Viele heutige Microsoft-Dienstleistungen sind nur in der Cloud denkbar. Der Konzern hat sich sehr stark von einem reinen Softwareanbieter zu einem Plattformanbieter verändert. Als weltweit größter Cloud-Anbieter hat Microsoft weit über hundert Rechenzentren, jeweils in der Größe mehrerer Jumbojets. Über 20 Millionen Server mit eigenen Internetleitungen rund um die Welt stehen für Microsoft-Anwendungsunternehmen zur Verfügung.
Erfahren Sie in dieser Folge,
- wie groß die Microsoft-Cloud auch im Vergleich zu Mitbewerbern wie amazon oder Google ist,
- wie sich diese Technologie für Sie als Anwendungsunternehmen nutzen lässt und
- welche Vorteile sich für Sie durch die Nutzung von Microsoft-ERP-Systemen in der Cloud ergeben.
Viel Vergnügen.
Literaturempfehlungen:
- Nadella, S. et al.: Hit Refresh: Wie Microsoft sich neu erfunden hat und die Zukunft verändert. 2017
Webempfehlungen:
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 44. Microsoft in der Cloud. Azure, Dynamics, Office 365 und Co.
Ein Interview mit Thorsten Scholl, Technologieberater für Geschäftsanwendungen bei Microsoft. Viele heutige Microsoft-Dienstleistungen sind nur in der Cloud denkbar. Der Konzern hat sich sehr stark von einem reinen Softwareanbieter zu einem Plattformanbieter verändert.
Als weltweit größter Cloud-Anbieter hat Microsoft weit über 100 Rechenzentren, jeweils in der Größe mehrerer Jumbo-Jets. Über 20 Millionen Server mit eigenen Internetleitungen rund um die Welt stehen für Microsoft-Anwendungsunternehmen zur Verfügung. Erfahren Sie in dieser Folge, wie groß die Microsoft Cloud auch im Vergleich zu Mitbewerbern wie Amazon oder Google ist, wie sich diese Technologie für Sie als Anwendungsunternehmen nutzen lässt und welche Vorteile sich für Sie durch die Nutzung von Microsoft ERP-Systemen in der Cloud ergeben.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, liebe Zuhörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Und wie immer versuche ich ja jede Woche Ihnen ein spannendes, ein interessantes Themengebiet aus dem Bereich Datenfundament, Unternehmenssoftware, insbesondere natürlich ERP näher zu bringen.
Ich freue mich, dass ich heute einen interessanten Gast aus dem Hause Microsoft gewinnen konnte. Wir haben vereinbart, dass wir ein bisschen sprechen über das Thema Cloud aus Sicht von Microsoft. Die schiere Größe und die Geschwindigkeit, mit der Microsoft in diesem Umfeld agiert, die beeindruckt selbst mich, der sehr dicht an Forschungs- und Technologiethemen dran ist.
Ich freue mich, dass heute Herr Thorsten Scholl bei uns sein kann. Er ist Partner Technology Strategist bei Microsoft hier in Deutschland. Und ich heiße Ihnen ganz herzlich willkommen.
Herzlich willkommen, Herr Scholl. Hallo, Herr Professor Dr. Winkelmann. Schön, dass ich da sein kann.
Herr Scholl, ganz herzlichen Dank, dass Sie das möglich gemacht haben. Sie sind momentan in Sachen Cloud natürlich überall unterwegs. Mögen Sie zunächst mal ein bisschen was über sich erzählen.
Wer sind Sie? Wer ist Thorsten Scholl? Ja, also ich bin Technologieberater für Geschäftsanwendungen bei Microsoft. Das heißt, in dem Bereich der Business-Applikationen, CRM, ERP-Welt, berate ich unsere Partner beim Aufbau, bei der Entwicklung neuer Lösungen, beim Aufbau einer Partner-Mannschaft. Ganz neue Partner, die ihren Weg in die Dynamics-Welt gewählt haben, aber auch eben bestehende Partner, wenn es darum geht, bestehende Anwendungen in die Cloud zu bringen.
Wo ist das Besondere jetzt? Ist das etwas, was Microsoft schon immer gemacht hat oder verändert sich jetzt aufgrund der Cloud-Strategie etwas ganz wesentlich zuvor? Also es verändert sich sehr viel und sehr wesentlich zuvor. Wenn ich jetzt mal ein paar Jahre zurückgehe in die Zeit, als Microsoft sozusagen den Fuß in den ERP-Teich getunkt hat, um zu schauen, wie kalt das Wasser ist. Das war die Zeit, da gab es das System Accepta, das System Navision.
Microsoft hat ja Navision übernommen, während Navision zwei Jahre zuvor sich mit dem Haus Damgard zusammengetan hat. Accepta kam ja aus dem Damgard-Haus und das bekannte Navision aus dem Navision-Haus. Und Microsoft hat damals eben den Weg in die ERP-Welt eingeschlagen, unter anderem eben auch, um das Angebot der Geschäftsanwendungen noch umfangreicher zu gestalten.
Microsoft hat natürlich schon viel im Bereich Sharepoint, Office-Applikationen etc. gehabt. Also alles das, was wir auch als unstrukturierte Daten kennen.
Und hier ging es jetzt eben darum, das Ganze zu verbinden mit der Welt der strukturierten Daten. Die Welt heute sieht aber dann auch wieder ganz anders aus, weil wir damals sehr große monolithische Systeme hatten, die heute nach und nach aufgebrochen werden, in kleinere, besser konsumierbare Einheiten gepackt werden und die vor allem über die Möglichkeit, das in der Cloud bereitzustellen, noch eine Vielzahl anderer Services mit enthalten können, die das Ganze eben dann noch sehr viel umfangreicher und für viele Business-Applikationen und für Prozesse auch besser machen. Ich komme da auch gleich nochmal drauf zu sprechen.
Also ohne jetzt zu viel vorweg zu verraten, wenn ich Ihren Lebenslauf anschaue. Sie gehören ja quasi auch zu dieser alten Mannschaft, Damgard, Navision. Sie haben quasi diese ganze Entwicklungsgeschichte noch aus der Vor-Microsoft-Zeit mitbekommen.
Da würde ich gerne auch gleich nochmal drauf eingehen. Ich bleibe nochmal ein bisschen bei Microsoft. Microsoft ist ja für viele ein IT-Dinosaurier.
Man hat immer noch, auch gerade im Mittelstand sicherlich, an der einen oder anderen Stelle dieses Bluescreen-Gefühl der alten Windows-Welt. Aber Microsoft hat sich ja unter der Oberfläche in den letzten Jahren massiv Richtung Cloud eigentlich gewandelt, oder? Richtig. Also viele Services, die wir heute eben in der Cloud anbieten, wären überhaupt nicht möglich, wenn wir weiterhin in der On-Premise-Welt leben würden.
Microsoft hat sich da natürlich entwickelt aus einem Software-Anbieter für Geschäftsanwendungen dann auch zu einem Plattform-Anbieter. Das heißt, wir bieten hier eine sehr breite Plattform an Möglichkeiten, Geschäftsanwendungen bereitzustellen, aber eben auch Infrastrukturspeicherkapazität in der Cloud, die Möglichkeit, Rechenkapazität in der Cloud zu nutzen. Der Vorteil hier für Unternehmen ist, dass sie sich praktisch diese Kapazität auch kurzfristig mieten können, so wie sie es gerade brauchen.
Also selbst für große Aufgaben ist es nicht mehr unbedingt notwendig, jetzt sehr teure Server anzuschaffen, sondern man kann eben diese Rechenleistung, Speicherleistung, Netzwerkleistung, aber eben auch Applikationen aus der Cloud abrufen, wenn man sie braucht und wo man sie braucht. Und das ist ein großer Unterschied zu früher, wo wir doch sehr monolithisch an vielen Stellen auch unterwegs waren. Sie haben gerade gesagt, Sie sind gar nicht mehr so sehr auf das On-Premise-Geschäft ausgerichtet.
Das heißt, die Installation letztendlich bei den Anwendungsunternehmen auf der Hardware des Kunden selber, sondern viel, viel mehr, dass Sie Dienstleistungen und Software zentral zur Verfügung stellen, im Internet zentral zur Verfügung stellen, aus Ihren Rechenzentren, richtig? Richtig. Der Hintergrund ist hier, also einmal ist unsere Strategie hier Mobile First, Cloud First. Also alles das, was mobil und als Cloud-Anwendung bereitgestellt werden kann, passt sozusagen zunächst mal besser in unsere Strategie.
