Sie wollten schon immer einmal wissen, wofür eine Advanced Planning and Optimization Software genutzt wird? Sie arbeiten vielleicht sogar mit einem SAP APO System und fragen sich, wie sie in die SAP S/4HANA-Welt migrieren können? Dann ist diese Folge mit unserem neuen Teammitglied und ehemaligen SAP-Consultant Fabian Gwinner genau richtig für Sie.
Viel Vergnügen.
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast. Von der Uni zu SAP Apo und zurück mit Fabian Gwinner. Sie wollten schon immer einmal wissen, wofür eine Advanced Planning and Optimization Software genutzt wird? Sie arbeiten vielleicht sogar mit einem SAP Apo-System und fragen sich, wie Sie in die SAP S4 HANA-Welt migrieren können? Dann ist diese Folge mit unserem neuen Teammitglied und ehemaligen SAP-Consultant Fabian Gwinner genau richtig für Sie.
Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
So, liebe Zuhörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Ich habe die heutige Folge mal benannt von der Uni zur SAP-APO-Einführung und wieder zurück. Wir hatten ein erfolgreiches Jahr.
Das Jahr geht ja so langsam dem Ende entgegen und wenn ich mir den Lehrstuhl anschaue, dann sind wir ganz schön gewachsen dieses Jahr. Wir haben viele, viele Projekte neu gestartet, was sehr schön ist, weil wir viele Fragestellungen, viele Forschungsfragestellungen gerade rund um ERP angehen können. Und das heißt, dass auch der Lehrstuhl natürlich kräftig gewachsen ist.
Wir suchen gerade unseren 14. wissenschaftlichen Mitarbeiter und einen Mitarbeiter, der jetzt gerade bei mir angefangen hat, den möchte ich heute mal ganz besonders hier im Podcast begrüßen. Nicht nur, weil meine Mitarbeiter hier auch eine Stimme im Podcast bekommen sollen, sondern weil er vier Jahre, nachdem er sein Wirtschaftsinformatikstudium hier gemacht hat, in die SAP-Beratungswelt gegangen ist.
Und jetzt wieder zurück an die Universität, an unseren Lehrstuhl gekommen ist. Er ist Wirtschaftsinformatiker, er ist SAP-Unternehmensberater gewesen, heute Forscher, Wissenschaftler. Herzlich willkommen bei uns hier im ERP-Podcast, Fabian Gwinner.
Herzlich willkommen. Ja, hallo. Möchtest du dich zunächst mal selber vorstellen? Wer ist der Mensch, Fabian Gwinner? Ja, gern.
Mein Name ist Fabian Gwinner. Ich bin aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter und habe mich jetzt nach vier Jahren dazu entschieden, vier Jahre im Bereich der IT-Beratung, im Bereich des Consultings dazu entschieden, wieder an die Uni zu gehen, wieder in den Bereich der Forschung zu gehen. Ich habe vier Jahre lang IT-Beratung gemacht, spezieller gesagt SAP-Beratung.
Noch spezieller gesagt eine SAP-Beratung im Bereich SAP SCMA Pro, das heißt das APS-System der SAP. Und habe dort verschiedene Firmen beraten im Bereich der Produktion verschiedener Industrien. Okay, das ist jetzt beinahe für Wirtschaftsinformatik ja schon fast klassisch, dass man nach dem Masterstudium in die freie Wirtschaft geht oder viele unserer Studierenden gehen in die Beratung.
Sie sind jetzt erstmal aus Würzburg weggegangen. Wie war das für Sie der Schritt von der Universität hin in die Praxis hin in die Beratung? Also der Schritt an sich war gar nicht so abwegig für mich. Ich habe schon mein Bachelorstudium dual gemacht, das heißt ich war schon damals in der Wirtschaft unterwegs und ich habe auch während meines Masterstudiums schon angefangen meine Fühle in die Wirtschaft zu strecken.
Habe dort ja eine Werkstudenten-Tätigkeit gemacht in dem Bereich der SAP-Beratung. Deswegen war der Schritt dann komplett in diesem Bereich auch gar nicht so abwegig für mich. An sich muss ich sagen, ist es ja wie Sie schon sagen der übliche Schritt eigentlich von Wirtschaftsinformatiker oder so das klassische, was man eigentlich in dem Bereich sieht.
