Im zweiten Teil spreche ich mit Ralf Scheid, preisgekröntem Seriengründer, über verschiedene, auch zukünftige Anwendungszwecke von AR und das Morgen und Übermorgen in der AR-Entwicklung. Viel Vergnügen!
Webempfehlung/Beispiele:
- AR im Gartner Hype Cycle 2018:
- Den Dropbox-Ordner mit Beispielen finden Sie hier
- Die Folge zu Schwindt CAD/CAM im ERP-Podcast finden Sie hier
Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.
In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Augmented Reality von gestern bis übermorgen. Ein Interview mit dem Gründer und Vorstand der PionOne AG, Ralf Scheidt. Zweiter Teil.
Im zweiten Teil spreche ich mit Ralf Scheidt, preisgekrönten Seriengründer über verschiedene, auch zukünftige Anwendungszwecke von AR und das Morgen und Übermorgen in der AR-Entwicklung. Viel Vergnügen. Herzlich willkommen zum ERP-Podcast.
Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.
Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.
Heute der zweite Teil zum Thema Augmented Reality, Virtual Reality. Ich spreche mit einem wirklichen Insider, mit einem Experten für das Thema, mit Ralf Scheidt. Ralf Scheidt ist, man möchte beinahe schon sagen, Seriengründer.
Er hat mehrere Firmen gegründet. Er ist Betriebswirt, aber technisch versiert, IT-technisch versiert. Er hat verschiedene Patente im Bereich von Augmented Reality, entwickelt verschiedene Dinge.
Wir haben uns letzte Woche schon darüber unterhalten und ich freue mich, dass wir das Gespräch an dieser Woche wieder aufnehmen können. Herr Scheidt, noch einmal ganz, ganz herzlich willkommen hier im ERP-Podcast. Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen für uns.
Vielen Dank, Herr Professor Winkelmann. Ich freue mich auch, wieder mit dabei sein zu dürfen und würde sagen, wir starten jetzt gleich mal in die Welt. Ich stelle mich noch mal kurz vor, Ralf Scheidt, leider nur ein BWLer und kein Techniker, habe aber Physik und Mathematik im Hintergrund und auch schon, wie gesagt, sowohl technische Patente in der Turbinenentwicklung als auch angemeldete Sachen jetzt im Augmented.
Und hier haben wir uns eben für den Weg entschieden, diese neue virtuelle, augmentierte Welt zu nutzen mit der PionOne AG, in der wir das überwiegend betreiben. Die Rechte liegen bei Scheidt & Partner, meiner alten Firma, die sich mit Kommunikationsdesign und CMS beschäftigt hat. Und auch Rechte sind inzwischen gelagert in der HelloARUG, die eigentlich verwaltend für solche Rechte gegründet wurde.
Und ja, steigen wir einfach mal ein. Ich freue mich auf Ihre Fragen. Okay, also wir haben in der letzten Woche schon so ein bisschen darüber gesprochen.
Es gibt so zwei Welten in diesem Bereich. Das eine ist die Hochglanzbroschüre, das Marketing, die Erwartungshaltung auch der Konsumenten, was das Thema Augmented Reality angeht, wo Sie auch sehr klar gesagt haben, vorsichtig, wir können in dem Bereich längst noch nicht alles leisten. Die Rechnerkapazität von den heutigen Devices, seines Brillen, seines Smartphones, seines Tablets oder, oder, oder.
Die sind heute noch nicht so weit, auch wenn sie gigantisch sind, um wirklich die Realität dreidimensional augmentiert darzustellen, Veränderungen auch darzustellen, also da auch etwas bremsen. Aber wir haben ganz viel darüber auch gesprochen, dass es sehr, sehr viele Anwendungsszenarien heute schon gibt, wo Augmented Reality sehr, sehr nutzbringend auch eingesetzt werden kann. Wir waren letztes Mal stehen geblieben beim Bau.
