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#84a - Die Energiebranche im digitalen Wandel – ein Interview mit der Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg Anja Binder
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Die Veränderungen in der Energiebranche in den letzten 20 Jahren sind unübersehbar und die verschiedenen Versorgungsanbieter setzen mehr und mehr auf digitale Technologien, um ihre Leistungen anbieten zu können. Die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg Anja Binder berichtet über die Bedeutung und Aufgaben der Stadtwerke und über die Veränderungen in der Energiebranche vor dem Hintergrund der Energiewende.

Viel Vergnügen!
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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast, die Energiebranche im digitalen Wandel. Ein Interview mit der Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg, Anja Binder. Die Veränderungen in der Energiebranche in den letzten 20 Jahren sind unübersehbar und die verschiedenen Versorgungsanbieter setzen mehr und mehr auf digitale Technologien, um ihre Leistungen anbieten zu können.

Die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg, Anja Binder, berichtet über die Bedeutung und Aufgaben der Stadtwerke und über die Veränderungen in der Energiebranche vor dem Hintergrund der Energiewende. Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Eine neue Folge, heute mal wieder mit einem kleinen Brancheneinblick.

Ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, so ein bisschen in den Energiemarkt, so ein bisschen in das Wesen und Werken von Stadtwerken reinschauen zu dürfen. Ich möchte heute ganz, ganz herzlich hier im ERP-Podcast begrüßen Frau Anja Binder. Frau Binder ist Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg.

Und wer sie ist und was sie dort genau macht, das wird sie uns sicherlich gleich selber verraten. Herzlich willkommen bei uns im ERP-Podcast, Frau Binder. Ja, hallo Herr Professor Winkelmann.

Vielen Dank. Ja, mein Name ist Anja Binder. Ich bin 45 Jahre alt, ein Kind der Stadt Hammelburg.

Glücklich verheiratet, stolze Mutter von zwei Kindern, die beide ihren Weg gehen. Darauf bin ich eigentlich richtig stolz. Meine beiden Töchter sind 16 und 14.

Ich glaube, alle miteinander von ihnen wissen, was das manchmal bedeuten kann. Ich persönlich bin von der Ausbildung her ein aussterbendes Exemplar der Diplom Volksviertel. Mit mittlerweile über 20 Jahren Berufserfahrung im Schwerpunkt Bereich Finanzen.

Davon bin ich seit zwölf Jahren für die Stadtwerke Hammelburg aktiv. Zunächst als Mitarbeiterin im Bereich Regulierungsmanagement, dann als kaufmännische Leiterin, bis ich dann zum 1. März 2017 die Gesamtverantwortung für die Stadtwerke Hammelburg übernommen habe. Frau Binder, Sie als Person sind ja sehr, sehr spannend, weil Sie die Region auch aus dem FF kennen und Stadtwerke wirklich leben.

Wir kennen das aus vielen Städten, aus vielen Regionen, Stadtwerke. Aber das Leistungsspektrum, was Stadtwerke eigentlich anbieten, das ist ja immer unterschiedlich. Was bieten die Stadtwerke Hammelburg an? Die Stadtwerke Hammelburg bezeichne ich so ganz liebevoll als meinen kleinen Gemischwarenladen.

Wir bieten ein umfangreiches Produkt- und Dienstleistungsangebot. Wir sind mittlerweile viel mehr als ein reiner Energieversorger. Neben der Energie- und Trinkwasserversorgung haben wir mittlerweile viele weitere Themen in den Fokus gerückt.

Unter anderem den Ausbau eines hochmodernen Breitbandnetzes. Wir versorgen mittlerweile über 5.000 Breitbandkunden im unterfränkischen Raum. Daneben betreiben wir noch das Saaletalbad mit seiner einladenden Saunalandschaft, wo unsere Gäste ihre Entspannung finden dürfen.

