Eine Solofolge rund um Viren, künstliche Intelligenz und IT – diesmal aus dem Home Office.
Viel Vergnügen!
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast, Folge 119. Was Corona mit der IT zu tun hat. Eine Solo-Folge rund um Viren, künstliche Intelligenz und IT, diesmal aus dem Homeoffice.
Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast, neuer Mittwoch, neue Episode. Das Thema Corona-Viren treibt uns alle um. Ich hatte lange überlegt, hierüber überhaupt eine Folge zu machen.
Ich will es aus mehreren Gründen aber trotzdem tun, weniger um auf die Auswirkungen hinzuweisen, als vielmehr um das Thema ERP-IT ein bisschen in den Vordergrund zu rücken. Ja, uns in Würzburg an der Universität hat es relativ früh voll erwischt. Voll erwischt heißt, wir sind schon seit einigen Wochen als Team virtuell.
Das heißt, wir treffen uns nur noch in virtuellen Meeting-Räumen. Klappt bislang hervorragend. Wir kommen gut zurecht, wenngleich das natürlich für die Studierenden sehr schwierig ist.
Im Mitte April werden wir wieder Vorlesungen haben. Ich bin bereits jetzt sehr gespannt, wie wir damit umgehen, diese Vorlesungen dann rein virtuell haben zu können. Ich bin persönlich froh, dass ich im Sommersemester keine Großveranstaltungen mit mehreren hundert Studierenden habe.
Das ist das, was mir immer im Wintersemester blüht. Aber auch so wird das, glaube ich, eine spannende Herausforderung. Ja, mittlerweile sind sich ja die Experten ein bisschen einig, dass das Ganze nicht so ganz spurlos an uns vorbeiziehen wird, wenn denn der Virus erstmal wieder abgeklungen ist.
Es ist die Rede von Wirtschaftskrise, Weltwirtschaftskrise. Für mich hat das ein bisschen natürlich auch die Parallelen zu 1929. Das ist für mich eine besondere Situation.
Die Hörer und die Leute, die mich persönlich kennen, wissen um die Vorgeschichte, um meine Vorfahren. Klavierbau in Braunschweig und 1929 war auch da ein besonderes Jahr insofern, als dass meine Vorfahren noch in den 20er Jahren sehr, sehr viel investiert hatten in verschiedenste Gebäuden auf dem Gelände. Es war also eine der, wenn nicht die modernste Klavierfabrikationswerkstatt, eine Werkstatt ist untertrieben, Firma, die in Deutschland war.
Und jetzt traf diese Weltwirtschaftskrise überraschend im Oktober 1929 auf. Ja, gab verschiedene Auslöser, aber sicherlich kann man das irgendwo am New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 festmachen. Analog dazu haben wir ja jetzt im März, 11., 12., 13., vor allen Dingen auch einen Riesencrash bei uns an den Börsen erlebt.
Und meine Vorfahren, wie gesagt, hatten sehr viel Schulden natürlich aufgenommen, um diese Immobilien eben aufbauen zu können. Es kam dann in der Not, die letztendlich von allen Klavierbauern geteilt wurden, ein Zusammenschluss vieler Klavierbauer zustande, die Deutsche Pianowerke AG, die an zwei Produktionsstandorten, nämlich in Luckenweide und vor allen Dingen in Braunschweig, höherwertige Instrumente produzierte. Braunschweig, das war der Standort eben von Zeitor und Winkelmann, in dem dann auch letztlich Schimmel ursprünglich aus Leipzig seine Klaviere produzierte.
Und das wird sicherlich auch der Grund gewesen sein, warum man danach eben von Leipzig nach Braunschweig übersiedelte. Das war so ein bisschen aus der Not geboren, das Ganze natürlich endete dann 1930 wieder in einer Auflösung. Die deutschen Klavierbauer gingen also wieder ihre eigenen Wege, denn jeder hatte letztendlich auch seine eigenen Interesse.
Ja, für uns heißt die momentane Corona-Krise natürlich auch, dass wir uns überlegen müssen, wie wir am sinnvollsten jetzt mit unserem Innohabs-Gebäude weitermachen. Zurzeit sind da natürlich die Planungen auch ein bisschen zurückgefahren, denn auch die Mannschaften im Bauamt als auch natürlich bei den Baufirmen sind momentan nicht so greifbar, wie das noch vor wenigen Wochen der Fall war. Aber auch da geht es sicherlich nach der Krise genauso weiter, wie es bei meinen Vorfahren weitergegangen ist.
