Als Stammdaten werden in der betriebswirtschaftlichen Softwarewelt aller ERP-Hersteller wie z.B. SAP, Oracle, Microsoft, SAGE, Salesforce oder Infor alle Grunddaten über Unternehmensobjekte wie Artikel, Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten bezeichnet. Sie sind wichtige und notwendige Grundlage des unternehmerischen Datenfundaments, doch ihre Anlage und Pflege ist sehr aufwendig.
Erfahren Sie in dieser Interview-Folge mit Rolf Wilmsen, Geschäftsführer in der ERP-Firmengruppe e.bootis,
- welche herausragende Bedeutung Stammdaten als DNA Ihres Unternehmens haben,
- wie die Erfassung heute organisatorisch gelöst werden kann,
- wie Sie den Aufwand hierfür um bis zu 98% reduzieren können und
- warum Sie Stammdaten gar nicht unbedingt innerhalb Ihres Unternehmens erfassen müssen.
Webempfehlungen:
- Blogartikel: Der Technische Handel im „Dornröschenschlaf“
- Blogartikel: Stammdatenmanagement mit Datenpools
- Changemanagement-Whitepaper
- Weitere ERP-Whitepaper zum Thema ERP
- e.bootis und Mercateo
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 37. Stammdaten. Die digitale DNA Ihres Unternehmens.
Ein Interview mit Rolf Wilmsen, Geschäftsführer in der eBotis Firmengruppe. Als Stammdaten werden in der betriebswirtschaftlichen Softwarewelt alle Grunddaten über Unternehmensobjekte wie Artikel, Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten bezeichnet. Sie sind wichtige und notwendige Grundlage des unternehmerischen Datenfundaments, doch ihre Anlage und Pflege ist sehr aufwendig.
Erfahren Sie in dieser Interviewfolge mit Rolf Wilmsen, Geschäftsführer in der eBotis Firmengruppe, welche herausragende Bedeutung Stammdaten als DNA Ihres Unternehmens haben, wie die Erfassung heute organisatorisch gelöst werden kann, wie Sie den Aufwand hierfür um bis zu 98% reduzieren können und warum Sie Stammdaten gar nicht unbedingt innerhalb Ihres Unternehmens erfassen müssen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen im ERP-Podcast zurück und heute begrüße ich hier sogar persönlich vor Ort, nicht nur per Skype, Herrn Wilmsen. Herr Wilmsen ist Geschäftsführer in der eBootes-Gruppe, langjähriger Mitarbeiter der Gruppe.
Was die eBootes ist, wer Herr Wilmsen ist, das wird er uns gleich selber sagen. Wir wollen uns ein bisschen unterhalten über Stammdaten, eigentlich ein Thema, was so ganz selbstverständlich ist und trotzdem nicht so ganz selbstverständlich in den Unternehmen ist. Wir haben es mal übertitelt mit die digitale DNA des Unternehmens.
Ich bin gespannt. Herzlich willkommen, Herr Wilmsen, bei uns im ERP-Podcast. Vielen Dank, Herr Professor Winkelmann.
Würden Sie sich zunächst mal selber vorstellen, wer sind Sie, was machen Sie? Ja, Rolf Wilmsen von der Firma eBootes. Also in der Gruppe eBootes bin ich Geschäftsführer der Vertriebs GmbH, also in einem Segment unterwegs. Die eBootes AG entwickelt seit 1982 Standard-ERP-Warenwirtschaftssysteme.
Wir haben eine komplette Neuentwicklung gemacht vor einigen Jahren, sind seit 2005 mit diesem Produkt, das heißt eBootes ERP2, am Markt, haben komplett alte Zöpfe abgeschnitten, neu entwickelt und sind sicherlich einer der wenigen Mittelständler, die so einen Schritt gegangen sind. Wir haben bei dieser Neuentwicklung insbesondere darauf geachtet, dass wir von vornherein Mandanten abbilden können mit Vererbungslogik, dass wir in der Lage sind, international zu arbeiten, sprich die gesamte Software ist Unicode-fähig, ist in Englisch von der Basis her entwickelt, die erste Übersetzung ist Deutsch, sodass wir wirklich in der Lage sind, in allen Währungen, allen Sprachen, weltweit mit dieser Lösung zu arbeiten. Ihr ERP-System ist, Sie nennen es ja auch ERP2, wahrscheinlich mit dem Verweis darauf, dass Sie mit Web-Services die Daten von Kunden, von Lieferanten mit einbinden können.
Sie haben gesagt, es ist eigentlich ein Novum, dass man sich nach der Jahrtausendwende nochmal hingesetzt hat, das Geld auch in die Hand genommen hat und ein ERP-System wirklich komplett neu entwickelt hat. Ich beobachte Ihre Unternehmen schon viele, viele Jahre und ich muss sagen, das ist sehr, sehr spannend, weil man das tatsächlich nicht so häufig auf dem ERP-Markt sieht. Vielleicht können Sie ein bisschen was zu dem Datengerüst, zu dem Mengengerüst sagen, wer arbeitet mit Ihrem Unternehmenssystem und wie viele arbeiten damit? Wir haben mit der neuen Lösung, mit der wir seit 2005 am Markt sind, jetzt über 200 Neukunden, die die Software einsetzen.
Die Kunden sind überwiegend unterwegs im Bereich Großhandel und diskrete Fertigung. Wir haben einige Dienstleister dabei, Profilmindienstleister zum Beispiel, auch ein Trend, den wir immer weiter beobachten und wo größere Nachfrage entsteht. Die Anwenderzahl, wenn man einfach mal in Usern rechnet, liegen so zwischen 20 und 400 Usern in diesem Segment in etwa.
Wir haben wenige, die drunter liegen und zwei, drei, die vielleicht größer sind, aber das ist so ungefähr der Range. Ist das concurrent, also sind das User, die gleichzeitig im System arbeiten oder bezieht sich das auf die Unternehmensgröße? Es bezieht sich auf die Unternehmensgröße, das heißt, wir arbeiten mit Named-Usern typischerweise, aber wir sind Hersteller, also auch zu allen Standardnehmern bereit. Okay.
Kommen wir mal so ein bisschen zum heutigen Thema. Wir haben ja gesagt, wir wollen ein bisschen über Stammdaten reden. Dazu zunächst mal die Frage, also ich sage ja immer, ERP ist eigentlich unser Datenfundament.
Es gibt natürlich viele andere Systeme betriebswirtschaftlicher Natur, die auch zu dem Datenfundament beitragen, aber letztendlich ist die Stärke ja, alles zusammen zu haben, die Integration. Welche Datenarten gibt es denn überhaupt in solchen Softwaresystemen, insbesondere im ERP-System? Wir haben natürlich die unterschiedlichsten Datenarten. Die wichtigsten sind sicherlich die Artikelstammdaten, um dort erstmal ein Fundament, wie Sie es genannt haben, zu haben für die gesamte Digitalisierung, die ja in aller Runde ist.
Diese Artikeldaten waren früher viel einfacher, man hatte weniger Daten. Heute gibt es deutlich mehr Anforderungen. Das heißt, ich sage immer, wenn man einen Mini-Bagger oder einen Kugelschreiber beschreibt, hat man ganz andere Merkmale, ganz andere Informationen, die man hinterlegen muss.
Und wir haben von vornherein die Software so offen von Architektur aufgebaut, dass wir über Klassifikationen, zusätzliche Felder, genau die Informationen an die Produktgruppen bringen können, die wir brauchen. Ein weiterer wesentlicher Hintergrund war, dass wir unsere Datenbank in dem neuen System, in EboDiServer 2, komplett multimedial aufgebaut haben. Bedeutet, dass wir sämtliche Informationen, also Bilder, Videos, sonst was in der Richtung, also zum Beispiel Excel-Tabellen oder Bedienungsanleitungen, PDFs in sämtlicher Form, direkt an dem Artikel haben, sodass wir per Knopfdruck Grin-Kataloge in InDesign generieren können oder eben auch unsere eigenen Jobsysteme oder auch Fremdjobsysteme oder Plattformen mit allen multimedialen Informationen bedienen können, die man heute braucht.