Und ich glaube, wir haben einen Punkt, den wir beim letzten Mal auch besprochen haben, der ganz, ganz wichtig ist. In der originären Welt hat man sehr stark mit sehr einfachen Markern gearbeitet, um überhaupt darzustellen, hier steckt noch mehr dahinter, hier steckt noch zusätzliche Darstellung, zusätzliche Content in der Augmented Dimension. Wenn du dein Handy oder was auch immer drauf hältst, das brauchen sie nicht mehr.
Sie arbeiten mit ganz anderen Markern heute. Das ist richtig, oder? Es geht sowohl als auch, es geht beides. Aber ich denke, dass die Markerlosigkeit, dass ich einfach weiß, hier möchte ich ein Objekt erklären.
Stellen Sie sich vor, es sitzen 20 Ingenieure in einem Besprechungszimmer, haben 50 Zettel mit 50 unterschiedlichen Markern. Jeder hat seinen. Irgendwann dreht man durch in dem Projekt, weil man einfach das Richtige nicht findet.
Und die richtige Augmented Situation, man kann die ja jetzt über das Device zum Beispiel sehen. Das Device kann über einen Dongle an einen Bildschirm oder an einen Beamer angeschlossen sein. Und ich kann das ganze Projekt als Projektgruppe der 20 Leute sehen.
Und jetzt habe ich den falschen Marker und komme einfach da nicht dran. Und die Zeit läuft, Meetingzeit ist auch kurz, Entwicklungszeit ist kurz. Man hat nur zwei Stunden, die Leute kommen, was weiß ich woher, und müssen wieder weg.
Also muss man ein System finden, das diese Sache organisiert und sagt, heute möchte ich das besprechen. Und über dem Tisch ist jetzt ein GPS-Punkt und genau da erscheint jetzt mein Projekt. Und jetzt sehe ich dieses Projekt, das ich über das Device wahrnehme, kann es über AR2Go aufnehmen ins Device, kann also aus dem AR-Modus in gewisser Weise rausgehen, hätte es nur auf dem Device in einer virtuellen Welt, in einem VR-Modus und kann das Projekt jetzt bearbeiten, kann es mir dann wieder im AR-Modus im Großen über diesen großen Tisch des Besprechungstisches anschauen und kann es beziehungsweise über Marker neu betrachten und sehe es über das Device wieder am Beamer und kann dann sagen, jetzt frieren wir es ein, da stehen wir jetzt, jetzt gehen wir damit in die Produktion, kann dann die Daten zurückfahren über unser System und wieder die Datenreduktion aufheben, das Modell wieder brauchbar machen für CAD-Daten und kann dann direkt auf die Produktionsmaschine gehen und dieses Produkt oder diese technische Änderung eben produzieren oder ausprobieren oder testen.
Jetzt habe ich eben gesagt, das Marketing hat hohe Erwartungen und so weiter und so fort. Das, was Sie jetzt aber beschrieben haben, ist der State of the Art sozusagen. Das ist der State of the Art.
Jetzt gehen wir mal ans Marketing. Machen wir ein Marketingbeispiel. Gut.
Es kommt ja bald wieder der Frühling und dann hat man wieder diese schönen Plakate mit den hübschen Frauen auf den Plakatwänden mit den neuen Kleidern und jetzt wäre natürlich die Easy-Vorstellung für einen großen Bekleidungshersteller, man hat jetzt hier ein Abendkleid, das sieht gut aus, ein normales Model hat eine Kleidergröße 34, eine normale Frau 38, würde ich sagen. Jetzt hält die Frau, die morgens in den Bus steigt und zur Arbeit fährt, ihr Device über dieses Kleid mit dem Fotomodel, zieht das Ganze rein, sagt Größe, mit-toucht ihre Größe an und hat jetzt das Kleid meinetwegen in 38, kann das in allen Positionen drehen und sehen und gucken und sagt, Mensch, das ist toll, das gefällt mir an dem Model, das Model ist auch auf die Größe 38 angewachsen. Alles passt, der Shop-Anbieter oder Modeanbieter, Modehaus, stellt sich das jetzt so leicht vor, ich drücke auf das Knöpfchen und zahle meine, was weiß ich, was das jetzt kostet, 198 Euro meinetwegen und habe das gebucht und im Shop-System und weg ist es.