Es ist uns aber natürlich auch bewusst, dass nicht jeder Kunde jetzt ohne Weiteres einfach sagen kann, ich stecke jetzt meine Geschäftsanwendung in die Cloud. Nehmen wir mal als Beispiel, wenn wir ein Filialgeschäft haben, ein Unternehmen mit 100 oder 200 Filialen, wenn die alles in der Cloud haben und die Internetverbindung bricht ab, dann haben die an ihren Kassen Schlangen von 50 Leuten und die Kasse funktioniert nicht, weil sie nur übers Internet funktioniert. Das kann natürlich nicht sein.
Insofern haben wir hier auch die Möglichkeit der hybriden Bereitstellung. Das heißt, die Kunden können entscheiden, jetzt vielleicht On-Premise zu starten und später in die Cloud zu gehen. Sie können bestimmte Workloads, so wie wir das bezeichnen, On-Premise behalten, also beispielsweise, wenn wir an dem Kassenbeispiel bleiben, dass Sie also sagen, die Applikation, die in dem Filialgeschäft läuft, die läuft On-Premise, aber andere Applikationen, die damit verbunden sind, die laufen dann in der Cloud beispielsweise.
Bevor wir jetzt zu einzelnen Diensten kommen, vielleicht nochmal darunter. Sie haben ja mittlerweile ein gigantisches Netzwerk von eigenen Rechenzentren weltweit aufgebaut. Sie hatten irgendwann mal so eine Übersicht dazu.
Vielleicht können Sie einfach mal so ein paar Daten in den Raum werfen, was Cloud für Microsoft heute eigentlich bedeutet. Ja, also Microsoft hat so in den vergangenen zehn Jahren wirklich einen ganz großen Teil der weltweiten Herstellung von Serverkapazität aufgekauft und hat daraus Rechenzentren gebaut. Also Datencenter, die in verschiedenen Datencenterregionen sind.
Wir haben jetzt im Moment 36 Regionen. Sechs weitere werden demnächst eröffnet. Wir haben weit über 100 Datencenter.
Und um sich jetzt mal ein Datencenter vorzustellen, kann man also sagen, das Datencenter hat etwa die Größe eines Fußballfeldes, so kann man ganz grob mal sagen. Und das ist also groß genug, um dort zwei Jumbo-Jets zu parken. Und pro Region sind es 16 Gebäude.
Das sind insgesamt, alles vollgefüllt mit entsprechenden Servern, sind es rund 600.000 Server pro Region. Und wir haben jetzt im Moment, wie gesagt, 36 Regionen. Sechs weitere sind in der Planung und werden in nächster Zukunft dann eröffnet.
Es ist also eine unglaubliche Menge an Kapazität, die wir da bereitstellen. Wir haben im Moment auch eigene Schiffe oder auch Schiffe, die nur für uns im Moment fahren und unter Wasserkabel verlegen zwischen den Kontinenten, um einmal die Datenleitung entsprechend bereitzustellen, die man dann braucht, um aber auch Kunden beispielsweise die Möglichkeit zu geben, das ist wiederum ein Service aus Azure, über ExpressRoute, auch dedizierte Leitungen nur für ihre eigenen Belange praktisch zu nutzen. Wenn man an Cloud denkt, ich würde mal vermuten, die meisten sind natürlich auch sehr stark Marketing geprägt.
Die kommen, wenn sie an Cloud denken, zunächst mal auf den Namen Amazon, vielleicht auf den Namen Google. Wenn Sie Ihre eigene Cloud-Kapazität mal in Verhältnis setzen zu diesen beiden Namen, wie groß sind Sie dann? Also unsere Datencenter von der schieren Größe her, wir sind etwa zweieinhalbmal so groß wie Amazon und etwa siebenmal so groß wie Google. Also wir haben da an der Stelle weit mehr Kapazität, was die Datencenter angeht.
Wo Google auch einen guten Punkt hat, die sogenannten Endpoints oder Presentation Points, da haben Sie eben sehr viele, das heißt der direkte Anknüpfungspunkt zum Kunden. Ich habe mal ein Foto, ich bin selber noch nicht in einem von Ihren Datencentern gewesen, ich kenne aber sehr viele andere Datacenter, also das traditionelle, das klassische Datacenter, da ist ein langer Gang und rechts und links haben Sie ganz viele Racks mit entsprechenden Blades, mit Servern drin, die alle munter lustig vor sich hin blinken. Der Aufbau Ihrer Rechenzentren funktioniert ganz anders, oder? Ja, wir haben das praktisch so gemacht, wir haben sogenannte IT-Packs gebaut.
Ein IT-Pack hat die Größe eines großen Containers, hat einen Anschluss für Datenleitung, Strom und Wasseranschluss für die Kühlung und die sind praktisch so fertig gebaut worden, werden dann so in die Datencenter ausgeliefert und es müssen lediglich diese drei Anschlüsse verbunden werden und dann ist dieses IT-Pack lauffähig und jedes IT-Pack hat etwa Kapazität für 2000 Server und das sind dann genau diese blinkenden Geräte, von denen Sie gerade sprachen. Also da ganz unten in dem IT-Pack selber stehen dann die einzelnen Server drin. Wo ist da der Vorteil für Sie? Ist das schneller installierbar dadurch, dass Sie diese Container letztendlich haben innerhalb des Gebäudes? Ja, der Vorteil liegt einmal in der Standardisierung.
Das heißt, wir haben hier einen entsprechenden Standard gesetzt, wie diese IT-Packs auszusehen haben, damit wir in der Lage sind, möglichst schnell und ohne Komplikationen neue Datencenter zu eröffnen und die schiere Anzahl, die wir jetzt in den letzten Jahren eröffnet haben, gibt uns da ja recht. Das heißt, es gibt ein ganz festes Prozedere und einen entsprechenden Standard, um diese Datencenter bereitzustellen. Dabei natürlich unter höchsten Sicherheitsgesichtspunkten und Sicherheitsaspekten.
Das ist zunächst mal die Technologie, auf der Ihre ganzen Services basieren und aus Anwendersicht kennt man dann sowas wie Office 365, Excel in der Cloud, Word in der Cloud und so weiter. Aber Ihre Dienste fangen ja jetzt viel tiefer an. Vielleicht können wir unseren Zuhörern mal einen Überblick geben, von wo bis wo Ihre Cloud-Dienste für Unternehmen mittlerweile liegen.
Ja, sehr gerne. Also Office haben Sie gerade eben schon mal angesprochen. Ganz früher kannten wir ja eben auch Office noch als On-Premise-Version.
Office 365, die Cloud-Variante, war eigentlich so der erste Schritt, den wir da auch in die Cloud gemacht haben. Aber das Ganze ist heute eben alles aufgesetzt auf eine Plattform-Technologie und die heißt Azure. Und Azure ist also ein Zusammenschluss sehr vieler Cloud-Services, sehr vieler Dienste.
Es geht los bei virtuellen Maschinen. Sie können also eine virtuelle Maschine bereitstellen in der Cloud, können auch mehrere bereitstellen, können die mit sogenannten Skalierungsgruppen verknüpfen, sodass praktisch, Sie haben meinetwegen tausend virtuelle Maschinen und die werden je nachdem, was an Leistung benötigt wird, automatisch hochgefahren oder wieder runtergefahren. Damit zeigt sich schon mal, dass Sie sehr flexibel auf auch plötzliche Kapazitätsanforderungen reagieren können.
Sie können virtuelle Netzwerke dort mit einbinden, einen sogenannten Load Balancer, um die Leistung auf verschiedene Rechner und verschiedene Server zu verteilen. Einen entsprechenden Traffic Manager beispielsweise, der dann eben auch Daten entsprechend zu dem richtigen Server routet. Express Route hatte ich vorhin schon mal ganz kurz erwähnt.
Da geht es um eine dedizierte, private Glasfaserleitung, die dort bereitgestellt werden kann. Dann haben wir den Bereich der Speicher, wo Sie eben einmal große Objektspeicher für unstrukturierte Daten nutzen können, File Storage, Backup Speicher etc. Wir haben den Bereich der Daten und Analysen und da fängt es dann auch interessant zu werden mit künstlicher Intelligenz, mit Cognitive Services, Text- und Bildanalyse beispielsweise.
Das sind dann Services, die Sie sehr gut nutzen können und auch neue Prozesse und auch ganz neue Unternehmensansätze gehen können. Nehmen wir mal als Beispiel, wenn Sie mit entsprechender Textanalyse die sozialen Medien durchsuchen und immer dann, wenn Ihr Unternehmen genannt ist, irgendwo in einem sozialen Medium, werden Sie informiert. Sie werden aber nicht nur informiert, dass Ihr Unternehmen dort genannt wurde oder eines Ihrer Produkte dort in einem sozialen Medium von Anwendern diskutiert wird.
