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#85a - Augmented Reality von gestern bis übermorgen – ein Interview mit dem Gründer und Vorstandsvorsitzender der Pion One AG, Ralf Scheid
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Im zweiten Teil spreche ich mit Ralf Scheid, preisgekröntem Seriengründer, über verschiedene, auch zukünftige Anwendungszwecke von AR und das Morgen und Übermorgen in der AR-Entwicklung. Viel Vergnügen!

Webempfehlung/Beispiele:

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Augmented Reality von gestern bis übermorgen Ein Interview mit dem Gründer und Vorstand der PionOne AG Ralf Scheidt Erster Teil Ralf Scheidt ist preisgekrönter Seriengründer und unter anderem Entwickler des ersten Augmented Reality Radwegs Deutschlands AR, VR, MR, was ist das überhaupt und was bedeutet es für den Unternehmensalltag? Realistisch. Wir reden über die Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Augmented Reality und die erste AR-Plattform für alle. Viel Vergnügen.

Herzlich willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.

Heute geht es in der virtuellen Welt rein um Virtualität. Ich begrüße heute ganz, ganz herzlich Herrn Ralf Scheidt. Herr Ralf Scheidt ist Inhaber der PionOne AG und der Agentur Scheidt & Partner und er beschäftigt sich insbesondere mit Augmented Reality, Virtual Reality, Mixed Reality, was das ist, wie sich das unterscheidet, was die technologische Herausforderung ist, in welche Richtung das Ganze vielleicht auch geht.

Darüber möchte ich mit ihm heute sprechen. Er ist selber mehrfacher Preisträger für die Innovation, die er gemacht hat. Er hat selber Patente auch eingereicht.

Ich bin sehr, sehr gespannt auf das Thema. Ich bin sehr, sehr gespannt auf das, was er uns heute zu sagen hat und ich freue mich, dass Sie, Herr Scheidt, heute bei uns sind. Herzlich willkommen hier im ERP-Podcast.

Guten Morgen, Herr Professor Winkelmann. Ich freue mich sehr, dass Sie mich einladen, ein bisschen was zu erzählen. Fangen wir doch einfach an.

Ja, wunderbar. Ich fange mal an. Wer ist der Mensch Ralf Scheidt? Der Mensch Ralf Scheidt ist ein gebürtiger BWLer, sagen wir mal, der sich mit Mathematik und Physik auseinandergesetzt hat und da auch gewisse Entwicklungen getan hat in seinem Leben, zum Beispiel eine neue Windturbine erfunden und daraus dann diese ganzen Marketing-Sachen entstanden sind.

Später CMS ein schwerlastiger Weg war bei Scheidt & Partner. Sehr viele Kunden, die sich mit CMS-Systemen beschäftigen im Web, also nicht eine klassische Werbeagentur, sondern eher für technische Firmen getrieben, Darstellungsformen und Kommunikationsformen zwischen Ingenieuren. Auf dem Weg haben wir uns auch dahin entwickelt, dass wir dann über die ganze 3D-Entwicklung über die letzten 20 Jahre viel mitgemacht haben, viel Erfahrung haben und daraus dann über Augmented gestolpert sind 2012 und versucht haben, irgendwelche Augmented-Lösungen zu beobachten und zu schrauben, sage ich jetzt mal.

Demzufolge haben wir 2015 die Pion1 AG gegründet, die einfach anfangs nur eine F&E-Firma war zur Erforschung dieses Marktes, der viele Optionen offen lässt, der viele aus der Spielebranche sind ja die Augmented-Entwickler stark gekommen. Unity, Vuforia ist so die Basis, die jeder kennt hier und jeder macht seine Anwendung von Hand und das macht die Sache schwierig und viel zu teuer für die Industrie und da ist die Stelle, wo wir jetzt einfach mal vertieft einhaken müssten. Das heißt, Sie sehen sich als, ja, als was sehen Sie sich? Pion1 ist für Sie ein Forschungsfirma, eine Forschungsfirma oder eine Entwicklungsfirma oder eine verlängerte Werkbank für die Industrie? Was ist Ihr Part in der Wertschöpfungskette? Also unser Part war jetzt von 2015 bis 2016 erstmal zu analysieren, was der AR-Markt und VR-Markt überhaupt bietet und wo die Mängel sind.