Im öffentlichen Nahverkehr sind wir nicht aktiv, allerdings betreiben wir nebenbei noch ein kleines Parkdeck hier in Hammelburg. Das ist, denke ich, so das Produktportfolio, das wir komplett abbilden. Das zeigt ja schon so ein bisschen auch die Bedeutung, die so ein Stadtwerk traditionell auch in einer Region hat.

Können Sie nochmal sagen, wie das für Sie ist? Sind die Stadtwerke ein ganz zentrales Element zu einer Stadt wie Hammelburg? Ja, da stimme ich Ihnen komplett zu. Die Stadtwerke sind aus meiner Sicht ein ganz zentrales Element. Wir sind ein verlässlicher Partner in der Region für die Energie, Trinkwasser und Telekommunikationsversorgung in der Region.

Wir sind Mitwirker, Schrittmacher und Ideengeber. Ein wirklich leistungsstarkes Unternehmen für Hammelburg und die Region. Ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Dienstleister und ein bedeutender Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb.

Gibt es da ein zentrales Element, wo Sie sagen, das ist eigentlich der Kern von Stadtwerken? Ja, also das zentrale Tätigkeitsfeld eines Stadtwerks liegt traditionell definitiv in der Strom-, Gas-, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung. Und nebenbei haben wir mittlerweile als sehr, sehr starke Standbein die Telekommunikations- und Breitbandversorgung aufgebaut. Und jetzt kommt so die Digitalisierung und wird eigentlich allen übergestülpt.

Jetzt haben natürlich auch die Stadtwerke Produkte, die ja homogen sind, also relativ gut auch austauschbar, vielleicht weniger im Trinkwasserbereich, aber im Strom-, Gas-Bereich. Wie gehen Sie selber mit Digitalisierung um? Was sind für Sie als Stadtwerke da auch die größten Herausforderungen? Ja, also die Digitalisierung bietet definitiv viele, viele zahlreiche Herausforderungen. Man muss dann schon ganz klar sagen, dass der Begriff der Digitalisierung der Stadtwerke ja auch wirklich sehr weitreichend ist.

Denn im Grunde genommen handelt es sich doch eher, würde ich mal sagen, um einen andauernden Prozess, der bereits seit Jahren läuft. Einerseits geht es ja bei der Digitalisierung der Stadtwerke um die internen Prozessabläufe, die aufgrund von Digitalisierung automatisiert und dadurch auch effizienter geworden sind und auch weiterhin werden. Davon bin ich überzeugt.

Dafür haben wir schon wirklich viel getan. Es gibt zum Beispiel, ich denke, das wissen Sie alle miteinander, im Bereich der Marktkommunikation mittlerweile seit Jahren durch die Bundesnetzagentur vorgegebene Standards, wie das Edifax-Nachrichtenformat, die in den jeweiligen Marktsituationen angepasst werden. Das heißt, wir kommunizieren über Edifax-Nachrichten und MS-Konz-Nachrichten mit den anderen Teilnetzbetreibern und mit den anderen Energiehändlern.

Die ganze Rechnungsstellung ist mittlerweile komplett automatisiert und läuft ohne Rechnungsversand komplett automatisiert auf dem Abrechnungssystem ab. Ansonsten wäre die Liberalisierung des Energiemarktes sicherlich auch nicht zu erreichen. Da ist wirklich absolut viel getan.

Aber es geht ja nicht mehr um die internen Prozesse. Ich glaube, da haben wir schon wahnsinnig viel digitalisiert. Wir haben alle Hausanschlussakten, das heißt alle technischen Sachen, auch digitalisiert.

Jedes Haus hat seine eigene Akte, in der alle Rechnungen, Netzanschlussverträge etc. pp. alle Informationen zum Kunden hinterlegt sind, für alle zentral einsehbar.

Mittlerweile geht es mir darum, und das treibt mich auch, den Umgang mit den Endkunden und hier möglicherweise noch neue Produkte für diesen aufzurufen und auch hier die Digitalisierung voranzubringen. Eine Basis könnte hier vorbei die intelligenten Messsysteme sein. Dadurch verfügen wir ja auch zukünftig über weit mehr an Verbrauchsdaten und können dafür ja in Prinzip auch Produkte, die individuell auf die Kunden abgestimmt sind, entwickeln.

