Als langjähriges DAX-Vorstandsmitglied der SAP von 1993-2009 hat Prof. Zencke als Entwicklungsvorstand maßgeblich die Gestaltung der SAP und deren ERP-Systeme vorangetrieben. In diesem Interview sprechen wir über die Geschichte der SAP, einzelne Softwaresysteme wie R/3, S/4 HANA und Business byDesign, aber auch die generelle Zukunft von Unternehmenssoftware. Viel Spaß mit einer interessanten, dieses Mal zweiteiligen ERP-Podcast-Folge – nicht nur für SAP-Anwender.
- Gutenberg, E.: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre (Die Wirtschaftswissenschaften). 1958
- Floridi, L.: Die 4. Revolution: Wie die Infosphäre unser Leben verändert. 2015
- Gelernter, D.: Gezeiten des Geistes: Die Vermessung unseres Bewusstseins. 2016
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 26. Einblicke in die SAP, Teil 2. Ein Interview mit Prof. Dr. Peter Zencke. Als langjähriges Vorstandsmitglied der SAP von 1993 bis 2009 hat Prof. Zencke als Entwicklungsvorstand maßgeblich die Gestaltung der SAP und deren ERP-Systeme vorangetrieben.
In diesem Interview sprechen wir über die Geschichte der SAP, einzelne Software-Systeme wie R3, S4HANA und Business by Design, aber auch die generelle Zukunft von Unternehmenssoftware. Viel Spaß mit dem zweiten Teil dieses ERP-Podcast-Interviews, nicht nur für SAP-Anwender. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Ich springe mal ein bisschen weiter von den extern zugekauften Systemen. Hat sich natürlich auch die SAP dann intern weiterentwickelt und gerade unter ihrer Regide ist dann ein System ins Leben gerufen worden, was ganz neue Paradigmen, ganz neue Ansätze des Business-by-Design-Systems sowohl aus der Betriebswirtschaft als auch aus der technologischen Architektur heraus.
Was waren die Hintergründe dafür? Für ein Unternehmen, das hart im Markt kämpft, gibt es manche Anstöße, die kommen aus dem Wettbewerb. Der primäre Anstoß für by-Design, by-Design überhaupt zu entwickeln war, das kann man glaube ich heute ganz einfach ganz offen bekennen, war Microsoft. Microsoft, die hingegangen sind und ich glaube 5 Milliarden Dollar etwa ausgegeben haben, um Anwendungslösungen wie beispielsweise Magnavision, Redplanes und insgesamt 5, 6 zusammen zu kaufen, damit eben auch eine Kundenbasis zu kaufen im mittelständischen Bereich.
Mit dem Versprechen, diese 5, 6 Lösungen letztendlich neu zu entwickeln auf einer .NET-Plattform. Und das ist das, was man ein disruptives Spiel nennt. Nämlich natürlich ist es immer eine Gefahr für einen Großen, der sich auf das High-End fokussiert, dass er angegriffen werden kann, nicht von einem noch Größeren, das ist selten erfolgreich, sondern von einem, der kleiner startet und dann sich aber schneller entwickelt. Das ist, was man auch Disruption nennt.
Und natürlich gab es eine Befürchtung, dass Microsoft es gelingen könnte mit einer neuen .NET-Architektur und mit einer großen Kundenbasis, die sich quasi gekauft hat und auch Anwendungsentwicklern, die sich gekauft hat, in diesen Bereich hereinzustoßen und dann SAP in der Unternehmenssoftware quasi von unten her anzugreifen. Nun, aus diesen Plänen, das heißt das Project Green bei Microsoft, ist letztendlich nichts geworden. Warum? Weil plötzlich die Kunden und mehr noch die Partner aufgestanden sind und gesagt haben, ihr seid ja wohl völlig verrückt.
Ihr könnt ja machen, was ihr wollt, was euch vorschwebt, aber eins müsste doch zusichern, dass was wir selbst als Weiterentwicklung auf der Vision entwickelt haben, wir als kleiner Partner der Microsoft oder ursprünglich von der Vision, das soll doch bitteschön hundertprozentig wieder einsetzbar sein, denn sonst haben wir ja ein Investment in den Sand gesetzt. Und dieses Dilemma, was man auch Innovators-Dilemma nennen kann, konnte Microsoft selbst nicht lösen. Also ist außer vielleicht im CRM-Bereich diese Gleichung bei Microsoft nicht aufgegangen.
Aber das war die Herausforderung für das Beides ein. Also eine neu konzipierte, dann eben auch von vornherein internetbasierte Lösung für mittelgroße Firmen zu entwickeln. Und dann kommt ein zweiter Aspekt, dass wir gesagt haben, naja, wenn wir schon mal diesen Schluck von der Bulle nehmen und nochmal eine Neuentwicklung starten, dann soll aus dieser Neuentwicklung konzeptionell, technologisch, von der Gesamtausrichtung so viel Innovation herauskommen, wie irgendwie möglich ist.
