„Banking is necessary, banks are not“, eine alte Prophezeiung von Bill Gates erweist sich zunehmend als richtig. Zahlreiche FinTechs erobern die Geschäftsmodelle der Banken und zeigen Schwachstellen gerade im Verständnis der deutschen Digitalwirtschaft auf. Mit einer Vollbanklizenz versehen bietet die solarisBank als erste Bank „Banking as a Platform (BaaP)“. Mit Peter Großkopf, CTO der solarisBank, diskutiere ich die Veränderungen der Bankstrukturen in der Zukunft. Auch und insbesondere, was diese Veränderungen für Ihr Unternehmensumfeld bedeuten können.
Viel Vergnügen
Literaturempfehlung:
- Picot, A. et al.: Die grenzenlose Unternehmung Information, Organisation und Management. 1998
Webempfehlung:
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 39. Banking as Platform. Interview mit Peter Großkopf, CTO Solaris Bank.
Banking is necessary, banks are not. Eine alte Prophezeiung von Bill Gates erweist sich zunehmend als richtig. Zahlreiche Fintechs erobern die Geschäftsmodelle der Banken und zeigen Schwachstellen, gerade im Verständnis der deutschen Digitalwirtschaft, auf.
Mit einer Vollbanklizenz versehen, bietet die Solaris Bank als erste Bank Banking as a Platform. Mit Peter Großkopf, CTO der Solaris Bank, diskutiere ich die Veränderungen der Bankstrukturen in der Zukunft. Auch und insbesondere, was diese Veränderungen für ihr Unternehmensumfeld bedeuten können.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Heute mal ein Ausflug in eine, wie ich finde, sehr spannende Branche zurzeit, sehr technologiegetriebene Branche, der Bankenbereich. Ich habe heute das große Vergnügen, den CTO der Solaris Bank hier zu haben.
Die Solaris Bank bezeichnet sich selber als Technologieunternehmen mit Banklizenz, also Banking von einer anderen Perspektive gedacht. Was das bedeutet, wie auch Unternehmenssoftware oder generell Technologie eine Rolle spielt, das wird er uns sicherlich selber sagen. Herzlich Willkommen, Peter Großkopf.
Hallo Axel, freut mich, dass ich bei dir im Podcast dabei sein darf. Ja, vielen Dank, dass du da bist. Vielleicht muss man ein bisschen erklären, wir kennen uns schon relativ lange und zwar bist du mir das erste Mal aufgefallen, als ich noch Assistent in Münster war.
Da warst du in der Fachschaft und du bist der Entwickler eines sehr netten Tools damals, das ERSTI VZ, wofür ihr als Fachschaft dann auch direkt ermahnt worden seid, weil ihr dort etwas entwickelt habt, was es zu der Zeit damals schon gab. Das ist schon ganz lange her. Und seitdem hast du tausende von Stationen gemacht und bist mittlerweile verantwortlich für die Technologie in einer Vollbank.
Aber vielleicht kannst du dich selber und deine Stationen zunächst mal vorstellen. Ja, gerne doch. Wie du schon sagst, es sind viele Stationen gewesen in der Vergangenheit, aber eher positive, weil ich auch schon während des Studiums die Möglichkeiten genutzt habe, mich immer wieder in neuen Situationen auszusetzen, Dinge auszuprobieren, Projekte zu machen.
Und das hat mich jetzt seit eigentlich die letzten zehn, zwölf Jahre auch kontinuierlich begleitet. Wie du schon gesagt hast, parallel zum Studium, habe ich als Freelancer in der Softwareentwicklung gearbeitet und eigene Projekte gemacht, wie zum Beispiel das ERSTI VZ, also ein Tool zur Organisation von Orientierungsgruppen für neue Studenten der Wirtschaftsinformatik an der Uni Münster, also um diesen Prozess, der früher papierbasiert war und offline quasi digital zu unterstützen. Und ich habe dann halt angefangen, für verschiedene Start-ups zu arbeiten, aus den Projekten mit den Start-ups und aus den Freelance-Projekten ist dann eine Firma namens Zweitag entstanden, eine Firma für Softwareentwicklung, die sich auf die Schnittstelle zwischen Enterprise-Software und dem, was sich damals, also um 2008 rum, das Web 2.0 genannt hat, also Start-ups zu positionieren und Software zu entwickeln für Unternehmen, die von der Usability und von der Bedienbarkeit quasi dem Web 2.0, also Facebook und Co, entspricht.
Das hat sehr, sehr gut funktioniert, waren nach fünfeinhalb Jahren knapp 30 Mitarbeiter und auch profitabel. Und zu dem Zeitpunkt habe ich mich ja wieder umgeschaut und wollte halt eigentlich auch ganz gerne noch mal was Weiteres gründen. Und mich hat es halt auch immer gereizt, nach Berlin zu gehen, wo halt einfach nun mal innerhalb von Deutschland so der Tech-Schwerpunkt oder der Tech-Hub sich befindet.
Und habe dann Management Handover gemacht, war ein paar Monate in San Francisco, bin nach Berlin gezogen, habe mich einem Company Builder angeschlossen dann, auch als CTO, wo wir schwerpunktmäßig Fintech-Start-ups gegründet haben. Also insgesamt war ich an fünf, sechs Gründungen quasi von der Entwicklungsseite, von der Prototyping-Seite beteiligt. Und da ist dann halt eben auch so dieses Problembedürfnis für uns zutage gekommen, was dann halt eben auch zur Gründung der Solaris Bank geführt hat.
Und zwar gibt es nur sehr wenige Banken, die sich als Integrationspartner, also als API-Partner für Start-ups anbieten. Und im Grunde genommen ihre Fronting-Funktionen an Start-ups auslagern. Und es gibt halt auch nur wenig Banken, die den Lizenzschirm geben, damit halt Fintech-Start-ups sich nicht aufwendig mit der Lizenzierung befassen müssen.
Und ja, dann haben wir halt mit der Gründung angefangen. Erst war es halt ein Projekt und das wurde dann halt immer konkreter. Aber ich denke mal, da werden wir halt nachher auch nochmal tiefer reingehen.
Also du warst sehr, sehr lange, weil du den Namen nicht gesagt hast, ich sage jetzt die Hitfox-Group, die sich darauf spezialisiert hat, Unternehmen zu Gründen zu entwickeln. Und bist da ganz sehr verantwortlich gewesen eben für technologische Dinge, richtig? Genau, richtig. Also es war dann halt auch ein Team von über 30 Leuten, die halt die Prototypen für neue Ventures entwickelt haben.