Also Sie sehen nicht nur das Risiko, dass neue Marktteilnehmer Ihnen auch Geschäft wegnehmen, sondern Sie sehen auch durchaus Chancen in der Digitalisierung? Ja, definitiv. Ich denke, dass da zahlreiche Chancen drin liegen, weil wir insbesondere auch intern unsere Prozesse einfach verbessern können und optimieren. Wenn Sie das machen, ist das etwas, was aus Ihnen selber getrieben wird? Greifen Sie auf externe Berater zu? Wo holen Sie sich die Anregungen? Wie funktioniert das im Stadtwerkewesen? Im Stadtwerkewesen ist es schon so, dass wir definitiv als kleines kommunales Stadtwerk mit 60 Mitarbeitern, davon rund 30 in der Energieversorgung, Telekommunikationsversorgung.

Sie können sich vorstellen, dass sich das alleine gar nicht bewerkstelligen lässt. Aus meiner Sicht muss auch nicht jedes Stadtwerk alle Prozesse selber machen, weil die Prozesse gerade im Netzbereich sind ja reguliert und standardisiert vorgegeben, sodass es oft doch kostengünstiger ist, sich an anderer Stelle Spezialisten einzukaufen oder die Dienstleistungen an Kooperationen zu vergeben. Das ist das, was wir eigentlich tun.

Wir setzen schon seit vielen Jahren auf unsere Kooperation mit der Citius GmbH und CoKG, mit Sitz in Bad Neustadt. Das ist eine Gesellschaft, die im Prinzip für uns das zentrale Rechenzentrum auch führt und leitet, indem wir auch viele Prozesse gemeinsam mit 15 anderen kommunalen Energieversorgern aus Unterfranken abwickeln. Das heißt, man trifft sich regelmäßig, man tauscht sich aus.

Was ist der Best Practice? Wie kann ich mich persönlich ergänzen? Wer hat gute Erfahrungen mit dem und dem gemacht? Korrekt, so ist das. Wir haben diverse Arbeitskreise im Bereich Marketing und Vertrieb, im Bereich Abrechnung, im Bereich Technik, dass wir standardisiert auch harmonisiert zusammen unsere Zähler einkaufen, dass wir auch zusammen diese intelligenten Messsysteme ausrollen werden und das nicht alleine tun. Die kritische Masse, dafür sind wir viel zu klein, wir haben bei uns ungefähr 4.000 Stromzähler verbaut, das funktioniert effektiv und nicht effizient.

Wir können das nur in Kooperationen tun. Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns aus. Wir haben mittlerweile ein zentrales Rechenzentrum, sodass wir im Prinzip die höchsten Sicherheitsanforderungen auch erfüllen können.

Jetzt ist es so, dass Strom etwas ist, was uns alle irgendwie zusammenhält, also gerade die IT-Branche ist Strom natürlich der ausschlaggebende Punkt. Insofern würde ich gerne die Chance nutzen, einen Experten auch zu fragen zum Thema Elektrizität. Da hat sich ja der Strommarkt in Deutschland wahnsinnig verändert die letzten, vor allen Dingen 20 Jahre, seit 1998.

Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, wie der Strommarkt in Deutschland überhaupt aufgebaut ist? Ja, ich werde es versuchen. Vielen Dank, dass Sie mich auch als Spezialisten bezeichnen. Ich hoffe, dass ich doch mittlerweile tief genug in der Thematik drinstecke, um Ihnen den Teilnehmer zumindest am Strommarkt aufzuzeigen.

Wir haben ja viele unterschiedliche Marktrollen mittlerweile in der Energieversorgung. Davon haben auch teilweise Stadtwerke verschiedene Rollen inne. Es gibt zum Beispiel die Stromproduzenten, die Stromerzeuger.