Dass die Wirtschaftsinformatiker gerne in die Unternehmensberatung gehen oder viele davon in die Unternehmensberatung gehen. Deswegen für mich war das ein relativ einfacher Schritt. Man kriegt auch sehr viel Werkzeuge und sehr viel Wissen an der Uni dafür eigentlich schon mit, dass dieser Schritt auch relativ gut möglich ist und man da einen sehr sehr guten Übergang hat.
Sie haben eben schon ein bisschen gesagt, was Sie dann vier Jahre lang gemacht haben. Sie haben sehr viel mit SAP-Systemen gearbeitet bei den Kunden. Sie haben sehr viel in den Planungssystemen gearbeitet.
Vielleicht können Sie mal ein bisschen detaillieren, was genau man so als typischer IT-Berater in diesem Umfeld macht. Ja, grundsätzlich kann es sich um verschiedene IT-Projekte handeln. Das geht von kompletten Neueinführungen von ERP-Software, aber auch von Planungslösungen wie SAP Apo bis hin zu Optimierungsprojekten, Programmierprojekten, Entwicklungsprojekten für kundenspezifische Lösungen.
Das kann sein, dass Kunden speziell auf einen zukommen mit Planungsproblemen, mit Problemen in der Fertigung und mit der Fragestellung, wie kann man diese Probleme lösen, wie kann man an diesen Problemen arbeiten. Es ist eine sehr sehr breite Bandbreite an Projekten, die es dort gibt. Ich denke, das zeigt auch ein bisschen, dass es ein sehr abwechslungsreicher Beruf ist.
Also Sie haben viel gelernt in der Zeit. Ja, durchaus. Können Sie mal ein, zwei Beispiele geben, was so typische Planungsprobleme in den Unternehmen sind? Wahrscheinlich viel im Industriebereich, im Maschinenbaubereich.
Was sind so typische Dinge, die dort immer wieder auftauchen? Typische Dinge, die dort immer wieder auftauchen, ist eigentlich so das Klassische, was man aus der Produktionsplanung in der Vereinplanung sozusagen sieht. Das heißt, man hat verschiedene Produktionslinien oder je nachdem in welcher Industrie man sich befindet, eine bestimmte Werkstattfertigung. Und es kommt an der einen oder anderen Stelle eben zu kapazitiven Problemen in der Fertigung.
Das heißt, die Fertigung ist irgendwo an einer bestimmten Stelle zum Beispiel ausgelastet. Und für das Unternehmen geht es darum, dass man eigentlich noch an sich mehr Kapazitäten auf anderen Maschinen hat. Wie kann man jetzt die Planung dahin bekommen, dass man eben ein Produktionsprogramm, ein ausgeglichenes hinbekommt, dass man Ressourcen sinnvoll verteilt und dass die Produktion dennoch sehr beruhigt ist.
Und jetzt haben Sie das Wort SAP Apo in den Mund genommen. Vielleicht können Sie den Zuhörern, die jetzt nicht aus der SAP-Welt kommen, mal ein bisschen vermitteln, was sich hinter der SAP-Lösung verbirgt. Ja, gern.
SAP Apo ist an sich ein APS-System, also eine Advanced Planning Solution von der SAP. Das bedeutet nichts anderes, dass es ein System ist, das bestimmte Planungsprobleme im Umfeld von betriebswirtschaftlichen Vorgängen optimieren soll. Das heißt in dem Fall, dass zum Beispiel die Produktionsplanung oder eben das Transportmanagement, aber auch vielleicht die Disposition bestimmte Planungsprobleme enthält.
Und das Produkt, die Softwarelösung der SAP, die bietet verschiedene Möglichkeiten an, diese Produktionsprobleme oder allgemein diese Probleme in der Planung anzugehen. Das reicht von Feinplanungstafeln über Optimierungsalgorithmen für bestimmte Prozesse bis hin zu einzelnen Softwarelösungen, um Work-Prozesse abzubilden. Wo wird das denn insbesondere eingesetzt und gibt es bestimmte Industrien, die jetzt besonders derartige Systeme einsetzen? Ja, also meiner Erfahrung nach ist es wirklich höchst unterschiedlich.
