Carl Stolze hat einen interessanten Lebensweg vom Studium über die Strategieberatung bis zur Projektleitung in einer großen Bank. Wir sprechen über seine Erfahrungen und Erlebnisse und natürlich das Unternehmensdatenfundament.
Viel Vergnügen!
Empfehlungen:
David Allen: Getting Things Done – The Art of Stress-Free Productivity
————————–
Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 123. Wirtschaftsinformatik in der Bank. Ein Interview mit Dr. Karl Stolze.
Karl Stolze hat einen interessanten Lebensweg vom Studium über die Strategieberatung bis zur Projektleitung in einer großen Bank. Wir sprechen über seine Erfahrungen und Erlebnisse und natürlich das Unternehmensdatenfundament. Viel Vergnügen.
Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.
Herzlich willkommen zurück zu einem neuen Mittwoch. Wir sind wieder mit einem Studiogast im Gespräch und da freue ich mich heute ganz besonders, denn ich kenne ihn auch schon ganz lange in seinem Werdegang und wir werden heute auch ein bisschen über Werdegänge sprechen. Ich habe nämlich gesagt, lass uns doch mal sprechen darüber, wenn man als Wirtschaftsinformatiker studiert, seine Ausbildung in dem Bereich hat, welche Facetten deckt man hinterher eigentlich ab? Welchen Werdegang hat man eigentlich? Wir werden natürlich über ERP, über das Unternehmensdatenfundament auch ganz gut sprechen an der Stelle.
Ich freue mich, dass ich Dr. Karl Stolze heute im Gespräch haben kann. Ganz herzlich willkommen hier im ERP-Podcast. Vielen Dank, Axel.
Vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Ich freue mich auch auf ein gutes Gespräch gemeinsam. Ja, dann würde ich sagen, starten wir direkt mal.
Wir kennen uns schon lange. Du bist damals, als ich junger Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik in Münster war. Bist du als Hilfskraft dort gewesen? Vielleicht magst du selber, bevor wir einsteigen in die Gasthalle, ein paar Takte zu dir selber sagen.
Wer ist der Mensch, Karl Stolze? Ja, Karl Stolze, mein Name. Ich bin Wirtschaftsinformatiker, wie Axel schon sagte, als Student und als Hilfskraft in Münster gewesen. Danach zur Promotion nach Osnabrück gegangen, auch in Wirtschaftsinformatik promoviert.
Danach fünf Jahre Unternehmensberatung gemacht, nach zwei Jahren dem Banking treu geblieben. In der Unternehmensberatung Banken begleitete, bin ich bei einer Bank als IT-Projektleiter tätig. Daneben bin ich noch verheiratet, habe zwei wunderbare Kinder und lebe jetzt seit fast fünf Jahren, ne sechs Jahre sind es schon, nördlich von München in der Erweiterten Schleckgürtel.
Wobei der in München, glaube ich, relativ groß ist, der Erweiterten Schleckgürtel. Der ist groß. Ich sage ja immer, das ist der Vorteil unserer etwas kleineren Städte, zu denen ich auch Würzburg zähle, mit, ich weiß gar nicht, irgendwas zwischen 120-140.000 Einwohnern.
Also ich bin im Selbstverständnis innerhalb von 10-15 Minuten überall in der Stadt. Ich glaube, dass im Münchner Raum sagen zu können, ist fast unmöglich. Das ist unmöglich, definitiv.
Aber trotzdem eine wunderbare Region hier zum Leben. Man hört auch gebürtig, finde ich, sich aus wie Deutschland. Gut, wir haben gesagt, wir sprechen ein bisschen über Werdegang, über Anforderungen vielleicht auch, die man hat.
Wir werden auch sprechen über natürlich Beratung, IT-Beratung. Im zweiten Teil werden wir da ein bisschen rüberschwenken auch in die Veränderungen in der Bankenbranche, immer mit Bezug natürlich auf IT, auf ERP, auf Unternehmensdatenfundament. Starten wir mal durch.
Du hast ganz normal Wirtschaftsinformatik studiert. Klar, warst dann auch Hilfskraft bei uns. Warum entscheidet man sich für sowas? Für sowas kann ich das fast abwerten.