Okay, also ein wichtiges Moment im ERP-System sind sicherlich die Artikel. Stammdaten, also Stammdaten per se, was versteht man unter Stammdaten? Stammdaten sind die Basisdaten, die man braucht, um überhaupt irgendwelche Transaktionen oder Geschäftsprozesse durchzuführen. Das heißt, das können Geschäftspartner-Stammdaten sein, also Lieferanten, Kunden.
Das können, wie gesagt, die Artikel-Stammdaten sein. Und dann gibt es natürlich noch viele weitere Daten, sprich die Bewegungsdaten, die dann letztendlich in Prozesse münden. Also welche Informationen braucht man in einem Angebot, in einem Auftrag, in einem Produktionsauftrag oder in einem Serviceauftrag? Das sind weitere Stammdaten, die dann im Laufe des Prozesses entstehen.
Jetzt haben wir das überschrieben als die Stammdaten, als DNA des Unternehmens, als das, was das Unternehmen letztendlich ausmacht. Warum sind die Stammdaten so wichtig für das Unternehmen? Wenn man von Digitalisierung spricht, dann gibt es ja verschiedene Themen. Das eine, das ist ein Datenaustausch, einmal die Daten ins System zu bekommen und mit beliebigen anderen Geschäftspartnern auszutauschen.
Das zweite Thema sind Automatisierungsprozesse. Das heißt, dass ich ein vernünftiges Fundament brauche, um automatisieren zu können. Wenn ich also einen Artikel über einen Onlineshop vertreiben will und ich habe keine Bezeichnung, ich habe kein Bild, ich habe keine Klassifikation zu diesem Produkt, wird es mir sehr schwerfallen.
Und auch bei den Automatisierungen, wenn ich per EDI beispielsweise kommuniziere und in unterschiedlichsten Formen, Dialekten mit der Welt kommunizieren möchte, brauche ich vernünftige Daten, um austauschen zu können und muss die entsprechenden Felder in solchen Datenformaten auch füllen können. Jetzt haben wir ja ganz unterschiedliche Branchen. Sie haben schon so ein bisschen genannt, welche Branchen Sie auch mit Ihrem System adressieren.
Ich weiß, dass es in jeder Branche natürlich sehr starke Unterschiede gibt in den Stammdaten, aber vielleicht können Sie mal so Beispiele nennen, wie unterschiedlich tatsächlich Stammdaten auch von den Anforderungen der Branche her sein können. Ja, nehmen wir vielleicht mal zwei, drei klassische Beispiele. Wir sind auch sehr viel im Automobilbereich unterwegs.
Sprich, wir haben sehr viele Großhändler, die Informationen an den Stammdaten benötigen, zu welchem Auto, zu welchem Typ, zu welcher Motorisierung ein bestimmtes Produkt, eine Lampe von einem Auto zum Beispiel passt. Wenn man diese Klassifikation nicht hat, ist die Information, ich habe eine Lampe, aber ich weiß nicht, wo ich sie einbauen kann, nicht ausreichend. Das ist ein Thema.
Wir haben andere Kunden, die zum Beispiel Nachfolgeartikel in irgendwelchen Stücklisten einbauen müssen und brauchen auch da die Information, welche Spezifikation hat denn mein Nachfolgeartikel, passt der denn überhaupt in meinen Produktionsprozess hinterher. Also ganz unterschiedlichste Anforderungen an die Stammdaten und welche Informationen genau zu dem einzelnen Produkt gebraucht werden. Wie groß ist der Umfang oder wie groß ist die Datenmenge, die so ein Unternehmen an Stammdaten letztendlich verwaltet? Auch das ist natürlich wieder ganz unterschiedlich.
So ein Extrembeispiel, wir haben einige Kunden im Bereich der PBS-Branche, Papierbüro Schreibwaren, da gibt es durchaus 18 bis 20 Millionen Stammdaten, die die theoretisch verkaufen können, haben aber lagermäßig in der Regel nur 40.000 bis 50.000 Artikel vorrätig. Und dann wird es natürlich unglaublich interessant, von sämtlichen Herstellern oder Lieferanten elektronische Kataloge zu bekommen, auf die man zugreifen kann und bei Bedarf sehr simpel und einfach sein Stammdatum anlegt. Es gibt andere Unternehmen, die vielleicht eine Pumpe verkaufen oder sowas in der Richtung.
Die Pumpe besteht aus 135 Bauteilen und es gibt vielleicht zehn von solchen Pumpen, die die im Sortiment haben, da ist natürlich der Stammdatenanteil deutlich geringer. Also es ist sehr stark abhängig von der Branche. Können Sie irgendwie sagen, es gibt Industrien, wo es generell sehr viel Datenmenge, ein sehr großes Datengerüst gibt und andere, wo die Daten eigentlich fast gar keine Rolle spielen? Sicherlich ist das so, wenn man beispielsweise Produkte konfektioniert und hat irgendwo eine überschaubare Größe an Stammdaten im Vorfeld und kann durch verschiedene Kombinationen daraus Produkte machen, also Varianten letztendlich, die man verkauft oder auch produziert, dann kann es durchaus sein, dass der Stammbestand an Daten deutlich geringer ist, als zum Beispiel bei einem klassischen Händler, der mit Autoteilen handelt und sowohl von sämtlichen Herstellern diese Daten braucht, als auch vielleicht noch von Third-Party-Produktanbietern aus dem fernen Osten.
Jetzt haben Sie eben schon gesagt, dieser Bereich Papier, Büro, Schreibwaren, 10.000, 15.000 Artikel, zig Millionen Artikel, die im Hintergrund theoretisch geordert werden können von unterschiedlichen Lieferanten. Das sind ja alles Artikelstammdaten, Größe, Menge, Farbe, dicke Displaystifts und so weiter und so fort. Das sind ja alles beschreibende Merkmale zu dem Artikel.
Wie stellt man da sicher, dass diese Artikelstammdaten im eigenen ERP-System vollständig und vor allem auch aktuell sind? Auch da gibt es natürlich wieder verschiedene Möglichkeiten. Ich behaupte mal, dass ein Großteil der deutschen Firmen noch sehr stark selber Hand anlegt und die Stammdaten pflegt. Ein Trend ist zu beobachten über verschiedene Branchen, auch insbesondere im technischen Handel, dass es Pool-Anbieter gibt.
Nehmen wir mal als Beispiel den EDE Nordwest oder auch Prof. Manns mit seinem IFCC, die versuchen, diese elektronischen Kataloge in einem BME-Kart-Format bereitzustellen mit perfekten Daten. Das heißt, da sind natürlich Länge, Breite, Höhe eines Produktes, da ist der beschreibende Text dabei, eine Kurzbezeichnung, in der Regel ist ein Bild dabei, Buchauflösung, dass man das später im E-Business oder auch für Printkataloge benutzen kann. Solche Bilder werden beim Einlesen ins ERP-System automatisch konvertiert für einen Online-Shop, dass man das Hauptbild, das Vorschaubild, also so ein Thumbnail letztendlich bekommt.
Und darüber hinaus ist die Klassifikation wahnsinnig wichtig. Im Automobilbereich ist das zum Beispiel eine Klassifikation wie TechDoc, dass also alle Daten tatsächlich so interpretierbar sind, dass man in sehr einfacher Form als Endanwender oder auch im Business-to-Business-Bereich eine Werkstatt oder ein weiterer Händler sofort erkennen kann, zu welchem Auto ein Teil passt oder umgekehrt, wenn ein Teil nur in der Definition ist, dass man sagen kann, zu welchen Autos passt das letztendlich. Also Klassifikation wird auch immer wichtiger, beschreibende Merkmale und eben auch Informationen, die weit darüber hinaus gehen, Bedienungsanleitungen, vielleicht sogar Videos, Einbauvideos von irgendwelchen Produkten, die man einem End-User wieder zur Verfügung stellen kann, um einen besseren Service zu bieten.