Und zu dem Zeitpunkt, wo ich zu Hitfox gekommen bin, waren bereits zwei oder drei Unternehmen im Bereich Advertising gegründet worden. Aber der Schwerpunkt auf Fintech war halt noch komplett neu. Und in diesem Gründungsprozess ist dann eben auch Finleap entstanden, was ein Company-Builder ist, der sich eben halt auf Fintech-Unternehmen spezialisiert.
Und mein Team hat im Grunde genommen für Finleap dann gearbeitet und diese Prototypen gebaut. Ja, und dann ist der nächste Schritt für dich gewesen, die Solaris-Bank mit zu gründen, mit aufzubauen. Wie groß seid ihr jetzt in Rahmendaten? Also wir sind jetzt inzwischen 140 Mitarbeiter nach zweieinhalb Jahren.
Wir haben halt, wie ich vorhin schon eingeleitet habe, diesen Lizenzbeantragungsprozess ungefähr vor zweieinhalb Jahren gestartet und haben nach neun Monaten, was relativ rekordverdächtig ist, die Banklizenz erhalten von der EZB. Also halt eine Banklizenz, die halt in Deutschland ausgestellt ist, aber die uns die Möglichkeit gibt, in jedes europäische Land zu passporten, also halt irgendwie quasi Produkte oder Produktentwicklungen dort zu beantragen. Und eigentlich so ein zweiter Erfolgs-KPI für uns war, dass wir nach zehn Monaten bereits in der Lage waren, also insgesamt zwei Monate nach der Lizenzerteilung, bereits die ersten Umsätze zu machen, einfach weil wir so in der Art und Weise, wie wir uns aufgestellt haben, wie wir entwickeln, wie wir die Teams strukturieren, auch wie wir arbeiten, also halt da ist eben so Agilität und so die Start-up-Principle und so, halt einfach, das sind so die Schlagworte, die man da nennen muss, dass wir eben halt sehr, sehr schnell an den Kunden gekommen sind und wir dadurch halt eben auch jetzt inzwischen mehrere Produktlinien aufbauen könnten, die halt eben unterschiedliche Segmente und unterschiedliche Kundengruppen bedienen.
Ja, vielleicht können wir das nochmal so ein bisschen greifbarer für die Zuhörer auch machen, was euch differenziert von anderen Banken? Also sag mal, der typische Mittelständler würde ja hingehen und sagen, wofür brauche ich eine Solaris-Bank? Ich habe doch meine Sparkasse. Genau, so mein Beispiel, also auch wenn ich meinen Eltern erkläre, was ich mache, was ich oft tue, sage ich halt immer, dass traditionelle Banken oder unter einer traditionellen Bank verstehen Leute eine Bank, wo ich reingehen kann, die halt ein Filialnetz haben, wo ich irgendwie am Geldautomaten Geld holen kann und wo ich meine Bankgeschäfte online und offline tätige. Und die Spezialität von der Solaris-Bank ist, dass wir rein B2B sind.
Und der B2B-Approach bezieht sich darauf, dass wir Kooperationen eben mit Start-ups, also aus dem Fintech-Bereich, aber es können halt auch traditionelle Player sein, wie zum Beispiel AutoScout, mit denen wir zusammenarbeiten und diesen Unternehmen eine API-Plattform zur Verfügung stellen. Also eine Schnittstelle? Genau, eine Schnittstelle zum Eröffnen von Bankaccounts. Zu diesem Eröffnungsprozess gehört eben halt auch eine Identifizierung des Kunden dazu.
Das machen wir eben über entsprechende Video-Identifikations-Services, dann das Triggern von Überweisungen, dann halt eine Mastercard-Anbindung, damit ich halt Geld aus dem Automaten bekomme und Scoring, Vergabe von Krediten für SME, also für mittelständische oder kleinere, mittlere Unternehmen, beziehungsweise für private Konsumenten. Also diese ganzen Funktionen liegen auf dieser API-Plattform und die Firmen binden uns dann an und wir bleiben im Hintergrund, liefern quasi die Infrastruktur für deren Finanzgeschäfte und am Ende verdienen wir dann unser Geld eben mit den Bankprodukten, also halt eben mit Konten und Krediten und so weiter, aber eben halt auch dadurch, dass wir den Unternehmen quasi die Bank in der Cloud anbieten, wo ich auch komplette Automatisierung von Anfang bis Ende vornehmen kann, was ich halt in den doch eher halt auch Medienbruch behafteten Bankprozessen vieler deutscher Großbanken halt eben nicht kann. Ja, also ich frage nochmal nach, damit das auch wirklich verstanden ist, wo der Unterschied ist.
Jetzt könnte man ja sagen, ja gut, eine Sparkasse hat ja auch ein Portal und ein Bankkonto hat doch eigentlich jeder in Deutschland und die Echtzeitkreditbeantragung, Targo Bank Easy Credit, so what? Genau, also das Interessante ist halt, also durch dieses reine B2B konkurrieren wir mit unseren Kunden auch nicht im Endkundengeschäft. Also das ist erstmal schon mal ein großer Unterschied. Also wir bleiben bewusst im Hintergrund und überlassen die Show den Unternehmen, die sich mit uns integrieren und diese sozusagen nahtlose Einbindung, also dadurch, dass wir halt auf ein rein digitales Geschäft spezialisiert sind, findet man bei anderen Banken halt eben nicht.
Okay, jetzt könnte man natürlich sagen, sobald eine Großbank, eine deutsche Großbank, um jetzt keinen Namen zu nennen, sieht, wie gut das läuft, man schmeißt einfach Mitarbeiter auf das Ganze und dann können die das doch auch, oder? Ja, genau, aber sie würden halt immer noch in der Konkurrenz stehen mit dem jeweiligen Unternehmen. Also weil wir sagen, benutzt unsere Infrastruktur, wir gehen nicht an eure Kunden dran und wenn du jetzt als Autobauer der Meinung bist, dass du halt irgendwie Autos haben möchtest, die halt ein integriertes Bankaccount haben mit einer virtuellen Mastercard, dass ich halt durch die Tankstelle durchfahren kann und damit bezahlen kann, dann kannst du das mit uns bauen, halt straight away, weil die Plattform dafür zur Verfügung steht. Aber wir sowas halt eben nicht selber machen.
