Vielleicht sind auch in Ihrem Unternehmen viele Cloud-Dienste wie Dropbox, icloud oder Office365 im Einsatz. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Dienste führt auch im Umfeld betriebswirtschaftlicher Unternehmenssoftware dazu, dass zahlreiche Anbieter ERP, CRM und andere Lösungen in die Cloud bringen wollen. Ist das für Ihr Unternehmen wirklich sinnvoll? In den Medien werden insbesondere die positiven Aspekte von Cloud-ERP & Co. herausgestellt. In dieser Folge möchte ich Ihnen gemeinsam mit Timur Kücük vom ERP-Hersteller IAS aber auch die andere Seite der Diskussion aufzeigen. Sind Cloud-ERP-Systeme für Sie wirklich sicherer, schneller, sparsamer, …?
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 36 Wer klaut meine Daten? Eine kritische Diskussion des Einsatzes von Cloud ERP mit Timur Kücük, Vertriebsleiter der IAS GmbH. Vielleicht sind auch in Ihrem Unternehmen viele Cloud-Dienste wie Dropbox, iCloud oder Office 365 im Einsatz. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Dienste führt auch im Umfeld betriebswirtschaftlicher Unternehmenssoftware dazu, dass zahlreiche Anbieter ERP, CRM und andere Lösungen in die Cloud bringen wollen.
Ist das für Ihr Unternehmen wirklich sinnvoll? In den Medien werden insbesondere die positiven Aspekte von Cloud ERP und Co. herausgestellt. In dieser Folge möchte ich Ihnen gemeinsam mit Timur Kücük vom ERP-Hersteller IAS aber auch die andere Seite der Diskussion aufzeigen.
Sind Cloud ERP-Systeme für Sie wirklich sicherer, schneller, sparsamer? Viel Vergnügen, Ihr Axel Winkelmann. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, liebe Hörer des ERP-Podcast, herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Wir gehen schlank auf die 40 Folgen, die wir in den letzten Wochen und Monaten produzieren, zu.
Und ich freue mich heute auch wieder, einen interessanten Gast da zu haben. Das Thema unserer heutigen Sendung geht so ein bisschen um das momentane Halbthema Cloud und ERP oder Cloud und Unternehmenssoftware. Ich weiß, dass hier sehr viel, gerade aus den Marketingabteilungen, auch sehr Positives rübergetragen wird.
Aber ich möchte auch gerne noch mal das ein oder andere Bedenkenswerte mit in diese Diskussion reinbringen. Und ich habe mir heute jemanden eingeladen, der als Vertriebsleiter eines ERP-Hauses, denke ich, einiges dazu sagen kann. Ich begrüße ganz herzlich Herrn Timur Kücük von der IAS GmbH aus Karlsruhe, einem der bekannten deutschen ERP-Softwarehersteller.
Herr Kücük, herzlich willkommen bei uns im ERP-Podcast. Guten Morgen, Herr Prof. Winkelmann. Ja, schön, dass es geklappt hat.
Vielleicht können Sie sich zunächst mal vorstellen, wer ist der Mensch Timur Kücük? Ja, also wer ist der Mensch Timur Kücük? Ja, den Namen haben Sie jetzt schon gehört. Klingt ein bisschen ausländisch. Ich habe türkische Wurzeln und bin aber in Deutschland geboren, das heißt 1977 in Heidelberg geboren und habe auch den größten Teil meines Lebens in Walldorf verbracht.
Walldorf sagt bestimmt einigen von Ihnen was, da wo die SAP herkommt. Und habe in Mannheim studiert, bin Diplom Wirtschaftsinformatiker und habe eigentlich sehr schnell nach meinem Studium bei der IAS angefangen. Das war 2004, 2005.
Und habe dort als Junior-Consultant erstmal begonnen und habe also dort meine Beratungserfahrungen gesammelt. Bin dann irgendwann Senior-Consultant geworden. Danach habe ich Projekte übernommen und Projektleitungen gemacht und bin dann irgendwann in den Vertrieb reingerutscht, in Anführungszeichen, da unser Unternehmen, unsere Geschäftsführung der Ansicht war, dass der Vertrieb, der das Produkt dann am Ende des Tages an den Mann bringen soll, auch ein bisschen was über das Produkt wissen sollte und schon den Vertriebsprozess eigentlich den potenziellen Kunden auch beraten kann.
So bin ich eigentlich jetzt Vertriebsleiter geworden. Seit 2011 bin ich Vertriebsleiter hier in dem Haus und machen gerade sehr, sehr erfolgreich, verbreiten wir unser Produkt hier in Deutschland und weltweit. Mögen Sie ein bisschen was generell zur Industrial Software Application, zur IAS GmbH sagen? Ja, also die IAS GmbH ist 1989 in Karlsruhe gegründet worden.
Also das Gründungsstandort ist Karlsruhe. Damals waren wir noch im SAP Beratungshaus. 1993, ja das war glaube ich 1993, haben wir unsere eigene Software dann an den Markt geführt.
Das heißt neben der SAP Beratung hat der Gesellschaft auch angefangen eine eigene Software zu entwickeln und hat diese Software dann 1993 an den Markt geführt. Kurz vor der Jahrtausendwende haben wir angefangen auch weitere Niederlassungen in der Türkei aufzumachen, um die Entwicklungsabteilung auch dorthin zu verlagern, da die Entwicklung natürlich dort um einiges günstiger ist als in Deutschland, wobei man aber auch sagen muss, die Qualität sehr hoch ist. Also da hat er wirklich eine gute Entscheidung getroffen zu dem Zeitpunkt.
Und in den 2000er Jahren haben wir angefangen mit unserer eigenen Programmiersprache zu programmieren. Das ist auch ein Novum, das macht auch nicht jeder. Es gibt glaube ich zwei weitere, die das machen.
Das ist einmal die SAP und einmal, soweit ich weiß, ist es Oracle, die eine eigene Programmiersprache haben. Und das ist auch ein großer Vorteil, den man später vielleicht noch ein bisschen erörtern kann. Und so ging das halt immer weiter.
Wir sind immer schön gut gewachsen und haben dann auch Partnerschaften in anderen Ländern gemacht. Und die letzte Partnerschaft, die wir jetzt angegangen sind, ist in Südkorea. Da ist ein sehr großer Partner zu uns gewechselt und vertreiben jetzt auch unsere Software in Südkorea.
Also wir sind schon sehr gut international aufgestellt und versuchen eben mit unserer Software den gesamten Weltmarkt eigentlich aufzudecken. Ihre Software, die Sie seit 1993 weiterentwickeln, modernisieren, betriebswirtschaftlich vorantreiben, heißt Carnias. Vielleicht können Sie uns ein bisschen was zu dem ERP-System sagen.
Vielleicht auch zur Zielgruppe und dem Mengenskelett. Ja, also die Software, wie gesagt, ist seit 1993 auf dem Markt. Unser Hauptfokus ist eigentlich der deutsche Mittelstand.
Und von der Größenordnung her haben wir Unternehmen in unserem Portfolio, die von fünf User-Anwender haben bis zu 600, 700 Anwender an unserem ERP-System. Das heißt, die Skalierbarkeit ist eigentlich sehr gut und ist auch für kleinste bis auch große Unternehmen skalierbar. Wobei wir aber sagen, unser Hauptfokus ist eigentlich der deutsche Mittelstand.
Das ist so, also wenn man es in User-Zahlen, als Benutzer-Zahlen ausdrücken möchte, das sind ungefähr von 50 bis 100 Usern. Das ist eigentlich der Hauptmarkt, den wir eigentlich fokussieren. Von der Branchen-Spezifikation her versuchen wir eigentlich, soweit es geht, branchenunabhängig zu sein.
Das hat folgenden Hintergrund. Wir versuchen halt auch, Synergien zwischen den Branchen herzustellen. Als Beispiel kann ich Ihnen mal ein kleines Beispiel nennen, was wir im Portfolio haben.
Das sind zum Beispiel Kunden aus der Textilbranche und Kunden aus der Stahlverarbeitung, Coilverarbeitung. Jetzt denkt man sich natürlich, das ist ja komplett was unterschiedliches. Was haben die denn gemeinsam? Eigentlich ist der Prozess, den beide haben, fast identisch.
Ob Sie jetzt Stoff in Bahnen rollen oder Stahl in Bahnen rollen, am Ende des Tages ist der Prozess im ERP-System fast identisch. Und da entstehen natürlich auch unter Umständen Synergien, die man von einem Unternehmen ins andere tragen kann. Und deswegen versuchen wir uns nicht auf eine spezifische Branche zu fixieren, sondern wir versuchen eben auch das Wissen, das wir in anderen Branchen erworben haben, auch in weitere Branchen zu tragen.
Und ein weiterer Grund ist, warum wir eben diese Branchenunabhängigkeit machen, ist, es klingt für mich immer so ein bisschen überheblich, wenn ich meinem Kunden sage, pass mal auf, ich kenne deine Prozesse besser als du. Ich habe einen Standard und bitte passt dich an den an. Das klappt im Mittelstand sehr, sehr selten.
Weil wenn ich seine Prozesse besser können würde als er, dann würde ich sein Geschäft machen und nicht er. Und deswegen versuchen wir das eben auch unabhängig zu machen. Wir sind nicht kein, in dem Sinne, ein Beratungshaus wie, keine Ahnung, PricewaterhouseCoopers oder irgendein anderes großes Beratungshaus, sondern wir sind eigentlich ERP-Anbieter.
Deswegen versuchen wir eben unser ERP so flexibel wie möglich zu gestalten und eben dementsprechend auch den Markt auch offen zu gestalten. Wie viele Anwendungsunternehmen, wie viele Anwender sind auf Ihrem System? Also Anwender, einzelne Anwender kann ich Ihnen jetzt nicht ganz genau sagen. Also wir haben knapp 700 Kunden weltweit und Anwender werden irgendwo bei 10.000, 15.000 Anwender sein.
Und wie viele Mitarbeiter haben Sie im Haus? In Deutschland sind wir knapp 40 Mitarbeiter an drei Standorten verteilt. Weltweit sind wir bei knapp 250 Mitarbeitern. Sie hatten gesagt, Zielgruppe Unternehmen mit 50 bis 100 Usern.
