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#60 - Enterprise Content Management – ein Interview mit Gerald Rüdiger, Senior Vice President und Prokurist der EASY Software AG
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Software für das Enterprise Content Management (ECM) stellt Inhalte, also Content, jeglicher Form für die Unternehmensabläufe zur Verfügung. Um welche Inhalte es dabei geht und welche Vorteile sich daraus für Sie ergeben, kläre ich heute mit meinem Studiogast Gerald Rüdiger, Senior Vice President und Prokurist der EASY Software AG.

Viel Vergnügen!

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 60. Enterprise Content Management. Ein Interview mit Gerald Rüdiger, Senior Vice President und Prokurist der Easy Software AG.

Software für das Enterprise Content Management stellt Inhalte, also Content, jeglicher Form für die Unternehmensabläufe zur Verfügung. Um welche Inhalte es dabei geht und welche Vorteile sich daraus für Sie ergeben, kläre ich heute mit meinem Studiogast Gerald Rüdiger, Senior Vice President und Prokurist der Easy Software AG. Viel Vergnügen.

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews und bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Sie wissen es, ich versuche so ein bisschen die Themen rund um das Unternehmensdatenfundament im Rahmen der Digitalisierung zu beleuchten aus unterschiedlichen Aspekten und ein Thema, was mir immer am Herzen liegt, sind natürlich die ganzen Abkürzungen und Begrifflichkeiten, die die IT-Branche so hat. In Folge 3 habe ich beispielsweise mal über die verschiedenen Softwaregattungen geredet.

Folge 32 haben wir dann mal PIM auseinandergenommen. Wir werden sicherlich auch andere Fachbegriffe uns an der einen oder anderen Stelle anschauen. Heute habe ich wieder ein ECM, Enterprise Content Management Systeme.

Was das ist, das werden wir gleich erfahren. Und ich freue mich, dass ich heute eine Firma einladen durfte, die eigentlich einer der Pionierer auch auf diesem Markt hier in Deutschland, in Mitteleuropa ist, die Easy Software AG. Und ich freue mich ganz besonders, dass sich Herr Gerald Rüdiger bereit erklärt hat, heute mit mir über das Thema zu diskutieren, denn er ist verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing, Geschäftsentwicklung der Easy Software AG.

Er ist Prokurist, Senior Vice President bei Easy und er wird uns sicherlich viel über das Thema Enterprise Content Management berichten können. Herr Rüdiger, herzlich willkommen hier im Podcast. Ja, einen schönen guten Morgen, Herr Prof. Dr. Winkelmann.

Ich freue mich, hier heute bei Ihnen in dem Interview sein zu dürfen. Würden Sie sich zunächst mal selber vorstellen, wer ist Gerald Rüdiger? Ja, sehr gerne. Mein Name ist Gerald Rüdiger, ich bin bei der Easy Software AG verantwortlich für den Vertrieb, für die Geschäftsentwicklung und die Easy Software AG ist ein führendes Unternehmen im Bereich Enterprise Content Management.

Ich selber bin Starkstrom-Elektroniker, komme praktisch hier schon aus dem Elektronikbereich, bin aber sehr früh dann auch in die IT und in die Softwarebranche gegangen, habe dann lange Jahre auch Schwerpunkt Automotive und Manufacturingbranche-Segmente verantwortet und darf heute bei der Easy als Prokurist das Thema Vertrieb und Geschäftsentwicklung verantworten. Easy hat man wahrscheinlich schon gehört, wenn man sich irgendwo mit Software auch beschäftigt, dafür sind Sie einfach sehr, sehr lange am Markt und auch ein marktführendes Unternehmen in Ihrem Bereich, aber vielleicht können Sie die Easy Software AG zunächst mal vorstellen. Was macht das Unternehmen? Ja, die Easy Software AG, Herr Prof. Winkelmann, ist, wie Sie schon sagte, schon lange am Markt.

Wir haben als deutsches Softwareunternehmen 25 Jahre Historie schon hinter uns und das ist in der Branche schon eine lange Zeit. Ja, die Easy wird heute sehr, sehr, wir nehmen das gerne das Wort Easy Software, dass wir eine sehr, sehr einfache, leicht zu bedienende Software haben. Das nehmen wir auch gerne an, das ist auch unsere Zielsetzung, aber das Wort Easy kommt aus der Abkürzung elektronische Archivsysteme.

