In vielen ERP-Auswahlrunden fällt auch immer wieder der Name Baan bzw. heute InforLN. Das Erfolgs-ERP-System aus den Niederlanden hat eine wechselvolle Geschichte und wird weltweit in vielen mittelständischen Unternehmen eingesetzt. Heute diskutiere ich mit dem langjährigen Director Business Consulting der Infor, Guido Herres, und dem CIO des mittelständischen, internationalen Unternehmens protego Braunschweiger Flammenfilter GmbH, Herrn Alexander Buschek, über die Herausforderungen der Digitalisierung und den erfolgreichen Einsatz von Baan/InforLN seit 1999 bei protego.
Erfahren Sie:
- welche Vorteile sich für einen traditionellen Hersteller von Flammendurchschlagsicherungen und Ventilen durch die Nutzung von ERP ergeben
- wie InforLN historisch und zukünftig dazu beiträgt und
- welche Ratschläge der protego-CIO anderen Mittelständlern geben kann.
Viel Vergnügen!
Literaturempfehlung:
- Förster, A. et al.: Nur Tote bleiben liegen: Entfesseln Sie das lebendige Potenzial in Ihrem Unternehmen. 2014
- Kollmann, T. et al.: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt. 2016
- Kotter, J. P.: A Sense of Urgency. 2008
Webempfehlungen:
- Artikel des MIT Sloan Management Review finden Sie hier
- Blog von Alexander Buschek: The Digital Transformation Blog
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 35 Von Bahn über SSA Global zu InfoLN ERP-Nutzung im Mittelstand Ein Trialog mit Info-Director Guido Harris und Protego-CIO Alexander Buschek In vielen ERP-Auswahlrunden fällt auch immer wieder der Name Bahn bzw. heute InfoLN. Das Erfolgs-ERP-System aus den Niederlanden hat eine wechselvolle Geschichte und wird weltweit in vielen mittelständischen Unternehmen eingesetzt.
Heute diskutiere ich mit dem langjährigen Director Business Consulting der Info, Guido Harris, und dem CIO des mittelständischen internationalen Unternehmens Protego Braunschweiger Flammenfilter GmbH, Herrn Alexander Buschek, über die Herausforderungen der Digitalisierung und den erfolgreichen Einsatz von Bahn bzw. InfoLN seit 1999 bei Protego. Erfahren Sie, welche Vorteile sich für einen traditionellen Hersteller von Flammendurchschlagssicherungen und Ventilen durch die Nutzung von ERP ergeben, wie InfoLN historisch und zukünftig dazu beiträgt und welche Ratschläge der Protego-CIO anderen Mittelständlern geben kann.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Ja, liebe Hörer, herzlich willkommen zurück zum wöchentlichen ERP-Podcast. Wie Sie wissen, versuche ich jede Woche ein interessantes Thema aus der Welt des Unternehmensdatenfundaments, insbesondere des ERP-Bereichs, herauszusuchen, herauszuarbeiten.
Ich habe heute wieder sehr interessante Interviewpartner im Gespräch. Ich möchte nämlich nur ein bisschen über die Vergangenheit, aber auch vielleicht die Zukunft sprechen eines Systems, was schon sehr lange am Markt ist, aber auch eine bewegte Historie hat, nämlich das alte Bahnsystem, was heute zur Info gehört, als Info LN. Und ich freue mich, dass ich heute nicht nur jemanden hier habe, der das System schon sehr, sehr, sehr lange begleitet.
Herr Guido Harris, seines Zeichens Director Business Consulting bei Infor, sondern er hat gleichzeitig auch noch einen langjährigen Kunden mitgebracht, Herrn Alexander Buschek, der, wie er selber sagt, leidenschaftlicher Digitalisierer, Entrepreneur und Berater ist. Aber nicht nur das, sondern er ist auch CIO der Protego Braunschweiger Flammenfilter GmbH und wird sicherlich einiges aus seiner Arbeitswelt berichten können. Herzlich willkommen an Sie beide.
Danke, Steve. Vielen Dank. Herr Harris, mögen Sie sich selber kurz vorstellen? Ja, das mache ich doch mal.
Ja, mein Name ist Guido Harris, der Name ist schon genannt worden. Ich bewege mich seit vielen Jahren in der Softwarebranche und habe größenordnend jetzt 26 Jahre Erfahrung mit den Bahnen beziehungsweise mit den Infoprodukten. Ich denke, das würden wir gleich mal im Einzelnen vorstellen.
Was ist die Historie, was ist die Gegenwart oder was ist in dem Moment die Zukunft? Vielleicht am Anfang zwei, drei Worte zum Unternehmen Infor, was viele kennen, aber bei anderen wiederum die ausreichende Transparenz nicht gegeben ist. Infor ist mittlerweile der weltweit drittgrößte Anbieter von Unternehmenslösungen und wir haben in Summe weltweit 90.000 Kunden über die verschiedenen Produkte hinweg. Das heißt, wir bieten klassische Produkte an wie ein ERP, wie ein PLM oder wie ein CRM.
Aber wir richten uns sehr, sehr stark darauf aus, dass wir von den Produkten uns ein wenig lösen und in Lösungswiden den Markt angehen. Das heißt, wir haben vorkonfigurierte Lösungen für die einzelnen Branchen entwickelt, wie zum Beispiel Automotive, Aerospace und Defense und bieten diese Lösungen unserem Markt on-premise, das heißt fest installiert, im Hause an oder alternativ eben auch als Cloud-Dienste. Zu den Lösungen selber werde ich später noch etwas mehr sagen.
Ja, Herr Buschek, können Sie sich auch kurz vorstellen? Sehr gerne. Mein Name ist Alexander Buschek. Ich bin in der Tat, wie Sie schon gesagt haben, CIO und seit einem Jahr auch in Personalunion CDO, also Chief Digital Officer bei Braunschweiger Flammenfilter.
Ich kenne Infor sehr, sehr lange, auch schon Bahn. Wir haben 1999 Bahn 4 eingeführt. 2007 war die Umstellung auf LN, was am 01.01.2008 live ging.
Damals war ich noch als externer Berater bei Braunschweiger Flammenfilter. Ich war selbstständig und seit Oktober 2011, also seit sechs Jahren, bin ich hier hauptsächlich für die IT verantwortlich und kümmere mich um die Dinge. Braunschweiger Flammenfilter ist ein Unternehmen, mit dem man im normalen Leben nicht in Berührung kommt.
Wir stellen flammendurchschlagsichere Armaturen her, die immer da zum Einsatz kommen, wo sie brennbare Gase und Flüssigkeiten lagern oder transportieren müssen, also große Tanklager an Häfen, Chemieanlagen, petrochemische Anlagen, Offshore-Anlagen. Da sind unsere Produkte im Einsatz und sie verhindern sicher, dass sich Flammen, wenn sie denn in einer Anlage ausbrechen, in Rohrleitungen beispielsweise, gestoppt werden, bevor ein großer Schaden entsteht. Das heißt, es ist ein extrem wichtiges Produkt in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen Industrie, was aber tatsächlich kaum jemand kennt.
Ich würde Sie auch mit den Details jetzt nicht weiter langweilen wollen, denn es ist eine hochspezifische Geschichte. Ja, aber vielleicht, Herr Buschig, kann ich direkt an Sie die Frage adressieren. Sie haben gerade gesagt, Sie sind 1999 als Unternehmen in der Bahnwelt gestartet.
Sie sind für mich ein prototypisches mittelständisches Unternehmen. Sie haben etwa 500 Mitarbeiter weltweit. Viele Unternehmen, mit denen ich diskutiere, haben auch diese Größenordnung und sagen jetzt, also das Jahr 2017, jetzt müssen wir aber langsam wirklich mal in unser Datenfundament, in die Integration der Daten aus den verschiedenen Datentöpfen investieren, ein ganzheitliches ERP-System schaffen.
Da sind Sie ja 1999 sozusagen mit der Glaskugel vorausgerannt und haben dort etwas geschafft, was in Ihrer Branche, glaube ich, nicht so ganz selbstverständlich ist. Welche Bedeutung hat da Digitalisierung für die Protego? Sie hatten es ja schon erwähnt. Ich beschäftige mich jetzt sehr, sehr intensiv seit zwei Jahren mit digitaler Transformation und Digitalisierung.
Schreibe auch meinen eigenen Blog www.digitaltransformationblog.com, wenn ich da ein bisschen Werbung machen darf. Ich unterscheide zwischen digitaler Transformation und Digitalisierung. Digitalisierung ist eigentlich das, was wir seit 50 Jahren machen.
Ich übertreibe jetzt gar nicht mal so sehr. 1964, vor 53 Jahren, kam das IBM-360-System auf den Markt und die Banken und Versicherungen fingen an, ihre Businessprozesse zu digitalisieren. In den 80er Jahren kam der IBM-PC, Novellnetzwerke etc.