Das reicht von der Lebensmittelindustrie über den Pharma-Bereich bis in das produzierende Gewerbe, das heißt ganz normale Anlagenbauer, Maschinenbauer, aber auch in die Serienfertigung. An sich ist es auch sehr unterschiedlich, wie die Unternehmen beschaffen sind. Das heißt, das reicht vom kleinen Mittelständler bis hin zum Konzern eigentlich, gibt es den Einsatz dieser Software eigentlich in jeder Größe, in jeder Unternehmensgröße.
Das kommt einfach darauf an, ob diese Unternehmensgröße vielleicht bestimmte Planungsprobleme mitbringt. Das sieht man insbesondere bei natürlich Konzernen. Konzerne haben einfach davon abhängig, wie groß das Unternehmen ist, wie verbreitet die Produktion zum Beispiel ist, ganz andere Probleme in der Planung, um zum Beispiel bestimmte Bauteile von A nach B zu schaffen.
Oder um die verschiedenen Produktionen aufeinander abzustimmen, um eine Absatzplanung über die verschiedenen Werke zu machen. Solche Probleme sind so klassische Probleme aus dem APU-Umfeld, die über diese Software gelöst werden können und die eben sich anbieten, dass man in dem Bereich dann ein APS-System verwendet. Okay, jetzt haben Sie eben gesagt, also Sie sind Spezialist sicherlich in der SAP-Welt, in der SAP-APU-Welt.
Sie haben aber eben gesagt, es gibt nicht nur Großkonzerne, wo wahrscheinlich mit großer Wahrscheinlichkeit ein SAP-System im Einsatz ist, sondern es gibt auch kleinere Mittelständler, die durchaus auch Planungsprobleme haben und dann derartige Software einsetzen. Setzen die ebenfalls SAP-Planungssoftware ein oder sind das andere Automatic Planning-Systeme, die dort im Einsatz sind? Da gibt es durchaus andere Systeme. Da muss man dazu sagen, da verschwindet auch etwas die Grenze zwischen den Systemen.
Gerade bei den kleineren bis mittleren Unternehmen ist es doch auch so, dass die Unternehmen zum Beispiel bereits eine MES-Software haben, im Einsatz haben und eben bestimmte Probleme über diese MES-Software schon abhören. Also eine klassische Produktionsplanung vielleicht schon in einem anderen System stattfindet. Viele dieser Softwarelösungen bieten eben dann auch Optimierungsalgorithmen oder Möglichkeiten, eben die Produktionsplanung auf bestimmte Ressourcen feiner zu gestalten und bieten in dem Moment natürlich so eine Art Konkurrenzprodukt an, zu einem klassischen APS-System.
Wobei man dazu sagen muss, dass es sich dann eben auch eher um die Probleme handelt, die kleinere und mittlere Unternehmen haben. Also gerade bei den größeren Unternehmen ist es dann durchaus eher zum Beispiel die werksübergreifende Planung oder eben die Absatzplanung, die den Unternehmen Probleme machen. Und das ist eher ein klassisches Gebiet, wo solche MES-Software natürlich nicht unterwegs ist.
Das heißt, solche Probleme auch nicht gelöst werden können. Jetzt haben wir gerade mehrere Begriffe im Spiel. Wir haben also APO oder APS, also Planungssoftware, die über die Funktionalität von typischen ERP, Enterprise Resource Planning System, hinausgeht.
Und als drittes haben wir jetzt MES eingeführt, also Manufacturing Execution Systems, also Systeme für die Produktions- oder vielmehr für die Maschinenplanung an der Stelle auch. Die Systeme sind ja jetzt irgendwo gleichwertig, vielleicht auch in Teilen nebeneinander stehend. APS ist ein bisschen on top oberhalb dieser Systeme, aber wie verhält es sich da mit dem Datenfundament? Also ich bin ja ein großer Fan, wer den Podcast hört, weiß, dass es möglich ist, die Daten einheitlich zu halten, um größtmöglich automatisieren zu können an der Stelle auch.