Ja, das war mal eine reine Forschungsfirma und wollten herausfinden, ist es überhaupt sinnvoll, sich hier einzusetzen? Wie viele Marker wird es in Zukunft geben? Werden die in den Milliardenbereich gehen? Wird man eine Produktionsstraße in der Industrie komplett mit tausenden von AR-Situationen überdecken können, um das überhaupt sinnvoll zu lösen? Oder bricht das ganze System zusammen? Das war so mal der Grundansatz der Forschung, die wir selber betrieben und selber bezahlt haben und dazu auch in der Welt bis nach Asien geflogen sind, Spanien, Nordamerika und gesehen haben, was die Leute dort tun und versucht haben, das Beste herauszufinden. Also wir haben uns mit einer finnischen Firma zum Beispiel sehr tief eingegraben. Wir haben uns mit einer Firma aus Coburg, der Firma Schwind, sehr tief eingegraben und schauen, dass wir hier weiterkommen.

Jetzt kann man eigentlich im ERP-Podcast voraussetzen, dass die Leute wissen, was Augmented Reality ist. Allerdings würde ich Sie doch noch mal bitten, weil es hat ganz unterschiedliche Begrifflichkeiten, ich habe es vorhin gesagt, AR, VR, MR, gibt ein bisschen die Abgrenzung zu fahren und zu sagen, wofür stehen die Begriffe und was kann ich damit auch realisieren? Also der Oberbegriff wäre VR, Virtuelle Reality, das heißt, ich setze eine Brille auf. Mit dieser Brille werde ich grundsätzlich von der Realität getrennt und habe eine neue Realität, eine virtuelle Realität und kann mich auch nur in dieser bewegen.

Das heißt, das Problem liegt da, dass die wirkliche Realität, in der ich nun mal lebe, in diesem Moment, in dem ich die Brille auf habe, nicht existiert, dass sich bei VR viele Probleme ergeben. Zum Beispiel, wenn Sie große Gebäude erklettern, um irgendwas zu bauen, die Leute nicht schwindelfrei sind, durch die Lüfte fliegen, das Gleiche mit der Schwindelfreiheit, das ist ein ganz, ganz großes Problem, überhaupt das Gleichgewicht zu behalten bei mancher Projektbetrachtung. Dann des Weiteren, dass man die Objekte, die man berührt, mit irgendwelchen Stäben, die man in der Hand hält, nicht in der Realität berühren kann, sondern sie vielleicht styroporartig wirken, obwohl es Schwermetallgegenstände sind.

Also, das ist so ein bisschen die Schwierigkeit bei VR. Wird besser, aber das sind die Probleme. VR könnte man als die Mutter des Ganzen sehen.

AR bedeutet, VR eingebettet in die Realität, in die reale Realität. Das heißt, ich habe eine VR-Anwendung, die ich sehe durch ein Device, durch eine Brille, und ich sehe aber um mich herum, wenn ich jetzt zum Beispiel die HoloLens aufhabe oder geplant für Google Glasses, die Realität und kann über ein Fenster diese künstliche Realität sehen, oder ich sehe eben die künstliche Realität in den Devices, die für viele Anwendungen jetzt schon sinnvoll sind. In der Technik natürlich schwierig, wenn ich durch eine Maschine gehen muss, die meinetwegen 500 Meter groß ist und muss mit zwei Händen das Device über die Maschine halten.

Wie kann ich dann arbeiten? Das ist ein Problem. Also, hier sind weder die Brillen noch die Devices bisher gut genug entwickelt, dass man das optimal nutzen kann. Hier gibt es noch viele Probleme.

Gehen wir nachher noch mal drauf ein. Jetzt gehen wir in Mixed Reality. Mixed Reality, MR genannt, heißt eine Mischung aus VR und aus AR.

