In dieser Folge möchte ich Ihnen mit einer Gruppe meiner Studierenden der Wirtschaftsinformatik ein IOT-Szenario für die Integration von Robotik, Sensorik und Unternehmenssoftware in der Produktion vorstellen und die dazu verwendeten Softwaresysteme, Schnittstellen und Technologien erläutern. Sie arbeiteten u.a. mit WeClapp, Node-RED, IBM Business Process Manager und anderen Technologien. Vielleicht eine Anregung auf Ihrem Weg zur Industrie 4.0?
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 29 Internet of Things zwischen ERP, Sensorik und Robotik In dieser Folge möchte ich Ihnen mit einer Gruppe meiner Studierenden der Wirtschaftsinformatik ein Szenario für die Integration von Robotik, Sensorik und Unternehmenssoftware in der Produktion vorstellen und die dazu verwendeten Software-Systeme, Schnittstellen und Technologien erläutern. Vielleicht eine Anregung auf Ihrem Weg zur Industrie 4.0? Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast, Thema Unternehmenssoftware aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Heute habe ich einfach mal einige meiner Studierenden eingeladen, die sich hier an der Universität Würzburg im Bereich Wirtschaftsinformatik natürlich immer wieder mit Integrationsthemen auseinandersetzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich das Datenfundament des ERP-Welt, das Thema Integration sehr hoch halte und wir beschäftigen uns heute eigentlich mit einem Thema, was in den Ursprüngen schon relativ alt ist.
Der August-Wilhelm Scheer, wenn Sie so wollen, mein wissenschaftlicher Großvater, hat in den 80er Jahren schon sehr viel darüber geschrieben, wie man aus der betriebswirtschaftlichen Welt in die technische, in die maschinelle, in die industrielle Welt Daten miteinander verknüpft und damit natürlich auch Organisationen und Prozesse. Wir haben das Ganze ein bisschen weitergetrieben. Wir wollen nämlich auch wissen, wie man Sensorik, wie man Robotertechnik einbinden kann in die betriebswirtschaftliche Softwarewelt.
Wir stehen jetzt hier gerade in einem von unseren Forschungslaboren. Hinter uns ist ein kleiner Industrieroboter, eine Industrieroboter-Nachbildung, zahlreiche Monitore, auf denen verschiedene Softwaresysteme laufen und wir wollen uns dem Thema einfach einmal ein wenig nähern, um auch zu zeigen, dass es durchaus auch möglich ist, als zum Beispiel Mittelständler mit geeigneten Softwaresystemen eben diese Verknüpfung aus Produktion, aus Internet 4.0, Industrie 4.0, Internet of Things, Sensorik, Robotik mit der betriebswirtschaftlichen Welt zu verknüpfen. So, und dazu begrüße ich jetzt unser derzeitiges Projektseminar, eine Veranstaltung im Master.
Drei Studierende der Wirtschaftsinformatik stehen mir jetzt hier gegenüber. Vielleicht können Sie sich selbst einmal vorstellen, wer Sie sind und was Sie hier an der Universität machen. Hallo, ich bin der Philipp Deiß.
Ich studiere hier im Master Wirtschaftsinformatik. Ich bin jetzt im vierten Semester und habe eben auch gerade die Schwerpunkte ERP-Systeme und Data Science gewählt. Hallo, mein Name ist Michael Ewinger.
Auch ich bin Master Wirtschaftsinformatik-Student im vierten Semester und habe Schwerpunkte ERP und E-Business gewählt. Hallo, mein Name ist Christoph Reitz. Ich bin im Master Wirtschaftsinformatik im dritten Semester und ich habe den Logistik-Schwerpunkt.
Und zusätzlich beschäftigen Sie sich mit ERP-Systemen? Genau. Gut, jetzt haben wir gehört, Sie sind alle im Bereich ERP. Sie haben jetzt gerade das Projektseminar gemacht.