Das ist natürlich nicht möglich, wenn ich so viele verschiedene Systeme einsetze. Das ist Teil A und Teil B. Ich glaube, viele Unternehmen haben das auch gar nicht, oder? Ja, also wie Sie schon sagen, viele Unternehmen haben es natürlich nicht. Unter den Systemen ist es so, die SAP versucht hier zum Beispiel jetzt, nur als Beispiel zu nehmen, ein einheitliches Datenfundament zu haben.
Und zwar ihr SAP-ECC-System, aus dem sie alle nötigen Daten für zum Beispiel eben die Absatzplanung oder eben die Feinplanung herausziehen, um die dann einfach nur in den angrenzenden Systemen, in den APS-Systemen oder in den MES-Systemen zu nutzen. Das heißt, die versuchen hier schon, ein Datenfundament zu generieren. Das Problem ist natürlich, wenn man anfängt, unterschiedliche Softwarehersteller einzusetzen.
Hier ist es dann oft so, ist auch meine Erfahrung einfach, dass sich die Systeme dann, ich sage jetzt mal, um die Datenhoheitsschaft etwas streiten. Man versucht hier, ich habe ja auch schon andere Softwareeinführungen mitgemacht im Bereich MES, man versucht hier dann möglichst ein Datenfundament zu behalten. Das heißt auch zu versuchen, ein führendes System immer zu haben, aus dem die Daten kommen, in das Daten wieder zurückgespiegelt werden im besten Fall.
Und man versucht hier natürlich auf einer Ebene zu bleiben, aber das ist höchst individuell. Das kommt natürlich darauf an, was für eine Software man verwendet. Manche Software lässt es auch gar nicht zu, dass man Schnittstellen so einfach herstellt.
Bei manchen ist es dann tatsächlich so, dass man in beiden Systemen Stammdaten anlegen muss, um bestimmte Probleme zu lösen. Aber man versucht es zum größten Teil auch zwischen verschiedenen Herstellern. Gibt es da eine Regel oder eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das eher das ERP-System ist oder eher ein MES, ein CRM, ein APS, ein was auch immer System, das führende System letztendlich für dieses Datenfundament ist? Das kommt etwas darauf an, welchen Schwerpunkt sich selbst ein Unternehmen setzt.
Es gibt Unternehmen, die sind sehr konstruktionsgetrieben. Es gibt Unternehmen, die sind sehr produktionsgetrieben. Aber grundsätzlich, wenn ich jetzt so zurückschaue auf die verschiedenen Unternehmen, die ich beraten habe in der Zeit, wenn man sich die anschaut, sind es natürlich eher Mittelständler und Großunternehmen, die versuchen, ihr Datenfundament im ERP zu haben und alle angrenzenden Systeme nur zu beliefern.
Und versuchen in dem Moment natürlich auch, eine Konsolidierung von den Daten zu erreichen, auf einem gewissen Level. Und hier ist natürlich auch sehr sehr wahrscheinlich, dass wenn es ein produzierendes Unternehmen ist, dass es eben ein ERP-System ist. Ich habe aber auch schon durchaus Unternehmen gehabt, bei denen das führende System, wenn man es sich ganz genau anschaut, natürlich jetzt nur auf die Stammdaten bezogen zum Beispiel, eher ein PLM-System war.
Also das wäre jetzt auch mein nächster Gedanke. Also wenn ich mir eine Vertriebsfirma beispielsweise angucke, da sind die BWL-Prozesse klassischerweise nicht so stark in Produktionsbereichen zu verorten, sondern eher in vertrieblichen, in Dienstleistungsbereichen. Da würde vielleicht sogar das CRM-System das führende System sein können.
Bei anderen ist es dann tatsächlich das Produktionsplanungssystem. Ich denke im Schnitt wird es vermutlich das ERP-System sein, wo die Führung der Daten eigentlich liegt. Aber jetzt haben wir ja folgendes Problem.
