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#47 - Die Bauindustrie im digitalen Wandel - ein Interview mit Gabriela Gottwald Geschäftsführerin der Bayerischen BauAkademie
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Zahlreiche Domänen wie Banken, Versicherungen oder Handel sind in der Digitalisierung und im Aufbau eines zentralen Datenfundaments weit vorangeschritten. In vielen Bereichen und Unternehmen ist das digitale Nutzenpotenzial verstanden, wenngleich auch noch nicht immer umgesetzt. Wie aber sieht es in einer traditionellen Branche wie der Bauindustrie aus? Gemeinsam mit Gabriela Gottwald, Geschäftsführerin der Bayerischen BauAkademie spreche ich über den Status Quo, die digitale Aufbruchstimmung und neue Chancen in einer Branche, die vergleichsweise noch am Anfang der Nutzung digitaler Potenziale und sich daraus ergebender Geschäftsmodelle steht.

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:
ERP-Podcast, Folge 47. Die Bauindustrie im digitalen Wandel. Ein Interview mit Gabriela Gottwald, Geschäftsführerin der Bayerischen Bauakademie.

Zahlreiche Domänen wie Banken, Versicherungen oder Handel sind in der Digitalisierung und im Aufbau eines zentralen Datenfundaments weit vorangeschritten. In vielen Bereichen und Unternehmen ist das digitale Nutzenpotenzial verstanden, wenngleich auch noch nicht immer umgesetzt. Wie aber sieht es in einer traditionellen Branche wie der Bauindustrie aus? Gemeinsam mit Gabriela Gottwald, Geschäftsführerin der Bayerischen Bauakademie, spreche ich über den Status quo, die digitale Aufbruchsstimmung und neue Chancen in einer Branche, die vergleichsweise noch am Anfang der Nutzung digitaler Potenziale und sich daraus ergebener Geschäftsmodelle steht.

Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Heute habe ich mal wieder ein Live-Interview vor Ort.

Ich freue mich, dass ich heute mal eine Branche ein wenig beleuchten kann. Eine Branche, die man, wenn man über Digitalisierung, wenn man über ERP, über das Datenfundament spricht, vielleicht gar nicht so an erster Stelle nennen würde. Das ist nämlich die Baubranche und ich möchte einfach mal so einen Ausflug in so eine Branche und wie sich so eine Branche jetzt auch bewegt und was sich dort verändert, wagen heute mit Frau Gottwald.

Frau Gottwald ist Geschäftsführerin in der Bayerischen Bauakademie, betreibt also Weiterbildung für die Bauindustrie und ich glaube, dass jemand, der an der Stelle sitzt, sehr viel sieht über diese Branche und wie sich Branche verändert und insofern freue ich mich heute, dass wir über das Thema sprechen können. Herzlich willkommen, Frau Gottwald. Ich grüße Sie.

Frau Gottwald, mögen Sie sich vielleicht am besten selber vorstellen, wer ist der Mensch Gabriela Gottwald? Der Mensch? Mein Name ist Gabriela Gottwald, ich bin Bauingenieur und habe auch eine kommunikative Ausbildung, führe seit gut vier Jahren die Bayerische Bauakademie und die Bayerische Bauakademie ist das eine Fort- und Weiterbildungszentrum des bayerischen Baugewerbes in Feuchtwangen. Die Ausbildung als solches findet im Baugewerbe vor Ort statt und die Fort- und Weiterbildung eben sehr zentralisiert bei uns in Feuchtwangen. Können wir so ein bisschen, also Bau ist ja sehr breit, wer jetzt aus dem Gewerbe kommt, der weiß, was da tickt, aber die meisten Zuhörer sind ja überhaupt nicht aus dem Bereich, vielleicht können wir es so ein bisschen aufdröseln, das ist ja eine besondere Branche in Deutschland.

Gerne, grundsätzlich ist es so, unterscheiden wir gerne die Bauindustrie als solche und das Baugewerbe, die Bauindustrie sind quasi diejenigen, die sie kennen für den Bau großer Brücken, großer Bauwerke und und und und das Baugewerbe fängt an bei Unternehmen um die 500 bis 700 Leute bis runter zum Ein-Mann-Betrieb. Wer wird bei uns weitergebildet? Bei uns an der Fort- und Weiterbildungsstätte Bayerische Bauakademie, das sind quasi die Handwerker, die ja als Ein-Mann-Betrieb zeitweise als Estrichleger arbeiten, die Fliesenleger sind, die aber auch Unternehmer sind. Und unsere Themen an der Bauakademie sind einmal die Bautechnik als solches, das heißt sehr viel Beton, sehr viel wie setzen sich Stoffe zusammen, sehr viel Fachwissen, sehr praxisbezogen.

Auf der anderen Seite sind wir sehr sehr stark in der Maschinentechnik, das heißt Kranführerschein, Baggerführerschein, Sachverständige bilden wir da aus und weiter. Und noch eine Stärke ist eben das Baumanagement für Jungunternehmer, zu sagen wo geht’s hin, wie muss ich mich entwickeln, wie muss ich Mitarbeiter führen, wie schaffe ich Teams, wie optimiere ich mich und ganz groß und wachsend EDV am Bau. Da kommen wir gleich zu.

Ich versuche es nochmal so ein bisschen aufzudrüsseln. Also das Besondere an Ihren Gewerken hier in Deutschland ist ja, dass die Ausbildung, glaube ich, nicht bei Ihnen primär stattfindet, sondern direkt in den Innungen, in den Betrieben selber. So ist es in Bayern.

Jedes Bundesland hat quasi verfolgt in der Ausbildung einen Rahmenlehrplan, den es gibt, aber jedes Bundesland ist anders gestrickt. Beispielsweise Baden-Württemberg gibt es die Einheit von Industrie und Gewerbe, in anderen Bundesländern weniger und in Bayern ist es getrennt. Einfach weil die Interessen sehr sehr unterschiedlich sind.

Und jetzt kommen die Leute zu Ihnen, weil sie einen neuen Bagger haben oder kommen die Leute zu Ihnen, weil sie sagen ich möchte Meister werden oder Die Leute, die zu uns kommen, werden meistens von den Unternehmen geschickt. Meine Bauakademie gehört quasi dem bayerischen Bauunternehmen und die Unternehmer sind die Entscheider, wie sie ihre Leute weiter oder überhaupt bilden. Das kann der Quereinsteiger sein, der vorher was anderes gemacht hat und jetzt eben auf dem Bau möchte.

