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ERP-Podcast
#129b - Digitalkompass 2020 – über den digitalen Zustand der deutschen Wirtschaft mit Dr. Marcus Fischer, Geschäftsführer der digital& GmbH
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Zweiter Teil. Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Das ist der zweite Teil einer spannenden Folge zum Thema Wie sieht die Digitalisierung in kleinen und großen Unternehmen aus? Wir haben eine große Digitalkompass-Studie gemacht. Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht bei uns in der Region Mainfranken.

Über 50 tiefen Interviews und ich freue mich, dass ich heute einen der Autoren hier im Interview habe. Herzlich willkommen, Dr. Markus Fischer. Hallo Axel.

Danke für die nochmalige Einladung. Wir sind in der letzten Woche da eingestiegen, da sicherlich nicht jeder mehr alles im Kopf hat. Zunächst nochmal die Frage in der Nutshell, wer ist Markus Fischer und warum hat Markus Fischer diese Studie gemacht? Mein Name ist Markus Fischer.

Wir kennen uns schon eine ganze Zeit. Ich habe im Bereich Wirtschaftsinformatik und ganz spezifisch zum Thema Digitalisierung bei dir meinen Doktor gemacht und habe da schon ganz, ganz viel mit Unternehmen zusammengearbeitet und immer wieder gemerkt, wie unterschiedlich es eigentlich ist, wie Unternehmen damit umgehen, wo sie momentan stehen, wie sie die Digitalisierung auch nutzen, beziehungsweise ihr gegenüberstehen. In den Endphasen meiner Promotion hat sich dann auch aufgrund meiner Verbundenheit hier zur Region Mainfranken nochmal das Ziel entwickelt, herauszufinden, wo steht eigentlich diese Region.

Man hört tatsächlich ja immer wieder, dass Mainfranken nicht ganz vorne dabei ist, wenn es um Digitalisierung geht. Das wollten wir einfach mal näher wissen. Deswegen haben wir uns mit dir zusammengetan, auch mit der IAK Würzburg-Schweinfurt, um das Thema mal aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

So ist der Digitalkompass geboren. Ihr hattet das Ziel, über 50 Unternehmen auch in der Tiefe zu befragen. Das ist nicht ein einfacher Fragebogen, sondern ihr habt euch wirklich sehr, sehr viel Zeit genommen, mit Geschäftsführern, mit Leitenden, Angestellten über das Thema Digitalisierung zu sprechen, richtig? Ganz genau so ist es.

Wir wollten wirklich einen ganzen Querschnitt durch die wirtschaftliche Struktur hier in Mainfranken. Das heißt, wir wollten bis zu 100 eigentlich sogar interviewen, nur leider ist es halt auch so gewesen, dass die Rücklaufquote, die trotzdem natürlich sehr, sehr hoch gewesen ist, dafür nicht ausgereicht hat. Am Ende sind es 50 geworden aus den drei Bereichen Dienstleistung, Handel und Industrie und aus ganz vielen verschiedenen Größenklassen.

Da war wirklich alles dabei, von drei Mitarbeitern bis zu über 1.000. Wir waren eigentlich bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen immer vor Ort, was uns auch extrem wichtig war, um mal die Menschen hinter dem Unternehmen kennenzulernen, um auch mal einen Einblick zu bekommen, wie dort gearbeitet wird, wie es da aussieht. Das kam eigentlich auch immer gut an und hat uns auch wirklich sehr viel gebracht. Okay, wenn wir jetzt mal 100 Punkte vergeben könnten für die Umsetzung der Digitalpotenziale in den Unternehmen und du müsstest jetzt mal so einen Durchschnitt bilden, vielleicht kannst du ja auch nochmal ein bisschen differenzieren, je nach Unternehmensgröße oder Branche, wie viele Punkte würdest du den Unternehmen, nachdem ihr in so vielen gewesen seid, tatsächlich geben? Das ist eine schwierige Frage, aber ich würde nicht sagen, dass man schon bei 50 Punkten angekommen ist.

