Ins Umsetzen kommen, das ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen für Unternehmen die bereits viel über Digitalisierung, viel über ERP, diskutiert haben. Diesen Unternehmen ist diese Folge, in der ich über verschiedene ERP Hersteller, Veranstaltungen und über meine Gedanken, auch im Umfeld der Inohubs spreche, gedacht.
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 108 Digitalisierung beginnt im Kopf Ins Umsetzen kommen, das ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen für Unternehmen, die bereits viel über Digitalisierung, viel über ERP diskutiert haben. Und diesen Unternehmen ist diese Folge, in der ich über verschiedene ERP-Hersteller, Veranstaltungen und über meine Gedanken, auch im Umfeld der InnoHubs spreche, gedacht. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast.
Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.
Die heutige Folge steht unter dem Motto Digitalisierung beginnt im Kopf. Zunächst, bei mir hat das neue Semester begonnen. Sie wissen, ich bin Professor für Wirtschaftsinformatik hier an der Universität in Würzburg.
Wir sind sehr, sehr zufrieden mit unseren Studierendenzahlen. Ich habe so im Master ungefähr im Jahr 60 bis 90. Im Master Erstsemester, im Bachelor noch ein bisschen mehr.
Damit sind wir durchaus eine der größeren Wirtschaftsinformatikausbildungsstätten an Universitäten in Bayern. Das ist natürlich immer relativ viel Arbeit, so gerade zum Anfang des Semesters. Die Vorlesungen wollen vorbereitet werden, die Vorlesungen wollen gehalten werden.
Ich habe eine große Veranstaltung, die ich letzten Dienstag begonnen habe, Einführung in die Wirtschaftsinformatik. Da sitzen dann mal eben 600 Studierende und das macht natürlich entsprechend Arbeit, aber das macht vor allen Dingen natürlich auch ganz viel Spaß. Deswegen heute mal wieder eine Solo-Folge von mir, denn ich habe es im eng getakteten Terminplan nicht geschafft, mir noch jemand ins Studio einzuladen.
Aber ich glaube, ich habe genug zu erzählen, denn neben den ganzen Vorlesungen habe ich auch viele Veranstaltungen in der letzten Zeit besucht. Und davon erzähle ich einfach ein bisschen. Als ich das aufnehme, war ich gestern sozusagen, also ich war letzte Woche aus ihrer Sicht, auf einer großen Veranstaltung der Firma Cosmo Consult.
Cosmo Consult ist noch gar nicht so ein ganz altes Unternehmen. Ursprünglich mal durch Management-Buyout hervorgegangen aus der Tektura. Sehr, sehr groß gewachsen.
Mittlerweile 1200 Mitarbeiter. Ist sehr stark ausgerichtet auf Microsoft-Technologien. Das geht los im Office-Bereich und reicht dann bis in das NAV, das Altena Vision, heute Microsoft Dynamics Business Central.
Ich habe mich sehr viel und sehr intensiv mit den Mitarbeitern dort ausgetauscht. War eine tolle Veranstaltung. Ich durfte dort auch einen Vortrag halten.
Und das Motto dieser Veranstaltung war Digitalisierung beginnt im Kopf. Finde ich super, denn ich glaube, wir müssen uns tatsächlich ganz, ganz viele Gedanken darüber machen, warum wir digitalisieren, was wir in unserem Unternehmen damit erreichen wollen und wie wir dabei vorgehen können. Also mit diesem Podcast beginnt die Digitalisierung vielleicht nicht nur im Kopf.
Das heißt, die Ohren hängen ja auch dran. Also hoffentlich beginnt mit diesem Podcast bei Ihnen die Digitalisierung, wenn sie nicht so lange fortgeschritten ist. Mit den Ohren und dann direkt rein in den Kopf.
Ich freue mich auf jeden Fall immer, wenn ich von Ihnen höre und lese. Ab und zu schreibt mir ja der ein oder andere. Manches bringe ich hier auch dann in den Podcast.
