Digitaler Multikanal-Einzelhandel in Zeiten von Corona? Heute spreche ich mit dem Gründer der All-in-One-Lösung für Online-Handel Jan Griesel über Corona, E-Commerce aber natürlich vor allem über plentymarkets.
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Trnscript:
ERP-Podcast, Folge 120. On- und Offline-Kanäle mit ERP in Zeiten von Corona. Ein Interview mit dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Plenty Systems AG, Jan Griesel.
Digitaler Multikanal Einzelhandel in Zeiten von Corona? Heute spreche ich mit dem Gründer der All-in-One-Lösung für Onlinehandel, Jan Griesel, über Corona, E-Commerce, aber natürlich vor allem über Plenty Markets. Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Herzlich willkommen zu einer neuen Episode.
Corona hat uns nach wie vor alle voll im Griff. An einigen Stellen der Wirtschaft steht alles still. Ich denke gerade in den stationären Bereich, auch Einzelhandel insbesondere hinein, Gastronomie.
Andere Teile haben jetzt mal wieder etwas Luft. Nicht unendlich, aber doch etwas Luft. Also gerade aus dem ERP-Bereich erreichen mich jetzt die ein oder andere Nachricht, dass man auch mal wieder bei Projekten hinterherhakt etc.
pp. Wer nicht aus dem ERP-Bereich ist, wer jetzt darüber nachdenkt, ein ERP-System einzuführen, es könnte, auch wenn ein bisschen Nebel noch überall ist, eine interessante Zeit sein, weil Ressourcen entsprechend wieder frei werden. Ja, und andere Teile sind nach wie vor hochaktiv.
Mein Gesprächspartner heute ist, glaube ich, auch hochaktiv. Wir werden ein bisschen reden über Cloud. Wir werden ein bisschen reden über On- und Offline, gerade im E-Commerce in Zeiten von Corona.
Ich freue mich, dass wir heute im Gespräch haben Jan Griesel. Er ist der Gründer und CEO von Plenty Markets. Was das ist, was das für ein ERP-System ist, das wird er uns sicherlich gleich alles selber sagen.
Herzlich willkommen hier bei uns im ERP-Podcast. Herzlich willkommen, Jan Griesel. Ja, vielen Dank für die Einladung virtuell.
Freut mich sehr. Ja, wir sind ganz virenfrei unterwegs, beide von unseren Monitoren aus. Vielleicht mögen Sie erst mal sagen, wer ist der Mensch Jan Griesel? Ja, also ich habe quasi ganz klassisch gegründet.
Ich habe Informatik studiert. Ich habe ein Unternehmen aus der Traufe gehoben, weil ich neben dem Informatikstudium etwas suchte, was mich ein bisschen von der Theorie abgehalten hat, ein bisschen Praxisbezug zu bekommen quasi. Und da bin ich auf den Online-Handel gestoßen und mit dieser Idee habe ich dann später ein Unternehmen gegründet, wo dann das Produkt Plenty Markets auch entstanden ist mit dem starken Fokus, Händlern auf möglichst viele unterschiedliche Vertriebskanäle zu heben und die dann zu kombinieren, mindestens mal mit einem Webshop, aber dann eben mittlerweile auch mit dem stationären Handel, sodass wir eben die stationäre als auch die online, die digitale Welt miteinander verknüpfen können und dafür Lösungen anbieten.
Das jetzt schon, also gegründet 2006, also schon ein paar Jahre. Mittlerweile haben wir das Geschäft auch verstanden, glaube ich. Okay, das ist spannend.
Ich erlebe ganz viele Gründungen einerseits aus der Wirtschaftsinformatik. Ich glaube in Kassel, Sie haben an der Universität Kassel studiert, ist Informatik und Wirtschaftsinformatik sehr eng zusammen. Ich glaube, die Fakultäten sind sehr eng zusammen, wenn ich es richtig im Kopf habe.
