Zusätzliche Lizenzen für seit langem genutzte Software, günstiger Erwerb von älteren Versionen, z.B. von Word oder Excel? Die Firma UsedSoft bietet als Pionier für gebrauchte Softwarelizenzen seit 2003 durch den An- und Verkauf nicht mehr benötigter Softwarelizenzen eine Möglichkeit, den eigenen Softwarebestand unkompliziert zu aktualisieren.
Was Sie dabei sparen können und wie der Erwerb auch rechtlich abgesichert funktioniert, das erfahren Sie in dieser Podcastfolge.
Viel Vergnügen!
Literaturempfehlung:
- Strelecky, J.: Das Café am Rande der Welt: eine Erzählung über den Sinn des Lebens. 2007
- Isaacson, W. et al.: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. 2012
Weitere Dokumente rund um das Thema Gebrauchtsoftware finden Sie hier
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 48, Gebrauchte Software, ein Interview mit Michael Aufderheide, Prokurist der UseSoft-Gruppe. Sie wollen zusätzliche Lizenzen für seit langem genutzte Software erwerben? Oder günstig an ältere Versionen von zum Beispiel Word oder Excel kommen? Die Firma UseSoft bietet als Pionier für gebrauchte Softwarelizenzen seit 2003 durch den An- und Verkauf nicht mehr benötigter Softwarelizenzen eine Möglichkeit, den eigenen Softwarebestand unkompliziert zu aktualisieren. Was Sie dabei sparen können und wie der Erwerb auch rechtlich abgesichert funktioniert, das erfahren Sie in dieser Podcast-Folge.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
So, liebe Hörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wie immer, Fragestellungen rund um das Datenfundament des Unternehmens. Ich habe heute mal ein Thema, was vielleicht nicht so ganz gewöhnlicher Alltag ist.
Es geht heute um Gebrauchsoftware. Das hört sich erstmal nach einem Paradoxon an. Wir werden das so ein bisschen lüften.
Ich freue mich, dass ich heute als Gesprächspartner Herrn Michael Aufderheide begrüßen kann. Herr Michael Aufderheide ist Prokurist der Firma JustSoft und was diese Firma macht und wer er persönlich ist, das wird er uns gleich selber sagen. Herzlich willkommen, Herr Aufderheide.
Vielen Dank, Herr Prof. Dr. Winkelmann. Mögen Sie sich vielleicht erstmal selber vorstellen? Wer ist die Person Michael Aufderheide? Was machen Sie? Wo kommen Sie her? Also ich bin Michael Aufderheide, wie jetzt schon mehrfach genannt. Ich bin 35 Jahre alt oder jung, wie man das betiteln möchte.
Gebürtig komme ich aus dem schönen Dortmund in Nordrhein-Westfalen, also aus dem tiefsten Ruhrpott. Und mittlerweile arbeite ich für die Firma JustSoft und bin da verantwortlich für die Organisation und für die Finanzen der gesamten Gruppe. JustSoft, der Name sagt es bereits, gebrauchte Software.
Was hat es mit dem Firmenziel auf sich? JustSoft ist letztendlich ein Softwarehändler, der, wie schon erwähnt, sich auf das Thema gebrauchte Software fokussiert. Das bedeutet letztendlich, dass wir Softwarelizenzen, die bereits einmal benutzt wurden und im Markt sich befinden, aufkaufen und dann an unsere Kunden weiterverkaufen. Ich glaube, die Firma ist ja gegründet worden von Peter Schneider bereits vor vielen, vielen Jahren, 2003, wenn ich mich richtig erinnere.
Sie haben ja auch klingende Namen im Verwaltungsrat der Firma. Hans-Olaf Henkel als Wirtschaftslenker, Gerhard Strathaus politische Perspektive auf das ganze Thema. Was hat Sie als Unternehmen bewogen, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen? Nur Software nicht.
