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#63 – Geschäftsprozessmanagement am Beispiel des öffentlichen Dienstes - ein Interview mit Dr. Lars Algermissen, Geschäftsführer der Picture GmbH
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Wenn Sie wissen wollen, wie man Prozesse verändert, vor welchen Herausforderungen die eigene Organisation steht und welche Möglichkeiten es gibt, dann ist diese Folge mit Dr. Lars Algermissen genau richtig für Sie.

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

EAP Podcast Folge 63 Geschäftsprozessmanagement am Beispiel des öffentlichen Dienstes ein Interview mit Dr. Lars Algermissen, Geschäftsführer der Picture GmbH. Wenn Sie wissen wollen, wie man Prozesse verändert, vor welchen Herausforderungen die eigene Organisation steht und welche Möglichkeiten es gibt, dann ist diese Folge mit Dr. Lars Algermissen genau richtig für Sie. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So herzlich willkommen zurück zum zweiten Teil dieser Episode, dieser Folge mit Dr. Lars Algermissen von der Picture GmbH. Es geht um den digitalen Wandel im öffentlichen Dienst. Und wir hatten im ersten Teil letzte Woche ein bisschen gesprochen über die Fragestellung, wie sich der öffentliche, die öffentliche Verwaltung in Deutschland überhaupt aufstellt, wie sie sich gerade massiv verändert, was dort alles mit verbunden ist, wo auch die Potenziale liegen. Diese Woche würde ich gerne ein bisschen mehr über das Thema Geschäftsprozessmanagement reden am Beispiel der öffentlichen Verwaltung. Ich glaube, hier ist ein echter Experte für das Thema Geschäftsprozessmanagement im Interview. Und ich freue mich, dass ich dich, lieber Lars, heute hier wieder begrüßen kann. Herzlich willkommen! Hallo Axel, vielen Dank. Ich freue mich. Magst du dich kurz noch mal vorstellen? Du hast das zwar in der letzten Folge getan, aber für die, die heute das erste Mal einschalten Wer bist du? Ja, Lars Algermissen ist mein Name. 40 Jahre jung und von Haus aus Wirtschaftsinformatiker. Ich durfte an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster, wo wir uns ja auch lange Jahre in Projekten zusammen getummelt haben. Dort durfte ich das Themenfeld Prozessmanagement im öffentlichen Sektor entwickeln und aufbauen und dort ein Kompetenzzentrum zum Thema Prozessmanagement und Verwaltungsmodernisierung entwickeln und leiten. Und aus diesen Aktivitäten ist dann auch die Picture GmbH als Firma entstanden. Im Jahr 2008, wo ich Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter bin. Und es hat sich in den zehn Jahren so entwickelt, dass das Thema Spezialisierung für Organisationsgestaltung und Prozessmanagement im öffentlichen Sektor mittlerweile unser Kernprofil geworden ist. Das heißt, wir begleiten Verwaltungen in Deutschland der unterschiedlichsten Größenordnungen und Art dabei, sich prozessual an aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung natürlich und auch an Herausforderungen wie den demografischen Wandel anzupassen. Ich glaube, ihr seid ein wunderbares Beispiel dafür, wie aus Forschung, aus dem Erkenntnisprozess an Hochschulen, insbesondere an Universitäten, dann letztendlich auch neues Wissen für die Praxis entsteht, neuer Nutzen für die Praxis entsteht. In eurem Fall ein Unternehmen mit mittlerweile 35 Mitarbeitern, die eben dabei helfen, auch den digitalen Wandel im Öffentlichen, in der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben. Ja, also Dankeschön. Das ist ja eine gute Feststellung. Also finde ich auch. Also es ist in der Tat so, dass wir durch die Arbeit an der Hochschule natürlich sehr viele methodische Grundüberlegungen anstellen konnten und auch unsere Mission herausarbeiten konnten. Und unsere Mission besteht eben darin, das Thema Prozesse und Prozessmanagement für den öffentlichen Sektor möglichst passgenau möglichst, ich sage mal mundgerecht aufzubereiten und dabei Methoden, Techniken, Werkzeuge aus anderen Branchen, die vielleicht schon weiter sind, anzupassen, zu adaptieren und für den öffentlichen Sektor verfügbar zu machen. Und das ist so etwas, wo es eben darum geht, beispielsweise bekannte Methoden aus dem industriellen Prozessmanagement zu prüfen, zu evaluieren im öffentlichen Bereich und dann anzupassen, so dass sie im öffentlichen Bereich eben optimal funktionieren. Und das ist Teil unseres Geschäfts bis heute. Jetzt haben wir ganz viel über Prozesse, Prozessmanagement gesprochen. Vielleicht kannst du mal ein Beispiel dafür geben, was das überhaupt ist. Ein Prozess im öffentlichen Sektor. Also das Thema Geschäftsprozesse und Prozess ist wirklich sehr, sehr spannend. Und im öffentlichen Sektor gibt es da eine ganze Reihe von. Also nehmen wir mal die klassische Definition eines Geschäftsprozesses. Ich habe so eine Reihe von Tätigkeiten, die in einer gewissen Struktur immer wieder vorkommen. Es gibt einen Auslöser und ein Ergebnis, es gibt einen Kunden und einen Abnehmer. Es gibt Ressourcen, die man dafür braucht, und es gibt irgendwie einen normativen Rahmen. Und nehmen wir mal so eine Stadtverwaltung, die wir alle kennen. Wir leben alle in Städten oder in Landkreisen. Solche Verwaltungen haben, wenn sie eine gewisse Größe haben, durchaus 3000 und mehr verschiedene Geschäftsprozesse. Und so ein Prozess wäre beispielsweise. Die Anmeldung in einer Stadt, wenn ich dort neu hinziehe oder die Beantragung einer Sperrmülltonne oder die Bezahlung von Hundesteuer, das sind immer so die Klassiker. Oder die Beantragung von sozialen Hilfen, zum Beispiel Wohngeldantrag oder die Anmeldung eines Gewerbes, der Antrag auf eine Baugenehmigung, aber vielleicht auch die Bezahlung eines Knöllchens oder die An- oder Abmeldung eines PKWs aber auch Aufgaben mit ’nem weniger direkten Bezug, sondern eher einem planerischen Bezug. So was wie die, die Ausweisung neuer Gewerbegebiete oder der Einzug von Steuern, solche Dinge. Also es ist wirklich sehr, sehr operativ und, das– ein Geschäftsprozess im öffentlichen Bereich ist nach außen gerichtet eigentlich alles das, was wir so als Bürgerinnen und Bürger als Dienstleistung in Anspruch nehmen. Da steckt überall irgendwo ein oder mehrere Geschäftsprozesse dahinter. Und da die Verwaltungswelt in Deutschland ja alle Lebensbereiche abdeckt, ist natürlich auch aus jedem Lebensbereich irgendein Geschäftsprozess dabei.  