Ich glaube, viele Unternehmen haben da schon ein klares Ziel und ich glaube auch viele machen Digitalisierung, wenn sie es machen, dann gleich an der richtigen Stelle. Wir haben ein Unternehmen gehabt, das hat schön gesagt, nach außen sehen wir aus wie ein sehr, sehr digitales Unternehmen, aber hinten in unseren Prozessen sind wir immer noch Mitte des 19. Jahrhunderts unterwegs, alles manuell, ganz viele verschiedene Systeme, die nicht miteinander kommunizieren und solche Situationen.

Und dementsprechend gab es kein Unternehmen, wo man sagen würde, oh, das ist richtig digital unterwegs. Das führt mich eigentlich zu der Frage, wir haben jetzt vier industrielle Revolutionen gehabt. In Deutschland wird ja immer so ein bisschen gesagt, die meisten Geschäftsmodelle sind noch aus der ersten oder zweiten industriellen Revolutionsphase.

Kannst du das unterstreichen? Absolut, die meisten Unternehmen, wenn sie denn jetzt aus der Industrie kommen, die produzieren und verkaufen. Und das sind meistens immer noch die gleichen Produkte, natürlich weiterentwickelt und verbessert über die Jahre hinweg, die sie entwickelt haben in der Grundform, zumindest über 50 Jahre. So, jetzt wissen das die Unternehmen sicherlich auch.

Ja, also wir machen ja auch keinen Elfenbeinturm, sondern wir wollen ja Unternehmen auch unterstützen oder ihr wollt es dann auch als Softwarestrategen von Problem, Überlösung bis hin zur ganz konkreten auch digitalen Umsetzung. Viele Unternehmen haben sicherlich eine abwartende Haltung, darüber haben wir gesprochen. Viele Unternehmen können die einzelnen Trends auch gar nicht so zuordnen, haben vielleicht auch mal eine negative Erfahrung mit Einzellösungen gemacht, sind dann auf die Nase gefallen, sehen das Risiko, auch das finanzielle Risiko, sich damit auseinanderzusetzen.

Und dennoch müssen eigentlich alle Digitaler werden über neue Geschäftsmodelle nachdenken. Ja, wie geht man dann damit um, dass die Mitarbeiter im Unternehmen eigentlich alle vollständig ausgelastet sind? Ja, das kann man an sich schon als Aufhänger nehmen für die Digitalisierung. Denn tatsächlich, glaube ich, es ist so eine Art Hinsenweisheit, dass jeder Mitarbeiter Angst hat vor Automatisierung und Digitalisierung.

Tatsächlich ist es bei uns in unseren Projekten, oder auch wenn wir mit den Leuten im Digitalkompass gesprochen haben, ist das Bild meist anders. Es ist immer die Frage, wie man es letztendlich erzählt, die Geschichte. Wenn man die Wahrheit wirklich betont, dass es ja nicht darum geht, Leute zu rationalisieren, Leute loszuwerden, sondern eigentlich ihnen genau aus diesem völlig überfüllten Alltag eine Hilfestellung an die Seite zu geben, oder vielleicht sogar ein paar relativ sinnfreie Aufgaben, würde ich mal sagen, die ihnen dabei helfen, dass die wegfallen, dann sind die meistens relativ glücklich damit, dass digitalisiert und automatisiert wird.

Und ich habe es letzte Woche schon gesagt, wer will schon gern sich in fünf Abstimmungsrunden über die richtige Zahl in Version 6 der Excel-Liste streiten, die irgendwo lokal gespeichert ist? Ich glaube niemand. Und wenn ich diese Vorteile der Digitalisierung, nämlich dass sowas einfach eliminiert wird, dass auf einmal eine viel höhere Qualität der Prozesse und Daten im Unternehmen erreicht werden kann, und ich das betone, dann sind meistens auch die Mitarbeiter dabei. Thema Geschäftsmodelle.

Also ich glaube, die Unternehmen nehmen schon wahr, dass sich Geschäftsmodelle auch verändern, dass Dinge, die früher sehr, sehr gut liefen, Produkte, die sehr, sehr gut liefen, Dienstleistungen, die sehr, sehr gut liefen, heute vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas weniger Nachfrage haben. Ist es so, dass die Unternehmen, die ihr befragt habt, unter sehr hohem Anpassungsdruck leiden? Und wenn ja, was machen sie, um diesem Druck zu begegnen? Also tatsächlich war es für uns auch eine der ganz großen Überraschungen, dass dieser Anpassdruck eher wenig wahrgenommen wird. Also ich sage mal, eine Anekdote, die uns persönlich sehr traurig gemacht hat, also persönlich traurig, aber sehr verstutzt, wir waren hier in Würzburg bei einem relativ bekannten Logistikdienstleister für Elektronikartikel.