Manches beantworte ich dann auf 1 zu 1 Ebene. Ich freue mich auch darüber, dass Sie diesen Podcast sehr mögen. Ich habe also nur 5 Sterne Bewertung, wenn Sie noch nicht bewertet haben sollten.
Ich freue mich über jeden positiven, aber auch natürlich konstruktiv negativen Kommentar. Zum Beispiel bei iTunes würde mich sehr darüber freuen und Sie helfen anderen damit, dass der Podcast noch populärer wird und entsprechend gefunden wird. So, Digitalisierung beginnt im Kopf.
Das war also der Brocken, den man mir letztendlich für meinen Vortrag auch irgendwo vor die Füße warft. Ja, und dann habe ich überlegt, was kannst du mit diesem Vortragstitel erzählen? Erzählst du, was die Leute noch nicht wissen? Und ein Punkt, der immer wieder auftaucht bei den Leuten, bei den Unternehmen, bei den Fachabteilungen, ist, dass das Thema Digitalisierung im Kopf irgendwo schon verstanden ist. Also man kann sich informieren, man diskutiert auch darüber.
Aber ich würde noch weitergehen und sagen, Digitalisierung beginnt tiefer. Digitalisierung beginnt eigentlich im Herzen. Digitalisierung beginnt damit, dass man Mut hat, die Schritte, die dafür notwendig sind, auch zu gehen.
Also sozusagen aus dem Reden ins Machen zu kommen. Da sehe ich einige Unternehmen, die nicht nur im Kopf, sondern vor allen Dingen im Herzen digitalisieren. Aber ich sehe leider, ich habe sehr, sehr viele dieser Gespräche, auch sehr viele Unternehmen, die wollen, aber nicht in die Umsetzung kommen.
Letztendlich ist jeder seines Glückes eigener Schmied. Aber sie wissen auch, wenn sie diesen Podcast verfolgen, dass ich immer wieder versuche, so ein bisschen aufzuzeigen, was das Muster ist, das sich entlang der Digitalisierung sicherlich für alle Branchen, manche ein bisschen früher, manche ein bisschen später, zeigen wird. Weg von manuellen Prozessen über digitale Insellösungen, die uns aber wirklich nicht oder nur eine ganz gewisse Zeit unterstützen und helfen, weil wir immer noch Ad-Hoc-Prozesse haben, weil wir immer noch Qualitätsprobleme in einzelnen Prozessen haben, weil wir immer noch Bestandsprobleme haben, immer noch Transparenzprobleme.
Also wir müssen wirklich hin zu einem einheitlichen, zumindest erstmal ERP-System. Wer den Podcast verfolgt, weiß, dass ich heute eher von einem Unternehmensdatenfundament rede, weil ich davon ausgehe und denke, dass das Thema Daten im Unternehmen viel, viel, viel, viel größer ist und werden wird, als rein die betriebswirtschaftlichen Daten, die heute oder gestern noch im ERP-System gespeichert wurden. Wenn ich dann aber die betriebswirtschaftlichen Prozesse immer mehr automatisieren möchte, um einfach die Kosten zu reduzieren und im Wettbewerb bestehen zu bleiben, dann muss ich diese Daten alle in einem Fundament zusammenführen.
Da führt nichts daran vorbei. Ich nenne dieses Automatisieren in der BWL den Abbau von virtuellen Puffern. Ich habe die Podcast-Folge gerade nicht im Kopf.
Ich verlinke sie aber in den Shownotes. Also schauen Sie nach, hören Sie gerne nach, was das alles bedeutet und wo wir überall virtuelle Puffer abbauen sollten, wo wir überall Mausklicks rausnehmen sollten, damit wir wirklich in Echtzeit im Unternehmen arbeiten können. Gestern habe ich die Unternehmensberater auch gefragt, wie lange sie denn brauchen von der Leistungserstellung bis zur Rechnungserstellung und je nachdem, welches Beratungsunternehmen ich frage, kann das durchaus auch mal ein paar Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern.
