Facebook Libra goes ERP Teil B.
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 101, Facebook Libra goes ERP, Teil B. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Ich hatte in dem vergangenen Teil über Facebooks Libra und die möglichen Auswirkungen auf ERP gesprochen. Aufgrund der Zuschriften mache ich einen zweiten Teil dieser Episode viel Vergnügen dabei.
Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.
Die Episode zu Facebooks Libra zur Digitalwährung hat einige Zuschriften veranlasst. Ich hatte einige spannende Diskussionen mit dem einen oder anderen Hörer. Vielen Dank dafür.
Ich nehme das zum Anlass, nochmal einen zweiten Teil dieser Folge einzusprechen, ein paar weitere Gedanken hinzuzufügen. Mittlerweile hat sich ja auch einiges getan. Facebook überlegt durchaus das Ganze nochmal durch.
Jetzt im Quartalsbericht, der zum 29.07. herausgekommen ist, wird diese Digitalwährung zumindest als Risikofaktor bezeichnet und man könne nicht garantieren, dass Libra oder damit verbundene Produkte und Dienste rechtzeitig verfügbar sind oder überhaupt. Das Ziel ist ja, in der ersten Jahreshälfte 2020 diese Digitalwährung weltweit auf den Markt zu bringen. Hinter Libra steckt natürlich vor allen Dingen Facebook, aber eben nicht nur.
Es gibt eine Libra Association. Das ist, glaube ich, in dem Zusammenhang auch nochmal wichtig zu betonen. Aktuell knapp 30 Mitglieder dabei.
Facebook würde gerne mit 100 an den Start gehen. Wer ist dabei? Visa, Mastercard, PayPal, Stripe, aber auch sowas wie Uber oder Lyft, Spotify, Vodafone oder Ebay. Also das ist ein ganz rühriges Konsortium, die sicherlich gerade im Consumer-Bereich sehr viel PS auf die Straße bringen können.
Und ich hatte auch ein bisschen was erzählt zu, wo wird die Währung wohl als erstes aufschlagen? Hier hat sich auch Facebook nochmal gehäuspert. Facebook-Mentor Markus rechnet damit, dass vor allen Dingen in den Entwicklungsländern die Währung zunächst aufschlagen wird. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was hat Facebook mit ERP zu tun? Ich hatte im ersten Teil gesagt, dass der Kauf eines marktbeherrschenden, eines der großen ERP-Systems durchaus sinnvoll sein könne, um einfach sehr stark auch im Business-Bereich mit dieser Währung punkten zu können.
Im Consumer-Bereich ist das relativ einfach. Im Consumer-Bereich gibt es über Facebook, über PayPal, Ebay und so weiter sehr, sehr viel Nachfrage nach der Währung. Ich gehe ähnlich wie viele Analysten davon aus, dass das gar nicht so sehr in den Ländern zunächst interessant sein wird, wo die Bankinfrastruktur sehr gut ist, sondern in den Ländern, wo sie eben nicht so gut ist, dass dort viel mehr Nachfrage ist.
Denn auch in diesen Ländern hat jeder ein Smartphone und arbeitet jeder mit dem Handy. Insofern glaube ich, dass es dort sehr spannend sein kann. Libra löst dabei sicherlich noch ein ganz anderes Problem.
Danke an Karl S., der mir hierzu was geschrieben hat. Natürlich ist jeder, der über Facebook registriert ist, damit auch identifiziert. Das macht so eine Währung wie Libra natürlich gerade hochinteressant gegenüber Know Your Customer und Geldwäsche.
Wir haben damit entsprechend bestätigte Online-Identitäten. Das macht es natürlich auch für den Einzelhandel, für den Online-Handel hochgradig interessant. Und vermutlich ist damit die Attraktivität insbesondere im nicht-europäischen Raum zunächst mal sehr hoch und wird dann irgendwann zu uns rüberschwappen.
Wie gesagt, das sind alles Spekulationen, ob diese Währung tatsächlich kommt oder nicht. Das kann ich auch nicht sagen. Wir werden es sehen.
So, jetzt habe ich diverse Kritik natürlich an meinen Gedanken bekommen. Ich freue mich immer, wenn ich Zuschriften von Ihnen erhalte. Ich freue mich auch, wenn Sie den Podcast entsprechend auf iTunes oder an anderen Stellen bewerten.