Zum Beispiel, ich mache eine 360-Grad-Aufnahme von dem Innenraum eines Gebäudes und hätte einen VR-Rundgang, den ich aber wiederum mit zweiten virtuellen Welten des AR verknüpfe und sage, okay, jetzt gehen wir in das Stockwerk vor dem Haus und platzieren hier ein Objekt. Das können wir jetzt mit geschlossener VR-Brille machen, völlig ohne das Haus. Wir können es aber auch im Umkehrschluss machen, dass wir tatsächlich durch dieses Haus gehen und dann mit dem Device die Objekte eben sehen, die wir vorher abgebildet haben, nur in VR.

Das wäre dann Mixed Reality. Jetzt haben wir ganz viele verschiedene Szenarien schon angetippt. Sie sind ja voll drin in der Entwicklung, in diesem Markt auch.

Ich glaube, der Markt weitet sich gerade erst so richtig aus Ihrer Betrachtung. Wo sind die größten Anwendungsfelder für das Thema virtuelle Realität? Wir sollten erst mal über die Datenmengen sprechen, die dabei entstehen, weil die Leute sehen das immer so einfach. Schauen wir uns mal über die augmentierte Realität an und dann über die virtuelle Realität.

Wenn ich heute einen Autospot nehme, dann sieht der super aus. Der wird in 3D gemacht, wegen der Lichtverhältnisse, wegen vielen Dingen mehr. Autospots sind alle künstlich, das weiß man.

Schaut toll aus. Wenn ich den in YouTube laufen lasse, dann sage ich, funktioniert auch super auf meinem Device, hohe Auflösung, alles toll. Der Nachteil der Sache ist natürlich, das ist ein Film.

Dieser 3D-Film kann ich nur aus einer Position betrachten. Das ist jetzt das, was zum Beispiel Marketingabteilungen bei Konzernen bis dato noch nicht so gut verstanden haben. Wenn sie diesen Spot jetzt augmentiert haben wollen, das heißt, ich stoppe den Spot, öffne die Tür, ändere den Fahrersitz, baue ein anderes Lenkrad ein.

Die nette Dame, die neben mir sitzt, reicht mir plötzlich ein Espresso. Ich bin in dem Moment selbst Regisseur, wo ich AR oder VR betreibe. Bleiben wir jetzt erstmal bei AR, weil das ist einfacher.

Indem ich das Auto aus 360 Grad aus allen Winkeln betrachten kann und das Auto natürlich an jeder Stelle gebaut sein muss. Das heißt, ich habe N-Möglichkeit, dieses Auto zu berühren und aus jeder Position zu sehen. Das wäre so, wie wenn Sie in einen Spielfilm gehen, wo sich zwei Leute küssen und Sie wollen das jetzt mal von hinten sehen oder von oben oder von unten.

Das können Sie in einem Spielfilm nicht. Das ist der Unterschied, was natürlich dazu führt, dass alle Devices, ob Brillen oder Geräte, immer der Flaschenhals sind. Das heißt, der Schwachpunkt des ganzen Systems ist das Gerät, weil ich die Datenmenge, stellen Sie sich mal diese hochauflösenden, viel Polygon enthaltenen 3D-Daten vor.

Die sind ja alle mit Glowing-Effekten und riesig gigantisch dicht aufgebaut. Wenn ich die jetzt aus unterschiedlichen Positionen sehen möchte, dann macht jedes Device schlapp und auch jede Brille bisher. Die Lösung ist, dass man hier noch nicht in den B2C-Markt geht, weil der B2C-Markt hat Anforderungen.

Ein Abendkleid muss einfach faszinierend aussehen. Da muss eine Emotion rüberkommen. Das muss auch beim Autokauf kommen und bei vielen Dingen mehr oder beim Essen, was auch immer.

Aber für die technische Anwendung braucht ein Ingenieur nicht so hochauflösende Daten. Das heißt, man kann Polygone reduzieren. Das sind einzelne Punkte in den Netzgittern der Triss aus dem 3D, die man reduziert und sich iterativ an das Modell wieder herantastet, dass es einigermaßen schön ausschaut, sage ich jetzt mal.