Was ganz großes Thema unserer Zeit ist, es wird die gesamte Ausbildung und Weiterbildung immer durchlässiger. Das heißt, es ist nicht mehr so, dass man einmal Abitur machen muss und damit hat man es geschafft, sondern es gibt eben auch ganz viele junge Menschen, die sagen ich lerne erst was, ich bin auch eher der Anfasser, ich muss es über diese Schiene machen. Und auch solchen jungen Menschen ist der Weg nach einer ganz praktischen Ausbildung als Geselle, sei es Maurer, Stahlbetonbauer, Estrichleger oder Baumaschinentechniker möglich, über Fort- und Weiterbildung einen Meister zu machen oder sich Qualifikationen zu erwerben, die so weit führen, dass er an der Uni studieren kann.

Jetzt haben Sie eben schon gesagt, ein Teil der Ausbildungsangebote, die Sie machen, die sind ja nicht wirklich klein, wenn es um Ausbildungsangebote geht. Ich weiß nicht, wie viele Teilnehmer haben Sie im Jahr, die bei Ihnen etwas absolvieren? Wir haben ungefähr 3.500 bis 4.000 Teilnehmer jedes Jahr. Nur in der Fort- und Weiterbildung, nicht in der Ausbildung.

So, also die kommen zu Ihnen und ein Teil dessen ist, Sie haben gesagt EDV, sagt man wahrscheinlich noch in der Branche. Richtig. Bei uns ja.

Also ich muss sagen, in meiner Digitalisierung, ich bin noch ein Kind der New Economy, ich durfte das selber als Start-up, als Gründer miterleben und es hieß dort immer, wenn man dann verglichen hat, diese neue Welt und die alte Welt, dann hieß es in der alten Welt immer Brick and Mortar, also Stein und Mörtel, Zement. Vielleicht können Sie selber mal beschreiben, wie digital Ihre Branche ist, wie sehr das Datenverarbeitung ist. Ich habe hier mal so einen Chart mitgebracht, also die Freistellung, was für einen Impact hat eigentlich Digitales und mit welcher Geschwindigkeit geht das eigentlich in Ihrer Branche vonstatten? Ich habe hier mal so ein paar Branchen eingearbeitet, also für eine Finanzbranche hatte natürlich die Digitalisierung einen wahnsinnigen Impact, wahnsinnige Auswirkungen.

Gleichzeitig ging das rasant schnell und zur Zeit geht es noch schneller. In der Finanzindustrie, im Dienstleistungssektor, im Reisesektor sind viele Schritte schon gemacht worden. Wie sieht das bei Brick and Mortar in der Bauindustrie aus? Gut, jetzt als Fort- und Weiterbildungsstätte kann ich vielleicht weniger für eine Branche als solches, sondern eher für die Rückmeldung der Teilnehmer bei uns das ein bisschen skizzieren.

Es ist so, dass wir feststellen, dass der heutige Stand des Wissens um Digitalisierung und des Einsatzes digitaler Medien oder digitaler Techniken in den Unternehmen sehr, sehr, sehr unterschiedlich ist. Das geht einher damit, dass die Schreibmaschine fast wirklich noch dort steht und bearbeitet wird von der Gattin oder jemand aus dem Umfeld bis hin zu Unternehmen. Wir haben jetzt Workshops machen dürfen, da wir Teil eines Förderungsprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums sind mit Unternehmern, die schon ganz toll dabei sind, ganz, ganz toll, die sehr gut eingestiegen sind in Dokumentenmanagement, in Lohnbuchhaltung, Themen, die dort Softwaren im Einsatz haben und sehr routiniert damit umgehen, Schnittstellen auch haben, aber der kleine Handwerker als solches sieht eben noch nicht unbedingt die Notwendigkeit, in dieses System einzusteigen.

Jetzt frage ich Sie weniger als Weiterbildungs- Geschäftsführerin, sondern vielmehr als Branchen- Expertin. Ein Ding, was ich immer, wenn ich an Mittelstand denke, kritisiere, ist, dass wir bei Industrie 4.0 natürlich sehr schnell an Internet of Things, an den Roboterarm, der sich automatisch in der Fabrik bewegt denken, an irgendwelche Google Classes, Augmented Reality, Big Data, Tralala und viele Mittelständler, wenn sie solche Artikel lesen oder Beiträge dazu sehen, hören, finden sich dort überhaupt nicht wieder, weil das mit ihrer Realität, ihrer gefühlten Realität in der Branche auch überhaupt nichts zu tun hat. Was ist Digitalisierung aus Sicht Ihrer Branche? Was macht das aus? Meinen Sie jetzt Anteile oder das Bild? Der Handwerker oder das 50-Personen-Unternehmen im Baugewerbe, was ist das Bild von Digitalisierung? Wie gehen die damit um? Hat das überhaupt eine Relevanz für diese Leute? Also die Relevanz, so wie ich das jetzt, wie gesagt, ich möchte es nochmal betonen, ich spreche ja nicht für die Branche, sondern ich kann nur rückspiegeln, was diejenigen, die bei mir im Workshop sind oder an dem Weiterbildungsinstitut, was die fordern an Kursen, wo die hinwollen, dafür bin ich der Ansprechpartner und als solches kann ich sagen, diese Rückmeldung, die ich da kriege und die heißen ganz klar und das auch aus Gesprächen mit Bildungsstättenleitern aus anderen Bundesländern, wir haben immer weniger Fachkräfte, die sich auskennen, wir müssen immer besser strukturieren auf dem Bau, wie die Vorgänge sind, wir haben Schritte, die sich immer wiederholen, Abrechnungen, die immer wieder gleich sind, Leistungsverzeichnisse, die ähnlich auszuschreiben sind und mit immer weniger Menschen hilft es ungemein auf ein multiplizierbares Datenfundament zurückzugreifen, um Sicherheit zu schaffen, um viele Dinge über eine Person zu machen, wo wir einstmals ganz viele andere gebraucht haben.

Der einarmige Roboter, wie jetzt eben beschrieben, der schreckt ab. Also das ist ein Bild, was der Bau noch gar nicht sehen kann. Warum? Mir sagen ganz viele Unternehmer immer, wir erstellen Unikate.

Jeder Bauherr sagt von vornherein, das will ich so, das will ich anders haben. Jeder Bauherr hat während des Bauens einfach aufgrund seiner Vorstellungskraft Ideen und immer wieder noch Änderungen, auch Unwägbarkeiten von außen, Schnittstellen gilt es beim Bauen nochmal zu definieren und solche Unikate zu produzieren am laufenden Band ist im weitesten Sinne oftmals nicht möglich. Oft, aber bei weitem nicht immer.

