Zur Entwicklung der Unternehmens-IT und zur Einführung von ERP-Systemen als Datenfundament müssen vielfach externe Fachexperten herangezogen werden.
Was ist deren Aufgabe? Wie entwickelt sich der Markt für Unternehmenssoftware? Welche Arten von Beratern und Analysten gibt es und was sind deren neueste Erkenntnisse?
Erfahren Sie mehr in dieser neuen Folge mit dem ERP-Experten und Consultant Peter Dibbern. Viel Vergnügen.
Literaturempfehlung:
- Ibrahimovic, Z. et al.: Ich bin Zlatan: Meine Geschichte. 2015
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 38. Berater und Analysten im Markt für Unternehmenssoftware. Ein Interview mit Peter Dibbern, Business Development Manager der Cosmo Consult.
Zur Entwicklung der Unternehmens-IT und zur Einführung von ERP-Systemen als Datenfundament müssen vielfach externe Fachexperten herangezogen werden. Was ist deren Aufgabe? Wie entwickelt sich der Markt für Unternehmenssoftware? Welche Arten von Beratern und Analysten gibt es und was sind deren neuste Erkenntnisse? Erfahren Sie mehr in dieser neuen Folge mit dem ERP-Experten und Consultant Peter Dibbern. Viel Vergnügen.
Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Dieses Mal mit einer Folge, die im weiteren Umfeld von ERP ist. Es ist nämlich die Frage, wie sich eigentlich Berater und Analysten im Markt für Unternehmenssoftware aufstellen.
Vieles kann man natürlich als Firma selber machen, aber man ist natürlich auch irgendwo abhängig von guten Fachexperten, von guten Beratern und Analysten in diesem Markt. Ich freue mich, dass ich heute begrüßen kann Herrn Peter Dibbern. Er ist Business Development Manager bei der Cosmo Consult.
Die Cosmo Consult ist ein ERP-Branchenspezialist für die Fertigungsindustrie und die projektorientierenden Dienstleister. Ich glaube, Sie sind zurzeit der stärkste Microsoft-Partner hier im Beratungsumfeld in Deutschland. Herr Dibbern, herzlich willkommen bei uns im ERP-Podcast.
Vielen Dank, Herr Professor Winkelmann. Herr Dibbern, mögen Sie sich kurz vorstellen? Ja, selbstverständlich. Mein Name ist Peter Dibbern.
Ich bin gebürtig aus Hamburg, habe aber schwedische Vorfahren und sehe mich auch mehr als schwedischer Hamburger. Ich arbeite seit gut 20 Jahren im ERP-Geschäft. Ich habe in Hamburg angefangen, zuerst im Bereich Finanzbuchhaltungssoftware und bin dann später immer stärker in das ERP-Kerngeschäft eingestiegen und mittlerweile bei Cosmo Consult und bekleide da eben die Position des Business Development Managers mit einem mittlerweile recht großen Team im Rücken, um insbesondere die Branchenspezifika besser abzudecken und auch zusätzliches Geschäft neben dem klassischen ERP-Geschäft zu schaffen für unsere Cosmo Consult Gruppe.
Wenn ich mir Ihren Lebenslauf so angucke, Sie sind ja quasi ein Urgestein der Unternehmenssoftwarebranche. Sie waren bei Varial, Sie sind bei Psypenta gewesen, jetzt PSI, Reporter-Controlling-Systeme, Sie haben selbstständig beraten. Ich glaube, Sie haben schon alles gesehen, was die Branche zu bieten hat, oder? Ich möchte nicht sagen, dass ich alles gesehen habe, aber ich habe natürlich sehr viele Dinge miterlebt, dadurch, dass ich im Vorfeld der Dotcom-Blase gestartet bin, habe ich natürlich auch diesen Hype mitgemacht.
Gleichzeitig habe ich aber auch mitgemacht, wie der Markt für Unternehmenssoftware in sich zusammengebrochen ist und insbesondere viele deutsche Softwarehersteller dann vom Markt gefegt hat. Dann war ich zeitweise eben auch im Start-up-Bereich unterwegs und habe da bereits 2009 mich mit dem Thema Cloud beschäftigt. Und damit war ich immer mit Sicherheit so ein Schritt voraus, was die jeweilige Entwicklung betraf im Markt für Unternehmenssoftware.
Ob ich nun wirklich alles weiß, das wage ich zu bezweifeln. Aber ich habe natürlich schon einen Erfahrungsschatz, den ich jetzt hier auch nutzbringend bei Cosmo Consult einbringen möchte. Ich habe das Unternehmen eben kurz vorgestellt, Sie sind ein sehr starker Microsoft-Partner, Sie sind extrem stark gewachsen in den letzten Jahren als Cosmo Consult, Sie sind ERP-Branchespezialist.
Vielleicht können Sie das Unternehmen mal ein bisschen beschreiben, vorstellen. Also die Cosmo Consult, die hat eine bewegte Historie, die bereits vor 20 Jahren in Münster begann und zwischenzeitlich auch in unterschiedlichen Händen gewesen ist. Seit gut sechs Jahren fährt man jetzt tatsächlich diesen Wachstumspfad.
Man ist sehr stark gewachsen, organisch gewachsen, in den letzten Jahren dann auch anorganisch gewachsen. Wir haben alleine in diesem Jahr schon über 100 Neueinstellungen organisch vollzogen, hier im deutschsprachigen Raum und sind mittlerweile eben auch durch Akquisition international sehr stark vertreten und merken auch, dass wir uns nicht nur bezüglich unserer Kernkompetenz ERP weiterentwickeln müssen und mussten, sondern wir müssen uns neben dieser Branchenexpertise, die uns auszeichnet, insbesondere auch darum kümmern, was kommt jetzt auch nach ERP oder welche Funktionen, Module sind relevant, um den ERP-Kern sinnvoll zu ergänzen und gegebenenfalls auch dahin ausgerichtet zu betrachten, die digitale Transformation der Mittelständler nach vorne zu treiben. Jetzt haben Sie gesagt, Sie sind nicht nur national aufgestellt, sondern Sie sind wahnsinnig gewachsen, auch international aufgestellt.