Und dann mit reduzierter Datenmenge im Device arbeiten kann und eben diesen Vorgang, Regisseur an allen Stellen zu sein, durchzuführen. Weil Sie müssen sich dann vorstellen, dass der Kunde oder der Benutzer, das ist ja nicht eine Person, das sind ja Hunderttausende von Personen und die berühren ja alle an ganz unterschiedlichen Stellen und bauen jeder ein unterschiedliches Datenmodell auf und das muss gebaut sein. Und da ist der Punkt, wo der Frosch ins Wasser springt, sage ich jetzt mal.

Das heißt, Stand heute ist es noch sehr stark notwendig, wenn ich solche Szenarien aufbaue, die Datenqualität zu reduzieren, zu komprimieren. Jetzt habe ich so ein bisschen im Hinterkopf zum Beispiel das iPhone, in der, jetzt möchte ich nicht festgenagelt werden, aber ich meine, das im Hinterkopf zu haben, in der 10er Version waren es noch so 600 Milliarden Berechnungen, grafische Berechnungen pro Sekunde, mittlerweile bei 5 Billionen grafischen Berechnungen in der neuesten Version. Das sind ja Schritte in der Hardware, die die Diskussion, die wir jetzt gerade führen, relativ schnell obsolet machen, oder? Nein, das iPhone zeigt ja auch mit dem Apple AR oder dem ARCore, dass man räumliche Betrachtung grob machen kann und mehr auch nicht.

Also es gibt nicht die Möglichkeit, dass sie dieses Device nutzen, um eben das Gesagte in einem Autospot oder sonstiges durchzuführen. Ja, das geht noch nicht. Okay.

Ja, und das liegt einfach daran, dass man den Prozess verstehen muss. Soll ich den Prozess mal kurz definieren? Ja, sehr gerne. Gut.

Also, Sie haben ein hochauflösendes Datenmodell. Dieses hochauflösende Modell stellen Sie sich vor, dass das aus lauter Dreiecken besteht. Und Sie müssen die Dreiecke, umso kleiner Sie die machen, umso schöner sieht das 3D-Auto meinetwegen aus.

Ja? Und hat eine schöne Oberfläche, sieht klasse aus. Und jetzt müssen Sie dieses schön gemachte Auto reduzieren und wieder zerstören. Und es eigentlich hässlich machen, in ein 3D von 1992 verwandeln und trotzdem den Anspruch von heute offen halten, den wir im 3D haben.

Und das macht die Sache einmal schwierig. B, haben wir sogenannte proprietäre Daten, geschlossene Daten von den Herstellern, von den CAD-Programmen. Die wollen natürlich nicht, dass eine CAD-Firma an die Daten des Konkurrenten der anderen CAD-Firma drankommt.

Also haben sie alle ihre eigenen Formate. Und da sie alle ihre eigenen Formate haben, geschlossene Formate, ist eine Datenreduktion eigentlich beim CAD-Modell gar nicht so wirklich möglich. Weil ich ja in geschlossenen Daten arbeite, kann ich sie nicht verkleinern, wenn sie zu sind.

So, jetzt muss ich erstmal ein CAD-Programmhersteller davon überzeugen, dass ich so vertrauenswürdig bin, dass er sagt, du darfst an meinen Daten schrauben, aber wenn es mein Konkurrent erfährt, dann überlebst du das nicht. Das ist ein Problem, das wir mit der Firma Schwind und der Firma Dassault in Paris wirklich auf sehr vertraulicher Basis erarbeiten. Geplant ist da auch noch mit anderen zu arbeiten, aber im Moment sind wir da mal ziemlich stark angebunden.

