„Digitale Transformation, das ist so ähnlich, als ob Sie aus einer klobigen alten 747 den besten, neuesten Airbus machen wollten, und zwar während des Fluges.“ – Alistair Currie, Group COO
Genau das ist der Punkt:
es gibt Unternehmen mit sehr viel Erfahrung, hohem Reifegrad, gute Stammdatenpflege, eingespielte, gut dokumentierte, teilweise oder bereits ganz automatisierte Prozesse, eventuell vielleicht nur noch nicht mit dem idealen System.
Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die ganz am Anfang stehen. Die zwar flexibel, aber heillos chaotisch wirtschaften. Stammdatenmanagement ist dort noch ein Fremdwort und „Managed by Taschenrechner, Papier oder Excel“ überall zu finden. Die IT-Abteilung, so es denn eine gibt oder man überhaupt von Abteilung reden kann, ist mit der Pflege des Status Quo mehr als gut ausgelastet und viele Bereiche und Aufgaben des Unternehmens werden nur händisch gesteuert und bewältigt. Geringer Reifegrad.
Natürlich möchten auch diese Unternehmen alles automatisieren und sehen die schöne, neue und vielleicht auch glitzernde Digitalwelt. Doch der Weg ist noch weit und es müssen zuvor viele Hausaufgaben gemacht werden. Vielleicht ja ein Vorsatz für das neue Jahr?
Literaturempfehlung:
- Gassmann, Frankenberger, Csik: Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator. 2017
————————–
Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 41. Gute Vorsätze für das neue Jahr. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast.
Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Frohes neues Jahr wünsche ich Ihnen allen.
Ich hoffe, Sie sind gut reingerutscht, reingekommen in das neue Jahr und damit geht es natürlich auch los wie jedes Jahr mit den guten Vorsätzen. Was Sie privat machen, sei jetzt mal hinten angestellt, aber für Unternehmen heißt es natürlich insbesondere ein weiteres Arbeiten an der digitalen Transformation. Ich weiß, das Wort nutzt sich ab, aber ich sehe aus dem persönlichen Umfeld viele, viele Unternehmen, die noch lange nicht da sind, wo sie mit dem Potenzial digitaler Möglichkeiten sein könnten.
Alistair Currie hat es mal beschrieben als, ja, vielleicht folgendes Zitat. Digitale Transformation, das ist so ähnlich, als ob sie aus einer klobigen, alten 747 den besten, neuesten Airbus machen wollten. Und zwar während des Fluges.
Genau das ist doch der Punkt. Während des Fluges. Permanente Veränderung, während das Unternehmen so, wie es ist, weiterarbeiten muss.
Es gibt Unternehmen mit sehr viel Erfahrung darin. Wir sprechen auch von einem hohen Reifegrad. Die haben eine gute Stammdatenpflege, die haben gut eingespielte, gut dokumentierte, standardisierte, teilweise sogar vielleicht auch ganz automatisierte Prozesse in manchen Bereichen.
Das heißt, das Weglassen von Medienbrüchen, das Vermeiden von Redundanzen. Das Vermeiden von Rückfragen in anderer Abteilung. Hey Manni, sag mal du zu dem Kunden XY, da war doch mal was, kannst du nicht? Warum? Weil das Datenfundament stimmt.
Weil das Unternehmen in der Lage ist, an zentraler Stelle alle relevanten Daten und Informationen über Ressourcen, über Kunden, über Maschinen, über Warenbestände, Artikelbestände, über Finanzströme, natürlich nur für die Mitarbeiter, die das auch entsprechend einsehen dürfen, zur Verfügung zu stellen. Vielleicht haben diese Unternehmen auf dem Weg ihrer persönlichen digitalen Transformation zwar schon ein gutes, aber vielleicht auch nicht das ideale System oder denken als Vorsatz für 2018 an digitale Produkterweiterungen. Denken sie nur zum Beispiel an ihre Heizung, jetzt gerade im Winter.
