Die Kosten von ERP & Co:
Sehr häufig werde ich von Unternehmen über die Kosten von derartigen Projekten befragt. Ich muss zugeben, ich rede lieber über den Nutzen solcher Systeme, aber in dieser Folge spreche ich nur über die Kosten.
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 94 Die Kosten von ERP und Co. Sehr häufig werde ich von Unternehmen über die Kosten von derartigen Projekten befragt. Ich muss zugeben, ich rede lieber über den Nutzen von derartigen Systemen, aber in dieser Folge rede ich nur über die Kosten.
Viel Vergnügen. Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.
Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast. Ich habe es in der letzten Woche schon angekündigt.
Ich wollte unbedingt gerne nochmal eine Folge zu den Kosten von ERP-Systemen, von der Einführung von derartigen betriebswirtschaftlichen Software-Systemen machen. Hintergrund ist einfach, ich werde unheimlich oft gefragt, was kostet denn sowas. Lässt sich natürlich nur schwer beantworten.
Es gibt nur Daumenregeln. Aber ich will noch ein bisschen über die Kosten oder auf die Kosten hinweisen. Und gleichzeitig, wenn ich die Statistiken anschaue, es werden immer mehr Hörer.
Das freut mich sehr, dass der Podcast an Reichweite gewinnt. Herzlich Willkommen, liebe neuen Zuhörer. Es gab mal eine ganz alte Folge zum Thema Kosten von ERP.
Auch die ist in den Shownotes verlinkt. Und als ich letzte Woche in die Statistiken geschaut habe, habe ich festgestellt, mit Abstand ist das eine der beliebtesten Folgen, die sie am meisten abrufen. Und aus dem Grunde mache ich sozusagen Revival, aktualisiere das Ganze nochmal, habe vielleicht noch ein paar andere Gedanken, als ich sie damals hatte, in Ergänzung oder als Reprise von dem, was ich in Folge 7 oder 8 schon mal gemacht habe.
Wie gesagt, in den Shownotes, also unten drunter. Oder aber auch auf unserer neugestalteten Webseite findet sie entsprechend alles, was ich auch in den ersten 94, 93 Folgen vor dieser gemacht habe. So, also ein bisschen was zu den Kosten von ERP.
Das ist ja nicht gerade ein ganz günstiges Projekt. Das Interessante ist, wir haben teilweise kleine Unternehmen, die sehr genau verstehen, dass diese Projekte, diese Projektart eine sehr wichtige Projektart ist, eine sehr kostenintensive Projektart ist, die auch bereit sind, entsprechend Geld für so ein Projekt zu investieren. Parallel dazu haben wir aber auch große Unternehmen, die überhaupt nicht einsehen, warum man für etwas derart virtuelles so viel Geld ausgeben kann.
Und das ist natürlich immer der Spekat. Ich gehe so ein bisschen durch die Kostenarten heute. Ich versuche Ihnen so ein bisschen zu erläutern, was heute State-of-the-Art ist und was das Ganze kostet.
Also grundsätzlich haben wir zwei Spielarten. Das ist einerseits das In-House-Installieren, das In-House-Betreiben eines Systems, die entsprechenden Erwerbe von Lizenzen, der Aufbau einer eigenen IT-Mannschaft. Alles In-House.
Und das Gegenstück ist entsprechend Außer-House. Wir nennen das auch On-Premise bzw. On-Demand.
Also In-House vs. Außer-House bzw. On-Premise vs.
On-Demand. Beim ersten erwerbe ich entsprechend die Lizenzen. Und beim zweiten variabilisiere ich und nutze die dazugehörige Infrastruktur mit Backups, mit Hardware usw.
Zum Beispiel aus dem berühmten Passwort Cloud. Aber dazu kommen wir später noch ein bisschen. Traditionell ist es so, dass sich Anwendungsunternehmen für ein Software-System entscheiden und entsprechende Anwendungssystem-Lizenzen von dem System kaufen.