Und dass natürlich diese ganzen Datenreduzierer, sage ich jetzt mal, da gibt es ja ganze Truppen in den uns umgebenden ostöstlichen europäischen Ländern, die die Daten mittlerweile reduzieren, die sagen immer, ich brauche ein offenes FBX-File. Und das gibt aber das nicht her, was ein CAD-Modell eigentlich hergibt. Und um in AR schnell zu sein, brauche ich schnell das CAD-Modell, muss es teilautomatisch reduzieren und wenn es geht vollautomatisch durch iterative Anpassungsprozesse, durch KI, dass man lernt und sagt, okay, wie kann der Prozess sich automatisch wiederholen, kann die Software erkennen, das ist ein Haus, zack, dann geht es jetzt so, reduzieren, reduzieren, dann sind die ganzen Daten reduziert, dann habe ich es auf dem Device.

Und dann funktioniert dieser Prozess, da ist erst der Punkt, wo jetzt zum Beispiel ein iPhone ansetzen kann mit seiner gigantisch schnellen Grafikkarte und da schneller solche Modelle verarbeiten kann. Das heißt, wir haben noch einen ganz schönen Weg vor uns und das Marketing in dem Bereich ist sehr deutlich weiter als das, was in der Realität dann auch leistbar ist, oder? Das ist richtig. Also es gibt eine Kurve, die kann ich auch im Nachgang gerne noch senden, zu der Entwicklung und zu den Euphorie-Strömen seitens des Jahres 2010 und wo man gedacht hat, dass man 2018 steht.

Und da sind viele Firmen, die wirklich mehr als 100 Millionen investiert haben, in die Phase gekommen, wo sie gesagt haben, wir hören jetzt einfach auf, weil wir kommen nicht weiter. Und wir reden hier nicht von kleinen Firmen, die sich einfach mal erlaubt haben zu sagen, okay, wir nehmen 100 Millionen in die Hand, was kommt dabei raus? Also Beispiel kann ich Ihnen noch mailen, ist kein Problem. Wir packen alles, was wir im Gespräch machen, natürlich wie immer in unsere Shownotes, beziehungsweise wer das möchte, auf unserer Webseite www.erp-podcast.de versuchen wir auch immer so ein bisschen thematisch zu klastern, die einzelnen Folgen, sodass man sich ein bisschen durch diesen Podcast auch hangeln kann, wenn man an bestimmten Bereichen der technischen Entwicklung auch weiter interessiert ist.

So, jetzt haben wir diese Augmented Reality. Sie haben ein bisschen die Erwartungen gebremst, trotzdem ist das ja etwas, was heute schon ganz viel Nutzen, ganz viel Kontext hat. Also wenn ich zum Beispiel an Ihre Entwicklung denke, Ihre App Durchblick und den wunderschönen Jahreskalender, den Sie immer jährlich machen, wo man das Device dagegen hält, das Handy dagegen hält, dann plastische Dinge auch mit dem Bild, mit der Fotografie passieren.

Also es ist eine wunderschöne Fotografie, wenn man den Kalender anschaut, aber wenn man dann eben durch das Device, durch Ihre App dadurch schaut, wird das Ganze lebendig, bewegt sich, ist dreidimensional. Was ist das, was passiert an solchen Stellen und wo sind die konkreten Nutzen von diesem Teilbereich von AR? Sehr gerne. Wir haben diesen Kalender das erste Mal 2014 gemacht, in der Hoffnung damals noch über QR-Codes.

Sorry, dass ich jetzt etwas aus dem Wort gekommen bin. Wir haben versucht, überhaupt die Menschen mal aufmerksam zu machen, dass es so etwas gibt und haben dadurch eine gewisse Marktforschung gemacht und gesehen, wie reagieren Leute darauf. Mit Sprüchen zum Beispiel, der Kalender ist wieder wunderschön, aber ich lese da keine Gebrauchsanweisung, weil es ist ja nur ein Kalender.

