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#129a - Digitalkompass 2020 – über den digitalen Zustand der deutschen Wirtschaft mit Dr. Marcus Fischer, Geschäftsführer der digital& GmbH
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Noch schlagen die Corona-Effekte heftig zu Buche, doch die Digitalisierung schläft nicht. Wie sieht es zurzeit im Mittelstand aus? Wohin geht die Reise? Welche Geschäftsmodelle entwickeln sich? Im Interview habe ich den Software-Strategen Dr. Marcus Fischer, der für den Digitalkompass 2020 über 50 Tiefeninterviews im Mittelstand geführt hat.

Viel Vergnügen!

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In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 129, Digital Kompass 2020 über den digitalen Zustand der deutschen Wirtschaft mit Dr. Markus Fischer, Geschäftsführer der Digital End GmbH. Noch schlagen die Corona-Wellen heftig zu Buche, doch die Digitalisierung schläft nicht. Wie sieht es zurzeit im Mittelstand aus? Wohin geht die Reise? Welche Geschäftsmodelle entwickeln sich? Im Interview habe ich den Software-Strategen Dr. Markus Fischer, der für den Digital Kompass 2020 über 50 Tiefeninterviews im Mittelstand geführt hat.

Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Diese Woche mal mit einer Diskussion zu einer Studie, die aus unserem Hause von unserem Forschungsteam stammt. Ich freue mich, dass Dr. Markus Fischer sich Zeit genommen hat, mit mir ein bisschen über den Digital Kompass 2020 zu sprechen.

Eine Bestandsaufnahme zum aktuellen Stand der Digitalisierung. Ja, natürlich vor allen Dingen für unsere Region, für die Region Main-Franken, aber ich denke, die Erkenntnisse sind weit darüber hinaus verwertbar. Herzlich willkommen hier im ERP-Podcast.

Ja, hallo und vielen Dank für die Einladung. Markus, vielleicht magst du dich zunächst mal vorstellen. Wer ist der Mensch Markus Fischer? Ja, mein Name ist Markus Fischer.

Ich arbeite mittlerweile im Bereich der Digitalisierung und Wirtschaftsinformatik seit knapp fünf Jahren. Erst an deinem Lehrstuhl, Axel, als wissenschaftlicher Mitarbeiter, wo ich auch meine Promotion in dem Bereich durchgeführt habe und jetzt mittlerweile seit knapp einem Jahr als Unternehmensberater mit einer eigenen Unternehmensberatung der Digital End GmbH, mit der wir insbesondere den Mittelstand hier in der Region bei solchen Themen beraten. Wie mit der Digitalisierung umgehen? Welche Lösungen passen zu mir? Wie kann ich sie so einsetzen, dass sie für mein Unternehmen optimal sind? Genau, das ist sozusagen der Stand heute.

Ich nenne euch ja gerne Software-Strategen. Nicht, weil ihr nur rein Software macht, sondern weil ihr den Mittelstand bei den Problemen abholt, gemeinsam über Lösungen nachdenkt und die Lösung dann auch umsetzt, richtig? Ganz genau so ist es, sozusagen von der Konzeption bis zur Umsetzung am Ende. Also auch mit Softwareentwicklung decken wir eigentlich die gesamte Wertschöpfungskette ab.

Gut, und ihr habt jetzt gemeinsam mit dem Lehrstuhl diese Studie erstellt, Digital Kompass 2020. Vielleicht magst du so ein bisschen was zum Setting erzählen? Was war der Hintergrund? Um was geht es da überhaupt? Ja, sehr gerne. Der Digital Kompass 2020 ist tatsächlich noch der Forschung geboren worden oder in den Forschungsarbeiten.

Wir haben ja schon während meiner Zeit am Lehrstuhl auch gemeinsam, Axel, viele Veranstaltungen gemacht. Ich erinnere nur an den Blockchain-Abend, den wir glaube ich im November 2018 hatten, der auch sehr gut angekommen ist und haben da immer mit sehr vielen Unternehmen Austausch betrieben. Und es war eigentlich immer, ich glaube für uns beide, ziemlich eine Überraschung, wie viele Unternehmen dann dort doch erschienen sind, weil das Thema Blockchain ja, das man zumindest hört, noch nicht ganz so tief im Mittelstand angekommen ist.