Und Sie haben dann selber im Online-Bereich, waren Sie selber aktiv, bevor Sie gegründet haben oder haben Sie einfach die Notwendigkeit gesehen? Es war eine Projektarbeit, parallel zur Universität, zum Studium, wo ich einen Online-Händler begleitet habe, der damals schon, das waren Kamera und Handy-Akkus, auf Ebay verkauft hat. Und der wollte dann plötzlich einen Online-Shop haben und suchte dafür einfach Entwicklungskapazitäten. Das war einfach eine wunderbare Spielwiese, überhaupt erstmal Berührung mit einmal der echten Wirtschaft, mit dem echten Handel zu bekommen und dann auch zu verstehen, wie diese Geschäftsprozesse überhaupt funktionieren.
Und so hat man sich dann Stück für Stück herangearbeitet in diesem Projekt, was dann über mehrere Jahre lief. Und daraus ist dann eben auch die Idee entstanden, warum sollte das nicht nur ein Projekt für einen sein? Daraus könnte man ein allgemeingültig konfigurierbares Produkt doch entstehen lassen. Und das war so die initiale Idee, die ist dann so gereift 2004, 2005, sodass dann eben 2006 dann auch die Gründung quasi entstanden ist daraus, aus dieser Idee.
Okay. Ich glaube, die Idee hatten viele. Also ich bin ja auch selber so ein Kind der New Economy.
Auch wir hatten damals einen ersten Internet-Shop, schon auf XSLT-Basis um die Jahrtausendwende. Mögen Sie so ein bisschen sagen, was Plenty Markets darstellt? Was Sie an Produkt für den E-Commerce, aber vielleicht auch für die Offline-Welt darstellen? Ich glaube, der wesentliche Unterschied war, dass der Fokus nicht von Anfang an nur auf dem Thema Online-Shop als solches oder nur das Thema Fulfillment lag, sondern eben die Kombination verschiedener Disziplinen mit eben ganz stark dem Fokus auch eben diesen Mehrkanal-Handel abbilden zu können. Weil das war schon sehr früh für mich erkennbar, dass die Kombination aus verschiedenen Vertriebskanälen ein sehr schnelles Wachstum, eine sehr schnelle Marktdurchdringung für Händler ermöglicht, als auch, dass das gleichermaßen auch ein großes Problem ist.
Das heißt, wenn man auf mehreren Kanälen unterwegs ist, dann hat man Schnittstellenbedarf. Man muss einen zentralen Warenbestand führen. Man muss unterschiedliche Kanäle miteinander abgleichen.
Man muss dann trotzdem wieder zentral eine Auftragsabwicklung haben. Man muss zentral doch wieder Versandprozesse steuern können. Und dieses Zusammenführen verschiedener Kanäle, vielleicht auch verschiedener Fulfillment-Dienstleister oder verschiedener eigenen Lager, dieses Zusammenführen dieser verschiedenen Endpunkte, das war das Reizvolle und ist gleichzeitig auch das Herausfordernde, wo anfangs bei vielen der Fokus noch nicht so drauf lag.
Da war es eher das Thema, man hat sich fokussiert auf, wir machen jetzt ein CMS, wir binden da noch einen Shop an, wir werden in diesem Umfeld sehr stark. Und man hat diesen Marktplatztrend, glaube ich, häufig sehr spät erst erkannt. Das heißt, Sie bieten eigentlich ein ERP-System an, spezifisch zugeschnitten auf E-Commerce, aber mit vielen Funktionalitäten rechts und links.
Ist das richtig? Das ist richtig. Also der Kern ist natürlich ein PIM-System, das heißt ein Katalogsystem, um sehr tief Artikeldaten zu pflegen, die dann natürlich für die verschiedenen Channels genutzt werden. Das heißt auch die Übertragung, also das Mapping der eigenen Daten auf die Channel-Daten, das ist ein ganz wichtiges Thema, aber eben dann natürlich auch After-Sales-Prozesse und Lagerprozesse, das heißt Warenvereinnahmen, Umbuchen, Warenversenden über verschiedene Frachtführer, Vollfilmentdienstleister, das ist integriert.
Das heißt, da ist links und rechts über die Jahre sehr viel an Funktionalität entstanden. Und was jetzt immer auch stärker wird, gerade bei den größeren Accounts, dass schon bestehende ERP-Lösungen im Haus sind und man dort dann als Middleware eingesetzt wird, vorrangig für den Bereich des Mehrkanalhandels, dass man eben so eine Subunit E-Commerce aufsetzt, die dann vielleicht zwar als eigener Mandant auf dem Haupt-ERP läuft, aber man dann eine eigene Welt schafft, die E-Commerce-Welt, und die dann eben vollständig über uns abgebildet wird. Ich nehme mal ein Beispiel.
