Wie viel Ziel und Plan ist für die Umsetzung tatsächlich notwendig? Im zweiten Teil dieser ERP-Podcast-Folge spreche ich mit der strategischen IT-Management-Beraterin Petra Koch über die Umsetzung von IT-Strategien, den dafür notwendigen Werkzeugkoffer und die Veränderungen in der Welt des CIOs.
Viel Vergnügen.
Webempfehlung:
Literaturempfehlung:
- Osterwald, A. et al.: Business Model Generation: Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer. 2011
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, strategisches IT-Management mit Petra Koch, Geschäftsführerin der id cubic GmbH, zweiter Teil. Wie viel Ziel und Plan ist für die Umsetzung tatsächlich notwendig? Im zweiten Teil dieser ERP-Podcast-Folge spreche ich mit der strategischen IT-Management-Beraterin Petra Koch über die Umsetzung von IT-Strategien, den dafür notwendigen Werkzeugkoffer und die Veränderungen in der Welt des CIOs. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Heute der zweite Teil eines Interviews zum Thema strategisches IT-Management mit Petra Koch, Geschäftsführerin der is cubic GmbH.
Und Frau Koch, wir sprechen nicht nur über ein wahnsinnig spannendes Thema. Wir haben hier auch eine Premiere im ERP-Podcast, habe ich festgestellt, denn Sie sind Wirtschaftsinformatikerin und damit nicht nur ein von mir besonders geliebtes Exemplar als Wirtschaftsinformatikprofessor, sondern Sie sind auch zugleich der erste weibliche Studiokost, den ich habe. Und darüber freue ich mich ganz besonders.
Herzlich willkommen zurück bei uns im ERP-Podcast. Ja, vielen Dank. Ich freue mich, da zu sein.
Mögen Sie sich noch mal kurz vorstellen, wir haben das letzte Woche zwar schon gemacht, aber ich weiß nicht, ob jeder so zugehört hat und vielleicht jetzt erst einschaltet, wer ist Petra Koch? Ja, kann ich gerne machen. Ich würde es einfach ganz kurz und knapp halten. Ich bin Wirtschaftsinformatikerin, das hatten Sie ja schon gesagt, auch Fachinformatikerin der Fachrichtung Anwendungsentwicklung.
Habe dann im Laufe meiner Berufsjahre noch ein MBA hinzugefügt über ein Fernstudium und bin seit nunmehr über zehn Jahren in der Unternehmensberatung tätig. Jetzt selbstständig als Geschäftsführerin der id cubic GmbH mit dem Schwerpunkt IT-Strategieberatung, also strategisches IT-Management, Systeme zur Entscheidungsunterstützung und dem Bereich digitale Transformation. Ja, ich denke, das reicht als kurzer Einstieg.
Ich habe auch einen Podcast, also den CIO-Podcast. Wer mag, darf da natürlich gerne reinhören. Genau, und ich habe letztes Mal schon gesagt, mich hat das sehr begeistert, mit welcher Klarheit Sie, aber auch Ihre Studiogäste bei Ihnen, also sozusagen unter Ihrer Regime, das Thema CIO bearbeiten.
Und deswegen habe ich Sie auch eingeladen. Wir haben ganz viel gesprochen über IT-Strategie beim letzten Mal. Wir waren stehen geblieben bei der Forderung nach der innovativen IT-Organisation, hatten so ein bisschen aufgezeigt den Spagat auch zwischen ärmelschoner Mentalität, also Dinge am Laufen halten und gleichzeitig die Anforderung, neue Dinge zu erbringen.
Und Sie haben ja in der letzten Woche ein Stichwort gegeben, dass es Stellen gibt, an denen ich Innovation vielleicht auch besonders gut walten lassen kann. Können Sie uns ein paar Beispiele nennen aus Ihrer Erfahrung auch heraus? Wo sind Stellen, die sich besonders gut dafür eignen, Dinge neu zu machen und damit vielleicht auch das Unternehmen zu verändern? Also was auf jeden Fall, denke ich gerade, wenn man jetzt über die innovativen Themen redet, was auch Unternehmen hilft, die Sachen neu zu gestalten, ist natürlich die Kundenschnittstelle. Immer das Erste, was mir da einfällt.
