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#25 - Einblicke in die SAP Teil 1 - ein Interview mit Prof. Dr. Peter Zencke
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Als langjähriges DAX-Vorstandsmitglied der SAP von 1993-2009 hat Prof. Zencke als Entwicklungsvorstand maßgeblich die Gestaltung der SAP und deren ERP-Systeme vorangetrieben. In diesem Interview sprechen wir über die Geschichte der SAP, einzelne Softwaresysteme wie R/3, S/4 HANA und Business byDesign, aber auch die generelle Zukunft von Unternehmenssoftware. Viel Spaß mit einer interessanten, dieses Mal zweiteiligen ERP-Podcast-Folge – nicht nur für SAP-Anwender.

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 25. Einblicke in die SAP. Ein Interview mit Prof. Dr. Peter Zenke.

Als langjähriges Vorstandsmitglied der SAP von 1993 bis 2009 hat Prof. Zencke als Entwicklungsvorstand maßgeblich die Gestaltung der SAP und deren ERP-Systeme vorangetrieben. In diesem Interview sprechen wir über die Geschichte der SAP, einzelne Softwaresysteme wie R3, S4HANA und Business-by-Design, aber auch die generelle Zukunft von Unternehmenssoftware. Viel Spaß mit einer interessanten, dieses Mal zweiteiligen ERP-Podcast-Folge.

Nicht nur für SAP-Anwender. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

So, liebe Zuhörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Heute mit einem spannenden Gast im Studio. Er hat ursprünglich mal Mathematik- und Volkswirtschaftslehre studiert, in Bonn promoviert, dann als Assistenzprofessor an der Universität Trier gearbeitet und ist auch heute als Honorarprofessor tätig.

Aber die eigentlich spannende Frage für uns im Unternehmenssoftware-Bereich sind die Jahre dazwischen. Dazwischen liegen nämlich zahlreiche Jahre bei der SAP. Ich möchte heute ganz herzlich Herrn Professor Dr. Peter Zencke begrüßen.

Er ist 1984 in die SAP eingetreten, war dann seit 1993 lange Zeit im Vorstand tätig und hat maßgeblich eigentlich auch die Softwareentwicklung in der SAP mit begleitet. Herr Zencke, herzlichen Dank, dass Sie heute da sind und herzlich willkommen bei uns im ERP-Podcast. Sehr gerne.

Mögen Sie sich kurz selber vorstellen, wer ist der Mensch Peter Zencke? Herr Winkelmann, Sie haben ja fast eigentlich schon alles gesagt, zumindest was die berufliche Seite angeht. Sie haben von SAP gesprochen. Nun ist es so, dass ich seit 2010 aus der SAP ausgeschieden bin und zwar ganz geplant.

Nach den Regeln von Corporate Governance ist es so, dass bei DAX-Unternehmen eigentlich Vorstände mit 60 ausscheiden sollten. Das habe ich also getan. Und seit diesen letzten sechs, sieben Jahren bewege ich mich wieder zurück, quasi in der Alma Mater.

Und was mich umtreibt, ist, wie man die großen Erfahrungen meiner eigenen Vergangenheit, wie man das transformieren kann in etwas, was für andere Leute interessant ist, insbesondere für junge Studenten interessant ist. Sie haben ja eigentlich eine ganz spannende Karriere. Sie haben angefangen in der Universität, also die Erforschung des Pudels Kern und sind dann aus der Assistenzprofessur heraus, ja aus der Universität weggegangen zunächst.

Weggegangen ist jetzt vielleicht etwas hart formuliert, denn Sie haben nie den Kontakt verloren. Aber Sie sind dann in ein Software-Unternehmen eingetreten. Wie kommt man zu so einer Entscheidung? Ja, das ist schon wieder eine eigene Story fast.

Auf der einen Seite hatte es ganz einfache persönliche Gründe. Ich war damals, wie Sie erwähnt haben, Assistenzprofessor in Trier. War weit fortgeschritten, stand eigentlich kurz oder mitten in meiner Habitation.