Stichwort digitale Geschäftsmodelle. Die haben bisher immer nur die Logistik gemacht und haben als Großhändler Sachen ausgeliefert zu den ganzen kleinen Läden in der Würzburger Innenstadt zum Beispiel. Und die haben irgendwann gesehen, naja, scheinbar ist die softwareseitige Unterstützung dieser kleinen Einzelhändler nicht wirklich gegeben.

Da ist alles noch mit Stift und Papier inventarisiert und Bestand gemanagt. Warum gehen wir denen denn nicht? Wir beliefern sie ja sowieso. Eine Softwarelösung an die Hand, mit der das dann einfach digital geschehen kann.

Und wir haben dann vielleicht sogar Zugriff drauf, können neue Lieferungen bringen, können die Lieferkette verschlanken, besseren Kundenservice bieten mit digitalen Informationen und so weiter. Das fanden wir persönlich eine sehr, sehr charmante Lösung, wo es eigentlich nur Gewinner gibt. Und das hat uns dann mehr als überrascht, auch als wir dann die Preispolitik gesehen haben, die sehr, sehr kompetitiv gewesen ist, dass es hieß, kommt nicht gut an.

Und als Begründung war, die Unternehmen in der Würzburger Innenstadt, die wollen das einfach nicht. Wo ich gesagt habe, so verrückt. Wie kann das sein? Also ich als relativ junger Mensch, denen ist ja schon, wenn es keine Webseiten gibt, ja, keine geführten Öffnungsseiten und so weiter, dann gehe ich da eigentlich gar nicht hin.

Und wenn natürlich die Unternehmen die Grundlage für solche Sachen, wo ich vielleicht noch Produkte online präsentieren kann, um auch andere Kunden ins Geschäft zu bekommen, das dann einfach nicht machen, weil sie es nicht wollen, das ist dann natürlich schon eine starke Nummer. Ja, aber was sagt man solchen Unternehmen? Also wie können die jetzt sozusagen ihre Digitalisierung weiter vorantreiben? Ich sage es ganz ehrlich, das war auch aus dem Digital-Kumpel, aber auch aus unserem wirtschaftlichen Handeln eine ganz klare Erkenntnis. Es ist echt schwierig mit Verantwortungspersönlichkeiten im Unternehmen, also als Geschäftsführer oder Eigentümer, wenn da gar keine Bereitschaft da ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, dann ist, glaube ich, der Drops Glutsch.

Dann ist es ganz schwierig, da auch zu überzeugen. Also das ist uns weder in Interviews gelungen, noch heute als Unternehmensberater. Das heißt, wenn dort ganz oben keine Bereitschaft für da ist, dann ist, denke ich mal, das Ganze sehr schwierig.

Also da kommt entweder irgendwann ein Generationenwechsel oder es sieht, glaube ich, eher düster aus. Das heißt, ihr habt also auch Unternehmen gesehen, die wenig Veränderungsbereitschaft haben oder wo die gesamte Umgebung wenig Veränderungsbereitschaft hat und wo ihr prognostizieren würdet, also wenn man so weitermacht, vielleicht noch drei Jahre, vielleicht noch fünf Jahre, aber mit Sicherheit nicht mehr 50. Absolut.

Und auch in den Gesprächen mit den Mitarbeitern. Also das zieht ja einen riesigen Rattenspans nach sich. Welcher Mitarbeiter arbeitet auch schon gern in einem Unternehmen, wo eigentlich nur durch Abstimmungen aufgehalten wird, wo er sich auf keine Zahl verlassen kann, wo ganz viele Fehler passieren, Kunden wütend anrufen, weil irgendwas falsch rausgeschickt worden ist und so weiter.

Das machen auch die Mitarbeiter nicht gern. Und die guten Mitarbeiter gehen dann einfach. Die gehen auch woanders hin zu Unternehmen, die offener sind.