Im Umkehrschluss heißt es natürlich, dass ich dem Kunden einen zinslosen Kredit gebe. Dieser zinslose Kredit ist bei vielen Kunden in der Summe natürlich schon recht ordentlich, denn die Gehälter meiner Mitarbeiter, meiner Berater laufen natürlich weiter. Und damit erhöhe ich eigentlich die Kosten, die ich als Unternehmen habe, obwohl das gar nicht notwendig wäre, wenn ich eben genau diese betriebswirtschaftlichen Prozesse noch viel, viel besser im Griff hätte, wenn ich eben diese virtuellen Zeitpuffer an allen Stellen des Unternehmens abbauen würde.
So, also wie gesagt, da gibt es eine eigene Podcast-Folge zu. Ich habe sie gerade nicht im Kopf. Ich verlinke sie aber in den Shownotes, dann können Sie nachhören.
Überhaupt, der Podcast ist nicht gedacht, ihn chronologisch zu hören, sondern er soll Ihnen auch eine Wissensbasis sein. Wir haben mittlerweile deutlich über 100 verschiedene Folgen, Solo-Folgen als auch ganz viele, das muss ich zugeben, extrem spannende Interviews mit unterschiedlichen Branchengrößen, mit unterschiedlichen Unternehmen zu ganz unterschiedlichen Themen. Ich habe manchmal das Gefühl, ich habe gerade erst angefangen.
Es wird da auch jeden Mittwoch weitergehen. Viele spannende Dinge, die noch kommen werden. Aber ich glaube, auch in den alten Folgen, es lohnt sich einfach mal so ein bisschen zu stöbern.
Auf unserer Webseite erp-podcast.de haben wir die Folgen auch so ein bisschen nach zwölf verschiedenen Kategorien aufgeteilt. Man kann ein bisschen filtern, zum Beispiel nach Softwareherstellern oder nach Softwareauswahl oder nach Einführung, nach Projektmanagement und so weiter und so fort. In den Shownotes bzw.
in den Podcast-Apps ist das leider nicht ganz so einfach möglich. Da ist es sequenziell, aber Sie können natürlich auch da zwischen den Folgen springen. Ich tendiere sehr, sehr stark dahin, dass wir wegkommen von den Insellösungen hin zu einem einheitlichen Unternehmensdatenfundament.
Für mich ist es auch kein Data Lake oder ein Data Warehouse, das wir irgendwo oben drüber setzen. Denn ich sehe die Problematik, wenn wir das Unternehmen immer mehr in die Echtzeitausrichtung bringen, dass Schnittstellen, egal ob zwischen Insellösungen oder zwischen operativen Systemen und Data Lakes oder Data Warehouses oder ähnliches, dazu neigen werden, weil ein System updatet wird oder sich selbstständig updatet oder was auch immer. Also dass diese Schnittstellen entsprechend auch mal wegbrechen.
Und wenn Sie die Zeit im Unternehmen nicht mehr haben, weil Sie eben keine virtuellen Puffer mehr zwischen Auftragseingang und Produktion haben, also sprich die Produktion zehn Minuten nach Auftragseingang beginnt, und jetzt bricht Ihnen plötzlich da eine Schnittstelle weg und Sie kriegen die Daten nicht mehr von links nach rechts geschoben, um rechtzeitig die Produktion zu beginnen, dann bringen Sie eigentlich komplett alle Unternehmensprozesse durcheinander. Und deswegen glaube ich, dass wir im nächsten Jahrzehnt in der Philosophie der Softwarehersteller sehr stark weggehen müssen von Best of Breed, von Einzellösungen, auch größeren Einzellösungen, die miteinander verknüpft werden, hin zu einem einheitlichen Datenfundament, um Schnittstellenproblematiken vor dem Hintergrund von Echtzeitabläufen größtmöglich zu vermeiden. Ja, Digitalisierung beginnt im Kopf, muss aber mit dem Herzen dann auch wirklich durchgeführt werden.