Also wir bauen jetzt halt nicht Autos, um so dieses Produkt rauszugeben und deswegen setzen wir uns da halt ab. Okay, jetzt besteht natürlich auch immer die Furcht und die Skepsis, gerade auch im B2B-Bereich. Ihr seid eine neue Bank, ihr habt zwar eine Vollbanklizenz, 140 Mitarbeiter gegenüber der tausendfachen Mitarbeiteranzahl sicherlich bei anderen Banken.
Muss ich da nicht ein bisschen Angst haben, wenn ich bei euch Konten eröffne, Geld hin- und herschiebe? Ja, so letzten Endes sind wir ja genauso reguliert wie jede andere Bank auch. Das heißt, es werden dieselben Standards angewendet und auch dieselben Überprüfungsstandards gegen uns angewendet. Und insofern kann man uns da vertrauen.
Also ich persönlich würde eher auch sagen, im Gegenteil. Dadurch, dass wir eine kleinere Mitarbeiterzahl haben, dadurch, dass wir durch eben diese Automatisierung auch innerhalb der Prozesse, innerhalb der Bank, weil wir quasi von Anfang an auf digitale Prozesse setzen konnten, natürlich weniger Korruptionsmöglichkeiten bestehen, weil weniger Menschen involviert sind, weil einfach alles strukturiert durchgearbeitet wird. Und weil wir natürlich auch weniger Kosten haben und dadurch eben auch eine bessere Effizienz an den Tag legen können.
Deswegen glaube ich, dass man gerade bei uns gut aufgehoben ist. Das erinnert mich so ein bisschen an dieses Bill Gates Zitat aus Anfang der 90er Jahre, wo er gesagt hat, Banking is necessary, Banks are not. Du schmutzest schon, aber glaubst du, dass ihr mit eurer im Vergleich relativ kleinen Mannschaft auf Basis von Automatisierung, auf Basis von Technologie das leisten könnt? Also jetzt nicht im Endkundengeschäft, nicht im Frontend sozusagen.
Oder im Frontoffice, was Großbanken heute leisten? Ich glaube, dass man als Bank heutzutage nicht mehr so einfach mit Startups konkurrieren kann, die halt einfach viel bessere Ideen haben, wie man das Online-Banking gestalten kann, wie man Banking in den Kontext des Nutzers bringen kann. Also da, wo er sich befindet und wo er Banking braucht. Ich glaube, der Kampf ist relativ verloren, wenn man eine große Bank ist.
Wir sind eben der Meinung, dass Banking eine reine Infrastruktur-Dienstleistung ist. Also das heißt, es muss halt eben eine kontrollierte und regulierte Instanz geben, die auf das Geld und auf die Einlagen der Menschen aufpasst. Und wo es dann eben halt Gesetzgebungen gibt, die halt auch eingehalten werden müssen, damit das Geld sicher ist.
Und dass sozusagen man darauf vertrauen kann, dass wenn ich jetzt eine Überweisung tätige, dass es am richtigen Ort ankommt und so weiter. Das sind halt reine Infrastrukturaufgaben. Und wir fokussieren uns eben halt auf diese Infrastrukturaufgaben und überlassen das Front Office und die Präsentationsschicht des Bankings den Unternehmen, die das heutzutage halt einfach viel näher am Kunden realisieren können, als man das als Bank kann.
Ja, jetzt sind wir hier im ERP-Podcast und eines der Hauptthemen ist natürlich für uns immer die Unternehmenssoftware aus unterschiedlicher Art und Weise. Zurzeit ist die Integration zwischen der Unternehmenssoftware eines Mittelständlers und seiner Bankkonten einigermaßen, naja, gelöst. Könnt ihr das besser? Seid ihr ein sinnvoller Partner für die ERP-Hersteller, für die Unternehmenssoftwarehersteller beispielsweise? Ja, ich persönlich bin der Meinung, dass wir ein sehr, sehr spannender Partner für ERP-Hersteller sein können.
Weil ERPs natürlich auch versuchen, ihre Produkte zu erweitern. Und letzten Endes gibt es halt immer zwei Richtungen. Man kann halt in die Horizontale gehen, also halt mehr Produkte anbieten und diversifizieren.
Oder man integriert vertikal, also dass man halt eben innerhalb der Supply Chain oder innerhalb des Prozesses versucht, mehr Dienstleistungen anzubieten. Und wir haben jetzt halt keine Partner Cases dafür vorzuweisen. Aber ich, also auch mit meinem Wirtschaftsinformatik-Hintergrund, nenne das halt immer gerne auch in Vorträgen als ein potenzieller Use Case, dass man eben halt auch mit uns gemeinsam Produkte entwickeln kann, wo man die Bank in das ERP-System quasi komplett einbaut.
Und man dann halt eben auch gemeinsam überlegen kann, wie man diese vertikale Tiefe halt auch so verändern kann, dass hier ERP-Hersteller halt auch nochmal zusätzliche USPs generieren können. Könntest du mal ein Beispiel bringen, wo du sagst, das bietet mir mehr Wert als Mittelständler, wenn ich ein ERP-System mit Bankintegration habe? Also zurzeit ist es so, dass sicherlich viele der ERP-Systeme beispielsweise über die entsprechenden Banking-Schnittstellen einen Online-Abgleich und eine automatische Ausbuchung von Forderungen oder ähnliches im buchhalterischen Modul des ERP-Systems abbilden können. Ihr denkt wahrscheinlich viel weiter, oder? Genau, also letzten Endes bin ich, also ich bin jetzt kein ERP- oder Buchhaltungssoftware-Experte.
Dementsprechend, das nur als Disclaimer vorneweg. Ich denke, dass halt entsprechende Buchungstools die Standardschnittstellen verwenden, die halt im Banking zur Verfügung gestellt werden. Also einfach der reine Informationsaustausch zwischen verschiedenen Bankkonten und dann eben der Abgleich und dann die Weiterverarbeitung innerhalb des ERP-Systems.
So stelle ich mir das technologisch vor. Wir bieten eben Higher-Level APIs an, also wir bieten REST APIs an, die wir eben halt auch entsprechend den Anforderungen der Kunden gestalten. Also wenn wir das Gefühl haben, dass wir eine bessere Integration anbieten können oder halt auch mehr Daten anbieten können als so die Standardschnittstellen hergeben, dann können wir das eben mit unseren Schnittstellen tun.