Und in den Gesprächen hat sich dann immer so ein bisschen ergeben, ja, die Unternehmen finden das sehr interessant, denken, das ist die Zukunft, haben aber relativ wenig Verständnis von der Materie. Und wenn man so ein bisschen ins Gespräch gekommen ist, kam meistens raus, dass intern im Unternehmen, aber auch in den Geschäftsmodellen, noch gar keine Digitalisierung stattgefunden hat und sowas. Die Blockchain ist noch ganz, ganz weit entfernt von der aktuellen Realität.

Und weil wir das ja mehrmals beobachtet haben, hatten wir uns, also damit meine ich mich und meinen Partner Dr. Florian im Grund, haben uns dann gedacht, naja, die sitzen eigentlich wirklich in meinen Franken aus. Ja, und dann sind wir ja damit auf dich zugekommen und du fandest das auch eine super Idee und wir haben das ausgearbeitet und sind dann letztendlich auch mit der IAK, auf die IAK als starken Partner gekommen, der natürlich auch ein super Interesse daran hat, zu verstehen, wo stehen die Unternehmen, wenn es um die Digitalisierung geht, in meinen Franken. So war so ein bisschen die Entstehungsgeschichte des Ganzen.

Ihr wart ja sehr fleißig, ihr habt ja massiv viele Unternehmen befragt, oder? Genau, also wir hätten gerne noch mehr Unternehmen befragt. Wir sind dann relativ schnell in die Abstimmung gegangen mit der IAK, auch was die gerne wissen wollen und haben dann so eine Art Setting aufgebaut, in der wir eigentlich über alle, über die drei großen Wirtschaftszweige, Industrie, Handel und Dienstleistung, alle Unternehmensgrößen eigentlich mal gleich verteilt abfragen wollen. Das war dann natürlich nicht repräsentativ, ja, das Wort will ich nicht in den Mund nehmen.

Allerdings wollten wir einfach mal so mit fünf bis zehn Unternehmen jeder Größenklasse sprechen, um da zumindest mal ein gesamtheitliches Bild zu entwickeln und mal einen guten Ausschnitt zu bekommen. Letztendlich sind wir, wir hatten eigentlich mal so 50 bis 100 Unternehmen angepeilt zu befragen. Natürlich hat sich nicht jeder zurückgemeldet, manche konnten auch nicht, aufgrund des auftragsreichen Ende des Geschäftsjahres letztes Jahr.

Und dann sind wir am Ende auf 50 Unternehmen gekommen. Aber ich denke, das ist trotzdem nicht schlecht, ja, so 50 Unternehmen, die wir insgesamt 60 bis 90 Minuten befragt haben. Wir waren dann meistens auch vor Ort, ja, das war uns eigentlich extrem wichtig, um auch mal so ein bisschen die persönliche Komponente zu bespielen, mal zu verstehen, wie sieht es da eigentlich aus? Wie arbeiten die Leute eigentlich? Wie sieht der Standort aus? Und auch wirklich eine engere Bindung aufzubauen.

Und das war eigentlich immer sehr, sehr gute Resonanz bekommen und war auch für uns extrem interessant. Okay, ich greife da mal rein. Also das, was ihr gesehen habt bei 50 plus Unternehmen, ist ja wahrscheinlich aufgrund der Größe, aufgrund der Branchenverteilung absolut nicht homogen.

Also ihr habt wahrscheinlich alles gesehen. Und ihr habt in Bezug auf das Verständnis von Digitalisierung wahrscheinlich auch ganz unterschiedliche Ansätze gesehen, oder? Ganz genau so ist es. Es war auch aus unserem wissenschaftlichen Hintergrund, wollten wir nicht einfach reingehen und so ein paar Fragen abfragen, sondern wir haben dann ein Untersuchungsdesign gewählt, das sehr flexibel war und was eigentlich so mit der Ankerfrage verbunden war, was verstehen Sie unter Digitalisierung? Das war immer die Anfangsfrage und wenn ich so zurückdenke an die Zeiten, dann haben wir ungefähr 60 bis teilweise 80 Prozent der Zeit über diese Frage gesprochen, weil sie halt von extremster Wichtigkeit ist, was der Geschäftsführer eines militärischen Unternehmens eigentlich darüber versteht.