Ist das eine der neuen Anforderungen, die man vielleicht auch an die beratende Welt, an die Welt mit der Fachexpertise im Umfeld von Unternehmenssoftware mehr und mehr stellt? Ja, also ich sage mal, es ist so, was uns vielleicht unterscheidet zu vielen anderen Softwareherstellern und Systemhäusern ist, dass wir tatsächlich Vertrieb machen in den einzelnen Standorten unserer Auslandsgesellschaften. Es ist nicht so, dass wir nur den Kunden folgen, weil ein großer Kunde im deutschsprachigen Raum eine ausländische Anforderung hat, in Skandinavien oder in Frankreich, Spanien oder in Südamerika oder so, sondern es ist mehr so, dass wir da auch organisches Geschäft betreiben mit entsprechenden Beratungskapazitäten und Expertise vor Ort. Es ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man, wie wir es hier in Deutschland haben, viele Kunden hat, die durchaus dezentrale Organisationsformen aufweisen und eben Auslandstöchter auch bestücken wollen.
Und da kommt natürlich nochmal zusätzlich hinzu, den Vorteil, den man hat, wenn man ein Mitglied dieser Microsoft Community ist, dass man eben auch auf Ressourcen zurückkeifen kann, der Partner, die in den Ländern unterwegs sind, wo man selber vielleicht keinen Standort hat. Das ist mit Sicherheit ein Pluspunkt, den man hat, wenn man im Microsoft-Umfeld ERP betreibt oder Dynamics-Geschäft macht. Ja, wenn ich mir jetzt den ERP-Markt, Sie haben Microsoft Dynamics, also Navision, NAV und Accepta AX angesprochen, wenn man in dem Umfeld unterwegs ist, das macht die Microsoft ja jetzt auch schon an näheren zwei Dekaden.
Das Thema digitale Transformation, Sie haben vorhin gesagt, Sie sind auch noch ein Kind der New Economy, ist ja auch schon ein bisschen älter. Ketzerisch gesagt, wann ist die eigentlich geschafft, die digitale Transformation? Ja, das ist so ähnlich wie mit dem Lernen. Man hat nie ausgelernt.
Und Sie als Wissenschaftler, für Sie gilt das ja insbesondere, Sie müssen ja immer diese Neugierde haben nach dem nächsten großen Ding. Und das ist im Grunde genommen in der Softwareentwicklung auch ein stetiger Prozess. War ganz interessant, in diesem Jahr hat der Bitkom diese Frage mal gestellt, wann ist denn die digitale Transformation eigentlich abgeschlossen? Und da hat das Büro der antwortenden Mitglieder gesagt, sie wird vermutlich nie abgeschlossen sein.
Auch wenn Frau Merkel behauptet 2025 ist Industrie 4.0, Commodity, dann gehen wir leider nicht davon aus, dass es tatsächlich diesen finalen Endtermin für so eine Transformation der Wirtschaft und Industrie gibt, sondern wir gehen davon aus, dass das alles ein schrittweiser Prozess sein wird, den man eben nicht mit einem Big Bang irgendwann mal abgehakt hat, sondern es ist mit Sicherheit so, dass man sich entlang dieser digitalen Transformation schrittweise bewegt und erstmal kleinere Projekte auswählt, um da Erfahrung zu sammeln und dann auch so die Belegschaft mitzunehmen, damit am Ende auch das eine oder andere ältere Geschäftsmodell dann transformiert und digitalisiert wird. Jetzt haben Sie eben gesagt, es ist gut, vielleicht nicht alles auf einmal zu machen, sondern sich schrittweise dem Ganzen zu nähern. Und es gibt auch kein festes Enddatum.
Wenn ich mir jetzt so den Mittelstand, ich berate ja durchaus auch den ein oder anderen, anschaue, da sind nicht überall nur Riesen- oder Sieben-Meilen-Stiefel dabei, sondern es werden sehr sehr häufig auch eigentlich nur Trippelschritte gemacht. Verschlafen wir da vielleicht auch ein bisschen die Digitalisierung, wenn wir uns nur um die alten Hausaufgaben kümmern? Ja und nein. Es ist natürlich so, wenn ich mein Haus auf Sand baue, dann wackelt das.
Vielleicht auch, wenn es dann in stürmischen Gewässern unterwegs ist, sage ich mal. Wenn es stürmisch wird, dann hält das vielleicht alles nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Deswegen muss man natürlich schon sehen, dass man im Kontext dieser Digitalisierungsthematik auf ein stabiles Fundament setzt.
Da machen wir uns mal nichts vor. Da wird das ERP-Thema immer noch eine große Rolle spielen. Das Thema der Datenqualität, das Thema der Nutzung der Kernsysteme, das ist notwendig.
Das ist vielleicht auch nicht unbedingt das Thema, was man als erstes infrage stellen sollte, sondern man sollte sich vielleicht mal überlegen, wie man mit dem einen oder anderen neuen Ansatz über Auswertungstools, über Vertriebsanwendungen, die man vielleicht gut einsetzen kann oder wo man Marketingprozesse automatisieren kann, dass man sich vielleicht erst mal um solche Themen kümmert und dann vielleicht überlegt, wie man sukzessive das doch mächtige ERP-System vielleicht ein wenig zerlegt und umbaut, dahingehend es mit sinnvollen Apps, die vielleicht agiler sind, zu ergänzen, als alles in einem großen System abzubilden. Das hört sich jetzt alles ganz nett an. Wenn ich aber an den bodenständigen mittelständischen Geschäftsführer denke, der kommt ja aus ganz anderen Bereichen.
Der kommt aus dem Modellbau, aus dem Formenbau, aus der Serienfertigung, was auch immer. Und dessen Kerngebiet ist alles nur nicht die IT. Ist das vielleicht unsere Aufgabe oder Ihre Aufgabe als Berater hier gestaltend einzugreifen? Ja, absolut.
Ich glaube, das ist auch die ganz große Veränderung im Vergleich zu wie wir in der Vergangenheit Softwareprodukte verkauft haben, wie wir Beratung betrieben haben. Es ist tatsächlich so, und das war ganz interessant, in meinem Vorstellungsgespräch hat mich der Vorstand gefragt, Herr Dippern, müssen wir uns nicht vielleicht Gedanken machen in der Zukunft über die Kunden unserer Kunden? Und genau das ist der Unterschied zu dem, was wir uns früher für Gedanken gemacht haben. In der Vergangenheit haben wir Software, haben wir Technik verkauft, haben wir Funktionalitäten verkauft, haben wir diese Funktionalitäten eingeführt, haben wir diese Funktionalitäten trainiert, Schulungen angeboten, gemeinsam mit dem Kunden das eine oder andere in einen Prozess, in einen standardisierten Prozess gegossen.