Bisher können wir in einem Shop-System berühren, solche Kleidungsstücke an bestimmten Stellen und bewegen, das ist möglich. Wenn aber ich das jetzt augmentiert mache, dann können unendlich viele Frauen dieses Kleid an den Stellen berühren, wo sie meinen, man müsste fast X hoch N sagen, nicht fast, sondern man muss es sagen, und können es überall berühren, was wiederum eine Unmenge von Datenmenge auslöst. Stellen Sie sich mal vor, bisher haben wir Datenmengen bei Amazon oder so, wenn wir so etwas betrachten, in einer Ebene von einer Schublade, kommuniziert mit der zweiten und der dritten, jetzt hätten wir eine Datenmenge von lauter Planeten, das macht die Sache schon komplexer, die umeinander kreisen, weil jeder kann überall berühren und muss überall sofort eine neue Situation bekommen.
Und jetzt stellen wir uns mal vor, dass 100.000 Frauen dieses Kleid in der gleichen Sekunde anklicken in Europa und dann denke ich, dass die Surfer in die Knie gehen werden, denn auch eine Cloud ist ein Surfer. Und die Frage ist halt, inwieweit kann man das jetzt schon für Endkunden skalierbar machen? Das geht sicher, wenn man es reduziert und eine Zugangsreduktion macht, aber für die ganze Welt ist das, wie es in einem bisherigen Werbemedium möglich ist, nicht möglich. Das heißt, wir haben noch einen ganzen Weg vor uns, bis Augmented Reality wirklich in alle Anwendungsszenarien Einzug erhält.
Ja, ich glaube auch, dass wir rechtliche Probleme haben, um die wir uns kümmern müssen. Stellen Sie sich mal vor, wir nennen das Ganze jetzt HelloAR, weil irgendwie muss man ja checken, dass das in dem Plakat drin ist, wo HelloAR draufsteht, ist auch AR drin, könnte man sagen. Und wir stellen uns jetzt Plakatwände, irgendwelche, wo Leute laufen, wo Leute mit dem Auto fahren, vor.
Und was machen die Menschen? Alle haben heute ein Device in der Hand, wenn sie die U-Bahn gehen, auf der Rolltreppe, überall. Natürlich wird der klassische Autofahrer, der jetzt was sieht, ui toll, hält sein Handy mal schnell über das Plakat und baut einen Autounfall. Wer hat denn jetzt Schuld? Ja, das ist auch eine Frage, die man mal klären muss, weil ich sehe was und nehme mein Handy in die Hand und gehe da drüber.
Kann das so gehen? Und das sind halt viele Sachen. Ich schaue auf ein Plakat, halte mein Handy über der Rolltreppe an so ein an der Rolltreppe hängendes Plakat, stolpere und breche mir das Genick. Was ist dann? Ja, ist nicht klar, ist offen.
Sie haben aber bislang noch keine Schadensersatzforderung bekommen als Firma. Wir haben bis dato auch noch keine Plakate gemacht mit Augmented, weil wir uns genau aus diesem Punkt zurückhalten. Okay, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das in den nächsten Monaten oder vielleicht Jahren kommt, die ist hoch.
Die ist hoch, ja. Und es ist auch der Druck der Marketingabteilungen da. Weil Marketingleiter natürlich was Neues wollen, das verstehe ich auch.
Aber ich würde halt nie Systeme nehmen, die unausgereift sind. Es wäre ja so ein bisschen das amerikanische Prinzip, ich verkaufe eine Software, von der habe ich 20% gebaut und die gehe ich jetzt mit einer Riesenmarketingblase in den Markt und dann habe ich eine Masse Kunden und dann wird die Software schon irgendwie werden. Also ich weiß nicht, ob das hier der sichere Weg ist.
Weil wirklich viele, das ist ja nur eine Software, wenn ich jetzt eine bestehende Software verändere, aber das hier ist eine ganz neue Welt, in der neue Regeln gelten und in der auch rechtlich neue Regeln gelten. Nicht nur Unfallsituationen, sondern auch patentanwältliche Rechte. Was ist denn, wenn der Schnitt des Kleides irgendein Patent beinhaltet? Und das kann jeder auf der Welt aufgrund des Betrachtens in einem bestimmten Punkt jetzt sofort nachmachen.