Warum entscheidet man sich genau für die Schnelle zwischen Geschäft und IT? A, technisches Interesse, ganz klar. Früher mit dem Computer, Computerkontakt gehabt, immer Spaß und Freude an der Technik gehabt, aber auch Interesse daran, Dinge zu gestalten, an unternehmerischeren Aspekten, an dem kaufmännischen Teil dabei. Und dann lag die Wahl, nahe Wirtschaftsinformatik zu nehmen.
Münster ist jetzt nicht der schlechteste Standort dafür, dann auch da geblieben. Aber, kleine Besonderheit, gewählt im Studium. Ich habe ein bisschen Marketingvorlegungen mitgenommen, was einmal eine ganz neue Facette war.
Okay, und stimme ich dir zu, Münster ist nach Würzburg ein ganz toller Standort für Wirtschaftsinformatik. Jetzt bist du, anders als die meisten, nicht direkt in die Praxis gegangen, wobei ich auch unsere Lehrstunde durchaus als praxisrelevant einschätze, sondern du bist dann an die Universität Osnabrück zum Promovieren gegangen. Warum hast du diesen Weg gewählt und hat er dich weitergebracht? Ich fange mit dem zweiten Teil der Frage an.
Ja, das bringt einen auf jeden Fall weiter. Das ist auch eine neue Art, die typischen Probleme nachdenken zu können, aber auch in Interaktion mit den Studierenden und auch Unternehmenspartner neue Dinge zu entwickeln, das vorweggesteht. Warum promovieren? Ich habe gemerkt, beim Schreiben der damaligen Diplomarbeit für die Studierenden, die Maßarbeit, wer gemerkt hat, dass das Schreiben, das macht natürlich auch Freude, auch die Auseinandersetzung mit bestimmten Begrifflichkeiten in die Tiefe zu gehen.
Das wollte ich weitermachen und dann ergab sich die Möglichkeit, in Osnabrück den Lehrstuhl von Professor Thomas, ganz neu als jungbegrüßender Professor, mit aufzubauen, was auch eine großartige Chance war. Wir haben da auch dann die Möglichkeit gehabt, im Osnabrücker Raum einige Mittelständler kennenzulernen, zu beraten. Das war die Lebensmittelbranche sehr stark, sehr interessant produzierende Branche und wir konnten da neben der eigentlichen Lehrstuhltätigkeit auch so eine Art Beratungsstandbein aufbauen.
Das ist ja etwas, was auch so in deiner Zeit an dem Lehrstuhl gefallen ist, also ich schätze meinen Kollegen Professor Thomas sehr und ich weiß, dass er auch im positiven Sinne sehr, sehr umträglich ist und sehr viele Dinge macht. Ihr habt gemeinsam dort eine Unternehmensberatung aufgebaut. Was habt ihr genau gemacht und was ist das Besondere, wenn man eine Promotion nicht nur im Elfenbeinturm büchergeleitet oder empiriegeleitet gemacht hat, sondern wenn man dann auch, sage ich mal, mit vielen Unternehmen in Medias Race geht? Wir haben versucht, dem Mittelstand da vor Ort dabei zu helfen, die Digitalisierung, wie man es heute nennen würde, für sich zu nutzen.
Angefangen von, ein sehr praktisches Beispiel, Produzenten von Fleisch, Schweinehälften und Ähnliches, die Nachverfolgbarkeit zu verbessern. Ich kann mir vorstellen, da läuft ein Spiel durch, es ist ein laufender Prozess, die Maschinerie läuft, man hat gleichzeitig viel Handarbeit dabei beim Zerleben der ganzen Teile. Wie kann ich mir sicherstellen, dass ich die notwendige Nachverfolgbarkeit in der notwendigen Granularität möglichst effizient abgebildet bekomme? Da sind wir wirklich auch mal einer Schweinehälfte hinterhergelaufen.
Wir haben uns mal angeguckt, was passiert damit? An welchen Schnittpunkten gäbe es Möglichkeiten zum Datenabgreifen, zur Datenverarbeitung, zur Automatisierung von größeren, die nur noch begleiten dürfen, Angezweige, wo ein größeres produzierendes Unternehmen, der Lebensmittelbranche, sein Unternehmensdatenfundament tauschen wollte. Von einer wissenschaftlich fundierten Perspektive drauf geschaut, ist das methodisch, was da angewendet werden soll, in Anführungszeichen sauber, zielführend oder, wie man es auch immer nennt, zweckadäquat. Ich glaube, das ist genau das, was diesen Reiz ausmacht, am Ende einen praktischer, orientierte oder einen praktischen Umfeld zu forschen.
