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#75a - Vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender - ein Interview mit Martin Vollenbröker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling GmbH
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Die Seiten wechseln und vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender werden? Mein heutiger Interviewgast Martin Vollenbröker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling, weiß viele interessante Dinge aus seiner täglichen Arbeit mit Microsoft Dynamics NAV und dem Perspektivenwechsel zu berichten. Viel Vergnügen!

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In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

Erp-Podcast vom Erp-Entwickler zum Erp-Anwender. Ein Interview mit Martin Vollenbröcker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling GmbH. Die Seiten wechseln und vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender werden? Mein heutiger Interviewgast Martin Vollenbröcker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling, weiß viele interessante Dinge aus seiner täglichen Arbeit mit Microsoft Dynamics NAV und dem Perspektivenwechsel zu berichten. Viel Vergnügen. In eigener Sache, wenn auch Sie sich für Unternehmenssoftware interessieren und verschiedene Lösungen und namhafte IT-Fachexperten kennenlernen möchten, dann gibt Ihnen die digiconf.de unsere erste virtuelle Fachmesse für Unternehmenssoftware vom 5. bis 7. November interessante Denkanstössige Neutral und ohne Datenpreisgabe können Sie sich dort unverbindlich und kostenlos informieren. Aufgrund der Streaming-Bandbreite müssen wir die Teilnehmerzahl begrenzen, aber mit einer unverbindlichen kostenlosen Registrierung sichern Sie sich heute Ihr Ticket für dieses Streaming-Event unter www.digiconf.de. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Heute wieder eine Folge direkt aus einem Unternehmen. Ich habe mir heute einen Gast eingeladen, der als IT-Leiter die Geschicke auch im Großhandel, im Bio-Großhandel beeinflusst und lenkt aus Sicht der IT. Er ist jahrelang gewesen in der Entwicklung eines ERP-Herstellers, eines Systemhauses und ich freue mich, dass wir jetzt über diesen Wechsel von der ERP-Erstellung Entwicklung hin in die ERP-Anwendung, über die Aufgaben von IT-Leitern, modernen IT-Leitern, sprechen können. Herr Vollenbröcker, ganz herzlich willkommen hier im ERP-Podcast. Ich freue mich, dass Sie heute hier sind. Ja, vielen Dank, Herr Winkelmann. Vielleicht können wir Sie zunächst einmal selber vorstellen. Wer ist der Mensch Martin Vollenbrücker? Ja, Martin Vollenbrücker mein Name. Ich komme aus dem schönen Münsterland im Dreiländereck NRW, Niedersachsen und Holland. Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet, habe drei Töchter. Nach meinem Abitur habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht. Seinerzeit war das der erste Ausbildungsgang, 1997. Im Anschluss daran bin ich zu einem Softwarelieferanten gewechselt, habe da als Softwareentwickler gearbeitet, lange Jahre lang im Bereich Dynamics NAV Entwicklung. In den letzten Jahren habe ich dort zuletzt ein Team geleitet von rund zehn Entwicklern und bin jetzt Anfang diesen Jahres gewechselt zu einem Großhandelsunternehmen und bin sozusagen in die andere Seite eingestiegen. Ja, die Firma Weiling ist ja ein Unternehmen, was Tradition hat, aber noch nicht so traditionell ist, dass man sagen müsste, das ist ein hundertjähriges Unternehmen. Trotzdem mit wahnsinnigem Erfolg auch dabei. Mögen Sie das Unternehmen ein bisschen beschreiben? Ja, der Gründer Bernd Weiling hat das Unternehmen in den 70ern gegründet, sozusagen klassisch in der eigenen Garage, hat begonnen, Bio-Nahrungsmittel zu