Das ist auch die Basis einer Easy. Wir haben begonnen vor 25 Jahren ganz typisch das Thema Ablage von Dokumenten, elektronisch geschränkten Dokumenten in Archive, gesicherte Archive mit Langzeitaufbewahrung abzulegen. Über die Zeitentwicklung ist das Thema Archiv natürlich immer stärker geworden.

Es hat begonnen, dann weitere Anwendungsfälle für sogenannte Workflow-Systeme, das heißt Geschäftsprozesse elektronisch zu unterstützen. Ja, bis hin dann zu heute, in der heutigen Zeit, wo Easy auch ein Hersteller ist von integrierten Softwarelösungen, die einfach zu bedienen sind. Da nehmen wir dann auch immer wieder gerne das Wort Easy dazu, die einfach zu bedienen sind und Geschäftsprozesse unterstützen, um mehr Qualität, gesicherte Informationsablage und auch natürlich Kostenoptimierung im Prozess zu erreichen.

Gibt es bestimmte Zielgruppen, also bestimmte Produkte für bestimmte Zielgruppen, die Sie adressieren? Ja, das haben wir. Wir haben unterschiedlichste Portfolio-Elemente. Wir haben für den klassischen Mittelstandskunden, wir sagen immer so zwischen 100 und 250 Mitarbeiter oder bis 500 haben wir sogenannte Business-Suites, in welchen wir die Gesamtleistungen eines Enterprise-Content-Managements für die Kunden abdecken können.

Das geht wieder los, klassisch beim Archivsystem, für die gesicherte Ablage von den Informationen über Workflow-Systeme oder Engine-Suites zu nennen, in denen man Geschäftsprozesse jeglicher Art elektronisch unterstützen kann, weiter dann zu Lösungen mit Purchase-to-Pay, also vom Vertrag, vom Einkauf über die Bestellung, den Warenempfang und die Rechnungsverarbeitung. Weiterhin das Thema Contract-Vertrags-Management, Contract-Management zur Vertragsverwaltung und auch noch dann abrund das Thema Human-Resource-Management. Und in so einem Business-Paket haben wir dann für Kunden in diesem Segment ab 100 Mitarbeitern bis 500 oder auch größer eine sogenannte Full-Business-BCM-Suite.

Im weiteren Bereich, wenn wir dann in den größeren Kundenbereich kommen, der hauptsächlich geprägt ist durch den Einsatz von ERP-Systemen wie SAP, Salesforce oder Microsoft Dynamics oder AIX, haben wir dann sehr, sehr spezielle Lösungen, die sich voll integral in die ERP-Systeme anklingen, wo genau die Lücken bedienen, die heute die ERP-Hersteller im Enterprise-Content-Management nicht leisten. Und somit können wir beginnen von mittelständischen Unternehmen bis zu Großkonzernen den kompletten Markt bedienen und das auch über alle Branchen. Ich hatte es neulich Ihnen ja schon mal so anekdotisch erzählt.

Ich erzähle die einfach hier nochmal. Das erste Mal, dass ich auf die Easy gestoßen bin, ist eigentlich so Mitte, Ende der 90er-Jahre gewesen, als ich selber noch Student war. Und ich war damals Werkstudent bei einer Firma, die die Easy dann aufgekauft hat, eine computerlinguistische Firma.

Ja, und auf diese Art und Weise bin ich durch die Easy sozusagen auf der Straße gelandet. Als Student ist das nicht weiter schlimm, gerade wenn Sie aus dem IT-Bereich kommen. Wir haben dann selber unsere ersten Unternehmen gegründet.

Aber ich denke eigentlich immer gerne an diese Zeit zurück, weil es eine sehr, sehr spannende Zeit war, weil ganz, ganz viel im Aufbruch war und sich Technologien eigentlich auch erst so richtig entwickelt haben. Und eine dieser Technologien, wir haben es eben schon genannt, ist eben das sogenannte Enterprise-Content-Management. Im gleichen Atemzug muss man vielleicht auch das Dokumenten-Management nennen.

Vielleicht können Sie mal so ein bisschen beschreiben, was diese, wir reden ja leider immer Englisch, was diese Begrifflichkeiten eigentlich alle bedeuten. Ja, gerne. Also der Begriff Enterprise-Content-Management sind die Systeme, die dazu führen, dass es im Sinne der Dokumenten- und informationsintensiven Geschäftsprozesse, dass wir hier erreichen, dass das Unternehmen diese Informationen an einer Stelle abspeichert und somit auch für die weitere Verarbeitung oder Sicherstellung des Geschäftes zur Verfügung hat.