Weil selten hat einer sozusagen den Freiraum zu sagen, nochmal auf einer grünen Wiese anzufangen. Deswegen war die zweite Vorstellung so etwas wie ein Concept Car zu entwickeln. Ein Concept Car ist ein Prototyp, wenn man so will, der sich aber hinterher für alle möglichen Zwecke und Opportunitäten ausschlachten lässt.
Weil er so breit aufgebaut ist und weil er viele Innovationsthemen parallel angegangen ist. Nun, ein Beispiel dafür, gewissermaßen auch eine halbe Zufallsentwicklung aus dem ByDesign war eben das ganze Datenmanagement, die ganze Datenbank letztendlich main memory basiert aufzubauen. Das will ich jetzt nicht auf die Gründe im Einzelnen eingehen.
Es war auch wiederum wie damals im frühen R3 eine pure Notwendigkeit, dass in der neuen Architektur, insbesondere wenn dann plötzlich die Cloud noch kommt, die alten Data Warehouse Ansätze nicht funktioniert haben. Also mussten wir was tun und haben wiederum quasi aus Not, damit es überhaupt lauffähig wurde, etwas entwickelt, was dann hinter, wenn man so will, HANA für die SAP geworden ist. Also ein großer technologischer Beitrag, der mitgeholfen hat, dass SAP in dieser Bereich der memory basierten Datenbanken, Datenbanken, die also parallel die analytischen Informationsbedürfnisse wie die transaktionalen Bedienen aus einem Datenbestand heraus, dass SAP das entwickelt hat und da heute führend in der Welt dasteht.
Das heißt, die Ursprünge dieser neuen Technologien, die sind jetzt aus heutiger Sicht ja beinahe schon visionär, fast unmittelbar nach der Jahrtausendwende entstanden. Wenn ich jetzt an Microsoft denke, also die haben jetzt gerade sehr stark ihre Cloud Strategie auch für Unternehmenssoftware in den Vordergrund gestellt, aber wir sind jetzt einige Jahre ja doch weiter, als sie damals waren, als sie diese Strategie beschlossen haben. Ja, also gut, die Cloud, die kam in der Tat auch wiederum ungeplant dazu.
Als wir angefangen haben mit der ByDesign Entwicklung, da gab es keinen, der gesagt hätte, was ist die Cloud und was wird die Cloud. Letztendlich ist das ja sozusagen in die Welt gesetzt worden durch Salesforce.com mit diesem Schlachtruf, also Software ist tot, es braucht keine Software mehr. Das ist natürlich Quatsch, aber was gemeint war, es braucht keine Software mehr, die von einem Unternehmen einzeln, hausintern gekauft und implementiert wird, sondern eine Software wird aus einem, heute würde man sagen, Cloud-Datenzentrum als Service bezogen.
Und das kam sozusagen früh noch in der Hauptentwicklungszeit des ByDesigns, dass sich das abzeichnete, Mensch, das kann nun wirklich etwas nochmal wieder Disruptives werden, nämlich auch im Sinne von Geschäftsmodell disruptiv, also eben nicht mehr ein Verkaufsmodell, sondern ein auf Usage und Nutzen basierter Abrechnung basierendes Geschäftsmodell. Das könnte auch wiederum quasi für SAP gefährlich werden, wenn dieses Modell erfolgreich wird. Und dann waren wir mutig genug zu sagen, naja, wenn wir jetzt so viel Innovation gemacht haben, dann sollte doch diese neue Lösung bei Design dann bitteschön auch für die Cloud einsetzbar sein.
Diese Kurve haben wir in der laufenden Entwicklung damals noch hinbekommen. Und dann gab es eine Phase, wo man sogar gesagt hat, na, wenn das so ist, dann lasst uns doch diese Lösung bei Design von Anfang an zunächst einmal nur als Cloud-basierte Lösung positionieren. Da gab es auch so ein bisschen das Wort, keep it in the cage, also halt den Tiger im Käfig.
Also macht das ein bisschen verdeckt, was sie da eigentlich macht. Und dann ist etwas nochmal wieder passiert, das hätte fast dem bei Design das Genick gebrochen. Wir haben nämlich erst während wir das getan haben herausgefunden, nicht was ist die Cloud und was sind da die technischen Schwierigkeiten, sondern was sind die Betriebsführungsschwierigkeiten einer Cloud-Lösung.
Denn dummerweise ist es so, dass in einem Cloud-Modell all das, was vorher an Last, auch Kosten, von den einzelnen Firmen getragen wurden, die immer schon gestöhnt haben, mein Gott ist das also kompliziert und ihr kommt mit dem Release-Wechsel und was uns das alles kostet. Aber das hat man nicht so sehr wahrgenommen als Hersteller damals wie SAP, viele anderen auch nicht, weil das ja Kosten beim Kunden waren und drum herum war eine Corona von Beratungsfirmen, auch ganz großen Beratungsfirmen, die damit natürlich ihr Geld gemacht haben. Also keiner ist zu SAP hingelaufen oder zu anderen hat gesagt, also hier nämlich auf der Cost of Ownership von ERP-Systemen muss man dramatisch was tun.