Das sind also Unternehmen, wie der Begriff schon sagt, die den Strom produzieren. Hier gibt es vor allem die Big Four, also die vier größten Stromerzeuger in Deutschland, die Sie ja sicherlich namentlich alle kennen. Das ist die RWE, E.ON, Wattenfall und EMBW.

Dann gibt es noch eine Vielzahl von mittelgroßen Produzenten. Das sind vor allem lokale oder regionale Stadtwerke. Wir produzieren mittlerweile in unserem Netzgebiet einen erheblichen Anteil selbst.

Somit sind wir auch Stromproduzenten oder nehmen auch die Rolle des Stromproduzenten ein. Dies ist in den letzten Jahren insbesondere durch das Betreiben von Photovoltaikanlagen und von Blockheizkraftwerken hier in Hammelburg realisiert worden. Mittlerweile kann ja auch jede Privatperson Strom produzieren.

Sie können auch Stromerzeuger sein, z.B. wenn Sie selber eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert haben. Dann gibt es den zweiten Marktplayer, der sogenannte Stromversorger. Das ist also derjenige, von dem der Endkunde, der Verbraucher seinen Strom bezieht, von dem er beliefert wird.

Mittlerweile kann man ja aus einer Vielzahl von Stromversorgern wählen. Damit das alles reibungslos abläuft, müssen natürlich im Hintergrund viele automatisierte Prozesse ablaufen, damit die ganze Abwicklung auch reibungslos funktioniert. Der Stromversorger übernimmt in der Regel die Versorgung mit der Energie und ist auch verantwortlich für die Rechnungsstellung und die Abrechnung aller Abgaben und Umlagen und die zusätzlich zu den Energiekosten anfallen und natürlich auch das Abführen der ganzen Abgaben und Umlagen an die vorgelagerten Netzbetreiber bzw.

auch an das Dollaramt. Die Beschaffung dieser Strommengen erfolgt mittlerweile über organisierte Handelsplätze wie der Strombörse in Leipzig. Hier beschaffen die Stromversorger ihre Energiemengen für das laufende Geschäftsjahr bzw.

für die folgenden Geschäftsjahre. Der Stromversorger, den kann man also so als eine Art Mittler zwischen Kunde, Produzent und Stromnetz definieren. Er kümmert sich um sämtliche Abstimmungen intern, sodass letztendlich alle Kunden zuverlässig mit Energie versorgt werden.

Daneben, also die Rolle des Stromversorgers nehmen die Stadtwerke Hammelburg auch ein. Daneben sind wir auch noch Stromnetzbetreiber. In Deutschland gibt es viele, eine große Anzahl von Stromnetzbetreibern, ich glaube mittlerweile sind es über 900, wenn ich so richtig informiert bin.

Die sind zuständig für die Infrastruktur und die Transportwege, also für die Netze im Versorgungsgebiet und der Stromnetzbetreiber muss sicherstellen, dass alle Netze stabil sind und dass der erzeugte Strom die Verbraucher auch letztendlich erreicht. Bei den Netzbetreibern gibt es zwei große Unterschiede, das eine sind die Übertragungsnetzbetreiber und die Verteilnetzbetreiber. Die Übertragungsnetzbetreiber sind, so wie sich es ja schon aus dem Wort raufhört, für die überregionale Verteilung des Stroms zuständig und die Verteilnetzbetreiber für die regionale Verteilung verantwortlich.

So bezeichnen wir uns als Stadtwerk Hammelburg auch als ein lokaler Verteilnetzbetreiber. Mittlerweile gibt es ja noch eine neue Marktrolle, wir haben es ja vorhin schon mal angesprochen, die intelligenten Messsysteme. Es gibt mittlerweile auch die Marktrolle des Messstellenbetreibers, dieser ist für die Installation und den Betrieb der Stromzähler zuständig.