Und deswegen, was wir zwar noch nicht anbieten, aber wo wir auch draufschauen, sind halt eben halt auch so AI-Machine-Learning-basierte Zusatzinformationen, die wir eben halt aus den Zahlungsstreams generieren können. Also zum Beispiel eine Kategorisierung halt einfach auch direkt schon mitzugeben und die halt eben halt auch auf den Daten basieren kann, die wir insgesamt als Bank zur Verfügung haben. Das heißt, wir können eben halt auf dieser Daten- und Prozessebene einfach zusätzliche Informationen direkt zur Verfügung stellen, die halt einfach eben direkt zu einem besseren Produkt führen, was halt eben den Kunden dann auch wieder erfolgreicher machen kann.
Du hast gerade AI gesagt, Artificial Intelligence, also künstliche Intelligenz. Arbeitet ihr in dem Umfeld auch als Solaris Bank? Also eigentlich benutze ich den Begriff AI nicht gerne. Ich hätte lieber Machine Learning sagen sollen.
Wir haben eine Datenplattform aufgebaut jetzt im Laufe des Jahres, die uns dort befähigt, im Grunde genommen so halt alles Wissen, was man halt aus Daten rausziehen kann, für uns zu generieren. Auch eben halt einer der Vorteile, wenn man eine Bank von der grünen Wiese gründet. Also wir durchlaufen eben nicht diese aufwendigen Projekte und Prozesse, ein Data Warehouse zu bauen oder mehrere Data Warehouses miteinander zu kombinieren und irgendwie aufwendig an die Daten ranzukommen, sondern wir haben jetzt halt eben ab Front ein Data Lake Design für uns gewählt, was uns auf der einen Seite hilft, besonders compliant zu sein und einfach so die ganzen Anforderungen, die an uns gestellt werden, halt direkt dort zu berücksichtigen, aber auf der anderen Seite sicherzustellen, dass wir halt integrierte Daten haben und eine ganzheitliche Sicht auf Daten haben.
Und dann ist es eigentlich halt auch nur noch eine Commodity, die entsprechenden Machine Learning Services zu verwenden, weil im Grunde genommen ist das heute, also vor 10, 15 Jahren war es bestimmt anders, aber jetzt mit den ganzen Libraries auch von Google und Secret Learn und so weiter, ist es eigentlich sehr, sehr simpel im Bereich Machine Learning aktiv zu werden. Nur man braucht eben die Datengrundlage dafür. Das nehme ich als Stichwort Datengrundlage.
Ich springe mal von dem ERP, von ERP Herstellern, also vom Mittelstand in eure Branche rein. Jetzt haben wir da Unternehmen, die haben 100 und mehr Jahre auf dem Buckel. Ich würde nicht sagen, dass die IT so alt ist, das stimmt sicherlich nicht, aber es sind sicherlich an vielen Stellen Dinosaurier, so drücke ich es mal aus, vorsichtig.
Kannst du mal skizzieren mit deinem Blick auf die Bankbranche, was ist das Datenfundament im Bankbereich vielleicht auch im Vergleich zu euch, was unterscheidet euer ERP-System, also euer Datenfundament von dem, was in einer Standardbank, in einer traditionellen Bank verwendet wird? Also grundsätzlich sehe ich das immer noch als eines der letzten oder einer der letzten großen Vorteile der traditionellen Banken an, dass sie eben diese historischen Daten haben. Also das haben sie uns natürlich komplett voraus. Wir sind seit 1,5 Jahren, 1,5-2 Jahren aktiv und können dementsprechend nur auf eine Historie dieses Zeitraums zurückblicken und dementsprechend, wenn wir zum Beispiel Scoring-Berechnungen machen, dann stehen uns halt auch nur diese Daten plus ein paar externe Datenquellen zur Verfügung.
Das ist definitiv ein Plus für die alten Banken. Was halt unser Vorteil ist, ist, dass wir eben halt alle Datenquellen, die uns zur Verfügung stehen, einfach ganzheitlich verwenden können. Also das heißt, wir haben halt einen komplett automatisierten Deployment-Stack, also halt das quasi, wenn wir Redices machen, dass wir da einen auch programmierten Prozess haben, dass halt unsere Software durch verschiedene Stages durchläuft und in jeder Stage wird halt ein bestimmter Datensatz hinterlassen, den wir abspeichern für Audit-Trails und so weiter.
Und diese Daten können wir natürlich dann halt auch wieder verwenden, um unsere Prozesse zu optimieren und irgendwelche Dashboards on top zu bauen. Und das ist halt auch nur ein Schnitt durch. Also wir machen selbiges für jeden Service und für jede Applikation, die wir betreiben, dass wir Statistiken haben, dass wir die entsprechenden Nutzungs- und Abfragestatistiken haben.
Also wie oft wurden welche API-Calls gemacht und wo kommen die her und so weiter und so fort. Also diese Daten stehen uns zur Verfügung für Berechnungen. Und ich habe nie in einer Bank vorher gearbeitet, kann dementsprechend mich halt auch nur auf die Informationen stützen, die man so hört.
Aber jedenfalls, wenn ich so von unserer Datenplattform erzähle, dann gucken alle Leute immer sehr neidisch, weil halt eben die Erschließung von neuen Datenquellen einfach ein Projekt ist, was einfach mal direkt mehrere Monate dauert. Und bei uns ist das halt eher eine Frage von Tagen oder Maximalwochen. Ja, ich kann das aus Projekten bestätigen.
Aber das führt mich eigentlich zum nächsten Punkt. Was diese Projekte immer so wahnsinnig schwierig macht, sind eigentlich die vielen Rahmenbedingungen drumherum. Also zum Beispiel im Bereich der Programmierung.
Darf ich das alleine entwickeln? Muss das im Vier-Augen-Prinzip entwickelt werden? Wer darf welche Daten überhaupt auch in solchen Migrationsphasen einsehen und so weiter und so fort? Wie geht ihr mit solchen Punkten um? Wir stützen uns auf moderneren Entwicklungsprozessen, die sich halt nicht nur in der Start-up-Branche etabliert haben. Also halt einfach, um ein Beispiel zu geben. Es gibt Firmen wie Zalando oder wie Spotify, die eigentlich so der Kategorie Start-up zugeordnet werden, die aber Nutzervolumen und auch Geldvolumen bewegen, die, sagen wir mal, fast irgendwie DAX- oder MDAX-Niveau haben und die arbeiten irgendwie anders.
