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#106b - Fehler bei der ERP-Einführung: der digitale Status quo in der Industrie - ein Interview mit dem ehemaligen SAP-Berater und wissenschaftlichen Mitarbeiter Norman Pytel
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Mit dem ehemaligen SAP-Berater Norman Pytel, der heute Mitarbeiter an meinem Lehrstuhl ist, unterhalte ich mich über Fehler bei der ERP-Einführung. Liebe ERP-Berater – hört genau zu. Liebe Anwendungsunternehmen: auch eure Fehler kommen zur Sprache und wir unterhalten uns über den digitalen Status Quo in der Industrie. Wie weit ist SAP S/4 und wo liegen die Herausforderungen?

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann 

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 106, zweiter Teil. Fehler bei der ERP-Einführung, der digitale Status quo in der Industrie. Ein Interview mit dem ehemaligen SAP-Berater und wissenschaftlichen Mitarbeiter Norman Pütell.

Mit dem ehemaligen SAP-Berater Norman Pütell, der heute Mitarbeiter an meinem Lehrstuhl ist, unterhalte ich mich über Fehler bei der ERP-Einführung und in diesem zweiten Teil insbesondere über den digitalen Status quo in der Industrie. Wie weit ist SAP mit ihrem neuen System S4 und wo liegen die Herausforderungen? Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.

Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Das ist der zweite Teil mit meinem Mitarbeiter Norman Pütell. Norman Pütell war langjährig als SAP-Berater unterwegs, ist dann wieder zurückgekehrt an die Alma Mater.

Sie wissen, ich habe ein sehr großes Team ganz unterschiedlicher Fachexperten rund um das Thema ERP, Unternehmensdatenfundament, mit denen wir Forschung betreiben. Und ich freue mich, dass er sich die Zeit genommen hat, hier einfach mit mir im Interview ein bisschen zu plaudern über Fehler bei der ERP-Einführung, auch den digitalen Status Quo in der Industrie, was das Thema ERP, Unternehmensdatenfundament angeht. Und genau in diesem zweiten Teil werden wir ein bisschen über den Status Quo reden.

Herzlich willkommen zurück in den ERP-Podcast. Herzlich willkommen, Norman Pütell. Ja, schönen guten Morgen, Professor Winkelmann.

Ich bitte direkt nochmal darum, dass Sie sich vielleicht selber kurz vorstellen, wer ist der Mensch, Norman Pütell, dass die Leute einfach ein Gefühl kriegen, die vielleicht letzte Woche noch nicht dabei waren. Ja, sehr gerne. Mein Name ist Norman Pütell, ich bin ehemaliger SAP-ERP-Berater aus dem Logistik- und Produktionsumfeld.

Ich habe die letzten drei Jahre in der Zuliefererindustrie und vor allem im Automotive-Bereich gearbeitet und bin jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter Ihres Lehrstuhls. Ja, und darüber freue ich mich sehr. Das stärkt auch gleichzeitig nochmal unsere Kompetenz im ERP-Bereich.

Sie haben selber gesagt, ganz viel SAP-Erfahrung. Fangen wir doch da einfach mal an. S4 ist das große Stichwort für SAP, die Transformation aus der alten R3-Welt, also heißt ja jetzt nicht mehr R3, aber im Kern ist es natürlich noch das bestehende von Herrn Zenke, den ich auch schon mal im Interview hatte, etablierte System der SAP, was jetzt in eine neue Welt überführt wird.

Was gibt es Neues in dem Bereich? Also ich glaube, es gibt das eine oder andere wirklich Neue in dem Bereich S4. Man muss auch sagen, dieses S4-System ist glaube ich das Thema, was die Großindustrie gerade sehr einnimmt. Weil die SAP 2025 den Support für das SAP ERP aufgekündigt hat.

Und deswegen ist die Großindustrie gerade dabei, die Altlasten abzulegen und die neuen Systeme aufzusetzen. Und da gibt es so einige Herausforderungen, die man bewerkstelligen muss, nicht nur technischer, sondern auch fachlicher Natur. Ich setze da mal ein.

Also wir haben im letzten Teil schon ganz viel über Organisation, wir haben über Fehler auf Berater, auf Projektteam-Seite usw. gesprochen. 2025, das wirkt aus heutiger Sicht, jetzt haben wir September 2019, wirkt das noch wahnsinnig lange hin? Das ist aber gar nicht lange, wenn ich überlege, wie viele Installationen die SAP in den letzten 30, 40, fast 50 Jahren am Markt etabliert hat, die alle jetzt portiert werden müssen in diese neue Welt, oder? Also ich glaube, die Zeit drängt tatsächlich extrem, vor allem für die Großindustrie.

Man muss ja berücksichtigen, in der Großindustrie habe ich nicht nur ein Werk oder nur ein System, sondern ich habe unter Umständen 15, 20 oder 30 Werke. Und diese 30 Werke kann ich natürlich nicht mit dem Big Bang irgendwo live schalten, sondern ich muss sukzessive die alten Systeme abschalten und die neuen Systeme wieder live schalten, weil ich gar nicht die IT-Kapazitäten in meiner Organisation habe oder weil vielleicht auch gar nicht der Berater-Markt dafür da ist. Also rechnen wir das erstmal losgelöst von Beratern, rechnen wir es mal durch, so ein Konzern, vielleicht jetzt nicht ein DAX-Konzern mit Hunderttausenden von Mitarbeitern, sondern vielleicht nur in Anführungszeichen mit Tausenden von Mitarbeitern, der wird doch mal locker 2, 3 Jahre mit so einer Umstellung beschäftigt sein, oder? Also ich glaube, so ein Konzern wird locker 5, 6, 7, 8 Jahre mit so einer Umstellung beschäftigt sein, da man ja erstmal schauen muss, wie die Prozesse oder die IT die letzten Jahre gebastelt wurde, dass man erstmal schaut, was hat man denn da in den Systemen drin, was braucht man überhaupt noch davon, was braucht der Fachbereich, um seine Prozesse, die er heute hat, erledigen zu können und allein dieser Schritt zu gucken, oder ich sag mal, den Keller auszumisten, kann man eigentlich auch sagen, den Keller auszumisten, allein dieser Schritt in einer Größenordnung von mehreren Werken kann schon mal ein halbes oder ein Dreivierteljahr dauern und da haben wir uns noch gar nicht ums neue System gekümmert.

