In dieser Folge führen wir ein Interview mit Daniel Neuß über das Thema „eStandards“.
————————–
Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript
ERP-Podcast Folge 14 Do’s and Don’ts bei digitalen Schnittstellen – ein Interview mit Daniel Neuss In der heutigen Folge wollen wir über digitale Schnittstellen zum Austausch von Daten zwischen betriebswirtschaftlichen Softwaresystemen sprechen. Daniel Neuss ist involviert in ein größeres Forschungsprojekt zum Thema E-Business Standards und wird heute ein wenig berichten, welche Fallstricke, welche Probleme es dabei gibt, welche Standards es auch für den Austausch entsprechender Daten gibt. Ich wünsche Ihnen heute ganz viel Vergnügen mit dem Thema E-Business Standards.
Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
So, herzlich willkommen zu einer neuen Folge des ERP-Podcasts. Das ist Premiere heute, weil wir heute eine In-House-Folge machen. Das heißt, ich habe heute als Interviewpartner einen meiner Mitarbeiter gewinnen können, den Daniel Neuss.
Herr Neuss ist seit 2015 bei mir am Lehrstuhl und beschäftigt sich in der Forschung vor allem mit Fragestellungen von E-Business oder E-Standards, das heißt digitalen Schnittstellen zwischen Unternehmenssoftware oder zwischen Unternehmen auch. Und wir werden heute mal ein bisschen darüber sprechen, was es da überhaupt so gibt, warum das sinnvoll ist und wie man solche Projekte vielleicht auch angehen kann und sollte, um dort entsprechend zielführend auch zu einem Ergebnis zu kommen. Die Ergebnisse, die wir heute ein bisschen vorstellen werden, stammen aus einem Forschungsprojekt, einem Entwicklungsprojekt, was wir für das Bundesministerium für Wirtschaft unter Frau Zypries zurzeit realisieren.
Das Projekt heißt Komplex E. Und in der Wissenschaft ist es so, dass man sich schon sehr, sehr lange mit Schnittstellen zwischen Softwaresystemen, zwischen Unternehmenssoftware natürlich beschäftigt. Aber ich glaube, in der Tiefe, in der wir das hier tun und in der das Herr Neuss tut und auch in der Art und Weise, wie wir uns damit innerhalb der Unternehmenssoftware beschäftigen und wie wir über Dialekte von Standardsoftware nachdenken, das ist bislang, glaube ich, recht einmalig. Und ich freue mich, dass er heute Zeit gefunden hat, hier mit mir ein bisschen darüber zu sprechen.
Herzlich willkommen. Hallo, vielen Dank für die Einladung und für die Möglichkeit, an dem Podcast teilzunehmen. Ja, Herr Neuss, schön, dass Sie Zeit haben.
Mögen Sie sich ein bisschen vorstellen, wer ist Daniel Neuss? Ja, Sie haben es ja schon gesagt, mein Name ist Daniel Neuss. Ich komme gebürtig aus der Nähe von Nürnberg und bin jetzt seit meinem Masterstudium im wunderschönen Würzburg gelandet. Privat beschäftige ich mich hauptsächlich mit Golf.
Also ich spiele gerne Golf und ich beschäftige mich auch nebenberuflich mit Golf und bin auch so ein bisschen in der Würzburger Startup-Szene aktiv, was mir auch sehr viel Spaß macht, um mal über den Tellerrand hinaus zu blicken. Jetzt sind Sie seit 2015 hier am Lehrstuhl. Ich habe eben schon gesagt, Sie sind eingebunden in das Forschungsprojekt Komplex E. Das heißt, Sie beschäftigen sich insbesondere mit digitalen Schnittstellen.
Aber vielleicht können Sie ja so ein bisschen berichten, was macht man als Mitarbeiter eines Lehrstuhls in den Wirtschaftswissenschaften, speziell in der Wirtschaftsinformatik, womit beschäftigen Sie sich den ganzen Tag? Also die meiste Zeit des Tages nimmt natürlich die Lehre ein. Wir sind ja hier an der Universität angestellt und beschäftigen uns natürlich mit den Studierenden, bereiten die Veranstaltungen vor. Beispielsweise bin ich jetzt zuständig für die Vorlösung betriebliche Anwendungssysteme 2 und da geht es eben darauf, dass wir den Studierenden in der Breite vermitteln wollen, wie sie mit betriebswirtschaftlichen Software-Systemen umgehen.
Und dementsprechend müssen diese Kurse vorbereitet werden, die müssen durchgeführt werden und die Studierenden müssen im Rahmen der Kurse betreut werden. Und auf der anderen Seite betreuen wir natürlich noch Semesterarbeiten, Seminararbeiten, Masterthesen, Bachelorthesen und geben hier eben den Studierenden die Möglichkeit, ihre eigene wissenschaftliche Karriere so ein bisschen anzustoßen und sich in dem Umfeld auch weiterzubilden. Sie haben es eben schon angesprochen, Sie beschäftigen sich nicht nur in der Forschung mit den Themen, sondern eben auch in der Lehre.
Wir arbeiten in unseren Vorlesungen betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware beziehungsweise Business Software 2 auch mit verschiedensten ERP, mit verschiedensten Unternehmenssoftware-Systemen, die man eben auch miteinander koppeln kann. Und dazu, und das ist sicherlich auch die Überleitung, hat man dann natürlich entsprechende Schnittstellen, die es zu definieren gilt, um Daten zwischen den einzelnen Unternehmenssystemen auszutauschen. Zunächst mal, warum brauche ich diese Schnittstellen überhaupt? Warum gibt es dafür Standards? Also grundsätzlich ist es so, diese Schnittstellen werden eben benötigt, damit ein System mit dem anderen kommunizieren kann.
Diese Schnittstellen ermöglichen eben quasi Daten aus den Systemen herauszuholen und wieder in die Systeme einzuspielen. Das hat den großen Vorteil, dass im Zuge der Digitalisierung es immer wichtiger wurde, für die Unternehmen elektronisch miteinander zu kommunizieren. Die Supply Chain oder die Supply Networks sind immer mehr integriert, sprich die ganzen Prozesse, die ganzen Abläufe entlang der Wertschöpfungskette werden immer automatisierter und deswegen ist es eben notwendig, dass die Systeme miteinander kommunizieren.
Und dies ist eben nur möglich über Standards, die eben auf den Schnittstellen aufsetzen, weil wenn jeder eben eine andere Sprache sprechen würde, dann würde sich eben keiner verstehen. Und deswegen gibt es eben die Standards, die eben in verschiedenen Formaten festlegen, zum einen wie kommuniziert wird, also wie ist die Syntax, wie ist der Aufbau der verschiedenen Standards, aber auch den Inhalt, was wird überhaupt ausgetauscht. Und dementsprechend ist es eben notwendig, um eben miteinander zu kommunizieren, dass die Standards und Schnittstellen eingesetzt werden.
Und so können eben Kosten gesenkt werden, so können Synergieeffekte identifiziert werden und eben die ganzen Prozesse können vereinfacht und verbessert werden. Vielleicht können wir an der Stelle mal ein Beispiel machen. Also es ist ja so, dass wenn ich jetzt zwei Unternehmen habe und jedes Unternehmen hat sein eigenes Software-System, dann liegen die Daten natürlich zwischen diesen beiden Software-Systemen digital vor.
Beispielsweise, dass ein Unternehmen stellt dem anderen eine Rechnung. In der traditionellen Art und Weise hätte man das wahrscheinlich papierbasiert gemacht, analog gemacht. Das heißt, aus dem System heraus wäre es ausgedruckt worden, mit einer Briefmarke versehen, im Umschlag per deutsche Post an das andere Unternehmen gesendet worden.
Und dort wäre es dann wieder digitalisiert worden. Also beispielsweise hätte es jemand abgetippt, um es dann im eigenen Unternehmenssystem zu haben. Das wollen wir natürlich nicht mehr, weil das bedeutet ja vieler, wir nennen das Medienbrüche.