Wir haben die Folge ja jetzt on und offline in Zeiten von Corona so ein bisschen übertitelt. Ich bin, sagen wir mal, stationärer Einzelhändler, Produktirrelevant. Jetzt fällt mir relativ viel Geschäft zur Zeit weg, wenn nicht 100 Prozent des Geschäftes.
Wie hilft mir Plenty Markets? Was kann ich tun? Wie kann ich ihre Software nutzen? Natürlich ist es jetzt eine absolute Sondersituation, gerade wenn Händler einen Großteil ihres Umsatzes oder 100 Prozent ihres Umsatzes verloren haben. Dann ist es natürlich umso schwerer, mal eben so jetzt mit seinem Portfolio online zu gehen. Im klassischen Bereich, wenn man etwas Zeit hat, dann kann man das ganz ordentlich und solide planen.
Das heißt, man beschäftigt sich damit, wo die eigenen Produkte online am besten zu positionieren sind. Man überlegt sich Marketing-Konzepte und man plant und realisiert dann das Projekt. In der aktuellen Phase, da müssen wir dann doch hier und da überhastet helfen, dass das Produkt, also Plenty Markets, als Cloud-Version schnell konfiguriert und eingesetzt werden kann.
Wir bieten da aktuell ein, wir nennen das Classic Deal, also ein Paket, mit dem man direkt auch die Systemeinrichtungen integriert hat, um möglichst schnell binnen Tagen starten zu können, mit einer grundlegend ausgestatteten beziehungsweise eingerichteten Version, um dann sich zu fokussieren auf den Marktplatzhandel. Das Thema Shop können wir ebenfalls sehr kurzfristig abbilden über den integrierten Seriesshop. Allerdings ist momentan die Nachfrage nach Marktplätzen gerade sehr groß, weil man sich davon verspricht, auch ohne Layout und tolle Gestaltung einfach sehr schnell Umsatz machen zu können, was häufig auch funktioniert.
Jedenfalls außerhalb der Situation, die wir bei Amazon gerade haben. Das ist gerade etwas schwierig, wenn man dort den eigenen Versand nutzen möchte. Aber der ist ja gerade etwas eingeschränkt möglich.
Aber darüber hinaus sehen wir ein extremes Wachstum, mindestens mal auf dem Niveau vom letzten Weihnachtsgeschäft, aber sehr ungleichmäßig verteilt. Ja, das ist auch etwas, was ich aus dem Lebensmitteleinzelhandel erfahren habe. Dort sollen die Zahlen deutlich plus 100 Prozent zu dem eigentlichen Geschäft sein.
Okay, jetzt entscheide ich mich dafür, ihr System zu nutzen. Sie haben gesagt, es ist ein Cloud-System. Das heißt, ich kann das von überall her nutzen.
Ich habe verschiedenste Funktionalitäten, die dieses System mir bietet. Ich kann also dort meine Produkte anbieten und zwar über mehr als 40 internationale Verkaufsplattformen. Wenn ich das auf Ihrer Webseite richtig gesehen habe, wie einfach, wie kompliziert ist das für mich? Nicht jeder, der jetzt neu einsteigt in die Online-Welt, ist ja sofort in der Lage, alles zu durchdringen, was Profis in vielen Jahren sich erarbeitet haben.
Ja, das ist eine sehr gute Frage, weil natürlich eine gewisse Komplexität ist vorhanden. Also generell Online-Handel zu betreiben für jemanden, der bisher noch keine Berührungspunkte damit hat, das ist natürlich eine Hürde. Wir versuchen, diese Hürde so gering als möglich zu halten, indem wir mit Doku-Videos, Online-Schulungen, Webinaren und so weiter stark unterstützen.
Auch durch Einrichtungsassistenten, die wir im System verankert haben, helfen, die Grundeinrichtung des Systems so schnell als möglich zu meistern. Aber es fängt dann halt schon ganz, ganz früh an. Also wenn man eben noch nicht online war, dann muss man sich erstmal darum kümmern, seinen Artikel-Stamm-Daten-Katalog zu digitalisieren, sich um Bilder zu kümmern.