Aber meine Frau lebte in Heidelberg und unsere junge Tochter, heute 33, 34, war damals gerade unterwegs. Und dann habe ich gesagt, also irgendwas muss sich hier ändern. Ja, es kamen auch Zweifel dazu, ob nun der Weg der Alma Mater, ob das nun der Königsweg zum Glück ist.

Also ich habe die Entscheidung, die Universität zu verlassen, nie bereut. Das waren ganz, ganz spannende Zeiten. Und andererseits war ich lange Zeit als Vorstand dann für Forschung und Entwicklung, aber eben auch Forschung zuständig und habe also meine Verbindung in die Forschung, in die Universität mit vielen, vielen Professoren, auch eben der Deutschen Wirtschaftsinformatik, nie verloren.

Also insofern habe ich das kleine Spielballen behalten und jetzt in den letzten Jahren wieder weiter ausgestattet. Ja, wie kommt man dazu? Neben dem privaten Story. Viele haben mich damals für völlig verrückt gehalten.

Meine alten Kollegen von der Uni, jetzt hast du so lange investiert, jetzt hast du so viel gemacht, stehst kurz davor. Und dann gehst du in Wirtschaft, was ja eigentlich schon damals ein bisschen anruhig war. Und noch dazu in ein kleines Softwareunternehmen in Breitgau, denn die SAP zählte damals weniger als 100 Mann.

Neudeutsch würde man das heute ein Startup nennen von fünf Kollegen. Vier waren es dann hinterher verblieben, die aus der IBM Anwendungsentwicklung herkamen und dann irgendwann für sich gesagt haben, also das können wir nicht nur selbst besser, sondern wir können das auch ganz anders für uns selbst entwickeln, als das bei der IBM damals in Deutschland der Fall war. Sie müssen sich erinnern, das war immer noch eine Zeit, wo Software, wenn man so will, eine Dreingabe war für Hardwareverkäufe und Hardwareverkäufe waren damals Mainframes.

Also das waren Apparate, die haben Fußballfelder bestellen können und haben Millionen von Euro den Markt damals gekostet. Trotzdem ist eine interessante Frage, wie kamen jetzt vier Ingenieure und wie gesagt, dann in den ersten zehn Jahren auch noch eine kleine, kleine zeitliche Bemerkung. Die SAP ist 72 gegründet und 72 war gewissermaßen auch das Aufrufjahr in Deutschland für das, was dann hinterher die Wirtschaftsinformatik geworden ist.

Also das erste Memorandum für Wirtschaftsinformatik kommt auch aus dem Jahr 1972. Frage also, wie kamen dann drei, vier Ingenieure, Systemanalytiker, Nachrichtentechniker dazu, so etwas zu entwickeln, was wir heute ERP nennen. Denn das sogenannte R2-System, es gab sogar ein R1-System mal, aber dann das R2 war das wirklich kommerziell eingesetzte System mit immerhin am Ende 2000 großen Kunden.

Wie kommen Ingenieure dazu, ein integriertes Anwendungssystem ERP ähnlich zu entwickeln? Was integriert die Produktion, am Anfang nur die Materialwirtschaft, aber die Produktion kam bald dazu. Die Finanzwirtschaft und den Vertrieb, wie kommen die dazu? Und das ist vielleicht eine eigene Story für sich. Sie wissen, dass der Gutenberg, eigentlich der Begründer der deutschen Betriebswirtschaftslehre nach 1945, dass der just drei große dicke Lehrbücher geschrieben hat mit dem Titel Produktion, Finanzen oder Finanzwirtschaft und Vertrieb.