Ich sehe eben gerade im Mittelstand verschiedene Unternehmen, die immer wieder zögern. Ich habe teilweise selber auch Projekte, wo ich versuche Druck zu machen, wo dann aber auch immer wieder etwas gebremst wird. Ich halte das für mittlerweile relativ problematisch, es geht zurzeit noch, aber Sie wissen auch, dass ich sage, irgendwann werden neue Geschäftsmodelle im nächsten Jahrzehnt kommen, irgendwann werden immer mehr Betreibermodelle auch in die Unternehmen kommen.
Auch hierzu gibt es verschiedene Podcastfolgen, ich versuche ein bisschen was rauszusuchen für die Show Notes. Und diese Betreibermodelle bedeuten eben, dass ich Sensorik in den Produkten verbaue, dass ich nutzungsabhängig nicht nur Produkt, sondern technische Dienstleistungen verkaufe. Ja, und wer das kann, wird das Spiel mitspielen, wer das nicht kann, wird unter Umständen dabei aussterben.
Und das Fatale dabei ist, ich sehe überhaupt nicht, was die Nachbarunternehmen machen. Und Nachbarunternehmen heißt nicht mehr wie früher im Nachbarort oder in der Nachbarregion oder im europäischen Nachbarland, sondern Nachbarunternehmen kann heute auch Mainland China oder USA oder oder oder bedeuten. Also mit anderen Worten, ich kriege gar nicht mit, was die Konkurrenz macht.
Ja, und da dann plötzlich noch nachzuziehen und das eigene ERP-System, das eigene Unternehmensdatenfundament aufzustellen, die Prozesse zu verändern, zu reorganisieren, ist zeitlich gesehen schlichtweg unmöglich. Denn sie brauchen für eine ERP-Einführung natürlich, sie können die CD reinschieben und sind in zwei Tagen fertig oder in drei Monaten, in sechs Monaten, in Teilbereichen oder oder oder. Aber wenn ich mir so das Gesamtsystem anschaue, dann sind das Projekte, die nicht selten, eigentlich im Regelfall, anderthalb, zwei Jahre dauern, dann sind sie aber noch nicht top of the pops, sondern dann sind sie eigentlich eher so dabei, den vorherigen Status quo im neuen System auf Basis von Standardprozessen mit Rationalisierung, mit Effizienzsteigerung gerade mal abzubilden.
Weitere Jahre vergehen dann für Optimierung, für die Hebung von Potenzialen. Ja, und das zusammen ist dann einfach eine Zeitspanne, die haben sie natürlich nicht, wenn die Konkurrenz plötzlich mit Geschäftsmodellen um die Ecke kommt, die viel, viel effizienter, die viel, viel mehr dem Kundenbedürfnis entsprechen. Und das ist natürlich das Fatale und deswegen plädiere ich dafür, eher gestern als heute, geschweige denn morgen, in derartige Projekte zu investieren.
Wir haben jetzt so ein bisschen hier in der Branche das Problem, dass die Zukunft nicht mehr ganz so rosig zu sein scheint. Ich nehme das Wort Rezession jetzt einfach mal gar nicht so stark in den Mund. Das ist sicherlich von Branche zu Branche ganz unterschiedlich.
In der IT-Branche ist nach wie vor Goldgräberstimmung. Bei den Automobilzulieferern sieht es sicherlich zurzeit etwas anders aus. Jetzt könnte man natürlich sagen, naja gut, jetzt warten wir doch nochmal ein paar Jahre ab, bis das sich alles gelegt hat und dann haben wir auch wieder große Budgets und können starten.
Ich glaube, so macht das aber keinen Sinn. Ich glaube, wir müssen gerade, wenn es einen Abschwung gibt, in derartige Technologien entwickeln und dürfen nicht sagen, uns geht es ja eigentlich noch gut. Wir müssen zum Holzhacken in den Wald gehen.
Wir haben gar keine Zeit, die Axt zu schärfen. Das Problem ist, wenn dann tatsächlich der Konkurrent mit einer guten Lösung aufwartet, dann haben sie weder Zeit und weil es ihnen dann immer schlechter geht, haben sie dann auch nicht mehr das Budget, um überhaupt reagieren zu können. Ich habe gestern mit jemandem darüber gesprochen, der nannte mir auch ein Beispiel von einem Unternehmen.