Und das Ganze hat er dann prüfen lassen über die Anwälte und die Anwälte haben damals schon signalisiert, dass das grundsätzlich okay war und dann hat er das ganze Thema einfach mal angegangen. Er ist da ja eigentlich in Neuland eingestiegen. Sie haben hier ja keine klassischen Abnutzungserscheinungen wie zum Beispiel bei gebrauchter Hardware.
Wenn Sie jetzt eine neueren Versionsnummer gekauft haben, ist das alte Produkt von der Festplatte verschwunden und die Lizenz ist irgendwo im Schrank verschwunden, richtig? Jetzt kommt ein kleiner Rebell und sagt eigentlich, Moment, die können wir doch eigentlich viel besser weiterverwenden. Die können doch andere Firmen, die vielleicht nicht das Neueste brauchen, ja viel besser abkaufen für einen geringen Preis, um sie dann weiterzunutzen. Wie sah damals die Rechtslage aus? Wie sieht heute die Rechtslage für solche Nutzung aus? Darf ich das überhaupt? Also vorweg gesagt, ja, sie dürfen es.
Es gibt ganz klar wie bei allen Sachen bestimmte Bedingungen, die müssen eingehalten werden, aber generell ist der Handel von gebrauchter Software absolut legitim und rechtssicher. Damals hatte man natürlich die Problematik, dass man noch in einer gewissen Grauzone sich bewegte, aber aus dem ganz einfachen Grund, dass die Gesetze und die Gesetzgebung noch gar nicht sich mit solch einem Thema befasst hatten. Also als das Ganze anfing, hat man natürlich dann geschaut, okay, was gibt es für Gesetzestexte, für Grundlagen etc.
pp. Und da hat man noch nicht so viel gefunden, beziehungsweise man hat gesagt, ja gut, das ist anwendbar, das ist nicht anwendbar. Und dementsprechend war dieser Gang bis zum höchsten europäischen Gericht vonnöten, bis das ganze Thema wirklich einmal ausgeurteilt wurde.
Ja, die Problematik ist ja auch, dass ich ein virtuelles Gut natürlich beliebig multiplizieren kann und natürlich sich immer die Frage stellt, wie wird denn jetzt eigentlich auch sichergestellt, dass wirklich dieses Recht den Eigentümer wechselt und hier nicht plötzlich die Lizenz 2, 3, 4 mal verwendet wird? Ja, das ist ein klassisches Thema, das hören wir auch von den Kunden immer wieder. Letztendlich ist es natürlich so, dass ich ein Lizenzrecht erwerbe und wenn ich mehrere Arbeitsplätze habe, erwerbe ich mehrere einzelne Lizenzrechte. Und wenn ich diese nicht mehr benutzen möchte und ich habe als Beispiel 20 Office-Versionen mir gekauft, dann kann ich natürlich 20 Office-Versionen auch wieder verkaufen und darf diese nachher nicht mehr nutzen.
Wenn ich wiederum dann diese 20 Versionen noch selber nutze und habe sie verkauft, mache ich mich dann persönlich damit strafbar. Wer überwacht das? Ist das etwas, was rechtlich auch abgesichert ist? Das wird in der Form überwacht, dass der Kunde es wirklich mit Blut unterschreiben muss. Es gibt so eine, wir nennen es Vernichtungserklärung.
Da ist ganz klar drin geregelt, dass sich der Kunde dazu verpflichtet, die Lizenzen selber nicht mehr zu benutzen. Man muss sich das Ganze so ein bisschen vorstellen, wie wenn Sie eine Musik-CD haben, die Sie weiterverkaufen, dann dürfen Sie sich da ja auch nicht vorher eine Kopie anfertigen und diese behalten. Jetzt kommt ja gerade die Cloud-Software-Industrie sehr stark und sagt, unser Argument ist ja gerade, dass du die Software nur noch mietest und zwar in dem Volumen, wie du es brauchst.