Jetzt habe ich verstanden, was ein Prozess ist. jetzt frage ich mich natürlich, warum soll ich das noch managen? Also natürlich habe ich den, der, der den Prozess durchführt. Aber was bedeutet jetzt Geschäftsprozessmanagement an der Stelle? Ja, also der Geschäftsprozess an sich hat ja den Charme, dass er meistens durch mehrere Hände läuft, durch mehrere beteiligte Stellen und dass der Anfangspunkt eines Prozesses häufig woanders liegt in einer Organisation als der Endpunkt. Jetzt ist es gerade im öffentlichen Sektor so, dass sehr lange Zeit funktionsorientiert gearbeitet wurde, das heißt, einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren auf einzelne Aufgaben, auf einzelne Teile von Geschäftsprozessen spezialisiert und haben es da auch häufig zu ’ner großen Qualität und Meisterschaft gebracht. Häufig ist dabei gleichwohl der, der Gesamtkontext und der Bezug zur Gesamtaufgabe verloren gegangen. Also ich mache mal ein Praxisbeispiel. Ein, Mitarbeiter eines Bauamtes ist sehr stolz, dass er effizient ist und, belegt diese Aussage mit einem Beispiel, in dem er sagt, „Ich muss auf einem Bauantrag die Länge und die Breite ablesen, um dann die Fläche in ein Gebührenverfahren abzutippen. Und da ich das sehr effizient machen will, sammle ich einen Monat lang alle Bauanträge auf meinem Schreibtisch und mache das dann in einem Abwasch freitags morgens fertig.“ Also sehr effizient, sehr funktional, sehr gut gedacht. Allerdings nur dann, wenn man auf die Arbeitseffizienz schaut, nicht, wenn man auf die Prozesseffizienz schaut. Denn da geht es darum, dass aus Sicht eines Bauantragstellers, eines Bauherren, der Antrag möglichst schnell genehmigt wurde und durch diese Art der Aufgabenerledigung bleiben Anträge manchmal vier Wochen unbearbeitet liegen, sodass die Perspektive des einzelnen Mitarbeiters und auch die positive Absicht des einzelnen Mitarbeiters nicht unbedingt zu der optimalen Erledigung der Gesamtaufgabe passt. Und um diesen Zusammenhang herzustellen, braucht’s es eben eine gewisse Form von Management, die nämlich darauf achtet, dass immer die Gesamtaufgaben im Blick bleiben und dass aus der Gesamtaufgabe heraus abgeleitet Funktionen und Einzelaufgaben definiert werden. Und das ist das Thema Organisationsgestaltung und Prozessmanagement. Und da ist gerade im öffentlichen Sektor durch eine klassischerweise sehr funktional ausgerichtete Arbeitsweise, sehr viel Potenzial für Geschäftsprozessmanagement. Ich habe irgendwie noch so eine Zahl im Hinterkopf: In so einem Rathaus sind es zweitausend und mehr unterschiedliche Prozesse, die dort ablaufen. Ist das richtig? Ja, genau. Also, manchmal zweitausend, manchmal auch dreitausend und mehr. Also es liegt daran, dass eben, dass das Angebot der Dienstleistung sehr vielfältig ist und eben alle Lebensbereiche betrifft. Und man redet auch häufig auf kommunaler Ebene von dem sogenannten kommunalen Gemischtwarenladen, denn eine Kommune bietet uns alles. Die zieht von uns die Steuern ein, die erteilt uns Knöllchen, also sie beaufsichtigt und kontrolliert uns. Auf der anderen Seite hat sie auch eine Servicerolle indem sie zum Beispiel Auskünfte erteilt oder auch Beratung durchführt. sie hat aber auch eine planende Funktion indem sie zum Beispiel Rahmenbedingungen schafft für neue Unternehmen. Sie hat aber gleichzeitig auch eine helfende Funktion, indem sie zum Beispiel soziale Hilfen auszahlt und so weiter und so fort. Und es sind eben alle Lebensbereiche betroffen. Und deswegen ist gerade, ist es so schwierig im Prozessmanagement, in einer Behörde, einen dieser berüchtigten Kernprozesse zu finden. Also ich sage mal als anderes Beispiel: Wenn man jetzt mal einen Automobilkonzern nimmt, ich glaube, es gibt ja diesen Spruch von Volkswagen: Was ist der Kernprozess von Volkswagen? Und dann wurde ja mal gesagt, das ist die Produktion von Autos. Und dann sagte jemand: Nein, das stimmt gar nicht. Der Kernprozess von Volkswagen ist das Verkaufen von Autos. So, das ist auch schon ’ne ganz spannende Sichtweise auf Prozesse. Auf jeden Fall ist beim Automobilkonzern relativ einfach, was er tut. Bei einer Behörde ist es häufig gar nicht so einfach, weil es nicht das dominante Ding gibt, was gemacht wird, sondern weil es ein sehr vielfältiges Aufgabenspektrum gibt, was von den unterschiedlichsten Akteuren alles irgendwo wichtig angesehen wird. Und wenn man Politiker fragt, ist dann meistens irgendwie alles auch gleich wichtig. Spätestens dann, wenn man fragt, „Was können wir denn mal weglassen?