Das Konzept ist geschrieben, das neue ERP-System implementiert. Doch wie wird das System eigentlich genutzt? Während bei der ERP-Einführung relativ klar ist, wie welche Prozesse im SAP-System wie R/3 oder S/4 oder einem anderen ERP-System ablaufen sollen, bleibt dieses dem Management in der realen Nutzungsphase von häufig 10, 15 oder 20 Jahren verborgen. Nutzt die Tochtergesellschaft das System genauso wie die Muttergesellschaft? Welche Prozessabläufe sind beim Zusammenführen von verschiedenen ERP-Systemen besonders zu berücksichtigen? Wo sind Compliance-Verstöße zu erkennen? Viele Fragen, die sich aus den Daten des ERP-Systems mit dem Reverse Business Engineering beantworten lassen. Dazu spreche ich heute mit dem Technikvorstand der IBIS Prof. Thome AG, Prof. Dr. Andreas Hufgard.
Literaturempfehlung:
- Corey, J.: Leviathan erwacht: Roman (The Expanse-Serie, Band 1). 2012
- Hufgard, A. ,Rauff, S. ,Zinow R.: SAP Cloud: Szenarien, Lösungen und Technologie – Alle Cloud-Lösungen verständlich erklärt. 2015
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 31 Reverse Business Engineering mit SAP Ein Interview mit Prof. Dr. Andreas Hufgaard, Technikvorstand der IBIS Prof. Thome AG. Das Konzept ist geschrieben, das neue ERP-System implementiert. Doch wie wird das System eigentlich genutzt? Während bei der ERP-Einführung relativ klar ist, wie welche Prozesse im ERP-System ablaufen sollen, bleibt dieses dem Management in der realen Nutzungsphase von häufig 10, 15 oder 20 Jahren verborgen.
Nutzt die Tochtergesellschaft das System genauso wie die Muttergesellschaft? Welche Prozessabläufe sind beim Zusammenführen von verschiedenen ERP-Systemen besonders zu berücksichtigen? Wo sind Compliance-Verstöße zu erkennen? Viele Fragen, die sich aus den Daten des ERP-Systems mit dem Reverse Business Engineering beantworten lassen. Dazu spreche ich heute mit dem Technikvorstand der IBIS Prof. Thome AG, Prof. Dr. Andreas Hufgaard. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast.
Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz in der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast, dem Podcast rund um Unternehmenssoftware.
Und heute geht es tatsächlich wieder rein um ERP, um die zentrale Unternehmenssoftware, um das Datenfundament. Heute wollen wir nämlich sprechen über das Thema Rebirth Business Engineering, also die Nutzungsanalyse produktiver ERP-Systeme. Warum man das braucht und wie das funktioniert, das werden wir gleich erfahren von jemandem, der sich da schon ganz lange beschäftigt.
Ich begrüße heute im ERP-Podcast Herrn Prof. Dr. Andreas Hufgart. Er ist Vorstand der Ibis-Professor-Tomee-AG und in dieser Funktion heute bei mir im Podcast. Herzlich willkommen.
Ja, hallo Herr Winkelmann. Ich freue mich, dass ich eingeladen worden bin und hoffe, dass ich zu dem Thema RWE einige Informationen an die Zuhörer weitergeben kann. Ja, also herzlichen Dank, dass Sie heute dabei sind.
Zunächst einmal die Frage an Sie. Wer sind Sie eigentlich? Also, Sie haben ja schon angedeutet, ich bin Chief Technology Officer, das ist, wenn man es auf Deutsch übersetzt, der Vorstand für Forschung und Produktentwicklung der Ibis-Professor-Tomee-AG hier in Würzburg. Ich bin auch Mitgründer, seit 1994 gibt es uns.
Ja, wer bin ich? Andreas Hufgart, Sie haben meinen Namen genannt, lebe hier in der Nähe von Würzburg, habe drei Kinder, habe auch studiert in Würzburg und dann promoviert und nach dem Studium mit einem kleinen Forschungsteam, was damals Praxisprojekte gemacht hat, haben wir zusammen mit Professor Tomee, der uns da unterstützt hat, die Ibis gegründet, um in der Praxis, in Projekten, in dem damaligen SHP-BU-Markt, mit Werkzeugansätzen, Methodenansätzen, Projekte zu unterstützen, Projekte zu machen, Einführungsprojekte, später Change-Projekte. Ja, was ich sonst nochmal mache, ich habe zusätzlich zu meinem Vorstandsjob noch einige Lehraufträge hier in Würzburg und auch in Aschaffenburg, wo ich geboren bin, wo ich herkomme, bin da auch in der Lehre aktiv und freue mich, da immer mit den Studenten zu diskutieren. Jetzt darf ich den Zuhörern verraten, Sie sind auch Wirtschaftsinformatiker.
Insofern bleibe ich in meiner Passion heute. Sie haben gesagt, Sie sind CTO für die Ibis. Mögen Sie ein bisschen was zur Unternehmensgruppe erzählen? Ja, die Ibis gehört zur Tomee-Gruppe.
Wir sind hier in Würzburg, haben aber auch Standorte in Deutschland, Berlin, Essen, auch in Österreich, in Wien und in den USA. Wir haben verschiedene Unternehmensbereiche, unter anderem im Consulting-Bereich. Auch Softwareprodukte werden da entwickelt.
150 Mitarbeiter insgesamt, 15 Millionen Umsatz. Was mein Bereich macht, ist eben Forschung, Tool-Entwicklung. Wir sind so ein bisschen was, das würde man unter einem Think-Tank zusammenfassen.
Unsere Kunden sind teilweise die Softwarehersteller, wie die SAP selbst, aber auch Beratungshäuser oder auch große Anwender-Unternehmen, kleine Anwender-Unternehmen. Ganz allgemein machen wir Analyse-Werkzeuge, wie das RBE+, über das wir heute reden werden, also die Umsetzung des Reverse Business Engineering. Aber begleiten auch viele Projekte, die um die Einführung, um die Erweiterung, um die Nutzung von ERP-Software, insbesondere von SAP-Software, sich drehen.
Also SAP haben Sie jetzt mehrfach genannt. Das ist einer der großen Namen, mit denen Sie tagtäglich agieren. Aber ich glaube auch von Kunden- und Partnerseite haben Sie durchaus sehr viele renommierte Unternehmen, mit denen Sie zusammenarbeiten.
Ja, das ist in den letzten Jahren, seit es die IBIS gibt, seit 1994, ist es eine vielfältige Kundenschar, um es mal so auszudrücken. Interessanterweise ist die SAP auch selber ein Kunde von uns, um damit anzufangen, also seit Mitte der 90er Jahre sogar schon, und zwar in Entwicklungskooperationen, über das Customizing bis hin zu Referenzmodellen oder Konfiguration von Software. Wir haben aber auch großen Partner mit Siemens gehabt oder jetzt Arthos, für die wir Werkzeuge für die Anforderungsanalyse, für den Einsatz entwickelt haben, oder HP, da muss ich jetzt auch den neuen Namen sagen, die heißt jetzt DXC.
Also es gibt ja hier öfters mal Umbenennungen, ist auch ein wichtiger Partner von uns. Dann gibt es Berater, wie PricewaterhouseCoopers, Wirtschaftsprüfer, für die wir was zuliefern. Wir arbeiten aber auch direkt mit Kunden zusammen.
Da muss ich natürlich als Würzburger hier König und Bauer nennen, aber auch eher mittelständische. In Kitzingen arbeiten wir zur Zeit mit der Frankenguss zusammen, also da läuft auch ein Projekt. Dann kommen noch hinzu internationale Konzerne, ja über unsere USA-Tochter.
Hier will ich Microsoft erwähnen, weil das ist recht interessant, die setzen selber auch SAP ein. Und auch hier in Deutschland Unternehmen wie die BASF, mit denen wir schon seit zehn Jahren in unterschiedlichsten Projekten zusammenarbeiten, von Prozessmodellierung bis eben zum Einsatz von RBE, vom Reverse Business Engineering. Dann steige ich da direkt ein.