Sie meinen damit vermutlich concurrent User, also gleichzeitige Nutzer. Genau, genau, genau. Gut, jetzt haben wir gesagt, wir wollen das heute mal so ein bisschen nutzen, um über das Thema Cloud nochmal zu sprechen.
Vielleicht muss ich vorweg nochmal schicken, die Softwareindustrie neigt ja immer so ein bisschen zu Buzzword Bingo. Also jeder hat seine eigenen Begriffe und jeder versteht unter den Begriffen auch ein bisschen etwas anderes. Vielleicht können Sie mal kurz sagen, was Sie unter einem Cloud ERP System auch verstehen.
Also eigentlich ist ja Cloud ERP, also ich will es jetzt nicht so brutal sagen, alter Wein in neuen Schläuchen. Eigentlich ist es ja nichts anderes wie ASP. Also das heißt, wir bieten ein Produkt an, das irgendwo zentral installiert ist und Menschen, die dieses Produkt nutzen wollen, greifen von außen, ohne eine Installation bei sich auf dem Rechner auszuführen, auf diese Systeme zu und arbeiten mit diesen Systemen.
Das haben wir schon seit 2006, machen wir das schon. Das heißt, diesen Hype um dieses Thema Cloud konnte ich nie so richtig verstehen, weil, wie gesagt, wir haben Kunden, die seit knapp 15, 16 Jahren die Software bei uns installiert haben und von draußen auf die Software zugreifen und eben damit arbeiten. Die Thematik mit dem Cloud, was jetzt noch zusätzlich dazu gekommen ist, ist eben diese Standardisierung.
Das heißt, wir haben standardisierte Produkte, die wir in die Cloud reinstellen und von außen eben zugreifen können. Da werden wir bestimmt gleich nochmal drauf zu sprechen kommen, dass eben so ein ERP System meistens im Mittelstand nicht sehr standardisierbar ist, aber das werden wir dann gleich wahrscheinlich nochmal erörtern. Jetzt ist oder den mittelständischen potenziellen Kunden werden eine Reihe von Vorteilen genannt, die sich mit einem System, was nicht mehr beim Kunden, also On-Premise befindet, sondern letztendlich Off-Premise in irgendeinem Rechenzentrum in der Cloud befindet, genannt.
Können Sie mal so ein paar Vorteile nennen, die vielleicht Cloud potenziellerweise haben mag? Ja, also ich werde jetzt ein paar Vorteile nennen, die so in der Luft schweben. Wir werden uns die Vorteile aber dann gleich nochmal genauer angucken. Meistens ist es so, dass die sagen, es ist günstiger.
Das ist der eine Punkt. Man hat keine Administration mehr von den Servern. Die hat man nicht selber irgendwo stehen, sondern die sind im Rechenzentrum.
Dann gibt es die Aussage noch, wenn Aktualisierungen oder ein Wechsel kommt, geht das viel schneller vonstatten. Das sind so eigentlich die Punkte, die immer genannt werden und womit man eben auch dieses Cloud Computing beziehungsweise diese Cloud Architektur eben den Leuten schmackhaft machen will. Wobei ich eben mir das auch mal angeguckt habe.
Also wir machen das ja auch am Ende des Tages, weil der Markt verlangt das ja. Die sagen ja, wir hätten gerne Cloud Lösungen. Dann haben wir gesagt, gut, dann machen wir das genauso.
Wie gesagt, wir machen das ja schon Ewigkeiten. Und wenn man sich jetzt das Preisgefüge mal anguckt, dann sieht man, es gibt Anbieter, die haben Preise von 50 Euro pro User. Das ist dann wirklich eine ganz, ganz schmale Version von dem ERP-System bis 300 Euro pro User und pro Monat.
Wenn man sich das jetzt überlegt, was sind denn die Kosten eigentlich, die wirklich dahinter liegen? Das ist einmal die Server-Architektur, die man natürlich zur Verfügung stellen muss. Das wird im Rechenzentrum irgendwo gemacht. Wenn man sich da die Preise anguckt, gibt es auch unterschiedlichste Preisstufen und die Software.
Wenn wir uns jetzt nur mal den Software-Anteil angucken, also was die Software kostet. Wenn Sie bei uns zum Beispiel in Kanias ERP ein sehr umfängliches Modulportfolio sich bestellen, liegen Sie irgendwo bei, ich sage es mal jetzt, 1.800 Euro pro User. Und da sind Sie aber sehr gut dabei.
Da ist ein CRM drin, da ist Vertriebsmodule drin, da ist Einkauf drin, Produktion, Finanzbuchhaltung. Also alles, was man eigentlich so braucht. Da sind Sie mit 1.800 Euro dabei.
Wenn man sich jetzt im Markt das anguckt, da sind dann Anbieter, die sagen dann, ja, für so ein Portfolio brauche ich, keine Ahnung, 99,95 Euro. Das ist jetzt aus der Luft gegriffen, dieser Preis. Wenn man sich das jetzt runterrechnet, ist man eigentlich, nach 18 Monaten hat man eigentlich die Software gekauft.
Ist eigentlich dann, wäre, wenn ich es finanziert hätte oder wenn ich es jetzt gekauft hätte, wäre das Ding nach 18 Monaten meins. Und diese Suggestion, dass die Leute haben, ich könnte, wenn ich in der Cloud drin bin, sofort wieder woanders hinwechseln. Da kann ich wieder ganz schnell raus und mir irgendwo anders hingehen, ist immer so ein Trugschluss.
Ich bleibe eben nochmal bei der Zahl, weil jetzt ist es natürlich so, dass Sie ja nie nur einmalig eine Lizenz erwerben für Software, sondern Sie haben ja typischerweise, gerade im ERP-Umfeld, noch eine Wartungsgebühr im Jahr. Und Sie haben natürlich auch die Rechenzentrumskapazität, also die Abschreibung der Hardware, den Cashflow aus der Anschaffung der Hardware. Und entsprechend natürlich auch den Arbeitsaufwand.
Würden Sie trotzdem sagen, es rechnet sich? Ich würde sagen, es rechnet sich. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das mit ERP-Verkauf Geld verdient. Und jetzt kommt er auf die Idee und sagt, ich möchte jetzt auf einmal weniger Geld verdienen.
Gibt es so etwas? Also der ERP-Anbieter wäre doch eher auf dem falschen Fuß erwischt. Also er wird ja etwas Falsches machen, wenn er sagen würde, ich mache jetzt ein neues Geschäftsmodell auf, womit ich später weniger Geld verdiene. Also deswegen ist die Thematik, also man muss sich wirklich genau überlegen, ist genau so.
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen oder mieten ein Haus. Sie mieten ein Haus und bezahlen dort permanent Miete. Jetzt gibt es natürlich die Option, ein Haus auch zu kaufen.
Wenn man jetzt als Argument vorführt und sagt, ich miete das Haus nur deswegen, weil ich die Flexibilität haben möchte, schnell wieder woanders hinzuziehen, ist das eigentlich das falsche Argument. Oder wenn man eben das Gefühl hat, ich möchte die Flexibilität deswegen haben, weil eventuell mein ERP-Anbieter nicht der richtige ist. Ist es doch so, dann habe ich doch die Entscheidung falsch getroffen.
Das heißt, der Umzug wird Geld kosten, das Neustreichen des Hauses wird Geld kosten. Also man kann sich das wirklich genauso wie so eine Miete vorstellen. So eine Hausmiete entspricht eigentlich auch fast genauso wie dem mit dem Klaus.
Ich bin der Meinung, ich habe auch eben diese Rechenbeispiele auch schon ein paar Mal durchgespielt, also ein Kauf einer ERP-Software rechnet sich am Ende des Tages für den Endanwender. Ich greife das Argument nochmal auf. Sie haben gesagt, man zieht in das Haus ein, man zieht aus dem Haus wieder aus, wenn einem der Vermieter nicht mehr passt, wenn das Haus in die Jahre kommt, wenn das Haus nicht mehr zur Familiengröße passt, was auch immer.
Das kann ich ja alles übertragen auf das Unternehmen. Aber ich glaube, der springende Punkt ist doch eigentlich, dass ich innerhalb von wenigen Tagen, ich abstrahiere jetzt mal von dem Aufwand eines Umzuges, in das Haus eingezogen bin und auch aus dem Haus wieder ausgezogen bin. Wie lange dauert denn typischerweise im ERP-Markt die Einführung eines ERP-Systems? Und damit meine ich ja nicht nur, ich nutze die Software, sondern auch der organisatorische Überbau, das Verändern der Stammdaten und so weiter und so fort und dann auch die Migration.
Ja, das müssen Sie aber in der Cloud ja auch machen. Das heißt, Sie können ja nicht einfach sagen, ich wechsle jetzt von einer Cloud in die nächste Cloud, also von einem Cloud-Anbieter in den nächsten. Die Daten müssen ja auch migriert werden.
Und die Thematik ist halt immer folgende, was passiert denn, wenn Ihr Vertrag ausläuft? Also Sie haben jetzt Ihr Cloud-Vertrag ausgelaufen, kommen Sie danach noch an Ihre Daten dran oder müssen Sie zwangsweise weiterhin in der Cloud den Vertrag weiterlaufen lassen, damit Sie überhaupt in Ihre Daten dran kommen? Also wie ist die Vertragsgestaltung? Das ist ein sehr, sehr komplexes Werk, was man sich da genau angucken muss. Auch wenn Sie ein ERP-System kaufen, haben Sie recht, müssen Sie natürlich auch diese Umzugskosten tragen. Sie müssen natürlich Ihre User schulen.
Das müssen Sie in der Cloud auch machen. Das heißt, es ist ja nicht so, dass Sie jetzt einfach sagen, ich melde mich in der Cloud an und fatz, funktioniert alles. Da sind auch Dienstleistungen dahinter, die Sie auch bezahlen müssen.