“ Da hört es dann meistens auf. Man kann nämlich meistens, wenn es darauf ankommt, gar nichts weglassen, weil alles soll dableiben. Und das ist auch eine Herausforderung, weswegen Prozessmanagement da besonders wichtig ist, dass man gerade den Überblick schafft über die Aufgaben, über die Prozesse und Mechanismen findet, ja eben Transparenz zu schaffen und auch Priorisierungsmöglichkeiten die, sage ich mal, diskussions- und widerspruchsfest sind, wenn man Entscheidung trifft. Okay, also jetzt verstanden habe ich mehrere tausend unterschiedliche Abläufe, unterschiedliche Geschäftsprozesse in so einer Verwaltung drin. Gibt es da jemanden, der die alle kennt, der weiß, welche Aktivitäten innerhalb jedes Prozesses gemacht wird? Gibt es das nicht? Wenn nein, wie diskutieren dann die Leute überhaupt ihre Abläufe miteinander? Also ich glaube, es gibt keinen Menschen, der von allen Prozessen, allen Aktivitäten kennt. Wenn es jemanden gäbe, der nahe dran ist, dann wären, glaube ich, wir das, weil es tatsächlich unser Tagesgeschäft ist, darauf zu achten, so eine Vogelperspektive einzunehmen und erstmal einen Überblick zu verschaffen, welche Prozesse gibt es überhaupt in einer Verwaltung? Und man würde meinen, und das ist ja ganz klar, jede Verwaltung hat da festgelegte Dokumentationen und alles ist klar. Das ist häufig leider nicht so. Es fängt an bei häufig nicht vorhandenen oder durchaus veralteten Stellenbeschreibungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch solche Themen wie Aufgabenverteilungs- oder Aufgabengliederungspläne, wo grobe Aufgaben zugewiesen werden, ist meistens zu grob und nicht eindeutig genug. Und das zeigt sich spätestens dann, wenn in umfangreichen Maße Neueinstellungen passieren oder Vertretungsregelungen greifen durch Schwangerschaft, Krankheit oder anderes, dann zeigt sich relativ schnell, dass ein hohes Maß an Transparenz sich nicht so verbreitet hat. Und da ist in der Tat viel zu tun. Da sind Instrumente und Methoden des Prozessmanagements einfach anzuraten. Das war jetzt diese Frage war eigentlich so ein bisschen auch als Steilvorlage an dich gedacht, denn hier beschäftigt ihr euch ja oder ihr kommt ursprünglich aus dem Bereich, wo ihr euch sehr stark auch beschäftigt habt mit der Dokumentation dieser Geschäftsprozesse. Also wie sind die Abläufe eigentlich und wie kann ich eigentlich aufschreiben, wie die Abläufe im Einzelnen sind? In anderen Industrien machen wir das ja schon viele, viele Jahre. Ich denke beispielsweise an die ereignisgesteuerte Prozesskette Anfang der 90er Jahre, aber wir können noch weiter zurückgehen. Wir können auch in andere Länder gehen, BPMN oder ähnliche Sprachen. Und ihr habt die Picture eigentlich ja damals auch gegründet, weil ihr sehr lange an einer Dokumentationssprache, an einer Möglichkeit, diese Abläufe darzustellen, geforscht habt und selber etwas entwickelt habt, oder? Ja, ganz genau. Also die Herausforderung vielleicht, das ist wichtig, ein paar Eigenschaften und Herausforderungen des öffentlichen Sektors zu nennen und daraus zu begründen, warum man vielleicht eigene Methoden braucht. Also das eine ist, dass der öffentliche Sektor sehr, sage ich mal, schriftgutorientiert arbeitet, also eine andere Art der Arbeitsform hat in den Prozessen sehr, sehr aktenschriftgutorientiert, papierorientierte Informationsflüsse beherrschen das Arbeiten und nicht wie in Industrie zum Beispiel Materialflüsse oder Maschinensteuerung. Das ist ein Aspekt. Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass es bei einzelnen Organisationen im öffentlichen Sektor nicht so ein Konkurrenzverhalten gibt, zumindest nicht so stark wie im Unternehmenskontext. Das heißt, eine Kommunalverwaltung, eine Stadt aus Norddeutschland und eine aus Süddeutschland, die haben miteinander keinerlei Grenzverhältnis. Natürlich so was wie Düsseldorf und Köln, klar. Aber ansonsten ist da eine gewisse Offenheit und auch das Aufgabenspektrum ist durch Gesetze sehr ähnlich. Das heißt, ähnliche Strukturen, ähnliche Aufgaben, sehr viele Instanzen, teilweise drei, vier, fünftausend kommunale Gebietskörperschaften mit Verwaltungseinheiten. Und das schreit förmlich danach, eine Methodik zu entwickeln, die auf Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Austauschbarkeit und Kooperation hin ausgelegt ist, möglichst Doppelarbeiten zu vermeiden und Synergien zu schaffen. Diese ganzen Aspekte haben wir berücksichtigt und einen zweiteiligen Ansatz entwickelt. Das eine ist, dass wir, wenn es darum geht, was eine Behörde tut, sehr stark mit Referenzprozesskatalogen arbeiten, auch eine eigene sogenannte Prozessbibliothek aufgebaut haben mit Verwaltungsprozessen. Dies erlaubt bei einer Verwaltung relativ schnell zu erkennen und zu sagen: Das tut ihr, das tut ihr nicht, damit man nicht auf der grünen Wiese sich erst mal die Aufgaben zusammen brainstormen muss, sondern da sind wir sehr gut und sehr weit, erst mal so einen Aufgabenbestand methodisch aufzubauen. Und wenn man dann einzeln … Das ist so die Frage nach dem: Was tun wir? Und wenn man dann sich der Frage nähert: Wie tun wir denn etwas? Welche Arbeitsschritte sind erforderlich für eine Baugenehmigung beispielsweise, dann haben wir dazu einen bausteinbasierten Modellierungsansatz entwickelt. Der heißt dann passenderweise auch die Picture-Methode. Da geht es darum, Verwaltungshandeln zum Zwecke der Beschreibung in wiederverwendbare, gekapselte Bausteine zu zerlegen und aus diesen Bausteinen, so ähnlich wie mit Lego oder mit anderen Bauklötzen, einen Verwaltungsprozess schnell und einfach und einheitlich beschreiben zu können. Und von solchen Bausteinen haben wir 24 Stück und ein Beispiel ist vielleicht so: So ein Baustein könnte da lauten: Ein Dokument kommt rein. Kann man sich sicher im öffentlichen Bereich sehr gut vorstellen, dass da Dokumente irgendwo mal ankommen oder dass Dokumente versendet werden oder dass etwas ausgedruckt wird oder dass etwas abgetippt wird oder dass etwas inhaltlich geprüft wird oder dass etwas formell geprüft wird, auf Vollständigkeit zum Beispiel, oder dass etwas recherchiert wird oder etwas in einer Akte abgelegt wird. Also fachliche Bausteine, aus