Wie ist da die Rechtslage? Aber das muss alles geklärt werden. Okay, ich gehe noch mal einen Schritt weiter, weil ich ja auch so ein bisschen weiß, was Sie jetzt machen und wo Sie Ihre Innovationen haben und letztendlich auch Forschung weiter treiben. Sie haben zum Beispiel eine Entwicklung, wo Sie aus einer zweidimensionalen Zeichnung ein dreidimensionales Modell über die App, über Augmented Reality oder Virtual Reality entstehen lassen können.
Können Sie dazu ein bisschen was sagen? Ja, also wir haben uns da beschäftigt mit zweidimensionalen Zeichnungen, zum Beispiel einer Lokomotive, eines Autos und so weiter und gesagt, wie komme ich jetzt dazu von der Logik, dass mein System erkennt, das hätte dieses 3D-Modell zur Folge und dann muss ich natürlich in einer Datenbank abfragen, wo es diese 3D-Modelle gibt, kannst du mir dieses 3D-Modell zur Verfügung stellen und dann muss ich es datenreduzieren, das soll über einen Automatismus laufen, das läuft momentan schon ganz gut und dann kann ich dieses Datenmodell augmentierbar machen, also berührbar an allen Stellen und habe so aus dem 2D-Modell ein 3D-Modell gemacht, ohne groß von Hand zu bauen. Bisher musste man ein solches Modell von Hand reduzieren und dann augmented von Hand nachbauen, das geht jetzt automatisch. Wo ist der Vorteil von der zweidimensionalen in die dreidimensionale Welt? Dass der Betrachter einfach, wir sind alle Bildwesen, wir sehen ja Dinge über die Optik, die Wahrnehmung geschieht eigentlich über Bilder, auch wenn wir uns Dinge speichern in unserem Gehirn, bilden wir die meisten Eselsbrücken, wie es die Forschung uns sagt, über Bilder und wenn ich eine bildliche Welt habe, mir die Technik besser vorstellen zu können, dann kann ich damit natürlich viel mehr Anwendungen abdecken.
Stellen Sie sich mal ein ganz abstraktes Beispiel vor, wir sitzen langweilig in der Schule, haben komplexe Mathematikaufgaben, Physikaufgaben zu lösen und können uns einfach nicht vorstellen, was das Ganze soll und wenn ich jetzt das Device darüber halte, dann könnte ich sehen, eine Anwendung dieser Formeln. Aha, dafür brauche ich das. Dann geht es leichter, das zu verstehen.
Man kann den Verständnisprozess verkürzen und viel mehr beschleunigen. Für die Zuhörer nochmal, wir werden, glaube ich, zu dieser Folge, auch zu dem letzten Teil der Folge, einiges auch in die Schonuhrs packen, weil ich glaube, das Thema Bilder ist gerade im Zusammenhang mit Augmented Reality ganz wichtig. Also, wer sich ein bisschen vertiefen möchte an der Stelle, wir werden ein paar Beispiele in die Schonuhrs packen, um sie einfach auch visuell abzuholen und Ihnen zu zeigen, wie das Ganze funktioniert an der Stelle.
Das ist ein spannender Bereich, Education, was Sie hier ansprechen. Ja klar, viele unserer Schüler, auch meiner Studenten, sind visuell unterwegs und wenn ich ihnen zusätzliche Informationen, zusätzliche Dinge an die Hand geben kann, hilft das mit Sicherheit in der Ausbildung. Ja, also da würden wir uns freuen.
Wir haben jetzt was gegründet, das heißt Bildungsoffensive Digital oder auch Bayerische Bildungsoffensive Digital. Es gibt beides und daraus resultierend wollen wir einfach einen Part machen in unserer Plattform, die eben Bildungsoffensive heißt und zeigt, was können Bildungsträger mit diesen Dingen anfangen und wie können sie unsere Plattform nutzen. Jetzt kommen wir nämlich auf einen ganz wesentlichen Punkt.