Da haben wir uns eigentlich recht wenig Gedanken gemacht über die Kunden unserer Kunden. Mittlerweile gibt es aber eben durchaus die Anforderung, dass man vielleicht neben der IT-Anforderung, ein ERP-System zu implementieren, auch die Anforderung hat, wie könnte denn das Produkt dieses Kunden mit IT-ergänzenden Attributen versehen werden, sodass man daraus vielleicht ein zusätzliches Geschäftsfeld sich erarbeiten kann, vielleicht erweiterte Serviceleistungen generieren kann, diese natürlich dann auch hoffentlich entsprechend abgegolten bekommt seitens der Kunden. Und das hat dann schon eine ganz andere Qualität.
Das ist auch im Grunde genommen die Transformation, die wir Softwarehäuser, Systemintegratoren und Softwarehersteller, wo wir da komplett umdenken müssen und in der Zukunft eine ganz andere Dienstleistung zumindest auch zusätzlich anbieten müssen. Ich greife das mal auf, weil ich glaube, wir sprechen jetzt eigentlich über die Hauptplayer, die vielleicht zukünftig auch die betriebswirtschaftlichen Geschäfte von ganz klassischen Industrien auch weiterbringen können, treiben können. Wer sind aus Ihrer Sicht in diesem beratenden Markt, also wir sind jetzt vielleicht ein bisschen weg von diesem Freelance-ERP-Berater hin zu größeren Beratungsunternehmen, auch hin zu Analysten, wer sind da die Hauptplayer, die diesen Markt auch gestalten können und die Zukunft ihrer Kunden auch mitgestalten können? Ja, da muss man natürlich auch sehen, da muss man mit Sicherheit das auch so ein bisschen differenziert betrachten.
Wir haben natürlich die ganz großen Beratungshäuser wie Deloitte, wie Accenture, wie KPMG, die passen ja nicht unbedingt in den Geldbeutel vom klassischen Mittelständler. Aber auch diese Häuser, muss man ganz klar sagen, haben auch sich weiterentwickelt und entwickeln sich weiter und sehen auch zunehmend einen Bedarf, gewisse Kompetenz hinsichtlich dieser IT-Themen anzubieten. Und auch Analysten positionieren sich neu.
Wenn ich jetzt Gartner betrachte, wo ich vor zwei Wochen auf dem Symposium war, dann wurde ganz deutlich, dass man sich klar konzentriert auf das ganze Thema IT und die Expertise und die Analystenqualität, die dieses Haus hat. Das ist der Kern, das ist der Markenkern der Vergangenheit, aber jetzt hat man da auch eine Akquise vorgenommen und richtig Geld in die Hand genommen, um eine Unternehmensberatung CEB zu integrieren in dieses Analystenhaus. Und warum tut man das? Ja, vermutlich tut man einen solchen Schritt aus dem Beweggrund, nicht nur über IT sprechen zu wollen, nicht nur beraten zu wollen auf einem technischen Niveau, sondern weil man auch immer stärker das Bedürfnis sieht, sowohl von deren Subskriptionskunden, was Going-to-Market-Strategien betrifft, sondern weil sie auch gesehen haben, dass es jetzt gerade aktuell eben das Bedürfnis im Rahmen dieser Digitalisierungsthematik gibt, einen CEO neu zu positionieren, insbesondere in den großen Organisationen und diesen dann auch zu enablen.
Ja, die sprechen immer dann davon, ihn an den Vorstandstisch zu bringen. Und da sieht man eben ganz deutlich, dass dieses ganze Beratungsgeschäft, ob nun aus der Perspektive der Big Five, eines Analysten oder auch von unserer Seite, wir waren immer sehr stark und sehr eng mit unserem Produkt verheiratet und unsere Beratungsleistung war auch primär dem Produkt, untergeordnet. Das ist mit Sicherheit auch in der Zukunft noch ein Teil unseres Angebots, aber wir müssen uns da auch in diese andere Richtung weiterentwickeln.
Und da haben wir eben einen ganz großen Vorteil vor diesen großen Playern. Wir haben tatsächlich die Leute, die in der Praxis die IT-Themen auch implementieren und umsetzen können. Aber brauche ich dann eigentlich solche Analystenhäuser wie Gartner auf dem Markt für Unternehmenssoftware? Welche Rolle spielen die? Die letztlich uns befähigen würde, diese ganzen Themen, Markteintrittsstrategien in bestimmte Länder oder das Portfolio-Management entsprechend aufzusetzen und langfristig auszurichten.
Da holt man sich dann durchaus die Expertise von außen, meistens auch um das eine oder andere bestätigt zu bekommen. Und nicht anders, und das darf man auch nicht vergessen, so ein Gartner, der wird gar nicht so stark eigentlich primär von den Softwareherstellern oder Beratungshäusern in Anspruch genommen, sondern es ist mehr so ähnlich wie ihre Rolle. Sie sind diejenigen, die dann der Sparringpartner des CIOs sind, insbesondere bei größeren Organisationen, die quasi dann als Wissenspool dienen, um die richtige strategische Entscheidung in einer Organisation zu treffen.
Im Grunde ist das eben so ein wenig diese Neutralität, die da ist, diese auch zu nutzen, mit Sicherheit die Mittelständler auch an sie herantreten, um die eine oder andere Entscheidung nochmal zu verifizieren und zu validieren. Ich glaube, Gartner ist für viele, also es gibt zwei Dinge, die bei vielen im Kopf sind, wenn man an Gartner denkt. Das ist einmal dieser magische Quadrant, in dem viele Softwarehäuser versuchen, ganz oben rechts zu stehen, um einfach bei den großen Kunden auch gelistet zu sein.