Und du hast es vollkommen richtig gesagt, die Aussagen waren extremst heterogen. Also das geht von Papier in digitale Files, die in Ordnern liegen, bis hin zu einer ganzheitlichen Transformation, die sowohl die Kunden als auch die eigenen Mitarbeiter, als auch die eigenen Geschäftsprozesse betrifft, war wirklich alles dabei. Das heißt, vom kleinen Unternehmen, das Digitalisierung versteht, als Papierumwandeln in Dateien, die in Ordnern liegen, bis hin zu ganzheitlichen Definitionsweisen, wo es darum geht, Mitarbeiter, Prozesse, Kunden, Geschäftsmodelle zu verbinden, zu transformieren und zu digitalisieren.

Also wirklich eine sehr, sehr heterogene Meinung. Man muss am Ende des Tages allerdings sagen, dass je kleiner das Unternehmen gewesen ist, mit dem wir gesprochen haben, desto enger war meistens auch die Definition. Das heißt, der Großteil der kleinen Unternehmen hat sich wirklich sehr eng definiert.

Was wir im Bericht auch geschrieben haben, wahrscheinlich auch eine der Problemstellungen ist, weil in einer sehr engen Definition erkenne ich meistens die Potenziale nicht, die in der Zukunft liegen, sondern mache nur klein, klein. Da kriege ich auch nicht die großen Ergebnisse am Ende zu sehen. Das ist ja etwas, was wir jetzt in der Corona-Krise auch immer wieder gesehen haben, dass das Thema Homeoffice als Digitalisierungsschwerpunkt sehr stark gesehen wurde.

Ich nehme an, ihr habt ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesehen, die die Unternehmen als ihre Digitalisierung wahrgenommen haben. Du hast gesagt, sie haben meistens nur kleine Ausschnitte der Digitalisierung wirklich gesehen. Gab es aber auch Unternehmen, die eine Agenda hatten, die das große Bild auch gesehen haben, die vielleicht auch gesagt haben, in fünf Jahren haben wir die und die neuen Geschäftsmodelle aufgebaut? Ja, auch das, absolut.

Es gab ein paar Muster, die haben wir insgesamt erkannt, aber in jeder Unternehmensgruppe und in jeder Branche gab es immer wieder Überraschungen, die dann tatsächlich extrem weitsichtig gewesen sind und visionär. Nur mal ein Beispiel. Hier in Würzburg, ich glaube, das ist Würzburgs größter Immobilienmakler.

Sehr, sehr detaillierte und genaue Vorstellungen davon, wie das Unternehmen in der Zukunft aussehen soll. Und wirklich nicht nur, wenn es um Prozesse geht und um Software, sondern wirklich auch digitale Geschäftsmodelle, wie man sich in der Zukunft aufstellen kann, um der stetigen Entstehung neuer Start-ups und digitaler Unternehmen gegenzutreten. Also wirklich sehr überraschend dort.

Wir haben auch mit Unternehmen gesprochen, die letztendlich jetzt stark reininvestieren in die Entwicklung digitaler Produkte, die den Übergang schaffen von dem rein industriellen Zeitalter zu einem mehr servicebasierten Zeitalter. Und auch nicht jetzt so Zehntausende von Mitarbeitern, sondern wirklich mittelständische Unternehmen, bis 500 Mitarbeiter, die ihre Produkte mit Sensorik ausstatten, die versuchen, Serviceansätze zu verkaufen, die neue Geschäftsmodelle wie Pay-Per-Use fokussieren. Da also wirklich auch ein paar Unternehmen dabei, die wirklich überraschend gut aufgestellt gewesen sind.

Jetzt habt ihr natürlich viel auch in die Studie reingeschrieben. Die Studie verlinken wir auch noch mal in den Shownotes dieser Folge. Die ist also frei zugänglich.

Aber ich vermute mal, dass ihr darüber hinaus ganz viel Detailwissen habt, was euch jetzt sicherlich auch in dem Beratungsgeschäft und der Beratungsunterstützung des Mittelstandes sehr hilft, oder? Ja, absolut. Also wir haben da jetzt natürlich viele Einblicke darüber gewonnen, wo es denn am Ende des Tages scheitert. Und dazu nur ganz kurz.

Der Hauptgrund, den wir letztendlich auch in unserer Analyse gefunden haben, ist meistens die fehlende Strategie. Ja, wirklich das fehlende Verständnis dafür, wie das eigene Unternehmen sich eigentlich weiterentwickeln kann. Man hört heute immer noch ganz häufig, es ist halt in der Vergangenheit gut gewesen, wie es gewesen ist.

