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#84b - Die Energiebranche im digitalen Wandel – ein Interview mit der Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg Anja Binder
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Zweiter Teil des spannenden Interviews in den die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg Anja Binder über die Bedeutung und Aufgaben der Stadtwerke und über die Veränderungen in der Energiebranche vor dem Hintergrund der Energiewende und von dem vermehrten Einsatz digitaler Technologie in der Branche berichtet.

Viel Vergnügen!

Literaturempfehlung:

Internetquellen:

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast, die Energiebranche im digitalen Wandel. Ein Interview mit der Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg, Anja Binder, zweiter Teil. Die Veränderungen in der Energiebranche in den letzten 20 Jahren sind unübersehbar und die verschiedenen Versorgungsanbieter setzen mehr und mehr auf digitale Technologien, um ihre Leistungen anbieten zu können.

Die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg, Anja Binder, berichtet über die Bedeutung und Aufgaben der Stadtwerke und über die Veränderung in der Energiebranche vor dem Hintergrund der Energiewende. Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir heute insbesondere über die technischen und organisatorischen Herausforderungen der Digitalisierung in der Energiebranche. Viel Vergnügen.

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit finden.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.

Heute der zweite Teil mit Frau Binder. Frau Binder ist Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg. Wir haben uns im letzten Teil ein bisschen über digitale Transformation auf dem Energiemarkt bei den Stadtwerken unterhalten.

Frau Binder hat uns ein bisschen was erzählt, auch wie vor nicht ganz allzu langer Zeit die Daten noch händisch von einem Player des Marktes zum nächsten übergeben wurden, wie hier auch das Unternehmensdatenfundament Einzug erhalten hat, die Standardisierung, die Prozessautomatisierung. Ich freue mich, dass wir ein bisschen über die Themen reden können. Frau Binder, herzlich willkommen zurück hier im ERP-Podcast.

Ja, Herr Professor Winkelmann, auch ich sage herzlich willkommen. Vielen Dank, dass ich wieder dabei sein darf. Ich freue mich.

Können Sie noch mal drei Sätze zu sich selber sagen für die, die heute vielleicht erst zuschalten? Ja, gerne. Ich bin Anja Binder, ich bin 45 Jahre alt, bin seit 2017 Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg. Ich bin ein aussterbendes Exemplar der Diplom-Volkswirte mit 20 Jahren Berufserfahrung im Schwerpunkt Bereich Finanzen, davon seit mittlerweile zwölf Jahren für die Stadtwerke Hammelburg aktiv.

Und damit sind Sie regional verhaftet und sind, glaube ich, auch ein wichtiges Organ in dieser Region, oder? Ja, ich bin sehr regional verwurzelt. Also ich habe zwar während meiner Ausbildung und während meiner Schulzeit gerne die Scherne gesucht, war mal ein Vierteljahr in Australien und habe, denke ich, auch relativ viel gesehen, Einblicke bekommen ins Bundesfinanzministerium, in die Regierung von Unterfranken, in diverse… Ich war lange Zeit für die, zuvor für die IBM tätig und hier letztendlich auch für einen globalen Player tätig und fühle mich aber hier meiner Heimat sehr, sehr stark verwurzelt und bin froh, dass ich mittlerweile Geschäftsführerin der Stadtwerke sein darf. Sie haben letztes Mal schon gesagt, zentrale Tätigkeitsfelder so eines Stadtwerkes wie Ihres, Strom, Gas, Fernwärme, Trinkwasser.

Für mich aus der IT kommt ist natürlich insbesondere der Strom das relevante Merkmal. Wir haben uns ein bisschen unterhalten schon über den Strommarkt hier in Deutschland, der extrem komplex ist. Also wer das nicht alles nachvollzogen hat, es war Wahnsinn, was Sie an Playern aufgezählt haben, die alle in diesem Markt mitspielen.

Diesem riesigen Netz, was wir hier in Deutschland haben, was betrieben wird auf unterschiedlicher Ebene, auf wirklich Hochspannungsebene, aber eben auch auf Niederspannungsebene. Und Sie als Stadtwerk, wie sehen Sie sich da als Player an diesem großen Markt? Ja, ich denke mal so kleine Stadtwerke, regionale Stadtwerke sind in den verschiedensten Funktionen tätig und sind wichtige Begleiter der Energiewende. Wir nehmen ja verschiedene Funktionen an, wie ich auch gesagt habe.

Wir sind lokaler Verteilnetzbetreiber, wir sind Stromproduzent, wir sind mittlerweile Messstellenbetreiber und wir sind Energiehändler. Das sind also verschiedene Rollen, die wir hier einnehmen dürfen und ich glaube die Wichtigkeit der dezentralen kleinen Energieversorger ist nicht zu unterschätzen. Das greife ich auf, weil wir kommen ja jetzt in einen Bereich oder wir sind da schon seit 10, 15 Jahren, aber es wird immer mehr, wo wir aus der zentralen Energieversorgung immer mehr auch in die dezentrale Energieversorgung reingehen.

Ich habe letztes Mal das böse Stichwort Zitterstrom genannt. Also zu unterschiedlichen Zeiten kommt eigentlich unterschiedlich viel Strom auch, wird in das Netz eingespeist, was man auch nicht unbedingt immer voraussagen kann. Wie gehen jetzt die Netzbetreiber, wie gehen sie damit um, dass wir zunehmend eben nicht mehr zentral agieren, sondern dezentral einspeisen in dieses Netz? Also wir haben natürlich eine komplexe Infrastruktur aufgebaut.

