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#123b - Wirtschaftsinformatik in der Bank - ein Interview mit Dr. Carl Stolze
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Carl Stolze hat einen interessanten Lebensweg vom Studium über die Strategieberatung bis zur Projektleitung in einer großen Bank. Im zweiten Teil sprechen wir insbesondere über die digitale Veränderung in den Banken in der Vergangenheit, aber auch in der Zukunft.

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 123, Wirtschaftsinformatik in der Bank, ein Interview mit Dr. Karl Stolze, zweiter Teil. Karl Stolze hat einen interessanten Lebensweg vom Studium über die Strategieberatung bis zur Projektleitung in einer großen Bank. Im zweiten Teil sprechen wir insbesondere über die Veränderungen in den Banken in der Vergangenheit, aber auch in der Zukunft.

Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wir sind mittendrin in einer Episode hier im zweiten Teil. Es geht um uns, um uns Wirtschaftsinformatiker.

Es geht um die Veränderung, die, glaube ich, auch die Digitalisierung mit uns Wirtschaftsinformatikern vorantreibt. Ich habe jemanden im Interview, der langjährig im Bankenbereich beraten hat, mittlerweile selber Projektleiter auch in einer deutschen Bank, also nicht der deutschen Bank, sondern in einer großen Bank ist. Und wir wollen uns hier in dem zweiten Teil ein bisschen über die Veränderung auch in Bezug auf die IT im Bankenbereich konzentrieren.

Herzlich willkommen zurück, Dr. Karl Stolze. Vielen Dank, Axel, für die tolle Einführung auch in dieser Woche. Ich freue mich darauf, dass unser Gespräch fortsetzen dürfte und können.

Perfekt. Ja, das ist ja das Tolle auch mit Corona. Wir sind virtuell zusammengeschaltet und tauschen uns ein bisschen aus.

Ich habe letztes Mal schon gesagt, wir kennen uns schon ganz lange. Du warst mal an dem alten Lehrstuhl, wo ich damals als junger Assistent gearbeitet habe. Dann habe ich deinen Weg über viele, viele Stationen immer mal wieder verfolgt.

Wir haben den Weg letztes Mal so ein bisschen aufgearbeitet. Und vielleicht magst du selber mal ein paar Takte zu dir sagen, wer ist der Mensch, Karl Stolze? Ich nehme das einfach mal auf, was Axel gesagt hat. Ich bin Wirtschaftsinformatiker, Axel auch.

Ich habe in Münster studiert, damals noch in Gipfo gemacht und dann zur Promotion nach Osnabrück an einem ganz jungen, neuen Lehrstuhl dann. Ich bin mit aufgebaut, da auch schon beratend tätig gewesen. Dann in eine größere Unternehmensberatung gewechselt.

Fünf Jahre dort gewesen und jetzt inzwischen in die Linie zurück bei einer Bank in Deutschland gegangen. Daneben verheiratet, zwei Kinder, jetzt im nördlichen Münchner Umland ansässig. Da war ich recht froh und zufrieden, gebürtig aus Münster.

Man hört, ich bin nicht aus Süddeutschland. Du hast gesagt, du bist in die Linie zurückgegangen. Das ist vielleicht auch der ganz große Unterschied in der Beratung.

In der Beratung hat man wahnsinnig viele Kunden. Man ist nur kurz drin in einzelnen Projekten, in einzelnen Unternehmen. Die Linie bietet dir jetzt die Chance, Sachen auch wirklich ins Detail durchzudenken.

Ist das positiv aus deiner Sichtweise oder sagst du, ich vermisse eigentlich das alte Leben des Beraters, der aus der Tasche letztendlich ja auch sehr häufig lebt? Das vermisse ich doch sehr. Ne, das vermisse ich jetzt nicht mehr sehr, gerade in den Zeiten, wo man sowieso nicht reisen könnte. Das ist, glaube ich, der Unterschied sowieso noch mal geringer geworden.

Und ich glaube, auch die Familie freut sich, dass ich jetzt mehr zu Hause bin. Ein spannender Aspekt ist es dabei natürlich, man kann Themen länger verfolgen. Und es müssen nicht immer die großen Themen sein, auch kleinere Themen, die jetzt nur einen Teil der Kapazität von einem erfordern, kann man in Ruhe weiter vorantreiben.