denen man dann sehr gut und sehr effizient Abläufe zusammensetzen kann. Und diese bausteinbasierte Methodik. Wenn wir sehr erfolgreich seit ja fast über zehn Jahren an und die funktioniert sehr gut, führt zu einer sehr hohen Mitarbeiterakzeptanz, ist sehr effizient und sie erfüllt eben auch den Anspruch der Vergleichbarkeit, der Wiederverwendbarkeit und so weiter. Darf ich da mal eben reingehen, weil für jemanden, der jetzt neu in diesem Gebiet ist, der wird ja sagen: „Moment, Geschäftsprozessmanagement und insbesondere die Dokumentation, Geschäftsprozessmodellierung. Also das gibt es doch 30, 40 Jahre. Da gibt es diverse Methoden, hier zu dokumentieren, zu modellieren. Warum braucht es jetzt eine neue Methode? Warum ist die besser geeignet als das, was wir auf dem Markt vielleicht schon auch haben? Banken, Versicherungen haben uns doch eigentlich vorgemacht, wie wunderbar man sein Geschäft dokumentieren kann. Ja, also erstmal ist es so: Es stimmt natürlich, dass es schon zig Jahre verschiedene Arten und Weisen der Prozessbeschreibung gibt. Was die meisten davon gemeinsam haben, ist, dass es branchenneutrale Methoden sind. Das heißt, wir nennen die auch Universalmethoden mit dem Anspruch, im Grunde überall zu funktionieren. Auf der einen Seite und ein zweiter Aspekt, dass diese Methoden häufig eine sehr hohe technische Nähe haben. Also nehmen wir an, die BPMN als Methodik ist ja gezielt dann zu dem Zweck entwickelt worden, daraus ausführbaren Code generieren zu können, also im Kontext der Softwareentwicklung. Und gerade weil der öffentliche Sektor noch nicht so weit ist und auch diese Besonderheiten hat, die ich eben aufgezählt habe, kommt es sehr stark auf die organisatorische fachliche Beschreibung von Prozessen an. Das heißt, diese Beschreibungen werden nicht von Projektgruppen, von IT-Abteilungen, von Experten erstellt, sondern sehr stark dezentral durch die Fachebene. Und was uns dann eben auszeichnet, ist, dass wir tatsächlich eine auf die fachlich-organisatorische Ebene ausgerichtete Methodik entwickelt haben. Da gibt es auch schon einige von. Gleichwohl haben wir das Ganze jetzt noch auf eine Branche bezogen und als einzige Methodik tatsächlich in dem Kontext fachliche, branchenspezifische Modellierungselemente entwickelt. Und das gibt es in der Form meines Wissens so noch nicht. Das heißt, dass das Modellierungselement, also nehmen wir mal diese EPK, die du eben genannt hast, die so ein Element hat wie Ereignis, Funktion, X-Oder, Rekursion, solche informatischen, methodischen Begriffe, dass die in der Picture-Methode derart lauten: Formell prüfen, inhaltlich prüfen, zu den Akten, weiterleiten. Das heißt, dort sind methodische Begriffe im Einsatz, die aus der Domänensprache, also aus dem Amtsdeutsch, wenn ich es so sagen darf, herauskommen. Und vor dem Hintergrund stoßen wir durch diesen klaren Branchenfokus mit der Methodik auf sehr viel positives Feedback. Sehr viele Effizienzvorteile gewinnen wir dadurch. Und letztendlich liegt es daran, dass wir die Besonderheiten einer Branche ganz, ganz gezielt in eine Modellierungsmethode hinein implementiert haben. Und das ist sozusagen das Erfolgsrezept. Das heißt, die Mitarbeiter können eigentlich hingehen mit eurer Sprache und müssen das noch nicht mal am Computer machen in einem bestimmten Dokumentations- oder Modellierungstool, sondern können das im Prinzip mit – du hast vorhin LEGO-Bausteine gesagt – mit Kärtchen sich am Tisch so hinlegen, wie der Ablauf in ihrem Prozess eigentlich ist. Genau. Wir haben für verschiedene Zielgruppen und Anwendungsfälle verschiedene Erhebungsmethoden. Und die einfachste Erhebungsmethode ist die sogenannte Offline-Modellierung oder wir nennen es auch die kartenbasierte Modellierung. Das heißt, wir haben für diese Methodik entsprechende Baustein-karten entwickelt. Die sind dann so aus Plastik, wiederbeschreibbar, spülmaschinenfest. Und damit kann man sehr erfolgreich erste Prozesse beschreiben und würde dann ab einer bestimmten Menge von Prozessen natürlich irgendwann auch in ein professionelles Werkzeug wechseln, einfach wegen der Datenhaltung und Datenauswertung her. Und zusätzlich kann man natürlich auch – und das tun wir auch als Unternehmen – dass wir ein eigenes Softwareprodukt entwickeln, was über 300 Verwaltungen in Deutschland im Einsatz haben. Da drin ist natürlich auch möglich, in verschiedenen Graden der Detaillierung zu modellieren. Und darin haben wir, wie ich es eben beschrieben habe, einen einfachen, wie eben beschriebenen Modus, den wir auf den Einsteiger-Modus nennen. Und dann haben wir auch noch eine Hybridlösung, wo wir die Picture-Methode mit der eben schon erwähnten BPMN-Methodik verknüpfen, sodass auch Anwenderinnen und Anwender, die sich schon, sage ich mal, auf so einer Universalmethode grundsätzlich verständigt haben, trotzdem die Mehrwerte einer branchenspezifischen Methode erlangen können. Und so haben wir zusammengefasst drei Möglichkeiten, also komplett ohne Software, mit Software als Einsteigermodus und mit Software in einer Kombination mit einer BPMN-Universalmethode. Und dadurch bekommen wir eine sehr große Durchdringung und eine sehr große Zufriedenheit bei den Prozessmodellierern. Vielleicht muss man noch mal ein bisschen auf die Besonderheit eingehen. Also für die Mitarbeiter ist das ja gar nicht so einfach. Die beschäftigen sich hier das erste Mal überhaupt damit, wie ihre Abläufe, ihre Prozesse tatsächlich sind. Ja, also wenn man jetzt als Zuhörer mal sich das verinnerlicht, haben Sie jemals darüber nachgedacht, wie Sie morgens Ihre Schuhe binden? Ja, welche Schritte Sie eigentlich in welcher Reihenfolge durchführen? Und genauso