Mittlerweile sind alle oder ein Großteil unserer Photovoltaikanlagen am Netz und auch alle unserer BHKWs, Blockheitskräftwerke mit Messungen versehen, mit intelligenten Messungen, mit abschaltbaren Messungen. Das heißt kommt es zu der Systematik, dass sich zu viel Strom im Netz befinden würde, würden wir von den vorgelagerten Netzbetreibern im Prinzip die Anweisung bekommen, diese Anlagen abzuschalten. Das haben wir bis jetzt einmal tun müssen.

Aber wie gesagt, es funktioniert. Wir führen auch verschiedenste Tests durch, dass wir im Prinzip auch mit unserer dezentralen Energieversorgung die Thematik Zitterstrom, Netzausfall denke ich ganz gut kompensieren können und auch im Griff haben. Früher war es ja so, dass man Strom ja zentral erzeugt hatte, gerade Atomstrom, der war da, der musste auch abgenommen werden in einer gewissen Linearität.

Heute haben wir eher ein Leistungsportfolio, wir haben Leistungsspitzen, Lastspitzen, die natürlich entsprechend auch abgenommen, abgearbeitet werden müssen. Wie geht man jetzt damit um? Also klar, irgendwann muss ich alles vom Netz nehmen, aber führt das nicht letztendlich dazu, dass wir eigentlich den Verbrauchern, den Konsumenten, den Maschinen viel viel mehr sagen müssten, jetzt ist ein idealer Zeitpunkt, um Strom abzunehmen oder jetzt besser nicht? Genau, das ist der richtige Weg, Herr Professor Winkelmann, den Sie da aufzeigen und das ist ja der, der durch dieses Digitalisierungsthema auch angegangen wird. Das heißt, durch einen aus meiner Sicht irgendwann erforderlichen flächendeckenden Smart Meter Rollout haben wir so viele intelligente Messsysteme am Netz, dass wir als Netzbetreiber die Verbraucher auch steuern und lenken können, um die optimale Versorgungssicherheit für die Endkunden zu gewährleisten.

Im Gasbereich haben wir das zum Beispiel ja auch schon länger. Wir haben größere Kunden, das sind sogenannte unterbrechbare Kunden, die zahlen einen geringeren Leistungspreis, die haben eine zweite Heizversorgung, das heißt zusätzlich zu dem Erdgas zum Beispiel noch Heizöltanks. Das heißt, wenn die Gaskapazitäten oder die Gasspitzen sehr sehr hoch sind, wird der Kunde informiert, dass er jetzt vom Netz genommen wird und abgeschaltet wird nach seiner alternative Energiequelle umschalten muss.

Ich denke mal, dass durch diese Smart Meter Thematiken und durch die Smart Grids die Möglichkeit einer intelligenten Netzsteuerung und auch Verbrauchsteuerung sinnvoll ist. Die Frage ist natürlich, ob sich jeder Endkunde darüber freut, dass wir, wenn er seinen Tesla in seiner Garage auflädt, den zwischendurch auch vom Netz nehmen, dass wir quasi zu Zeiten, zu denen wir eine sehr sehr hohe Last in unseren Netzen haben, ja die Stromanbindung, Stromaufladung abnehmen. Aber darauf werden wir uns zukünftig denke ich einstellen müssen.

Jetzt ist es so, also vielleicht können wir das Thema Smart Metering noch mal ein bisschen beleuchten. Das sind einfach digitale Stromzähler, die Ihnen automatisch Verbrauchsdaten, Leistungsdaten aus den Haushalten von den Verbrauchseinheiten, das müssen ja nicht unbedingt Privathaushalte sein, zukommen lassen, richtig? Das ist richtig, aber es geht jetzt hier bei den Smart Meter in erster Linie, denke ich mal, wirklich um die Haushaltskunden, weil im Großkundenbereich verwenden wir ja schon seit vielen Jahren Formen von intelligenten Messsystemen. Wir haben ja für unsere Großkunden schon seit vielen Jahren ausgelesene Zählwerke, Zählwerte, die werden viertelstündig ausgelesen.

Wir kennen die Verbraucher der Großkunden über 100.000 Kilowattstunden ja seit vielen Jahren. Da praktizieren wir das ja auch sehr sehr gut. Wir haben auch Zähleinrichtungen für nicht so ganz solvente Kunden, sogenannte Vorkassenzähler, die sind auch mittlerweile digital fernauslesbar und auch steuerbar.

Das heißt, wir können die abschalten und wir können die wieder in Betrieb nehmen, dezentral. Jetzt reden wir über die Großverbraucher. Es gibt ja so einen Zeitplan, was Smart Metering angeht.

Also ab 2018 alle Großverbraucher, die über 10.000 Kilowattstunden verbrauchen, das ist sicherlich die produzierende Industrie vor allen Dingen. Und ab 2020, wenn ich es richtig im Kopf habe, zwischen 6.000 und 10.000 Kilowattstunden. Und jetzt kommt eigentlich der Clou, wo ich denke, wie schaffen wir das? Also weil das nächste Leistungs- oder Jahresdatum ist dann 2032, wo man eben sagt, okay, jetzt sollen eben auch die Privathaushalte mit Smart Metering zwingend versorgt werden.