Aber wir wollen jetzt, dass diese Daten direkt von dem einen Unternehmenssystem zum anderen digital gesendet werden können. Aber jetzt liegen die doch schon digital vor. Wo ist denn jetzt das Problem dabei? Also das Problem dabei ist, dass zum Beispiel erstmal grundsätzlich festgelegt werden muss, über was wird überhaupt gesprochen.
Sprich, welches Produkt ist es? Wie wird dieses Produkt identifiziert? Dafür gibt es den sogenannten Identifikationsstandard. Den kennt auch jeder aus der Praxis. Das ist beispielsweise der IRN-Code, der ja auf jeder Wasserflasche zu finden ist.
Er heißt jetzt mittlerweile GTIN, weil es nicht mehr die European Article Number, sondern die Global Trade Identification Number ist. Aber nichtsdestotrotz ist es der erste Teil zur Produktidentifikation, um dann auf der Rechnung auf das richtige Produkt zu verweisen und eine eindeutige Identifikation zu haben. Parallel dazu braucht man natürlich eine Definition, was wollen wir denn überhaupt in dieser Rechnung übermitteln.
Beispielsweise gibt es ja gesetzliche Vorgaben, was so eine Rechnung enthalten muss. Und die müssen natürlich auch in den Standards umgesetzt sein. Und jetzt ist die Frage, wie bringe ich jetzt aus einem System diesen Standard in ein Format, was eben dieses andere System wieder lesen kann.
Das Problem ist natürlich, dass eine Maschine semantische Interpretationen sehr schwer vornehmen kann. Deswegen muss im Vorfeld genau definiert werden, was steht an welcher Stelle, wie werden die einzelnen Bestandteile identifiziert, damit eben das eine System und das andere System diese eben verstehen. Und so wird dann eben die Rechnung übersetzt in dem einen System.
Beispielsweise die Artikelnummer wird quasi in eine digitale Struktur überführt. Dazu werden dann die anderen Parameter, die eben der Kunde in dem Fall haben möchte, in diese Rechnung gepackt. Das Ganze wird dann in eine beispielsweise Textdatei oder in eine XML-Datei strukturiert, damit das andere System weiß, wie es die Informationen wieder herauslesen kann, um dann eben vom anderen System interpretiert zu werden.
Wenn wir mal ein Beispiel nehmen, auf der Rechnung wird ja beispielsweise ein Preis drauf sein, 1,99 €. Und das eine System übermittelt über die Schnittstelle quasi 1,99 € an das andere System. Jetzt kann 1,99 € ja alles mögliche sein. Das kann das Haltbarkeitsdatum Januar 2099 sein, das kann der Verkaufspreis sein, das kann der Einkaufspreis sein.
Das heißt, wir müssen erstmal festlegen zwischen diesen beiden IT-Systemen, dass wir hier den Verkaufspreis, also den Brutto-Verkaufspreis übermitteln. Das kann man so sagen, ja? Genau, richtig. Das heißt quasi, das ist genau ein Punkt, was dieser E-Business Standards eben im Endeffekt macht.
Der sagt, in der Rechnung hast du folgende Möglichkeiten. Du kannst Brutto-Preise angeben, du kannst Netto-Preise angeben. Und dann wird eben ein sogenannter Qualifier dazu verwendet, dass das System dann weiß, okay, diese 1,99 € sind jetzt eben der Netto-Preis im Endeffekt.
Dazu braucht man noch eine Währung. Das heißt, es können ja Euro sein, es können Dollar sein. Dementsprechend gibt es dann eben noch einen Qualifier, der dann sagt, okay, EUR beispielsweise steht dann eben für Euro.
Genau das wird eben festgelegt. In welcher Reihenfolge wird jetzt zum Beispiel erst der Netto-Preis genannt und dann das Währungskennzeichen oder wird erst das Währungskennzeichen und dann der Preis genannt. Und diese Struktur und der Inhalt zur Interpretation in dem neuen System wird eben durch diesen Standard vorgegeben.
Und der Aufbau dieser Qualifier, die Anordnung, gibt eben der Standard vor und somit wird es eben möglich, dass man diesen Standard eben, dass das System A mit dem System B die Informationen automatisch austauschen kann und gleichzeitig wiederum interpretiert, damit es eben wieder in dem neuen System an der richtigen Stelle reingeschrieben wird und eben nicht ins Feld Brutto-Preis, die 1,99 €, sondern ins Feld Netto-Preis, der Wert 1,99 € eingetragen wird, damit eben beispielsweise bei einer automatischen Bezahlung von der Rechnung auch der korrekte Betrag ausgewiesen wird. Okay, das hört sich nicht so ganz trivial an, was diese beiden Unternehmen anstellen müssen mit ihren IT-Systemen, bis diese IT-Systeme nicht nur Daten austauschen können, sondern quasi auch inhaltlich das eine System versteht, was das andere System eben sagen will. Richtig, richtig.
Das ist eben die Herausforderung und das ist, glaube ich, einer der Stolpersteine, warum KMU eben vor allem, sage ich jetzt mal, aus sich heraus diese Thematik nicht angehen, weil sie eben in dem Bereich kein Wissen haben. Das Ganze ist sehr komplex, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise ist es notwendig, eben erstmal zu überprüfen, kann mein System überhaupt den gewissen Standard durchführen? Also sprich, wenn ich weiß, ich möchte mit dem anderen kommunizieren, ist es natürlich erstmal zu wissen, okay, was kann der überhaupt, in welchem Format möchte ich mit dem kommunizieren? Beispielsweise gibt es ja, wenn wir bei der Rechnung bleiben wollen, das neue Zugpferdformat, das ja eben so eine hybride Lösung ist, die auch in Kooperation mit dem Bundesministerium entwickelt wurde.
Und zwar geht es eben darum, dass wir hier eine PDF-Rechnung haben, die eben menschenlesbar ist und gleichzeitig im Hintergrund an diese PDF angehängt, eben eine XML-Datei. Und diese XML-Datei digitalisiert quasi nochmal diese menschenlesbaren Informationen. Und um jetzt diese Rechnung zu erzeugen, muss man quasi in dem ersten System schauen, kann es dieses XML-Format, diese XML-Struktur durchführen, kann es die erzeugen oder eine EDI-Rechnung.
Das heißt, wie kriege ich die Daten aus dem System raus und muss mir dann überlegen, was möchte der Kunde für Informationen haben? Sprich, wie muss die Rechnung aufgebaut sein und wo kriege ich die Informationen aus meinem System? Das heißt, der erste Schritt ist immer zu reden mit dem Kunden. Was braucht der für Anforderungen? Dazu gibt es eben Guidelines, die häufig herausgegeben werden, wenn ich jetzt mit größeren Kunden zusammenarbeite. Beispielsweise im Handel ist es weit verbreitet, dass es hier bestimmte Guidelines gibt.
Dann weiß ich, okay, ich muss die Informationen übermitteln. Ich brauche den Standard. Dann überprüfe ich in meinem System, welchen Standard brauche ich.
Kann ich den Standard unterstützen, nativ? Brauche ich irgendwelche Zusatzlösungen? Beispielsweise viele ERP-Systeme haben Partnerunternehmen, die eben branchenspezifische Lösungen anbieten, um dann zum Beispiel über ein Add-in, also ein Zusatz Plug-in in dem System oder aus dem System heraus diese Standards generieren zu können. Wenn ich dann weiß, kann ich diesen Standard erzeugen, dann muss ich Mapping durchführen von meinen Systemdaten, beispielsweise von meinem Feldnettopreis auf den Standardnettopreis. Dann kann ich im Endeffekt dazu übergehen, den Standard zu erzeugen, zu übermitteln und eben zu testen, dass dieser Standard dann in das andere System ordnungsgemäß eingeführt werden kann.