Sie erfahren nicht nur, dass es dort passiert, sondern eben auch, ob der Tenor dieser öffentlichen Meinung oder dieses Meinungsaustausches, ob der Tenor positiv oder negativ ist und können damit dann eben auch entsprechend frühzeitig reagieren. IoT, Internet of Things, ist ein anderes Thema, wo Sie entsprechend über Sensoren an Ihren Maschinen beispielsweise das Thema Field Service abdecken können. Das heißt, wenn Sie, sagen wir mal, Maschinen oder Geräte verkaufen und diese Maschinen Ihnen rechtzeitig, schon bevor irgendetwas kaputt geht, über den Sensor eine Information geben, dass vielleicht irgendwo die Temperatur eines Thermostats zu hoch ist oder dass irgendwo ein Geräusch auftritt, das nicht auftreten sollte, etc.
Also die Möglichkeit, und das finde ich, ist jetzt das Spannende in dieser Zeit, die Möglichkeit, was alles machbar ist, ist schier unbegrenzt. Und das ist aber nicht nur bei unserer Cloud, also das sind diese Cloud Services allgemein. Jetzt haben Sie mich erschlagen.
Vielleicht nicht mich als Professor, aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich bin so ein Mittelständler, bislang viel mit Excel gearbeitet, natürlich habe ich auch irgendwo ein Warenwirtschaftssystem oder ein Produktionssystem, Produktionsplanungssystem oder ähnliches, aber ich will jetzt eigentlich in diese neue Welt einsteigen. Wie informiere ich mich? Wie gestalte ich eigentlich diese Modelle, die damit ja einhergehen, neue Geschäftsmodelle und so weiter und so fort? Ich frage das auch vor dem Hintergrund, weil ich die Microsoft in der Vergangenheit ja eigentlich mehr als Abverkäufer von Produkten denn als Beratungsunternehmen wahrgenommen habe. Ja, also Beratungsunternehmen im engeren Sinne sind wir ja tatsächlich nicht, aber wir arbeiten da ja mit sehr vielen Partnern zusammen.
Wir haben allein in Deutschland ein Partnernetzwerk von ja über 37.000 Partnern, die unsere Lösungen beim Kunden verkaufen, implementieren und den Kunden entsprechend beraten. Und die Partner sind eben auch sehr gut ausgebildet, was diese neuen Services und diese neuen Möglichkeiten angeht und können dann dem Kunden auch basierend auf seinen individuellen Prozessen ja sehr gut zur Seite stehen, wenn es darum geht, einmal seine bestehenden Prozesse vielleicht zu optimieren, zu verbessern, in die Cloud zu bringen, da wo es sinnvoll ist, aber unter Umständen eben auch ja neue Geschäftsbereiche zu identifizieren und möglicherweise über die Cloud auch zu erobern. Als Cloud-Anbieter haben Sie ja immer den Vorwurf und die Frage, wie gehen Sie denn mit den Daten um? Wie sicher ist das denn, das Thema Compliance? Wenn man auf Ihre Webseiten schaut, da ist ja ein wahnsinniges Portfolio von Logos, von Compliance-Zertifizierungen im Azure-Umfeld bei Ihnen gegeben, oder? Richtig.
Also wir haben ein sehr umfangreiches Portfolio an Zertifizierungen. Also es geht los mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung, verschiedene ISO-Zertifizierungen, nicht nur für Deutschland, auch international, also auch in Ländern wie China beispielsweise oder wenn wir das Thema Safe Harbor anschauen. Es gibt, glaube ich, keinen anderen Anbieter, der so umfangreich zertifiziert ist, was Compliance-Themen angeht wie Microsoft.
Eine der großen Fragen, die den Mittelstand dann auch im Cloud-Umfeld umtreibt, das sind ja nicht nur Zertifizierungen, sondern Cloud leidet ja auch ein bisschen darunter, dass viele amerikanische Unternehmen dieses Thema treiben und wir haben noch alle diese Handy-Abhör-Affäre rund um die Kanzlerin, glaube ich, im Hinterkopf als deutsche Mittelständler. Wie geht Microsoft mit der Problematik, die Daten gehören mir um? Ja, also unsere Datenschutzregelungen oder Richtlinien basieren im Prinzip auf vier Säulen. Also einmal ist das Thema Sicherheit, da geht es also um den Development Lifecycle, dass eben unsere Lösungen nach dem Security Development Lifecycle entwickelt sind, also höchste Ansprüche an entsprechende Sicherheit, Identitäts- und Zugriffsverwaltung, Verschlüsselung, wir verschlüsseln die Daten nach verschiedenen Standards, zum Teil unterschiedlich, je nachdem, ob sie im Transfer sind oder ob sie irgendwo gespeichert werden.
Wir haben eine sehr hohe Netzwerksicherheit. Die zweite Säule ist das Thema Datenschutz. Da geht es also darum, die Daten gehören dem Kunden.
Wir werben, werten diese Daten nicht zu Werbezwecken aus. Wir nutzen sie also nicht für uns, dass wir sie in irgendeiner Form nutzen und wir haben in Deutschland die Telekom, die Deutsche Telekom als Datentreuhänder für Unternehmen. Also die sagen, ja, ich möchte schon in die Cloud, aber ich möchte Microsoft jetzt nicht in einem Datencenter in den USA beispielsweise die Daten geben, dann kann das hier in Deutschland sein.
Wir haben hier also zwei Rechenzentren in Deutschland und die werden als Treuhänder, als Datentreuhänder von der Deutschen Telekom betrieben. Es herrscht auch volle Transparenz, wo die Daten sind. Jeder Kunde kann in dem Moment, wo er sich für die Cloud entscheidet, entscheidet er sich auch für eine Datencenterregion beziehungsweise für ein Datencenter und weiß dann, dass diese Daten dort liegen.
Und die Compliance-Themen haben wir ja gerade schon ganz kurz angesprochen. Und diese Thematik zieht sich eigentlich bei Ihnen durch von ich nutze Azure auf technischer Ebene bis hin zu ich nutze Azure für Microsoft Navigation oder ähnliches. Richtig, also es zieht sich durch sämtliche Cloud-Angebote, also Office 365, auch das Thema Mail, also Exchange spielt da natürlich eine Rolle, sind ja ebenfalls Cloud-Service im weitesten Sinne, aber natürlich auch für die ERP und die CRM-Lösungen.
Jetzt habe ich heute das große Vergnügen für mich selber auch jemanden zu haben, der gerade diesen ERP-Bereich, den europäischen ERP-Bereich von Microsoft, ja schon sehr lange mit begleitet, nämlich aus einer Zeit, wo das noch gar nicht Microsoft war und wo vielleicht Microsoft auch das Thema ERP noch gar nicht auf der Agenda hatte. Also im letzten Jahrtausend und Sie sind damals bei Darmgart gewesen, dem Entwickler von Accepta, dann auch von Navision und sind quasi mit aufgekauft worden von Microsoft, wie haben Sie diese Übernahme durch Microsoft damals wahrgenommen? Also ich persönlich habe sie sehr positiv wahrgenommen. Positiv im Rückblick muss ich aber auch sagen, waren viele von uns und ich spreche jetzt aber in diesem Fall mal explizit auch für mich, auch ein bisschen naiv.
Also positiv war, wir haben Microsoft natürlich als, sagen wir mal, sehr großen Anbieter wahrgenommen, der auch eine unglaubliche Marktmacht hatte oder hat. Damals muss man ein bisschen verstehen, war es so, wir haben mit Accepta eine Version, ein ERP-System gehabt, mit dem wir auf den gerubenen Mittelstand und größere Kunden gezielt haben. Heute rückblickend muss ich auch sagen, wir waren damals eigentlich noch nicht wirklich so weit, einer SAP beispielsweise die Stirn bieten zu können, aber wir waren von unserem Produkt sehr überzeugt und auch von dem Weg, den wir vor uns haben.
Und Microsoft, so waren wir damals sicher, könnte uns hier gut helfen. Etwas naiv war, dass uns vielleicht die Bedeutung der strategischen Partnerschaft, die Microsoft auch mit SAP hat, dass diese Bedeutung uns nicht so ganz deutlich wurde, dass es also in vielen Fällen für Microsoft sinnvoller war, ein SAP-Projekt zu unterstützen, als jetzt ein eigenes internes Accepta-Projekt zum Beispiel. Und auch heute, wenn wir jetzt mal in der Microsoft-Welt, also in unserer eigenen IT-Umgebung uns umschauen, ist es so, dass wir selbst auch an vielen Stellen immer noch SAP im Einsatz haben.