Was ist das Projektseminar? Womit beschäftigen Sie sich? Also das Projektseminar ist Teil vom Wirtschaftsinformatik-Master. Und da muss man in einer Gruppe von drei bis fünf Leuten über ein halbes Jahr eine Thematik ausarbeiten und muss die dann im Endeffekt danach vorstellen. Und man kriegt halt eine Thematik, mit der man sich am Anfang beschäftigt, einzeln einarbeitet und dann während des Semesters die Ausarbeitung in der Gruppe ausführt und dann anschließend in der Abschlusspräsentation abschließt.
Ja, wir haben ja jetzt in Ihrem Seminar verschiedene betriebswirtschaftliche Softwaresysteme, technische Softwaresysteme und natürlich Robotik, also technische Hardware letztendlich miteinander verknüpft. Was war die Aufgabenstellung in Ihrem Projektseminar? Wir sollten mit einem ERP-System erst einmal arbeiten, daraus Daten exportieren, auf einer Plattform darstellen, einen Matching-Algorithmus darüberlaufen lassen, der dann Daten aus dem ERP-System matcht und wir dann gleichzeitig als Produzent auftreten, also eine der Produzenten, die gematched werden und anschließend dann einen Auftrag mit realen Roboter umsetzt. Das heißt, wir haben letztendlich das betriebswirtschaftliche Softwaresystem, das ERP-System, wo wir unsere Aufträge planen, die dann direkt aus dem System in der Produktion, in der simulierten Produktion hier bei uns letztendlich produziert wird, es gibt die Rückspiegelung.
Da ist ja noch eine Besonderheit, die wir hier in das Szenario mit eingebunden haben. Vielleicht können Sie dazu etwas sagen? Unsere Besonderheit ist, dass wir nicht nur einfach einen Produktionsprozess ablaufen lassen, sondern dass dieser Produktionsprozess immer nur unter gewissen Voraussetzungen ablaufen darf. Das heißt, wir haben jetzt einen Schwellwert genommen für eine Luftfeuchtigkeit in einem Raum und nur wenn wir innerhalb dieser gegebenen Schwellwerten sind, wird diese Produktion fortgesetzt.
Wenn man diese Schwellwerte reißt, wird eben dieser Produktionsprozess abgebrochen. Das heißt, wir binden jetzt Sensoren ein. Wir haben jetzt als Beispiel die Luftfeuchtigkeit genommen.
Können Sie ein Beispiel nennen, ein Produktionsbeispiel, wo das tatsächlich ein reales Thema wäre, dass man Luftfeuchtigkeit auch misst? Also Luftfeuchtigkeit, alles was mit kleinen Teilen zu tun hat, wo sich bei Luftfeuchtigkeit vergrößert oder verkleinert, das heißt Holzmaterialien oder Metallmaterialien, da sind das alles wichtige Faktoren, wenn es bei kleinen Produktionsartikeln geht. Also wir haben jetzt nicht nur die Verknüpfung von Industrie oder Produktion und betriebswirtschaftlicher Planung der Produktion, sondern wir haben tatsächlich auch die realen Umgebungsvariablen, die wir in diesen Prozess letztendlich in Echtzeit mit reinbringen wollen. Genau, also dort wo diese produzierende Maschine steht, dort wo die Sensoren sind, genau diese reale Welt, diese Umgebung wird hiermit abgebildet.