Man sieht auch, welche theoretisch tollklingenden Ideen ein zweckadäquat am Ende sind für die unternehmerische Praxis und den echten Einsatz vor Ort. Weil nicht jede schöne Theorie hat auch wirklich den Nutzen, den sich der Wissenschaftler am Schreibtisch versprochen hat. Das ist ja etwas, was uns eigentlich als Wirtschaftsinformatiker gerne vorgeworfen wird.
Das Motto, ihr seid zu praktisch. Du hast jetzt das Beispiel von den Schweinehälften, die zerlegt werden müssen und jedes zerlegte Teil muss irgendwie so verankert sein, dass man immer auf das Ganze zurückschließen kann. In dem Falle, wo es einen Skandal, einen Virusbefall, ein was auch immer in der Verarbeitung gibt.
Das ist ein ganz praktisches Problem, aber ich glaube, man kann sehr viel von dem Problem auch abstrahieren und man lernt eigentlich auch sehr viel für die theoretischen Dinge, die dahinter liegen, oder? Ja, auf jeden Fall auch. Was bedeutet das für eine Datenmodellierung, um ein konkretes Beispiel auszugreifen. Welche Daten bräuchte ich überhaupt dafür, um solche Prozessschritte nachvollziehbar abbilden zu können? Und das gilt ja nicht nur für den Katastrophenfall oder Extremfall, sondern ich brauche das ja auch, um saubere Herkunftsangaben dem Verbraucher an die Randwelle stellen zu können.
Also ist das Fleisch aus der Region oder nicht gewesen? Das heißt, da habe ich direkt in die Datenmodellierung gekommen. Wer der Typ war, muss überlegen, welche Metamodelle brauche ich da? Genauso bei der Prozessmodellierung. Wie kann ich solche Prozesse dann abbilden, dass es immer noch nutzbar bleibt? Gerade andere mittelständische Unternehmen haben nicht die Ressourcen, nicht die Zeit, nicht das Geld, hunderte von Mitarbeitern zu beschäftigen, damit tolle Modelle zu bauen.
Das muss pragmatisch, anwendbar sein, was zum Teil komplizierter ist in der Erstellung vorab, als die Sprachen und Modelle, mit denen man sich verkünsteln kann in aller epischen Tiefe. Klingt vielleicht etwas riskentierlich für den einen oder anderen wissenschaftlichen Kollegen, ist aber gar nicht so gemeint. Man braucht beides.
Das ist mir eigentlich mal wichtig an der Stelle. Da frage ich direkt nach. Über was hast du dann promoviert? Nachhaltigkeit mit IT.
Da waren verschiedene Aspekte drin, zu überlegen, wie kann ich das Thema Nachhaltigkeit, Ökonomisch, ökologisch, sozial, beieinander bringen. Wo stehen die Leute da? Zu Green IT, zu Sustainable IT. Haben dann ein Produkt-Service-Bündel vorgeschlagen in verschiedenen Papern, bis hin schließlich zu Fragestellungen der Governance und agilen Methoden, um den sozialen Aspekt stärker abzubilden.
Das Ganze als kumulative Dissertation abgefasst. Das heißt also, über Veröffentlichungen. Es gibt nicht das eine Buch, das man auf den Regal nehmen kann, sondern eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die gemeinsam die Promotionsleistung dargestellt haben.
Okay. Ihr seid ja auch ein Lehrstuhl gewesen. Da bist du nicht mehr dabei.
Aber ihr habt auch viel Forschung gemacht, genau in diesem Bereich. Produkt-Service-Bündel, also die hybriden Angebote aus Produkt- und Dienstleistung gemeinsam. Hat sich das erledigt? Siehst du, dass auch die Realwelt, auch die Branchen gerade erst zulaufen? Was verbirgt sich dahinter und was ist deine Einschätzung zu dem ganzen Themenbereich? Ich fange mal mit dem Überbau an.
Es geht um Produkt-Service-System, hybride Wertbündel, wenn man das Zeichen möchte, zu schaffen. Wo es um eine Verknüpfung aus physischem Produkt und Dienstleistung geht. Das ist der grobe Überbau.