Wir haben aber auch an sehr vielen Stellen inzwischen unser eigenes CRM natürlich, aber eben auch AX im Einsatz, Bei der Produktion der Xboxen, alle unsere Retail-Stores laufen mit unserer Software, mit AX. Also insofern leben wir eigentlich heute auch das vor, was wir auch unseren Kunden an der einen oder anderen Stelle als positiv und als zukunftsweisend verkaufen, nämlich, dass wir die Software und die Systeme, die für bestimmte Workloads, für bestimmte Prozesse, vielleicht auch für bestimmte Mittelstände oder für bestimmte strukturierte Einheiten von Unternehmen, dass wir dort die Software implementieren, die für diesen Zweck und für diesen Vorgang die beste ist. Also wir sprechen ja eigentlich über zwei Produkte.
Wir sprechen über Navision, except da haben Sie eben schon gesagt, war die große Lösung, die auf den größeren Mittelstand ursprünglich mal gezielt hat. Und Navision war damals eher die vielleicht etwas kleinere, übersichtlichere Lösung. Beides ist ja letztendlich in das Microsoft Imperium um die Jahrtausendwende aufgegangen.
Und ich erinnere mich, ich war damals junger Mitarbeiter, habe mich früh mit der Thematik beschäftigt und die Roadmap, die Microsoft damals hatte, hieß eigentlich schon, wir ziehen diese beiden Systeme, die damals in Dänemark entwickelt wurden, die ziehen wir auf das US-amerikanische .NET. Dafür hat dann Microsoft ja auch relativ lange doch gebraucht. Gab es irgendwelche wichtigen Meilensteine in dieser Nav-AX-Entwicklung aus heutiger Sicht, wo Sie sagen, das ist berichtenswert aus dieser Zeit auch? Also in die Zeit fiel ja auch die Kampagne Trustworthy Computing. Das heißt, in dieser Zeit wurden nahezu alle unsere Applikationen, nahezu alle Microsoft-Produkte und Lösungen wurden überprüft auf mögliche Sicherheitslücken.
Das heißt, von unseren internen Entwicklern wurde sehr vieles nochmal von A bis Z neu durchsucht und durchschaut, ob es irgendwo, ja, sagen wir mal, Gefährdungspotenzial gibt, Angriffspunkte für mögliche Hacker, für Datenklau etc. Das ist in die gleiche Zeit gefallen. Und deswegen hat das Ganze dann auch in Verbindung mit der Portierung jetzt auf .NET, das Ganze eben durchaus auch eine ganze Zeit gedauert, bis wir dann soweit waren, bis wir auch eine gesamte Infrastrukturstrategie hatten, die wir dann eben auch umsetzen konnten und ja, in Lösungen überführen konnten.
Wichtige Meilensteine in der Zeit war zum einen, hat direkt jetzt erstmal noch nichts mit Dynamics zu tun, aber das Thema Office 365 war ein ganz, ganz wichtiger Meilenstein. Denn das war sozusagen der Einstieg, wo wir eben mit Business-Applikationen, wenn es auch um in diesem Fall um unstrukturierte Daten ging, aber wo wir mit Business-Applikationen in die Cloud gegangen sind und wo wir sehr viel investiert haben, unsere Partner, aber auch unsere Kunden auf diesem Weg mitzunehmen. Dann kam als nächstes die Zusammenführung von Dynamics, nämlich der Weg in die Dynamics 365-Welt.
Sie haben angesprochen, dass wir die Systeme auch so ein bisschen zusammenbringen wollten. Das zielt so ein bisschen auf das Project Green ab, also damals der interne Projektname, die Systeme zusammenzubringen, wobei damals ein Ansatz zunächst intern noch war, beide Systeme ja sozusagen inhaltlich auch zu vereinen und zu einem System zu machen. Davon haben wir dann aber Abstand genommen und haben das Ganze eher unter einer großen Dachmarke zusammengeführt, nämlich Dynamics 365, weil uns schnell klar geworden ist, dass wir hier so viele individuelle Kunden, individuelle Prozesse, individuelle Märkte und Branchen bedienen müssen, dass es ein Fehler wäre, die Systeme einfach nur zusammenzubringen und zu sagen, wir haben jetzt eins und das passt auf alles.
Das funktioniert nicht. Im Gegenteil, der Weg heute ist ja ein ganz anderer. Der Weg heute geht ja vielmehr auch in die Richtung, dass wir eben auch über einzelne Business-Applikationen entsprechende Mehrwerte schaffen, die dann auf spezifische Prozesse oder Workloads ausgerichtet sind.
Ich nutze das nochmal als Chance zu einer Frage nach der Positionierung. Also, ich sage mal, diese Zielsetzung, wir kaufen erst mal IAP-Systeme zusammen und versuchen dann entweder durch eine parallele Neuentwicklung oder durch eine Vereinheitlichung alle Kunden auf ein System zu treiben. Damit war Microsoft ja in der Vergangenheit nicht der Einzige, sondern das ist ja durchaus auch bei einigen Häusern zu erkennen.
Sie haben dann sehr richtig erkannt, dass das wahrscheinlich nicht funktionieren wird. Heute versucht man, die Vereinigung so ein bisschen über den Namen hinzukriegen. Microsoft Dynamics 365.
Jetzt muss ich lügen. Enterprise Edition ist, glaube ich, Exapta ehemals. Und dann heißt die andere Business Edition.
Vielleicht können Sie aber für die Zuhörer nochmal sagen, aus heutiger Sicht. Früher war es, glaube ich, sehr klar, Navision, kleinere Unternehmen, Exapta, mittelgroße Unternehmen. Wo unterscheiden sich diese beiden Welten? Also, ich bleibe in Ihrer Nomenklatur, Business Edition versus Enterprise Edition.
Ja, also, es ist richtig, wir haben das Navision als eher das kleine System auch empfunden und positioniert. Navision hatte den Vorteil, dass es sehr viele Branchenlösungen hatte, die es bei Exapta nicht gab. Exapta war damals eigentlich schon eher so das projektgetriebene Geschäft, wo jetzt nicht unbedingt jeder Partner zwei oder drei Branchenlösungen entwickelt hat, weil zum Teil eben auch die Kunden dafür dann zu unterschiedlich und zu groß waren.
Heute ist es so, die reine Abgrenzung zu sagen, Navision ist klein und Exapta groß oder um jetzt eben auch die neuen Bezeichnungen zu nutzen, Dynamics 365 als Dachmarke und dann nennt sich das jeweils Finance and Operations und die Enterprise Edition ist eben das ehemalige AX und die Business Edition ist das ehemalige NAV. Enterprise Edition macht schon noch deutlich, dass wir damit weiterhin auch auf größere Unternehmen zielen. Allerdings ist es so, dass wir bei AX begonnen haben, diesen großen monolithischen Komplex an ERP-Funktionalität ein bisschen aufzubrechen und in einzelne Bausteine zu verpacken.
Also es gibt jetzt beispielsweise einen eigenen Bereich nur für Retail und der ist auch als Standalone verfügbar. Das heißt ein Unternehmen, das jetzt sagt, ich habe SAP im Einsatz, möchte aber in meinen mittelständisch strukturierten Filialniederlassungen ein anderes System haben, die können das ohne weiteres anbinden. Ein anderes Beispiel ist Microsoft 365 for Talent, eine Lösung ebenfalls herausgenommen aus Operations, also aus AX für den Bereich der Personalverwaltung, für Einarbeitung und Einstellung, Rekrutierung neuer Mitarbeiter.
Da sieht man, dass wir mit AX praktisch weiterhin große Unternehmen ansprechen. Wir können AX weiterhin auch als großes monolithisches System bereitstellen, aber wir können es eben auch in einzelne, kleinere, verdaubare Pakete bringen. Jetzt schauen wir uns demgegenüber NAV an oder eben die Business Edition.
Da ist es so, dass wir hier eher ein holistisches System haben. Es ist kleiner, ja, es ist aber eben ein holistisches System. Nicht so wie AX, dass wir auf große Unternehmen mit speziellen Anforderungen gehen, sondern dass wir praktisch eben eine kleinere End-to-End-Lösung haben, die auch in der Cloud verfügbar ist.
Neu ist hier, dass wir da jetzt auch keine Begrenzung mehr haben oder keine Anzahl der maximalen User. Das war vorher ja auch so ein bisschen die Positionierung, dass wir gesagt haben, wie viele User sind es. Über 200 ist wahrscheinlich eher ein AX-Spielfeld.
Sweetspot von NAV war so 100 User. Diese Begrenzung haben wir da an der Stelle dann heute auch nicht mehr. Herr Scholl, vielleicht müssen wir bei der Cloud nochmal zwischen den unterschiedlichen Begriffsverständnissen ein bisschen differenzieren.