Da gibt es auch Dienstleistungen, die im Nachhinein noch kommen werden. Auch bei einem Umzug ist es nicht einfach so getan, dass Sie sagen, ich bin jetzt mal von, keine Ahnung, der einen Cloud in die nächste rüber gesprungen. So einfach wird es nicht sein.
Vielleicht können wir den Zuhörern mal so aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz eine Zahl vor die Füße werfen. Also nehmen wir mal an, ich bin so ein Mittelständler. Ich habe 100 Mitarbeiter.
Davon sind vielleicht 40, 50 mehr oder weniger häufig im Software-System eingeloggt, nutzen das System. Und ich möchte jetzt genauso ein ERP-System einführen. Ich mache meine Vertragsunterschrift mit dem Hersteller.
Also ich nehme die ganze Zeit, die vorher ist, schon mal raus. Mich würde jetzt interessieren oder sicherlich auch unsere Zuhörer, wie lange ist das von diesem Zeitpunkt, wo wir bei der Handshake gemacht haben, im Durchschnitt, bis das System bei mir auch tatsächlich, und zwar ganz operativ, auch von den Mitarbeitern genutzt wird. Also mit Schulung und so weiter.
Also es kommt ja immer darauf an, das muss ich jetzt vorwegnehmen, wie die Komplexität natürlich ist. Also gehen wir mal von einem ganz einfachen Projekt aus. Wir sagen, der Kunde braucht auch keinerlei in keinster Weise eine Anpassung auf seine Prozesse im ERP-System.
Das ist ein Standardprodukt, ein Standardsystem. Da kann man sich eben in fünf, sechs, sieben, acht Tagen die Schulung machen, je nach dem Modulumfang. Die Datenmigration, die dauert meistens, ist eigentlich der größte Brocken, den man da mit berücksichtigen muss.
Gehen wir mal davon aus, wenn man nur die Stammdaten, Artikelstamm, Kundenstamm mal übernimmt, dann sind wir mit zehn Tagen da, dann zehn Tage Schulung und dann sind sie nach 20 Tagen operativ einsatzfähig. Also das ist nicht das Thema. Das ist ja auch für den Mittelstand, glaube ich, nicht die große Herausforderung, ein Standard-ERP-System einzuführen, sondern die Herausforderung beginnt damit, dass ich eigentlich kaum ein Mittelstandsunternehmen kenne, was eine Standardsoftware verwendet.
Also es gibt kaum irgendeine. Also wie immer auch bei Unternehmen, wo eben nicht unsere Lösungen, sondern andere Lösungen verwenden, heißt es immer ja, wir haben sehr viel anpassen lassen. Und das spätestens da wird es auch wiederum eine Thematik, die man sich berücksichtigen, die man sich angucken muss.
Wie ist das denn in der Cloud? Normalerweise sind in der Cloud eben nur standardisierte Produkte. Eine Individualisierung des Produktes ist in der Cloud kaum möglich, weil das ist ja eigentlich auch der Sinn von dieser Cloud. Und deswegen glaube ich, dass ERP-Systeme in der Cloud für den Mittelstand vorerst, es mag sein, dass es in Zukunft ja diese technologischen Möglichkeiten vielleicht geben wird, vorerst eher ungeeignet.
Weil der Mittelstand, der deutsche Mittelstand ist deswegen so stark, weil der sich auch von anderen unterscheidet. Die haben nicht ihre Standardprozesse. Die haben bestimmte Prozesse, die sie über Jahre hinweg gemacht haben.
Über Jahre hinweg waren die damit erfolgreich. Und jetzt ist es eigentlich eher kontraproduktiv, darüber einen Standard zu stülpen und denen zu sagen, pass auf, deine Prozesse, die sind nix, du musst jetzt so arbeiten. Und deswegen ist es für einen Mittelständler auch schwierig, sich direkt an die Cloud anzupassen.
Wo die Cloud dann Sinn machen würde, ist zum Beispiel bei Startups, die selbst noch keine Prozesse haben, wo sie sagen, es wäre gut, wenn wir mit dem Standard mal anfassen und dann wachsen wir da rein. Und dann gucken wir, wie wir dann tatsächlich arbeiten müssen. Da wäre es eventuell sinnvoll, ja.
Okay. Ich greife nochmal Ihre Zahl auf. Sie haben jetzt eben in Summe gesagt, naja, man könnte eigentlich, wenn man alles so lassen würde, könnte man eigentlich in 20 Tagen so etwas eingestiehlt haben.
Ich möchte jetzt bei den Mittelständlern, die hier zuhören, natürlich auch keine falschen Erwartungen machen. Ja, natürlich. Das heißt ja auch, dass sie gerade über die externen Montage an Leistung sprechen.
Wir müssen da vielleicht auch nochmal den Faktor 2 oder 3 an internen Montagen dazurechnen, also aus den Fachabteilungen, aus der IT-Abteilung des Mittelständlers. Die haben ja auch nicht jeden Tag Zeit, das verzögert das Ganze dann natürlich nochmal. Und dann haben sie ja auch im Nachgang gesagt, ja, das ist jetzt nur mal der Fall, dass die Software wirklich, wir sagen dazu plain vanilla, vielleicht ein bisschen angepasst, also nackt eingeführt wird.
Aber das ist ja eigentlich nicht der Standard, sondern wenn wir dann mal alles zusammenrechnen mit den Anpassungen, mit den Prozessen, sind wir vielleicht eher bei 4 Monaten, 6 Monaten. Natürlich. Bei großen Unternehmen auch schon mal schnell ein Jahr oder zwei Jahre.
Natürlich. Also sie haben ja vorhin noch explizit ausgeschlossen, dass eben diese ganze Vorarbeit nicht da drin ist. Also sie haben ja vorhin auch noch, da gehören ja noch Analysen dazu, da gehören Feinkonzeptionen dazu, da gehört ein Pflichtnetz dazu und so weiter und so weiter.
Das haben wir ja vorhin ja ausgeschlossen. Wir haben ja gesagt, sobald wir jetzt starten können, in 20 Tagen sind sie damit durch. Weil das System ist ja schon da, das muss geschult werden, Daten müssen migriert werden.
Im Idealfall sagt der Kunde sogar noch, ja komm, Daten brauchst du nicht migrieren. Ich habe sowieso nur Daten, die unbrauchbar sind. Ich gebe die manuell ein, dann wird das sogar noch weniger.
Aber wie gesagt, das sind alles nur Werte, wo ich sage, das ist schon sehr, sehr, sehr sportlich und da muss wirklich alles passen. Ich denke, man sieht es auch daran, wie viel Individualisierung auch in so einem Standard-ERP-System ist. Wie viel Aufwand die Unternehmen eigentlich in Updates und Upgrades investieren.
Vielleicht schiebe ich mal dazu, das heißt ja Software, also weiche Ware. Und für den Geschäftsführer, den hemdsärmeligen mittelständischen Geschäftsführer, der aus dem Stahlbereich, aus dem Industriebereich kommt, aus dem Dienstleistungsbereich, was auch immer. Für den ist das gar nicht so verständlich, dass man jetzt die Unternehmensprozesse eigentlich nach dem System ausrichten sollte, weil es ist ja Software.
Genau, das ist ja genau die Herausforderung, mit der wir tagtäglich kämpfen. Wie ich vorhin im Eingang ein bisschen erwähnt habe, es ist ja so, dass wir eigentlich kaum eine Standard-Installation von irgendeinem Anbieter draußen haben. Weil wir haben immer mit Menschen zu tun und Menschen haben eine besondere Art und Weise, mit etwas umzugehen.
Die haben sich an etwas gewöhnt eventuell und das wollen sie wiederhaben. Das ist das eine. Das zweite ist, die haben sich an etwas gewöhnt und das ist auch noch sinnvoll, was die da machen.
Das heißt, ich kann ja dann nicht sagen, pass auf, der Vertriebsprozess sieht eigentlich so aus, du musst ab jetzt so arbeiten. Und er sagt mir, nee, ich arbeite seit 20 Jahren so und das ist erfolgreich. Also deswegen ist diese Individualisierung kaum zu unterbinden.
Und deswegen möchte ich meinem Kunden auch ungern sagen, pass auf, wir machen keine Individualisierung, sondern das ist ja die Stärke des Mittelstandes. Die sind ja individuell. Jedes Unternehmen ist anders und jedes Unternehmen arbeitet unter Umständen anders.
Wenn ich die Pfade gehen würde, die andere schon vor mir gegangen sind, dann komme ich nur so weit, wie der schon war. Weiter komme ich nicht. Deswegen ist das auch dieser große Vorteil, den unser Mittelstand hat.
Deswegen sind die so gut. Jetzt stelle ich mir vor, ich würde nicht ein System individuell nutzen. Ich gehe jetzt mal einfach nicht davon aus, dass ich das System so weit verbiege, dass ich eine Individualprogrammierung habe, dass es einfach nicht mehr releasefähig ist.
Das heißt, dass ich neue Updates von einem ERP-Hersteller gar nicht mehr auf meine Server aufspielen kann, in mein eigenes System im Anwendungsunternehmen einspielen kann. So weit gehe ich jetzt gar nicht, weil das ist glaube ich auch das, was keiner will. Das sind immer die Horrorszenarien natürlich auch.
Aber im Rahmen der Möglichkeiten möchte ich das System natürlich schon auf meine Prozesse anpassen. Wir sprechen immer von Parametrisierung, von Customizing an der Stelle. Damit kriege ich das System ja auch schon ziemlich weit nach links oder nach rechts angepasst.
Jetzt gehen wir mal davon aus, ich hätte das System nicht bei mir individuell nur für mein Anwendungsunternehmen auf dem Server, sondern ich wäre mit 10.000 anderen oder 1.000 oder 100 anderen Anwendungsunternehmen auf dem gleichen Server oder in der gleichen Serverfarm in der Cloud mit dem ERP-System. Ist es da überhaupt möglich, so dedizierte Anpassungen für jedes einzelne Anwendungsunternehmen zu fahren? Könnten sie machen, wenn sie eigentlich, also ich sage es mal so, am Ende des Tages weiß der Endanwender ja nicht tatsächlich, ob 10.000 Leute auf dem gleichen System arbeiten, das kann genauso gut eine Private Cloud sein. Das heißt, es ist eine eigene Installation für den Kunden, das merkt der ja gar nicht.