Das ist so ein bisschen die Salz in der Suppe, wenn man sich selber ganz viele Gedanken macht und anderer Meinung sind oder aber die eigene Meinung ergänzen. So eine Anregung oder ein Gedanke, der mir gegenübergebracht wurde, ist, dass zu viel Geld zum Kauf eines ERP-Systems aufgewendet werden würde. Ich hatte letztes Mal gesagt, wenn man einen sehr großen ERP-Hersteller kaufen würde, um einfach sehr viel enger verzahnt zu sein mit dem Unternehmensdatenfundament und damit in die Konzerne als Verrechnungswährung reinzukommen, dann könnten wahrscheinlich die großen IT-Unternehmen beim jetzigen Marktwert derartige Unternehmen aus der Hosentasche bezahlen.
Aber stimmt natürlich, in dem Moment, wo ich anfange, die Aktien einzusammeln von derartigen Unternehmen, steigt natürlich der Kurs extrem. Ich würde gegenhalten, es muss gar nicht das Gesamtunternehmen sein, was eingekauft wird, um sich Macht in Softwareunternehmen zu sichern. Genügt es bereits, wenn man kleine Anteile des Unternehmens erwirbt.
Insofern sehe ich das durchaus als realistisch an, dass hier große IT-Unternehmen in den ERP-Markt einsteigen könnten und dadurch ihre Funktionalität mit ihrer Digitalwährung auch in die ERP-Systeme bringen. Dann erreichte mich der Hinweis auf die Libra Association, in der eben auch PayPal im Konsortium ist. Über PayPal funktioniert ja bereits Business-Integration dergestalt, dass ich mit PayPal überall in Online-Shops auch bezahlen kann.
Das heißt, viele Händler akzeptieren ja bereits heute PayPal. Ja, das ist richtig, aber für mich ist eine Business-Integration, das heißt Verwendung einer Digitalwährung nicht nur zwischen Konsumenten und Firmen, sondern tatsächlich rein zwischen Firmen als Rechnungseinheit und das weltweit natürlich viel, viel mehr als eine PayPal-Integration die einzig und allein ein bequemes Zahlungsmittel zwischen Konsumenten und Firmen ist. Ja, und der wichtigste Punkt für mich, und der wurde kritisiert, ich glaube, da war ich letztes Mal etwas verkürzend unterwegs, bereits jetzt werden ja schon zahlreiche Währungen in den ERP-Systemen abgebildet.
Also es gibt fast kein ERP-System mehr, es gibt nur ganz kleine ERP-Systeme, die wirklich nur in Euro laufen. Die meisten größeren Systeme rechnen entsprechend um, das heißt, ich kann mehrere Währungen parallel miteinander verrechnen innerhalb des Systems. Also wenn es einzig und allein darum geht, eine weitere Währung abzubilden, die dann vielleicht digital, zentral, was auch immer ist, dann ist das wahrscheinlich nicht so spannend, in ERP-Funktionalität zu investieren, weil das funktioniert dann natürlich auch ohne, indem ich einfach eine weitere Währung in dem System verwalte.
So, es geht aber gar nicht so sehr um das weitere Verwalten einer weiteren Währung, sondern wer den Podcast ein bisschen verfolgt, weiß, dass ich sehr viel über das Unternehmensdatenfundament rede, zum Beispiel Folge 72, dass die Daten, die wir dort zusammenführen, zunehmend zusammenführen im Unternehmen eben nicht mehr rein betriebswirtschaftliche Daten für betriebswirtschaftliche Funktionen sind, sondern viele, viele weitere Daten hinzukommen mittlerweile, die ebenfalls verwendet werden, die ebenfalls in Zusammenhängen verwendet werden, die in Betriebswirtschaft in Zusammenhängen verwendet werden, die relativ wenig mit dem zu tun haben, was noch die ERP-Daten von vor 20, 30, 40 Jahren waren. Wer die Folge 79 im Kopf hat, da habe ich über den Abbau virtueller Puffer gesprochen, der weiß, in welche Richtung meine Gedankenwelt für die nächsten 10 Jahre vordringt, dass ich eben sehr stark davon ausgehe, dass sich die BWL immer weiter automatisieren wird und dass wir das, was wir im Lagerbestand schon immer gemacht haben in den letzten 30, 40 Jahren, nämlich Sicherheitsbestände, eben reale Puffer abzubauen, dass wir das jetzt in den BWL-Prozessen zunehmend machen werden. Das heißt, wir werden immer mehr automatisieren.