Das ist das, was letztendlich die Cloud bietet, eine wesentlich günstigere Nutzungsform für den einzelnen Kunden. Aber natürlich bleiben zunächst einmal hohe oder höchste Komplexitätskosten plötzlich auf dem Software-Anbieter, der gleichzeitig Cloud-Betreiber ist. Und was das alles bedeutet hat, nämlich sozusagen tausend Systeme und tausend Kunden in einem System zu fahren und jeder Kunde möchte möglichst oder weitestgehend flexibel sein und der eine tut dieses und der andere tut jenes, wie man diese Verwaltung von mehreren Systemen in einem kostengünstig hinbekommt und dann sowas wie einen Release-Wechsel gar nicht mehr hat, sondern sozusagen silent, im Background einen permanenten Release-Wechsel in the Flight macht.
Das hat uns mit am meisten Kopfschmerzen bereitet und unter dem Gesichtspunkt wäre es vielleicht besser gewesen, in der Tat das bei dieser nochmal damals zwei Jahre zurückzunehmen ins Labor, um diese Dinge wirklich ordentlich zu lösen. Das ging dann nicht mehr, dann hatten wir schon quasi gelauncht und dann hatten wir solche Probleme im Nachhinein zu lösen, die wirklich komplex waren und schwierig waren. Aber wiederum, wenn man früh sich eine Sache annimmt, selbst wenn man vieles eben, wie beim Ritt über den Bodensee, gar nicht getan hätte, wenn man gewusst hätte, was da alles auf einen zukommt, das kann wiederum dann ein Glücksfall sein für die Zukunft.
Also SAP hat damals unglaublich gelernt, auch blutig gelernt, aber das ist heute die Grundlage, dass SAP sich eine neue Führerschaft im Cloud-Computing erkämpft hat. Wenn ich mir den ERP-Markt so angucke, dann war die Entscheidung, hier ein eigenes System zu entwickeln, durchaus eine sehr mutige Entscheidung, denn nach der Jahrtausendwende, es gibt gar nicht mehr so unendlich viele ERP-Hersteller, die wirklich neue ERP-Systeme, also komplett von scratch, entwickelt haben. Ja, fast kein.
Ja, und dann noch mit einer Oberfläche, die webbasiert ist. Wenn ich mich richtig erinnere, Sie haben am Anfang sehr stark auf eine Microsoft-Extension da auch gesetzt, auf Silverlight. Das haben Sie ja mittlerweile in dem ganzen System zugunsten von HTML5 ersetzt.
Wieder ein Native Internet User Interface und nichts, eins, das dazwischen irgendwo noch gesessen hat. Ja, das war ja durchaus eine Herausforderung, mit den damaligen Web-Technologien auch so ein Interface entwickeln zu können. Ja, also sagen wir mal, eines muss man schon sagen, die SAP war eigentlich in der ganzen Geschichte immer mutig gewesen.
Sie hat sich den Dingen gestellt und sie war teilweise ihrer Zeit voraus. Auch das R2-System hat man vielleicht von vielen am Anfang gar nicht so richtig verstanden. Was ist das eigentlich? Das R3-System ist teilweise dann unterschätzt worden.
Ach, das ist ja nur eine Neukodierung von R2, haben viele gesagt, und jetzt auch mit der Cloud. Was ist das in der Cloud? Naja, das ist halt irgendwie eine Mietsoftware. Also viele haben das, was tatsächlich passiert ist, unterschätzt und die SAP hat sich diesen neuen Herausforderungen gestellt.
Und da kommt wiederum zum Tragen, dass man sehr unternehmerisch gedacht hat, aber nicht nur einfach im Sinne von Profitabilität von heute, sondern mehr im Sinne von Zukunftssicherung für morgen. Ich wage mal eine Frage in den Entwicklungsbereich, weil sie natürlich auch aus dem Bereich ja letztendlich kommen. Viele, die wenig mit Softwareentwicklung zu tun haben, die sind der Meinung, man kann die Softwareentwicklung beliebig skalieren, dadurch, dass ich beliebig viele Programmierer letztendlich auf ein Softwaresystem schmeiße, loslasse.
Aber gerade bei Unternehmenssoftware, bei betriebswirtschaftlich motivierter Software mit unglaublich viel Integration zwischen einzelnen Softwareaufgaben, Funktionen, Bereichen, ist das ja ein wahnsinnig schwieriger Entwicklungsprozess. Wie sind Sie damit umgegangen mit dem ganzen Thema? Ja, einer der ersten, der diese Schwierigkeiten festgestellt hat, war IBM bei der Entwicklung von einem 370 Mainframe Operating System. Also in der Tat hat Software ganz spezifische Komplexitätsprobleme und Software lässt sich nicht entwickeln mit je mehr Manpower, einfach wie ich muss Leute einkaufen, modernerweise kauft man die in Indien oder in China oder sonst was ein, und dann kann man über die Zahl der Menschen skalieren.