Also wenn ich natürlich über digitale Geschäftsmodelle nachdenke, über innovative Themen, dann sollte man den Kunden nutzen, in den Vordergrund stellen und überlegen, was kann ich denn mit IT-Systemen, die ich jetzt schon im Unternehmen habe, aber auch mit welchen, die ich natürlich noch implementieren möchte, dem Kunden für Nutzen bringen und für Services anbieten, die vielleicht so ein bisschen peripher zum jetzigen Geschäftsmodell liegen, aber durchaus natürlich sehr, sehr interessant sein können. Also ich sage mal, da gibt es ja einige Themen, wo Unternehmen, ich sage mal, die vielleicht, weiß ich nicht, Kaffeemaschinen herstellen, dann plötzlich überlegen, na ja, was kann ich denn mit so einem Portal, was ich den Kunden bereitstelle, noch alles an Services liefern, die da drumherum gehen. Oder nehmen Sie diese schönen klassischen Küchengeräte, die irgendwie Mahlzeiten zubereiten, ganz automatisch.
Ich nenne jetzt extra keine Namen, aber die haben natürlich auch so ein ganzes Portal drumherum, wo ich Speisepläne zusammenstellen kann, wo ich dann vielleicht irgendwann, wenn es noch ein bisschen weiter fortgeschritten ist, eine Schnittstelle zum Kühlschrank existiert, der dann automatisch die Ware einkauft, die ich dazu brauche, um dieses Essen zuzubereiten. Und ich denke, das ist halt das, wenn man über strategische Themen nachdenkt, man sich gedanklich einfach mal in diese Sphären begeben sollte, um mal zu gucken, was ist denn heute schon möglich, vieles geht heute schon, und was ist zukünftig realistischerweise möglich, also wie kann ich das einschätzen, um dann eben zu gucken, wie man sich damit beschäftigt. Also zum Beispiel so ein Trendradar, das machen einige große Unternehmen, da weiß ich das sicher, dass die das tun, die beobachten die Trends, die technologischen, und bewerten die, ob das fürs Unternehmen gerade schon was ist, was die einfach nur beobachten, oder was die schon ausprobieren, oder eben dann direkt auch schon implementieren mit Beispielfällen, oder sind in der Regel Sachen, die die Kundenschnittstelle betrifft, wo ich Mehrwerte für Kunden liefere, und darüber natürlich auf die Zeit gesehen entweder Daten generiere, die mir natürlich helfen, meine echten Services, die ich verkaufe, besser zu machen, oder womit ich mit den Daten schon eine neue Einnahmequelle bekomme.
Also jetzt nicht Daten verkaufen in dem Sinne, sondern einfach diese Daten zu nutzen, um wieder Services bereitzustellen, die kostenpflichtig sind für den Kunden. Sie liefern, darf ich eben ganz kurz, Sie haben so ein schönes Beispiel, was ich auch gerne verwende, auch in der Küche, das Gerät, was alles kann, insbesondere mixen, außer fliegen, und was seit vielen Jahren hier in Deutschland ein riesen Erfolg ist. Ich habe damals schon gesagt, okay, was wir hier eigentlich sehen, ist sozusagen eine Prozessstandardisierung auf hoher Qualitätsniveau.
Also Sie können natürlich irgendwo ins Sternerestaurant gehen und sich vom Sternekoch verwöhnen lassen, Sie werden das aber zu Hause sozusagen nicht aus dem Kochbuch so hinbekommen. Das Pendant ist dann die Tütensuppe, das ist halt qualitativ ein anderes Ergebnis, und genau dort schlägt dann eigentlich so eine Maschine auf, die Ihnen Schritt für Schritt sagt, jetzt musst du das machen, jetzt musst du das machen, nochmal drei Minuten links rühren und dann 100 Grad und dann ist fertig. Ich habe damals schon gesagt, das ist eigentlich ein tolles Teil, hier sehen wir genau das, was wir auch in der Wirtschaftsinformatik immer diskutieren, Standardisierung von einzelnen Aktivitäten, aber dieses Teil ist unvollkommen, denn es ist eigentlich, wenn ich es richtig begreife, ein ideales Tool, um sozusagen als Intermediär zwischen Angebot und Nachfrage zu agieren, und dann war eigentlich der nächste Schritt, den diese Firma gemacht hat, ich habe mit der nicht gesprochen, aber sie haben dann ein WLAN-Modul sozusagen spendiert und ein Kochrezepte-Portal, auf dem man dann für eigentlich verhältnismäßig teuer Geld Kochrezepte kaufen kann, und der übernächste Schritt war dann, den ich auch prognostiziert habe, dass man mit irgendjemandem sozusagen zusammenarbeitet, der dann die Ware kommissioniert und dem Nachfrager zur Verfügung stellt.