Das weiß der ja gar nicht, dass noch 10.000 andere darauf arbeiten. Also diese Möglichkeiten besteht natürlich. Wenn es um das Parametrisieren an sich nur geht, wäre das kein Problem, weil das ist ja auf der Applikationsebene gemacht.
Da können sie auch 10.000 von verschiedenen Kunden darauf laufen lassen und die können sich verschieden parametrisieren. Ein ganz einfaches Beispiel, das wären dann unterschiedliche Buchungskreise in einem System oder unterschiedliche Mandanten, je nachdem, welchen Begriff sie da verwenden wollen. Und die hätten natürlich ihr eigenes Customizing, das kann man natürlich darauf laufen lassen.
Das wäre nicht das Thema. Interessant wird es dann, auf welche Datenbanken greifen die so? Sind das die gleichen Datenbanken, sind das unterschiedliche Datenbanken, sind das auf unterschiedlichen Servern die Datenbanken? Das heißt, die Architektur, die dahinter liegt, die ist dann wirklich ausschlaggebend dafür, ob man das tatsächlich dann machen kann. Sobald aber Anpassungen, also wirklich programmtechnische Anpassungen gemacht werden, wo auch die Stärke von der Industrial Application Software ist, spätestens dann macht die Cloud weniger Sinn.
Da macht es eher Sinn, eine Private Cloud aufzusetzen. Das heißt, ich habe meinen Server irgendwo stehen und die Applikation, die da drauf läuft, läuft nur für mich. Und ich verbinde mich trotzdem von draußen auf diesen Server und habe auch genau die gleichen Vorteile, wo ich sage, ich habe jetzt keine eigene Serverarchitektur bei mir im Hause drin, das muss ich nicht verwalten.
Ich brauche keinen IT-Administrator, das wird alles außerhalb gemacht. Und wir haben auch eben diese Möglichkeit, dass man dann sagt, keine Ahnung, ich rede mal jetzt einfach so raus, dass man eben die Software vielleicht auch mieten kann. Dann haben sie fast die gleichen Vorteile, wie sie sie in der Cloud auch haben.
Ich bleibe mal bei der Cloud. Nein, anders. Wenn ich das in meinem Unternehmen habe, ich spreche öfter mit Unternehmen, die mir dann vorstöhnen, wie aufwendig es doch sein kann, eine neue Version, ein neues Update, vielleicht auch ein neues Upgrade des ERP-Herstellers in das eigene ERP-System, was man im Anwendungsunternehmen nutzt, einzuspielen.
Also der Extremfall, den ich gehört habe, war eigentlich, der Hersteller liefert einfach Einmal im Jahr eine große Version aus und das Anwendungsunternehmen braucht aber schon ein halbes Jahr, um diese neue Version durchzutesten, die Anwender darauf vorzubereiten und das Ganze letztendlich in den Produktivbetrieb einzuspielen. Ja, also das heißt, man ist eigentlich, wenn man die Software selber im Unternehmen, also das mag nicht der Normalfall sein, aber man ist eigentlich, wenn man die Software selber im Unternehmen einsetzt, gar nicht so scharf darauf, permanent neue Updates, neue Upgrades vom ERP-Hersteller zu bekommen, ist so meine gefühlte Bedeutung auf dem Anwendungsmarkt. So, jetzt kriege ich das ja relativ deutlich mit, wann ein neues Update, Upgrade vom Hersteller kommt, wenn ich das System selber im Zugriff habe, das heißt zum Beispiel selber hoste oder eine individuelle Instanz zumindest des Systems habe.
Wenn ich jetzt aber in der Cloud einer von hunderten von Anwendungsunternehmen bin, die Cloud neigt ja spätestens seit dem Web 2.0 dazu, permanente Updates eigentlich in HTML-Software, in browserbasierte, in generell Web-Software einzuspielen und das nicht standardisiert einmal im Jahr, sondern eben vielleicht alle paar Tage. Ist das nicht eigentlich ein Horrorszenario aus Sicht von betriebswirtschaftlicher Software? Ja, das ist natürlich nicht sehr schön, wenn sich mein System eigentlich fast schon tagtäglich ändern kann. Das macht natürlich keinen, ich mache es in Anführungszeichen, keinen Sinn bei einem ERP.
Aber zum Beispiel, wenn Sie bestimmte Software-Teile, nennen wir Office-Paket, wenn Sie die in der Cloud verwenden, dann ist es nicht so schlimm, wenn Microsoft, keine Ahnung, jeden zweiten Tag irgendwie ein Update auf Word fährt. Das Dokument am Ende des Tages sieht genauso aus. Also es passiert eher selten, dass jetzt komplett Word nicht mehr funktionieren würde.
Aber bei dem ERP-System ist es natürlich sehr unternehmenskritisch. Also das heißt, wenn da ein Update läuft und auf einmal ist irgendwas anders, irgendwas nicht so gewollt, wie es ist, kann passieren. Software ist, also Programmieren ist wie eine künstlerische Tätigkeit.
Also da passieren auch Fehler. Und wenn da ein Fehler passiert und dieses Update läuft dann und auf einmal haben irgendwelche Unternehmen Zugriff auf Ihre Daten, auf welchen Gründen auch immer, kann passieren, schon haben Sie ein großes Problem. Oder Sie kommen selbst nicht mehr an Ihre Daten ran, weil die Software eben, keine Ahnung, für die nächsten zwei Stunden oder drei Stunden nicht mehr erreichbar ist, auf welchen Gründen auch immer.
Also das kann natürlich passieren. Da habe ich halt die Hoheit nicht mehr darüber. Es ist natürlich besser, wenn ich selber steuern kann, ob ich ein Update fahre und wann ich ein Update fahre, als wenn es eben automatisiert passiert.
Jetzt wird die argumentative Gegenseite natürlich auch sagen, ja Moment, aber bei uns sitzen ja ganz erfahrene Fachinformatiker, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als sich um dieses ERP-System zu kümmern, während du lieber Mittelständler vielleicht Leute hast, die sich um ganz, ganz, ganz viele Dinge kümmern müssen am Tag oder während des Tages und vielleicht gar nicht so tief im ERP-System drin hängen. Ja, aber dafür gibt es auch uns als Anbieter. Das heißt, wir unterstützen ja unsere Kunden dabei, wenn ein Releasewechsel kommt oder wenn Updates kommen.
Also wir sind ja, wir halten uns ja da nicht komplett raus und sagen, lieber Kunde, hier, guck zu, wie du klarkommst. Und wenn jetzt noch, natürlich jetzt würde als Argument eben dieser Kostenfaktor kommen, ah ja, ihr wollt doch dann bestimmt Geld, wenn wir ein Update machen und wenn ihr uns helfen wollt. Ja klar, aber das ist ja bei der Cloud ja auch eingepreist.
Das heißt, der Preis, den sie für die Miete bezahlen, da ist ja diese Dienstleistung ja auch mit drin. Das heißt, das schenkt ihnen ja keiner. Aus dem Consumer-Bereich taucht nicht oft, aber doch in Regelmäßigkeit immer mal wieder eine Panne auf, die letztendlich auch zeigt, dass bei aller Zentralisierung von Daten es natürlich menschelt.
Also ich denke zum Beispiel an Trumps Twitter-Account, der von einem, ich vermute mal frustrierten, ehemaligen Twitter-Mitarbeiter am letzten Tag einfach mal deaktiviert wurde. Oder im letzten Jahr hatte eine der größeren Banken plötzlich die IT-Panne, dass die Kunden falsche Daten in ihrem System sehen. Bei einer anderen Bank waren plötzlich die falschen Konten bei den Kunden eingehängt.
Also solche Dinge passieren ja durchaus. Ist das nicht auch eine Gefahr unter Umständen? Ich will jetzt nicht die Horrorszenarien an die Wand malen, aber man muss ja auch mal drüber sprechen. Wenn ich eben mit hunderten von Unternehmen auf der gleichen Datenbank eben in der Cloud arbeite.
Ja natürlich, die Gefahr besteht. Und vor allem ist ja auch Folgendes. Ich versuche mir das so ein bisschen auch von anderen Perspektiven anzugucken.
Jetzt stellen Sie sich vor, die Gefahr besteht, wie Sie gerade gesagt haben. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Hacker. Wo würden Sie denn eher hacken? In einem Rechenzentrum oder bei einem kleinen Mittelständler? Eher ist es doch so, dass man eben sagt, wenn ich schon mir die Mühe mache irgendwo Daten klauen zu wollen, dann gehe ich doch direkt ins Rechenzentrum.
Da habe ich gleich hunderte Unternehmen und hacke dort mal die Daten. Und das machen ja die Größten. Also immer wenn diese großen Pannen irgendwo erscheinen, sind es doch immer irgendwelche Rechenzentren, die angegriffen worden sind.
Irgendwelche Großunternehmen, die irgendwo in der Cloud drin sind. Weil da, das ist auch ein großes Einfallstor. Das habe ich erst heute früh bei der Computerwoche gelesen, dass eben diese Cloud-Software, die auch angeboten wird, auch ein großes Einfallstor ist.
Eben für Hacker, die eben da drüber auch Unternehmensdaten dann hacken. Ja, aber genau da sagt doch eigentlich die… Ja, wir spielen ja jetzt so ein bisschen Engelchen und Teufelchen hier. Aber sag mal, die Seite, die die Cloud eben sehr stark bewirbt, sagt ja genau an der Stelle, lieber Mittelständler, du bist, was weiß ich, Gusseisenhersteller.
Du hast ja eigentlich gar keine Ahnung von IT. Und wir können das System viel, viel sicherer machen, wenn es bei uns in der Cloud, im Rechenzentrum mit unserer Kompetenz läuft, als wenn es bei dir irgendwo hinterm Schreibtisch läuft. Ja, das kann doch der Mittelständler immer noch machen.
Der Mittelständler kann immer noch sagen, ich habe keine Server bei mir im Haus stehen. Ich hoste meine Server und installiere meine Software, die ich gekauft habe, auf diesen Servern. Geht genau so.
