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#34 - Der Goldfisch im Internet - Einblicke in die Geschichte des WWW mit Univ.-Prof. Dr. Gottfried Vossen
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Im letzten Vierteljahrhundert hat sich das Internet rasant entwickelt und viele Geschäftsmodelle revolutioniert: von der anfänglichen Webseite zum digitalen Geschäftsmodell und der modernen betriebswirtschaftlichen Softwarelösung in der Cloud. Hören Sie heute ein Interview mit dem deutschen Informatiker und Universitätsprofessor Gottfried Vossen zur rückblickenden aber auch zukünftigen Entwicklung des World Wide Webs. Aber was hat das mit Ihrem Goldfisch zu tun?

Viel Vergnügen.

Literaturempfehlungen:

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Folge 34 Der Goldfisch im Internet Einblicke in die Entwicklung des World Wide Web mit Universitätsprofessor Dr. Gottfried Vossen Im letzten Vierteljahrhundert hat sich das Internet rasant entwickelt und viele Geschäftsmodelle revolutioniert. Von der anfänglichen Webseite zum digitalen Geschäftsmodell und der modernen betriebswirtschaftlichen Softwarelösung in der Cloud. Hören Sie heute ein Interview mit dem deutschen Informatiker und Universitätsprofessor Gottfried Vossen zur rückblickenden, aber auch zukünftigen Entwicklung des World Wide Webs.

Aber was hat das mit Ihrem Goldfisch zu tun? Viel Vergnügen! Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast, heute mit einem deutschen Informatiker, der, so darf ich sagen, das Meinungsbild gerade in Bezug auf Datenbanken, zunehmend aber auch auf Web, in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr stark mitgeprägt hat.

Er ist seit 26 Jahren Universitätsprofessor. Davon hat er einen Großteil als Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gelehrt. Er ist ehemaliger Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik und heute bei uns im Podcast.

Herzlich Willkommen, Gottfried Vossen. Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ja, herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.

Wir kennen uns schon eine ganze Zeit lang. Du bist für mich immer auch ein gewisser wissenschaftlicher Mentor gewesen in dieser Zeit und bevor ich jetzt zu viel zu dir verrate, vielleicht magst du dich selber kurz vorstellen. Ja, das Wichtigste hast du ja gerade schon gesagt.

Also ich komme ursprünglich aus Aachen. Ich bin in Aachen groß geworden. Ich habe in Aachen studiert, promoviert und später habilitiert.

Ich habe in der akademischen Laufbahn diverse Auslandsaufenthalte hinter mich gebracht. Also ich war zum Beispiel als Postdoc zwei Jahre an der University of California in San Diego und bevor ich nach Münster gekommen bin, war ich zwei Jahre an der Universität Gießen und bin jetzt, wie du schon gesagt hast, seit 24 Jahren in Münster seit 1993. Münster war für mich ein interessanter Schritt.

Also die anfänglichen 90er Jahre, das war so kurz nach der Wende, nach der Wiedervereinigung, wo in den ostdeutschen Hochschulen einigermaßen aufgeräumt wurde, wo viele Fachbereiche neu aufgestellt wurden und wo natürlich so Leute wie ich, die gerade in Informatik habilitiert hatten oder dabei waren zu habilitieren, dann gedacht haben, sie kriegen irgendwo eine schöne Informatikprofessur und dann kam Münster. Dann kam der Ruf aus Münster und das war eine Wirtschaftsinformatik. Ich muss gestehen, damit habe ich mich anfangs sehr schwer getan, aber ich habe viel gelernt und ich habe auch meinen Fokus, insbesondere natürlich meinen wissenschaftlichen Fokus im Laufe der Jahre deutlich verändert von einer Kerninformatik, wo es lange Zeit darum ging, formale Modelle zu entwickeln, diese Modelle zu untersuchen, Sätze zu beweisen, was gilt in diesen Modellen, was kann man machen, was kann man nicht machen, hin zu einem doch deutlich stärkeren anwendungsorientierten Schwerpunkt und zu einer anwendungsorientierten Sichtweise und ich bin meinen Münsteraner Kollegen dankbar, dass sie mir das im Laufe der Zeit nahegebracht haben.

Und das war aus meinem Hintergrund nicht so ganz einfach, aber ich muss sagen, ich fühle mich heute sehr wohl darin, ich habe viel gelernt und es hat eben auch meine Sichtweise und meine Arbeitsweise massiv geprägt. Nebenbei habe ich noch eine Honorarprofessur an der Waikato University in Neuseeland, an der Waikato Management School, auch das eine Business School, genau wie die Zugehörigkeit, die wir hier in Münster haben und auch das nehme ich immer gerne wahr. Jetzt hast du dein Licht ein bisschen unter den Scheffel gestellt, weil du gesagt hast, deine Kollegen aus der Wirtschaftsinformatik hätten dich so ein bisschen aus der sehr formalen Informatik rübergeholt, aber ich glaube, Münster zeichnet ja auch aus, dass du als Informatiker oder ihr als Informatiker durchaus auch ein Gegengewicht zur BWL und zur Wirtschaftsinformatik zeichnet, oder? Ja, im Prinzip ja, wenn man zusammenrechnet, was es in Münster an Informatiken alles gibt, so quer durch die Universität verteilt, dann kommt da eine ganze Menge zusammen, insbesondere auch, also allein quantitativ durchaus mehr als an anderen Universitäten, aber wir sind halt über die ganze Universität verteilt.

Wir sind ja teilweise im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, andere sind im Fachbereich Mathematik und Informatik, wieder andere sind im Fachbereich Geowissenschaften, wieder andere sind im Fachbereich Medizin und diese Aufteilung hat natürlich was mit Lehrverpflichtungen zu tun, hat was mit der Klientel zu tun, die bei einem Abschlussarbeiten schreiben will und promovieren will und so weiter. Und da ist das Zusammenbringen nicht so ganz einfach. Also was Münster bis heute nicht organisiert hat, ist ein Fachbereich Informatik, wo das alles drin versammelt wird.

Das könnte so eine Schlagkraft durchaus erhöhen. Ich bin mir da allerdings nicht mehr so sicher, denn als das mit den sogenannten Bindestrech-Informatiken losging, so um die Jahrtausendwende, das war ja auch die Zeit, als die Wirtschaftsinformatik in Münster gegründet wurde, da hat man, stimmt nicht ganz, Münster wurde ein bisschen früher gegründet, aber so in den 90er Jahren ging das los mit allen möglichen Bindestrech-Informatiken, Wirtschaftsinformatik, Geoinformatik, Bioinformatik, Medizininformatik und so weiter. Und man hat dann natürlich typischerweise diese Bindestrech-Informatiken in den jeweiligen Fächern angesiedelt, also in den zugehörigen Hauptfächern sozusagen.

Ich glaube schon, dass das die richtige Entscheidung war, denn nur so kommt man in das jeweilige Fach rein und findet da auch den richtigen Anschluss und findet da auch die richtigen Arbeitsmöglichkeiten. Ich glaube, wenn man das von einem Zentralinstitut Informatik versucht auszustrahlen, ich glaube, da gibt es auch ein paar Beispiele in Deutschland und darüber hinaus, dann ist das deutlich schwieriger. Dann ist man erstmal viel mehr mit sich selbst beschäftigt und dann ist es nicht so ganz leicht, mit den Anwendungen auch in Kontakt zu kommen und mit denen zu arbeiten.

Also insofern finde ich die hiesige Konstruktion durchaus gut. Okay. Du hast in deiner Zeit in Münster viele verschiedene Themen bearbeitet.

Ein Bereich, in dem du dich schon sehr lange aufhältst, sehr viel lernst, aber insbesondere auch forschst, ist das Internet, das Web. Und du hast gerade ein neues Buch rausgebracht, The Web at Graduation and Beyond, gemeinsam mit Frank Schöntaler und Stuart Dillon. Was hat euch umgetrieben? Warum habt ihr dieses Buch geschrieben? Das Buch ist entstanden aus einer Diskussion, die ich mit dem neuseeländischen Kollegen Stuart Dillon über längere Zeit geführt habe.

Wir haben uns mal eine Zeit lang überlegt, ein gemeinsames Weiterbildungsprogramm aufzulegen, was sich richtet an mittleres Management in der Industrie. Leute, die typischerweise mit einem BWL-Hintergrund, also irgendwie aus einer Betriebswirtschaftslehre herkommend, doch im Laufe ihres beruflichen Aufstiegs, ihrer beruflichen Entwicklung immer stärker in die Situation kommen, IT-nahe Entscheidungen zu fällen. Also typisches Beispiel, jemand ist ausgebildeter Betriebswirt, möglicherweise promovierter Betriebswirt, steigt dann so langsam im Unternehmen auf und plötzlich gehört auch die IT-Abteilung zu seiner Entscheidungskompetenz und jetzt muss er sagen, soll das Unternehmen mit seiner IT in die Cloud gehen, ja oder nein? Und das ist so eine Entscheidung, die ist für den Betriebswirt vielleicht nicht so unbedingt einfach, weil er mit der Technik nicht vertraut ist, mit den Pros und Cons, mit den Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, mit den Vorgehensweisen, die man anwenden könnte.