Bei kleinen Systemen, die im Funktionsumfang überschaubar sind, ist das meistens eigentlich kein Problem. Das kommt out of the box. Es gibt einen Lizenzpreis, der ist gar nicht mal so unendlich hoch.
Das Customizing oder die Anpassung an die eigenen Bedürfnisse ist dann allerdings auch sehr überschaubar. Das sind nur Dinge für kleinere Unternehmen, die sagen, ich will einfach ein bisschen meine Artikel, meine Kunden, vielleicht meine FIBO abbilden, ohne da großartige Ansprüche über die komplette Prozessabbildung des Unternehmens zu haben. Interessant wird es dann, wenn wir in den Mittelstand gehen, vielleicht sogar in den größeren Mittelstand, oder zumindest zu Unternehmen, die sehr komplexe Anforderungen haben.
Da gibt es natürlich zahlreiche Systeme. Ich nenne einfach ein paar, das soll keine Bevorzugung sein, keine Exklusivität. Es gibt zahlreiche, aber Hersteller wie SAP, IFS, Asseco, Info, Oracle, Microsoft sind typische Kandidaten.
Wie gesagt, es gibt zahlreiche. Hier im Interview im ERP-Podcast finden Sie auch von vielen Herstellern bereits mal ein O-Ton, bei dem Sie eben entsprechend Module oder Programmpakete lizenzieren, also sozusagen kaufen. Allerdings kaufen Sie natürlich nicht den Code selber, sondern Sie kaufen im Prinzip die Berechtigung, das System zu nutzen.
Bei manchen ERP- oder Softwareherstellern wird irgendwo tatsächlich der Quellcode hinterlegt. Für den Fall, dass es so einen ERP- oder Softwarehersteller nicht mehr geben sollte, also für den Fall einer Insolvenz, dass dann sozusagen die Weiterentwicklung durch das Anwendungsunternehmen selber gewährleistet sein kann. Bei den ganz großen Systemen ist das sicherlich nicht sinnvoll.
Der Quellcode ist mit Sicherheit von einem Anwendungsunternehmen nicht mehr beherrschbar in der Komplexität und Größenordnung. Was kaufen wir da eigentlich von Lizenzen her? Das typische Spiel, was wir da haben, ist, dass wir sogenannte Named-User-Lizenzen kaufen. Das heißt, der einzelne Nutzer ist vielleicht nicht unbedingt dem Softwarehaus bekannt, aber für jeden einzelnen Nutzer, der im System als Nutzer angelegt wird, muss eine eigene Lizenz verfügbar sein.
Die Alternative dazu ist das, was wir Concurrent-User nennen. Das heißt, man lizenziert nicht 100 Mitarbeiter, von denen sich aber nur 30 oder 40 im System aufhalten, sondern man schaut, was eigentlich der Peak ist, also die maximale Menge an Anwendern, die gleichzeitig im System sind, und lizenziert eben diese maximale Menge. Das hat natürlich den Vorteil, dass man nicht für alle Nutzer irgendwie eine Lizenz kaufen muss, hat aber auch den Nachteil, dass wenn jemand vergisst, sich auszulocken, und die Menge an Nutzern eben höher ist als das, was man lizenziert hat, dass dann eben User ausgesperrt werden bzw.
nicht in das System reinkommen und entsprechend daran nicht arbeiten können. Es gibt aber noch viele, viele andere Arten der Lizenzierung. Ich würde behaupten, bei den komplexen Lizenzierungssystemen oder Lizenzierungsangeboten, die die großen ERP- oder Softwarehersteller haben, ist es sehr schwierig überhaupt zu durchschauen, nach welchen Spielarten hier lizenziert wird.