Was genau verstehen wir, können wir unter RBE, Reverse Business Engineering, verstehen? Ja, fangen wir mal bei dem Begriff an. Reverse Engineering ist ein Begriff, der stammt aus der Informatik. Ja, man hat sich damals in den 80er Jahren, glaube ich, da kommt er her, überlegt, dass man aus Programmcode irgendwie auch strukturelle Dokumentation ableiten könnte.
Das haben die Informatiker sehr intensiv verfolgt, um quasi Software nachzudokumentieren. Unser Ansatz war ein anderer. Wir wollten jetzt nicht Programmcode dokumentieren, sondern wir wollten herausfinden, und jetzt ist der Begriff Business dazugekommen, was machen Anwender mit der Software? Wie nutzen sie die Software? Als Wirtschaftsinformatiker, Sie haben das schon erwähnt, wollten wir das auch irgendwie darstellen.
Was ist da besser, als mit Referenzmodellen, mit Modellen zu arbeiten? Das heißt, die Idee am Anfang war, automatisiert aus der Nutzung, aus dem Nutzungsprofil der Fachanwender, betriebswirtschaftliche Modelle abzuleiten. Wie werden Geschäftsprozesse durch Fachanwender in produktiven Systemen auch wirklich genutzt? Warum ist das was Besonderes? Ist es nicht so, dass das durch das System selbst vorgegeben ist? Das ist deswegen besonders, weil diese Fähigkeiten schlicht und einfach nicht existiert haben oder auch immer noch nicht ein Standard sind, dass ein Softwarehersteller so eine Überwachung zur Verfügung stellt. Softwarehersteller stellen meistens im Rahmen der ERP-Software Monitore oder, ich sag mal, Logfiles zur Verfügung, die bestimmte Aspekte der Nutzung, meistens sind es Fehlerlogs oder nur punktuelle Elemente darstellen.
Was wir aus der betriebswirtschaftlichen Sicht wissen wollen, ist ja, wie effizient werden Geschäftsprozesse wirklich eingesetzt? Und ist das, was wir ursprünglich konfiguriert, gecustomized haben, auch im Einsatz? Und wenn ja, in welcher Organisationseinheit, mit welcher Intensität? Das heißt, diese Fragen konnten nicht beantwortet werden und der Auslöser, interessanterweise für dieses Projekt, war die SAP selber. Die hat nämlich Ende der 90er Jahre folgendes Problem gehabt. Die haben mit großer Mühe Prozessmodelle auf den Markt gebracht, Referenzmodelle ihrer eigenen Software und haben den Kunden vorgeschwärmt, also hier könnt ihr jetzt eure Prozesse nachdokumentieren und die Kunden sind zurückgekommen mit dem Hinweis, ja Moment mal, das ist ja sozusagen alles, was das SAP macht.
Jetzt muss ich da manuell in diesen Prozessmodellen meinen Prozess suchen. Geht das nicht einfacher? Und uns wurde damals diese Frage gestellt und wir haben einen Vorschlag gemacht, wie man dieses Problem lösen kann, nämlich indem man einfach diese RBM-Methodik anwendet, nämlich hinter jedes Element in diesem Prozessmodell eben eine Regel zu hängen, die die Nutzung überprüft und damit auch solche Elemente ein oder ausschaltet und nicht nur das, auch die Intensität anzeigt der Nutzung, indem da eine entsprechende Kennzahl im Kontext eines Prozesses, eines Prozessmodells angezeigt wird. Das war die Entstehung von RBE+, also eine enge Zusammenarbeit auch mit der SAP und wir haben uns damals mit unserem Vorschlag gegenüber anderen Ansätzen auch durchgesetzt, also die auch von anderen renommierten Häusern da gekommen sind, aber der Vorteil unseres Ansatzes, wenn ich das mal so interpretieren darf, war eben, dass die Intelligenz am Prozesselement hängt und auf Basis dieser Auswertung oder dieser Fragestellung an das System ein Modell entsteht oder ein Modell ausgedünnt wird, je nachdem, wie Sie das jetzt formulieren wollen.
Das heißt, Sie haben auf fachkonzeptueller Ebene die Prozessmodelle, die verknüpft sind mit dem operativen ERP-System, aus dem Sie die Daten über das Nutzungsverhalten herausziehen? Ganz genau. Das heißt, das Referenzmodell, das ja alle Möglichkeiten aufzeigen sollte, wird quasi so angepasst, so konfiguriert über die entsprechenden RBE-Regeln, dass es das zeigt, was wirklich getan wird und das kann man natürlich nur dadurch erreichen, dass man Dinge aus dem System ausliest, die über diese Nutzung Auskunft erteilen. Also ich meine, Sie können ja einen Kundenauftrag beispielsweise in verschiedenen Prozessvarianten durchspielen, in einem ERP-System und man kann aber auch sehr schön herausfinden, ob zum Beispiel ein Streckengeschäft, eine Streckenabwicklung stattgefunden hat und wenn man das entsprechend macht, dann wird es eben eingeschaltet oder ausgeschaltet, die Streckenabwicklung, je nachdem, ob man den Indikator, den Nutzungsindikator im Kundensystem vorfindet.
Das heißt, wir können ermitteln, welche Varianten des Kundenauftrages und damit auch die Modelle, die dahinter stehen, beim Kunden im Einsatz sind. Wir können die auch gewichten. Wir haben Kennzahlen dazu.
Das ist das, was RBE macht und auch schon seit vielen Jahren leistet. Ich stelle mir das gerade bei größeren Unternehmen wahnsinnig spannend vor, was dann durch ein solchartiges Tool letztendlich ans Tageslicht auch kommt. Können Sie vielleicht mal so ein paar Beispiele nennen, was da auch an überraschenden Dingen zum Vorschein kommt? Ja, also zunächst einmal gibt es unterschiedliche Einsatzszenarien.
Also das erste Einsatzszenario, was auch damals Anfang der 2000er am Start war, war einfach diese sogenannte Retrokumentation. So nennt man das. Also man versucht eben die Prozessmodelle entsprechend darzustellen und auszudünnen.
Und ich kann mich noch erinnern an einen Einsatz im Siemens-Konzern in einem Unternehmensbereich, den es heute nicht mehr gibt. Deswegen kann ich jetzt darüber reden. Und dort waren dann die Verantwortlichen völlig überrascht, dass in einem System Verkaufsaktivitäten plötzlich zu finden waren.
Die hatten das gar nicht vermutet. Das heißt, dort hatte irgendjemand sich seine eigene Abwicklung konfiguriert und auch zum Einsatz gebracht. Das heißt, man hat unerwartete Nutzung erkannt und hat dann später herausgefunden, dass der das ganz persönlich so für sich entwickelt und da eingesetzt hat.
Die andere Seite in der Retrokumentation ist, teure Berater haben für viel Geld sehr aufwendiges Prozess-Customizing im System realisiert. Und wir stellen halt immer wieder fest, dass nach ein, zwei oder vier Jahren die Nutzung von bestimmten Teilen einfach rückläufig ist. Das heißt, die schleichenden Anforderungsänderungen sind in diesem Szenario ganz wichtig zu erkennen und helfen eben auch hier nachzusteuern.
Das ist eine sehr wichtige Funktionalität im Rahmen der Retrokumentation. Ein zweites Einsatzszenario ist der Vergleich von Abwicklungen in unterschiedlichen Organisationseinheiten, auch von Effizienzkennzahlen, also harmonisieren sagen wir heute dazu. Auch hier gibt es sehr spannende Ergebnisse, dass manche Teilbereiche in manchen Unternehmensbereichen, in manchen Ländern dieser Erde es anders machen oder nicht machen, so wie es die Zentrale gerne hätte.
Also hier auch viele, viele Fälle oder viele Abwicklungsformen, die hier auffallen können. Ich finde das hochgradig spannend, weil sie ja natürlich auch darauf abzielen. Ursprünglich wird mal dokumentiert oder festgelegt, wie die Prozesse im Unternehmen abzulaufen haben.