Ich nenne jetzt mal keine Branchen. Da war das offensichtlich. Der war gut in seiner Branche, exzellent, aber der hat alle anderen mit neuen Geschäftsmodellen, mit neuen Innovationen an sich vorbeiziehen sehen.
Hatte natürlich auch so eine Lehmschicht im Unternehmen. Das ist ja auch immer das Problematische, dass von unten die Innovationen meistens nicht durchgereicht werden in die Geschäftsleitung und die Dinge von oben meistens in so einer Mittelmanagementschicht auch sehr häufig versacken. Das war da auch der Fall.
Die anderen Unternehmen zogen eben an ihm vorbei. Er war in den alten Geschäftsmodellen irgendwo gefangen, hatte die natürlich parallel optimiert, aber wenn die neuen Geschäftsmodelle kommen, dann kann ich eben nur begrenzt mit dem alten Geschäftsmodell dagegenhalten. Und er hat dann gerade noch den Turnaround im letzten Moment, also one shot only, geschafft.
Hat also noch in das Unternehmensdatenfundament, in ERP, investiert, in die neuen Geschäftsmodelle, die sich darauf aufgebaut haben, investiert und den Turnaround geschafft. Aber das ist nicht selbstverständlich. Also das ist dann wirklich Operation am offenen Herzen, ist ERP sowieso immer.
Aber das in letzter Minute noch zu schaffen, da müssen sie auch viel Glück haben. Deswegen mein Plädoyer besser gestern, vielleicht heute, aber lieber nicht morgen oder übermorgen. Digitalisierung beginnt zwar im Kopf, aber da ist ganz viel Mut und ganz viel Herzblut von Seiten des Unternehmens gefragt.
Dann war ich vor ein paar Tagen beim Wettbewerb ERP des Jahres. Ich bin dort immer in der Jury und ich muss, auch wenn Professoren eher die Zahnbürste des Kollegen nutzen würden, als die Terminologie der lieben Kollegen, so sagt man zumindest. Ich möchte meinem Kollegen Norbert Gronau ein ganz, ganz großes Kompliment für diese Veranstaltung aussprechen.
Er schafft es mit seinem Team aus Potsdam, von der Uni Potsdam, jedes Jahr wieder eine tolle Veranstaltung, tolle Ausstellung von ERP-Systemen ins Leben zu rufen, einen tollen Wettbewerb daraus zu machen, das ganze Thema ERP zu emotionalisieren. Ich ziehe meinen Hut, lieber Norbert, vor dem, was ihr da tut. Und es ist wirklich eine schöne Branchenveranstaltung, die allen Unternehmen, allen Anwendungsunternehmen, die Digitalisierung nicht nur im Kopf beginnen lassen wollen, offen steht und eine Möglichkeit bietet, ins Gespräch zu kommen.
Ich finde das ganz, ganz wichtig. Und jeder, der in Deutschland sich hinstellt, etwas macht, damit unser Mittelstand in die Digitalisierung, in die Umsetzung kommt, hat meine volle Unterstützung und hat wirklich auch meine große Anerkennung für das, was er da tut. Insofern danke an das Team auch von Norbert Gronau für diese Veranstaltung.
Ich kenne noch gar nicht die Endergebnisse. Das verzögert sich für die Jury immer etwas, weil wir am ersten Tag die Jury-Sitzung haben und erst am zweiten Tag die Punkte ausgewertet werden und dann die Gewinnersysteme präsentiert werden. Aber Sie werden es sicherlich in der Presse auch hören.