Also, wenn wir Daten digital zwischen verschiedenen Unternehmen, zwischen verschiedenen Systemen austauschen wollen, dann müssen wir uns zunächst fragen, welche Daten wollen wir überhaupt austauschen? Und dann können wir uns fragen, kann das mein System überhaupt in der bisherigen Form? Auf welche Art und Weise kann das sicherlich auch der Kunde, also das zweite System, das zweite Unternehmen? Und dann muss man sich darauf einigen, wie diese Daten letztendlich übermittelt werden. Sie haben schon gesagt, es gibt da verschiedene Standards, werden wir gleich noch darauf zum Sprechen kommen. Generell, was für einen Vorteil hat das denn, wenn ich die Daten digital austausche? Also nicht nur dadurch, dass ich quasi Prozesskosten senke, sprich der Mitarbeiter, der an der Stelle im Endeffekt die Rechnung eintütet, verschicken muss, beispielsweise freien Portokosten weg, der hat natürlich mehr Zeit, um sich vielleicht um andere Aufgaben zu kümmern.
Aber gleichzeitig ein großer Vorteil, was viele Unternehmen nicht sehen, ist beispielsweise die Fehlerreduktion. Also wenn wir jetzt wie gesagt bei dem Rechnungsbeispiel bleiben, wie sie es vorhin aufgespannt haben, und der Mitarbeiter erzeugt jetzt aus Versehen eine falsche Rechnung, er hat einfach nur einen Zahlendreher drin, er macht jetzt nicht 1,99, sondern er macht 19,90 Euro draus, es ist Komma verrutscht, kann immer mal passieren, d.h. die Rechnung wird trotzdem eingetütet, verschickt, kommt beim anderen Unternehmen an, dort muss sie wieder geprüft werden, der Fehler fällt auf. Wenn er denn auffällt, d.h. dann muss der Mitarbeiter erst wieder überprüfen, ok, was war jetzt in der Bestellung, ok, hier ist ein Fehler, der ruft wieder beim Unternehmen an, dass die Rechnung gestellt hat, hier muss der Mitarbeiter sich auch erst wieder den Vorgang herausrufen, muss überprüfen, ok, ist der Fehler wirklich da, ist er nicht da, dann wird eine neue Rechnung geschrieben, und diese wird wieder auf dem gleichen Weg versendet und muss dann erneut geprüft werden.
Wenn wir das Ganze jetzt beispielsweise elektronisch durchführen, dann wird direkt aus der Bestellung bzw. aus der Versandbestätigung heraus die elektronische Rechnung generiert, d.h. der Mitarbeiter, der die Rechnung erzeugt, muss nur noch überprüfen, ok, sind die Informationen korrekt, steht da auch 1,99 und nicht 19,99, die Reduktion von Tippfehlern ist quasi ausgeschlossen, weil die Informationen da bereitstehen. Er kann natürlich noch eingreifen, kann irgendwas anpassen, falls es zu Problemen geht, aber im Normalfall sind die Informationen ja korrekt, weil die aus den anderen Belegen generiert werden, und dann werden die elektronisch versendet.
Das andere Unternehmen liest die automatisch ein, hat natürlich auch im Vorfeld die elektronischen Belege bekommen und kann die dann auch mit der Bestellung bzw. mit dem Wareneingang abgleichen, wurde auch das geliefert, was auf der Rechnung draufsteht, auch vollautomatisch bzw. je nachdem, wie es konfiguriert ist im System, auch unterstützt.
Der Mitarbeiter hat die beiden Zahlen direkt nebeneinander, sieht die Stimmen überein, kann es zur Zahlung freigeben, und die Zahlung kann auch automatisch durchgeführt werden, weil beispielsweise in der Buchhaltung nicht jemand wieder diese Rechnung nehmen muss und den Kontobeleg oder diese Überweisung manuell anstoßen. Und so kann eben am Beispiel von den Fehlern ziemlich einfach, kann die Fehlerrate deutlich reduziert werden, einfach nur dadurch, dass ich aufbauend auf den vorherigen Zahlen diese Daten, diese Rechnungen erzeuge. Das heißt, letztendlich kann ich massiv Kosten senken.
Ich kann Fehler, zusätzliche Aufwände an der Stelle vermeiden. Ich kann dadurch besser skalieren, also mehr mit der gleichen Anzahl an Personen, mit der gleichen Anzahl an Ressourcen letzten Endes machen, weil die Abläufe letztendlich automatisiert funktionieren im Dialog dieser beiden Unternehmenssoftware-Systeme. Wir haben jetzt über die Rechnung gesprochen, also eine typische Transaktion, die wir zwischen zwei Unternehmen haben.
Die haben wir an verschiedenen Stellen. Es werden Waren hin und her geschickt, entsprechende Dokumente, die mit diesen Waren zwischen den Unternehmen ausgetauscht werden. Im Abschluss dann entsprechend die Rechnung bzw.
die Zahlung, die ausgetauscht wird zwischen den Unternehmen. Aber es gibt ja noch ganz andere Aufgabenbereiche, wo die Unternehmen Daten austauschen. Was für Standards gibt es da? Ein Beispiel, weil Sie gerade von der Skalierung gesprochen haben, ist auch häufig so, man könnte auch z.B. durch E-Business-Standards Umsatzsteigerungen erzielen.
Beispielsweise haben wir hier mit einem KMU gesprochen, was ein kleinerer B2B-Händler war für spezifische Gläser. Die haben überlegt, wie sie jetzt ihren Kundenstamm erweitern können. Dann sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es eine Möglichkeit wäre, dass sie ihre Waren über elektronische Marktplätze anbieten.
Die Frage ist, wie kommen jetzt die Informationen in den elektronischen Marktplatz? Man kann es natürlich wieder manuell eintragen, aber es kostet natürlich sehr viel Manpower und das Unternehmen ist nicht so groß. Das heißt, es ist wirklich ein kleineres Unternehmen und das hat die Manpower nicht. Sprich, man ist dazu übergegangen, elektronische Kataloge zu erzeugen aus dem System.
Das heißt, hier wurde eingeführt, dass diese elektronischen Kataloge erzeugt werden können. Diese elektronischen Kataloge beinhalten alle Produkte, die Preise. Diese können jetzt automatisch an mehreren Plattformen oder Marktplätze ausgespielt werden.
So hat das Unternehmen gleichzeitig einen viel höheren Kundenkreis. Am Anfang wurde uns auch hier gesagt, auch wenn wir hier mehr Kunden generieren, wir können das ja alles gar nicht abwickeln. Das ist genau der Punkt, wo die Standards wieder den Vorteil der Skalierbarkeit entwickeln, weil wir sagen können, der Mitarbeiter, der eben vorher eine Rechnung oder eine Rechnung bearbeitet hat, kann in der gleichen Zeit fünf bearbeiten, dadurch, dass die Prozesse automatisiert sind, weil er eben diese nur noch prüfen muss und freigeben.
Somit kann er eben mehr Transaktionen abwickeln in der gleichen Zeit. Deswegen hat es hier an der Stelle sehr gut funktioniert, dass eben das Unternehmen die Produkte anbietet über die elektronischen Marktplätze und dann gleichzeitig mit weiteren Standards die Prozesse automatisiert und konnte so seinen Umsatz steigern. Das heißt, wir haben nicht nur Einsparungen, sondern wir haben durch die Skalierung auch tatsächliche Möglichkeiten, die Geschäftsmodelle des Unternehmens, Wachstum zu verstetigen, zu vergrößern.
Jetzt haben wir über verschiedene Standards zum Austausch von Daten schon gesprochen. Die Frage wäre vielleicht an der Stelle, wenn ich jetzt mit meinen Partnern, maßgeblich mit meinen Kunden Daten digital austauschen möchte, wie finde ich denn den passenden E-Standard für mein System, für meine Unternehmenssoftware? Das ist eine sehr gute Frage und es ist auch eine sehr komplexe Frage, weil das gute an Standards ist, dass es so viele davon gibt. Das erste Kriterium ist natürlich immer die Frage, was möchte ich überhaupt damit machen? Wir haben es ja in den vorherigen Beispielen ein bisschen schon angerissen.