Das kann man auch weiter treiben und plötzlich hat man dann tatsächlich einen vollwertigen Intermediär, der eigentlich auch noch steuert, wo der Konsument, der eben sich was kochen möchte, seine Ware erwirbt. Und damit bin ich natürlich sehr stark auf einer strategischen Ebene, und da stellt sich für mich die Frage, wenn ich so eine Firma betrachte, ist das wirklich die IT-Abteilung, die solche Gedanken treibt, die solche Gedanken dann auch in die Entwicklung gibt, oder ist das irgendein pfiffiger Geschäftsführer, der sich das ausdenkt, oder die Produktentwicklungsabteilung und die IT läuft eigentlich nur hinterher? Wie funktioniert so etwas? Also da würde ich sagen, also in dem einzelnen Beispiel weiß ich es jetzt nicht, aber ich würde sagen, generell, wenn man sowas beobachtet, ist es halt das gute Zusammenspiel. Und das stellen wir eben auch ganz häufig fest, dass es nicht mehr diese klassischen Silo-Abteilungen sind, sondern um solche Services bereitzustellen, muss da eben auch eine Zusammenarbeit, die abteilungsübergreifend ist, stattfinden.
Und da kann natürlich der ITler punkten und der CIO punkten, indem er da das technologische Wissen mit reinbringt und sagt, was geht. Da kann der Vertriebler punkten und sagen, ja, das wird der Kunde bestimmt nachfragen. Die Marketingabteilung kann das clever verpacken.
Und die Produktion und Logistik schaut, wie man entsprechende Anbindungen zu entsprechenden Herstellern schafft, die dann entsprechende Kunden beliefern direkt. Und wenn ich das alles gemeinsam in so ein Portal einbinde, dann habe ich natürlich ein, ich sage jetzt in Anführungsstrichen, digitales Produkt geschaffen, was ich zusätzlich zu meinem physischen Produkt ausliefern kann. Und habe da natürlich einen entsprechenden Mehrwert, was vielleicht andere Hersteller von, in dem Fall jetzt Küchengeräten, noch nicht haben.
Und damit habe ich einen Wettbewerbsvorsprung. Und erst mal generiere ich Marktanteile. Das ist ja wieder quasi der Vorteil eines innovativen Unternehmens, dass ich dann entsprechend in die, oder mir selber einen gewissen Markt vielleicht auch sogar schaffe, im besten Fall.
Das haben wir ja auch in der IT-Branche schon häufig erlebt. Also das Smartphone zu entwickeln, das war ja was, was es vorher nicht gab. Und das sind natürlich Sachen, die da wichtig sind.
Und viel wird dann die Digitalisierung oder die IT-Thematik häufig auch beschränkt auf Unternehmen dieser Branchen. Und ich würde das viel weiter fassen. Also wie man jetzt sieht, es ist ein Küchengerätehersteller oder es gibt Maschinenbauunternehmen, die entsprechend über entsprechende Module oder RFID-Chips oder Funkmodule in ihren Produkten nachdenken, um das eben besser zu vernetzen.
Und das geht eigentlich über alle Branchen hinweg. Ich selber habe mal in Folge 40 ist es, glaube ich, müsste ich nachschauen, aber verlinke ich auch in den Shownotes, meine eigene Familiengeschichte Klavierbau so ein bisschen nachvollzogen und wie eigentlich die digitale Transformation dort eingesetzt hat. Sehr, sehr viel früher, als das in anderen Branchen sicherlich ist.