Es war gewissermaßen in der Luft und vor allen Dingen war das Geistesgut der Betriebswirte in den neuen deutschen Firmen nach 1945, dass man so etwas wie eine Integration der unterschiedlichen Aspekte dessen, was eine Firma tut, bräuchte. Deswegen war der Gedanke, nicht nur als Gedanke, sondern die Forderung aus der Praxis, aus den neuen deutschen Firmen, eigentlich auf der Hand liegend. Kann man nicht, wenn jetzt EDV, wie es damals hieß, so wichtig wird, kann man nicht EDV nehmen, um alle betriebswirtschaftlichen Aufgaben einer Firma gleichrangig und integriert miteinander zu unterstützen.

Und das war der Anfang, wenn man so will, der SAP, war die Grundsteinlegung für ERP. Wie gesagt, der Name ERP kam viel, viel später. Und das war auch eben die Grundsteinlegung für eine ganz unglaubliche Erfolgsstory der SAP.

Denn der SAP ist über diese ganzen Jahren bis heute der führende globale, internationale und globale Anbieter von ERP-Systemen. Ja, ich erinnere mich, dass Peter Mertens mal eine Geschichte von über Hasso Plattner erzählt hatte, wie er 72 kurz vor der Präsentation den Abend vorher mit damals ja noch Lochkarten ausrutschte und anschließend im Hotelzimmer sämtliche Karten säubern und neu sortieren musste, damit überhaupt die Präsentation beim Kunden stattfand. Und das waren sicherlich die Anfangszeiten, also sag mal wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr technisch das Ganze.

Als Sie dann 84 in das Unternehmen eintraten, da sah das wahrscheinlich schon ein bisschen anders aus, vielfach sehr stark integrierter von der betriebswirtschaftlichen Seite. Aber wir sprechen immer noch eigentlich über die Anfangsjahre von integrierter Unternehmenssoftware, ERP. Was hat Sie daran gereizt, diesen Bereich, diesen Markt mitzugestalten? Na ja, wie gesagt, die SAP war damals wirklich noch klein und so etwas wie ein Geheimtipp für Insider.

Ich kann mich entsinnen, als mir SAP dann irgendwo mal unterkam in Stellenanzeigen, weil ich ja gesucht habe. Da war ich mir nicht ganz sicher, ist das so etwas wie ein Mainframe-Schooler-System, also ein Druckmanagement-System zum Ausdruck von irgendwas. Also es war ein großes Basissystem, aber basierend auf oder geschrieben in Assembler und nicht nur die Basis war geschrieben in Assembler, sondern jedes, jede Zeile Anwendungscode.

Deswegen die Lochkarten vom Astroplattner, die ihm da ausgerutscht sind, war in Assembler-Code geschrieben. Also sehr, sehr maschinennah, sehr IBM geprägt oder ausschließlich für IBM Mainframe-Hardware damals. Und ich konnte gut programmieren, habe große Entwicklungen gemacht als Student schon und dann als Assistent und so weiter.

Aber der Weg in die Assembler-Programmierung von wirklich sehr, sehr großen Systemen, das war schon eine kleine Herausforderung selbst für mich. Aber es war ein Knochenweg. Er hat sich gelohnt und ich habe unglaublich viel damals gelernt, sozusagen von der Pike auf, auf der ganz elementaren Basis, sich überzulegen, was braucht man für große Systeme.

Ja, also Sie sind zu einer Zeit angefangen, Ihre Personalnummer war wahrscheinlich noch zweistellig. Mittlerweile sprechen wir über fast 85.000 Mitarbeiter, 22 Milliarden Umsatz. Ein Teil davon ist natürlich auch mit Ihrer Entwicklungsarbeit, die Sie gemacht haben, entstanden.

Sie waren ab 1988 auch der Leiter der Anwendungsentwicklung, insbesondere für das Projekt SAP R3, also die neue Client-Server-Entwicklung, die die SAP angetrieben hat. Warum hat man das gemacht? Wo war der Hintergrund dafür? Ja, der Hintergrund war zunächst einmal relativ einfach zu sagen, wir haben eine gute Abdeckung, wir als SAP im Jahr 1985, wir haben eine gute Abdeckung unter den großen deutschen Unternehmen. Dann kamen die ersten Amerikaner damals auch schon dazu.