Ich habe wieder ganz viele tolle Lösungen gesehen. Ich habe ganz, ganz kleine Lösungen gesehen, die vielleicht auch nicht alle schon ERP sind, aber die vom Kundenbedürfnis gerade im Handwerk extrem gut das abbilden, was die Anwendungsunternehmen benötigen. Ich habe aber auch sehr, sehr große Lösungen gesehen, die von Jahr zu Jahr zu Jahr wachsen, die immer mehr Funktionen anbieten, die aber auch voll verstehen, dass ERP eben nicht mehr einen begrenzten Funktionsumfang hat, sondern tatsächlich immer mehr zum Unternehmensdatenfundament wird.
Das Thema künstliche Intelligenz schreitet auch bei zahlreichen ERP-Herstellern sehr stark voran. Das geht von Aspekten im Predictive Maintenance-Bereich über automatisierte Warnkorbanalysen. Ich habe sehr, sehr spannende Lösungen gesehen.
Ich greife jetzt einfach mal ganz exemplarisch zwei, drei Dinge heraus. Damit will ich gar keinen hervorheben oder so, aber vielleicht ist es ganz spannend. Also zum Beispiel die Firma WeClap hat gerade ihre Lösung optisch überarbeitet, hat auch ganz offiziell auf der Veranstaltung über seinen möglichen Börsengang im Jahr 2020 gesprochen.
Also auch mal wieder aus dem ERP-Umfeld ein potenzieller Börsenkandidat. Ich glaube, das wird sehr, sehr spannend werden und ich würde mich freuen, wenn wir hier nochmal eine Story haben. Made in Germany.
Sie wissen, der ERP-Markt in Deutschland steht natürlich weltweit insbesondere für das Thema SAP. Aber ich freue mich, wenn wir da auch nochmal jemanden kriegen, der aus diesem ERP-Umfeld an die Börse geht. Mit mittlerweile über 3.000 Firmen, die das System nutzen.
15.000 Anwender täglich, wenn ich es noch richtig im Kopf habe. Ist das ein System, vor allen Dingen Multitenant, also eine Instanz mit 3.000 Unternehmen da drauf, das ist schon auch technologisch sehr spannend. Das ist technologisch sicherlich auch eines der führenden Systeme von der Seite her, nicht nur in Deutschland.
Wir haben andere Hersteller gesehen. Sage war mit X3 beispielsweise da. X3 ist ein System, was sehr stark aus Frankreich herausgetrieben wird, was hier auch ein bisschen mehr Bedeutung bekommen soll auf dem deutschen Markt.
Da bin ich auch sehr gespannt. Viele Hersteller bieten immer mehr Lösungsansätze bei der Maschinen- und bei der Sensoranbindung an. ASSECO hat da verschiedene neue Ansätze auch gezeigt.
ASSECO AP Plus. Ich habe dann auch gefragt, ob Sie sich nicht langsam auch schon als MES, also Manufacturing Execution System Hersteller, also sehr maschinennahe Softwarehersteller sehen würden. Die Antwort war dann offensichtlich, hier wächst ERP und die Maschinen- und Sensorikwelt ja eigentlich entlang auch meiner Prognose seit fast drei Jahren jetzt, dass wir eben eher das Unternehmensdatenfundament in ein abgegrenztes ERP-System brauchen.
Immer mehr zusammen und das freut mich, dass die Hersteller auch immer mehr in diese Richtung gehen. Ich könnte ganz viel über die verschiedenen Hersteller sprechen, ich will es gar nicht tun an der Stelle. Wer es verpasst hat, der Wettbewerb findet jährlich September, Oktober statt.
Nochmal ein herzliches Kompliment und auch Dankeschön an Norbert Kronau aus Potsdam und sein Team. Ja, was ich auch gesehen habe auf dem Wettbewerb, aber was ich auch seit Monaten schon verfolge, ist, wir haben ja nicht nur ganz junge Hersteller, die vielleicht fünf bis zehn Jahre auf dem Markt sind, sondern wir haben auch Hersteller, die durchaus jetzt schon etwas älter sind, also wo die Gründer auch schon etwas älter sind. Und da freut es mich natürlich besonders, wenn dann die nachfolgende Generation auch stark eingebunden wird in die Softwareentwicklung, in das Geschäft, zu nennen beispielsweise die Firma Vario oder die Firma Moser oder Messonic aus Österreich, wo allesamt schon die nachfolgende Generation entweder in den Startlöchern ist oder das Geschäft schon übernommen hat.