Das heißt, seit dieser langen, langen Zeit sind wir dabei, unsere Businessprozesse zu digitalisieren, Daten zusammenzufassen. Aber wenn man sich die Ergebnisse betrachtet, insbesondere auch im Mittelstand, dann wird man feststellen, dass die Dinge nicht in dem Maße umgesetzt wurden, wie das eigentlich wünschenswert wäre. Und das betrifft leider das Gros des Mittelstands, würde ich sagen, nach meiner Beobachtung.
Das bedeutet, wir haben damals mit Bahn 4 tatsächlich relativ klein angefangen. Damals war das eine strategische Entscheidung zu sagen, Finanzbuchhaltung darf nicht in ein integriertes System rein. Das muss streng abgeschottet sein.
Das war damals die Direktive von der Geschäftsleitung. Zum damaligen Zeitpunkt war das auch ein übliches Vorgehen. Angebote, Auftragsbestätigungen.
Da hatte man noch Legacy-Systeme, die individuell programmiert wurden, um eben bestimmte Dinge zu machen. Das heißt, man hat sich erst mal im reinen, ich nenne es mal, das war damals PPS, Produktions-, Planungs- und Steuerungssysteme, mit denen man sich beschäftigt hat. Und das ist dann erst langsam gewachsen.
Der richtige Sprung für uns kam eigentlich durch die Umstellung auf LN. Weil wir doch festgestellt haben, dass viele Funktionen in Bahn 4 tatsächlich nicht mehr auf dem aktuellen Stand waren. Damals im 2007 schon.
Wir reden jetzt nicht von 2017. Sodass viele Möglichkeiten, die wir uns erhofft haben, tatsächlich erst durch Umschläge auf LN möglich wurden. Und wir haben die Gelegenheit damals genutzt zu sagen, und jetzt machen wir wirklich ein integriertes System und haben neben Angeboten, Auftragsbestätigungen und Rechnungen und alles, was es vorher noch nicht gab, wirklich vollständig in das ERP-System investiert und haben Finanzbuchhaltung reingenommen und all die anderen Dinge.
Das war für uns ein riesiger Schritt, muss man sagen. Der hat auch viel, viel Kraft gekostet, ist aber sehr erfolgreich damals umgesetzt worden. Und seitdem arbeiten wir mit dem System.
Und ich bin 2011, wie ich das sagte, in das Unternehmen reingekommen. Und seitdem entwickeln wir das System auch ständig weiter. Und da können wir vielleicht gleich nochmal drauf eingehen.
Ich habe jetzt tausend Fragen an Sie, Herr Buschek, aber ich stelle das einmal zurück, weil ich gerne Herrn Herres vielleicht mal fragen würde. Sie kennen ja die ganze Geschichte von Bahn. Also vielleicht nicht den Beginn, ich glaube Ende der 70er Jahre hat der Jan Bahn das System ursprünglich aus der Bauindustrie heraus in den Niederlanden entwickelt.
Und dann ist es ein großer Erfolg geworden hier in Europa, oder? Das ist absolut richtig. Es waren eigentlich zwei Brüder, der Jan und der Paul Bahn, die eigentlich als Programmierer in Holland unterwegs waren und eigentlich Individuallösungen erstellt haben. Haben dann festgestellt, branchenbezogen, branchenübergreifend gibt es doch irgendwie immer wieder gleichartige Anforderungen und waren dann sehr schnell auf dem Weg der Standardisierung.
Ich bin selbst 1991 mit dem Produkt, das hieß damals noch BMCS, beziehungsweise später Triton, das erste Mal in Berührung bekommen und war vorher bei einem anderen deutschen Softwareanbieter, der ausschließlich das Thema PPS für sich gesehen hatte. Und das damalige Triton-System war hochintegriert. Das heißt, Finanzbuchhaltung und PPS waren völlig miteinander verbunden.
Konstruktion und PPS waren völlig miteinander verbunden. Es war seinerzeit eine Revolution und wurde dann auch innerhalb ganz kurzer Zeit wohl zu einer sehr, sehr großen Volksgeschichte. Wir erleben es ja tagtäglich, Holländer sind sehr, sehr agile Menschen.
Es ist ein sehr kurzer Weg irgendwo nach Deutschland. Es ist für die Holländer auch ein kurzer Weg in die internationale Welt hinein und dementsprechend gab es ganz massive Erfolge auf den Märkten. Das System war sehr erfolgreich, war sicherlich auch ein Gegengewicht zu der deutschen SAP, auch wenn Herr Zenke das vielleicht nicht so gerne hört.
Ich hatte ihn ja neulich im Podcast-Interview. Was ist passiert aus dieser erfolgreichen Entwicklung? Wie ist es weitergegangen? Ich glaube einfach, das Unternehmen ist innerhalb kurzer Zeit zu schnell gewachsen. Es gab ja Wachstumsraten von 70, 80 Prozent.
Man muss einfach an den Unterbau denken. Es ist ja nicht damit getan, einen Kunden neu zu gewinnen, sondern man muss einen Kunden auch erfolgreich implementieren. Ganz selbstkritisch vielleicht gesagt, man wollte vielleicht zu schnell zu viele Dinge erreichen.
Man hat sich auf verschiedene Branchen hin konzentriert. Und so gab es dann eben auch massiven Druck von den Börsenmärkten, die natürlich entsprechende Erfolge sehen wollten. Man war vielleicht auch nur bedingt gut vorbereitet auf das, was nach dem berühmten Jahr 2000 kam.
Die ganze ERP-Welt seinerzeit in den 90ern richtete sich ja auf das Jahr 2000 aus. Danach gab es eigentlich erst mal ein großes Hallo, beziehungsweise ein großes Erwachen, weil das Neugeschäft praktisch irgendwo sich sehr stark verändert hat. Weil viele Unternehmen aufgrund des Drucks Jahr 2000 und Euro ihre Umstellung eben Ende der 90er vorgenommen haben, wie zum Beispiel auch die Firma Braunschweiger Flammenfilter.
Es gab dann die entsprechende Konsolidierung und nach einem Eigentümerwechsel, beziehungsweise zwei Eigentümerwechseln, die Sie angesprochen hatten, SSA beziehungsweise jetzt Info und Info, die Beziehung gibt es jetzt zum Produkt Braun, was ja mittlerweile Info LN heißt, seit über 13 Jahren. Man kann sagen, wir sind sehr erfolgreich aufgenommen. Herr Buschek, ist das nicht eigentlich ein Horrorszenario für jedes Anwendungsunternehmen? Man entscheidet sich für einen Anbieter und dieser Anbieter wird aufgekauft, was ja gerade auf dem durchaus konsolidierenden ERP-Markt gar nicht so ganz ungewöhnlich ist, wenn wir ein bisschen zurückblicken.
Wie sind Sie damit umgegangen? Das Horrorszenario hatten wir tatsächlich vor 1999 hinter uns. Wir hatten damals ein System, das hieß Indus von Infoplan. Infoplan wurde dann von AT&T strategisch gekauft.
Am Ende hat man dann nach einem Jahr bei AT&T festgestellt, dass das vielleicht doch nicht so das Richtige war. Das Ergebnis war, dass das Produkt nicht weiterentwickelt wurde. Dann kam überraschenderweise das Jahr 2000 mit all seinen Problemen.
Das hat uns damals gezwungen, auf ein anderes ERP-System umzusteigen, nämlich auf Bahn 4. Die Umstiege oder der Eigentümerwechsel sowohl von Bahn auf SSA Global als auch von SSA Global auf Info haben uns tatsächlich nicht geschmerzt. Ich persönlich sehe, weil die Kontinuität gegeben war. Das ist das Wichtigste für uns.
Wir brauchen verlässliche Ansprechpartner, wo wir eine hohe Kontinuität haben, auch in der Betreuung. Was Info betrifft, haben wir festgestellt, dass sie das System nicht nur übernommen haben und uns halbwegs am Leben lassen, sondern sie haben wirklich sehr stark in den letzten 5 Jahren in das System investiert. Sie haben dem System eine Perspektive gegeben, die ich so unter SSA-Zeiten gar nicht für möglich gehalten habe.
Ich sage das nicht, um Guido Herres zu schmeicheln oder Info, sondern weil ich das so erlebe und mit einer großen Erleichterung wahrgenommen habe, dass wir diese Investition an der Stelle auch geschützt bekommen. Was sind aus Ihrer Sicht maßgebliche funktionale und technische Entwicklungen, die in den letzten Jahren das Ganze sehr deutlich nach vorne gebracht haben? Es gibt mehrere Aspekte, die ich sehe. Einer der Aspekte ist für einen CIO eine sehr schmerzliche Angelegenheit.
Wenn man auf Kleinstsysteme geht, die sich nur noch sehr schwer warten lassen. Das war mit der LN-UI die Java-Voraussetzung. Java ist eigentlich eine mittlere Katastrophe im Unternehmenseinsatz, weil die Programme, die damit kommunizieren sollen, im Regelfall auf eine ganz bestimmte Version abgestimmt sind.
