Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Mit dem Gründer und Entwickler des ERP-Systems „FrachtPilot“ spreche ich über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Landwirtschaft und über sein ERP-System.
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 111, zweiter Teil. Digitalisierung der landwirtschaftlichen Direktvermarktung. Ein Interview mit dem FlexFleet Solutions Gründer Dr. Sebastian Talluhn.
Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Mit dem Gründer und Entwickler des ERP-Systems Frachtpilot spreche ich über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Landwirtschaft und über sein ERP-System. Viel Vergnügen.
Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Dieses Mal der zweite Teil, der sich beschäftigt mit der Digitalisierung und zwar in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung. Auch für solche Dinge gibt es gerade neu ERP und ich freue mich auch immer, wenn ich Startups, wenn ich junge Unternehmen mit in den Podcast ziehen kann, weil da ist die Denke vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle ein bisschen anders, ein bisschen neu, ein bisschen aufregender, ein bisschen spannender.
Und ich freue mich umso mehr, dass ich einen alten Wegbegleiter wieder hier im Podcast begrüßen kann, den ich kennenlernen durfte während meiner Lehrstuhlvertretungszeit und dann auch noch während der Assistentenzeit an der Universität Münster damals. Herzlich willkommen hier im ERP-Podcast, Sebastian Terlunen. Schön, dass du nochmal bei uns bist.
Ja, vielen Dank Axel für die weitere Einladung. Genau, mein Name ist Sebastian Terlunen. Ich habe an der Uni Münster studiert, Wirtschaftsinformatik, danach promoviert und mittlerweile bin ich dann nach ein paar Umwegen CEO geworden unseres Startups FlexFeed Solutions und unser Produkt, was wir auf den Markt gebracht haben, ist der Frachtpilot, der die komplette Direktvermarktung der Landwirte digitalisiert und automatisiert.
Das heißt, ihr macht eigentlich ERP sozusagen in ganz abgespeckter Form für den Landwirt um die Ecke, für den Hühnerbaron, für die Käseproduktion, für die Frischmilchauslieferung. Was tut ihr da? Genau, vollkommen richtig. Wir haben eine Lösung geschaffen, die cloudbasiert ist.
Ich glaube, das ist auch ein ganz großer Vorteil von uns. Vielleicht können wir auf die cloudbasierten Vorteile nachher nochmal eingehen. Was wir machen, ist, wir haben verschiedene Funktionen von der Kundenbestellung mit Webshop, mit Fax digitalisiert einzulesen und über Telefon bis dann über die Routenplanung, bis zur Abrechnung bieten wir dann eine komplette ERP-Lösung an, die der Landwirt bei uns monatlich buchen kann, die einzelnen Funktionen und dann auch nur monatlich zahlt.
Okay, ich sage mal, wir sind in Deutschland, dem Land der Daten-Bahara. Findet das Akzeptanz? Das ist sicherlich ein Hauptthema und ich war letztens noch auf einem Kongress für Landwirte. Das war ein sehr schweres Thema oder ein sehr großes Thema, was da diskutiert worden ist.
Datenhoheit und Datensicherheit. Sicherlich der eine oder andere Kunde, dem muss man das erstmal argumentativ klar machen, warum er jetzt seine Daten in die Cloud geben sollte. Was ich da mal gegenhalte, sind mehrere Aspekte.
Der erste Aspekt ist, klar, wir haben eine Cloud-Lösung, allerdings sind wir auf einem deutschen Server gehostet, auf eines der renommiertesten Betreiber und demzufolge nutzen wir auch die Sicherheits-Services dieses Betreibers. Das zweite ist, wir nutzen eine SSL-Verschlüsselung, das heißt, dem Landwirt zu erklären, ich erkläre das mal dem Landwirt, dass ich genau die gleiche Verschlüsselung benutze oder wir wie seine Banking-Software, die ja auch in der Cloud liegt, in Anführungsstrichen. Und der dritte Grund, warum wir oder die Daten bei uns besser aufgehoben sind als beim Landwirt, ist dann einfach, dass ich sage, die Software, die die meisten Landwirte benutzen, das ist dann eine lokale Installation, wenn er was benutzt, ein altes Programm, was eben nicht upgedatet wurde und was auch nicht auf den neuesten Betriebssystemen laufen kann.