Weil digital heißt nicht unbedingt nur 1 und 0, sondern heißt halt auch die Automatisierung, die Standardisierung von bestimmten Dingen. Und das hat halt im Klavier- oder im Musikbereich mit der Schallplatte vorher dem Polyphon sehr, sehr viel früher angefangen. Hat aber dazu geführt, dass wir heute sowas wie Spotify und so weiter letztendlich haben.
Und jetzt gehen diese Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen, ich sage was, Bergbau, Straßenbau, Stahlhandel und so weiter hin und sagen, IT, wir müssen eine digitale Transformation machen. Was bedeutet das aus Ihrer strategischen Sicht und wie manage ich letztendlich auch so ein digitales IT-Transformationsprogramm? Also das ist ja zum einen genau die Frage, also was ist das Ziel, was der Stahlbauer, der Baukonzern damit erreichen möchte? Wo wollen die sich hin entwickeln? Und Sie hatten ja eben dieses Musikbeispiel gesagt und vom Klavier hin im Grunde zum Musiknutzenbeispiel. Und da ist ja dann vielleicht die Frage, wie nutze ich denn eigentlich Stahl oder wie nutze ich ihre Baudienstleistungen und zu welchem großen Gesamtbild wird das nachher hinzugefügt? Und was kann ich als Add-ons liefern, digitaler Services oder sonstigen Themen, die das ganze, in Anführungsstrichen, Kundenerlebnis besser machen? Und in die Richtung würde ich dann denken und schauen, okay, was sind die IT-Services, die wir dann entwickeln können, im Einzelfall, in der Einzelfirma ganz konkret und dahingehend das aufbauen und ausprobieren.
Und gerade bei den Themen, wo das jetzt vielleicht noch eine Branche ist, die heute in der heutigen Welt eher noch, in Anführungsstrichen, analog unterwegs ist, da auch so Piloten zu starten. Und da ist ja das Schlagwort, auch schnell Geschwindigkeit aufzunehmen, also Sachen auch auszuprobieren und zu gucken, ob das funktioniert. Das heißt, wenn ich eine Strategie entwickle, Sachen zu identifizieren, mit denen ich schnell loslegen kann und die dann auch wirklich in den Markt zu bringen, also so ein Portal mal zu starten oder eben so einen digitalen Service mal zu entwickeln.
Und vor allen Dingen parallel auch, Sie sagen das ja auch immer in Ihrem IAP-Podcast, das finde ich auch extrem wichtig, das Datenfundament mitwachsen zu lassen. Ich muss auf der einen Seite meine Hausaufgaben machen, sage ich jetzt mal, in der IT, die ich jetzt schon habe, damit ich auch ein Fundament und eine Basis habe, auf der ich dann das alles, was ich neu erwerbe und entwickle, verwalten kann. Weil nichts Schlimmeres, als dass Sie nachher zwei Welten haben, die völlig autark nebeneinander laufen.
Also die müssen vereint sein oder zumindest Schnittmengen irgendwo haben, wo sie Daten austauschen. Und ich denke, selbst da kann man gewisse Sachen mit Sicherheit optimieren, die auch in den bestehenden Datenfundamenten Mehrwerte bringen und dann die Basis legen für die digitalen Geschichten. Und dann habe ich eben die Herausforderung, diese Transformation zu begleiten.
Also da ist natürlich häufig der Punkt, dass die Mitarbeiter ja lange Jahre im Unternehmen sind, jetzt auch im Mittelstand gerade, und dann sich natürlich fragen, naja, was soll das jetzt? Warum machen wir jetzt alles anders als vorher? Brauchen wir doch nicht, wollen wir doch nicht. Das heißt, die Aufgabe des Managements ist auch an der Stelle, klar und deutlich verständlich zu machen, warum man sich jetzt ändern muss. Also auch wenn das Unternehmen heute noch Gewinne macht und vielleicht super gut dasteht, heißt es ja nicht, dass es die auch in 2, 3, 4, 5 Jahren macht, wenn es sich nicht bewegt, also wenn es sich gar nicht entwickelt und wandelt.
Und man sagt ja nicht umsonst, auch Stillstand ist im Grunde schon Rückschritt, weil rechts und links kommen eben neue Marktteilnehmer oder eben heutige Marktbegleiter, die dann vielleicht schon schrittschneller unterwegs sind. Und Sie sagten das ja über die Familiengeschichte auch, Klavierbau. Und heute hat man Spotify und nutzt im Grunde nur noch die Musik.