Vielleicht hole ich nochmal ein bisschen weiter aus, das war jetzt in Ihrem Szenario ja nicht so im Vordergrund, aber das wird in der Zukunft für uns in der Forschung sehr stark im Vordergrund stehen, dass wir eben sagen, okay, wir haben hier Produktionsmaschinen und im Grunde genommen ist es uns ja eigentlich egal, wenn wir die Integration haben, ob das von der Firma, denen diese Produktionsmaschinen gehören, dort produziert wird oder vielleicht von ganz anderen, die eben auch Zugriff auf diese Produktionsmaschinen haben wollen, wenn wir zum Beispiel an 3D-Druck denken, wo ganz unterschiedliche Auftraggeber auf Maschinen, 3D-Maschinen zugreifen wollen und genau an solchen Dingen forschen wir eben auch. Also wie können wir so ein Matching, Sie haben es ja eben schon auch gesagt, herstellen, sodass die ERP-Systeme oder die verschiedenen Firmen eben genau auf die Produktionsangebote hingewiesen werden und dann eben einen Produktionsauftrag auslösen können. In unserem Szenario jetzt ein bisschen einfacher, wir haben nur ein ERP-System, von dem wir eben einen Produktionsauftrag anstoßen.
Vielleicht können Sie so ein bisschen was zu dem ERP-System sagen, was ja eigentlich den Impuls gibt für die Produktion. Ja, also als erstes gilt es natürlich, wir haben ein ERP-System ausgewählt am Anfang, das ist das WeClap ERP-System und das ist ein ERP-System, was in Deutschland produziert wurde beziehungsweise von Deutschen geführt wird und optimiert ist für kleine und mittelständische Unternehmen und dementsprechend ist es auch sehr vorteilhaft, dass man sich mit dem Support sehr gut unterhalten kann, auf Deutsch direkt kann man Anfragen per E-Mail oder per Telefon stellen, wenn man irgendwelche Probleme oder Fragen hat, stehen die einem direkt bereit. Und der andere große Vorteil, der bei uns in der Plattform natürlich sehr nötig war, ist, dass es eine geeignete oder umfangreiche Schnittstelle bietet, um an unsere Plattform die Daten weiterzuleiten und natürlich auch rückzuführen.
Und wir haben dann das WeClap-System genommen, weil es eine Rest-API hatte, mit der man über Curl-Abfragen die Produktionsaufträge mit den enthaltenen Artikeln halt ausgeben kann und in der Plattform alle nötigen Daten speichern kann. Im Prozessverlauf hat sich dann natürlich herausgestellt, beziehungsweise dadurch, dass die API nicht alle Bereiche abdeckt oder abdecken kann, ist es während des Projektverlaufs relativ schwierig, das auch wieder zurückzuführen. Das heißt, das Ergebnis beziehungsweise im ERP-System, das dann updaten zu können, dass die Produktionsaufträge den Status von nur angelegt in Produktion oder abgeschlossen ist.
Und das hat sich während des Projektseminars herausgestellt, dass das in die eine Richtung sehr gut funktioniert hat, in die andere dann wiederum nicht. Aber wir hatten die Möglichkeit, aus dem ERP-System oder in dem System die Produktionsaufträge anzulegen und dann aus dem System heraus quasi den Impuls zu geben, in die Fertigung hinein zu sagen, jetzt muss etwas produziert werden. Natürlich, wenn wir Integration leben wollen, dann ist es auch sinnvoll, in beide Richtungen das Ganze idealerweise in Echtzeit zu machen.
Das sind jetzt sicherlich auch die nächsten Schritte, die man hier gehen kann. Was ist dann passiert? Was haben Sie als nächstes eingebunden? Wie laufen diese Daten, diese Informationen jetzt weiter Richtung Industrie? Bevor die Daten natürlich an die Industrie weitergegeben werden können, müssen die zentral verwaltet werden beziehungsweise auch noch eingespeichert werden. Dazu haben wir eine Plattform beziehungsweise einen Marktplatz entwickelt und auf diesem Marktplatz wurden dementsprechend in der Datenbank die extrahierten Produktionsaufträge hinterlegt.