Also vielleicht hast du jetzt 20 Mitarbeiter, aber nächsten Monat nur 15 Mitarbeiter, dann brauchst du auch im nächsten Monat nur 15 Lizenzen zu bezahlen. Diese Argumentation leuchtet, glaube ich, gerade im Mittelstand auch ein, aber sind Sie nicht genau das Gegenmodell dafür? Also machen Sie die gleiche Argumentation, haben Sie die nicht schon die letzten 15 Jahre mit Ihrem Gebrauchsoftware-Geschäftsmodell? Ja, irgendwo sind wir da schon, das ist das Gegenmodell. Man muss mal ganz klar hier auch sagen, dass unser Kundenstamm ist der klassische Mittelstand, also KMUs und die tun sich mit der Cloud eher etwas schwer.
Warum? Weil sie meistens gar nicht diese Personalfluktuation haben, dass sie sagen, okay, diesen Monat sind wir 15, nächsten Monat sind wir 20 und dann sind wir vielleicht 35, sondern die haben eher eine etwas konservative und langfristigere Planung und die schauen natürlich auch auf den Kostenaspekt sehr extrem. Und wenn man dann sich das Ganze mal über einen gewissen Zeitraum anschaut, dann sind die Cloud-Versionen und Varianten, die es am Markt gibt, nicht unbedingt kostengünstiger, sondern sie können auch ein ganzes Stück teurer werden. Das ist der eine Aspekt.
Der andere Aspekt ist, wenn Sie ein klassisches KMU-Unternehmen haben, haben Sie nicht unbedingt eine riesige IT-Abteilung, die sich, sag ich mal, mit allen Trends und Neuerungen befasst und diese IT-Abteilung möchte in der Regel auch gerne die Daten im Haus haben und behalten. Das ist ja je nach Cloud-Anwendung immer noch ein relativ großes Thema. Wo werden meine Daten wirklich abgelegt? Wer hat Zugriff auf meine Daten? Bin ich wirklich noch der Herr über meine Daten? Sie haben gesagt, als dieses neue Geschäftsmodell, als quasi ein Marktplatz für gebrauchte Lizenzen etabliert wurde, da war es dann auch notwendig, bis vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen.
Wenn ich das richtig im Kopf habe, war Oracle jemand, der sehr stark und vehement eigentlich opponiert hat an der Stelle. Das führt mich eigentlich zu der Frage, für welche Produkte, für welche Software es sinnvoll ist, alte Lizenzen weiter zu verkaufen. Gibt es da bestimmte Software-Bereiche, für die das nicht gilt? Also wir haben einerseits so etwas wie Office-Produkte, aber wir haben ja auch so etwas wie Datenbanken, ERP-Systeme im Privatbereich, auch vielleicht so etwas wie MP3 oder so.
Hier muss man mal ganz klar sagen, wir handeln ausschließlich Standardsoftware. Wir handeln keine speziellen Entwicklungen nach Kundenwünschen etc. Das würde auch in einen anderen Rechtsbereich fallen.
Dürfen Sie mich jetzt nicht festnageln, ich bin da kein Jurist, aber bei der Standardsoftware ist es halt wirklich in der Hinsicht ausgeurteilt und die macht halt auch am meisten Sinn. Weil letztendlich ist die Installation zum Beispiel von Office-Software oder Server-Software ist kein Hexenwerk und das bekommt die IT in der Regel sehr gut hin, ohne dass sie größere Maintenance- und Wartungsverträge mit dem Hersteller noch abschließen müssen. Und deswegen sind das auch so die Kernbereiche, wo man sagt, die machen gebraucht wirklich Sinn, sprich Office, Server etc.
Was erwirbt denn dann der Kunde beim Kauf? Ist das nur ein Stück Papier oder? Der Kunde erwirbt letztendlich ein Stück Papier und mit diesem Stück Papier ist das Lizenzrecht verbrieft. Das ist ganz wichtig, dass es halt wirklich um dieses Lizenzrecht geht und nicht gegebenenfalls um einen Aktivierungs-Key, wie sie ja vielfach auch bei Ebay verkauft werden. Von solchen in Anführungsstrichen Gebrauchsoftware-Händlern distanzieren wir uns auch vollumfänglich, weil das ist einfach nicht rechtens.