Es gibt ERP-Cloud-Anbieter, die sagen ganz bewusst, wir haben hier quasi eine Instanz. Darauf laufen zig, manchmal auch zighundert Anwendungsunternehmen gleichzeitig, um eben Skaleneffekte zu gewinnen. Und dann gibt es ERP-Anbieter, die eben auch ganz bewusst sagen, das sind aber alles unterschiedliche ERP-Instanzen.
Wie handelt Microsoft das an der Stelle? Also bei uns sind es ebenfalls unterschiedliche Instanzen. Das heißt, jeder Kunde hat praktisch dann eben auch seinen Bereich, seine Instanz, auf der er tätig ist, was natürlich dann eben auch die Anpassbarkeit erleichtert. Dass also jeder Kunde dann auch in der Lage ist, entsprechende Anpassungen, Zusatzentwicklungen, Anbindung zusätzlicher Lösungen etc.
zu realisieren. Sie sagen, man muss es sehr stark aus der inhaltlichen, aus der funktionalen, vielleicht auch aus der prozessualen Ecke spezifizieren. Ob ich lieber auf Business oder auf Enterprise Edition, sprich Navision oder Accepta als Anwendungsunternehmen gehe.
In der Vergangenheit habe ich so als Erfahrungswert von den Beratungen und auch von eigenen Projekten mitbekommen. Also gerade in der Navision-Welt 300, 400 Mitarbeiter, wovon dann so 100, 150 concurrent sind. Das ist so ein gutes Skalierungsmaß noch für Navision.
Ich habe jetzt mehrere Accepta-Projekte mit 1000 plus Mitarbeitern. Kann ich da so ein bisschen die Skalierung vielleicht auch noch dran festmachen an den Systemen? Jein. Also wir haben diese Begrenzung der Nutzer bei Navision beziehungsweise bei der Business Edition, die wird es nicht mehr geben.
Das heißt, der Ansatz hier ist eher so, dass wir die Business Edition sozusagen als holistisches System sehen. Zwar sagen wir für mittelständische Unternehmen, für große Unternehmen sehen wir hier tatsächlich eher die Enterprise Edition. Wobei wir an der Stelle das so haben, dass wir hier eben eher Applikationen sehen, praktisch Einzelapplikationen wie Retail, Talent etc., die wir hier anbieten.
Während wenn wir ein holistisches System sehen, was jetzt nicht auf sehr dediziert und sehr spezialisierte Workloads ausgerichtet sein soll, da ist es dann eher die Business Edition. Aber ich weiß, dass es schwierig ist für Mittelständler jetzt auch aus dieser Antwort zu sagen, aha, ich weiß jetzt, in welche Richtung ich mal schauen muss. Was ich empfehlen würde an dieser Stelle, es geht nicht um die Frage, ob klein oder groß.
Es geht um die Betrachtung der wertschöpfenden und wertkonsumierenden Prozesse im Unternehmen. Und da müsste man eben im Rahmen der Implementierung einer neuen Lösung schauen, welches sind eben genau diese wertschöpfenden und die besonders wertkonsumierenden Prozesse. Und wo habe ich hier Optimierungspotenzial, entweder eben durch eine Gesamtlösung, Business Edition als holistisches System, eine Gesamtlösung Enterprise Edition als Gesamtsystem oder aber eben auch einen Lösungsansatz mit einzelnen Workloads, einzelnen Applikationsbestandteilen.
Und wo ist hier das Potenzial der Optimierung? Ansonsten läuft man Gefahr, eben die gleichen Prozesse, die, die man vielleicht auch im Rahmen eines solchen Projekts optimieren kann, die gleichen Prozesse so weiterzufahren, einfach nur mit einer neuen Software. Und das ist dann meistens teuer, bringt aber nicht den gewünschten Effekt. Jetzt bringen Sie komplett Ihre Strategie in die Cloud, vor allen Dingen auch die Business-Software-Strategie in die Cloud.
Das heißt, viele, viele Unternehmen, viele Anwender arbeiten parallel letztendlich auf der gleichen Instanz oder zukünftig auf der gleichen Instanz des ERP-Systems, damit einfach auch Skaleneffekte genutzt werden können, sprich preisliche Effekte. Für mich stellt sich natürlich die Frage, wie gelingt es Microsoft quasi, die Individualisierung, die man früher auch aus der On-Premise-Welt gewohnt ist, das Customizing, die Parametrisierung und zwar auch in der sehr kleinen, kleinmaschigen, sehr engmaschigen Möglichkeit, auch in der Cloud-Welt für ERP zu realisieren? Also diese Möglichkeiten wird es weiterhin geben. Also es wird weiterhin die Möglichkeit geben, auch in den Cloud-Lösungen entsprechende Anpassungen vorzunehmen, Lösungserweiterungen vorzunehmen.
Wir arbeiten dann ein bisschen mit einer anderen Technologie. Wir haben früher mit einem Layer-Konzept gearbeitet. Heute arbeiten wir mit einer Technologie, das nennt sich Extensions, das heißt, es werden Erweiterungen hinzugefügt.
Wir selber als Microsoft werden dann weiterhin in der Lage sein, die entsprechende Maintenance, das entsprechende Management der Systeme vorzunehmen. Aber jeder Kunde wird trotzdem in der Lage sein, seine eigene, auf ihn angepasste Version zu haben. Hinzu kommen dann eben auch Technologien, beispielsweise wie die Common Data Services, die wir als Mitteltier, als Mittellayer noch dazwischen haben, um eben auch externe Systeme anzubinden.
Also beispielsweise ein SAP dann mit einem Operations zu verbinden oder mit einem CRM zu verbinden. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Moment, dieses Common Data Services, dass Sie sich wirklich committen, alle Produkte, die Sie in der Cloud selber anzubieten, auch unter diesem Datenfundament letztendlich anzubinden, sodass man also die Chance hat, die Daten auch wirklich in einem Datenfundament zu haben, richtig? Richtig. Also man hat die Daten eben in einem Datenfundament.
Das Gute an der Stelle ist eben, dass es völlig egal ist, aus welchem System jetzt andere Daten vielleicht hinzukommen, die wertvoll sind. Wenn also jetzt ein Unternehmen beispielsweise ein CRM-System in einem Einsatz hat und möchte das mit unserem ERP-System verbinden, dann ist das überhaupt kein Problem, eben über dieses Datenfundament. Diese Common Data Services haben praktisch eine, man kann sagen, eine generische Datenbank, die praktisch in der Mitte sitzt und die auch Aufgaben der Integration übernimmt.
Und wenn jetzt eben ein externes CRM-System oder ein sonstiges System eben Daten in dieses ERP-System übertragen möchte oder auch Daten aus dem ERP-System lesen soll, dann kann das eben über diesen Layer in der Mittelschicht erfolgen, wo ich auch eigene Datenfelder hinzufügen kann. Ich kann auch eigene Logik mit hinzufügen und kann das Ganze zusätzlich eben auch noch mobil gestalten, sodass ich dann, sagen wir mal, einzelne Applikationsteile, einzelne Module oder Funktionalitäten auch zum Beispiel auf meinem Smartphone steuern kann. Sie adressieren damit vermutlich auch einen ganz wesentlichen Negativaspekt von dem, was wir Schatten-IT nennen, nämlich dass einzelne Abteilungen sich Software wie beispielsweise ein CRM-System kaufen, weil die zentrale IT gar nicht schnell genug sein kann und sich damit natürlich eigene Datentöpfe, eigene Datenfundamente losgelöst vom zentralen Optimum des Gesamtunternehmens schaffen.
Richtig, das ist bei vielen Unternehmen ein Problem, dass nämlich, es gibt ja eine Unzahl von Applikationen, die man jetzt eben auch in der Cloud suchen kann, über sein Smartphone, sei es jetzt im Play Store, sei es in dem Windows Store. Unser Marktplatz dafür heißt übrigens AppSource. Das ist eben unser Marktplatz für Business-Applikationen, Microsoft AppSource.
Dort legen dann eben auch unsere Partner ihre Lösungen ab, beziehungsweise stellen diese Lösungen bereit. Und Sie sprechen einen ganz wesentlichen Punkt an, dass die IT an dieser Stelle eben zum Teil bei vielen Unternehmen so ein bisschen die Kontrolle verloren hat, was denn an Applikationen jetzt im Unternehmen eingesetzt ist. Die Schwierigkeit an dieser Stelle ist aber, wenn eine Abteilung in einem Unternehmen jetzt eine eigene Applikation für spezifische Prozesse nur für ihre Abteilung nutzt, dann fehlt die Integration in die Unternehmenswelt, in die IT-Infrastruktur.