Gleichzeitig schaffen wir heute, Jahr 2019, gefühlt so ein bisschen das Autofahren ab. Also der Diesel kriegt immer mehr Verbote und, sag mal, das Thema batteriegetriebene Autos, Elektroautos wird immer mehr in den Vordergrund gestellt, auch von den Subventionen. Passt das noch zusammen zeitlich alles? Also ich denke mal, dass die Hürde, die wir uns da zeitlich gesetzt haben oder die sich die Bundesregierung hier gesetzt hat, dass die sehr sehr knackig ist.

Zumal, wenn ich richtig informiert bin, haben wir das, um diese Smart Metering Rollout letztendlich betreiben zu können, brauchen wir ja zertifizierte Gateway-Anbieter. Mittlerweile gibt es ja seit Ende Dezember, ich glaube 21. Dezember, aktuell das erste zertifizierte Gateway.

Und wenn ich richtig informiert bin, brauchen wir drei Gateway-Anbieter am Markt, die zertifiziert sind, die sich diesen, denke ich, doch relativ komplexen Zertifizierungsprozess unterzogen haben, seitens des BSI. Es sind mittlerweile, glaube ich, acht weitere Anbieter auf der Warteliste für die Zertifizierung ihrer Gateways. Ich gehe mal davon aus, dass man nicht vor Mitte 2019 mit dem Smart Meter Rollout beginnen werden kann.

Dadurch aber, dass die doch relativ hohen Anfangskosten für eine doch relativ geringe Dichte an Smart Metern natürlich sehr sehr teuer ist oder kostenintensiv ist, können Sie sich vorstellen, macht dann aus meiner Sicht wahrscheinlich auch wirklich nur der flächendeckende Rollout Sinn. Jetzt haben Sie eben den Tesla schon angesprochen, also Tesla stellvertretend natürlich für sämtliche Autos, die da kommen mögen mit der Abschaltung des Stroms über Nacht, was natürlich gar nicht gehen würde, denn die Leute müssen morgens zur Arbeit und so weiter und so fort. Kommt da ein Problem auf uns zu? Wir haben ja ein Stromnetz, was natürlich auch für bestimmte Belastungen gedacht ist.

Und jetzt kommen da plötzlich hunderttausende Millionen von neuen Verbrauchern hinzu, Großverbrauchern hinzu, die auch zu bestimmten Uhrzeiten auch noch alle an dieses Stromnetz dran wollen. Kann das gelingen? Klappt das? Also Herr Professor Winkelmann, ich bin überzeugt, dass es gelingen kann. Das erstellt aber doch dramatische Herausforderungen an unsere Netze.

Ich habe jetzt schon von anderen Kollegen gehört in einer größeren Stadt, dass in einem Neubaugebiet, ich glaube mittlerweile der Nachbar und der Übernächste, vier Teslas in einer Straße sind, sodass die Netzlast dort einfach nicht ausreicht, weil unsere Netze für diese Verbraucher doch einfach nicht ausgelegt sind, dass die gleichzeitig die Stromentnahmemengen fahren können. Das heißt, man braucht fast an jeder Ecke, in der nun mal mehrere Elektroautos geladen werden, eine eigene Trafostation. Das ist sicherlich eine Riesen Herausforderung, aber wie gesagt, ich denke mal durch eine Steuerung kann man das in den Griff bekommen, könnte man das in den Griff bekommen.

Das ist eine große Herausforderung in der Energiebranche. Ich bin aber überzeugt, dass uns sicherlich nichts anderes übrig bleiben wird, als diesen Weg zu gehen. Also steht was für Sie, die digitale Transformation bei Ihnen ist überhaupt noch nicht abgeschlossen? Nein, die ist definitiv nicht abgeschlossen.

Wir haben im Prinzip, was ich auch gesagt habe, wir haben ja jetzt erstmal unsere internen Prozesse digitalisiert, aber die externen Prozesse komplett zu steuern, unsere Netze komplett in allen Bereichen zu steuern, das wird jetzt die Herausforderung für die Energieversorger sein. Das heißt, das Thema Datenaustausch in den IT-Systemen oder zwischen den IT-Systemen vielmehr, ist für Sie das ganz zentrale Moment in Ihrer Leistungserbringung? Ja, also das Datenaustausch nicht zwischen unseren IT-Systemen, die wir im Haus haben, unsere unterschiedlichen IT-Systeme, dass dieser Datenaustausch funktioniert. Also das in den ERP-Softwaren und so weiter und so fort, das sehe ich nicht als die große Herausforderung.

Als große Herausforderung sehe ich den Datenaustausch und auch das Thema Datenschutz dieser Zählsysteme oder Zählersysteme, Intelligenten-Messsysteme mit den unseren Systemen und der kompletten Umsetzung und Steuerung und auch den Kunden in den Bereichen mitzunehmen. Ich glaube, dass die Energieversorgung sich gänzlich in den zukünftigen Jahren wandeln wird, um diese Schwankungen im Stromnetz zu vermeiden. Sehen Sie sich denn selber noch als Energieversorger oder sind Sie eher schon zum Energiedienstleister an der Stelle geworden? Im Moment sehe ich uns noch als Energieversorger, bin aber davon überzeugt und bin ganz, ganz sicher davon überzeugt, dass sich durch diesen Transformationsprozess, dass wir uns komplett umentwickeln müssen.

Wir werden zum zentralen, nicht nur Energiedienstleister, sondern dienstleises Kunden vor Ort. Ja, was ist das Ziel? Irgendwann werden wir das Ziel haben, wenn wir die Zähler der Kunden automatisiert steuern, ihnen damit auch günstige Stromprodukte anbieten zu können, sie mit kostengünstigen Telekommunikation zu versorgen. Auch das wird im Prinzip das zukünftige Ziel sein.