Das Wichtige ist das Lizenzrecht und dieses Lizenzrecht wird entsprechend auf Papier weitergegeben. Das ist aber beim Hersteller nichts anderes, da bekommen sie in der Regel auch quasi das Paperwork und das ist es. Und woher nimmt er sich dann die Software? Die Software hat er entweder schon im Einsatz, also dass er quasi 20 Arbeitsplätze hat und für weitere 10 Arbeitsplätze lizenziert er bei uns nach.
Dann kann er sie einfach auf den 10 Rechnern weiter installieren. Viele Kunden haben auch einen Mix aus Gebrauchsoftware und direkt beim Hersteller bezogener Software. Die können es sich dann auch von der Homepage des Herstellers herunterladen.
Und insofern das alles nicht möglich ist, bieten wir dem Kunden auch ein Installationsmedium an, was wir ihm dann kostenfrei dazustellen. Wo darf ich denn dann diese Software einsetzen? Funktioniert das nur in Deutschland, in Europa oder nur in Dach oder weltweit? Wir konzentrieren uns erstmal vor allen Dingen auf den europäischen Raum. Das ist ganz einfach.
Der EuGH entscheidet für den europäischen Raum. Dementsprechend ist es da geregelt. Die Schweiz war interessanterweise schon einen ganzen Takten früher soweit, dass sie gesagt haben, das ist zulässig.
Aber letztendlich ist es ganz wichtig, dass dieser Grundsatz des Geschäftsmodells der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz ist. Und jeder Markt auf der Welt, wo dieser Erschöpfungsgrundsatz im Recht verankert ist, ist potenziell erstmal ein interessanter Gebrauchsoftware-Markt. Haben Sie Zahlen? Können Sie einschätzen, wie groß dieser Markt für Gebrauchsoftware hier in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum ist? Das ist immer relativ schwierig, weil der Markt der Gebrauchsoftware ist natürlich noch sehr jung.
Es gibt jetzt speziell für diesen Markt keine Erhebung, soweit ich weiß. Ich glaube, aus dem Jahre 2016 gab es eine Gartner-Studie zum weltweiten Software-Markt. Der lag bei 332 Milliarden US-Dollar-Umsatz und man hat auf Deutschland so ungefähr 5,5 Milliarden Euro taxiert.
Wenn ich jetzt einfach mal sage, okay, wir rechnen mal mit diesen 5,5 Milliarden und sage, letztendlich 10% irgendwann mal auf Gebrauchsoftware abfallen würden, dann hätten wir immer noch einen riesigen Markt, der noch nicht ansatzweise erschlossen ist. Ich bin jetzt einfach mal in Ihren Shop reingegangen, ich sehe da Server-Software, ich sehe viel Microsoft-Software, beispielsweise so ein Microsoft Office 2013 steht jetzt hier auf der Webseite 117,60 Euro. Was spart der Kunde letztendlich? Das ist natürlich ganz klar abhängig von dem Produkt, was er erwirbt.
Wenn er jetzt eine neuere Software erwirbt, ist die Ersparnis nicht ganz so hoch. Wenn er eine ältere erwirbt, kann das doch locker bis 50% sein. Gegenüber dem Neupreis, den er für die alte Produktversion gezahlt hätte, wenn er denn die alte Produktversion überhaupt noch bekommt? Da sind wir direkt beim nächsten Punkt.
Die alte Produktversion wird von den Herstellern, zum Beispiel von Microsoft, gar nicht mehr angeboten. Microsoft bietet immer nur als direkten Bezug seine neueste Version an und um bei dem Beispiel Office zu bleiben, wenn jemand ein Office 2010 im Einsatz hat im ganzen Unternehmen und möchte einfach nur ein paar neue Arbeitsplätze nachlizenzieren, dann müsste er Office 2016 kaufen und hätte dann das sogenannte Downgrade-Recht, das er 2010 benutzen darf. Das ist natürlich vielen, vor allen Dingen dann in den KMUs, zu teuer und die sind unsere klassischen Kunden, die dann sagen, bei euch bekommen wir die Software, die wir wollen und müssen nicht das neueste zu einem recht hohen Preis kaufen.