Okay. Unikate habe ich verstanden, das sehe ich auch, das glaube ich auch an vielen Stellen. Trotzdem haben wir ja sehr viele sich wiederholende Abläufe, repetitive Prozesse, die immer wieder gleich sind und die auch, sag mal, eigentlich zentral gesteuert werden könnten und nicht auf der Baustelle unbedingt ad hoc, also sofort gemacht werden müssten.

Ich erlebe sehr häufig, dass irgendwelche Produktionsmaschinen, Mörtel, also Ressourcen irgendwo rumliegen, dass keiner weiß, wo sind diese Sachen eigentlich. Das sind, glaube ich, so typische Probleme, die die Branche auch hat, oder? Ja, und da steigen schon ganz viele Unternehmer, sind da auch schon ganz ganz weit, die einfach ein Logistiksystem, ein Warenbestandssystem, das betrifft auf dem Bau ganz viel auch Geräteeinsatz. Nadelöhr ist, wenn Sie sich vorstellen können, Sie haben ein Unternehmen X, ich mache jetzt mal eins mit drei Baggern, die Sie an vier Baustellen brauchen und Sie wissen nicht wirklich, wo und wie lange die wo sind, macht es das Bauen schwierig und dann letztendlich auch teurer.

Und diese Systeme, das ist auch eben Teil unseres Unterrichts und dessen, was wir da machen, der Fort- und Weiterbildung, wie erfasse ich das, wie gehe ich damit um und wie plane ich damit meine künftigen Baustellen? Da gibt es Programme, die sind super klasse und diese Begeisterung dafür, das ist auch etwas, was wir weitergeben wollen. Das ist nichts, was Angst macht, sondern es ist erstmal ein ungewohnter Weg vielleicht zur Erfassung, aber letztendlich ist es die Formulierung vieler Unternehmer, die Formulierung ist vielleicht das verkehrte Wort, aus dem Kopf rauslassen dessen, was die drauf haben und das so formulieren, dass mehr Menschen im Unternehmen darauf Zugriff haben. Also ich glaube, das ist ja auch ein wesentliches Merkmal.

Wer so ein bisschen den Podcast verfolgt, weiß, dass der Podcast zwar ERP, wie das Podcast heißt, ich aber sehr häufig eigentlich nur noch von Datenfundament spreche, weil je nach Branche ist ERP eben nicht das Produktionssystem, sondern das Datenverwaltung, das Transaktionsverwaltungssystem, bei dem eben alle Informationen über ganz unterschiedliche Ressourcen und Daten des Unternehmens zusammenlaufen und nur wenn ich das zentral habe, dann kann ich natürlich automatisieren, weil bestimmte Schritte wegfallen. Also vom Angebot direkt Verbuchung in die Buchhaltung rein, ohne dass da jemand noch Konten bebuchen muss. Direkt die automatisierte Beplanung von einzelnen Ressourcen, seien es Baumaschinen oder seien es auch Mitarbeiter, also wer ist auf welchen Baustellen, an welchen Tagen, wie lange dauern die Jobs in etwa, die automatische Angebotserstellung und zwar nicht die Nachrechnung auf die letzte Nachkommastelle, sondern wirklich auf historischen Daten, wo ich einfach sage, wie groß das Risiko ist, dass das Programm zu gering oder zu hoch kalkuliert hat und ich glaube, wenn wir historische Daten haben, dann kann das ein Programm automatisiert sehr viel besser und sehr viel schneller als das ein Mitarbeiter eigentlich im Büro auch kann.

Ich glaube, das sind alles Dinge, die im Datenfundament sicherlich eine sehr, sehr große Rolle spielen. Jetzt die Frage an Sie. Viele Unternehmen stehen da wie der Ochs vom Berg.

Wir müssten eigentlich was tun, aber also der Wald wird gerodet, statt sich Zeit zu nehmen, die Axt erstmal zu schärfen. Ist das aus Ihrer Sicht, aus Ihrer Wahrnehmung etwas, was die Unternehmen als Chefsache erklären oder ist das doch lieber was für den Sohn? Meiner Erfahrung nach ist es Chefsache, die oftmals sehr gut unterstützt werden kann von einem Sohn oder einer Tochter. Wie groß sind die Unternehmen, über die wir reden, häufig? Ja, eben vom 500-Mann-Betrieb bis runter zum Ein-Mann-Betrieb, aber es sind auch die Töchter, die immer mehr da eine Rolle spielen, also das auch nochmal betont.

Ich glaube, oder das ist die Erfahrung, die wir machen, dass die jüngeren leichteren Zugang da zu finden. Aber es ist keine Sache des Alters. Die Unternehmen funktionieren ja im Bau oftmals so, dass sie sagen, Mensch, ich möchte das wissen, muss ich das auch noch wissen, ich will das aber wissen.

Und es ist Chefsache. Es ist Chefsache, weil es eine komplette Umstellung im Unternehmen ja bedeutet. Einhergehen von, wer macht eigentlich was im Unternehmen, wer hat wo Zugriff drauf, wer darf was sehen, wenn es wirklich diese Datenwolke ins Fundament gibt, reden wir auch ruckzuck über, wie gehen wir mit Daten um, wer darf, wer darf nicht.

Bis hin zu den innersten Zahlen eines Unternehmens gilt es das neu zu strukturieren und da findet für den Bau ein ganz gewaltiger Umbruch statt, so stellen wir auch in den Workshops fest. Haben Sie mal ein Beispiel, eine Anekdote aus einem Unternehmen, vielleicht jetzt auch ohne das Unternehmen zu nennen, um einfach mal das Potenzial, was sich über die Zentralisierung von Daten oder überhaupt erstmal das Abspeichern von Daten, um sie dann nutzen zu können, ergibt in solchen Unternehmen? Ich weiß nicht, ob das jetzt eine Anekdote ist. Ich meine, wir sind da schon mit einigen, also wir sind schon so weit, dass man sagen kann, dass alles viel viel schneller geht.

Also das ist jetzt nicht die Anekdote, aber es passieren Dinge schneller, sie müssen nicht mehr nacheinander passieren, weil der Prozess nacheinander festgelegt ist, sondern es ist so, dass die Daten in der Wolke liegen und schon auch nach Regeln und Unterschriften müssen sein, dadurch, dass sie ja auch auf Verantwortung liegen, aber es passiert alles schneller und dieses schneller ist derzeit, zumindest in meinem Umfeld, auch an meiner Bauakademie, das, was erstmal Verunsicherung schafft unter den Leuten. Wieso ist das schon und das und das auch noch und das müssen wir so machen, also es ist ganz ganz viel Neues, an dem viele Menschen eine große Freude dran haben, weil sie schon immer alles so gemacht haben, aber es gibt eben auch die Verweigerer, die sagen nö. Ich habe Ihnen ja selber mal erzählt, dass meine Vorfahren auch ein Großproduktionsindustrie Unternehmen im Klavierbau hatten, wahrscheinlich hat man damals auch gesagt, das passiert alles nicht, das Grammophon läuft parallel zum Klavier und so weiter und so fort.