Und das haben wir immer wieder mal mitbekommen, dass da auch gesagt wird, sie wissen teilweise, wie es in anderen Unternehmen aussieht, wo es einfach besser läuft. Und dann kommt natürlich schnell die Frage auf, warum ist es bei uns nicht so? Und tatsächlich sind dann auch ganz viele andere Effekte, die da hinten mit dranhängen. Und ja, natürlich würden wir das unterschreiben, dass wenn da ja keine Bereitschaft da ist, sowas zu machen, dann wird es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange weitergehen, weil es bei dem Wachstum Grenzen gesetzt sind.

Und auch der Flexibilität. Ich kann gar nicht mehr reagieren auf externe Veränderungen, weil alles so eingefahren ist, so inflexibel ist. Ich erkenne die Sachen vielleicht gar nicht oder es ist schon zu spät zu dem Zeitpunkt.

Wir haben selber mal vor einiger Zeit, weil ich eine entsprechende Promotion hatte, über Geschäftsmodelle, neue Geschäftsmodelle, digitalere oder digitale Geschäftsmodelle im Einzelhandel gesprochen. Ich verlinke die Folge in den Shownotes, weil ich sie selber so schnell nicht finde. Aber vielleicht hast du so ein paar Beispiele, wie Geschäftsmodelle innoviert werden, wie sie digitaler werden oder wie sich vielleicht auch ganz neue Geschäftsmodelle bei diesen Unternehmen, die ihr interviewt habt, ergeben haben.

Kann ich gerne ein paar Beispiele nennen. Digitale Geschäftsmodelle, da gibt es sicherlich viele Ideen und viele Beispiele, die man nennen kann. Wichtig ist immer zu verstehen, da gibt es kein Handbuch für oder kein Rezept, sondern sowas muss aus dem Unternehmen auch herauskommen und muss letztendlich ganz, ganz fein ausgestaltet werden.

Nur mal ein paar Beispiele. Das war für mich schon mal ein Beispiel von diesem Logistik-Dienstleiter, der sich gesagt hat, warum verbinde ich mich nicht noch enger mit meinen Kunden und versuche denen mit einer digitalen Lösung zu helfen. Für viele Industrieunternehmen ist es natürlich immer so, Daten sammeln.

Sensorik versuchen Daten zu sammeln und dann über diese Daten versuchen, neue Dienstleistungen und Services anzubieten für die Kunden. Wir hören auch gerade jetzt in Zeiten von Corona, dass sich besonders die Unternehmen relativ gut halten, die in diesem Servicebereich schon relativ stark aufgestellt sind. Keiner kauft gerade große Investitionsgüter wie teure Maschinen, aber viele sind jetzt gerade dabei und wollen digitale Sachen haben und wollen auch investieren da rein.

Wenn ich da gut aufgestellt bin, dann kann ich das natürlich letztendlich mitnehmen. Ein zweites Ding, was wir häufig gehört haben, ist dieser Vernetzungsgedanken. Auch da steckt gerade in der regionalen Wirtschaft relativ viel Musik drin.

Gegen solche großen Spiele am Markt wie Amazon oder Google kommt man heutzutage sowieso relativ schwer an. Da braucht man eine gute Strategie. Gerade wenn ich auf solchen regionalen Märkten unterwegs bin, dann spielt das Thema Vernetzung und ganzheitliches Serviceangebot auf die regionale Komponente zu spielen eine sehr große Rolle.

Aber das setzt natürlich voraus, dass ich mich mit meinen Unternehmen in der Region vernetzen kann, also wirklich auch die digitale Infrastruktur habe, um Daten auszutauschen, um zum Beispiel beim Autokauf direkt die Zusatzdienstleistung zu verkaufen von einem anderen Unternehmen. Oder wenn ich ein Immobilie verkaufe, vielleicht leicht zu sagen, hier ist noch der Hausmeister Service dabei. Also wirklich diese regionalen Vernetzungen zu stärken und zu fokussieren.

Dieses Thema Produkt- und Serviceinnovationen, das ist ja ein Thema, was natürlich, weil es offensichtlich ist, weil es mit Umsatz verbunden ist, sehr, sehr stark in den Köpfen der Geschäftsführer gerade auch ist. Wie sieht das auf der Systemseite, also auf der unternehmensinternen Seite aus? Gibt es da auch viel Bereitschaft, in die eigenen Prozessabläufe zu investieren? Würde ich sagen, es ist ein sehr, sehr gemischtes Bild. Ich glaube, es fehlt häufig immer noch so ein bisschen der Fokus auf dem prozessorientierten Arbeiten, würde ich mal behaupten.