Also Named und Concurrent-User sind halt die grundlegenden Arten. Darüber hinaus lizenzieren die Hersteller häufig nach der Anzahl an Hardware-Rechenpower, also CPUs, der Größe der Datenbank, der Anzahl der Transaktionen, der Anzahl an Aufrufen von irgendwelchen Nebenprogrammen, also die Art der Lizenzierung ist wirklich sehr fantasievoll, sehr kreativ teilweise. Das Schlimme ist, dass wir heute sogar aus einem Haus, wo ein Logo auf ganz unterschiedlichen Programmen prangt, wir gar nicht sagen können, dass all diese Programme, also ein Programm zur Personalabrechnung, ein Programm zur Lieferantenverwaltung und ein ERP-System, dass die alle nach der gleichen Lizenzierung funktionieren, sondern die unterschiedliche Lizenzierungen haben und haben können.
Und das macht es natürlich noch mal spannender. Ich habe ein bisschen gesprochen auch über das Thema indirekte Nutzung in den Folgen. Auch da packe ich einiges in die Shownotes.
Also ganz bunt, wie hier eigentlich lizenziert wird. Das Ganze ist nicht ganz unproblematisch, weil natürlich sich so ein Anwendungsunternehmen eigentlich auch darauf verlassen will und muss, dass das Thema Software auch mit einer gewissen Lizenzzahlung letztendlich zur Verfügung steht bzw. erledigt ist.
Und hier ist die Komplexität der Softwarelizenzierung eigentlich sehr hoch. Das liegt nicht nur daran, dass die Softwarehersteller sehr kreativ sind, sondern dass die Softwarehersteller auch wieder lizenzpflichtige Software von Vorlieferanten einkaufen, die wiederum ihre eigenen Lizenzprogramme haben. Und die Lizenzierung der Lizenzen macht es natürlich sehr komplex in der Ausprägung, die dann das Anwendungsunternehmen letztendlich als Endverbraucher dieser Software erfährt.
Wenn wir von einfachen Fällen ausgehen, von Named-User-Lizenzierung im ERP-Bereich, dann werden wir so pro User… Ja, und da geht es eigentlich los. Es gibt keine Daumenregel. Ich würde mal sagen, rein nur die Software kann das losgehen bei 1000, 1500 Euro.
Damit sind aber unter Umständen noch gar nicht alle Module erschlagen und ein Administratorzugang, um selber die Masken zu verändern, um selber das Berichtswesen zu verändern, ist da überhaupt noch nicht mit verbunden. Das kann also locker bis 5000, ich habe auch schon Zahlen von 7000 Euro pro User für hohe Ausbaustufen, funktionale Ausbaustufen erlebt. Wie gesagt, das hängt einfach von den Anforderungen der einzelnen Nutzer ab.
Es gibt Nutzer zum Beispiel in der Produktion, die brauchen nur einen lesenden Zugriff über das Tablet. Es gibt im Management Nutzer, die müssen auch nicht operativ schreiben, sondern die müssen einfach eine Dashboard, also eine Kennzahlenübersicht, entsprechend bekommen über das System. Und dann gibt es natürlich in der Administration Nutzer, die brauchen eben alles.
Die müssen auf alles zugreifen dürfen. Ob sie dann die Rollenberechtigung später kriegen, ist ein anderes Thema. Aber sie müssen auf alles zugreifen dürfen, um entsprechend den Endanwendern in den Fachabteilungen auch helfen zu können, um das System auch weiterzuentwickeln, anzupassen auf die Bedürfnisse der einzelnen Abteilungen.
Also es gibt diese Lizenzierungen, die können je nach Hersteller, die können je nach Komplexität des Systems relativ komplex sein oder trivial sein. Es gibt natürlich weitere Kosten für entsprechende Fremdsoftware, beispielsweise für die Buchhaltungssoftware, die nicht nativ auch von dem Softwarehaus ist, oder für Datenbanklizenzen, für darunter liegende Betriebssysteme. Dann gibt es Kosten für Hardware und Infrastrukturanforderungen.
