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#75b - Vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender - ein Interview mit Martin Vollenbröker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling GmbH
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Die Seiten wechseln und vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender werden? Mein heutiger Interviewgast Martin Vollenbröker weiß viele interessante Dinge aus seiner täglichen Arbeit mit Microsoft Dynamics NAV und dem Perspektivenwechsel zu berichten. Wir sprechen auch im zweiten Teil über die Möglichkeiten der IT im Unternehmen, über die Bedeutung für neue Geschäftsmodelle und die heutigen und zukünftigen Herausforderungen. Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast. Vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender. Ein Interview mit Martin Vollenbröker, IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weilink GmbH.

Die Seiten wechseln und vom ERP-Entwickler zum ERP-Anwender werden? Mein heutiger Interviewgast Martin Vollenbröker weiß viele interessante Dinge aus seiner täglichen Arbeit mit Microsoft Dynamics NAV und dem Perspektivenwechsel zu berichten. Wir sprechen auch im zweiten Teil über die Möglichkeiten der IT im Unternehmen, über die Bedeutung für neue Geschäftsmodelle und die heutigen und zukünftigen Herausforderungen. Viel Vergnügen.

In eigener Sache, wenn auch Sie sich für Unternehmenssoftware interessieren und verschiedene Lösungen und namhafte IT-Fachexperten kennenlernen möchten, dann gibt Ihnen die digikonf.de unsere erste virtuelle Fachmesse für Unternehmenssoftware vom 5. bis 7. November interessante Denkanstöße. Neutral und ohne Datenpreisgabe können Sie sich dort unverbindlich und kostenlos informieren. Aufgrund der Streaming-Bandbreite müssen wir die Teilnehmerzahl begrenzen, aber mit einer unverbindlichen kostenlosen Registrierung sichern Sie sich heute Ihr Ticket für dieses Streaming-Event unter www.digikonf.de. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Heute der zweite Teil mit Martin Vollenbröcker.

Er ist IT-Leiter bei dem Bio-Großhändler Weiling, 1975 gegründet, mittlerweile 220 Millionen Euro Umsatz. Einer der Großen in der Branche. Ich habe letztes Mal schon ganz ketzerisch gesagt, naja, das ist ja eigentlich eine Branche, die hat ja gar nicht so viel mit IT zu tun.

Da kam natürlich sofort als Antwort, nee, nee, das ist genau nicht der Fall. Und wir haben uns letztes Mal ganz viel über Navision, über Microsoft Dynamics NRV unterhalten, weil das das System ist, was sehr, sehr viel treibt und steuert in dem Unternehmen. Und ich freue mich, dass Herr Vollenbröcker mir auch heute wieder im Interview Rede und Antwort steht.

Wir wollen ein bisschen über generell die Aufgaben des IT-Leiters sprechen. Herr Vollenbröcker, schön, dass Sie da sind. Herzlich willkommen zurück im ERP-Podcast.

Ja, schönen guten Tag, Herr Winkelmann, danke. Mögen Sie sich zunächst nochmal kurz selber ein bisschen vorstellen, wer ist Martin Vollenbröcker und auch wer ist die Firma Weiling GmbH? Ja, sehr gerne. Mein Name ist Martin Vollenbröcker.

Ich komme aus Wetteringen, das liegt im schönen Münsterland. Bin 40 Jahre alt, verheiratet, habe drei Töchter. Nach meinem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zum Fachinformatiker, Anwendungsentwicklung gemacht, bin anschließend zur GWS nach Münster gewechselt und habe dort als Softwareentwickler lange Zeit gearbeitet.

Parallel habe ich dann per Fernstudium Wirtschaftsinformatik studiert, war insgesamt 18 Jahre bei der GWS, habe in den letzten Jahren ein Team von zehn Entwicklern geleitet im Bereich der Individualentwicklung von Dynamics NHV und bin jetzt Anfang diesen Jahres zu Weiling gewechselt und dort als IT-Leiter tätig und mein Hauptaufgabengebiet liegt da im Bereich Software und Prozesse. Vielleicht noch ein paar Worte zu Weiling. 1975 gegründet, habe ich schon gesagt.