Wir konnten keine Updates einspielen etc. Info hat sehr schnell auf HTML5 umgestellt, was ich fantastisch fand, weil es uns viel Schmerzen weggenommen hat. Das ist für den Anwender gar nicht so sehr sichtbar, außer dass die Benutzeroberfläche schicker und auch ein bisschen performanter und besser zu bedienen ist.
Aber für uns in der IT hat es Riesenschmerzen weggenommen. Was für die Anwender sicherlich von großer Relevanz ist, ist, dass der Funktionsumfang ständig erweitert wird, dass wir vor allen Dingen jetzt eine Schnittstellstruktur mit Eien bekommen haben, schon seit längerer Zeit, die es uns gestattet, auch wirklich unterschiedlichste Systeme zu integrieren und auch hier eine Sicherheit für die Zukunft haben, dass, wenn es erforderlich wird, andere Integrationen vorzunehmen, dass wir auch auf der sicheren Seite sind über Web-Services, das auch nutzen zu können. Das heißt, ich habe hier eine stabile Plattform, auf der ich agieren kann, die aus meiner Sicht immer noch zukunftssicher ist.
Und der dritte Aspekt ist ganz sicherlich der Weg von Info in die Cloud, der so aus Anwenderwahrnehmung noch ein bisschen holprig ist, weil man sich sehr stark auf Single-Tenant-Systeme, also im Prinzip eine eigene Umgebung bei Info konzentriert hat. Aber man ist eben auch auf dem Weg zu einer Multi-Tenant-Umgebung, die jetzt zur Verfügung steht für LN, mit der wir uns auch beschäftigen, worauf wir jetzt auch unsere Strategien ein Stück weit ausrichten. Weil ich möchte als CIO nicht mehr komplizierte SQL-Server warten müssen und die gesamte Infrastruktur darunter, die überhaupt nicht produktiv ist.
Ich möchte meine Leute lieber dazu nutzen, dass sie das System nach vorne bringen, statt Wartungsarbeiten durchzuführen. Herr Harris, jetzt haben wir eben schon über LN gesprochen, was aus der Bahn-Historie kommt. Herr Buschek hat eben einen weiteren Namen mit ins Spiel geworfen.
Das ist ION. Mingel fällt mir noch als weiteres Stichwort im LN-Umfeld ein. Vielleicht können Sie so ein bisschen die Info-LN-Welt beschreiben, das Produktportfolio dort beschreiben.
Ich versuche das mal. Ich hoffe auch, dass es am Ende klappt. Ja, ich denke mal, vielleicht noch ganz kurz zu der Tatsache, dass Info seit einiger Zeit die Bahn-Akquisition durchgeführt hat.
Es war kein Zukauf in klassischer Form, dass man Kunden haben wollte, dass man Wartungsverträge haben wollte, sondern es war definitiv ein ganz schmucker Baustein, der im Produktportfolio fehlte, seinerzeit bei Info, eben internationale Lösungen für die Fertigungsindustrie. Und diesen Baustein hat man jetzt eben gezielt ergänzt. Es gibt eine Vision im Unternehmen, dass eben unsere verschiedenen Lösungen alle mit einer gleichartigen Technologie, also mit dem ION, das steht für Intelligent Open Network, ausgestattet sein sollen und dass alle Anwendungen praktisch auch eine gleichartige Oberfläche haben.
Natürlich immer abhängig dann von ihren jeweiligen Branchen, in denen sie eingesetzt werden. Aber auf den ersten Blick soll eben der Endanwender eine Anwendung Info-Sideline oder eine Anwendung Info-M3 nicht von einem Info-LN unterscheiden können. Ist natürlich irgendwo eine Strategie, dass man nur eine Technologie und eine Oberflächenstruktur hat für verschiedene Produkte in verschiedenen Märkten.
Das ION ist, ich möchte es nicht technisch ausdrücken, eine Middleware, eine Technologie, die nach internationalen Standards definiert ist. Die größte Schwierigkeit, denke ich mal, innerhalb von Projekten, sind natürlich immer Integrationen oder nennen wir es beim deutschen Namen Beischnittstellen. Und es gibt die sogenannte OAGI-Gruppe, die seinerzeit Definitionen getroffen hat, wie Systeme miteinander kommunizieren.
Ich nehme mal einfach ein Beispiel aus dem CM-Umfeld heraus. Da gibt es natürlich irgendwo starke Spieler im Markt, wie ein Microsoft-CM oder wie zum Beispiel ein Salesforce. Und Projekt für Projekt wurden dann entsprechend immer Schnittstellen erarbeitet mit sehr, sehr großem Aufwand.
Da wir uns aber innerhalb unserer Technologie an Standards gehalten haben, die eben von dieser OAGI-Gruppe und zu den Gründungsmitgliedern gehörten, unter anderem eben auch mal Microsoft, gehörte unter anderem natürlich auch Salesforce, gehört aber auch Oracle, gehörten aber auch zum Beispiel PDM-Anbinder gehalten haben, sind wir jetzt eben in der Lage, mit fertigen Konnektoren bestimmte Lösungen zu integrieren. Natürlich keine Individuallösungen. Dort müssen praktisch dann diese XML-Strukturen, nennen wir sie mal Schnittstellen, an der Stelle dann in dem Moment definiert werden.
Diese Technologie war für uns eigentlich der Schlüssel zur Kommunikation unseres kompletten Produktportfolios. Das heißt, wenn ich von unserer eigenen CRM-Anwendung spreche, von unserer eigenen PLM-Anwendung spreche, nutzen wir genauso die gleichen Integrationstechnologien, als wenn wir jetzt entsprechend andere Anbieter aus diesem Segment heraus integrieren würden. Teil dieser Integrationstechnologie sind natürlich auch Workflow-Systeme, die den Anwender dann eben entsprechend automatisiert in seinen Prozessen unterstützen.
Wenn man auf Ihre Webseite geht, und ich denke, das ist vielleicht auch im Mittelstand eine der Herausforderungen, wenn ich mich mit Info beschäftige, dann sieht man relativ viele Produkte, die Sie eben gerade auch im ERP-Bereich, im Umfeld des Unternehmens Datenfundaments anbieten, wo auch nicht immer ganz klar ist, wie grenzen Sie sich zueinander ab, was ist ein passendes System, was ist auch aus Sicht von Info ein zukunftsfähiges System? Geben Sie uns die Chance, ein bisschen abzugrenzen, warum Info.ln eines der führenden Produkte der Firma Info ist, beziehungsweise wie das zu den anderen Produkten auch steht? Ich versuche es mal ein bisschen herauszuarbeiten. Natürlich haben wir festgestellt, wir haben verschiedene, zum Beispiel ERP-Lösungen in unserem Angebot, und definitiv gibt es bei dem einen Produkt Stärken in einer Branche und vielleicht an anderer Stelle leichte Herausforderungen. Deswegen haben wir die Märkte entsprechend aufgeteilt, und wir unterteilen praktisch irgendwo unsere Zielmärkte in 16 unterschiedliche Branchen.
Branchen oder Line of Business, wie das so schön neudeutsch heißt. Es gibt mit Sicherheit irgendwo Branchen wie Automotive oder wie Retail oder von mir aus auch wie Fashion, die ganz spezielle Anforderungen haben. Ich greife mal Dinge heraus wie ein Retail oder wie ein Fashion, also klassische Anforderungen des Einzelhandels mit Filialsystemen oder Fashion, wo man plötzlich Größen- und Farbenthematik unter einer Artikelnummer hat.
Da gibt es irgendwo Abgrenzungen, wo man ganz klar sagen muss, da ist das Info.ln nicht das passende Produkt. Dieses Produktportfolio wird eigentlich durch die Lösung M3, was hier in Europa vielleicht etwas besser bekannt ist als Intensia bzw. Lawson, irgendwo abgebildet.
Wobei auch hier die Zielsetzung ist, nicht nur ein ERP-Produkt abzubilden, sondern, wenn ich von Suiten und von Branchen spreche, ein komplettes Lösungsportfolio dem Markt zu offerieren. Weil ein ERP-System z.B. auch Auswertesysteme, nennen wir das mal BI, benötigt oder eben auch entsprechende CRM-Anwendungen. Das Info.ln selber konzentriert sich auf Fertigungsindustrie.
D.h. wir sehen z.B. Branchen wie die industrielle Fertigung, wie Hightech und Elektronik, wie Automotive, wie Aerospace und Defence als unsere Stärken. Wobei wir natürlich irgendwo auch attestieren müssen, dass es in den letzten Jahren auch hier einen Wandel gegeben hat. Derjenige, der vielleicht früher ein Anlagen- und Maschinenbauer war mit einer 10- oder 15-stufigen Herstellung, ist heute vielleicht irgendwo zu einem Unternehmen geworden, was designt und was vielleicht Service macht, aber entsprechende Fertigungsdienstleistungen durch Dritte plötzlich erbringen lässt.