Wir wollen ein Rundum-Sorglos-Paket für unsere Kunden, der Kunde. Ich glaube, ich kann den Energiemarkt mittlerweile schon gar nicht mehr durchschauen. Das fällt, denke ich, sehr, sehr schwer aufgrund der Vielzahl der Akteure, die mittlerweile am Markt sind.

Ich bekomme es immer wieder mit, wir sind Netzbetreiber hier in der Stadt Hammelburg, haben noch ganz viele Ortsteile. In den Ortsteilen ist der Netzbetreiber das Bayernwerk und wenn dort mal zum Stromausfall kommt, dann klingelt sogar bei mir das Telefon, weil die Leute oder die Bürger nicht mal wissen, wer ist eigentlich ihr Energieversorger, wer ist der Netzbetreiber. Selbst wenn Stadtwerke Hammelburg dort der Energieversorger sind, sind sie mit der Netzbetreibung und können im Prinzip auf die Netzqualität und auch auf die Netzausfälle keinen Einfluss nehmen.

Der Bürger möchte das nicht. Der Bürger wünscht aus meiner Sicht der Kunde ein Rundum-Sorglos-Paket. Der möchte sich nicht die Gedanken machen, wo kommt mein Strom her, wo kommt mein Erdgas her, wo kommt meine Fernwärme her, meine Heizquelle, wo kommt mein Internet her, sondern der wünscht sich ein doch relativ intelligentes, steuerbares Zuhause und eine Rundum-Sorglos-Versorgung.

Und da sehe ich den Weg, dass wir hingehen müssen. Der Kunde, den interessiert es, soll es am Ende des Tages eigentlich nicht interessieren, was kostet mich eine Kilowattstunde Strom, sondern den interessiert, funktioniert das, werde ich versorgt und zuverlässig versorgt und habe ich einen zuverlässigen Partner an meiner Seite, der die Prozesse für mich abwickelt. Ich denke, das ist das Ziel.

Jetzt haben Sie etwas beschrieben, was wir in der Wissenschaft unter Plattformgeschäft vielleicht auch bezeichnen würden, wo ich aber auch die Gefahr für Energiedienstleister sehe. Sie haben gesagt, das Bedürfnis des Kunden ist ja gar nicht zu wissen, was sein Strom kostet oder wer das Netz zur Verfügung stellt, sondern das Bedürfnis ist ja eigentlich, den Strom zu haben, also eine Grundsicherheit zu haben, damit Licht ist, damit Wärme ist, damit was auch immer ist. Und wenn ich diese Leistungserbringung konsequent weiterdenke, dann müsste ich doch irgendwann sagen, Mensch, es gibt heute schon Geräte im Haushalt, gut, die haben noch nicht die Funktionalität von Smart Metering, aber die bündeln andere Leistungen, wie beispielsweise, ich mache jetzt keine Produktwerbung, also das ist jetzt nur aufgrund der Begrifflichkeiten gewählt, eine Fritzbox, die heute schon Telekommunikation und Internet in sich vereint, die eigentlich auch über Verbräuche in diesen Bereichen sehr stark Bescheid weiß oder wenn ich noch weiter in die Zukunft denke, dann müsste es doch eigentlich meine Alexa-Box sein, also Amazon und Co.

oder Apple mit dem Apple HomeKit oder Ähnliches, wo ich die Stromversorgung eigentlich nur noch einbinde in ein Smart Home. Wenn die Leistungserbringung, die ja auch für Sie zunehmend in den Hintergrund eintritt, immer austauschbarer wird, dann ist doch die letzte Konsequenz eigentlich, dass wir dort eine Plattform haben, die von E-Commerce bis Electricity, also Stromversorgung, Wärmeversorgung und so weiter, alles regelt, alles einkauft im Hintergrund und mir entsprechend zur Verfügung stellt, oder? Das wird sicherlich ein Weg sein, der gegangen wird. Aber ich denke mal, dass es auch wichtig ist, dass die Kunden sich nicht in einer Monopolsituation befinden, sondern einen freien Anbieter wählen können.

Und der Markt muss sich einfach öffnen. Und er wird sich auch öffnen. Er ist geöffnet.

Wir werden zukünftig mit einem größeren Wettbewerbsdruck leben. Und leben müssen und wir werden auch damit leben. Davon gehe ich aus.

Wir sind gut aufgestellt. Und wichtig ist für uns, dass wir alle Marktrollen so effektiv für die Endkunden wahrnehmen können, dass sie sich auf uns verlassen können. Jetzt ist es ja so, dass wir diese zunehmende Schwankung haben im Strom, die sich ja eigentlich auch, also die privaten Haushalte nehmen das nicht wahr, aber die sich eigentlich auch in den Preisen niederschlagen müssten und niederschlagen.

Vielleicht noch mal kurz zum Test an Sie. Was kostet eine Kilowattstunde Strom für Privathaushalte heute? Wie sieht das im Großverbrauchersegment, also in der Industrie aus? Eine Kilowattstunde Strom kostet rund 28 Cent, sage ich mal. 28 bis 30 Cent für den Privathaushalt, für den Großverbraucher.

Ist es eine ähnliche Konstellation im Niederspannungsbereich. Allerdings, also die Großverbraucher zahlen ja letztendlich einen höheren Leistungspreis und einen niedrigeren Energiepreis. Aber in der Durchmischung wird die Industrie sicherlich auch bei 26 Cent liegen.