Und da haben wir uns überlegt, von solcher Art Fragestellung gibt es eine ganze Menge und die wollten wir mal zusammenfassen. Wir hatten ursprünglich mal an ein kleines Weiterbildungsprogramm gedacht, daraus ist dann aber nichts geworden aus vielerlei Gründen. Allein die Zeitverschiebung zwischen Neuseeland und Deutschland, die ja auch noch während des Jahres ein paar Mal wechselt, hätte das schwierig gemacht und wir haben dann Abstand davon genommen und haben dann gesagt, naja, dann lass uns doch vielleicht das Ganze mal aufschreiben und dann kann es jeder so, wie er es brauchen kann für Unterricht oder Weiterbildung oder ähnliches einsetzen.

Und genau das haben wir gemacht und wir haben uns dann irgendwann zwischendurch überlegt, dass es sinnvoll wäre, doch einen echten Praktiker dabeizuhaben, also echt im Sinne von jemand, der wirklich im Unternehmen tätig ist oder eben wie im Fall Frank Schoenthaler sogar ein Unternehmen leitet. Und da ich mit Frank Schoenthaler schon ein anderes Buch gemacht habe über Prozessmodellierung, wusste ich jetzt, wie gut ich mit ihm zusammenarbeiten kann, habe ihn angesprochen und er war gerne bereit, da mitzumachen und so ist dieses Autorenteam zustande gekommen und wir haben dann tatsächlich die Aufgaben einigermaßen gut verteilt. Es ist jetzt nicht alles genau gleich verteilt gewesen, wie das eben immer so ist, aber letztlich, glaube ich, war es eine gute Kombination und es ist jetzt gerade raus.

Ich kann jetzt noch nicht sagen, es ist ein Bestseller, aber ich würde mich natürlich freuen, wenn es den ein oder anderen Leser findet. Ihr habt da ja insbesondere auch die geschichtliche Entwicklung der zugrunde liegenden Technologie, aber auch der Geschäftsmodelle und der Inhalte, die sich aus dem ganzen Themenbereich Internet, Web ergeben haben, aufbereitet. Zunächst mal müssen wir, glaube ich, zwei Begriffe auseinanderhalten.

Das ist das Internet auf der einen Seite und das World Wide Web, über das ihr ja insbesondere schreibt, auf der anderen Seite, oder? Ja, richtig. Das wird ja oft synonym verwendet, das ist es aber nicht. Das Web ist einfach einer von vielen Diensten auf der Infrastruktur Internet sozusagen.

Das ist aber, also die Tatsache, dass es heute im Wesentlichen synonym verwendet wird, ich finde das nicht so kritisch. Die Story, die History, also die Geschichte ist, ja, die habe ich vor zehn Jahren schon mal versucht aufzuarbeiten. Ich habe vor zehn Jahren zusammen mit einem damaligen Doktoranden, dem Stephan Hagemann, ein Buch geschrieben, Unleashing Web 2.0, From Concepts to Creativity.

Und da ging es im Grunde los mit dem ersten Kapitel, also mit der Geschichte des Web. Und das erste Kapitel im neuen Buch schreibt diese Geschichte fort. Das alte Buch ist im Frühjahr 2007 erschienen, also ziemlich genau vor zehn Jahren.

Und ja, das war so ein bisschen unglücklicher Zeitpunkt, wie man heute weiß, denn im Laufe des Jahres 2007 sind eben ganz viele Dinge passiert, die das Web dann nachhaltig beeinflusst haben und die wir zu dem Zeitpunkt, als wir das Buch abgeliefert haben, noch gar nicht sehen konnten. Beispielsweise das iPhone ist 2007 rausgekommen, Facebook ist öffentlich gegangen und von dieser Art Ereignisse hat es gerade in 2007 eine ganze Menge gegeben und die haben dann schon die Welt noch mal nachhaltig verändert. Und das haben wir jetzt versucht sozusagen nachzutragen und zu aktualisieren.

Also das erste Kapitel des Buchs von 2007 und das erste jetzt, die haben durchaus Gemeinsamkeiten, aber das neue ist natürlich die Fortschreibung. Ich gucke auch gerne so ein bisschen darauf, wie andere Autoren das sehen, insbesondere solche, die nicht Informatiker sind. Ich bin ein großer Fan von Thomas Friedman, dem Auslandskorrespondenten der New York Times.

Der hat vor über zehn Jahren ein aus meiner Sicht sehr faszinierendes Buch geschrieben, The World is Flat, wo er zum ersten Mal so aufgearbeitet hat, was das Internet, also im Wesentlichen gegen so Globalisierung und die ganzen Effekte, die das Internet damals schon, also Mitte der 2000er Jahre ermöglicht hat. Also, dass ich, was weiß ich, Telemedizin machen kann. Ich kann also, wenn ich als deutscher Operateur in einem Operationssaal stehe und ich mache irgendeine Aufnahme, die kann ich nach China schicken und kann da einen Spezialisten bitten, mal drauf zu gucken und solche Dinge.

Das waren so die verschiedenen Dinge, die er besprochen hat. Und er hat eben mittlerweile weitere Bücher geschrieben, die ich eben auch mit großem Interesse und großer Faszination gelesen habe. Und davon bin ich auch so ein bisschen beeinflusst, was das gerade die Geschichte des Web angeht.

Er sagt eben jetzt in seinem neuesten, da sagt er, das geht ja im Grunde alles viel zu schnell. Sein neuestes Buch heißt Thank You for Being Late. Und er sagt, manchmal ist es, man verabredet sich zum Beispiel zum Kaffee oder zum Interview im Netz, so wie wir jetzt, und einer der Gesprächspartner ist zu spät.

Und dann hat man plötzlich Gelegenheit zu reflektieren, worum es eigentlich geht oder was man so besprechen wollte oder was man sonst noch so machen könnte. Und dieses Being Late ist manchmal unheimlich heilsam und das geht uns so allmählich verloren in der Schnelllebenwelt, in der wir heute leben, wo wir dauernd unterbrochen werden. Das kommt auch irgendwo im Buch vor, dass man natürlich durch die Technik, mit der wir es heute zu tun haben, durch die ganzen Apps und die ganzen Notifications, die man bekommt, also nicht nur von E-Mail, sondern auch von allen möglichen anderen Dingen, wird man hier laufen und irgendwas erinnert, auf irgendwas hingewiesen.

Das hat dazu geführt, dass der Attention Span des Menschen, also die Aufmerksamkeitsspanne, auf 8 Sekunden zurückgegangen ist. Also der Mensch kann sich heute im Schnitt 8 Sekunden auf ein und dieselbe Sache konzentrieren und dann wird er abgelenkt, dann konzentriert er sich auf die nächste Sache. Das ist deshalb bedenklich, weil es vor 5 Jahren noch 12 Sekunden waren und weil, jetzt kommt’s, der Goldfisch einen Attention Span von 9 Sekunden hat.

Das hat eine Studie von Microsoft UK rausgefunden. Und die Tendenz ist also durchaus fallend und das ist so eines der Probleme, die man heute eben hat, dass man sagt, das Ganze wird immer schneller und es ist überhaupt kein Ende in Sicht. Also the web keeps accelerating.

Friedman redet heute nicht mehr von der flat world, sondern von der fast world und die fast world keeps accelerating, also beschleunigt immer noch weiter. Also im Prinzip aus dem Bereich der Unternehmenssoftware kennen wir diese Echtzeitkommunikation ja eigentlich seit den Anfängen, wenn ich an die SAP denke, die ihre ersten Produkte R1, R2, R3, das R genannt hat, das R stand für real time, für Echtzeitkommunikation. Allerdings sehen wir das heute eben nicht mehr innerhalb der Unternehmensgrenzen, wobei auch zu klären wäre, was Unternehmensgrenzen heute eigentlich sind, sondern wir sehen das eben weltweit, world wide web.

Ja und natürlich das, was man heute so mit Big Data bezeichnet, das hat natürlich seinen Teil dazu beigetragen. Also man hat im Laufe der Entwicklung des Web gelernt, alle möglichen Arten von Werkzeugen zu entwickeln und bereitzustellen. Ganz vorneweg heutzutage natürlich irgendwas, was mit Tracking zu tun hat.

Das ist sehr populär geworden. Jeder Benutzer wird in irgendeiner Weise getrackt. Ich glaube auf einer durchschnittlichen Google-Seite sind bis zu 20 Tracker untergebracht.

