Wie lassen sich zentrale ERP-Installationen mit weltweit verteilten Standorten verknüpfen? Wie können globale Prozesse vereinheitlicht und verbessert werden? OctoCon ist spezialisiert auf die Entwicklung unternehmensweiter Prozessstandards auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central, ehemals NAV. Mit dem Gründer und CEO spreche ich über das auch als Navision bekannte ERP-System, die Entwicklung des ERP-Marktes und insbesondere bei Microsoft und wie sich Hub & Spoke-Architekturen zum Nutzen des Unternehmens aufbauen lassen.
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 122. Hub & Spoke mit Microsoft Dynamics 365 Business Central. Ein Interview mit Frank Mayer, Gründer und CEO der Octocon AG.
Wie lassen sich zentrale ERP-Installationen mit weltweit verteilten Standorten verknüpfen? Wie können globale Prozesse vereinheitlicht und verbessert werden? Octocon ist spezialisiert auf die Entwicklung unternehmensweiter Prozessstandards auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central, ehemals NAV. Mit dem Gründer und CEO spreche ich über das ehemals als Navision bekannte ERP-System, die Entwicklung des ERP-Marktes und insbesondere über Microsoft und wie sich Hub & Spoke Architekturen zum Nutzen des Unternehmens aufbauen lassen. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast, wieder eine neue Episode. Wir sind immer noch so ein bisschen im Corona-Zeitalter.
Dem Podcast kommt es sehr entgegen, weil viele Geschäftsführer für mich Zeit haben, gerade schwer beschäftigte Geschäftsführer. Ich glaube, ich habe heute wieder so einen in der Leitung. Wir kennen uns persönlich noch nicht, aber wir haben uns sehr, sehr nett im Vorgespräch unterhalten.
Und wir werden heute mal in die weite Welt gehen, virtuell sozusagen. Das Thema ist Hub & Spoke. Also wie kann ich größere Projekte, internationale Projekte auf Basis von Microsoft-Technologie, auf Basis von, die alte Welt würde jetzt sagen Microsoft-Navision, neue Welt würde sagen Microsoft-Business Central aufsetzen.
Ich freue mich, dass ich den Gründer und Geschäftsführer der Octocon AG, Frank Meier, im Gespräch habe. Herzlich willkommen bei uns hier im ERP-Podcast, Herr Meier. Ja, guten Tag und ich freue mich auch, dass ich bei Ihnen sein darf.
Fangen wir direkt mit Ihnen an. Wer ist der Mensch Frank Meier? Frank Meier ist eigentlich momentan jemand, der ganz, ganz viel Zeit zu Hause verbringt. Der jetzt gerade wesentlich mehr Zeit in seinen Garten investiert, als er normalerweise macht.
Ich bin ein Landei, bin das auch gerne. Ich lebe auf der Schwäbischen Alb. Man hört es, ich kann es nicht vermeiden.
Ich versuche seit vielen, vielen Jahren erfolglos akzentfreies Hochdeutsch zu reden. Aber ich sage mir, berühmte Leute haben das auch nicht hinbekommen. Okay, dann muss ich mich vielleicht auch nicht komplett anstrengen.
Des Weiteren würde ich gerne Golf spielen. Darf ich leider momentan nicht. Und ansonsten die Freizeitaktivitäten von mir.
Die haben alle ein bisschen was mit Sport zu tun. Skifahren, Radfahren, Laufen. Das ist Frank Meier, der Privatmensch.
Außerdem habe ich natürlich noch eine nette Familie, eine nette Frau und zwei interessante Töchter in einem interessanten Alter, Teenager-Alters, hochinteressant. Und gerade jetzt ist es teilweise sehr, sehr witzig, die Zeit miteinander zu verbringen. Ja, also ich nehme an, Sie sind viel virtuell unterwegs.
Ich nehme an, Sie sind viel auf Basis von Microsoft-Infrastruktur unterwegs. Sie sind selber Gründer, Sie sind groß geworden mit Microsoft-Technologie. Sie haben die Octocon AG gegründet.