steht ein Mitarbeiter mit Sicherheit aus den Fachabteilungen im öffentlichen Dienst dann da, wenn es heißt: „Jetzt erzähl mir mal, in welcher Reihenfolge machst du denn was für diesen Prozess? Das ist genau so. Deswegen ist der Schlüssel zur Antwort dein letzter Satz: „Erzählen Sie mir mal, was Sie so machen. Was da drin steckt, ist ja, dass ein Externer jemanden fragt. Und das ist ganz wichtig: Also, wenn es Prozessmodellierung geht, ist es schwierig, jemandem zu sagen: „So, hier ist die Methode und jetzt beschreib mal deine ganzen Prozesse. Da würde möglicherweise noch die Ist-Beschreibung funktionieren. Gleichwohl würde möglicherweise die Reflexion über die aktuelle Arbeit und die Diskussion und die Ideenfindung für Verbesserungspotenzial auf der Strecke bleiben. Und deswegen ist es wichtig, wenn man mit dem, einem Veränderungsziel auf Prozesse drauf schaut, dass man immer eine Kombination findet aus Akteuren, die diese Aufgabe und den Prozess schon länger verrichten und jemand Neutralem, der von ganz weit weg kommt im Idealfall und durchaus auch naive, einfache Fragen stellt, beispielsweise: „Zu welchem Zweck tut ihr das eigentlich?“ oder „Warum macht ihr das so und nicht so?“ Und durch gezielte Fragen wird dann in so einem Prozessmodellierungsinterview der Fokus der Zielperson, wenn ich sie so nennen darf, darauf gerichtet, auch das aktuelle Tun und das Tun der vergangenen Jahre mal kritisch zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Ich will damit sagen, es braucht auch immer irgendwo ein, ein, ein, ein Akteur, der solche Fragen stellt. Ja, also ich übertrage es mal auf den Schnürsenkel. Wenn ich dir jetzt sagen würde, überdenk doch mal den Prozess, wie du deine Schuhe zuschnürst oder zumachst, damit du aus der Haustür gehen kannst, dann würdest du wahrscheinlich auch nicht auf die Idee kommen oder du würdest erst mal alles durchdenken, wie du das noch besser schnüren kannst, aber du würdest wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen, die ihr stattdessen Klettschuhe oder Schuhe ganz ohne irgendeinen Schnürverschluss, äh zuzulegen oder so. Genau, genau. Vielleicht kannst du mal ein Beispiel bringen, die du, dass du erlebt hast in den letzten zehn Jahren, wo es ein Vorher gab, einen Prozess, mit dem die Mitarbeiter vielleicht auch mehr oder weniger zufrieden waren, und den man durch aktiven Input ganz anders dargestellt hat. Ja, also mir fällt ein Beispiel spontan ein, was direkt auch eine große Einsparung gebracht hat. Also da geht es um das Thema Bauen und den Prozess der Baufertigstellungsanzeige. Das bedeutet, normalerweise ist der Prozessablauf so: Es baut jemand ein Haus und wenn er das Haus fertig gebaut hat, dann ist der Behörde anzuzeigen, dass das Bauvorhaben abgeschlossen ist. Das ist also eine aktive Verpflichtung eines Bauherren, der so eine Baufertigstellungsanzeige abgeben muss. Und wenn die Behörde diese Anzeige bekommt, dann weiß sie, das Gebäude ist fertig. Und dann werden Gebührenbescheide erstellt, für das Gebäude, für das Grundstück et cetera. Und dann wird eine Gebühr eingehoben und dann hat die Verwaltung eben Geld eingenommen. So, jetzt haben wir den Prozess beschrieben und irgendwann kamen wir dahin und haben dann gefragt, so eine naive Frage gestellt: „Welchen Anreiz hat denn ein Bauherr euch zu informieren, dass das Gebäude fertig ist?“ Dann sagte derjenige: „Gar keinen, außer das steht ja im Gesetz, das muss er ja.“ „Aha. Das heißt also, wenn der Bauherr euch diese Anzeige schickt, dann ist euer nächster Schritt, ihm eine Gebühr zu schicken?“ „Jawohl.“ „Okay. Und ihr glaubt, dass alle Bauherren euch das brav anzeigen?“ „Ja klar, das müssen sie ja“, war die Antwort. Dann haben wir mal gefragt: „Okay, seid ihr bereit, das stichprobenartig zu überprüfen?“ „Okay.“ Dann haben wir uns die Bauakten gezogen, und sind durch einige neue Wohngebiete gefahren und haben offene Bauvorhaben geprüft, haben zur Überraschung aller festgestellt, dass sehr viele dieser offenen Bauvorhaben schon lange abgeschlossen waren, so dass dann am Ende weitere Gebührenbescheide gedruckt werden konnten und die Verwaltung hat dadurch in dem Jahr, in dem Projektjahr ungefähr eine Viertel Million Euro höhere Gebühreneinnahmen erzielen können, allein dadurch, dass, ein Mitarbeiter mit uns mal mit dem Fahrrad durch drei Baugebiete gefahren ist. So, und hätten wir nicht diese Frage gestellt: „Was hat derjenige für einen Anreiz, euch da diese Anzeige zu schicken?“, wäre nie dieser Gedanke in Gang gekommen dass da vielleicht irgendwas im Argen ist. Und das ist jetzt wirklich ein ganz triviales Beispiel. Da muss man jetzt auch nicht tausend Methoden im Einsatz haben, da muss man jetzt auch nicht studiert fahren oder Ähnliches. Da reicht der gesunde Menschenverstand und die Frage: „Äh, glaubt ihr, ist das so richtig? Warum tun die das? Was glaubt ihr, was bewegt die Leute? Warum reagieren die so? Was glaubt ihr, dass die so arbeiten?“ Und davon gibt es eine Reihe von Beispielen, wo man bei der Fülle von Prozessen, die es in einer Verwaltung gibt ziemlich schnell und ziemlich viele von solchen Beispielen finden kann.  