Und warum? Und wie geht das zusammen? Und deswegen, man darf halt nie diesen Druckschluss zulassen, dass nur weil eine Firma ein Start-up ist, dass diese Prozesse nicht professionell sein können. Also das ist einfach, finde ich, ein wichtiges Statement. Und wir orientieren uns halt eben an diesen professionalisierten Prozessen.
Also auch wir haben ein Vier-Augen-Prinzip und machen Peer-Programming. Und auch wir haben Abnahmen, die wir innerhalb oder zwischen Teams machen. Also dass halt immer ein anderes Team quasi ein Source-Code-Programm testet und dann im Grunde genommen freigibt.
Und das ist nur halt einfach alles komplett durchautomatisiert. Und quasi sobald halt ein Review gemacht wurde, geht es dann halt auf Staging und so weiter. Und dementsprechend würde ich halt auch da sagen, dass unsere Prozesse mindestens genauso professionell sind wie in Banken, wo halt alles mit Checklisten und Q&A-Teams funktioniert.
Aber ich würde tatsächlich auch sogar sagen, dass wir da sicherlich durch diese Transparenz, die halt eben durch Digitalisierung entsteht, sogar den etablierten Prozessen einiges voraus haben. Ich komme nochmal zurück auf dieses Datenfundament ERP. Also viele größere Banken haben da Projekte mit der SAP aufgesetzt, haben riesige Geldsummen eigentlich auch in die Hand genommen, um ihre Zentralität oder ihr zentrales Datenfundament dort aufzustellen.
Gibt es bei euch auch ein führendes System, was letztendlich die Daten speichert, weitergibt, abgleicht? Habt ihr das selber entwickelt? Kommt das aus einem bestimmten Softwarehaus? Kannst du uns ein Gefühl geben? Also unsere grundsätzliche Aufstellung ist halt so, dass wir nur das selber entwickeln, wo wir glauben, dass wir eine Core-Value-Proposition generieren. Also das ist so Grundeinstellung von allen IT-Entscheidungen, die wir machen. Und das bedeutet dann in der Praxis, dass es Systeme gibt, die wir von externen Providern beziehen, die wir entsprechend integrieren, dass es so wirkt, als wäre es komplett von uns angeboten.
Aber eben, dass wir auch bestimmte Teile, die für uns geschäftskritisch sind, selber entwickeln. Und das sind Entscheidungen, die wir auch regelmäßig auf die Probe stellen. Also dass wir tendenziell mehr von extern bezogen haben, als intern entwickelt.
Das war vor allem am Anfang so. Einfach, damit wir erstmal möglichst schnell an den Start kommen. Und dass wir uns dann eben auch auf den Standards von Drittanbietern dann erstmal auch absichern konnten.
Dass wir halt garantiert auch compliant sind mit den Anforderungen Uns gegenüber, aber je größer das Team wird, je größer die Firma wird, je größer die Userbase wird oder auch die Kundenbasis wird, desto mehr Entwicklungen ziehen wir halt auch nach Inhouse und stellen damit dann halt eben halt auch die Systeme selber. Und weil du halt eben auf die Datengrundlage angesprochen hast, so wir haben, also unser Kernbankensystem ist so das führende System in der gesamten Systemlandschaft und ist eigentlich halt auch vergleichbar mit dem ERP-System für andere Unternehmen. Also das Kernbankensystem handelt bei uns eben die sozusagen Kontostände und auch Kundendaten, ist sozusagen das CRM und stellt gleichzeitig halt auch das Balance Sheet, also die Bilanz zur Verfügung, worauf dann diverse Reportings basieren, die wir auch an die Zentralbank und verschiedene Instanzen entsprechend anbieten müssen.
Aber bei diesem Kernbankensystem versuchen wir halt eben so zwischen dem transaktionalen Teil, also quasi dem, wo halt unsere Kunden drauf agieren und dem regulatorischen Teil zu unterscheiden und dementsprechend haben wir in unserer Plattform entsprechend Systeme entwickelt, wo wir das führende System sind für Kundendaten, für Identifikationen, für Transaktionen und so weiter und synchronisieren die Daten dann entsprechend in das regulatorische Kernbankensystem, wo dann die Bilanz entsteht und wo dann die ganzen Reports generiert werden. Okay, das hört sich jetzt eigentlich ähnlich an zu dem, was eine normale Bank auch macht, oder? Ja, so hat die normale Bank entwickelt in der Regel das regulatorische Kernbankensystem selber und das tun wir nicht. Und das halt einfach eben aus dem Grund, was ich auch, den ich früher oder in meinem letzten Redebeitrag auch genannt habe, dass wir eben nicht davon oder nicht sagen, dass sozusagen das regulatorische Reporting unsere Core-Value-Proposition ist.
Also was heißt Core-Value-Proposition? Das, womit wir unser Geld verdienen, was unsere Kunden von uns wollen. Also wir entwickeln nicht ein Kernbankensystem, was wir an andere Banken weiterverkaufen und deswegen ist sozusagen das Reporting ein Teil von unserem Produkt. Es ist halt eher die Pflicht, die wir als Bank haben und insofern sind wir dann halt froh, wenn wir das halt nicht selber entwickeln müssen, sondern wenn wir das halt als gegebene Funktion, wo man ja auch, sag ich mal, die Pflicht nicht übererfüllen kann.
Also ich glaube Reporting ist halt nichts, wo man glänzen kann und wo man noch ein Fleißsternchen irgendwie für die besonders tolle Aufbearbeitung bekommen kann, sondern das muss halt einfach auch nach einer bestimmten Art und Weise gemacht werden und dementsprechend ist es halt für uns nicht Kern von unserer Entwicklungsarbeit. Jetzt, wenn man in das Internet guckt, wenn man in Zeitungen guckt, überall tauchen Fintechs auf. 2017 scheint das Jahr für Finanztechnologiegründung zu sein.
Woran liegt das? Banking machen wir doch schon ein bisschen länger. Ich glaube, zum Fintech-Phänomen muss man halt auch sagen, dass es teilweise sehr große Unterschiede zwischen den verschiedenen europäischen Staaten gibt. Also es gibt Länder, die tendenziell weniger Fintech-penetriert sind, einfach weil die Banken schon sehr viel moderner sind und sehr viel user-friendly und in Deutschland haben wir halt eben noch eine sehr breite Bankenszene, sehr, sehr viele Spezialbanken.