Was macht das Unternehmen? Wie kann man sich das vorstellen? Ja, wir sind letztendlich von den Prozessen her ein normaler Nahrungsmittelgroßhändler. Das heißt, wir haben einen ausgeprägten Trockenartikelbereich. Besonders im Bionahrungsmittelbereich ist sicherlich der Bereich Frische, also Obst und Gemüse und stark natürlich auch im Molkereibereich.

Das heißt, Sie versorgen den Einzelhandel eigentlich mit sämtlichen Produkten im Bio-Umfeld, ja? Genau. Unsere Philosophie ist da, wir beliefern nur Kunden, die ausschließlich Bionahrungsmittel verkaufen. Das heißt, wir liefern nicht in den klassischen Einzelhandel, sondern ausschließlich in 100% Bio-Kunden.

Jetzt haben wir uns letzte Woche schon ganz viel darüber unterhalten. Sie haben es ja selber eben gesagt, Sie sind von einem ERP-Systemhaus, von einem Microsoft-Systemhaus, in dem Sie langjährig in der Entwicklungsabteilung geleitet und gearbeitet haben, hin zu einem ERP-Anwender. Wir haben uns ganz viel darüber unterhalten, was das auch bedeutet, wie auch vielleicht die Sichtverschiebung an der Stelle ist.

Mich würde mal interessieren, wenn Sie morgens in das Unternehmen kommen als IT-Leiter, was ist Ihre erste Aufgabe? Gucken, ob die Server noch laufen? Nein, das habe ich hoffentlich vorher schon mitbekommen, wenn da was nicht läuft. Also da laufen natürlich die Überwachungssysteme. Ja, der Tageslauf beginnt aber im Prinzip so, dass ich schaue, wenn es irgendwelche Arten von Problemen gab, die jetzt vielleicht kein Ausfall waren, aber die Eingreifen erfordern, stimme ich dann mit den Kollegen ab.

Ja, und dann nimmt letztendlich das Warenwirtschaftssystem, unser ERP-System, nimmt vielleicht in Summe 30, 40 Prozent meines Tagesgeschäfts ein. Das geht dann um Konzeption von Lösungen, um natürlich auch im Tagesgeschäft, um Test und Zusammenarbeit mit unserem Lieferanten. Und ja, ein Großteil macht aber auch, machen andere Bereiche aus, andere Software, wie Shops, wie Dokumentenmanagement oder BI-Systeme, sowas in der Art.

Ich muss da noch mal eben reingehen, weil ich würde das gerne noch mal deutlich machen, welche Bedeutung das Unternehmensdatenfundament, in dem Falle das Warenwirtschaftssystem oder ERP-System, NAV von Microsoft, für so ein mittelständisches Unternehmen wie Ihres letztendlich hat, Sie haben eben gesagt, also wenn das mal eine Stunde ausfällt oder ausfallen würde, konjunktiv, weil bei so tollen IT-Leuten wie Ihnen wird es ja wahrscheinlich gar nicht so ausfallen, beschäftigt Sie das dann hinterher eine ganze Woche, um die Prozesse alle wieder gerade zu ziehen? Was heißt das? Also wenn das System steht und wir können unsere Kunden nicht pünktlich beliefern, da gibt es natürlich ein kleines Beispiel Auslieferungsbeschränkungen. Wir dürfen einzelne Kunden nur von 8 bis 10 Uhr abends beliefern oder wir dürfen sie nur vor 8 Uhr beliefern, weil irgendwo im Anwohnerbereich keine Lärmbelästigung erfolgen darf. So, dann dürfen wir nicht mehr anliefern, wenn wir zu spät dran sind.

So, dann kriegt der Kunde keine Ware. Dann müssen wir überlegen, was machen wir mit dem Kunden? Wie bekommt er seine Ware? Da müssen wir uns Alternativen überlegen. Dann intern hier bei uns, dann kommt natürlich auch fortlaufend Waren an.