Warum ist jetzt gerade das Thema Digitalisierung so ein Treiber auch, insbesondere für das Geschäftsprozessmanagement? Das liegt insbesondere daran, dass natürlich die Digitalisierung ganz neue Formen der Arbeit ermöglicht. also wenn ich Unsinn automatisiere, dann habe ich ja erst mal automatisierten Unsinn, ne, aber es bleibt natürlich Unsinn. das heißt, ich habe die Chance und ich sollte die Chance ergreifen, mit Digitalisierung auch Organisationsveränderungen umzusetzen. Und das kann Digitalisierung eben ermöglichen. Beispiel Bauanträge, sind wir beim Thema Bauen. zuvor war es häufig so, dass, man einen Bauantrag eingereicht hat und, dieser Antrag wird von verschiedenen Stellen geprüft, die den nacheinander prüfen, weil es ja nur eine Akte gibt. Und dadurch wird das ein sequentieller Prüfprozess, sodass ein Bauantrag vielleicht sechs bis acht Monate braucht, bis er durch ist. Und ganz schlaue Leute haben dann gesagt: „Ja, dann soll doch der Antragsteller einfach mal acht bis zehn Kopien einreichen. Dann verteilen wir diese Kopien gleichzeitig und das geht schneller.“ So ein Antrag kann durchaus mal ein paar hundert Seiten haben. und jetzt mit digitalen Verfahren ist es natürlich so, dass ein Antrag einmal digital eingereicht werden kann und dann kann er von verschiedenen Stellen gleichzeitig am gleichen Datenbestand bearbeitet werden. Das führt natürlich dazu, dass Abstimmungswege sich verkürzen, dass nicht mehr sequenziell, sondern parallel gearbeitet werden kann, also im Sternverfahren und nicht im Kettenverfahren. Und dadurch sind natürlich ganz andere Bearbeitungswege, ganz andere Arbeitsteilung ermöglicht und dadurch kann so ein Antrag auch mal statt in sechs bis acht Monaten in sechs bis acht Wochen durchgehen. Ja, das führt natürlich dazu, wenn wir diese Daten zentralisieren, wenn wir diese Prozesse parallelisieren, dass einerseits einzelne Schritte des Prozesses wegfallen, andererseits aber durch die Zentralisierung sich auch Aufgabengebiete verschieben. Das heißt, Mitarbeiter müssen auch um ihre Aufgaben, ihre Jobs fürchten an der Stelle, oder? Das ist ein Vorbehalt, der natürlich häufig im ersten Schritt geäußert wird. Jetzt ist noch eine zusätzliche Entwicklung zu beobachten, nämlich, das hatte ich auch im letzten Podcast einmal angerissen, der des demografischen Wandels. Und da ist es so, dass den Verwaltungen im Grunde in den nächsten Jahren die Personalressourcen wegbrechen, allein durch, durch Altersruhestand und sich die Frage eher stellt: Wie schaffen wir jetzt mit dem Personal, was uns noch zur Verfügung steht, überhaupt noch die Aufgaben zu erledigen? Das heißt, die Digitalisierung und die IT ist eher der rettende Strohhalm an der sich geklammert wird als die Bedrohung. Das ist natürlich nicht sofort in jedem Kopf drin, aber nach ’ner kurzen Argumentation ist das häufig sehr stringent nachvollziehbar. Und deswegen ist also tatsächlich die Digitalisierung ein, ein Hilfsmittel, um nicht angesichts der Aufgabenflut irgendwo unterzugehen.  jetzt bietet ihr nicht nur an, dass ihr mit eurer Methodik, mit eurem Software-Tool bei der Prozessdokumentation bei der Prozessdokumentation, ja, Entschuldigung, unterstützt, bei, beim Veränderungsprozess auch durch Coaching, durch Consulting, das Unternehmen beziehungsweise den öffentlichen Apparat mitnehmt, sondern ihr habt auch etwas, was ihr Referenzbibliothek oder Prozessbibliothek nennt. Was genau hat es damit auf sich?  Letztendlich ist jede Prozessmodellierung ein, ein, auch ein Prozess, der Zeit und Energie kostet. Und eine Referenzprozessbibliothek dient dazu, quasi durch die Nutzung von Beispielen und Vorlagen aus anderen Projekten, aus anderen Kontexten, den, den Modellierungs- und Veränderungsprozess zu verkürzen. Und das haben Untersuchungen gezeigt, wenn ich mit jemandem über ein Thema spreche, beispielsweise über die Anmeldung eines Gewerbes, und ich habe als Beispiel mitgebracht, wie eine andere Behörde ein Gewerbe anmeldet, dann verkürzt sich die Interviewdauer und die Erstellungsdauer für einen Geschäftsprozess bei einer weiteren Behörde um mehr als fünfzig Prozent. Und dabei ist es egal, ob das jetzt der beste Prozess ist, der einem einfällt oder ob das einfach nur ein Beispielprozess ist. Allein dadurch, dass man etwas hat, an dem man sich reiben kann, an dem man auch sagen kann: „Wie komisch ist das denn? Wir machen es viel schöner.“ Allein dadurch ist der Erstellungsprozess viel besser und deswegen ist der Hauptnutzen so einer Referenzprozessbibliothek, Zeitersparnis bei der Dokumentation und Analyse von Prozessen und eine Zeitersparnis von größenordnungsmäßig über fünfzig Prozent. Wie lange dauert das überhaupt, über einen Prozess zu diskutieren und ihn zu verändern? Das kann natürlich beliebig lange dauern, je nach Aufgabenbereich natürlich. Es gibt Prozesse, wo man in einem Eins-zu-eins-Interview in sechzig bis neunzig Minuten alle Informationen zusammengetragen hat. Das sind dann einfachere Verfahren- Also man holt verschiedene Mitarbeiter an einen Tisch und diskutiert mit ihnen den Gesamtprozess, weil jeder ja nur ein Teil des Prozesses ist? Richtig, genau. Und dann gibt es eben Prozesse, wo ein Mitarbeiter sozusagen alle Aufgaben aus einer Hand abwickelt. Und es gibt Prozesse, nehmen wir wieder das Beispiel Bauen, wo durchaus regelmäßig mehrere Akteure beteiligt sind und dann würde man eher eine, eine workshoporientierte Arbeitsweise wählen, in dem dann in einer Gruppe von vielleicht fünf bis acht Personen dann so ein Prozess von Antrag bis Bescheid in einer größeren Runde durchgesprochen wird. Und, so ein Workshop kann auch durchaus schon mal einen Tag dauern, für eine Ist-Erhebung, Analyse. Und wenn man dann in ein sogenanntes Soll-Konzept einsteigt, also Veränderungen diskutiert, dann kann man durchaus auch noch mal mehrere Tage investieren in so einem, in so einer Gruppe, bis man dann eine Verständigung erzielt hat über den zukünftigen Zustand. Um das jetzt am Thema Bauen noch mal abschließend zu haben: Da ist das Rathaus beteiligt, da ist die Polizei, unter Umständen die Feuerwehr im Bezug auf Wegerecht und so weiter beteiligt. Wer ist da noch alles beteiligt? Da ist das Hochbauamt