Und das andere ist sicherlich immer dieser Hype-Cycle, wo ganz viele Themen zunächst aufpoppen, ganz hoch gehypt werden, um dann abzufallen und einige der Themen dann so langsam über die Jahre auch in der Realität anzukommen. Haben Sie ganz viele spannende neue Dinge erfahren auf Ihrer Gartner-Konferenz, die es für den Markt von Unternehmenssoftware in den nächsten Jahren relevant werden könnten? Nein, für uns nicht wirklich neue Dinge. Dazu stehen wir einfach eben auch permanent mit Gartner im Dialog und sind natürlich auch ohnehin sehr gut verdrahtet im Softwaremarkt und auch natürlich in Richtung Microsoft.
Dass wir da jetzt nicht die ganz großen Neuigkeiten mitgenommen haben. Was wir aber mitgenommen haben und das passt ganz gut zu unserem Slogan, wir sagen ja Business Software für Menschen. Dass die ganze Thematik rund um diesen ganzen schönen Technologiethemen, dass der Mensch eben eine ganz starke Rolle spielt, sowohl für einen Projekterfolg, das sind dann sowohl unsere eigenen Mitarbeiter, aber auch die Mitarbeiter auf Seiten des Kunden.
Dass es sehr stark eben der Projekterfolg auch davon abhängt, wie man ein Projekt intern vermarktet, nicht nur an diesen Fachthemen arbeitet, sondern eben auch die Leute mitnimmt, sie darüber in Kenntnis setzt, was gerade passiert, dass man sehr stark für Transparenz sorgen sollte.
Diese Themen, die eigentlich gar nichts mit IT oder IT-spezifischen Projekten zu tun haben, die wurden ganz besonders in den Mittelpunkt gerückt auf diesem diesjährigen Symposium. Und das ist schon recht interessant, wenn doch alle aktuell nur noch über Artificial Intelligence sprechen und Mixed Realities und so weiter und so fort, dass man sich tatsächlich auf den Menschen zurückbesinnt. Denn der ist letztlich derjenige, der für den Erfolg oder auch den Misserfolg eines IT-Projektes verantwortlich zeichnet.
Jetzt haben Sie gesagt, Sie als Cosmo Consult, für Sie gibt es eigentlich keine neuen Themen, weil Sie permanent natürlich in dieser Themengestaltung und in den neuen IT-Trends und Themen auch drin sind. Aber, sag mal, die Zuhörer unseres Podcasts sind es vielleicht nicht ganz so. Aus Ihrer Sichtbrille, was wird da in den nächsten Jahren als sehr wichtige Themen, vielleicht auch ein bisschen gefiltert, auf uns zukommen? Sie hatten vorhin selber gesagt, Mensch, viele Dinge, die kennt man ja schon aus der Vergangenheit.
Insbesondere, wenn man vor dem Jahr 2000 und der Dotcom-Ära mit dabei ist, dann haben sich ja immer wieder bestimmte Themen teilweise wiederholt. Teilweise sind sie jetzt erst machbar, aber man hat eben schon sehr früh darüber gesprochen. Das ist so ein bisschen wie beim Gartner Hype Cycle.
Also das, was heute unter Cloud Computing und Software as a Service verstanden wird, nannte man früher mal Application Service Providing. Damals war es nur nicht sauber möglich, weil einfach die Infrastrukturen dazu noch nicht bestanden. Auch das ganze Thema Reporting, was heutzutage häufig BI heißt, also Business Intelligence.
Und was jetzt umso mehr Daten anfallen, jetzt in Richtung Data Analytics und Big Data sich weiterentwickelt, das muss man wirklich sehen. Je nachdem, jedes Unternehmen hat so seine eigene IT-Reife. Die Amerikaner nennen das IT Maturity.
Und genauso wie es diesen Lifecycle und diesen Innovation Cycle von Gartner gibt, so gibt es den auch für einzelne Unternehmen. Es ist mit Sicherheit so, dass viele Unternehmen, die heute ein ERP-System einsetzen, und das sind in dem Marktumfeld, wo wir unterwegs sind, mit Sicherheit 90 Prozent, die verfügen schon über diese Systeme, aber sie verfügen zum Beispiel nicht über Systeme, die die Vertriebsunterstützung professionalisieren. Also Stichwort Customer Relationship Management oder die, die das ganze Thema der Datenvisualisierung des Reportings sauber ermöglichen.
Und da geht es heutzutage eben nicht nur um die Visualisierung oder um die Erstellung eines bestimmten Berichts, sondern dass man da eben auch eine gewisse Flexibilität hat. Man hat viele Daten erhoben, aber wie so häufig, man macht einen unglaublichen administrativen Aufwand und gleichzeitig macht man mit diesen Daten zu wenig. Und da geht es natürlich jetzt in Richtung Business Intelligence, wo dann eben auch der ein oder andere Kunde durchaus mit so einem Werkzeug eine ganz andere Entscheidungsgrundlage erhält, um für wirtschaftlichen Erfolg in seiner Organisation zu sorgen.
Und dann kommen natürlich wirklich diese tollen neuen Aspekte hinzu, dies alles auch mobil zu nutzen, über ein Mobile Device, auch durch die Cloud ermöglicht, dann permanenten Zugriff auf die Systeme zu haben. Und dann vielleicht auch Aspekte, die den digitalen Arbeitsplatz betreffen, dass man eben heutzutage vielleicht durchaus sich überlegen sollte, das eine oder andere aus der Cloud zu beziehen, statt sich damit zu beschäftigen, Office-Lizenzen sauber zu installieren auf x Anzahl Rechnern, sondern dass man da über die neuen Pakete auch, die geschnürt wurden über die Jahre, sage ich mal nur mal als Beispiel von Microsoft über das Office 365, dass man da vielleicht ganz andere Möglichkeiten hat, der Zusammenarbeit, ganz andere Möglichkeiten auch als Mittelständler hat. Wir haben diese große Thema des Fachkräftemangels.
Man kriegt vielleicht wertvolle Ressourcen nicht mehr nach Brandenburg, aber warum soll denn unbedingt der Konstrukteur tatsächlich auf dem flachen Land arbeiten? Könnte er nicht virtuell einfach in ein Team mit eingebunden werden, wo eben einige Mitarbeiter direkt vor Ort auf dem Fabriksgelände arbeiten und der Experte vielleicht durchaus mobil hinzugeschaltet wird? Wir führen jetzt auch dieses Gespräch über Skype. Früher hätten wir mit Sicherheit gemeinsam in einem Raum gesessen und hätten dann dieses Gespräch geführt. Das sind ja auch eigentlich kleine Themen, aber die alle einzahlen in dieses Thema der Digitalisierung.