Also die absoluten Grundlagen sind dann teilweise noch nicht vorhanden. Und das ist dann erstmal mit Fleißarbeit verbunden. Aber die Provisionierung des Systems, also die Einrichtung, das ist schnell möglich, wenn man ein gewisses technisches Grundverständnis hat.
Und ansonsten sollte man dann zugreifen auf Agenturen oder auf uns selbst, also auf Profis, die bei der Einrichtung des Systems helfen, damit man eben in weniger Zeit, also in wenigen Tagen verkaufsfähig ist und beginnen kann, die Ausfälle im stationären Bereich aufzufangen durch Online-Umsätze. Vielleicht sei an dieser Stelle auch nochmal erwähnt, dass das Bundesministerium für Wirtschaft mit dem Förderprogramm Go Digital vielen, vielen Unternehmen bereits geholfen hat, digital sich aufstellen zu können, also externe Hilfe in Anspruch zu nehmen und dass entsprechende Fördermodelle jetzt auch gerade aufgelegt sind, beispielsweise für das Einrichten von Homeoffice-Arbeitsplätzen oder eben digitale Geschäftsmodelle parallel zu stationären Geschäftsmodellen aufzubauen. Vielleicht können wir noch ein bisschen über Sie reden, über Ihr ERP-System.
Seit 2006 entwickeln Sie oder seit 2004 entwickeln Sie, seit 2006 sind Sie schon auf dem Markt. Wie groß ist das Ganze? Wie groß ist Ihr Unternehmen mittlerweile? Und wie viele Nutzer hat das System? Dann bringe ich doch da mal einige Kennzahlen. Also wir sind mittlerweile an drei Standorten aktiv.
Der Hauptstandort ist hier in Deutschland in Kassel mit etwas über 165 Mitarbeitern. Dann haben wir einen reinen Vertriebsstandort für den englischsprachigen Bereich in Lampen. Da geht es um UK als solches, um die Benelux-Staaten.
Teilweise bilden wir auch Polen über diesen Standort ab. Da läuft die Internationalisierung. Wir haben einen Entwicklungsstandort in Timișoara in Rumänien mit etwas über 40 Mitarbeitern aktuell, um einfach die Entwicklungskapazitäten, die uns hier vor Ort fehlen, ausgleichen zu können.
Das ist ein sehr spannender Standort für Universitäten im Bereich Informatik mit einem sehr hohen Level. Eine davon ist auch Partner-Uni zur TU München. Das heißt, da haben wir Zugriff auf gute Ressourcen.
Von der Kundenstruktur her sind wir sehr breit aufgestellt. Das Produkt ist so angelegt, dass man sowohl den Newcomer, also der quasi vom stationär in online wechselt, begleiten kann, bis hin zu KMUs und Konzerne in unserem Enterprise-Produkt. Von den aktiven Usern, die sich jeden Tag auf unsere Plattform einloggen, sind wir ungefähr bei 45.000 Mitarbeitern, quasi unserer Händler, die aktiv das System im Einsatz haben.
Wir sind, was den GmbH, also den Außenhandelsumsatz angeht, unsere Kunden bei über 5 Milliarden im letzten Jahr, also knapp 5,4. Da hat man eine Vorstellung, über welche Dimensionen wir aktuell reden. Dieses Jahr hat grundsätzlich gut gestartet, aber jetzt haben wir eben diesen Sondereffekt, der einfach künstlich die Umsätze nach oben treibt, sodass wir Händler haben, die den dreifachen Umsatz machen, und andere leider nur 20, 30 Prozent.
Es ist eben sehr stark davon abhängig, in welchen Produktkategorien man aktuell unterwegs ist. Danke für diese Offenheit. Ich denke, das zeigt auch so ein bisschen, dass nur weil es eine Webseite ist, in Anführungszeichen, hier auch enorme Potenziale dahinter stehen, sowohl im Bereich von E-Commerce als eben auch bei einem ERP-System.