Früher war es sicherlich sehr einfach, einen Online-Shop zu betreiben. Da gab es noch nicht so viele Informationen. Heute sind die Anforderungen größer geworden.
Und was wir beobachten, ist, dass der perfekte Online-Shop mit sehr viel Daten, mit sehr viel Information, mit sehr viel Service angenommen wird. Andere Shops, die eher rudimentär aufgebaut sind, da kauft man halt nicht so gerne. Also in der Pflege, sagen Sie, viel läuft heute automatisiert.
Da werden wir gleich noch mal drauf kommen, sicherlich. Früher war das ja immer so die typische Aufgabe, der Azubi musste irgendwelche Daten pflegen. Aber wenn man sich heutige ERP-Systeme anschaut und die schiere Menge an Stammdaten rund um beispielsweise den Artikel, dann ist es ja wahrscheinlich nicht nur eine Abteilung, die sich damit beschäftigt, sondern organisatorisch sind das ganz unterschiedliche Personengruppen und Abteilungen, oder? Das ist so.
Und in den meisten Fällen hat man gerade, also es ist immer ganz unterschiedlich, ob man jetzt einen Teil handelt oder ob man einen Teil produziert. Bei den Produzenten ist es gang und gäbe, dass es mehrere Abteilungen sind. Das heißt, irgendjemand legt ein Produkt an und dann gibt es vielleicht die Einkaufsdaten dazu, die irgendwo gepflegt werden.
Dann gibt es die Verkaufsdaten dazu. Dann gibt es vielleicht technische Daten, Konfigurationsdaten. Wie kann ich mit seinem Produkt umgehen? Die CAD-Zeichnung ist vielleicht irgendwo dahinter.
Und dann passiert natürlich noch ein Austausch vielleicht mit Sublieferanten, die irgendwas an dem Produkt veredeln. Also da sind sehr viele Schritte bei der Anlage eines Artikels notwendig. Wenn man einen klassischen Handelsartikel nimmt, dann ist es auch so natürlich, dass man irgendwo einkaufseitig Daten hat und hat verkaufseitig Daten.
Man muss sicherlich auch Lagerartikel noch irgendwo hinterlegen und sagen, wie gehe ich mit diesem Teil um? Habe ich es überhaupt am Lager oder ist es ein reiner Streckenverkauf? Wenn ich es am Lager habe, wie gehe ich damit um? Ist es Seriennummernpflichtig? Ist es Chargenpflichtig? Also auch da können natürlich viele Informationen dazukommen. Und auch da sind mehrere Abteilungen unter Umständen gefordert, die man über einen Workflow steuert, bis ein Artikel perfekt angelegt ist. Toller ist es natürlich, wenn man sämtliche Stammdaten geliefert bekommt und die per Knopfdruck einlesen kann.
Das ist so die Effizienzsteigerung schlechthin. Bleiben wir erstmal beim Basisszenario. Es gibt verschiedene Abteilungen, verschiedene Azubis, verschiedene Personen im Unternehmen, die sicherlich dazu beitragen, dass alle Informationen, alle Daten über den Artikel, über den Kunden, über den Lieferanten da sind.
Wie stellt man jetzt sicher, dass das tatsächlich passiert? Sie haben eben das Thema Workflow angesprochen, irgendwo eine Prozesssteuerung, eine Ablaufsteuerung. Wenn der Einkauf den Artikel angelegt hat, dann wird quasi der Verkauf oder die Produktion gezwungen, bestimmte Artikeldaten hinzuzufügen. Kann ich mir das so vorstellen im ERP-System? Ja, das kann man sich durchaus so vorstellen.
Und wir haben, um das Ganze zu unterstützen, einen sogenannten Datenüberwachungsdienst, der kontinuierlich prüft im Hintergrund, ob die einzelnen Abteilungen ihren Job getan haben und gibt dann letztendlich die Weiterbearbeitung für die nächste Abteilung frei. Jetzt ist es ja nicht nur so, und da kommen wir vielleicht schon mal im ersten Schritt auch zur Automatisierung, dass Sie in der Welt alleine da sind und das erste Mal über diese Artikeldaten nachdenken. Ich denke zum Beispiel an typische Genossenschaftsmodelle oder Filial- oder Franchise-Modelle, wo Sie einen Systemkopf haben und dann viele Satelliten, die eben auch auf diesen Daten oder viele Filialen, die eben auch auf diesen Daten ihren Webshop pflegen, ihren Katalog erstellen, ihre Preisschilder erstellen und so weiter und so fort.
Da macht es ja wenig Sinn oder es ist wenig sinnvoll, dass alle Daten redundant mehrfach eingearbeitet, eingepflegt werden. Wie funktioniert das da? Auch da muss man natürlich wieder das Unternehmenskonstrukt suchen oder sehen. Wenn ich mir vorstelle, dass viele Filialen mit einem System arbeiten letztendlich, dann würde genau das greifen, was ich Anfangs mal erwähnt habe.
Man legt die Stammdaten auf einer hochaggregierten Ebene fest. Man kann es Konzern nennen oder übergeordneter Mandant. Ich spreche jetzt speziell mal von den Artikeldaten.
Die Artikeldaten könnte man dann zu den Mandanten darunter vererben. Das heißt, man pflegt die genau nur einmal und die Mandanten darunter können sich über alle oder Teile dieser Artikel bedienen. Auf den einzelnen Mandantenebenen gibt es dann in unserem System zum Beispiel eine Überlagerung, dass man sagen kann, hier haben wir mal so ein typisches Nord-Süd-Gefälle.
Der Preis für ein Produkt ist in Bayern ein anderer als in Schleswig-Holstein. Dann sind aber alle Informationen wie Bild, Klassifikationen, Dokumente, die dranhängen, Länge, Breite, Höhe, was da immer gesprochen haben, gleich. Aber ich kann trotzdem in Mandant A 7,50 Euro nehmen, in Mandant B 9,50 Euro nehmen.
Ich habe aber trotzdem nur einen sehr geringen Aufwand bei der Artikelpflege. Okay, also das ist quasi, wir arbeiten auf einem System. Wenn ich jetzt vorgelagert Lieferanten habe, was weiß ich, im Einzelhandel beispielsweise, die mir diese Artikeldaten aus ihrem eigenen Datenpool zur Verfügung stellen können, wie funktioniert das dann? Auch da haben wir wunderbare Möglichkeiten.
Ich glaube, das ist ein Thema, was heute jedes ERP-System beherrschen sollte, dass man mit elektronischen Katalogen arbeiten kann. Wir haben sehr viel mit Professor Dörloff seinerzeit in Essen gearbeitet. Das ist ja so der geistige Vater von WME-CAT.
Und er hat uns immer wieder angetrieben, dass wir uns mit diesen Themen beschäftigen. Und wir haben, ich nenne es immer ganz platt, einen vorgelagerten Topf, also einen Datenbereich in unserer Datenbank, wo wir beliebig viele elektronische Kataloge hinterlegen können. Bedeutet, es gibt ein Standard-Transport-Medium, das ist dieses WME-CAT, in dem man normalerweise Daten, elektronische Kataloge austauschen kann.
Das ist eine genormte Transport-Ebene. Und ich kann beispielsweise, wenn ich mir jetzt so einen Fahrzeugteile-Händler wiederum vorstelle, einen Katalog einlesen mit allen Ersatzteilen für Ford, einen Katalog mit allen Ersatzteilen für Opel und so weiter. Und vielleicht noch die Third-Party-Produkte aus Asien, die ich dazu lese.