Und da ist eben die Frage für ein Bauunternehmen, was sind die Baudienstleistungen, die ich anbieten kann? Zum Beispiel einfach mal was Konkretes, dass ich mir den Bau mit der 3D-Brille vorab schon angucken kann. Dass ich eigentlich durch mein Bauwerk, was ich da bauen will, vorweg schon durchlaufen kann. Und ich kann mir das schon ausstatten und einrichten.
Wenn ich denen Service bieten würde, dann passiert es ja auch, dass die Leute sich das schon vorstellen können und sagen können, ja, genau so will ich das. Und nicht, dass ich nachher ein Gebäude gebaut habe und die Leute sagen, die Ecke habe ich mir doch irgendwie größer vorgestellt. Oder da hätte ich doch lieber anders gemacht.
Sondern dass man eben schon die Technologie, die man heute zur Verfügung hat, nutzt, um diesem Service für den Kunden zu bieten, zum Beispiel sich per 3D-Brille oder HoloLens, oder wie sie alle heißen, das Bauerlebnis schon vorher anzugucken. Und dann geht man mit einem viel sichereren Gefühl in solche Projekte auch rein. Gibt es, wenn Sie zu solchen Projekten dazu geholt werden, also man die Veränderung auch bewusst anstoßen möchte, sich bewusst eine strategische Zielsetzung auch für die IT, die letztendlich dahinter liegt, hinter den Geschäftsmodellen geben möchte, gibt es dann Methodenkoffer? Gibt es da bestimmte Bausteine, die Sie mitbringen oder an die man denken muss bei so einer Strategie? Ja, also Methodenkoffer ist auf jeden Fall immer mit im Gepäck, allein schon durch die Berufserfahrung natürlich.
Es ist aber jetzt nicht so, dass jede Methode auf jedes Unternehmen passt, sondern das muss man eben genau nach so einer kurzen Ist-Analyse entscheiden, welche Methodiken sich da am besten eignen. Und da ist jedes Unternehmen und der Kontext auch immer so ein bisschen individuell. Ich sage mal, im einen Unternehmen ist eher die Herausforderung, das Inhaltliche zu ermitteln.
Im anderen Unternehmen ist vielleicht eher die Herausforderung, die Organisation zu verändern oder auch dann diese Transformation zu begleiten, damit die Mitarbeiter den Sinn und den Zweck verstehen und eben auch mitziehen. Und da gibt es natürlich dann entsprechende Methodenkoffer für jede einzelne Fragestellung, ganz klar. Und vieles ist, muss ich einfach auch dazu sagen, Erfahrung und auch vieles Bauchgefühl.
Also, das klingt vielleicht in der IT-Welt häufig ein bisschen absurd oder paradox, aber es ist ja ein Geschäft mit Menschen und jeder Mensch ist auch verschieden. Und es ist dann auch die Frage, wie man mit den Leuten spricht und ob man auch die Sorgen versteht und eben auch sagen kann, okay, das sind auch die Antworten, die wir liefern können. Ich hatte zum Beispiel schon mal eine Situation, wo es darum ging, ein spezielles Data-Management-System einzuführen.
Und es war ein hoher Entscheider, der wollte eigentlich die Entscheidung seines restlichen Management-Teams nicht wirklich mittragen. Und in Gesprächen hat man eben dann herausgefunden, dass man gar nicht so weit auseinanderliegt. Er hatte eben zwei, drei Punkte, die ihn gestört haben, und die hat man berücksichtigt.
Und da hat man eben Konsens gefunden und schon war die ganze Sache wieder in Gang. Und ich glaube, das ist halt ganz wichtig, dass man keinen unterwegs verliert, sondern dass man die Leute dann tatsächlich auch mitnimmt und auch überlegt, was sind denn die Ausgangssituationen der einzelnen Leute. Weil jeder hat ja natürlich seine eigenen Gedanken und Ziele zu bestimmten Themen und dass man das mit einbezieht.