Die sieht man natürlich nicht und die merken sich dann, was man anguckt, woher man kommt. Die merken sich sogar so Dinge wie, von welchem Betriebssystem wird die Suchanfrage gestellt, welche Browser-Version wird verwendet und dann natürlich, wonach der Benutzer sucht, wie lange er welche Suchergebnisse anklickt, wie lange er auf der Seite verweilt, wann er weiterklickt und so weiter. Solche Werkzeuge sind extrem populär geworden.

Ich hörte neulich einen Vortrag von Gabor Steingart, dem Herausgeber des Handelsblatts und der sagte sogar, dass die Handelsblattgruppe betreibt eine Tracking-Maschine, wo man sozusagen kaufen kann, wie lange ein Benutzer getrackt wird. Also wenn man bei Amazon auf irgendein Produkt klickt, dann kriegt der Handelsblatt-Tracker das mit und zeigt das bis zu 20 Mal, egal wo man danach hingeht. Man wundert sich ja oft, warum ein bestimmtes Ad immer noch aufpoppt, obwohl man die Seite, wo man das zuerst gesehen hat, längst verlassen hat.

Das liegt an solchen Dingen. Aber Realzeit ist natürlich richtig, wie du sagst, man erwartet das heute weltweit und das liegt natürlich unter anderem auch an der Entwicklung von Data-Centers, die uns die Großen dieser Welt, also Google, Amazon, Facebook und Twitter und Konsorten, was die alles so im Laufe der Zeit aufgebaut haben. Also Hardware ist heute kein Kostenfaktor mehr.

Das wird ja auch in vielen Unternehmen so gesehen, dass man eigentlich in Hardware nicht mehr viel investieren muss. Das hängt natürlich auch mit den Cloud-Optionen zusammen, dass ich vieles heute mieten kann und es nicht mehr unbedingt kaufen muss. Aber die Hardware ist heute so schnell geworden und natürlich, man muss sagen, auch die Netzwerke sind inzwischen so schnell geworden, dass ich tatsächlich extreme Zeitgewinne weltweit heute erzielen kann.

Als ich Doktorand war, sprach man von Datenbanken. Später sprach man von verteilten Datenbanken. Heute spricht man von global verteilten Datenbanken.

Also wenn man neue Systeme entwickelt, was immer noch vorkommt, wo es immer noch sehr viel Aktivität gibt, dann denkt man heute typischerweise an eine globale Verteilung. Also an Systeme, wo die Daten über Datacenter, die weltweit verteilt sind, hinweg verwaltet werden. Das ist so die Situation und da ist Realzeit natürlich auch für Unternehmen eigentlich kein Wunschraum mehr.

Ich spring nochmal ganz zurück. Wir greifen das aber später nochmal wieder auf. Also heute ist es so, wir haben 314 Millionen Domains, habe ich vorhin nochmal rausgesucht.

Allein 16 Millionen URLs, Internetadressen, Domains hier in Deutschland bei 80 Millionen Einwohnern. Respekt. Aber wo warst du, als die erste Domain quasi live ging? Also sozusagen als das Web erfunden wurde? Als das Web erfunden wurde.

Also ich terminiere immer das Web, den Beginn des Web auf 1993. Das war so die Zeit, als es live ging. Die ersten Gehversuche hat Bernhard Slee im CERN natürlich schon zwei Jahre vorher gemacht, aber das war so die Zeit, als er damit live ging und dann sagte so, jetzt können es alle benutzen.

Also ich war damals in Gießen und Internet war eigentlich generell verfügbar, wenn auch nicht in der Geschwindigkeit, der Bandbreite und in der Ausfallsicherheit wie heute. E-Mail war damals im akademischen Bereich auch schon Normalität. Das war jetzt nicht mehr so die Sensation, wie das später so im privaten Bereich dann im großen Stil losging, wie das da empfunden wurde.

E-Mail mache ich so etwa seit 1985, 86, also Mitte der 80er Jahre, da wurde das in Aachen verfügbar. Das war umständlich, das war so eine Einwählgeschichte, da konnte man über so ein Modem, was dann die Gegenstation anpiepste, konnte man Verbindungen aufbauen, aber es ging. Ich habe das Internet eigentlich zum ersten Mal wahrgenommen, als es dann plötzlich, als mich jemand so hinwies auf sowas wie Mosaic oder Netscape, so die ersten Suchmaschinen.

Das waren ja so die ersten, man konnte anfangs damit nicht so viel anfangen, aber dann gab es relativ schnell den Browser und der Browser machte das Ganze dann zugänglich. Also hier in dem ersten Kapitel im Buch wird so ganz klein bisschen die Historie auch der Browser erwähnt. Die war natürlich weit entfernt von der Funktionalität, wie man die heute haben kann, aber es ging und es ging dann unheimlich schnell bergan.

Und ein großer Durchbruch war, da hat damals die Welt aufgehorcht, als Netscape an die Börse ging. Das war insofern ein Durchbruch, als da plötzlich die Leute sagten, Moment, das ist ja nicht nur eine blöde Spielerei von so ein paar Physikern da im CERN oder ein paar Informatikern im CERN, sondern da kann man ja Geld mit verdienen. Und das war eine der ersten Milestones, würde ich sagen, die das Web dramatisch verändert hat.

Jetzt waren diese Browser in die Welt gesetzt, die Endnutzer haben das zunehmend akzeptiert. Welche Herausforderungen gab es am Anfang, als das World Wide Web zu den Leuten kam? Die größte Herausforderung am Anfang war sich darin zurechtzufinden. Das ist von Anfang an eigentlich explodiert.

Als man rausbekommen hat, wie das läuft, man besorgt sich eine Webadresse, also eine URL und dann baut man eine HTML Seite und dann muss man dafür sorgen, dass die irgendwo auf einem Server liegt und dann kann man diese URL publizieren und dann können die Leute darauf zugreifen. Und das hat zu einer rasanten Entwicklung geführt. Und die erste Frage, die man sich gestellt hat, wie finde ich mich darin zurecht? Das war so ähnlich wie etwa 100 Jahre vorher mit dem Telefonbuch, als das so Ende des 19.

Jahrhunderts mit Telefonie losging. Ich glaube zuerst in Amerika, später auch in anderen Ländern. Da hat man gesagt, naja, ist ja nett, wenn einer ein Telefon hat, aber wenn ich die Nummer nicht weiß, dann nützt mir das nichts, dann kann ich den ja nicht anrufen.

Und das hat damals zu Telefonbüchern geführt. Und dem völlig analog dazu kam dann Yahoo auf die Idee, so eine Directory einzuführen und zu sagen, okay, dann machen wir ein Verzeichnis, so eine Art Branchenbuch des Web. Das wird nach bestimmten Rubriken, also sagen wir mal Sport oder Unterhaltung oder auch bestimmte Geschäftsbereiche wird das sortiert und da tragen wir halt die URLs ein, die uns so bekannt werden oder die uns gemeldet werden.

Und damit finden sich die Leute dann zurecht. Also man hat durchaus die Analogie zum Telefonbuch versucht beizubehalten. Und da gab es eben nur wenige Leute, die gesagt haben, das wird nicht funktionieren, das wächst so schnell, das wird auf die Dauer nicht haltbar sein.

Und unter anderem waren das eben Sergey Brin und Larry Page, die Google Gründer. Die haben gesagt, dieses Paradigma der Directory, das funktioniert nicht, wir brauchen, wir müssen suchen können. Und das war die Überlegung zu sagen, wie kann man das jetzt, also wir müssen dynamisch suchen können.

Und denn nur so kommen wir mit dem schnellen Wachstum überhaupt zurecht. Also so eine Art Telefonbuch, das könnte man wahrscheinlich, das müsste, also in analogen Kategorien gesprochen, müsste man das alle 10 Sekunden neu drucken. So schnell wächst das Web und das können wir nicht machen.

Und darum haben die das Suchen empfunden und erfunden und haben gesagt, wir müssen, wir müssen das anders machen. Und dann war natürlich die Frage, wie kann man das gestalten? Ich kann ja nicht loslaufen, wenn jemand eine Suchanfrage stellt, dann kann ich ja nicht loslaufen durchs Web und dann sagen, okay, dann gucke ich mal, was ich da an passenden Dokumenten finde. Also, ja, denn dann würde der Benutzer, naja, ich weiß nicht, wie lange, sagen wir mal 10, 15 Sekunden warten müssen.

Das ist für alle, die heutzutage Suchmaschinen benutzen, völlig unakzeptabel. Man erwartet im Minimum 15 Millionen Antworten in unter einer halben Sekunde. Also muss das anders laufen und das hat dann dazu geführt, dass man gesagt hat, wir trennen das, wir trennen den Aufbau unserer Wissensdatenbank der Suchmaschine, also den Index der Suchmaschine, den Aufbau des Index und die Wartung des Index trennen wir von den eigentlichen Suchvorgängen.