Aber wir sind nicht so gut aufgestellt für mittelgroße Unternehmen. Die ursprüngliche Idee vom R3 war, eine neue Softwareentwicklung vorwärts zu treiben, die dann hinterher für mittelgroße Firmen auf der AS400 zum Einsatz kommen sollte. Und vielleicht einer der Lehren in vielen Bereichen, später auch nochmal bei Design, ist, es kommt am Ende anders, als man sich das gedacht und geplant hat.

Also herausgekommen ist das R3-System als ein System, das eben auf Client-Server-Technologie lief. Client-Server hat dann schnell sich als leistungsfähiger und kostengünstiger erwiesen als die großen Mainframe-Systeme der IBM zu der anderen Zeit. Also SAP hat es mit dem R3 geschafft, sich vom Mainframe wegzuentwickeln in eine offene Systemlandschaft, vielfältigste Art, mit der nach wie vor dann auch wiederum große Unternehmen unterstützt werden konnten.

Aber wo die Lösung auch affordable, also bezahlbar wurde für mittelgroße Firmen und auch für kleinere. Das war der große Schritt vom R3. Es gab damals von der IBM so etwas, was sich SAA nannte, also eine allgemeine Anwendungsarchitektur, die für die Hardware unabhängig ist, die relationale Datenbanken einsetzt, die C oder C++ als Programmiersprache mit vorhält.

Und der SAP hatte damals schon eine Sprache vierter Generation, das ist der heute noch tausendfach, zehntausendfach, hunderttausendfach eingesetzte ABAP. Und die Idee war damals, eben eine vierte Generationssprache zu entwickeln, die dann umgesetzt wird über C, C++ in Anwendungscode und eben auch eine sehr viel schnellere, flexiblere Anwendungsentwicklung ermöglicht. Hardware-unabhängige Anwendungsentwicklung ermöglicht, als dass die Assembler-Codierung des R2-Systems gewesen ist.

Also wenn man so will, Loslösung vom Mainframe als ausschließliche Trägersystem, Loslösung von einer proprietären IBM-Architektur, eben der Mainframe-370-Architektur und hin zu offenen Systemen. Jetzt haben Sie viel über auch technische Herausforderungen in dem Bereich gesprochen, aber es war mit Sicherheit auch nicht rein die Technik, die Sie als Herausforderung zu bewälten haben, sondern es gab sicherlich auch viele betriebswirtschaftliche Fragestellungen, die zu lösen waren, oder? Ja, also um ganz ehrlich zu sein, am Anfang war R3 betriebswirtschaftlich sehr nahe konzipiert am R2. Der Dietmar Hopf, der damalige Vorsitzende, langjährige Vorsitzende der SWB, hat mal gesagt, was unterscheidet R2 von R3.

R3 ist in ABAP programmiert und R3 benutzt relationale Datenbanken, aber ansonsten ist es dasselbe. War natürlich ein bisschen ein Understatement, aber es ist schon so, dass betriebswirtschaftlich die Vorlage vom R2-System sehr weit getragen hat. Und ohne diese Referenz zum R2 hätten wir das wahrscheinlich in einer relativ kurzen Entwicklungszeit auch gar nicht geschafft, dieses neue System R3 hinzustellen.

Aber was dann passierte, war eben, dass sich die Zahl der Kunden in eine neue Dimension hinentwickelt hat, eben von Hunderten oder Tausend Kunden in der Größenordnung zu Zehntausenden und Hunderttausenden von Kunden. Und entsprechend war dann der Entwicklungsfortschritt basierend auf der R3-Architektur auch wesentlich schneller, als man sich in der alten Architektur das hätte vorstellen können. Ja, wenn ich an die Zeit zurückdenke, Sie sind heute sicherlich der stärkste, der größte Player auf dem Markt oder die SAP.