Also ich habe zum Beispiel viele Kunden getroffen, da läuft noch ein Windows 7 Rechner, der eben halt von Microsoft nicht mehr upgedatet wird und zufolge auch dahin schon mal Sicherheitslücken hat. Und dann ist der Büro-Rechner, wo jeder dran kann. Und ob jetzt der Virenscanner immer aktuell ist und ob jeder aus der Familie immer auf total legalen Seiten surft, sei mal dahingestellt.
Und ja, ich glaube, dass wenn jemand so einen Rechner benutzt, dass der Sicherheitslücken hat, ist immer hochwahrscheinlich. Ja, also das sind spannende Diskussionen, die ihr da führt. Wie sage ich das? Ich habe vor 20 Jahren angefangen, über Cloud-Produkte zu sprechen, weil mein erstes Start-up auch, damals gab es die Cloud noch nicht, aber so ein Multitenant Unified Messaging System war.
Das ist nicht einfach, den Kunden den Potenziellen beizubringen, dass das eigentlich ein viel sichereres Konzept ist, als wenn man etwas auf ihren Rechnern installieren würde, oder? Nee, das ist auf jeden Fall mal eine Herausforderung. Also bis jetzt habe ich es eigentlich immer geschafft, den anderen zu überzeugen, dass es doch besser ist. Aber natürlich, da sind die Bedenken, die auch gerechtfertigt sind.
Wir arbeiten ja auch mit Daten, Kontendaten von den Kunden des Landwirts, etc. Da wird natürlich gefragt, wenn die sicher sind. Also sind die sicher, und wenn dann doch mal was passiert, wie ist das Ressierungstechnisch, wer ist da rechtlich haftbar, etc.? Das sind alles Fragen.
Ich glaube, damit werden nicht nur wir konfrontiert, sondern es ist einfach ein genereller Aspekt, der immer kommt, wenn es heißt, wir haben Ihre Daten in der Cloud. Okay. Jetzt gibt es so ein paar Branchen, die vielleicht, was Digitalisierung angeht, noch nicht das ganze Potenzial ausschöpfen, so drücke ich es jetzt mal aus.
Dazu zähle ich, glaube ich, auch die Landwirtschaft. In vielen dieser Branchen stelle ich fest, dass es zwar auch Universallösungen für alles Mögliche eigentlich gäbe, konjunktiv, dass aber besonders Speziallösungen, sprich Lösungen, die nur für diese Branche im Besonderen gemacht sind, das hat mit Funktionalität zu tun, das hat vielleicht auch mit Wording zu tun, besonders angenommen werden und sehr schnell wachsen. Ist das vielleicht auch ein Auslöser, warum man so ein Produkt wie den Frachtpiloten für die landwirtschaftliche Direktvermarktung entwickelt? Also zunächst muss man sagen, dass wir versucht haben oder es auch geschafft haben, den Frachtpiloten hochgenerisch zu entwickeln.
Das heißt, am Ende ist es uns egal, welches Produkt sozusagen vom Frachtpilot gehändelt wird, um es mal so dazu formulieren. Das heißt, ob es jetzt ein landwirtschaftliches Erzeugnis ist, und da gibt es schon Varianten, oder nachher irgendein Produkt aus der Lebensmittelherstellung, also Getränke oder sowas, ist uns total egal. Also ich war unter anderem zum Beispiel mal bei diversen Getränkehändlern und habe ihnen das Produkt vorgestellt, und die haben alle gesagt, genau so eine Software brauchen die.
Und der Frachtpilot würde auch ohne Probleme bei ihnen funktionieren. Sicherlich im Detail wird der ein oder andere Prozess da ein bisschen anzupassen sein, aber die Generik, die wir uns da sozusagen auf die Fahnen geschrieben haben am Anfang, ist da, glaube ich, erreicht worden. Ich glaube, der Riesenvorteil, den wir haben im Verhältnis zu Systemen, etablierten Systemen, die es am Markt gibt, zum Beispiel, ich wurde letztens mal gefragt von einem Presseredakteur, warum wir denn überhaupt eine Existenzberechtigung haben, wenn es denn zum Beispiel die Software aus Wallen ist, weil es da SAP gibt.