Und so wird es auch in der Zukunft sein. Wir verkaufen weiter unsere Produkte. Und es bleibt erstmal alles so, wie es ist.

Ihr habt ja wahnsinnig viele Unternehmen befragt. Und natürlich ist auch viel über die ganzheitlichen Anwendungsszenarien, über Lösungsansätze in der Studie beschrieben, die wir ja auch in den Shownotes verlinkt haben, so dass Sie, liebe Zuhörer, die auch abrufen können. Aber ihr habt natürlich ganz viel Wissen mitgenommen aus den Unternehmen.

Hilft euch das jetzt in der Beratungspraxis, weitere Mittelständler in der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle, in der Umsetzung digitaler Prozesse zu unterstützen? Das ist natürlich vollkommen. Das war für uns eine riesige Hilfe, auch nochmal diesen detaillierten Einblick zu bekommen in den aktuellen Stand. Weil wir haben natürlich auch gesehen, woran es meistens fehlt, ist wirklich ein ganzheitliches Verständnis.

Und wirklich auch eine Art Strategie zu haben. Auch wenn sie nur ganz grob ist, aber zumindest zu verstehen, in welche Richtung man laufen muss. Und das machen wir jetzt eigentlich immer am Anfang.

Ohne das geht es für uns eigentlich nicht. Wir sind nicht die typischen Umsetzer, die man anruft und sagt, ich will die und die Entwicklung bis zu dem oder dem Zeitpunkt. Sondern wir zwingen eigentlich die Unternehmen dazu, nochmal den einen Tag zu investieren, uns gemeinsam mal zu analysieren und mal herzuleiten, wo das Unternehmen eigentlich hin will und ob das überhaupt reinpasst langfristig, was da angedacht gewesen ist.

Und das ist natürlich daraus geboren, dass wir gemerkt haben im Digitalkompass, dass viele einfach noch nicht alle, zumindest nicht alle Aspekte der Digitalisierung und die gesamte Bandbreite zu 100% verstanden haben. Das finde ich eigentlich sehr, sehr gut, weil ich das sehr häufig erlebt habe, dass Unternehmen sagen, okay, wir haben aus einem Problem heraus eine Lösung eingeführt, eine Lösung entwickelt, aber das war viel zu kurz gegriffen und wir ärgern uns eigentlich über die Investition oder das Geld, was wir dort reingesteckt haben. Ja, das haben wir auch des Öfteren gehört.

Und das merkt man auch, dass gerade Kleinunternehmen mit nicht ganz so viel Budget, die letztendlich jeden Euro umdrehen müssen und gerade wenn es um solche Investitionen geht, in der Größe, dann hört man natürlich häufiger, dass wenn mal was schlecht gelaufen ist, dass dann eine ganz starke abwartende Haltung existiert und erstmal lieber nichts mehr getan wird, weil das letzte Projekt war nicht so erfolgreich, als sich jetzt in das nächste zu stürzen. Und das haben wir auch in den Fragen gesehen, in den Antworten der teilnehmenden Unternehmen. Diese Fehlinvestitionen, die sind teilweise von kleiner Kalendersoftware bis hin zu großen ERP-Systemen, die viel Geld gekostet haben und dann aber nicht wirklich auf die Anforderungen des Unternehmens gepasst haben und jetzt natürlich die Kosten nochmal stärker erhöhen.

Aus eurer Sicht, wie gefährlich ist denn dieses Abwarten? Ja, es ist extremst gefährlich. Also es ist wirklich super gefährlich. Es ist teilweise auch für uns unverständlich, weil Lösungen gibt es.

Wir haben auch so eine der Hauptgründe, warum noch nicht weiter digitalisiert worden ist, war immer, ja es fehlt Zeit. Manchmal fehlt auch Geld. Aber hauptsächlich ist es die Zeit, dass ich damit nicht wirklich auseinandergesetzt werde.

Und das ist natürlich fatal. Wenn ich mich damit gar nicht auseinandersetze, dann merke ich noch gar nicht, was an mir vorbeigeht. Und es gibt so viele Unternehmen, die versuchen in diese etablierten Branchen und Märkte reinzukommen.

Die habe ich dann gar nicht mehr auf dem Schirm und dann werde ich überrascht. Und dann dauert es nicht lange, dann bin ich weg. Das heißt, es ist eine extrem schwierige Situation.