Und habe dann unter Umständen 1, 2, 3, 5 Millionen Daten in 37 verschiedenen Katalogen, die ich irgendwo im System bereitstelle. Meine eigentliche Lagerhaltung hat vielleicht nur 40.000 oder 50.000 Artikel. Aber in dem Moment, wo ich neue Artikel brauche oder jemand ruft mich an oder ich bekomme eine Anfrage und suche einen bestimmten Artikel, dann gehe ich in diesen vorgelagerten Topf und kann über Merkmale, Klassifikationen, über Kurzbezeichnungen, was auch immer, über alle Kataloge suchen und finde alle Treffer von allen Katalogen, die jetzt meiner Anfrage entsprechen.
Und in dem Moment, wo ich sage, für diesen entscheide ich mich, weil der vielleicht gute Lieferzeiten oder gute Preise hat, wird dieser Datensatz automatisch in meinem eigentlichen ERP angelegt und ich kann ihn sofort verwenden. Warum haben Sie die Artikeldaten nicht alle sofort in Ihrem ERP-System drin, sondern sagen, wir halten die Millionen von Datensätzen außerhalb des ERP-Systems? Um das, was ich wirklich im täglichen Leben brauche, nicht mit dem zu vermischen, was ich eventuell irgendwann mal brauche. Das heißt, Sie sind ja letztendlich im ERP-System, nur in einem unterschiedlichen Datenbereich.
Also der Mechaniker soll nicht durch 50 Millionen Datensätze verwirrt werden, wenn er was sucht, sondern eigentlich nur mit dem umgehen, was in der Realität tatsächlich auf Lager ist oder im Umlauf des Unternehmens existiert und alles andere ist vorgelagert, vorgeschaltet. Das kann der Vertrieb dann nutzen. Das kann man nutzen, wenn man ein Ersatzteil sucht vielleicht, aber man muss es ja nicht lagermäßig im System haben.
Eine weitere Möglichkeit, sich den Aufwand zu reduzieren für Artikelstammdaten oder generell für Stammdaten, ist ja auch die Nutzung von Stammdaten-Pools. Was ist das? Was hat es damit auf sich? Die meisten Hersteller, wenn man sich wirklich mal die reale Welt von heute ansieht, haben keine besonders gut gepflegten Daten, die die in elektronischen Katalogen liefern. Deshalb gibt es Unternehmen, die sich genau damit beschäftigen und sagen, wie schaffe ich es jetzt aus diesen rudimentären Daten, die ich von einem Hersteller bekomme, einen Katalog zu machen, der wirklich wiederverwendbar und direkt weiterverwendbar ist.
Und das sind Dienstleistungen, die von solchen Unternehmen erbracht werden. Und wenn ein Katalog dann angereichert wurde und wirklich einem BME-Format entspricht und dort von der Klassifikation vielleicht einem I-Class entspricht, dann hat man eine Norm erreicht und kann dadurch sicherstellen, dass solche Kataloge wirklich per Knopfdruck ins System eingelesen werden können. Die Begriffe, die Sie eben genannt haben, kommen ja so aus dem Schnittstellenbereich.
Ist das problematisch? Ist das sehr aufwendig, solche Standard-Pools, solche elektronischen Kataloge einzulesen, anzubinden an ERP-Systeme? Es kommt immer darauf an, wie gut so ein ERP-System natürlich ist. Viele unserer Kollegen können sowas leider noch nicht. Wir haben durch die offene Technologie, durch die offene Architektur die Möglichkeit, im Prinzip jedes Format sofort über eigene Tools zu konvertieren, dass wir es einlesen können.
BME-I-Class, das ist natürlich Standard, das sind Standarddefinitionen, da braucht man nicht drüber nachzudenken. Ich habe allerdings in einem Ihrer folgenden Podcasts mal gehört, dass ein Kollege von Ihnen auch über Dialekte gesprochen hat. Und das ist leider Gottes immer noch gang und gäbe in dieser Welt, dass nicht die eindeutigen Klassifikationen einhalten werden, sondern dass doch nochmal das eine oder andere Feld für den Transport irgendwelcher anderen Informationen benutzt wird.
Und spätestens dann muss man diese Dialektik verstehen, übersetzen können und beim Einlesen hat man dann einen etwas höheren Aufwand. Aber Standards kann man per Knopfdruck einlesen. Ja, das ist jetzt schon das nächste Stichwort Aufwand.
Wenn ich hunderte von Datensätzen für einen Artikel habe, die ich pflegen muss in den verschiedenen Abteilungen, das ist sehr aufwendig, das wird, glaube ich, jeder sofort unterstreichen. Wenn ich diese Daten aber aus Pools, aus Katalogen direkt automatisiert und digital mir ziehen kann, was bedeutet das für die Aufwandsreduktion an der Stelle? Natürlich ist das immer wieder sehr stark davon abhängig, wie gut diese Datenpools sind und wie gut die Daten aufbereitet sind und ob wirklich alles verfügbar ist, was ich brauche in meinem Unternehmen. Wir haben Kunden, die bis zu 98% des Aufwands für die Datenpflege sparen und das kann man natürlich sehr schön auch monetär direkt umrechnen.
Es ist nicht nur das Sparen der Datenpflege, sondern es sind auch die Eingabefehler, die dabei passieren können, die deutlich reduziert werden, wenn man mit solchen fest definierten und gut gepflegten Daten von vornherein arbeitet. Also man spart wirklich, ich sage immer, Zeit, Geld und Nerven bei der Datenpflege. Trotz alldem können natürlich Themen auftauchen.
Das ist ja nicht mit dem einmaligen Import von solchen Daten getan, sondern die Hersteller, die Lieferanten, die verändern ja auch die Daten. Es kommen Nachfolgeartikel. Sprich, man muss beim Einlesen auch eine Updatefähigkeit haben, sodass man zukünftige Kataloge beim nächsten Import automatisch scannen kann und kann sagen, was ist von diesen Katalogen schon im ERP und dass ich im Prinzip beim Einlesen erkenne, dieses Teil läuft irgendwann im nächsten Jahr, Mitte nächsten Jahres aus, es gibt ein Nachfolgeprodukt und auch diese Information automatisch mit meinem Artikel im ERP verknüpfe.
Des Weiteren können sich Preise ändern. Ich muss kontrollieren beim Einlesen. Hat sich ein Einkaufspreis bei meinem Lieferanten geändert? Ist das vielleicht kleiner 1%? Dann kann ich dem Regelwerk beim Einlesen beibringen, dass automatisch der Verkaufspreis angepasst wird.
Ist es größer 1%, kann ich beispielsweise wieder den Workflow animieren, eine zu erledigende Aufgabe an den Sachbearbeiter zu geben und kümmere dich um dieses Teil, da hat sich eine größere Preisveränderung ergeben. Auch das sind Hilfen, die man den Sachbearbeitern geben kann, um automatisierte Prozesse, teilautomatisierte dann hinterher doch mal manuell zu bearbeiten. Also ich sage nicht nur dem, der die Daten pflegen muss im Unternehmen, jetzt schau noch mal alle Daten, die du automatisiert vom Lieferanten gezogen hast, überprüfe die noch mal, sondern ich kann tatsächlich mit Regelwerk, mit Skripten arbeiten und eben sagen, wenn bestimmte Dinge erfüllt sind, wenn sich viele Felder verändern, Sie haben eben das Beispiel, wenn sich der Preis verändert, der Listenpreis verändert, dann werfe den Artikel noch mal aus oder passe automatisiert irgendwelche anderen Dinge dann an.