Das könnt ihr ja landwirtlich auch benutzen. Das ist, glaube ich, fast schon die Gretchenfrage, weil wahrscheinlich könnte SAP das abdecken, diesen Prozess, so wie wir es machen, aber mit hohem Aufwand des Customisings und demzufolge auch mit hohen Kosten, die sozusagen erstmal in die Hand genommen werden müssen. Und von daher haben wir dann, glaube ich, ein schlankes System, was sehr schnell beim Kunden einzusetzen ist und daher einen relativ guten Vorteil.
Die Frage, warum wir jetzt den landwirtschaftlichen Markt vielleicht adressieren als erstes, ist, glaube ich, durch drei Aspekten vielleicht zu begründen. Das erste, das ist definitiv auch das schwächste Argument, weil ich persönlich aus meiner Historie eine sehr hohe landwirtschaftliche Affinität habe und den Markt sehr gut kenne, weil ich in der Landwirtschaft groß geworden bin. Das zweite ist einfach, weil der Markt, genau wie du sagst, sehr schlecht digitalisiert ist.
Das heißt, wir glauben, dass unser Produkt dann eine relativ schnelle Marktdurchdringung erfahren kann. Und das dritte ist, dass der landwirtschaftlich direkt vermarktete Markt ein hohes Potenzial darstellt. Also, wenn man sich da mal Statistiken zum Beispiel vom Deutschen Statistischen Bundesamt anguckt, die sagen vorher, dass der Markt bis 2025 sich verdoppeln wird, der landwirtschaftlichen Direktvermarktung.
Von daher zusammengefasst, wir setzen gerade auf einen Markt, der extreme Bewegung ist. Und das merken wir auch bei unseren Kunden, die alle jetzt überlegen, jetzt vielleicht Direktvermarktung zu machen und demzufolge jetzt ein Software dafür brauchen. Und der Markt wächst auch noch.
Also, sagen wir erst mal, das ist eigentlich eine ganz angenehme Situation. Da lohnt es sich, sich erst mal zu tummeln. Und da es aktuell wenig Mitbewerber gibt, die das können, was wir können, ist es auch ein ganz netter Markt für uns, weil wir eben halt nicht so in hohem Konkurrenzdruck stehen.
Okay, du hast mir ein Stichwort eigentlich gegeben, was dem widerspricht sozusagen. Also, ihr macht ja Standardsoftwareentwicklung. Standardsoftwareentwicklung heißt, dass ich die Abläufe in der Software eben nicht so produziere, wie das individuell eigentlich wahrgenommen wird auf dem Bio-Bauernhof oder was auch immer.
Das macht es natürlich sehr, sehr schwierig, auch erst mal reinzukommen in so eine Software, weil ich denke mal, der normale Landwirt ist jetzt nicht unbedingt derjenige, der acht Stunden am Tag im Internet surft. Der Vorteil, den wir, glaube ich, haben, ist durch unsere Expertise im Bereich Logistik und durch die Entwicklung des Produkts mit vier Landwirten, dass wir und unsere Ausbildung als Wirtschafts-Formatiker, dass wir genau das gemacht haben, was viele Wirtschafts-Formatiker immer predigen, ist, erstmal eine Prozessanalyse gemacht haben und versucht haben, in Anführungsstrichen, ein Referenzmodell zu erstellen. Und ich glaube, das ist eine relativ gute Stärke von uns.
Wir haben verstanden, wie Direktvermarktung im Allgemeinen funktioniert. Und die Kunden, die wir jetzt neu auf das System holen, die haben auch keine Anforderungen mehr, die uns irgendwie zwingen, eine Minimalleistung zu programmieren, weil die sagen, das ist ein Prozess, damit können wir leben. Und das, was eben auch immer propagiert wird, nicht der Betrieb soll, nicht die Software soll sich dem Betrieb anpassen, sondern vielleicht der Betrieb der Software.
Und in den Diskussionen, wenn es so etwas mal aufgetreten ist, dass Kunden gesagt haben, ja, wir machen das anders, dann kann man besser argumentieren, und das haben wir bis jetzt immer geschafft, dass zwar der Kunde es gerade anders macht, aber ob es besser ist für ihn und für unsere Software, ist eine andere Fragestellung. Und deswegen haben wir es bis jetzt immer hinbekommen, dass der Kunde dann seinen Prozess mal überdenkt. Okay, verstehe ich.
Prozesse überdenken, bevor man die Software anpasst. Klar, Standardsoftware. Was mich mal interessieren würde, ihr müsst ja eine Wissensbasis erst mal aufbauen, um euer System abstrakt zu entwickeln.