Sie haben vorhin schon gesagt, Sie sind eigentlich auch ein Verfechter, auch als Unternehmensgruppe, als Unternehmensberater eben zu sagen, wir machen jetzt nicht alles auf einmal, wir erschlagen dich, sondern wir machen das in kleinen Häppchen, Schritt für Schritt für Schritt. Ich würde das so unterstreichen mit vielleicht auch der Einschränkung, dass wir beim Thema Datenfundament, also das ERP-System, die Datenbasis, die muss erstmal sitzen, oder? Ja klar. Also das gilt auch für alles.
Die Datenbasis muss sitzen, die Datenqualität muss sitzen. Ich sage mal so, Clean Data before Big Data. Sonst bringt auch jedwedes Auswerten dieser Daten nichts, weil man dann auf Basis falscher Daten möglicherweise nicht die richtigen Rückschlüsse zieht und damit eben auch falsche Entscheidungen trifft.
Also da gebe ich Ihnen absolut recht. Viele sagen, die ERP-Zeit ist zu Ende, jetzt kommen alle Dinge über Apps und machen uns glückselig. Das sehe ich definitiv nicht so.
Es ist tatsächlich, und das finde ich, wir haben die ganz gut ausgearbeitet beim Bundesverband, nämlich dem Bitkom. Da haben sie nämlich durchaus mal sich überlegt, welche Rolle spielt denn eigentlich ERP in der Zukunft und haben dazu 10 Thesen aufgestellt, die alle darauf hindeuten, dass eben ERP vielleicht nicht mehr das einzige zentrale große System darstellt, aber immer noch den Kern der Unternehmenssysteme und der Unternehmenssoftware. Gleichzeitig muss man dazu sagen, der Markt, wenn man mal die Märkte vergleicht, so ist nach den aktuellen Zahlen zu deuten, der CRM-Markt heute ein deutlich größerer als der ERP-Markt.
Ja, kurze Anmerkung für unsere Zuhörer, wie alles verlinken wir natürlich in den Shownotes beziehungsweise auf unserer Webseite www.erp-podcast.de auch die genannte Studie und alle weiteren Materialien. Jetzt haben sie gerade angesprochen ERP. Ich würde nicht sagen, das war gestern, aber das machen wir natürlich schon 30 plus Jahre, und das hat einen gewissen Gewöhnungseffekt.
Das ist aber notwendig, das möchte ich noch mal betonen, um einfach das Datenfundament aufrechtzuerhalten. Jetzt haben sie einen zweiten Effekt genannt, der CRM-Markt, also rein Funktion auf Basis der Kundendaten ist dabei, natürlich auch sehr stark Marktanteile zu gewinnen und im Umsatz dem ERP-Markt auch hinterherzulaufen, ihn teilweise sogar zu überholen. Da haben wir natürlich aber auch das Problem dessen, was wir als Schatten-IT nennen, dass nämlich irgendwelche Fachabteilungen, weil die Zentral-IT nicht schnell genug ist oder sein kann, einfach Systeme links und rechts daneben einführen, oder? Ja, sicher.
Ich sage mal, so sind ja diese Cloud-Services groß geworden. Die haben sich sozusagen eingeschlichen. Dazu muss man allerdings auch sagen, warum konnten sie sich einschleichen in diese Organisation? Ja, weil eben die Zentral-IT zu langsam gewesen ist.
Und deswegen müssen sie halt jetzt auch dafür Sorge tragen, dass diese zentral bereitgestellten Systeme flexibler werden. Und da kommt man nicht drum herum, entweder das System hier und da vielleicht auszutauschen. Das wäre, sage ich mal, der extremste Fall.
Aber zumindest vielleicht das eine oder andere, was man früher zentral aus einer Hand bedient hat, das insofern auszudünnen, damit ein neuer Dienst möglicherweise, der deutlich flexibler reagieren kann auf die Bedürfnisse der Anwender, dass der dann eingebaut und integriert wird. Und das ist eben auch die Philosophie, die jetzt im Grunde wieder dazu führt, dass wir von dem Best-of-Breed-Ansatz, ich nehme sozusagen mir die Spezialsysteme und integriere sie, das war so der klassische Ansatz in den 90er Jahren, weil man noch keine kompletten ERP-Systeme hatte, hin zu dem alles aus einer Hand, so wie das auch ja hier unser deutscher Marktführer sieht und viele Jahre gespielt hat, dass es jetzt wieder dahin geht, sich durchaus Gedanken zu machen, ob es nicht sinnvoll wäre, in bestimmten Bereichen sich eines Spezialanbieters zu bedienen. Und deshalb muss es auch nicht immer jetzt aus unserer Sicht zum Beispiel Microsoft sein, sondern wir sehen durchaus da im Bereich zum Beispiel Business Intelligence die Möglichkeit, vielleicht mit dem Produkt-Stack von Click, den wir hier auch mit vertreiben, dann da den Unterschied zu machen.
Es ist auch nicht mehr so, dass man wirklich immer nur alles aus einer Hand liefert, sondern es ist mehr die Strategie des Orchestrierens vieler unterschiedlicher, sinnvoller Services in einem Gesamtsystem. Und da kommt eben dann auch wieder unsere Beratungskompetenz zum Einsatz. Wie wird das integriert? Und das Integrationsthema, was in den 90er Jahren noch richtig wehgetan hat und für viele einen Showstopper dargestellt hat, das ist heute halt deutlich einfacher handelbar.
Das hat auch was mit den Strategien der offenen und Public IPs zu tun, diesen Integrationsschnittstellen. Das wird also deutlich einfacher und ist deutlich einfacher heute zu handeln als noch vor einigen Jahren. Jetzt haben Sie ganz viele Veränderungen ja letztendlich auch in der IT, in der Software, im Mitmenschlichen dargestellt, auch im betriebswirtschaftlich-steuerrechtlichen vielleicht.