Jetzt haben Sie gesagt, mittelständische, kleinere mittelständische Unternehmen. Können Sie mal sagen, wer ist die typische Zielgruppe bei Ihnen, sowohl auf der Verkäufer- als auch auf der Käuferseite? Also die Unternehmen, die an uns verkaufen, das sind klar die mittelständischen Kunden, die dann viel auch in Zahlung geben, wenn sie ein neues Produkt erwerben, aber auch größere Unternehmen verkaufen sehr gerne an uns, sofern sie Arbeitsplätze abbauen, umstrukturieren oder auch einfach einen Release-Wechsel machen. Also ich kann nicht sagen, das ist ein typisches Geschäftsmodell, was gerne genutzt wird im Bereich der Serienfertigung oder im öffentlichen Dienst oder so? Nein, gar nichts.
Also unsere Kundenbasis, sowohl auf der Ankaufs- als auch auf der Verkaufsseite ist wild gemischt. Da haben Sie Gemeinden dabei, da haben Sie Städte dabei, da haben Sie Rechtsanwälte, Polizeibehörden, also da ist wirklich, sag ich mal, alles vertreten. Über den Käufer haben wir schon gesprochen und über das, was er potenziell einsparen kann.
Wie sieht das auf Verkäuferseite aus? Lohnt sich der ganze Aufwand da überhaupt? Ja, also ich würde jetzt erstmal pauschal sagen, ja, es lohnt sich, sofern man nicht mit einem Jahr schon vollkommen antiquierten Produkt kommt. Wenn jetzt jemand sagt, okay, ich habe hier noch Windows 95 oder Windows XP und Office 2000, dann wird das natürlich schwierig. Da sagen wir dann auch ganz fairerweise, bevor da, sag ich mal, weitere Gespräche geführt werden oder bevor man sich die Mühe macht und sucht das alles raus, dass das für uns in der Form nicht mehr interessant ist.
Aber zum Beispiel Versionen 2007, 2010, die sind durchaus interessant, auch für uns immer noch im Ankauf. Und da finden wir doch in der Regel meistens einen ganz guten Kompromiss mit dem Kunden, dass er was davon hat und wir natürlich irgendwo auch. Wenn ich das jetzt kaufe, wie sieht es dann mit Updates, mit Wartung aus für diese Lizenzen, für diese Software? Updates und in der Hinsicht ja Produktverbesserungen, Bugfixes etc., das ist gar kein Problem, die werden ganz normal bezogen über den normalen Updatezyklus etc.
Wartung ist ja zumindest aus unserer Definitionssicht ein bisschen was anderes. Das ist eher bei größeren Systemen wie SAP etc., da habe ich in der Regel auch einen Wartungsvertrag. Das Ganze wird dann da schon wieder ein bisschen komplizierter, weswegen wir uns wirklich auf diese Standardanwendungen konzentrieren, wo das Thema Update etc.
gar kein Problem ist. Wie stellen Sie jetzt im Interesse des Verkäufers auch sicher, dass jede Lizenzeinheit auch wirklich nur einmal verkauft wird? Wenn wir etwas ankaufen, dann prüfen wir das natürlich ganz genau. Wir kaufen jetzt auch nicht bei irgendeinem fadenscheinigen Bahnhofshändler, wo man noch nie irgendwas von gehört oder gesehen hat, Softwarelizenzen an.
Das machen wir nicht, sondern das sind schon namhafte Unternehmen, mit denen wir da zusammenarbeiten. Wir prüfen das Ganze. Das Ganze wird dann in unser Warenwirtschaftssystem eingebucht.