So, das heißt, ihr geht hin zu eurem Pilotkunden und sagt, wie läuft denn das bei dir ab? Und jetzt habt ihr natürlich Pilotkunden, die nicht gerade IT-affin sind, die nicht unbedingt in Abläufen denken, in Prozessen denken. Ja, wie geht man damit um? Wie erfasst man eigentlich, wenn man so ein neues ERP-System entwickeln will, was der potenzielle Kunde eigentlich haben möchte? Da sprichst du wirklich eine große Herausforderung an, die wir auch hatten. Genau das ist der Punkt, der Landwirt ist jetzt kein Softwareentwickler, weiß demzufolge auch nicht, was es bedeutet, Software zu entwickeln, dass es unter anderem zum Beispiel erst mal, man einfach strukturiert erst mal die Prozesse aufnehmen muss und nicht einfach mal schnell irgendwas implementieren kann, was nach einem Tag fertig ist, sondern dass es meistens oder eigentlich bei so einer Software darum geht, strukturell was zu erfassen, weil wenn man was vergessen hat, hat das meistens auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Software.
Das heißt, am Ende erst mal das gesamte Problem zu erfassen, ist das Wichtigste überhaupt. Und da den Landwirt oder den Pilotkunden ist es ja dann am Ende, da hinzubringen, war wirklich eine Herausforderung für uns. Auch das haben wir geschafft oder versucht zu schaffen, und das haben wir auch am Ende geschafft, indem wir wirklich zu dem Betrieb hingegangen sind und uns wirklich jeden einzelnen Prozess erklären lassen haben und dann den strukturell aufgearbeitet haben und dann mit ihm dann nochmal durchgegangen sind.
Dass man dann jetzt nicht unbedingt irgendwelche BPMN-Diagramme dem Landwirt zeigen sollte oder kann, ist auch verständlich. Das heißt, man muss das schon irgendwie hinbekommen, um einerseits die Ruhe zu finden, mit dem Landwirt das durchzugehen, aber andererseits ihn auch nicht, sage ich mal, mit Modellierungstechniken zu, nennen wir das mal, zu nerven, wo er am Ende relativ schnell die Lust daran verliert, weil er sagt, das interessiert mich jetzt ja auch gerade nicht. Habt ihr das denn alles modelliert in klassischer wirtschaftsinformatischer Art oder ist das eigentlich direkt, in der letzten Folge hattest du gesagt, ihr habt sehr agil entwickelt, ist das direkt in Code, also in Prototypen überführt und dem Landwirt dann zu sagen, guck mal, so und so könnte das in der Software aussehen, passt das zu dem, was du dir vorstellst? Wie geht man vor, wenn man so ein integriertes System entwickeln will? Genau, also was wir gemacht haben, ist, wir haben uns natürlich erst mal generell die Anforderungen angeguckt, das heißt, welche Prozesse müssen wir überhaupt abdecken, da war die große Herausforderung, mit der wir konfrontiert waren, wir hätten lieber einen kleinen MVP entwickelt, und zwar hätten wir uns einen Prozess rausgenommen und den hätten wir erst mal fertig gemacht und dann hätten wir gerne weiterentwickelt, so wie das man so klassisch auch predigt und auch total Sinn macht.
Das Problem bei uns war einfach, dass alle Kunden gesagt haben, wenn ihr zum Beispiel nur Routenplanung macht, ist uns nicht geholfen, das heißt, wenn, dann bitte von Anfang bis zum Ende, und erst dann akzeptieren wir das System. War natürlich eine sportliche Herausforderung, weil man dann sozusagen auch alles sofort machen muss, oder nicht sofort, aber alles irgendwie dann doch integrieren muss in das System. Was wir gemacht haben, ist a la Scrum sozusagen, haben wir uns das große Problem erst mal angeguckt, haben das in kleinere Probleme unterteilt, in Tasks, und haben dann im Sinne von Sprints uns konzeptionell erst mal überlegt, wie könnte man den Task umsetzen, haben ihn umgesetzt, und haben dann, dann ist der Landwirt, beim Scrum heißt es ja dann der Product Owner, dem Landwirt sozusagen unsere Lösung dann präsentiert, erst konzeptionell und danach die Implementierung, und ihm sozusagen dann häppchenweise mit ihm die Software entwickelt.