Jetzt tauchen in der Presse natürlich wahnsinnig viele Buzzwords auf. Ich denke mal, vieles, was dort auch als Sau durchs Dorf getrieben wird, verunsichert sehr stark. Was nimmt die Region hier in ihrer Digitalisierung als die Trends, als die Megatrends wahr? Ja, also man muss erstmal vorneweg sagen, da hast du sicherlich auch einen großen Einteil dran, dass du das Thema ERP seit Jahren pusht und auch die Wichtigkeit verdeutlicht.

Das merkt man auch bei den Interviews. Viele Unternehmen haben sich zumindest damit beschäftigt, die verstehen den Vorteil von einer integrierten Datenbasis und digitalen Prozessen. Und die sind entweder in der Einführung oder haben die schon hinter sich.

Das heißt, das Thema ERP ist gerade bei den mittelständischen Unternehmen, also bei den kleinen natürlich noch nicht. Ich denke mal, da kommt es aber auch hin mit immer neuen Lösungen, die dafür ausgelegt sind. Aber bei den mittelständischen Unternehmen ist es schon weit verbreitet.

Und die neuen Themen, die jetzt gespielt werden, ganz häufig ist künstliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz, klassisches Buzzword, wird immer wieder genannt im Zusammenhang mit Kunden, Daten analysieren, maßgestandardere Angebote für Kunden anbieten und so weiter. Das ist wirklich Nummer eins und eigentlich von jedem der Teilnehmer zugestimmt, dass das nachhaltig das wirtschaftliche Leben und die wirtschaftliche Umgebung verändern wird.

Aber auch andere Themen waren natürlich von hoher Bedeutung, wie zum Beispiel Blockchain. Immer wieder mal ist Blockchain gefallen, dass es letztendlich viele intermediäre Ausschalten eliminieren wird, dass es auch vieles einfacher machen wird, ohne Notare und ohne Institutionen, die irgendwas beglaubigen müssen. Das sind so die wichtigen Themen.

Ihr habt auch angesprochen in der Studie, dass die Unternehmen schon sehr viel über Automatisierung, über effektivere und effizientere Prozesse nachdenken. Inwieweit spiegelt sich das zumindest in Digitalisierungsvorhaben, wenn nicht schon konkreten Digitalisierungsumsetzungen wieder? Ja, noch nicht so wirklich. Man muss ja immer unterscheiden.

Wenn ich ein Industrieunternehmen bin, verstehe ich häufig unter Automatisierung etwas anderes, als wenn ich ein Handelsunternehmen oder Dienstleister bin. In den produzierenden Unternehmen war es häufig so, dass viel in Automatisierung investiert wird, wenn es darum geht die Produktion zu automatisieren. Das heißt, da sind ganz viele Automatisierungslösungen schon im Einsatz oder sind weiterhin geplant.

Wenn es dann um die betriebswirtschaftlichen Prozesse geht, dann sieht es meist eher düster aus. Wo das gerade die sind, die nicht so wertschöpfend sind, wo es um Buchhaltung geht, wo es um Rechnungsverarbeitung geht usw. Da ist man noch nicht so weit.

Da war auch nicht so viel in der Planung, dass das automatisiert werden soll. Aber es gibt auch wieder andere Beispiele. So zum Beispiel ein Unternehmen, das vorhin schon erwähnt worden ist, aus der Immobilienbranche, was da einen großen Fokus drauf legt, was verstanden hat, dass wenn ich diese routine Sachen, die wirklich auch stark regelbasiert sind und die wirklich keinen Mehrwert bringen, wenn ich diese schaffe zu automatisieren, schaffe ich mehr Raum für meine Mitarbeiter, um sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren.

Sei es Kundenbetreuung oder sei es auch mal in sich zu gehen und zu überlegen, wie kann ich eigentlich das, was ich heute tue, noch besser machen. Und das war da schon sehr präsent die Idee. Das ist ja eigentlich auch mein Aufhänger und mein Thema, dass ich sage, wir müssen dieses Datenfundament, dieses Unternehmensdatenfundament, getrieben von ERP, wahrscheinlich in den meisten Branchen schaffen, um genau diese betriebswirtschaftlichen Prozesse zu automatisieren, den Abbau der virtuellen Puffer.