Kommt natürlich darauf an, in welcher Spannungsebene der Kunde sich befindet. Also das heißt, Sie haben es ja vorhin schon mal angesprochen, wir haben ja verschiedene Spannungsebenen. Wir haben eine Mittelspannung, Umspannungsebene und eine Niederspannungsebene.

Je weiter der Strom transformiert wird in die Spannungsebenen, in die niedrigeren Spannungsebenen, desto teurer wird er. Wenn ich Kunden habe, die den Strom in der Mittelspannung entnehmen, ist er natürlich definitiv kostengünstiger in der Industrie im Prinzip. Ich denke mal, da reden wir im Durchschnitt wahrscheinlich von 24 Cent.

Jetzt ist das ein Durchschnitt, also für den privaten Haushalt ist das ein Fixum, egal ob er den Strom tags oder nachts verbraucht. Wie weit ist das variabel in der Großindustrie? Also für den Haushaltskunden ist es auch kein Fixum, weil er hat die Möglichkeit, sich einen Tag- und Nachtstromzähler, einen HTN-T-Zähler einbauen zu lassen. Ich habe zu Hause selber noch einen eingebaut, dadurch dass ich ja doch relativ viel im Büro aktiv bin und den Großteil meiner Arbeiten in den Abendstunden nach 22 Uhr beziehungsweise auch an den Wochenenden erledige.

Das heißt, ich kann als Privatkunde auch auf einen Doppeltarifzähler setzen, in dem ich ja an den Wochenenden und den Abendstunden meinen Strom kostengünstiger einkaufen kann als in den Tagstunden. Das gilt genauso in dem Industriebereich. Das heißt, die Netzentgelte an sich, die sind konstant.

Die Netzentgelte sind also die Entgelte, die der Netzbetreiber für die Zurverfügungstellung der Infrastruktur seiner Netze verlangt. Sie unterscheiden nicht zwischen Hochtarif und Niedertarif, also zwischen unterschiedlichen Tageszeiten. Das ist nicht so.

Allerdings ist es so, dass der Energiepreis, also der Preis für den Einkauf der Energieversorgung, der Stromversorgung im Prinzip tagesbejabel oder lastbejabel auch gepreist wird mittlerweile. Früher war es so, dass die Industriekunden teilweise sehr große Vorteile gegenüber den Haushaltskunden hatten. Das ist mittlerweile aus meiner Sicht kompensiert.

Es sei denn, so wie die Großindustrie, die im Dreischichtbetrieb fährt und auch am Wochenende arbeitet, die wird hier sicherlich auch davon noch profitieren können. Die Industrie haben wir allerdings bei uns am Standort nicht vor Ort. Aber es wird zukünftig sicherlich sehr stark so sein, dass auch die Industrie von leistungsschwächeren und leistungsstärkeren Zeiten, also Spitzen, profitieren möchte, um eben günstiger Strom einzukaufen.

Davon ist auszugehen, oder? Ich gehe davon nicht aus. Sie müssen sich mal bedenken, um welchen Kostenanteil reden wir denn da? Die Energieversorgung macht in der Regel ein ganz, ganz kleines, es sei denn, es sind äußerst energieintensive Unternehmen. Aber die Unternehmen, die wir hier vor Ort versorgen, sind eigentlich Unternehmen, wo die Energiekosten zwar einen gewissen Anteil ausmachen, aber ich glaube, dass es nicht so effektiv ist, die Einsparung, die ich im Prinzip erzielen kann durch ein Ja-Energie-Management und dann die Stromlasten zu ziehen, wann sie günstig sind, weil in dem Zeitpunkt sind mir ja auch meine Mitarbeiter viel, viel teurer, das heißt in den Abend- und Nachtstunden, dass ich nicht glaube, dass sich hier ein kompletter Umdenkprozess einsetzen wird, weil es sich kostenmäßig und betriebswirtschaftlich nicht abbilden lässt.

Okay, das ist ganz spannend, weil ich diskutiere natürlich auch mit vielen Produktionsunternehmen, ich diskutiere vor allen Dingen natürlich auch mit der Softwareindustrie und ich kriege dort auch immer mal wieder vermittelt, dass dieses Thema Energiemanagement jetzt so etwas ist, was so langsam auch in die Unternehmen reinkommt, also es geht sicherlich weniger darum, im Einzelhandel irgendwie zu sagen, jetzt muss ich da vorne links eine LED-Strahler mal ausschalten oder so, als vielmehr zu sagen, zu bestimmten Tageszeiten fahre ich die Produktion eben voll hoch oder nutze andere Möglichkeiten, um zu produzieren etc. pp. Das ist in Ihrer Region dann weniger das Thema? Das ist weniger das Thema.

Also es wird nicht zu einer Verlagerung kommen. Natürlich, was Sie sagen, dass die Energiemanagement-Systeme die Maschinen nicht gleichzeitig hochfahren, um diese Leistungspitzen zu vermeiden, das ist schon ein Thema. Aber es wird nicht zu einer Verlagerung der Produktion in die Nacht kommen.

Wir werden natürlich, um diese Spitzen zu vermeiden, nicht alle Maschinen werden da gleichzeitig in Betrieb genommen, sondern die werden schon intern gesteuert, um diese Spitzen zu kompensieren. Das ist schon ein Thema. Ich denke, darauf sind Sie angesprochen.

Das ist ein Thema, definitiv. Aber es wird nicht zu einer Verschiebung kommen. Okay.