Zu der damaligen Zeit waren Sie ja nicht der Einzige. Also ich denke zum Beispiel an den Jan Bahn, der insoweit gegangen ist. Ich denke an die ADV Orga, den Friedrich Mayer, auch heute nicht mehr am Markt.

Karl-Heinz Killight verkauft an die Sage-Gruppe. Irgendwas müssen Sie ja richtig gemacht haben, wo Sie schneller gewachsen sind, wo Sie bessere Argumente hatten als die Konkurrenz. Aus der Liste, die Sie genannt haben, sortiere ich den Bahn jetzt mal ganz kurz aus, weil der kam ein bisschen später.

Aber in der Tat war es so, dass die damaligen Konkurrenten wie ADV Orga oder Kallinet, wie der Amerikaner einer von denen hieß, die konnten mit dem Gedanken der Integration, den wie gesagt SAP sozusagen betriebswirtschaftlich eigentlich fundiert hatte, mit dem konnten sie nicht konkurrieren. Das waren immer noch einzelne Pakete, die gebündelt angeboten wurden, aber die keine Daten, keinen Prozess und keine Informationsintegration kannten. An der Ecke hatte SAP wirklich ein Alleinstellungsmerkmal.

Und die späteren ERP-Systeme aller möglichen Anbieter, sicherlich prominent ist eben auch Oracle dann später, die haben diesen Gedanken aufgenommen. Aber tatsächlich ist es halt in der Software so, wer weit vorne ist, der hat eben die Chance sozusagen die Distanz weiter zu vergrößern. Bahn hatte ich gesagt, war etwas anders.

Bahn war eine Neugründung, Bahn war eben auch von Anfang an ein kleines Server-System, also Computer-Netzwerken für die ausgelegt. Und Bahn hatte dann einen großen Schwerpunkt gelegt auf Manufacturing, auf Produktion, was nicht ganz so der ganz große Killer im R2 der SAP war und hat dort nochmal SAP auch gefordert, dass das dann R3-basierte Manufacturing-System doch wesentlich leistungsfähiger wurde als der Vorgänger des R2-Systems. Und Bahn hat SAP dann einfach auskonkurriert.

Wir waren schneller, wir waren wahrscheinlich auch breiter aufgebaut, hatten bessere Leute an Bord. Und Bahn hat auch ein bisschen sich übernommen. Er hat sozusagen die eigenen Limitationen schlecht erkannt und zu viel gleichzeitig versprochen und auf seine Schulter gelegt.

Und das war dann am Ende nicht erfolgreich. Was war der größte Erfolgsfaktor neben den vielen einzelnen Dingen wie Technik und so weiter? SAP hatte immer wirklich ganz hervorragende Leute und SAP hatte tolle Kunden. Und ich selbst habe über Jahrzehnte, kann ich bald sagen, eigentlich so gelebt, dass ich etwas übertrieben formuliert morgens beim Kunden gelernt habe und nachmittags das implementiert habe, was ich neu gelernt habe.

Ich glaube, das hat man ganz selten in einem Softwarehaus, dass wirklich über lange Jahre Leute aus den leitenden Positionen auch bis in die Bits und Bytes alles begleitet haben, über alles Bescheid wissen. Was sind die ganz großen Herausforderungen, über die Sie in all diesen Jahren immer wieder gestolpert sind, wo Sie auch sagen können, die haben Sie gelöst? Also eine Herausforderung, die mir so spontan einfällt, ist immer das Thema im Retail-Bereich der großen Datenmengen gewesen, mit denen Sie auch erstmal lernen mussten umzugehen, denn die gab es in anderen Branchen sicherlich in der Form nicht. Ja, also große Datenmengen oder noch weiter gesagt, Performance, Performance, Performance.