Da gibt es auch nochmal eine Vieraugenkontrolle, dass da nicht irgendetwas schief gelaufen ist. Und erst wenn es da eingebucht ist und alle Unterlagen entsprechend im Hause vorliegen, dann verkaufen wir das Ganze weiter. Das Warenwirtschaftssystem ist auch schon mehrfach unabhängig geprüft worden.
Vor allem auch in den Anfangsjahren gab es größere Debatten, wo auch unabhängige Wirtschaftsprüfer draufgeschaut haben und haben testiert. Das Ganze ist sicher. Sie haben es gerade wieder erwähnt, gerade in den Anfangszeiten war das natürlich ein Geschäftsmodell.
David gegen Goliath, wenn Sie so wollen. Wie reagieren die Softwarehersteller heute auf Ihr Angebot? Da muss man sich nichts vormachen. Happy sind sie damit immer noch nicht.
Aber man grüßt sich, ja? Nicht wirklich. Okay. Das beruht aber einfach auf der Geschichte.
Am Anfang wurde das Ganze natürlich belächelt. Dann wurde es bekämpft. Dann, wo es auf dem Weg zu den Gerichtsentscheidungen war, wurde das Ganze irgendwo in die kriminelle Ecke abgeschoben, dass das alles nicht erlaubt sei und dass das alles verboten wäre.
Und dementsprechend ist die Beziehung natürlich irgendwo in gewissem Maße etwas vorbelastet. Ja, aber man kann ja wirklich aus 15 Jahren ungefähr mit den vielen internationalen Ausgründungen, die die YouSoft-Gruppe mittlerweile hat, sagen, Ihr Modell hat sich bewährt und Ihr Modell ist rechtlich auch in Europa nicht angreifbar. Das ist vollkommen richtig.
Gibt es vielleicht aus dieser langen Zeit auch Anekdoten oder interessante Hintergründe, über die Sie berichten können? Ach ja, da gibt es sicherlich Anekdoten, die mir jetzt spontan gar nicht so einfallen. Aber eine Sache weiß ich noch. Da hatten wir am Anfang vor dem EuGH-Urteil, haben wir die ganzen Ankaufs- und Verkaufsvorgänge einfach noch einem Notar zur zusätzlichen Sicherheit vorgelegt.
Und der hat ein sogenanntes Notarzertifikat ausgestellt. Das haben wir nach der EuGH-Rechtsgrundlage abgeschafft, weil es für alle Beteiligten nicht mehr notwendig war. Und auch die Hersteller immer gesagt haben, also das ist aber kein rechtlicher Nachweis etc.
Und dann wurden wir auf einmal damit konfrontiert, dass die Kunden vom Hersteller die Info bekommen hätten, ja, sie bräuchten dieses Zertifikat. Also da wird sich auch viel, sage ich jetzt mal, das so zurechtgelegt, wie man das Ganze braucht. Aber das kennen wir, das ist Tagesgeschäft.
Können vielleicht neue Themen, neue technologische Themen wie zum Beispiel Blockchain oder ähnliches auch dazu führen, dass sowohl auf Seiten der Softwarehersteller, die ja auch immer noch um ihre Lizenzen fürchten, aber auch auf Kundenseite die Akzeptanz noch ein bisschen höher wird an der Stelle? Ich persönlich glaube, dass es sogar ein sehr guter Weg über die Blockchain-Technologie sein könnte, hier ein entsprechendes Miteinander zu generieren. Denn aus meiner Sicht hat die Blockchain-Technologie einen ganz großen Vorteil. Sie können sie so ausgestalten, dass sie eine gewisse Transparenz haben, aber auch immer noch eine gewisse Anonymität.