Sehen Sie in Ihren Branchen auch die Gefahr, dass sich Unternehmen, die sich diesen Themen verweigern oder die sagen, das Handy tut es auch, ich brauche kein E-Mail, ich brauche kein Datenfundament, ich muss bei Kunden nicht nachhaken, weil die Kunden kommen zu mir und ich mache denen ein ganz detailliertes Angebot, aber das dauert halt zwei Wochen, dass diese Unternehmer vielleicht in der Zukunft Trends verschlafen, Veränderungen in der Branche auch verschlafen? Also ich bin der Meinung, Trends verschlafen, Unternehmen an sich tun ja immer das Beste von dem her, was sie können und was es draußen zu tun gibt. Ich glaube, und das ist etwas, was wir schon eben auch an der Bayerischen Bauakademie feststellen, dass es Unternehmer gibt, die sich immer mehr in solche Netzwerke reintrauen, wo es ganz einfach anderes Zusammenarbeiten gibt. Und es gibt Unternehmer, die die Notwendigkeit noch nicht dafür haben, entweder weil sie ein Spezialgebiet haben oder weil sie so klein sind und es noch sehr gut überschauen können, sich ihre Kunden so gezogen haben.

Und ich glaube, dass es jetzt meiner Meinung nach, also wiederum als Rückspiegelung aus der Bauakademie so ist, dass das noch eine ganze Weile sehr, sehr, sehr in Bewegung sein wird. Bis der Druck, ich glaube, dass der Bauherr eine sehr entscheidende Rolle hat, der Bauherr, der heute beispielsweise schon seine Modelle in 3D sehen möchte, einfach weil er durchgehen kann oder wenn wir BIM einsetzen und sie können die Wohnung, die sie sich erwerben wollen, ausgedruckt vor sich haben, quasi übertriebenermaßen wie eine Puppenstube, durch die sie das echt endlich erfassen können, welche Verhältnisse das alles haben, dann hat man damit auch heute schon eben einen Bauherrnkreis, denke ich, der dem sehr, sehr aufgeschlossen ist und der das erwartet. Aber es gibt auch ganz viele, die es eben nicht tun.

Und wenn ich mein Heizungsrohr neu verlegen lassen muss, dann brauche ich jemanden, der sich reindenken kann in die schlichten, einfachen Geschichten meines Hauses, baulichen Geschichten und sich vorstellen kann, wie man das damals gemacht hat und und und, ohne dass es eben dokumentiert ist. Und auch die Handwerker brauchen wir meiner Meinung nach. Also ich glaube, über das Nischen-Dasein, das wird es in jeder Branche, in jeder Nische, und zwar sowohl im Bau als auch in ganz anderen Domänen immer geben.

Die Frage ist natürlich, auch empirisch, die große Masse an Leistungserbringer, die große Masse an Firmen, was passiert dort, was passiert mit denen. Jetzt haben Sie eben BIM angesprochen, vielleicht können wir nochmal für die, die nicht aus dem Bau kommen, sagen, was BIM ist und was das für Ihre Branche bedeuten kann. BIM ist eine Methode, also die Abkürzung für Building Integrated Modelling.

Letztendlich geht es darum, dass die ganzen am Bau Beteiligten an einem Modell, was allen zur Verfügung steht, ihr Wissen einbringen und somit Schnittstellen klären können, durch den Automatismus eines Programms auch darauf hingewiesen können, wo kritische Pfade sind, wie, ich nenne nur ein Beispiel, jetzt Brandabschnitte, Länge der Leitungen, geht die Leitung wirklich in einem Strang durch oder ist es so geplant, dass da ein Holperrad drinnen ist und jeder kann quasi aus diesem Konstrukt des BIM-Modells sein Gebärd rausziehen und kann sagen, jetzt weiß ich, was ich zu tun habe, kann es rückspiegeln, es bedarf ganz viel Kommunikation mit den anderen Gewerken, gerade jetzt am Anfang. Letztendlich ist es auch eine ganz tolle Dokumentationsmethode, weil am Ende des Tages hat man dann beim Arbeiten, wenn diese Daten gut wieder eingespeist werden, ein Modell, das man weiß und so ist es jetzt erstellt worden. Und das ist toll für Nachbestellungen von Fenstern, für Nachbestellungen von all den Dingen, die eben zum Bau erforderlich sind.

Also es ist quasi eine virtuelle Abbildung dessen, was irgendwann mal entstehen soll, gleichzeitig dann aber auch die Dokumentation, wie es zu entstehen hat und hoffentlich entsteht, auf ganz unterschiedlichen Ebenen, sowohl für denjenigen, der Rohre verlegen muss, als auch für denjenigen, der die Statik macht oder den Architekten oder den Brandschutz Beauftragten und so weiter und so fort, richtig? Gut, ja. Okay, wenn wir jetzt dieses Modell hätten oder haben zukünftig, ich oder nochmal anders, viele Branchen sind der Meinung, das, was sie erbringen, dass das unersetzlich ist, weil sie ja genau das machen, was der Kunde eigentlich haben will. Also der Kunde möchte ja gerne eine neue Küche haben oder der Kunde möchte ja gerne ein neues Haus haben.

Ich nehme jetzt eine andere Branche, dass sich hier auch keiner angegriffen fühlt oder so. Nehmen wir die Bank. Die Bank ist auch unersetzlich im eigenen Gedanken, weil der Kunde möchte ja gerne sein Konto haben.

Aber der Kunde will ja eigentlich gar kein Konto haben, sondern der Kunde denkt ja viel, viel mehr von seinem Nutzen aus. Der Kunde möchte ja einfach nur über Geld verfügen, mit dem er was bezahlen kann oder was überweisen kann. Ich finde nichts schlimmer als diese lange Zahlenkolonne, die man bei der Überweisung eintippen muss.

Dann hat man sich vertippt und hat auf Senden gedrückt und dann ist das Geld irgendwie weg und man hofft, dass es der andere dann wieder zurückschickt oder so, auch schon selber passiert. Sobald jemand kommt, der diesen Nutzen, den der Kunde ja eigentlich haben will, besser, schneller, sinnvoller für den Kunden machen kann, heißt das ja letztendlich, dass eine Bankdienstleistung vielleicht auch wegfällt. Bill Gates hat Anfang der 90er Jahre schon gesagt, Banking is necessary, Banks are not.