Das war mal die erste Entwurfsentscheidung. Also heutzutage hält Google seinen Index und alle anderen Suchmaschinen auch. Die halten ihren Index aktuell völlig unabhängig davon, ob die Suchmaschine benutzt wird oder nicht.

Und die zweite Überlegung war dann, naja, wenn ich jetzt eine Suche starte und ich kriege viele Treffer, dann ist die große Frage, also erstens mal, wie finde ich relevante Treffer? Also es gibt ja viele Begriffe, die sind mehrdeutig. Also sagen wir mal, ich suche nach Bank, dann weiß ich nicht, sucht der Benutzer ein Finanzinstitut, sucht er eine Sitzbank, sucht er was für sein Wohnzimmer oder für seinen Garten oder wonach sucht er eigentlich? Und diese Mehrdeutigkeit in den Griff zu kriegen war die erste Herausforderung. Wenn ich jetzt viele Suchergebnisse habe, in welcher Reihenfolge zeige ich die dem Benutzer? Und das sind die Probleme, mit denen man sich im Grunde bis heute beschäftigt und wo man eben immer neue Ideen hat, wie man das verbessern kann oder weiter an den Benutzer anpassen.

Heute ist ja eigentlich das Ziel, die Anpassung an den individuellen Benutzer und nicht das generelle relevant machen, sondern wirklich genau auf den Einzelnen abzuzählen. Das ist so das große Ziel. Und dazu gibt es immer wieder neue Techniken.

Dann kam nebenbei natürlich, kurze Zeit später, kam die Frage, wenn ich die Suche alle, wenn ich suchen kostenlos mache, womit kann eine Suchmaschine dann Geld verdienen? Und damit sind wir dann beim nächsten Stichwort. Am Anfang war das Internet komplett frei, fernab von irgendwelchen kommerziellen Interessen, aber die Kommerzialisierung des Internets oder des World Wide Webs hat ja sehr schnell eingesetzt. Ja, genau.

Die kommerzielle, also ich erwähnte eben ja schon, also der Netscape IPO, das war also für viele so ein erwachendes Ziel, So ein Defining Moment, so ein erwachendes Ereignis, wo man gesagt hat, Moment mal, wenn die an die Börse gehen, dann kann ich da ja auch investieren und vielleicht kann ich damit sogar reich werden. Das hat ja letztlich dann zu der ersten Dotcom-Bubble geführt, wo man ganz viele Start-ups im Web dann völlig überbewertet hat und irgendwann kollabierte das. Es hat aber auch relativ früh die ersten Gehversuche in Richtung Electronic Commerce ausgegeben, also elektronischer Handel und ganz vorneweg waren da die Olim-Brüder, ich glaube aus Philadelphia, mit CD Now.

Die haben also einen CD-Shop im Internet gemacht, da gibt es ein ganz nettes Büchlein drüber, da haben sie ihre Story mal erzählt. Also die haben im elternischen Keller des elternischen Hauses angefangen, ihren CD-Shop zu programmieren und haben eben festgestellt, wenn ich das im Internet mache, dann habe ich eine Reihe von Vorteilen, die ein normaler CD-Laden nicht bieten kann. Also die Fülle, die Größe der Auswahl oder auch die, sagen wir mal, den Zugriff auf seltene Produktionen oder Artisten oder Künstler, die eben schwierig zu bekommen sind und auch die Information, die ich zur einzelnen CD bereitstellen kann.

Ich kann das bewerten lassen von Leuten, die die CD schon kennen und all diese Dinge. Das haben die sehr schnell erkannt und haben gemerkt, das geht eben auf so einer Plattform wie dem Web, kann ich da viel mehr machen, als dass irgendein CD laden kann, der physisch irgendwo lokalisiert ist. Und das hatte zwei Konsequenzen.

Erstens hat Amazon relativ schnell erkannt, aha, ich kann nicht nur mit Büchern Geld verdienen, sondern auch mit CDs und hat die aufgekauft. Das war, ich glaube, das war eine der ersten Akquisitionen, die Amazon gemacht hat. Nachdem sie den Buchladen im Internet sozusagen am Laufen hatten.

Und es hat natürlich in letzter Konsequenz dazu geführt, dass selbst große CD Ladenketten wie Tower Records in den USA, dass die letztendlich pleite gegangen sind. Das ist schon das nächste Stichwort. Jetzt haben wir über Kommerzialisierung gesprochen, was heute sicherlich sehr viel stärker verbreitet ist.

Aber was du jetzt ansprichst, ist ja eigentlich das Thema Disruption. Ja, genau. Letztlich würde man das aus heutiger Sicht, wo man sich ein bisschen mehr auch sozusagen mit dem Ganzen aus konzeptioneller Sicht beschäftigt hat, würde man das als eine Form von Disruption bezeichnen, wo sozusagen ein kleiner, ein kleiner Anbieter quasi von unten das Geschäft aufrollt.

Also die großen und das ist was heute, was in der Zwischenzeit natürlich häufig passiert ist. Und das ist das, was wir auch im Buch in Kapitel 5, wo wir ein bisschen drauf eingehen, also die, wo diese Definition der Disruption von Clayton Christensen, der eben sagt, die großen Unternehmen, die sind häufig nur damit beschäftigt, ihre Marktposition zu halten. Sie wollen eben sozusagen ihre Kundenbasis verbreitern.

Ein typisches Beispiel sind Automobilhersteller. Ein Automobilhersteller will immer hingehen und sagen, ja, also nächstes Jahr habe ich jetzt drei Millionen Autos produziert. Nächstes Jahr will ich 3,1 Millionen Autos produzieren.

Ja, und das ist so die typische, das ist so die typische Ansicht von Unternehmen, die gut im Geschäft sind. Die sagen, wir haben jetzt, wir sind relativ groß, wir haben viele Mitarbeiter, wir müssen auch viele Mäuler füttern und wir wollen natürlich für unsere Kunden, die wollen wir bei der Stange halten. Und darum müssen wir jedes Jahr unser Produkt so ein ganz klein bisschen verbessern.

Wir fragen auch mal, was die Kunden sich wünschen und so weiter und merken dabei nicht, dass von unten einer nachkommt, sozusagen am unteren Ende der Skala, wo zunächst mal das Geschäft relativ klein ist, wo ich vielleicht anfangs gar nicht so viel absetzen kann, wo die Idee aber so revolutionär ist, dass sie immer mehr und immer schneller Anhänger findet. Ein typisches Beispiel ist sozusagen die Elektromobilität. Und da muss man sagen, die deutschen Automobilhersteller, als bis die gemerkt haben, dass mit dem Diesel irgendwas nicht in Ordnung ist oder dass vielleicht so was wie Elektroautos eine Zukunft haben könnten.

Da hatte Toyota den Prius in Kalifornien schon über zehn Jahre am Markt und erfolgreich verkauft. Und dann kommt so jemand wie Tesla und rollt den den Markt für Luxusautos von unten auf. Und die großen drei in Deutschland stehen daneben und wissen gar nichts zu sagen und wissen gar nicht, wie ihnen geschieht.

Als wäre das so eine außerirdische Macht, die da plötzlich über sie hereinbricht. Und jetzt sind natürlich alle dahinterher, möglichst schnell da aufzuholen und irgendwas dagegen zu setzen. Und das ist so die typische Disruptionsschiene, dass man, wenn man erfolgreich am Markt ist, dass man sozusagen immer nur dem eigenen Geschäft hinterher rennt, aber gar nicht merkt, dass irgendwelche Angreifer von der Seite oder von hinten oder von unten kommen und plötzlich das Geschäft aufräumen.

Und unter Umständen, wenn man nicht schnell genug reagiert, dass das Geschäft aus der Hand nehmen. Da gibt es jetzt viele Beispiele für, also Uber zum Beispiel, das größte Taxi-Unternehmen der Welt, hat keine eigenen Fahrzeuge. Airbnb, der größte, sozusagen der größte Zimmervermittler der Welt, hat gar keine eigenen Hotels und so.

Also da gibt es eine Reihe von Beispielen. Und das ist im Grunde, kann man das auf so Anbieter wie CDNow damals zurückführen, die eben klein angefangen haben, haben die Möglichkeiten erkannt, haben gesagt, im Grunde hat der E-Commerce, da hast du völlig recht, hat der E-Commerce genauso angefangen, dass man gesagt hat, eigentlich, wenn ich anstatt stationär den Handel zu betreiben, den elektronisch betreibe, dann habe ich ganz andere Möglichkeiten. Und das hat dann ja auch, ich weiß noch, wie die, ich glaube, das war, muss so 1995 gewesen sein, als der Online-Handel im Weihnachtsgeschäft zum ersten Mal die zwei Milliarden Dollar Grenze überschritten hat, also das Volumen im Online-Handel.