Insofern hat das Produkt natürlich auch sehr ausgeprägte Stärken in diesem Bereich. Stark macht das Info.ln definitiv auch die Tatsache, neben den benannten Branchenausprägungen, neben der Technologie, die Internationalität. Wir sind im Jahre 2017 und heute hat jeder irgendwo ein Schwesterunternehmen in Polen, eine Tochter in Italien oder vielleicht auch eine Mutter in Italien.
Bedeutet vielleicht dann auch in dem Moment, man möchte natürlich Synergien innerhalb einer Gruppe oder einer kleinen mittelständischen Unternehmensgruppe erzielen. Dann stellt man plötzlich fest, ja, in Deutschland läuft es so und in anderen Ländern läuft es anders. Nicht nur rein sprachlich, sondern z.B. auch steuerrechtlich, aber auch z.B. finanztechnisch und man spricht von Lokalisierung.
Die Anwendung Info.ln unterstützt heute aktuell 26 Sprachen und 41 Länder. Man kann also sagen, egal ob man in Westeuropa, in Ost-, Nord- oder Südeuropa aktiv ist, in Nord- oder in Südamerika und in den wichtigsten Märkten von Asien, diese Lösung kann zum Einsatz kommen. Jetzt haben Sie eben das von Info ja auch aufgekaufte Intensia- bzw.
Lawson-Produkt M3 genannt. Es gibt eine Reihe von weiteren Systemen und es gibt hier auch ein Info-Produkt 10X. Die neue Produktgeneration, wie bringe ich das in Einklang mit diesen Produkten? Ist das völlig losgelöst oder ist da auch der Wunsch von Info letztendlich einen Migrationspfad irgendwann in der Zukunft zu finden? Ich glaube, Sie hatten mal wahnsinnig viele ERP-Systeme auch im Angebot, noch deutlich über das hinausgehend, was Sie heute haben, um hier einfach die Kundenbasis auch auf ein System zu bringen.
Also man muss ganz klar sagen, es ist natürlich das langfristige Ziel, unsere Kunden zu entwickeln und es kann nicht unser Ziel sein, viele verschiedene ERP-Anwendungen weiterhin zu supporten. Definitiv muss man ein klares Statement dazu geben, dass keine Anwendung heute abgekündigt ist und für alle Anwendungen gültige Wartungsverträge existieren. Trotzdem muss man sagen, wenn man sich auf die Zukunft ausrichtet, fährt man natürlich mit wenigen Lösungen für die entsprechenden Märkte besser als mit vielen verschiedenen Lösungen.
Und ein ganz klares Bestreben ist die sogenannte UpgradeX-Initiative. Das heißt, Kunden von älteren Softwarelösungen aus dem Hause Info gezielt dann eben auf unsere zukunftsfähigen Produkte wie eben ein Sideline, wie ein LN oder im Moment auch ein M3 zu überführen. Es gibt allerdings hier keinen zeitlichen Druck, es gibt klare Abstimmungen, die man dann in dem Moment mit den Kunden im Einzelnen vornimmt. Okay, jetzt ist es so, wenn ich mich als potenzieller Neukunde an Info heran begebe, das ist ein amerikanischer Konzern, wird also sehr stark natürlich von den amerikanischen Belangen auch gesteuert.
Macht es das für Sie hier in Deutschland, Stichwort EMEA, nicht sehr schwierig manchmal? Wie kann ich als Kunde an Sie herantreten? Natürlich jederzeit sind Sie herzlich willkommen als Kunde. Ja, definitiv sind wir ein Unternehmen, was sehr stark international ausgerichtet ist. Ich würde uns auch als internationales Unternehmen beschreiben und weniger als amerikanisches Unternehmen beschreiben.
Kontakt kann man seinerzeit natürlich irgendwo mit Info direkt erhalten, wir haben aber auch natürlich irgendwo die Strategie, dass wir aktiv mit Partnern in den verschiedenen Ländern zusammenarbeiten. Wir haben also hier in Deutschland, es müssten circa zehn sogenannte Reseller, die unsere Softwarelösungen entsprechend in unserem Namen verkaufen und natürlich auch implementieren. Insofern haben wir also eine Vielzahl von Multiplikatoren am Markt.
Definitiv ist natürlich, wenn ein deutscher Kunde auf uns zugeht, dann auch eine deutsche Betreuung in deutscher Sprache gesehrleistet, wenn das der Hintergrund der Frage ist. Größenklasse der potenziellen Unternehmen, die Sie mit Info LN adressieren? Ich denke, es hängt sehr stark ein bisschen von der Branche ab, aber ich würde mal eine untere Linie ziehen bei 120 beziehungsweise 150 Mitarbeitern. Da ist das untere Limit in dem Moment erreicht.
Das heißt, ein Zusammenarbeiten in einem kleinen Umfeld macht für diese Lösung keinen Sinn. Dafür gibt es dann eben Alternativen, wie zum Beispiel das Info-Sideline. Und nach oben, the Sky is the Limit, oder was sieht es aus? Wir haben tatsächlich, unsere größte Installation muss wohl circa 36.000 Anwender haben.
Wir haben große deutsche Konzerne, die in 130 Betriebsstätten in über 70 Ländern mit uns aktiv sind. Ja, the Sky is the Limit, kann man sagen. Es gibt keine Beschränkung.
Herr Buschek, jetzt sind Sie mit 500 Mitarbeitern natürlich weit entfernt, sowohl von den 120 als auch von den 35.000, 36.000 Usern. Wie stellt sich das für Sie dar im Zusammenspiel mit der Info, in der Weiterentwicklung der Info? Sind Sie kleines Rädchen innerhalb der Weiterentwicklung, oder haben Sie die Möglichkeit, hier auch als Anwendungsunternehmen einzugreifen in das Ganze? Wenn man uns nur als Unternehmen betrachtet, wären wir sicherlich ein kleines Rädchen. Aber es gibt ja Mittel und Wege, das zu optimieren.
Und dafür gibt es eine InfoERPLN User Group, die sehr aktiv ist, wo ich die Mitgliedschaft, die auch nicht teuer ist, nur sehr, sehr empfehlen kann. Hier werden regelmäßig sogar Abstimmungen mit den Info-Entwicklern durchgeführt. Die Vertreter von der InfoERPLN User Group fahren zu den Entwicklern, die Entwickler kommen zu Meetings.
Man hat die Möglichkeit, direkt mit den Entwicklern Kontakt aufzunehmen. Das halte ich persönlich für eine Möglichkeit, wo ich einfach auch gar nicht so sicher war, ob das funktioniert. Natürlich gibt es immer Klagen, es könnte schneller gehen in der Umsetzung.
Das ist überhaupt keine Frage. Ich persönlich sehe es ein bisschen positiver, weil ich schon den Willen von InfoERPLN erkenne, bestimmte Dinge überhaupt zu tun. Ich habe auch mit anderen Unternehmen zu tun, wo ich diese Kundenorientierung in der Form nicht erlebe.
Das ist erst mal das eine. Die Mitgliedschaft in dieser ehemals DBAG, Deutsche Bahn User Group, jetzt InfoERPLN User Group, ist also hoch zu empfehlen für jeden InfoERPLN Anwender. Das ist das eine.
Das andere ist immer eine persönliche Sache. Ich persönlich habe mich immer engagiert und habe auch versucht, mit dem Management Kontakt aufzunehmen von Infor auf Veranstaltungen, wie beispielsweise auf dem Inforum und anderen Veranstaltungen. Infor ist auf mich zugekommen, auch der Guido Harris, um mich vielleicht als Redner bei einer Veranstaltung für eine Case Study zu gewinnen, was ich gerne gemacht habe.
Das ist eine Win-Win-Situation, sich in dem Bereich zu engagieren, weil man natürlich auch einen direkteren Draht bekommt. Das ist aber auch etwas, wo ich sage, das ist eine persönliche Sache, das muss man umsetzen. Vor dem Hintergrund, diese beiden Kanäle zur Verfügung zu haben, sowohl mit Top-Management auf großen Veranstaltungen in Berührung zu kommen, allerdings auch dafür zu sorgen, dass das funktioniert.
Ich hatte auch die Chance mit dem Charles Phillips, dem CEO von Infor, eine Dreiviertelstunde in New York ein Face-to-Face-Meeting zu haben, was mich auch sehr beeindruckt hat. Der hat mir dann auch seine Mobilnummer gegeben und hat mich gefragt, wenn irgendwas mal schief geht, soll ich ihn gerne anrufen. Das musste ich noch nicht tun, aber ich fand das einfach beeindruckend.