Wie kann man sich in dieser schnelllebigen Zeit, wo sich innerhalb von ein, zwei, drei Monaten teilweise, ein, zwei, drei Jahren im Idealfall das ganze Thema weiterentwickelt, neu entwickelt, neu ausrichtet, wie kann man sich da eigentlich noch weiterbilden, um dann seinen Kunden auch das Bestmögliche präsentieren und ihnen bestmöglich helfen zu können? Ja, es hat eigentlich nicht so viel mit dem Thema Technologie zu tun. Das ist ein Aspekt. Da fühlt man sich aber als Systemintegrator geradezu daheim.
Es ist aber durchaus schon dieses Konzept, des permanenten Lernens. Das muss auch jeder Mitarbeiter für sich selbst erkennen, dass nur dadurch auch der Wert seines Handelns für den Kunden transparent wird und gleichzeitig auch nur dann seine eigenen Karrierechancen dann auch eine entsprechende Perspektive haben. Es ist wirklich so, dass momentan mit Sicherheit durch diesen extremen Wandel Methodenkompetenz unglaublich wichtig ist.
Wenn man sich das mal anschaut, ich hatte selber das Glück am Hasso-Plattner-Institut mal eine Woche das ganze Thema Design Thinking zu lernen und anzuwenden. Das sind so diese Themen, die jetzt eine Rolle spielen, um tatsächlich diesem Wandel standzuhalten. Sich auch als technischer Mitarbeiter vielleicht stärker mal auf die Seite des Kunden zu stellen, vielleicht stärker mit dem Kunden in den Dialog zu treten, um die Anforderungen sauberer abzubilden und dann entsprechende auch Akzeptanz der Systeme bei dem Endkunden zu entwickeln.
Da gibt es aktuell eben viele Themen. Design Thinking hatte ich genannt, aber auch hinsichtlich der Digitalisierungsthemen gibt es Initiativen hier auch in Deutschland, wo man sich durchaus mit der Industrie 4.0, mit Hurity, einer Organisation auseinandersetzt, den Status Quo der aktuellen digitalen Identität einer Organisation auseinandersetzt und dann daraus eben dann auch ableitet, in welche Art und Form von IT-Projekten das münzen könnte. Und ich glaube, da liegt eigentlich so die große Herausforderung und wo wir selber auch merken, und das sieht man eben auch draußen, die großen Konzerne bauen sich eigene Start-up-Organisationen auf, weil sie schon gespürt haben, dass nicht nur vielleicht deren Zentral-IT zu langsam ist, sondern dass die Gesamtorganisation zu langsam geworden ist.
Und da will man einfach stärker auch auf agile Methoden zurückgreifen, um eben wirklich dieser Zukunft, dieser ungewissen Zukunft offensiv zu begegnen. Was tun denn ERP-Berater, was tun sie als Systemhaus? Sie haben ja nun durchaus eine große Anzahl von Mitarbeitern, ich glaube, wenn ich es richtig im Kopf habe, ungefähr so 900, um da die Mitarbeiter auch mitzunehmen und sie weiterzubilden. Ja, das ist eben das Interessante.
Die Softwerker und IT-Unternehmen, die sprechen, oder auch die Berater, die sprechen immer nur von der Transformation der anderen und vergessen dabei, dass sie vielleicht sich auch selber neu aufstellen müssen. Das haben wir aber sehr früh erkannt und vor einem Jahr, als ich in dieses Unternehmen hinzugestoßen bin, ist das auch genau das, was mich davon überzeugt hat, dass ich hier zum richtigen Arbeitgeber wechsle. Wir sind hier durchaus einen Schritt voraus und haben für uns selber erkannt, dass es nicht nur sinnvoll ist, über Cloud Computing zu sprechen, sondern einfach auch Cloud Computing selber zu tun, sodass unsere zum Beispiel IT-Infrastruktur, die wir hier nutzen in der Cosmo Group, komplett on Azure in the Cloud läuft.
Ich selber nutze alle meine Anwendungen ausschließlich in der Cloud. Hin und wieder muss ich mal schummeln, wenn ich eine gewisse Funktionalität benötige, die vielleicht in Word und in PowerPoint sonst nicht zur Verfügung stünde oder in irgendeinem anderen dieser Office-Produkte, dann muss ich durchaus noch mal auf die eigene Festplatte meines Endgeräts zurückgreifen. Aber grundsätzlich, wir predigen nicht nur Cloud Computing und dass das die Zukunft ist, sondern wir nutzen es auch selber und wollen im Grunde genommen mit unserer eigenen Organisation die beste Referenz für dieses Thema sein.
Und wenn ich es selber anwende, dann kann ich auch sehr schnell erkennen, wo denn darin eigentlich auch die Vorteile liegen. Und wenn ich diese Vorteile am eigenen Leibe spüre, dann kann ich diese Vorteile auch einem Endkunden ganz anders übermitteln. Und da fängt im Grunde genommen schon dieser Wechsel im Mindset an, den man braucht, um eine Organisation als lernende Organisation aufzubauen, um dann wirklich selber die Transformation zu vollziehen und dann natürlich auch beratend die Transformation des Kunden zu begleiten.
Und da muss man ganz klar sagen, wir kommen aus dem klassischen Lizenzgeschäft, wie fast 100 Prozent unserer direkten Mitbewerber. Und jetzt befinden wir uns alle in dieser Transformation hin zu Subscription Fees, also dem Abonnenten- und Mietmodell. Das hat einen immensen Einfluss auf die Umsatzströme, den Beratungsansatz, die Standardisierung der Produkte und Funktionalitäten.
Das ist nicht etwas, was auch wir nicht von einem auf den anderen Tag mit einem Big Bang verkraften könnten. Und das kann auch eine große SAP-Organisation oder jedwede andere Softwareorganisation nicht tun, sondern da muss man wirklich versuchen, diesen Prozess sauber begleitend in so eine Transitionsphase zu überführen. Und da befinden wir uns natürlich auch.
Aber das ist eben das Gute. Wir lernen am eigenen Objekt und können damit auch viel überzeugender das Thema dann in der Praxis beim Endkunden beraten. Jetzt sind Sie sehr stark vertrieblich beratend eben auch für Microsoft-Produkte, insbesondere natürlich im ERP-Umfeld unterwegs.