vertreiben und ist dann sukzessive immer weiter gewachsen. Wir haben mittlerweile zwei Standorte, unseren Hauptstandort hier in Coesfeld und ein Logistikzentrum in Lohnsee bei Ulm. Mittlerweile haben wir über 700 Mitarbeitern und machen einen Jahresumsatz von rund 250 Millionen Euro. Wir haben insgesamt rund 40.000 Quadratmeter Lagerfläche. Wir haben in den letzten Jahren auch viel investiert in automatische Prozesse im Lager und sind mittlerweile der zweitgrößte Bionahrungsmittelhändler in Deutschland. Das klingt jetzt erst mal nach einer Branche, die eigentlich relativ weit entfernt ist von allen IT-Bestrebungen, oder? Also 12.000 Bioprodukte, die Sie vertreiben als Vollsortimenter im Großhandel für den Einzelhandel. Ich sage mal, dahinter kommt vielleicht nur noch die Baubranche, oder? Ja, das ist also definitiv sehr IT affin. Also sie können sich ja vorstellen, wir handeln hier mit sehr empfindlichen Lebensmitteln zum Teil, wo es auch wirklich auf eine Stunde oder zwei ankommt, ob wir die noch in der gewünschten Qualität ausliefern können oder ob das halt nicht mehr der Fall ist. Und da spielen Automatisierung, Nachverfolgbarkeit, solche Themen spielen da eine sehr große Rolle, damit wir auch unserem eigenen Anspruch gerecht werden können, unseren Kunden immer die beste Qualität zu liefern. Jetzt ist das Warenwirtschaftssystem ja wahrscheinlich für Sie das ganz zentrale System, also Warenwirtschaftssystem im Einzel beziehungsweise Großhandel, das Pendant sozusagen zum ERP-System. Beide sind für mich irgendwo das zentrale Moment des Unternehmensdatenfundaments. Was hat sich dadurch verändert oder woran war auch, bestand auch die Notwendigkeit? Wenn ich Ihre Firmenbroschüre gesehen habe, ist das ja auch ganz prominent platziert, dass Sie im Jahr 2015 auf NAV gesetzt haben. An der Stelle Microsoft Dynamics NAV. Ja, zu dem Zeitpunktmussten wir einige Prozesse neu überdenken im, im Unternehmen aufgrund des Wachstums, auch aufgrund der Zunahme im Sortiment waren wir nicht mehr in der Lage mit klassischen Logistikkonzepten im Lager die nötige Reaktionszeit auch nach draußen zu bringen, um unseren Kunden möglichst schnell die Ware liefern zu können und unseren Kunden möglichst langen Zeitraum bieten zu können, in dem sie bestellen können. Dadurch haben wir einerseits in die Software investiert und andererseits gleichzeitig auch in die, die Anbindung von Lagerverwaltungssystemen. Zum einen ein Hochregal, ein automatisches Hochregallagersystem und auch ein automatisches Kleinteilelagersystem um schneller und flexibler auch ein höheres Sortiment in der Breite abwickeln zu können. Das muss für Sie ja wahnsinnig spannend sein, erst bei einem, wie sagt man, Systemhaus für die Weiterentwicklung von NAV gesessen zu haben, selber dafür zu sorgen, dass Ihre damaligen Kunden bessere Software bekommen und dann die Seite zu wechseln und diese Software nicht mehr sozusagen weiterzuentwickeln, sondern anzuwenden. Ja, absolut im Systemhaus konzentriert man sich natürlich voll und ganz auf die ERP-Software in Projekten mit unterschiedlichsten Kunden geht man auf unterschiedlichste Anforderungen ein, löst diese in einem, ja, begrenzten Zeitraum und widmet sich dann dem nächsten Projektwenn man bei einem Anwenderin der IT ist, dann begleitet einen das System natürlich über deutlich längere Zeit. Das heißt, man, man hat vielmehr die Entwicklung des Unternehmens auch im Auge und legt gleichzeitig, aber auch etwas weniger Wert darauf, eine, eine Standardlösung zu schaffen, die für mit unterschiedliche Unternehmen einsetzbar ist, sondern man konzentriert sich mehr auf die aktuellen Probleme, natürlich im eigenen Unternehmen. Das ist der eine Punkt und der andere Punkt ist, klar nimmt die ERP-Software