Das ist wirklich eine schöne Sache, weil den Berater für bestimmte kleine Themen Vollzeit auszulasten, ist auch manchmal schwierig. Insofern, beides tolle Seiten, macht beides Spaß. Frage, was man draus macht.

Ich versuche das Beste draus zu machen immer und es macht nach wie vor Spaß. Ich greife mal ein bisschen in dein Wissen über diese Branche hinein, denn wenn ich jetzt richtig rechne, bist du mindestens seit sieben Jahren in dieser Branche Banken tätig. Das heißt, du hast wahrscheinlich selber schon wahnsinnig viel Veränderung, was das Digitale angeht, in den Banken selber mitgenommen.

Ich würde sogar noch ein bisschen vorher reingreifen, vielleicht kannst du so ein bisschen sagen, wo kommt die Bankenbranche in Bezug auf Digitales, in Bezug auf IT eigentlich her? Meines Verständnis nach ist es eine der ersten Branchen, weil Geld per se etwas Digitales ist, auch wenn es auf Papier gedruckt ist. Das war immer eine Digitalbranche per se und sie waren sehr stark am Anfang auch dabei, IT mitzugestalten in Deutschland oder international, oder? Absolut. Eigentlich ist eine Bank eine riesen organisationsverarbeitende Maschine.

Ob das jetzt früher auf Papier war, vielleicht sogar mit dem Federkegel geschrieben, in großen Büchern oder jetzt in digitalen Maschinen, eine Bank ist eigentlich Informationsverarbeitung pur. Es gibt ja eigentlich nichts, was man anfassen kann. Das eigentliche Produkt einer Bank Banking ist ja kein physisches, es ist eine Dienstleistung, sehr abstrakt, schwierig zu greifen, vielleicht auch in manchen Bereichen.

Insofern ist die Branche prädestiniert dafür gewesen. Die Branche war auch lange Zeit echter Vorreiter beim Thema Digitalisierung. Früher Einsatz von Großrechneranlagen, Programmierung.

Man denke auch nur vielleicht, die älteren Zuhörer werden sich erinnern an den Bildschirmtext BTX in den 80er, 90er Jahren, wo man das erste Mal online oder Homebanking machen konnte. Ich gebe zu, ich war noch zu jung dafür, um selber BTX-Nutzer zu sein. Aber mitkriegen können wir meinen Eltern, wie sie sich damit angefangen haben.

Das war ja schon eine Evolution. Da konnte auch einer von zu Hause Überweisungen auslösen, musste nicht zur Bankfiliale hin und irgendwelche Papierformulare einschmeißen. Da waren Banken sehr weit vorne dabei, führend, tolle Systeme.

Und dann ist irgendwann ein Bruch passiert, das haben andere Branchen überholt in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Benutzerschnittstelle, Geschwindigkeit der Anpassung. Einerseits aus dem Vorfeld heraus, keine Legacy mit sich herumschleppen zu müssen. Das muss man so formuliert, weil man kann natürlich auch böse sagen, immer der hippe Kram von heute ist die Legacy von morgen.

Das sollte man auch nicht vergessen. Denn auch viele von den Technologien, die heute als veraltet vielleicht gelten oder uncool, die sind grundsolide zum Teil und funktionieren einfach. Das darf man auch nicht vergessen.

Wir reden hier über Geld, über Systeme, die juristisch bestandsführend sind. Wenn da in einer Datenbank steht, 100 Euro sind auf einem Konto, dann sind auf diesem Konto 100 Euro. Da kann man sich nicht den Fehler erlauben, ich zeige jetzt mal 99,99 an.

Das muss schon alles centgenau stimmen. Insofern eine super interessante Branche, bezogen auf Datenmengen, Anforderungen an Genauigkeit, Prozesssicherheit, Security, Safety, aber in der Kundenwahrnehmung zum Teil inzwischen von anderen Playern total überholt. Ich habe dir diese Frage genau vor dem Hintergrund gestellt.