In vielen Unternehmen ist das noch gar nicht so richtig vorhanden, was dann am Ende dazu führt, dass die Zusammenhänge nicht wirklich bekannt sind. Also wie komme ich jetzt von einem Angebot, was ich an meinen Kunden stelle, über die Produktion bis zur Auslieferung am anderen Ende dieses Prozesses. Das ist häufig nicht wirklich da.

Das ändert sich mit steigender Unternehmensgröße. Gerade jetzt bei so Unternehmen ab 40, 50 Mitarbeitern ist schon die Bereitschaft da, intern Dinge zu ändern. Das hat man, glaube ich, auch in der letzten Folge schon mal angesprochen.

Das Problem ist dann allerdings häufig, dass das am Ende eher wie ein Flickenteppich aussieht. Da wird viel gemacht, da wird eine Lösung eingeführt und da wird eine Software ausgewählt und gekauft. Am Ende muss es aber nicht sein, dass es zusammenpasst.

Meistens ist es auch nicht so. Meistens hat man dann ganz viele Insellösungen, die nicht wirklich miteinander kommunizieren können und den Prozess an einzelnen Stellen digitaler machen, aber am Ende nicht wirklich schneller und besser. Das ist natürlich ein Problem.

Ich komme direkt zu meiner Blitzlichtrunde und leite über. War das für dich, dass ihr gesehen habt, da gibt es unglaublich viele Insellösungen, viele Einzellösungen, viele nicht miteinander verzahnte Gedanken, war das für euch der Treiber, euch selbstständig zu machen und die Digital End GmbH zu gründen? Das war tatsächlich einer der Treiber. Ich denke, das ist auch das, worin wir stark sind.

Das ganze Bild zu sehen, wirklich auch die richtigen Fragen zu stellen, um Unternehmen und das relativ größenunabhängig selbst oder dabei zu helfen, den richtigen Weg für sich zu finden in der Digitalisierung. Und natürlich haben wir durch unser großes Netzwerk, was wir an der Uni aufgebaut hatten, auch sehr viel Wissen, wie setze ich jetzt diese Potenziale um, welche Lösungen gibt es, welche Lösungen sind dann, die am besten zu dir passen. Oder auch, wenn es gar nicht anders geht, dann helfen wir natürlich auch dabei, das Ganze individuell umzusetzen, wenn es sinnvoll ist.

Gibt es da bestimmte Eigenschaften, die man braucht, um das Ganze dann auch erfolgreich zu machen? Aus unserer Sicht? Vor allen Dingen Erfolg natürlich aus Sicht des Mittelstands. Konkret, welche Eigenschaften bringt ihr mit, damit das, was ihr dort in den Unternehmen anstrebt, auch zum Erfolg führt? Ich glaube, von unserer Perspektive aus ist es das Wichtigste, erbarmungslose Ehrlichkeit. Auch zu sagen, wie ihr es bisher gemacht habt, läuft es nicht.

Aber auch natürlich Ehrlichkeit nach hinten raus, wenn es darum geht, die Lösungen vorzuschlagen, die Lösungen zu diskutieren. Das ist eigentlich unser Credo, wirklich ehrlich zu sein und realistische Lösungen anzubieten. Von Unternehmensseite ist es so, dass die Geschäftsführer, die am billionärsten sind, also auch wahrgenommen von uns, das sind meistens dann auch die Erfolgreichen, die bereit sind, heute zu investieren für ihr Potenzial, was sich vielleicht erst Ende nächsten Jahres erfüllt.

Das sind nicht diese extremst langen Zeiträume, aber bei Digitalisierung ist es häufig so, dass die Sachen, die positiven Effekte, trotzdem erst zeitversetzt kommen und nicht immer gleich Programm installiert und dann geht es los. Sondern dass da ein langer Atem notwendig ist, das kann, glaube ich, jeder bestätigen, der schon erfolgreich durch diese Transformation gelaufen ist. Und das ist ganz wichtig von dieser Seite.