Und der deutsche Mittelstand ist jetzt nicht gerade für seine Experimentierfreude sicherlich zumindest an Themenfeldern, wo es nicht das Kerngeschäft betrifft, bekannt. Wie sehen Sie zurzeit die Akzeptanz von Cloud-Diensten im Mittelstand? Vielleicht auch ein bisschen getrennt von Office-Produkten. Das ist sicherlich das eine leichter zu verdauende Thema, aber auf der anderen Seite eben auch im betriebswirtschaftlichen Umfeld bei ERP-Systemen und Co.
Ja, das ist auch wiederum unterschiedlich zu betrachten, weil wir sind ein mittlerweile internationales Haus. Und da sehen wir durchaus unterschiedliche Prioritäten, was Cloud-Computing anbetrifft. In Skandinavien ist jedes Projekt ein potenzielles Cloud-Projekt.
Da ist es eher so, dass vielleicht sich jemand umentscheidet, dann in einem späteren Stadium. Aber man wäre, wenn man es nicht in der Cloud hätte anbieten können, vorneweg schon als KU-Kriterium aus dem Vertriebsprozess rausgeworfen worden. In Spanien ist es wiederum anders.
In Spanien ist das ganze Thema Cloud nicht unbedingt auf die hohe IT-Maturity der Spanier zurückzuführen, wie das vielleicht in Skandinavien der Fall sein mag, wo man in Skandinavien natürlich auch, was die Infrastruktur betrifft, deutlich einfacher in das Cloud-Thema einsteigen könnte als zum Beispiel auch in Deutschland. In Spanien ist es eher so, dass natürlich dieser Wechsel vom Lizenzgeschäft zum Subsidionsansatz dazu geführt hat, dass der eine oder andere Kunde für ein durchaus günstigeres Einstiegsinvest in die Nutzung einer professionellen Unternehmenssoftware gekommen ist.
Also man muss eben nicht mehr dieses große Downpayment am Anfang des Investitionszykluses einer ERP-Implementierung leisten, sondern kann sich so ein bisschen sukzessive entlang der Nutzungsintensität dann ausstatten und recht flexibel User hinzufügen oder aber auch User kündigen, je nachdem wie die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens ist, sodass wir in Spanien und in Schweden beispielsweise eine sehr starke Nachfrage haben. In Deutschland ist die nicht ganz so stark, aber wir sehen da durchaus auch eine immer stärkere Tendenz in Richtung Cloud. Ich finde es immer spannend, die Leute zu fragen, die aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf dieses Thema drauf zu steuern.
Ja, ich kann das unterstreichen. Ich denke auch, das eine oder andere werden wir zukünftig vielleicht nur noch aus der Cloud beziehen. Bei anderen Themen bin ich dann etwas vorsichtiger und bin mir noch nicht so ganz sicher, ob wir den Mittelstand davon überzeugen können oder ob wir die besseren Argumente für oder vielleicht sogar gegen die Cloud haben.
Herr Dibban, ich komme mal zu meiner Blitzlichtrunde und damit wieder ein bisschen Sie in den Vordergrund rücken zu können. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Ja, das ist eigentlich mehr ein Zufall. Ich bin ein stinknormaler Betriebswirtschaftslehre-Student gewesen mit einer sehr starken mathematischen Ausrichtung, was nicht unbedingt gewöhnlich ist für einen BWLer und habe dann eigentlich gedacht, ach Mensch, ich werde mal wohl ins Controlling gehen.
Dann habe ich irgendwann mal erkannt in dem Bewerbungsprozess, dass Controller ja gar nicht rechnen können und dann war es eigentlich ein Zufall, dass ich am Ende in der IT gelandet bin, weil ich schon immer mal gejobbt hatte, damals bei VARIAL und ich zu dem Zeitpunkt dann einen Bewerbungsprozess am Laufen hatte und ich da eigentlich bei diversen Beratern hätte unterschreiben müssen und dann hat mein damaliger Chef, bei dem ich ja nur sozusagen als studentische Hilfskraft gearbeitet habe, gesagt, ich bezahle mehr als der, der den besten Vertrag gibt und dann landete ich schlussendlich bei VARIAL. Was war Ihr größter beruflicher Erfolg bislang? Ja, wenn man 20 Jahre so in diesem Markt gewesen ist, hat man natürlich durchaus Highlights, aber auch Lowlights erlebt. Für mich war es mit Sicherheit eine große Herausforderung seinerzeit gewesen, als ich bei der PSI gearbeitet habe, dieses ganze Thema der Kundenzufriedenheit in den Fokus zu rücken.
Damals war das System nicht sehr gut anerkannt im Markt und wir hatten da so unsere Probleme, gerade was das Feedback seitens der Kunden gewesen ist und da wirklich aus der Not eine Tugend zu machen, sich stärker in den Dialogen zu begeben mit dem Endkunden und dadurch dann auch die Kundenzufriedenheit über die Jahre dann als Alleinstellungsmerkmal zu etablieren. Das war mit Sicherheit eine Sache, die einige Jahre gedauert hat, aber die mit Sicherheit dazu geführt hat, dass man seinerzeit gut aus diesem aus diesem Tal der Tränen aller ERP-Hersteller, dass man da gestärkt herausgegangen ist. Das ist mit Sicherheit eine Geschichte gewesen, die ich teilweise auch mir zuschreiben kann.
Grundsätzlich finde ich das toll und das ist ja eben auch heute meine Aufgabe, dass ich mich sehr stark frühzeitig mit dem Thema der Geschäftsentwicklung auseinandergesetzt habe, denn das ist so eine Position, die gibt es in größeren Organisationen hier und da, aber es ist eigentlich im deutschsprachigen Raum nicht so etabliert, dass es so eine Abteilung gibt und dass sich dieses Konzept der Geschäftsentwicklung tatsächlich so langsam etabliert und so bin ich ja nun auch von der PSI zu Cosmo Consult gekommen, dass wir diesem Thema hier auch in unserer in unserer Cosmo Gruppe dieses Thema, diesen Raum geben. Das ist auch ein wenig der Erfolg, weil deshalb hat man mich dann auch hierher geholt. Jetzt haben sie gerade gesagt, sie haben sich auch gebildet und im Laufe des Gesprächs viel das Thema Weiterbildung auch mehrere Male.