Das klingt jetzt etwas sehr theoretisch, aber in der praktischen Anwendung stellt das durchaus Herausforderung dar. Deswegen würde ich gerne mal ein oder zwei Beispiele hierfür verwenden. Sie haben heute unterschiedlichste Formen von Verträgen mit Lieferanten oder Kunden.

Sie haben unterschiedliche Bedarfsanforderungen. Sie haben heute Vielzahl von Rechnungen und natürlich auch Warenausgänge. Und ein gutes Enterprise-Management-System, ein ACM-System erreicht, dass all diese Informationen in Ihrem Unternehmen an einer zentralen Stelle abgespeichert wird und dadurch über die unterschiedlichsten Blinkwinkel aus den Geschäftsprozessen die Informationen bereitstehen.

Ich sage, der Einkäufer will für die Verhandlung wissen, wie viel Einkaufsvolumen hat er bei einem Lieferanten. Das heißt, er zieht sich aus dem Enterprise-Content-Management eine sogenannte I-Akte und sagt, ich möchte den Blick auf den Lieferanten haben. Der Verantwortliche für den Kunden, der will natürlich wissen, wurde in einer bestimmten Beauftragung der Prozessgesorgung, wurden die Lieferanten beauftragt, wurde geliefert, haben wir am Ende die Leistung erfüllt und können wir abrechnen.

Das ist dann ein anderer Blick. Und so gibt es eine Vielzahl von Blickwinkeln aus den Geschäftsprozessen und ein gutes Enterprise-Content-Management stellt genau diese Informationen in Summe und ganzheitlich bereit. Wir sagen da auch immer, das ist die single source of truth in einem Unternehmen für das Bereich Content und Information.

Okay, ich greife da mal eben rein, weil ich würde das jetzt gerne nochmal, ich glaube zum besseren Verständnis für Leute, die sich damit überhaupt noch nicht auseinandergesetzt haben, differenzieren zu dem, was wir im ERP-Bereich auch machen. Also ich rede ja grundsätzlich vom Unternehmensdatenfundament, also die Idee, ja, Sie haben es eben auch gesagt, single source of truth, also ein Topf, wo letztendlich alle Daten des Unternehmens drin sind. Das ist zumindest die Idealvorstellung.

Und jetzt haben wir eigentlich das ERP, das Enterprise Resource Planning System, was für die betriebswirtschaftlichen Transaktionen des Unternehmens, zu den Lieferanten, bezogen auf die Produktion und so weiter und so fort, ja eigentlich ganz, ganz viele Daten zur Verfügung stellt. Warum brauche es dann noch eine eigene Softwaregattung namens Enterprise Content Management, wenn es doch schon ein Enterprise Resource Management im Unternehmen, also das ERP-System, das ERM-System gibt? Ja, Professor Wingenberg, sehr gute Frage. Es gibt ja auch diese single source of truth in den sogenannten ERP-Systemen.

Wenn ich sage, als Beispiel die klassische Kundenstammdaten, die sind auch im ERP-System. Oder wenn ich in der Produktion bin, dann habe ich ja oft die Produktionsstückliste für die Fertigung eines Produktes oder eines Bauteils. Dann habe ich das auch oft in meinem ERP-System im Modul Production Planning oder Manufacturing Planning.

Wir haben aber auch viele Informationen, Content, die klassischerweise im Dokumenten, also auf Papierweg noch erfolgen. Bitte denken wir insbesondere an das Thema Rechnungsstellung, das heute noch viel auf dem Papierweg erfolgt, Vertragsmanagement und auch im ganzen Personalbereich, Bewerbungen, Zeugnisse, Zertifikate und was wir alles haben. Und die Aufgabe eines Enterprise Content Management ist, diese Informationen zu sammeln, auch im Vergleich mit den Produktionsstücklisten oder Kundenstammdaten im ERP-System und diese bereitzustellen.

Idealerweise werden natürlich diese Informationen dem ERP-System wieder bereitgestellt, sodass das Unternehmen über das ERP-System mit der Anbindung des ICM-Systems die Gesamtheitlichkeit der Daten hat. Das ist auch der Grund, warum unsere ERP-Produkte weit über 100 Schnittstellen zu anderen ERP-Systemen haben und genau diese Informationen dann auch bereitzustellen. Das heißt, das ERP-System ist der Spezialist für alle Daten, die sich um die Transaktionen letztendlich schlängeln und das Enterprise Content Management System oder diese Gattung von Systemen, die sorgt dafür, dass zusätzliche Informationen rund um diese Transaktionen dann letztendlich auch zur Verfügung stehen können.