Und ich glaube, das ist halt gerade in so einem strategischen Thema, und wenn man das wirklich ernsthaft betreibt als langfristiges Strategieprojekt, mit einer der wichtigsten Faktoren, dass man da die Leute entsprechend mitnimmt auf der Reise. Jetzt sind wir hier im ERP-Podcast und natürlich ist das Unternehmensdatenfundament, ist ERP, ein wesentlicher Moment, wenn Sie solche innovativen, strategischen Projekte angehen. Inwieweit ist da das ERP-System Treiber oder vielleicht teilweise auch Showstopper für solche Projekte? Sowohl als auch.
Also ich habe schon beides erlebt. Sowohl Treiber, dass man sagt, also weil das ERP-System ausgetauscht beziehungsweise modernisiert werden soll, startet man ein Strategieprojekt. Das gibt es auch häufig, weil es eben mehr so der Kern des Unternehmens ist und man möchte sich da sicher sein, dass man die richtigen Entscheidungen trifft, auch für die zukünftigen Jahre.
Also es kann da Treiber sein und Auslöser. Andersrum, Showstopper habe ich auch schon erlebt. Bei ganz, ganz alten Systemen, muss man leider sagen, wenn man jetzt strategisch versucht, natürlich was ganz Innovatives zu machen und ich habe im ERP-Bereich oder im Kernsystembereich habe ich noch Mainframe-Lösungen und ganz, ganz alte Geschichten, dann habe ich natürlich, wenn ich da jetzt versuche, Internetapplikationen dran zu stöpseln, habe ich natürlich ein technologisches Thema einfach, weil die Geschwindigkeit eine ganz andere ist, mit der beide Sachen verändert werden und Release-Zyklen komplett anders sind und so weiter.
Da habe ich natürlich eine Fragestellung, wie baue ich etwas, damit die zwei Systeme zumindest übergangsweise miteinander sprechen können, bis man in einem großen ERP-Projekt dann das andere Thema so weit auf eine moderne Plattform gehoben hat, dass es wieder funktioniert und dass die zwei Systeme direkt miteinander sprechen können. Also das erlebt man beides sehr, sehr häufig, auf jeden Fall. Und da gibt es dann auch die diversesten Konstrukte, wie man über Datentöpfe und Austauschdienste sicherstellen kann, dass eben die Daten und das Datenfundament trotzdem bestehen bleibt und man aber natürlich auch die strategischen Ziele erreichen kann.
Dauert im Zweifelsfall dann ein bisschen länger, aber es funktioniert. Frau Koch, es macht wahnsinnig viel Spaß, mit Ihnen zu diskutieren. Ich würde gerne noch mal auf Sie als Person zurückkommen.
Man merkt ganz viel Kompetenz, ganz viel Erfahrung, die Sie mitbringen, sicherlich auch eine gewisse Ruhe, die Sie in solchen Projekten ausstrahlen, die, glaube ich, gerade für Veränderungsprojekte sehr, sehr wichtig sind. Sind das auch Gründe, warum Sie diesen Weg eingeschlagen haben? Ja, also generell das Arbeiten und dieses fachliche Thema macht mir sehr viel Spaß und auch eben die Unternehmen dabei zu begleiten, diese doch größeren und kleineren Herausforderungen dann auch zu meistern. Das ist auf jeden Fall was, was mich motiviert und eben auch dazu bewogen hat, den Weg zu gehen.
Und wenn Sie so zurückblicken, was war Ihr größter beruflicher Erfolg bislang? Ui, das ist eine schwierige Frage. Ja gut, ich habe so die Erfahrung gemacht, es sind so die vielen kleinen Schritte, die einen dann irgendwie nachher zu einem gewissen Erfolg bringen, den man dann irgendwie hat. Also so den einen großen Schritt wüsste ich jetzt gar nicht.
Bei mir waren es eher so die vielen aneinandergereihten kleinen Schritte, würde ich sagen. Okay, das heißt ja auch, dass Sie sich permanent irgendwo weiterbilden müssen, sich in neue Dinge einarbeiten müssen. Gibt es bestimmte Bücher, die Sie unseren Zuhörern empfehlen können? Ja, sicherlich.
Also vor allen Dingen, denke ich ja auch, wenn man sich mit strategischen Themen beschäftigt, ist das Thema Geschäftsmodellentwicklung sehr, sehr wichtig. Was ich da sehr spannend finde, ist das Business Model Canvas Buch. Also das finde ich auf jeden Fall sehr, sehr lesenswert und auch ausprobierenswert.