Gibt es Bücher, die ihnen persönlich sehr auf ihrem Weg geholfen haben, die sie inspiriert haben, die sie vielleicht unseren Zuhörern beruflich oder privat auch weiterempfehlen können? Also ich halte überhaupt nichts davon, sich ein Buch zu nehmen, es zu lesen und dann zu glauben, dass man die Erkenntnisse, die man daraus gewonnen hat, dass man die dann eins zu eins umsetzen kann. Jeder muss in irgendeiner Form seine eigenen Erfahrungen machen. Ich glaube, das Wichtigste ist in dem in dem Falle wirklich, dass man Projekte zu Ende macht, dass man an Sachen Haken rankriegt, dass man nicht von Dinge, die von A bis Z erledigt werden müssen, nicht bei K beendet.
Das sind glaube ich so die Dinge, die relevant sind. Ob ich mir nun einen Schinken von Jack Welch rein haue oder irgendeine Biografie eines anderen erfolgreichen Managers, das ist zwar ganz nett, aber die eigene Erkenntnis, die macht man on the job. Da finde ich Bücher viel interessanter, wie zum Beispiel die Biografie von Zlatan Ibrahimovic, der einfach wusste, dass er quasi der beste Fußballer der Welt sein wird und der einfach die ganze Zeit daran geglaubt hat und genauso mit dieser Passion müssen wir eigentlich in unseren Berufen agieren und dann stellt sich auch der Erfolg von alleine ein.
Wenn man dann noch Leute, gute Leute um sich herum versammelt, die mitnimmt, die inspiriert und die das ganze Thema noch wie ein Katalysator verstärken, dann ist das glaube ich die beste Medizin für beruflichen Erfolg und auch berufliche Entwicklung. Wie wird sich Ihr Beruf, Ihre Berufswelt in den nächsten zehn Jahren Ihrer Einschätzung nach verändern? Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass es immer wertvoller wird, über ein gutes Netzwerk zu verfügen. Als Einzelperson so ähnlich wie beim Fußball.
Ich habe mal zwar den Herrn Ballack gern gemocht und fand den eigentlich als Leitwolf super, aber diese Einzelpersonen, die vielleicht in der Vergangenheit noch den großen Unterschied gemacht haben, die reichen nicht mehr aus, sondern man muss irgendwie zusehen, dass man eine Mannschaft oder ein Netzwerk um sich herum aufbaut, welches dann dazu führt, dass man über ein Ökosystem und das gilt ja genauso wie für die Software und die Softwareprodukte, dass man sich ein gutes Ökosystem aufbaut, wo Dinge wachsen können und wenn man diese Kontakte gut einsetzt und natürlich auch immer etwas für die Gesellschaft tut, also nicht nur für die Gesellschaft im Allgemeinen, sondern eben auch für sein Netzwerk tut, dann bin ich mir absolut sicher, dass das der große Mehrwert sein wird für die Zukunft und nicht das Können eines Einzelnen. Ich glaube, das ist vielleicht der ganz große Unterschied zur Vergangenheit und wir müssen wirklich denken in dieser Dimension der Share-Economy und da ist es halt nicht mehr so gut, wie man das vielleicht noch aus der eigenen Schulzeit kennt, wenn so ein Schreber nicht wollte, dass man von ihm abschreibt oder jemand einfach nur Herrschaftswissen vielleicht auch aufbauen wollte in der beruflichen Organisation. Ich glaube, das ist komplett out und da müssen wir insbesondere, glaube ich, in Deutschland viel lernen.
Jetzt haben wir über die Organisation gesprochen. Sprechen wir noch mal abschließend über die Unternehmenssoftware, vor welchen Herausforderungen Ihrer Einschätzung nach steht Unternehmenssoftware natürlich insbesondere ERP heute und zukünftig? Ja, die Unternehmenssoftware als solche, sehe ich, wird es immer geben. Sie wird sich ein wenig anders darstellen.
Wir hatten schon davon gesprochen, wir kamen aus der Not. In der Not in den 90er Jahren, da haben wir über Best of Breed gesprochen, weil keiner wirklich alles aus einem Stück liefern konnte. Dann kam irgendwann mal die Phase, wo alles aus einem Stück geliefert wurde.
Da hatte man aber das Problem, dass ganz plötzlich die Release-Zyklen immer länger wurden und dadurch die IT-Abteilung der Langsamkeit sozusagen bezichtigt wurde und mangelnde Agilität vorgeworfen wurde. Jetzt kommen wir eben in eine Phase, wo wir Agilitätsattribute auch an eine Unternehmenssoftware stellen und wo wir vielleicht dann auch sagen, warum muss denn eine Reisekostenabrechnungslizenz bezahlt werden, wenn wir diese Funktion vielleicht nur einmal im Monat für einige Stunden je User nutzen. Irgendwo dazwischen, zwischen einem stabilen Standardsystem im Kern mit einer beschriebenen Funktionalität und vielen flexiblen an- und ausschaltbaren Software-Services.
Irgendwo dazwischen werden wir uns bewegen und das müssen wir jetzt auch umsetzen in den Projekten, um den Endanwendern da auch eine höhere Flexibilität, eine bessere Usability, eine höhere Akzeptanz auch der Anwendung beim Endanwender zu schaffen. Das lasse ich so stehen im Raum. Ich danke Ihnen ganz herzlich, Herr Dewand, für diese spannenden Einblicke in den Bereich Berater, Analysten, Veränderungen im Markt für Unternehmenssoftware.
Wie immer die letzten Worte gehören Ihnen als Gast der heutigen Folge. Ja, erstmal möchte ich mich für das Gespräch bedanken. Ich finde es auch interessant, dass Sie so ein Format aufgesetzt haben.
Ein vielleicht ungewöhnliches Format, aber vielleicht eben auch gerade, weil es ungewöhnlich ist, ein Format, was auch dann in Anspruch genommen wird. Und ich hoffe, dass wir uns auf der einen oder anderen Veranstaltung im deutschsprachigen ERP-Markt, aber auch gerne in Barcelona mal treffen, denn das war eine sehr kurzweilige Veranstaltung, muss ich sagen. Vielen Dank.
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Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann, ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.