Ja, was bedeutet es, nicht nur 100 End-User in einem System zu unterstützen, sondern 10.000? Und durch die Globalisierung, durch den Einsatz von einem System wie A3 in einer globalen Firma sind natürlich die Datenvolumene, die Transaktionsvolumene ganz rapide gewachsen. Und Hardware-Limitationen und Performance-Limitationen war sozusagen etwas, was der SAP permanent immer begleitet hat und wir waren immer am äußersten Rand von dem, was gerade noch technisch möglich war. Ich hatte ja erwähnt, Erzwogen der Assembler-Programmierung.

Wenn wir die damals nicht gemacht hätten, hätte es keine Erzwoge gegeben. Also diese Assembler-Programmierung, sehr techniknahe, sehr hardware-nahe Programmierung war einfach dadurch begründet, dass man nur so den Durchsatz und die Performance überhaupt erreichen konnte. Später in der Tat, bei A3, war es jetzt nicht mehr die reine Programmierung.

Das hat sich durch kleinen Server und durch die, sagen wir mal, multiexponentielles Wachstum eigentlich von Computer-Power eigentlich fast von selbst gelöst. Aber Datenvolumene, Relationale Datenbanken, auch der Netzwerkverkehr, also von einer zentralen Datenbank hin zu Usern, die vielleicht dann in Asien oder in Amerika gesessen haben, das war auch einer der Geheimnisse des A3-Systems, dass der Netzwerkverkehr sehr, sehr schlank gehalten war und dass die Datenbanken sehr leistungsfähig waren. Wir haben ja ein System, was sich unglaublich lange am Markt auch etabliert hat, auch heute noch als führendes System gilt.

Sicherlich gibt es in dieser Zeit, die Sie das System auch begleitet haben, wahnsinnig viele Anekdoten, auch Geschichten, die auch das Menschliche hinter der Software zeigen. Können Sie ein bisschen was berichten? Also zum Menschlichen kann man natürlich stundenlang jetzt erzählen, aber vielleicht will ich doch eine Sache noch erwähnen, was eigentlich die größte Herausforderung der SAP, aber alle, die in diesem SAP-Umfeld groß geworden sind, angeht. Das ist das Internet.

Das Internet kam oder das A3-System war nicht entwickelt für das Internet. Es hatte hinterher glücklicherweise bestimmte Eigenschaften, die im Internet gebraucht wurden und die andere wiederum auch nicht hatten. Aber ich hatte gesagt, die AS400 war das erste ausgeguckte Trägersystem für A3.

Also die Internetrevolution kam sozusagen etwas zeitverzögert genau in die Wachstumsphase von A3 herein. Und das war eine kritische Zeit. Kann SAP mit dem Internet mithalten? Und viele haben damals gesagt, ähnlich wie vorher gesagt, der Mainframe ist tot, haben sie gesagt, das ERP ist tot.

Was jetzt kommt, sind die neuen Anforderungen, die neuen Möglichkeiten auch im Vertrieb beispielsweise mit CRM-Systemen, in der Produktion mit Manufacturing Planning Systemen und mit Supply Chain Management Systemen. Also Anwendungen, die das Internet vorausgesetzt haben. Also Vernetzung über die Unternehmensgrenzen hinweg.

Und ERP ist von seiner Grundstruktur eben ein unternehmensinternes System, das diese Verbindung nach außen hin auf der Vertriebsseite und auf der Produktionsseite und auf der Supply Chain Management Seite gar nicht kannte. Und das war wirklich eine kritische Zeit für die SAP mit dem Aufkommen des Internets, zu sehen, wie stark sich dadurch auch nochmal Betriebswirtschaft verändert und parallel immer wieder, wie stark auch die Basis-Technologie unter Druck kommt, wenn sie da mithalten. Und gucken wir nachher nochmal, was uns anfällt an einzelnen menschlichen Storys.