Wenn wir uns jetzt mal Ihre Digitalisierung anschauen, Ihre Veränderungen auch des gesamten Marktes, aber auch der Stadtwerke an sich, würden Sie sagen, das sind vor allen Dingen technische Herausforderungen oder sehen Sie da auch die organisatorischen Herausforderungen im Vordergrund Ihrer Bemühungen? Wir haben es hier definitiv mit technischen Herausforderungen zu tun. Allerdings bin ich überzeugt, dass die noch größere Hemmschwelle das Thema der organisatorischen Umsetzung ist. Können Sie ein Beispiel geben? Sie sprechen mir aus der Seele.

Ich sehe das auch so. Ich habe auch die Neujahrsfolge wieder über Automatisierung und dass man das nicht von 0 auf 100 sofort umsetzen kann im Unternehmen, auch wenn es technisch möglich ist, gemacht. Können Sie ein Beispiel geben, wo Sie sagen, da ist die organisatorische Umsetzung eigentlich das viel größere Problem? Ich sehe die Digitalisierung der Energiebranche im Bereich Smart Metering als organisatorische Herausforderung.

Der bürokratische Aufwand, der sich an die lokalen Energieversorger und an alle Energieversorger stellt, ist sehr, sehr hoch. Die Vorgaben der Einhaltung der IT-Sicherheitsvorgaben ist ein zentrales Thema und auch ein wichtiges Thema, genauso wie der Datenschutz. Und die stellen im Prinzip ein gewisses Hemmnis dar, alle Prozesse effektiv umzusetzen.

Haben Sie das Gefühl, dass IT und letztendlich auch die Integration zwischen verschiedenen Systemen, idealerweise eine Datenbasis, aber was ist schon ideal im Unternehmen, dass das von allen Mitarbeitern auch verstanden wird und mitgetragen wird? Dazu zählt ja auch so etwas wie Datenschutz. Also das ist schön, wenn ich das alles runterschreibe und das ist dann schön, wenn ein Unternehmen das alles wohl definiert hat. Aber letztendlich muss es ja Tag für Tag von den Mitarbeitern auch gelebt und verinnerlicht werden.

Ja, das ist, denke ich mal, eine große Herausforderung im Transformationsprozess, die Menschen und die Mitarbeiter mitzunehmen, zu sensibilisieren. Ich glaube, das ist uns ganz, ganz gut gelungen. Wir vertrauen hier auf die Kooperation auch mit dem externen Datenschutzbeauftragten, weil das Thema des Datenschutzes geht uns alle an und ich möchte letztendlich vermeiden und wir müssen auch vermeiden dadurch, dass wir doch sehr, sehr viele Kundendaten auch vorhalten, dass hier ein gewisser Angriff stattfinden kann.

Die Mitarbeiter in unserem Bereich sind sehr, sehr gut mitgenommen und stehen dahinter, auch wenn das Thema und die Thematik natürlich äußerst komplex ist. Jetzt ist es ja so, man kann das immer alles sagen für Leistungen, die man auch schon hat, aber es werden ja viele, viele neue Leistungen auch kommen. Wie gehen Sie da um, dass neue Leistungen also auch eingebunden werden können, technisch eingebunden werden können, aber auch organisatorisch in das Ganze eingebracht werden? Das ist, wie Sie sagen, eine riesen Herausforderung in dem Bereich des Smart Meet-Ups und der Gateway-Administration, die wir ja schon ein paar Mal angesprochen haben.

Das ist jetzt das nächste Großprojekt, das im Prinzip 2019 jetzt einsteht. Das werden wir im Prinzip organisatorisch und auch datenschutzrechtlich gemeinsam in der großen Gemeinschaft in unserer Kooperation mit der Cityuse machen, da wir alleine, denke ich, hierfür nicht groß genug aufgestellt sind. Wir brauchen die Spezialisten im Hause, die wissen, die die Zusammenhänge kennen und auch den Kunden gegenüber erklären können, aber die Aufgaben, dass die datenschutzkonform und auch IT-sicherheitskonform im Hintergrund ablaufen.

Dafür sind sicherlich jedes einzelne Stadtwerk, das wird dazu zu klein sein, die Aufgaben komplett zu übernehmen. Ich werfe den Scheinwerfer abschließend nochmal von der großen Runde auf Sie persönlich, Frau Binder. Mögen Sie uns noch ein bisschen was zu sich sagen? Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Also ich glaube, mir ist es sehr bewusst geworden im Interview, wie Sie eigentlich Ihr Thema leben und wie Sie die Region auch leben.

Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Ja, das ist eine gute Frage, Herr Professor Winkelmann. Warum bin ich das geworden, was ich heute bin? Ja, ich wollte eigentlich mal Englisch- und Französischlehrerin werden. Dann hatte ich in der 12.

und 13. Klasse eine Französischlehrerin. Dann dachte ich mir, nein, so möchte ich nicht enden und habe mich komplett umorientiert und habe mir letztendlich ein paar Praktika gemacht.

Dann habe ich gesagt, okay, der kaufmännische Bereich, der sagt mir zu und deswegen habe ich mich für das Studium der Volkswirtschaftslehre entschieden und bin über verschiedene Stationen, die ich ja schon angesprochen habe, über internationales Unternehmen, über die IWM, über die Regierung von Unterfranken, bei den Stadtwerken Hamburg gelandet und das habe ich so im Prinzip als meine Herausforderung gesehen und gesagt, das ist ein Unternehmen, das ist es wert. Die Mitarbeiter hier vor Ort sind ganz, ganz toll. Ich bin stolz, so gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben und ich möchte dieses Unternehmen voranbringen.