Vielleicht mögen Sie ein paar Sätze sagen zu dem, was Sie neben Ihrem Familienleben, den Hauptteil des Tages, so tun. Genau, also wir haben 1998 die Octocon AG gegründet. Mit Microsoft-Produkten, das ist richtig.
Zu der Zeit gab es ein Tool, das nannte sich Navision. Das war noch kein Microsoft-Tool, das war eine dänische Firma. Und warum haben wir das Tool genommen? Das war zu der Zeit, was wir in der Recherche gefunden haben, das einzige Tool, das schon bestimmte Elemente vorgegeben hat.
Das heißt, ich musste mir nicht jedes Mal Gedanken machen, wie spreche ich eine Tabelle an, wie steuere ich eine Maske an und so weiter. Sondern dieses Teil hat unseren Fokus auf wirklich das Wesentliche gelenkt, nämlich die Prozesse hinter einem System. Und aus diesem Grund haben wir dieses System dann dazu genommen.
Weiterhin war das auch so ein kleiner Faible von mir. Ich wollte gerne reisen und ein bisschen weiterreisen, nicht nur innerhalb von Deutschland. Aus diesem Grund haben wir gesagt, hey, internationale Projekte wären eigentlich ganz interessant.
Das war wirklich der Grund, dass wir gesagt haben, wir versuchen internationale Projekte für unsere Firma zu gewinnen. Und das haben wir dann gemacht, indem wir dann wirklich ganz gezielt versucht haben, größere Projekte zu akquirieren. Und die Kunden haben das dann auch so wahrgenommen und haben gesagt, okay, ihr seid jetzt über die Jahre eine Firma, die größere internationale Projekte macht.
Und durch das konnte ich mir dann den Wunsch erfüllen, wirklich viel in der Welt herumzureisen. Das ist unglaublich spannend, weil aus mehreren Gründen ist das unglaublich spannend. Einerseits, Sie sind, glaube ich, gar nicht so eine große Mannschaft.
Sie sind 20, 30 Mitarbeiter, wenn ich das richtig habe? Genau, momentan sind wir so knapp 25 Festangestellte. Wir haben noch fast 10 Freelancer bei uns. Aber für unsere Größe ist es eigentlich ein relativ ungewöhnliches Betätigungsfeld.
Das sehe ich auch so. Das ist das zweite Spannende, Sie sind einer der Microsoft Partner, die sehr stark auf diese internationale Schiene setzen. Also große Projekte, weltweite Projekte.
Die meisten Microsoft-Beratungsunternehmen, so wie ich sie wahrnehme, sind ja dann doch eher im nationalen Mittelstand zu finden. Das ist richtig. Wir sind aus dem Grund auch in diese internationale Schiene gegangen, weil wir gesagt haben, wir wollen eigentlich auch eine Konstanz in den Projekten haben.
Es widerspricht einfach meinem persönlichen Naturell, dass ich immer wieder neue Projekte akquirieren muss. Ich bin nicht der Mensch, der immer wieder gut neue Kunden gewinnen kann. Ich möchte gerne eine langfristige Partnerschaft haben in den Projekten.
In großen Projekten ist das so. Ich wüsste jetzt keinen, der irgendwann mal gesagt hat in der Zeit, okay, ich möchte jetzt nicht mehr mit euch arbeiten. Wir haben unsere Kunden, also wenn wir die einmal haben, dann haben wir die sehr, sehr lange.
Das ist eine, finde ich, richtig interessante Sache, weil wir begleiten die Kunden teilweise wie ein Unternehmen. Die haben angefangen, mit uns zu arbeiten, mit einer Unternehmensgröße von 50 Mitarbeitern und haben jetzt heute 600, 800 Mitarbeiter. Es ist sehr interessant, diese Kunden über die lange Zeit zu begleiten.
So kam das einfach. Es hilft uns, vielleicht, wenn ich das auch noch ausführen darf, es hilft uns heute auch, gerade in der Krise, dass wir diese Art von Projekten haben. Viele, viele andere Firmen um uns herum, nicht nur IT-Firmen, haben momentan mit sehr, sehr vielen Problemen zu kämpfen.