beteiligt, das Tiefbauamt beteiligt, dann ist das Umweltamt beteiligt. Dann geht es darum, ob da vielleicht noch Gefahrstoffe, Stichwort irgendwelche Weltkriegsbomben gelegt sind, ist beteiligt. Dann ist vielleicht auch noch, je nachdem, wo es liegt, die obere oder untere Wasserbehörde beteiligt. dann gibt es vielleicht auch noch irgendwelche Dinge, die gebaut werden, Besonderheiten gewerblicher Art, dass es vielleicht Sondergenehmigungen braucht von einer, einer Landesbehörde, Landesamt für Naturschutz zum Beispiel, wenn sie um Ab– Einleitung von Abwässern in öffentliche Gewässer geht, zum Beispiel. Also da sind eine Reihe von Personen und Akteuren beteiligt und man nennt diese Beteiligungen immer TÖB, also Träger Öffentlicher Belange. Und das können bei größeren Bauvorhaben zehn, zwanzig bis zu dreißig verschiedene Akteure sein, die an so einem Bauvorhaben mitwirken. Und, das geht natürlich bei Bauprojekten hoch von dem, von dem Garagen, von der Garagenerweiterung eines Einfamilienhauses bis zum Flughafen. Und ich sage mal, die Verwaltungsprozesse hinter so einem Projekt wie eines Berliner Flughafens würden wir heute wahrscheinlich nicht so gerne diskutieren. Ja, das ist vielleicht auch noch mal ein abschließendes Stichwort. Das sind ja durchaus auch Projekte mit mehreren tausend Prozessen dahinter, mit mehreren TÜB, wie ich gerade gelernt habe. wie setzt man so ein Projekt auf? Also es ist ja nicht so, dass man sagen kann, ich hole mir jetzt einen Mitarbeiter eines externen Prozess-Experten-Unternehmens, wie beispielsweise von euch, von der Picture, und dann gut ist, sondern das ist ja ein, ein größeres Projekt, was dann die Verwaltung auch durchzuführen hat. Also ganz genau ist es so, dass externe Unterstützung immer nur dazu dienen kann, Anschub zu geben und Anleitung zu geben. Die Arbeit und vor allem auch das kontinuierliche Prozessmanagement sollte in der Behörde dauerhaft verankert werden. Das erfordert Ressourcen, und zwar sowohl von der Menge her, also an Stellen, an Teilen und auch an Qualifikation. Sozusagen einen internen Prozessmanager oder Prozessmanagerin, die sozusagen für das Thema steht. Und wie man immer so schön sagt: Einer muss die Mütze aufhaben und auch für das Thema muss es jemand in der Organisation geben, der die Mütze aufhat. Und diese Person, die ist regelmäßig in den Organisationsbereichen, sagen wir mal, Organisation, Personal, IT, also im klassischen Querschnittsbereich, aufgehangen, manchmal auch als Stabstelle. Und so eine Organisationseinheit ist im Grunde unabdingbar, damit das Thema auch nachhaltig funktioniert.  Kannst du uns abschließend noch mal ein paar Tipps geben? Auf was muss man beim Geschäftsprozessmanagement besonders achten? Gibt es da irgendwelche Erfolgsfaktoren? Ja, also erst mal Begriffsdefinitionen, also klarstellen, worüber reden wir? Was ist für uns ein Kernprozess? Was ist ein Serviceprozess? Mit welchen Begriffen arbeiten wir? Ist es hilfreich, bevor man mit einzelnen Prozessen anfängt, erst mal sich so eine Prozesslandkarte als Überblick zu erstellen, vielleicht eine Prozessregister aufzubauen? Was haben wir für Prozesse? Und erst dann ins Detail zu gehen. Wenn man ins Detail geht, ist es bei Prozessen ganz wichtig, die Systemgrenzen festzustellen. Das heißt, festzustellen, wo fängt ein Prozess an und wo hört er auf. Vielleicht da noch ein Beispiel zu: Wenn man über eine Beschaffung redet und über das Ende einer Beschaffung, dann würde jemand sagen: „Ja klar, die Beschaffung endet, wenn die Ware geliefert ist.“ Der nächste würde sagen: „Ne, ne, die Beschaffung endet, wenn die Rechnung bezahlt ist.“ Und der dritte würde sagen: „Ja, ja klar, die, Beschaffung ist zu Ende, wenn die Ware abgeschrieben ist.“ Und das meine ich als Hinweis im Prozessmanagement auf die Systemabgrenzung, auf gemeinsames Verständnis, auf gemeinsame Sprache besonderen Wert legen. Und da sind natürlich solche methodischen Besonderheiten, wie ich sie mit Picture-Methode oder auch mit diesem Ansatz von Prozessbibliotheken genannt habe, ein wichtiger Baustein und ein wichtiges Hilfsmittel, um so was sicherzustellen. Ja, ich glaube, das Thema wird uns noch viele, viele Jahre begleiten. Ich würde dich auch gerne in einiger Zeit noch mal in den Podcast holen, um einfach zu berichten: Wie verändert sich jetzt tatsächlich die Verwaltung? Du hast es jetzt ja schon zehn Jahre aufgezeigt, diese zweite Welle der Digitalisierung, die wir vielleicht seit 2012, ’13 haben. Die schlägt natürlich auch gerade vor dem Hintergrund demografischer Wandel noch mal ganz anders zu, insbesondere auch in der öffentlichen Verwaltung. Ich habe abschließend ein paar Fragen noch an dich, unsere Blitzlichtrunde, um jetzt auch noch mal den Lars Alger missen ein bisschen in den Vordergrund zu holen. Du hast ja einen ganz spannenden Beruf mit vielen, vielen Menschen, mit denen du tagtäglich zu tun hast. Warum bist du beruflich das geworden, was du heute bist, letztendlich? Gut, also das ist letztendlich einem Praktikum zu verdanken, was ich Anfang 2000 gemacht habe bei einer großen bekannten Unternehmensberatung, wo mein erster Auftrag in einer europaweiten Studie zur Verbreitung von elektronischen Verwaltungsdienstleistungen bestanden hat. Und darüber bin ich an das Thema gekommen, habe selber meine Diplomarbeit zu dem Thema verfasst, Anfang der 2000er, und hatte dann die Gelegenheit und durfte in meiner Rolle als wissenschaftlicher Mitarbeiter das Themenfeld Prozessmanagement im öffentlichen Bereich eben auch selber aufbauen und weiterentwickeln und darüber hat es das sich eben verstetigt und verstärkt. Dein größter bisheriger beruflicher Erfolg? Also ich denke, so als Unternehmer so die ersten fünf Jahre überstanden zu haben und zu merken: „Oh, es funktioniert ja und uns gibt es immer noch.