Insofern bin ich, was das betrifft, grundsätzlich zufrieden. Herr Harrison, wo entwickelt die Infor? Findet das alles in Amerika statt? Findet das offshore irgendwo statt? Wie funktioniert die Weiterentwicklung? Das hat er uns ja eben als globales Unternehmen irgendwo beschrieben, als internationales Unternehmen. Wenn ich das auf das Produkt Infor LN von der Funktionalitätseite beziehe, erfolgt eigentlich die Konzeption in weiten Teilen nach wie vor in Holland, beziehungsweise für bestimmte Segmente wie Automotive zum Beispiel auch in Deutschland.
Die klassische Codierung, ja, die erfolgt schon seit vielen Jahren in sogenannten Offshore-Ländern. Hier kann man dann eben zum Beispiel Indien als einen großen strategischen Entwicklungsstandort nennen. Und alles, was sich um das Thema Technologie herum bewegt, wird dann entsprechend primär in den USA umgesetzt.
Aber wir haben keine klassische Landesorganisationsstruktur, sondern wir arbeiten eben in internationalen Netzwerken. Aber wenn ich diese drei Säulen sehe, dann wäre das eine typische Aufteilung. Wie groß ist die Infor? Namentlich natürlich der Bereich, der sich insbesondere mit LN befasst.
Hier vor allen Dingen in Deutschland. Das ist genau die große Schwierigkeit, da wir keine strategische Organisation haben, sondern eben übergreifende Themen haben, ist das recht schwer zu formulieren. Ich hatte eben ja einmal betont, dass das Thema Technologie eine produktübergreifende Anwendung ist.
Man kann sagen, dass wir in Deutschland 1100 Mitarbeiter haben und dass sich ein Großteil dieser Mitarbeiter dann eben um die genannten Produkte, um das Thema Sideline, um das Thema LN, das Thema M3, aber auch natürlich unser Infocom in dem Moment kümmert. Aber eine klare Aufteilung, klare Größenverhältnisse kann ich da an der Stelle gar nicht benennen. Herr Buschek, jetzt ist Ihre Implementierung von Bahn und der Migrationsfahrt natürlich schon ein bisschen hinter Ihnen.
Trotzdem frage ich Sie mal als CIO und als leidenschaftlicher Digitalisierer, haben Sie für unsere Zuhörer Tipps und Tricks, was ich bei einer Implementierung beachten soll, was vielleicht auch mit Info sehr gut, sehr positiv gelaufen ist? Gerne auch natürlich Sachen, die Sie das nächste Mal anders machen würden. Das ist natürlich eine spannende Frage. Die Welt hat sich massiv weitergedreht in der Zwischenzeit und insofern würde ich ein solches Migrationsprojekt oder Implementierungsprojekt heute ganz anders anfangen.
Deswegen würde ich gerne den Fokus eher auf das legen, was heute notwendig ist und das muss dann auch in eine solche Migration oder Implementierung einfließen. Was kennen wir im Mittelstand? Da gibt es eine Software, die weit mehr Daten verarbeitet als jedes LN-System auf der Welt und das ist die Grusel- Excel. Sie haben jede Menge Nebenbuchhaltungen in den Unternehmen und ich habe gerade gestern mit einem Unternehmer gesprochen, das war ein spannendes Gespräch, der sagt, wie kommt es eigentlich, dass die Mitarbeiter den Daten nicht trauen und dann eben hergehen und eigene Nebenbuchhaltung anlegen und Excel ist so ein typisches Beispiel, wo die Leute dann auch vielleicht Informationen reingeben, die im LN dann gar nicht gepflegt werden.
Das macht aber eine digitale Sicht auf das Unternehmen ungemein schwer bis unmöglich und das ist, glaube ich, die größte Herausforderung, die wir meistern müssen, egal ob es ein Migrationsprojekt ist, ein Implementierungsprojekt oder ein Review-Projekt des ERP-Systems, dass man, dass es gelingt, überhaupt erstmal alle Daten vollständig in das ERP-System reinzubekommen, denn nur dann werde ich in der Lage sein, den Nutzen bestmöglich und vollständig daraus zu ziehen und das ist eine Sache, die weniger eine technologische Frage ist, als eine kulturelle Frage. Diese Excel-Tabellen können in keiner Zeit angelegt werden, da braucht man kein Spezialwissen und die werden angelegt als Weg des geringsten Widerstands und die IT-Abteilung, die ERP-Spezialisten im Unternehmen bekommen das im Regelfall auch überhaupt nicht mit. Man bekommt es dann in Gesprächen mit, wo es heißt, ja, die Excel-Tabelle sagt mir aber was anderes und das ist, glaube ich, die größte Herausforderung.
Digitalisieren bedeutet, alle Daten in ein führendes System und das ist nun mal das ERP-System zu packen und bei jeder Implementierung, bei jeder Migration sofort auf einzugehen. Wie schaffen Sie das, Ihre Endanwender von Excel letztendlich wegzukriegen? Also ich kenne die Probleme auch, ich habe auch als Gutachter schon einige Male vor Gericht letztendlich Problematiken gerade im Compliance-Bereich klären dürfen. Sie wissen, worüber ich spreche.
Absolut, die Herausforderung, wie ich es eben sagte, ist eine kulturelle, eine unternehmenskulturelle Herausforderung und nicht so sehr eine technologische. Das bedeutet, ich muss überhaupt erst mal Awareness schaffen. Wir haben bei uns auch zehn Jahre nach der Einführung von LN einen Key-User-Kreis, den ich dann auch wieder reaktiviert habe.
Das sind aus allen wichtigen Unternehmensteilen Mitarbeiter, die stark mit dem LN-System arbeiten dabei und die sorgen schon mal für einen nötigen Austausch. Das heißt, wir treffen uns auch einmal im Monat, um uns einfach gegenseitig mindestens auf dem Laufenden zu halten und Dinge zu diskutieren. Da kommen solche Sachen wie Excel-Tabellen hoch und dann stellen wir gemeinsam fest, dass das eigentlich uns in den Prozessen gar nicht weiterhilft.
Es ist aber ehrlich gesagt aufwendig, es ist zeitraubend, es kostet viel Energie, diese Überzeugungsarbeit zu leisten und das ist auch im Wesentlichen eine Führungsaufgabe, die am Ende von der Geschäftsleitung, also von ganz oben herunter transportiert werden muss. Solange es erlaubt ist, gestattet ist, geduldet wird, Nebenbuchhaltungen zu haben, werden sie sie im Unternehmen nicht rausbekommen. Ja, ich glaube, wenn ich das richtig im Kopf habe, NVLN bietet auch ein paar Möglichkeiten, Excel zumindest so einzubinden, dass es aus Compliance-Sicht zumindest einigermaßen zuverlässig genutzt werden.
Richtig, Herr Harris? Ja, definitiv. Ich sag mal, auch hier muss man natürlich bestimmte Trends irgendwo erkennen. Denke ich mal 20 Jahre zurück, wusste ich für meinen Teil nicht genau, was Compliance war, was Socks war.
Hier sind natürlich massive Anforderungen in den letzten Jahren an uns herangetreten worden und insofern kann man diese Anwendungen, also die Excel-Integration natürlich auch nach diesen Gesichtspunkten aufsetzen, aber auch die kompletten Prozesse im Unternehmen dahingehend überprüfen lassen, dass die jeweiligen Autorisierungen eingehalten werden. Ich finde das einen sehr, sehr wichtigen Ansatz, den der Herr Buschelt dort eben eingebracht hat. Aus meiner Sicht ist erst mal ein Implementierungsprojekt eines ERP-Systems kein EDV-Projekt, sondern es muss letzten Endes auf den Schultern vieler legen, die ich nicht überreden soll, sondern die ich in dem Moment überzeugen muss.
Ich vergleiche, ich mag solche Metaphern, solche Bilder, ich habe ein bisschen Tonmasse, kann mein Unternehmen modellieren und strukturieren und gestalten, was ja auch ein Kompliment für die Leute ist, die daran teilhaben dürfen. Jetzt muss man sagen, die Welt verändert sich ja jeden Tag recht schnell und Anforderungen, die vielleicht vor einem Jahr oder vor zwei Jahren in dieser Form irgendwo nicht existierten und insofern auch nicht Implementierungsumfang waren und der Anwender keine Alternative in der Unterstützung sieht, laufen natürlich dann entsprechend Gefahr, dass man eben zu solchen Notlösungen wie einer lokalen Excel-Integration in dem Moment greift. Von daher finde ich diesen Ansatz sehr wichtig, das Projekt eigentlich immer am Leben zu halten und immer wieder kritisch zu hinterfragen, sind alle relevanten Prozesse, ich spreche jetzt hier von einem gesunden Verhältnis, wirklich im Fokus oder laufe ich irgendwo Gefahr, Nebenbuchhaltung, wenn ich nicht stark eingreife, morgen oder übermorgen entstehen zu lassen.