Also Sie sind sogar noch ein bisschen pessimistischer als ich, ich hatte jetzt die Ablösung von Insellösungen und so weiter und so fort, das habe ich noch gar nicht alles berücksichtigt, aber nehmen wir einen Mittelwert 4, 5, 6 Jahre, das heißt, ich werde das wahrscheinlich nicht alles alleine machen können, ich habe zwar die fachliche Expertise als Anwendungsunternehmen, aber ich habe natürlich nicht das technische Wissen über die neue S4-Welt, das heißt, ich brauche zwingend auch Berater für so ein Projekt, wahrscheinlich jede Menge, oder? Also vor allem im S4-Bereich muss man sagen, gibt es die ein oder andere Änderung, die nicht nur die Produktion oder Logistik betreffen, ich glaube, die innovativsten Themen sind vor allem auch im Finance-Bereich zu finden, aber nichtsdestotrotz hat man einige Änderungen im Bereich der Logistik und der Produktion, die doch eklatant sind und sich auf IT-Infrastruktur auswirken, die man heute eigentlich betreibt, und ich will mir da gerne mal ein Beispiel ausnehmen, es gibt die Möglichkeit im SAP, die Fertigung entweder über die Lösung diskrete Fertigung oder es gibt eine andere Lösung, die nennt sich Serienfertigung, abzubilden und im Bereich der Serienfertigung, die eigentlich zur Abbildung von Massengütern dient, gibt es das ein oder andere Feld, was jetzt nicht mehr verfügbar ist beispielsweise, was allerdings vorher dafür genutzt wurde, um sogar ganze Systeme, also ich spreche hier von Manufacturing Execution Systems, um dort die Brücke zu schlagen vom ERP ins MES, dort gewisse Rückmeldestände beispielsweise abzubilden, was zukünftig nicht mehr in der Form geht. Ich habe neulich für ein SAP, potenzielles SAP-Projekt, bereits eine Ablehnung von einem sehr großen SAP-Beratungsunternehmen bekommen. Wenn ich das jetzt noch mal 2, 3, 4 Jahre weiter in die Zukunft spinne, schafft das der Beratermarkt überhaupt, bis 2025 die ganzen alten SAP-Systeme abzulösen? Ich glaube, das ist eine spannende Frage.

Meiner Meinung nach muss die SAP natürlich erst mal eine Zahl in den Markt werfen, 2025, dass sich der Markt auch bewegt. Und ich glaube, es gibt natürlich erst mal diese Zahl im Raum, aber aus der Vergangenheit kann man auch sagen, dass die SAP gewisse Dinge auch zurücknimmt oder vielleicht anders fährt. Ich nehme gerne mal ein Beispiel raus aus der Lagerverwaltung.

Vor allem im S4-Bereich war auch die Auskunft, dass das SAP-WM bis 2025 abgekündigt ist und zukünftig alle Kunden mit dem Extended Warehouse Management. Wir reden nicht über die kleine Lagerverwaltung, sondern über das große Warehouse Management System der SAP, was jetzt im S4 integriert ist, dass das die Zukunft sein wird. Ich glaube, was die wenigsten wissen, oder was man zumindest durch einige Berater hört, dass die SAP an der Stelle etwas zurückgerudert ist.

Also auch diese Entscheidungen teilweise zurücknimmt und das alte WM im neuen Stockroom-Management aufleben lässt. Also man müsste mal schauen, inwieweit dort die Technik oder auch die Logik verändert wurde, aber im Grunde genommen kann man sagen, hier wurde vielleicht das alte WM mit ein bisschen Marketing ins Stockroom-Management umgetauft. Zwei Schritte zurückgesprungen.

Ich muss ja auch mal ein bisschen Werbung machen als Universitätsprofessor. Kann man doch eigentlich jedem Studierenden heute nur beraten, ERP-Berater insbesondere im Bereich SAP zu werden, oder? Also ich glaube, SAP ist eine Variante, wie man viel Erfahrung sammeln kann, vor allem in der Großindustrie und in der mittleren Industrie, im Maschinen- und Anlagenbau oder in der Prozessindustrie. Das ist eine gute Bank.

Das ist eine gute Bank, um gutes Geld zu verdienen. Vielleicht ist die SAP an der einen oder anderen Stelle, aber auch nicht immer das Mittel zum Zweck, wie man selber als Berater glücklich wird. Also es gibt natürlich auch andere ERP-Hersteller, die durchaus intelligente Lösungen bieten für kleine Anlagen und Maschinenbauer, wo man gar nicht ein großes SAP-System braucht, sondern vielleicht einfach ein kleineres ERP-System, was vielleicht die Hälfte kostet und nicht den Berg an Funktionen mitbringt, aber zumindest das, was das Unternehmen als Geschäftsmodell hat, doch ganz gut abbilden kann.

Wir wollen also ein bisschen sprechen über den Status der Digitalisierung. Da ist natürlich gerade in Ihrem Bereich, in der Industrie, der Produktion, das große Buzzword Industrie 4.0. Inwieweit ist denn das als Schlagwort mit der funktionalen Umsetzung bei der SAP angekommen? Ich glaube, bei der SAP ist dieses Schlagwort mittlerweile ganz gut angekommen. Also die Antwort auf alle Fragen von Industrie 4.0 wurde marketingtechnisch ja im SAP Leonardo abgebildet, wo man Dinge um IoT oder künstliche Intelligenz oder Blockchain, eine Plattform as a Service, ein Plattform as a Service-Angebot der SAP nutzen kann, um Herausforderungen der Digitalisierung oder ich nenne es eher der Technologisierung abbilden zu können.

Darüber hinaus gibt es auch noch, das Leonardo wird ja im Bereich der SAP Cloud angeboten und im Bereich der SAP Cloud gibt es auch im Industrie 4.0-Bereich noch andere Lösungen, die die SAP anbietet, beispielsweise das Asset Intelligence Network. Das Asset Intelligence Network ist eigentlich eine Cloud-Lösung, die das Ziel hat, Equipment-Daten, die in der Realität nicht so gut sind, standardisiert zur Verfügung zu stellen. Also mein Gefühl war, ich habe es mir nicht angeguckt, aber rein von Marketingfolien war, es ist ein gutes, aufgebohrtes PLM-System, was allerdings weiterentwickelt wurde.

Man kann hier das Schlagwort digitaler Zwilling nennen, also den digitalen Zwilling im Bereich von Werkzeugen aufleben zu lassen. Und darüber hinaus gibt es noch das Predictive Maintenance Services. Was, glaube ich, bei den Anlagen- und Maschinenbauer ganz gut beliebt ist, zu schauen, inwieweit kann ich denn eine Instandhaltung vorbeugend bei meinen Anlagen feststellen.