Du hast gesagt, die Unternehmen, die haben das noch nicht so richtig auf dem Schirm. Das ist sicherlich Punkt 1. Und Punkt 2, wie schafft es ein Unternehmen, selber effizienter in diesem Bereich zu werden? In der realen Welt, in der physischen Welt der Produktion ist das relativ offensichtlich, weil die Prozesse sichtbar sind. Also wenn da ein Stück Stahl zu viel herumliegt, dann wird das irgendwann offensichtlich, dass da was nicht richtig passt, im Einkauf oder in der Verarbeitung oder Ähnliches.

In den betriebswirtschaftlichen Prozessen, die alle virtuell sind, die man nicht sehen kann, ist das vielleicht gar nicht so offensichtlich, oder? Ganz genau. Sowas ist extrem schwierig zu erkennen und ist meistens auch alleine relativ unmöglich. Also man kann sich da verschiedenste Methoden am Ende des Tages bedienen, um zumindest mal die Potenziale zu finden.

Wie man die am Ende umsetzt, das steht auch mal auf einem ganz anderen Blatt Papier geschrieben. Aber um mal die Potenziale zu erkennen, kann man zum Beispiel, das ist wieder ganz abhängig von den individuellen Unternehmen und was dort schon alles im Einsatz ist. Wenn ich jetzt ein ERP-System habe, könnte ich zum Beispiel mal reingucken in datenbasierte Prozessenanalysen.

Meistens liegen diese Systeme oder liegen die Daten schon vor. Die werden meistens automatisch im Hintergrund aufgezeichnet und sind auch verfügbar. Und wenn man sich die nimmt und dort mal schaut, wo liegen Puffer, wo liegen Fehler an den Prozessen, da kann man da schon ganz viel erkennen.

Man kann ganz viel rauslesen. Und durch den Vorteil, wenn es auf Daten basiert, dass es meistens auch belastbare Aussagen sind. Also das dauert jetzt hier 2 Minuten 30 und beim nächsten Mal dauert es 5 Minuten 50.

Das kann man genau so, wie ich gerade gesagt habe, eigentlich relativ gut herausfinden. Und dann kann man auf Ursachensuche gehen und dann kann man Verbesserungsmaßnahmen anstoßen. Aber auch für Unternehmen, die noch nicht so digital sind, hilft es häufig einfach mal, mit den Mitarbeitern zu sprechen und da auch die richtigen Fragen zu stellen.

Und das ist jetzt auch keine Betriebsstrategie, sondern von unseren Erfahrungen aus ist es extrem wichtig, dass da mal jemand von außen kommt, der Wissen mitbringt aus anderen Unternehmen, der weiß, wie man die richtigen Fragen stellt, der eine neutrale Person ist und dann auch herausfindet, wo denn wirklich der Schub rückt im bestimmten Prozess. Und meistens kann das dann wirklich zu signifikanten Verbesserungen führen. Das sind auch Methoden, die ihr dann ganz konkret anwendet, wenn ihr mit den Unternehmen über Probleme, über Lösungsansätze, über ganzheitliches Umsetzen nachdenkt, richtig? Ganz genau so ist es.

Wir versuchen immer mit der Kundenbrille auf solche Sachen zu gucken. Das heißt, wir automatisieren nicht dort, wo es Geld bringt, sondern nur da, wo es wirklich sinnvoll ist und wo auch die reine Menge an durchgeführten Prozessen dann am Ende des Jahres auch einen positiven Return on Investment generiert. Das bringt natürlich nichts zum Prozess der Automatisierung für viel Geld, der irgendwie nur zweimal abläuft, sondern da muss schon eine gewisse Schlagzahl vorhanden sein.

Da helfen wir den Unternehmen dabei, sowas zu erkennen. Wenn Automatisierung jetzt nicht der richtige Weg zum Ziel ist, dann ist es Optimierung. Auch da gucken wir ganz kundenorientiert drauf und versuchen da das Beste rauszuholen zu den geringstmöglichen Kosten.

Jetzt sagen ja viele Unternehmen und eure Studie hat es auch herausgebracht, wir haben eigentlich gar keine Zeit für sowas. Ist das der Hauptpunkt, also die hohe Auslastung im Tagesgeschäft oder gibt es weitere Hemmschuhe neben dem Risiko, wo die Unternehmen dann sagen, vielleicht nächstes Jahr nochmal. Tatsächlich denke ich, dass die zeitliche Auslastung der Hauptgrund ist.