Das sind natürlich Möglichkeiten, um die Effizienz an der Stelle zu steigern. Auf jeden Fall, weil man bekommt eine zu erledigende Aufgabe, muss sich nicht mehr mit allen Daten beschäftigen, sondern bekommt die, die kritisch sind und wo irgendwas zu tun ist. Das machen wir entweder über zu erledigende Aufgaben bei dem entsprechenden Sachbearbeiter oder wir, vielleicht das noch mal so zu unserem ERP2, wir nennen es immer eine individualisierbare Standardsoftware, sprich, wir haben die Möglichkeit über Regelwerke, Skripte, sehr viel innerhalb des Standards zu modifizieren, zu verändern, Prozesse, Prozessabläufe zu ändern und können auch beispielsweise individuelle Desktops bauen, sprich, stellen Sie sich einfach eine leere Maske vor und Sie sagen, ich möchte jetzt eine Tabelle auf diese Maske bringen und da sind nur die Produkte drin, die irgendwo kritisch über so einen Import reinkommen und dann hat der Sachbearbeiter die Möglichkeit, die en bloc in einer Maske zu machen.
Jetzt machen Sie das ja, ohne zu viel zu verraten, schon ein bisschen länger. Sie sprengen auf meine grauen Haare an, oder? Auf Ihre Erfahrung. Und das Thema Stammdaten ist ja für die meisten Unternehmen und für die meisten Projekte ganz zentral.
Es fallen Ihnen spontan Geschichten ein, wie Unternehmen mit ihren Daten umgehen, wo die Probleme liegen, wo die Herausforderungen liegen. Natürlich, also da gibt es genügend Geschichten, die man sicherlich erzählen kann. Insbesondere bei den Unternehmen, die handeln, ist es oft sehr schwierig, überhaupt ein Verständnis für die eigenen Daten zu bekommen.
Also wir haben mal ein Unternehmen gehabt, die brauchten wirklich eine bildhafte Darstellung. Bei vielen tausend Artikeln, die sie vermarkten, um dem Vertriebler, auch neuen Leuten, die jetzt reinkommen, die Informationen zu visualisieren, was verkaufe ich da eigentlich. Früher ist es wirklich so gewesen, dass jemand mal ins Lager gerannt ist und hat sich den Artikel angesehen.
Heute ist es so, dass in der Vertriebsbearbeitung, sprich im Angebot, in der Auftragsbearbeitung, einfach diese Bilder eingeblendet werden, vielleicht sogar noch dreidimensional, dass man die drehen kann und sofort eine Unterstützung da ist. Das sind so Themen, wo sich die meisten mit schwergetan haben, bei einer großen Menge von Artikeln. Wenn man wirklich tausend oder viel, haben wir auch wirklich hunderttausend von Artikeln, die gehandelt werden.
Und die alle zu verstehen, die fassen zu können und die einem Endkunden auch beschreiben zu können, da haben sich viele mit schwergetan und das ist, glaube ich, ein deutlicher Fortschritt, der heute da ist. Also ich habe das nicht nur einmal mittlerweile gesehen, dass nicht die einzelnen Felder gefüllt wurden, sondern diese Notizfelder einfach beschrieben wurden und irgendwelche Daten, die eigentlich strukturiert abgelegt werden sollten, dort in dieses Notizfeld reingeschrieben wurden. Das kennen Sie wahrscheinlich auch, die Problematik, oder? Die kenne ich sehr gut und auch das ist ein Thema, Gott sei Dank, aus der Vergangenheit.
Das heißt, bei Kunden, die wir jetzt auf unser ERP2 bringen, haben wir das natürlich immer noch und das ist auch immer eine hehre Aufgabe bei einer Datenübernahme, wenn man unstrukturierte Daten strukturiert in ein neues System übernehmen möchte, ist das schon eine große Herausforderung. Da ist sicherlich immer noch Handarbeit notwendig, man kann nicht alles elektronisch auseinanderbringen, aber genau das ist ein Thema, was wir in der neuen Lösung über die Klassifikationsmöglichkeiten gelöst haben. Sprich, wenn ich von E-Class rede, habe ich ja vorhin gesagt, es sind Standard einfache, aber kein Mensch würde im E-Class Format seinen Online-Shop auf der anderen Seite aufbauen.
Da habe ich die eigenen Produktgruppen, da fasse ich aus verschiedensten Bereichen Informationen zusammen. Also muss ich in der Lage sein, eine neue Klassifikation aufzubauen und diese neue Klassifikation kann natürlich genau die Merkmale in der Länge und in der Ausprägung enthalten, wie ich sie benötige und dann brauche ich keinen Freitags mehr, wo ich irgendwelche kryptischen Dinge reinschreibe. Können Sie vielleicht mal ein Beispiel machen, weil ich glaube, sonst wird es ein bisschen abstrakt für die Hersteller.
Also wir haben eine Schnittstelle, E-Class. Also ich bekomme Daten rein und in E-Class habe ich jetzt vielleicht 500 Artikel, die heißen Muffe. Und das ist irgendeine Muffe, die ich vielleicht für irgendwelchen Sanitärhandel brauche und die sind jetzt nach E-Class definiert.
E-Class beschreibt eindeutig, was Länge, Breite, Höhe und so weiter ist. In meinem Online-Shop möchte ich aber alle Sanitärartikel vielleicht zusammenfassen. Also nicht nur die Muffen, die in dem E-Class Bereich A stehen, sondern vielleicht auch noch irgendwelche Verschraubungen, die in dem E-Class Bereich B stehen.
Also mache ich eine Produktgruppe in meinem Online-Shop, die heißt Sanitärteile und habe dann aus beiden E-Class Elementen in einer Klassifikation diese Produkte stehen. Und das ist das, was man typischerweise macht, dass man seinen Online-Shop zielgerichtet aufbaut und sagt, wer geht auf diesen Job, wer holt sich da Informationen, wer will bestellen und darüber dann eine Zusammenfassung mehrerer Produktgruppen in einer Verkaufsproduktgruppe definiert. Jetzt haben Sie da ja ein sehr komplexes Thema eigentlich angesprochen und jeder löst es zur Zeit so ein bisschen auch für sich.
Wir haben vorhin beim Kaffeetrinken auch über das Thema Blockchain gesprochen und natürlich hat jeder Hersteller momentan ein paar Visionen und Ideen, was man machen kann. Vielleicht können Sie auf das Thema Blockchain und Artikelstammdaten einmal eingehen. Ja, wir haben das auch sehr viel bei uns diskutiert.
Ich meine, ob Blockchain jetzt wirklich die exakt richtige Technologie ist, weiß ich noch nicht für die Zukunft. Aber die Idee, die dahinter steht, ist, wir haben gerade darüber diskutiert, wie man elektronische Kataloge einlesen kann, wie man automatisch Daten pflegt. Die Frage ist, muss zukünftig so eine Pflege überhaupt noch notwendig sein oder reicht es aus, wenn diese Daten auf irgendwelchen Servern, in irgendwelchen Pools zur Verfügung gestellt werden, eine eindeutige Identifizierung haben, also wie EGT oder sowas in der Richtung oder ERM, was man heute hat, und ich darüber ad hoc in dem Moment, wo ich einen Artikel brauche, mir die Beschreibungen, die Bilder usw.
aus einem Pool irgendwo in der Cloud, irgendwo im Netz hole. Auch das könnte sicherlich zukünftig interessant sein, dass zentrale Datenpflege passiert und man sich nur noch dieser Daten bedient. Dazu ist aber die Voraussetzung, dass die Netzausbauten von Jamaika bis alle anderen Politiker im Moment sprechen, wirklich mal realisiert wird, dass man, egal wo man ist, diese Zugangsmöglichkeit hat.
Das ist heute leider noch nicht so. Okay. Jetzt sind wir irgendwann mal mit betriebswirtschaftlicher Software in den 60er Jahren gestartet.
In den 80ern sind dann so langsam die ERP-Hersteller, sie sind ja auch ursprünglich mal in der Zeit gegründet worden, 1982 entstanden, und man hat ganz, ganz langsam begonnen, eigentlich die physischen Objekte virtuell zu beschreiben. Das ist ja letztendlich das, was Stammdaten auch sind. Was haben wir gemacht? Wir haben uns angeschaut, Länge, Breite, Höhe.