Wenn sie Augmented Reality machen und sind der Erfinder einer neuen Windturbine, dann muss derjenige, der diese Augmented Reality für sie macht, erst mal sie komplett verstehen. Wenn er ein Augmented Anbieter ist und dieses Problem haben alle Augmented Anbieter, die das momentan von Hand machen, dass sie einfach unterschiedliche Kunden haben und in einer Tiefe in diesen Kunden einsteigen müssen, wie man es bisher nicht musste. Weil ich muss ja die technischen Abläufe, ob das jetzt designerische Abläufe sind, ob das technische Entwicklungen sind, ob das Marketingaspekte sind, ich muss sie in der absoluten Tiefe eines Unternehmens verstehen.
Das heißt, wenn ich heute 100 Artikel eines Unternehmens darstellen möchte in Augmented Reality, dann weiß ich im Grunde mehr als ein Sachbearbeiter, der diese 100 Artikel schon 20 Jahre in diesem Unternehmen verkauft. Wie komme ich denn zu diesem Know-how? Das ist unser Kernproblem gewesen, das wir damals in der Pion erkannt haben, ab dem Jahr 2015 rum etwa und gesagt haben, na gut, wir müssen etwas entwickeln, dass der Kunde selbst Augmented Reality Situationen mit seinem Wissen bilden kann, dass er uns gar nicht mehr braucht. Dass er uns vielleicht mal unterstützen braucht für irgendwie, ich komme mit dem Programm nicht klar, aber er muss es selbst tun, denn dieses Know-how können wir nicht einsammeln.
Ich kann ja nicht heute Autos machen, morgen Abendkleider, dann Medizintechnik oder irgendwelche Gen-Sachen. Geht nicht. Deshalb die Plattform, die es ermöglicht, allen Anbietern oder auch Augmented Leuten, ich lade sie gerne ein, die auszuprobieren, ihre Beispiele automatisch selber durchzuspielen mit ihrem Wissen, das sie dazu haben.
Baubranche zum Beispiel gehört auch dazu. Ich kann als Nicht-Architekt oder Nicht-Bauleiter nicht wissen, wie das alles funktioniert. Wie soll ich es dann bauen in Augmented? Verstehen Sie mein Problem? Sie unterstützen Unternehmen dabei, ihre eigenen Anwendungsszenarien zu entwickeln.
Sie haben eine Plattform, die Sie dafür zur Verfügung stellen. Die Unternehmen können letztendlich selber realisieren und für den entsprechenden Mehrwert sorgen. Das haben wir mit Schwind zusammen geplant, mit der Firma Schwind Cutcom aus Coburg, dem Herrn Dr. Ralf Seidler, dass die Leute diese Plattform, die wir jetzt gebaut haben, eigenständig nutzen können.
Jeder muss kein vertieftes Augmented-Wissen haben über die Mathematik und Physik, die dahintersteht. Der muss seine Produkte kennen, seine Technologie kennen und kann die Plattform nutzen, um seine Produkte, Technologien erstmal Augmented abzubilden und in AR2Go mitzunehmen. Das wäre mal der erste Step.
Die dann zerlegen und umzubauen, auch das ist schon möglich. Aber dazu müssen wir die Leute auf die Plattform einschulen. Wie funktioniert es? Das ist einfach, aber es ist wie immer, wenn ich heute einen PC in einen Mac wechsle und 20 Jahre am PC gearbeitet habe, dann habe ich auch Berührungsängste vor dem Apple-Computer.
Ist normal oder umgekehrt. Jetzt geben Sie mir die Steilvorlage. Wir haben schon über ganz viele Szenarien gesprochen.
Ich würde gerne ein paar Szenarien, die immer wieder auftauchen in dieser Augmented-Reality-Welt, Ihnen vor die Füße werfen, dass Sie ein paar Takte dazu sagen. Ein Anwendungszweck, der mittlerweile immer häufiger auftaucht, ist das Thema Immobilien. Was hat es damit auf sich? Wie schwierig ist es? Wie groß ist der Nutzen an der Stelle? Der Nutzen ist schon sehr groß.