Nach dem Hinterlegen von den Produktionsaufträgen konnte ein sogenanntes Matching durchgeführt werden, dass der Produzent und der Konsument in einem mathematisch optimierten Verfahren miteinander verknüpft werden konnten und dieses Ergebnis wird dann einzeln an die Produzenten weitergegeben und dementsprechend als E-Mail angeregt, dass es produziert werden kann, beziehungsweise soll. Okay, also Sie haben jetzt quasi eine Zwischenschicht etabliert, die Produktionsaufträge aus dem ERP-System beziehungsweise aus beliebigen ERP-Systemen gehen in diese Plattform, in diese Zwischenschicht rein und Sie nehmen jetzt als Notification-Element quasi eine simple E-Mail, die jetzt wohin weiterläuft? Da kommen wir dann als einer der Produzenten infrage. Der Produzent nutzt das IBM BPM, wo er seine Geschäftsprozesse und Produktionsprozesse abgebildet hat.
In dem Prozess wird auch das E-Mail gehört. Wenn der E-Mail bei uns eintrifft, heißt es, wir wurden auserwählt, es zu produzieren. Dann, was produziert werden soll, ist auch in der E-Mail enthalten und wird dann an unseren Roboter weitergegeben über das IBM BPM, während gleichzeitig noch die realen Umweltstände durch einen Luftfeuchtigkeitssensor gemessen wird und gegebenenfalls den Produktionsprozess abbricht, wenn die Umstände außerhalb vom Schwellenwert liegen.
Also wir haben jetzt quasi aus dem ERP-System in die Plattform gesagt, wir wollen etwas produzieren und jetzt gehen wir eine Ebene weiter und sagen quasi per E-Mail, also per Nachricht, wird jetzt quasi ein Geschäftsablauf, der innerhalb dieses IBM Business Process Management Tools, Modeling Tools, dargestellt wurde, angestoßen, um dann eben den Produktionswunsch in der Produktion letztendlich durchzuführen. Ist das richtig so? Das ist richtig, genau. Okay, also jetzt läuft quasi die Prozessengine los und sagt eigentlich, wie, wo, was zu produzieren ist.
Was passiert jetzt als nächstes? Als nächstes haben wir als Produzent, muss uns jetzt erstmal der Auftrag nochmal übergeben werden. Das heißt, wir verbinden uns wieder mit der Plattform und laden dann eben den entsprechenden Produktionsprozess bei uns ins System ein. Und dann kann auch wirklich die Produktion beginnen.
Das heißt, bei uns wird dann wirklich auch angestoßen, dass unser Roboter sich dann bewegt. Okay, also aus dem definierten Prozess, der ja erstmal virtuell nur in der Software definiert wird, wird letztendlich real der Roboter angestoßen, bestimmte Aufträge, bestimmte Abläufe durchzuführen. Korrekt.
Also in dem Sein, Bewegungsablauf wird dann ausgeführt. Okay. Und ist das jetzt direkt aus dieser Software heraus oder haben Sie andere Software-Systeme, die Sie jetzt zusätzlich einsetzen oder andere Hardware? Also der Bewegungsablauf momentan kommt tatsächlich schon aus dem ERP-System.
Das ERP-System hat diesen Auftrag dann weitergegeben an die Plattform und wir greifen jetzt als Produzent wieder aus dieser Datei, die aus dem ERP-System kommt, zu und laden uns die dann runter und führen diese dann aus. Okay. Jetzt haben Sie aber eine Reihe von Software- und Hardware-Systemen hier in dem ganzen Prozess drin, die natürlich zusätzliche Informationen reinsteuern bzw.
die Daten entsprechend an die Produktionshardware weitergeben. Also das IBM BPM, was wir verwenden, ist hauptsächlich dafür da, Geschäftsprozesse darzustellen und die anzustoßen bzw. Rückmeldung zu geben, wenn sie zu Ende ist.