Ihr seid jetzt ein Jahr sozusagen dabei, würdest du sagen, man kann ein ERP-System in einem Jahr entwickeln? Hängt so ein bisschen von der Komplexität des ERP-Systems ab. Ich würde sagen, wir haben es geschafft, definitiv, dieses System zu entwickeln, und es ist eben halt nach elf Monaten live gegangen, mit vier Kunden gleichzeitig, was schon sehr, sehr schnell ist, glaube ich. Wenn man, und das war auch schon wirklich grenzwertig im Sinne von der Arbeitslast, ich glaube, wenn man ein hochkomplexeres Produkt hat, was mehrere, wo zum Beispiel die BOM noch größer ist, ob man das wirklich in einem Jahr in allen Facetten implementiert bekommt, glaube ich, wird auch schwierig werden.
Magst du uns abschließend ein bisschen was zu eurer Technologie sagen? Was verwendet ihr, wie arbeitet ihr? Genau, also noch besser könnte das wahrscheinlich unser CTO sagen, aber ich versuche das jetzt einfach mal. Wir haben im Kern fürs Frontend und fürs Backend PHP, das ist eine Symfony, genutzt. Der Grund dafür ist relativ einfach und relativ hands-on, wie man das so schon mal sagt, unser CTO ist da sehr erfahren drin und konnte demzufolge auch sehr schnell Lösungen umsetzen, und bis jetzt haben wir auch keine Performance-Probleme so richtig.
Klar, eine Objekt-Relation und eine Datenbank haben wir dahinter und wir laufen ja auch im Cloud-Dienst, das haben wir auch, und für die Algorithmiken, also für die Optimierung, nutzen wir Entweder, wenn man das heuristisch löst, lösen wir das in Java, das heißt, wir haben eine Schnittstelle zwischen PHP und Java und wir nutzen Optimierer, also mathematisches Optimierungsmodell, wenn man es dann als lineares Programm dann lösen möchte. Also doch einiges an Komplexität im Hintergrund. Mir ist klar, warum ihr doch einen langen Ausbildungsweg gegangen seid, bevor ihr so ein Produkt entwickeln konntet.
Vielen Dank. Ich würde den Blick gerne von eurem Produkt, also von dem Prachtpiloten, nochmal wieder auf dich richten in unserer abschließenden Blitzlichtrunde. Mir ist klar geworden, dass man, wenn man solche spezialen oder speziellen Branchen angehen will, dass man wahrscheinlich als eine der wesentlichen Grundvoraussetzungen sehr viel Einfüllungsvermögen braucht, aber mir ist auch klar geworden, dass man sehr viel technisches Hintergrundwissen braucht.
Warum bist du beruflich jetzt das geworden, was du heute bist? Sicherlich eine allumfassende Frage, die man vielleicht nicht so in der Kürze beantworten kann. Aber ich glaube, wenn man meinen Lebensweg nochmal reflektiert, dann gibt es auch einen Grund, warum ich so geworden bin. Auf der einen Seite in der Landwirtschaft groß geworden, zu Hause sicherlich auch emotional intensiv damit verbunden.
Das heißt, immer ein hohes Interesse gehabt. Auf der anderen Seite aber Technik und IT begeistert. Da treffen wir zwei Welten aufeinander.
Auf der einen Seite, wo man sieht, da ist noch wenig digitalisiert in der Landwirtschaft. Auf der anderen Seite hat man die Fähigkeit. Und wenn man dann noch ein bisschen den Forschergedanken mitbringt, den man auch nachher im Rahmen der Promotion ja entweder vorher hat oder spätestens da entwickelt, dass man Interesse hat, neue Lösungen zu schaffen, um wirklich ein Problem zu lösen.
Ich glaube, dann ist man irgendwann mal da, wo ich heute bin. Bestimmte Eigenschaften, die man genau für so ein Startup besonders gut brauchen kann? Klar, Leute, haben wir das schon. Die Ausbildung ist tatsächlich wichtig für uns.
Das heißt, Wirtschaftsinformatik zu studieren, kann ich nur jedem empfehlen. Ein Lehrstuhlinhaber spricht ja gerade mit mir. Von daher, der wird das wahrscheinlich auch unterschreiben.
Das heißt, die IT-Expertise sich anzueignen, ist ganz, ganz wichtig. Die Logistikkenntnisse sind auch fundamental. Und dann das zu man-Wissen zu haben, das in unserem Fall war sicherlich auch eine Riesenstärke.