Wir haben eigentlich immer noch mit dem Problem zu kämpfen, wie können wir alle Aufträge erfüllen, die auf uns zukommen. Das liegt daran, dass wir große Kunden haben, bei denen, die können nicht von heute auf morgen sämtliche Sachen auf null zurückfahren, würden sie auch nicht tun. Und so sind wir eigentlich immer noch ganz gut beschäftigt.
Ja, ich denke, da kommen wir gleich auch nochmal zu sprechen. Ich spreche ja gerade mit sehr, sehr vielen IT-Unternehmern oder auch ERP-Unternehmern natürlich in der Krise. Und das Credo scheint mir doch relativ ähnlich zu sein.
Vielleicht greifen wir das gleich nochmal auf. Also, Sie haben sich auf Microsoft spezialisiert, Sie sind international, klein aber fein, wie man so schön sagt. Und das dritte Interessante, was ich in Ihren Worten gesehen habe, Sie sind ja schon 1998 gestartet.
Also das war ja eine Zeit, Sie sagen, Sie sind auf Business Central sehr stark fokussiert, das war eine Zeit, wo diese beiden dänischen Softwarehäuser Navision und Damgart eigentlich noch völlig selbstständig waren. Also sowohl die Accepta-Welt als auch die Navision-Welt galten in der ERP-Szene schon als offener Geheimtipp, so nenne ich es mal. Aber ich glaube, das war jetzt ein bisschen vor meiner Zeit, aber ich glaube, wenn ich so aus den Berichten, die ich immer mitbekommen habe, zurückblicke, dann gab es zu der Zeit noch gar nicht so viele Systemhäuser hier in Deutschland, die sich mit dieser Technologie auseinandergesetzt haben, oder? Das ist richtig.
Heute sind es schon einige hundert Partner in Deutschland, die das System vertreiben. Und klar, warum sind es jetzt so viele? Es wird sehr gut von den Kunden akzeptiert, das Business Central. Es ist meiner Meinung nach eine sehr, sehr gute Lösung, die für den, sagen wir mal, bis zu dem größeren Mittelstand vielleicht so bis zu 200-300 User eigentlich ein System ist, das meiner Meinung nach eigentlich immer in Betracht gezogen werden sollte, wenn man sich ein neues ERP-System anschaut.
Nicht nur, weil wir das jetzt vertreiben, sondern ich stehe wirklich dahinter, ich bin der Meinung, das System ist sehr, sehr mächtig. Wir erkennen, weil wir arbeiten ja eigentlich ausschließlich in Firmen, in denen die Zentrale dann SAP hat. Wir erkennen, dass teilweise Sachen in Business Central drin sind, die in SAP noch nicht so drin sind.
Wir haben Situationen gehabt, wo zu uns der IT-Manager von den Unternehmen gesagt hat, nein, diese Funktion machen wir nicht so, weil das können wir in SAP nicht darstellen. Also von daher denke ich, das ist ein ganz, ganz gutes Produkt. Es hat ein paar Schwächen, ja, da bin ich auch der Meinung, vielleicht wenn ich extensives Manufacturing mache, dann ist es vielleicht nicht das richtige Produkt, aber ansonsten bin ich der Meinung, es ist ein ganz, ganz gutes Produkt.
In aller Neutralität, die ich habe, es taucht immer wieder auch in Auswahlprojekten auf, die wir durchführen und wie gesagt, in aller Neutralität, die ich habe. Also 90er Jahre, zwei Systeme, die es auf dem dänischen Markt gibt, vielleicht können Sie ein bisschen unterstützen. Microsoft hat es nach der Fusion, ich glaube, wenn ich es richtig in den Kopf habe, 2001 gekauft, hat dann, das ist dann der Bereich, wo ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter damals auch in den Markt eingestiegen bin, hat dann 2001, 2002 meine ich sehr schnell Projekt Green kommuniziert, also bis 2009, wenn ich es richtig im Kopf habe, sollte alles auf .NET sein und jetzt kommen Sie als Insider ins Spiel.