Wir haben uns einen beschreibenden Text überlegt, wir haben da Bilder beigefügt. Sagen wir mal, das ist heute der Standard. Das hat man mit jedem Produkt, CAD-Zeichnung vielleicht dann usw.
Gibt es vielleicht auch neue Arten von Stammdaten, die sich jetzt so langsam einschleichen in die Branchen? Natürlich, das wird immer mehr. Es fängt schon an mit dreidimensionaler Darstellung im Onlineshop. Das heißt, wenn ich ein Produkt vielleicht von mehreren Seiten sehen möchte, habe ich da schon ganz andere Informationen wieder, die ich verwalten muss, die ich darstellen muss, wo ich Tools brauche, um die zu visualisieren.
Denken Sie an 3D-Drucker, auch da gibt es viele neue Themen, die eine Rolle spielen. Und so gibt es immer neue Technologien, die wieder mehr Stammdaten, andere Stammdaten benötigen, die man irgendwo nicht nur verwalten, sondern auch transportieren muss. Wir waren neulich zusammen auf einer ERP-Veranstaltung.
Da hat ein Kunde von Ihnen aus dem Blumenbereich etwas präsentiert. Der verlangt aber in den Stammdaten noch nicht das Festlegen von Pfeilchenduft und Rosenduft und Ähnliches, oder? So weit sind wir noch nicht in den Stammdaten, oder? Er verkauft keine Frischblumen, sondern das ist ein Unternehmen, die sind im Bereich der Zubehörteile, sage ich mal, also Blumentöpfe und sowas unterwegs, aber im sehr hochwertigen Bereich. Auch das kann natürlich kommen, auch das ist ein Thema.
Ich meine, bei ihm nicht der Pfeilchenduft, aber sicherlich auch, um Atmosphäre zu schaffen, um mehr Affinität zum Kauf, also anzuregen zum Kaufen, gibt es auch diese Ideen sicherlich. Gerade, wenn man mit Food oder, wie Sie gerade schon sagten, mit Frischblumen vielleicht handelt, kann das durchaus auch ein denkbares Thema sein. Auch das sind Stammdaten.
Ich komme mal zu einem ganz wichtigen Thema, was man immer so gerne als Erzieher ganz zum Schluss behandelt und als Geschäftsführer gar nicht behandeln will. Das ist das Thema Compliance. Was hat es denn damit auf sich im Stammdatbereich? Es gibt verschiedene Ansätze dazu.
Die einfachste Sache, die auch jeder, glaube ich, versteht und die seit langer Zeit natürlich auch rechtlich eigentlich bindend ist, ist, dass man eine Terrorprüfung zum Beispiel macht. Dass man also gegen irgendwelche Terrorlisten bei einem Mitarbeiter von einem Geschäftspartner prüft, steht auf einer schwarzen Liste. Da gibt es auch wieder verschiedene Verfahren zu.
Der Gesetzgeber sagt ja immer so im Rahmen des Möglichen, wir machen durchaus auch Badge-Prüfungen gegen irgendwelche Datenbanken, wir machen aber auch eine Online-Prüfung per Webservice. Das heißt, in dem Moment, wo jemand in einem Lieferschein, in einem Angebot oder in einem Auftrag einen Mitarbeiter eines Kunden zum Beispiel einträgt oder aus verschiedenen Datensätzen auswählt, wird ad hoc in dem Moment per Webservice gegen eine Terrorliste geprüft. Steht auf der schwarzen Liste ja oder nein.
Dann bekommt man entsprechende Meldungen und Verfahrenshinweise. Weitere Themen sind natürlich wichtig, die jetzt nicht unmittelbar mit Compliance zu tun haben, aber die auch per Webservice geprüft werden. Auch das ist sicherlich ein Thema.
Das sind moderne Systeme wie unseres, haben eine Webservice-Architektur, dass man aus dem ERP-System an bestimmten Punkten einfach mal ins Netz greift und prüft. Gibt es zum Beispiel eine vernünftige Dublettenprüfung? Haben wir beispielsweise so Themen, dass die Umsatz-ID-Nummer geprüft wird? Ist der Kunde überhaupt bonusfähig, dass eine Bonitätsprüfung automatisch stattfindet? Oder allein schon eine Adressprüfung. Ist die Adresse, die ich jetzt gerade eingegeben habe, konsistent? Passt die? Gibt es überhaupt diese Adresse irgendwo? All diese Themen, die kann man per Webservice abprüfen und hat sofort eine Reaktion.
Wie gesagt, im Compliance-Umfeld geht es ja noch viel weiter. Da kann man, glaube ich, einen separaten Podcast nochmal von machen. Ich denke, das ist schon von dem Sich-Bewusstmachen ganz wesentlich, dass ich weiß, wenn die Daten sauber abgeschweichert sind im ERP-System, dass eben auch protokolliert wird, wer verändert diese Daten, wer manipuliert vielleicht auch diese Daten und ähnliche Dinge, um Betrug zu vermeiden, aber auch eine langfristige Archivierung zu erreichen.
Natürlich ist auch das ein Thema. Wir haben neben den klassischen Kunden aus dem Bereich Handel und Produktion auch Unternehmen, die im Prozessfertigungsbereich unterwegs sind. Und das hat nichts mit der Polizeisirene gerade zu tun, die kommen von draußen.
Nein, aber auch da gibt es natürlich Anforderungen, dass wirklich historisch festgeschrieben wird, wer wann welche Veränderungen gemacht hat. Ganz wichtig im medizintechnischen Bereich, also wenn man sich vorstellt, irgendeine Ampulle, die man im Krankenhaus an den Arm gelegt bekommt, da muss natürlich nachgewiesen sein, welche Veränderungen dort produktionstechnisch, materialtechnisch oder sonst was passiert sind und wer es gemacht hat. Und auch solche Nachweise führen wir im System, sodass wir im Prinzip die komplette Historie visualisieren können, wer welche Veränderungen wann gemacht hat.
Ich gehe nochmal auf die Einkaufsseite. Ich glaube, da ist ja auch wahnsinnig viel Potenzial. Stichwort E-Procurement, die Einbildung von externen Artikelbasen, von externen Beschaffungswegen.
Sie haben eine große Kooperation mit Mercateo angestoßen. Was ist da die Idee, was hat das mit Stammdaten zu tun? Das ist so ein Konstrukt aus Stammdaten und aus elektronischer Kommunikation. Mit Mercateo beispielsweise, um mal stellvertretend für viele andere Plattformen zu reden, haben wir auf der einen Seite die Möglichkeit, nehmen wir mal wieder einen Produzenten, der irgendwelche Bohrmaschinen produziert, der möchte jetzt auf Mercateo seine Produkte vermarkten.
Also muss ich ihm die Möglichkeit geben, aus dem ERP-System heraus einen BME-CAD-Katalog im E-Class-Format wiederum zu produzieren. So etwas kann Mercateo wunderbar einlesen. Und er kann darüber über einen Transport auf die Mercateo-Plattform wirklich mit einem Knopfdruck alle seine Produkte publizieren.
Das muss natürlich einmal mit Mercateo diese Schiene eingerichtet sein. Und er kann jederzeit auch Updates fahren und die wieder versorgen letztendlich. Wenn jetzt die Einkaufsseite ins Spiel kommt, von der Sie gerade gesprochen haben, da läuft es ja etwas anders.
Das heißt, ich bin Einkäufer in dem Ebotis ERP-2-System und mache eine Bestellung auf. Jetzt möchte ich unter Umständen nicht bei vielen Lieferanten meine ganzen Produkte zusammensuchen, sondern nutze so eine Plattform wie Mercateo, die um die 21 Millionen Artikel dort auf der Plattform haben, von unterschiedlichsten Lieferanten und recherchiere quasi wie in einem Online-Shop. Sprich, ich wähle in dem ERP-2 den Lieferanten Mercateo aus, drücke einen Knopf und bin dann in seinem Shop, sehe diese 21 Millionen theoretischen Artikel, suche nach Kriterien meine Artikel aus.