Das sind so die Antworten, die die SAP auf Industrie 4.0 bietet. Also sehr, sehr viele Stellen, an denen ich Sensorik anbinden kann, an denen ich Maschinen anbinden kann, wo ich sozusagen virtuelle Welt und reale Welt über den Produktliebenszyklus PLM entsprechend auch monitoren und verfolgen kann. Ja, ich glaube, es ist nicht nur das PLM als Lebenszyklus.

Mit der Plattform Leonardo bietet man auch die Möglichkeit, die Sensorik und genau Themen um künstliche Intelligenz auch im Anlagen- und Maschinenbereich direkt auf dem Shop-Floor, also auf der Fertigung, bereitzustellen. Und es ist eigentlich ein Baukasten, den man einsetzen kann. Es gibt natürlich fertige Software-as-a-Service-Lösungen, aber im Prinzip ist es ein guter Baukasten, um sich digitalisierte und smarter Prozesse für die Zukunft zu bauen.

Okay. Also System kann bereits sehr, sehr viel, bietet sehr, sehr viele Möglichkeiten im Bereich Industrie 4.0. Wie weit ist das Thema Industrie 4.0 bei Beratungsunternehmen angekommen? Gute Frage. Ich glaube, Beratungsunternehmen machen genau das, was die Industrie macht.

Also wenn die Industrie sagt, wir machen jetzt smarter Prozesse, dann sind Beratungsunternehmen natürlich sofort mit dabei, auch smarter Prozesse zu machen. Ich glaube, die Industrie, vor allem die Großindustrie, hat eher gerade damit zu kämpfen, den Umstieg vom alten R3 oder SAP, je nachdem, was man da hat, ins neue S4 zu wagen. Ich glaube auch, dass genau die Beratungsunternehmen sich dieser Stimmung irgendwo anpassen und sagen, wir machen erst mal das Konservative.

Und wenn ein Kunde um die Ecke kommt und sagt, wir möchten gerne doch das ein oder andere Pilotprojekt im Leonardo-Bereich machen. Die SAP hat ja durchaus diverse Pilotprojekte bereits umgesetzt, um das Thema Leonardo an den Markt zu bringen und vor allem auch erfolgreich an den Markt gebracht bei einigen Kunden. Dann sieht man, dass es jetzt noch nicht die Masse ist, die sich diesen Themen widmet und deswegen ist es auch noch nicht die Masse der Beratungsunternehmen, die sich diesen Themen jetzt widmet.

Das heißt, in der Industrie ist die Nachfrage auch noch nicht so groß, dass sich dort eigenständige Beratungsangebote bilden können. Ich denke, die Nachfrage ist da. Sie ist nur noch in dem Maße da, dass man als Beratungshaus heute sich darauf spezialisiert, genau diese kleine Nachfrage zu bedienen.

Ich denke, es wird Beratungshäuser geben, vor allem die großen Beratungshäuser, die dieses Angebot definitiv bieten. Aber ich glaube, die mittleren und kleineren Beratungshäuser werden hier erstmal nur kleine Pilotprojekte umsetzen. Wie sieht denn das Thema Industrie 4.0 in der Industrie aus? Ist es angekommen? Was ist dort der digitale Status quo? Also man muss dazu sagen, mein Background war ja vor allem Zuliefererindustrie, Maschinen- und Anlagenbau und die Automobilindustrie.

Man sind tatsächlich vom Mindset ziemlich weit vorne. Ich glaube, vor allem die Unternehmenselite und auch der eine oder andere Fachbereich hat verstanden, worum es dabei eigentlich geht, nicht nur Prozesse zu digitalisieren, sondern auch vielleicht digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Die Frage ist natürlich in der Industrie, die wir uns jetzt stellen können, vor allem in der deutschen Industrie.

Die letzten 20, 30 Jahre sind wir richtig gut da drin gewesen, Maschinen zu bauen, aber nicht digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Wie wir es schaffen, diese Unternehmens-DNA nenne ich sie mal. Und das ist ja ein mehrdimensionales Problem, dass ich nicht nur sage, ich muss dem Fachbereich neues Wissen mitgeben.

Ich muss auch der IT neues Wissen mitgeben. Ich muss neue Infrastrukturen bauen. Ich muss Produktentwickler in intelligente Produkte gestalten lassen.

Das ist wie gesagt ein mehrdimensionales Problem. Wie schaffen wir es, genau diese Unternehmens-DNA umzumünzen und zu sagen, dass was wir im Maschinen- und Anlagenbau wirklich schon gut können, müssen wir auch im Bereich von Industrie 4.0 langsam umsetzen. Und deswegen denke ich, die Industrie oder die große Industrie tut sich noch schwer.

Allerdings sind wir auf einem guten Weg und wir haben sehr, sehr, sehr viel Arbeit noch. Wo sehen Sie denn den Hauptpunkt in der Industrie 4.0? Ist es die Automatisierung und Flexibilisierung von einzelnen Prozessen? Oder sehen Sie, dass eher in der Vernetzung und dem Aufbau von neuen Geschäftsmodellen die mit vernetzten Produkten, sprich Stichwort Betreibermodelle, daherkommen? Herr Prof. Winkmann, ich glaube, wenn wir die Diskussion führen, dann werden wir die nächsten drei Stunden damit beschäftigt sein, den Begriff Industrie 4.0 auszudefinieren. Ich glaube, dass dieser Begriff sehr individuell von den jeweiligen Unternehmen verstanden und mit, ich nenne es mal mit Buzzword, dann erstmal gefüllt werden muss, was denn eigentlich darunter verstanden wird.

Das finde ich gut. Der Einwand hätte von mir als Professor eigentlich kommen müssen. Sie haben völlig recht.

Ich greife aber noch ein Stichwort auf, vielleicht an der Stelle, den Berater 4.0. Wie sieht der Berater 4.0 entsprechend in Analogie zur Industrie 4.0 denn aus? Ich denke, der Berater 4.0, wie sieht der in der Zukunft aus? Wenn wir mal in den SAP-Bereich oder auch, ich nehme mal die anderen großen beiden mit dazu, Oracle und Navision oder vielleicht auch mittlere ERP-Beratungshäuser und deren Berater. Es wird wahrscheinlich am Ende nicht mehr darum gehen, nur mit ERP-Wissen glänzen zu können und die Anforderungen, die ein Unternehmen heute hat, im ERP darzustellen und vielleicht den einen oder anderen intelligenten Prozess zu machen, umzusetzen. Ich glaube, es geht auch noch viel in Richtung agile Softwareentwicklung.