Am Ende, wenn man sagt, ja, was macht man, wenn man wirklich ein Startup gründen will, dann ist auf der einen Seite natürlich auch viel Idealismus dabei, weil klar, wir haben jetzt eine Förderung gehabt von Exist, aber dass man jetzt riesige Geldmengen gerade anhäuft, das ist definitiv noch nicht. Und man wächst sozusagen sicherlich mit seinen Aufgaben, die man täglich neu hat im Bereich vom Startup. Also jeder Tag ist anders.
Und am Ende, was ich glaube, ist, man muss auch auf der einen Seite relativ viel Koordinationsgeschick haben, weil man immer relativ viele Probleme gleichzeitig lösen muss. Und auf der anderen Seite auch Einfühlsamkeit, also ein Vermögen, Leute zu verstehen, empathisch zu sein. Auf der einen Seite den Kunden, der sicherlich mit einem neuen Produkt immer hier oder da mal leicht unzufrieden ist, den muss man dann auch zufriedenstellen.
Auf der anderen Seite arbeitet man ja auch im Team zusammen. Und mittlerweile haben wir ja auch Mitarbeiter, Hilfskräfte. Und die muss man eben halt auch passend verstehen, die Probleme und die Zufolge dann auch irgendwie führen.
Du hast gerade gesagt, man wächst mit seinen Aufgaben. Mit den Aufgaben kommt das Wissen. Wie bildest du dich weiter, jetzt wo du sozusagen den Doktor hast und ein bisschen außerhalb der Universität dann auch stehst? Genau, ich würde lieber gerne mehr lesen im Sinne von Bücher.
Aber das erlaubt die Zeit wirklich gerade nicht. Klar, was ich mache, ich glaube, das macht fast jeder, ist Einschläge Internetseiten zu lesen, die neue Trends in der Technik aufzeigen als auch Trends beim Startup-Bereich oder auch in unserer Domäne von Landwirtschaft. Das sind eigentlich die Seiten, die man dann screent die ganze Zeit.
Und sicherlich auch, man hat ja viel Reisezeit auch mittlerweile zum Kunden, zu irgendwelchen Startups, Conventions. Und da ist ein Podcast sicherlich auch die Wahl der Dinge. Zum Beispiel dein Podcast höre ich natürlich sehr gerne.
Ansonsten Kassenzone von dem Alexander Graf. Immer eine sehr interessante Berichterstattung von unterschiedlichen Domänen. Auch von ihm, von Alexander Graf geleitet, die Le Windelix Show.
Oder Digital Kompakt, das sind so die einschlägigen Podcasts, die man in der Kunderszene, glaube ich, relativ schnell da auch bei den Podcast-Anbietern findet. Und die höre ich auch sehr gerne da. Okay, also ich hoffe, dass du natürlich am liebsten unseren Podcast hier hörst.
Aber ich freue mich, wenn ich auch die anderen Podcasts herzlich gerne bei uns in den Shownotes verlinken kann. Sie wissen ja, liebe Hörer, alle Dinge, die hier genannt werden, finden Sie auch immer in den Shownotes. Natürlich auch die Seite zum Frachtpiloten, zur Firma Flex Fleet Solutions, die wir dann entsprechend auch in den Shownotes verlinken.
Sebastian, wenn du ein bisschen den Blick Richtung technologische Entwicklung, also ERP-Umfeld, auf der einen Seite schaust, aber vielleicht auch in die Welt der landwirtschaftlichen Direktvermarktung schaust, wie wird sich das Umfeld in den nächsten zehn Jahren deiner Einschätzung nach verändern? Die landwirtschaftliche Direktvermarktung wird definitiv zunehmen. Das ist nicht nur meine Prognose, sondern das ist die Prognose aller aus den genannten Gründen, die ich vorhin angeführt hatte. Dahingehend ist einfach, dass da auch Digitalisierung notwendig ist.
Einfach, weil sonst die administrativen Hürden so hoch sind, dass es einfach nicht mehr zu bewerkstelligen ist. Von daher, Software-Systeme, die das unterstützen, sind definitiv gewünscht, gewollt und notwendig. Wenn ich mir ERP-Systeme angucke, wie zum Beispiel unser ERP-System, ist ganz wichtig, weil man eben mit Menschen arbeitet, die nicht jeden Tag oder kontinuierlich diese Systeme bedienen, dass sie eine hohe, einfache und intuitive Bedienung darlegen.