Ich nehme das bei einigen ERP-Systemen, die mittlerweile oder von Anfang an Cloud-Systeme sind, wahr, dass die unheimlich viel Nachfrage von Seiten gerade auch mittelständischer Kunden haben, dass sehr, sehr viele Mittelständler heute, ich sage mal, ihre anfängliche Zurückhaltung, die wir vielleicht noch vor zehn Jahren, vor fünf Jahren gehabt haben, was Cloud-Software angeht, über Bord geworfen haben und jetzt sich viele auch für solche Systeme entscheiden. Das nehmen Sie wahrscheinlich auch so wahr, oder? Ja, das ist total interessant. Wir sind im Sommer 2015 gewechselt von einer eigenen Cluster-Umgebung hin in die Public Cloud zu dem weltweit größten Anbieter für Public Cloud-Services, Amazon Web Services, AWS, am Standort in Frankfurt und einigen ausländischen Standorten, zum Beispiel Irland.
Und in der Zeit, also es ist jetzt ja auch schon fast fünf Jahre her, war es tatsächlich zu erklären, warum man denn diesen Schritt denn jetzt gegangen ist. Und mittlerweile wird es gefordert. Das heißt, da ist die letzten drei Jahre auf jeden Fall ein sehr großer Mannschaft hat dort stattgefunden.
Anfangs musste man noch mit Sondervereinbarungen arbeiten. Mittlerweile ist es auch im Konzernumfeld, im KMU-Umfeld, bei den Mittelständlern kein Thema mehr. Es wird gefordert, Cloud-Lösungen anzubieten.
Man hat verstanden, was autoskalierende Systeme bedeuten. Man hat verstanden, wie Datenschutz funktioniert, wie Sicherheit funktioniert und hat da einfach in den letzten Jahren sehr hohes Maß an Vertrauen und auch Fachwissen aufgebaut. Das ist etwas, was ich auch von anderen Cloud-Anbietern sehr stark mitbekommen habe.
Also beispielsweise, um jetzt mal in den Folgen zu referenzieren, Folge 113 habe ich mich mit dem Europa-Chef von Sage unterhalten, über die neue Strategie von Sage, die auch ganz klar Richtung Cloud geht. Ich habe mich, jetzt muss ich selber springen in meinen Folgen, natürlich auch mit Microsoft mal unterhalten, beispielsweise Folge 44. Auch die Firma WeClap ist hier ganz klar in diese Richtung gegangen.
Ich suche mal eben. Ne, ich finde es so schnell nicht. Es sind einfach zu viele Folgen.
Doch Folge 43, wo ich mich mit dem Gründer von WeClap auch darüber unterhalten habe. Also ich glaube, das ist eine Grundtendenz, die wir haben. Weg aus der eigenen Infrastruktur hin in die zentrale Infrastruktur.
Sie sagen es ja selber auch, Sie sind sogar weg von einer eigenen Infrastruktur hin zu einer noch zentraleren Infrastruktur für Ihre Software. Aus Interesse, die Software, die Sie entwickeln, ist es eine Multitenant-Software. Das heißt, alle Ihre Anwendungsunternehmen arbeiten auf derselben Software-Instanz.
Oder ist das etwas, wo jedes Anwendungsunternehmen sozusagen seine eigene Software betreibt? Hinter den Kulissen. Sehr gute Frage. Das hängt nämlich tatsächlich von dem Tarif ab.
Das heißt, wir haben mittlerweile beide Welten, die wir bedienen können. Der Standardfall ist die Multitenant-Umgebung. Das heißt, in allen Tarifen mit SaaS-Geschäftsmodell, da haben wir eine Multitenant-Plattform, die jeweils autoskalierend aufgesetzt ist.
Das heißt, wir haben verschiedene Metriken, wo wir erkennen, wann zu welchem Zeitpunkt also mehr Server-Ressourcen gebootet werden müssen. Also wann quasi mehr Traffic oder mehr Last auf dem System ist, sodass auch mehr Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden muss, um diese schnell und zügig abarbeiten zu können. Und daneben gibt es das Produkt Enterprise.