Die sind vielleicht von 27 verschiedenen Lieferanten. 135 Artikel habe ich mir jetzt in meinen Warenkorb gelegt. Der Unterschied ist, dass ich jetzt nicht diesen Warenkorb in diesem System lasse, sondern per OCI – das ist so ein Format, was, glaube ich, ein unbekannter Wettbewerber von uns, die Firma SAP, mal definiert hat, also auch Catalog Interface – bekomme über eine OCI-Schnittstelle die Daten in mein ERP-System geliefert.
Dort wird die Bestellung quasi mit diesen 127 Artikeln, die ich da gerade in den Warenkorb gelegt habe, angefüllt und entweder habe ich diesen Artikel schon im ERP-System und der Artikel ist da oder ich kann ihn auch automatisiert im ERP-System jetzt anlegen in dieser Sekunde. Dann habe ich meine Bestellung im ERP-System, muss also nicht doppelt erfassen, sondern habe einfach nur in dem Shop recherchiert und habe darüber meine Bestellung im ERP-System angelegt und kann dann wiederum per Knopfdruck eine EDI-Bestellung an Mercateo schicken. Mercateo bekommt diese EDI-Bestellung über diese 127 Artikel, verteilt die auf die entsprechenden Lieferanten und ich bekomme von den Lieferanten ein Liefer-ID, auch elektronisch, wann diese Ware geliefert wird.
Und wenn der Wareneingang tatsächlich erfolgt, sprich der Lieferant an mich geliefert hat, dann kann ich den Wareneingang bestätigen und darüber automatisiert ein Gutschriftsverfahren auslösen, sodass ich gar keine Rechnung mehr bekomme, also keine Rechnungseingangsprüfung mehr machen muss, keine Rechnung mehr ablegen muss oder archivieren muss, sondern das ist ein automatischer Prozess und bin damit fertig. Das heißt, der Aufwand für mich als Einkäufer reduziert sich deutlich. Können Sie einschätzen, was in diesem Bereich Beschaffung dadurch eingespart werden kann, an Aufwand? Ja, man sagt irgendwo zwischen 30 und 60 Prozent.
Das kommt immer sehr stark darauf an, ob ich jetzt ein großes Unternehmen habe und ein großes Einkaufsvolumen habe oder ob ich nur temporär ab und zu bei so einem Mercateo-Daten geschafft. Es sind ja auch überwiegend C-Teile-Artikel, die da gehandelt werden. Also eine neue Maschine beschäftige ich typischerweise nicht darüber, aber ein paar Handschuhe, eine Bohrmaschine und vielleicht noch irgendwelches Verbrauchsmaterial, Öl oder sonst was in der Richtung.
Das zeigt ja das immense Potenzial, was wir eigentlich in der vernünftigen Pflege und im vernünftigen Handling von Artikeln oder anderen Stammdaten an vielen Stellen des Unternehmens haben, wenn man damit intelligent umgeht, die entsprechende Funktionalität oben drüber definiert über dem Datenfundament und dann das Ganze auch realisiert im Unternehmen. Absolut richtig, ja. Kommen wir nochmal zu Ihnen.
Zu mir? Ja, Sie sind schon relativ lange eines der Gesichter der E-Bootes, eines der ERP-Kompetenzen auf dem Markt für betriebswirtschaftliche Software-Systeme. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Es hat einen relativ simplen Hintergrund. Ich habe gerne immer versucht, kreative Ansätze zu finden, um Prozesse zu optimieren, Prozesse zu verändern, auch mal wirklich eine Vision nach vorne zu tragen und zu sagen, wo kann es mal hingehen, nicht nur auf dem Stand zu bleiben, wo man heute ist, sondern irgendwo auch mal in die Zukunft zu sehen.
Sie haben vorhin meine Langerigkeit angesprochen, ich habe ein paar graue Haare, ich bin jetzt 60 Jahre alt und sicherlich schon länger in der Branche unterwegs, fast 30 Jahre jetzt oder es sind ziemlich genau 30 Jahre, und ich habe in einem Unternehmen angefangen, wo ich die IT damals eingeführt habe und mittelständisches Fertigungsunternehmen, wo wir im Prinzip die damaligen Lochkarten und sonst was in der Richtung gegen eine moderne IT wirklich mal ausgetauscht haben. Und über diesen Weg bin ich dann letztendlich zu dem Hersteller, zu dem heutigen Ebotis gekommen und da kommt diese Historie so her. Und ich habe früher als Berater gearbeitet, habe also auch solche ERP-Projekte eingeführt, daher sicherlich das Prozesswissen auch, wie so eine ERP-Software funktioniert und was ein Unternehmen braucht, bis zur Finanzbruchhaltung hin und zur Kostenrechnung natürlich.
Und wie gesagt, in den letzten Jahren mehr vertrieblich unterwegs und versuche, dieses Produkt und auch mit dem Wissen, was ich habe, irgendwo vernünftig zu vermarkten. Wenn Sie jetzt auf diese lange Erfahrung auf dem ERP-Markt zurückblicken, was war Ihr größter Erfolg? Mein größter Erfolg, ich würde den noch nicht mal auf ein Unternehmen oder auf eine Funktionalität irgendwo sehen, sondern mein größter Erfolg ist einfach immer, wenn ein Unternehmen versteht, was es an Effizienzsteigerungen erreichen kann durch den Einsatz eines neuen Systems. Das ist für mich immer so ein Erfolgsfaktor, wenn ich sehe, jetzt haben Sie es verstanden.
Und ich glaube, dass ein Großteil, ich habe letztens einen böswilligen Blogartikel mal geschrieben im Xing-Profil, da ging es um den Verband technischer Händler, das war wirklich nicht böse gemeint, sondern einfach mal so eine Aufforderung zum Nachdenken. Ich habe gefragt, ist der technische Handel noch im neuen Röschenschlaf, weil alle reden draußen von der Digitalisierung, aber so richtig in Bewegung ist da noch nichts gekommen. Viele denken da wirklich ernsthaft darüber nach, aber vielen fehlt auch irgendwo so dieses Packende.
Und für mich ist Erfolg, wenn man dieses Packende erfolgreich mal mit einem Unternehmen nach vorne bringt und sagt, jetzt haben wir wirklich das Unternehmen dahin gebaut, wo es hin muss. Also den Artikel verlinken wir natürlich gerne in den Shownotes zu dieser Folge. Ist vielleicht auch der Grund, dass manche Branchen sich damit gar nicht so identifizieren können oder hadern, dass man in der Fachpresse einfach immer von diesen Roboter-Armen und Big Data und Datenbrillen und so weiter liest? Ist das vielleicht etwas, was eher abschreckt als beflügelt? Vielleicht ja, weil deshalb habe ich auch immer dieses Thema da definiert, die digitale DNA des Unternehmens sind die Stammdaten.
Weil ich glaube, dass 80 Prozent, vielleicht 90 Prozent der deutschen Unternehmen noch gar nicht so weit sind, dass sie das Fundament gebaut haben für die Digitalisierung. Und ich glaube, dass viele Beiträge, die man hört von, es gibt ja unheimlich viele Dozenten, die nur Angst machen, was Digitalisierung angelangt. Also ich habe viele Vorträge in letzter Zeit gehört, wo die Dozenten als Tenor hatten, 90 Prozent von den Leuten, die hier im Auditorium sitzen, haben in zehn Jahren keinen Job mehr.