Ich weiß nicht, wie viele Banken es insgesamt gibt, aber ich glaube so um die 800 bis 1.000 und da haben es halt eben auch die Banken nicht geschafft, vernünftig zu digitalisieren. Also die Online-Angebote, die man von Großbanken findet, sind teilweise nicht mobile-friendly, geschweige denn, dass es vernünftige Apps gibt. Also da gibt es einen großen Nachholbedarf und die Fintech-Unternehmen haben sich halt eben genau diese Lücke zunutze gemacht und einfach Finanzdienstleistungen in einer Form angeboten, wie sie der heutige Digital Native, also halt sozusagen Studenten, die jetzt ihre ersten Erfahrungen oder die sozusagen ins Berufsleben gehen, die halt einfach die Benutzung von Facebook und Co.
gewohnt sind und dann jetzt halt eben auch erwarten, dass das Banking auch so funktioniert. Ja, haben wir da was verschlafen in Deutschland? Also ich denke zum Beispiel an PayPal und die traurige Geschichte der Sparkassen, die da fast zwei Dekaden hinterherhinken. Ja, also kann man im Grunde genommen so sagen.
Also ich meine, anders lässt sich halt eben die Nachfrage nach solchen Smartphone-basierten Apps und sozusagen auch dem, was wir als Produkt machen, halt auch sonst nicht erklären. Also weil Nutzer einfach erwarten, dass die Bank halt auch da ist, wo sie sich selber aufhalten. Sie wollen Integration sehen, sie wollen mehr Transparenz, sie wollen unabhängige Beratung.
Das sind halt einfach alles Themen, wo sich Banken einen Namen hätten machen können, aber jetzt halt eben auf die Kooperation mit Fintech-Unternehmen angewiesen sind, weil die ja dafür den Nutzer besser verstehen als sie selber. Du hast vorhin so ein schönes Szenario gehabt. API, also Neudeutsch, Schnittstelle in eure Bankingleistung direkt aus dem Auto heraus.
Das riecht doch schon beinahe so ein bisschen nach Blockchain-Szenarien, oder? Ja, also ich meine, Blockchain ist für mich persönlich nochmal was Getrenntes, weil wir dort mit einer nochmal zusätzlichen Verschärfung eigentlich der ganzen Digitalisierungsthematik zu tun haben, weil ich hole einfach mal ein bisschen aus, die Problematik zwischen dem jetzigen System und allem, was auf der Blockchain entstehen kann, ist halt, dass das Bankensystem höchstgradig zentralisiert ist. Also im Grunde genommen spielt sich die Wahrheit hinter einer Firewall auf dem Server einer Bank ab und dort liegen auch die Daten und die Bank hat die komplette Datenhoheit über die Kundendatensätze. Dem gegenüber steht eben die Blockchain als ein dezentralisiertes System, also ich möchte jetzt nicht die Blockchain beleidigen, aber so im Grunde genommen als dezentrale Datenbank, ein verteiltes System, wo sich eben halt auch die Daten sozusagen außerhalb der Bank befinden, wo der Nutzer die komplette Governance hat und wo der Nutzer entscheiden kann, was sozusagen mit den Account-Daten passiert und welches Tool er nutzt, um Transaktionen zu machen, welche Börse er benutzt, um seine Bitcoin zu kaufen oder wenn man auf Ethereum und so diese sozusagen noch Weiterentwicklung der Blockchain schaut mit Smart Contracts, wo ich im Grunde genommen mich einer Zukunft gegenübergestellt sehe, wo vermutlich in ein paar Jahren Banking einfach als Smart Contract realisiert ist.
Also als eine Implementierung, die innerhalb meines Wallets läuft, die dann halt entsprechend dafür sorgt, dass ich einen Kredit zurückzahle oder ein bestimmtes Investmentprodukt mit meinem Guthaben bezogen habe. Also Wallet ist quasi die digitale Geldbörse, die angeschlossen ist an den zentralen Blockchain-Mechanismus mit Bitcoins oder welcher Währung auch immer. Genau, also im Grunde genommen das Wallet ist mein Zugang zu den Werten, die ich auf der Blockchain gespeichert habe.
Warum ist das für euch so interessant? Du hast mir erzählt, dass ihr sehr viel auch Augenmerk auf diesen Blockchain-Technologien mit Bitcoin und so weiter habt. Genau, also wir sind eben, wie ich beschrieben habe, auch ein Teil des Bankensystems, wie es heutzutage ist. Also auch so modern eine API-Plattform auch ist im Vergleich zu dem Bankensystem sonst.
Es bleibt halt eine zentralisierte Instanz, wo quasi die Party auf unseren Servern stattfindet. Und im Grunde genommen haben wir mit der Blockchain jetzt eine Technologie, die es uns ermöglicht, diese Zentralisierung zu brechen, diese Silos zu brechen. Und quasi die Verantwortung und die Governance auch den Usern zurückzugeben.
Und mein Vergleich an der Stelle ist halt immer, dass ich es mit selbstfahrenden Autos vergleiche. Die Technologie ist jetzt so weit, dass es selbstfahrende Autos gibt. Der Regulierer und vielleicht auch der ein oder andere Versicherungskonzern hat da vielleicht noch ein Problemchen mit, was passiert, wenn irgendwelche Unfälle auf den Straßen passieren.
Aber in ein paar Jahren wird die Technologie so ausgereift sein und diese regulatorischen und Genehmigungsthemen werden bis dahin gelöst sein. Und dann ist die Technologie da und dann müssen sich die Autokonzerne überlegen, wie sie mit einer womöglich zurückgehenden Nachfrage umgehen, weil die Menschheit einfach nicht mehr so viele Autos braucht. Und so ist es eben halt mit der Blockchain.
Die Technologie ist noch in den Kinderschuhen, definitiv. Deswegen lohnt es sich in unseren Augen jetzt nicht, quasi die Hebel komplett umzulegen und zu sagen, wir machen jetzt halt nur noch das. Da müssen noch viele Fragestellungen beantwortet werden, auch von der Regulierungsseite.
Aber auch technologisch muss die Skalierung noch verbessert werden und da muss halt auch noch viel passieren, dass es wirklich massentauglich ist. Aber gesetzt den Fall, die Zukunft liegt in der Dezentralisierung, so Klammern, wovon ich persönlich ausgehe. Dann müssen wir da jetzt anfangen, auch uns zu positionieren, damit wir in fünf bis zehn Jahren halt als Unternehmen, als Solarisbank noch eine Rolle spielen.