Das heißt, ein Projekt muss eigentlich stetig irgendwo am Leben gehalten werden. Ist man mit dem Implementierungsumfang zufrieden, dann kann man sich nach einiger Zeit sehr, sehr sicher sein, dass eine Vielzahl von Schattenbuchhaltungen, Nebenbuchhaltungen existieren, die den Prozess im Unternehmen torpedieren, um nicht zu sagen, zerstören. Herr Buschek, ich bin Ihnen sehr dankbar für den Hinweis, dass Sie sich einmal im Monat mit Ihren Key-Usern treffen, das ist mir persönlich in den Projekten auch immer sehr wichtig, weil wir eben nicht über technische, sondern über sozio-technische Systeme sprechen und es eben doch sehr, sehr viel menschelt und es natürlich auch für Sie eine Möglichkeit ist, immer wieder Informationen aus den Fachabteilungen zu zentralisieren, zu bündeln und dann auch an den ERP-Hersteller weiterzugeben.
Wie sehen Sie denn heute das generelle Zusammenspiel von ERP-Beratung auf der einen Seite und Ihnen als Anwendungsunternehmen auf der anderen Seite? Ist das, wie es vielleicht früher mal war, fire and forget oder kriegt der ERP-Berater hier auch eine ganz andere Rolle? Die Antwort kann nur lauten, es hängt sehr davon ab. Ich sehe tatsächlich, wenn ich das erstmal so betrachte, gar keinen so großen Unterschied zu der Rolle der Berater vorher. Ich sehe den großen Unterschied eigentlich in der Weise, wie wir mit den Dingen umgehen.
Das heißt, ich sehe im Key-User-Kreis und auch in der Unternehmensleitung die große Verantwortung, die Dinge richtig zu kanalisieren, die Prioritäten richtig zu setzen und die Anforderungen richtig zu stellen. Aber auch die Berater dann an Bord zu holen, wenn es notwendig ist. Also nicht zu glauben, dass man es besser kann.
Ich liebe die Apollo-Geschichte, Mondlandung etc. Und da gab es diesen Unfall auf Apollo 13 und da hat der Gene Kranz, der Flight Director, mitten in der Krise gesagt zu seinem Team, okay, now let’s everybody keep cool, let’s solve the problem, but let’s don’t make things worse by guessing. Und das ist genau die Problematik, das habe ich mir bei mir an meine Pinnwand gehängt.
Lasst es uns nicht schlimmer machen, indem wir glauben, wie es sein könnte. Und das ist, glaube ich, die Aufgabe, die wir haben, rechtzeitig die Berater mit an Bord zu holen, wenn wir Veränderungen vornehmen, um auch die Experten-Sicht einzuholen, die kritisch zu hinterfragen, aber nicht zu glauben, wir wissen es besser. Das kann ja bedeuten, dass wir die Richtigen auf dem richtigen Dampfer sind, aber wir hinterfragen es, wir sind selbst kritisch, wir sind selbst reflexiv und das halte ich für die modernen Projekte für extrem wichtig.
Ja, ich gehe noch einen Schritt sogar weiter, also so eine gut gemachte Software als Datenfundament des Unternehmens ermöglicht natürlich viele, viele neue Dinge, denn wir haben plötzlich die Möglichkeit, die physischen Objekte komplett zu trennen, ja von der Datensicht und damit können wir natürlich internationale Geschäftsmodelle aufbauen, Steuermodelle sind jetzt gerade wieder in aller Munde, aber auch natürlich logistische Projekte aufbauen. Inwieweit unterstützt Sie ein ERP-Unternehmen oder generell ein Softwarehaus heute auch in der Findung von neuen betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten, die man vielleicht als Mittelständler noch gar nicht so sehr selber durchdacht hat? Das muss man auf zweierlei Weisen betrachten. Die Frage ist also, wie gehe ich damit um? Ich habe auf der einen Seite neue Technologien zur Verfügung, aber ich muss sie natürlich auch nutzen, also ist es die Aufgabe, sich mal aus dem Tagesgeschäft abzuwenden, was im Mittelstand schwer genug ist, um sich den wirklich wichtigen und strategischen Dingen zuzuwenden.
Da gibt es das berühmte Eisenhauer-Diagramm mit den vier Quadranten, die eine Achse ist die Wichtigkeit und die andere Achse ist die Dringlichkeit und was wir so gerne machen im Mittelstand, ist immer in dem Quadranten wichtig und dringend und zwar ganz oben rechts unterwegs zu sein, mit anderen Worten Feuerwehr zu spielen und die wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben, nämlich die strategischen Aufgaben zu vernachlässigen. Und das ist, glaube ich, die Kunst heutzutage, sich nicht vom Tagesgeschäft niederknüppeln zu lassen, sich die Möglichkeiten, die das System bietet, zu analysieren, um dann festzustellen, dass man möglicherweise in der Art und Weise, wie man die Daten pflegt, gar nicht gut genug ist, um diese Hebel anzusetzen. Mit anderen Worten, die Datenqualität, die ich in meinem Unternehmen habe, die Disziplin, die ich aufwenden muss, die ist absolut entscheidend darüber, wie ich ein ERP-System nutzen kann.
Das heißt, wenn wir von der optimalen Nutzung ausgehen, dann muss ich in jedem Unternehmen, behaupte ich, auf der einen Seite mir die Nebenbuchhaltung ansehen, weil sie meine Daten sozusagen unvollständig werden lässt, weil ein Teil der Daten ist eben in der Nebenbuchhaltung drin. Das Nächste ist die Datenqualität. Sind meine Daten konsistent? Stimmen sie? Stimmen die Wiederbeschaffungszeiten? Kann ich darauf Planungsläufe basieren lassen? Etc.
Und erst wenn ich diese Hürden genommen habe, wenn ich wirklich eine einheitliche Sicht habe und die Daten in einer hohen Qualität vorhanden sind, kann ich überhaupt daran denken, neue Methoden zu nutzen. Und gleichzeitig bedeutet es für mich auch, auf dem technisch aktuellen Stand zu bleiben, also mindestens jedes zweite Feature-Pack mitzunehmen. Herr Harris, jetzt sind sie ja schon sehr lange Berater.
Das heißt, sie bringen sehr viel Erfahrung schon auch aus der Zeit vor der New Economy, nach der New Economy bis eigentlich in dieses neue Zeitalter der Digitalisierung ja auch mit. Hat sich das Profil für sie als ERP-Berater massiv verändert in der Zeit? Ja, ich denke einfach mal, nein. Wie der Herr Buschek vorhin schon mal formulierte, wir sind ja eigentlich im Rahmen der Digitalisierung schon seit vielen Jahren unterwegs.
Der große Unterschied gegenüber der heutigen Zeit sehe ich eigentlich darin, dass neue Technologien, neue Bestrebungen im Rahmen der Digitalisierung schneller erfunden werden und der Druck für die Unternehmen größer wird. Das Beraterprofil hat sich eigentlich klassisch im Sinne irgendwo nicht geändert. Was braucht ein guter Berater? Ich denke, er muss in der Lage sein, vernünftig zu kommunizieren, vernünftig zu moderieren, aber er muss natürlich auch entsprechendes Fachwissen in seinem jeweiligen Gebiet haben.
Hier muss man natürlich sagen, gegenüber der Zeit von vor 20 Jahren ist man hier vielleicht zwei, drei Stufen tiefer unterwegs, weil die Anforderungen eben in vielen Bereichen gestiegen sind. Ich denke hier einfach mal an Aspekte wie Qualitätsmanagement oder vielleicht auch Servicemanagement, aber die Kernanforderungen an einen Berater sind in meinen Augen identisch. Dann komme ich direkt zu meiner Pilzlichtrunde und die erste Frage, die ich stelle ist, was sind diese Kernanforderungen eines ERP-Beraters? Ich denke, Kern ist wirklich Kommunikation.
Er muss in der Lage sein, Dinge gezielt zu hinterfragen, zu verstehen, die Leute zu locken, zu motivieren. Ein Projekt hat sehr viel mit Psychologie zu tun. Er muss aber auch moderieren und er muss natürlich auch konzipieren können.
Das kann aber eigentlich nur, wenn er die nötigen Informationen dann in dem Moment auch von seinen Key-Usern, von seinen Kollegen in dem Moment irgendwo herausgekitzelt hat, möchte ich einmal sagen. Er muss natürlich auch einen klaren Plan haben, der mit dem Kunden abgestimmt ist und dem Plan folgen, denn nicht der Weg ist das Ziel. Fatal ist natürlich auch einfach einen ersten Schritt zu tun, ohne zu wissen, was der zweite sein wird.
Das heißt, klar einem Plan folgen, klar zu kommunizieren, klar zu moderieren, aber natürlich auch ein verschärftes Fachwissen in den verschiedenen Bereichen zu haben. Jetzt stelle ich mal die Frage an Herrn Buschek. Sie sind ja ein Chamäleon sozusagen.
Sie sind selber viel in Sachen digitaler Transformation unterwegs. Sie waren als Berater tätig. Sie sind als CIO, als CDO für ein Unternehmen tätig.