Also das freut mich immer, wenn hier sozusagen Mittelstand made in Germany oder made im deutschsprachigen Raum hier Innovation zeigt, hier auch zeigt, dass das langfristig funktioniert, dass die Geschäftsmodelle auch bei der Unternehmenssoftware langfristig funktionieren. Ein bisschen überraschend, jetzt vor zwei Wochen kam die Meldung, dass der SAP-Chef zurücktrat. Also das war auch zwar langfristig, Bill McDermott war jetzt zehn Jahre im Vorstand des SAP-Konzerns und ist jetzt aber sehr überraschend zurückgetreten.
Die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen mit sofortiger Wirkung als Führungsduo das ganze Thema Transformation bei SAP, die Zukunft von SAP weiterführen. Ja, war für mich, muss ich sagen, auch überraschend mit ein bisschen Nachdenken, vielleicht auch mit ein bisschen Rückblick auf die jüngsten SAP-Folgen, die wir hier im Podcast gemacht haben. Auch viele Gespräche, die ich im Hintergrund führe, über die ich auch nicht so in der Öffentlichkeit immer nur reden kann, kann ich mir auch in Reim machen, aber das mag jeder für sich tun.
Ich finde es schade, ich glaube, er hat die SAP definitiv in die richtige Richtung geführt. Ja, und er ist mit zehn Jahren Wirkungsstätte natürlich ein sehr, sehr langjähriger Mitarbeiter bei der SAP. Ich glaube, das zeichnet die SAP auch aus, wenn ich zum Beispiel an Peter Zenke denke.
Peter Zenke war von 1993 bis 2009 Entwicklungsvorstand bei der SAP. Er ist ja bei uns in der Wirtschaftsinformatik an der Uni Würzburg Honorarprofessor, arbeitet also relativ eng auch mit uns zusammen. Und ich glaube, das zeichnet die SAP auch ein bisschen aus, diese Konstanz.
Das zeichnet überhaupt den deutschsprachigen ERP-Bereich aus, dass wir unglaublich viel Konstanz haben, unglaublich viel Leidenschaft auch für diese betriebswirtschaftlichen Thematiken umgesetzt in Software. Leidenschaft haben wir dann auch vor knapp 14 Tagen bewiesen. Ich habe seit nunmehr über zwei Wochen, zwei, nein, sind viel länger, drei Jahren, habe ich ein Thema, was mich immer wieder umtreibt.
Ich werde immer wieder von Firmen gefragt, Mensch, wir haben so Probleme, Mitarbeiter zu bekommen. Wir wollen an neue Geschäftsmodelle ran. Wir brauchen junge Kräfte.
Wir brauchen die modernen Technologien, die Arbeitskräfte, die die modernen Technologien haben. Wir kriegen sie aber nicht in Hintertupfigen. Können wir mal eine Vorlesung bei euch machen? Können wir mal eine Masterarbeit betreuen? Wir würden so gerne einen Praktikanten haben.
Ich habe immer gesagt, das können wir alles machen. Ich bin offen für alle Unternehmen in Deutschland. Ich freue mich, wenn wir auch in der Wissenschaft eng zusammenarbeiten können mit vielen Unternehmen.
Aber ihr seid diese Woche erst die 17. Organisation, die hier anfragen. Und unsere Studierenden, und das gilt nicht nur für die Wirtschaftsinformatik, können sich so ein bisschen aussuchen, wo sie aktiv werden.
Es ist ein bisschen Goldgräberzeit, gerade und insbesondere in der IT. Und ich habe dann auch zu der Politik gesagt, Mensch du, ich sehe überall in Deutschland Hidden Champions, vor allen Dingen in der Provinz. Das ist wirklich so.