Das stimmt nicht, denn in der Software, unsere Designmöglichkeiten, unsere Modellierungsmöglichkeiten in Software sind immer noch weit, weit unter dem, was man vielleicht gerne hätte. Also es sind im Endeffekt intelligente Menschen, die sich verständigen müssen. Und die Überschätzung von Design-Tools, Design-Tools sind schlechter immer noch, als sie vermarktet werden.
Also wenn Sie keine guten Leute haben, die diese Komplexität verstehen und sich darüber austauschen können und sogar kämpfen können, nämlich was ist nun die beste Lösung für irgendeinen Weg, sich darüber produktiv, aber doch, ich sage mal ein altes Wort, solidarisch auseinanderzusetzen, einfach das gemeinsame Finden der besten Lösung. Wer diese menschlichen und intellektuellen Fähigkeiten nicht hat, der wird in der Entwicklung von großen, komplexen Software-Systemen scheitern. Das mag vielleicht in 20, 30 Jahren ganz anders sein, wenn modellbasierte Entwicklung nochmal dimensionenweiter fortgeschritten ist.
Aber heute ist es noch so, dass es einen starken menschlichen Faktor in der Softwareentwicklung gibt. Ich denke bei ERP-Software, dabei vor allen Dingen auch an die betriebswirtschaftliche Integration, die es eigentlich verbietet, Aufgaben wirklich komplett losgelöst zu programmieren. Also zu sagen, ich programmiere irgendwelche Funktionalität losgelöst im Verkaufsbereich oder im Logistikbereich, weil es einfach so viel Zusammenspiel gibt.
Beispielsweise der Verkäufer garantiert dem Kunden irgendein Produkt und es wird dann entweder hart oder weich reserviert, was natürlich wiederum Auswirkungen in die Logistik, in den Einkauf hat und so weiter und so fort. Das sind ja besondere Herausforderungen, die noch weit über eine normale Softwareentwicklung hinausgehen. Das ist schon richtig.
Das ist die besondere Komplexität von betriebswirtschaftlicher Software, dass im gewissen Sinne alles mit allem zusammenhängt. Das war schon, ich komme nochmal zurück, eine der großen Entdeckungen von Erich Gutenberg. Zu sagen, in einer Firma hängen Prozesse miteinander zusammen und es ist ganz egal, ob sie jetzt im Finanzbereich, im Vertriebsbereich, im Produktionsbereich sind.
Sie sind miteinander vernetzt. Das ist natürlich die Realität von Firmen, jetzt mal unabhängig von der Software sowieso. Denn wenn sich der Vertrieb mit der Logistik und der Produktion nicht abstimmen kann und am Ende etwas anbieten kann, was den Kunden oder viele Kunden oder viele Kunden auch mit sehr unterschiedlichen Anforderungen zufrieden stellt, dann ist überhaupt kein Geschäft.
Also Firmen müssen diese Komplexität von Zusammenhängen, oftmals sagen wir ja auch von Prozessen, die müssen sie sowieso verstehen. Und die Software muss eben genügend Verständnis haben über diese betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge. Und sie darf nicht erwarten, das kann man einfach nach irgendeiner Spezifikation herunterprogrammieren und deswegen braucht man nur möglichst viele Softwareentwickler und dann wird das schon klappen.
Sie müssen anfangen mit dem Verständnis der betriebswirtschaftlichen Integration. Die SAP hat lange an dem System entwickelt, also erst im Verborgenen, später dann ja auch ganz offiziell dieses System, ich glaube 2007 angekündigt, dass es so etwas zukünftig geben wird. Heute steht das System ja gerade für mittelständische Unternehmen, für Tochtergesellschaften von größeren Konzernen, beispielsweise Hilti setzt es ein.
Ich setze es auch wahnsinnig gerne in der Lehre ein mit meinen Studierenden, weil ich das, was sie dort entwickelt haben, einfach auch sehr gut durchdacht und sehr didaktisch finde an der Stelle. Die SAP hat sicherlich sehr viel Lehrgeld bezahlt, aber auch sehr, sehr viel in dieser Entwicklung gelernt und zurzeit befindet sie sich ja auch wieder in so einem Entwicklungsprozess von der R3-Welt des großen Systems hin zu der S4-Welt. Kriegen Sie diese ganze Entwicklung noch mit? Läuft das aus Ihrer Sicht in die richtige Richtung, was dort passiert? Die S4-Welt kann man ja etwas vereinfacht sagen.