Also Sie würden sagen, okay, er kann es zu einem Dienstleister geben. Nur Sie würden dagegen plädieren, dass er eben sich die Datenbank sozusagen mit anderen Anwendungsunternehmen teilt. Also lieber die Exklusivität an der Stelle.
Ja, das wäre genauso wie eine Private Cloud. Also deswegen, es gibt da viele Spielmöglichkeiten. Das Unternehmen, der Mittelständler muss sich schon ganz genau überlegen, was er da haben möchte, welche Kosten auf ihn zukommen.
Das ist natürlich auch ein Thema, da muss er drüber nachdenken. Und wie sicher möchte er es denn haben? Also wie gesagt, ich habe keine gegenteilige oder negative Einstellung zu einer Cloud. Aber da muss man halt ganz genau gucken, welche Daten tue ich denn in die Cloud? Will ich Prozesse in die Cloud reintun? Will ich vielleicht kleinere Applikationen in die Cloud reintun? Ich habe vorhin auch nochmal aus der Computerwoche eben diesen Bericht gelesen, wo in großen Unternehmen knapp 1022 Cloud-Services im Einsatz sind.
In einem Unternehmen im Schnitt 1022 Cloud-Services. Das sind kleinste Programme, die sich irgendein Mitarbeiter mal runtergeladen hat. Das kann eine Dropbox sein, das kann irgendwas sein.
Und 90 Prozent von diesen Programmen, die eigentlich verwendet werden, sind nicht Enterprise-fähig. Da sind entweder eben Sicherheits- oder Compliance-Features nicht enthalten in dem Programm oder, oder, oder. Das heißt, man muss wirklich genau überlegen, was tue ich in die Cloud? Die nächste Frage, die dann natürlich kommt, ist, wenn Sie aus der Cloud raus sind, was machen Sie mit den ganzen Daten? Sie sind ja in einigen Fällen dazu verpflichtet, zehn Jahre diese vorzuhalten.
Wie soll das dann gestaltet werden? Sie müssen natürlich diese Daten in irgendeiner Weise wieder im Zugriff haben. Und da habe ich bis dato auch noch keine Lösung gesehen, wo das auch gewährleistet ist. Das heißt, man müsste eigentlich Folgendes machen.
Die Daten, die man hat, die Rechnungen und dergleichen, natürlich aus PDF ausgedruckt, also in einem PDF-Format haben und die dann irgendwo in der Cloud hintun, in einem Daten-Cloud hintun, damit man auch wieder permanent darauf Zugriff hat. Das wäre natürlich die Möglichkeit. Aber ansonsten muss man sich natürlich überlegen, wie gewährleistet man das? Wie soll das? Komme ich auch gleich noch mal zu diesen ganzen Themen Datenschutz, Datenabspeicherung, rechtliche Verordnungen, die ja da auch dahinterstehen.
Sie haben eben gesagt oder berichtet von Großunternehmen, die auch zighunderte oder tausende von Cloud-Diensten, von vielleicht auch eher Consumer-Diensten nutzen. Und das zieht sich ja durchaus durch vom kleinen Mittelständler bis hin zum großen börsennotierten Konzern. Jetzt habe ich immer das Problem, und zwar auch als Wissenschaftler, dass ich natürlich predige, dass wir erst mal über das Datenfundament reden sollten, bevor wir über alles andere im Unternehmen reden, sprich die Integration, das nicht redundante Abspeichern der Daten, Stichwort Single Source of Truth, ist für mich etwas ganz Wesentliches, um wirkliche betriebswirtschaftliche Potenziale auch heben zu können.
Das führen Sie dann natürlich obsolet. Und jetzt geht es noch weiter. Sie haben also auf der einen Seite Cloud-Dienste, deren Daten irgendwo liegen, und auf der anderen Seite haben Sie Software, die Sie im Unternehmen nutzen.
Wie schaffen Sie denn da Schnittstellen? Wie schaffen Sie denn da, dass die Daten entsprechend von A nach B, von Software 1 zu Software 2 kommen und genutzt werden können? Ja, und dass die auch noch vernünftig rüberkommen, dass die auch gleich gehalten werden. Das ist natürlich eine große Herausforderung. Aber es gibt genügend Möglichkeiten, eben Schnittstellen zu bauen, Web-Services zu generieren, über die man solche Kommunikation natürlich machen kann.
Aber jede Schnittstelle bedeutet natürlich auch einen größeren Aufwand. Und auch in der Pflege ist es ein Aufwand, sowohl für den ERP-Anbieter als auch kostentechnisch für das Unternehmen, für den Endanwender, weil eine Schnittstelle, die muss auch gepflegt werden. Sobald die eine Software ein Update erfährt, kann es sein, dass die Schnittstelle schon nicht mehr funktioniert oder die befüttert die Daten ganz anders.
Also da gibt es natürlich große Risiken auch. Deswegen sind wir immer der Meinung oder versuchen eben alles, soweit es möglich, in dem ERP-System abzubilden. Alles, was ERP-spezifische Daten sind, sollten auch im ERP-System sein, und zwar in einem ERP-System und nicht irgendwo von anderen Quellen gespeist werden.
Und das ist dieses Single Point of Truth, wie Sie das eben genannt haben. Ich baue mal einfach ein ganz theoretisches Szenario aus. Das Unternehmen hat irgendwie zehn verschiedene Cloud-Dienste im Einsatz mit entsprechend zehn verschiedenen Datentöpfen, zehn verschiedene Software-Systeme im Einsatz, also zehn verschiedene in der Cloud und zehn innerhalb des Unternehmens, beide mit ihren eigenen Datentöpfen, die aber zu 100 Prozent auf alle Daten immer zugreifen müssen.
Das heißt mit anderen Worten, wir haben zehn mal zehn Schnittstellen, also rundweg 100 Schnittstellen plus minus, die zu pflegen sind. Wir haben uns eben schon unterhalten über Updates, über Upgrades, die ich natürlich nicht im Zugriff habe, sondern die mir letztendlich vom ERP-Hersteller oder vom Cloud-Software-Hersteller diktiert werden. Das ist doch eigentlich dann auch ein Szenario, was nicht durchdacht ist, oder? Ja, das ist halt schwierig.
Also wenn Sie eben solche Szenarien haben, dass Sie eben mehrere Anbieter haben, mit denen Sie zusammenarbeiten, ich glaube nicht, dass die untereinander sich absprechen und sagen, so, pass mal auf, nächste Woche kommt ein Update von mir, bist du darauf gewappnet. Da kommt das Update und dann frisst du dir einen Stiervogel. Also unter Umständen, ich meine, wenn wir über ERP reden, dann werde ich mit gewisser Wahrscheinlichkeit vom ERP-Hersteller vorher eine Nachricht kriegen, hör mal zu, es gibt nächste Woche ein Update.
Aber wir reden ja bei diesen Cloud-Systemen nicht nur über ERP, sondern wir reden auch über irgendeine Funktion unten links oder oben rechts im Unternehmen, sprich im Finanzbereich oder im Controlling-Bereich oder im Produktionsbereich oder, oder, oder. Und schon habe ich nicht mehr im Blick, wann wo irgendwas passiert. Und das kann sich ja durchaus auch auf die Schnittstellen, die ich irgendwann mal spezialisiert habe, zwischen der Software auswirken.
Genau, das war doch das, was ich eben damit gemeint hatte. Das heißt, die Anbieter sprechen sich ja untereinander nicht ab und sagen, pass mal auf, ich als ERP-Anbieter mache jetzt ein Update auf mein System, das wird automatisch jetzt hochkommen und liebe andere Software, pass auf, da war doch eine Schnittstelle bei dem Kunden, wird die doch weiterhin funktionieren? Die werden sich ja untereinander nicht absprechen. Das heißt, der Kunde am Ende des Tages weiß bestimmt von seinem ERP-Anbieter, da wird ein Update kommen, aber doch nicht alle anderen Systeme, die an dieses ERP-System angedockt sind, die kriegen das ja nicht mit.
Spätestens, wenn es aber gegen die Wand fährt und der Kunde dann anruft und sagt, pass auf, ich habe ein Update gefahren auf, keine Ahnung, auf mein ERP-System und jetzt funktioniert mein Dokumentmanagement nicht mehr. Das heißt, die Last ist dann wieder am Ende des Tages beim Kunden. Was ja oft passiert beispielsweise ist, wenn Windows ein Update fährt oder wenn die Browser ein Update fähren, das kenne ich zum Beispiel von ERP-Anbietern, die eben nur webbasiert arbeiten, eben über einen Browser und auf einmal gibt es den Internet Explorer nicht mehr, da gibt es jetzt was anderes.
So, plötzlich bricht dem Kunden eben eine Technologie weg, die auf deren Basis eben sein ERP-System lief und jetzt läuft es nicht mehr. Also deswegen, die Unternehmen untereinander werden sich bei einem Update bestimmt nicht informieren. Also Windows hat uns noch nie gesagt, Achtung, pass auf, da kommt jetzt ein Update, wird dein ERP-System noch funktionieren, das ist ihm egal.
Wir müssen dafür sorgen, dass es funktioniert. Sie haben neulich einen Artikel geschrieben, wo Sie Cloud und ERP durchaus auch sehr skeptisch sehen vor dem Hintergrund von Industrie 4.0. Warum? Ja, also da ist, also Industrie 4.0 erstmal den Begriff, also was… Ja genau, definieren wir erstmal. Ja genau, definieren wir erstmal, bevor wir da was sagen.
Also wo ich eben Industrie 4.0 angesiedelt sehe, ist eben diese immense Datenhaltung. Das heißt, mit Daten, die am Markt gerade ausgeschöpft werden oder gerade eruiert werden, möchte ich mein Unternehmen steuern und zwar mit massenhaften Daten. Und da ist halt die Thematik immer folgende, wo will ich diese Daten denn halten? Also die Daten, die ich erhoben habe, will ich die in der Cloud haben oder will ich die bei mir auf meinem System haben? Weil das ist halt ein großes Potenzial, was man hat und auch für, ich sag’s mal jetzt, für die Konkurrenz, wenn die da dran kommen würde, ein großes Potenzial, wo Sie sehen können, okay, wie laufen denn bei dem die Geschäfte? Das war auch in dem Artikel so ein kurzes Beispiel, was ich vorgebracht habe.