Möchte ich jetzt eine Rechnung, möchte ich jetzt eine Transaktion austauschen, möchte ich einen Katalog austauschen, möchte ich vielleicht Produkte identifizieren oder es gibt auch noch die Möglichkeit über Klassifikationsstandards seine Stammdaten zu strukturieren und die Stammdatenhaltung zu vereinfachen. Also was möchte ich überhaupt mit dem machen? Der zweite wichtige Faktor ist eben die Branche. Sprich, in welcher Branche bewege ich mich? Bin ich jetzt in der Handelsbranche? Da gelten natürlich ganz andere Standards, die alle um die ERN-Standards von der GS1 herum gestrickt sind.
Wenn wir uns jetzt in der Automobilbranche bewegen würden, da sind vielmehr die VDA-Standards gefordert. Und so hat jede Branche seine eigenen Spezifika, seine eigenen Varianten, die das Ganze eben schon eingrenzen, welchen Standard ich eben verwenden kann. Und der nächste Punkt ist eben der Ort, also die lokale Begrenzung.
Sprich, der Partner, mit dem ich die Unternehmensinformation austauschen möchte, in welchem Land sitzt er denn? Ist es jetzt ein deutsches Unternehmen, ist es ein amerikanisches Unternehmen? Beispielsweise in Australien gibt es wiederum andere Standards, die teilweise eben von der Regierung vorgegeben werden, die eben dort eingesetzt werden müssen. Und so muss ich eben gucken, in welchem Land, in welcher Region ich mich befinde, beziehungsweise mit welcher Region ich die Standards austauschen möchte, um eben herauszufinden, welcher Standard da relevant ist. Ganz essentiell, wenn ich direkt die Standards austauschen möchte, ist natürlich auch mein Kooperationspartner.
Sprich, wenn der andere schon einen Standard einsetzt, erfolgreich einsetzt, dann bietet es sich natürlich an, einen ähnlichen Standard zu verwenden, um eben hier Synergieeffekte zu nutzen. Der Partner hat beispielsweise schon die Erfahrung, der weiß, was die Fallstränge sind, kann einen vielleicht an der Stelle unterstützen und hat auch gewisse Anforderungen, gibt mir vielleicht sogar vor, welchen Standard ich verwenden möchte oder verwenden muss an der Stelle, um eben Transaktionen durchzuführen. Und so ist eben hier der bilaterale Austausch eben essentiell.
Und der letzte Punkt, den ich hier an der Stelle eben sagen möchte oder vorstellen möchte, ist natürlich das ERP-System. Das heißt, was kann man Standard schon, um zum Beispiel auf dieses Zugpferdformat, um diese elektronische Rechnung herauszukommen. Da hat sich eben gezeigt, dass die neueren ERP-Systeme, die neuen Releasen, eben alle nativ diesen Standard bereits unterstützen.
Sprich, ich kann ohne großen Aufwand im Endeffekt aus fast der gleichen Maske, wo ich eh schon meine Papier-, meine PDF-Rechnung erzeuge, kann ich mit einer einfachen Systemeinstellung schon direkt diesen Zugpferdstandard erzeugen und kann so wieder einen Mehrwert für meinen Kunden liefern, weil der es vielleicht auch wieder automatisiert einlesen kann. Und so ergeben sich eben Synergieeffekte, die es eben einfach möglich machen, auch die ersten Standards schon direkt mit einzuführen. Wenn ich mir jetzt so ein großes Unternehmen vorstelle, dann gibt das seinen Lieferanten ganz dediziert vor, welche Standards hier zu implementieren sind und wie die Daten von den Lieferanten digital zu liefern sind.
So, aus Sicht des großen Unternehmens Problem gelöst, Punkt. Wenn wir uns jetzt mal im Mittelstand bewegen oder bei kleineren Unternehmen bewegen, klein muss ja nicht unbedingt nur fünf Mitarbeiter bedeuten, klein kann auch 500 Mitarbeiter an der Stelle bedeuten, dann liegt der Nutzen von solchen Standards ja eigentlich auf der Hand und trotzdem müssen wir immer noch feststellen, obwohl das auch wissenschaftlich seit vielen, vielen Jahren durchdrungen ist, die Vorteile unbestritten, dass so eine gewisse Zögerhaltung an der Stelle ist, solche E-Standards auch einzuführen. Ja, wie laufen solche Einführungen ab? Was kostet sowas? Warum halten die sich so weit zurück, die KMUs? Unsere Gespräche haben eben gezeigt, dass es häufig so ist, dass sich die Unternehmen zwar bewusst sind der Vorteile, aber so weit eben im Tagesgeschäft produktiv gebunden sind und dass sie sich eben nicht selbstständig damit beschäftigen können beziehungsweise die Kapazitäten werden eben anders gebunden.
Häufig sind die IT-Abteilungen nicht sehr groß, das heißt die Mitarbeiter, die sich mit der Standardeinführung eben beschäftigen könnten, haben ihre anderen Aufgaben, müssen die aktuellen Systeme am Laufen halten und dementsprechend ist es häufig so, dass eben dann Partner hinzugezogen werden, das heißt an der Stelle ist es eben so, dass man je nachdem, was jetzt die Anforderung ist, ob ich jetzt intrinsisch quasi sage, ich möchte den Standard einführen, um beispielsweise meinen Umsatz zu steigern oder wenn ich gesagt kriege, du musst mir jetzt die Rechnung in dem und dem Format liefern, hilft es eben einen Partner zu finden, der mich dabei unterstützen kann, das heißt an der Stelle wird dann häufig erstmal die klassische Ist-Analyse gemacht, das heißt eben vorher geguckt, was sind meine Anforderungen, die Punkte, die wir vorher eben schon besprochen haben mit dem Standard, welchen Standard brauche ich, welche Informationen möchte ich übermitteln und habe ich die überhaupt schon in meinem System drin oder muss ich die erst noch erzeugen, muss ich die vielleicht noch nachpflegen und wenn ich die Ist-Analyse quasi ermittelt habe, dann kann ich mich dafür entscheiden beziehungsweise dann kann ich überlegen, wie passe ich jetzt mein System an, um eben diesen Standard zu erzeugen und im zweiten Schritt wird dann eben dieses Add-in, Plug-in, systemnative Funktion freigeschalten beziehungsweise implementiert und dann wird eben getestet, wie das die korrekten Nachrichten erzeugt werden können und hier wird dann eben überprüft in Form von dem Mapping, also sprich mit der Überprüfung, passen meine Felder zu den Feldern, die ich in dem Standard übermitteln möchte, dass der korrekte Standard erzeugt werden müsste und dieser wird dann übergeben an den Partner, der versucht den Standard in sein System einzulesen, meistens klappt es dann noch nicht 1 zu 1 zu 100%, hier wird dann geguckt, ok, wo müssen noch Anpassungen durchgeführt werden und hier findet dann gemeinsam, wird dann quasi das letzte Feintuning vorgenommen, bis dann eben testweise die ersten Nachrichten ausgetauscht werden können und wenn das Ganze dann erfolgreich ist, dann wird das Ganze eben live gesetzt und dann werden produktiv die Nachrichten ausgetauscht. Das hört sich nach einer ganzen Menge Arbeit an, oder? Richtig, also wie gesagt, das ist immer sehr davon abhängig, wie groß oder auf welchem Stand das aktuelle Unternehmen ist, das heißt, manche Unternehmen haben ja teilweise vielleicht noch gar kein ERP-System im Einsatz, das heißt, hier an der Stelle wird es dann natürlich sehr schwer, irgendwelche Standards zu erzeugen, wobei es auch hier Lösungen gibt, wie beispielsweise Web-EDI, wo eben auf Web-Plattformen das Unternehmen beispielweise die Rechnungsinformation händisch eingibt und dann erzeugt diese Web-IDI-Plattform die elektronische Rechnung und die wird dann eben an den Kunden übermitteln. Aber natürlich gibt es, sind es extrem, also sind es schon einige Aufwände, die auf einen dazukommen, aber ich sag mal so, das ist wie bei vielen Investitionen, das amortisiert sich ja über die Zeit, sprich, wenn ich eine solide Grundstruktur habe und gegebenenfalls einen Partner, der mich dabei unterstützt, der mir die Vorgaben gibt, der mit mir zusammenarbeitet, dann ist so ein Standard auch teilweise, je nachdem, in vier bis acht Wochen direkt im System eingeführt und kann genutzt werden. Je nachdem, was für Vorarbeiten geleistet werden müssen, ist, natürlich, kann es natürlich eben auch deutlich höher werden.