Ich glaube, wenn man die Bankenbranche greifen will, dann muss man einfach verstehen, dass sie früher hochmodern waren, progressiv waren mit dem Einsatz von IT überhaupt. Früher meint wirklich 40 Jahre zurück. Und dass aber auch diese Welt der Großrechner, diese Welt der monolithischen Software, natürlich euch auch, glaube ich, sehr in der Modernisierung behindert, oder? Genau, das kommt jetzt mal aus der Perspektive, aus den Erfahrungen der letzten Jahre zu sprechen, also aus mehreren Foltern.

Ja, das kann behindern, wie wir rücken. Aber, wie ich vorhin meinte, viele von diesen alten oder alt geltenden Systemen sind in sich sehr effiziente Maschinen oder Buchhaltungssysteme oder Rechenkerne. Das Problem ist häufig, dass die Interfaces rundherum und die Benutzererfahrung und die Prozesserfahrung, die man intern und extern bieten kann, da liegt eigentlich der große Knackpunkt verbunden, mit teilweise der Nichtbereitschaft, große Risiken einzugehen, weil ein letztes Mal, dass die Finanzbranche große Risiken eingegangen ist, das ist nicht so gut gewesen.

Da war ich noch nicht in der Branche 2008, 2009. Also insofern, die Branche, die auch bewusst vom Regulator so beschleunigt wird, bitte konservativ zu agieren, vorsichtig zu agieren, da ist es auch teilweise schwer, Veränderungen immer nur jubelnd anzustoßen. Das steht bei den Hinterkörperheiten.

Gleichzeitig gibt es hochmoderne Systeme, auch in Banken, auch modulare Systeme. Das ist aber sehr, sehr unterschiedlich, je nach Haus, je nach Historie der einzelnen Häuser. Und es gibt da auch nicht die absolute Blaupause, im Sinne von, jo, jetzt nehmt ihr alle das, und dann geht es nicht.

Genauso wie in anderen Branchen auch nicht. Es ist auch nicht jedes produzierende Industrieunternehmen mit dem gleichen EAP geholfen. So weit haben wir es auch mal hier im Podcast verfolgen.

Ja, jetzt hast du eben was gesagt, ihr habt sehr viel Regulatorik. Wenn du das vergleichst mit anderen Branchen, wirst du mir sofort zustimmen, dass das sehr viel mehr ist als in fast allen anderen Branchen. Das macht wahrscheinlich ein Projekt, was ihr anstoßt, sehr, sehr viel schwieriger, oder? Also Stichwort zum Beispiel 4-Augen-Prinzip.

Ich kann nicht nur einfach vor mich hin coden und das dann einsetzen und viele andere Dinge, die ihr tagtäglich erfahrt, oder? Genau, absolut. Wobei, bei manchen von den Dingen muss man sich auch fragen, warum es andere nicht auch tun. Du sagtest 4-Augen-Prinzip oder bestimmte Freigabemechanismen würden einen Sinn ergeben in jedem Entwicklungsprozess und könnten Fehler vermeiden.

Insofern, wir relativieren die regulatorische Belastung. Die regulatorische Belastung manifestiert sich teilweise auch darin, dass man spezielle Systeme braucht, die Daten auswerten und aufbereiten, nur für die Zwecke des regulatorischen Reporting zu machen. Ich habe eine ganz eigene Systemklasse.

Ich habe eigene Lieferstrecken. Ich brauche ein unglaublich stabiles, sehr performantes Datenfundament, was es mir ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit bestimmte Reports zu erstellen. Es gibt aus der Regulatorik heraus beispielsweise Anforderungen, dass eine gewisse Art Rumpfbilanz oder Bilanzkennzeichen innerhalb von 24 Stunden für den gesamten Bankbereich stehen müssen.

Das heißt, das sind Dinge, die auch ganz hohe Anforderungen an Datenstrecken, Datenhaltung und Konsistenz wiederum stellen. Und das ist eigentlich, was es dann auch nochmal die Komplexität erhöht und gleichzeitig immer neue regulatorische Anforderungen dazu führen, dass nicht unerheblicher Teil des Change-Budgets, also zu Veränderungen, einfach dafür draufgeht und dafür verwendet werden muss, nur zum Erhalt der License-to-Operate, wie es mal schön im angedeckten Raum genannt wird. Das heißt, allein um weiterhin am Markt bleiben zu dürfen, muss ich unglaublich viel Geld investieren, um neue Datenanforderungen, andere Auswertungen, gegebenenfalls bestimmte neue Prüfmechanismen, einfach zu implementieren.