Das, was die Banken tun, das ist natürlich sehr sinnvoll, aber dafür braucht es nicht unbedingt Banken. Jetzt sprechen wir über BIM, die durchgehende Planung und der Kunde will ja eigentlich nicht mit 17.000 Gewerken zu tun haben, sondern der will ja eigentlich, was fürchten Sie, was der Kunde bei Ihnen will? Ist es wirklich, wenn er eine Küche baut, dass er den Elektromeister anrufen muss und dann nochmal den, der vermisst, anrufen muss und dann den, der die Küche plant und so weiter und so fort oder wie verändert sich da auch das Kundenverhalten, der Nutzen, den der Kunde haben will? Also das denke ich, also es ist mir nicht bekannt, es gibt dazu keine Studien als solches. Grundsätzlich glaube ich, dass das Bauen als solches mit, aber das ist jetzt eine persönliche Ansicht, gehört auch denke ich.

Ja, ja. Wenn wir uns überlegen, wo wir gerne unsere Zeit verbringen, dann sind es in meinen Erfahrungen entweder draußen in der Natur, was schon immer so war, wie es war und die Natur macht, was sie will und auf der anderen Seite dort, wo Kultur ist und Bauen ist Teil unserer Menschenkultur. Das heißt, wir gehen in Höhlen und schauen, wie dort gemalt wurde, wir schauen uns die Pyramiden an, wieder eine andere Art, wir graben die Inkas und Maya Bauwerke aus und wir mögen es sehr, unsere Freizeit in Orten zu verbringen, die baulich schön gestaltet sind.

Und ich glaube, dass als solches das Bauen sich nicht nur darauf bezieht, was für eine Küche ich selber habe, das ist ein Aspekt, dass es so ist, dass ich gut leben kann und die Küche nur ein Programm zu meiner Bequemlichkeit letztendlich ist. Aber ich glaube, dass Bauen, das glaube ich persönlich, auch eine Verantwortung hat, des Erhaltes, das ist Darstellung der Werte, also ein sehr philosophisches, sehr schönes Thema und auf der anderen Seite eben auch Zukunft gestalten. Beispiel Elbphilharmonie wäre jetzt eben sowas, Wahrzeichen für eine Stadt zu sein und das ist sicherlich auch die Mentalität zum Beispiel der Hamburger, ist sicherlich auch die Schönheit des Hafens, aber so ein Bauwerk ist irgendwie etwas, wo man sofort sagt Hamburg oder Sydney oder Eiffelturm und als solches braucht es fürs Bauen meiner Meinung nach auch spezielle Menschen, das ist auch Thema der Wertschätzung, also da können wir sehr sehr sehr in Philosophie reingehen und ich würde das gerne, wir brauchen anderes Bauen, wenn wir jetzt an Logistik beispielsweise denken, hat sich komplett verändert in der Zeit, wieder ein anderes Bauen, das ist dieses was braucht der Endkunde? Aber es gehört eben auch, es ist so sichtbar wie nichts anderes das Bauen, also nicht nur für die Bequemlichkeit, sondern es ist etwas Sichtbares und damit ist es für alle auch zu beurteilen, der eine klettert gern auf Berge, der andere ist lieber an der See und genauso ist das Bauen eben auch, ist eine alte Kirche was Wertvolles oder etwas Heimatbestimmendes, volle Aufgabe, was wir bauen. Ja, super, also das Gemeine ist, dass der Kunde das natürlich nie so reflektiert, aber ich greife das gerne noch mit diesem Kulturgut gerne nochmal auf. Also, jetzt bauen wir nicht überall nur Elbphilharmonien, sondern wir bauen natürlich auch Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, was auch immer.

Und wenn ich mich als Familie dazu entschließe zu bauen, dann habe ich sehr viel zu tun. Weil ich habe 17.000 verschiedene Ansprechpartner. Ich muss mit dem Architekten sprechen, mit dem Amt, mit dem Statiker, mit der Bank für die Finanzierung.

Und dann geht es ja eigentlich erst richtig los, dass ich mit den Baugewerken spreche. Aber dann muss ich hinterher auch noch mir überlegen, jo, jetzt habe ich hier meine Wände und meine Decken und da sind die Fenster und wie richte ich das Ganze eigentlich ein? Den eigentlichen Nutzen, den ich habe, ist aber ja eigentlich zu sagen, ich gehe in ein Möbelhaus und schaue mir das an und stelle mir daraus vor, wie müsste eigentlich mein Haus gestaltet sein? Und von diesem Punkt aus denken, nur noch einen Ansprechpartner zu haben, der mir eigentlich diese Gesamtleistung, natürlich immer im Zusammenspiel mit mir, abnimmt. Aber mich interessiert ja eigentlich gar nicht so sehr, wo sind die Elektroleitungen, wann kommt der Elektriker, wann kommt der Maucher und so weiter und so fort.

Das will ich ja als Kunde eigentlich alles gar nicht wissen. Gibt es da vielleicht in Zukunft eine viel stärkere Verzahnung zwischen den Gewerken, auch mit dem Ausstattungs-, mit dem Möbelhandel zusammen, dass man einheitlichere Leistungen da vielleicht auch empfängt als Nutzer, als Kunde? Also ich denke zum einen gibt es ja schon Fertighaushersteller. Fertighaushersteller machen das ja klasse schon so, dass man begehen kann, das Produkt, was man dann am Ende haben möchte.

Genauso gibt es auch immer mehr Schlüsselfertigbauer, ganz arg viele mehr Familienhausbau im Wohnungsgeschossbau und sicherlich auch im Reihenhausbau. Ich denke trotzdem und würde da trotz allem Leben gerne wieder in dieses Persönliche gehen. Grundsätzlich ist natürlich alles zu bezahlen.

Es gibt auch ganz viele Unternehmen, die auch Einfamilienhäuser schlüsselfertig erstellen können. Dennoch ist der Prozess ja derzeit so, wenn Sie vielleicht selber denken, wie Sie selber das machen, Sie wollen da mitreden. Sie sehen dann auf einmal das Fenster und sagen sich, oh Gott, das habe ich mir ganz anders vorgestellt, ich möchte das anders haben.

Das bedingt dann wieder, dass das Innenleben anders wird und trotzdem mag der Mensch ja auch ganz individuell haben. Er möchte ja Teil seines Heimes sein, seines Wohnens. Das ist auch nichts anderes, meine ich, als mit Kleidungsstücken.