Aber deswegen ist der erste Schritt eben die Ist-Analyse und die gibt dann quasi die Grundlage für das weitere Projekt. Einer der ganz großen Faktoren ist dann natürlich auch immer, was muss ich auch in meiner IT, in meiner Unternehmenssoftware verändern und an welchen Stellen muss ich was verändern? Häufig kommen daher doch dann Kosten auf das Unternehmen zu, die so am Anfang gar nicht gesehen werden. Können Sie ein bisschen was zu den Kosten sagen? Kann man da was verallgemeinern? Also zu den Kosten ist es so, dass das eben sehr schwer verallgemeinerbar ist.
Also es hängt natürlich immer auch von den Transaktionsvolumina ab, sprich ein Unternehmen, was jetzt vielleicht fünf bis sechs Rechnungen am Tag sendet, ist vielleicht nur dann begrenzt sinnvoll, dass es eine vollautomatisierte Lösung einführt. Wenn man jetzt jedoch eine gewisse Transaktionsvolumina hat, dann lohnt es sich natürlich schon diesen Standard einzuführen. Die spezifischen Kosten sind an der Stelle eben sehr schwer zu beziffern, weil es wirklich immer grundsätzlich von der Ist-Analyse abhängig ist.
Jetzt haben wir noch ein Spezialthema. Sie haben vorhin gesagt, dass das Gute, aber auch das Schlechte an Standards ist, dass es davon so viele gibt. Damit ist es ja noch nicht mal getan.
Also die dreistellige Anzahl an unterschiedlichen Standards, die ich nutzen kann, für unterschiedliche Zwecke, teilweise auch für gleiche Zwecke, sondern wir stellen ja auch in unseren Untersuchungen immer wieder fest, dass es wahnsinnig viele, wir nennen es Dialekte, gibt. Das heißt, gerade größere Unternehmen neigen dazu, nicht nur den Standard einzuführen, sondern bestimmte Datenfelder dann ganz anders zu benutzen oder den Standard ganz anders zu benutzen, als er tatsächlich oder als er ursprünglich gemeint ist. Auf was für Kuriositäten treffen Sie da in Ihrer Arbeit? Genau, das ist auch ein sehr interessanter Punkt, der Sie eben hier herausgestellt haben, dass eben die Standards definiert werden, die Standards vorgegeben werden, aber eben in der Praxis nicht immer vollständig standardkonform verwendet werden.
Also die Dialektmetapher ist hier auch bewusst gewählt, weil es gibt unterschiedliche Sprachen, kann man auch eben mit den Standards vergleichen, Deutsch, Englisch, Französisch, aber dabei bleibt es eben nicht. Das heißt, wenn ich jetzt ein Dialekt habe, wie beispielsweise hier, wir sehen jetzt hier in Franken und wenn ich mich jetzt beispielsweise mit einem Sachsen oder mit einem Norddeutschen unterhalte, dann verstehe ich den zwar im Konsens, aber es gibt immer wieder Wörter, die eben sehr spezifisch sind, die ich vielleicht nicht auf Anhieb verstehe und genauso ist es hier auch. Das heißt, das Unternehmen nimmt quasi als Ausgangslage die Standardvorgabe, schaut, wie passt der Standard jetzt auf meine Systeme, auf meine Prozesse und meistens ist es eben dann so, dass dann nicht die Prozesse und die Systeme angepasst werden, sondern eben der Standard angepasst.
Sprich, uns fehlt beispielsweise noch eine Spezifikation für eine Preisliste. Jetzt ist die Frage, wie kriege ich jetzt diese Information von der Preisliste in die Rechnung rein, wo vielleicht das im Standard gar nicht vorgesehen wird und da werden eben Felder verwendet, die beispielsweise für eine Adresse stehen oder so und dann wird einfach definiert, okay in diesem spezifischen Adressfeld steht jetzt die Preislistennummer und wenn ich jetzt diese Variante beziehungsweise diesen Dialekt nehme, dann sind es eben immer die Unterschiede in einzelnen Bereichen, die eben hier angepasst werden möchten, aber die machen es natürlich erforderlich, dass wirklich mit jedem Partner, mit dem ich diese Rechnung austausche, das Ganze eben angepasst werden muss und somit die Unterschiede oder beziehungsweise die Kosten für die Einführung der spezifischen Standards immer nicht gleich hoch bleiben. Das heißt, wenn die technische Grundlage ist, ist natürlich sind die Kosten für den nächsten Standard geringer, aber durch diesen bilateralen Austausch, durch diese Abstimmung, die eben notwendig ist, kommt mit jedem neuen Mitarbeiter oder mit jedem neuen Partner, der eben angeboten wird, eben wieder ein gewisser Kostenblock auf einen zu.
Das heißt, also das Unternehmen, was jetzt den Standard modifiziert, also einen Dialekt schafft, für den ist das Problem gelöst. Typischerweise sind es große Unternehmen, bei denen das so ist, aber für alle, die jetzt diesen Standard bedienen müssen, alle Lieferanten beispielsweise, die haben ja nicht nur einen Abnehmer, einen großen Kunden, sondern die haben eben viele verschiedene Kunden und wenn die alle ihre eigenen Dialekte des Standards haben, dann muss der Lieferant, hat der Lieferant eigentlich wahnsinnig zusätzliche Aufwände an der Stelle, richtig? Genau, richtig. Das heißt quasi, er hat im ersten Schritt diesen Grundblock geschaffen, hat vielleicht mit einem ausgetauscht, hat mit einem sich auf dieses Rechnungsformat geeinigt, muss aber dann trotzdem mit jedem zusätzlichen Partner, den er anbindet, erstmal abstimmen.
Okay, sprichst du eben die gleiche Sprache, sprichst du den gleichen Dialekt und dementsprechend auch, was sind eben die kleinen Unterschiede, die kleinen Anpassungen, die du gemacht hast? Das ist schon, glaube ich, ein ganz wesentlicher Hemmschuh, den wir in diesem Bereich haben. Trotz allem ist es natürlich sinnvoll, sich über digitale Schnittstellen, über E-Standards Gedanken zu machen. Das Wort einfach ist zwar mal gefallen, aber so einfach ist es eben nicht, aus ihrer Sicht.
Was sind denn die größten Herausforderungen in solchen Projekten? Ja, also wir haben dazu auch eine aktuelle Studie gemacht, die wir auch in der aktuellen Ausgabe der Wissenschaft trifft Praxis veröffentlicht haben und da hat sich eben gezeigt, dass über 70 Prozent der Herausforderungen, die bei diesen Standardeinführungsprojekten sind, eben unternehmensinterne Herausforderungen sind. Beispielsweise technologische Anpassungen, die eben nicht berücksichtigt wurden im Vorfeld, weil eben keine ordentliche Analyse gemacht wurde, weil eben gedacht wurde, dass irgendwelche Schnittstellen, dass wir das schon irgendwie hinkriegen, dass man das schon machen kann. Aber beispielsweise auch organisatorische Herausforderungen, beispielsweise der Mitarbeiter, der muss ja eingebunden werden.