Es geht vor allem im Bereich, wenn man sagt, man möchte gerne mal was ausprobieren und pilotiert erstmal einen sogenannten MVP, also ein Minimum Viable Product, um ein kleines Inkrement zu haben und zu schauen, funktioniert denn das eigentlich, was wir uns da überlegt haben, um das dann weiter auszubauen. Ich glaube, es ist über agile Softwareentwicklung noch darüber hinaus, dass man sagt, man muss sehr viel Kreativität mitbringen, ein anderes Denken im Sinne von, man denkt nicht nur im ERP-Schollklappenmodell, sondern vielleicht noch darüber hinaus ein grundlegendes Verständnis für IoT mitzubringen, für Maschinens Lernen oder Deep Learning mitzubringen. Aber ich glaube, eines der wichtigsten Themen, und da müssen wir nicht über Berater 4.0 reden, ist das Thema Empathie.

Empathie im Sinne von, inwieweit ist der Berater möglich, sich in die grundlegenden Probleme eines Users oder eines Unternehmens hineinversetzen zu können. Dann beschäftigen wir uns genau mit Themen wie User Experience, also wie fühlen sie denn eigentlich genau ihre Software, die sie dem Kunden dort zusammengestellt haben. Sie haben jetzt zwei Bereiche angesprochen.

Das ist neudeutsch die Soft Facts, wir sprechen über sozio-technische Systeme, also organisatorische Veränderungen, Menschen, People’s Business auf der einen Seite und die Hard Facts. Ja, ich glaube, das wird spannend. Mein Plädoyer ist ja, oder meine Überlegung, wenn ich mir heutige Firmen anschaue, aber wenn ich mir auch die neue Generationen und auch die neuen inhaltlichen Methoden, die fachlichen Methoden anschaue, dass die Unternehmen eigentlich viel viel enger mit den Universitäten kooperieren müssen, viel enger auch an die Universitäten dran wachsen müssen, weil ich glaube, das Erfolgsmodell von früher auf der grünen Wiese irgendwo in Hintertupfingen das Grund für Unternehmen aufzubauen und die Mitarbeiter da schon hinfolgen, das ist tot, oder? Vielleicht funktioniert es ja an der einen oder anderen Stelle noch, aber ich glaube, Sie sagen schon richtig, wir müssen, glaube ich, auch als Universität und ich nehme auch die Fachhochschulen momentan, viel länger mit der Industrie zusammenarbeiten.

Die Industrie muss erkennen, dass wir in der Forschung doch bei dem ein oder anderen Thema vom Mindset sehr viel weiter sind, als sie selber im Unternehmen sind. Aber zum anderen brauchen wir die Industrie auch genauso, um die Sachen, die wir uns und jetzt nehme ich uns mal oder übe ich mal Selbstkritik, die wir uns in unserem Elfenbeinturm überlegen, dass die auch praktikabel sind. Also wenn wir von kleinen und mittleren Unternehmen reden, dass wir ja einfach praktikable Ansätze liefern, wie mittlere Unternehmen vor allem, die ja im Bereich von Industrie 4.0, glaube ich, die Informationsflut kaum kanalisiert bekommen, dass wir dort unkomplizierte Werkzeuge an die Hand geben, wie sie eigentlich die Digitalisierung oder die Technologisierung bewerkstelligen können.

Das 4.0-Thema halte ich nochmal hoch, weg von den Unternehmen, hin zu uns privat. Wie weit wird uns denn persönlich das Thema Industrie 4.0 betreffen? Lass uns doch mal zusammen das Szenario spinnen. Ich habe mir genau diese Frage vor zwei Jahren, wo ich mich das erste Mal mit dem Thema SAP Leonardo beschäftigt habe und auf einem Symposium in Waldorf war, genau beschäftigt und kam dann irgendwann mal wieder zurück aus dem schönen Waldorf, wo die SAP sitzt, nach München und saß mit der Startup-Szene oder mit Personen aus der Startup-Szene von Berlin und München zusammen in einer Bar und haben uns eigentlich mal zusammengesponnen, was sind denn eigentlich jetzt die Einflüsse von Industrie 4.0 oder was gibt es hier für Wechselwirkungen und haben angefangen, uns eine Bar 4.0 mal zu denken.

Also wie sieht denn jetzt beispielsweise eine Bar in zehn Jahren aus? Die könnte genau so aussehen, dass das, was wir eigentlich heute in Industrieunternehmen sehen, irgendwann zu Barunternehmen runterträufelt. Also stellen wir uns mal vor, Professor Winkelmann, wir würden jetzt zusammen eine Bar gründen. Ja, wir schenken Forschungsbier aus.

Das macht kreativ beim Forschen, wer nichts wird, wird. Also wenn wir diese Bar jetzt zusammen, nehmen wir an, wir wären jetzt Geschäftsführer, würden wir definitiv diese Bar digitalisiert aufbauen. Und Sie sind ja auch, glaube ich, ein Freund von Abbau von digitalen Puffern.

Also durchdenken würden wir uns das ziemlich digitalisiert und automatisiert. Und vielleicht noch mit der einen oder anderen Nuance aus der Industrie. Also wie könnte sich sowas, wie könnte sowas aussehen? Heute schicken Sie ja beispielsweise als Unternehmen einen Lieferabruf zum Lieferanten und sagen, Sie möchten 100 Stück, wovon auch immer haben.

Eigentlich könnten wir hier die Parallele ziehen und sagen, wir schicken auf eine App, die heute einen Kunde hat, auch einen Lieferabruf und sagen, lieber Kunde, komm doch zu uns in unsere Bar essen und trinken. Wir geben dir 20 Prozent Rabatt. Der Kunde sagt klar, passt, setzt sich in sein Car2Go oder in die MVG oder BVG in Berlin.

Und Sie sehen dadurch, dass wir vernetzt sind mit Car2Go und der MVG, wie viele Leute sich im Zulauf zu uns befinden. Also da haben wir schon die erste Vernetzung. Wie viele Leute geben denn beispielsweise bei Car2Go und Sie gehen ja heute auch ihr Car2Go Auto suchen über GPS Daten, geben die Adresse ein unserer Bar und eigentlich kriegen wir dann schon raus, was ist denn eigentlich der nächste Parkplatz, weil wir beide uns überlegt haben, alle Parkplätze um unsere Bar herum mit Sensoren zu verpacken, wo die Kunden parken können und direkt zum Parkplatz geleitet werden.