Wir haben mit der Sparkasse Fürth ein Testprojekt gemacht, das dahingehend läuft, dass Sie sagen, ich habe diese Zettel an der Sparkasse beim Geldautomaten kleben, ich soll mir eine Wohnung kaufen. Was macht der normale Mensch? Wenn ihm eines dieser Bildchen gefällt, dann fotografiert er dieses Bild und geht nach Hause und sagt, Schatz, schau mal, was ich habe. Jetzt sagt Schatz, mein lieber Ehemann, ich habe das schon augmented, macht die entsprechende App auf, hält das über das Foto des Mannes in seinem Device und plötzlich sehen wir das Haus auf dem iPad von der Ehefrau.
Dann geht sie durch das Haus durch, führt ihn durch und kann sagen, jetzt schauen wir uns dieses Haus an. Gleichzeitig gibt es neben der AR-Betrachtung noch eine 360-Grad-Kamera-Aufnahme, wie es seit vielen Jahren existiert, diese Google-Kamera-Geschichten. Man kann das auch ein bisschen live sehen.
Das führt natürlich dazu, zu einem wesentlichen Vorteil, dass in der Regel Leute sagen, Herr Immobilienverkäufer von der Sparkasse oder von der anderen Bank ist egal, ich komme zu einem Termin um 19 Uhr, wenn wir dann mit der Arbeit fertig sind und das Objekt ist 30 km entfernt, der Immobilienverkäufer fährt dahin, der Kunde kommt halt nicht. Der Motivationsgrund über eine so vorgezogene Betrachtung ist der, dass wenn die jetzt ein Haus angeguckt haben und sagen, oh, das ist es aber nicht und die würden dann zum Abendessen oder zum Fernsehen übergehen, zeigt eine Datenbank plötzlich noch mal 20, 30 weitere Augment-Häuser, die in der Nähe liegen über GPS, wo der wohnt oder ähnlich und dann können die sich 20, 30 anschauen und wenn sie sie so vertieft betrachten und diese Bildwelt erleben und sagen, Mensch, das Haus, das könnte es sein, dann gehen die auch zu dem Termin. Und es ist leider so, dass sehr viele Immobilientermine und das sind jetzt Leute, wenn wir jetzt wieder die Bank nehmen, die natürlich abends einen Zusatzlohn für die Nachtschicht kriegen und die da rumfahren, die Fahrzeugkosten produzieren, die Personalkosten produzieren, die Umwelt verschmutzen und was auch immer noch alles tun, aber sehr viele Kosten einfach Minuskosten sind, weil die Leute einfach nicht kommen.
Und so ist der Kunde, sagt der Mensch, das habe ich gesehen, das schaue ich mir wirklich an und genauso kann man auch dann, wenn er sagt, ich mache das verbindlich, dann klickt er einen verbindlichen Termin und dann macht er den aus und dann kostet der vielleicht auch Geld, wenn er nicht kommt, weil er quasi schon einen Vorvertrag schließt, zumindest zu dem Termin zu gehen. Ich glaube, Sie haben gerade noch mal ein ganz wichtiges Plädoyer auch für dieses, was ich Unternehmensdatenfundament nenne, aufgezeigt. Also nicht nur, dass wir den Kunden durch dieses Objekt durchführen können, das ist State of the Art, das machen ja heute schon viele Makler, sondern dass wir darüber hinaus, wenn wir wissen, welche Aspekte des Objektes er besonders interessant findet, in der Algorithmik ein Matching zu anderen Objekten vornehmen können, das ist sicherlich noch ein Schritt in die Zukunft, aber nicht in die weit entfernte Zukunft, um ihm dann in seinem Umkreis Objekte zu zeigen, die vielleicht von den Attributen, die dort gematcht wurden, viel dichter anders dran gehen, was der Kunde eigentlich sucht.
Genau das ist es. Damit sind wir beim Unternehmensdatenfundament. Wir haben schon ganz viel gesprochen über CAD.