Und dann gibt es eine Reihe von Kosten externer Art, die eben auch bei so einem Projekt mit berücksichtigt werden müssen. Beispielsweise müssen Schnittstellen zu ALT-Systemen entwickelt werden. Es muss Hardware beschafft werden, sowohl für das Netzwerk als auch für die Server, auf denen im eigenen Rechenzentrum das ERP-System oder das betriebswirtschaftliche Software-System laufen soll.
Die Arbeitsplatzrechner müssen vielleicht überarbeitet werden. Wir haben externen Aufwand für die Datenmigration für Schulungen. Typischerweise brauchen wir sehr, sehr viel Beratungsunterstützung bei der Einführung von solchen Systemen.
Auch da gibt es keine Daumenregel, aber ich würde mal so sagen, dass Sie für jeden Lizenz-Euro, gerade bei den mittelständischen Systemen, vermutlich so 1,5 bis 2,5, vielleicht sogar deutlich mehr Euro, nochmal zusätzlich für externe Beratung aufwenden. Das hängt auch ein bisschen von der eigenen Organisations- und IT-Reife ab. Aber bereits in mittelständisch geprägten Projekten mit wenigen hundert Mitarbeitern sind dreistellige Manntage für externe Berater durchaus gang und gäbe.
Kostenpunkt hängt auch ein bisschen davon ab, was die machen. Wenn wir externe Berater haben, die sehr stark auf der Programmier-Ebene arbeiten, dann wird vielleicht der Beratersatz pro 8-Stunden-Tag zwischen 800 und 1100 Euro liegen. Bei betriebswirtschaftlichen Beratern, die sehr viel die Anpassung des Systems ans Unternehmen machen, die sehr viel organisatorische Hilfestellung geben, die Prozessreorganisation vielleicht gemeinsam mit dem Anwendungsunternehmen vorantreiben, sind wir dann auch schnell bei Kosten von 11, 12, 1300 Euro pro 8-Stunden-Manntag.
Und wenn wir dann in die strategischen Beratungen Richtung Analystenhäuser oder Ähnlichem gehen, dann sind wir auch schon schnell bei 1500 bis 2000 Euro pro Manntag. Das sind also die Kosten, mit denen man rechnen kann. Es gibt so eine Daumenregel.
Wie gesagt, alles Hypothesen. Man muss es im einzelnen Projekt sich ganz genau anschauen. Aber man kann ungefähr sagen, pro externen Manntag, den man in so einem Projekt einplant, braucht man vielleicht nochmal so zwei bis drei interne Manntage, um dieses Projekt, um die Software entsprechend einzurichten, um seine eigene Organisation zu verändern, zu verbessern, um die Mitarbeiter zu schulen, um die Prozesse glatt zu ziehen und letztendlich mit dem neuen ERP- oder betriebswirtschaftlichen Software-System ein Go-Live zu realisieren.
Das sind mal so grob über den Daumen gepeilt auch die Beratungskosten, die dabei anfallen, wenn wir also von einem Projekt von 100.000 bis 200.000 Euro ausgehen. Mal die Faktoren mit einrechnen. Nochmal so 300.000 bis 400.000 externe Beratungsaufwände mit reinrechnen.
Dann sind wir locker dabei und haben ein paar 100-Mann-Tage interne Aufwände für Datenmigration, für Reorganisation, für Schulungsvorbereitungen, für die Diskussionen, die internen, für die Erstellung der Fachkonzepte, für die Schulung der Key-User. Da sind schon einige Mitarbeiter, die in so einem ERP-Projekt auch eine durchaus lange Zeit gebunden sind. Die sind natürlich nicht immer vollständig in dem Projekt gebunden.
Es gibt Zeiten, da brauche ich eben nur ein oder zwei Mitarbeiter, vielleicht mal punktuell, aber es gibt eben auch Zeiten, wo sehr viele Mitarbeiter durchaus an dem Projekt arbeiten. Und das ist etwas, was gerne und häufig unterschätzt wird, weil natürlich das Tagesgeschäft irgendwo auch droht. Und dann ist eben die Frage, wie bekomme ich diese Ressourcen auch intern zustande.