Auch nicht anders. Hunderttausendmal produziert und trotzdem stellt es jeder anders zusammen. Die Frage ist nur, wann wird es zusammengestellt? Früher haben wir gebaut und dann hat der Bauherr in letzter Sekunde entschieden, die Wand muss wieder eingerissen werden oder da muss jetzt doch noch ein Fenster hin oder oder oder.

Das ist natürlich sehr kostenintensiv und das bedingt, dass ich zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten eigentlich nur eingreifen kann in die Leistungserstellung. Wenn wir jetzt aber von dieser Modellwelt kommen, also erstmal virtuell abzubilden, wie das Haus aussehen soll und mit einem Federstrich im Grunde noch das komplette Haus verändern können, bietet uns das nicht viel mehr Chancen? Ist das nicht viel mehr nutzenbringend für denjenigen, der das Haus letztendlich möchte? Also ich glaube auch. Also das ist hier mit der, wenn sie schon mit den Brillen durch ihre 3D-Welten gehen können, ist ein ganz anderes Raumwahrnehmungsvermögen als eben heute noch.

Und das wird das Bauen sehr sehr, denke ich, unterstützen. Aber so weit ist es ja noch nicht. Wir sind auf dem Weg dahin.

Naja, Noah hat die Eiche gebaut, bevor es geregnet hatte. Ja, werden wir diese Schritte nicht gehen? Also brauchen wir nicht vielleicht auch ein Datenfundament, um genau so etwas zu machen, um eben nicht erst in letzter Sekunde noch die Wand einzureißen, sondern im Prinzip im Möbelhandel schon zu sagen, wenn du das Fenster noch ein bisschen weiter nach rechts oder links platzierst, passt die Gardine besser dazu oder das Sofa oder oder oder. Und aus dem Handel bereits die Planung anzustoßen für das, was nachher entstehen soll.

Also stimme ich Ihnen komplett zu. Das sind auch die Diskussionen. Sie hatten vorhin mal gefragt, wie das ist.

Wen muss man an die Hand nehmen beim Bauen? Wen an welcher Stelle? Und es ist einfach ein so komplexes Thema, auch für Bauunternehmen. Es muss losgegangen werden. Das ist das, was wir eben merken, auch mit dem Förderprojekt, wo wir jetzt drin sind.

Wie nehmen wir Bauunternehmen an die Hand? Ziel dieses Förderprojektes ist es, auf unterschiedlichste Methode über Workshop, Coaching von Bauunternehmen, jetzt immer nicht Bauherren. Ich switch wieder zum Bauunternehmen. Also nochmal Workshop, Coaching, Informationsveranstaltungen und herauszufinden, wer wo wie steht und was es für Möglichkeiten gibt.

Und das ist regional sehr unterschiedlich, stellen wir fest. Bedarf unterschiedlicher Unterstützung, aber es ist alles in Bewegung. Und die Spanne zwischen dem, der vor einem sitzt, ist über das Wissen und der Anwendung sehr, sehr groß.

Aber letztendlich wissen die getriebenen Unternehmer, dass es sich verändert und es Chancen gibt. Vielleicht können wir dieses Datenfundament einfach nochmal nehmen. Ich vermute mal, jeder Unternehmer hat irgendwo ein IT-System für buchhalterische Aufgaben.

Das hat wahrscheinlich, bis auf die kleinsten Verdiener, die das als Einnahmen überschätzen. Wobei selbst die müssen ja irgendwie mit dem Computer arbeiten. Wie groß ist die Spanne dessen, was die Bauunternehmen an Datenfundament, an Software-Systemen darüber letztendlich auch haben? Ganz arg groß.

Also ich bin eben in Workshops jetzt gewesen mit Unternehmen, die schon ganz tolle Systeme haben, die sich eigentlich die Frage stellen, wie kann ich das noch optimieren? Wie kann ich die Schnittstelle noch anders gestalten? Wobei es gibt ja auch schon viele, viele Lösungen. Und welche ist aber die beste für mich? Das macht ganz doll viel Spaß. Und sie haben schon fast missionarische Aufgaben.

Und auf der anderen Seite gibt es die, die eben je nachdem aus welcher Ecke sie kommen, eher mehr die BWLer oder die Bauaffinenleute, die Ingenieure, die woanders den Schwerpunkt setzen. Aber sie sind fit und sie wollen auch. Das heißt, es ist nicht dieses, lass mich mit der IT in Ruhe.

Nein, nein. Grundsätzlich kann ich widerspiegeln, nein. Es ist vielleicht in manchen eine Unsicherheit noch, was ist das beste Modell für mich zum Start oder zum Erweitern? Oder ich bin genau an einer Grenze und weiß nicht, wie ich weiterkomme.

Und dafür ist eben, das ist jetzt noch mal dieses Teil der Förderung, etwas wie so ein BIM, einen Digitalisierungsführerschein zu machen und zu sagen, hier stehe ich. Ja. Wo kann ich hingehen? Wo sind Erweiterungsmöglichkeiten? Welche Hersteller toller Programme gibt es? So weit geht es ja auch.

Wie kann ich das umsetzen und was ist für mich das Richtige? Also da sind wir auf dem Weg. Okay. Haben Sie Tipps, haben Sie aus Ihren Gesprächen und Anregungen, wo Sie auch sehen, diese Wege sind die Unternehmen teilweise gegangen, damit andere Unternehmen vielleicht auch diese Wege gehen können? Also als erstes sage ich, loslaufen.

Klassisch ist es ja oftmals so, dass man vielleicht doch erstmal dazu neigt zu sagen, jetzt warte ich noch ein bisschen, bis sich das mehr herauskristallisiert, was das System ist. Es gibt kein Das-System, sondern es gibt nur die Bewegung. Ich mache mich auf den Weg und ich muss wirklich herausfinden, was für mein Unternehmen mit meinen speziellen Wünschen, Vorstellungen, Zwängen das Beste ist.

Und es ist ein kontinuierlicher Prozess, der immer immer da sein wird, wo es nicht die eine Lösung am Ende gibt. Und je eher diese Bewegung anfängt, desto schöner und besser sind die Lösungen für mehr Zeit, mehr Geld, bessere Aufträge. Also es ist momentan ja noch so, dass man gar nicht so viel vielleicht auch sieht an Datenfundament innerhalb Ihrer Branche, aber ich könnte mir auch in Ihrer Branche vorstellen, dass das ab einem bestimmten Zeitpunkt durchaus sehr, sehr schnell geht.