Das ist die Welt, der Business-Suite des R3-Systems mit den weiteren Komponenten CRM, SCM und so weiter, auf diese neue Datenbanktechnologie, Main-Memory-basierte Datenbank bei SAP, der Name HANA, gebracht. Das ist das S4 und das ist, wenn man so will, dann auch ein glückliches, ein Abfallprodukt wäre jetzt falsch ausgedrückt. Aber etwas, was letztendlich durch das By-Design initiiert worden ist, dann gezeigt hat, dass das eine überlegene technologische Ansatz ist und es ist eine glückliche Entscheidung der SAP geworden gewesen, diese neue Technologie, eben diese Main-Memory-basierte Datenhaltung, die auch dem R3-System und der Business-Suite zur Verfügung zu stellen.
Unabhängig davon, und nicht zu sagen, das ist By-Design und das ist nur By-Design, sondern sehr pragmatisch zu sein und sagen, was immer gut ist in dieser neuen Lösung By-Design, wenn es auch in dem Bestandskundensegment eingesetzt werden kann, dann ist das umso besser. Also das halte ich für eine sehr richtige strategische Entscheidung der SAP, dieses S4 so zu positionieren. Sie haben ja in Business-By-Design, ein wunderschöner Name eigentlich, wenn man sich die Inhalte dahinter vorstellt, schon die grundlegende Idee gehabt zu sagen, okay, ich möchte eigentlich die Unternehmen in die Lage versetzen, selbstständig eigene Programmbereiche, heute wird man ja wahrscheinlich in vielen Bereichen von Apps sprechen, in das System einzubinden und sich damit die Betriebswirtschaft so zu gestalten, wie es für die Branche, für das Unternehmen benötigt wird.
Ist das auch etwas, was Sie als zentrale Herausforderung von SAP heute bezeichnen würden? Also eine zentrale Herausforderung für SAP in diesem mehr mittelständischen Segment, ganz eindeutig, ja. Wir müssen feststellen, dass einfach die Wettbewerbsintensität in der Welt des Internets, in der Welt von viel Dynamo aus dem Business, die ist um Dimensionen gewachsen. Und es gibt natürlich auch Fragen, der Charles Hendry hat das zum Beispiel mal entwickelt, ob nicht die Zukunft der ganz großen Unternehmen kritisch zu sehen ist, oder ob nicht die Zukunft eben sein wird in kleineren, agileren Einheiten.
Also Agilität im Business ist eine ganz entscheidende Frage. Es gibt Hyperkomplexität auch in den Organisationsstrukturen. Und wenn eine Software agiles Business besser unterstützen kann, dann ist das glaube ich für heute und mehr noch für die Zukunft ein ganz entscheidendes Kriterium.
Und zu dieser Agilität gehört eben auch nicht mehr die Annahme, ein noch so großer Softwareentwickler, Entwicklungshaus wie die SAP, könne alles und jedes und jede Funktionalität für jede Branche und für jedes Unternehmen sozusagen out of the box anbieten. Das ist aus heutiger Sicht wäre das ganz falsch, sondern es muss eigentlich eher umgekehrt sagen, dass ein gut designter betriebswirtschaftlicher Kern, dass der in der Tat allen angeboten werden kann, der dann auch wieder konfigurierbar ist und aussteuerbar ist in verschiedene Richtungen, aber der vor allen Dingen dann auch ergänzt werden kann durch unternehmenseigene oder durch partnerentwickelte zusätzliche Apps. Also dieser App-Gedanke, der, wenn man so will, für jemanden der Apple gut kennt oder auch Google jetzt, im Consumer-Bereich ganz selbstverständlich ist, in einer etwas anderen Form wird dieser auch im Unternehmenssoftware-Bereich ganz entscheidend sein.
Und dafür war ByDesign von vornherein gebaut. Das Stichwort ist Servicesorientierung, zu sagen, dass also Code nicht mehr monolithisch ist, dass Module nicht einfach hart verdrahtet nebeneinander stehen, sondern Module über Services integriert sind und über die Services auch ergänzt werden können durch andere, kleinere Module, die vielleicht gar nicht im ursprünglichen Konzept wie eines ByDesigns existiert haben, vorgestellt worden ist, sondern die sind flexibel, dynamisch, aufgrund einer eben flexiblen Architektur sind die ergänzbar. Wenn Sie jetzt mal zurückschauen und Ihre Zeit in der Entwicklung, also nicht unbedingt vor der Tastatur, aber gestaltend betrachten, was würden Sie bei heutigen ERP-Systemen komplett anders machen, als vielleicht die Systeme heute am Markt überhaupt können? Naja, jetzt bin ich vielleicht ein bisschen konservativ dann auch schon über mein Alter geworden, aber ich würde schon meinen, dass vieles, was man auch heute ganz neu vielleicht anfangen würde, in dem ByDesign schon in der Grundlage da ist.