Und in vielen Fällen führt das eben auch dazu, dass sich die Projektlaufzeiten sehr deutlich verlängern. Dann haben wir eine Reihe von laufenden Kosten. Maintenance beispielsweise.
Ich kaufe ja nicht die Lizenz einmalig und dann ist das vergessen. Wobei ich jetzt auch wieder einen Fall gehabt habe. Da stellte sich heraus, die letzte Programmversion, die war noch aus dem Jahr 2000.
Seitdem ist der ERP-Hersteller zweimal aufgekauft worden. Ich nenne jetzt mal keine Namen. Aber das Anwendungsunternehmen hatte seitdem noch nicht darauf reagiert und arbeitete entsprechend mit der betriebswirtschaftlichen Software, die fast 20 Jahre lang nicht gewartet wurde, nicht aktualisiert wurde, nur im Anwendungsunternehmen grob, so weit es denn da möglich ist, weiterentwickelt wurde.
Das ist natürlich irgendwo, wie sage ich das jetzt, sicherlich nicht der Königsweg. So drücken wir es mal auf. Also typischerweise bieten die Softwarehersteller eine sogenannte Maintenance- und Wartungslizenz an.
Das heißt, neben der eigentlichen Lizenz, die ich kaufe, originär, einmalig, z.B. pro named user, also pro bekannten Mitarbeiter, zahle ich mit dieser Maintenance- und Wartungsgebühr eben nochmal eine jährliche Gebühr. Die liegt ungefähr so zwischen 15 und 23 % der ursprünglichen Lizenzpreise und erhalte damit sämtliche Updates, unter Umständen auch sämtliche Upgrades auf neue Versionen des Softwaresystems, erhalte gleichzeitig den Zugang zum Support, die Unterstützung. Je nach Hersteller können das noch ganz andere Dinge sein, wie auch Schulungstage oder Ähnlichem, um einfach hier auf dem Laufenden zu bleiben und zu sehen, wie das System funktioniert.
Bei diesen Maintenancegebühren achten Sie genau darauf, wie sind die definiert. Es gibt Hersteller Die haben diese Maintenancegebühr eben nur für Lizenzen, die tatsächlich im Einsatz sind. Und dann gibt es aber auch Hersteller, die ziehen alle Lizenzen, die jemals gekauft wurden, zusammen. Also beispielsweise 200, obwohl 50 Lizenzen überhaupt nicht aktiv sind, weil sich das Unternehmen, das Anwendungsunternehmen zwischendurch gesund geschrumpft hat.
Und das ist dann natürlich sehr kostenintensiv, denn ich bezahle nicht für die 150 Lizenzen zum Beispiel 20% im Jahr Wartungsgebühren, sondern ich bezahle eben für 200 Lizenzen 20% Wartungsgebühren, sprich für jede genutzte Lizenz bezahle ich dann entsprechend 25% eigentlich Wartungsgebühren. Bei den Lizensierungen, bei den laufenden Kosten, das ist das eine, Maintenance-Wartungsgebühren. Da gibt es dann je nach Hersteller unter Umständen auch noch Spielchen, wo der Softwarehersteller durchaus auch beteiligt werden möchte an Transaktionen, die durch das Softwaresystem fließen, Thema indirekte Nutzung hier an der Stelle auch.
Ich persönlich bin da nicht so glücklich mit, weil das eine Art von Lizensierung ist, die uns glaube ich in der Zukunft mit automatisierten Abläufen in der BWL und auch zwischen unterschiedlichen Systemen sehr stark auf die Füße fallen wird. In der Konsequenz heißt das eben, dass man eigentlich alle Softwareprodukte von einem Hersteller einkaufen müsste, was keiner macht, weil man bestimmte Softwaresysteme ja schon im Einsatz hat und das ist da vielleicht ein bisschen das Problem bei der indirekten Nutzung. Bei den transaktionalen Kosten heißt das, dass der Softwarehersteller natürlich auch gerne an den Gigabytes oder Megabytes oder Datensätzen, die durch seine Schnittstellen zu einem anderen System oder zu einer anderen Organisation, zum Beispiel zum Lieferanten oder Kunden fließen, gern auch beteiligt werden möchte.