Jetzt hast du gesagt, ganz viel Regulatorik, was das behindert, was aber auch vorgibt, wie bestimmte Dinge gemacht werden müssen. Ich werfe dir mal ein Zitat an den Kopf, vor dem Hintergrund auch. Das ist das berühmte Zitat von dem Microsoft-Gründer, Banking is necessary, banks are not.

92 oder 94. Wir sehen die Banken heute auch immer noch. Hat das eine Berechtigung? Ja, also der erste Zitat, Banking is necessary, in einer arbeitszeitig arbeitenden Volkswirtschaft ist absolut nichts zu unterschreiben.

Warum gibt es immer noch Banken? Irgendwer muss ja diese Informationsverarbeitung, die im Banking drinsteht, leisten. Und da hat sich als effizienteste Organisationsform scheinbar die Bank herausgebildet oder Finanzinstitute allgemein. Wir haben es gerade vor 20 Jahren z.B. mal den Trend gesehen, Allfinanzkonzerne zu schaffen, die Versicherungen und Banken integrieren wollten.

Die Ansätze sind ja alle wieder zurückgegangen. Die Leute haben sich wieder stärker fokussiert auf Kernkompetenzen. Es gibt die Banken, die auf den Zahlungsplatz abbiegen, Kredite vergeben und ähnliches.

Insofern denke ich schon, Banken sind weiterhin notwendig. Worüber man immer streiten kann, auch an Volkswirtschaft oder auf dem politischen Raum, in welcher Organisationsform betreibe ich solche Institutionen, Institute? Das ist eine ganz andere Fragestellung, als dieses Zitat das nahelegt. Okay, also ich frage auch vor dem Hintergrund, wir haben mal in Folge 39, Banking as a Platform, natürlich auch einen der Gründer der Solaris Bank als Backbone-Bank, sozusagen als technische Plattform im Banking interviewt.

Wo siehst du die gegenwärtige Aufgabe der Banken und wo vielleicht auch die Zukunft? Sowohl heute wie auch morgen werden Banken Zahlungsströme organisieren zwischen Menschen. Und das tun da auch selbst Dinge wie PayPal. PayPal hat auch eine Bank, die zum Teil geht einfach darum, Zahlungsströme effizient auszutauschen.

Dazu das Thema der sogenannten Fristen-Transformation zwischen kurzfristigen und langfristigen Kapitalanforderungen und Ähnlichem. Das heißt, diese Dinge, die bleiben, die sind ein Stück weit zeitlos. Da hat sich das Aufgabenspektrum von Banken auch in den letzten paar hundert Jahren, böse das jetzt klingt, nicht fundamental geändert.

Und das wird sich auch kurzfristig nicht ändern. Was sich ändern wird, sind die Lieferwege für die Dienstleistung. Wie kann ich diese Dienstleistung beziehen, nutzen, die Benutzer schnittstellen? Und dann immer wiederum Spezialisierung, dass bestimmte Banken bestimmte Spezialbereiche abdecken und andere nicht.

Man kann ja grob unterscheiden zwischen Retailmarkt, also Privatkunden, kleineren Firmenkunden, größeren Firmenkunden, Sparten, man hat Spezialfinanzierer, verschiedenste Immobilien, Immobilien. Das heißt, es gibt ja noch viele Differenzierungen innerhalb des Bankenbereichs. Und diese werden auch vermutlich bleiben.

Vor dem Hintergrund, dass bestimmte Branchen auch ganz spezielle Anforderungen haben an ihre Bankprodukte. Aber die grundsätzlichen Bankprodukte bleiben die gleichen. Es heißt auch zum Teil dann anders.

Oder ich kriege eine andere Form. Ich habe eine Kreditkarte statt Schuldscheine oder Schecks. Insofern bin ich da eigentlich ganz positiv für die Branche.