Wenn man eben diese Daten, die man erhebt, so abspeichert, dass sie eben für sich alleine keinen Sinn ergeben, dann ist es okay, wenn man die in der Cloud abspeichert. Aber wenn die Daten schon reichhaltig in der Cloud abgespeichert werden, besteht halt die große Gefahr, dass eben andere da dran auch kommen und von da aus dann eben ihre Unternehmenspolitik dann auch steuern können. Da bin ich halt immer sehr vorsichtig, weil die Daten, die ich erhebe, würde ich gerne auch bei mir behalten, weil das ist auch vom Datenschutz sehr höchstwahrscheinlich sehr, sehr kritisch, wenn eben Daten, die ich erhoben habe über einen Kunden, irgendwo frei zugänglich für jedermann hinterlegt sind.
Ich gehe noch auf einen anderen Aspekt ein. Jetzt haben wir ja da in der Produktion, Industrie 4.0 kommt ja natürlich auch sehr stark aus diesem digitale Fabrik, roboterarme Flexibilität in der Produktion und so weiter. Da fallen natürlich vermehrt Daten an den Maschinen in der Produktionssteuerung an.
Jetzt habe ich das ERP-System zu dem, was hier lokal bei mir ist, in der Cloud. Wer ist das führende System, wo werden die Daten abgelegt, wie werden die ausgetauscht? Das ist auch so ein Punkt, wo man auch genau drauf gucken sollte. Wo werden diese Daten erstens abgespeichert und wie kommen die an meine Anlagen ran? Nehmen wir wieder den Mittelstand.
Der Mittelstand sitzt nicht mitten in München, der Mittelstand sitzt nicht mitten in Frankfurt oder in Hamburg. Der Mittelstand sitzt irgendwo in Ellerau, sitzt irgendwo in Breitscheid, da wo er gar keine Breitbandanbindung hat. Das heißt, wenn ich Anlagen steuern will mit Daten aus der Cloud, kann es durchaus sein, dass ich an die Daten gar nicht rankomme oder so schnell rankomme, wie ich es gerne hätte.
Die Verarbeitung von den Daten muss ja auch sehr schnell passieren. Wir sind leider in Deutschland noch nicht so weit, dass wir überall eben eine vernünftige Verbindung an unsere Server, an unsere Cloud-Software haben. Das ist nun mal so.
Da wird noch wahrscheinlich daran gearbeitet in den nächsten Jahren, aber so weit sind wir noch nicht. Aus anderen Ländern kennt man das schon. Da ist zum Beispiel in Litauen, wenn Sie da durch die Gegend fahren, da habe ich auch mal vertrieblich gearbeitet für die IAS GmbH.
Wenn Sie da durch Litauen fahren, haben Sie überall eine LT-Verbindung. Versuchen Sie das mal hier in Deutschland. Also wenn Sie auf der A5 irgendwo sind oder in irgendeinem kleinen Dorf, können Sie froh sein, wenn Sie überhaupt noch telefonieren können.
Ist das vielleicht auch ein Problem der Sicherheit an der Stelle? Also ich stelle mir vor, so ein Hersteller von irgendwelchen Produktionsmaschinen, dem ist jetzt nicht unbedingt bewusst, wenn er die informatischen, die technischen Schnittstellen spezifiziert, dass das System, mit dem er Daten austauscht, vielleicht nicht im Nachbarraum im eigenen Rechenzentrum steht, sondern irgendwo am Ende von Deutschland. Genau. Also das muss natürlich auch von dem Anbieter dann entsprechend auch berücksichtigt werden.
Ja, was passiert eben, wenn ein Ausfall ist? Also gibt es da irgendwelche Methodiken, die eben dafür sorgen, dass die Produktion nicht auf einmal stillsteht, weil ich eben meine Daten bzw. meine Maschinen mit Daten aus der Cloud befüttere und auf einmal ist die Leitung weg. So, was passiert dann? Steht meine Produktion still oder kann ich noch weiter produzieren? Also da muss man natürlich auch auf Ausfall-Szenarien auch sich überlegen, wie denn sowas dann tatsächlich am Ende des Tages laufen muss.
Und das ist halt natürlich auch eine große Frage, die Stand heute, wie ich das sehe, noch nicht beantwortet ist, wenn eben ich meine Daten oder meine Software über eine Cloud betreibe. Jetzt hat der Amtsschimmel in Deutschland etwas spezifiziert, das nennen wir GDPDU. Ja, genau.
Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen. Wenn wir jetzt wieder auf Deutschland schimpfen, die EU kann es auch ab Mai nächsten Jahres. Die EU DSGVO, die Datenschutzgrundsatzverordnung.
Also wir sind nicht die einzigen, die mit solchen Abkürzungen arbeiten hier in Europa. Aber konkret heißt es ja, ich muss immer auf meine Daten zugreifen können. Ich muss sie so abspeichern, dass sie nicht mehr veränderbar sind.
Ich muss sie so im digitalen Zugriff auch haben, dass sie jederzeit nachvollziehbar sind. Und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren. Wenn ich jetzt ein Großunternehmen bin, stellt das kein Problem.
Da stelle ich einfach einen Mitarbeiter ein, der sich um solche Belange kümmert. Wenn ich mir aber den kleinen Handwerksbetrieb vorstelle, der relativ unbedarft mit Lexware, mit Cloud-Diensten arbeitet. Ja, wie geht der mit solchen Themen um? Ja, also da muss eben immer gewährleistet werden, dass er eben auf seine Daten auch diese zehn Jahre lang Zugriff hat.
Es ist nicht nur eben, dass er das nachweisen muss, dass er eben zehn Jahre lang auf diese Daten zugreifen kann. Und was man da machen kann, ist eben, der Cloud-Anbieter hat jetzt seine Software angeboten. Ich habe jetzt als kleiner Mittelständler oder kleines Handwerksbetrieb eben diese Software verwendet.
Was dann halt relevant ist, ist, dass ich eben die Ausdrucke zumindest, die PDF, zum Beispiel Rechnungen und dergleichen, dass ich natürlich aus dem System heraus auch weiterhin in der Cloud hinterlegen kann und habe trotzdem immer noch Zugriff drauf. So ein PDF, das ändert sich nicht. Das kann man auch in zehn Jahren noch aufmachen und sich angucken.
Aber dann brauche ich halt keinen Zugriff mehr auf das ERP-System. Das heißt, die Informationen, die relevant sind, müsste man natürlich extrahieren jedes Mal aus dem ERP-System und eben irgendwo hinterlegen. Weil wenn ich eben den Cloud-Dienst dann kündige, habe ich halt keine Daten mehr oder eben nur Daten.
Ich weiß nicht, wie die Cloud, wie andere Anbieter das machen. Keine Ahnung, es kann sein, dass die vielleicht einen Dampf von der Datenbank ziehen und dem Kunden da zur Verfügung stehen und sagen, so mach damit, was du willst. Aber man hat halt dann, wenn man diesen Vertrag halt nicht mehr hat, hat kein Zugriff mehr auf seine eigenen Daten.
Das ist halt das Schlimme dran. Entweder macht man dann das so, dass man zehn Jahre lang zumindest mal einen User bei diesem Cloud-Anbieter hat, damit man auf die Daten zurückgreifen kann. Oder eben, wie gesagt, diese Daten dann entsprechend extrahiert, was natürlich nicht umsonst gemacht wird vom Cloud-Anbieter, sondern da muss man auch einiges an Geld bezahlen, dass man diese Daten dann vernünftig extrahiert und dann eben separat entweder auf seinen eigenen Servern oder wiederum auf einer anderen Cloud dann eben hinterlegt.
Die EU, ich muss auch, es ist ein Zungenbrecher, DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung, will ja auch so mit Blick auf die sozialen Netze und die Lock-In-Effekte, die es letztendlich gibt, also die Marktmacht, die damit natürlich auch einhergeht, das Ganze aufbrechen und die Hersteller von Software dazu zwingen, dass man die Daten von System A nach System B geben darf. Ist das denn mit einem reinen Datendump geschafft? Jetzt mach ich den Fass auf, oder? Ja, also das ist ganz schwierig. Also das ist hier unmöglich, weil die Datenstrukturen ja komplett unterschiedlich sind.
Das heißt, man müsste sich am Ende des Tages auf ein Schema einigen. Das musste dann, wie gesagt, von irgendeiner Behörde dann gemacht werden, von der EU oder wo auch immer her, wo man sagt, okay, alle Daten, die es in irgendeinem ERP-System gibt, diese Daten können oder müssen extrahierbar sein, weil eine SAP hat eine ganz andere Datenstruktur als eine Kanias, eine Kanias hat eine ganz andere Datenstruktur als eine ABAS. Also die Felder, die Datenbankfelder oder die Datenbanktabellen, die im Hintergrund sind, die sind ja ganz anders.
Wenn wir alle gleich wären, dann hätte man nur ein Produkt. Das ist ja der Unterschied, den wir haben. Und da müssen wir uns natürlich irgendwann mal darauf einigen und sagen, so, pass auf, das ist das Template.
Das muss jeder Anbieter liefern können, wenn man Daten extrahiert. Und das muss auch von jedem Anbieter importierbar sein. Und das wird sehr schwierig.
Also wir können uns ja schon auf ganz andere, einfachere Sachen gar nicht einigen in der EU. Und das wird dann, das hier wird bestimmt viel schwieriger. Und vor allem, wer soll es bestimmen? Also das werden wahrscheinlich die großen Player sein, die das dann bestimmen wollen würden.
Und am Ende des Tages, das wird kaum möglich sein. Das ist sehr schön, dass Sie das ansprechen. Sie sind ja auch Wirtschaftsinformatiker von Hause aus.