Allerdings immer noch unsere Adresse eingeben, dass wir sehen, wer denn eigentlich sich auf dem Weg zu uns befindet. Und die Kunden, die jetzt aus ihrem Auto aussteigen oder aus der Bahn kommen, bewegen sich ja zu unserer Bar hin. Und eigentlich könnten wir uns überlegen, vor unserer Bar genau den Boden mit Drucksensoren zu installieren, um zu schauen, wie viele Leute stehen denn gerade vor unserer Bar, wie viele Leute kommen denn da eigentlich an.

Das ist eigentlich dieselbe Parallele, die man hat, wenn der LKW auf den Hof des Werkes fährt und man dort erkennt, dass es jetzt nicht mehr lange dauert, bis er eigentlich seine Ware im Lager ablegt oder in die Produktionslinie bringt. Und während Sie eigentlich vor der Bar stehen, lockt sich ihr Handy mit ihrem anonymisierten Profil schon ins WLAN ein, sodass wir eigentlich sehen, okay, wir als Barbetreiber sehen, was der Kunde vielleicht schon die letzten drei Mal bei uns gegessen hat oder drei Mal bei uns getrunken hat und sehen, was er oder wie er sich eigentlich durch unseren Laden bewegt und vor unserem Laden bewegt, weil wir alles mit Drucksensoren unten ausgerichtet haben. Wo wir auch erkennen können, 1 zu 1 Verbindung, wie viel wiegt denn beispielsweise ein Kunde.

Wir können natürlich über Triangulation im WLAN feststellen, wo er sich befindet, aber wir können natürlich auch die Sensoren aus dem Boden zusammenführen und das zu diesem anonymisierten Profil dazu addieren, um eine eindeutige Identifikation zu erkennen. Sie sitzen sich an die Bar und bekommen, weil wir wissen, naja, sie trinken sowieso immer Schwarzbier im Winter oder Radler im Sommer, je zur Jahreszeit schon, ohne dass sie überhaupt bestellt haben, das richtige Bier oder vielleicht auch den richtigen Wein. Allein diese Vorstellung zu sagen, man nimmt diese Daten und man wird als Kunde schon gläsern, hat uns an der Stelle das eine oder andere Mal doch die Nase rümpfen lassen.

Aber wir können das noch weiterspielen und beispielsweise sagen, na gut, wir trinken nicht nur, sondern wir essen auch etwas. Sie, Herr Professor Winkelmann, sind vielleicht ein Freund von Spaghetti mit Tomatensauce und ich habe allerdings vielleicht gar nicht Hunger auf ein warmes Mittag, sondern auf, ja, nennen wir mal eine schöne Torte oder irgendwas. Also eigentlich gehen wir dann her und Sie scannen den QR-Code in der Bestellkarte und sehen über eine Blockchain, dass die Tomaten und jetzt haben wir den ersten Skandal ja schon letztens gehört, dass Tomaten massenweise aus China oder China, je nachdem aus welcher Region man aus Deutschland kommt, nach Italien geliefert werden und Sie natürlich italienische Tomaten bekommen.

So über diese Blockchain haben Sie natürlich die Möglichkeit nachzufolgen, kommen die Tomaten tatsächlich aus China oder kommen sie aus Italien? Welche Tomatensauce habe ich denn jetzt eigentlich vor mir? Und wir als Barunternehmen oder als Restaurant können genau den Kunden diese Transparenz offerieren und sagen, schau mal her, unser Essen kommt tatsächlich nicht aus China, sondern aus Italien. Und stehen geblieben bei meiner Torte, weil ich habe eher Lust auf was Süßes, habe ich diese Torte über die App, die beispielsweise das Restaurant mir liefert, bestellt und das war eine der neuesten Entwicklungen, glaube ich, vor zwei oder drei Jahren gab es Lebensmittel-3D-Drucker. Also kriegen Sie ein schönes Kunstwerk aus einem 3D-Drucker herausgeliefert, direkt an den Tisch geliefert.

Das sind natürlich zwei technologische Entwicklungen, wo ich sage, ich brauche vielleicht gar keinen Koch mehr, aber ich kann auch nachvollziehen, woher kommen dann eigentlich meine Zutaten? Nachdem wir gegessen haben und natürlich viel getrunken haben, haben wir genau wie in einem produzierenden Unternehmen irgendwann mal den Warenausgang und müssen die Faktur erstellen. Also wenn man bedenkt, dass man heute ziemlich lange oder vielleicht auch mal etwas länger auf die Bedienung warten muss, bis man bezahlen kann, warum kann man nicht einfach aus dem Restaurant rausgehen und digital bezahlen oder im Restaurant digital bezahlen? Also es könnte ja nichts anderes sein, als wir gehen aus dem Restaurant raus und nach Verlassen des WLANs kriegen wir automatisiert die Rechnung bereitgestellt und haben über unser hinterlegtes Konto in unserem anonymisierten Profil bezahlt. Und dann stellt sich die Frage, ich hatte vier Bier, sie hatten vielleicht drei Bier, wie kommen wir denn jetzt nach Hause? Also rufen wir uns jetzt ganz klassisch MyTaxi und geben unseren GPS Standort bereit, dass man MyTaxi uns abholen kann oder fahren wir mit Car2Go nach Hause.

Dadurch, dass wir auch Kooperation mit MyTaxi und Car2Go haben, können wir natürlich die Daten bereitstellen und sagen, liebe Fahrerunternehmen, wir sagen euch, was haben denn die Kunden überhaupt getrunken und sind sie überhaupt fahrfähig? Oder magst du den Kunden überhaupt als betrunkener Menschen mitnehmen in deinem Taxi? So eine Fragestellung könnte man ja mal machen. Naja und natürlich können sie auch mit dem Car2Go nach Hause fahren, allerdings nur mit einem Alkoholmesser, einem IoT-Alkoholmesser, also vielleicht könnte es ja auch ein Gerät sein, was sie an ihr Handy anstöpseln, reinpusten, damit sie überhaupt ihr Car2Go freischalten können. Das sind in Summe viele Szenarien, wo man sagt, man hat viel digitalisiert, viel miteinander vernetzt, hat neue Technologien mit dazu gepackt und hatte eigentlich seine Bar 4.0. Das natürlich alles ausgegrenzt im Sinne von, was kostet eigentlich das Ganze mal umzusetzen, aber rein auf der technologischen Ebene hat uns das schon ganz gut Angst gemacht, was da eigentlich auf uns zukommen könnte.