Wie ist die Geschichte dieses Systems, was damals Navision hieß, heute oder zukünftig als komplettes Cloud-System Business Central den Kunden Nutzen schaffen soll? Also der Kauf von Microsoft, da hole ich jetzt noch einen Satz dazu aus, da können wir dann vielleicht später auch noch darauf zurückkommen. Der Kauf von Microsoft hat einiges ausgelöst in diesem System. Microsoft hat am Anfang und ich hoffe, da ist mir Microsoft nicht böse, wenn ich das so sage, Microsoft hat am Anfang nicht ganz gesehen, was Sie tun, wenn Sie ein ERP-System einkaufen.
Das ERP-System ist anders als ein Office-Produkt, das ist beratungsbedürftig, das ist kein Produkt, das sich out of the box verkaufen kann. Mit Business Central sieht es schon wieder ein bisschen anders aus, aber das war so am Anfang das größte Problem, das man hatte und dann hat man versucht, hat gesagt, okay, wir haben jetzt zwei ERP-Systeme gekauft und wir möchten eigentlich aus diesen zwei ERP-Systemen ein ERP-System mit dem Projekt Green machen und das war jetzt nicht so das Erfolgsmodell, das hat nicht so gut funktioniert, wie Microsoft sich das vorgestellt hat. Warum? Da treffen mit Accepta und Navision, trafen zu der Zeit ganz, ganz unterschiedliche Philosophien auf, die sich aufeinander und das war schwer, diese Philosophien dann in ein System zu machen.
Microsoft hat sich natürlich weiterentwickelt, Microsoft hat dann gesagt, jetzt über die Jahre, okay, wir lassen diese zwei Systeme nebeneinander existieren und hat beide Systeme in die Cloud gebracht und diese Systeme, es gibt nach wie vor beide Systeme. Microsoft platziert nun das Business Central so in der Ecke, wie ich das gerade gesagt habe, so sprich bei so bis 200 User vielleicht und danach kommt das frühere Accepta zum Tragen, wo sie sagen, okay, mit dem kann ich größere Projekte abarbeiten. Beide Systeme sind jetzt aktuell in den Microsoft Stack integriert, das heißt, ich habe viele, viele Komponenten, die nicht mehr im ERP-System sind, wie ein BI-Tool oder eine Komponente, die nicht mehr im ERP-System ist, oder eine Komponente, die nennt sich Flow, wo ich versuche, verschiedene Prozesse über verschiedene Programme darzustellen.
Diese Komponenten werden dazugenommen, mit weiteren Programmen werden diese gefüttert, man versucht jetzt auch, die Systeme aktuell nicht mehr so zu modifizieren, wie man sie in der Vergangenheit modifiziert hat. Sie haben zum Beispiel, wenn Sie noch vor ein paar Jahren oder vor fünf, sechs Jahren ein ERP-System gehabt haben, hieß es immer, okay, wir müssen eine GAP-Fit-Analyse machen, machen wir heute auch noch, Klammern zu, aber in diese GAP-Fit-Analyse kam heraus, wir müssen Tonnen von Funktionalitäten nachprogrammieren. Microsoft geht jetzt den Weg und sagt, okay, wir möchten in Business Central nicht mehr diese Funktionalitäten so intensiv nachprogrammieren, wie wir das früher gemacht haben, sondern versucht, dieses in Apps auszulagern und versucht, die Modifizierungen knapper zu halten, weil, und das ist auch so ein Schritt, der in die Zukunft reicht, Microsoft möchte, dass das Programm updatefähiger wird.
Das ist eines der größten Probleme, das wir in der ERP-Welt überhaupt haben, dass ich Firmen updaten kann, auf neue Versionen und neue Technologien hinzuzufügen. Und da sagen die, okay, je weniger das Grundprogramm geändert ist, desto einfacher ist es, dieses Programm mit Zukunftstechnologien upzugraden. Das ist so der Weg, wo Microsoft gerade hin möchte.