Deswegen habe ich mich dann auch 2016 entschieden, mich auf die Nachfolge der Geschäftsführung der Stadtwerke Hammelburg zu bewerben und ich denke mal, dass ich sowohl fachlich mittlerweile über die lange Berufserfahrung im Bereich der Energieversorgung als auch persönlich die Voraussetzungen mitbringe, um unsere Stadtwerke Hammelburg hier in den nächsten Jahren voranzubringen. Kann man das als Ihren bisher größten beruflichen Erfolg definieren? Das könnte man so, aber ich denke mal, ich bin stolz darauf, dass es mir gelingt, die Mitarbeiter immer mitzunehmen und zu motivieren, den Transformationsprozess, den wir hier gehen und gehen müssen, in dem stetig sich ändernden Marktumfeld gemeinsam mit mir zu gehen. Das sehe ich eigentlich als meinen größten Erfolg an und ich glaube, das ist ganz gut gelungen.

Und so wie ich es vorhin auch gesagt habe, früher wurden da letztendlich alle Lieferantenwechsel von Energieanbietern über E-Mail und Excel-Listen und handelserfassend mittlerweile laufen die Prozesse optimiert ab, mit der gleichen bestehenden Mannschaft. Das sehe ich als größten Erfolg an, dass man die Leute einfach mitgenommen hat und gesagt hat, wir müssen diesen Transformationsprozess gehen, damit wir gemeinsam unser Ziel verfolgen können. Gibt es da bestimmte Eigenschaften, die Sie auf dem Weg besonders auszeichnen, die den Weg für Sie besonders erfolgreich dann auch machen? Ja, ich gehe mal davon aus, in erster Linie ist es die Entscheidungsfreudigkeit.

Ich bin ein Mensch, der alle Vor- und Nachteile abwiegt, aber dennoch entscheidungsfreudig ist. Ich drücke mich auch nicht vor unangenehmen Entscheidungen. Kommunikationsfähigkeit, ich bin überzeugt, das ist auch eine meiner Stärken.

Mir gelingt es, die Mitarbeiter frühzeitig mit einzubinden in ganz wichtige Entscheidungsprozesse, weil das ist der einzige Weg, sie auch mitnehmen zu können. Sie müssen verstehen, was da passiert, dürfen ihnen nicht Situationen überstülpen und sagen, das ist die Situation, auf die müssen wir uns anpassen, sondern man muss sie von Anfang an mitnehmen und dass sie einfach das Verständnis haben, das ist mir ganz, ganz wichtig. Und eine wichtige Eigenschaft, die wirklich nicht zu unterschätzen ist, ist die Empathie, das Einführungsvermögen, denn trotz alles Businesses und alles, was da abläuft, und Wirtschaftlichkeit, dürfen wir aus meiner Sicht die Menschlichkeit in der Führung auf keinen Fall vergessen.

Jetzt gibt es wahnsinnig viel Veränderung in Ihrem Umfeld, wahnsinnig viele neue Herausforderungen, das heißt eben auch, dass Lernen nicht nur einmaliges, sondern lebenslanges Lernen letztendlich ist. Haben Sie spannende, interessante, weiterbringende Bücher, die Sie den Zuhörern beruflich oder privat empfehlen können? Ja, privat, also im Moment lese ich gerade das Buch Kurze Antworten auf große Fragen von Stephen Hawking. Das gefällt mir besonders gut, in den letzten Sätzen seines Buches ermahnt uns ja auch Stephen Hawking, unsere Zukunft wieder in unsere eigenen Hände zu nehmen.

Und er sagt ja auch, wir sind zu satt und zu bequem geworden. Ich denke, wir sind die Macher unserer Zukunft und das gefällt mir besonders gut an dem Buch. Wir werden es verlinken in den Shownotes, wie auch verwandte Folgen.

Wer mag, ist auch herzlich eingeladen, auf unsere Webseite www.erp-podcast.de zu gehen. Dort haben wir die Folgen auch immer so ein bisschen thematisch geklastert, so dass man, wie das eben bei Podcast auch der Fall ist, auch ein bisschen nach verschiedenen Themenbereichen, Cloud oder Sensorik oder digitaler Transformation in unterschiedlichen Branchen, leicht suchen kann. Denn wir haben mittlerweile fast eine dreistellige Anzahl an Episoden und das soll so ein bisschen Hilfe dabei auch geben.

Hilfe mögen vielleicht auch der ein oder andere Internetdienst geben, den Sie sicherlich Tag für Tag auch als Mehrwert nutzen, oder? Ja, richtig. Also für mich ist auch persönlich, also ich meine, ein großer Mehrwert ist natürlich täglich meine Aufgabe, auf die EEX, also auf die Strombehördenplattform in Leipzig zu gucken. Die bietet mir doch einen gewissen Einblick in das Marktgeschehen, den wir auch brauchen, den ich brauche und den ich mir da regelmäßig hole.

Privat nutze ich gerne Xing, weil das ist einfach das Medium, um vernetzt zu bleiben. Ich habe Ihnen ja gesagt, ich komme von der EBM, habe verschiedene Stationen durchgemacht und war da mit vielen, vielen Mitarbeitern und Kollegen zusammen im Team, deutschlandweit, und das ist einfach das Medium, auch hier noch vernetzt zu bleiben und in Kontakt zu bleiben. Und Sie haben es ja schon angesprochen, Ihre ERP-Podcasts, die höre ich mir auch gelegentlich an oder immer dann, wenn ich Zeit finde.