Die modernen Heizungen hängen fast alle bereits im Internet mit entsprechenden Datenaufkommen, nicht nur für den Nutzer, Stichwort Smart Home, sondern auch für das Unternehmen, was diese Heizung betreibt. Denken sie an digitale Staubsauger, wir hatten das Thema in Folge 33 zum Themengebiet Datenschutz, der kommt ja im Mai 2018 extrem auf uns zu. Es gibt viele Geschäftsmodelle, viele Geschäftsmodellerweiterungen, die als Vorsatz für 2018 sicherlich auch bei Unternehmen mit einem höheren Reifegrad geeignet sind, darüber nachzudenken.
Vielleicht ein kleiner Buchtipp, wenn auch schon ein paar Jahre älter, aber trotzdem in dem Bereich ein Klassiker. Geschäftsmodelle entwickeln, 55 innovative Konzepte von meinem Kollegen Gassmann mit Frankenberger und Tschick. Eines von vielen sehr guten Büchern zum Thema Geschäftsmodelle, Überblick über Geschäftsmodelle.
Wie immer, wir verlinken in den Shownotes. Mit dem neuen Mobilfunkstandard, der noch nicht heute da ist, der aber aktuell erprobt wird und in naher Zukunft zur Verfügung stehen wird, ich spreche über 5G, können dann ganz andere Dinge realisiert werden. Ich glaube die meisten denken noch darüber nach, dass sich die Geschwindigkeit des Zugangs ins Internet erhöht und wir noch schneller Videofilme oder E-Mails aus dem Internet bekommen können.
Das ist aber nur die halbe Miete, denn eines der wesentlichen Punkte ist, dass wir in jede Funkzelle plötzlich nicht nur ein paar hundert verschiedene Endgeräte mit dem Internet, mit dem Telefonanbieter verbinden können, sondern dass wir um den Faktor 1000 mehr Endgeräte in die jeweilige Mobilfunkzelle bringen können. Und damit können wir natürlich viele, viele Produkte mit einer eSIM, mit einer Anbindung an das Telekommunikationsunternehmen und damit an das Internet ausstatten. Und das führt dann dazu, dass diese Produkte eben auch Daten zum Beispiel zur Nutzung nach Hause senden können oder auch Daten empfangen können.
Dann ist nicht nur die Heizung, die im Internet hängt, sondern es ist vielleicht auch die Kaffeemaschine, der Fernseher sowieso, der Gefrierschrank, der Staubsauger und so weiter und so fort bis hin zu kleineren Verbrauchseinheiten, die ebenfalls Daten versenden können oder aber auch Daten empfangen können. Natürlich kann ich das heute auch schon mit WLAN erreichen, aber nur in einem sehr eingeschränkten, sehr komplizierten Umfang, denn jeder Endanwender muss letztendlich das Gerät im WLAN aktivieren. Und wenn ich mir vorstelle, so ein Haushalt hat ja nicht nur ein Gerät und ein Produkt, sondern sehr, sehr viele Produkte, dann ist da die Grenze von WLAN ziemlich bald erreicht und die Komplexität erreicht und eigentlich ist es nicht die Technologie, die sich dafür eignet.
Ich denke, mit 5G werden hier ganz andere Möglichkeiten in den nächsten zwei Jahren entstehen, die auch für Firmen mit einem höheren Reifegrad tolle neue Möglichkeiten bieten werden, in der digitalen Transformation weiterzukommen. Auf der anderen Seite haben wir Unternehmen, die stehen noch ganz am Anfang. Ich erlebe das auch immer wieder in der täglichen Praxis, auch in Forschungsprojekten.
Das sind Unternehmen, die sind unglaublich freundlich, die sind unglaublich engagiert, die stellen allerdings fest, dass sie das kaum noch bezahlen können, alles manuell zu machen, dass sie heillos chaotisch wirtschaften, dabei aber super flexibel im Bezug auf die Kundenanforderungen sind. Nur blöderweise ist dann jeder Prozess komplett individuell und die linke Hand weiß nicht, was die rechte Hand gemacht hat. Stammdatenmanagement ist da noch ein Fremdwort, vielleicht eher managt bei Taschenrechner.