Sie haben es ja vorhin gesagt. MES, APS oder APO und dann das ERP-System. In manchen Bereichen, nicht allen, sicherlich sehr ähnliche Funktionalität, unterschiedlich tiefgehend in der Funktionalität.
Aber ich kann die Daten zur Logistikoptimierung vielleicht sowohl im ERP-System durch erarbeiten als auch im APS- oder APO-System. Jetzt stellt sich natürlich immer, wenn wir solche redundanten Funktionalitäten in unterschiedlichen Systemen haben, die Frage, wie vermeiden wir jetzt, dass Leute das nicht in dem zentralen Datenfundament anlegen, also beispielsweise dem ERP-System, und es dann rüber synchronisiert wird in die Welt von MES oder APS oder was auch immer, sondern dass die Leute stattdessen im APS-System, weil ihnen die Funktionalität besser gefällt, die Buttons grüner sind oder was auch immer, Daten anlegen, die dann aber wieder nicht zurückgespielt werden ins eigentliche Datenfundament, ins ERP-System beispielsweise. Also ich sage es mal so, aus der Sicht von einem IT-Berater, von einem Unternehmensberater, haben wir immer versucht, da eine klare Datenhoheitschaft herzustellen.
Das heißt aber auch, wir haben in dem Moment verboten, dass in den angrenzenden Systemen die Funktionalitäten genutzt werden, um lokale Daten anzulegen. Das heißt, es wurde dann direkt unterbunden. Von Anfang an, das wurde auch so kommuniziert, das heißt, der Fachbereich, dass der wirklich direkt weiß, warum machen wir das, was hat das für einen Sinn in dem Moment.
Ich glaube, das beste Beispiel bei so einem APS-System ist, wenn man sich eine Feinplanung anschaut. Wir hatten öfters das Problem, dass Unternehmen nur, ich sage es mal so, eine Feinplanungsfunktionalität im APO nutzen wollten. Und hier ist es eben so, dass die Unternehmen einerseits natürlich diese Feinplanung im Fokus haben, andererseits darf man in dem Moment nicht vergessen, dass wenn ich eine Feinplanung entere und einen Auftrag nach hinten oder nach vorne ziehe, dass sich das zum Beispiel auf Bestände auswirkt.
Das ist ein typisches Problem, was viele APS-Lösungen, die eben nicht komplett integriert sind, gar nicht liefern können, weil sie eben auf andere Daten, die angrenzend zu diesem Problem sind, keine Zugriffe haben. Und deswegen ist es natürlich wichtig, dass man, wenn man jetzt zum Beispiel ein Feinplanungssystem hat und man hat die Funktionalität, dass man dort manuell eine Feinplanung in der Feinplanungstafel macht, dass dann eben auch die Möglichkeit da ist, wenn ich so einen Auftrag verschiebe in meiner Feinplanung und das Ganze dann datentechnisch zurückgespielt wird in meinen IAP, dass ich dann auch den Hinweis bekomme, hier ändert sich irgendwas von meiner Bestandssituation. Ich brauche vielleicht Komponenten früher oder später oder bestimmte Komponenten können zu diesem bestimmten Termin, an dem ich jetzt den Fertigungsauftrag für mich verschoben habe, gar nicht bereitgestellt werden.
Das heißt, die wären gar nicht hier zur Verfügung zu dem Termin, zu dem ich eigentlich wählen würde. Und hier ist es natürlich wichtig, dass diese Lösungen möglichst integriert sind. Theorie sagt jetzt, dann kaufe ich doch am besten alle Lösungen aus einem Haus.
Marketing sagt das auch. Was sagt die Praxis? Jein. Es gibt natürlich Lösungen, die bestimmte Probleme angehen, die besser miteinander können, weil sie vielleicht vom selben Hersteller sind.
Ich muss aber sagen, ich habe in den letzten vier Jahren auch Projekte betreut mit APS-Systemen, die nicht von der SAP kamen und die definitiv die gleiche Funktionalität bieten in dem Moment, weil einfach die Schnittstellen auch standardisiert sind heute. Also ein SAP ERP-System beispielsweise bietet eben Standardschnittstellen für ein APS-System an und die können von diesen anderen APS-Herstellern natürlich genauso genutzt werden. Das heißt, die Funktionalität zum Integrieren der Daten ist in dem Moment genauso da.