Somit hat er natürlich hilflos sein Device über den Kalender gehalten und die Effekte nicht gesehen. Der Kalender war für uns so ein Aspekt, um überhaupt mal mit Datenmengen umzugehen und zu sehen, welche Datenmenge entsteht denn, wenn ich da künstliche Objekte reinbaue aus einer virtuellen Welt, die augmentiert betrachtet werden können und wie viele Leute, wenn da ein paar Leute, die diese Datenmenge, zum Beispiel 100 Betrachter, das gleichzeitig anschauen, wann gibt das System, wann nicht. Also da haben wir Stabilitäten hingekriegt und das war der Prozess, wo wir dann gesagt haben, durch den Dr. Ralf Seidler, der Firma Schwind, CutCom in Coburg, jetzt machen wir das auch mal mit realen Objekten, haben uns dann auch geeinigt, dass seine App auch den Namen Schwind-Durchblick bekommt, weil es einfacher ist, weil schon viele Leute diesen Kalender kannten.

Der Kalender hat auch ohne Augmented in den letzten zehn Jahren eine starke Nachfrage gehabt immer und dadurch haben wir die Schwind-App und einen Schwind-Kalender entwickelt, der sich mit Prozesstechnik beschäftigt in der Automotive-Industrie, in verschiedenen Industrien, wo wir verschiedene Beispiele drin haben und sieht, wie kann sich eine Märklin-Lok bewegen, wie kann man die verändern, wie kann man die drehen, wie kann man sie aus allen Positionen ziehen, wenn sie jetzt ganz einfach nur auf das Blättchen da das Handy drüber halten von einem Mini-Kalender oder einem kleineren Tischkalender und kann da richtig toll in dieser Lok bewegen, arbeiten, Teile verändern. Da kann man den Kunden dann hinführen und kann sagen, da kannst du für deine Entwicklungsabteilung unheimlich viel lernen, unheimlich schneller arbeiten, musst nicht durch die Gegend fliegen, die Ingenieure können sich in Konferenzen treffen, meinetwegen in Skype und ihre Projekte am Schreibtisch mit ihren Devices ausarbeiten. Einer ist Projektleiter und da wird das Projekt eingefroren und auf dem Stand wird es dann tatsächlich an die Entwicklungs- oder Fräsmaschinen weitergegeben und zurück ins CAD-Programm gespielt und das ist zum Beispiel möglich.

Wer sich das jetzt nicht so ganz vorstellen kann, wir packen ein Beispiel natürlich in die Shownotes, so dass man das selber auch mal ausprobieren kann. Es ist tatsächlich faszinierend zu sehen, dort ist ein zweidimensionaler Druck, egal ob es jetzt ein Kalender ist oder eine Werbeanzeige oder ähnliches und ich halte nur noch mein Handy drauf mit der entsprechenden App und bekomme dann Zusatzinformationen, bekomme 3D-Modelle angezeigt, bekomme Animationen angezeigt in ganz unterschiedlichen Kontexten. Sie haben es eben angesprochen, die Eisenbahn, die man dann drehen kann, um zu erkunden, wie bestimmte Schrauben eingesetzt worden sind oder Ähnliches oder der Balletttänzer, der in ihrem Falle aus dem Bild springt oder ähnliche Dinge.

Sie haben, glaube ich, einen ganz wichtigen Punkt vorhin angesprochen. Als Sie damit angefangen haben, haben Sie gesagt, Mensch, wir versuchen diese Anreicherung, dieses Augmented, irgendwo mit einem QR-Code darzustellen. Was ist dann passiert? Ja, also erstmal war ja die Erfahrung, dass ich mit einem QR-Code-Reader überhaupt das gar nicht lesen kann, sondern ich brauche einen 3D-QR-Code-Reader.

Da haben die Leute natürlich schon Angst, eine 3D-QR-Code-Reader-App herunterzuladen, weil sie nicht wissen, ist es eine gute oder eine böse. Für den normalen Menschen, den Normalsterblichen, gibt es jetzt gar keinen Unterschied zwischen diesen Readern. Die nehmen natürlich dann klassisch den Falschen.