Der Informatiker würde jetzt wahrscheinlich sagen, das ist doch gar kein Problem, weil die Schnittstellen stehen doch technisch zur Verfügung. Sie lachen schon. Unser Problem ist ja eigentlich immer nicht die technische Machbarkeit von Datenaustausch, sondern die semantische, die inhaltliche, die betriebswirtschaftliche Deutung der Daten.
Also wo muss welches Datum eigentlich hingeschoben werden in dem neuen System, richtig? Nicht nur das. Das wird schon da anfangen, dass man sich einigen. Versuchen Sie mal jetzt, probieren Sie mal SAP und Oracle an einen Tisch zu setzen und zu sagen, so jetzt arbeitet mal gemeinsam eine Struktur aus, die für weltweit alle gelten soll.
Das kriegen Sie nicht hin. Das sind ja zwei große Player und da wird noch eventuell noch Salesforce dazu kommen, da wird noch der dazu kommen, jener noch dazu kommen und der wird dann sagen, die werden sich nicht einigen können. Das wird schier unmöglich sein.
Das heißt, das muss von irgendeinem dann in einem Gremium oder irgendeinem anderen, von der Regierung oder von der EU oder von wo auch immer, muss das vordiktiert werden. Und die müssen dann sagen, so sieht die Datenstruktur aus. Und dann kommt natürlich die Thematik, wie Sie es gerade schon gesagt haben, dann kommt noch die Semantik dazu.
Welche Daten sind es und wie werden die interpretiert? Was steht denn wo drin? Also nicht jedes Unternehmen wird eventuell die Daten, die dort gefordert sind, vorhalten. Das heißt, die kleineren Anbieter müssen eben unter Umständen nachziehen. Die müssen dann sagen, okay, die Strukturen, die jetzt gefordert sind, habe ich gar nicht.
Jetzt muss ich mein Programm eben entsprechend aufdröseln und aufbauen und zusätzlich noch diese Felder und diese Strukturen in mein ERP-System einbinden, damit ich eben überhaupt so einen Export schaffen kann. Das heißt, früher oder später wird es dann, also wenn sowas kommen sollte, wird es bei den kleinen Anbietern zu größeren Aufwänden führen, um eben die Software entsprechend auch die Basis für diesen Export zu schaffen auf ihrer Seite. So, jetzt habe ich mich für so ein Cloud-System entschieden, weil ich vielleicht vor fünf Jahren Start-up war.
Also in fünf Jahren. Ja, also heute bin ich Start-up in fünf Jahren. Weiter ist mein Unternehmen eigentlich so groß, dass ich mit den Prozessen und den Möglichkeiten dieses Cloud-Systems nicht mehr so ganz zufrieden bin und ich möchte da eigentlich entweder ein anderes Cloud-System oder ich möchte in eine selbst gehustete ERP-Lösung gehen.
Zwei Fragen. Erste Frage, was mache ich jetzt mit dem Daten-Dump, also mit dem Datenvolumen, was mir der Cloud-Anbieter jetzt vor die Füße wirft? Bin ich wirklich in der Lage, das selbstständig zu interpretieren und in mein neues System zu überführen? Und zweite Frage, bekomme ich wirklich alle Daten von dem Cloud-Anbieter? Das sind die Kernfragen, mit denen man sich vorher schon auseinandersetzen muss, bevor man in die Cloud geht. Ja, also wir machen das immer so, dass wir sagen, lieber Kunde, du hast weiterhin die Möglichkeit, auf die Datenbank zuzugreifen.
Die Datenbankstruktur wird ihm auch offengelegt und er weiß auch, in welchen Tabellen, in welchen Feldern, welche Daten drinstehen. Also er könnte es selber machen oder einen anderen Anbieter nehmen und sagen, extrahiere mir mal die Daten daraus. Oder er beauftragt uns und sagt, ich hätte gern die, die die Daten und zwar in dem und dem Format und dann kann man die entsprechend auch extrahieren.
Diese Möglichkeiten bieten wir und bei einem Cloud-Anbieter ist es genau so. Das heißt, sie müssen entweder Geld in die Hand nehmen und sich die Daten separat extrahieren lassen oder sie müssen sagen, komm, gib mir den Dump von der Datenbank, ich such mir das Zeug selber zusammen. Bei vielen Anbietern wird es aber sehr schwierig sein, weil eben die Datenstrukturen und die Datentabellen sehr kryptisch benannt sind, damit man eben diese Information auch nicht rausbekommt.
Es wird sehr schwierig, eben aus dieser, aus diesem, aus so einer Datenbank die gesamte Information, die man braucht, heraus zu extrahieren. Das wird sehr schwierig. Das ist eine.
Das zweite ist die Frage, die Sie gestellt haben, kriege ich denn überhaupt alle Daten? Ich gehe davon aus, dass dann das Argument so sein wird oder die Antwort darauf so sein wird, ja, wenn Sie es bezahlen, kriegen Sie auch alle Daten raus. Das würde so entsprechend funktionieren, gehe ich von aus. Wir machen das so, dass wir sagen, die Datenbankstruktur ist offen.
Wir haben auch in unserem System eben genau dokumentiert, wo welche Daten drinstehen, damit der, damit der Kunde auch selbstständig oder mit einem anderen Anbieter oder mit einem anderen IT-Haus eben diese Daten dort raus extrahieren kann. Ja, ich hatte mich mit der Frage sogar so ein bisschen auf die Teufelchen-Seite geschlagen. Also, wenn ich ein geschicktes Geschäftsmodell aufbauen will mit einem entsprechenden Login-Effekt als Cloud-Software-Anbieter, dann muss ich ja eigentlich nur bei einem Wechselwillen des Anwendungsunternehmens sagen, sorry, wir kommen nicht auf alle Daten drauf zu.
Denn ein wesentlicher Unterschied ist ja, dass ich bei der Cloud-Software eben nicht als Anwendungsunternehmen direkt selber integriere.
Bank reinschauen kann und die Daten dort auslesen kann, sondern immer auf den Cloud-Anbieter angewiesen bin, wenn ich bei einem ERP-System oder nehmen Sie andere Software-Systeme, natürlich die Möglichkeit habe, weil die Datenbank eben bei mir liegt oder bei meinem Dienstleister liegt, alles anzufassen, alles rauszuziehen aus den Tabellen. Ja, das ist eben auch ein großer Vorteil, wie gesagt, also der Cloud-Anbieter kann natürlich jederzeit sagen, tut mir leid, an die Daten komme ich nicht ran, wobei eben aber das dann halt auch sehr unseriös ist, natürlich kommt er an seine Daten ran, also es kann ja nicht sein, dass er an die Daten nicht rankommt. Es ist halt kein Wille da, die Daten rauszugeben und zu sagen, du musst doch jetzt noch bei mir bleiben, du kannst einfach hier nicht sagen, ich gehe jetzt oder ist halt mit einem großen Aufwand, finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden, dass man da eben noch, keine Ahnung, ein halbes Jahr lang bei dem Anbieter noch sein muss, damit man seine Daten nicht vertreten kann, also solche Sachen habe ich auch schon erlebt, also das habe ich auch bei Wechseln schon mitbekommen, das heißt, es war dann so, dass wir ein anderes System abgelöst haben, das war auch ein Cloud-System und da hieß es halt von Anbieterseite, ja, für ein Datenextrakt gibt es Tools im System, die kannst du verwenden, da haben wir uns das mal angeguckt und ja, das Tool gab es da und zwar hat das PDFs ausgespuckt.
So, das bringt uns natürlich nichts, das kann ja niemand importieren und dann haben wir gesagt, ja, wir hätten das gerne als Maschinenlesbar, also das ist zumindest mal das CSV-Datei oder keine Ahnung, in irgendeiner Struktur oder einen Datenbankdump, was auch immer, stellen uns zur Verfügung, das hat dann einen Haufen Geld gekostet, da hätten wir schon fast eine zweite Einführung mit dem Geld machen können. Also das kann man natürlich dann auch missbrauchen, natürlich. Das heißt, wenn ich mich als Anwendungsunternehmen entscheide, in die Cloud zu gehen, sollte ich auch immer über Exit-Szenarien nachdenken und mir vielleicht auch vertraglich zusichern lassen, dass wirklich mir alle Daten in entsprechend geeigneten Formaten dann auch zur Verfügung gestellt werden von dem Anbieter.
Ja, vor allem sollte man sich dann aber auch über den Zeitraum klar sein und auch den Preis schon von vornherein definieren, weil die Aussage wäre dann natürlich von vom Anbieter- Seite, ja klar, kannst du haben und wenn es dann so weit ist, heißt es, ja, das kostet aber natürlich Geld, klar kannst du es haben, aber kostet keine Ahnung, eine halbe Million. Kann durchaus sein. Viele Anbieter von Cloud-Diensten sagen ja erst mal, komm erst mal, nutzt das System, du kannst es einen Monat, du kannst es zwei Monate umsonst nutzen, also gerade im ERP-Bereich.
Fang doch mal an, mit deinen Mitarbeitern im System zu arbeiten, kostenlos und dann das erste Jahr kostet auch nur x Euro 50. Was halten sie von solchen Angeboten? Ja, also nicht viel, also entweder ist das System gut und man vertraut seinem System und man muss dem Kunden nicht jetzt irgendwas aufschwatzen, in Anführungszeichen, sondern man ist so selbstbewusst und sagt, lieber Kunde, das kostet nun mal Geld, das ist eine Dienstleistung, die ich dir anbiete, das ist eine Software, die ich dir anbiete, dafür musst du halt auch was bezahlen und wenn der Kunde eben mit dieser Einstellung eigentlich in diese Software reingeht und sagt, ja, das ist gut, da kann ich ja nächste Woche wieder raus, das geht halt nicht so einfach, weil er sagt zwar, sie können dieses System jetzt verwenden für die nächsten, keine Ahnung, einen Monat lang kostenlos, ja, sie brauchen aber bestimmt einen Monat, bis sie ihre Daten da reingespeist haben, wenn sie die manuell eingeben, wenn sie jetzt keine Datenübernahme oder sowas machen. Das heißt, wie sie wirklich produktiv damit arbeiten können, vergeht schon mehr als ein Monat.