Wenn wir die Wareneingänge nicht schaltverbuchen können, können wir sie nicht einräumen, können wir ihnen keinen Lagerplatz zuweisen, dann ist letztendlich der ganze Fluss im Unternehmen so gestört, dass es erstmal wieder in ordentliche Bahnen gelenkt werden muss. Ich halte da mal ganz catcherisch gegen. Ist es dann nicht eine fatale Entscheidung, in ein automatisches Hochregallager zu investieren, wenn Sie so abhängig dann sind von der IT? Die Gefahr ist sicherlich immer da, dass es ausfällt, keine Frage.

Aber die Vorteile davon wirken einfach stärker und die Risiken, denen kann man ja begegnen. Wir sind aber gezwungen, aufgrund der Vielfalt in unserem Sortiment und auch der Masse, die mittlerweile bewegt wird, dass wir die zur Verfügung stehende Lagerkapazität bestmöglich ausnutzen. Und da sind automatische Systeme wie ein Hochregallager-System, aber auch, vor allem auch ein Kleinteil der Lagersysteme, ein sehr gutes Mittel.

Und die laufen in der Regel auch sehr stabil. Jetzt ist es so, dass das ERP-System oder Warenwirtschaftssystem Sie nur ein Teil des Tages beschäftigt. Und ich weiß aus dem Vorgespräch, aber das ist nicht exklusiv, Martin Vollenbröcker, das ist eigentlich jeder IT-Leiter, dass das Aufgabenspektrum in diesem Bereich des Unternehmens immer größer wird.

Es kommen immer mehr Systeme dazu, es kommen immer mehr Aufgaben dazu. Können Sie vielleicht ein bisschen beschreiben, mit was Sie dort alles agieren? Ja, grundsätzlich haben Sie vollkommen recht. Also das Aufgabengebiet hat sich letztendlich deutlich erweitert.

War man vorher im Bereich der Entwicklung bei einem Systemhaus wirklich darauf fokussiert, eine ERP-Lösung zu schaffen für einzelne Kunden oder sei es ein Standardprodukt, so ist die Aufgabe als IT-Leiter deutlich umfassender, da man letztendlich für die gesamte IT-Landschaft im Unternehmen zuständig ist. Das betrifft dann jetzt, da werden viele ein Lied von singen können, Thema Datenschutz, DSGVO, das ist so ein Punkt, mit dem ich mich längere Zeit jetzt schon beschäftigt habe. Wir haben im letzten Monat beispielsweise eine IT-Systemprüfung gehabt, die muss vorbereitet und in zwei Tage ein Audit durchgeführt werden.

Das sind alles so Punkte, die da auf der Tagesordnung stehen. Die IT, die hat letztendlich die Unternehmen oder zumindest die modernen Unternehmen so durchdrungen bis in die letzte Abteilung, in den letzten Prozess, dass das einfach eine sehr umfassende Aufgabe ist. Jetzt mache ich einen kleinen Werbeblock, den ich nochmal eben einschiebe, weil wir in ein paar Tagen unsere DigiConf haben, die erste virtuelle Fachmesse für Unternehmenssoftware, weil ich glaube, das Problem ist ja immer, sich auch weiterzubilden und zu informieren an der Stelle und meistens ist es so, wenn man dann an den ERP-Hersteller sich wendet oder an irgendeinen Softwarehersteller, dann wird man halt auch zwölf Wochen von irgendwelchen Vertrieblern vermeintlich aufgeklärt, was ja auch gerade im Mittelstand man ja gar nicht möchte.

Genau deswegen haben wir die DigiConf, www.digiconf.de vom 5. bis 7. November ins Leben gerufen, übrigens auch ihr ehemaliger Arbeitgeber, die GWS, mit als Lösungsanbieter, stellt dort etwas vor, kommt mit in die Diskussion. Also für wen das interessant ist, man kann sich kostenlos auf der Webseite digiconf.de, steht auch in den Shownotes, registrieren und daran teilnehmen, bequem aus dem Büro per Livestream. Aber ich glaube, das ist auch das Riesenproblem, was wir haben, oder? Wie bilden wir uns sofort, auch in der IT, dass wir wissen, das und das sinnvoll zu machen und das und das können wir vielleicht eher sein lassen oder schieben wir in der Agenda auch ein bisschen weiter nach hinten, oder? Ja, auf jeden Fall.