einen großen Teil des Tagesgeschäfts auch ein und ist sozusagen das Herzstück des Unternehmens. Aber bei einem Anwender ist die IT-Landschaft natürlich noch viel größer, als wenn man sich bei einem Softwarelieferanten konkret nur auf die Entwicklung des ERP-Systems konzentriert, muss man beim Anwender auch Randgebiete wie ein Shop oder ein DMS-System oder, oder, oder mitberücksichtigen. Also ich habe diese Frage auch deswegen gestellt, weil natürlich hier in dem Podcast, der wird ja von vielen, vielen Leuten gehört mittlerweile auch sehr viele Leute dabei sind, die eben aus den ERP-Häusern selber kommen, also teilweise auch aus den Entwicklungsabteilungen kommen. Und wenn ich jetzt mal jemanden im Gespräch habe, wie Sie, Herr von Broeckert, der, der selber mal die Seiten gewechselt hat. Ich denke, die, die Wahrnehmung des Systems ist plötzlich ’ne völlig andere vielleicht auch eine Chance, mal was in diese Welt wieder zurückzugeben und zu sagen, an den und den Stellen wäre es schön, wenn ihr so und so auf uns Anwender reagieren könntet. Ich glaube, ein sehr wichtiger Punk den man auch, den ich auch vorher in Projekten bemerkt habe, ist, dass die Endanwender so eine ERP Umstellung als begrenztes Projekt wahrnehmen und vielleicht verstandeshalber wissen, dass es anstrengend wird. Aber sie können sich nicht im Mindesten vorstellen, was das für sie und ihr Tagesgeschäft bedeutet. Das ist in der Regelgeht so ein Anwender mindestens anderthalb bis zwei Jahre durch so ein Projekt und da werden einzelne Personen wirklich über die Maße belastet und darauf sind die wenigsten Anwender vorbereitet, in meinen Augen. Da sollten, sollten ERP-Lösungsanbieter mehr darauf hinarbeiten, dass sie die Endanwender besser darauf vorbereiten. Weil all das, die Arbeit, die der Endanwender im Vorfeld des Projekts erledigt und in vernünftige Bahnen lenkt, die ersparen ihm nachher so viel Ärger und Schmerzen da sollte man schön einen größeren Fokus darauflegen. Ich, ich greife das gerne mal auf. Ich habe jetzt natürlich eine Vorstellung, was heißt eine Vorstellung? Ich habe ja auch viele Projekte begleitetwas von Seiten der Endanwender alles schief läuft, wo kein Verständnis ist, wo man vielleicht auch ins kalte Wasser, wie man so schön sagt, geschmissen wird. Vielleicht können Sie mal beschreiben, was so aus Ihrer Sicht große Faktoren sind, mit denen die Endanwender gar nicht rechnen, wenn sie dann das erste Mal vor diese Software auch gesetzt werden. Das größte Problem in meinen Augen ist, dass die Prozesse im Vorfeld nicht zu Ende gedacht werden. Da werden unterschiedliche Abteilungen zusammengeholt, die ihren Prozessaus einer gewissen Distanz in dem neuen Produkt bewerten. Und ja, dann sich da irgendwo wiederfinden. Letztendlich wird aber zu wenig der Fokus daraufgelegt, dass der ganze Prozess von A bis Z auch funktioniert und auch reibungslos funktioniert, und das Unternehmen weiterbringt. Und ein zweiter Punkt ist sicherlich immer die Datenqualität. Wo komme ich her, welche Daten habe ich und welche Daten benötige ich, um mein zukünftiges System so nutzen zu können, wie ich es mir wünsche? Also Sie haben vorhin als Stichwort mir eigentlich geliefert. Ich habe es mir direkt aufgeschrieben, dass Sie parallel zur wahren Wirtschaft auch in ein automatisches Hochregallager investiert haben. Der Unbedarfte würde sagen So what? Man baut ein Gebäude und packt da hochregal Technologie rein. Ich fand das persönlich sehr mutig, das parallel zu machen, denn für das Hochregallager brauche ich ja eine wahnsinnig gute Stammdatenqualität, brauche ich ja eine wahnsinnig gute transaktionale Datenqualität plötzlich. Also zum Verständnis Wenn ich ein Lager habe, was nichts anderes ist als ein Raum