Okay, also unheimlich spannend, was dort passiert. Sie haben eben gesagt, Microsoft ist da relativ, ich sage es jetzt in meinen Worten, relativ blauäugig dran gegangen. Microsoft ist ein Unternehmen, was in den USA sitzt.
Ich sage mal, diese EMEA-Definition, die führt letztendlich dazu, dass man einen Markt wie Deutschland gleichbedeutend hat zu einem Vatikan statt, so ungefähr. Also alles ist eine Region aus Sicht einer amerikanischen Firma. Das macht es natürlich nicht einfacher, wenn man aus dem Consumer-Bereich, aus dem Betriebssystem, aus dem Office-Bereich kommt, jetzt plötzlich in den ERP-Bereich einsteigt, dann noch ein dänisches System kauft.
Jetzt haben wir den Vorteil, die Dänen durch das englischsprachige Fernsehen in Dänemark, die sind natürlich, was das Englische angeht, relativ gut. Ich glaube insofern, das war ein Vorteil damals. Trotzdem ist es unglaublich schwierig, für so ein großes Unternehmen zu verstehen, was ist betriebswirtschaftliche Software, wie kann ich auch mit diesen Programmierern zusammenarbeiten.
Sie haben gesagt, viele können das eigentlich gar nicht, das kann ich unterstreichen. Viele große IT-Unternehmen haben bis heute keine eigene ERP-Suite oder keine eigene Unternehmenssoftware. Nehmen Sie Amazon, Google, Hewlett-Packard, was auch immer.
Wer dazu ein bisschen was hören will, eine ganz andere Betrachtungsweise, der ERP-Podcast ist ja auch so ein bisschen immer die Wissensbasis, wo man nicht sequentiell hintereinander hört, sondern wo man sich das rauspickt, was man möchte. In Folge 101 gehe ich ein bisschen auf eine Einschätzung ein, was so mit Facebook und den großen ERP-Herstellern passieren könnte. Das gilt sicherlich für Amazon, für Google auch.
Was sicherlich auch ganz spannend ist, ist die Folge 44 generell zu erfahren, wie sich Microsoft eigentlich von dem Betriebssystemhersteller über Office, über ERP Richtung Cloud immer mehr verändert hat. Eine Folge direkt über die Cloud-Infrastruktur, die letztendlich auch unter Business Central steht. Das ist die Folge 44, wie immer alles verlinkt in den Shownotes dieser Folge.
Sie können also direkt nachhören. Jetzt hat Microsoft diese Entscheidung getroffen. Wir kaufen einen ERP-Hersteller.
Wir haben hurra unsere eigene Technologie. Das war die Zeit. Dortnet in Konkurrenz zu der Java-Welt, die im Entstehen war.
Man war euphorisch und hat gesagt, 2009, wenn wir das System komplett so umgeschrieben haben, dass alles in der Dortnet-Welt ist, dass das komplett neu ist, alles grün, alles schön, alles modern. Ja, Pustekuchen, oder? Ja, es ist so. Ich habe als Programmierer angefangen.
Vielleicht könnte ich den Code noch verstehen, wenn ich wüsste, wie ich dazu kommen würde. Aber ich kann definitiv sagen, das sagen mir unsere Programmierer heute noch, noch aus der Zeit von 1998 ist Original-Code in diesem aktuellen System drin. Man glaubt es nicht.
Man hat ihn zwar jetzt portiert auf ein C-Sharp-Derivat und arbeitet mit dem, aber der Code existiert seit über 20 Jahren in dem System und man konnte ihn nicht verändern. Das sagt ziemlich viel aus über die Möglichkeiten, so ein System zu portieren. Man hat es geschafft, es funktioniert hervorragend, das System in der Cloud laufen zu lassen.
Man hat sehr viel in die Richtung gemacht, dass das System mit anderen Systemen kommunizieren kann. Es läuft hervorragend, im Gegensatz zu früher mit einem SQL-Server. Ich komme super an die Daten ran von außen.
Ich kann mit Excel, mit Office usw. mit künstlicher Intelligenz. Die Sachen haben die wirklich jetzt gut angedockt, wo wir immer noch Unterstützung geben.