Und ein Problem, was ich auch sehe, ist, dass es eine große Herausforderung ist, Herausforderungen an unabhängigen Informationen zu belangen. Wenn man beispielsweise ein neues ERP-System sucht und sich an Hersteller wendet, dann versprechen die einem alle das Blaue vom Himmel. Das liegt in der Natur der Sache.

Sich da ein objektives Bild zu machen, mit einem vertretbaren Aufwand, ist ungeheuer schwierig. Vielleicht als Tipp für diejenigen, die vor so einer Aufgabe stehen, lassen Sie sich von Ihrem entsprechenden Lieferanten oder potenziellen Lieferanten Kunden nennen, die in ihrer Branche tätig sind und suchen sie einfach das Gespräch mit dem Verantwortlichen in dem Unternehmen. Ich kann nur sagen, viele Menschen sind dazu bereit.

Wir wissen ihre Erfahrungen dazu teilen und das hilft ungemein weiter. Also ich gehe genau so auch vor. Das wäre jetzt auch mein Tipp gewesen, wirklich mit Leuten zu sprechen.

Und das Schöne ist ja, bei uns in der IT-Branche, wir sind ja immer so ein bisschen, ich nenne das immer den Hygienefaktor, also wir sind ja die, die eigentlich gar nicht auffallen, solange das System läuft. Aber wehe, es läuft nicht und dann müssen wir mit einem Kettenhemd durch die Kantine durch. Und insofern sind viele aus unserem Bereich der IT, der Unternehmenssteuerung auch sehr, sehr glücklich, mit anderen Erfahrungen zu teilen, darüber zu sprechen, sich vielleicht auch wieder andere Tipps zu holen.

Insofern danke ich Ihnen auch ganz herzlich, dass Sie heute ein Podcast-Interview sind. Denn das ist wirklich eine Chance, auch an Informationen dranzukommen, an die man sonst vielleicht nicht unbedingt drankommt. Oder wie Sie schon sagen, die Marketingabteilung der ERP-Hersteller ist vielleicht an manchen Stellen auch weiter in der Entwicklung als die eigentliche Entwicklung.

Ja, und viele wissen auch, dass ich letztendlich sehr schnell dann sozusagen das Blatt auch wenden kann. Wenn ich jetzt Informationen teile, meine Erfahrungen freigebe und in drei Monaten ein neues BI-System suche, dann kann ich den Kollegen, der mich vor drei Monaten mal angesprochen hat, den kann ich dann auch mal anfragen, dann machen wir das wieder Erfahrung. Und so ist das irgendwo ein ständiges Geben und Nehmen, zum Vorteil aller Beteiligten.

Mit welchen Systemen machen Sie neben dem ERP- bzw. Warenwirtschaftssystem tagtäglich auch Ihre Erfahrungen? Ja, wir haben als Jobsystem, was wir einsetzen, das ist für uns individuell gemacht worden. Im Bereich BI arbeiten wir mit PowerBI von Microsoft auch.

Im Dokumentenmanagement-Bereich arbeiten wir mit dem System von Elo, das letztendlich auch über unseren Software-Lieferanten mit angebunden ist an die NRV-Software. Sozusagen es von den Prozessen her sehr tief integriert ist. Das sind so vor allem die Systeme, die wir aktuell ansetzen.

Merken Sie jetzt, also Microsoft hat ja seit 2015, eher seit 2016, 2017 massiv den Schalter umgelegt in diese Cloud-Welt. Merken Sie selber, dass Sie immer mehr in diese Richtung reingetrieben werden? Merken Sie auch etwas in Bezug auf die Akzeptanz im Mittelstand? Ja, das merkt man schon ganz deutlich, dass Microsoft seit Jahren daraufhin arbeitet, die Unternehmen vorrangig in die Cloud zu bringen. Wir bei Weiling sträuben uns da eigentlich noch so ein Stück weit gegen.