Und dieses Angst machen, das halte ich für falsch. Wir müssen gucken, dass wir so ein Packende finden und sagen, wie kann man die Themen, die uns die Digitalisierung beschert, also das, was Amazon vorlebt, auf den Mittelstand runterbrechen und wie kann man den Mittelstand erfolgreich machen. Und das ist für mich das Thema Digitalisierung.
Aus Ihrer Sicht, ERP als lebenslanges Lernen, gibt es Bücher, gibt es Materialien, die Sie weiterempfehlen können, sich mit der Materie auseinanderzusetzen? Unglaublich viele. Und die jetzt alle aufzuzählen, wäre wahrscheinlich wieder ein weiterer Podcast. Ich möchte aber trotzdem eine Sache empfehlen.
Weil wenn man eine ERP-Einführung macht, dann geht es nicht nur um Daten, da geht es nicht nur um Technologie, sondern da geht es um Menschen. Man muss die Menschen mitnehmen, die in dem Unternehmen sind und die müssen in der Lage sein und auch willens sein, so ein ERP-Projekt durchzuführen. Sie haben, ich glaube, das wissen Sie auch viel besser noch als ich, die unterschiedlichsten Charaktere in solchen Unternehmen und das sind ganz ambitionierte Leute, die leider Gottes noch gar nicht die Prozesse wirklich kennen.
Dann gibt es so die Grauhaarigen, die die Prozesse perfekt kennen, aber gar keine Lust mehr haben, was Neues anzufangen. Und das alles zu synchronisieren und so zu synchronisieren, dass wirklich eine Effizienzsteigerung auskommt, das ist ein großes Geheimnis. Wir haben auch bei Ebotis da lange, lange drüber nachgedacht.
Was kann man da machen? Und wir haben vor längerer Zeit zusammengesessen und einfach mal die Praxiserfahrung, wirklich Praxiserfahrung, pragmatische Ansätze, die wir gemacht haben in den letzten Jahren, zusammengefasst zu einer Broschüre, da geht es um Change Management. Das heißt, wie kann ich die Mitarbeiter in einem Unternehmen zu ERP-Fans machen, dass die wirklich begeistert sind und mitmachen und sich nicht zurückgesetzt fühlen. Und diese Broschüre ist kostenfrei bei uns auf der Seite zu laden, kann man sich runterladen, kostet kein Geld und ist wirklich völlig neutral geschrieben, hat also nichts mit unserem Produkt zu tun, sondern ist wirklich mal ein Thema, wie kann ich erfolgreich ein Projekt machen und die Menschen mitnehmen.
Und das kann ich nur wirklich wärmstens empfehlen. Auch da, wir werden es entsprechend verlinken, herzlichen Dank. Jetzt gucken Sie auf eine relativ lange Zeit zurück, aber ich möchte gerne mal in die Zukunft schauen.
Ich schaue nicht ganz so weit in die Zukunft, denn wir wissen, das Ganze wird sich unter den heutigen Umständen exponentiell entwickeln. Was glauben Sie, wie sich Ihr Berufsfeld in den nächsten zehn Jahren verändert wird? Ja, ich sage mal dreimal, Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation wird immer wichtiger. Das heißt, elektronische Kommunikation in jeglicher Form wird immer wichtiger werden, dass also vom Hersteller über die Händler bis zu den Industrieunternehmen, die letztendlich irgendwelche Produkte wieder neu produzieren, dass diese Prozessketten automatisiert wirklich funktionieren.
Und wer da nicht Effizienz reinbringt, der hat wirklich ein Problem in der Zukunft. Und zu diesen Themen werden offene Architekturen gebraucht. Das ist elementar wichtig.
Also Altsysteme, ich möchte es jetzt nicht zu sehr treiben, aber ich nenne einfach mal ein Beispiel, AS400, in sich geschlossen, sehr, wie soll ich sagen, monolithisch in der Regel aufgebaut. Solche Altsysteme, die tun sich da wahnsinnig schwer. Man baut 27 andere Produkte noch drumherum, baut wieder einzelne Schnittstellen dorthin und kann vielleicht dann damit kommunizieren.
Ich denke, es ist wichtig, dass ein System aus dem Kern heraus, aus dem ERP heraus kommunizieren kann. Also Beispiel, wir haben vorhin schon mal OCI angesprochen, EDI, dass Nachrichten in beliebiger Form aus dem ERP-System ohne zusätzlichen Konverter rein und raus geschoben werden können. Genau das machen wir mit Ebotics RP2, dass wir also nicht externe Systeme dazu benötigen.
Dass man Kommunikation aus E-Mail-Kommunikation, ist telefonische Kommunikation, sofort in den Vorgängen ablegt und sofort überall verfügbar hat. Dass man die wichtigen Informationen daraus direkt archiviert. Also bei uns gibt es ein internes DMS, aber wenn man revisionssicher archivieren möchte, kann man das mit irgendwelchen Partnerprodukten, wie Windream, Easy Archive oder sonst was in der Richtung machen.
Auch diese Themen der automatischen Ablage werden immer wichtiger und wie gesagt, nochmal die Geschäftsprozesse nach außen, zwischen den einzelnen Firmen, Automatisierung und Kommunikation. Das sind aus meiner Sicht die Themen der Zukunft. Vielleicht noch eine Sache ergänzen, die uns auch von vornherein bei der Entwicklung von ERP2 ganz wichtig war.
Wir haben die gesamte Geschäftsprozesslogik, sprich das, worüber wir uns heute unterhalten haben, Einkaufen, Verkaufen, Produzieren, in einem Kern abgebildet. Wir sind darunter von vornherein unabhängig von Datenbanken und von Plattformen, sprich Betriebssystemen. Nach oben hin haben wir uns genauso abgekapselt.
Das heißt, wir sprechen mit unserem eigenen Client per XML-Webservice, können somit aber auch zum Beispiel, Sie sprachen es eben an, so eine Datenbrille anbinden oder eine HTML5-Oberfläche, die irgendwo sitzt oder ein Bestellsystem in HTML5, was mit dem ERP-System kommuniziert. Das meine ich mit Kommunikation, also mit offener Architektur und Kommunikation mit der Außenwelt, sprich mit Befreundeten oder auch Fremdenunternehmen. Und Datenaustausch gehört genauso dazu.
Ja, Herr Wilmsen, abschließend, mit Blick in die Zukunft, vor welcher großen oder vor welchen großen Herausforderungen glauben Sie, dass ERP heute und vor allen Dingen in der Zukunft stehen wird? Es wird sicherlich, viele sprechen ja von Cloud und ähnlichen Dingen, aber das ist aus meiner Sicht kein ERP-Problem, sondern das sind Technologien, die dahinter hängen. ERP wird vielleicht irgendwann nicht mehr alle Daten selbst verwalten müssen, sondern muss kommunikativ sein, um diese Daten aus dieser digitalen Welt zu holen, zu verarbeiten und weiterzugeben. Aber ich glaube nicht, dass Cloud Computing heute so die einzige Antwort darauf ist, sondern es werden neue Technologien kommen, die man unterstützen können muss.
Und dazu ist wiederum diese offene Kommunikationsebene, diese offene Plattform notwendig. Und wer das schafft, auch in Spracheingabe, Siri oder so etwas in der Richtung, ist heute gang und gäbe. Ich kann mir gut vorstellen, dass man vielleicht in drei bis fünf Jahren keinen klassischen kleinen Wert, wo man irgendwas eintippt, sondern vielleicht mit Spracheingabe kommuniziert.
Auch das sind Architekturen oder Technologien, auf die man im ERP vorbereitet sein muss. Und das ist, glaube ich, einer der wichtigen Faktoren für die Zukunft, dass die Architektur eines ERP-Systems, wir haben es so schön gesagt, als Fundament für die Digitalisierung offen ist. Das ist ein schönes Schlusswort.
Herr Wimsen, ich danke ganz herzlich für das nette Interview, das wir führen durften. Sehr gerne, hat mich gefreut, hier zu sein. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.