Ich fahre häufig in die entleglichsten Dörfer, öffne irgendwelche Türen von Unternehmen. Das wirkt sogar manchmal ein bisschen angestaubt im Empfangsbereich. Und dann unterhalten wir uns und stellen fest, dass da Geschäftsmodelle sind.
Da gibt es Weltmarktführer. Da gibt es Umsatz-Champions. Da gibt es Kostenführer.
Noch und nöcher hier im deutschen Raum. Und es macht so ein Spaß mit diesen Unternehmen zu sprechen. Und dann haben wir diese Probleme.
Und ich habe zur Politik gesagt, Mensch, ihr müsstet doch eigentlich nicht nur Startup-Betongold in den Universitätsstädten fördern, damit sich neue Startups bilden. Sondern Ihr müsstet doch auch viel, viel mehr investieren in Infrastruktur für Firmen, damit sie in Universitätsnähe kleine Dependanzen schaffen können, sich ansiedeln können in der Nähe der Universität, um ihre eigene Lebensschicht im Unternehmen ein bisschen zu umgehen, um auf sich aufmerksam zu machen, ihre Marke zu emotionalisieren, mit den Lehrstühlen gemeinsam an neuen Dingen zu arbeiten, und zwar nicht aus der Ferne, sondern wirklich in unmittelbarer Nachbarschaft.
Und ich glaube, die Argumente, die ich da vorbringe, die leuchten jedem ein. So war es dann auch bei der Politik. Leider antwortet man da gerne im Konjunktiv.
Der natürlich kurzfristig auch nicht weiterhilft. Wir haben dann im Endeffekt einen Investorenzusammenschluss erreicht, um ein Gewerbe, eines der wenigen Gewerbegrundstücke in der Nähe der Universität Würzburg, und zwar unmittelbar in der Nähe der Universität Würzburg, jetzt vor zwei Wochen zu erwerben, mit dem Ziel, dort ein Innovations- und Bürogebäude mit 13.500 Quadratmetern aufzubauen, mit dem Ziel, Mitte 2022 das Ganze bezugsfertig zu haben. Ich glaube, dass das eine Riesenchance wird, weil man wirklich nur 200 Meter von den Fakultäten Mathematik, Informatik, Physik usw.
entfernt sein wird an einem Standort mit 14 Nobelpreisen, mit großen Auszeichnungen für Innovation in Europa, aber auch weltweit, mit hochrangiger Forschung, wo man schnell Türen öffnen kann, wenn man in räumlicher Nähe ist, wo man schnell sicherlich gut ausgebildete, fachliche Leute bekommen kann. Ich glaube, dass das immer wichtiger wird. Zurzeit ist es eher so, dass die Studierenden aus mittelgroßen Städten, wie wir es in Würzburg sind, in die großen Metropolen streben, weil es dort vermeintlich hipper, schneller, innovativer zugeht.
Aber ich glaube, das stimmt gar nicht. Wenn wir diese räumliche Nähe schaffen, dann können wir auch klar machen, was wir gerade auch im Mittelstand für herausragende Unternehmen haben und dass wir gemeinsam mit diesen Innovationen, die teilweise aus der ersten, zweiten industriellen Revolution in diesen Kürben schon stammen, auch in die dritte, in die vierte und hoffentlich auch irgendwann in die fünfte industrielle Revolution gehen können. Das sind so ein bisschen meine Gedanken zu dem, was ich so in letzter Zeit erlebt habe.
Ich freue mich über ganz viel Feedback von Ihnen. Ich freue mich über Leute, die meine Themen weiter treiben. Ich freue mich über Leute, bei denen die Digitalisierung im Kopf beginnt.
Ich freue mich aber vor allen Dingen über Firmen, bei denen die Digitalisierung dann auch mit dem Herzen weitergeht. Ich habe vorgestern eine Vorlesung vor Studierenden, so eine Gründungsvorlesung gehalten. Und die letzte Folie war überschrieben mit In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass die Digitalisierung nicht nur im Kopf stecken bleibt.
Und ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Podcast immer wieder ein paar Impulse für die Woche mitgeben kann. In diesem Sinne, keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann.
Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.