Das liegt zum einen daran, dass die Anwendung hier an unserem Standort noch nicht so optimal ist. Andererseits haben wir hier auch wirklich zwei umfassende Rechenzentren stehen, die sich im Falle des Ausfalls innerhalb von Sekunden ersetzen. Vollständig sind da eigentlich ganz gut aufgestellt im Moment.

Aber gerade, was jetzt Unternehmenssoftware betrifft, im Bereich Dynamics Nav, da ist der Weg ganz klar abgezeichnet, dass es zukünftig Cloud-Systeme definitiv den Vorgang haben. Dann werden neue Systeme erst, neue Versionen erst in der Cloud präsentiert und vielleicht mit Nachgang erst einige Monate später on-premise bereitstehen. Und wenn die Entwicklung so weitergeht, dann ist mein Gefühl, dass wir in drei, vier Jahren vorrangig an den Punkt haben, wo nur noch Cloud-Systeme angeboten werden können. Ja. Was heißt das für Sie als IT-Abteilung? Wird das ein nahtloser, schrittweise Übergang sein, eine Transformation? Oder ist das ein richtig großes Projekt, was, obwohl Sie ja erst 2015 das ERP-System eingeführt haben, dann nochmal dazu führt, dass Sie also viele Mitarbeiterkapazitäten für so ein Projekt binden werden müssen? Ja, ich gehe davon aus, dass wir mit der nächsten Version, mit dem nächsten Update noch eine On-Premise-Version einsetzen werden hier.

Und vielleicht mit dem übernächsten Update vielleicht in die Cloud wecken werden. Aber dann, das wäre ein jegliches Update-Projekt, auch eine nächste NAV-Version, wird immer sehr viele Kräfte bündeln bei uns, dadurch, dass wir natürlich auch ein recht großes Maß an Individualentwicklungen haben. Vor allem haben wir dann mit dem Sprung auf die nächste Version die Aufgabe, diese Individualentwicklungen so zu bündeln, zu kapseln, dass wir sie als Extensions, also als hinzu installierbare Erweiterungen für uns zur Verfügung stellen können und Folge-Updates zu vereinfachen.

Ja, also ich bin sehr gespannt. Ich werde sicherlich mit dem einen oder anderen Systemhaus, aber auch IT-Leiter diese Zeit ein bisschen beobachten und begleiten. Ich glaube, wir sind da so ein bisschen vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle im Paradigmenwechsel, auch in der ERP-Welt.

Jetzt leben Sie ja nicht nur von den Systemen und der Anwendung der Systeme, sondern Sie kriegen ja auch ganz viele Dinge von außen aufoktroyiert sozusagen. Also ich denke zum Beispiel an die Datenschutz-Grundverordnung der EU, die jetzt Ende Mai endgültig scharf geschaltet wurde. Ich denke an viele Dinge, die einem aus dem Steuerrecht, aus dem EU-Recht übergestülpt werden, aus der Compliance übergestülpt werden.

Wie gehen Sie damit um und wie schaffen Sie das eigentlich, sich bei dieser Vielzahl an Themen überhaupt noch weiterzubilden, sodass das Unternehmen auch weiß, bei euch in der IT-Abteilung ist das Thema gut aufgehoben? Das ist eine sehr umfassende Frage. Also fangen wir mal mit einem kleinen Beispiel an, DSGVO. Das zeigt so ein bisschen die Herangehensweise hier auch im Unternehmen Weiling.