Nur das führt zwangsläufig immer zu der spannenden Frage, was ist denn dann echte Innovation in so einer Branche? Das ist genau ein Knackpunkt, den ich gerade angesprochen hatte. Die grundsätzlichen Aufgaben haben sich nicht verändert. In den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten werden sich auch vermutlich nicht in den nächsten Jahrhunderten ändern.

Insofern bleibt es spannend. Du hast mir das beinahe so ein bisschen vorweggenommen schon. Ich habe neulich mal wieder einen Vortrag auch über Blockchain-Ausgestaltung gehabt hier in der Region.

Ich war erstaunt, wie viele Leute aus dem Finanzsektor dort waren und wie informierte Fragen, und zwar von Nicht-Technikern, dann auch über dieses Thema gestellt wurden. Ist das the next big thing für die Banken? Es kommt darauf an, wofür eine Blockchain als verteilter Ledger sehr schnell updatable ist. Also Ledger im Sinne eines Buchhaltungsbuchs kommt immer auf den Bankbereich an und kann hochattraktiv sein.

Ich glaube bestimmt, dass wir noch sehr langsam sind. In anderen Bereichen ist es nur ein weiteres Database. Es kommt sehr stark darauf an, über welchen Bereich man spricht, wie Transaktionssicherheit konkret ausgestaltet wird und Vertrauen.

Insofern ist es differenziert. Der große Hype, wie vor ein paar Jahren, der ist vorbei ein Stück weit. Es geht darum, konkrete Anwendungsbereiche zu finden, mit denen man gegebenenfalls was machen kann.

In bestimmten anderen Ländern kann die Blockchain-Technologie vermutlich sogar noch mehr Wirkung erzielen als in einem Land wie Deutschland oder auch vielen anderen europäischen Ländern, die eine funktionierende Verwaltung beispielsweise haben. Wenn ich an Länder denke, in denen Grundbücher nicht existent sind oder nur rudimentär existent sind, dann würde ich ein neues Grundbuchsystem auf so einer Technologieplattform aufbauen. Das ist aber wieder fast der Fluch des gut Funktionierenden ist, was wir hier bei uns haben.

Wir haben ja gar keine Notwendigkeit, was zu einem funktionierenden Grundbuch. Warum sollten wir das jetzt ohne Not auf eine unbekannte Technologie wechseln? Insofern bleibt das spannend an der Stelle. Aber ich glaube, der große Hype um die Blockchain, der ist erst mal vorbei.

Jetzt geht es darum, zu schauen, wo bringt es wirklich einen Anwendungsniveau gegenüber anderen Mechanismen zur Vertrauensschaffung. Okay. Es ist natürlich auch immer eine Frage, inwieweit ist der Intermediär, in dem Falle die Bank, dann überhaupt noch notwendig, wenn eine neue Technologie eine Aufgabe zumindest in Teilen des Intermediärs auch wahrnehmen kann, oder? Genau.

Aber jetzt dann bleibt ja immer die Frage, wie Vertrauen hergestellt wird. In Teilen hat der Intermediär ja auch die Aufgabe des Herstellens von Vertrauen. Wenn man jetzt zum Beispiel an Import-Export-Finanzierung oder Ähnliches denkt, wo die Banken dafür sorgen, dass Vertrauen herrscht darüber, dass beide Seiten das erhalten, was sie vertraglich vereinbart haben.

Jetzt müsste ich in dem Fall, wenn ich das jetzt komplett über eine Blockchain, was die Visionäre vorschreiben, vorbinden oder vorstellen, müsste ich dieser Blockchain abstrakt vertrauen. Aber was ist denn der Mechanismus dahinter? Dass dann auch wirklich entsprechend gehandelt wird? Oder habe ich nicht dann einfach nur einen anderen Intermediär, der eine andere Technik verwendet? Das ist, glaube ich, die spannende Fragestellung, die in vielen von diesen toll klingenden Präsentationen zu wenig zu tragen kommt. Ja, ist ein spannender Ansatz.

Ich werfe dir da nochmal ein zweites Buzzword sozusagen rein. Bislang funktioniert ja vieles im Bankenbereich rein transaktional. Das heißt, ich habe Prozesse, die ich einmal ausgestalten muss in Form von Software und dann laufen die hunderttausendfach, millionenfach, egal ob es jetzt Clearing-Prozesse sind oder irgendwelche anderen Dinge.