Aber natürlich bietet uns die Software gewisse Freiheitsgrade, die die Mitarbeiter auch durchaus sehr kreativ, sie haben eben die Anekdote von Siemens gebracht, ja ausleben. Und sie gehen jetzt wieder hin und fangen das Ganze dadurch ein, dass sie eben real dokumentieren, wie das Nutzungsverhalten tatsächlich ist. Hilft uns das vielleicht auch dabei zu erkennen, was in Zukunft von den ERP-Herstellern, also in diesem Fall ja konkret SAP, an Funktionalität benötigt wird? Da gibt es einen eigenen Ansatz.
Also zunächst einmal die aktuelle Nutzung kann man natürlich mit unterschiedlichen Dingen abgleichen. In meinem Beispiel war das jetzt eben mit Referenzmodellen oder es war eben mit dem ursprünglichen Konfigurations-Soll-Modell, was man ja auch erkennen kann oder wir erkennen können mit ARBE. Was Sie jetzt ansprechen, wäre jetzt die Frage, ich nenne es mal eine Potential- oder eine Innovationsanalyse.
Es gibt ein neues Feature, das zum Beispiel in der aktuellen SAP-Welt aus dem Bereich der S4-Entwicklung oder aus der Cloud-Welt stammt. Und jetzt kann man auch mit einer Nutzungsanalyse natürlich Indikatoren suchen, die es wahrscheinlicher machen, dass dieses neue Feature oder dieses neue Modul für einen Kunden interessant sein könnte. Was wir momentan konkret da anbieten und untersuchen, ist zum Beispiel, ob diese Marktplatzlösung Ariba, die ja indirekten Einkauf über einen Marktplatz abwickelt, ob das für SAP-Kunden interessant ist.
Das ist ein SAP-Produkt geworden vor einigen Jahren schon und viele stellen sich die Fragen, brauche ich das? Wäre das für mich interessant? Und aus einigen Nutzungsparametern kann man natürlich jetzt ablesen oder Indikatoren finden, dass man sich mit dieser Materie mal beschäftigen sollte. Also wenn ich eben sehr viele Freitextmaterialien oder sehr viele Bestellungen dezentral für bestimmte Produktgruppen absetze und so weiter, kann man hier aus der Nutzung des Systems ableiten, ja, Moment mal, das, was ihr da macht, das liefert einige Argumente, sich mal mit Ariba auseinanderzusetzen oder auch mit neuen Entwicklungen und sonstiger Art, die der Softwarehersteller da anbietet. Also hier können wir auch eine gewisse Prediction ableiten aus der Nutzung, was könnte noch helfen.
Machen Sie das Ganze anonymisiert auf einer aggregierten Basis, das heißt zum Beispiel einer Abteilung oder dem gesamten Unternehmen oder können Sie da tatsächlich auch Rückschlüsse auf individueller, auf Instanzebene, das heißt dem einzelnen Nutzer ziehen? Da muss man natürlich jetzt, ich sage mal, vorsichtig sein, aber die Antwort ist im Prinzip ja. Wir müssen nur insbesondere hier in Deutschland alle Regeln des Betriebsverfassungsgesetzes der Anonymisierung und so weiter einhalten. Also was wir hier entwickelt haben in den letzten Jahren sind sehr hohe Sicherheitsstandards oder Datenschutzstandards innerhalb der Lösung, um ja auch gar keine Zweifel aufkommen zu lassen.
Grundlage dieser Entwicklung war eine langjährige Zusammenarbeit bei der Einführung von SAP im Land Hessen, die wir bis Ende der 2000er begleitet haben, also wo es wirklich auch genau um die gleichen Fragen ging und ein Personalrat natürlich auch immer wissen wollte, dass hier alle Regeln eingehalten werden. Inzwischen haben wir zum Beispiel einen zweistufigen Pseudonymisierung-Algorithmus eingebaut, also das heißt, wenn der Kunde das nicht will oder es einfach unzulässig ist, kann man jetzt nicht den einzelnen User erkennen. In den USA zum Beispiel interessiert es keinen, ja, da kann man mit Klarnamen arbeiten, also da gibt es auch sehr große Unterschiede.
Aber es ist natürlich jetzt wichtig für die Nutzungsanalyse, dass man sozusagen den Anwender als solchen auch betrachten kann oder Gruppen von Anwendern. Ein Produkt zum Beispiel, was wir jetzt gerade heute bereitstellen für den ersten Piloteinsatz, ist eine sogenannte Shared-Service-Center-Analyse. Das heißt, da geht es um die Frage, sind Shared-Service-Center innerhalb eines Konzerns, einer Konzernlandschaft, wie arbeiten die, was machen die in der Prozessabwicklung anders oder besser als jetzt lokale Abwicklungen? Da muss ich natürlich genau diese Shared-Service-Center-Mitarbeiter genau identifizieren.
Wir machen das teilweise so, dass wir das während der Extraktion ermitteln, aufgrund von Regeln, wer ist ein Shared-Service-Center-Mitarbeiter aufgrund seines Profils und praktisch diese Informationen dann durchreichen bis in die Aufbereitung der Kennzahlen. Also das heißt, hier muss man sehr intelligente Maßnahmen einsetzen, aber auch hohe Standards erfüllen, dass hier Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet ist. Das, was Sie machen, ist ja letztendlich auch eine Aufdeckung von Prozessabläufen und damit sind wir ja wahrscheinlich auch ein bisschen im Berührungsbereich zum Process Mining.
Wie würden Sie sich denn da abgrenzen? Ja, es ist eine sehr interessante Geschichte dazu. Der RBE-Ansatz ist ja, ich würde mal sagen, mindestens sieben Jahre älter als das Process Mining, die Entstehung des Process Minings und wir waren interessanterweise Ende der 2000er auch in einem EU-Forschungsprojekt zusammen mit den, naja, ich will sie nicht als Erfinder bezeichnen, aber diejenigen, die das Thema sehr gepusht haben, das war die TU Eindhoven, der Professor Van Aalst, der hat das Thema da vorangebracht und wir haben eigentlich damals schon festgestellt, dass das, was wir machen, auch Process Mining ist, nur wir gehen etwas andersrum vor. RBE kennt ja schon die Fragen, die es beantworten möchte und kann deswegen auch sehr genau und sehr gezielt die Daten abziehen, die es dafür braucht.
Process Mining, insbesondere wenn wir im Discovery-Modus sind, muss erst einmal den vollen Datenbestand abziehen, um dann mit statistischen Methoden da irgendwas herauszufinden. Also wir gehen, wie gesagt, da umgekehrt vor. Ich habe festgestellt, dass es inzwischen auch im Process Mining die Tendenz gibt, jetzt in unsere Richtung zu gehen.
Dann nennt sich das Conformance-Analyse oder Enhancement-Analyse. Also wir sehen uns zusammengefasst als intelligentes Process Mining. Wir setzen auf die Tatsache, dass wir eigentlich sehr wohl wissen, was wir suchen, was wir analysieren und grenzen die Dinge ein, die uns unbekannt sind.
Ja, das ist ganz wichtig in einem SAP-System, wo viel gekustomized wird, wo viel individuell ergänzt werden kann, muss man auch diese Bereiche getrennt betrachten. Also ich würde es mal so formulieren, bei unerwarteten Elementen im System setzen wir quasi Process Mining im Discovery-Modus ein. Ansonsten sind wir wesentlich tiefer und besser als klassische Process Mining-Ansätze, weil wir nicht nur Prozesslogs untersuchen, sondern Stammdaten, Customizing, Userverhalten, Systemparameter.
Also das ist einfach auch der langen Historie geschuldet, die unser Werkzeug hier hat, dass wir hier wesentlich breiter angelegt sind. Intelligentes Process Mining wäre deswegen meine Übersetzung, was wir hier tun. Das Process Mining krankt ja auch immer ein bisschen daran, dass natürlich aus den Daten nur das herausgelesen werden kann, was eigentlich über die Daten auch bekannt ist oder die Entstehung der Daten bekannt ist.