Und auch, wenn ich das noch kurz ergänzen darf, es ist auch wichtig, nicht an den falschen Enden zu sparen. Denn auch das sehen wir häufig. Das hast du sicherlich auch schon die Erfahrung häufig gemacht, wenn es um das Thema ERP geht.

Ich brauche ein ERP-System. Und wenn das ERP-System da ist, dann habe ich ein ERP-System und dann muss das schon laufen. Das ist natürlich überhaupt gar nicht so.

Sondern es ist noch viel wichtiger, meistens als die Auswahl, ist es auch, dieses System produktiv in den Einsatz zu bringen. Und auch da habe ich manchmal das Gefühl, nicht nur zum Thema ERP, sondern auch bei anderen Softwarelösungen, dass das stark vernachlässigt wird. Und dass eine Software eingeführt wird und die bringt vielleicht leichte Verbesserung zum Zustand vorher, aber die ist noch längst nicht ausgereizt.

Und sich da jemanden zu holen oder eben selbst jemanden intern darauf abzustellen, der sich darüber Gedanken macht, wie kriege ich das Beste aus dem, was ich momentan in meinem Einsatz habe, raus. Das denke ich ist auch eine ganz wichtige Einschätzung. Ich glaube, das Thema ist wahnsinnig vielfältig.

Und gerade wenn dann die Geschäftsführer, die leitenden Mitarbeiter in ihrem Digitalisierungsverständnis vielleicht erst noch abgeholt werden müssen, schlau gemacht werden müssen, ist es natürlich schon eine Herausforderung. Wenn du dich jetzt umschaust in den unterschiedlichen Berufszweigen, in den Veränderungen, die auf die Unternehmen zukommen, wie wird sich das Ganze in den nächsten 10 Jahren deiner Einschätzung nach verändern? Ich denke schon, dass viele Berufsbilder zumindest in den nächsten 30 Jahren ja zumindest in Gefahr sind. Aber ich glaube, wir sind immer noch ein ganzes Stückchen davon entfernt, dass ich meine Abteilungen schließen kann, weil alles über eine künstliche Intelligenz im Hintergrund gedreht wird.

Sondern das wird noch eine ganze Zeit dauern. Ich glaube schon, dass jeder Job, der momentan auch schon im Unternehmen existiert, der wird sich einfach mit digitalen Lösungen auseinandersetzen müssen und wird auch damit umgehen lernen müssen. Das auf jeden Fall.

Aber meine Prognose wäre jetzt nicht, dass bestimmte Sachen wegfallen. Ich glaube, es wird immer wichtiger, diese Schiedsstellenfunktionen zu füllen und auch für jeden Mitarbeiter sie zu haben. Nämlich was passiert auf der digitalen Seite und was passiert auf der realweltlichen Seite und wie bringe ich diese beiden Sachen zusammen.

Denn keiner kann heute mehr wirklich verstehen, wie diese ganzen Sachen funktionieren. Zumindest nicht im Detail. Aber es muss sozusagen das Verständnis da sein.

Was bringen sie mir? Wofür kann ich sie einsetzen? Was kommt am Ende mal raus? Und das wird, glaube ich, wichtig. Lieber Markus, das sind fast schon die Schlussworte. Du hast nochmal die Chance auf Schlussworte, nämlich jetzt.

Ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview und wie immer, die letzten Worte gehören meinem Studiogast. In diesem Fall Dr. Markus Fischer von der Digital End GmbH, der gerade mit uns den Digital Kompass 2020 veröffentlicht hat. Die letzten Worte sind deine.

Vielen Dank. Ja, nochmal vielen Dank, Axel, für die Einladung. Ich denke, Digitalisierung ist ein extrem wichtiges Thema und ich glaube, das war jetzt nicht zum ersten Mal.

Heute anfangen, heute zumindest schon mal ein Bild machen darüber, was möglich ist, um dann wirklich, wenn ich dann, wie auch immer, die Zeit habe oder die finanziellen Mittel, um durchzustarten, dass ich dann einen Plan habe und nicht planen muss, wo es hingehen muss. Ich denke, das ist ganz wichtig und wer will, kann sich gerne melden. Wir helfen dabei natürlich mehr als gern.

Vielen Dank und auch noch einen schönen Tag. Einen Zugehörigen. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.