Ich kenne es jetzt bei den ganz neuen Systemen im Cloud-Bereich auch, dass die Lizenzgebühr relativ niedrig ist und dafür eben ab einer bestimmten Kundenanzahl oder verkauften Artikelanzahl oder ähnliches entsprechende Gebühren genommen werden. Da komme ich aber gleich noch zu. Dann gibt es natürlich noch eine Reihe von weiteren, teilweise versteckten Kosten, heißen meist die EDA-Kosten, also die Kosten, die ohnehin schon da sind, nämlich Mitarbeiterkosten, die werden dann meistens im Unternehmen gar nicht so sehr gerechnet, aber die sind natürlich da.
Aufwände für Datenmigration, Aufwände für das Erstellen von Fachkonzepten, für das Installieren neuer Hardware, für das Durchführen von Schulungen oder der Zusatzaufwand, der bei der Einführung insbesondere in der Eingewöhnungsphase entsteht, all solche Kosten, die sind eigentlich riesengroß, weil sie vom Tagesgeschäft abhalten, weil sie im Grunde Opportunität kosten, aber sie werden meistens im Unternehmen unter den Teppich gekehrt, meistens gar nicht so stark gesehen. Das ist das Thema, was an Kosten generell anfallen, gerade im Bereich der traditionellen Lizenzierung in-house, d.h. on-premise. Es gibt noch einen wichtigen Punkt, der zunehmend für andere Arten von Lizenzierung spricht, nämlich die Frage nach der Cashflow-Wirksamkeit bzw.
der bilanzsteuerlichen Relevanz. Vom Cashflow sieht es nämlich so aus, dass ich die Lizenzen dann erwerbe, wenn ich den Vertrag unterschreibe bzw. bei einem fixen Datum und dann fließt entsprechend auch das Geld für die Lizenzen, d.h. das Geld fehlt dem Unternehmen.
Wie sieht es auf der Bilanzseite aus? Da gibt es seit einigen Jahren höchstrichterliche Urteile, dass eben bei Software-Systemen 5 Jahre Nutzungsdauer als Untergrenze zu sehen ist. Jetzt bin ich kein Steuerberater, ich gebe hier also keine Steuertipps oder ähnliches. Recherchieren Sie bitte selber.
Aber das ist natürlich schon ein Problem, dass ich die Software, obwohl ich auf einen Schlag sehr viel Geld, typischerweise mindestens 6-stellige Beträge für Lizenzen ausgebe, über viele Jahre nur aktivieren kann, sodass ich bilanzsteuerlich hier eigentlich sehr große Nachteile habe. Das führt eben auch dazu, dass wir seit einigen Jahren sehr stark in den Anwendungsunternehmen überlegen, ob man das Ganze nicht außerhausig machen kann und damit den fixen Kostenblock für Lizenzen anders darstellen kann, variabilisieren kann, indem man zum Beispiel einen großen externen Rechenzentrumsanbieter beauftragt, das eigene System zu hosten und auf Monatsbasis die Lizenzen umgebrochen in Rechnung zu stellen. Das ist sozusagen eine 1-zu-1-Geschichte, die dort passiert, ist relativ teuer, ist etwas, was man gerade auch in der letzten Dekade sehr gern gemacht hat.
Das eine oder andere Unternehmen ist wieder auch ein bisschen zurückgerudert, denn es ist nicht nur vorteilhaft, komplett die Infrastruktur plus auch die Customizing- und Management-Mannschaft, die für so ein System benötigt wird, nach außerhaus zu geben. Was man heute sehr stark anstrebt, sind Cloud-Ansätze, wo man sagt, mir ist das Rechenzentrum, solange sichergestellt ist, dass die Sicherheit gewährleistet ist, eigentlich gar nicht so relevant. Das heißt, ich muss nicht unbedingt wissen, ob es in Darmstadt, Frankfurt oder Berlin liegt.