Jetzt wühlen Sie ja ordentlich mit Ihrem Tool im SAP-Datentopf herum. Wie gut kommen Sie da tatsächlich mit den Daten, mit den Tabellen zurecht? Lässt sich da tatsächlich jede Fragestellung, die Sie betriebswirtschaftlicher Art haben, auch beantworten? Also natürlich nicht jede, aber wir haben in den letzten Jahren hier so eine große Bibliothek gesammelt an Extraktoren, auch an Kennzahlen und in viele, viele Ecken des SAP-Systems reingeschaut, dass wir hier sehr, sehr viel weiter kommen als vielleicht vor zehn Jahren. Das liegt auch daran, dass wenn man sich die Weiterentwicklung der ERP-Welt anschaut, jetzt einfach im ERP-System selbst viel mehr Detaildaten gesammelt werden.
Also wenn Sie sich mal einen Materialstamm anschauen, wenn Sie sich mal einen Kundenauftrag anschauen, im letzten Jahrzehnt sind da einfach viel mehr semantisch auswertbare Attribute dazugekommen, die einfach auch sehr weitergehende oder viel weitergehende Rückschlüsse zulassen. Wir können natürlich nur das Bild zusammensetzen, was wir im ERP-System vorfinden, aber wir sind inzwischen schon so weit, zum Beispiel bei der Schnittstellenanalyse, dass wir auch wissen, was in den Systemen vorher passiert ist. Das heißt, wenn ich das Zielsystem anschaue, also das System, was die Daten sammelt, das ist meistens das SAP-System, weil da das Finanzwesen stattfindet, kann ich von da aus auch rückwärts gucken und kann abschätzen, was außerhalb dieses Systems stattfindet, bis hin zu Partnerkommunikation im IDOC-EDI-Bereich oder eben Integrationsschnittstellen, die man auch selber entwickelt hat.
Also hier gibt es vielfältige Möglichkeiten und wenn man weiß, wo man hinschaut, kann man auch sehr wichtige Schlussfolgerungen ziehen, je nachdem, was man untersuchen möchte. Können Sie mal so ein paar Beispiele nennen für häufig vorkommende Untersuchungen, für häufig vorkommende Kennzahlen, Fragestellungen, mit denen Sie sich beschäftigen? Ja, also typischerweise ist die Fragestellung, eine der wichtigsten Fragestellungen der Nutzungsanalyse, wie intensiv werden Kundenentwicklungen eingesetzt? Ein Kunde hat gecustomized, das ist die eine Seite, das habe ich schon erwähnt, aber er hat auch zusätzlich entwickelt und das sind sehr teure Entwicklungen gewesen, teilweise individuelle Programme, Transaktionen, Schnittstellen und Erweiterungen. Das heißt, eine Schlüsselfrage ist immer, werden die noch verwendet, für welche Zwecke werden sie weniger verwendet und kann man hier unter Umständen etwas dekommissionieren oder muss man vielleicht nachschulen? Also das heißt, der kundenindividuelle Bereich, das ist eines der wichtigsten Themen geworden in der Nutzungsanalyse, gerade jetzt bei der Umstellung auf die In-Memory-Technologie von S4.
HANA ist das ein Thema, was man sehr genau anschauen muss. Also hier sind wir gerade auch sehr intensiv zu Gange. Ja, dann das zweite Thema, Schnittstellen, Integrationsflüsse, jetzt nicht nur innerhalb eines SAP-Systems, sondern auch, was kommt von außen, wo werden Daten eingeschleust? Also auch das ist eine wichtige Fragestellung, insbesondere in bestimmten Einsatzszenarien mit der Wirtschaftsprüfung.
Es ist natürlich ganz wichtig zu wissen, wo kommen Finanzdaten her, welche S4-Systeme sind beteiligt. Also das ist ein ganz wichtiges Thema. LASIKA, um noch ein drittes Beispiel zu nennen, ist die Fragestellung des Customisings, das ich ursprünglich mal definiert habe, inwieweit wird es noch verwendet und damit auch die Prozessvarianten, die im System wirklich aktiv sind.
Das heißt, wo ist der Schwerpunkt und das differenziert nach Organisationseinheiten. Also das ist auch sehr wichtig in jedem Projekt. Das heißt, typischerweise kommt ein Unternehmen auf Sie zu und warum kommen die auf Sie zu? Wo ist das Problem, mit dem ein Unternehmen typischerweise auf Sie zukommt und sagt, analysiere doch mal mein ERP-System.
Ja, also den schönsten Fall finde ich, wir haben einen neuen IT-Leiter oder einen neuen Prozessverantwortlichen. Ja, der neue IT-Leiter hat zum Beispiel ein hohes Interesse, hier einen Status quo zu bekommen. Der neue Prozess-Owner, der möchte auch wissen, was in seinen Prozessen läuft.
Das ist ein klassisches Szenario, einfach das Unbekannte, die Nutzung des Systems möglichst fokussiert kennenzulernen. Es gibt dann weiterhin ganz spezifische Projektszenarien, zum Beispiel, wenn Sie zwei vorhandene SAP-Systeme konsolidieren wollen, müssen Sie ja die Nutzung in beiden Systemen kennen, um das entsprechend abzugleichen oder Lücken zu schließen bei der Übernahme. Also das ist ein ganz wichtiges Thema.
Dann Benchmarking internationaler Rollout. Ein Unternehmen hat ein Template definiert und möchte jetzt gerne wissen, ob alle Ländergesellschaften das auch so einsetzen, wie sie es denn sollten. Also das ist auch ein weit verbreitetes Szenario.
Ich könnte jetzt noch mehr aufzählen. Ich mache jetzt mal einen Sprung. Wir sind inzwischen in, ich würde mal sagen, 10 bis 15 solcher Szenarien angelangt.
Das heißt, es gibt ein Anlass, es gibt eine Problemstellung, wo eine Nutzungsanalyse sinnvoll ist. Unser extremstes Szenario ist zurzeit die Wirtschaftsprüfung. Also das heißt, der Wirtschaftsprüfer will wissen, ob die Abwicklung im System, das was zum Jahresabschluss beigetragen hat, auch so ist, wie es sein sollte.
Also das heißt, er hat dann ganz spezifische Fragestellungen an die Nutzung. Compliance ist auch ein Riesenthema in diesem Umfeld, wo es zum Beispiel um Funktionstrennungen geht, aber auch die Frage, wie inhaltlich Buchungen abgelaufen sind. Also hier sehr spezifische Themen kann es auch geben, die Bestandteil der Nutzungsanalyse sind und damit auch ein eigenes RBE-Analysepaket zum Gegenstand haben.
Wir machen nicht alles gleichzeitig, sondern wir haben unser Produkt oder unsere Analysen in Pakete aufgeteilt, um jeweils solche Projektszenarien oder Themen gezielt zu unterstützen. Wie kann ich mir so ein Projekt, so ein Paket vorstellen? Bedeutet das, ich spiele ihre Software, auf, schaffe Zugang zu der entsprechenden ERP-Datenbank und der Rest erfolgt automatisch oder bedeutet das, ich kaufe quasi bei Ihnen Endtage- Beratungsleistung, in der Sie aus den Daten diese Fragestellungen und Antworten erarbeiten? Ja, als Tool-Entwickler haben wir versucht, das natürlich möglichst zu standardisieren, möglichst für das Anwenderunternehmen einfach abzuwickeln. Wir haben auch hier verschiedene Methoden schon ausprobiert. Was man zum Beispiel nicht macht oder nicht machen sollte, ist, dass man innerhalb einer SAP-Landschaft eine Software installiert, ja, das ist aufwendig, oder mit einer RFC-Verbindung, Remote Function Call-Verbindung, von außen Kontakt zu einem SAP-System aufnimmt.