Papier, eine weitere Form, managt bei Excel. Überall zu finden in Unternehmen. Das Highlight in 2017 war für mich ein Unternehmen, dessen Kernstück, heute würde man ja ERP sagen, ein selbstgeschriebenes Software-System war, was auf einem alten, festhalten, C64 lief.
Ich erinnere mich, dass ich in meiner Kinderzeit ganz glücklich war, so einen C64-Gebrauch zu bekommen. Das ist also schon ein bisschen was her. In derartigen Unternehmen ist die IT-Abteilung.
Wenn es denn überhaupt mal so eine Abteilung gibt oder man überhaupt von Abteilung reden kann, weil es vielleicht einen gibt, der neben der Aufgabe, neben operativen Aufgaben auch für die IT zuständig ist. Diese IT-Abteilung ist mit der Pflege des Status Quo mehr als ausgelastet. Ich kenne verschiedenste Unternehmen, die haben so viele Produkte eingeführt, so viele Altsysteme vor Ort, dass die IT-Abteilung bestehend aus mehreren Mitarbeitern nur noch mit Schnittstellen und dem Aufrechterhalten des aktuellen Statuses beschäftigt ist.
Viele Aufgaben und Bereiche derartiger Unternehmen werden dann eben nur händisch gesteuert und bewältigt. Zwar sind irgendwo Daten beispielsweise zur Produktion vorhanden, aber die stehen dann eben nicht in der Einkaufs-, Vertriebs- oder Angebotsabteilung zur Verfügung. Und damit muss das dann eben per Telefonanruf händisch gelöst werden.
Ich bekomme keine integrierten Lösungen. Ich bin nicht in der Lage, Geschäftsmodelle aufzubauen, bei der ich auf der Webseite direkt ein preislich ausgestaltetes Angebot für eine individuelle Entwicklung auswerfen kann oder direkt sagen kann, in sieben Tagen ist das produziert oder oder oder, weil ich einfach die Daten nicht im Gesamtzusammenhang zur Verfügung habe. Wir sprechen dann von einem geringen Reifegrad des Unternehmens.
Es gibt auch Unternehmen, die haben ein neues System eingeführt. Leider vergessen die Mitarbeiter, mit Schulung mitzunehmen. Und schon nach wenigen Wochen verkommt das System mehr und mehr zu einer besseren Artikeldatenbank oder noch anders gesagt zu einem Produktkatalog, wo also die Produkte niedergelegt sind, aber sämtliche operativen Prozesse, weil es ja flexibler ist, zumindest vermeintlich, werden wieder außerhalb des Systems gepflegt.
Man hat dann sehr viel Geld ausgegeben. Es ist aber leider nicht gelungen, auf dem Pfad der digitalen Transformation in der entsprechenden Reife weiterzugehen. Natürlich möchten auch diese erwähnten Unternehmen alles automatisieren.
Auch diese Unternehmen sehen die schöne, neue, vielleicht auch glitzernde Digitalwelt und sie werden sie in 2018 noch mehr sehen. Doch der Weg von einem niedrigen Reifegrad, der ist bis dahin relativ weit, denn wir sprechen nicht nur über Technologie, wir sprechen vor allen Dingen ja auch über die Psychologie. Es sind keine technischen, sondern sozio-technische Systeme.
Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, wir müssen schauen, dass das ganze Unternehmen im Aufbruch ist und entsprechend müssen viele Hausaufgaben gemacht werden auf dem Weg zu einer vollständigen Transformation. Deswegen glaube ich auch, dass dieses Thema nicht mit einem festen Datum versehen abgeschlossen ist, sondern immer etwas ist, was jedes Unternehmen immer wieder ein Stück herausfordern und natürlich auch weiterbringen wird. Vielleicht ist diese Herausforderung für derartige Unternehmen ja auch ein Vorsatz für das neue Jahr.