Sprich, wir scheuen uns ja gar nicht in der Hinsicht zu sagen, okay, das muss natürlich irgendwo alles rechtlich sein, aber wir legen nicht unsere Kunden, egal ob auf Ankaufs- oder Verkaufsseite, dem Hersteller gegenüber offen, weil einfach keine Zustimmung des Herstellers nötig ist. Das ist alles ganz klar gerichtlich geregelt. Aber wenn man das Ganze jetzt auf eine Blockchain in der Hinsicht bringen könnte, dann hätte man aus meiner Sicht hier ein wunderbares Modell, wo auch wiederum alle Beteiligten davon profitieren würden.
Die große Frage ist halt, ob die Hersteller lang oder kurz irgendwann den Gebrauchtmarkt generell anerkennen oder ob sie sich weiterhin so ein bisschen davon abgrenzen möchten. Kommen wir mal zu Ihnen wieder in der Blitzlichtrunde zurück. Herr Aufderheide, warum sind Sie zu YouSoft gegangen und was macht Sie zu dem, was Sie heute beruflich bei YouSoft auch sind? Warum bin ich zu YouSoft gegangen? Ich fand das Thema damals sehr interessant.
Ich komme beruflich nicht aus der IT, ich komme beruflich eher aus dem Projektmanagement und der Prozessoptimierung, sprich ich bin ein klassischer Quereinsteiger. Aber das Thema an sich fand ich sehr, sehr interessant damals und mit einer gewissen IT-Affinität gepaart habe ich es als große Chance auch irgendwo gesehen für mich persönlich. Und deswegen habe ich damals gesagt, ja gut, das Ganze probieren wir jetzt mal aus und wenn es nichts ist, kann ich ja nach einem halben oder nach einem Jahr wieder gehen.
Mittlerweile bin ich seit 2011 dabei, also auch schon etwas länger. Und es ist nach wie vor sehr interessant für mich, es stellt mich immer wieder vor neue Herausforderungen und das macht es gerade aus. Für mich ist hier nicht jeder Tag unbedingt der gleiche und das mag ich sehr.
Was war Ihr bisher größter beruflicher Erfolg? Ich glaube, da kann ich gar nicht speziell sagen, dass das eine berufliche Sache an sich war. Ich sehe die letzten Jahre insgesamt als Erfolg, denn wenn man sich das Ganze mal anschaut, was wir seit 2012, seit dem EuGH-Urteil geschaffen haben und was für ein motiviertes Team wir auch dahinter stehen haben und wie wir auch immer überlegen, wo wir uns weiterentwickeln können, dann sehe ich wirklich diese Gesamtzeitspanne als Erfolg an. Gibt es besondere Eigenschaften, die Sie haben, die man für diesen Beruf und für das Team in Ihrem Beruf vielleicht auch braucht? Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass Sie fokussiert arbeiten, dass Sie trotz der Fokussierung einen gewissen Überblick über die Gesamtheit haben und dass Sie eine gewisse, relativ schnelle Auffassungsgabe für Sachverhalte haben. Ich glaube, das bringt einem hier sehr viel.
Lernen heißt ja jetzt auch lebenslanges Lernen, deswegen frage ich eben auch meine Gäste immer wieder nach Büchern oder nach Weiterbildungsmaterial, die Sie persönlich weitergebracht haben für unsere Zuhörer. Gibt es da Bücher, die Sie beruflich oder privat weiterempfehlen können? Also ich persönlich habe als letzte Bücher gelesen »Das Café am Ende der Welt«, das fand ich persönlich sehr schön. Ich glaube, der Autor ist John Stralecki oder so und welches Buch ich ganz toll fand, wo ich sowohl persönlich als auch beruflich Sachen mitnehmen konnte, ist die Biografie von Steve Jobs von Walter Isaacson.
Die hat mir also wirklich extrem gut gefallen und ich finde, aus dem Buch kann man ganz tolle Learnings in beide Richtungen mitnehmen. Nutzen Sie auch Internetdienste täglich für Wissenserwerb, für Ihr Geschäft? Ja, also ich sage jetzt mal Internetdienste. Klar, man hat die verschiedenen Google Alerts eingestellt, man informiert sich über verschiedene Newsletter, man liest sich auch ganz klar in neue Produkte der Hersteller und Produktentwicklung ein.