Das ist zwar technisch alles möglich, aber sehr teuer und von der Security-Ebene also einfach indiskutabel. Was wir deswegen nutzen, ist, wir stellen den Kunden einen Transportauftrag, also ein Programm-Paket zur Verfügung, das durch den Kunden selber über die Landschaft zum Produktivsystem transportiert wird. Das heißt, der Systemadministrator des Kunden führt das aus, also ist ein einfacher, effizienter Prozess, erzeugt ein Ergebnis-File mit den Daten, die in unserem Kontext halt auch nur die sind, die wir brauchen, ja, also wir können hier sehr genau skalieren, was wir abziehen, für welchen Zweck, und stellt uns dieses Daten-File auch über eine sichere Verbindung zur Verfügung und wir werten das auf, aus und stellen, je nachdem, welche Analyse sich handelt, es dem Kunden oder zum Wirtschaftsprüfer zur Verfügung, um die entsprechenden Projekte oder Funktionen zu unterstützen, die angefordert worden sind.
Das heißt, in der Abwicklung sind wir sehr, ich nenne es jetzt mal effizient, zielgerichtet, wenig Eingriff in das Kundensystem. Vom Datenabzug sind wir zurückhaltend, also wir ziehen nur das ab, was auch wirklich notwendig ist. Also Big Data ist ja nicht immer die richtige Lösung, sondern Quality Data ist ja eher unser Ansatz.
Und dann wird die Aufbereitung der Daten außerhalb durchgeführt und entsprechend aufbereitet, den Adressaten zur Verfügung gestellt. Wichtig jetzt bei diesen Methoden heutzutage ist immer mehr Security, also wir haben zum Beispiel auch, mussten Zertifikate erwerben, damit jetzt, nicht jede IT-Abteilung das erneut durchtesten und überprüfen muss. Und mit diesem Ansatz sind wir halt auch sehr sicher und machen auch nicht so viel Arbeit, sagen wir mal, der IT-Abteilung, der SAP-Abteilung des Kunden und kommen sehr schnell zum Ziel.
Das ist hier der Ansatz, der sich bewährt hat. Wir haben jetzt ganz viel über SAP im Hintergrund, beziehungsweise als Datenbasis gesprochen. Wenn Sie RBE einsetzen, RBE Plus einsetzen als Tool, können Sie das auch mit anderen Systemen? Ja, wir müssen hier natürlich sagen, dass der Markt für SAP die absolute Dominante ist.
Was wir allerdings machen können ist, dass wir zum Beispiel aus Vorsystemen, egal welcher Art, wenn man dort Daten abgleichen will, bestimmte Teilextrakte anfordern. Also da geben wir eine Spezifikation vor, welche Daten da verlangt sind und die kann man dann auch in RBE sozusagen einspielen zum Abgleich. Was wir auch gebaut haben, ist grundsätzlich ein Extraktor für die Cloud-Welt der SAP.
Also da gibt es auch Cloud-Lösungen, die können wir auch untersuchen, die relevant sind. Prinzipiell waren wir auch in der Lage für Produkte wie Navision oder für andere Produkte einen Extraktor zu bauen und zur Verfügung zu stellen, aber hier ist die Nachfrage in unserem Kundenumfeld sehr gering momentan. Also das ist wirklich ein Randthema, weil die Dominante, muss ich ganz klar zugeben, ist SAP und mit der vielfältigen Varianz jetzt mit S4 und den Cloud-Lösungen sind wir hier auch sehr stark beschäftigt, für alle diese SAP-Lösungen eine Extraktionsbasis zur Verfügung zu stellen.
SAP entwickelt sich gerade weiter von der R3 in die S4-Welt. Ihre Thematik gibt es schon länger und das ist natürlich eine Thematik, die letztendlich alle Anwendungsunternehmen umtreibt, aber auch die ERP-Hersteller selber zu einem gewissen Maß umtreibt. Warum sollte die SAP das nicht selber machen oder warum tut die SAP das nicht? Warum hat man dann solche Spezialanbieter wie Sie? Ja, diese Frage stellt sich natürlich in jedem Bereich.
Bei uns ist eben die Besonderheit, dass es eben nicht nur eine Thematik ist, die der Softwarehersteller aufgrund seines, ich nenne es jetzt mal besseren Wissens über die Software, erstellen kann, sondern die Hauptfragestellung, die wir natürlich umsetzen müssen, ist die Methodik und die Inhalte für bestimmte Einsatzzwecke. Ein Beispiel ist etwa die Wirtschaftsprüfung. Die SAP weiß natürlich nicht, was ein Wirtschaftsprüfer wissen will.
Sie weiß auch nicht, das ist nicht ihr Thema, das weiß der Wirtschaftsprüfer und an dieser Stelle ist sozusagen der Content entscheidend. Das gilt auch in vielen Prozessanalytik-Themen. Das sind Fachthemen, sehr fachlich gesteuert.
Das Besondere an RPE ist ja, es ist nicht nur ein Tool, sondern es ist halt das Zusammenspiel von Methode, Tool und Inhalten, die müssen aufeinander abgestimmt sein. Und da kann ein spezialisierter Anbieter einfach schneller und besser sein, wenn er sich darauf konzentriert. Das ist einfach der Kern dieses Themas.
Wir arbeiten aber auch intensiv mit der SAP zusammen. Also es ist nicht so, dass wir da keine Kooperation haben zum Thema RPE. Wir hatten ja am Anfang eine Kooperation bis 2003.
Dann immer wieder zu unterschiedlichen Themen. Die SAP hat auch von uns Inhalte eingekauft, um zum Beispiel Solution Manager Referenzstrukturen zu evaluieren. Das ist das Anwendungsmanagement-Werkzeug der SAP.
Oder momentan sind wir gerade mit SAP USA zu Gange in einer Kampagne, die nennt sich Star Plus. Da geht es darum, dass man eben Kunden auf den Wechsel auf S4 HANA vorbereitet. Dann setzen wir RPE gemeinsam in Projekten ein.
Wir haben das gerade bei einem großen Getränkehersteller, der ist genau der, der Ihnen sofort einfällt, in den USA gemeinsam durchgeführt. Mit dem Resultat, dass man auf S4 schon setzen sollte? Also das Projekt ist mitten im Getümmel. Ich glaube, es geht momentan eher um die Frage in diesem Projekt, wo die Ansatzpunkte sind, wo man den größten Nutzen erzielen kann.
Man hat ja bei einer Umstellung immer das Problem, wo beginnt man? Wo sind die Hebel? Ich glaube, da konnten wir sehr wichtige Hinweise liefern jetzt in diesem Zusammenhang. Aber das Projekt ist jetzt noch am Laufen und bei solchen großen Umstellungen, da geht es auch über viele Jahre hinweg, bis man da in allen Teilbereichen des Unternehmens angekommen ist. Also Projektfeedback wird sich noch zeigen.
Aber ich denke mal, die ersten Ergebnispräsentationen sind sehr gut gelaufen. Das ist ja auch eine Zusammenarbeit. Das ist nur ein Beispiel.
Wir haben das schon in anderen Projekten, auch mit der SAP, aber auch mit anderen Anbietern durchgeführt. Jetzt im S4-Umfeld sind die Kunden insbesondere daran interessiert, nicht nur über Performance zu reden. Ja, also weil das war so das Thema am Anfang.
Was wird schneller? Was wird sozusagen beschleunigt durch die In-Memory-Datenbank? Sondern die wollen halt wissen, wo gibt es auch Neuerungen, die mir im Tagesgeschäft da weiterhelfen? Oder wo helfen mir jetzt im Tagesgeschäft bestimmte Neuerungen denn ganz konkret? Welche User, welche Prozesse sind davon betroffen? Das sind eigentlich momentan hier die Fragestellungen. Ich denke, da konnten wir einige wichtige Punkte herausarbeiten. Sie haben vorhin so schön gesagt, Sie wären Experte im Zusammenspiel von Methode, Tool, also Software und betriebswirtschaftlichen Inhalten.
Ich habe das so ein bisschen als Plädoyer letztendlich auch für die Wirtschaftsinformatik empfunden. Haben Sie das so gemeint? Ja, das habe ich so gemeint. Also wir haben sehr viele Tools am Markt.