und ich schmeiße dort die Ware rein und nehme sie raus, Das habe ich jetzt keinem im Einzel oder Großhandel unterstellt, weil sie sind viel gereifter. Aber ich habe auch diese Art von Unternehmen bereits kennenlernen dürfen. So, da ist der nächste Schritt, das natürlich geordnet zu machen, Regale aufzubauen, Entnahmen zu protokollieren und so weiter und so fort. Und sagen wir mal, auf einer relativ hohen unternehmerischen Reife kommt dann eigentlich erst das automatische Hochregallager ins Spiel. Ist das nicht? Ja. Also ich sehe das schon als große Herausforderung, das parallel auch noch zum Warenwirtschaftssystem einzuführen, oder? Ja, sicherlich. Da haben Sie vollkommen recht, dass das letztendlich zwei Aspekte, dass wir diese Entscheidung so getroffen haben. Zum einen haben wir mit unserem Partner jemanden an der Hand, der solche Systeme schon aufgesetzt und betrieben hat. Das ist also letztendlich ein selbständiges System, was über eine Schnittstelle mit unserem System verbunden ist. Da lagen also positive Erfahrungen vor. Und zum anderen waren wir auch rein platztechnisch unter Zugzwang, als dass unsere bisherigen Lagerkapazitäten so in der Art nicht ausgereicht haben. Durch das automatische Hochregallagersystem können wir deutlich mehr Ware einlagern, können sozusagen Puffer schaffen, auch für unsere Lieferanten. Ich gehe noch mal auf die die Dimension ein, über die wir jetzt sprechen. Also wenn ich Ihre Website nehme, dann hatten Sie 2017 220 Millionen Umsatz. Sie haben 12.000 Artikel, Sie haben 600 Mitarbeiter, die daran arbeiten. Sie sind 24 sieben sechs Tage die Woche am Liefern. Sie haben viele, viele Exklusivmarken, die Sie bedienen. Also das sind ja alles Dinge, die dann in so einem automatischen Hochregallager zusammenfließen. Und das Gemeine an der Zentralisierung, an dem Unternehmensdatenfund, was Sie ja mit dem ERP-System, mit dem Warenwirtschaftssystem auch eingeführt haben, ist ja, dass jetzt nicht derjenige, der im Hochregallager daran arbeitet, die Verantwortung für diese Daten hat, sondern irgendjemand weit entfernt, beispielsweise im Einkauf, der diese Daten erst mal anlegt. Das ist, glaube ich, erst mal für die Mitarbeiter eine Umgewöhnung, oder? Ja, die Datenqualität spielt natürlich eine sehr große Rolle, Da haben Sie vollkommen recht. Und das ist natürlich auch ein Stück weit eine Umstellung gewesen für die Kollegen. Aber das System ist da einfach darauf angewiesen, wie Sie schon sagen. Und da muss man einfach deutlich größeres Augenmerk drauflegen. Ja. Wie haben Sie es geschafft und wie schaffen Sie es auch heute noch? Weil Mitarbeiter tauschen sich ja auch aus. Da kommen neue Mitarbeiter dazu, andere gehen in Ruhestand, verlassen das Unternehmen, was auch immer. Solche Dinge, die ja, wenn ich in die Automatisierung in Teilen des Unternehmens hineingehe, auch eine gewisse Präzision oder sehr viel Präzision in den Stammdaten benötigen, dass die Mitarbeiter das im Kopf haben und auch beherzigen. Ja, ich hole mal etwas weiter aus. Wir sind ja im Bereich des Nahrungsmittelhandels. Spielt Qualität natürlich eine extrem große Rolle und wir begreifen Qualität, Sicherung und Management aus zwei Perspektiven. Einerseits natürlich aus Sicht der Produkte, andererseits aber auch aus Prozesssicht. Das heißt, wir haben eine Abteilung, die sich um die Qualität der Prozesse kümmert, die ein Qualitätsmanagement Handbuch auflegt und pflegt und die, die aktiv die Zusammenarbeit auch der unterschiedlichen Abteilungen in den Prozessen unterstützt und permanent begleitet. Und da laufen sozusagen die Fäden zusammen. Da werden Schulungen gemacht, Dokumentationen erstellt und ja, das ist sozusagen ein Wissenspool, der allen Mitarbeitern zur Verfügung steht und der