Wichtig ist ein verlässlicher Service, den ich dann auch selber managen, customizen und nutzen kann, wo ich aber mit der Infrastruktur nicht so viel zu tun habe und wo ich entsprechend preisgünstig auf Monatsbasis die Systeme oder das System so nutzen kann, wie ich es benötige, sprich mit 100 und im nächsten Monat vielleicht nur mit 90 Mitarbeitern. Cloud wird immer so ein bisschen sehr abstrakt gesehen. Wir haben eigentlich zwei Arten von Cloud-Angeboten.
Die meisten ERP-Anbieter haben ein sogenanntes Single-Instance-Cloud-Angebot. Das heißt, jede einzelne Installation oder jede einzelne Instanz, jedes einzelne ERP-System ist letztendlich zumindest virtuell auf einem eigenen Server abgelegt. Innerhalb der Cloud, das heißt innerhalb der Rechenzentren, was weiß ich, von der Telekom oder Microsoft oder oder oder.
Dann arbeite ich sozusagen auf meinem eigenen Rechenpower in meinem ureigenen System. Das heißt, sämtliche Datenstrukturen, sämtliche Datentöpfe sind sauber und komplett abgetrennt gegenüber allen anderen Systemen. Das hat sicherlich auch Vorteile im Customizing, in der Modifikation oder in der Flexibilität, die ich dort dann habe, ist aber entsprechend teuer.
Das Gegenstück ist die, ich würde es Multi-Tendency oder Multi-Instance-Cloud nennen, wo auf einem Software-System, auf einem ERP-System sehr, sehr viele Unternehmen gleichzeitig arbeiten, die natürlich alle ihre eigenen Daten haben, also keiner kann die Daten des anderen sehen. Aber diese Systeme sind eben nicht dadurch getrennt, dass es unterschiedliche reale oder virtuelle Server sind, sondern dass letztendlich nur die Berechtigung für bestimmte Daten vorliegen, nämlich genau für die Daten des eigenen Unternehmens, aber alle laufen letztendlich auf dem gleichen Software-Code. Das macht es natürlich sehr, sehr viel günstiger und wir können entsprechend diese Systeme, gerade auch im kleineren Mittelstand, natürlich mit entsprechenden Kostenvorteilen anbieten oder nutzen.
Nehmen wir mal Beispiele, also Single-Instance-Cloud. Ja, ich würde sagen, die Preise, nochmal, nageln Sie mich nicht fest, sind Daumenregeln, plus, minus, 80 Euro, durchaus, dreistellig 100 Euro, 130 Euro, das eine ist sicherlich die Untergrenze, the sky is the limit, auf der anderen Seite, also das sind Kosten, die Sie pro Nutzer, pro Monat, je nach Anbieter, durchaus rechnen können. So, auf der anderen Seite die Multi-Instance oder Multi-Instance, Multi-Tendency-Systeme, wo wir uns eben genau wie jeder andere einloggen in das System und alle laufen in der gleichen Software.
Da liegen die Preise typischerweise, je nach Hersteller, auch da nageln Sie mich nicht ganz fest, 60 bis 80 Euro, was ich momentan zumindest auf dem deutschen Markt sehe. Günstig beispielsweise, Reclapp, das ist glaube ich momentan so ein bisschen auch die Untergrenze, die ich wahrnehme, wer etwas anderes wahrnimmt, bitte mal eine Mail schreiben, Reclapp 29 Euro für ERP im Dienstleistungsbereich, bzw. 49 Euro im ERP-Handelsbereich, also mit der Funktionalität für Handelsunternehmen.