Gern begleite ich Sie persönlich oder mit meinem ERP-Podcast bei Ihrem Vorhaben. Gerade der Podcast, den ich eigentlich als Versuchsprojekt in 2017 gestartet habe, hat sich mit fast 40 Stunden Inhalten und Interviews bis zu 1000 Hörern, über 10.000 Downloads und über 40.000 Teilangehörtenfolgen in 2017 zu einem enormen Erfolg geführt. Wir wollen natürlich als Team, als wissenschaftliches Team auch an diesem Erfolg in 2018 anknüpfen.
Das ist mein persönlicher Vorsatz und wir haben uns zahlreiche Ziele gesetzt. Nicht alle Ziele möchte ich hier schon kundtun, lassen Sie sich überraschen. Aber wir arbeiten zum Beispiel zurzeit parallel an mehreren Büchern zu unterschiedlichen Themen der Digitalisierung, um hier noch mehr Basis, noch mehr Fundament, noch mehr Auskunft aus der Wissenschaft, aus der Forschung, aus unserem Forschungstransfer, aus Praxisprojekten für und zu Ihrem Nutzen geben zu können.
Wir schreiben über technische Werkzeuge, natürlich vor allen Dingen über den Nutzen, der sich aus einem zentralen, integrierten Datenfundament ergibt. Auch für den Podcast haben wir große Ziele. In den nächsten Wochen werden wieder zahlreiche neue Folgen, mein Ziel ist es, jeden Mittwoch eine neue Folge erscheinen zu lassen, die über den Softwareeinsatz in großen, aber natürlich auch in kleinen Unternehmen berichten.
Interviews, persönliche Erfahrungen, zahlreiche Projekte, die gerade laufen, wo mir die IT-Manager und Projektleiter bereits gesagt haben, sie wären gerne bereit, hier auch Rede und Antwort zu stehen, aber das können sie natürlich nicht aus dem laufenden Projekt heraus tun. Auch hier wird es spannend und ich glaube, wir werden viele neue Dinge präsentieren können. Wir werden auch über neue Entwicklungen berichten, bereits in der nächsten Woche ist eine Folge geplant, die über die massive Veränderung des Lieferantenmanagements, des Supply-Chain-Managements reden wird.
Eine Folge, die nicht nur für Einkäufer von hohem Interesse sein dürfte, sondern auch zeigt, wie sich das Datenfundament, das ERP-System, das betriebswirtschaftliche Unternehmenssoftwarefundament im Unternehmen massiv verändern muss. Wir werden auch in andere Branchen reinschauen und sehen, wie sich diese Branchen in der digitalen Transformation verändern und teilweise auch revolutionieren können. Hören Sie also gern öfter in unseren ERP-Podcast rein.
Ich freue mich auf Sie, ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen. Unser Ziel für 2018 ist es, bis zum Ende des Jahres mehr als 50.000 Downloads gehörte Folgen erreicht zu haben. Ich wünsche Ihnen einen guten, erfolgreichen Start in das neue Jahr und dass die guten Vorsätze, natürlich insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung, dieses Jahr so richtig mit Schwung in Angriff genommen werden können.
Was sind Ihre Ziele? Was sind Ihre Projekte, mit denen Sie als guter Vorsatz in das neue Jahr starten? Vielleicht finden Sie ja auch Zeit und Muße, mir diese zu schreiben und vielleicht darf ich auch Sie zu einer Podcast-Folge einladen. Oder wir begleiten Sie berichtend im Podcast, im Zeitraffer der Umsetzung, im Zeitraffer der Digitalisierung des Datenfundaments in Ihrem Unternehmen. Einstein soll gesagt haben, aber das gleiche Zitat wird auch einem Singapurer Politiker zugeordnet, The only way to avoid making mistakes is not to do anything.
And that will be the ultimate mistake. In diesem Sinne, alles Gute für 2018. Keep connected.
Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst und sich nicht von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.