Wir werden immer mehr sehen, dass wir versuchen, Mausklicks aus den Prozessen rauszukriegen. Und wenn Sie sich Prozesse anschauen, dann gibt es dort noch reichlich Entscheidungen und Mausklicks, die manueller Natur sind. Und die wollen wir natürlich Schritt für Schritt aus den Systemen drängen, denn der Erste, der das in einer Branche macht, der wird in der Lage sein, die Preisgestaltung der Branche zu bestimmen, der Geschäftsmodelle zu bestimmen und damit alle anderen aus der Branche zunehmend herauszudrängen.
Und insofern ist es Zeit, bereits heute schon mal hypothetisch darüber nachzudenken, um in wenigen Jahren dazu zu gehören und möglichst wenige virtuelle Puffer und damit möglichst viel Automatisierung in den BWL-Prozessen am Laufen zu haben. Eine schöne Folge für diesen Bereich ist die Folge 50. Dort hatte ich mich mit Gohan Chambulat über Smart Contracts unterhalten.
Und die allgemeine Wahrnehmung am Markt ist, dass Smart Contracts irgendwas mit Blockchains zu tun haben. Also Smart Contracts als ausführendes Element von Blockchains. Das sehe ich nicht so.
Ich sehe alle Algorithmen, die Transaktionen oder ausgehandelte Dinge zwischen zwei oder mehr Parteien automatisieren. Das heißt, in Algorithmen gießen letztendlich als Smart Contracts. Und das muss nicht zwingend mit Blockchain-Technologie zu tun haben.
Das kann auch völlig losgelöst von Blockchain-Technologien sein. Nämlich genau dann, wenn zwei Personen oder zwei Organisationen miteinander irgendetwas aushandeln. Und da ist natürlich der Finanzbereich prädestiniert.
Also wenn ich gleichzeitig von meinem Logistiker bestimmte Informationen, bestimmte Daten zur Verfügung gestellt bekomme, wie viele Pakete er beispielsweise für mich ausgeliefert hat oder was alles schiefgelaufen ist, dann kann ich entsprechend den Vertragsaushandlungen automatisiert im Algorithmus Zahlungen anstoßen. Und das erspart mir natürlich im Finanzbereich des Unternehmens sehr viel Zeit und sehr viel Aufwand und damit sehr viel Geld. Und ich glaube, dass diese Art der Zahlungen, der Smart Contracts, vielleicht auch für interne Boni-Zahlungen usw.
durchaus ihre Berechtigung im Unternehmen haben. Und je mehr man das einsetzt, desto enger muss natürlich die reale Welt des Unternehmens, abgebildet im Unternehmensdatenfundament, abgebildet im ERP, übereinstimmen oder eine sehr enge Verzahnung haben mit den Finanzkonten. Und inwiefern das real abzubilden ist mit existierenden Währungen, die verwaltet werden im ERP-System, sei mal dahingestellt.
Ich würde behaupten, dass wir eine viel engere Verzahnung der Konten mit der physischen realen Welt des ERPs benötigen. Und dafür brauche ich eben entsprechende Funktionalität im ERP-System. Und das spricht eigentlich für mich sehr stark dafür, dass das ERP-System eine enge Verzahnung haben sollte.
Und dass so jemand wie Facebook potenziell, das sind ja alles hypothetische Gedanken über die nächsten Jahre oder das nächste Jahrzehnt, eben durchaus Interesse haben könnte, sich in so einen großen ERP-Hersteller einzukaufen. Jetzt kommt noch ein weiterer Punkt dazu. Je kleiner die Verrechnungen werden, desto ineffizienter sind natürlich heutige Geldsysteme, weil die Transaktionskosten pro Überweisung, pro Geldtransfer viel zu hoch sind.
Auch hier könnte bewusst konjunktiv eine Digitalwährung entsprechende Vorteile haben. Last but not least, auch die Folge 65 ist sicherlich hörenswert. E-Commerce as a Service, auch da gibt es mal so zwei, drei Ausblicke von der Firma Intershop, wie Microservices aus Produkten heraus heute und vor allen Dingen zukünftig verrechnet werden können im E-Commerce-Bereich.
Ich halte das für hochgradig spannend, was dort passiert. Ich bin sehr, sehr gespannt, wie die ganze Geschichte weitergeht. Wie immer gilt, schreiben Sie mir gerne, lassen Sie mir gerne eine Nachricht hier.
Schreiben Sie mir gerne eine Bewertung, was Sie über die Themen denken. Das ist für mich das Salz in der Suppe, wenn ich so eine Podcast-Folge mache. Und ich freue mich, wenn ich mit Ihnen eng in Kontakt stehen kann.
In diesem Sinne, keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.