deswegen sage ich immer McAfee für Compliance, auch wenn es das nicht ganz trifft, aber die Idee eigentlich eine Software zu haben, die aufpoppt, sobald eine Anomalie im System festgestellt wird, die ist bestechend und daran haben wir jetzt das große Vergnügen mit einem Nachbarlehrstuhl aus der Informatik und vielen, vielen Praxispartnern zusammen drei Jahre arbeiten zu dürfen.
Den Auftrag haben wir bekommen. Ich glaube, das wird sehr, sehr spannend. Vielleicht können wir mal so zwei, drei Beispiele machen für derartige Betrugsfälle, weil ich glaube, jeder, der hier zuhört und ein ERP-System im Einsatz hat, wird vielleicht in kleinerer Form auch sein eigenes Unternehmen wiedererkennen.
Wollen Sie mal anfangen? Ja, gerne. Ich denke da zum Beispiel typischerweise daran, dass gerade Unternehmen, die sich so im Mittelstand befinden, oft nicht die Entwicklung mitgemacht haben, dass vielleicht bestimmte Rollen getrennt wurden, bestimmte Funktionen im ERP-System getrennt wurden. Wenn man jetzt zum Beispiel darüber nachdenkt, wenn ein Mitarbeiter sowohl Rechnungsdaten ändern darf als auch Rechnungen bezahlen beziehungsweise absegnen darf, gibt es ja durchaus die Möglichkeit, dass der im ersten Moment die Rechnungsdaten entsprechend anpasst, das Konto vielleicht auf die Payments einstellt.
Ganz salopp gesagt, die Rechnung bezahlt und das fällt im ersten Moment vielleicht gar nicht so auf, insbesondere wenn es um Beträge geht, die nicht hoch sind. Danach die Rechnungsdaten wieder zurückgestellt, ist das Ganze im ersten Moment mal vertuscht. Wann so etwas vielleicht auffallen würde, wäre vielleicht im Sinne von einer Betriebsprüfung, die aber auch natürlich nicht jedes Jahr gemacht wird.
Das ist so ein typischer Fall, den könnte man rein theoretisch über so einen Machine Learning Baukasten abfangen. Ein anderes Beispiel aus der Produktion ist natürlich abhängig vom einzelnen Unternehmen, aber wenn ich selber einen Anreiz habe, monetärer Art, dass der Ausschuss möglichst niedrig sein soll, also für Ausschussvermeidung von, ich sage fast 10 %, bekomme ich eine extra Prämie, dann würde ich vielleicht über ein halbes Jahr sehen, dass der Ausschuss sich immer weiter vergrößert, so ganz Stickung, langsam immer ein bisschen mehr, um dann auf einen Schlag den Ausschuss um 10 % zu reduzieren. Würde gar keinem auffallen und ich würde meine Prämie bekommen.
Weitere Beispiele? Ja, durchaus. Es gibt ganz viele Beispiele, glaube ich, in dem Bereich. Gerade im Bereich von Betrug im Sinne von Treasury gibt es, glaube ich, ganz viele Beispiele, die sich auch in der Realität inzwischen schon wiederfinden.
Vielleicht auch nochmal ganz kurz zugegriffen auf meine Erfahrung. Ich habe die Erfahrung gemacht bei einem Kunden, dass es den Fall gab, dass sich die FICO-Abteilung sozusagen im Regelbetrieb an einzelnen Kontotransaktionen sozusagen beteiligt hat, das heißt immer einen kleinen Teil abgegriffen hat, den ausgesondert hat und sich das Ganze dann über Reisekostenabrechnung wieder ausbezahlt hat lassen. Also ich glaube, wir finden viele, viele dieser Beispiele.
Wir sind auch gerade, wir starten jetzt gerade mit dem Projekt, bevor wir KI einsetzen können, bevor wir irgendwelche Machine Learning Algorithmen entwickeln und impfen können, versuchen wir jetzt erstmal so eine kleine Bibliothek anhand einer Marktstudie aufzubauen, weil das natürlich alles Fälle sind, die im Großteil der Fälle überhaupt nicht in der Presse auftauchen. Wenn Sie selber mal darüber nachdenken und Einzelbeispiele haben, Sie müssen nicht Ihre Firma nennen, Sie müssen nicht sagen, wer Sie sind. Wir freuen uns auch über anonyme E-Mails, weil wir jetzt einfach erstmal, denn es gibt dort wirklich in der Literatur nichts, sammeln wollen, wo an welchen Fällen hat Ihnen das Unternehmensdatenfundament einen Streich gespielt beziehungsweise wo haben Mitarbeiter vielleicht die Möglichkeiten der Integration missbraucht oder aber noch schlimmer, ein Hacker ist an ihrer Firewall vorbeigekommen und hat einfach nur im ERP-System, was weiß ich, die Einkaufsdaten, die Einkaufspreise auf Null gesetzt und mit dem Algorithmus für automatische Verkaufspreisberechnung, so denn da keine Sperre im System ist, in den meisten Systemen ist ja eine Sperre, stand dann auch auf Null und Sie haben zu Null Euro im Shop, im Online-Shop verkauft oder ähnliches.