Was aber hier wichtig ist, wir haben den Roboter und den Sensor, der noch zusätzlich im Prozess mit integriert ist und den kann man aber nicht so einfach direkt ins IBM BPM integrieren, weswegen noch zusätzlich die Software Node-RED läuft. Node-RED ist eine Software von IBM, womit API und Schnittstellen zu diesen Geräten und Web-Services hergestellt werden kann und diese miteinander verknüpft werden. Wenn ich es richtig im Kopf habe, Sie haben ja gesagt, 20.000 verschiedene Definitionen für ganz unterschiedliche Hardware sind bereits von verschiedensten Entwicklern frei verfügbar im Netz zur Verfügung gestellt, sodass man also quasi für seine Hardware innerhalb von Node-RED die richtige Anbindung definieren und finden kann.
Die Software ist Open Source, bedeutet, wenn jemand etwas braucht, was es nicht gibt, dann steuert er einfach seinen eigenen Beitrag zu, wo andere dann einfach kostenlos darauf zugreifen können, genau. Okay, und über diese Software Node-RED haben Sie jetzt was angesteuert? Wir haben den Luftfeuchtigkeitssensor von Arduino verwendet, der dann alle nach einem Zeitraum von ungefähr zwei Sekunden immer die Luftfeuchtigkeit und Temperatur misst und diese dann ans IBM BPM weitergibt und an den Roboter. Der Roboter ist auch an Node-RED angebunden und führt den Produktionsprozess aus.
Gleichzeitig hört er auf den Sensor und wenn der Sensor die realen Umweltstände misst und sagt, sie liegen außerhalb dem Bereich, der in Ordnung ist, dann wird ein Stop-Befehl gesendet am Roboter, damit der Produktionsprozess abgebrochen wird. Dieser Stop-Befehl, kommt der direkt aus Node-RED oder wird der über die BPM-Software definiert und letztendlich auch ausgesendet? Stimmt, ja. In IBM BPM, wenn der Prozess angestoßen wird, hat der Produzent die Möglichkeit, Schwellenwerte anzugeben, zum Beispiel Luftfeuchtigkeit soll zwischen 20 und 40 Prozent liegen, das ist in Ordnung, drunter und drüber würde dann zum Abbruch führen.
Diese Schwellenwerte werden an das Node-RED weitergegeben und dann mit den Luftfeuchtigkeitsdaten gemessen und wenn diese dann außerhalb vom Schwellenwert liegen, ein Stop an den Roboter gesendet. Das ist ja jetzt so ein klassischer Internet-of-Things-Anwendungs-Case, also wir haben irgendwo was Betriebswirtschaftliches und dann werden über verschiedene Schnittstellen, verschiedene technische Devices eingebunden und angesprochen und von dort fließen wieder Daten zurück. Was jetzt natürlich neu dazukommt, ist unsere Plattform, unsere Matching-Plattform, die wir in den nächsten Jahren immer weiter ausarbeiten werden, um eben Produktionsnachfrage und Angebot noch mehr zusammenbringen zu können.
Was waren Ihre besonderen Herausforderungen, wo sagen Sie, das ist noch gar nicht so irgendwie State-of-the-Art, sondern da muss man eigentlich wirklich noch Hands-on ganz viel machen? Die erste Herausforderung gerade ganz am Anfang, was die ERP-Systeme betrifft, ist, dass es natürlich viele verschiedene ERP-Systeme gibt und das Ziel ja eigentlich sein sollte, dass man auf der Plattform jegliche ERP-Systeme akzeptieren kann, beziehungsweise automatisch deren Produktionsaufträge zu ziehen. Und da war es halt eine besondere Herausforderung, erstmal ein System rauszufinden, was sich am besten eignet und das Schwierige halt da ist, dass jede API beziehungsweise jeder Hersteller eine andere API verwendet und andere Standards verwendet und da herrscht halt einfach ein riesiger Urwald, wo man sich halt durcharbeiten muss und gucken kann, beziehungsweise muss, ob das geeignet ist. Und dementsprechend fallen halt schon mal ein paar Systeme raus, die einfach nicht die Anforderungen erfüllen und dann muss man sich halt eins rauswählen, was am besten passt.