Wenn er jetzt zum Beispiel bisher immer eine Rechnung eingetütet hat und jetzt die digital verschicken soll, dann gibt es natürlich Prozessveränderungen, die eben auftreten. Sprich, was verändert sich in dem Prozess? Er braucht gegebenenfalls eine Schulung, er muss verstehen, warum es jetzt anders anläuft. Häufig gehen damit einher eben Ängste auch.
Das heißt, wichtig ist hierbei dieses klassische Stichwort eben Change Management. Der Mitarbeiter muss merken, dass er die Arbeit nur anders macht, aber dadurch nicht weniger wert ist und dementsprechend ist es so, dass die Mitarbeiter, wenn die frühzeitig eingebunden werden und verstehen, warum wir jetzt umstellen auf diese elektronischen Rechnungen und das Ganze nicht mehr händisch machen, auch eine viel höhere Unternehmensakzeptanz haben. Beispielsweise ist es auch so, dass bei den unternehmensinternen Faktoren auch die Stammdatenqualität häufig ein Faktor ist oder eigentlich der häufigste Faktor ist, der zu den Problemen führt, weil es ja häufig so ist, dass der Standard eben gewisse Anforderungen auch an Informationen liefert, beziehungsweise Unternehmen, mit denen ich kommunizieren möchte, vielleicht irgendwelche Informationen haben, die ich vielleicht so noch gar nicht erfasst habe.
Dementsprechend muss ich diese Informationen dann an der Stelle nachpflegen, was häufig auch eben nicht mit eingepackt oder mit berücksichtigt wird in der Projektplanung und das sind eben so die häufigsten Treiber. Die anderen Faktoren, die wir identifiziert haben, wie IT-Dienstleister, sind eben zum Beispiel mit acht Prozent nur sehr gering oder auch die Standardanbieter sind auch sehr kooperativ. Hier gibt es auch nur sehr selten Probleme, beispielsweise sind da sieben Prozent der über 150 Projekte, die wir analysiert haben, sind nur in sieben Prozent der Projekte eben hier Probleme aufgetaucht.
Da war es eben so, dass eben teilweise Standards weiterentwickelt wurden, also im Bereich der Klassifikationsstandards, wenn ich jetzt meine Produkte klassifizieren möchte in einer Branche, die noch nicht aufgenommen wird, dass dann eben kooperiert wird und das Ganze gemeinsam gemacht wird und abschließend ist es so, dass bei den Geschäftspartnern ungefähr 13 Prozent der Projekte Herausforderungen gezeigt haben, also in Bezug auf Geschäftspartner, wo eben die Kommunikation einfach nicht funktioniert hat. Das heißt, wir hatten es ja vorhin angesprochen mit den Dialekten, wenn ich jetzt versuche von dem Partnerunternehmen eine Detailinformation zu bekommen, wie muss ich jetzt den Standard liefern und hier sind die Reaktionszeiten sehr lange oder die entsprechenden Informationen werden nicht zur Verfügung gestellt oder sind vielleicht auch nicht aktuell, dann kann es auch wieder eine zusätzliche Herausforderung sein, die eben an der Stelle zur Verzögerung eben kommt. Okay, vielleicht an der Stelle auch der Hinweis darauf, wir werden auf unserer Webseite www.erp-podcast.de bei der entsprechenden Folge natürlich auch die Studie hinterlegen beziehungsweise einen Link hinterlegen, sodass sie das auch entsprechend nachlesen können.
Ich glaube, das ist ganz spannend. Die Punkte, die sie jetzt ansprechen und wo es natürlich besonders hakt, wir sind immer wieder in sozio-technischen Dingen. Natürlich technologisch muss man einiges lösen, ganz klar, das ist eine Herausforderung, aber wir haben sehr, sehr viele Punkte, wo man einfach sagen kann, es menschelt, ja, die Organisation muss sich verändern, ich muss die Mitarbeiter mitnehmen.
Ich habe dazu ja in verschiedenen Podcast-Folgen schon das eine oder andere gesagt, also es ist nicht unbedingt nur eine Aufgabe, die von der IT-Abteilung, von den Technikern gelöst werden sollte, sondern es ist eine Aufgabe, die eigentlich das ganze Unternehmen, natürlich insbesondere die Fachabteilungen, die betroffen sind, dann betrifft. Gut, jetzt haben wir einiges gehört über digitale Schnittstellen und das und wie man sie umsetzen kann. Wie kann ich jetzt am besten starten? Es ist ja ein riesen Wulst an Informationen, wenn ich mir im VDA-Umfeld einiges anschaue, wenn ich mir im Umfeld der GS1 die Möglichkeiten des Datenaustausches anschaue, ich werde ja über überfrachtet eigentlich mit Informationen zu diesem ganzen Themenfeld.
Genau, das ist auch der Auftakt gewesen, warum uns das Forschungsministerium eben mit dem Forschungsprojekt Komplex E beauftragt haben und hier ist es eben unsere Aufgabe im Rahmen des Forschungsprojekts eben zu analysieren, was sind die Komplexitätstreiber? Also wir haben jetzt viel schon genannt und wie kann ich die strukturieren, damit eben im KMU im Vorfeld abschätzen kann, was kommt überhaupt auf mich zu und dazu haben wir eben ein Online-Tool entwickelt, beziehungsweise das befindet sich gerade in der Fertigstellung und haben hier auf Basis von dem vierstufigen Verfahren oder auf Basis von vier Schritten im Endeffekt, liefern wir dem Unternehmen die Informationen, die es braucht. Das heißt, zu Beginn ist natürlich ein kleiner Fragebogen notwendig, dass eben genau diese Branchen abklappert. Was willst du, also was ist dein Szenario, was möchtest du überhaupt tun, aus welcher Branche kommst du, mit welchem Land oder mit wem, wo möchtest du kooperieren? Und auf Basis von diesen Fragen können wir schon eine erste Empfehlung geben, welcher Standard denn relevant ist.
Das heißt, das ist einer der Bausteine, die wir in dem Tool hinterlegt haben, das ist der sogenannte E-Standard-Katalog. Das heißt, wir haben hier viele verschiedene Standards angeguckt, haben die klassifiziert, kategorisiert, liefern hier eben Informationen, Beschreibungen über die Standards, aber auch Hinweise zu Praxisprojekten, dass sich das Unternehmen im Vorfeld mal informieren kann, was ist denn überhaupt passiert und gleichzeitig auch die Ansprechpartner, der Standardhersteller, vielleicht potenzielle Projektpartner, die eben an der Stelle direkt angesprochen werden können, die dann eben bei der Umsetzung unterstützen. Der zweite Schritt, wenn ich dann weiß, okay, was ist denn für ein Standard notwendig, welcher Standard passt denn, ist dann eben eine Ist-Analyse durchzuführen in dem Unternehmen.
Das können wir natürlich in einem Online-Tool schwer durchführen. Deswegen haben wir uns im Vorfeld mit unserem ERP-Labor schon viele ERP-Systeme angesehen und haben eben überprüft, welche Kombinationen von Standards sind eben möglich in den ERP-Systemen und welche sind komplizierter beispielsweise, weil es keine native Unterstützung gibt, weil es keine Partner gibt und welche können sehr einfach umgesetzt werden und diese Faktoren stellen wir auch in der Plattform bereit. Das heißt, sie geben uns dann die Information noch, welches ERP-System setzen sie ein und aus der Kombination von dem zuvor identifizierten Standard und ihrem ERP-System können wir dann schon eine erste Abschätzung geben, okay, ist es jetzt ein Projekt, was ziemlich einfach umzusetzen ist oder ist es ein komplexes Projekt, wo du vielleicht unbedingt einen Partner an die Seite holen solltest, damit das Projekt eben erfolgreich umgesetzt wird.