Ich glaube, weder sie noch ich werden Wirt, allenfalls Betriebswirt. Trotzdem haben sie ganz viele Szenarien aufgezeigt, die in Summe eigentlich oder in Einzellösungen, so sage ich mal, in vielen Industrien helfen können, besser mit dem Konsumenten umzugehen. Jetzt kommt der Deutsche in mir wieder hervor, aber vieles, was sie genannt haben, riecht auch sehr stark nach der europäischen Datenschutzgrundverordnung, oder? Also definitiv.

Man muss halt sagen, eigentlich macht es Angst, wie gläsern man einen Kunden bekommen kann und vor allem nach dem Skandal um Cambridge Analytica kann ich jedem nahelegen, mal das zu googeln. Wer noch nichts davon gehört hat, weil in der deutschen Presse war das eher weniger der Fall, wie systematisch Daten genutzt werden, um Menschen zu manipulieren, dann stelle ich mir die Frage, wir haben ja auch mal Großeltern gehabt von vor 70 Jahren, wo es andere Zeiten gab. Wie könnte man solche Daten beispielsweise auch nutzen, um hier, ja nicht nur in Deutschland, Europa, ich meine generell Leute zu manipulieren, weil sie sich gläsern durch Daten gemacht haben? Also ich sehe schon, es gibt viele Möglichkeiten, es gibt viele Szenarien, es gibt aber natürlich auch immer die rechtlichen Regulatorien.

Wenn ich mir alle Branchen anschaue, dann sind natürlich die regulierten Branchen im digitalen Nachtreffen. Das ist, sage ich mal, Datenschutzgrundverordnung ist sicherlich Chance im Sinne von dem Schutz der eigenen Daten, aber auch gleichzeitig das Problem. Denn andere Regionen der Welt haben das nicht und können dort neue Geschäftsmodelle ausprobieren, die wir hier gar nicht ausprobieren können, weil einfach auch die Regulatorien davorstehen, oder? Also ich sehe da auch ein Risiko auf uns in Europa zu kommen.

Natürlich ist es ein Risiko zu sagen, man könnte den Anschluss an einige digitale Geschäftsmodelle verpassen. Vor allem könnte man auch sagen, man nimmt sehr viele personenbezogene Daten, um interne Betriebsprozesse zu verbessern, ohne eigentlich den Menschen analysieren zu wollen. Allerdings tut man es ja dann doch.

Die Frage ist genau, wie schafft man es, diesen Spagat zwischen wir optimieren uns selbst oder wir generieren neue digitale Geschäftsmodelle, aber vernachlässigen dabei nicht den Blick, diesen Datenschutz gewährleisten zu können. Und ich glaube auch, wenn wir über den Teich mal schauen oder auch in Richtung China, dann schert man sich an deren Bereichen, glaube ich, weniger genau um so eine Fragestellung und sieht den finanziellen Aspekt erst mal im Vordergrund. Aber ich glaube, dass wir auch noch einige Zeit brauchen, um in Europa ein Verständnis überhaupt dafür aufzubauen, was denn überhaupt es bedeutet, seine Daten zu schützen.

Wenn wir bedenken, wie viele Leute eigentlich heute noch auf Facebook und Instagram unterwegs sind und dort genau den Riesen, die auf dem anderen Teich sitzen, freiwillig unsere Daten geben und die damit Geld verdienen, dann glaube ich, müssen wir erst beim Bewusstsein hier anfangen, um dann nachzuvollziehen, womit wir eigentlich unser Geld verdienen wollen oder auch nicht verdienen wollen. Kommen wir nochmal wieder zurück zu Ihnen. Unsere bekannte Blitzlichtrunde zum Ende einer Folge.

Sie haben ja nun mal die SAP-Beratung verlassen und den Weg zurück an die Universität gefunden. Warum macht man sowas? Das ist eine gute Frage und ich habe mich auch lange die Frage gestellt, ob ich aus der Beratung rausgehen soll, weil es mir eigentlich doch sehr viel Spaß gemacht hat. Das Team hat wirklich super zusammengearbeitet.

Ich glaube, es wird schwer, nochmal so einen Arbeitgeber zu finden. Vielleicht gehe ich auch wieder zurück zu demselben Arbeitgeber. Mal schauen.

Aber warum der Weg zurück an die Universität? Ich glaube, zu dem jetzigen Zeitpunkt bietet sich noch die Möglichkeit zu sagen, man nimmt anderes Wissen mit, ein anderes Mindset außerhalb der SAP. Ich glaube, die SAP ist in einigen Punkten doch hinterher, wo ich gesehen habe bei den Kunden, wo ich unterwegs war. Eigentlich sind die Kunden von den Ideen schon fünf Jahre weiter als die SAP selbst.

Und um nicht den Anschluss vielleicht an so eine interessanten Themen zu verlieren und weiterhin vorne mitzuschwimmen, was ich bei den Kunden gemacht habe, möchte ich vielleicht noch weiter mit vorne schwimmen an der Universität, weil wir auch der Praxis ein, zwei Jahre mit voraus sind, um mich genau mit innovativen Themen auseinanderzusetzen, wie digitale Geschäftsmodelle oder wie kriege ich ein Mindset irgendwo ein, was sich nicht nur auf Modulberatung begrenzt, sondern über die Grenzen hinaus, um nicht die Prozesse, die wir heute im Code eigentlich von vor 30 Jahren haben, abzuwickeln, sondern Prozesse entstehen zu lassen, die definitiv wertschöpfender sind, als wir es in der Vergangenheit in der Lage waren, diese umzusetzen. Sie arbeiten an einem konkreten Forschungsprojekt. Woran arbeiten Sie? Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mal eine ganz andere Richtung mit Recycling.

Das war ein Recycling von Kunststoffen. Das war ein Thema, was eigentlich Recycling, darüber macht sich jemand in der Fertigung im SAP-Bereich erstmal gar keine Gedanken. Deswegen finde ich das Thema ganz interessant, auch mal in die Richtung zu gehen.

Wir beschäftigen uns damit, wie können wir Kunststoffe nicht nur besser recyceln, sondern wie können wir auch die Kreislauffähigkeit der Kunststoffe erhöhen. Wir haben ein riesiges Problem, dass die Kunststoffe massenweise heute eigentlich nicht wiederverwertet werden, aufgrund bestimmter Kombinationen von Kunststoffen oder einfach das Wissen nicht da ist, dass man sie recyceln kann. Genau da setzen wir an, mit dem Süddeutschen Kunststoffzentrum hier eine IT-Lösung zu erstellen, die Produktdesignern die Möglichkeit gibt, Wissen über Kunststoffe mitzunehmen, die Einkäufern und vielleicht auch Menschen auf der Produktionslinie oder Mitarbeitern auf der Produktionslinie die Möglichkeit bietet, vielleicht mal einen neuen KPI in Betracht zu ziehen, nicht nur nach Ressourcenauslastung zu gehen oder nach Kostenoptimierung, weil die Frage, kann man sich als Unternehmen stellen, wenn man sagt, man hat ein grünes Label, wie produziert man dann eigentlich vielleicht das KPI? Öko mit reinzubringen oder Recyclingfreundlichkeit, also produziere ich ökogerechter? Also wir haben die Integration in CAD, in ERP-Prozesse.