Ja, wir haben ja sehr viele ERP-Systeme hier bei uns auch im Labor und ich glaube nicht, dass das das einzige Problem auch in diesem ganzen Szenario war, oder? Nein, also man muss nochmal festhalten, diese ganze Verknüpfung, das ist alles kein Plug and Play, dieses Internet der Dinge. Das muss eben jeweils für die einzelne Maschine dann immer neu implementiert werden. Und da hatten wir natürlich dann eben auch mit unserem Roboter, das heißt hier mit der Roboter-API auch unsere Probleme.
Das ist aber einfach der Tatsache geschuldet, dass es hier eben noch keine Standards gibt, wie das allgemein ausgeführt wird. Das muss man dann eben für jede Maschine einzeln, für den Sensor auch einzeln wieder immer mit den APIs arbeiten. Gibt es da irgendwelche APIs, also irgendwelche Schnittstellen zwischen den verschiedenen Techniken, Technologien, die sich als sehr sinnvoll erwiesen haben oder wo Sie sagen, lieber Unternehmen, wir haben das mal durchgespielt, lasst lieber die Finger von folgender Definition, macht es lieber anders.
Also wir waren jetzt sehr zufrieden mit dem von IBM entwickelten Node-RED, das eigentlich auch genau diese Verbindung dann herstellt. Ist auch sehr intuitiv gestaltet, also wir waren da sehr zufrieden. Die Kommunikation dann vom Node-RED raus, dann wieder in die ERP-Systeme oder eben in eine Plattform, da könnte man dann vielleicht noch ein bisschen weitere Entwicklungen betreiben.
Okay, Sie haben das jetzt für Luftfeuchtigkeitssensoren gemacht. Das ist ja auch ein durchaus valides Szenario. Sie haben es vorhin gesagt, im Holzbereich, im Metallbaubereich wären das sicherlich sehr denkbare Szenarien, wo man eben die umgebungsvariable Luftfeuchtigkeit mit erfasst.
Was für andere Sensorik wäre denn auch denkbar? Wir hätten noch die Möglichkeit, ein Mikrofon beispielsweise anzuschließen. Wenn es zu laut wäre oder wenn ein verbaler Stoppsignal kommen würde, würde das auch unterbrechen. Es gäbe auch beispielsweise einen Bewegungssensor, der dann quasi auf den Boden gelegt werden kann oder auf den Tisch, wenn der Roboter dann durch einen 3D-Drucker ersetzt werden würde und der Sensor liegt auf dem Tisch und der Tisch würde sich aber zu stark bewegen, sodass der 3D-Druck beeinträchtigt werden würde, könnte man das auch abbrechen.
Das wäre eine Möglichkeit oder generell einfach beispielsweise schon durch modernes Amazon Alexa, wo man dann durch Sprachsteuerung Befehle an den Roboter geben könnte. Das wäre quasi das, was wir in der Logistik schon ganz lange als Pick-By-Voice kennen, also die Sprachsteuerung, die mit viel Aufwand ja schon seit einigen Jahren dort getrieben wird, dann quasi in der Produktion umgesetzt für bestimmte Geschäftsprozesse, die man dann selber in beispielsweise dem IBM BPM Tool definieren würde, richtig? Genau, richtig. Wir haben jetzt einen Roboter angeschlossen.
Gibt es auch andere Schnittstellen, die man ansprechen könnte an dieser Stelle? Es gibt sicherlich, also der Roboterarm ist ja quasi nur die Bewegung am Arm selbst, kann man ja noch weitere Module anbauen, beispielsweise ob es ein Greifarm ist, ob es jetzt ein 3D-Druckstift ist, ob es jetzt ein Gravurlaser ist, ob es generell ein normaler Stift ist, das lässt sich auch beliebig erweitern und auch von der Firma gibt es weitere Produkte, womit man solche Bewegungsprozesse abbilden lassen kann. Okay. Was ist jetzt das, was Sie am meisten eigentlich aus dem Projektseminar mitnehmen? Also Ihre Aufgabe nach einem halben Jahr Schweiß und vielen verzweifelten Blicken, die ich immer wieder aus den Laboren bei uns von Ihnen gesehen habe, war das ja ein sehr erfolgreiches Seminar, was wir hier durchgeführt haben.