Wie wird ein ERP-System gemanagt? Was ist anders? Wir haben es vorhin schon gesagt, Out of the Box ist ein bisschen anders, als wenn ich ein System einsetzen muss, das mit vielen Parametern bestückt ist bei einem Kunden. Da sind andere Sachen gefragt. Aus diesem Grund haben wir, als Microsoft das System gekauft hat, das sind jetzt drei, vier Partner aus Europa, wir haben uns immer wieder auf verschiedenen Messen, Ausstellungen getroffen vor vielen, vielen Jahren und haben dann gemerkt, als Microsoft das System gekauft hat, Microsoft benötigt ein bisschen Unterstützung, um das System für uns Partner so zu präsentieren, wie wir das brauchen.
Da haben wir eine Organisation gegründet, die nennen wir Directions EMEA. Mit dieser haben wir zwei Sachen versucht. A, die Informationen, die uns als Partner gefehlt haben, nach der Übernahme von Microsoft zu uns zu den Partnern zu bringen.
B, Microsoft ein bisschen das Verständnis nahe zu bringen, was brauchen wir als ERP-Partner von Microsoft, damit wir das Produkt für Microsoft erfolgreich vertreten können. Ich glaube, das ist gar nicht so einfach, wenn man damit startet. Wir haben da ein amerikanisches Mutterhaus und ich weiß nicht, ob die Organisationsaufstellung so war für Sie als Business-Partner wie für mich in der Wissenschaft.
Es gab eigentlich als Ansprechpartner noch nicht mal bei Microsoft in München jemanden, sondern es war noch eine externe Agentur, die sich mit dem ganzen Thema ERP beschäftigte in Hamburg. In diesem Konglomerat haben Sie angefangen, auf den Systemen mit Kunden zu arbeiten. Ich würde Ihnen gerne eine ganz witzige Story erzählen über unseren ersten Event.
Wir haben unseren ersten Event gehalten im Disneyland in Paris. Das war einfach so, weil wir gedacht haben, das hört sich interessant an, vielleicht kriegen wir da ein paar Leute mehr, wenn wir das Disneyland nehmen. Nachdem wir alle zusammengezählt haben, haben wir ungefähr 200 Leute, haben wir für diesen Event gewinnen können.
Auch von Microsoft kam dann der Vertreter des Business-Bereichs dazu. Ich war von Anfang an bei der Directions EMEA zuständig für den Bereich Content. Ich bin zu den Microsoft-Sprechern hingegangen und habe gesagt, geht so tief wie möglich in das Thema rein.
As deep as possible. Das war bei Microsoft überhaupt nicht Usus, dass man das tut. Man hat Sessions gemacht, die den Marketing-Bereich abgedeckt haben.
Ich habe mich gerade mit dem Chef von Microsoft unterhalten dort auf der Veranstaltung und eine Session ging zu Ende. Da kam jemand raus und hat zu mir gesagt, wow, that was a great session. I have not understood anything in the session.
Der Microsoft-Chef, dem fiel fast die Kinnlade runter, als er das gehört hat. Der wollte gerade zu mir sagen, ich habe es doch gesagt, ihr müsst hier Marketing-Sessions machen. Ihr dürft hier keine Sessions machen, die so einen tiefen Content machen.
Dann hat dieser Teilnehmer der Session die magischen Worte gesagt, die uns extremst weitergeholfen haben. Er hat gesagt, but this session was so great. I have to learn so much.
I know now what I have to look for. Der Teilnehmer der Session war so begeistert. Das war ein kleiner Klick für den Microsoft-Mitarbeiter, dass der gesehen hat, wir müssen hier ein bisschen anders agieren, wie wir mit unseren anderen Produkten arbeiten müssen.
Von da an wurde ich unterstützt, habe die entsprechenden Sprecher bekommen, die ich mir wünschen konnte und auch mit den Themen, die wir brauchten. Aus dem ist eine Symbiose entstanden. Wir sind jetzt 13 Jahre später.