Also wenn Sie Beispiele haben aus Ihrem Unternehmensalltag, wir freuen uns über jeden Schnipsel, wir wollen, wir arbeiten zurzeit an einer Studie anfänglich in unserem Projekt und wir versprechen auch, wer Interesse hat, kann diese Studie hinterher gerne von uns auch bekommen oder Auszüge daraus, setzt natürlich voraus, dass wir Input auch von Ihrer Seite bekommen. Ich glaube, das Thema ist aber, egal ob Sie SAP oder irgendein anderes System einsetzen, in jedem System, in jedem ERP-System der Welt, in jedem Unternehmensdatenfundament der Welt, ein hochrelevantes Thema und wir freuen uns, dass wir dieses Projekt gewinnen konnten und ich freue mich, dass wir nicht nur das Projekt gewinnen konnten, sondern Sie, Herr Gwinner, bei uns auch am Lehrstuhl begrüßen können und hier als aktiven Part mit an Bord haben die nächsten Monate und Jahre. Ich würde gerne abschließend nochmal in unsere Blitzlichtrunde reinkommen.
Sie haben ja gesagt, ich habe an der Uni hier in Würzburg mal gestartet als Wirtschaftsinformatiker, dann bin ich in die Beratung gegangen, jetzt bin ich zurück in der Wissenschaft. Wir haben schon ein bisschen darüber gesprochen, warum Sie das machen wollen, aber Sie haben ja jetzt ein paar Jahre berufliche Erfahrung auch schon mitgebracht. Können Sie sagen, es gibt da einen beruflichen Erfolg, der Sie besonders vorangebracht hat, auf den Sie besonders stolz sind? Ja, ich glaube, fast jedes Projekt in der Karrierelaufbahn in den vier Jahren, wenn man es erfolgreich durchgeführt hat, ist einfach ein Punkt, wo man sagt, ja, das war super, das war interessant und das sind auf jeden Fall alles Erfolge, auf die ich sehr positiv zurückschaue.
Wenn man jetzt in die Beratung reingeht, gibt es da bestimmte Eigenschaften, die man besonders braucht? Also gerade, wenn man so frisch von der Uni kommt, sagt man ja, ich habe hier ganz viele Hardskills, also ganz viele Fähigkeiten, die ich mitbringe. Sind das wirklich die Fähigkeiten, die ich brauche? Oder kommt es vielleicht auch auf ganz andere Dinge an? Wie haben Sie das wahrgenommen? Also meiner Meinung nach, wenn man Beratung machen will, ich glaube, man muss einfach offen sein. Man muss Softskills mitbringen einerseits natürlich, das ist wichtig.
Die kriegt man auch vielleicht in der Uni an die Hand gegeben. Aber ich glaube, eines der wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen muss, ist einfach das Interesse daran. Man muss willig sein, man muss es möchten.
Man muss irgendwie diesen Forschungsdrang auch besitzen. Auch in der Beratung ist es so, ich möchte mich vielleicht in ein Problem oder in eine Lösung oder in eine Software reinfixen wollen. Okay, reinfixen ist vielleicht ein gutes Stichwort zum lebenslangen Lernen, weil das hört nicht mit der Universität auf.
Gibt es Bücher, gibt es bestimmte Dinge, die Sie den Zuhörern empfehlen können, sei es beruflich oder sei es privat? Also grundsätzlich ja, ich lese gern. Aktuell, wenn sich jemand dafür interessiert, würde ich sagen, alles was Richtung menschliche Entwicklung, Sozial- und Technologie geht, würde ich sagen, Yuval Noah Harari heißt der Autor. Der hat aktuell drei Bücher geschrieben, die äußerst interessant sind, in denen er einerseits die Vergangenheit der Menschheit, andererseits das Jetzt und dann auch die Zukunft beleuchtet.
Geht auch auf Themen wie künstliche Intelligenz und wie das Ganze zusammenspielt. Sehr, sehr interessant. Okay, wenn Sie morgens den Rechner anmachen, gibt es irgendwelche Internetdienste, die Sie checken, die Sie immer im Zugriff haben, die Ihnen besonders weiterhelfen im Berufsalltag? Im Berufsalltag tatsächlich nicht so viel.
Die Internetdienste, die ich immer checke, sind eigentlich so, das ist eigentlich auch von Berufsalltag. Ich muss schon sagen, News lesen, also Spiegel Online oder New York Times hilft einfach natürlich auch zum Beispiel die Kaffeeküchenkonversation voranzutreiben. Auch am Lehrstuhl ganz wichtig.
Auch am Lehrstuhl ganz wichtig. Zurückblickend jetzt auf diese Consulting-Erfahrung, die Sie gemacht haben, wie wird sich aus Ihrer Sicht die Berufswelt in dem Umfeld verändern in den nächsten Jahren? Im Consulting-Umfeld glaube ich, dass es sehr viel, gerade in diesem Digitalisierungsbereich, Richtung Automatisierung wahrscheinlich geben wird. Es gibt viele Firmen, die da Interesse daran haben, weil es eben so ist, dass man Kosten und Arbeitskräfte spart, muss man ganz ehrlich sagen.