Da haben alle gesagt, wow, das hätten wir nicht gedacht, dass das so, das machte damals vielleicht ein Prozent aus des Gesamtumsatzes im Weihnachtsgeschäft weltweit oder vielleicht auch zwei. Aber das war so die zwei Milliarden Dollar Grenze. Das war so eine, das war so eine Schallgrenze.

Und da haben gesagt, vielleicht ist da ja doch was dran. Vielleicht müssen wir uns damit doch mal beschäftigen. Heutzutage dreht sich der Spieß so langsam um.

Heutzutage hat, haben so Anbieter wie Amazon das Geschäft dermaßen gut aufgerollt, dermaßen gut im Griff mit all den, mit all den Zusätzen. Ich könnte jetzt schon langsam Material sammeln für die zweite Auflage des Buches. Ich las am Wochenende jetzt über Amazon Key.

Amazon Key ist jetzt die Idee, dass der Zulieferer von Amazon in Zukunft nicht mehr das Paket, was man bei Amazon gestellt hat, vor die Tür stellt oder wieder mitnimmt, wenn man nicht zu Hause ist und noch mal wiederkommen muss, sondern der bekommt einen speziellen Schlüssel und stellt es in der Wohnung ab. Und das sind jetzt so die letzten Bastionen des Online Handels, den man jetzt so langsam da erobert. Und jetzt dreht sich der Spieß so ein bisschen um.

Wir erleben das hier im westlichen Münsterland und andere Regionen in Deutschland berichten darüber auch, dass der lokale Handel so langsam austrocknet, insbesondere in kleineren Gemeinden. Also es gibt hier im westlichen Münsterland eben so kleinere Städte, so wie ich sag mal Lünen oder Aarhaus oder, oder, oder noch kleinere wie Altstädte oder so. Und da kaufen die Leute einfach vor Ort nicht mehr ein.

Und die fragen sich jetzt, wie kommen wir eigentlich dagegen an? Manche verbinden sich dann mit Amazon. Also das gerade Amazon Frech versucht jetzt, also der Lebensmittel, Lebensmittelhandel versucht jetzt massiv da reinzukommen, indem viele lokale Lebensmittelhändler sich jetzt Amazon anschließen und darüber dann ihre, ihre Sachen verkaufen. Aber es muss auch anders gehen.

Und das ist eines der kleineren Projekte, mit denen ich gerade arbeite. Habt ihr schon eine Idee, wie es denn anders gehen kann? Ja, und nicht nur eine. Die Hauptidee besteht darin zu überlegen, was kann man stationär machen, was online unmöglich ist.

Ich sag mal ein Beispiel. Wenn ich in einem, in einer, ich arbeite irgendwo in der Innenstadt und ich habe aber nicht viele Mitarbeiter, sodass ich mein Geschäft, sagen wir mal, für eine Mittagspause nicht lange schließen kann. Ich kann mir vielleicht eine halbe Stunde Mittagspause erlauben.

Dann mache ich den Laden zu und dann kann ich, dann kann ich zum Mittagessen oder sonst was machen. Und in der Zeit, wenn ich jetzt in den Kleiderladen gehe und sagen wir mal, ich will eine neue Hose anprobieren, dann gehe ich normalerweise in den Kleiderladen und warte, bis eine Umkleidekabine frei ist. In der Situation der Mittagspause würde ich aber gerne hingehen und die Umkleidekabine reservieren und dem Betreiber des Kleiderladens sagen, bitte hänge mir die und die und die Hosen da schon mal rein.

Und dann komme ich, wenn ich um halb eins meinen Laden zunahme, ich bin um fünfeinhalb eins im Kleiderladen und ich bin um zehn vor eins wieder raus. Und das sind Dinge, die kann der Amazon nicht bieten. Und wir denken gerade über solche Dinge nach, was man da eigentlich alles noch machen kann.

Bei Amazon gehe ich hin oder auch bei anderen Anbietern. Das ist nicht nur Amazon. Bei anderen gehe ich hin, bestelle mir fünf Hosen und schicke vier wieder zurück.

Das Ganze dauert aber drei Tage. Also wo ihr quasi darüber nachdenkt, ist, sich den Prozess standardisiert anzuschauen und zu überlegen, was kann ich von dem Prozess virtualisieren? Sprich eine Reservierung der Kabine, die Kommissionierung oder das Anstoßen der Kommissionierung, das Zusammenbringen der Ware, in dem Falle Textilien. Und der Rest muss dann vor Ort eben erfolgen.

Der Rest muss vor Ort erfolgen und vieles erfolgt eben nach wie vor gerne vor Ort. Allerdings, man hat sich eben an die Convenience gewöhnt, dass Amazon ja immer mehr so mit Same-Day-Delivery argumentiert. Also das können wir jetzt auch in Münster machen.

Wir haben ein, gerade wird ein großes Fulfillment-Center in Dortmund gebaut. Wir haben aber auch ein kleineres, schon länger in Gräfen. Und selbst da kann ich einzelne Produkte, die kann ich morgens bestellen und abends sind die da.

Die werden dann zwischen 18 und 21 Uhr geliefert. Das gilt auch nicht für alles. Aber auch das ist natürlich ein Punkt, wo man jetzt als kleiner Einzelhändler in irgendeiner kleinen Gemeinde, die vielleicht 5000 Einwohner hat, wo man sich enorm schwer tut.

Man hat natürlich nicht das Personal, das alles liefern lassen zu können. Aber da gibt es schon eine Reihe von Ideen, was man da machen kann. Ich springe nochmal wieder zurück.

Ungefähr eine Dekade, etwas mehr als eine Dekade aus dem damaligen Web mit der Kommerzialisierung, die ja schon sehr früh angefangen hat, wurde dann das Web 2003, Dezember 2003, als Begriff irgendwo in die Welt gesetzt. Was sollte sich verändern oder was veränderte sich in der Webtechnologie? Also der Begriff wurde, glaube ich, von Tim O’Reilly auf einer O’Reilly-Konferenz geprägt. Und der markiert eigentlich den Übergang vom reinen Read-Web zum Read-Write-Web.

Also das Web, wo ich Informationen nur entnehmen kann, wo ich nur lesend drin aktiv werden kann, zu einem Web, wo ich plötzlich auch reinschreiben kann. Also das, was wir heute zum Beispiel in sozialen Medien machen, dass man bei Twitter oder bei Facebook oder wo auch immer so mal eben ein Post loslässt oder ein Foto hochlädt oder ein Video postet, das hat mit Schreiben zu tun. Also man schreibt Informationen ins Web und das war sozusagen im Web 1.0 nicht möglich.

Und das hat, das war damals so unter anderem, also es gab so technologische Entwicklungen. Ajax war eine davon und auch etliche andere. Und plötzlich konnte man das machen und plötzlich war natürlich auch die Infrastruktur war vorhanden.

Und das ist im Grunde das, was man als Web 2.0 dann bezeichnete, was sich lange Zeit gehalten hat. Ich glaube, heute redet keiner mehr vom Web 2.0. Das wäre jetzt auch ein bisschen, ja, das wäre jetzt ein bisschen hinter der Zeit. Es hat später dann, aber man muss sagen, der, dieses, diese Diktion, dass man von irgendwas 2.0, 3.0, 4.0 und so weiter redet, das hat sich gehalten.

Wir erleben das ja heute im Zusammenhang. Also man hat zwischendurch mal vom Web 3.0 gesprochen. Damit war das Semantic Web gemeint.

Der Begriff hat sich aber auch nicht lange gehalten. Aber heute redet man natürlich gerne von Industrie 4.0 und August Wilhelm Scheer in Saarbrücken redet von Hochschule 4.0. Also dieses, diese Versionierung, was so eine Versionierung andeutet, ja, in bestimmten Bereichen, das hat sich irgendwie gehalten. Das, aber wie gesagt, Web 2.0 war der Übergang vom rein lesenden zum lesenden und schreibenden Web, also aus Sicht der Benutzer.

Und das hat eben dazu geführt, dass es ja, dass es alles mögliche explodiert ist. Das hat mit Blogs angefangen. Das hat mit Wikis angefangen.

Dann kamen die sozialen Netzwerke dazu, sagte ja schon, Facebook ist vor, ist vor ziemlich genau zehn Jahren dann öffentlich gegangen. Anfangs war es ja nur ein geschlossener Kreis. Dann kam Twitter dazu und all die sozialen Netze, später Instagram und so weiter, die wir heute alle so haben.