Wir haben allerdings auch die Möglichkeit, Maschinen-Integrationen irgendwo in Betracht zu ziehen. Es gibt aktuell beispielsweise Maschinen, die da drauf mit Machine Learning trainiert werden, Kunststoffe voneinander zu trennen. Also das sind ja eigentlich Tätigkeiten, die am Ende des Produktlebenszyklus oder Daten, die am Ende des Produktlebenszyklus entstehen, die wir Produktdesignern am Anfang des Prozesses bereitstellen können.

Also es ist ein spannendes Projekt, was sehr integrativ wieder unterwegs ist und wo man viele IT-Systeme mit berücksichtigen muss. Allerdings, was auch am Zahn der Zeit ist, weil wir gerade, was die Ressourcen angeht, doch überprüfen müssen, inwieweit wir was wegschmeißen oder was wiederverwerten können. Vielleicht noch ein bisschen breiter gesprochen, das Projekt D-Mob ist für mich, gemeinsam mit Ihnen, also nicht nur mit Norman Pütell, sondern mit den Mitarbeitern am Lehrstuhl, eine Grundüberlegung und ein Ausgangspunkt, weil ich in dem System zurzeit noch sehr stark sehe, dass bei Entscheidungssituationen, bei operativen Entscheidungssituationen, die der Mitarbeiter vor dem System macht, in dem Falle die Produktionsplanung, also welche Maschinen, welche Ressourcen, was ist der Produktionsweg, wie komme ich zum Ergebnis, dass dort das Wissen eigentlich nur in den Köpfen der Mitarbeiter steckt und das Wissen kann durchaus veraltet sein.

Ich konnte mir jetzt natürlich ein Buch neben den Entscheidungsprozessen legen und sagen, wenn du mal wieder am Entscheiden bist über den Produktionsplanung, schlag Seite 317 auf. Das wird er aber logischerweise meistens nicht tun. Insofern, das, was wir jetzt machen, ist eigentlich ein erster Schritt, Wissensbasen in diesen Entscheidungsprozess zu hängen und etwas hochploppen zu lassen, was ihm dann genau in der Entscheidungssituation sagt, hast du mal drüber nachgedacht, ein bisschen mehr von dem und dem Zeugs zu nehmen oder auch mal rechts rum zu denken oder links rum zu denken oder nimm lieber die Maschine 3, weil die weniger Energie verbraucht und du musst nicht so schnell fertig sein, wie das mit der Maschine 7 der Fall ist, sondern Maschine 3 reicht da völlig aus und so weiter und so fort.

Also ich denke, das ist richtig, wie Sie das schon erwähnen, das ist vor allem auch ein komplexes Thema, weil unglaublich viele Unternehmensentscheider oder auch Prozesteilnehmer in der Produktentwicklung und auch in der Produktverwendung und auch im Recycling unterwegs sind, die, und das ist mir aktuell schon fest aufgefallen, gar nicht miteinander sprechen, gar nicht die Informationen miteinander teilen, genau dieses Wissen gar nicht digitalisiert, sondern, wie Sie schon richtig sagen, in Büchern nur vorhanden haben und wir hier eigentlich einen Beitrag dazu leisten können, digitalisierter zu arbeiten, Leute mehr zueinander zu bringen, eine Wissensdatenbank aufzubauen, zu wissen, was sowieso schon vorhanden ist, da gibt es ja zahlreiche Datenbanken auch schon, und vielleicht auch ein digitalisiertes Arbeiten zu ermöglichen, was einfach mehr Wertschöpfung bringt, indem, wenn ein Einkäufer beispielsweise sagt, er möchte nicht einen Primärrohstoff, also einen Rohstoff, der aus Öl gewonnen ist, verwenden, der vielleicht 100 Euro kostet, sondern wir bieten ihm dann die Möglichkeit, zu sagen, es gibt auch einen Sekundärrohstoff, also einen Rohstoff, der recycelt ist, genau dieselbe Qualität hat, aber auch nur 50 Euro kostet und liefern ihm dazu gleich die entsprechenden Lieferanten. Ich meine, da haben wir die BBL schon wieder teilautomatisiert. Das sind so Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen werden, ja.

Stichwort Wissen, also Sie sind jetzt im Umfeld, ich hoffe, dass das stimmt, ich bilde mir das zumindest ein, wo wir sicherlich einen kleinen Schornstein, einen Wissenschornstein auch im ERP-Bereich haben, wo sehr viel Wissen einfach in ganz unterschiedlichen Richtungen, sei es mathematisch oder sei es in den Prozessen oder in solchen Datenbanken, wie hier in diesem Projekt, zusammenführen und aufbauen und haben. Trotzdem ist Leben ja lebenslanges Lernen und ich frage meine Gäste natürlich auch immer nach Buchempfehlungen, nach Empfehlungen, wo vielleicht unsere Zuhörer auch einen Mehrwert generieren. Gibt es was, was Ihnen in der letzten Zeit über den Weg gelaufen ist, wo Sie sagen, das können Sie weiterempfehlen? Dadurch, dass ich mich aktuell mit dem Thema Blockchain auseinandersetze, kann ich doch das Buch Blockchain-Grundlagen von Daniel Drescher empfehlen.

Auch was ich mitbekommen habe im Recycling-Bereich ist ja Blockchain auch ein Thema gewesen, aber die Mitarbeiter der Recyclingfirmen haben auch immer gesagt, ja Bitcoin ist ja Blockchain und Blockchain ist Bitcoin. Ja gut, wir wissen beide, dass es nicht der Fall ist. Also wer gerne ein bisschen was zu Blockchain und den Grundlagen dazu lesen möchte, es ist ein schönes Buch, was in verständlicher Weise geschrieben ist, ohne dass man Informatiker sein muss.