Und die Leute, die sich damit heute nicht beschäftigen, die werden dann ins Hintertreffen kommen, weil ich eben nicht von jetzt auf gleich alles digitalisieren kann, entsprechende Software-Systeme sofort zum Einsatz bringen kann, die Prozesse entsprechend so aufstellen kann. Nehmen Sie das auch so wahr? Also es mag schon eine Zeit lang dauern, bis man quasi das, was man im Kopf, was man in verschiedenen gängigen Unterlagen hat, so zusammengefasst ist, dass es vergleichbar wird, dass man Lücken erkennt. Das Vergleichbar ist vielleicht das Wichtigste.

Zu welchem Zeitpunkt habe ich die Mauer, in welcher Zeit, zu welchen Kosten und mit welchem Gewinn gebaut. Auch Teil dieser Gespräche und Coachings, die wir jetzt da so ein bisschen begleiten. Aber am Ende, also jeder, der da angefangen hat, findet es am Ende klasse, weil er eben viel schneller sagen kann, das hat sich gelohnt, das möchte ich nicht mehr machen.

Das ist das, was die mir widerspiegeln in den Gesprächen und in den Coachings. Und das sind Mutmachtgeschichten, weil der Weg dahin geht. Ja, ich habe jetzt vielleicht ein schönes Beispiel.

Gerade zwei Rechnungen von einem Unternehmen gekriegt für die letzten zwei Jahre Wartung. Vor zwei Jahren waren die aber gar nicht da, um bei mir Wartung zu machen. Mit anderen Worten, der alte Weg ist bei denen gründlich verschlampt worden.

Und wenn ich hunderte von Kunden oder tausende von Kunden habe und die Prozesse sind eben ad hoc, dann ist das für mich als Unternehmen natürlich sehr, sehr teuer. Und je mehr ich diese Prozesse auch mit IT steuere, desto besser bin ich da sicherlich aufgestellt, desto flexibler bin ich, desto mehr spare ich die Kosten ein. Und wenn ich jetzt zwei Unternehmen habe, der eine hat das eben gemacht, das kann man sicherlich nicht von jetzt auf gleich machen, und der andere hat das nicht gemacht, dann wird derjenige, der eben diese Hausaufgaben nicht gemacht hat, an der Stelle sehr stark ins Hintertreffen kommen innerhalb von wenigen Jahren.

Davon gehe ich ganz fest aus. Auch in Ihrer Branche wird das sicherlich passieren, oder? Also das ist ein sehr schöner Ball, den Sie mir jetzt dazu gespielt haben. Es ist ja so, dass man durchaus auch festhalten kann als Bauunternehmen.

Dann und dann habe ich das und das gebaut. Es steht jetzt, was weiß ich, was die Heizungsanlage ist, so und so alt. Und ich bereite den Kunden schon mal darauf vor, dass es Zeit wird, zu erneuern oder anders zu denken und, und, und.

Oder den Wartungsturnus zu verkürzen. Oder man stellt fest, schon allein im Programm für ein Haus, was weiß ich, Eltern, zwei Kinder, Alter der Kinder fünf und zehn, weiß man nach 20 Jahren ja, was machen die denn jetzt eigentlich? Wo sind die Kinder? Oder muss ich altersgerecht umbauen? Man kann viel mehr Dienstleister der Kunden sein. Und das nicht nur darüber, dass man sehr, sehr gut, was sehr viele Bauunternehmen in meinem Umfeld sind, vernetzt ist in Lokalpolitik, in Vereinen und, und, und.

Sondern, dass auch das Programm einem sagt, hier im nächsten Jahr steht, kann es sein, dass in folgenden Familien oder ehemaligen Bauherren folgende Themen anstehen. Also ich habe, mein Haus ist jetzt etwas über 20 Jahre alt. Ich habe noch nie erlebt in den letzten Jahren, dass mich irgendein Handwerker von damals angerufen hat.

Nun ist die, die, die Überhitzung oder die, die, die Reibungswärme momentan sicherlich sehr hoch. Also jeder ist gut ausgelastet, aber unabhängig davon, das, was sie jetzt anschneiden, einfach proaktiv auf den Kunden zuzugehen, zu sagen, du, wir müssen mal wieder. Jetzt sind deine Rohre 30, 40 Jahre alt.

Die Heizung müsste ausgetauscht werden. Bist du noch zufrieden mit dem und dem? Deine Umgebung hat sich verändert, weil deine Kinder ziehen aus. Du musst ins Altersgerechte.

Wir haben hier ein tolles Förderprogramm von der KfW. Das haben wir integriert in unsere Dienstleistungen, in unseren Bauprozess. Das können wir dir konzertiert, also zusammen anbieten.

Da musst du nicht zu zwei Stellen laufen und so weiter und so fort. All das sind Dinge, das sind Prozesteile, die ich natürlich über ein Datenfundament, weil ich einfach die Daten zentral zur Verfügung habe, weil ich sie auswerten kann, ganz anders spielen kann, als wenn ich das auf einem traditionellen Weg mache. Vielleicht verändert sich auch das Leben so, wenn wir jetzt ganz offen bleiben, dass es nochmal anders ist, dass man einfach Häuser einer gewissen Kategorie hat, wo eben gewisse Zielgruppen gerne drin wohnen, aber dass man sagt, ab 40 möchte man eher so und so wohnen, beispielsweise lieber die Penthäuser und ab 60 lieber in der Stadtmitte.

Vielleicht kann man so sogar einen Markt im Sinne eines Dienstleistertums schöner bedienen noch zur Zufriedenheit der Kunden. Also das geht jetzt schon wieder so ein bisschen in meine Richtung, was ich vorhin sagte. Aus dem Handel heraus wird letztendlich Bau geplant.

Sie sagen jetzt gerade aus der Lebensphase heraus werden eigentlich Bauleistungen vorgedacht. Also wie müsste eigentlich ein Modell für einen Bau innerhalb der Innenstadt aussehen, weil tendenziell ältere Leute in die Innenstädte ziehen? Ich glaube, da gibt es ganz viele neue Geschäftsmittel, ganz viele spannende Sachen, die wir aus diesem digitalen Datenfundament letztendlich heraus erarbeiten können in der Industrie. Und die Gefahr, die ich eben sehe, wenn man sich damit nicht beschäftigt ist, dass jemand anders kommt und sich heute schon damit beschäftigt, aber in drei Jahren damit auf den Markt kommt, weil er drei Jahre braucht, um dieses Datenfundament erstmal aufzubauen und ich dann selber, wenn ich mich nicht damit beschäftige, einfach ins Hintertreffen komme, wenn die Konjunktur vielleicht nicht mehr so gut ist.