Und das hat natürlich auch dazu geführt, dass die Datenflut im Web eben dramatisch angewachsen ist. Diese, ja, dieses zunehmende vom rein statischen lesenden Internet hin zu lesen und schreiben, interagieren können eigentlich mit einzelnen Webseiten, hat ja auch dazu geführt, dass wir nicht mehr nur so einfache Dienste hatten, eine Newsseite oder ein einfacher E-Mail-Dienst, sondern plötzlich wurde das Ganze auch für Softwarehersteller, gerade auch aus dem betriebswirtschaftlichen Umfeld, hochinteressant. Und zu der Zeit können wir eben auch die ersten ERP-Systeme oder auch andere Softwaresysteme aus dem betriebswirtschaftlichen Umfeld verzeichnen, die jetzt komplett auf Internettechnologie gesetzt haben.

Was war deren großer Vorteil? Also wenn du jetzt sozusagen die Cloud ansprichst, ich nehme an, das ist gemeint, dann hat man auch einen Bereich, in der im Übrigen von Amazon weitgehend populär gemacht worden ist. Ich glaube, die Amazon Web Services sind auch 2007 gestartet und heutzutage natürlich für alles Mögliche zu benutzen. Cloud-Dienste haben aus der Sicht des Nutzers den Vorteil zunächst mal, dass er keine großen Vorab-Investitionen braucht.

Das ist zum Beispiel für Start-up-Unternehmen sehr interessant. Ein Start-up-Unternehmen kann heute für relativ wenig Geld die Infrastruktur, die man so am Anfang braucht, bis man sicher sein kann, dass man eben Marktfuß gefasst hat. Diese Infrastruktur kann man für relativ wenig Geld mieten und wenn es dann nicht funktioniert, dann hat man eben keine großen Investitionen in den Sand gesetzt.

Aber das ist eben auch für Unternehmen interessant. Es gehen gerade die großen Unternehmen, gehen ja zunehmend mit ihrem gesamten Portfolio in die Cloud und sagen hier, ihr könnt das mieten, was ihr braucht. Aber es muss eben nicht das volle Paket sein.

Der zweite große Vorteil ist, dass im Allgemeinen der Nutzer die Infrastruktur anpassen kann an seine Bedürfnisse. Das heißt, ich kann sowohl also Rechnernutzung wie auch Speichernutzung rauf und runter fahren, so wie meine aktuelle betriebliche Situation das erfordert. Und dann der große oder die große Hoffnung ist, dass man natürlich dann wie beim Strom nur noch nach Verbrauch bezahlt oder beim Wasser.

Also dass man das Rechenleistung Speicherplatz so eine Commodity wird, dass man das nur noch nach Verbrauch bezahlt und nicht mehr eben große Investitionen hat, die unter Umständen lange Zeit rumstehen und wo man dann kein Geld mitverdient, sondern man bezahlt dann wirklich nur noch für die Infrastruktur, wenn man damit auch Geld verdient oder wenn sie den Zweck erfüllen, für den man sie braucht. Ja, wir wären nicht Deutsche, wenn wir nicht gleichzeitig auch nach den Risiken von Cloud fragen würden. Ja, klar, das ist eines der großen offenen Probleme, will ich mal sagen, in Deutschland.

Der Datenschutz. Wir sind einerseits natürlich stolz auf eine auf strenge Datenschutzgesetze. Das ist auch gut so.

Aber andererseits kämpfen wir natürlich laufend damit, dass man bestimmte Dinge einfach nicht darf. Also wir haben, wir haben hier ein großes Projekt in Münster seit letztem Jahr mit einem Callcenter Anbieter aus Deutschland. Und wir würden natürlich gerne so in Richtung Customer Profiling gewisse, ja, gewisse Projekte aufsetzen und durchführen.

Aber die tun sich unheimlich schwer damit, Kundendaten rauszugeben. Und fast immer sagt die Rechtsabteilung Nee, das dürfen wir gar nicht. Hätte man sich vielleicht vorher überlegen müssen.

Aber das ist so eine, so eine Aussage, an die man andauernd stößt. Einerseits ist das gut. Andererseits muss man sagen, wir bleiben da, uns bleiben da schon in vielen Dingen die Hände gebunden.

Wenn man sieht, es ist ein bisschen Mentalitätsproblem. Wenn man sieht, wie Amerikaner damit umgehen, dann ist es da völlig anders. Sie haben natürlich wenig, wenig Hemmungen, auf personenbezogene Daten zuzugreifen.

Sie haben keine Hemmungen, die zu speichern. Auch ohne die einzelnen Nutzer zu fragen und die dann auszuwerten. Und in Deutschland ist natürlich immer so ein bisschen die Gefahr oder ist immer so ein bisschen die Einstellung.

Naja, es passiert ja auch genug, wo wir dann immer wieder dran erinnert werden, dass hoher Datenschutz eben was Sinnvolles ist. Ich glaube, das ist so ein, das ist so ein Zwiespalt. Wir reden da auch oft hier mit unseren Rechtsinformatikern in Münster drüber.

Es gibt ja häufig die Situation, dass man sich in der Informatik oder in der Wirtschaftsinformatik irgendwas Tolles ausdenkt und das dann baut. Und wenn es dann im Grunde so reif ist, dass man es einsetzen könnte, dann kommt irgendein Jurist und sagt, das dürfte alles gar nicht. Die Möglichkeit, dagegen anzugehen, könnte darin bestehen, dass man Juristen von vornherein in die Entwicklung des betreffenden Artefakts einbezieht.

Aber ob das die Lösung ist, lässt sich schwer sagen. Wir haben in der Vergangenheit hier verschiedene Versuche gemacht, aber mir ist jetzt ad hoc keiner im Bewusstsein, wo das wirklich super erfolgreich gewesen wäre. Also das ist ein Riesenproblem.

Einerseits ist es gut, dass wir strengen Datenschutz haben und dass wir damit deutlich seriöser umgehen als zum Beispiel viele unserer Nachbarn oder auch in anderen Kontinenten. Aber andererseits ist es und bleibt es ein Hemmschuh für vieles, was man machen könnte und jetzt eigentlich gar nicht darauf. Ja, wenn wir jetzt ein bisschen nach vorne schauen, also technologisch, denke ich, sind wir in der Entwicklung des World Wide Webs sehr weit vorangeschritten in den letzten 25, 26 Jahren.

Wo wird aus deiner Sicht die Reise hingehen? Ja, 25 Jahre ist richtig. Das ist ja der Grund, warum ich das Web at Graduation and Beyond genannt habe. 25 ist so ein Alter, wo man als Mensch, der so eine übliche akademische Laufbahn durchläuft, graduiert, also irgendeinen Hochschulabschluss erwirbt.

Und die Frage ist, hat jetzt das Web eben auch schon irgendwie die Berechtigung zu sagen, es hat einen Stand erreicht, auf dem man aufbauen kann oder so? Die zukünftige Entwicklung vorherzusagen, tue ich mich unheimlich schwer. Und das liegt einfach daran, das hat die Entwicklung der Informatik immer wieder gezeigt. Und diese Entwicklung, die verfolge ich nun mal im Unterschied zu jüngeren Leuten seit den 70er Jahren.

Es gibt in der technischen Entwicklung immer wieder Sprünge, von denen keiner weiß, wo sie hingehen und wann sie auftreten. Und diese Sprünge sind unheimlich schwer vorherzusagen. Ein typischer Sprung war das iPhone, was Steve Jobs 2007 auf einer der berühmten Apple-Präsentationen, so dann ganz am Schluss seiner langen Präsentation sagt, oh, one more thing.

Das war ja sein berühmter Spruch. Und dann gibt er den Leuten das iPhone in die Hand und die Welt verändert sich grundlegend. Und das ist eine Entwicklung, wenn man das 2005 versucht hätte, vorherzusagen, das wäre keinem gelungen.

Man hätte dann gesagt Ja, klar, die Prozessoren werden immer kleiner und die werden auch immer schneller und die Datenspeicher werden immer besser und immer größer. Und das kann ich dann auch mit mir rumtragen. Aber dass man alles in einem Gerät hat, was ein Smartphone, woran man sich gewöhnt hat, was ein Smartphone heute alles kann, das hätte keiner vorhersagen können.

Insofern tue ich mich schwer, damit Vorhersagen zu machen. Was immer ganz nett ist, ist ab und zu mal so auf den Gartner-Hype-Cycle zu schielen und zu sehen, wer ist da jetzt über den ersten Puckel schon rüber? Also über den, wer geht so langsam in das, wie heißt es, Tal der Desillusionierung oder so ähnlich, wo der erste Hype schon vorbei ist und dann zu gucken, was hält sich da eigentlich über längere Zeit? Also wenn man das für bestimmte Bereiche über zwei, drei Jahre verfolgt, dann hat man da eine gewisse, dann hat man da eine gewisse Sicherheit, wo ich glaube, wo wir viel von sehen werden, ist die Voice-User-Interfaces, also Alexa, Cortana und Konsorten, die also sich so langsam breit machen, zunächst mal so im privaten Bereich, die aber auch, ich glaube, in viele andere Bereiche in Kürze eintreten werden. Da werden wir die, die werden beim Auto sehen, dass ich mit meinem Auto nur noch über Sprachkommandos rede, weil die häusliche Alexa jetzt plötzlich auch mit dem Auto kommunizieren kann und so weiter.