Das ist ein reines Platform-as-a-Service-Produkt. Das heißt, dort wird eine eigene Cloud-Umgebung, also quasi eigene Server-Infrastruktur, explizit, also dediziert für eine Installation bereitgestellt. Und das haben wir angeboten für die Unternehmen, die entweder extrem dynamisch wachsen oder die einfach genau diesen Wunsch haben, dass sie nicht in einer Multitenant-Umgebung sein möchten.
Eine Multitenant-Umgebung hat den Vorteil, dass man sehr kosteneffizient arbeiten kann. Das heißt, man kann auch sehr kostengünstige Produktpreise realisieren. Eine eigene Umgebung hat dann wiederum den Vorteil, dass man wesentlich expliziter auf den Bedarf zugeschnitten arbeiten kann.
Das heißt, wenn man weiß, zu einem bestimmten Zeitpunkt ist eine große Aktion, vielleicht sogar Fernsehwerbung oder Ähnliches geplant, dann kann man sich auf diesen Zeitpunkt entsprechend vorbereiten und kann in der Minute, in der Stunde etc. dann auch entsprechende Kapazitäten vorhalten für einen zu erwartenden Leistungspeak. Also wenn jetzt plötzlich statt sonst 2.000 plötzlich 10.000, 20.000, 30.000 Leute auf der Plattform sind, also im Shop sind zum Beispiel, dann hat das natürlich eine Auswirkung auf die dahinterliegende Serverkapazität, die bereitgestellt werden muss, damit das flüssig läuft.
Und das ist in der PaaS-Umgebung im direkten Dialog mit dem Marketing oder mit der Marketingunit des Händlers dann einfacher möglich. Okay, Sie haben eben das Thema Preis schon mal angetippt. Da frage ich direkt nach, wo wir preislich liegen.
PaaS, haben Sie jetzt mehrfach in den Mund genommen, Platform as a Service, was verstehen Sie darunter, wie wirkt sich das dann auch auf den Preis aus? Also bei dem SaaS-Geschäftsmodell, das geht dann los bei Plenty Markets Basic über das Produkt Classic hin zu Flex und Plus. Da haben wir ein Geschäftsmodell, was sich zusammensetzt aus einer Grundgebühr und dann haben wir als skalierenden Faktor eine Abhängigkeit zu der Anzahl der Bestellungen, also der Verkäufe, die jeden Monat über das System abgewickelt werden. Das wird dann monatlich gemessen und entsprechend fakturiert.
Das geht dann beim ganz kleinen, bei dem kleinsten Produkt Basic dann schon bei 39 Euro Grundgebühr los, über das Classic von 120 Euro, bei dem Flex 2,49 und Plus entsprechend, weil da auch noch mehr Services drin sind, ist es höher angesiedelt. Bei dem Produkt Enterprise, da ist das Geschäftsmodell anders, dahingehend, dass die Software als solches fakturiert wird. Das heißt, da gibt es einen Betrag pro Jahr für die Softwarenutzung.
Die ist unterschiedlich, je nachdem, wie viele Vertriebskanäle man nutzt und man hat separat davon das Thema der Bereitstellung. Also wenn man eine größere Cloud betreiben möchte, dann sind das mehr Kosten als bei einer kleineren oder mittleren. Und das unterscheidet sich eben im Wesentlichen von den SaaS-Modellen, weil es bei dem PaaS-Produkt dann eben nicht diese Skalierung über die Anzahl der Transaktionen, also Bestellungen geht, sondern da geht es faktisch nur um die, sagen wir mal, physischen Dinge, die man sich einkauft.
Man kauft sich die Software ein mit zehn Vertriebskanälen oder 20 oder 100 und man kauft sich eben die Infrastruktur dazu ein. Bei dem SaaS-Produkt, da hat man von vornherein quasi alles im Zugriff und je nach Verwendung wird dann monatlich geschaut, wie hoch der Rechnungsbetrag ausfällt. Das ist ein faires, einfaches Modell.
Und wenn man eben das Thema PaaS adressiert, da ist es auch sehr gut kalkulierbar, sogar noch besser kalkulierbar, weil es unabhängig vom persönlichen Erfolg fakturiert wird. Und man hat eben das Thema der Planbarkeit bezogen auf die Ressourcen, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt hat, was man eben im SaaS-Umfeld so nicht hat. Da ist es ein vollautomatisiertes System, was eigenständig entscheidet, wann mehr oder weniger Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen.