Von den Unternehmen, die ich kennengelernt habe, kann ich es auch relativ gut verstehen. Meistens hängt das immer am Geschäftsführer. Jetzt bin ich selbst Geschäftsführer und ich kenne auch viele andere Geschäftsführer und man hat natürlich im täglichen Geschäft viele Aufgaben, die erledigt werden müssen und die 24 Stunden reinpassen müssen.

Da kann ich mir nur schwierig noch die Fachliteratur durchlesen und die dann auch noch so verarbeiten und zusammenführen, dass da am Ende ein schlüssiges Konzept rausspringt. Das ist wirklich der größte Hemmschuh bei der ganzen Sache, dass gerade wenn ich niemanden habe, ein Unternehmen, der vielleicht frisch von der Uni kommt und mit einer ganz, ganz frischen Brille auf das Problem schaut und dann innovative Ideen reinbringt, dann habe ich meistens gar keine Möglichkeit, auf diese Lösung zu kommen. Deswegen haben wir auch immer gesagt, wir waren ja auch nicht als Brandunternehmen, sondern als Uni und ich glaube, ein wesentlicher Punkt, der vorangetrieben werden muss, ist Vernetzung, gegenseitiges Lernen voneinander.

Auch die Uni kann eine unglaublich wichtige Rolle spielen. Das versuchst du ja auch immer wieder, Axel, dort eine Plattform zu bieten für Unternehmen, um sich auch mal auszutauschen. Denn Forschung und Uni kann ja auch kein Selbstzweck sein, sondern sollte sich eigentlich auch an den realen Problemen ausrichten.

Und ich glaube, da liegt eine große Zukunft drin. Jetzt habt ihr viel mit Geschäftsführern zu tun. Ich sage mal, die sehen das große Ganze.

Die treffe ich natürlich auch sehr, sehr häufig auf solchen Veranstaltungen, seien es Kaminabende, seien es Diskussionsrunden oder ähnliches. Aber die Frage ist natürlich auch, wie nehme ich den Mitarbeiter im Unternehmen bei Veränderungsprozessen, bei Change Management mit? Wie nehmt ihr ihn auch mit? Beziehungsweise was spiegeln die Unternehmen momentan auch in Bezug auf die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter wieder? Also tatsächlich wird es auch immer wieder genannt, dass die Mitarbeiter Angst vor Veränderungen haben. In der Praxis, wir haben wirklich auch während unserer Forschungsaktivität, da haben wir mit weit über 100 Unternehmen gesprochen zu Klimadigitalisierung und haben versucht, der Sache ein bisschen auf den Zahn zu fühlen.

In der Praxis ist es tatsächlich so, dass viele Mitarbeiter, wenn sie verstehen, dass es nicht gegen sie ist, sondern dass es tatsächlich auch viele, viele Lösungen gibt, die ihnen helfen, dann verändert sich dieses Bild relativ schnell und aus dieser fehlenden Veränderungsbereitschaft wird eher etwas, dem man positiv gegenüber steht. Das sehen wir immer wieder. Wenn irgendwo das Gesamtbild existiert, als Orientierung am zeitlichen Horizont, und man merkt, man ist Teil dieses Gesamtbilds und man bringt auch mal die Vorteile zum Vorschein.

Wer stimmt sich schon gern fünfmal mit einer anderen Person im Unternehmen ab über die richtige Version einer Excel-Liste? Und wer macht gerne Fehler aufgrund von fehlenden Informationen und Daten, die am Ende des Tages viel Geld kosten? Das macht niemand. Und wenn man den Mitarbeitern das klar macht und auf einfache und plastische Weise erklärt, dann ist unsere Erfahrung zumindest, dass die fehlende Veränderungsbereitschaft sich relativ schnell verzieht. Ich würde da gerne noch mal ein bisschen tiefer eintauchen.

Schau so ein bisschen auf die Uhr. Wir haben wieder unsere magische fast halbe Stunde. Ich würde dich gerne in der nächsten Woche mit dem Thema noch mal wieder einladen, weil wir müssen auch noch ganz dringend über die Veränderung und den Anpassungsdruck in den Geschäftsmodellen, aber auch über innovative Dinge im Unternehmen sprechen.

Deswegen die herzliche Einladung, dass wir nächste Woche da noch mal wieder drüber sprechen. Herzlichen Dank, Dr. Markus Fischer, Mitbegründer der Digital End GmbH und bislang bei mir am Lehrstuhl für das Thema Digitalkompass zuständig. Vielen Dank.

Vielen Dank und gern. Bis nächste Woche. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.