So, jetzt kommen natürlich neue Schlagworte auch auf. Das größte Schlagwort ist künstliche Intelligenz. Ist das etwas, womit sich die Bankenbranche besonders auseinandersetzt? Oder ist das etwas, wo du sagst, naja, wahrscheinlich sind wir eher die letzte Branche, in der so etwas zum Tragen kommt? Ich glaube, wir sind sogar zum Teil eine der ersten, in denen es zum Tragen kommt.

Ich komme jetzt immer auf ein Anwendungsgebiet an, beispielsweise im Bereich des Risikomanagements oder auch Frauddetectors, also Schutzerkennung. Das sind ja immer so statistische Methoden, seit Jahren und Jahrzehnten gängige Praxis. Gehen wir jetzt zur Weiterentwicklung stärker künstlicher Intelligenz getriebener Ansätze, wird ja jetzt schon gegangen zum Teil der Welt.

Dabei habe ich manchmal das Problem mit dem Basswort künstliche Intelligenz. Zum Teil wird ja darunter dann auch schlicht gute alte Statistik neu verkauft. Und da auch nochmal abwägen, was meinen wir genau von künstlicher Intelligenz eben in Abgrenzung zu statistischen Methoden.

Alle Risikomodelle, die Banken heute rechnen, basieren bereits auf statistischen Methoden. Künstliche Intelligenz wird so verstanden im Sinne von, dass Algorithmen selber neue Muster erkennen. Das ist ein Innovationsding.

Aber auch da sind Banken jetzt hinterher, weil sie Prozesse verschlenden kann, die Prognosegenauigkeit erhöhen kann und auch helfen kann, dass es den Kunden effizienter und schneller läuft, jedenfalls nicht so lange auf eine Antwort warten muss. Und da muss man auch wieder unterscheiden zwischen Bankbereichen oder Banksegmenten, wie stark standardisiert das Geschäft dahinter liegt. Es gibt hochstandardisiertes Bankgeschäft, es gibt auch manufakturhaft ausgeschaltetes Bankgeschäft nach wie vor.

Und auch in einer guten Daseinsberechtigung von bestimmten Deals oder Dingen, die passieren einfach nicht so oft in der Welt. Es wird nicht jedes Jahr am Rande der Wirtschaft oder Innenstadt ein Parkhaus gebaut, wo es finanziert werden muss. Es passiert nicht so oft wie ein Familienhäuser, die am Stadtrand gebaut werden.

Und da hilft uns natürlich auch nochmal, den komplexen Sachverhalt besser politisch einschätzen zu können. Beides jetzt fiktive Beispiele, nur um es so zu betonen. Okay, also es bleibt spannend, wie sich die Banken auch in Zukunft behaupten werden, denn wir haben viele neue FinTechs, die da auf den Markt kommen und was sich dann auch in der Bankenbranche verändern wird, oder? Auf jeden Fall, wobei unter dem Schlagwort FinTech zum Teil sind es ja auch nur wieder Banken, nur noch jüngere Banken.

Also groß prominente FinTechs, die vielleicht auch den Retail-Kunden bekannt sind, wie N26. Auch N26 ist am Ende eine Bank. Zwar mit einer sehr, sehr schönen App und Ähnlichem, aber es ist immer noch eine Bank.

Ich stimme dir völlig zu, aber es nützt mir natürlich als traditionelle Bank auch nichts, wenn plötzlich meine Kunden alle zu diesen neuen, vermeintlich oder auch real innovativen Playern in der Branche rüber wechseln, oder? Genau, da muss ich dann verteidigen und selber den Innovationsgrad hochziehen, absolut. Also ich muss es verteidigen und das ist genau der Punkt, den wir vorhin schon mal angesprochen haben, die Benutzererfahrung. Wie schaffe ich es, eine vernünftige Benutzererfahrung zu schaffen, dass der Kunde bei mir bleibt oder auch zu mir kommt? Ich richte jetzt mal den Blick auf dich und nehme diese Benutzererfahrung direkt mit rüber in unsere Blitzlichtrunde.