Also haben wir dann gesagt, wir müssen erstmal von dieser ganzen QR-Code-Nummer weg und sind da rausgegangen und haben natürlich die auch heute gängige, wie es alle jetzt heute tun, im Marker enthaltene Objekte, Erkennungsobjekte. Also der Marker ist quasi das Bild, das Kunstwerk meinetwegen jetzt, über den ich das Device halte. Und dann gibt es halt einen internen Code und da verbinden sich die Geräte und dann kann ich das Filmchen, das in AR abläuft, sehen zum Beispiel.

Was uns natürlich nicht weit genug gegangen ist, sondern wir haben gesagt, ich will ja nicht nur ein Filmchen sehen, ich möchte die Teile agieren, ich möchte sie zerlegen, ich möchte sie anders zusammenbauen und möchte sagen, so, der neue Zusammenbaustatus ist jetzt Status des Projekts und so können dann auch industrielle Dinge passieren, vom Industriedesign bis hin zur Produktweiterentwicklung. Das heißt, Sie haben bewusst darauf verzichtet, sichtbar zu machen, dass es eine dreidimensionale Welt ist und haben stattdessen etwas implementiert, was es bis dahin gar nicht gab, oder? So zu sagen, ja. Und dann haben wir daraus dann eben AR2Go gemacht, dass ich nicht nur, wenn ich über den Marker drüber halte, dieses Objekt sehe in meinem Device, denn das bringt mir ja nichts, wenn ich das mit Kollegen diskutieren möchte oder wann anders nochmal betrachten, dann bringe ich quasi über AR eigentlich in VR und nehme das Objekt einfach mit.

Also ich habe jetzt über die Locke gehalten, sage AR2Go speichern, dann habe ich es gespeichert und dann kann ich es jederzeit wieder abrufen. Das war bei diesem Hohenzollernradweg, wo wir über den historischen Gebäuden, wenn ich da das Handy drüber halte, dann erzählt mir halt der Kaiser, der Geist oder der Ritter irgendetwas über das Gebäude, führt mich durch. Ich muss als Tourist an das Gebäude heranfahren oder wandern oder radeln und mir die Kaiserburg anschauen und kann dann die Objekte, die ich da einsammle, direkt vor Ort in AR sehen.

Also kann mir die Geschichten des Ritters von Sack in Heilsbronn anhören und so weiter. Aber dann kann ich es auch mitnehmen und kann es zu Hause zeigen oder ein Publikum zur Verfügung stellen und bewegen und interagieren, wie man es eben kann. Aber vorher muss ich den Ort erkunden.

Der touristische Vorteil ist natürlich, dass ich diese Schlösser besuchen muss. Also das ist auch die Überlegung gewesen, das so zu machen. Das ist jetzt ein Ansatz für den Tourismus, bringt es sehr viel.

Also wir haben ja auch da den dritten Tourismuspreis bekommen, obwohl wir nur eine App sind, vom ADAC, zusammen mit den Bürgermeistern und Gemeinden und Städten, die das gemacht haben. Federführend war hier das Landratsamt Fürth mit dem Herrn Diesel und Projektleiterin, die Frau Bartschick, die das sehr, sehr gut gemacht hat und uns natürlich da auch geholfen hat, mal was Neues zu positionieren. Und ja, also da kann man sehr viel sehen.

Ich kann auch Links schicken zu einem Film, den der BR dazu noch gemacht hat, das ist ein bisschen ausführlicher. Aber das ist jetzt ein neuer Weg für den Tourismus, der sich aber jetzt erst mal entwickeln muss, weil wo wir da angefangen haben vor zwei Jahren, das war ja eigentlich ein Forschungsstand. Jetzt wären wir in der Lage, touristische Attraktionen ganz anders zu zeigen, mit ganz anderen Technologien.

Und wenn sich die Devices jetzt ein bisschen weiterentwickeln, dann wird es eine schöne neue Welt. Ich gehe noch einen Schritt zurück. Also wir waren gerade dabei, wir können auf die alte Welt dieser Marker, dieser offensichtlichen Markierung des zweidimensionalen oder auch dreidimensionalen realen Raumes verzichten, weil sie mittlerweile in der Lage sind zu erkennen, dass das eine bestimmte Realität ist und sie dann ihre Schicht darüber legen können.