Das heißt, an manchen Stellen fehlt es an Sicherheitsrichtlinien, an manchen Stellen fehlt es an Integrationsmöglichkeiten. Das gibt ja wirklich tolle Applikationen, die sicher auch sehr hilfreich sind, die aber vielleicht für ein Unternehmen noch besser geeignet wären, wenn sie strukturiert und gesteuert in die sonstige IT des Unternehmens eingegliedert und integriert werden könnten. Und da helfen die Common Data Services und da helfen auch unsere Partner mit ihren Lösungen.
Das ist, glaube ich, auch ein gutes Stichwort, auf das wir noch mal eingehen sollten. Also das alte Partnermodell, gerade im ERP-Umfeld der Microsoft, war ja für die Systemhäuser quasi die Lizenzen, die man von Microsoft erworben hat, mit entsprechenden, ja, teilweise nur Erweiterungen des Navision- beziehungsweise Exapter-Systems, teilweise aber auch mit komplett eigenen ERP-Lösungen on top, also oberhalb des Kernsystems zu vertreiben. Das ändert sich doch jetzt dramatisch für die Systemhäuser, oder? Das ändert sich dramatisch, ja.
Und noch nicht alle haben gesehen, wo die Vorteile liegen. Aber es ist eindeutig, dass die Partner an dieser Stelle eine unglaubliche, ja, eine neue Welt betreten können. Ein typischer ERP-Partner konnte in der Vergangenheit natürlich eine Lösung branchenorientiert, vielleicht für bestimmte Prozesse, zum Beispiel auf Basis NAV oder auf Basis AX, beziehungsweise im Business Edition oder Enterprise Edition, eine Lösung schreiben und vermarkten.
Die Zielgruppe, die er bisher adressieren konnte, bestand aus den typischen Usern, NAV, AX. Das heißt, jemand, der jetzt SAP im Einsatz hatte, kam für diesen Partner als Zielgruppe einfach nicht in Frage, weil wir erst in diesem Unternehmen, zumindest teilweise in bestimmten Bereichen, SAP durch unsere Systeme hätten ersetzen müssen. Das ist heute anders.
Der Partner kann heute auch auf Basis der Common Data Services, es muss also nicht zwingend in AX oder in NAV entwickelt sein, der Partner kann heute auf Basis der Common Data Services Lösungen entwickeln, die sich dann eben auch an andere Systeme wie zum Beispiel SAP anbinden können. Der Vorteil hier ist, die Marktweite hat sich für den Partner deutlich vergrößert. Er kann also ganz andere Kunden ansprechen.
Der Partner kann über die Bereitstellung in der Cloud auch international Kunden ansprechen, an die er heute vielleicht nicht rankommt. Er hat die Möglichkeit, die Applikationen auf unterschiedliche Weise zu vermarkten. Er kann also entweder sagen, das kann downgeloadet oder heruntergeladen werden.
Der Kunde kann das selber installieren, wenn es jetzt nicht so besonders kompliziert ist, kann er das selber installieren und ich werde bezahlt. Ich muss auch keine Leute hinschicken, die jetzt irgendwelche Consulting-Aufgaben wahrnehmen. Das im Bereich der kleinen Applikationen.
Auch die Monetarisierung kann unterschiedlich erfolgen. Früher war es so, der Partner hat seine Lösung entwickelt und hat sie verkauft zum Preis XY als Gesamtpaket oder zum Preis meinetwegen 500 Euro pro User oder was auch immer. Heute kann er sagen, ich habe ein Konzept, das auch dem Kunden nahekommt, nämlich entweder nur der User, der das System nutzt, muss auch bezahlen in einem Mietmodell oder dass es beispielsweise nach Transaktionen geht oder eben nach User pro Monat.
Und da gibt es ganz tolle Beispiele, auch wie wir selber als Microsoft Lösungen bei uns implementiert haben. Ein Beispiel ist eine Lösung zur Reisekostenabrechnung, die ebenfalls auf AX bzw. Operations basiert, wo wir unsere Prozesse im Rahmen der Reisekostenabrechnung deutlich verschlankt haben, deutlich verbessert haben und auch um sehr vieles kostengünstiger arbeiten, als es in der Vergangenheit war.
Das heißt aber, dass für die Partner mittelfristig eigenständige ERP-Lösungen, die aufbauen auf Microsoft NAV AX nicht mehr als eigenständige Lösungen angeboten werden, sondern vielleicht in das Microsoft Cloud Umfeld mit einfließen können als Extensions, richtig? Richtig, die können eben in das Microsoft Cloud Umfeld einfließen, die können dann eben auch auf entsprechenden Azure-Technologien basieren und können dem Partner damit eben Zutritt in einen ganz neuen Markt gewähren. Der Partner muss es nicht so machen. Es gibt auch Partner oder vielleicht gibt es auch Lösungen, die weiterhin günstiger oder besser in der jeweiligen Applikation zu entwickeln sind, aber allein die Möglichkeit, dass der Partner heute Kunden ansprechen kann, an die er früher noch nicht mal denken konnte, eröffnet ihm da ein sehr weites Potenzial.
Sie haben eben das Thema Kosten genannt und das war vorhin ein zweiter Teil beim Thema Positionierung. Das eine ist die inhaltliche Positionierung, das andere sind jetzt natürlich die Kosten, weil On-Premise und in der Cloud, also einerseits beim Kunden oder vielleicht heute oder morgen in der Cloud sind von den Kostenmodellen natürlich zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. Können Sie da ein bisschen was zu sagen, was das kostenmäßig bedeutet für einen Mittelständler? Ja, es ist natürlich schwer, da eine ganz konkrete Aussage zu machen, weil die Implementierungen da immer sehr individuell sind.
Also es kommt auch darauf an, wenn man jetzt On-Premise den Cloud-Optionen gegenüberstellt, ist ja auch immer die Frage, welche Option jetzt allein mal bei einer Bereitstellung eines Servers oder eines virtuellen Rechners, wie wird das Ganze denn bereitgestellt? Also wir haben On-Premise, wir haben Infrastructure-as-a-Service, also rein die Infrastruktur wird von uns geliefert und betreut, Platform-as-a-Service oder eben Software-as-a-Service. Das sind also ganz unterschiedliche Modelle. Wir haben aber einen TCO-Kalkulator, also einen Rechner, der die Total Cost of Ownership berechnen kann.
Auf unserer Azure-Seite kann man den finden. Dort kann man eben eingeben, wie die Infrastruktur und die Systemwelt bei dem jeweiligen Kunden heute aussieht und das System errechnet dann eben, wie die Kosten in der Cloud in etwa sein dürften. Ganz grob kann man sagen, dass wir etwa bei einer Cloud-Implementierung auf einer Einsatzzeit von rund fünf Jahren etwa 20 bis 30 Prozent günstiger sind als bei einer reinen On-Premise-Welt.
Aber das ist, wie gesagt, mal eine ganz grobe Hausnummer. Da gibt es mit Sicherheit große Ausschläge, sowohl nach oben als auch nach unten. Wie immer den Link auf Ihren TCO-Kalkulator, den werden wir natürlich in den Shownotes bzw.
auf der Folgenunterseite unseres Podcasts www.erp-podcast.de auch entsprechend verlinken, sodass Sie, liebe Zuhörer, auch direkt auf derartige Tools zugreifen können. Also über Kosten haben wir gesprochen. Wir haben über funktionale Dinge des Ganzen gesprochen.
Es ist ja letztendlich die oberste Schicht in Ihrer ganzen Azure-Welt. Wenn Sie so wollen, ist es letztendlich die Königsdisziplin. Ich weiß aus früheren Gesprächen, dass Sie ganz viele Beispiele haben, was Sie alles in dieser Azure-Cloud an Technologien anbieten, an lustigen Dingen teilweise auch realisieren. Haben Sie vielleicht abschließend einige Beispiele, wie sich Geschäftsmodelle zukünftig, wenn man in diesem Microsoft-Universe ist, anreichern lassen, was sich da für neue Dinge entwickeln, wie das vielleicht auch Kunden oder ihre Programmierer nutzen? Also die Welt wird sich da dramatisch verändern. Was ich an der Stelle vielleicht auch noch empfehlen möchte, ist auch auf unserer Trust-Center-Seite zu finden, ist eine Denkschrift, die nennt sich Cloud for Global Good.
Da geht es eben auch um Verantwortung, Teilhabe, um Vertrauen in die Cloud. Aber es werden auch das eine oder andere Beispiel genannt. Ein schönes Beispiel, wie sich Dinge hier verändern.
Es hat jetzt nicht unbedingt was mit dem Business-Modell des Partners zu tun, aber allein, was möglich ist. Ein schönes Beispiel aus der Cloud-Technologie ist hier in den USA, das nennt sich Children’s Mercy Hospital in Kansas City, haben Ärzte praktisch ein System im Einsatz, eine Cloud-basierte App, die nennt sich CHAMP. Und CHAMP steht für Cardiac High Acuity Monitoring Program.