Das kann ich wirklich empfehlen. Und ich packe in die Shownotes auch noch das, was wir zum Thema verteilte Datenbanken und Blockchains an Episoden im Podcast gemacht haben. Ich erinnere mich, dass ich mit Adrian Hofmann und anderen Mitarbeitern sehr viel über die Grundlagen gesprochen habe, sodass Sie, liebe Zuhörer, gerne auch in die Richtung nochmal die eine oder andere Folge hören können.

Herr Pitell, jetzt sind Sie gekommen aus dem Beratungsumfeld. Sie haben sehr, sehr viel gesehen, was in der Industrie passiert. Industrie 4.0 haben wir darüber gesprochen.

Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für die IT, für die Unternehmen in den nächsten zehn Jahren, sagen wir mal? In den nächsten zehn Jahren? Ich glaube, ich bin nicht mehr in der Lage zu sagen, welche Herausforderungen wir in den nächsten fünf Jahren noch stemmen müssen. Aber ich denke, das wird definitiv ein Thema werden, zu sagen, wie kriegen wir die, ich nenne sie mal alte Unternehmens-DNA dazu, zu einer digitalisierten Unternehmens-DNA zu werden? Also, wie schaffen es Maschinen- und Anlagenbauer beispielsweise, ihre Prozesse so zu digitalisieren und die digitalen Puffer abzubauen? Da sind Sie auch ein Freund davon. Wie kriegen wir es hin, die Mitarbeiter mitzunehmen? Das ist, glaube ich, auch ganz wichtig, dass sie verstehen, was macht denn die IT eigentlich da? Ich glaube, wir müssen auch viel Unterstützungsleistung noch in der Hinsicht bieten, dass wir der IT sagen, dass sie nicht mehr nur die Abteilung ist, die Anforderungen umsetzt, sondern dass sie zum Innovationstreiber für neue Prozesse wird.

Das sind, glaube ich, die Herausforderungen, mit denen wir uns zumindest erst mal die nächsten fünf Jahre definitiv beschäftigen dürfen. Ja, ich habe für diesen Podcast, ich denke natürlich auch immer darüber nach, wie man die Folgen so nennen kann. Und gestern fiel mir so ein Schlagwort ein, holt die Nerds aus dem Keller.

Gemeint ist eigentlich, die IT darf gar nicht mehr so als Kellerkind, als nur noch Leistungserbringer oder Leistungssklave wahrgenommen werden, sondern das gehört eigentlich in die Belletage. Das gehört eigentlich auf die Augenhöhe der Geschäftsleitung, weil die modernen Geschäftsmodelle werden ohne Daten, ohne IT gar nicht gestaltbar sein. Und wir müssen einfach sehen, dass diese beiden fachlichen Bereiche ganz, ganz eng zusammenarbeiten, um die neuen Geschäftsmodelle auszuarbeiten, richtig? Ja, da kann ich Ihnen nur zustimmen.

Also vor allem, Sie sind ja ein Freund des ERPs, des Datenfundamentes von Unternehmen. Ich sehe das ERP, sage ich mal, als gute Ausgangsbasis, genau ein Datenfundament zu liefern. Aber ich sage auch, von dem, was ich bis jetzt gesehen habe und ich meine, wir können ja nur in eine Glaskugel gucken, was machen die ERP-Anbieter in der Zukunft.

Ich denke, es wird gewisse Logiken oder intelligentere Logiken geben, die mit alten Arbeitsweisen der Vergangenheit aufräumen. Allerdings sehe ich das ERP aktuell eher als stabilen Kern, um die Standardunternehmensprozesse abzubilden und alles, die fancy Sachen, nenne ich sie mal, die neuen Sachen, die werden sich, denke ich, zum Großteil auch außerhalb von ERP abspielen, weil sie doch hochgradig individuell sind und die ERP-Stellenhersteller da in erster Linie erstmal Probleme haben zu verstehen, wie sie diese Individualisierung in die ERP-Systeme bringen sollen. Das Unternehmensdatenfundament ist definitiv größer als das, was wir heute noch als ERP sehen.

Vielleicht müssen wir auch über neue Architekturlösungen an der Stelle nachdenken, aber ich will Ihnen nicht Ihre Ideen, Ihre Gedanken zu den Herausforderungen über ERP in den nächsten Jahren vorwegnehmen. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen? Ich denke, die größte Herausforderung ist zum einen erstmal ein gutes Fundament im ERP-Bereich aufzubauen und die nächste Herausforderung wird genau dieses ERP zu benutzen, um auf einen höheren Reifegrad zu kommen, also im Sinne des Datenfundament dafür zu benutzen, die IT dafür zu benutzen, neue schöne intelligente Prozesse oder auch Geschäftsmodelle entstehen zu lassen. Das ist doch eine tolle Möglichkeit, in die Zukunft zu starten.

Ich hoffe, dass wir heute und auch in der letzten Woche gerade auch den ERP-Unternehmen, vielleicht auch dem einen oder anderen Fachunternehmen viele, viele neue Impulse in die Synapsen gegeben haben. Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken, Herr Pütell, für dieses nette Gespräch. Wie immer, die letzten Worte gehören meinem Studiogast.

Ich bin an der Stelle raus. Ich freue mich darauf, dass wir in dem ERP-Podcast wirklich ganz unterschiedliche Themen besprechen können. Ich merke das jedes Mal, wenn ich sage, wir packen wieder so ein paar alte Folgen in die Shownotes, damit Sie einfach nachschlagen können.

Also es ist so eine gewisse Content-Basis, die sich hier rund um das Unternehmensdatenfundament, rund um ERP aufbaut mit den vielen Folgen. Wir haben mittlerweile über 170.000 abgerufene Episoden. Ich hoffe, dass das noch viele, viele weitere Episoden werden und der Zuhörerkreis da immer größer wird.

Herr Pütell, Ihnen ganz herzlichen Dank. Ich bin raus. Die letzten Worte sind Ihre.

Vielen Dank, Herr Professor Winkelmann. Also die letzten Worte richten sich, denke ich, auch an die Zuhörer und Unternehmen, die heute mit dem Punkt Digitalisierung vielleicht noch weniger anfangen können oder vielleicht auch an Unternehmen, die schon sehr viel weiter sind. Ich denke, die Universität Würzburg bietet eine gute Grundlage oder Diskussionsgrundlage, einige Sachen weiterentwickeln zu können.

Ich glaube, wir als Mitarbeiter können durchaus sehr viel Kompetenz dazu beitragen oder auch in gemeinsamen Workshops dazu beitragen, hier weiterzukommen und wir freuen uns natürlich auch, wenn das ein oder andere Unternehmen auf uns zukommt, mit dem wir einfach Forschung betreiben können. Darüber würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank.

Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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