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#103 - Lizenzwirren
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Was Softwarehersteller im Namen der Lizenzgebühren anstellen, darüber sprechen wir in dieser Folge.

Ich wünsche Ihnen dabei ganz viel Vergnügen.

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In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 103. Lizenzwirren. Was Softwarehersteller so alles im Namen der Lizenzgebühren anstellen, darüber sprechen wir in dieser Folge.

Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. In dieser Folge geht es heute um Lizenzwirren. Es ist klar, dass Softwarehersteller ihre Produkte lizenzieren müssen, dass Anwendungsunternehmen dafür Geld bezahlen müssen, aber die Frage stellt sich natürlich immer wieder, wofür und was lizenziere ich eigentlich? Ich habe dazu in Folge 54 eine durchaus hörenswerte Interviewfolge mit dem Rechtsanwalt Jürgen Beckers gemacht.

Da geht es um das Thema indirekte Nutzung, also die Fragestellung, wie ich als Softwarehersteller damit umgehe, dass Anwendungsunternehmen nicht innerhalb des Softwaresystems mit dem Fundament arbeiten, sondern mit externen Systemen auf dieses Datenfundament, auf die Software zugreifen. Und das kann durchaus so weit reichen, dass Softwarehersteller sagen, ja, auch Kunden eures E-Commerce-Shops sind natürlich indirekt Nutzer unseres Softwaresystems und müssen damit lizenziert werden. Das gab 2015, 2016 einen sehr großen Aufschrei auch.

Es gibt verschiedene Aspekte bei diesem Thema. Wen das interessiert, der möge gerne mal in die Folge 54 reinhören. Ich glaube, das lohnt sich, sich einfach Gedanken zu machen, was hier auch von Seiten der Softwarehersteller angedacht wird, beziehungsweise was hier teilweise auch zu beachten ist und realisiert wird.

Also das ist eine Folge, die stammt schon aus dem letzten oder vorletzten Jahr sogar schon. Jetzt ist wieder ein großer Softwarehersteller in eine Lizenzierungsdiskussion eingetreten. Die Firma Microsoft mit ihren Partnern.

Was war passiert? Anfang Juli 2019 hat die Firma Microsoft plötzlich in ihren Internal Partner Use Rights geschrieben, dass die Ausgabe von kostenlosen Lizenzen für Microsoft Partner zum 1. Juli kommenden Jahres, also 2020, eingestellt werden soll. Was heißt das? Wenn ich als Partner die Produkte von Microsoft oder einem Softwarehersteller verkaufen will, dann muss ich natürlich irgendwo auch Know-how aufbauen zu diesen Produkten, muss sie entsprechend auch anwenden. Und die Frage, die sich da natürlich zu stellt, ist, brauche ich diese Produkte wirklich dringend intern so sehr, dass ich für jedes einzelne dieser Produkte bereit bin, Geld auszugeben an den Hersteller, an den Softwarehersteller zu überweisen? Oder habe ich diese Produkte, SQL Server, SharePoint, Microsoft Teams, Dynamics und so weiter, damit ich es ausprobieren kann, damit ich meine eigenen Berater schulen kann, um dann das Produkt des Softwareunternehmens noch besser platzieren zu können am Markt.

Ja, und dann gab es auch sofort einen Twitter-Aufruf von Steve Mordieu, einem der größeren Microsoft-Vendor-Partners. Der wurde natürlich durch sämtliche Presseorgane auch getrieben und hat dazu geführt, dass Microsoft eben eine Woche später entsprechend zurückgerudert ist. Also man hat angegeben, dass man halt Kosteneinsparungen machen müssen, wollen, dürfen, tun solle und dass man deswegen eigentlich auch die Partner mit Lizenzgebühren belegen wolle.

Aber man hätte eben zugehört und würde auch verstehen, dass die Partner auf diese Softwaresysteme angewiesen seien, um entsprechend die Software nutzen zu können. Tja, also das ist das Ergebnis, was im Juli plötzlich bei allen Microsoft-Partnern auf der Tagesordnung stand, was Gott sei Dank wieder zurückgerudert wurde. Aber das zeigt uns natürlich, wie stark der Softwarehersteller, gerade der ERP-Hersteller gegenüber seinen Partnern, mögen es jetzt Vertriebspartner oder Beratungspartner sein oder das jeweilige Anwendungsunternehmen, also wie stark dieser Softwarehersteller eigentlich die Regeln bestimmt.