Das kriege ich auch jeden Tag schon von meinen Kunden mit. Was auch sicherlich eine Herausforderung ist, so ein ERP-System kann man nicht mehr als monolithisches System betrachten, das komplett geschlossen entwickelt wird. Es ist einfach notwendig, dass das ERP-System neue Services integrieren kann und auch damit umgehen kann.
AP-Schnittstellenprogrammierung, einfache Integration von anderen Service-Dienstleistungen, damit wir in den nächsten fünf Jahren definitiv auch zu kämpfen haben. Das heißt, euer System ist eigentlich auch eine Riesenchance, für die großen Lebensmittelvermarkter wegzukommen, von dem, was du auch letzte Woche angesprochen hattest, dass die mit Fax arbeiten, dass die eigentlich keine Stammdaten bekommen von dem Käsedirektvermarkter und so weiter und so fort, weil ihr eine digitale, standardisierte Basis auch für die Kleinen und Kleinstlandwirte bekommen oder liefern könnt. Genau, vollkommen richtig.
Da sind wir sogar jetzt im Gespräch mit einigen größeren Lebensmittelvermarktern, die sagen, der Landwirt kann uns aktuell noch nicht die ordentlichen Stammdaten liefern und genau das können wir dann mit unserem System über Schnittstellen, also edifact ist da das große Thema, dass wir sozusagen dann auch den Landwirt helfen, an die Supermärkte effizienter angeschlossen zu werden und mit den Supermärkten zu kollaborieren. Wenn du jetzt an Unternehmenssoftware im Allgemeinen denkst, ERP im Speziellen, vor welchen Herausforderungen steht, insbesondere ERP heute und zukünftig ganz besonders? Also ich glaube, wie ich schon gesagt hatte, auf der einen Seite so ein ERP-System, das wird mittlerweile oder das wird zunehmend auch von Menschen bedient werden, die das nicht im alltäglichen Einsatz machen. Das heißt, die intuitive Bedienung für jemanden, der sozusagen nur alle zwei Tage damit umgeht, muss einfach vorhanden sein.
Ansonsten wird dann irgendwann mal eine Aversion gegen so ein System auftreten und das bringt ja auch keinem was. Und ich glaube, diese riesen komplexen Systeme, wie es es ja so gab im Bereich ERP-Systeme, haben sicherlich ihre Daseinsberechtigung, aber insbesondere, wenn man jetzt auf die KMU schaut dieser Welt, braucht man das einfach auch nicht mehr und das ist einfach zu schwergewichtet, hat auch Nachteile im Bereich der Anpassung etc. Von daher so leichte Systeme, wie wir zum Beispiel eins mit dem Frachtpilot entwickelt haben, sind da auf dem Vormarsch und werden sicherlich sich in den nächsten Jahren auch zunehmend durchsetzen.
Es bleibt spannend. Wir werden das verfolgen. Wir werden dich auch gerne wieder in die Sendung holen.
Dr. Sebastian Terlunen, bevor ich dir jetzt das letzte Wort erteile, danke ich ganz ganz herzlich für deine Zeit, für den spannenden Einblick, wie auch die Digitalisierung zuschlägt in der Landwirtschaft und ich bin an dieser Stelle raus, nicht ohne Ihnen allen eine schöne Restwoche zu wünschen. Die letzten Worte, wie immer, gehören unserem Studiogast. Vielen Dank.
Ja, dann bleibt es mir an dieser Stelle auch nur, mich erst mal recht herzlich zu bedanken, lieber Axel, für die Chance, dass wir mit unserem Unternehmen Flexi Solutions und unserem Produkt Frachtpilot bei dir im Podcast sein durften. Ich fand es auch sehr spannend, mal die Perspektive der Digitalisierung in der Landwirtschaft ein bisschen zu beleuchten, im Bereich der Direktvermarktung. Und wenn es Leute gibt, die Lust auf unser Produkt haben, wahrscheinlich in den Shownotes oder ansonsten frachtpilot.de sehr gerne und so ein Startup hat sicherlich immer Herausforderungen im Bereich kooperationsstrategischer Natur, wie auch immer die ausgeartet sind oder gelagert sind, von daher einfach melden und ich glaube, danach freuen wir uns auf den Kontakt.