Ist das das, was man auch zukünftig braucht, wenn man durch die, Sie haben es vorhin gesagt, 500 Meter lange und große Maschine läuft, um sich dort etwas einblenden zu lassen, was vielleicht in der Dimension heute noch nicht geht, wie Sie es ja auch sagten, wegen der Datenströme, wegen der Komplexität dahinter. Also und jetzt kommt genau der Punkt, wo wir gesagt haben, okay, was wir bis dahin gemacht haben, sagen wir mal Ende 2016, Anfang 2017, war eine reine Beobachtung und wie können wir es verändern und wo sind die ganzen Haken und wo hängt das Ganze? Das Ganze hängt an zwei Stellen, an der Datenreduktion, wie an der Menge von AR-Situationen, die ich auf dem Device zeigen will. Ab so und so viel gespeicherten AR-Situationen ist das Handy einfach platt oder das iPad und jetzt muss ich, oder Samsung, egal, ob das jetzt ein Android ist oder ein iPhone, das macht jetzt nichts, oder ein Huawei, die sind einfach alle nicht in der Lage, die können eine gewisse Menge speichern und dann ist Schluss.

Wir bauen ein System, das soll ähnlich funktionieren wie Netflix und soll immer die Daten in Docker-Systemen zur Verfügung stellen, dass ich die AR-Situation auf- und abrufen kann in der Cloud-Lösung und dann über eine Blockchain-Situation dokumentiere, dass ich eben auch technische Daten nicht geklaut kriege, dass patentanwaltschaftlich geregelte Dinge nicht für jeden einsichtig sind und vieles mehr. So kann ich tausende von AR-Situationen abrufen und kann das inskalierten Verhältnis einfach nutzen. Das haben wir jetzt gebaut, das ist eine neue Plattform, an der jetzt auch IBM Interesse gezeigt hat, an der Microsoft Interesse gezeigt hat.

Das waren wirklich sehr schöne Gespräche und die hat jetzt noch Fehler, da müssen wir noch ein bisschen arbeiten, da haben wir noch Bugs drin, aber wir können jetzt damit auf den Markt gehen und das macht uns alle ein bisschen stolz, weil wir haben wirklich viele Tränen geweint über alles, was nicht ging in den letzten zwei Jahren. Ja, das ist der Stand. Was kann ich dazu jetzt noch sagen? Ich mache mal ein plastisches Beispiel, wäre das okay? Gerne.

Gehen wir mal ein bisschen weg von der Industriestraße, weil die ist hochkomplex, die zu erklären. Ich würde es jetzt mal ein bisschen einfacher machen und es ist auch schon hochkomplex. Wenn wir jetzt mal eine Baustelle nehmen.

Ein Architekt macht einen wunderschönen Bauplan in 3D und in seinem CAD-Modell, meist Autodesk oder Archicad oder irgend sowas und macht es ganz toll. Dann bekommt es der Bauleiter auf sein Tablet und weiß genau, wie es läuft. Bei Großbaustellen, wo es über 60 Stockwerke geht, plant man in der Regel drei bis sechs Monate längere Bauzeit ein als die verfügbare, habe ich gelernt, als die geplante, weil einfach Fehler passieren.

Der Bauarbeiter hat jetzt den Nachteil, dass er eigentlich mündliche Anweisungen über Zeichnungen, über Zettel, über irgendwas bekommt, wo er welche Schlitze zu schlagen hat, wo welche Leitung hin muss, was auch immer passiert. Also zwischen Bauleiter und Architekt besteht Digitalisierung, eine Welt, die synchron ist, die dann aber plötzlich in eine Handverarbeitungswelt übergeht, bis zum Bauarbeiter runter. So, jetzt passiert es sehr, sehr oft, dass halt ein Schlitz geschlagen wird für irgendeine Leitung und im 30.

Stock merkt man dann mal, der ist ja zehn Zentimeter falsch und das verlängert die Bauzeit. Dieser Schlitz muss wieder zugemacht werden und muss von unten wieder neu geschlagen werden.

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