Was ist das, was Sie auch für Ihr Berufsleben mitnehmen können an der Stelle? Also ganz klar muss man hier sagen, das ist jetzt wirklich mal nicht nur Uni, sondern auch wirklich praxisnah. Wir haben eine relativ große Aufgabenstellung bekommen, mussten die uns dann quasi selber erstmal definieren und anlesen, uns erstmal in die Materie einarbeiten, was wir eigentlich machen müssen. Des Weiteren waren wir in unserem gesamten Projektverlauf uns selbst überlassen.
Das heißt, hier kamen noch die ganzen Sachen wie Projektplanung, die ganzen Absprachen, eben genau diese Integration der verschiedenen Services. Das heißt, ich kann nicht nur selber meinen Aufgabenbereich bearbeiten, sondern das muss natürlich auch mit den anderen Bereichen übereinstimmen. Das fand ich für mich jetzt das, was mir am meisten gebracht hat, dass man wirklich im Team viel zusammenarbeiten muss, dass so eine Integration gar nicht so einfach ist, weil es gibt immer mehr Schnittstellen, wie man denkt.
Und das hat mir sehr Spaß gemacht und ich finde, das bereitet einen dann auch gut aufs Berufsleben vor. Jetzt hat man wirklich mal so ein großes Projekt ein halbes Jahr lang selbstständig durchgezogen. Uns ist es auch sehr schön, dass jetzt was rauskam, das dann auch funktioniert.
Herr Reitz, Sie hatten ja jetzt insbesondere den Part ERP. Was würden Sie den ERP-Herstellern mit auf den Weg geben aus diesen IoT-Szenarien heraus? Sind die Systeme dafür vorbereitet? Gibt es da gerade auch bei den mittelständischen ERP-Systemen vielleicht auch noch Nachholbedarf? Auf jeden Fall sehe ich da einen großen Nachholbedarf dahingehend, dass man sich überlegen oder hinsetzen sollte und Standards definieren sollte. Und das Problem, wie ich es vorher schon erwähnt habe, ist, dass es einfach ganz viele verschiedene Schnittstellen gibt und jedes Unternehmen einfach oder jeder Anbieter wahrscheinlich das nimmt, was für ihn am besten passt oder was er halt umsetzen.
Und dann ist es halt dementsprechend, wenn man als Plattform dann verschiedene ERP-Systeme hat, muss man das so anpassen oder so sich zurechtlegen, dass man halt alle irgendwie abbilden kann, anstelle dass man hingeht, wo man verschiedene ERP-Systeme mit dem gleichen Standard anbieten kann und die gleiche Schnittstelle hat und da einfach nicht diese Selektion auf der Plattform stattfindet, sondern dass die ERP-Systeme einheitlich sind. Das Problem von Standards ist ja, dass es so viele gibt. Ich meine, das haben Sie ja letztendlich in dem Seminar auch immer wieder festgestellt, dass wir, obwohl es Standards gibt, doch ziemlich viele Abweichungen von den Standards auch haben und nicht nur Abweichungen von den einzelnen Standards, sondern auch sehr, sehr viele verschiedene Standards für ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche.
Hier ist wahrscheinlich auch noch einiges zu tun, oder? Auf jeden Fall. Also der Wunsch wäre natürlich wieder, wie immer, so ein Standard, der sich dann durchsetzt, aber wie immer wird wahrscheinlich jede Branche dann auf seinem eigenen Standard sitzen bleiben und da ist dann wahrscheinlich der Umweg dann wirklich, dass man dann ein Tool baut, das eben diese ganzen Standards so formatieren kann, dass sie wieder vereinheitlicht werden. Das wird wahrscheinlich der logische Ausgang sein.