“ Das war so nach den ersten vielen intensiven Jahren irgendwie eine sehr befriedigende Erkenntnis. Ist ja nicht nur, dass es euch noch gibt, sondern dass ihr auch kräftig am Wachsen seid und, euer Potenzial eigentlich immer weiter vervielfacht. Wir sind fleißig dabei. Also wir versuchen natürlich, mit unseren Methoden und Dienstleistungen weiter Fuß zu fassen und sind eben ganz zufrieden, was so Bekanntheitsgrad und Durchdringung im öffentlichen Sektor angeht. Gibt es da besondere Eigenschaften, die du hast, die man an der Stelle besonders gut brauchen kann? Also ich glaube, es gibt zwei Dinge. Es gibt einerseits meine Eigenschaften, die als Unternehmer wichtig sind. Das ist so was wie Innovationskraft, Durchhaltevermögen, Motivation Motivationsfähigkeit auch für andere und auch für sich selbst, Ideenreichtum et cetera, Umsetzungskraft. Und dann kommt es noch zur Branche und wenn man in der Branche unterwegs ist, braucht es viel Verständnis, Empathie, viel Geduld, auch ein Durchhaltevermögen. Und ich glaube, so das lässt sich in den Punkten so verdichten.  Jetzt ist das ja etwas, was permanent im Umbruch ist. Das heißt, wir sind eigentlich dabei, permanent uns weiterbilden zu müssen. Gibt es bestimmte Bücher, bestimmte Inhalte, die du empfehlen kannst beruflich oder privat, die dich auch selber vorangebracht haben? Ja, also einerseits möchte ich natürlich jedem interessierten fachlichen Hörer das Buch empfehlen: „Prozessorientierte Verwaltungsmodernisierung“ nicht ganz uneigennützig als Teilautor dieses Ganzen. Das beschreibt die Methodik, äh…Des Prozessmanagements in Bezug auf die Branche öffentlicher Sektor, sehr umfassend und detailliert, wie ich finde. Das möchte ich natürlich empfehlen. Und in so ’nem privaten Kontext, auch beruflich, bin ich großer Fan von Sprache, Sprachmustern und dem konstruktiven Umgang mit Sprache. Und da möchte ich ein Buch empfehlen, das dann da auch heißt: Die Kraft der Sprache von Mechthild Roswitha Scheuer-von Deversdorff. Ich wiederhole noch mal: Mechthild Roswitha Scheuer-von Deversdorff. Die Kraft der Sprache, was sehr viel hilft im Umgang, in Gesprächen, im Privaten sowie im Beruflichen, einfach durch die passende Wahl und die bewusste Wahl von Sprache und Wörtern, Kommunikation deutlich zu vereinfachen. Das kann ich thematisch und branchenübergreifend ganz gut empfehlen. Ich persönlich les das regelmäßig noch mal durch. Wer es jetzt nicht verstanden hat, wie die Autorin heißt, wir verlinken die Bücher natürlich wieder in den Show Notes beziehungsweise auf der Webseite, der Folgen-Webseite unter www. erp-podcast. de. talking about Internet: Gibt es bestimmte Internetdienste, die du sehr, sehr häufig nutzt, die dir persönlich im Alltag weiterhelfen? Internetdienste. Ja, also ich meine, ein sehr häufiger ist tatsächlich Wikipedia. Das sag ich ganz offen. Wenn es das nicht gäbe, wären viele Informationsrecherchen aufwendiger. Das ist, denke ich, keine Überraschung. und ansonsten ist tatsächlich so, dass ich sehr viele Newsletter aus bestimmten Fachmedien abonniert habe, beispielsweise den Behördenspiegel als branchenspezifisches Fachmedium, was ich sehr interessant finde. Und ansonsten als Wirtschaftsinformatiker lese ich natürlich immer den Heise-News-Ticker. (lacht) Wenn du jetzt an den öffentlichen Dienst, an die öffentliche Verwaltung denkst, wie wird sich die Berufswelt in diesem Umfeld in den nächsten zehn Jahren nach verändern? ein sehr hoher Grad an Spezialisierung. es wird wahrscheinlich auch mehr Gehalt zu verdienen geben, weil mehr Nachfrage und weniger Angebot in dem Bereich. Und die Herausforderung wird sein, tatsächlich einen umfassenden Aufgabenbestand, flexibel und unter Einsatz verschiedener digitaler Hilfsmittel abwickeln zu können. Digitale Hilfsmittel heißt ja auch das zentrale Datenfundament Unternehmenssoftware letztendlich auch. Äh, wenn du an Unternehmenssoftware in deinem Bereich denkst, vor welchen Herausforderungen stehen die zukünftig ganz besonders? Tja, also aktuell sehe ich gerade im öffentlichen Bereich so das Thema Datenschutz und Datensicherheit als große Herausforderung. Also sehr viele skeptische und auch teilweise verängstigte Entscheiderinnen und Entscheider, die angesichts vieler öffentlicher Skandale einfach sehr viel Wert drauf legen auf absolute Datensicherheit, Datenverfügbarkeit, Datenkonsistenz und so weiter. Es gibt jetzt auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung Ende Mai und das wird eine große Herausforderung für Softwareanbieter, immer auch die normativen Rahmenbedingungen wie Datenschutzverordnung mit zu berücksichtigen. Ich glaube, das ist, etwas, wo wir noch viele, viele Jahre drüber ja, auch nachdenken werden, weil es immer neue Anforderungen aus diesem Bereich gibt. Ich glaube, wir haben mal einen spannenden Einblick in das Thema Prozessmanagement mit dir, lieber Lars bekommen können. Dafür danke ich dir ganz herzlich. wie immer ist es so, dass die letzten Worte unserem Studiogast gehören. ja, die letzten Worte deinerseits, lieber Lars. Ja, also ganz, ganz vielen Dank für die Möglichkeit, hier ein wenig von meiner Erfahrung hier kundtun zu dürfen. Und, ja, ich würde mich freuen, wenn jemand in den Dialog einsteigen möchte zu diesem Thema, mich auch gerne anzusprechen. Und ansonsten vielen Dank für die Gelegenheit, hier Interviewpartner zu sein und ich wünsche viel und gutes Gelingen für deinen Podcast. Herzlichen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www. erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.