Die ist genauso verfügbar, wie wenn ich jetzt die Lösung von jemand anderem kaufe. Das Einzige, wo man hier vielleicht ein bisschen aufpassen muss, ist natürlich, wenn man ein anderes APS-System nimmt als das des ERP-Herstellers, hat man natürlich irgendwo immer den Streitpunkt, wer ist schuld, wenn an der Schnittstelle irgendwas nicht funktioniert. Das ist natürlich so ein klassischer Streitpunkt in so Integrationsprojekten.
Aber grundsätzlich muss ich sagen, ich habe viele Lösungen gesehen und es gibt viele Lösungen, die bestimmt auch besser sind als das APO-Produkt, das SAP-Produkt, das APS-System, die mehr Funktionalitäten bieten, die transparenter sind, auch mit bestimmten Planungsdaten und die genauso gut integriert sein können, wenn man es richtig anstellt. Da ist auch natürlich eine Frage, wie viel Aufwand verwendet ein Unternehmen darin, so ein Projekt entsprechend zu gestalten. Ja, vielleicht können wir den Zuhörern mal so ein Gefühl geben, was ist das für ein Aufwand, wenn man sich auf solche Feinplanungs-, automatisiert Planungstools einlässt.
Also es kommt natürlich ganz darauf an, welche Funktionalitäten man einbringt. Ja, klar. Das geht von, wie ich vorhin gesagt habe, von einer Feinplanung über vielleicht eine Absatzplanung und in welcher Größe man das macht natürlich auch.
Nehmen Sie mal so ein typisches mittelständisches Projekt. Sie dürfen definieren, dass wir einfach mal ein Gefühl kriegen, über was reden wir eigentlich. Also ich sage jetzt mal, ein typisches mittelständisches Projekt ist ein Unternehmen, vielleicht mit Tochterunternehmen oder mit mehreren Werken in verschiedenen Ländern.
Man will einerseits eine Feinplanung in den verschiedenen Werken machen, andererseits ist es eine globale Verfügbarkeitsprüfung über die verschiedenen Werke, sodass ich meinem Kunden aussagekräftig sagen kann, bis wann ich ein Produkt zum Beispiel liefern kann. Das würde ich sagen, ist so eine mittlere bis große Projektumgebung, wenn ich das jetzt so darstelle. Und ich würde sagen, man redet hier wahrscheinlich von etwa einem Jahr Einführungsaufwand von dem System.
Also es ist ähnlich groß eigentlich wie, wenn ich jetzt ein ERP-System einführen würde, würde ich sagen, weil man natürlich verschiedene Unternehmensbereiche anfassen muss. Das heißt, bei der Feinplanung spielt nicht nur die Produktion eine Rolle, da spielt natürlich auch Finance und Controlling eine Rolle. Was schätzen Sie, wie viele Manntage kommen da zusammen? Das ist eine gute Frage.
Also wir haben solche Einführungen, ich würde sagen, mit drei bis fünf Mann gemacht über ein Jahr. Und zwar fast Vollzeit. Okay, das sind also wirklich gehobene mittelständische Konzerne beinahe schon, bei denen Sie solche Projekte eingeführt haben.
Wenn ich jetzt ein Mittelständler bin mit 300 Mann, sag mal, mir geht es vor allen Dingen um logistische, um produktionsplanerische Aktivitäten, was bedeutet das für mich? Das heißt, eher eine kleinere Version sozusagen in dem Moment? Ja, also aus Sicht eines Kleinstunternehmens ist es immer noch ein großes Unternehmen, aber aus Sicht von ERP wahrscheinlich eher mittleres? Also das kann durchaus relativ simpel sein. Wir haben ganz kleine Einführungen auch gemacht im Bereich von Reihenproduktionsplanung im Sinne von, ich möchte einzelne Ressourcen, meine Flaschenhälse vielleicht, manuell planen bzw. über eine Juristik planen lassen und dann nochmal manuell hinterhergreifen.