Es gibt einen Bereich, der sich gegenwärtig fast galoppierend weiterentwickelt, das ist das, was man mit künstlicher Intelligenz vielleicht bezeichnet oder Artificial Intelligence, aber auch das ist jetzt gar nicht so verwunderlich. Denn wenn einmal die Datenhaltung selbst mit diesen neuen Datenbanktechniken keine normale, relationale Datenhaltung mehr ist, sondern eine dynamische Datenhaltung, die eigentlich Daten zum großen Teil auch in the flight ausrechnet, also nicht mehr alles ist fix gespeichert, sondern viele Informationsbedürfnisse werden eigentlich auf Anforderungen berechnet. Wenn man in einer solchen Welt einmal ist, dann ist man halb schon in der Welt der Business Intelligence oder des Artificial Intelligence.
Da kommen also Algorithmen zum Einsatz, Schlussweisen, intelligente Systeme, die Unterscheidungsunterstützung im operativen Geschäft bieten sollen. Und das ist auf dieser neuen Datenhaltung, wie sie beispielsweise eben HANA repräsentiert, ist auch das wiederum machbar und zwar auch nicht so, dass das alles hart codiert ist in der Datenbank, sondern die Datenbank selbst kann jetzt wieder durch Techniken der Analytik oder des Artificial Intelligence erweitert werden. Ich habe vor einiger Zeit eine Podcast-Folge gemacht mit einem Hersteller von Autodispositionssystemen, der sagte, das ist gut, dass es flexible, evolvierende Mechanismen gibt, die eben selber lernen.
Er würde aber in seinem Bereich doch eher Mechanismen vorziehen, die ein prognostizierbares und erklärbares Ergebnis präsentieren, einfach weil dort so viel Investitionsvolumen gerade im Einkaufsbereich auch dahinterhängt. Jetzt die Frage an Sie, ist es für Sie denkbar, dass zukünftige ERP-Systeme sich die Daten des Unternehmens, den Datenabdruck des Unternehmens nehmen und selbstständig erkennen, wie das Unternehmen seine Prozesse sinnvollerweise in Software abbilden sollte? Ob das das selbstständig nicht nur erkennen, sondern auch anpassen und umsetzen kann, da sind wir, glaube ich, das ist ein Stückchen Science Fiction. Aber es wäre ja schon unglaublich viel erreicht, wenn sozusagen eine selbst inspizierende Software unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sagen kann, pass mal auf, diese und diese Bereiche laufen nicht gut.
Die laufen betriebswirtschaftlich nicht gut. Irgendetwas ist da faul. Guckt euch das doch mal tiefer an.
Ich kann euch ein paar Hinweise geben, was da passiert. Und das kann zum Beispiel KPI gesteuert sein, dass bestimmte Kennzahlen nach den Firmen sowieso versuchen sich selbst zu benchmarken und im Vergleich zu Konkurrenten zu benchmarken, dass diese nicht nur einfach produziert wird und dann stehen sie auf einer Folie, sondern dass das aktive, dynamische Kennzahlen sind, die Aufforderung nachzudenken. Die sagen, hier ist ein Problem und bitteschön, wie gehen wir jetzt mit menschlicher Intelligenz dieses Problem an? Da, glaube ich, kann die neue Technik von intelligenten Systemen unglaublich viel tun und auch ganz pragmatisch tun.
Da muss man also nicht zu tief in das Science Fiction hereingehen. Okay. Glauben Sie, dass wir jetzt einen Riesenmarkt noch von ERP-Systemen, die es gibt, gerade im Mittelstand sind wahnsinnig viele Standardsoftware-Systeme verfügbar, werden eingesetzt.
Glauben Sie, dass es da eine starke Marktbereinigung geben wird die nächsten Jahre? Naja, allein schon vor dem einen Aspekt den wir erwähnt haben, Cloud Computing. Wenn sich wirklich herausstellen sollte, insbesondere für kleine und mittelständische Firmen, dass das Business-Modell von Cloud Computing das Überlegene ist, dann wird sich herausstellen, dass ganz viele oder sogar die Mehrzahl der bestehenden Softwarelösungen nicht in die Cloud transformierbar ist. Und das wird natürlich dann ein schlimmes Erwachen sein für die Firmen, die solche Lösungen entwickelt haben und jetzt vor diesem Dilemma stehen. Viele haben auch schon ganz offen zugegeben, dass sie sagen, also diese neue Welle in die Cloud herein, die schaffen wir nicht.
Dann wird also das Bestehende ausgebaut, das Bestehende gesichert und in dem Sinne werden auch überkommene ERP-Systeme noch eine lange, lange Lebensphase haben von 10 Jahren, 20 Jahren. Die werden ja nicht über Nacht verschwinden und auch gar nicht über Nacht ablösbar sein. Glauben Sie, dass wir viele neue Entwicklungen sehen werden, also auch vor dem Hintergrund, dass man mindestens, oder was heißt mindestens, aber zahlreiche Mannjahre Entwicklungsarbeit reinstecken muss? Neulich sagte mir mal wieder jemand, er hätte mehrere hundert Mannjahre Entwicklungsarbeit reingesteckt.