Korrekt. In größeren Unternehmen, die große ERP-Systeme haben und auch zum Beispiel dann eben in den ERP-Systemen die Module für Produktionsplanung, für Personalmanagement oder für Vertragsmanagement haben. In Unternehmensbereichen kleinerer Segmente, die zum Beispiel im ERP-System Finance und vielleicht Produktion haben, aber kein Vertragsmanagement oder Human Resource Management, da kann es auch sein, dass das ICM-System in sich allein diese Informationen bereitstellt.

Aber wie der Effekt schon sagt, dann habe ich keine one single source of truth, sondern je nach den Prozessen unterschiedliche Informationsquellen. Jetzt habe ich zwei Begriffe vorhin genannt, nämlich einerseits Enterprise Content Management System, was sicherlich so ein Überbegriff ist und der Begriff, der vielleicht viel häufiger noch fällt, ist das Thema Dokumentenmanagementsysteme. Ja, die Definition ist, Dokumentenmanagementsysteme ist der Begriff, der zeitlich deutlich älter ist.

Wir hatten vor einigen Jahren viele Prozesse ausschließlich dokumentenbasierend. Das ist heute nicht mehr so. Selbst beim Bereich Rechnungswesen oder Vertragswesen gibt es heute auch schon oft einen elektronischen Austausch, gerade in Großkonzernen, wo die Mitzeichnung dann über mehrere Länder und Regionen geht.

Daher gehen wir mehr auf das Thema Enterprise Content Management Systeme oder Content Services Systeme, da wir nicht davon ausgehen, dass wir nur dokumentenintensive Geschäftsprozesse haben, sondern sich diese Information aus unterschiedlichen Trägermedien bereitstellen lässt. Okay. Ich bleibe noch mal ganz kurz bei dem Dokumentenmanagement.

Ich glaube, da wird es am plakativsten. Also das Wesen ist tatsächlich zu sagen, okay, ich habe jetzt ein nicht-digitales Werkstück, einen nicht-digitalen Brief oder so, also beispielsweise als Versicherung. Lieschen Müller schreibt einen Versicherungsbrief.

Dieser wird an die Zentrale geschickt, wird dort im Dokumentenmanagementsystem eingescannt und kann dann dezentralen Filialen, die wieder vor Ort sitzen, zur Verfügung gestellt werden, sodass die dann mit Lieschen Müller in Direktkontakt stehen können, weil sie das eben digital vorliegen haben, diesen Brief, obwohl der Brief eigentlich ganz woanders hin an die Zentrale des Unternehmens gegangen ist. Richtig? Korrekt. Das wäre ein ganz klassischer Workflow im Versicherungswesen.

Die Versicherungsunternehmen haben ja ihre Stammdaten, den Versicherungsschutz, die Polizei an sich und dadurch die Deckungszelle und die Deckungssumme. Das heißt, der Brief kommt irgendwo an im Versicherungsunternehmen, der wird eingescannt, die Daten werden extrahiert, es wird dann ein sogenanntes Schadensvorgang aufgemacht, diese werden dann ergänzt um die Policedaten, um die Versicherungsdaten, elektronisch, hier klassischerweise Schnittstelle zum ERP-System und schon hat man eine sogenannte Schadensakte und das würde dann wieder unter dem Begriff E-Akte fallen, in dem Fall Versicherung und Schadensmeldung, sodass die Versicherungsagentur die Schadensbearbeitung aufnehmen kann. Das ist ein ganz klassischer Fall eines Workflow-Systems im Bereich Enterprise Content Management, wo führende ERP-Daten, wie hier Versicherungsdaten plus dokumentenbasierende Schadensdaten und hier auch nochmal dazu sehen, oft mit Fotos, also mit anderen Elementen ergänzt, nicht nur Text, sondern Schadensfälle werden auch oft in Fotografien dokumentiert, verarbeitet werden kann.

Das ist ein ganz schöner, guter Fall. Das Beispiel scheint mir eigentlich schon sehr offensichtlich zu sein von dem Nutzen, den mir diese Software zusätzlich bringt, aber vielleicht können wir das nochmal ein bisschen herausarbeiten. Inwieweit hilft mir eine derartige Software Enterprise Content Management oder nur Dokumentenmanagement, mein Unternehmen noch besser aufzustellen, die Prozesse noch besser aufzustellen? Da gibt es zwei Aspekte.