Corona ist ein wunderbares, weiß ich nicht, ob das das richtige Wort ist, aber ein, nennen wir es mal, faszinierendes Beispiel für exponentielles Wachstum. Wer mitgekriegt hat, wie die Zahlen in China gelaufen sind, der konnte sich eigentlich relativ schnell ausrechnen, was hier in Europa passieren würde. Dennoch hat es hier mit aller Macht die Leute getroffen.
Wir kennen das Ganze auch, allerdings ein bisschen langsamer. Gordon Moore hat nämlich vor über 50 Jahren das exponentielle Wachstum bei Computerchips prognostiziert. Alle 18 Monate verdoppelt sich die Speicherkapazität und bis heute ist diese Prognose, er hat ursprünglich mal gesagt, alle zwei Jahre, dann hat er es auf ein Jahr reduziert.
Die Industrie hat sich so auf alle 18 Monate eingespielt. Diese Prognose, die ist bis heute mehr oder weniger gültig und jetzt kann man sich natürlich vorstellen, am Anfang waren die Computer ziemlich langsam. Mittlerweile sind die auf einem extrem hohen Niveau, was den Rechenpower angeht und alle 18 Monate verdoppelt sich das noch einmal.
Also, wie schnell sich momentan die Computerindustrie, die IT weiterentwickelt, wie schnell hier auch neue Konzepte gerade im autonomen Bereich vorwärtsgehen. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, mit welcher Macht momentan künstliche Intelligenz sich seinen Weg bahnt, dann kann man ungefähr erahnen, was in den nächsten Jahren davon zukommen wird. Corona ist deswegen auch so ein, ja, ich versuche immer positive Worte zu vermeiden, wenn ich sage Vorbild, das ist das falsche Wort.
Vielleicht muss man sagen, Corona ist ein Negativbeispiel auch, was passiert, wenn ein neuartiger, in dem Falle Virus, auf eine vollkommen weiße Landschaft trifft und sich dort völlig ungehindert ausbreiten kann. Also, egal wie dieser Virus nun entstanden ist oder auf die Menschheit losgelassen wurde, das Ergebnis ist verheerend, weil natürlich niemand entsprechende Widerstandskräfte hat. Und ich glaube, das ist auch ein schönes Beispiel, ich hatte das in der letzten Folge schon mal kurz angesprochen, was uns momentan auch dank des sicherlich gut gemeinten, aber vielleicht nicht unbedingt gut gemachten europäischen Datenschutzrechts in Deutschland, in Europa blüht.
Wir haben also wahnsinnig viele Probleme, überhaupt Daten zu bevorraten, Daten zu nutzen, gerade auch für Methoden aus dem Bereich künstliche Intelligenz. Sobald hier in irgendeiner Form nachvollziehbar ist, um welche Personen es sich handeln könnte oder irgendwelche Dinge nachvollziehbar sind, hat der Gesetzgeber sofort einen Riegel davor geschoben. Und der Nachteil an der Stelle sind nicht nur die hohen Strafen, sondern einfach die Möglichkeit oder Unmöglichkeit überhaupt daran arbeiten zu können, neue Geschäftsmodelle erproben zu können, neue Methoden einsetzen zu können.
Und das ist das Problem, was uns jetzt natürlich blüht. Wir haben auf der anderen Seite Länder wie China, die USA, die viel, viel lascher mit den Daten umgehen und entsprechend diese Daten auch viel besser für neue Geschäftsmodelle nutzen können. Und wenn wir dann irgendwann in ein paar Jahren sehen, dass diese Geschäftsmodelle vielleicht ganz toll sind, dass man dafür aber die Gesetze entsprechend verändern muss, dann werden wir das sicherlich tun.
Nur bedeutet das eben, dass dann ausländische Player auf unseren Markt kommen können, eben ähnlich so einem neuen Virus. Und dieser Markt, der ist noch nicht da und unsere heimischen Geschäftsmodelle haben sich überhaupt noch nicht auf diese neuen Möglichkeiten vorbereitet. Und die Geschäftsmodelle aus den anderen Ländern sind dann eben schon viele Jahre praktisch erprobt und können hier auf diesem Markt, der nichts entgegenzusetzen hat, sehr, sehr schnell Fuß fassen.