dann auch aktiv genutzt wird. Der ist einfach Teil des der Unternehmenskultur und das ist für die Mitarbeiter ja selbstverständlich, dass man sich ständig selbst und Prozesse hinterfragt und schnell auch kommuniziert, auch über sprichwörtliche Abteilungsgrenzen hinweg, die, so wie ich das hier erlebe, eigentlich kaum vorhanden sind. Das habe ich schon ganz anders erlebt. Ja. Das wollte ich gerade sagen. Also vielleicht können Sie auch noch mal so Tipps geben aus Ihrem Unternehmensalltag. Ich glaube, es gibt wahnsinnig viele Unternehmen, wo Prozesse und Prozessveränderungen einfach auch daran scheitern, dass es so extrem starre Fachabteilungsgrenzen gibt, dass es vielleicht auch einzelne Mitarbeiter, das müssen gar nicht viele sein gibt, die sagen Mit mir nicht. Ich mach die Tür hinter mir zu. Ich will mit den Neuerungen nichts zu tun habendass es andere Mitarbeiter gibt, die vielleicht auch nicht in der Lage sind, so übergreifend zu verstehen, zu denken, was sind Ihre Erfahrungen? Wie sind Sie damit umgegangen, dass Sie derartige Dinge wie ein automatisches Hochregallager auch entsprechend einziehen konnten im Unternehmen? Ja, dazu vielleicht zwei Punkte aus unserer Unternehmenskultur oder Philosophie. Das ist zum einen Führungskräfte sind immer Vorbild, das ist ein Punkt. Und ein anderer Punkt ist, dass wir versuchen, immer kybernetischer zu arbeiten. Das heißt, wir wollen Prozesse immer weiter verbessern, nicht damit wir ständig manuell Hand anlegen müssen, sondern damit sie sozusagen von alleine funktionieren und über diese beiden Prinzipien, zum Beispiel, lässt es sich gut hinbekommen, dass Menschen einfach zusammenkommen und zusammenarbeiten und eigene Bedenken zurückstellen und sich sozusagen einer gemeinsamen Sache, einem gemeinsamen Ziel verpflichten und dann da auch effektiv zusammenarbeiten. Das klappt hier sehr gut, muss ich sagen. Wie, wie schaffen Sie das? Also, ich verstehe den Teil mit Führungskräfte müssen letztendlich auch vorleben aber dieser Teil dieser ständigen Verbesserung, wie schaffe ich es in meinem Unternehmen, die Mitarbeiter so mitzunehmen, dass der tatsächlich auch ankommt und sagt: „Moment, im Prozess X oder im Bereich Y, wenn wir da das und das so machen, dann sparen wir uns zwei Mausklicks oder ’n paar Meter durch den Gang oder, oder, oder.“ Ja. Ja, da vielleicht als Beispielkann ich mal schildern, wie sich meine Einarbeitungszeit hier die vonstattenging die dauerte also jetzt über drei Monateich war in jeder Abteilung, die es hier gibt mindestens einen Tag dabei, hab da aktiv mitgearbeitet. Ich war in der Auslieferung, in der, in der Kommissionierung, in der Einkaufsabteilung, in der Disposition, in allen Abteilungen, die wir im System haben. Ich bin mit rausgefahren zum Kunden und dadurch habe ich die Leute einfach kennengelernt. Ich bin nicht der Herr Vornbrücker aus der IT-Abteilung, sondern ich bin Martin, der mitgearbeitet hat. Und auf diese Art und Weise lernt man zum einen die Prozesse sehr schnell und intensiv kennen und zum anderen, was in meinen Augen wichtiger ist, lernt man die Menschen kennen hier. Und wenn ich dann durchs Lager gehe und mich spricht jemand an und sagt, na, irgendwie mit dem und dem Bericht, das läuft nicht vernünftig. Ich habe da die und die Idee, das können wir vielleicht anders machen. So, dann hat man schon mal ’n konkreten Anlass. Dann setzt man sich zusammen, überlegt, wie kann man es besser machen und dann kommen da auch gute Lösungen bei rum. Das größte Problem ist der Einstieg darin. Und die Einstiegsbarrieren für Gespräche, konstruktive Gespräche, die werden beispielsweise durch so eine intensive Einarbeitung deutlich herabgesetzt, die auch grundsätzlich hier so erfolgt. Nicht nur für mich