Wir nehmen die DSGVO nicht als notwendiges Übel, dass wir möglichst mit wenig Aufwand so umsetzen wollen, dass wir safe sind, sondern wir versuchen das auch im Sinne des Unternehmens so umzusetzen, dass wir besser werden. Und da sind dann per Definition mehrere Leute getroffen aus unterschiedlichsten Funktionen und da arbeiten wir dann zusammen. Also es ist dann nicht so, dass das Thema DSGVO bei mir auf den Schreibtisch geworfen wird und dann muss ich mich damit beschäftigen, sondern da kommen unterschiedliche Leute zusammen und das Projekt ist dann gemeinschaftlich abgewickelt.

Ja, bis jetzt ist das immer ein sehr bereites Aufgabenbild, was man da hat, Ihre Frage nach der Fortbildung. Wir leben ja in einer Zeit, wo es unheimlich einfach ist, hochqualitatives Wissen sich anzueignen, sei es durch Podcasts, sei es durch Online-Lernplattformen, wo vorrangig Wissen auch umsonst angeboten wird, wenn man da keinen Wert auf ein Zertifikat legt. Diese Möglichkeiten, die sollte man einfach nutzen.

Ich höre beispielsweise auf jeder Autofahrt zur Arbeit und zurück höre ich unterschiedlichste Podcasts aus unterschiedlichsten Gebieten, die mich einfach so ein bisschen interessieren. Es hört vielleicht nicht jeder Podcaster gerne, aber man kann die meisten auch mit anderthalbfacher Geschwindigkeit hören, dann schafft man auch etwas mehr. Aber man nimmt wirklich aus den meisten Podcasts irgendeinen Teil mit, der irgendwo im Hinterkopf bleibt und wenn man den dann irgendwann braucht, dann kann man sich gezielt darüber weiter informieren.

Das hilft also auf jeden Fall. Dieses Weiterinformieren, das nehme ich jetzt einfach mal als Stichwort, um mich ein bisschen weiter zu informieren, auch über Sie. Ich würde gerne abschließend nochmal in unsere Blitzlichtrunde einsteigen, Herr Vollenbröcker.

Sie haben ja einen ganz spannenden Lebenslauf sozusagen aus der Fachinformatik in die Entwicklung. Das ergibt sich zwangsweise, aber die wenigsten kommen glaube ich vom ERP-Hersteller und sagen dann, ich wechsle jetzt 180 Grad und werde zum ERP-Anwender. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Ja, anfangs bin ich sicherlich sehr naturwissenschaftlich interessiert und talentiert.

Es gefällt mir, wenn Dinge funktionieren, wenn Dinge klar geregelt sind. Von daher war der Einstieg in den naturwissenschaftlichen Bereich für mich logisch. Computer haben mich auch schon immer interessiert.

Der Wechsel jetzt zu einem Endanwender in ein Handelsunternehmen lässt sich erklären dadurch, dass ich durch meine Tätigkeit bei der GWS schon viele Handelsunternehmen kennengelernt habe. Der Handel ist eine unheimlich interessante Branche für mich. Und mich hat jetzt zu diesem Zeitpunkt die Erweiterung meines Aufgabengebietes einfach so dermaßen bereizt, dass ich gerne diesen Schritt gegangen bin jetzt und ihn auch nicht bereue bis dato.

Gibt es dann einen bestimmten Punkt, wo Sie sagen, wow, das war bislang das, wo ich besonders stolz drauf bin, das war mein beruflicher Erfolg, den ich bislang erreicht habe? Ja, es ist ja so, dass wenn man irgendwann von der Fachkraft zur Führungskraft wird, dann geht es häufig so, dass man einfach ins kalte Wasser geworfen wird. Ich hatte bei der GWS das Glück, dass wir da eine mehrjährige Schulung gehabt haben mit anderen Teamleitern aus dem Unternehmen. Und da habe ich sehr viel gelernt, muss ich sagen.

Und habe dann genau in diesem Zeitraum letztendlich ein zehnköpfiges Entwicklungsteam inklusive der zugehörigen Prozesse für die Abwicklung von Individuen aufgebaut. Und ich würde sagen, das hat einerseits sehr viel Spaß gemacht und war auch in meinen Augen sehr erfolgreich. Jetzt haben Sie gesagt, oder mir das Stichwort eigentlich schon gegeben, Weiterbildung.