Was zeichnet Sie beruflich aus? Warum sind Sie das geworden, was Sie heute sind? Interesse und lebenslanges Lernen ist das Allerwichtigste und auch die eigenen Standpunkte hin und wieder in Frage zu stellen. Das ist aus meiner Sicht sogar das Allerwichtigste. Ich war auf dem Inforum in Paris vor zwei Jahren im November 2015 und war als guter deutscher CIO der Meinung, Cloud-Technologien sind per se böse.
Mit denen brauchen wir uns gar nicht zu beschäftigen und all das nachgeplappert, sage ich mal, was so ein bisschen der Mainstream war im deutschen Mittelstand. Ich habe dann viele Gespräche auf dieser wirklich spannenden Veranstaltung besucht und ich bitte Infor, diese große Veranstaltung wieder in Europa aufleben zu lassen und nicht nur in New York, weil das eine fantastische Veranstaltung war. Sie hat mir sehr viele Impulse gegeben und insbesondere das Thema Digitalisierung habe ich durch viele Gespräche explizit auf dieser Veranstaltung für mich entdeckt und habe dann beschlossen, das für mich so intensiv aufzuarbeiten, dass ich einen Blog geschrieben habe, da wird demnächst ein Buch heraus erscheinen zum Thema Digitalisierung im Mittelstand, also wirklich auch mit Fokus auf Mittelstand, wo ich die ganzen unterschiedlichen Probleme und Schmerzen auch beschreibe.
Also ich nenne jetzt noch mal Ihren Blog, wir haben den auch in den Show Notes beziehungsweise auf unserer Webseite, das ist www.digitaltransformationblog.com, in dem Sie aktiv über Themen, die ja auch insbesondere den Mittelstand betreffen, schreiben. Sobald Ihr Buch draußen ist, werden wir das auch entsprechend verlinken, aber darüber hinaus gibt es irgendwelche Literatur, Sie haben eben über lebenslanges Lernen gesprochen, die Ihnen weitergeholfen hat, die vielleicht auch unseren Zuhörern weiterhelfen können. Wenn Sie mich jetzt nach einem Buch fragen, wird es echt schwierig.
Ich würde fast eher Autoren als Bücher nennen. Wer mich sehr beeindruckt hat, waren die beiden Förster und Kreutz, die haben ein Buch geschrieben, was ihr als erstes gelesen habt, Nur Tote bleiben liegen, wo wirklich Querdenken mal gezeigt wurde und dass wir uns mit konventionellen Denkmustern in der modernen Zeit gar nicht über Wasser halten können. Ein anderes Buch, was mich zum Thema Digitalisierung beeindruckt hat, das war das Buch Deutschland 4.0 von Tobias Kollmann und Dr. Holger Schmidt, die wirklich genau beschrieben haben, wo es auch in Deutschland am Thema Digitalisierung krankt und leider ist da, wenn wir ehrlich sind, kaum Besserung in Sicht.
Und wenn es um die Change-Prozesse im Unternehmen geht, rate ich jeden zu dem fantastischen Buch, ich habe es auf Englisch gelesen, A Sense of Urgency von John Kotter, der beschreibt, woran so viele wichtige Change-Projekte hapern, nämlich daran, dass man die Dringlichkeit nicht erkennt. Und ein Hauptgrund, die Dringlichkeit nicht zu erkennen, hat John Kotter mit Complacency identifiziert, das heißt Selbstzufriedenheit. Man glaubt, es ist alles im grünen Bereich und ist deswegen nicht bereit, sich aus der Komfortzone zu bewegen.
Also Nur Tote bleiben liegen, Deutschland 4.0 und A Sense of Urgency sind die Bücher, die mich in den letzten Monaten am meisten beeindruckt haben. Ja, Herr Harris, können Sie ergänzen? Ja, ich stelle gerade fest, dass wir die gleichen Buchinteressen haben. Ich möchte vielleicht ganz besonders den Autor Holger Schmidt irgendwo in den Vordergrund stellen, von dem ich aktuell praktisch das Buch lese, wie digitale Transformation gelingen kann.
Finde ich extrem spannend, extrem klassisch, auch man bekommt sehr schön den Spiegel vorgehalten, dass man definitiv irgendwo tätig werden muss. Ich habe teilweise manchmal den Eindruck, man unterschätzt das Thema. Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass man nicht überall und unbedingt immer der Erste sein muss, der etwas ausprobiert, wobei Digitalisierung nichts Neues ist, was man ausprobiert.
Und wir erleben ja selber, welche Branchen in den letzten Jahren einfach kassiert worden ist. Denken wir einfach mal an die Banken, denken wir mal an die Versicherungen. Die sind ja in ihrem traditionellen Geschäftsmodell eigentlich schon fast Geschichte geworden und dann finde ich schon fast aufregend, wie sehr man sich im Prinzip irgendwo bei mittelständischen Unternehmen auf Auswirkungen konzentriert, aber nicht einmal über Ursachen nachdenkt und versucht, Ursachen zu verändern oder Dinge in dem Moment neu zu steuern.
Gibt es neben Büchern, die ja nun aus der alten Welt letztendlich stammen, sprich einmal gedruckt auf das Informationsmedium selber, auf den Informationsträger, auch im Internet Quellen, wo sie sich weiterbilden, wo sie sich selber informieren, die sie täglich nutzen? Das kann ich behaupten, dass ich sie täglich nutze und das, was gestern vielleicht doch das aktuelle Medium war, ist heute vielleicht schon irgendwo überholt worden durch ein neues. Das Internet ist ja eine derart faszinierende Geschichte, weil es jeden Tag Veränderungen gibt, jeden Tag neue Foren, neue Plattformen, also da kann man eigentlich fast gar nichts Besonderes hervorheben. Ich würde gerne diesem Spruch widersprechen, dass das Buch möglicherweise überkonnen ist. Sie glauben bitte nicht, dass ich irgendwelche Bücher mir beschaffe, die aus einzelnen Seiten bestehen, also eine hochfeine Technologie, wo feinste Scheiben übereinander gestapelt werden, wirklich faszinierend.
Nein, ich lese sie dir natürlich auf dem Kindle oder ich höre sie mir als Audiobuch auf langen Reisen an. Da kann man die Zeit wunderbar im Auto nutzen. Insofern ist das Buch ja an und für sich jetzt schon digitalisiert über Kindle und Audible, was ganz fantastisch ist.
Was ich wirklich festgestellt habe, natürlich durch den Blog habe ich sehr, sehr intensiv auch im Internet recherchiert und bin dann auf MIT Sloan gekommen, die wirklich fantastische Artikel haben, die man zum Teil for free bekommt, zum Teil für einen relativ geringen Beitrag. Da sind hochspannende Informationen drin, wenn man wirklich bereit ist, sich verstörende Neuigkeiten zum Thema Digitalisierung reinzuziehen. Verstörende Veränderungen ist vielleicht auch das Stichwort für die nächste Frage.
An Sie beide gerichtet, einmal vielleicht aus der Brille des IAP-Beraters, andererseits aber auch aus der Brille des CAIOs. Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Berufswelt für Sie in den nächsten zehn Jahren verändern? Dann beginne ich mal als IAP-Berater. Ich glaube einfach, dass die Eigenschaften eines Beraters auch noch in zehn Jahren gefragt werden, weil wenn es bestimmte Dinge gibt, die in den Unternehmen Schwierigkeiten darstellen, dann muss das natürlich auch wiederum durch Moderationsfähigkeit, durch Kommunikation irgendwo beleuchtet werden und es müssen natürlich irgendwo in einer Gruppe gemeinsame Entscheidungen betroffen werden.
Ich glaube gar nicht, dass sich die Art und Weise, wie ein Berater in zehn Jahren agieren wird, so dramatisch ändern wird. Für die Rolle des CAIO würde ich schon sagen, das wird sich massiv verändern. Was wir heute sehen in den allermeisten Unternehmen, die noch nicht auf Cloud-Technologien umgeschwenkt sind, ist, dass ich einen großen Stab an Mitarbeitern habe oder ich source das aus, die sich um die Infrastruktur kümmern, um Switche, um Virtualisierung, um Serverbetriebssysteme etc.
pp. Das ist ein Haufen Arbeit, den wir eigentlich, wo ich persönlich sage als CAIO, ist verschwendete Zeit, denn das können andere besser. Das heißt, ich sehe die Aufgabe des CAIOs in Zukunft noch strategischer und mehr wie ein Dirigent, wie ein Kondaktor, der Teams sozusagen enabelt, der die sammeln setzt, dass Entwicklungen möglich sind.