Im letzten Schritt zeigen wir dann auch noch auf, wo es potenzielle Veränderungen gibt in dem Unternehmen. Beispielsweise bei der elektronischen Rechnung ist es ja so, dass hier häufig auch zusätzliche Felder benötigt werden, die gar nicht erfasst werden, wo jetzt die Rechnung erstellt wird. Das klassische Beispiel ist hier immer eine E-Mail-Adresse.
Einige Standard fordern diese eben als Pflichtfeld bzw. die Unternehmen. Für die bisherige Rechnung ist die E-Mail-Adresse aber einfach nicht notwendig gewesen, weil wenn ich die per Post verschicke, brauche ich die Postadresse, aber keine E-Mail-Adresse und dementsprechend gibt es natürlich auch eine Änderung, wenn ich den Kunden anlege.
Also an einer ganz anderen Stelle im Unternehmen wird es noch eine Veränderung geben, weil ich da ein Pflichtfeld machen muss, muss gegebenenfalls die E-Mail-Adresse nachpflegen oder mir diese besorgen und dementsprechend haben wir auch die Prozesse analysiert, haben geguckt, in welchen Bereichen greifen denn die Standards an und wollen hier eben auf einer hochgranularen Ebene zur Verfügung stellen, welche Bereiche betrifft es und so kann man eben dann auch wieder sagen, okay, das ist ein einfaches Projekt, das betrifft wenige Bereiche, das ist ein komplexes Projekt, das betrifft viele Bereiche und das ist quasi die Erstinformation, die wir in dem Tool bereitstellen. Darüber hinaus ist es natürlich so, dass wir auch individuelle Informationen bereitstellen können, aber die werden dann eben im bilateralen Gespräch erhoben, das heißt, wenn Sie jetzt spezifische Fragen haben zu den Standards, wenn Sie spezifische Fragen zu Ihrem System, zu den Prozessen haben, können wir auch hier natürlich unterstützen, beispielsweise bei der Ist-Analyse. Wir können die Standard-Potential-Analysen durchführen, die eben dann maßgeschneidert sind auf Ihr Unternehmen und so können wir dann eben Sie dabei unterstützen und Ihnen dabei helfen, eine einfache Lösung, also einfach jetzt im Sinne von eine möglichst passendste Lösung zu finden, die dann auch mit den vorhandenen Mitteln umgesetzt werden kann.
Okay, Sie haben jetzt auf unsere Plattform komplexe schon hingewiesen, die steht im Netz für jedermann kostenlos nutzbar zur Verfügung. Genau, das ist der Plan, also die Plattform wird online zur Verfügung gestellt und jedes Unternehmen kann sich da die erste Information abholen und wir haben quasi die ganzen komplexen Informationen, die wir jetzt so vorgenannt haben, da strukturiert und einfach zur Verfügung gestellt, damit sich das Unternehmen da eben informieren kann. Wunderbar, auch hier der Verweis auf unserer erp-podcast.de Webseite legen wir natürlich auch den Link beziehungsweise auch in den Shownotes zu dieser Folge ab, so dass Sie also auf diese Plattform auch zugreifen können.
Gut, ich gucke ein bisschen auf die Zeit. Wir sind intensiv am diskutieren, es ist ein spannendes Thema und ich glaube, wir haben gerade mal so die Spitze des Eisberges des ganzen Themenkomplexes angesprochen. Es gäbe viele, viele, viele weitere Dinge, Problematiken, Herausforderungen, die es im Umfeld der Digitalisierung gibt.
Ich denke zum Beispiel an das Thema, wie schaffe ich es denn Robotik und betriebswirtschaftliche Systeme miteinander zu kombinieren und so weiter und so fort, aber wir haben ja nicht die letzte Folge und ich würde mich freuen, wenn Sie noch mal für eine Folge hier zur Verfügung stehen. Machen wir mal abschließend auch wieder eine kleine Blitzlichtrunde. Sie sind jetzt beruflich hier als wissenschaftlicher Mitarbeiter, natürlich mit dem Ziel, Sie wollen promovieren.
Was war Ihr Ziel, warum sind Sie das beruflich geworden, was Sie heute sind? Ja, weil es mir schon immer Spaß gemacht hat, eben komplexe Probleme zu erfassen. Also um jetzt am Beispiel von dem Projekt zu bleiben, erstmal zu analysieren, was sind überhaupt die Probleme von den Unternehmen und dann wirklich in die Tiefe einzutauchen und zu identifizieren, hier gibt es sogar sehr spezielle Informationen, hier gibt es Dialekte und dann wieder quasi das Ganze zu abstrahieren auf eine einfache Form, um eben die anderen Menschen zur Verfügung zu stellen und diese Komplexität zu strukturieren, einfach darzustellen. Das hat mir schon immer viel Spaß gemacht, deswegen wollte ich auch zuerst mal in die Beratung gehen, weil man da eben viele breite Problemstellungen kennenlernt und das hat mich dann aber dazu geführt, dass ich eben im Masterstudium auch hier in Würzburg gegangen bin, weil wir hier eben neben dem klassischen SAP-System eben viele Mittelstandssysteme ausbilden und so konnte ich mich quasi in der Breite weiterbilden und dann habe ich eben die Möglichkeit bekommen, hier am Lehrstuhl zu arbeiten und mich so wieder auch in einem wissenschaftlichen Kontext mit den Freistellungen zu beschäftigen und das ist eben eine sehr spannende Aufgabe, das Ganze zu analysieren, zu strukturieren und vor allem sehr praxisnah auch den Unternehmen zu helfen und wirklich Informationen bereitzustellen, die den Unternehmen auch weiterbringen.
Was war Ihr bislang größter beruflicher Erfolg? Also in der aktuellen Phase ist es von der wissenschaftlichen Seite her der Best Paper Award, da habe ich mit meiner Kollegin Marion Hösselbart auf einer Konferenz eben einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben zu dem Thema kulturelle Unterschiede in Bezug auf Landing Pages, also auch wieder der E-Business Kontext und da wurden wir eben ausgezeichnet, dass wir in der Kategorie E-Business eben hier den besten Artikel geschrieben haben von den allen eingereichten Artikeln und im nebenberuflichen Umfeld, sage ich jetzt mal, ist eben der größte Erfolg, dass ich hier mit meinem Startup jetzt quasi online bin und hier sehr positives Feedback bekomme und das macht mir auch sehr Spaß, hier die Probleme im Golfbereich oder in Bezug auf Golfplätze zu lösen. Vielleicht sagen wir für unsere Zuhörer auch mal, was sie da genau machen und wie man vielleicht auch mal diese nebenberufliche Tätigkeit finden kann, die sie da betreiben. Genau, also das ist ein ähnliches Feld, sage ich jetzt mal, es geht darum, dass es im Golfbereich aktuell sehr schwer möglich ist, aktuelle Golfinformationen zu bekommen, also sprich es gibt Bücher, wo Informationen über Golfplätze bereitgestellt werden, aber die sind selten aktuell und deswegen bin ich dazu übergegangen eben auch hier die Golfplätze zu analysieren und habe eben eine Golf-Suchmaschine entwickelt, die heißt LoCarGo, findet man auch schon online unter www.locargo.de und da stellen wir eben aktuelle Informationen zur Verfügung, das heißt hier nutzen wir auch aktuelle Technologien, um die Information aktuell zu halten für die Spieler und gleichzeitig sind die Informationen so smart hinterlegt, dass die auch personalisierbar sind, das heißt sprich, wenn sie jetzt beispielsweise ein Student sind, dann interessieren sie ja die normalen Preise nicht, sondern sie kriegen häufig Rabatte und können dann bei mir oder beziehungsweise auf der Plattform, auf der Suchmaschine angeben, ich bin Student und dann kriegen sie direkt alle Studentenpreise angezeigt, das heißt sie finden eben die aktuellen Informationen deutlich schneller und viel einfacher als bisher und das ist eigentlich das, wo ich mir ursprünglich gedacht habe, in der Arbeit, also hier in der Uni, versuche ich immer Prozesse einfacher zu machen, aber in der Praxis, in der Freizeit muss ich mich mit so alten Systemen und so vielen Informationen herumschlagen und warum geht das nicht einfacher und deswegen habe ich das da umgesetzt in Form von der Golf-Suchmaschine.