Ich sage mal Informatiker-Werkzeuge, also um eben da jetzt auch Sie zu unterstützen. Die bieten eine wunderbare Technologie an, also das ist gerade bei vielen BI-Tools, Business Intelligence-Werkzeugen so. Aber da fehlt mir sehr oft mal so der Gedanke, ja für was setze ich es denn jetzt wie genau ein? Ja, also teilweise sind auch manche Anbieter, machen den Fehler, dass sie mit ihrem Tool alle Probleme der Welt lösen wollen.
Das ist natürlich nicht wahr, sondern ich muss genau sagen oder es konkretisieren, wie gehe ich vor, das ist ja die Methode, um ein Ziel zu erreichen. Der nächste Punkt ist, Sie kennen es ja wahrscheinlich von den betriebswirtschaftlichen Prozessmodellen oder Referenzmodellen, ein inhaltsleeres Werkzeug, das hat sich noch nicht wirklich bewährt. Das hat noch nicht wirklich gezeigt, dass es das auch kann.
Ich habe mitbekommen, wie Prozessmodellierungsprojekte gescheitert sind, nachdem man den ersten Prozess gemalt hat. Also man hat eine Tapete produziert, die von der Decke bis auf den Fußboden hing und dann hat man sich die Frage gestellt, ja was mache ich jetzt eigentlich damit? Also man hat ein Tool eingesetzt, ohne über die Problematik des Inhaltes und der Methodik sich vorher klar zu sein. Das darf nicht sein, das muss aufeinander abgestimmt sein.
Man kann es vergleichen mit einem Auto, mit einem Fahrzeug, ja, wo eben das Fahrwerk, der Motor und die Elektronik einfach zusammenspielen müssen. Das ist im Einsatz von solchen Werkzeugen und das gilt ja auch für uns Wirtschaftsinformatiker eben auch als Perspektive, muss ich die Dinge zunächst einmal durchdacht haben, miteinander in Beziehung gesetzt haben, damit ich auch Ergebnisse erzielen kann, die nachhaltig sind. Sonst ist es so ein bisschen Jugendforscht oder Bastelei, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Ich bin Ihnen immer sehr dankbar, wenn Sie auch die Fahne der Wirtschaftsinformatik hochhalten. Ich glaube, wir sind da tatsächlich sehr gut an dieser Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Technologie aufgestellt und können da auch unseren Mehrwert gerade im Unternehmenssoftware-Bereich leisten. Noch mal eine abschließende Frage.
Viele ERP-Hersteller gehen jetzt in den Bereich Cloud, zentralisieren also oder versuchen zumindest die Anwendungssoftware ihrer Anwendungsunternehmen zu zentralisieren. Wie gehen Sie damit um? Wie kann RBE auf das Reagieren? Zunächst eine kurze Geschichte. Ich war am Freitag bei einer Präsentation oder einem Workshop bei einem sehr großen Automobilhersteller.
Ich darf jetzt da keinen Namen nennen, aber was in diesem ganzen Meeting ganz klar herausgekommen ist, zu dem Thema wollen die bitte keine Cloud-Lösung am Start haben. Das heißt, die haben sicherlich in vielen anderen Bereichen das Thema Cloud, aber hier wollen sie es jetzt gerade nicht haben. Das heißt, wir haben teilweise ein Zurückrollen, wir haben teilweise ein Vorpreschen.
Das ist jetzt momentan ganz unterschiedlich und so sehe ich auch ein bisschen die Situation für die Softwarehersteller. Ich glaube ganz fest daran, dass die Cloud-Lösungen unter ökonomischen Bedingungen für den Mittelstand der Ansatz sind, der die Zukunft bestimmen wird. Ich glaube, da gibt es kein Für und Wider, aber für viele Großkonzerne oder für auch Sicherheitsbedürfnisse aus unterschiedlichsten Gründen muss, glaube ich, eine hybride Lösung her.
Das heißt, dass man nur das in die Cloud schiebt, was auch gewollt und okay ist und das man andere Dinge, wie heißt es schon, on-premise, also innerhalb der Grenzen halten kann. Wir in der RBE-Analytik oder in unseren RBE-Projekten, wir unterstützen einerseits in der Frage, ja, wo könnte ich denn eine dieser neuen Cloud-Lösungen einsetzen. Das geht einmal über die Dimension neue Produkte der SAP, die hier am Start sind, was ist sinnvoll, was kann man verwenden.
Es geht aber auch in die Richtung, habe ich Tochtergesellschaften im Ausland, habe ich Szenarien, die unter Umständen eine Cloud-Lösung sinnvoll machen. Wir haben da sehr viel Erfahrung gesammelt, auch in der Umsetzung. Die IBIS Business Consulting implementiert Cloud-Lösungen, zum Beispiel für König & Bauer oder für uvex, überall auf der Welt, ja, von China bis USA.
Das heißt, wir wissen auch, worüber wir hier reden und können unter Umständen auch hier eine klare Hilfestellung liefern. Also das heißt, wie ich meine Landschaft unter Umständen hybrid gestalten kann, ist die eine Frage und welche Cloud-Lösung mir denn wo unter Umständen eine bessere Alternative bieten, als das alles im digitalen Kern, im Digital Core, wie es die SAP so schön nennt, zu betreiben. Also das sind momentan die Fragestellungen, wo wir unterstützen.
Ja, jetzt mische ich mich doch mal ein bisschen kritisch an der Stelle ein. Also ich stelle ja viele Fragen so offen, dass man manchmal das Gefühl hat, dass ich selber auf dieser Entdeckungsreise bin, einfach um dem Interviewpartner auch die Möglichkeit zu geben, frei zu antworten. Bei dem ganzen Thema Cloud bin ich doch ein bisschen pessimistischer, als Sie das sind.
Weniger, wenn ich das einzelne Unternehmen sehe und dann sage, okay, on-premise, ich zentralisiere eigentlich den ERP-Instanzenzirkus, nenne ich das jetzt mal. Aber wenn ich mir vorstelle, dass 10.000 Anwendungsunternehmen gleichzeitig auf das gleiche ERP-System letztendlich zugreifen und diese 10.000 Unternehmen auch noch eine gewisse oder nicht nur eine gewisse, eine sehr heterogene Prozesslandschaft haben, in Bezug auf die Anpassungsanforderungen an so ein ERP-System, da bin ich doch sehr kritisch, dass wir so etwas tatsächlich als Cloud-Geschäftsmodell auch abgebildet kriegen in der Zukunft. Ja, also diese Kritik ist berechtigt.
Ich glaube, dass Teile dieser Probleme lösbar sind oder ich kenne zumindest Anwendungsszenarien jetzt der großen Hersteller, wo auch an den Lösungen gearbeitet wird. Ich glaube nicht, da gebe ich Ihnen recht, dass man das schon perfekt gelöst hat. Genau dieses, ich nenne es jetzt mal das Jahresabschluss-Szenario, wenn alle auf einen großen Knopf drücken oder sowas, wenn gleichzeitig komplexe Abwicklungen laufen, ja, da braucht man schon ein sehr skalierbares Rechenzentrum hinten dran.
Auf der anderen Seite gibt es auch große Unterschiede bei den Cloud-Lösungen, bei dieser sogenannten Multi-Tenancy. Also ich durfte da miterleben auch, wie sowas entwickelt worden ist und wie man jetzt versucht, Lösungen in diese Untermietermodell, ja, was ja wirklich eine Weiterentwicklung ist gegenüber der klassischen Mandantenrennung auch in der SAP-Welt hineinzubringen. Das ist alles nicht so ganz einfach, ja.
Das ist vollkommen richtig. Ich sehe aber momentan fast noch die größere Skepsis bei vielen eher, was die Datensicherheit und den Datenschutz betrifft. Also sprich, mache ich mich da angreifbar, was IP oder geschäftskritische Daten betrifft? Also das ist der stärkere Gegenwind sogar momentan noch, insbesondere je größer das Unternehmen ist.
In den USA ist die Euphorie da schon weitergedient, wenn ich da meinen Kollegen vertrauen darf. Also die vermelden da uneingeschränkte, positive Cloud-Euphorie, sage ich jetzt nochmal nach wie vor, ja. Also ich möchte es gerne nochmal einen kurzen Moment weiterführen.