Also wir haben noch viel zu tun in der Wirtschaftsinformatik, richtig? Auf jeden Fall bleibt hier genug zu tun, ja. Okay. Lessons learned? Irgendwas, was Sie unseren Zuhörern, wenn sie denn selber solche Szenarien aufbauen wollen, in der Realität mitgeben wollen? Auf jeden Fall am Anfang einen großen Überblick schaffen, über wie der Prozess genau aussehen soll, alles genau überlegen, wie wird es ablaufen.
Bei uns war das Problem, wir haben uns das relativ grob überlegt und haben uns dann gleich mal herangesetzt mit der Implementierung, wie es halt auch so ist. Man möchte gleich was machen, wo man dann mitten in der Implementierung merkt, dass es vielleicht doch nicht so ganz läuft, wie man es sich ursprünglich gedacht hat. Also da auch Vorplanung kann einem dann während der Implementierung auf jeden Fall eine Menge Arbeit ersparen.
Projektplanung hier angebracht. Das sollte man auf jeden Fall sehr, sehr ernst nehmen und viel Zeit investieren. Kommunikation ist auch auf jeden Fall in Projekten sehr wichtig.
Es bringt nichts, wenn jeder in seinen einzelnen Gebieten die ganze Zeit arbeitet. Man muss ja, wenn man den Prozess dann am Ende oder während des Projektes dann zusammensetzen will, muss das zusammenpassen. Und da ist halt einfach wichtig, dass man während des kompletten Projekts sich halt untereinander abspricht, was hat man gemacht.
Man muss nicht im Detail beim anderen drin sein, aber einfach wissen, was macht der andere, wie passt es mit meinem Part zusammen und dass man sich auch so gegenseitig halt pushen kann, dass man halt auch insgesamt halt weiterkommt. Herr Reitz, Herr Deiss, Herr Ebinger, jetzt sind Sie am Ende Ihres Projektseminars, noch nicht am Ende Ihres Studiums. Wie geht es jetzt weiter? Also ich bin jetzt im vierten Semester, das heißt bei mir wird jetzt im fünften Semester die Masterarbeit folgen und das ist das fünfte Semester geworden, weil ich noch im Auslandssemester war und das auch sehr genossen habe.
Das heißt jetzt die Masterarbeit und dann geht es auch in die Berufswelt. Auch ich werde mich jetzt an die Masterarbeit ransetzen, habe dafür dann sechs Monate Zeit und werde danach dann auch in die Berufswelt einsteigen. Natürlich muss das Projekt noch damit abgeschlossen werden, dass wir alle drei jetzt noch den Bericht vor uns haben.
Das heißt, das ist natürlich der Abschluss von so einem Projekt. Das heißt, wir müssen uns natürlich noch vorher an den Bericht setzen. Bei mir folgt jetzt als nächstes dann nach dem Bericht noch ein Auslandssemester.
Ich werde mich nach Brasilien nochmal für ein halbes Jahr begeben und danach schreibe ich auch meine Masterarbeit und werde dann natürlich auch ins Berufsleben einsteigen. Ja, dann haben wir heute mal eine etwas andere Folge aus unseren Forschungs-, aus unseren Lehrlaboren hier an der Universität Würzburg. Ihnen drei einen ganz herzlichen Dank, nicht nur für die viele Arbeit, die Sie in unseren Case, in unser Szenario reingesteckt haben, sondern auch, dass Sie hier bereitwillig mit mir eine Podcast-Folge gemacht haben, wo auch immer Sie jetzt hin verschlägt, sei es nach Brasilien oder an den heimischen Schreibtisch.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg weiterhin mit Ihrem Studium. Wie immer, liebe Zuhörer, keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.