Das heißt, wenn das Angebot nur das ist, dass sie einen Monat lang das Ding umsonst verwenden können, das ist eigentlich nicht sehr sinnvoll, weil erst nach einem Monat können sie eigentlich hier schon anfangen, produktiv zu arbeiten und dann haben sie eigentlich schon ihre Daten in dieses System eingespeist und dann kommen sie da auch nicht mehr ohne weiteres raus, weil sie denken sich ja dann auch, oh, jetzt habe ich einen Monat lang hier meine Daten reingehackt, meine Kundenstämme sind da drin, meine Artikelstämme sind da drin, ich möchte jetzt da wieder raus, überlegen sich halt auch nochmal fünfmal, ob sie da wieder raus wollen und den ganzen Aufwand, den sie da betrieben haben, jetzt bei dem nächsten Anbieter machen. Also dieses Hin- und Hergespränge, das ist eine Suggestion, die die Leute haben, die eigentlich so nicht da ist. Und vor allem, was ich allen Unternehmen anraten kann, dass diese, wenn sie sich ein ERP-System besorgen, das ist so wie eine Hochzeit, also so wie eine Ehe, das sollte nicht so sein, dass sie nach zwei Wochen da wieder raus wollen müssen, sondern wenn sie sich für einen entscheiden, treffen sie diese Entscheidung auf Basis von vernünftigen Informationen und schauen sich das System natürlich an und lassen sich dahingehend beraten, lassen sich das System auch nochmal zeigen in der Präsentation und gehen sie damit wirklich den kompletten Prozess durch und schauen sie an, ob das ihre Bedürfnisse erfüllt und dann gehen sie eben diese Ehe ein und das sollte dann auch was langfristiges sein.
Also irgendwie, dass dieses, ich nenne es mal so ERP-Hopping, das wird auf die Dauer sehr kostspielig sein. Das ist doch ein schönes abschließendes Plädoyer für das Thema Cloud ERP. Ich komme nochmal jetzt auf meine abschließende Fragerunde zu Ihnen wieder zurück.
Sie sind ja voller Begeisterung auch für die ERP-Themen. Das konnte man glaube ich nicht nur jetzt während unserer Diskussion merken, sondern ich habe das vorher auch schon gemerkt. Im Grunde genommen der ideale ERP-Consultant, aber die Frage an Sie natürlich, warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Das ist eine gute Frage.
Es ist sehr viel Zufall dabei gewesen. Und zwar wollte ich früher Mathematik, Physik, also irgendwelche Naturwissenschaften studieren und bin dann irgendwie in die Wirtschaftsinformatik geraten und habe da eben meinen Abschluss gemacht. Und bei der IIS bin ich auch rein zufällig gelandet.
Ein Kommilitone, der hatte sich hier beworben und wollte hier anfangen, wurde auch eingestellt und hat sich dann kurzfristig anders entschieden und hat mir dann empfohlen, du kannst dich nochmal bei der IIS bewerben. Die kannte ich bis dahin noch gar nicht. Und bin sozusagen auch per Zufall zur IIS gekommen und bin dann hier Consultant gewesen.
Das waren sehr anstrengende Jahre, aber waren auch sehr spannend und man hat auch sehr, sehr viel lernen können hier in diesem Haus. Und so bin ich eigentlich, wie gesagt, per Zufall eigentlich dazu gekommen. Was war Ihr größter beruflicher Erfolg bisher? Da habe ich eigentlich so noch nie drüber nachgedacht.
Also ich habe jetzt meine berufliche Karriere nie in Erfolge, Misserfolge unterteilt. Das muss ich offen zugeben, habe ich jetzt nie drüber nachgedacht, was jetzt mein größter beruflicher Erfolg war. Im privaten Leben, ja, da gucke ich mir das an, was wirklich erfolgreich war, wo ich sage, ja, das habe ich gut gemacht.
Aber jetzt im beruflichen Leben habe ich das bis dato vermieden, mir diese Frage zu stellen. Gibt es bestimmte Eigenschaften, die Sie vermutlich haben und die man in Ihrem Beruf besonders gut gebrauchen kann? Ja, also hier im Vertrieb zumindest, was ich jetzt so sagen kann, was man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist eine gesunde Ehrlichkeit. Das hat man jetzt vielleicht auch im Interview ein bisschen rausgehört.
Also ich versuche wirklich alles so offen und transparent wie möglich den Leuten darzustellen. Was man auch auf jeden Fall haben sollte, ist eine Begeisterungsfähigkeit für das, was man macht, auch für das Produkt, das man vertreibt. Und was Sie höchstwahrscheinlich Ihren Studenten ja auch beibringen, so eine Adaptionsfähigkeit.
Das heißt, das Wissen, das Sie irgendwo anders gelernt haben, zu adaptieren an neue Situationen. Das ist wirklich eines der wichtigsten Punkte, die man mitbringen muss, weil so können Sie Menschen noch überzeugen, noch begeistern. Jetzt sind Sie schon ein bisschen aus der Universität raus, aber trotzdem heißt es ja, lebenslanges Lernen.
Gibt es bestimmte Bücher, die Sie unseren Zuhörern empfehlen können, vielleicht aus Ihrem Arbeitsalltag oder so? Das ist auch sehr schwierig, weil ich habe drei kleine Kinder und die einzigen Bücher, die ich lese, sind Kinderbücher. Also derzeit, was ich halt sagen kann, was ich derzeit lese, ist die schönsten Pferdegeschichten, weil meine mittlere Tochter, die ist drei Jahre alt, hat sich begeistert jetzt für Pferde und ich lese ihr jeden Abend irgendwelche Geschichten von Pferden vor. Und ich habe drei kleine Kinder.
Die eine ist jetzt zehn Monate, eine ist drei Jahre alt und die älteste ist sechs Jahre alt. Das heißt, seit sechs Jahren lese ich eigentlich nur Kinderbücher. Aber Sie lesen zumindest im Internet zahlreiche Webseiten.
Sie haben vorhin die Computerzeitung wahrscheinlich als eins der Standards für Leute, die sich im betriebswirtschaftlichen IT-Umfeld positionieren genannt. Gibt es weitere Dienste oder Webseiten, mit denen Sie sich häufig auseinandersetzen, die für Sie einen Mehrwert haben? Was den größten Mehrwert hat, ist für mich Google. Also das, was die Leute da machen, da findet man wirklich alles, was man braucht.
Man muss nur eben damit vernünftig und richtig umgehen, dann ist das wirklich ein sehr, sehr mächtiges Tool. Da brauchen Sie eigentlich nichts anderes. Alles Wissen, was Sie brauchen, kriegen Sie von dieser Suchmaschine rausgespuckt.
Und Wikipedia finde ich auch ein ganz tolles Projekt, wo man auch sehr, sehr viel lernen kann. Wie wird sich aus Ihrer Einschätzung in den nächsten zehn Jahren Ihr Berufsumfeld verändern? Ich hoffe zum Positiven. Also wir merken ja alle, das ist wahrscheinlich bei Ihnen in ähnlicher Weise, alles wird irgendwie schneller, alles muss günstiger werden, muss ad hoc passieren, zu jedem Zeitpunkt muss man in irgendeiner Weise erreichbar sein.
Also ich hoffe, dass das ein bisschen weiter zurückgeht. Und was ich auch jetzt inzwischen von unseren Mitarbeitern auch so sehe und auch von den neuen Bewerbern sehe, also viele Menschen legen in zwischen viel Wert auf diesen Work-Life-Balance. Und ich hoffe, dass das in diese Richtung auch ein bisschen geht, weil permanente Erreichbarkeit, permanent diese Geschwindigkeit aufrecht zu halten, das macht die Menschen früher oder später kaputt.
Deswegen hoffe ich auch, dass es in diese Richtung ein bisschen geht, dass man ein bisschen entschleunigt. Es muss nicht alles ad hoc, alles schnell passieren, meine Meinung, sondern man kann sich auch mal ein bisschen Zeit lassen, da ist die Qualität auch meistens viel besser, als wie man etwas schnell machen würde. Sie haben sich heute im Interview sehr stark dafür ausgesprochen, dass ERP-Software eigentlich kein Commodity sein kann, kein homogenes Produkt, was überall in der gleichen Art und Weise eingesetzt wird.
Trotzdem die Frage an Sie, vor welchen Herausforderungen insbesondere steht denn ERP-Software, Unternehmenssoftware heute und zukünftig ganz besonders? Ja, also das ist, das klang vielleicht auch aus dem Interview so ein bisschen hervor, also oft ist es so, dass die Leute eben, die Unternehmen, alles haben möchten aus einer Hand. Das ist eine Herausforderung, der wir irgendwann begegnen müssen. Das heißt, von dem ERP-System werden Sachen verlangt, die eigentlich nicht in ein klassisches ERP-System gehören, aber das muss ein ERP-Anbieter inzwischen alles anbieten.
Das ist eine große Herausforderung, der wir gegenüberstehen und natürlich diese immensen Datenmengen, die speziell im B2C-Bereich entstehen, die dann auch vernünftig zu bearbeiten. Da wird natürlich die künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen in Zukunft, eben Daten, die wußt, durch die Welt schwirren, in einen vernünftigen Zusammenhang zu bringen, um darauf vorsehen und dann eben unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Und natürlich auch die Parametrisierung von diesem ERP-System, die muss noch viel flexibler gestaltet werden, damit wirklich jeder individuell eigentlich seine Software dann entsprechend parametrisieren kann.
Herr Kitschöck, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses wirklich spannende, auch durchaus kritische Interview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und die letzten Worte sind wie immer Ihre. Ja, also die habe ich eigentlich schon gesprochen, aber das war so eine kurze Empfehlung an alle Unternehmen da draußen, sich eben bei einer ERP-Findung und bei einer Entscheidung für einen ERP, sich wirklich tiefgründige Gedanken zu machen.
Das ist wirklich wie so eine Ehe, die sollte länger als zwei Monate halten. Das ist eine Investition, die Sie tätigen und versuchen Sie diese auch entsprechend mit viel Vorlauf und mit viel Bedacht zu treffen. Herzlichen Dank.
Ja, bitteschön. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.