Da sind jetzt alles vor allen Dingen technische Aspekte, Sicherheit, Skalierbarkeit der Systeme. Ich glaube, das ist alles nicht das Thema, aber ich habe so ein bisschen das Gefühl, dieses Thema Cloud wird vor allen Dingen von sehr technischen Leuten, von Informatikern gepusht. Aber gerade wenn es um die betriebswirtschaftlichen Prozesse geht, kommen wir doch auch an Grenzen dessen, was eigentlich mit einem zentralisierten System machbar ist.
Denn ich habe bei 10.000 Unternehmen unter Umständen auch 10.000 verschiedene Ausprägungen eines Abwicklungsprozesses, eines Verkaufsprozesses oder ähnliches. Ja, vollkommen richtig. Es gibt aber auch Cloud-Lösungen, die können das differenzieren.
Also die haben teilweise dieselbe Customizing und Differenzierungsmöglichkeit wie größere Lösungen. Es gibt welche, die können das nicht. Die müssen für jeden einzelnen dieser Prozessvarianten eigene Abwicklungsinstanzen machen.
Es gibt auch deutliche Einschränkungen der Individualisierung. Ja, auch beispielsweise bei den SAP Cloud-Lösungen, wo man das direkt gegenüberstellen kann. Das ist vollkommen richtig.
Wenn ich hohe individuelle, hohe Anforderungen habe an die Gestaltungsdifferenzierung innerhalb eines Konzerns, ist irgendwann mal Schluss. Ja, umgekehrt habe ich aber vielleicht kleine Tochtergesellschaften, mittelständisch geprägte Szenarien, wo das Ganze wieder Sinn macht. Es ist einfach eine Abwägung.
Ich glaube auch nicht, dass die Cloud-Lösungen komplexe Mischkonzerne und so weiter in absehbarer Zeit befriedigen werden. Aber es kann sein, dass sie die Lösung für Vertriebsniederlassungen sind, für Servicetöchter. Das ist zumindest mal meine Wahrnehmung momentan, wo es funktionieren kann.
Ja, also da sind wir sehr dicht beieinander in der Meinung. Ich sehe mit etwas Skepsis und Sorge eben gerade bei den großen Herstellern, dass man versucht, ganz bewusst nur noch Cloud als die Strategie zu setzen. Und ich glaube, was Sie eben auch sagten, bei Mischkonzernen, bei Unternehmen, die sehr unterschiedliche Geschäftsprozesse auch haben, wird das sicherlich sehr schwierig, das zentralisiert vor allen Dingen dann auch noch außerhalb des Hauses tatsächlich innerhalb eines ERP-Systems zu instanziieren.
Ja, also da stimme ich zu. Da haben wir keinen Widerspruch. Okay, gut.
Kommen wir mal zu unserer Blitzlichtrunde. Herr Hufgard, wir haben gerade ein wahnsinnig spannendes Portfolio gesehen, was Sie im Unternehmen seit 1994 mit aufgebaut haben. Wenn Sie zurückblicken, warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Ja, ich glaube, da ist das Jahr 1991 entscheidend gewesen.
Damals war ich Uni-Assistent bei Professor Thome hier in Würzburg und wir haben einen Auftrag bekommen, für Siemens zu klären, ob die auf SAP R3 umschwenken sollen oder in der damaligen Siemens-Nixdorf-Fusion auf eigene Entwicklungen, die da im Hause existiert haben. Die hießen damals ALX und waren ein Komet-Nachfolger. Also Komet war die Unternehmenssoftware der 80er-Jahre, der Marktführer im Mittelstand.
Und das war für mich so ein Projekt, was mich quasi da sehr stark geprägt hat. Wir durften das untersuchen, waren dabei sozusagen, als das R3 entstanden ist und hatten da einerseits sehr viele Insights und Know-how aufgebaut. Also das war der Auslöser auch für die IBIS-Unternehmenskundung in 94, dass wir hier einfach einen gewissen Informationsvorsprung aus der Forschung hatten, den wir in die Praxis umsetzen konnten.
Und aus dem ist letztendlich all das geworden, was heute da ist. Wenn Sie zurückblicken, was war Ihr größter beruflicher Erfolg? Da würde ich wiederum sagen, man schreibt ja manchmal Dissertationen, die jetzt nicht unbedingt für die Praxis sind, sondern einen schönen Platz im Regal erhalten. Mein persönlicher Erfolg, wenn Sie so wollen, auf den ich am meisten stolz bin, ist einfach die Tatsache, dass das, was ich in meiner Dissertation im Jahr 93, 94 konzipiert habe, im Jahr 2004 beginnend und dann, glaube ich, Fertigstellung 2008 auch von der SAP übernommen worden ist in den Standard, nämlich die betriebswirtschaftliche Konfiguration oder das, wenn Sie wollen, ein Konfigurator innerhalb des SAP-Systems, mit dem man das System eben konfigurieren, einstellen kann, betriebswirtschaftlich einstellen kann.
Also das würde ich mal jetzt zählen. Das sind alle sehr komplexe Themen. Also das ist nichts, was man sofort realisieren kann.
Da wird immer noch dran weitergebaut. Aber wenn Sie so wollen, das, was wir hier an der Uni, an der Forschung gemacht haben, dann im Standardprodukt des Marktführers zu sehen, das fand ich doch super. Das hat mir gefallen.
Sie sind ja nicht nur beruflich sehr erfolgreich, sondern Sie haben privat auch drei Kinder. Kommt man bei drei Kindern überhaupt noch zum Lesen? Und wenn ja, können Sie unseren Zuhörern beruflich oder privat einige interessante Lektüre empfehlen? Ja, meine Kinder schimpfen immer, wenn ich zu viel lese. Das ist vollkommen richtig.
Sie schimpfen noch mehr, wenn ich Bücher schreibe. Also das habe ich ja auch hin und wieder getan. Da muss ich noch eine Genehmigung einholen, ja.
Privat bin ich Science-Fiction-Fan. Und für alle Science-Fiction-Fans, insbesondere des Themengebiets der Space-Opera, kann ich empfehlen die Expanse-Serie von James Corry. Die Netflix-Zuschauer werden das kennen.
Das gibt es dort auch als Serie jetzt in der zweiten Staffel. Und das finde ich ein tolles Buch, aber auch eine tolle Serie. Da geht es einfach darum, wie die Menschheit sich innerhalb des Sonnensystems und darüber hinaus ausbreitet.
Sehr filigran mit unterschiedlichen Themengebieten. Von, was weiß ich, Genmanipulation über Technologiethemen ist da alles dabei. Finde ich ein ganz tolles Buch und eine ganz tolle Space-Opera.
Beruflich muss ich natürlich ein Buch von mir empfehlen, oder? Also das wäre ansonsten unglaubwürdig. Wir haben Kollegen hier aus der EBS und ich vor einem guten Jahr ein Buch geschrieben über die Sub-Cloud-Lösungen, um jedem, der es wissen will, einen Überblick zu geben, was diese Lösungen ausmacht, was auch der Unterschied ist zwischen unterschiedlichen Cloud-Lösungen. Also zum Beispiel welche, die halt so ein bisschen dahin getrimmt worden sind oder welche, die das sozusagen native sind.
Also das kann ich nur empfehlen, wer sich darüber mal informieren will. Es ist auch nicht sozusagen ganz unkritisch. Also wir haben hin und wieder auch die Meinung geäußert, dass wenn man die Bildschirme so weit vereinfacht, dass nichts mehr drauf ist, diese Lösung dann auch nicht weiter hilft.
Also die Vereinfachungsansätze werden da auch kritisiert. Also wer sich darüber informieren will, kann das unter meinem Namen bei Amazon auch käuflich erwerben. Wir werden es auf jeden Fall in Show Notes auch entsprechend verlinken bzw.
auch auf unserer Webseite www.erp-podcast.de. Jetzt haben Sie eben schon Netflix als Internetdienst der neuen Generation genannt. Gibt es Tools, Webseiten, Services, die für Sie persönlich einen sehr hohen Mehrwert bieten? Ich nehme an, dass der eine oder andere Studierende hier zuhört. Deswegen würde ich Mindmeister empfehlen.