Inwieweit hilft dir das, was du jetzt erlebt hast von der Ausbildung, du hast gesagt Wirtschaftsinformatik, mit ein bisschen Marketing, dann Lehrstuhlberatung, hier vielleicht ein bisschen mehr die Nutzerperspektive. Ich habe durchaus einige verschiedene Banken und nicht alles, was da an Nutzererfahrung ist, wird, wie sage ich das, groß geschrieben. Aber wie weit hilft dir da vielleicht auch dein beruflicher Hintergrund, das in Zukunft auch gegenüber den Fintechs besser zu machen als in der Vergangenheit? Zum einen das methodische Verständnis, dass man Probleme auch in handhabbare Teile zerlegen kann.

Punkt eins. Punkt zwei die Möglichkeit, das auch zu kommunizieren, auch vielleicht mit Kolleginnen und Kollegen, die jetzt einen anderen Erfahrungshintergrund gesammelt haben, jedenfalls sehr unternehmenstreu sind, das Unternehmen sehr gut kennen, die man einfach auch mal mitnehmen muss, um zu schauen, was noch passiert in der Welt draußen. Und zum dritten einfach auch die Lust auf Neues, die hilft immer, wenn man die auch glaubwürdig vermitteln kann und auch glaubwürdig nachweisen kann, das bringt einen Nutzen.

Weil am Ende wird immer etwas tun, was keinen Nutzen bringt. Du hast es selber angesprochen und auch selber Bankkunde bist, wie vermutlich die meisten Zuhörer. Der eine oder andere ärgert dich manchmal über seine Bank, aber tut dann am Ende nichts.

Das ist dann auch zum Teil der Trägheit der Konsumenten geschuldet, dass da nichts passiert, weil wenn die Konsumenten oder Kunden alle da bleiben, wo sie sind, zwar ein bisschen meckern lässt man, aber das keine Konsequenz hat, das ist ja rational für den Kaufmann irgendwo, da muss sich ja nichts tun, wenn die alle bleiben. Ich glaube ein großer Wake-up-Call oder Ausrüttler für die Retail-Banker in dieser Welt war die Einführung von Apple Pay sicherlich in Deutschland. Jetzt hat Apple nicht den Marktanteil mehr bei Smartphones.

Aber diese Einführung hat so einen Buzz und so eine mediale Wirkung erzeugt auf das Thema mobiles Bezahlen. Da sind ja auch viele traditionellere Bankengruppen ein Stück weit aufgewacht und auch auf einmal auf den Zug aufgesprungen sind, die sich vorher noch vehement geweigert hatten, in die Richtung irgendetwas zu unternehmen. Insofern darf man es auch nicht unterschätzen.

Wenn du deine ganzen Projekte anschaust, wenn du deinen Lebenslauf an der Stelle anschaust, gibt es da irgendetwas, wo du sagst, das ist für mich ein besonderer beruflicher Meilenstein und ein besonders großer beruflicher Erfolg gewesen? Ja, ohne jetzt Namen nennen zu können, dürfen sicherlich in der Beratungszeit ein großer Meilenstein, ein großes erfolgreiches Migrationswochenende im Rahmen eines Mergers von zwei Banken, wo wirklich dann die juristischen Bestände erfolgreich übertragen wurden. Das war echt ein saugeiles Gefühl, als das irgendwie geschafft war. Wir hatten da mit einem großen Team dran mitgearbeitet und das wirklich zum großartigen Erfolg geführt.

Das war wirklich ein Ding, das macht man vielleicht auch nicht so oft im Leben, solche Merger. Das war wirklich cool. Jetzt beschreibst du eigentlich das Riesenproblem, was man, glaube ich, in der Praxis immer wieder hat.

Wir haben permanent neue Anforderungen, wir müssen uns permanent weiterentwickeln. Leben heißt heute oder Arbeiten heißt heute lebenslanges Lernen. Wie hältst du dich auf dem Stand? Gibt es eventuell irgendein interessantes Buch, was dich persönlich weitergebracht hat oder weiterbringt und was du beruflich oder privat unseren Hörern auch empfehlen kannst? Der Klassiker eigentlich, Getting Things Done, immer empfehlenswert.