Man darf schon dazu sagen, wenn man heute einen nicht ECM- oder Enterprise Content Management digitalisierten Prozess hat und diesen erstmal eins zu eins mit ECM-Technologien digitalisiert und ich sage das mal jetzt so offen, der Prozess war vorher nicht sehr gut, dann hat man danach einen nicht sehr guten digitalisierten Prozess. Das heißt, mit der Einführung von Enterprise Content Management-Systemen geht immer zuvor die Prozessberatung einher. Das ist auch der Grund, warum die ISI im Umfeld der Geschäftsprozess- und Ablaufprozessberatung hier nicht unerhebliche Consulting- und Prozessberateressourcen bereitstellt und wir sogar eine Strategieberatung namens BEYOND haben, die dann, wenn es größere Themen sind, auch mal ein Unternehmen gesamtheitlich in den Geschäftsprozessen begleiten kann.

Über diese Prozessberatung kann man natürlich den Prozess optimieren und es geht auch dadurch, dass man die Digitalisierung, jetzt gehen wir mal das Thema digitale Agenda, wenn man das jetzt mal anspricht, im Rahmen der digitalen Agenda, eben auch Potenziale im Prozess hebt, die man nur mit solchen Systemen heben kann. Über die Prozessberatung, ich nenne das mal auch die Optimierung, wo gehen die Rechnungen ein, wer die zentral gescannt, wie kann ich den Rechnungslauf so gestalten, dass ich die optimal ausbereite, wie kann ich dann letztendlich auch mir die Key-PAs und Dashboards erstellen, indem ich sage, mit welchen Lieferanten habe ich welche Umsätze, sodass ich die Preise nachverhandeln kann und dergleichen. Im Rahmen dieser Prozessberatung beginnt dann die Einführung der sogenannten Content-Systeme oder Enterprise-Content-Systeme und ich habe dann über die zwei Schritte den Prozess an sich erst mal optimiert, auch im zeitlichen Ablauf, von der Qualität verbessert, von den Ressourcen verbessert, sprich von den Kosten optimiert und gleichzeitig digitalisiert.

Das sind die Potenziale, was Lösungen im ECM-Bereich bieten können. Und das Digitalisieren heißt, dass ich von beliebigen Anwendungszwecken, von beliebigen Standorten auf das zentral abgespeicherte, dann digitale Dokument zugreifen kann? Ja, also von jedem Standort, das ist ja sehr wichtig, aber auch aus jedem Blickwinkel. Ich nehme nochmal schön das Beispiel, das Vertragsmanagement würde ich gerne mal als Beispiel herausgreifen.

In großen Unternehmen mit mehreren Niederlassungen ist es oft so, dass der Zugriff auf jegliche Art von Unternehmensverträgen, unabhängig ob es Lieferantenverträge sind oder Mietverträge für Bürogebäude oder Leasingverträge für Fahrzeuge, sind oft nicht in einer zentralen Ablage gespeichert. ECM-Systeme bieten genau das im Bereich Vertragsmanagement oder sogenannte Contract Application, in dem genau alle Vertragsarten außer die Kundenverträge, die normalerweise ein ERP-System sind, zentral gespeichert sind und über die verschiedenen Blickwinkel vom Einkäufer, auch vom Vertragsmanagement über das Thema Fristen, Deadline-Management zentral den gesamten Blick geben. So kann ich letztendlich diese Single-Source-of-Truths im Vertragswesen herstellen, aber auch über die Verträge die gesamten unterschiedlichen Blickwinkel und mir sogenannte E-Akten oder E-Dossiers bilden, indem ich die einzelnen Vorgänge gut betrachte.

Also für diejenigen, die sich damit noch nicht beschäftigt haben, das heißt natürlich nicht nur, weil die Dokumente an einer Stelle gespeichert sind, dass auch jeder darauf zugreifen darf. Es gibt entsprechende Rechte, die man darauf setzt, aber wer darauf zugreifen darf, hat die Möglichkeit dann auch aus dem Zentralen heraus, aus dem zentralen Abspeichern auf die entsprechenden Daten zuzugreifen. Korrekt.

Oft gelöst auch über die direkte Verbindung des ECM-Systems zum ERP-System, in dem dann ja auch die Rechteverwaltung ist. Also hier auch kein autonomes System, Rechte-Nutzer- und Rollenverwaltung werden fast immer vom ERP-System übernommen oder wieder im Interface hergestellt. Ja, diese Art von Content Management ist ja eine ganz zentrale Funktion innerhalb des Unternehmens, um Mitarbeiter auskunftsfähig, arbeitsfähig an der Stelle zu machen.

Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, warum ist das nicht eine zentrale Funktion im ERP-Bereich? Warum gibt es Spezialanbieter für diesen Bereich Enterprise Content Management an der Stelle? Ja, Herr Professor, das ist eine sehr gute Frage. Sie ist natürlich in dem Fall auch sehr berechtigt, da die ERP-Systemanbieter auch viele Funktionen im Enterprise Content Management mit abdecken. Das ist ja nicht so, dass wir Funktionalitäten heute im ECM-Bereich von dem ERP-System nicht bekommen, auch als Beispiel nochmal SAP genannt.

Es gibt ja auch das ILC-Modul, Information Lifecycle Management, ein Modul, in dem viele Funktionen bereitgestellt werden. Nur die ERP-Systemanbieter gehen bis zu einem gewissen Grad an Funktionalität und oft ist das so, dass eine erweiterte Funktionalität im ERP-System sehr aufwendig und kostenintensiv zu erreichen ist. Da ergibt sich dann insbesondere für die ECM-Branche und für Hersteller wie eine EASY hier diese Lücke.

Das heißt, unsere Lösungen klinken sich wie ein Fahnrad exakt in die Lücken ein und bilden genau diese Funktionalitäten ab, die das ERP-System nicht herstellt. Das führt dann auch dazu, in gewissem Umfeld, für unsere Lösungen zum Beispiel für SAP, dass unsere Lösungen natürlich ohne ein SAP-System gar nicht lauffähig sind. Das heißt, der eine bedingt letztendlich auch den anderen an der Stelle, ja? Korrekt, korrekt.

Also ganz ausgeprägt im Portfolio, im sogenannten Prozess-Content-Management-System-Portfolio für SAP-Kunden. Da bedingt ein SAP-System ist die Grundlage, dass wir unsere Lösungen überhaupt einsetzen können. Sie werden ja auch überall genannt letztendlich als einer der großen Hersteller für Enterprise-Content-Management.

Sie haben auch, glaube ich, da können Sie mehr zu sagen, einen signifikanten Marktanteil in dem Bereich. Mögen Sie uns so einen Eindruck geben, wo die EASY überall mitmischt? Ja, sehr gerne. Bedingt durch unsere lange Firmenzeit, über 25 Jahre, was ja für ein Thema, die da schon eine sehr, sehr lange Zeit ist, haben wir in allen Branchen und über alle Kundengrößen, Installationen, ich darf Ihnen gerne ein paar Zahlen geben, wir haben weltweit über 13.000 sogenannte Deployable Installations, also Installationen, die wir ausgeliefert haben.

Wir haben über 8.600 aktive Kunden und sind dadurch im deutschsprachigen Bereich, im sogenannten Dachbereich, auch Marktführer mit großem Abstand, was Studien von AVA und Pentadoc auch zeigen. Und haben über die Kundenbereiche von klassischen Mittelständlern, beginnend ab 100 Mitarbeitern bis zu großen Accounts, die sich dann auch im DAX wiederfinden, gehören zu unseren Kunden. Ich glaube, Sie sind auch auf der Gartner Watchlist drauf, im magischen Quadranten.

Sie sind also auch international, nicht nur hier in Deutschland, aufgestellt? Ja, nicht ganz. Wir sind gerade mit Gartner in einem Gespräch, damit wir die Voraussetzungen oder die Informationen bereitstellen, die Voraussetzungen sind, dass wir auf den sogenannten Magic Quadrant für ECM bekommen. Das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für unsere Internationalität und Internationalisierung.

Deswegen auch unsere enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit Gartner, um auch hier in dem Bereich über den europäischen Raum hinaus deutlich sichtbarer zu werden. Ich gucke ein bisschen auf die Uhr. Wir sind jetzt bei einer halben Stunde.

Ich würde an der Stelle mal für diese Woche einen Cut auf unser Interview ziehen und in der nächsten Woche darauf zurückkommen, um mit Ihnen auch über einige Spezialprodukte, über einige Spezialfunktionen im Content-Management-Bereich zu sprechen. Ich möchte mich für diese Woche ganz, ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Ich glaube, wir haben einen ersten Einblick gekriegt in das Enterprise-Content-Management.

Und Sie, liebe Hörer, ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns in der nächsten Woche wieder hören. Vielen Dank, Herr Präsident. Danke schön.

Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.