Letzten Herbst haben wir in Wien ein Event abgehalten. Da waren wir fast 2.500 Teilnehmer aus über 60 Ländern mit ungefähr 800 Partnern, die teilgenommen haben. Eine tolle Initiative, die Sie da ins Leben gerufen haben mit der Directions EMEA.
Ich glaube, dass das auch ganz wichtig ist. Die Systemhäuser rund um das Produkt von Microsoft sind sehr tief verhaftet in dem, was sie machen. Das kann ganz unterschiedlich sein.
Bei ihnen ist es ein Schwerpunkt im Bereich Internationalen, beim anderen Systemhaus der Maschinenbau oder spezielle Bereiche aus der Produktion. Da kann man sich ein bisschen austoben in dem System. Ich glaube, das macht diese System-Partner-Welt Microsoft aus.
Am Anfang war Microsoft vielleicht ein bisschen naiv. Mittlerweile ist es etwas, was ein sehr hohes Augenmerk im Konzern hat. Man sieht eine Strategie in die Zukunft, wo man klar gesagt hat, wir bringen das Ganze in die Cloud.
Microsoft ist das Cloud-Unternehmen. Auch das wissen die wenigsten. Microsoft hat die größte Cloud.
Man hat angefangen mit Office 365. Mittlerweile ist man bei den ERP-Systemen. Es gibt ja auch einige im Hause Microsoft, die man in diese Cloud bringt.
Als ich das erste Gespräch darüber geführt habe, wie gesagt Folge 44, da hieß es noch, das sind alles Single-Instance-Cloud-Aspekte. Ich glaube, seitdem hat sich auch architektonisch wieder viel geändert in den letzten zwei Jahren. Ist das Ziel von Microsoft da, auch Economies auf Scale zu heben und Multitenant-Instanzen zu schaffen, weil man auch die Prozesse des Systems viel mehr standardisiert? Das ist richtig, ja.
Wir haben ja quasi mit unserer Art von Projekten, das heißt, ich habe eine Zentrale und wir bringen unsere Systeme in die Niederlassungen der Unternehmen. Das heißt, wir haben sehr häufig als Kundengruppe sogenannte Hidden Champions, die bei uns irgendwo in Deutschland eine Firma sind, die meistens so zwischen 5.000 bis 10.000 Mitarbeiter haben und die haben im Ausland viele Niederlassungen. Diese Niederlassungen sind in den meisten Fällen kleinere Unternehmen, die Produkte verkaufen, die ein bisschen Wartung machen, die sie vielleicht noch für die Länder modifizieren, ein bisschen anpassen.
Das sind eigentlich eigenständige kleine Unternehmen und für die ist es sehr häufig, sehr schwierig, diese IT-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Was wir eigentlich immer hier machen ist, wir setzen auf der Unternehmens-Cloud auf. Das heißt, dort irgendwo platzieren wir die Lösungen für die einzelnen Länder und das funktioniert mit jeder Version besser.
Ich merke momentan gar nicht mehr, ob wir jetzt zum Beispiel in einer Niederlassung in Indien sind oder in Singapur oder sonst wo. Ich greife überall gleich darauf zu. Unsere Mitarbeiter benutzen die gleichen Sachen und egal, ob das jetzt eine offizielle Microsoft-Cloud ist oder eine andere Cloud, ich bin der Meinung, diese Produkte sind extrem gut ausgerichtet auf alles, was mit Cloud zu tun hat.
Ich würde sehr, sehr gerne auf dieses Thema Internationalisierung, Virtualisierung des digitalen Produktes eingehen. Ich schaue ein bisschen auf die Uhr. Wir sind wieder bei unserer magischen halben Stunde.
Ich würde Sie gerne nochmal einladen, wieder hier in den Podcast zu einer weiteren, tieferen Folge nächste Woche. Wenn das für Sie okay ist, würde ich für heute den Sack zumachen.
Danke ganz herzlich und nächste Woche gehen wir dann in Medias Res in Happensburg. Was bedeutet das für internationale Microsoft Business Central, ehemals Navision Großprojekt? Ich freue mich drauf. Herzlichen Dank, Herr Mayer von der Octocon AG.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.