Was sicherlich für die heimische Wirtschaft überhaupt nicht positiv ist. Ich befürchte aber, dass genau so etwas passieren könnte. Und da ist sicherlich auch die Parallele von Corona und IT momentan zu sehen.
Wenn ich mich dann so ein bisschen umschaue, wie China beispielsweise mit Corona umgeht, dann sind wir eigentlich voll bei dieser Kombination des Themas. In China gibt es nämlich eine komplette Überwachungs-App aus dem Hause Alibaba. Das heißt, die haben wir im Mobiltelefon-Datengetriebenen-Ansatz.
Die Health-Code-App erhält jeder Bürger, um personalisiert seine Infektionswahrscheinlichkeit einschätzen zu können. Und daraus dann werden abgeleitet die individuelle Bewegungsfreiheit, also ob er in häusliche Quarantäne muss oder gar eine medizinische Isolation benötigt. Und zu der Auswertung werden dabei Angaben des Bürgers, aber wohl auch weitere auf dem Smartphone gespeicherte Informationen verwendet.
Das Know-how kommt natürlich von dem chinesischen Großkonzern Alibaba. Das klingt für uns so ein bisschen nach Überwachungsstaat, nach Möglichkeiten, die wir eigentlich gar nicht haben wollen, weil sie komplette Eingriffe in Freiheit und Privatsphäre bedingt. Aber es geht hier eben um die Bekämpfung einer Pandemie.
Und China hat zumindest, wenn man den offiziellen Grund- und Vererlaubbarungen Glauben schenken darf, hier sehr erfolgreich gehandelt. Ich sehe da, wenn ich das europäische Datenschutzrecht angehe, ganz viele Probleme, die hier einfach übersteuert werden bzw. dort gibt es ein derartiges Datenschutzrecht eben nicht.
In Deutschland hat die Telekom allerdings angefangen, zumindest gefilterte Handydaten zur Verfügung zu stellen. Ich frage mich, wie das vereinbar sein kann. Wir arbeiten ja selber im ERP-Umfeld mit Methoden, Deep-Learning-Methoden und haben eigentlich permanent Probleme, auch mit pseudonymisierten und anonymisierten Daten überhaupt umgehen zu dürfen.
Warum das jetzt plötzlich möglich sein soll an der Stelle, wenn auch auf einer anonymisierten Ebene Bewegungsströme ausgewertet werden dürfen, das erschließt sich mir nicht. Wenn Sie da mehr Erfahrungen, mehr Erkenntnisse zu haben sollten, freue ich mich, wenn Sie eine Mail an mich schreiben. Aber zumindest geht es ein bisschen in die richtige Richtung, um an dieser Stelle Corona zu bekämpfen.
Also, ich bin sehr gespannt, nicht im positiven Sinne, leider Gottes, was die nächsten Wochen bringen werden. Wir werden auch weiterhin hier im ERP-Podcast über IT, über ERP, über das Unternehmensdatenfundament berichten. Bislang sind die Netze ja auch noch relativ gut mit der Datenlast umgegangen.
Das heißt, wir haben relativ wenig Ausfälle zu verzeichnen. Es gab natürlich auch schon diverse Artikel im Netz, hält das Internet der Corona-Krise stand, wo es überall Ausfälle gegeben hat. Wen das so ein bisschen interessiert, was für ein Power in der Glasfaser-Infrastruktur weltweit zur Verfügung steht, der mag sich gern mal die Folge 44 des ERP-Podcasts anschauen, anhören vielmehr Microsoft in der Cloud.
Ich habe mich dort vor ungefähr anderthalb Jahren mit Herrn Scholl von Microsoft über Microsoft 365, Microsoft Dynamics vor allen Dingen 365 unterhalten. Wir haben so ein bisschen die Tür geöffnet in die Rechenzentren, in die Vernetzung, die Infrastruktur, die Glasfaser-Infrastruktur, die Microsoft die letzten Jahre gelegt hat. Es ist also wahnsinnig eindrucksvoll, was dort passiert ist.
Und da wissen Sie auch so ein bisschen, was da plötzlich jetzt im Hintergrund abgeht. Wie gesagt, Folge 44 des ERP-Podcasts. Ich denke, wir werden auch in der Zeit mal wieder jemand aus diesem Lager hier für eine Folge einladen.
Ich hoffe, Sie sind gesund. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben. Ich werde mich in gewohnter Weise jeden Mittwoch bei Ihnen melden.
Bis dahin, keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.