Ich komme nochmal auf Sie persönlich zurück. Also herzlichen Dank für diese Einblicke in Ihre Industrie. Ich glaube, das ist eine wahnsinnig spannende Industrie, die zunächst mal mit Digitalisierung, ja, oberflächlich zunächst gar nicht so viel zu tun zu haben scheint, aber wenn man da ein bisschen tiefer eintaucht, werden wir auch in dieser Industrie sehr, sehr viele Veränderungen in den nächsten Jahren sicherlich sehen.

Sie selber haben sich beruflich ganz, ganz viel in Ihrem Leben verändert. Sie haben ganz viele spannende Aufgaben gemacht. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Sehr gute Frage.

Das, was ich heute bin, bin ich deswegen, weil Bauen total gigantisch ist, werthaltend, wertschöpfend und weil es dafür gute Kommunikation braucht. Diese Kommunikation, das ist auch Teil meines Lebenslaufes, die Kommunikation. Und am Ende ist es so, in der momentanen Phase, dass es sehr, sehr schön ist, Menschen, die auch weiterdenken wollen, begleiten zu dürfen.

Was war Ihr größter beruflicher Erfolg bisher? Dass ich den Job mache, den ich gerade mache. Gut. Und dafür brauchen wir wahrscheinlich auch bestimmte Eigenschaften.

Ja. Also ich bin der Meinung, was man sehr, sehr braucht, ist Bilder zu malen, Visionen zu haben, sehen zu können, wo sich etwas hin entwickeln kann. Das auch über eine gute Kommunikation und Überzeugungskraft an andere Menschen weitergeben zu können, dabei zuzuhören.

Weil ohne die Bauunternehmer, die mir erzählen, wie es bei Ihnen ist, kann ich keine gute Idee entwickeln, was wir als Weiterbildungsmaßnahme schaffen können, damit es vorangeht. Gehört dazu vielleicht auch ein bisschen Behaarungsvermögen? Also ich glaube gerade bei so Digitalthemen, das ist ja schon was, wo man nicht im ersten Moment jedem sofort erklären kann, warum muss ich mich damit beschäftigen? Und das könnte die Zukunft sein, sondern der Unternehmer hat ja vielleicht ganz andere Probleme, Mitarbeiter zu finden, seine Baumaschinen auszulasten, eine Finanzierung zu haben, jadadadada. Richtig.

Behaarungsvermögen gehört genauso dazu. Und begeistern zu können. Wirklich, es bleibt die Begeisterung dabei.

Das hilft genau das, was Sie alles angesprochen haben. Die jungen Leute finden digitale Medien toll. Die arbeiten damit.

Und wenn ich weiß, wo mein Bagger steht, kann ich auch ganz anders handhaben. Vielleicht miete ich nur noch Bagger. Oder ich brauche wirklich einen, den ich permanent irgendwo im Einsatz habe.

Aber es wird mir der Überblick erleichtert in diesen immer komplexeren Themen. Und dafür ist digital Gold wert. Jetzt heißt es lebenslanges Lernen.

Sie sind selber Teil der Weiterbildung hier in Bayern. Aber darüber hinaus, Sie lesen wahrscheinlich auch viel. Gibt es ein Buch oder Bücher, die Sie unseren Zuhörern beruflich oder privat auch zum Vorankommen empfehlen können? Derzeit, das ist jetzt hier fast unabgesprochen, lese ich das Buch Der amerikanische Architekt.

Da geht es um das Memorial, also die Gedenkstätte für das, was in Amerika eben passiert ist mit dem Einsturz der Bayern Tower. Und da geht es sehr viel um Diskussionen, um wer darf dieses Memorial bauen, wie weit ist die Gesellschaft oder wie weit ist sie nicht. Ein ganz, ganz spannendes Buch.

Und das ist das, was ich zurzeit lese. Grundsätzlich hätte ich da kein eines, was ich da noch nennen wollen würde. Es gibt unendlich viel.

Egal, ob Sie von der Seite der Mitarbeiterführung kommen. Also jetzt würde ich mich in Gemeinplätzen verlieren, aber auch das gehört ganz eich dazu. Und was auch dazu gehört, und das hat jeder woanders, es gehört die Entspannung dazu, es gehört der kreative Raum dazu.

Und den findet jeder Mensch ein bisschen woanders. Und das sollte er selber rausfinden und auch für sich behalten, wo er das herholt. Okay, jetzt sind Sie wahrscheinlich gut vernetzt und zwar nicht nur in der realen Welt, sondern auch im Internet und nutzen wahrscheinlich jeden Tag viele, viele Internetdienste.

Gibt es besondere Internetdienste, die Sie nutzen, die Sie weiterbringen, wo Sie Ihr Wissen auch draus ziehen, die Sie für Ihre tägliche Arbeit gut gebrauchen können? Also ich würde ganz schnell vier Sachen nennen. Xing ist ganz wichtig für die geschäftlichen Kontakte, für das Miteinander. Facebook ist ganz wichtig, um sich darzustellen und zu schauen, egal in welcher Tiefe, wer was, wo, wie macht.

Wichtig finde ich YouTube. Auch da kriegt man gute Informationen, wenn man filtern mag. Und WhatsApp.

WhatsApp. Gehört für mich auch dazu. Es ist hier keine schnellere Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen, zu pflegen und teilzunehmen am Leben anderer oder teilnehmen zu lassen.

Okay, jetzt haben wir ganz viel schon über Digitalisierung gesprochen, aber vielleicht zum Abschluss unseres Interviews, wie wird sich die Berufswelt um Sie herum in den nächsten zehn Jahren aus Ihrer Sicht verändern? Ich glaube, wir werden auf der einen Seite Menschen haben, die immer mehr Spezialwissen haben und diese Spezialwissen als Korrektiv einsetzen oder zur Beurteilung dessen, was Software herausbringt. Dieses Wissen brauchen wir. Und ich denke, es wird auf der anderen Seite immer mehr nicht so sehr viel ausgebildete oder fort- und weitergebildete Menschen geben, die die sehr praktische Arbeit immer noch machen werden.

Okay. Ich bin sehr, sehr gespannt. Ich werde die Baubranche weiter beobachten, weil ich glaube, dass es eine der Branchen sein wird, wo noch sehr, sehr viel Potenzial auch für dieses Datenfundament, für die Digitalisierung einfach sein wird.

Deswegen möchte ich mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen, Frau Gottheit, bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben für das Interview. Wie immer gilt, die letzten Worte sind Ihre. Dankeschön.

Auch ich sehe das als ganz große Chance, in Ihrem Kreis den Bau, das Bauen zu platzieren und freue mich auch um Rückmeldungen, wenn das denn geht, weil wir alle vernetzt sind. Herzlichen Dank. Dankeschön.

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Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.