Das ist also ein Überwachungsprogramm, um Kinder zu behandeln, die mit nur einer Herzkammer geboren wurden. Das ist ein recht seltener angeborener Herzfehler, aber es gibt ihn und der endet eben auch oft tödlich. Und an diesem Hospital haben die also praktisch diese App im Einsatz und können ferngesteuert Herzparameter dieser Kleinkinder, dieser Säuglinge, können sie die Herzparameter erfassen und die App benachrichtigt, wenn da irgendetwas passiert, wenn da irgendeine Veränderung stattfindet.
Und normalerweise war es bisher so, dass etwa eins von vier Kindern an dieser Krankheit stirbt. Seit diese App im Einsatz ist, hat es keinen einzigen Todesfall mehr gegeben. Also das ist ein Beispiel, wie Cloud hier wirken kann.
Ein anderes Beispiel ist eine Datenbrille, es nennt sich Smart Glass. Es ist ein Kollege von mir, ein Systemarchitekt aus England, der im Alter von sechs Jahren sein Augenlicht verloren hat und der jetzt eine Smart Glass-Brille nutzt, die eben auch Daten aus der Cloud auswertet. Da haben wir wieder das Thema Gesichtserkennung beispielsweise, Face Recognition, erkennen, mit was für einem Gesicht, mit was für einem Gegenüber habe ich zu tun.
Wenn der ein Gespräch führt mit mehreren Partnern, sagt er, hatte er früher immer das Problem, er konnte nicht erkennen, sind die überhaupt noch da? Sind sie eingeschlafen? Sind sie aufmerksam? Interessiert sie, was ich rede? Problem habe ich ehrlich gesagt jetzt gerade auch, aber das ist was anderes. Und aber die Brille kann ihm das dann sagen. Die sagt, ich sehe dir gegenüber eine junge Frau, 24, guckt interessiert, einen Mann Mitte 40, guckt neugierig.
Also das ist dann eben diese Erkennung und diese Unmenge an Daten, die gesammelt werden, über künstliche Intelligenz ausgewertet werden und die damit dann auch nutzbar werden. Und an der Stelle bieten sich eben an vielen Stellen eben auch neue Business Potenziale für Partner. Ein Beispiel, wenn wir vielleicht aus dem Filialgeschäft, weil wir vorhin schon an dem Thema zwei, dreimal waren, Beispiel aus dem Filialgeschäft, eine wertvolle Nutzung von Cloud Services wäre es an dieser Stelle beispielsweise über Kameras mit tiefen Sensoren zu erkennen, wie das Laufmuster der Kunden ist.
Wo bewegen die sich am meisten? An welchen Regalen stehen die besonders lange? Wenn ich Artikel A neben Artikel B setze, verkaufe ich dann mehr oder weniger, als wenn ich Artikel C dazwischen setze und so weiter und so weiter. Also all diese Dinge, was ich vorhin eben auch gesagt habe, diese Möglichkeit der wertschöpfenden Potenziale, die zu optimieren, die zu verbessern, das geht alles nur über die Cloud. Und da müssen wir unsere Partner auch kreativ sein und Ideen entwickeln.
Und wir haben tolle Ideen im Partnerkanal. Ich meine, ich bin ja in dem Team, das eben neue, neue, neue Business Applikationen mit Partnern entwickelt. Und wir haben absolut ja fantasievolle, kreative Lösungen, die unsere Partner jetzt gerade entwickeln.
Das ist wirklich eine ganz, ganz tolle Zeit. Also wir sind ja gerade nicht am Tag Null, aber wir sind ja noch ganz am Anfang, wenn es, wenn es um um Business Processes, um Geschäftsprozesse, um Unterstützung durch durch Cloud ERP aus dem Hause Microsoft geht. Ich würde sie natürlich wahnsinnig gerne nochmal vielleicht so in einem Jahr oder in anderthalb Jahren hier in den Podcast einladen, damit sie einfach ein bisschen berichten, was dort an den Prozessen passiert ist und wie neue Technologien aus dem Cloud Bereich hier auch eingeflossen sind in die in die ERP Welt oder in die Prozesse der Unternehmen.
Sehr, sehr gerne. Ich habe einen abschließenden Fragenblock, meine Blitzlichtrunde. Vielleicht nochmal zu Ihnen.
Sie sind ja ganz lange schon bei Microsoft. Sie kommen eben aus dieser ERP Welt auch heraus. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie sind? Ich bin eigentlich bin ich ein Quereinsteiger.
Ich komme eigentlich aus dem kaufmännischen Bereich und da im Besonderen aus dem Bereich der Hotellerie und habe da irgendwann mal angefangen bei einer Firma, die nennt sich Micros Fidelio und die haben eben Software für die Steuerung von Hotelunternehmen, von Gastronomieunternehmen verkauft. Das war sozusagen mein Einstieg in eine damals doch recht spezialisierte, aber im weitesten Sinne doch ERP Welt. Und ja, dann hat mich der Weg eben über.
Ich war zwischendrin bei Mannesmann Mobilfunk und dann bei Damgart und ja, heute bei Microsoft hat mich der Weg dorthin gebracht. Ich bin also eigentlich ein klassischer Quereinsteiger, bin kein, kein, kein gelernter ITler, wenn man so möchte. Was war Ihr berufsgrößter beruflicher Erfolg? Wenn Sie mal zurückblicken.
Also ich erinnere mich an eine Situation, die ja vor vielen Jahren passiert ist. Das war sehr, sehr spannend. Wir hatten eben ein Unternehmen, die unsere Software im Einsatz hatte.
Es war ein Unternehmen mit sehr vielen, vielen Jahren. Es waren also allein 15 Landesniederlassungen und in jedem Land dann eben auch noch 10 oder 20 Filialen, die unsere Software im Einsatz hatten und die jetzt mit der Version, die eingesetzt war, nicht so sonderlich zufrieden war. Da gab es so ein paar Lücken und zum Teil war es so, dass es hier und da Fehler in der Software gab.
Zum Teil war es so, dass einfach die Schulung nicht gewirkt hat und bestimmte Prozesse einfach falsch in der Software durchgespielt wurden und bearbeitet wurden. Aber es gab also ein großes Meeting, zu dem ich dann eingeladen war. Das fand damals in der Schweiz statt.
Es sind die jeweiligen Landesfürsten gekommen und ich hatte also drei Tage lang da zu tun mit denen, musste also einmal parallel in dieser Niederlassung die neue Version einspielen, um dann zu zeigen, guck mal, vieles von dem, was vielleicht als Fehler in der bisherigen Version war, funktioniert heute und parallel eben drei Tage die Landesfürsten da mit diesen neuesten Technologien, mit den neuesten Funktionen vertraut machen. Als ich hinkam, bin ich schon gewarnt worden von meinem Manager, dass das ein Termin wird, der mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit negativ ausgehen wird, weil die schon gedroht haben, sie werden uns also komplett rausschmeißen und ein Wettbewerbsprodukt einführen. Und nach den drei Tagen hat, ohne dass die jetzt nochmal irgendwie großes Strategie- und Management-Meeting gemacht haben, die haben sich kurz nochmal eine Viertelstunde zurückgezogen und sind dann zu mir gekommen und haben gesagt, sie werden das jetzt in der gesamten Truppe oder in der gesamten Unternehmenskette einführen.
Wir hatten damals etwa 30 Prozent mit unserem System abgedeckt und dann kam eben das Commitment und später auch die Implementierung im gesamten Unternehmen nach diesen drei Tagen Workshop, die ich da hatte und das habe ich als großen Erfolg wahrgenommen. Sind das vielleicht auch Eigenschaften, die Sie da gerade als Quereinsteiger in die IT-Welt mitbringen? Vielleicht kann man bestimmte IT-Dinge, technische Dinge interessanter, plausibler, einfacher erklären, als das jemand, der das mit der Muttermilch aufgesogen hat, jeweils tun könnte? Ich glaube schon, dass das manchmal so ist. Also ich muss gestehen, wenn ich gefordert bin, irgendwo tief in die Technik abzutauchen, dann verstolper ich mich manchmal und dann gibt es dann auch irgendwelche Begriffe, wo ich sage, da muss ich erst mal nachschlagen.
Und der typische gelernte ITler, der weiß vielleicht von Anfang an, von was die Rede ist. Ich auf der anderen Seite komme da eher aus der Welt der Prozesse. Ich verstehe den Kunden.