Ich würde da jetzt nicht sagen, dass es ein spezieller Internetdienst ist, sondern das ist einfach dieser enorme, riesige Vorteil des Internets. Sie haben in der Regel zu jedem Thema sofort was verfügbar, wo Sie sich erst mal zumindest im Grundsatz einlesen können. Wenn Sie jetzt auf Ihre Berufswelt schauen, die hat sich ja wahnsinnig gewandelt in den letzten 10, 15 Jahren.
Was glauben Sie, wie wird sich die in den nächsten zehn Jahren verändern? Die wird sich weiter wandeln. Der gesamte Softwaremarkt ist im Umbruch, das muss man auch mal sehen und anerkennen. Wir haben einen gewissen Trend zur Cloud-Anwendung, das muss jeder für sich definieren, ob das sinnvoll ist oder nicht.
Insgesamt glaube ich aber, dass allein durch diese Cloud-Geschichten etc. der gesamte Arbeitsmarkt etc. viel flexibler werden muss.
Diese doch irgendwo starren Arbeitsmuster, die haben aus meiner Sicht ausgedient und letztendlich wird es irgendwann darum gehen, dass man gute Leute nur noch bekommt, indem man ihnen eine Flexibilität anbietet. Und ich meine, die Möglichkeiten für so ein flexibles Arbeiten, die waren nie besser als heute. Mit dem Internet und mit einer überwiegend guten Internetabdeckung auf der ganzen Welt, Sie können sich ja überall verbinden.
Jetzt haben Sie ein wunderbares Szenario aufgebaut für meine abschließende Frage. Wenn Sie auf den Markt für Unternehmenssoftware angefangen von Office bis in Richtung ERP schauen, was sind da die zukünftigen Herausforderungen ganz besonders? Meine persönliche Meinung ist da, dass das Ganze so ein bisschen benutzerfreundlicher wieder werden muss alles. Wir haben schon große Schritte in die Richtung gemacht.
Die älteren Systeme, die sind alle natürlich noch deutlich benutzerunfreundlicher und komplexer aufgebaut. Aber es zeigt ja, dass immer wieder auch kleine Unternehmen mit einem sehr fokussierten Produkt und einer hohen Benutzerfreundlichkeit relativ schnell wachsen können und groß werden können und dann auch eine entsprechende Anhängerschaft gewinnen. Und wenn man das Ganze flexibel und benutzerfreundlich aufstellt und dann irgendwo natürlich auch einen Zugriff von außen übers Internet ermöglicht, der vernünftig funktioniert, dann glaube ich, dass Unternehmen, die das beherzigen, eine sehr rosige Zukunft haben werden.
Ich freue mich auf diese Zukunft. Herr Aufderheide, ich glaube, wir haben heute mal ein ganz spannendes Thema adressiert. Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Gedanken, für Ihre Meinung bedanken und wie immer, die letzten Worte sind bei Ihnen.
Ja, also ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken. Hat mir super viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen zumindest hier, die es doch irgendwo interessante Thema Gebrauchsoftware anschneiden konnte, wer sich weiter über das Thema, vielleicht auch über das Unternehmen informieren will.
Unter www.usoft.com haben wir sehr viel, auch reines Infomaterial zur ganzen Geschichte der Gebrauchsoftware zusammengeschrieben. Da kann jeder mal gerne drauf schauen. Ansonsten vielen Dank für das sehr angenehme Interview.
Ja, herzlichen Dank und wie immer werden wir natürlich alle angesprochenen Dokumente, Links und so weiter in unseren Shownotes verlinken und auf unserer Webseite www.erp-podcast.de, so dass Sie, liebe Zuhörer, hier auch den Mehrwert über die Audio-Folge hinaus haben. Herzlichen Dank, Herr Aufderheide. Vielen Dank, Herr Prof. Dr. Winkelmann.
Schönen Tag noch. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.