Das wäre für mich der Idealzustand, auch was Führung betrifft und dass sich die IT im Unternehmen hin zum Enabler noch mehr, gar nicht so sehr auf technologischer Weise im Sinne von mehr Server, mehr Hardware in dem Unternehmen, doppelt abgesicherte Rechenzentren, sondern im Gegenteil davon weg, Software as a Service, Services mehr nutzen. Den Strom produzieren wir auch nicht selbst, den holen wir uns aus der Steckdose vom Kraftwerk und bezahlen ihn on demand sozusagen nach dem, was wir verbrauchen und so stelle ich mir das zukünftig auch für Software vor und das wird die Rolle des CAIOs schon nachhaltig verändern. Ich hake da noch mal ganz kurz ein vielleicht an der Stelle, weil ich natürlich irgendwo meine Rolle als klassischer Anwendungsberater hier in den Vordergrund gestellt habe, wenn ich an sich, an das komplette Unternehmen denke.
Ich glaube, dann ist es völlig unstrittig, dass On-Premise-Installationen mehr oder weniger in zehn Jahren im Neugeschäft der Vergangenheit angehören werden und dass tatsächlich genau solche Modelle viel verstärkter zum Einsatz kommen, von dem der Herr Buschig gerade gesprochen hat. Das heißt Pay as used, das heißt ich benutze einfach eine Anwendung, die mir als Dienst rund um die Uhr zur Verfügung gestellt wird, die automatisch abgedatet wird, die in dem Moment dann eben auch nach den Kriterien abgerechnet wird, die dann vertraglich vereinbart werden. Das heißt wirklich die richtige Anzahl der Benutzer oder die richtige Anzahl der Belege wird dann eben das Geschäftsmodell der Zukunft sein.
Das Beispiel mit dem Strom ist wahrscheinlich gar kein so schlechtes. Ich würde da auch noch mal einhaken, wenn ich darf, noch ganz kurz. Nämlich einen Punkt, den bin ich nicht losgeworden und das ist eins unserer Projekte, nämlich Cloud-Readiness herstellen.
Und das ist vielleicht wirklich noch ein Punkt, der für die Hörer auch von Interesse ist. Wir haben uns strategisch entschieden, unsere Applikation so weit zu verändern, die Nutzung zu verändern, dass wir am Ende auch tatsächlich in der Cloud arbeiten können. Und was bedeutet das primär? Das bedeutet, dass wir Anpassungen loswerden müssen.
Das ist ein riesiges Thema in allen ERP-Systemen, ob das Info-LN ist, ob das SAP ist, was auch immer. Überall wird fleißig angepasst. Die Hersteller haben das bis vor kurzem auch noch, mindestens gilt es für Info, kräftig unterstützt.
Wir haben auch genügend Anpassungen im System gehabt, die alleine schon das Einspielen von Solutions, heißt das bei Info, nämlich Updates, die Fehler bereinigen, erheblich erschwert hat. Und wir haben jetzt gesagt, wir müssen Cloud ready werden, damit agiler werden, schneller werden, weil wir nicht mehr davon abhängen, jeden einzelnen kleinen Schritt für uns selbst anzupassen. Standardisierung und Vereinfachung ist aus meiner Sicht eine wichtige Voraussetzung für Digitalisierung.
Ja, ich habe ganz am Anfang, als ich den ERP-Podcast angefangen habe, eine Folge zur Bedeutung der IT-Abteilung mit der Überschrift vom Kellerkind in die Belletage aufgenommen, wo eigentlich auch meine Prognose ist, dass wir die typische Fachinformatiker-IT-Abteilung vielleicht in dem Maße in Zukunft gar nicht mehr brauchen, sondern die Entwicklung in den Unternehmen oder die Nachfrage in den Unternehmen eher mehr Richtung das, was wir als Wirtschaftsinformatik bezeichnen, also strategische Management-Aspekte der IT in den Vordergrund zu stellen. Würden Sie das unterstreichen, Herr Buschek? Absolut. Das ist die Zukunft.
Da müssen wir hingehen. Wir haben gerade im Mittelstand, das muss man schon, glaube ich, auch unterscheiden, im Mittelstand gibt es primär IT-Leiter. Dass ich jetzt CIO genannt werde, hat die Funktion, da wir auch international unterwegs sind, aber man würde sagen klassisch IT-Leiter.
Und ein IT-Leiter im deutschen Mittelstand ist halt sehr, sehr stark operativ geprägt. Er sorgt dafür, dass die Systeme rennen, dass wir keine Ausfälle haben, dass das ERP-System immer zur Verfügung steht. Aber der strategische Ansatz, der muss aus meiner Sicht noch deutlich weiter ausgearbeitet werden.
Denn nur so kann man die digitale Transformation, nämlich irgendwann auch mal herzugehen und zu sagen, neue digitale Geschäftsmodelle ins Leben zu rufen, wo all die verschiedenen Aspekte, die wir heute zur Verfügung haben, zusammenkommen. Cloud-Technologie, IoT, Big Data, künstliche Intelligenz. Was es alles ist, die Technologien, die Möglichkeiten stehen zur Verfügung.
Wir müssen diese Lego-Bausteine nehmen und schauen, wie wir sie für unser Unternehmen optimal zusammenbringen. Jetzt haben Sie eben schon ein bisschen über die Herausforderung der Unternehmenssoftware auch gesprochen, Stichwort Release-Fähigkeit, Cloud- Readiness. Was glauben Sie, ist die Herausforderung an das Datenfundament, sprich an ERP, in den nächsten Jahren ganz besonders? Ich habe es vorhin schon mal erwähnt.
Ich persönlich glaube, dass es eindeutig das Thema Datenqualität ist. Da haben wir noch einen großen Nachholbedarf. Denn wenn wir die Möglichkeiten, auch Big Data-Analysen nutzen wollen, brauchen wir verlässliche Daten.
Und da haben wir definitiv und das beobachte ich überall in vielen Gesprächen, die ich führe, werden mir dieselben Dinge berichtet. Da gibt es den größten Nachholbedarf. Wenn meine Daten nicht in Ordnung sind, werde ich keine entsprechenden Ergebnisse bekommen.
Und da ist in der Vergangenheit meines Erachtens nach ein zu geringer Fokus draufgelegt worden. Herr Harris, die letzten Worte in diesem Zusammenhang gebühren Ihnen. Ich glaube, ich kann das nur unterstreichen.
Wir sind natürlich nicht nur in Kontakt mit Bestandskunden, sondern natürlich auch stetig mit Interessenten. Und man wundert sich manchmal, wie breit das Portfolio ist, was der Kunde heute haben möchte oder für die Zukunft haben möchte. Und wenn man sich dann das Patchwork oder den Flickenteppich anschaut, mit dem er heute unterwegs ist, das sind dann teilweise Sternengalaxien, die einen voneinander trennen.
Man möchte automatische Lieferterminfindung in einen Verkaufsauftrag haben, schafft es aber teilweise eben im Unternehmen nicht, mit korrekten Wiederbeschaffungszeiten zu arbeiten. Es gibt mangelnde Buchungsdisziplin im Unternehmen. Man wundert sich über mangelnde Aussagekraft bei Lagerbeständen oder man arbeitet schlicht und ergreifend mit veralteten Einkaufspreisen, die die Kalkulation gefährden.
Ich glaube, dieser Bereich, den der Herr Buschek adressiert, ist ein enorm wichtiger. Aber auch das hat was mit Mindset oder mit Kopfeinstellungen bei den Anwendern zu tun. Es sind nicht die Daten der anderen, sondern es sind gemeinsame Daten.
Und hier muss man, wie heißt es so schön neudeutsch, mehr Awareness schaffen. Und dann kann man den Funktionsumfang, den die Systeme hinsichtlich dessen heute eben in ausgeprägter Form auch bereits bieten, dann entsprechend schöpfen und eben in die neuen Welten hin unterwegs sein. Was ich aber ebenfalls als massiven Trend sehe, möchte ich ebenfalls noch einmal unterstreichen.
Wenn wir von einem Interessenten Anfragen bekommen, dann ist natürlich das ERP-System immer die Kernanwendung. Aber welches ERP-System bietet von vornherein fix und fertige und flexible analytische Auswertungen? Ich sage mal die wenigsten, um nicht zu sagen keins. Also braucht man analytische Auswertungssysteme.
Man darf natürlich auch nicht den Fehler machen, dass man versucht, ein PLM-System funktional in ein ERP-System hineinzudrücken, weil die Systeme einfach anders ausgeprägt sind. Ich glaube ganz klar, es gibt einen massiven Trend, vom Produkt weg zu suiten, zu entsprechend übergreifenden Lösungen, die dann eben vorkonfektioniert und vorkonfiguriert sind, damit sie einfach schneller und einfacher und prozesssicherer implementiert werden können. Dem kann ich nichts hinzufügen.
Ich möchte mich bei Ihnen beiden ganz, ganz herzlich bedanken, dass Sie heute mit mir eine spannende Stunde über Info als Aufhänger, letztendlich die Digitalisierung im Mittelstand, gesprochen haben. Die letzten Worte, wie immer, an Sie als Ihre Gäste. Von meiner Seite herzlichen Dank.
Vielen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierung zu dieser Folge.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.