jetzt, da ich in der zentralen IT-Abteilung sitze und natürlich auch die Prozesse kennen muss. Aber auch wenn jemand im Einkauf oder im Marketing anfängt, dann geht er auch durch alle Abteilungen, weil er das Unternehmen kennenlernen soll und auch die Menschen. Das Stichwort Menschen nehme ich jetzt noch mal zu ’ner Frage zum Anlass, ERP oder in Ihrem Fall Warenwirtschaftssysteme das ist ja nicht nur die technische Komponente, die kriegen wir gelöst als ITler. Das ist ja ganz viel. Also sozusagen sozio-technische Systeme, bei denen Mitarbeiter mitspielen, mitmachen müssen, verstehen müssen, damit es im Gesamtgefüge zu ’nem Optimum führen kann oder zumindest zur Verbesserung führen kann. Gibt es Beispiele, gibt es Anekdoten, wo Sie sagen, da haben es Mitarbeiter vielleicht nicht verstanden oder haben von sich aus selber auch gesehen, wie man es noch besser machen kann und dass es das Systempotenzial noch besser heben kann? Ja, das ist, (hustet) ja, da gibt’s sicherlich viele Punkte. Es liegt zum einen natürlich oft in der Natur der Sache, dass man im Tagesgeschäft Scheuklappen aufhat und letztendlich nur sein, seinen Prozess sieht, der dann irgendwo beginnt und irgendwo endet. Und was vorher und nachher passiert, wird dann oft ausgeblendet. Dafür, denke ich, hat jeder genügend Beispiele im eigenen Unternehmen, wo das so der Fall ist ich denke, wir sollten uns auf die Punkte konzentrieren, wo es besser laufen kann und wie es besser laufen kann. Und das steht und fällt in meinen Augen häufig mit der Unternehmenskulturwie werden, wie ist das Menschenbild im Unternehmen? Werden Mitarbeiter als, als Erfüller bestimmter Aufgaben gesehen oder werden sie als wichtiges, wichtiger Teil des Gesamtsystems begriffen? Ähm, und traut man ihnen auch Aufgaben zu, die außerhalb ihres angestammten Tätigkeitsgebiets liegen? Wenn Mitarbeiter merken, dass irgendwas leicht außerhalb ihres Tätigkeitsgebiets verändert werden kann und sie merken, dass solche Ideen gewünscht und gefördert werden, dann kommt schon oft ’n Prozess in Gange der sich dann verselbstständigt. Und die Leute denken dann einfach nach, was vorher und was nachher passiert. Und daraus erwachsen oft wirklich gute Lösungen. Ich würde Ihnen gerne mit Blick auf die Uhr nochmal eine abschließende Frage zum ERP System für diese Woche im Podcast stellen, aber Sie auch gleich herzlich einladen, mit mir nächste Woche noch ein bisschen über die allumfassenden Aufgaben von Ihnen als IT Leiter oder von generell IT Leitern im Mittelstand zu diskutieren. Und zwar ist das eine Frage, die, die ich glaube sie ganz besonders beantworten können, weil sie beide Seiten der Medaille gesehen haben. Sie haben viele, viele Jahre selber NAV in der Ausprägung des Systemhauses weiterentwickelt und sind jetzt auf der anderen Seite. So als Entwickler hat man bestimmte Vorstellungen, welche tolle neue betriebswirtschaftliche Funktionalität in das System hineinfließen soll, und dann entwickelt man das in seinem Team. Ja, und dann geht das raus zum Kunden als neue Version. Und ich stelle immer wieder fest, dass die Kunden eigentlich gar nicht in der Lage sind, von sich aus a festzustellen, Welche neuen Funktionen gibt es überhaupt in dem System und b ihnen vielfach auch das Verständnis dafür fehlt oder die Idee fehlt, wie man diese neue betriebswirtschaftliche Funktion im eigenen Unternehmen einsetzen kann. Würden Sie das so unterschreiben? Haben Sie diese Wahrnehmung auf beiden Seiten der Medaille auch gemacht? Ja, das teile ich auf jeden Fall. Das ist natürlich bei Anbietern von Standardsoftware von Natur aus oft ein Problem. In meiner früheren Tätigkeit haben wir ja vorrangig individuelle Entwicklungsprojekte mit einzelnen Kunden gemacht. Okay, aber