Und deswegen habe ich da auch meinen Arbeitsschwerpunkt draufgelegt und glücklicherweise fahren wir hier bei der Solarisbank auch einen Ansatz, dass wir eben nicht wie andere Banken jetzt große Infrastrukturprojekte machen, die dann irgendwie vielleicht in zwei, drei Jahren mal eine Chance haben, in Production zu gehen. Wir arbeiten eben mit Krypto-Startups zusammen, was halt eben in der DNA unserer Unternehmung liegt, weil wir halt eben auch mit Fintech-Startups viel zusammengearbeitet haben und versuchen eben konkrete Produkte und konkrete Use Cases mit denen zu realisieren, die halt sozusagen nicht gezwungenermaßen dann erst Jahre später erscheinen, sondern wo wir hier und jetzt bereits die ersten Erfahrungen sammeln können. Du hast jetzt herausgestellt bei dem Thema Blockchain den dezentralen Mechanismus versus die Zentralität.
Du hast gesagt, die Party spielt sich auf euren Servern, also letztendlich im Rechenzentrum der Bank ab. Dort findet das Clearing statt bei einer Transaktion. Aber es gibt ja noch einen ganz gewichtigen Grund für die Zentralität von Geld.
Das ist die zentrale Steuerung auch der Geldmenge. Ist das nicht was ganz Essentielles an der Stelle? Die Steuerung der Geldmenge ist natürlich jetzt keine Aufgabe der Solaris-Bank an und für sich. Es ist eben die Aufgabe der Zentralbanken.
Das ist ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument, da hast du durchaus recht. Aber man muss halt aufpassen, dass man das Thema Cryptocurrencies und Blockchain nicht in dieselbe Schüssel wirft, weil sicherlich Cryptocurrencies noch mal einige weitere Fragen aufwerfen, die man halt auch getrennt behandeln müsste. Ich diskutiere über das Thema zur Zeit sehr viel mit meinem Kollegen Peter Bofinger, der ja auch seit langer Zeit Wirtschaftsweiser hier in Deutschland ist.
Natürlich über die Bankstrukturen und die Veränderungen, auch das technologische Underlying, das technologische Fundament dahinter. Aus deiner Sicht, wie verändert sich die Bankstruktur in der Zukunft? Das ist natürlich eine gute Frage. Ich kann da lediglich dazu sagen, was wir glauben, in welche Richtung wir gehen.
Du hast es eingangs ja schon beschrieben, wir bezeichnen uns als Tech-Unternehmen mit Banklizenz. Ich habe zwischendurch mal diesen Infrastrukturbegriff in den Mund genommen, also die Bank als Infrastruktur-Provider. Das ist in meinen Augen die richtige Positionierung, dass wir technische Tools zur Verfügung stellen, also auch im Blockchain-Szenario der Zukunft, dass wir dort Lösungen anbieten können, die vielleicht nicht mehr so ein klassisches Bankgeschäft implizieren, also sozusagen Zinsen und so weiter, sondern wo es halt einfach darum geht, auf die Bestände oder dafür zu sorgen, dass die Kunden von uns jederzeit Zugriff auf ihre Werte haben.
Ob das jetzt auch bei uns auf dem Server liegt oder in der Blockchain, ist halt eigentlich relativ egal, aber wir können zum Beispiel auf Recovery-Mechanismen für Private Keys und so weiter zur Verfügung stellen. Also ich glaube, es gibt einfach eine Reihe an technologischen Produkten, die man entwickeln kann, die sozusagen unter dieser Prämisse, was macht eine Bank eigentlich? Sie bewahrt Geld auf, sicher, und macht es halt jederzeit zugänglich für Kunden. Sie ermöglicht das Versenden von Geld von A nach B. Sie bietet die Möglichkeit, Geld zu investieren und Geld zu leihen, sodass, wenn das die vier Kern-Use-Cases einer Bank sind, dann wird sich, so wie in den letzten 100 Jahren schon, auch in den nächsten 100 Jahren, werden sich nicht diese vier Use-Cases ändern, sondern es wird sich einfach die Technologie ändern, wie das angeboten wird.
Und als Technologieunternehmen haben wir da sicherlich eine sehr, sehr gute Chance, am Ball zu bleiben und halt irgendwie auch so die Trends zu erkennen, um dann halt entsprechend dafür zu sorgen, dass die Kunden Banking in der Form bekommen, wie sie es erwarten. Ich werde dich dazu auf jeden Fall nochmal zu einer weiteren Folge einladen, wenn das ganze Thema ein bisschen weiter und jenseits des 10.000 Euro-Hypes für Bitcoins geworden ist. An der Stelle ein Verweis für die Zuhörer, wer sich ein bisschen tiefer mit Blockchain-Technologie beschäftigen möchte, in der Folge 24, allerdings auf Englisch, wird so ein bisschen erklärt, wie die ganze Technologie dahinter funktioniert.
Also das vielleicht als vertiefende Perspektive für das ganze Thema. Lieber Peter, kommen wir mal zu der Blitzlichtrunde, die ich immer mit jedem meiner Interviewpartner mache. Vielleicht kannst du mal sagen, aus deiner Perspektive heraus, warum du das geworden bist, was du heute bist, neben den vielen Zufällen und dem Fleiß, den du vielleicht in deine Projekte gesteckt hast.
Gute Frage. Ich glaube, dass ich sehr neugierig bin und sehr offen für Neues. Ich bin eine Person, die mehr Ja sagt als Nein und sich dadurch eben auch in verschiedene Lagen bringt, wo man sich manchmal sagt, vielleicht ist es doch nicht gut gewesen.
Aber grundsätzlich offen an Fragestellungen ranzugehen, sich permanent weiterzubilden. Wenn ich jetzt überlege, das ganze Blockchain-Thema ist bestimmt das fünfte Mal, dass ich mich wissenstechnisch nochmal neu erfunden habe. Im Wirtschaftsinformatikstudium hieß es immer so schön, ihr habt mit eurer Bewerbung für den Studiengang quasi implizit unterschrieben, dass ihr euch auf lebenslanges Lernen committet.
Ich glaube, das trifft bei mir voll und ganz zu. Was war dein größter bisheriger beruflicher Erfolg? Das kann ich eigentlich gar nicht so genau sagen. Ich bin sehr, sehr froh, wo ich jetzt angekommen bin.