Aber die größte Leistung eigentlich der SAP war das, wie soll man das sagen, das mit sehr teilweise auch harten Auseinandersetzungen intern, was ist der richtige Weg? Das irgendwie mit genügend schlauen Leuten und auch mit, wenn man so will, ehrgeizigen Leuten, dass immer wieder der richtige Weg gefunden wurde. Und manchmal kommt auch der Zufall einem zu Hilfe. Deswegen will ich eine Story doch noch nennen.

Das war eigentlich beim Launch oder bei der ersten Ankündigung des R3-Systems. Also nicht nur eine Pressenachrichtung, sondern beim ersten Zeigen des R3-Systems. Wir wollten das R3-System auf dem Mainframe zeigen.

Das war angekündigt für eine CeBIT, da kommt was Neues. Und leider Gottes haben wir in den Monaten und Wochen, ja Monaten davor festgestellt, also dieses R3-System, irgendwie läuft es zwar auf dem Mainframe oder auf einer AS400, aber es ist so grottenlangsam, dass man das keinem Menschen zeigen kann. Und dann, und das war sicherlich auch ein Punkt, wo ich dann sozusagen mit ins Rad gegriffen habe, haben wir eigentlich aus purer Not kleinen Server erfunden.

Wir haben nämlich das R3-System entwickelt auf solchen Workstations von HP beispielsweise, aber eigentlich nur um eine schnelle Entwicklungsumgebung zu haben. Und die Idee war, das dann hinterher wieder zusammenzufügen und eben auf einem Mainframe einer AS400 zum Laufen zu kriegen. Und die Nachtidee, ein kleines Team von fünf Leuten, der Gerhard Oswald war damals auch dabei, war zu sagen, wenn das nicht so rumgeht, dann muss es andersrum gehen.

Dann nehmen wir diese Entwicklungsumgebung, die Unix-basierten Systeme und zeigen, dass R3 auf Unix leuchtet. Wenn man so will, aus der Not geboren, wenn man so will, aber auf der anderen Seite als eine der Erfolgsgrundlagen vom R3 überhaupt. Und ja, manches ist nicht geplant, aber er weist sich dann hinterher doch als glücklicher Zufall und irgendwo hat irgendwas dann doch gestimmt.

Und das war natürlich überhaupt nicht lustig, denn es gab mächtige Leute bei der IBM beispielsweise, mit denen wir ja jemals immer noch guten, extrem guten Kontakt hatten, die uns dann gesagt haben, also wisst ihr was, da hört jetzt der Spaß aus. Wir als IBM werden es nicht zulassen, dass Unix-Systeme für betriebswirtschaftlich mission-critical Anwendungen eingesetzt werden. Na gut, das haben sie sich vorgestellt, sie konnten es nicht verhindern, denn in der Tat waren diese offenen Unix-basierten Client-Service-Systeme so leistungsfähig, dass manche dann eben schon sagten, der Mainframe ist tot.

Und die Geschichte ist bis heute eigentlich fortgeschrieben. Auch heute noch ist die SAP in diesem Bereich ihres Unternehmens wahnsinnig erfolgreich. Da fängt es ein bisschen an schwammig zu werden, was ist eigentlich ERP-Software.

Ursprünglich war das mal ganz gut definiert. Heute ist ERP-Software eigentlich identisch im Sprachgebrauch mit irgendetwas, was Unternehmenssoftware ist. Und dazu gehört zum Beispiel dann auch BusinessObjects als ein Beispiel.

Das war natürlich kein ERP-System, sondern BusinessObject war eine Lösung für das, was man Business Intelligence oder Analytik nennt und Data Warehousing. Und das war in der Tat, je größer die Systeme wurden, je größer das Datenvolumen war, je vielfältiger wurden die Anforderungen in einem Unternehmen, diese Daten, also nicht nur die Transaktionen zu verwalten, sondern diese Daten in ihrem vielfältigsten Informationsbedarf für End-User aufzubereiten und zwar in einer Form, die ihren Geschäfts- und ihren Geschäftsanforderungen entsprechen. Das war die Domäne von Data Warehousing, wo SAP nicht so sehr stark war und wir sind dann weggegangen, wie viele andere auch, dass man eben auch dann Zukäufe getätigt hat in Bereichen, wo man selbst vielleicht das Know-how nicht hatte oder die Technik hatte oder wie auch immer.