Natürlich aber auch, weil es Probleme löst, die vielleicht heute nicht so einfach mit Personen lösbar sind, weil man heute einfach die Kapazitäten hat, um ganz viele Daten auszuwerten. Ich glaube, das ist ein großer Bereich. Ich habe das in der letzten Folge, Abbau von virtuellen Puffern in Analogie zu dem, was wir im Lagerbestand und so bereits in der physischen Welt gemacht haben, genannt.
Ich glaube, das trifft es ganz gut. Wir haben in jedem Prozess momentan so viele manuelle Arbeitsschritte oder einfach Papier, was von Person A zu Person B getragen wird. Das macht erstmal, wenn man einen guten Deckungsbeitrag hat, überhaupt nichts aus.
Dann ist das halt so und man nimmt es nicht als ineffizient wahr, aber in Wahrheit, wenn ich von der Automatisierung her denke in den BWL-Prozessen, ist es genau der Abbau dieser Puffer, dieser virtuellen Puffer, dieser Sicherheitsbestände sozusagen in den Prozessen, wo wir unbedingt hin müssen, wenn nicht andere bereits auf dem Weg dahin sind. Und wenn die dahin sind, dann braucht man halt zwei bis drei Jahre, bis man das auch realisiert hat. Und ob man die Zeit dann noch hat, ist die große Frage.
Ja, richtig. Und ich glaube auch, dieses Digitalisierungsthema, das wird sich vielmehr auch Richtung BWL ausbreiten, weil neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen und die müssen auch irgendwo in das Datenfundament integriert werden. Die Systeme aktuell, zumindest die halt hergebrachten Systeme, sind meiner Meinung nach gerade nicht fähig in dem Bereich.
Das heißt, einerseits die Beratung muss sich in dem Bereich verändern und andererseits natürlich auch die IT. Ja, also typisches Plattformgeschäft, jetzt nicht an Amazon gedacht, sondern das eigene Systemgeschäft, was man treibt, wenn man technische Dienstleistungen, Cyber-Physical-Products zukünftig anbietet, nicht mehr ein Fire-or-Forget-Produkt, sondern tatsächlich die Dienstleistungen um die Nutzungsdaten des Produktes herum, die zu neuen, ich nenne das immer Bedürfnisverschiebungen, Bedarf, Bedürfnis, also das, wofür ich bezahle, Kaufbereitschaft habe, der Bedarf und das Bedürfnis, was ich eigentlich habe, im Kontext bestimmte Dienstleistungen, bestimmte Nutzungsbenefits zu bekommen. Jetzt haben wir natürlich das ERP-System, das so ist, wie es ist heute.
Wo sind die besonderen Herausforderungen? Wie muss sich das die nächsten Jahre verändern aus Ihrer Sicht? Das kommt natürlich darauf an, von welchen Lösungen wir allgemein sprechen. Ich glaube eben, wie schon gesagt, die Digitalisierung, die ganzen Geschäftsmodelle, der ganze Zweig, der von der Seite kommt, muss natürlich mehr integriert werden. Ich glaube, man kann es auch ganz viel machen Richtung Datenqualität, dass das Datenfundament an sich besser wird.
Ich glaube, auch da gibt es noch deutlich Optimierungspotenzial. Andererseits glaube ich, dass sich die ERP-Systeme an sich auch irgendwo, einerseits natürlich wegen der Automatisierung, aber auch andererseits, weil sich die Nutzergruppen modernisieren, ändern, auch einfach in der Richtung ändern müssen. Ich sage jetzt mal ganz grob gesagt, Richtung Modernisierung von nicht nur den Fundents, aber auch von den Funktionen, die unter diesen Fundents nachher liegen.
Dahingegen, auch da muss sich es ändern. Okay. Ich glaube, wir haben viel zu tun, auch am Lehrstuhl hier, was diese Thematik angeht, weil da ist natürlich ganz, ganz viel Forschungsbedarf.
Wir arbeiten ja mit sehr, sehr vielen ERP-Herstellern konkret auch in Projekten zusammen. Das freut mich immer wieder. Nochmal, ich freue mich, dass Sie am Lehrstuhl sind.
Ich danke ganz, ganz herzlich für die Chance, heute das Interview mit Ihnen führen zu dürfen. Ich bin jetzt raus. Und wie immer, die letzten Worte gehören meinem Studiengast, Studiogast, in dem Falle Mitarbeiter Fabian Gwinner, ehemaliger SAP-Abo-Berater und Wirtschaftsinformatik-Student hier an der Universität Würzburg.
Ja, vielen Dank auch von meiner Seite. Ich fand es ein sehr interessantes Gespräch und ich freue mich auf alle kommenden Folgen. Herzlichen Dank.
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Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.