Ich habe in verschiedenen Bereichen in Unternehmen gearbeitet, in logistischen Bereichen, im kaufmännischen Bereich etc. Das heißt, ich verstehe an vielen Stellen die Sprache des Kunden besser als ein reiner Techniker, denke ich. Und ich glaube, das ist schon so ein Punkt.
Diese Übersetzung Technik, Kunde, Kunde, Technik. Das ist, glaube ich, schon ein wesentlicher Punkt. Oft gelingt es mir nicht immer.
Also in Ihrem Bereich entwickelt sich das Ganze ja momentan rasant weiter. Ich meine, das Schlagwort Digitalisierung ist in aller Munde. Im Cloud-Bereich sicherlich nochmal mit einer ganz anderen Entwicklungspotenz.
Wie schaffen Sie das überhaupt, sich selber noch weiterzubilden? Spielen Bücher da überhaupt eine Rolle? Und wenn ja, können Sie uns beruflich oder privat Bücher empfehlen, die Sie weitergebracht haben? Also Bücher im Sinne von Printmedien spielen da, ich sag mal allenfalls bei der Grundausbildung eine Rolle. Wenn es also jetzt darum geht, wenn ich mich vorbereite auf eine Zertifizierungsprüfung, dann nutze ich schon das eine oder andere Buch mal. Aber ansonsten sind Online-Medien hier doch wesentlich schneller.
Die Welt entwickelt sich da so rasend schnell. Wenn so ein Buch auf dem Markt ist, ist es oft dann auch schon halb veraltet. Was ich ehrlich gesagt sehr gerne dazu, wobei ich dann aber den Fokus natürlich auf unserer eigenen Technologie habe, ist die Seite docs.microsoft.com. Docs als Abkürzung für Dokumente, also von dem englischen Begriff Dokumente.
docs.microsoft.com. Wann immer Partner bei mir anfragen wegen irgendwelcher technischen Hilfestellungen, wo ich selber vielleicht auch recherchieren muss, führt mein erster Weg mich immer auf diese Docs-Seite, um zu gucken, was dort steht, ob dort was steht. Und das ist für mich eine große Hilfsquelle. Wie glauben Sie, wird sich die Berufswelt in Ihrem Umfeld in den nächsten zehn Jahren verändern? Ich glaube, ganz dramatisch.
Also ich glaube, es werden ganz viele neue Berufsbilder entstehen. Alte werden wegfallen. Ich glaube zum Beispiel, dass das Berufsbild des Consultants, so wie er heute unterwegs ist, sich deutlich verändern wird.
Also der Consultant, der ERP-Consultant, der bisher vielleicht hauptsächlich nur die technologische Implementierung zum großen Teil verantwortet hat, wird sich sehr viel mehr eben auch auf neue und neue Business-Prozesse und die Anbindung von Prozess-Modellen in die ERP-Welt, darauf wird er sich konzentrieren müssen. Wir werden Datenanalysten brauchen. Wir sprechen ja jetzt hier von der intelligenten Cloud, von künstlicher Intelligenz, von Machine Learning.
Aber diese Systeme sind letzten Endes nur so schlau wie die Logik, die man ihnen vorher mitgibt. Und dafür braucht man Datenanalysten, die eben auch wissen, welche Daten auf welche Weise miteinander verknüpft und mit welcher Fragestellung verbunden dann eben auch intelligente Antworten geben können. Wir werden sehr viel mehr mobile Arbeitsplätze haben und Online-Arbeitsplätze, also weniger fest irgendwo im Unternehmen an einem Desktop sitzen, sondern vieles wird von unterwegs gehen mit dem Smartphone.
Und ich glaube, was ich eben schon gesagt habe, die Spezialisierung auf Business- Applikationen beziehungsweise auf Workloads. Jetzt haben Sie viele technische Dinge natürlich auch im betriebswirtschaftlichen Kontext genannt. Ist das für Sie ein Plädoyer für die Ausbildung in der Informatik? Oder sehen Sie da vielleicht gerade auch die Stärke in der Wirtschaftsinformatik, also an Schnittstellenwissenschaften, die eben sowohl technisches als auch betriebswirtschaftliches Know-how mitbringen? Also dieser Kernbereich, in dem wir uns bewegen, in dem ich mich jetzt eben auch insbesondere bewege, ERP, CRM, da denke ich, ist die beste Basis tatsächlich eben die Wirtschaftsinformatik, weil es meines Erachtens nach kaum einen anderen Ausbildungs- oder Lehrpfad und Studienpfad gibt, der diese beiden Welten so gut miteinander verbindet.
Wir haben jetzt gerade eben auch gesprochen, so die Fragestellung, das Ganze eben aus der Kundensicht, aus der Prozesssicht zu betrachten und dem gegenüber die Übersetzung in die Technik zu managen. Wenn ich nur der reine Techniker bin, dann wird mir das wahrscheinlich nicht so gut gelingen. Das ist, glaube ich, dann eher der Wirtschaftsinformatiker, der da gefragt ist.
Wenn wir auf der anderen Seite in die reine Technikwelt abtauchen wollen, wenn es also darum geht, ganz neue Cloud-Services zu entwickeln, wie was wir vorhin eben genannt haben, mit entsprechenden virtuellen Maschinen, mit Azure-Functions, es gibt hunderte von Services, die Azure hier bereitstellt oder ganz tief in die Sicherheitstechnologie gehen möchte, dann ist es vielleicht doch eher der reine Informatiker. Glauben Sie, dass dieser Bereich, gerade dieser technische Bereich, sich hier auch in Deutschland halten wird? Oder ist das vielleicht ein Spiel für indische Techniker, auch in der Gewichtung zum Wirtschaftsinformatiker? Das ist eine gute Frage. Ich meine, wir selbst haben auch Entwicklungszentren in Indien.
Die Erfahrung, die ich jetzt bei uns in unserem Markt gemacht habe, zeigt aber, dass wir uns jetzt rein auf Kompetenzen in Asien, in Indien etc., darauf können wir uns nicht verlassen. Der reine Techniker, der reine Entwickler, der mag, sagen wir mal, an der Stelle vielleicht in Indien und Asien das finden, was er braucht. Aber in dem Moment, wo wir hier das Ganze in die Business-Prozesswelt überführen müssen, ist es dann doch eher der Wirtschaftsinformatiker und dann eben auch das Know-how, das hier vor Ort gefragt ist.
Vor welchen Herausforderungen steht Unternehmenssoftware, insbesondere ERP, heute und zukünftig ganz besonders? Ja, wir hatten in der Vergangenheit, ich betrachte es immer so als ein bisschen Pendel, das ERP-Pendel. Vor 50, 60 Jahren ungefähr war es da, hatten wir diesen Best-of-Breed-Ansatz, wo es einzelne Systeme gab, die oft aber schlecht miteinander vernetzt waren. Und das Ganze ging hin bis zur vollen Integration, also ein voll integriertes ERP-System mit allem drum und dran.
Meines Erachtens nach schwingt das Pendel gerade jetzt wieder so ein bisschen zurück in Richtung Best-of-Breed, also die Applikation, die am besten für einen bestimmten Prozess geeignet ist. Aber wir stehen hier vor einem Paradigmenwechsel, denn ERP wird sich zukünftig mehr auf individuelle Kernprozesse fokussieren und es wird darum gehen, entsprechende Applikationen drumherum zu bauen, die aber dann eng miteinander verbunden sind. Und das ist, glaube ich, eine Herausforderung für viele Anbieter und auch für einige Partner und Kunden.
Das heißt, es wird spannend werden die nächsten Jahre, wie es auf dem Markt für ERP auch weitergeht? Absolut. Herr Scholl, ich danke Ihnen ganz, ganz herzlich für diesen wirklich hochinteressanten Einblick in das, was Microsoft gerade auch im Cloud-Umfeld zurzeit bewegt. Ich hoffe und denke, Sie, liebe Hörer, haben wieder ein paar spannende Einblicke in die Unternehmenssoftware bekommen.
Wie immer, alle erwähnten Dokumente und Links finden Sie in den Show Notes beziehungsweise auf unserer Webseite www.erp-podcast.de. Und wie immer verbleibe ich mit freundlichen Grüßen. Keep Connected und natürlich die letzten Worte gehören unserem Gast, Herr Scholl. Ja, vielen Dank zunächst mal, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, mit Ihnen hier zu sprechen.
Ich persönlich finde dieses Thema extrem spannend und wir leben tatsächlich jetzt in einer Zeit, wo ich glaube, künftig wirklich unglaublich viel möglich sein wird. Und ich bin sehr gespannt, freue mich, wenn wir vielleicht tatsächlich in einem Jahr dann nochmal sprechen und schauen, wie es sich tatsächlich entwickelt hat. Vielen Dank.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.