Ich glaube, das ist so die Untergrenze, die wir zur Zeit haben, pro Nutzer und Monat. Und das Schöne ist eben, dass die derartigen Systeme variabel lizenzierbar sind, d.h. ich zahle auch wirklich nur für die Nutzer, die ich tatsächlich habe und nicht für irgendwelche stillgelegten Nutzer. Und ich habe eben auch nicht das Problem, dass ich auf einmal eine doch relativ teure Lizenz erwerben muss mit Maintenance usw., sondern ich bezahle eben periodisiert variabel und muss mich auch um Dinge wie Backup oder Server-Hardware entsprechend kümmern.
Dann gibt es noch andere Systeme, wie beispielsweise Plenty Markets oder Actindo, das hatte ich eben schon angesprochen, die nehmen eben entsprechend zusätzlich Transaktionsgebühren. D.h. sie sagen sich eben, ein bestimmtes Volumen an Artikeln, an Käufen oder Ähnlichem sind eben schon in der Grundmonatslizenz pro Nutzer inkludiert. Und wenn dieses Kontingent, was weiß ich, 10.000 Artikel, die bearbeitet werden im Monat, überschritten wird, dann kostet es eben nochmal mehr, dann brauchst du ein neueres Paket, dann brauchst du ein größeres Paket, dann musst du pro Datensatz nochmal einen Cent dazu bezahlen oder Ähnliches.
Also das sind die Spielarten, die hier im Cloud-Bereich sehr stark genutzt werden. Dann habe ich eigentlich so ein bisschen die beiden Kategorien In-House, also On-Premise versus Außerhaus, On-Demand vor allen Dingen, bespielt. Es gibt noch eine dritte, eine Sonderkategorie, das ist dann das Thema Komplett Open Source.
Auch dort gibt es ERP-Systeme hier auf dem deutschsprachigen Markt. Wahrscheinlich primär zu nennen das Thema AWERB, A-V-E-R-P, der Firma Synerpy, die eben das System komplett kostenlos zur Verfügung stellen, unabhängig davon, wie groß das Unternehmen, das Anwendungsunternehmen ist. Natürlich bezahle ich für Customizing, für individuelle Programmierungen rund um das System entsprechende Lizenzgebühren.
Andere Systeme, UDO oder ODO, Metafresh, auch im CRM-Bereich sehr viele Open Source, CRM-Systeme, die es dort gibt. Auch da gibt es eben eine Kategorie von Systemen. Ob das jetzt positiv oder negativ ist, das muss man sicherlich im Einzelfall sehen.
Natürlich sind diese Firmen, die dort hinter diesem Geschäftsmodell stehen, entsprechend kleiner als die Firmen, die wie beispielsweise SAP ins Lizenzmodell eingestiegen sind oder wie die Cloud-Anbieter, beispielsweise wie Cloud Plenty Markets, Actindo, entsprechend periodisiert in der Cloud die Software anbieten. Das war für heute der Einblick in die Kostenwelt, in die unterschiedlichen Lizenzierungsmodelle. Ich glaube, das bleibt sehr spannend, weil sich eben auch in der Lizenzierung von Software in den nächsten Jahren sehr viel tun wird, gerade auch zu dem Stichwort Transaktionen lizenzieren, zu dem Stichwort indirekte Nutzung, auch zu der Kostenhöhe.
Da wird sich sicherlich durchaus noch einiges tun in den nächsten Jahren. Es bleibt spannend, wir werden hier im ERP-Podcast auch immer mal wieder auf das Thema hinweisen. Für heute einfach mal so ein bisschen der Wrap-Up, was erwartet einen selber auf dem Markt.
Wir machen ab und zu auch mal Studien zu dem Thema, was bieten die einzelnen Anbieter an, aber das ist vielleicht hier an der Stelle auch ein bisschen zu weit gegriffen für diesen Podcast hier. Ich wünsche Ihnen bei Ihren Softwareprojekten ganz viel Erfolg. Ich hoffe, ich konnte mit dieser Folge ein bisschen dazu beitragen.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und verbleibe wie immer Keep Connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.