Wenn ich mir den Aufwand für Business by Design bis heute anschaue, dann sind da sicherlich mehrere tausend, wenn nicht sogar mehrere zehntausend Mannjahre Entwicklungsarbeit reingegangen. Zehntausende von Mannjahren. Ist das noch handelbar für normale, kleinere Softwareunternehmen, die nicht die Größe einer SAP, einer Oracle, einer Microsoft haben? Nein, es ist nicht handelbar, aber es kann ja gar nicht Ziel sein, dass alle versuchen zu konkurrieren auf dieser sozusagen Plattform-Grundlage.
Wofür es aus meiner Sicht eine Handvoll Plattformhersteller globaler Dimensionen geben wird. Aber es gibt einen unglaublichen großen Bereich von Speziallösungen, wo sehr wohl auch mittelständische Softwareentwicklungshäuser die Nase vorne haben können. Die Grundfrage ist nur, können diese Spezialentwicklung eines kleinen Softwarehauses verbunden werden mit der Infrastruktur einer Plattform im Sinne einer offenen Integration.
Wenn das geht, dann ist es ja gerade umgekehrt. Dann ist es sozusagen der exotische Musikanbieter von irgendetwas, was nur wenige leiden mögen, der aber eine Musikplattform à la Apple oder wie sie alle hießen, weil sie schon nicht mehr existieren, die benutzen kann. Also die Ausdifferenzierung von Speziallösungen, die nicht für einen ganz riesigen Markt sind, aber für den Markt, wo sie positioniert sind, absolut entscheidend sind.
Das hat ein unglaubliches weiteres Wachstumspotenzial, wenn die Systeme offen gestaltet sind. Ich glaube, es bleibt spannend im ERP- und Unternehmenssoftwaremarkt. Kommen wir mal zu unserer abschließenden Blitzlichtrunde.
Herr Zenke, warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie geworden sind? Und damit meine ich vielleicht noch nicht einmal nur, dass Sie DAX-Vorstand geworden sind, sondern welche Eigenschaften zeichnen Sie an der Stelle besonders aus, um so ein Unternehmen mit aufzubauen? Ich weiß gar nicht, ob diese Selbstinspektion das immer so furchtbar weiterbringt. Natürlich ist die Verbindung von sehr stark abstrahierendem Denken, wie ich es letztendlich in der Mathematik gelernt habe, zu einem sehr pragmatischen Denken, wie man es in der Betriebswirtschaft braucht. Da ist ja nicht alles wissenschaftlich bewiesen.
In der nicht ganz so strikten Welt der Pragmatik genauso gut zu Hause zu sein, wie in der absakten Welt, also quasi auf beiden Klaviaturen zu spielen, plus vielleicht noch das Wichtigste auf der menschlichen Ebene in der Lage zu sein, die Herausforderungen, die Vorgehensweisen und die notwendigen Abstimmungen zu einer großen Zahl von Mitarbeitern kommunizieren zu können, ohne alles selbst zu tun. Wenn ich mir die Führungsmannschaft anschaue, Sie haben es vorhin auch selber gesagt, fällt mir immer wieder auf, das sind nicht unbedingt Leute, die rein aus der betriebswirtschaftlichen Lehre kommen, sondern aus der Physik kommen, aus den Ingenieurswissenschaften kommen. Herr Kagermann war, glaube ich, auch Physiker.
Sie sind Mathematiker ursprünglich gewesen. Sind das besondere Fähigkeiten, die diese Menschen mitbringen? Die Verbindung der Henni Kagermann ist auch ein hervorragendes Beispiel von wirklich großen, abstrakten Durchdringungen von komplexen Dingen mit der organisatorischen Führung von all dem, was die Umsetzung erfordert. Das ist schon, zumindest in der Generation, in der ich jetzt groß geworden bin, war das eine der zentralen Herausforderungen.
Ob das für alle Zukunft so sein wird, ehrlich gesagt, das weiß ich nicht. Wir haben über ganz viele Erfolge, die Ihren Berufsweg begleitet haben, schon gesprochen. Was würden Sie, und damit vielleicht auch nochmal zurück zu den Anekdoten, als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen? Der größte Erfolg am Ende hat auf Entscheidungen berührt, die waren rein teilweise fast zufällig.
Die Konstellationen, wo diese Entscheidungen notwendig waren, die waren nicht vorhersehbar, die waren nicht prognostizierbar. Da sind Probleme aufgetaucht, die dann in einer notwendigerweise sehr innovativen Art und Weise gelöst wurden. Das hat sich für mich zumindest beweist, dass das am Ende die Schlüsselpunkte von Entwicklung waren.
Bei aller Respekt und Faszination auch vom Design, diese komplexen Systeme sind nicht von scratch designbar. Die Entwicklung von solchen Systemen über einen längeren Zeithorizont ist sowieso so, dass am Ende ganz andere Anforderungen dastehen als zu Beginn. Flexibilität auch in der Richtungsdefinition, vielleicht sogar revolutionären Weichenstellungen in the flight, also im Laufen, das sind wichtige Kriterien.