Ich habe vor einiger Zeit mit einem ERP-Hersteller, ich sage mal aus der alten Welt, telefoniert und dann haben wir uns auch über Preise von Multitenant-Systemen unterhalten. 39 Euro, das mag für den einen oder anderen kleineren Mittelständler nach viel Geld klingen, aber wenn ich mir dann andere Systeme anschaue, dann ist das im Vergleich, und ich kenne ja auch den Aufwand der Entwicklung dahinter, eine relativ kleine Summe. Und den, mit dem ich sprach, der sagte, ja, bei dem Geld, da kann man doch eigentlich kein Geld mit verdienen.
Ich glaube, Sie beweisen das Gegenteil, oder? Wir beweisen das Gegenteil, aber es funktioniert natürlich auch nur deswegen, weil wir uns aus verschiedenen Kunden-Zielgruppen bedienen können. Das heißt, wenn wir ausschließlich ganz kleine Kunden bedienen würden, wäre es tatsächlich schwieriger. Das heißt, die Margin-Situation im kleinen Tarifbereich ist wesentlich enger.
Die wird dann etwas besser, aber wir sind tatsächlich im Geschäftsmodell und im Pricing sind wir eher im Verhältnis günstig. Das heißt, wir betrachten das so, dass es zwei Welten gibt. Es gibt halt die Händler, die als Quereinsteiger gestartet sind, die im Vorfeld kein großes Unternehmen geführt haben, wo für sehr viel Geld große ERP-Projekte gestartet wurden.
Das heißt, die haben nicht das Gefühl, was diese Leistung eigentlich wert ist. Und da ist man sehr preissensitiv. Und über die Jahre, wo das System auch sukzessive ausgebaut wurde für größere Händler, das heißt auch für KMUs und Konzerne, da bewegen wir uns natürlich auch im Wettbewerb zu ganz anderen Lösungen.
Und dort wird unser Produkt dann als sehr kostengünstig wahrgenommen oder zumindest mal als kostengünstig wahrgenommen. Das hängt also immer davon ab, wen man fragt. Den stationären Händler, der kann das dann eventuell anders einschätzen oder für ihn stellt das erstmal ein anderer Wert dar, weil vielleicht vergleicht er das nur mit dem Preis seiner Kasse, sieht aber nicht vielleicht im ersten Schritt, welches Potenzial dahintersteckt, weil man ja durch den Online-Handel natürlich nicht gebunden ist auf seine Region, sondern kann eben ein wesentlich höheres Umsatzpotenzial heben.
Von daher, ja, es ist immer wieder aufwendig, eine Marge zu generieren in diesem kleinteiligen Bereich. Deswegen ist es auch so wichtig, größere Händler anzusprechen. Also sehr, sehr spannend.
Sowohl kleine als auch größere Händler, die Sie adressieren. Ich habe mich zwischendurch mal so ein bisschen durchgeklickt, auch funktional. Ich kenne das System ja auch von diversen Präsentationen.
Und Sie stehen hier in Deutschland ja auch sehr, sehr gut da mit dem System letzten Endes. Ich gucke ein bisschen auf die Uhr. Wir haben so ein bisschen die magische Schwelle von 30 Minuten wieder erreicht.
Es macht richtig Spaß, mit Ihnen über Ihr System zu plaudern. Ich möchte Sie gerne nächste Woche nochmal wieder einladen in eine zweite Runde zu dem Thema, weil ich ganz, ganz viele Themen hier noch auf dem Zettel habe. Ich möchte vor allen Dingen auch nochmal sprechen darüber, was alles letztes Jahr bei Ihnen passiert ist, denn ich glaube, das war ein ganz, ganz bedeutendes und spannendes Jahr für Ihr Unternehmen.
Ich möchte gerne noch ein bisschen über die Technik in das System sprechen. Darf ich Sie nächste Woche nochmal wieder hier in den Podcast einladen zu einem zweiten Teil dieser Episode, Herr Grissel? Ja, Herr Winkelmann, sehr gerne. Hat mir auch bisher sehr viel Spaß gemacht.
Und dann hören wir uns nächste Woche sehr gerne wieder. Vielen Dank. Vielen Dank.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.