Im gröberen fängt auch die ganze Thema Industrie 4.0 überwirkend zu gelten an. Was heißt das jetzt konkret? Ich kaufe nicht mehr beispielsweise nur in Führer-Förderzeug bei den einzelnen Gabelstapler, sondern ich kaufe Transportleistung. Als nachgefragtes Gut bekomme ich dafür das physische Produkt plus die Wartung und Pflege des Ganzen.
Das kann man anders bepreisen. Das kann sehr attraktiv sein, sowohl für den Anbieter, wie auch denjenigen, der nachfragt, weil der Nachfrager jetzt keine Kapitalbindung mehr hat. Das ist ein sehr interessantes Modell.
Ist das jetzt schon vollumfänglich in der Wirtschaft überall angekommen? Nein. Das ist auch eine klare Aussage. Gleichzeitig ist das Thema immer noch hochrelevant.
Wenn man an Themen denkt wie Leistungserfüllung oder Ähnliches, muss man diese Bündelung nicht alle Ebenen durchziehen. Das heißt klassischerweise getrennte Bereiche der Produktentwicklung müssen nunmehr viel enger mit den Dienstleistenden bereiten als der Vernehmensüberstand, der Wartung oder den Kunden, die zusammenarbeiten. Da sehen wir eine wunderbare Verknüpfung zwischen technischen Aspekten.
Ich muss das Ganze datentechnisch unterstützen. Ich muss mein Abrechnungssystem unterstützen. Ich muss meine Vernehmensstrategie darauf anpassen und alles.
Das ist nur noch ein weiter Lauf und ich glaube auch noch viel Potenzial, dass da die Unterstützung softwareseitig, die auch methodisch noch besser werden kann. Also ich sehe das Ganze ja immer auch so ein bisschen in Zusammenhang mit Destruktion. Das heißt, wie verändert sich eigentlich die Bedürfnisbefriedigung der Kunden? Und wenn ich plötzlich anfange, das Produkt in Anführungszeichen intelligent zu machen, Sensoren reinzupacken, dann habe ich plötzlich ganz neue Produktangebote, was du genau sagst, so Dienstleistungsangebote.
Und wenn ich mir dann unsere Branchen heute angucke, dann sind die wenigsten Branchen eigentlich dahingehend aufgestellt, dass sie überhaupt wissen, wie ihre Produkte von den Kunden genutzt werden. Also das geht los bei einem Teppichhersteller, der schöne Teppiche produziert und sie in den Einzelhandel gibt. Aber wie der Teppich verlegt wird, ob darauf gespielt wird, ob darauf gelaufen wird, ob darauf Cola ausgegossen wird, ob darauf der Hund sein Mittagsschläfchen macht, all das weiß er nicht.
Und entsprechend kann er eigentlich in seiner Weiterentwicklung und auch in Dienstleistungsdingen drumherum überhaupt gar nicht sagen, wie der Kunde besser mit dem Produkt umgehen kann, oder? Absolut, absolut. Und jetzt auch noch wirtschaftlich betrachtet, eigentlich der originäre Turf, der originäre Nährboden des Wirtschaftsinformatikers und trotzdem nicht zu vernachlässigen ist, die Digitalkonzerne, gerade das Übersehen, die momentan diese Kundenschnittstellen im digitalen Raum besetzen, die erhalten zumindest für digitale Produkte genau diese Nutzungsdaten und können entsprechende Angebote machen. Und das ist dann auch eine große Herausforderung beim Thema Digitalisierung, der Kampf um die Kundenschnittstelle, wie schade es ist, dass der Kunde mein Kunde bleibt und mich weiterhin als Anbieter wahrnimmt.
Ich glaube, das ist noch ein Problem, was vielen Branchen noch nicht bewusst ist, vielleicht auch nie so bewusst werden muss wie bei der Lebensbranche klassischerweise. Das kann auch noch ein Problem sein, dass wenn ich die Datensouveränität an der Kundenschnittstelle verliere, dass ich dann genau diese Erkenntnisse nicht gewinnen kann. Ich habe ja auch dazu eine Folge gemacht, die sich um das Thema Datenschutz dreht und in der ich mal so überlegt habe, was passiert eigentlich, wenn wir Länder haben, wo der Datenschutz sehr restriktiv sagt, das darfst du nicht und gleichzeitig andere Länder haben, in denen es möglich ist, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren und dann dieses Geschäftsmodell, wenn sich die rechtliche Lage in den originären Ländern verändert, auf diese Länder zu überstülpen.