Also ich glaube, da werden wir vieles sehen. Und das wird nochmal, das wird möglicherweise dazu führen, dass wir so diese Handy-Oberflächen, wie wir sie jetzt haben, gar nicht mehr brauchen, also dass, dass wir da gar nicht mehr auf dem Handy rumtippen müssen. Also entweder, um das einzuschalten oder um eine App aufzurufen oder gar um eine Message zu tippen auf diesen kryptisch kleinen Keyboards, die dann so aufpoppen.

Also in Kürze werden wir vermutlich sehen, dass man das alles nur noch per Sprache macht. Also man schaltet das Handy ein, dann redet man mit dem und sagt dem, was es tun soll. Dann natürlich die Roboter, die man, die jetzt doch immer intelligenter werden.

Also da gibt es ja jetzt eine Reihe von interessanten Entwicklungen, wo man Roboter alles einsetzt. Das hängt auch zusammen mit der Diskussion um den zukünftigen Verlust von Arbeitsplätzen, welche, es gibt ja so Untersuchungen, die sagen, welche Berufsgruppen werden eben am schnellsten verschwinden? Welche wird es 2020 nicht mehr geben und welche wird es 2025 nicht mehr geben? Und weil sie eben durch Roboter ersetzt sind. Das ist eine Entwicklung, die sehe ich ehrlich gesagt ein bisschen zwiespältig.

Es gibt natürlich, es gibt natürlich jetzt zum Beispiel in Japan habe ich neulich ein Video aus Japan gesehen, wo eine Empfangsdame im Hotel jetzt ein Roboter heißt. Ich glaube, die Dame hieß Erika. Und also man kommt in ein Hotel, man checkt ein, aber man redet nicht mehr mit einem, mit einem Männchen, mit einer Empfangsdame, sondern man redet mit einem Roboter und der Roboter fragt einen dann, wie die Reise war und fragt einen nach dem Namen und händigt einem dann einen Code aus, für das, mit dem man ins Zimmer kommt.

Da ist natürlich die Befürchtung, ja, das ist eigentlich ein wahrscheinlich nicht sehr gut bezahlter Job und das ist vielleicht deshalb ein Job, der keine hohen technischen Anforderungen hat, also keine hohe Ausbildung erfordert oder so, den man am ehesten durch einen Roboter wird ersetzen können. Aber man muss sich schon die Frage stellen, will ich das denn? Will ich denn genau diesen Job ersetzen oder ist es nicht eigentlich viel schöner, wenn ich ins Hotel komme und werde von einem Männchen begrüßt anstatt von einem Roboter? Also ich glaube, da werden wir auch noch uns mal Gedanken darüber machen müssen. Also es ist, es scheint ja so eine Entwicklung zu geben oder scheint so zu sein, dass man in erster Linie die, die sozusagen die, die Niedriglöhner, dass man die ersetzen will durch Roboter.

Viel mehr einsparen könnte man natürlich, wenn man jetzt, sagen wir mal so ein CEO eines, einer großen Bank oder so ersetzen würde durch einen Roboter. Ich weiß nicht, wie man das gestalten könnte, aber das wäre ja, sagen wir mal aus wirtschaftlichen Überlegungen, wäre das ja wesentlich attraktiver. Der Bank-CEO, der verdient zig Millionen, der kriegt wahrscheinlich auch noch einen dicken Bonus, macht vielleicht noch irgendwelche Nebengeschäfte, die nicht so ganz astrein sind.

Das macht der Roboter alles nicht. Der Roboter, den zahlt man einmal, dann nie wieder und dann hat er nur noch Betriebskosten. Also ich glaube, auch das ist eine Diskussion, die hat man gar nicht eingesetzt.

Will man eigentlich die Niedriglöhner ersetzen oder gibt es nicht andere Überlegungen, das mit dem, das Robotergeschäft ganz anders aufzuziehen? Also wir sind ja gerade im ERP-Umfeld an vielen Stellen über die Integration ja per se sehr stark in der Automatisierung. Da taucht dann noch nicht mal der Roboter auf. Aber ihr habt ja auch ein Kapitel über über Cyber-physische Systeme geschrieben, Thema Smart ERP, wo ich euch auch völlig zustimme, dass ERP-Systeme in der Zukunft wahrscheinlich sehr, sehr viel weniger monolithisch sein werden.

Also nicht technisch monolithisch, sondern monolithisch in der Betriebswirtschaft, die gekapselt ist und dass die Geschäftsmodelle eigentlich auch die zukünftigen Geschäftsmodelle erfordern, dass man nur Teile der BWL punktuell zur Verfügung stellt. Ja, also das ist so dieser Bereich Smart ERP-Systems oder Cyber-Physical Production Systems, wo ich eben konkret an Produktion denke und wo ich so im Sinne von Industrie 4.0 daran denke, die unterschiedlichsten Komponenten intelligent zu machen und eben auch dafür zu sorgen, dass die angemessen zusammenspielen können. Also ich achte heute bei allen Auswahlprojekten immer darauf, dass es möglich ist, neue Dinge, neue Portale auf Basis der darunterliegenden ERP-Betriebswirtschaft aufzubauen, weil ich heute schon glaube, dass wir mit diesem alten Ansatz aus den 90er Jahren gekapseltes ERP-System, gekapselte BWL zukünftig überhaupt nicht existieren können in unseren Geschäftsmodellen.

Definitiv. Definitiv. Also die Systeme werden immer mehr miteinander reden müssen und möglicherweise in Zukunft untereinander aushandeln müssen, in welcher Weise sie interagieren wollen oder welche Informationen sie austauschen wollen und wie sie dann sozusagen zu einem Produktionsprozess oder sowas beitragen wollen.

Aber im Grunde sind das natürlich auch Überlegungen, die sind schon alt. Denn ich meine über, ich sag mal, das Stichwort Agentensysteme ist im Grunde ein alter Hut. Künstliche Intelligenz, 80er Jahre.

Ja, künstliche Intelligenz ist im Grunde auch ein alter Hut und künstliche Intelligenz ist aus meiner Sicht ein Bereich der Informatik, der jahrelang zu viel versprochen hat. Und wenn man in den 80er Jahren mal geguckt hat, was uns die KI für das Jahr 2000 versprochen hat und was sie davon halten konnten, das ist verdammt dünn. Im Jahr 2000 war man gerade so bei Roboterfußball, da konnte man in so einem kleinen auf den Tisch, konnte man ein paar Roboter stellen, die ein bisschen Fußball gegeneinander kickten.

Mehr war da nicht. Das hat sich erst geändert, als die KI so vor etwa 10, 15 Jahren angefangen hat, so von diesem, ja sozusagen von dem Verlangen, alles irgendwie symbolisch repräsentieren zu können, abgewandt hat und plötzlich die Statistik entdeckt hat und plötzlich sich auf statistische Methoden besonnen hat. Und dann, dann ging es ab, seitdem erleben wir eben sozusagen einen Durchbruch nach dem anderen.

Das hat man mit Watson zum ersten Mal demonstriert und davon gibt es eben mittlerweile ganz viele, sozusagen Folge, Erfolge und eben auch eine ganze Reihe von neuen Entwicklungen und insbesondere auch Einsatzbereichen. Also mittlerweile kann man sagen, hat die KI einen Stand erreicht, nachdem sie sich sozusagen auf ein Umschwenken ihres Paradigmas besonnen hat, dann ging es plötzlich. Aber die KI hat 30 Jahre lang Dinge versprochen, die sie nie gehalten hat.

Ja, wir sehen, dass sich das eigentlich permanent verändert. Und ich frage dich jetzt auch als Universitätsprofessor, gibt es weiterführende Informationsquellen, weiterführende Bücher, die du zu den Themenbereichen empfehlen kannst? Den vorhin schon angesprochenen Thomas Friedman, den werden wir natürlich in unseren Shownotes verlinken. Darüber hinaus? Ja, es gibt eine ganze Reihe von Büchern.

Das ist immer die Frage, wie technisch man sein will. Also will man sozusagen die Technik verstehen, die da hinterliegt oder will man es eher von einer Anwenderseite sehen? Also es gibt von Viktor Meyer-Schönberger dieses berühmte Big Data Buch. Das ist sicherlich eins, wo man vieles drüber entnehmen kann, was uns so bevorsteht.