Das ist natürlich in unserem Bereich hochwichtig und hochrelevant. Wie bilden Sie sich, Podcast haben Sie eben schon genannt, wie bilden Sie sich außerhalb dieser Podcast-Welt weiter? Gibt es da bestimmte Dinge, ich denke zum Beispiel an MOOCs oder Ähnliches? Ja genau, ich besuche sehr viele MOOCs. Ich kann da vor allem die OpenHPI vom Hasselblatt-Institut empfehlen oder Udemy.

Da gibt es ja diverse Plattformen, wo man viele Kurse umsonst besuchen kann. Vielleicht können Sie noch mal kurz sagen, was das ist, weil ich weiß, dass ganz viele sich Gedanken über MOOCs gemacht haben. Aber was verbirgt sich dahinter? Letztendlich kann man sich ein MOOC wie eine Online-Vorlesung vorstellen.

Da gibt es natürlich unterschiedliche Ausprägungen, aber vielfach sind die mit Folien, Videos verbunden. Dann gibt es in der Regel so einmal pro Woche einen Hausaufgabenblock, den man dann absolviert, um sein eigenes Wissen zu kontrollieren und dann letztendlich überprüfen lässt. Diese Kurse gehen vier bis sechs bis acht Wochen und finden dann in einer Abschlussarbeit ihr Ende.

Da kann man dann sehen, ob man den Stoff so weit verinnerlicht hat. So kann man sich das vorstellen. Wir werden natürlich auch wieder in den Shownotes bzw.

auf der Webseite zu dem Podcast www.erp-podcast.de entsprechend Links zu spannenden Inhalten, zu interessanten Plattformen zur Verfügung stellen. Neben den MOOCs können Sie Bücher empfehlen, andere Formate empfehlen, über die man sich gut weiterbilden kann? Ja, Bücher lese ich natürlich auch gerne. Das bleibt leider immer zu wenig Zeit für, aber ich versuche regelmäßig Bücher zu lesen.

Vielleicht nicht IT-spezifisch, aber da gibt es schon Bücher, die mich da ein Stück weit geprägt haben und die ich als sehr wertvoll erachte. Da fällt mir zum einen die Sieben Wege zur Effektivität ein von Stephen Covey. Und für mich auch vielfach ein Augenöffner, der zur Hinterfragung der eigenen Verhaltensweisen ist, wie man Freunde gewinnt, von Dale Carnegie.

Das sind also zwei wirklich tolle Bücher, die jeder mal irgendwann gelesen haben sollte. Ansonsten lese ich auch gerne privat Sachbücher oder Romane. Ich interessiere mich vor allem für Geschichte, vorrangig Dritte Reich und Zweiter Weltkrieg.

Da habe ich jetzt ein sehr interessantes Buch gelesen. Es ist zwar in Romanform, beruht aber auf wahren Tatsachen, d.h. wer wir sind. Da geht es um den deutschen Widerstand und die unterschiedlichen Gruppen, die zusammengearbeitet haben.

Dies ist dann letztendlich ergangen und ist ein sehr ergreifendes Buch. Okay, also Veränderung auf allen Wegen. Jetzt sind Sie schon ein bisschen länger in diesem Umfeld ERP, Unternehmensdatenfundament, unterwegs.

Das macht die Frage eigentlich umso spannender. Zurückblickend hat sich wahnsinnig viel verändert. Wie wird es in der Zukunft sein? Aus Ihrer Sicht, was muss sich verändern? Was wird sich in diesem Berufsumfeld auch verändern? Also ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren einen deutlichen Anstieg von weiteren Automatisierungen haben werden.

Ich denke, dass weitere Digitalisierung viele Sachbearbeitertätigkeiten in Zukunft überflüssig machen wird. Damit beschäftigen sich meiner Meinung nach noch zu wenige Menschen. Das sollte man auf der Tagesordnung haben.

Also zu wenige Menschen heißt zu wenige Unternehmen. Ja, aber auch die Menschen. Ich bin ja letztendlich auch Arbeitnehmer.

Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Ich werde noch einige Zeit arbeiten wollen. Da muss ich mir natürlich auch Gedanken um meine berufliche Zukunft machen.

Und wenn ich sehe, dass da ein Prozess der weiteren Digitalisierung auf uns zukommt und vielleicht ein Teil meiner Tätigkeit, die ich im Moment tue, automatisiert wird und nachher nicht mehr benötigt wird, dann muss ich mich da jetzt schon darauf einstellen. Da muss ich jetzt schon sagen, wo will ich mich denn hin entwickeln, um entsprechend auch dann in Zukunft meinen Platz irgendwo zu finden. Dieser Herausforderung, der sollte man jetzt schon begegnen, um sich da auf diese Zeit vorzubereiten.

Und diese auch aktiv mitgestalten zu können. Da gibt es ja so Studien, die sagen, 50 Prozent aller Jobs, zumindest in der Betriebswirtschaft, sind irgendwo gefährdet. Da kann man gegenhalten, es wird ganz viele neue Berufe auch geben, die da entstehen.

Sehen Sie das ähnlich? Ja, das sehe ich ähnlich. Ich denke, dass wir weitere Branchen ganz nachhaltig verändern, wie beispielsweise Versicherungsunternehmen oder Banken, aber auch Handelsunternehmen, die Prozesse in der Buchhaltung. Das wird einiges umkrempeln und da muss sich jeder damit beschäftigen und seinen Zugriff finden.

Vor welchen Herausforderungen steht da die Unternehmenssoftware, also insbesondere Warenwirtschaftssysteme, bei Ihnen beziehungsweise ERP heute und zukünftig ganz besonders? Ja, wir haben ja im Moment noch stark diese großen Systeme wie NAV oder SAP. Ich denke, dieser ERP-Markt wird sich in Zukunft von so einer Art wohlgeordneten Supermarkt zu einem scheinbar unorganisierten Armeisenhaufen entwickeln. Das heißt, wir werden viel mehr unterschiedlichste Services bekommen, die da ineinandergreifen müssen.

Die großen Player werden Schwierigkeiten haben, die müssen sich ihre Positionen neuer kämpfen und die Einschränkungen für neue, auch kleine Unternehmen, die werden in meinen Augen deutlich sinken, die spezialisierte Prozesse und Services anbieten, die dann auch die breite Masse an Unternehmen nutzen kann. Ich denke, darin wird sich der Markt entwickeln. Ja, es wird spannend bleiben.

Ich freue mich darauf, weil es auch ganz viele neue Folgen natürlich geben wird hier für unseren ERP-Podcast. Herr Wollenbröcker, ich möchte mich bei Ihnen ganz, ganz herzlich bedanken für diesen spannenden Einblick in Ihre Tätigkeit, in Ihr Unternehmen, in Ihre Arbeit. Ich habe ganz viel gelernt und gehört von Ihnen, dafür ganz herzlichen Dank.

Und wie immer bei meinen Folgen gehören natürlich die letzten Worte meinem Gast. Ich bin raus an der Stelle. Keep connected.

Herzlichen Dank Ihnen. Die letzten Worte sind Ihre. Ja, sehr gerne.

Zwei Punkte vielleicht noch von meiner Seite. Zum einen möchte ich Ihnen, Herr Winkelmann und allen anderen Podcastern da draußen sehr, sehr herzlich danken für die Arbeit, die Mühe, die Sie investieren, um Ihr Wissen zu teilen und zur Verfügung zu stellen. Das ist wirklich sehr hilfreich für ganz viele Menschen.

Danke dafür. Und ein Appell an die Zuhörer. Nutzt die vielen Möglichkeiten, die es gibt heutzutage über Podcasts, über Online-Lernplattformen, um auch einfach mal den Blick etwas über den Tellerrand zu wagen, um neue Dinge zu erfahren und um euch selbst auf die Zukunft vorzubereiten.

Vielen Dank. Herzlichen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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