Also ich habe die ganze Folge mal bedankt, was Corona mit IT zu tun hat, Folge 119 und ich glaube, dass das schon ein Problem ist, wenn ich dann in Deutschland irgendwann den Datenschutz mal ein bisschen lockere, kommen plötzlich die Chinesen und Amerikaner, die dann sagen, wir haben die Geschäftsmodelle aber schon seit fünf Jahren ausprobiert und die deutschen oder europäischen Anbieter haben diese Chance eben nicht gehabt. Wie geht man damit am besten um? Ja, ich würde zum Teil noch fast extremer formulieren oder die Befürchtungsgrenze sein, dass gegebenenfalls Unternehmen Angebote einfach in den europäischen oder deutschen Markt hineintragen und sich erstmal nicht drum scheren, was hier an Datenschutzbedingungen eigentlich gelten würde oder müsste und erst dann langsam gegebenenfalls zurückrudern und den Markt aber besetzen. Ich glaube auch, man kann nicht alles nur über die Datenschutzgesetzgebung erklären oder das Grundverständnis für Datenschutz, sondern es gilt zum Teil noch das Verständnis dafür, dass Daten oder Datenanalyse einen wirklich hohen Wert haben kann.
Und da ist es eigentlich wunderbar, wenn wirklich ausgebildete Wirtschaftsinformatiker auch entsprechende Fähigkeiten mitbringen, genau solche Analysen vorzunehmen, um mit dem Geschäftsnutzen aus vorhandenen Daten ziehen zu können. Und da müssen wir auch schauen, dass die Kreativität da hoch bleibt und die Leute nicht auch schon intern in Organisationen oder Unternehmen unnötig gebremst werden, abgesehen von der rechtlichen Fragestellung, die immer eine Rolle spielt. Du bist nach deiner Promotion dann ja in die Beratung gegangen, also du warst vorher ja schon an der kleinen Lehrstuhlberatung, bist dann aber, wenn ich es richtig im Kopf habe, in eine große Beratung gegangen und hast dann deine Arbeit, die du vorher innehattest, an der du geforscht hast, mitgenommen in diese neue Tätigkeit oder wie war dann der Schwenk für dich? Bestimmte Aspekte, ja.
Sicherlich mitgenommen, v.a. mitgenommen das methodische, das methodische Werkzeug der Promotion, um Probleme zu durchdringen, durch das kognitive Modell einer Promotion über PayPal Dinge auch mal in kürzerer Form prägnant auf den Punkt zu bringen und sauber strukturiert Problemlösungen zu erarbeiten. Das ist eigentlich so der Hauptbenefit. Klar, ich habe dann auch die Branche ein Stück weit gewechselt.
Meine Beratungskunden waren dann zum Teil Banken mit allen Fragestellungen vom Wechsel des Unternehmensdatenfundaments in der Bankenbranche als Kernbanksystem bezeichnet, über Digitalisierungsfragen, Postmerger, Integration, also nach Unternehmenszusammenschlüssen ein bisschen zu groß waren Projektsteuerungstätigkeiten. Also das wichtigste Rüstzeug aus der Promotionszeit an der Stelle war stärker das methodische als der konkrete Inhalt. Bei welcher Beratung warst du? Bei einer BCG-Platinium, einem Teil des Boston Consulting Group Konzern.
Hast du wahrgenommen, dass so ein großer Beratungskonzern viele, viele gut geölte Räder hat, wo man einfach sehr, sehr gut beratend für den Kunden tätig sein kann, weil es unglaublich viel Wissenspool gibt? Oder ist Beratung doch eher ein Ad-Hoc-Geschäft, wo man auf individuelle Dinge des Kunden ganz individuell reagieren muss? Beides. Es funktioniert optimal in der Konstellation nur in Kombination aus A, Wissen, Branchenwissen, Methodenwissen, innerlich ein bisschen zum Kunden. Aber jede Kundensituation, gerade bei großen Veränderungsprojekten, ist immer anders.
Wenn ich einen Unternehmenszusammenschluss habe in einer Merger-Situation, das ist einzigartig in jedem Fall. Da gibt es gewisse grundsätzliche Methodiken, die funktionieren, aber der Einzelfall ist immer anders. Es muss immer individuell angepackt werden und es menschelt dann auch immer.