Also Mindmeister, ein englisches und ein deutsches Wort gemischt. Naja, ist jetzt nicht so schlau, aber so heißt es. Und das ist ein Mindmapping-Tool, das man online sozusagen nutzen kann in der Basisversion.
Und ich kann nur alle Studierenden dazu auffordern, machen Sie sich damit vertraut, wenn Sie Literaturrecherche oder irgendein Thema für sich erst mal durcharbeiten wollen. Und mit dieser Methode in Kombination mit diesem Werkzeug und Ihren Inhalten kommen Sie auch schneller zum Ziel. Also Mindmeister, das empfehle ich.
Da spricht der Hochschullehrer in Ihnen. Allerdings, wenn ich mir unsere Statistiken anschaue, dann ist es tatsächlich so, dass wir sehr, sehr viel gehört werden aus dem beruflichen Umfeld und leider Gottes unsere Studierenden noch ein wenig in den Hörerzahlen hinterherhinken. Was aber nicht verkehrt ist, denn wir wollen uns natürlich primär auch an den Unternehmensalltag mit den Fragestellungen, Unternehmenssoftware und drumherum wenden.
Wenn Sie sich die Berufswelt ERP IT anschauen und Sie haben jetzt ja letztlich schon eine sehr lange Phase diesen Teil der Berufswelt begleiten dürfen, was glauben Sie, wie sich das ganze Themenfeld in den nächsten zehn Jahren verändern wird? Ja, also da würde ich zwei Sachen herausgreifen und vielleicht einen Grundtrend. Also die Kommunikationstechniken, die besser werden, wir setzen es ja gerade ein, machen sozusagen auch die Interaktion zwischen Geschäftspartnern und so weiter sehr viel flexibler. Also man muss sich nicht immer treffen, man sollte sich hin und wieder mal treffen, also ganz wichtig.
Aber der schnelle Informationsaustausch, die schnelle Informationsaufnahme in unterschiedlichen Formaten, das wird uns also massiv beschäftigen. Ich rede jetzt hier nicht nur von E-Learning, sondern auch von Webkonferenzen, von irgendwelchen Meetings, die man spontan einberuft. Da wird auch noch einiges kommen, weil die Qualität manchmal noch nicht so ist, wie sie sein sollte.
Ich glaube weiterhin auch, dass wir sehr viel erleben werden in der Interaktion mit dem Computer. Also ich war mal versehentlich auf so einer Tagung, Human-Computer-Interface, da ging es um Gestiksteuerung, da warte ich drauf. Also das finde ich ja als Science-Fiction-Fan überhaupt etwas, was unbedingt kommen muss.
Vielleicht kennen Sie den Film Minority Report, da gibt es auch sehr interessante Szenen, wie man zukünftig Computer bedient oder zusammenarbeitet mit der Technik. Generell meine ich, dass wir einen Wechsel haben werden von einer Digitalisierung, die momentan als Begriff sehr stark im Vordergrund steht, zu einer wirklich intelligenten Lösung. Weil das haben wir noch nicht an vielen Stellen intelligent im Sinne von, dass die Software einfach auch ein bisschen mehr tut als nur sozusagen Plausibilitätsprüfungen bei der Dateneingabe, sondern dass ja auch hier Mechanismen zunehmend kommen, die der Fehlervermeidung, der Fehlervorbeugung oder auch der Empfehlung von irgendetwas dienen.
Also das ist eigentlich das, was meines Erachtens der nächste Schritt ist. Jetzt gerade in der ERP-Welt an vielen Stellen einsetzbar und also hier würde ich jedem empfehlen, den Blick mal in den nächsten zehn Jahren auf dieses Thema zu setzen. Also da gibt es natürlich so Begrifflichkeiten wie Machine Learning oder sonst was aus dem Artificial Intelligence Umfeld, aber das ist jetzt nur Teilbausteine.
Also hier werden die Softwarehersteller was tun müssen und auch viele andere Anbieter werden da was tun, um einfach hier Unterstützung zu liefern, die einfach ein bisschen weitergehen. Ich hatte neulich gerade Herrn Zenke, den ehemaligen Entwicklungsvorstand von SAP im Podcast-Interview und wir sprachen auch über künstliche Intelligenz mit ERP-Systemen. Er schob es noch so ein bisschen in die Richtung von Science Fiction.
In Teilen stimme ich ihm auch zu, also die Adaption, die selbstständige Adaption des Systems komplett an die Bedürfnisse des Unternehmens. Ich glaube, das wird noch länger als zehn Jahre sicherlich dauern, aber ich muss Ihnen, Herr Ufgart, zustimmen. Also die Systeme heute sind noch relativ unintelligent, wenn Das, was ihnen vorgeschrieben wurde und unterstützen eigentlich an vielen Stellen die Personen vor dem Bildschirm überhaupt noch nicht bei dem, was idealerweise zu tun ist? Ja, also das muss man einfach sehen. Es ist vieles, vieles besser geworden in den letzten 20 Jahren, wo ich das jetzt intensiver beobachte. Aber da kann man auch noch vieles nicht vorstellen. Punkt. Also das muss man einfach sagen, wir sind hier an Entwicklungszyklus, der noch lange andauern wird, wo es noch viele interessante Herausforderungen geben kann. Stichwort Herausforderung. Letzte Frage: Was ist die Hauptherausforderung, vor der Unternehmenssoftware, insbesondere natürlich ERP, heute und zukünftig ganz besonders steht? Also wenn wir mal dieses von digital zu intelligent nehmen, ist natürlich die Frage: Wie schnell kann man die Unternehmen mit moderner Software wirklich ausrüsten? Wenn man sich die Untersuchungen anschaut, eine Softwareversion ist teilweise zehn, fünfzehn Jahre im Schnitt bei einem Kunden am Start. Okay, da gibt es natürlich Release-Wechsel und Aktualisierung, aber wir haben hier ein großes Problem, Modernisierungen oder Themen, die sich in jüngerer Zeit entwickeln, in eine bestehende ERP-Software reinzubringen. Also ich habe letztens eine Untersuchung gelesen, dass die Anwender absolut unzufrieden sind mit der Umsetzung von Mobility oder der Einbindung von Mobile Devices in ihre Software. Woran liegt das? Na ja, wenn die Software so lange in den Unternehmen existiert – das iPhone ist jetzt gerade mal zehn Jahre alt –, haben die Entwickler damals noch gar nicht gewusst, dass es so etwas gibt. Also das heißt, die Hersteller von ERP-Software müssen sich der Herausforderung stellen, Innovationen schneller in ihre Software ins Unternehmen zu bringen. Also mehr Technologiewandel mit Releasewechsel und Upgrades, ohne natürlich hier unsere Geschäftsprozesse zum Einsturz zu bringen. Ich glaube, das ist eine der konkretesten Herausforderungen, an denen die Hersteller arbeiten müssen, weil sonst schaffen sie es nicht, Innovationen da hinzubringen, wo es die Unternehmen brauchen, weil sie halt noch in ihren alten Lösungen festhängen. Ich glaube, das gibt Raum für viele, viele neue ERP-Podcast-Folgen. Herr Hufgart, ich darf mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Ich fand, wir haben heute einen spannenden größeren Bogen geschlagen von der Nutzungsanalyse bis hin zu „Wie müssen ERP-Systeme in Zukunft gestaltet sein?“ Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich. Und die letzten Worte sind Ihre. Ja, ich bedanke mich auch für das Interview, dass wir hier mal in einem modernen Format im Dialog einige Fragen diskutieren konnten. Ich kann für die Teilnehmer, Zuhörer nur auffordern, den weiteren Podcast zu folgen. Ich werde das auf jeden Fall tun und bedanke mich auch für die Gelegenheit, hier meine Meinung zum Besten zu geben. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www. Erp-podcast. De. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.