Man muss die Methodik nicht eins zu eins sklavisch übernehmen, aber es hilft einem, die Prozesse dahinter zu verstehen. Nicht jede Aufgabe, die reinkommt, ist gleich wichtig und bestimmte Sachen einfach schnell erledigen oder ablegen oder mit einem Termin versehen und nicht irgendwie in einer Inbox untergehen. Andere Quellen, die dich tagtäglich unterstützen, Internetquellen, Blogs.

Was liest, was hört man, wenn man Projektleiter im Bankenumfeld ist? Ich höre natürlich immer gerne den ERP-Podcast, aber Spaß beiseite. Ich mag den Podcast auch von Payment & Banking. Das sind Kollegen, die stark die Themen Payment, Mobile und Banking abdecken.

Zum Teil sehr freaky sind, womit bestimmte Dinge auch nicht interessieren. Aber die haben immer sehr hochkarätige Gäste. Das ist ein sehr interessanter Podcast, also super geeignet auch, wenn man draußen unterwegs ist.

Das sind natürlich einstägige News-Seiten, wie beispielsweise Finanz-Szene.de, jetzt stark auf die Bankenbranche bezogen. Im Tech-Bereich gibt es die Klassiker wie High The Golem, schaut man sich öfter mal an. Aber auch mal Dinge wie The Verge, The Register oder andere englischsprachige Quellen.

Einfach zu schauen, was im Rest der Welt noch geht. Und über den Newsletter von Finanz-Szene.de gibt es noch mal wieder interessante Links auf andere englischsprachige und deutschsprachige Webseiten. Und natürlich den Newsletter der BaFin kann man auch lesen.

Wenn man nicht selber einschätzen muss, was regulatorisch einem zukommt, hilft es einem trotzdem zu wissen, womit die Kollegen in die Ecke kommen könnten. Jetzt frage ich noch mal abschließend ein bisschen breiter, und zwar in Bezug auf das Unternehmensdatenfundament. Du hast ja in den letzten Jahren sehr, sehr viel mit ERP zu tun gehabt.

Du hast auch sehr viel natürlich mit Bankensystemen, heißt ja bei euch in der Branche vielleicht nicht unbedingt ERP, zu tun gehabt. Wie verändert sich dein Berufsumfeld? Und vor welchen Herausforderungen steht dann die Unternehmenssoftware insbesondere? Unser ERP ist das Kernbanksystem, wobei auch der ein oder andere ERP-Hersteller zwischen Kernbanksystem-Komponenten anbietet. Beispielsweise die SAP bietet ausschließlich im Bankenumfeld verbreitete Module an wie CML, CMS, BCA und Ähnliches.

Da geht es in verschiedensten Ausprägungen beispielsweise um Collateral Management, also Sicherheitsmanagement, die eigentlichen Loans und Mortgages, Current Account, also Kontrokurrentkonten und Ähnliches. Das heißt, auch die klassischen ERP-Hersteller sind zum Teil expandiert. Daneben gibt es andere Standardsoftware-Hersteller, wie Temenos, Avalor, Cordo, Ciscordo Bar, die eine hohe Standardisierung haben.

Einzelne großen Bankgruppen, beispielsweise die Sparkassen mit der Finanzinformatik, haben ein eigenes Kernbanksystem. Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat über die Fiducia GAD, IT AG, ihr AGREE21 als Standardsystem. Das heißt, es gibt gewisse Standardsysteme.

Unternehmen viel Eigenentwicklung noch in unabhängigeren Häusern. Als ordinäres Fundament des Kernbanksystems. Unternehmen unglaublich viele Kapitalmarktsysteme in vielen Häusern.

Oder auch in der Treasury. Und die müssen alle am Ende verknüpft werden. Das heißt, jede Bank hat danach nochmal eine Integrationsschicht in den Form eines Data Warehouses, um diese Daten zu Reporting-Zwecke zusammenzuführen.

Das heißt, wir reden eigentlich immer über eine Landschaft aus zig Systemen. Es gibt nicht das eine System, mit dem das Unternehmen läuft. Das bildet eigentlich keiner genau hin.

Das war toll, habe ich nicht jeden Tag. Danke dafür. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann, ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.