Gerade bei großen Projekten oder Dingen, die fundamentale Änderungen darstellen, treten natürlich auch Verlustängste auf, Veränderungsresistenzen und Ähnliches. Und auch mit denen muss man dann stark lernen, umzugehen. Wenn du jetzt beide Welten vergleichst, sowohl die Promotionstätigkeiten mit Teil Beratung, im Vergleich dann zu der eigentlichen Beratung, wo siehst du die großen Unterschiede? Ich frage deswegen, weil ich die Frage gleich nochmal in Bezug auf deine jetzige Tätigkeit stelle.
Beratung ist ausgeführte Unternehmensberatung, ist dann doch konkreter auf den jeweiligen Fall oder Case bezogen, als gegebenenfalls Forschungstätigkeit oder das Erforschen eines neuen Gegenstandes. Die Wissenschaft soll ja auch allgemeinerbare Erkenntnisse bringen und nicht nur den Einzelfall betrachten. Das hat ja schon mal einen ganz fundamentalen Unterschied.
Kulturell bedingen beide Branchen Offenheit für Neues, die Notwendigkeit, sich in neue Dinge schnell einarbeiten zu müssen oder zu dürfen und auch die Chance zu haben, viel zu lernen. Beide Branchen bieten die Möglichkeit zur eigenen Entfaltung und Entwicklung. Nicht jeder Wirtschaftsinformatik-Professor ist ausbauweise quasi über die Dünnachse, mit Veranstaltungen, mit einem Podcast.
Genauso agiert ja auch nicht jeder Berater gleich, sondern jeder Berater baut sich so sein eigenes Podcast. Das gilt für den eigenen einzelnen Menschen, wie auch für Gruppen innerhalb von Beratungen, wie auch einzelne Beratungshäuser. So wie jedes Beratungshaus seine eigenen Schwerpunkte setzt und Kompetenzprofile entwickelt, so entwickelt sich ja auch in der Wissenschaft jeder Lehrstuhl ein Stück anders.
Insofern gibt es da schon gewisse Parallelen. In beiden Branchen sind viele kluge Köpfe unterwegs, also es macht beides Spaß. Jetzt hören uns häufiger auch mal Berater aus dem vor allen Dingen ERP, aber auch natürlich aus dem betriebswirtschaftlichen Umfeld zu, hier im Podcast.
Aus deiner Wahrnehmung, du warst ja jetzt viele Jahre in der Beratung, gibt es bestimmte Erfolgsfaktoren, die a, ein Beratungsprojekt auch für den Kunden hilfreich machen und b, die ein Beratungsprojekt insbesondere auch für das Beratungsunternehmen und den Berater zum Erfolg führen? Was für beide Seiten wichtig ist, ist die Mandatsklärung. Im Sinne von welches Mandat erhält der Berater hier, um Dinge zu tun? Nicht nur im Sinne von Scoping, sondern auch im Sinne von Entscheidungsrechten oder auch Durchgriffsrechten oder dem Recht, Fragen zu stellen. Wie soll ein Berater beispielsweise eher internetierend umsetzend tätig werden? Oder soll er beispielsweise was untersuchen und mal nachtragen, beispielsweise Risiken identifizieren? Das ist ein ganz anderes Projektvorgehen erforderlich und auch ein anderes Mandat für.
Das ist essenziell, das vorab sauber zu klären, welchem Mandat auch getreten werden kann. Punkt zwei, die Abklärung. Was ist Erfolg? Oder woran würden wir den Erfolg eines Projektes messen? Da sollte man sich vorher Gedanken darüber machen und gemeinsam das gleiche Verständnis möglichst entwickeln, weil sonst ist nachher potenziell eine der beiden Seiten unzufrieden, weil es dann doch nicht so viel gebracht hat, dass das Ergebnis nicht so erzielt wurde, wie es sollte.
Insofern, das ist eigentlich das Wichtigste. Klare Rahmenbedingungen und klare Definitionen dafür. Was ist Erfolg? Wann ist dieses Projekt, dieser Beratungsprojekt erfolgreich? Und daraus ergeben sich dann automatisch die weiteren Schritte.
Also Klärung, den Scoreplan, Zeit, Budget und so weiter. Man muss ja erst mal wissen, wann ist es denn erfolgreich? Ich habe ein, zwei Folgen zurück. Folge 121 mit dem Geschäftsführer Willem Moorman, der Corvus-Gruppe.