Ich bin ein großer Fan von Christoph Käse. Der hat ja einerseits vor zwei Jahren den Bessler geschrieben, Silicon Valley. Und das ist sozusagen ein Erfahrungsbericht über die Führungsmannschaft des Springer Verlags, die ein halbes Jahr ins Silicon Valley gezogen ist, um zu verstehen, wie die ticken da, was da so abgeht, was so die Entwicklungen sind und sich dann zu überlegen, wie könnte man das auf einen Konzern wie den Springer Verlag, wie könnte man das darauf übertragen, die dann zurückgekommen sind und einiges neu gemacht haben.

Und Christoph Käse hat letztes Jahr den deutschen Wirtschaftsbuchpreis bekommen für das Silicon Germany. Also er hat jetzt gesagt, er hat ein zweites Buch geschrieben, gesagt, was müssten wir eigentlich in Deutschland tun, um die digitale Transformation zu schaffen? Unter anderem beschreibt er darin so eine ganze Reihe von Zukunftsszenarios. Also man braucht sich nur mal das Kapitel über die autonomen Autos durchzulesen.

Dann kriegt man so eine gewisse Vorstellung davon, wie es in Zukunft aussehen könnte. Aber man muss eben sagen, es sind natürlich alles Visionen. Ob das so kommt, weiß man nicht so genau.

Vieles davon sieht heute wahrscheinlich aus. Aber ob es genau so kommt oder dann doch irgendwie anders hängt, unter anderem von dem, was ich sagte, nehme ich der nächsten technologischen Erfindung ab. Jetzt hast du das Stichwort digitale Transformation genannt.

Vielleicht eine abschließende Frage an dich. Du bist ja auch Hochschuldozent, Lehrer. Wie wird sich dein Berufsfeld nicht nur in der Forschung, sondern eben auch in der Lehre in den nächsten zehn Jahren, Stichwort digitale Transformation, verändern? Also das ist eine Frage, die finde ich immer schwerer zu beantworten.

Wir haben in den letzten Jahren eine Reihe von Impulsen zur Veränderung der Lehre bekommen, nicht zuletzt durch die insbesondere ausländischen Akkreditierungsagenturen. Wir haben uns ja hier gerade in Münster auch einer internationalen Akkreditierung unterzogen. Wir haben dabei als Fakultät viel gelernt und haben dabei auch vieles verändert.

Und wir sind aufgefordert. Ich habe mich neulich mit diesem Papier Hochschule 4.0 von August-Willem Scheer mal beschäftigt. Ich war eingeladen in Vietnam, darüber mal einen Vortrag zu erhalten, habe mal so ein bisschen aufgearbeitet in dem Zusammenhang, was Hochschulen alles so machen.

Es wird ja oft kritisiert, dass unsere Hörsäle so von 1920 sind oder so und dass sich da immer noch nicht viel geändert hat. Ich muss sagen, Hochschulen experimentieren heutzutage mit sehr vielen, auch mit neuen Techniken. Aber wir stehen vor dem Problem, dass immer weniger unserer Anfänger tatsächlich studierfähig sind.

Ich weiß nicht, ob das ein Ministerialproblem ist. Ich glaube nicht. Ich glaube, viele andere haben das auch.

Wir müssen einfach beobachten, dass wir heute viele 17-Jährige an die Hochschule bekommen, so im ersten Semester, die völlig unvorbereitet darauf sind, welches Fach sie da eigentlich studieren möchten langfristig. Das führt dazu, dass man hohe Abbrecherquoten hat. Das führt dazu, dass viele Leute lustlos da sitzen und dann schon nach kurzer Zeit einfach nicht mehr in die Vorlesung gehen.

Ob die Vorlesung, die klassische Vorlesung, immer noch das richtige Kommunikationsmedium ist, sei mal dahingestellt. Aber man verliert einfach die Lust, dahin zu gehen als Student. Und das hängt natürlich auch mit der schon erwähnten Aufmerksamkeitsspanne zusammen.

Wenn meine durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne acht Sekunden ist, dann habe ich natürlich mit einer 90-minütigen Veranstaltung enorme Probleme. Und das ist ein Bereich, wo wir eigentlich laufend nach neuen Lösungen suchen, nach neuen Ansätzen, womit wir uns laufend beschäftigen. Und ich halte das für ein schwieriges Problem.

Und das wird in den nächsten Jahren nicht unbedingt einfacher. Gibt es Lösungsansätze aus deiner Sicht? Also ich glaube, Lösungsansätze müssten zunächst mal gucken, wie andere Länder das so machen, die ja zum Teil da ganz erfolgreich sind. Also wenn man sich anguckt, wer so bei den PISA-Studien so vorneweg ist, dann reicht es ja nicht zu sagen, naja, wir sind bestenfalls in Mittelfeld, sondern dann wäre aus meiner Sicht eine Konsequenz, dass man sagt, dann gucken wir uns doch mal an, was die Finnen anders machen als wir, wenn sie schon so viele Plätze vor uns liegen.

Und dann gucken wir uns doch mal an, was die so für Lehrpläne haben, wie die das so aufziehen, wie das Betreuungsverhältnis an Schulen ist oder so. Aber wenn ich mir dann vor Augen halte, heute reden viele davon, dass sozusagen Programmieren, also der Umgang mit dem Computer, dass das so eine vierte Kulturtechnik sein soll. Und wenn ich dann sehe, in einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, jahrzehntelang SPD regiert, ist Informatik noch nicht mal ein durchgängiges Schulfach, dann muss ich sagen, da stimmt ja was nicht.

Also ich will jetzt keine Lanze für die Informatik brechen, aber wenn ich das auf der einen Seite als Kulturtechnik empfinde oder von zunehmender Bedeutung und auf der anderen Seite nichts dafür tue, dass jeder die Chance hat, das in irgendeiner Weise vernünftig zu lernen, dann muss ich sagen, dann ist das ein politisches Problem. Und uns sind in vielen Dingen einfach die Hände gebunden. Wenn wir jetzt gerade in Münster oder auch in Nordrhein-Westfalen, andere Hochschulen haben das gleiche Problem, wenn wir zum Beispiel Anwesenheitspflicht abgeschafft bekommen.

Das ist vor zwei oder drei Jahren so passiert. Das heißt, man braucht, man kann für nichts mehr von einem Studenten verlangen, dass er anwesend ist. Es sei denn, die Veranstaltung ist unmittelbar prüfungsrelevant.

Das heißt im Klartext, wenn jemand an einem Seminar teilnimmt, wo reihum Vorträge gehalten werden zu einem bestimmten Thema, dann braucht der Student nur zum eigenen Vortrag anwesend zu sein und braucht sonst überhaupt nicht zu kommen. Das kann nicht der Sinn eines Seminars sein, wo man sich gemeinsam ein bestimmtes Thema erarbeitet, insbesondere auch durch Diskussionen oder durch Arbeitsgruppen oder durch intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Thema, was ganz wesentlich vom Austausch lebt. Wenn Einzelne dann nur zum eigenen Vortrag erscheinen und man sie nicht mal, dass das sonstige Fehlen nicht mal mehr sanktionieren kann.

Ja, dann gehen mir langsam die Ideen aus, was ich denn da noch machen kann. Dann muss ich sagen, dann zeichnen wir es auf, stellen es ins Web und ob sich die Leute das dann angucken oder nicht, das ist ihnen dann selber überlassen. Aber das kann es nicht sein.

Das ist nicht mein Anspruch, den ich an die Ausbildung habe. Wir werden auch weiterhin an der Ausbildung arbeiten. Ich nehme so ein bisschen, digital ist gut, aber nur digital wird sicherlich nicht zum Ziel führen.

Vielleicht ist das ja auch ein versöhnlicher Ausblick auf, was die Hochschulen in der Zukunft, Stichwort digitale Transformation, zu steuern werden. Lieber Gottfried, ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass du als Professor bei den vielen Verpflichtungen, die die Zeit hierfür genommen hast.

Wie immer, die letzten Worte sind deine. Ja, vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Es hat mir Spaß gemacht.

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere dann doch hinsichtlich der Digitalisierung etwas nachdenklich würde. Reine Euphorie für dieses Gebiet ist gut, aber kann nicht das Gesamte sein. Man muss sich auch mit diesen Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Man sollte auch partizipieren. Man sollte sich diesen Entwicklungen nicht verschließen.

Aber es hat noch nie geschadet, wenn der gesunde Menschenverstand sich ab und zu einschaltet und dann sagt, wir überlegen auch mal einen Moment kritisch, was es mit diesen neuen Entwicklungen auf sich hat und wie wir damit umgehen können und sollen. Herzlichen Dank. Ja, ich danke auch.

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Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.