Ist das für Sie der Hauptzweck? Also das ist, glaube ich, gar nicht so präsent, weil man immer dieses Beispiel im Kopf hat, Mensch geht durch eine Maschinenhalle oder der Wartungsmechaniker kommt und sieht dann auf dem Device, was er zu tun hat. Aber ist die CAD-Welt nicht vielleicht das viel größere Anwendungsszenario aus Sicht von Unternehmen? Selbstverständlich, weil ich natürlich frische Daten habe. Ich muss keine Daten nachbauen, irgendwo eruieren, über verschiedene Lasersysteme einscannen usw., sondern ich habe die Daten.
Und da geht es natürlich besser. Wie kann ich mir das dann vorstellen? Sie bauen ein dreidimensionales Modell. Bleiben wir bei der Baubranche.
Wir nehmen jetzt an, wir haben jetzt mal 20, 40 Eigentumswohnungen in einem Gebäude mit einem bestimmten Schnitt. Da sind die ganzen Architekturpläne und die CAD-Daten vorhanden. Die ziehe ich runter, reduziere sie automatisch, ziehe sie in unsere Plattform und habe das Ganze argumentiert.
Fertig. Wunderbar. Funktioniert gut, ist sofort anwendbar.
Jetzt stellen wir uns das Ganze mal vor im Verkauf von Gebrauchthäusern. Gebrauchthäuser sind abgewohnt, haben verschiedene Aspekte, vielleicht sind sie auch nicht abgewohnt, aber die sind eingerichtet nach dem Geschmack des bisherigen Inhabers. Das ist vielleicht nicht der Geschmack des zukünftigen Käufers.
Jetzt habe ich zwei Probleme. A, ist das Haus vielleicht aus den 60er, 70er Jahren? Da gibt es nicht mal mehr Baupläne. Also muss man alles nacherfassen, die ganzen Daten.
Das kann man Studenten machen lassen, das kann man Schüler machen lassen. Das ist alles möglich und geht auch über verschiedene Aufnahmegeräte. Relativ einfach, kostet einfach nur Zeit.
Ist natürlich anwendungsaufwendiger, als wenn der Makler reingeht und an der schönsten Stelle ein Foto schießt. Wenn ich das jetzt zeige, zeige ich das mit der Wohneinrichtung des bisherigen Besitzers. Hier kann ich ja jetzt auch ein Geschmacksproblem stellen.
Weil der Mensch ist bei Device und bei allem irgendwie so trotzdem auf Fernsehen gebrändet und wenn mir im Fernsehen was nicht gefällt, schalte ich um. Wenn ich eine Hauseinrichtung sehe, die jetzt wieder meines Geschmackes ist, obwohl das Haus schön wäre, dann gehe ich vielleicht auch raus. Ja, das ist ein Aspekt, der die Sache dann eben nötig macht, dieses Haus nur Augmented zu zeigen und zu zeigen, aha das sind die Räume, so schaut es aus und dann vielleicht nur ein Bildchen, wie es im Zimmer ausschaut und wir verzichten auf den realen virtuellen Rundgang.
Da würde es sich dann anbieten, aber hier muss ich halt diese ganzen Daten, wie gesagt, alle erstmal haben. Ja, ich kann sie automatisch reduzieren und auch wieder reinstellen, nur eben nicht in dieser Geschwindigkeit, wie ich es beim Neubau mit neuen CAD-Daten tun kann. Ich sehe aber einen riesen Vorteil für jeden, der sich für Immobilien interessiert, weil er das Gebäude nackt bekommt.
Das ist der eine Punkt und ich sehe, dass wir da auch auf eine Vertikalintegration hinaufen, wo die Baubranche oder andersherum der Möbelhandel sicherlich in Zukunft die Ausstattung des zukünftigen Wohnens in bestimmten Gebäuden dann auch sehr stark treiben wird. Das ist richtig und da hat er jetzt auch wieder unsere Plattform, weil er kann jetzt zum Beispiel, wenn das Objekt auf der Plattform ist und wenn der Objektbesitzer sagt, okay, Möbelausstatter X oder Stofferaumausstatter Y, was weiß ich, dann kann der unsere Plattform nutzen, um seine Sachen reinzuräumen in das virtuelle Gebäude und dann sieht es natürlich schöner aus und dann sagt der Mensch, da kaufe ich mir jetzt gleich die Küche dazu oder mache ich das. Das ist so der Markt, den ich auch sehe.