auch da merkt man, dass wenn man sich zu wenig unterhält und zu spät Ergebnisse der Entwicklung dem Kunden präsentiert, kommen oft suboptimale Lösungen dabei raus. Es ist sehr wichtig, gerade im Vorfeld in der Definition der Aufgabe viel miteinander zu sprechen und sich auch auf Kundenseite jemanden zu suchen, der als Übersetzer dienen kann. Sozusagen zwischen Fachabteilung und Entwicklung, weil die sind. Die reden einfach oft eine ganz andere Sprache und die verstehen sich dann einfach nicht. Da ist ein Übersetzer sehr wichtig, der beide Seiten ein Stück weit verstehen kann. Wie kann ich damit als Hersteller von Unternehmenssoftware vielleicht noch besser umgehen? Aus Ihrer jetzigen Erfahrung, als das in der Vergangenheit passiert ist? Also ich denke immer so an diese PDF-Listen mit Neuerungen im ERP-System, was dann an die Kunden rausgesandt wird, meist per E-Mail. Wenn es hochkommt, dann schickt die IT-Abteilung das noch weiter an die Abteilungen, die sich dann vornehmen, das irgendwann mal durchzusehen und dann verbleibt es doch eigentlich im Tagesgeschäft. Und ich stelle viele, viele ERP-Systeme fest, die im Anwendungsunternehmen eigentlich gar nicht das leisten, was was es tatsächlich leisten könnte, das System. Mein Vorschlag dazu wäre, dass das Softwareunternehmen sich mehr Sparringspartner auch auf Anwenderseite suchen sollten, mit denen sie, denen sie nicht nur Funktionen bereitstellen, sondern mit denen sie, denen sie gemeinsam Funktionen erarbeiten, Prozesse besprechen, Lösungen schaffen und diese möglichst schnell und iterativ auch ausliefern und permanent Feedback wieder einholen. Von einer signifikanten Gruppe von Anwendern. Damit. Ja, Entschuldigung. Sie haben das Gefühl, dass das bei ERP-Herstellern zurzeit noch nicht so der Fall ist. Also dieses was wir Agiles entwickeln letztendlich nehmen Sprints oder ähnliches, wo innerhalb von kurzer Zeit Funktionalität entsteht. Das wird zurzeit noch sehr stark durch längere Entwicklungszyklen verhindert ist das. Kann ich das so interpretieren? Ja, das kann man so beschreiben. Das kann ich so aus meiner früheren Tätigkeit durchaus bestätigen. Und das sehe ich auch jetzt so, also unser Entwicklungspartner ist also nicht mein früherer Arbeitgeber, sondern ein anderer Entwicklungspartner und da läuft’s letztendlich genauso. Man bespricht Dinge und dann wird entwickelt und dann irgendwann bekommt man so und das ist natürlich aufwendiger, das ist anstrengender. Wenn man diese Zyklen kleiner hält, wenn man öfter miteinander spricht. Das erfordert Disziplin auf allen Seiten. Und vielfach hat zumindest eine meist eigentlich. Beide Seiten haben da schlichtweg zu wenig Lust drauf, weil sie auch zu wenig das Gefühl haben, dass das wirklich hilfreich ist. Und dazu muss man erst mal über diese Klippe drüber hinweg und den Anfangsinvest betreiben, um dann nachher die Früchte davon ernten zu können. Dieses Thema Disziplin nehme ich mir jetzt einmal selber zum Vorbild und möchte mich für diese Woche ganz, ganz herzlich bedanken. Dann sind wir nämlich gerade noch bei unseren berühmt magischen 30 Minuten. Herr von Breker. Ich würde mich gerne nächste Woche noch mal mit Ihnen unterhalten, wenn es vielleicht auch darum geht, dass wir ein bisschen weiter beleuchten. Was sind eigentlich die Aufgaben als EDV-Verantwortlicher, als IT-Leiter im typischen Mittelstand? Was kommt dazu? Wie geht man mit diesen vielen, vielen Aufgaben überhaupt noch um? Für diese Woche möchte ich mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen bedanken und freue mich auf den zweiten Teil in der nächsten Woche. Vielen Dank. Sehr gerne. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www. Erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.