Also das ist ja so eine Workshop-Anleitung mehr oder weniger, wie man selber eben sowas auch entwickeln kann. Also ich denke, das würde ich auf jeden Fall empfehlen. Und ich sage mal, die klassischen IT-Standardwerke, die es halt so gibt, die kennt aber wahrscheinlich ja jeder schon, der ihren Podcast hört.
Also den Winkelmann, meint Sie? Oder den Hansen? Bitte? Genau. Also das ist den Leuten ja schon bekannt. Gibt es Internetquellen, über die Sie sich tagtäglich informieren? Ich lese tatsächlich die einen oder anderen IT-Blogs.
Ich höre allerdings doch mehr Podcasts. Also insofern den Herrn Sieber, den haben Sie ja auch schon interviewt. Das ist auf jeden Fall was, was ich sehr gerne lese, ist der Confare-Blog, weil das auch eigentlich so ein ganz bunt gemixter Informationsaustausch ist, den der Michael Gitzow da bereitstellt.
Also der interviewt natürlich auch sehr, sehr viele CIOs und sehr interessante Personen aus der IT-Welt. Und insofern, da lese ich immer mal rein. Ja, und sonst eben auch was aus dem Netzwerk bei mir dann über die Social-Media-Kanäle so an Themen kommt.
Das gucke ich natürlich auch. Wenn Sie sich jetzt mal die IT-Abteilung angucken, den CIO angucken, die Strategie, die gefahren wird, digitale Transformation, da verändert sich ja unglaublich viel zur Zeit. Ich gebe Ihnen mal eine Glaskugel an die Hand.
Wie sieht das in fünf bis zehn Jahren aus? Ja, wenn man das wüsste. Also ich denke auf jeden Fall, dass sich die IT-Themen mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit verändern werden, dass wir sicherlich alle sehr viel vernetzter noch mal interagieren werden, sowohl beruflich als auch privat. Also dass die Dienste noch mehr in Echtzeit stattfinden.
Und das ist, glaube ich, auch eine große Herausforderung für einige Unternehmen. Also ich sage jetzt mal ein Beispiel. Wenn ich dann irgendwo durch die Stadt laufe und an einem Schaufenster vorbeigehe, dass dann zack, entweder per Head-up-Screen oder über mein Smartphone eine Nachricht kommt.
Guten Tag, Frau Koch, Sie haben doch letztens da und danach gesucht. Übrigens, wir haben das hier im Laden stehen. Also ich sage mal, für den einen ist das vielleicht eine Horrorvorstellung, aber ich denke für die einen oder anderen ist es gar nicht so weit weg.
Also wie das jetzt im Konkreten einzeln aussieht, ob das alles gut oder schlecht ist, das mag ich gar nicht zu beurteilen. Aber ich denke, dass es sehr viel vernetzter sein wird und sehr viel mehr an Geschwindigkeit noch dazu kommt. Ist das die wesentliche Herausforderung, die das Datenfundament, die insbesondere ERP vielleicht auch für die Zukunft haben wird? Durchaus, durchaus.
Also weil es ist ja in vielen Firmen heute noch ein eher starreres, monolithisches ERP im Einsatz, was vielleicht auch durch neue Releases schon ein bisschen aufgebröselt wird. Aber da schnell genug die Prozesse und die Daten zu organisieren, ist sicherlich ein Thema, ja. Es bleibt spannend.
Ich freue mich, wenn ich Sie in einiger Zeit wieder bei mir in den Podcast einladen darf. Und für heute möchte ich mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Ich habe spannende neue Einblicke erlebt.
Und wie immer gehören die letzten Worte meinem Gast, in diesem Fall Petra Koch. Ja, sehr gut. Vielen Dank dafür.
Erst mal auch für das Interview, für die Einladung. Ja, und ich würde einfach wünschen den Zuhörern, dass sie selber ans Ruder und ans Steuer ihres Unternehmens gehen und auch so ein bisschen den strategischen und digitalen Wandel selber gestalten. Einfach agieren und mitgestalten.
Vielen Dank. Sehr gerne. Danke auch.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.