Das kann sein, dass man das innerhalb von drei Monaten abgebildet bekommt. Es gibt ja durchaus Ansätze, das sehr schmal durchzuführen und es gibt auch durchaus Ansätze, das entsprechend groß und entsprechend umfangreich. Setzt immer voraus, dass das Datenfundament dafür ordentlich zur Verfügung steht? Natürlich, das ist Hauptfehler oder Hauptursache, wenn man auf Projektprobleme stößt eigentlich auch.
Es ist ganz oft so, dass eben die Stammdaten einfach nicht stimmen, dass Arbeitspläne, dass Kapazitäten im ERP zwar da sind, aber einfach nicht so verwendet werden, nicht korrekt sind, die Daten nicht hundertprozentig korrekt sind. Das führt natürlich zu riesigen Problemen, wenn ich dann sage, ich integriere ein APS-System und fange an, auf diesen Ist-Daten, die ich im ERP-System habe, zurückzugreifen und auf denen anfangen zu planen. Jetzt sind Sie ja an einer Stellschraube des Unternehmens, wo Sie wirklich alles mitkriegen.
Sie kriegen Infos über die Datenqualität der Unternehmen. Sie kriegen Infos über die Prozesse der Unternehmen. Sie kriegen Infos über die Ressourcen der Unternehmen, über die Strategien der Unternehmen.
Was es unheimlich spannend macht, Sie sind ja jetzt ein bisschen weg aus der Unternehmensberatung, vielleicht geben Sie uns mal so ein Gefühl, einen Einblick, wie weit diese Unternehmen eigentlich aus Ihrer Sicht sind. Wie weit sind die mit dem Datenfundament, mit dem Zusammenbringen aller Dinge? Ist das überhaupt möglich? Das vielleicht als einer Teil und dann eben auch, wie gehen die eigentlich mit Digitalisierung um? Also, wenn ich mir die verschiedenen Unternehmen anschaue, die wir in den vier Jahren betreut haben, vielleicht auch so ein bisschen ein Durchschnittsbild würde ich sagen, es gibt wirklich alles von Unternehmen, die sehr groß sind und sehr gute Daten und sehr gute Datenqualität in ihrem ERP-System, in ihrem Datenfundament haben. Es gibt aber auch Unternehmen, die groß sind und sehr viele Probleme haben, weil Daten nicht korrekt sind, weil Daten falsch geführt werden, weil Daten nicht regelmäßig aktualisiert werden.
Es gibt aber auch die gleichen Probleme bei kleinen Unternehmen. Also, das hat nichts mit der Größe an sich zu tun. Das hat erstmal, würde ich sagen, rein damit was zu tun, wie die Unternehmen prozessual aufgestellt sind.
Ganz oft habe ich erlebt, dass es gerade die Mittelständler sind, die gewachsen sind, die teilweise wirklich eine gute Datenqualität mitbringen, die eigentlich ein perfektes Datenfundament mitbringen. Wenn sie eine Zeit lang allerdings einen guten Mittelstand sind, einen guten Mittelstand sich befunden haben und lange aber nichts an ihrer IT gemacht haben, dann sieht man auch, wie diese Daten eben mit der Zeit verrohen. Wenn man jetzt die Entwicklung ein bisschen anschaut, ist es ganz unterschiedlich.
Die Produktion an sich, die ist ja gerade stark gewandelt. Man sieht es insbesondere im IT-Bereich an diesen ganzen neuen Technologien, die reinkommen, von IoT über Industrie 4.0 über KI. Die Industrie erwartet unglaublich viel von diesen neuen Technologien, von dieser Innovation, die da drin steckt.
Das geht von ganz unterschiedlichen Themen über in Hoffnung, Probleme zu lösen. Das kann sein, dass man davon ausgeht, dass man vielleicht Sensorik benutzen will für bestimmte Teilprozesse, um diese zu verbessern, ob das jetzt Qualitätstechnische Verbesserung ist oder einfach nur mehr Transparenz in den Daten. Das kann aber auch sein, dass man ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln will.