Das, wo ich was beitragen konnte, das waren immer Dinge, wo plötzlich was anderes herausgekommen ist, als am Anfang gedacht war. Mittlerweile, eigentlich war es schon immer so, es wird nur noch dynamischer, bedeutet Lernen nicht mehr Lernen in der Schule, sondern lebenslanges Lernen. Wir haben vorhin schon verwiesen auf den alten Gutenberg, den wir sicherlich auch in unseren Shownotes verlinken werden, aber vielleicht haben Sie auch aktuelle Bücher aus diesem Jahrtausend, die Sie weitergebracht haben, die Sie unseren Zuhörern empfehlen können? Da können wir jetzt noch mal eine Stunde reden.
Ich hatte es ja erwähnt, ich bin 2010 aus der SAP ausgeschieden und wenn ich für mich selbst etwas sehr genossen habe, war es noch mal richtig Zeit zu investieren, in Dinge zu lesen, die neu sind, die ich also selbst auch gar nicht gekannt habe. Ich habe also sehr, sehr, sehr viel gelernt. Ich habe Dinge über Kubernetes und auch über soziale Systeme und auch über Psychologie gelesen und gelernt, die ich vorher nicht gekannt habe.
Aber wenn es jetzt mehr um die Informatik geht, dann gibt es ein Buch, das ich wirklich faszinierend finde, das ist der Luciano Floridi. Auf Deutsch heißt das »Wie die Infosphäre unser Leben verändert« oder im großen Untertitel »Die vierte Revolution«. Wir werden es verlinken.
Ich kenne es auch selber nicht, aber die Sommerzeit lässt sicherlich ein bisschen Zeit, auch in dieses Buch reinzuschauen. Das, was dann wirklich philosophisch ist, das ist der David Gelernte »Gezeiten des Geistes« oder im Untertitel »Die Vermessung unseres Bewusstseins«. Das ist jetzt, wie Sie sehen, nicht mehr Wirtschaftsinformatik allein.
Da leiten Sie direkt über zu meiner heute letzten Frage an Sie. Ich frage mich natürlich auch immer in meiner Profession als Professor für Wirtschaftsinformatik, was kann ich den jungen Leuten mitgeben? Wie sollte man sich aufstellen? Welches Wissen ist ein guter Grundstock, um darauf seine Arbeitswelt, seine Karriere aufzubauen? Wie wird sich die Berufswelt aus Ihrer Sicht verändern in den nächsten Jahren? Das ist nicht einfach zu beantworten. Ich glaube, die Berufswelt und damit zusammenhängend eben auch der Ausbildung, der universitären Ausbildung, aber auch von vielen anderen, die sich im Ausbildungssektor tummeln, hat etwas falsch gemacht.
Das ist eine Überspezialisierung. Das ist ja kaum noch überblickbar, was für Spezialgebiete es überall gibt und was dann einer ganz spezifisch lernt. Je spezifischer das ist, was einer lernt, je höher ist natürlich die Gefahr, dass schon in fünf Jahren das veraltet ist.
Ich glaube, dass der Ansatz der Wirtschaftsinformatik, insbesondere der deutsche Ansatz, nämlich zu sagen, wir brauchen ein fundiertes Verständnis in der Betriebswirtschaft, wir brauchen ein fundiertes Verständnis in der Technik, in der Informatik und wir müssen spezifisch wissen, was sind die besonderen Herausforderungen und Leistungsmerkmale von betriebswirtschaftlichen Softwaresystemen. Also diese Triade, dieses Dreibein, Betriebswirtschaft, Softwarearchitektur und Informatik, dieses sozusagen einigermaßen präsent zu haben, wie wichtig die Interaktion von diesen drei Bereichen ist. Das wird nicht jeder alles können, aber je spezialisierter die Leute sind, je weniger sind sie überhaupt fähig an dieser Interaktion von unterschiedlichen Wissensaspekten, also hier Unternehmen, hier Technik, hier Anwendungssysteme, die überhaupt zu verstehen und an diesem Diskurs teilzunehmen.
Also die Teilnahmfähigkeit, was immer jetzt einer spezifisch gemacht hat, an einer viel breiteren Diskussion, wo sind wir, wo wollen wir hin, was können wir aktuell tun? Das ist für mein Gefühl die größte Herausforderung, die die Universitäten eigentlich in der Grundlage stiften müssten und nicht die zunehmende Spezialisierung in 1001-Festelungen. Ich nehme das als Schlusswort. Herr Professor Zenke, ich danke Ihnen ganz herzlich dafür.
Ich glaube, Sie sind ja auch wieder in die Alma Mater zurückgekehrt. Wir haben da viele Anknüpfungspunkte, um hier auch die zukünftige Ausbildung zu gestalten. Ich freue mich drauf.
Herzlichen Dank für das Interview und Ihnen alles Gute. Ich danke auch. Es war ein spannendes Gespräch.
Danke schön. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.