Ich glaube, dass man nur einmal im Leben die Chance hat, eine Bank mit zu gründen. Und das macht auf jeden Fall großen Spaß. Gibt es Eigenschaften, die man in deinem Beruf besonders gut gebrauchen kann? Ich glaube, es ist wirklich diese Neugierde.
Dann hat eben auch diese Liebe in Technologie. Dass ich auch einfach viele Freunde habe, die genauso technologiebegeistert sind wie ich. Wo dann meine Freundin immer sagt, ihr redet doch nicht über die Arbeit.
Wo wir dann immer sagen, wir reden doch nicht über die Arbeit, wir reden über Technologie. Weil Programmiersprachen, Blockchain, Crypto und so weiter, das ist halt für uns wie eine Modellbaueisenbahn. Es macht uns Spaß, man bastelt, man kann neue Dinge erfinden.
Und das ist halt einfach etwas, was man in der Branche auch einfach haben muss. Dieses Interesse, neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht ein bisschen oldschool, aber wenn du über langes Lernen sprichst, gibt es Bücher oder Schriftmaterial, wo du sagst, das hat mich persönlich weitergebracht, das kann ich auch den Zuhörern beruflich oder privat empfehlen? Das Buch, was mich am meisten geprägt hat, oder aus dem Studium heraus, war die grenzenlose Unternehmung von Picot und so weiter.
Fand ich sehr interessant. Hat eine schöne theoretische Abhandlung, aber mit einer zeitlosen Anwendbarkeit. Hat auch auf Startup-Ökosysteme und so weiter.
Das kann ich einfach sagen, was für mich ein spannendes Buch war. Gibt es Internetdienste, die du regelmäßig nutzt, die dir einen Mehrwert bieten, den man weiterempfehlen kann? Ich lasse jetzt mal die Solaris-Bank außen vor. Du kommst gerade vom Gespräch mit GitHub.
Gibt es da irgendwelche Dienste? Ich nutze sehr viele Kommunikationstools. Für mich ist auch Twitter ein super Kommunikationstool. Und dann natürlich das, was wir im beruflichen Kontext nutzen, Slack und solche Geschichten.
Mein Lieblings-Webdienst, auch mit potenzieller Anwendbarkeit auf die Frage mit dem lebenslangen Lernen, ist Medium. Also ein Newsportal, was man mit Themen und Interessen füttern kann. Und die dann eben auf Machine Learning und entsprechenden Verfahren basierend Vorschläge für Artikel machen.
Und dann auch täglich ein bis mehrere Digests per E-Mail schicken, wo man Artikel vorgeschlagen bekommt. Und da verbringe ich sehr viel Zeit pro Tag drauf. Okay.
Lebenslanges Lernen tagtäglich. Wie schätzt du deine Berufswelt ein? Wie wird die sich in den nächsten zehn Jahren verändern? Ja, das ist natürlich eine gute Frage. Ich persönlich glaube, dass wir mit der, also auch jetzt gerade so Leute wie ich, die sich sehr stark für Technologie interessieren und auch sehr stark diesen technologischen Fortschritt forcieren, dass wir dafür sorgen werden, dass es bestimmte Berufsgruppen in der Zukunft nicht mehr geben wird.
Und das sage ich jetzt nicht mit einem gewissen Stolz. Es ist de facto einfach so, Technologie ist nicht aufzuhalten. Und wenn ich über Berufsgruppen spreche, dann meine ich zum Beispiel Anwälte und potenziell vielleicht auch so Anamnese-Dinge oder Tätigkeiten bei Ärzten.
Also ich glaube, da wird sehr, sehr viel passieren, wo der Computer die Standardaufgaben abnehmen wird. Und die einzige Lösung, die ich für dieses Problem sehe, ist diese ganze Diskussion rund um das bedingungslose Volkseinkommen. Also dass wir uns irgendwie auf gesellschaftlicher Ebene arrangieren müssen, dass es eine Umverteilung gibt, weil Technologie uns einfach dazu führen wird, dass weniger Leute arbeiten werden.
Und wir müssen da einfach Lösungen finden, damit das halt für uns als Gesellschaft funktioniert und uns nicht irgendwie in eine quasi in französische Revolutionsartige Zustände versetzt. Wenn ich jetzt die Unternehmen anschaue, Unternehmenssoftware ist ja das Thema unseres Podcasts vor allen Dingen natürlich, aber auch alle Prozesse, alle Organisationsstrukturen, über die wir ja auch gesprochen haben. Vor welchen Herausforderungen siehst du Unternehmenssoftware in der Zukunft? Natürlich insbesondere ERP, aber vielleicht auch mit Blick auf eure Branche? Ich glaube, dass sehr viel über Flexibilität und Modularität gehen wird.
Also die Wertschöpfungsketten werden modularer, werden globaler, internationaler. Und laufen sozusagen in Real-Time ab. Und man muss einfach sicherstellen, dass diese Differenzierbarkeit, also auch so ähnlich wie wir es machen, dass wir uns halt auf unsere Kerntätigkeiten konzentrieren und fokussieren und uns dann für andere Teile innerhalb der Wertschöpfungskette entsprechende Provider, die eben spezialisiert sind, auf diesen Prozessschritt mit reinholen.
Dass halt ERP-Software auch diese Flexibilität bekommt, dass so ein ERP-System halt eben auch zu einer Plattform wird, wo man an verschiedenen Stellen eben weitere Provider integrieren kann. Einer davon seid unter Umständen ihr. Ja, also im Prinzip sind wir fast die ERP-Software der Fintechs.
Oh oh, also ich sehe schon die Zitate rumfliegen. Das ist aber ein schönes Schlusszitat, oder? Ja, also okay, nehmen wir das. Genau, also wenn du sozusagen so als Schlusswort definitiv danke für das Gespräch.
Also hat Spaß gemacht. Schade, dass Würzburg nicht öfter auf dem Weg liegt. Aber ich werde auf jeden Fall darauf achten, dass ich jetzt vielleicht auch einfach mal vorbeischau.
Dann können wir mal einen Kaffee trinken. Ja, liebe Zuhörer, mit diesen netten Worten entlasse ich Sie den Rest der Woche. Ich danke herzlich Peter Großkopf, CTO der Solaris Bank, für seine Zeit.
Und Ihnen, liebe Zuhörer, ganz herzlichen Dank für das Zuhören. In diesem Sinne, keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.