Jetzt haben wir viel über die Marktplayer oder die Akteure geredet, was passiert, es funktioniert halt alles nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellt, weil es sich ja bei der Verteilung und bei dem Transport des Stroms für die notwendigen Stromnetze, die stellen ja eine Form von einem natürlichen Monopol dar, so möchte ich es mal bezeichnen. Hier kann ja an und für sich oder könnte Wettbewerb kaum hergestellt werden, deswegen sind die Bereiche des Verteilnetzes und des Transportnetzes staatlich reguliert und somit ist ja auch der Staat in Form der Bundesnetzagentur als zusätzliche Akteur auf dem Strommarkt tätig oder kann auch so genannt werden. Also was Sie jetzt aufgezeichnet haben, ist ja ein Ergebnis aus über 20 Jahren der Regulierung dieses Marktes.

Sie haben die vier großen Player genannt, die diesen Markt dominiert hatten und zwar in all seinen Leistungserbringungsstufen, was ja heute komplett zurückgefahren ist, also wir reden glaube ich über ein Stromnetz hier in Deutschland von, ich habe es nicht genau im Kopf, aber es müssten so anderthalb bis 1,8 Millionen Kilometer Stromleitungen unterirdisch, oberirdisch komplett durch Deutschland gezogen sein. Das heißt, wir haben heute ein Riesengeflecht von einzelnen Leistungserbringern, von einzelnen Unternehmen, die irgendwie alle miteinander agieren müssen, oder? Das ist richtig, ja, korrekt. Ist das überhaupt nur mit IT möglich? Sprich, hat die Digitalisierung in ihren verschiedenen Stufen seit, ich sage mal der Jahrtausendwende, eigentlich erst diesen Markt ermöglicht oder ist das eigentlich ein Begleiteffekt? Nein, also Sie sind komplett richtig, die Digitalisierung hat es ermöglicht.

Also ich habe hier bei den Stadtwerken im Jahr 2006 angefangen, da hatten wir ja schon die ersten fremden Energielieferanten am Markt. Also wenn ich mich damals erinnere, da kamen Excel-Listen mit An- und Abmeldungen von irgendwelchen Endkunden, die dann zu einem anderen Versorger gewechselt sind. Es gab ja noch nicht so viele Wettbewerber oder Marktbegleiter zu dem damaligen Zeitpunkt.

Das wurde alles händisch abgearbeitet. Sie können sich vorstellen, dass das natürlich bei den doch relativ geringen Margen in den Endkundenverträgen nicht unerheblicher Aufwand war, sodass es im Prinzip quasi nicht lukrativ war, für fremde Wettbewerber die Energieversorgung zu übernehmen. Die Automatisierung, die Digitalisierung, dass die ganzen Prozesse im Prinzip mittlerweile automatisiert ablaufen.

Bei uns werden Stromlieferverträge automatisiert in der Netzdatenbank angelegt. Das hat im Prinzip dazu geführt, dass der Wettbewerb aufgekommen ist. Eigentlich wäre doch die logische Konsequenz auch daraus, dass die Preise immer weiter runter gehen.

Das sollte man so meinen und das war ja auch die Intention bei den Regulierungsansätzen, dass man sagt, okay, der Strom muss günstiger werden. Das ist richtig, das ist aber in der Realität so nicht eingetreten. Zum einen sind natürlich sehr, sehr viele Prozesse aufgesetzt worden, die auch äußerst kostenintensiv sind.

Zum anderen hat sich unsere Bundesregierung für die Energiewende entschieden und ich denke, das ist auch der richtige Weg, zu sagen, wir brauchen eine andere Richtung und wir brauchen auch die erneuerbaren Energien und auch insbesondere, wenn man das so sieht, der Strom am Strommarkt in den Netzen und im Einkauf ist günstiger geworden in den letzten Jahren. Was unsere Energie im Prinzip etwas verteuert hat, sind die Kosten für die Energiewende vor Ort in Deutschland. Diese Energiewende, wie sieht die aus Ihrer Sicht aus? Was leisten Sie da auch als Beitrag, als Stadtwerk? Als Stadtwerke Hammelburg sind wir im Prinzip ein Treiber der Energiewende, in dem wir mittlerweile sehr, sehr viele BHKWs bei uns im Netzgebiet betreiben.