Wir sprechen ja immer über Plattformökonomik, wenn wir die zunehmende Monopolisierung im E-Commerce-Bereich beispielsweise betrachten. Aber natürlich haben wir auch eine gewisse Art von Plattformökonomik, wenn wir das beherrschende Softwaresystem im Unternehmen betrachten. Und ich sehe es immer wieder, dass ERP-Hersteller, dass Softwarehersteller dann hingehen, ich könnte auch noch andere Fälle jetzt nennen, das wird vielleicht ein bisschen zu weit führen, und ihren Status, ihre Macht entsprechend auch im negativen Sinne nutzen, um eben weitere Lizenzgebühren aus den, in diesem Fall Partnerunternehmen, zumeist Anwendungsunternehmen, herauszupressen.

Ich weiß nicht, ob diese negative Art der Ausnutzung des Monopols dieser Plattformökonomie wirklich so sinnvoll ist oder ob man nicht viel eher mit positiven Elementen an dieses Thema herangehen sollte und sozusagen als positiver Partner des Anwendungsunternehmens dastehen sollte. Ich mache mal ein paar Beispiele, wenn so ein ERP-System eben nicht nur rein aus Unternehmensfunktionalitätsbereichen besteht, also nicht nur Funktionen anbietet für das Unternehmen, sondern viel, viel mehr Mehrwert anbietet, wie beispielsweise, weil eben der ERP-Hersteller zum Beispiel in einer Branche, in sehr vielen Unternehmen unterwegs ist, dass er eine Funktionalität für übergreifendes Benchmarking anbietet. Oder wie wir das jetzt gerade im Forschungsprojekt GEAP, dankenswerterweise vom Bildungsministerium gefördert, machen, indem er Ressourcen, die bestimmte Anwendungsunternehmen zur Verfügung haben, beispielsweise bestimmte Produktionsmaschinen, anderen Unternehmen, die das gleiche System nutzen, auch zur Verfügung stellen.

Also beispielsweise Unternehmen A hat eben bestimmte 3D-Drucker, die nicht den ganzen Tag genutzt werden, sodass andere Unternehmen dieser Branche eben diese 3D-Drucker oder diese Produktionsmaschinen ebenfalls nutzen können. Also Ressourcensharing unternehmensübergreifend durch das zentrale Anwendungssystem, durch das ERP-System. Oder wir haben alle das Problem, in den Unternehmen den geeigneten Steuerberater zu finden, der eben nicht nur die Steuer abarbeitet, sondern vielleicht auch dabei hilft, steuerlich die Organisation, steuerlich das Gebilde, das GmbH, AG oder sonst was Gebilde, entsprechend auch zu gestalten, möglichst optimal zu gestalten.

Das kann der Berater natürlich auch nur machen, wenn er entsprechend Zugriff auf die Daten hat und vielleicht irgendwelche Gestaltungsunterstützung in Form von Zusatzfunktionalität aus dem ERP-System heraus. All diese Dinge wären positive Arten und Weisen, wie ich mit dem Herzstück des Unternehmens, mit dem Unternehmenssoftware-System umgehen kann, wie ich die Plattformökonomie für das Unternehmen positiv gestalten kann. Da kann ich als Softwarehersteller vielleicht noch zusätzliche Lizenzgebühren generieren, vielleicht an den Transaktionen, die über solche Zusatzfunktionalität generiert werden, entsprechend auch mitverdienen.

Ich glaube, all das wäre viel sinnvoller, als rein auf diesen Lizenzwirrwarr abzustellen und die Macht, Asymmetrie zugunsten der indirekten Nutzung, zugunsten einer aufgezogenen Zusatzlizenzierung zu beeinflussen. Das sind meine Gedanken spontan zu diesem Fall, der uns im Juli herzhaft zum Lachen gebracht hat am Lehrstuhl. Ich wünsche der Firma Microsoft, ich wünsche allen ERP-Herstellern, dass sie viele gute Ideen haben, wie sie gemeinsam mit ihren Partnern, wie sie gemeinsam mit ihren Anwendungsunternehmen das Thema ERP, das Thema Unternehmensdatenfundament positiv weitertragen können, positiv weiterentwickeln können.

Vielleicht haben Sie ja auch ein paar Gedanken zu diesem Thema. Ich würde mich über ein Feedback sehr freuen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch eine nicht allzu heiße Restwoche.

Keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.

Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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