Ich habe mich lange unterhalten über Effizienzsteigerung. Er hat das genannt L-Halbe. Wie können wir die Beratertage eigentlich reduzieren? Wie können wir das Beratergeschäft auch standardisieren? Das ist ein klarer Ansatz, den er da verfolgt mit seiner Truppe, die auch gar nicht so ganz klein ist.
Ich habe ihm dann entgegengeworfen, das ist doch eigentlich kontraproduktiv von dem, was man vom Berater erwartet. Also vom Berater erwartet man doch eigentlich die Anzahl an Leistungstagen für den Kunden zu maximieren. Nicht im Sinne vielleicht immer nur des Kunden, sondern aber definitiv im Sinne der Rechnung.
Wie hast du denn das wahrgenommen, die Beraterbranche an der Stelle? Ich spreche gar nicht über Einzelberatung. Gar nicht, weil es ist mal ergebnisorientiert gewesen, die Inzentivierung und Bezahlung schlussendlich. Aber es gibt auch immer mehr Ansätze, bestimmte Erfolgsindikatoren zur Bezahlung heranzuziehen.
Deswegen ja noch mal die Definition, wann ist es erfolgreich? Wenn ich so etwas definieren kann, kann ich auch anhand dessen die Bezahlung vornehmen. Jetzt muss man die spezielle Situation beachten. Bestimmte Beratungsleistungen, bestimmte Teile des Beratungsmarktes sind auch potenziell stärker standardisierbar als andere.
Das haben wir in den Diskussionen glaube ich auch mit vergessen. Der Beratermarkt ist so breit, dass nicht jedes Modell für jede Beratungsleistung passend ist. Genauso wie nicht jedes Auto für jeden Eindrucksfaktor eines Autos passt.
Also deine Wahrnehmung des Beratermarktes ist es nicht, dass man als Kunde verkaufen verloren ist, sondern dass tatsächlich ein sauber abgegrenzter Bereich entsprechend ausgefüllt wird. Ich sehe es ja jetzt, jetzt bin ich ja mal auf der Nachtragerseite für solche Leistungen, dass erfordert auch Arbeit als Nachtrager solcher Leistungen, sich Gedanken zu machen, was will ich denn eigentlich? Und da gegebenenfalls auch mal robust, aber freundlich nachzuhaken, was jetzt wirklich gemeint ist, was ich wirklich an Leistungen erwarten kann. Und gegebenenfalls das Ganze auch mal auf der Patenz anrufe, oder Arbeitsproben und ähnliches auch wirklich nachzuvollziehen, bevor ich diese Entscheidung treffe.
Man darf sich auch nicht zu leicht machen, als Nachfrager einer Dienstleistung, das hier beratend gehört, nur darauf zu hoffen, dass der andere wird das schon so machen. Klar, der macht dann auch schon irgendwie so. Aber ob das Optimierungskriterium oder das Erfolgliche für beide Seiten das gleiche ist, da habe ich jetzt Zweifel dran in meiner Konstellation.
Und daher ist es unbedingt erforderlich, sich als Nachfrager auch Gedanken zu machen, was will ich denn eigentlich? Wann habe ich Erfolg? Oder wann ist das Werk für mich erfolgreich? Und dann entsprechend die Berater, das gilt auch für alle anderen Dienstleister, professionell und sauber einzukaufen und gegebenenfalls in dem Prozess ein Schleifchen mehr drehen. Das dauert dann etwas länger. Ich weiß, das wird nicht immer gern gehört.
Aber lieber noch eine Extraschleife drehen und dann auch ein besseres Ergebnis zu erzielen. Was hinten raus den Berater genauso hilft, weil er da nicht in frustrierende Eskalationsmeetings potenziell reinläuft, weil keiner vorher klar gesagt hatte, was jetzt eigentlich Phase ist, was gemacht werden sollte. Also es ist sehr, sehr schwierig, so ein Projekt auch zu steuern.
Jetzt kennst du beide Seiten. Du warst lange in der Beratung und bist dann doch wieder auf die andere Seite gewechselt. Das heißt, du bist Projektleiter in einer großen Bank geworden.
Warum macht man diesen Schritt? Und wenn du jetzt vergleichst… Ne, machen wir erst mal A. Warum macht man so einen Schritt? Wenn man die Kinder dann aufgrund der Reisetätigkeit nicht mehr jeden Tag sehen kann, das ist auf Dauer dann doch für das Familienleben nicht das Angenehmste. Und dann wird das Familienleben stärker entschieden ohne Reisetätigkeit. Und irgendwann muss man in der Beratung auch entscheiden, wie weit will ich diesen Weg noch gehen oder wie lange möchte ich das machen.