Das hat sich hinterher nochmal, ich weiß nicht, wie weit wir da noch drauf kommen, nochmal völlig verändert durch eben das Stichwort memorosites Computing bei der SAP HANA. Also ein ganz neuer Ansatz, der dann in einer ganz neuen Form Interaktion und Transaktion und Data Warehousing Informationsmanagement wieder miteinander verbindet. Aber Informationsmanagement in einer flexiblen Art war eben eine der Herausforderungen, um die um zweitausend herum etwa, wo das immer wichtiger wurde. Ja, jetzt hatten sie plötzlich eine, ich will nicht sagen, eine Reihe von verschiedenen Systemen, aber doch einige. Ich glaube, die Anzahl an Aufkäufen, die ist knapp sechzig mittlerweile bei der SAP. Das ist im Vergleich zu anderen großen Softwarehäusern relativ wenig. Also wenn ich mir z.B. eine Info oder ähnliches angucke mit der Fieldson, ein EHP System. Aber dennoch hatten sie plötzlich eine Reihe von Systemen, die natürlich auch irgendwo parallel nebeneinander liefen, parallel nebeneinander entwickelt, gewartet werden mussten, wo es dann auch unterschiedliche Vertriebsmannschaften gab, die mit diesen Systemen ja letztendlich auf den Markt gegangen sind. Wie sind sie damit umgegangen? Ja, vielleicht sage ich erstmal umgekehrt. Ein Fehler hat gottseidank die SAP nie begangen. Sie hat nicht gesagt, wir haben ein Bündel innerhalb eines ERP Angebots, ein Bündel von fünf verschiedenen CM Lösungen. Und jetzt, lieber Kunde, kannst du mal gucken, welche davon für dich besser passt. So sieht das heute beispielsweise bei Rockel aus. Also Zukäufe, parallele Zukäufe im gleichen Segment, das haben wir nicht gemacht, sondern wir haben immer, wenn man so will, strategisch zugekauft in Bereichen, wo wir Defizite hatten, wie das Data Warehousing, was ich schon genannt hatte und haben versucht, das neu zu integrieren. Es gab aber immer zusätzlich einen anderen Aspekt, das war die Größe der Unternehmen, auf die man abzielt. Und da bin ich heute mehr denn je überzeugt, es gibt nicht die eine Lösung, die gleichrangig einen multinationalen globalen Konzern bedient, mit zehntausenden von Usern, mit einem sehr breit differenzierten Geschäft und auf der anderen Seite genauso attraktiv und erfolgreich ist, ich sag mal für eine mittelständische Firma in der Größenordnung von hundert vielleicht bis tausend Mitarbeiter. Da gibt es ein Komplexitätsproblem, ein Beherrschbarkeitsproblem, ein Aufwandsproblem und das war ja schon mit dem r drei eigentlich der Schritt, warum wir ursprünglich die Richtung gegangen sind. Dann kam es anders heraus. Also kleine oder mittelgroße Unternehmen zu bedienen erforderte damals schon einen neuen Ansatz. Teilweise im b one war das eben ein Zukauf für Firmen mit vielleicht dreißig Mitarbeitern. Und die mehr strategische Lücke, die wir entdeckt hatten damals war im Unternehmen mit vielleicht eben bis zu tausende Mitarbeitern, wenn man so will, in mittelständische Unternehmen, die eine einfacher zu bedienende, einfach einzusetzende, einfach wartbare Lösung, kostengünstige Lösung brauchen für aber eine nichtsdestoweniger anspruchsvolle Betriebswirtschaft. Ihnen hat der ERP Podcast gefallen und sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden sie auf www. Erp-podcast de. Dort finden sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen z.B. beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann, ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.