Gerade viele Hersteller, die sich im Bereich Sensorik befinden, die sich im Bereich Maschinenbau befinden, wollen hier auch andere Geschäftsmodelle aufbauen, zum Beispiel Pay-Per-Use-Modelle oder Ähnliches. Es gibt ja sehr viele Verstrebungen und hier ist es natürlich so, wenn man sich die Unternehmen anschaut und den Wunsch anschaut, wohin sie eigentlich wollen, denn hier haben einige noch sehr, sehr große Schritte zu tun. Das Problem ist natürlich, die Datenqualität im Datenfundament, die muss natürlich stimmen, um diese Schritte überhaupt gehen zu können.
Also ich sehe, vielleicht können Sie das bestätigen, weiß ich nicht, aber bitte sagen Sie, wenn es auch nicht so sein sollte. Ich sehe drei Arten von Unternehmen, und zwar relativ branchenunabhängig mit einer Tendenz für gewisse BranchenIch sehe Unternehmen, die sehen und auch können. Also die entweder schon ganz viel investiert haben in das Datenfundament und wo das auch gut funktioniert mit Verbesserungsmöglichkeiten.
Manche sind auch gerade noch dabei. Das war ein exzellentes Jahr jetzt für alle ERP-Hersteller. Für uns Wirtschaftsinformatiker sowieso.
Ich habe meinen Studenten immer schon zu schlechten Zeiten gesagt, wenn du nicht zwei bis drei Arbeitsangebote vor Ende deines Studiums hast, hast du irgendwas falsch gemacht. Ich glaube, das ist mittlerweile noch viel, viel extremer, als das vor wenigen Jahren noch der Fall war. Also das sind die Unternehmen, die sehen und auch können.
Ob sie jetzt tätig geworden sind oder nicht, sei dahingestellt. Dann gibt es die Unternehmen, die eigentlich könnten, aber nicht sehen. Die weiß ich auch nicht unbedingt, ob die immer noch so rechtzeitig aufwachen.
Sie brauchen ein paar Jahre sicherlich auch. Hier wird genickt. Das hören unsere Zuschauer aber nicht so.
Die brauchen vielleicht ein paar Jahre. Ich weiß nicht, ob sie die Zeit dann noch haben. Dann sehe ich eine dritte Gruppe von Unternehmen, die sind vielleicht weniger im Maschinenbau und in der Industrie, als vielmehr in solchen Bereichen Großkonzerne, Banken, Versicherungen, die vielleicht sehen können, aber nicht können, weil sie so viel in Individualentwicklung gesteckt haben, weil sie so viel in Mathematik gesteckt haben, codierte Mathematik, algorithmische Mathematik, dass sie nicht oder nahezu nicht in der Lage sind, aus diesem Altsystem sich eigentlich zugunsten eines übergreifenden Datenfundaments zu befreien.
Die Erfahrung kann ich durchaus teilen. Es gibt wirklich Unternehmen, die sind da auf einem sehr, sehr guten Stand. Ich habe aber auch Unternehmen erlebt, die groß sind und die sich eigentlich die letzten Jahre so verbaut haben, so extrem viel für sich selbst entwickelt haben, natürlich auch irgendwo optimiert haben in sich, in ihren Prozessen, in ihren Ausprägungen der Geschäftsprozesse, die sie eben haben, das aber so individuell gemacht haben, dass, glaube ich, der Schritt in die Zukunft auch dementsprechend schwer werden kann.
Jetzt sind sie ja kein SAP-Systemhaus, sie sind nicht von der SAP, aber sie haben natürlich über viele, viele Jahre bis eigentlich vor Kurzem die Strategie auch am lebenden Objekt verfolgt, also sich viel mit dem SAP-Software-Portfolio auch beschäftigt. Ich würde Ihnen dazu gerne ein paar Fragen stellen. Mit Blick auf die Uhr würde ich für diese Woche aber gerne an der Stelle einen Cut machen und damit einen kleinen Spannungsbogen auch für unsere Zuhörer in die nächste Woche aufbauen.
Herr Gwinner, ich danke Ihnen ganz, ganz herzlich für den heutigen Besuch hier im ERP-Podcast und wir sehen uns bzw. hören uns nächste Woche wieder. Ja, vielen Dank.
Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.