Weil ich konnte mir jetzt auch nicht vorstellen, 30 Jahre lang jede Woche immer unterwegs zu sein. Und insofern war jetzt dann auch eine gute Zeit, nach knapp fünf Jahren zu sagen, das war’s, es hat Spaß gemacht, es war eine super Zeit, ganz empfehlenswert, es gemacht zu haben. Und das war jetzt auch eine gute Zeit.
Jetzt hast du vorhin gesagt, und ich bin jetzt gemein, ich drehe dir die Worte im Munde herum, in der Beratung lernt man jeden Tag ganz viel. Also der Wissensaufbau, das immer wieder Neulernen, das ist ein Wesen, was ich in der Beratung habe. Mein Hirn ist ein Schwamm, was permanent Neues aufsaugt.
Erhässlich gefragt, und damit greife ich die Frage, die ich dir eben im Übergang von Promotion zur Beratung gestellt habe, auf, wolltest du nicht mehr lernen oder wo liegen jetzt die Unterschiede zwischen der beratenden Seite und der operativ tätigen Seite, die du letztes Jahr im Unternehmen erlebst? Neulernen wollte ich immer noch sehr gerne. Mache ich auch noch jeden Tag. Angefangen davon, neue Kollegen kennenzulernen, neue Beziehungen, ein paar Spaß beiseite.
Auch im Unternehmen bleibe ich. Ich will auch immer wieder neue Dinge lernen. Es ist ein anderes Lernen, was dann jedenfalls strukturell auch anders aufgebaut ist.
Ich glaube, da tritt man auch niemandem zu nahe. Wenn man das so formuliert an der Stelle, dann wird das erstmal vorweggestellt. Was jetzt definitiv anders ist, ich habe jetzt einen höheren Anteil Routineaufgaben, aber ich habe immer noch das Glück, in meiner jetzigen Rolle viele interessante Projekte durchzuführen oder begleiten zu dürfen aus den unterschiedlichsten Bereichen, also Digitalisierung oder auch operativere Projektthemen.
Das heißt, langweilig wird es auch nicht. Mitgenommen aus der Beratung habe ich klar Wissen, weil die Branche ist die gleiche, aber auch wiederum vieles der Methoden weitergenommen. Wie kann man Projekte effizient steuern? Wie kann ich sowas effizient aufstellen und aufbauen? Ich weiß jetzt ja, was ich als Nachfrager in potenziellen Dienstleistern fragen muss, was der für sich klären müsste, damit es optimal läuft und sich nicht traut zu fragen.
Das ist ganz interessant mal zu sehen, wie das Ganze funktioniert in diesem Prozess und das macht auch unglaublich Spaß und jetzt gerade aktuell im Mai 2020 lernen wir ja alle ganz neu wieder mit erhöhter Homeoffice-Quote Anbieterauswahl mit virtualisierten Präsentationsterminen wie das alles zusammenspielt und funktioniert. Also es bleibt spannend. Ja, es bleibt spannend und lieber Karl, ich habe ganz viele Fragen an dich, was die Bankenbranche angeht.
Ich möchte gern mit dir reden über die Veränderung des Unternehmensdatenfundaments. Ich möchte gern reden mit dir über die Automatisierung, also die Prozessveränderung, die dort auch seit vielen Jahren schon stattfindet. Ich möchte mit dir über neue Währungen, über neue Ansätze im Blockchain-Bereich gerne reden in dem Umfeld, in dem du seit vielen, vielen Jahren tätig bist.
Ich schaue gerade auf die Uhr, wir schaffen das nicht mehr in der heutigen Folge, deswegen mein Vorschlag, ich lade dich nächste Woche gern nochmal zu einem zweiten Teil ein und dann reden wir ein bisschen über den IT-Wandel in der Bank. Wäre das okay für dich? Ja, total, würde mich freuen, wenn wir es schaffen. Dann machen wir das und machen jetzt den Sack zu.
Vielen, vielen herzlichen Dank für diesen ersten Teil für einen Einblick, was man als Wirtschaftsinformatiker eigentlich im Leben so alles machen kann. Klar, vielen Dank auch. Bis nächste Woche.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.