Wunderbar, auch hier für den, den es interessiert, wir verlinken natürlich entsprechend auch die Golf-Suchmaschine. Vielleicht braucht man ja auch hier den einen oder anderen digitalen Standard, den wir in unseren Forschungsprojekten identifizieren können dafür. Gibt es bestimmte Eigenschaften, die sie für ihren Beruf besonders gut gebrauchen können und die sie besonders auszeichnen? Genau, also ich würde sagen, der essentielle Punkt ist bei uns Wirtschaftsinformatikern, strukturieren, strukturieren, also sprich Informationen zu verstehen, zu durchdringen, die Zusammenhänge zu analysieren und das Ganze dann eben in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und das ist, glaube ich, auch eine Kompetenz, die ich habe und die mir auch eben, wie gesagt, sehr viel Spaß macht, das Ganze zu durchdringen und dann eben auf eine Ebene zu bringen, damit das Ganze eben verständlich wird und damit eben andere Schlussfolgerungen daraus gemacht werden, daraus geschlossen werden können.
Welches Buch können Sie lebenslanges Lernen als Stichwort unserer Zuhörer beruflich oder privat empfehlen? Also für mich persönlich ist es immer ein bisschen schwer zu trennen, die beiden Bereiche beruflich und privat, weil es sehr viele Synergien gibt. Deswegen habe ich mich privat auch hier an der Stelle für das Buch Business is like Rock’n’Roll, die Autobiografie des Virgin Gründers entschieden. Also das ist eben ein Buch, wo die ganze Lebensgeschichte und der Werdegang hier dargelegt wird, hat natürlich auch immer einen Business- Bezug und im beruflichen Bereich möchte ich das Buch der Klassiker von Eric Ries, The Lean Startup, empfehlen, weil es eben eine sehr schöne Methode ist oder beziehungsweise in diesem Lean Startup Prinzip, wie man Prozesse agiler machen kann und das ist wahrscheinlich auch sehr wichtig für Unternehmen, mal aus diesem starren Denken, aus diesen starren Dimensionen auszubrechen, damit man eben flexibler neue Themen adressieren kann und auch mal vielleicht Fehler macht und eben dann feststellt, okay, es ist ein Fehler, ich probiere einfach mal was Neues.
Privat hat wahrscheinlich für Sie Ihr eigenes kleines Startup, Ihre Golf- Plattform den höchsten Mehrwert, aber gibt es irgendwelche Internetdienste, die Sie regelmäßig für was auch immer nutzen und die Sie weiterempfehlen können? Also mein zentrales Organisationstool ist Trello, findet man unter trello.com. Das ist quasi meine zentrale Informationsplattform, wo ich eben alle Aufgaben ablege, strukturiere, mir einteile und das Schöne an Trello ist eben, es funktioniert mit vielen anderen Diensten zusammen über if this then that und so kann ich dann quasi aus Trello raus Aufgaben erzeugen, die ich dann in meinem To-Do-List-Manager eben abarbeiten kann. Schauen wir mal zehn Jahre in die Zukunft, also soweit wir das überhaupt können und soweit es als Wissenschaftler natürlich auch zulässig ist, was glauben Sie, wie wird sich Ihre Berufswelt, Ihr zukünftiger Arbeitsplatz verändern? Also der Punkt ist der, dass sich gerade in unserem Bereich die Dinge immer deutlich schneller ändern werden. Das heißt, wir sehen ja durch die Leistungssteigerungen in der Technik, durch die vielen neuen Entwicklungen müssen Unternehmen und auch Mitarbeiter deutlich flexibler werden, deswegen wird lebenslanges Lernen eben sehr interessant, sehr spannend sein.
Wenn ich zurückdenke, damals, vor nicht allzu langer Zeit, wurde uns im Bachelor das erste Mal präsentiert, wie jetzt SAP auf einem iPad aussieht. Damals waren wir alle ziemlich begeistert, dass das jetzt möglich ist, sowas auf Mobile zu machen. Mittlerweile ist das überhaupt kein Problem mehr und da denkt keiner mehr darüber nach, aber es zeigt natürlich, wie schnell sich unsere Prozesse verändern, deswegen glaube ich, dass man immer flexibler werden muss und dass eben die IT eine zentrale Rolle einstellt.
Bei vielen Unternehmen ist es so, dass die IT heute Kostentreiber, Kostenstelle ist und ich glaube aber, dass die IT dann mehr als Chance genutzt wird, um den Vorsprung zu wahren beziehungsweise Vorsprung gegenüber anderen Ländern auch weiterzubringen durch die Digitalisierung und so eben Prozesse schneller und flexibler zu machen und spezifisch auf Kundenwünsche einzugehen. Okay, ich glaube unsere Visionen, die teilen wir an der Stelle sicherlich miteinander. Würde mich abschließend noch mal interessieren, wie Sie jetzt mit Ihrem Hintergrund, mit Ihrer Erfahrung von Unternehmenssoftware den zukünftigen Markt, beziehungsweise die zukünftigen Herausforderungen insbesondere für ERP natürlich sehen.
Also ich glaube, dass das Problem ist, was viele Systeme haben, was noch nicht alle Hersteller erkannt haben, dass die Systeme durch die jahrelange Weiterentwicklung sehr komplex geworden sind. Das heißt, hier sind die Strukturen, der Quellcode ist sehr überladen und die sind sehr unflexibel in Bezug auf Änderungen. Das heißt, durch die schnelleren Veränderungen im Markt, dadurch, dass Unternehmen schneller reagieren müssen, müssen natürlich auch Unternehmen flexibel, muss die Unternehmenssoftware auch flexibler sein und das ist eben glaube ich eine der größten Herausforderungen, dass eben viele Unternehmen jetzt teilweise schon dabei sind, die Software komplett neu zu programmieren, um eben diese Flexibilität, moderne Technologien nutzen zu können, beispielsweise Software as a Service, um jetzt da ein Stichwort zu nennen, aber auch auf der anderen Seite eben die Integrationsbeziehungen weiter zu fördern.
Das heißt, unsere Studie hat oder unsere Analyse hat ja gezeigt, dass viele Systeme nativ die Schnittstellen überhaupt nicht unterstützen, sondern dass hier Partnerlösungen notwendig sind und das ist eigentlich für das, dass in Zukunft die Systeme, die verschiedenen Unternehmen näher zusammenwachsen, glaube ich auch ein weiterer Faktor, dass die Integrationsbeziehungen und die Abstimmungen vereinfacht werden müssen und mehr von den Systemen direkt unterstützt. Ich glaube, das ist ein Punkt, den hatte ich mit dem Herrn Göbel neulich auch angesprochen, die Unternehmensgrenzen verschwimmen einfach immer mehr. Wir haben gerade eine Stunde über digitale Schnittstellen gesprochen, warum digitale Schnittstellen, wenn man eigentlich auch Dinge in einem System theoretisch zumindest abbilden könnte.
Hier gibt es sicherlich nicht nur in der Praxis, sondern auch für uns als Forscher einiges zu tun, die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Das wird sicherlich ein Thema sein, was nie so ganz aufhört. Ja, damit darf ich mich bei Ihnen, Herr Neuss, und bei Ihnen, liebe Zuhörer, ganz herzlich bedanken.
Ich fand, es war ein wahnsinnig spannender Einblick in die Arbeit, die Sie hier am Lehrstuhl im Bereich komplexe Schnittstellen, Komplex I, Komplex E machen. Die letzten Worte gehören wie immer Ihnen. Herzlichen Dank, dass Sie da waren.
Ja, vielen Dank für die Einladung und als Abschluss würde ich einfach sagen, bleiben Sie flexibel. Wunderbar, Dankeschön. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Projekten beschäftigen.