Das ist eine tolle Sache, gestern Abend erst. Macht Spaß und ich bin froh, dass ich da auch heute dabei sein darf. Das freut mich.

Jetzt haben wir ganz viel über Veränderung gesprochen, aber ich frage Sie nochmal nach dem Blick in die Glaskugel, wie sieht Ihre Branche, wie sieht Ihr Berufsumfeld in den nächsten oder in zehn Jahren aus? Also ich bin absolut überzeugt, Herr Professor Winkelmann, dass die Digitalisierung, die zunehmende Digitalisierung mit einer deutlichen Umgestaltung der Arbeitswelt einhergehen wird und diesen Prozess, den können wir nur gewinnen, indem wir auf die Bildung und Weiterbildung der Beschäftigten setzen. Das wird die zentrale Rolle übernehmen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Digitalisierung bis zum Jahr 2035 eine Auswirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze haben wird, aber die Arbeitsplätze an sich werden sich komplett verwandeln.

Ich sehe das jetzt mittlerweile. Jeder unserer Monteure ist mittlerweile mit Smartphones, mit digitalen Medien ausgestattet. Wir kaufen gerade dieses Jahr wieder, investieren immense Beträge in Vermessungsgeräte, in digitalste Vermessungsgeräte.

Das heißt, dass sofort die Vermessung vor Ort durchgeführt wird und ins GIS-System eingepflegt werden kann, um den manuellen Aufwand einfach zu reduzieren. Also die Leute werden sich verändern und wir investieren in IT-Infrastruktur, in digitale Infrastruktur und in die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir eher mehr als weniger Mitarbeiter bis 2035 haben werden.

Das ist doch mal schön. Ich könnte das beinahe als Schlusswort stehen lassen. Eine Frage habe ich allerdings noch.

Wir haben herausgearbeitet, dass das Unternehmensdatenfundament, dass letztendlich die IT oder die Digitalisierung an der Stelle für Sie auch ein ganz zentrales Element ist. Aus Ihrer Sichtbrille, vor welchen Herausforderungen steht die IT in Ihrer Branche? Vor welchen Herausforderungen steht dabei natürlich insbesondere das ERP-System? Ich bin davon überzeugt, dass das ERP-System, das wir im Moment einsetzen, so zukunftsfähig nicht sein wird. Wenn man sich die Oberflächen anguckt, die sind relativ benutzerunfreundlich, bedienerunfreundlich.

Die Benutzerfreundlichkeit eines ERP-Systems steht für mich an oberster Stelle. Es muss agil sein, es muss schnell sein, wenn die Mitarbeiter den halben Tag im Prinzip auf eine graue Bildschirmoberfläche schauen müssen, die nicht intuitiv und selbstführend ist, wo einfach viel zu viel Wissen auch noch im Hintergrund vonstatten gehen muss. Die EDV muss die Mitarbeiter führen.

Das sehe ich als große Aufgabe. Die ERP-Systeme müssen mobiler werden, das heißt, Geräte unabhängig. Was ich mittlerweile machen kann, ist, dass ich mich remote hier auf meine Arbeitsplätze, datenschutzkonform, drauf schalte und in allen Softwareanwendungen arbeite.

Das wünsche ich mir auch zukünftig fürs Handy, dass wir auch hier einfach doch noch ein ganzes Stück mobiler werden. Wir sind einen Riesenschritt schon gegangen, aber die Systeme müssen benutzerfreundlicher werden, bedienerfreundlicher und einfach auch softwareergonomischer. So wie wir es bei jedem Smartphone einfach auch gewohnt sind, dass ich einfach weiß, was muss ich tun.

Jedes Kind kann ein Handy bedienen. Ich glaube, das ist der ganz große Anspruch und ein wunderbares Plädoyer auch an die Softwarebranche. Das, was wir aus der privaten Welt kennen, also Googles Feldbedienung in der Suche, das zu übertragen in diese betriebswirtschaftliche Unternehmenssoftwarewelt.

Das ist, glaube ich, ein Riesenproblem, eine Riesenherausforderung, die uns sicherlich auch in der immer komplexer werdenden betriebswirtschaftlichen Welt noch lange begleiten wird. Frau Binder, ich darf mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken für diesen spannenden Einblick, nicht nur in Ihr Unternehmen, sondern auch in den Energiemarkt. Ich bin sehr, sehr gespannt, was auf uns zukommt.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie in einiger Zeit nochmal wieder einladen darf, denn bei Ihnen passieren so viele neue Dinge. Aber wie immer, ich stehe ja gar nicht im Vordergrund, sondern die letzten Worte gehören natürlich meinem Gast. Ich danke ganz herzlich und bin für heute raus.

Die letzten Worte sind Ihre, Frau Binder. Vielen Dank, Herr Professor Wintelmann. Ich danke Ihnen und insbesondere natürlich auch den zahlreichen Folgern und Nutzern der Podcast.

Ich bin sehr, sehr froh, dabei sein zu dürfen. Es war wirklich eine ganz tolle, ganz spannende Erfahrung. Ich danke Ihnen, lieben Zuhörern, und freue mich, wenn ich wieder mal dabei sein darf.

Es war eine einmalige Chance und eine tolle Erfahrung. Vielen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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