Blockheizkraftwerke sind die und die rund 2 Millionen Kilowattstunden Strom, das ist ungefähr 10 Prozent unseres Netzdurchsatzes. Etwa 10 Prozent unseres Netzdurchsatzes produzieren wir ja selber. Wir haben viele EEG, PV, also Photovoltaikanlagen eigene und auch die unserer Kunden hier am Netz, die auch einen erheblichen Beitrag zu der Einspeisung unserer Netz und somit im Prinzip die Unabhängigmachung, also die Dezentralisierung voranbringen.

Dies leisten wir auch. Wir sind im Prinzip der Mittler. Wir betreiben die Netze so, dass die Energiewende vonstatten gehen kann.

Jetzt gibt es ja die bösen Zungen, die behaupten, naja Photovoltaik, Windkraft, das ist in Anführungszeichen Zitterstrom, also wenn es draußen dunkel ist und kein Wind weht, dann bekommen wir an der Stelle ein Problem und eine Politikerin hat dann mal gesagt, naja, das Netz ist ja quasi wie eine Batterie, ein Speicher, wo natürlich alle Physiker zu Recht geschmunzelt haben. Sind das Probleme, die alle auf uns zukommen? Sind das Probleme, die man als Stadtwerk, als dezentraler Player, als regionaler Player vielleicht in gewisser Weise auch auffangen kann? In gewisser Weise können wir sicherlich einen Teil auffangen, einen Teil kompensieren. Aus meiner Sicht sind hierfür insbesondere auch die intelligenten Netze erforderlich.

Smart Grids, wie sie definiert werden, dass ein Teil aufgefangen werden kann, aber wie Sie es auch schon gesagt haben, wir brauchen sicherlich eine Differenzierung zwischen dieser zentralen und dezentralen Stromerzeugung, damit wir die zuverlässige, zukunftssichere Stromversorgung, wie gesagt, diese Wackelungen und Wackeligkeit der Stromnetze ausschalten können. Wir brauchen immer eine gewisse Grundlast. Durch welche Form auch immer, die dann zukünftig erbracht wird, ich denke, das ist so eine politische Entscheidung, die in den nächsten Wochen, Monaten, Jahren definitiv getroffen wird.

Wie sieht für Sie in der Region diese Grundlast aus? Sind das die Blockheizkraftwerke, die Sie dort angesprochen haben? Nein. Also die Blockheizkraftwerke dienen nicht als Grundlast. Zumal die ja vor allem in den Wintermonaten aktiv sind.

Also wir haben hier so ein Stück Grundlast. Ich würde jetzt sagen, die Blockheizkraftwerke dienen eher als grundlastige PV-Anlagen, weil wir auch hier einfach Anlagen haben, die 24 Stunden am Tag in der Regel produzieren und effektiv und produktiv sind. Aber die dienen nicht oder können nicht die Grundlast der Stadtwerke Hammelburg abdecken.

Dafür sind die zu klein. Grundlast wäre aus meiner Sicht dezentrale, größere Kraftwerke in der Region bzw. ja, Gaskraftwerke, die da in aller Munde sind.

Ich gucke ein bisschen auf die Uhr. Wir sind jetzt knapp bei unseren magischen 30 Minuten. Darf ich Sie nächste Woche nochmal wieder zu einem Gespräch einladen? Ich würde das Ganze nämlich gerne nochmal vertiefen und möchte die Chance nutzen, noch ein bisschen mehr über Digitalisierung im Bereich von Energiemarkt, im Bereich von Stadtwerken kennenzulernen.

Wäre das für Sie okay? Das wäre für mich okay, selbstverständlich, Herr Prof. Winkelmann. Gerne. Dann sage ich für heute ganz, ganz herzlichen Dank und wir machen genau an der Stelle in der nächsten Woche weiter.

Vielen Dank. Danke Ihnen. Aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen, losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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