Das heißt, wenn wir diese Vertikalintegration betrachten, Ikea oder die Möbelbranche stattet im Grunde genommen auf Basis von dreidimensionalen Daten das Gebäude aus, hebelt damit natürlich auch Leistungen, wenn sie die selber anbieten, des heute selbstständigen oder unabhängigen Baugewerbes aus und hebelt vielleicht auch Leistungen aus, wo wir heute noch Makler haben, die versuchen, das als unabhängige Wertschöpfungsplayer in diesem Kettenzusammenhang zu spielen. Das ist richtig, ja. Wir haben einen Feldversuch gemacht mit dem Fraunhofer-Institut und der Wieso hier in Nürnberg vor zwei Jahren mit dem Josefs.
Das Josefs ist ein Marktplatz in der Nähe des Josefsplatz von Nürnberg, heißt aber nicht Josefs wegen des Platzes, sondern es kommt von Josef Fraunhofer, eine Marktforschungsgesellschaft, die es ermöglicht, Inseln aufzustellen und in diesen Inseln mal das Projekt erforschen zu lassen. Und da haben wir das Projekt Immobilien durchgespielt, war in Nürnberg, wir waren ein bisschen mit der Sparkasse Fürth verbunden oder sind es heute auch immer noch, aber es war halt Nürnberg und dann haben wir uns entschieden, unseren Kunden Schultheiß Wohnbau zu nehmen und mit der Frau Schultheiß zusammen haben wir dann diese Insel gestaltet und haben das, was wir gerade eben besprochen haben, einfach mal live durchgetestet und haben das sechs Monate, drei Monate testen lassen und dann Ergebnisse bekommen und haben genau das Ergebnis, das sie jetzt auch reflektiert haben, schriftlich erhalten. Also haben das aus der Auswertung gesehen, da würden sich riesige Märkte eröffnen und für andere würden die Märkte halt zugehen.
Die Sache wird übrigens noch interessanter, wenn Blockchain greift, weil dann ja sich viele Berufe, ich habe die Daten einmal und speichere die überall hin, wie in ein virtuelles Fahrten- oder Kassenbuch und sehe überall, zack, zack, zack, die gleichen Datensätze und kann dann sagen, okay, dieses Objekt will ich, will ich nicht, da kann es auch suchen lassen, dann brauche ich überhaupt keinen Makler mehr, das ist schon richtig, aber dann brauchen wir auch keinen Banker mehr, keinen Notar mehr, das wird alles eine andere Welt werden, die sich jetzt öffnet. Also ich denke, wir sind jetzt an der Stelle, als uns damals in den 80ern jemand gesagt hat, er habe eine Website, haben wir gedacht, der ist verrückt, da hätte man sich kein Google, kein Facebook, die Zukunft einfach nicht vorstellen können. Sie haben gerade das Stichwort Marketing-Marktforschung, Marketing-Marktforschung, Produktvisualisierung in dem Kontext zum Ausprobieren genannt.
Ist es etwas, was Augmented Reality auch sehr stark treibt, dass man einfach versucht auszuprobieren, welche Geschmäcker hat der Kunde, was könnte ihm zukünftig besonders gut gefallen? Ja, auf alle Fälle. Also es geht einmal um den Geschmack des Kunden und es geht auch um die neue Produktdarstellung von Technik. Wenn zum Beispiel durch künstliche Intelligenz ein Produkt, das bisher so gebaut wurde, plötzlich ganz andere Strukturen hat, ganz anders aussieht, wenn der Ingenieur das betrachtet und sagt, um Gottes Willen, wie sieht das aus, warum hält das? Dann lässt es sich mit Augmented halt ausprobieren.
Und das Gleiche gilt für kaufbare Produkte oder vielleicht sogar Dienstleistungen, dass ich die einfach augmentiert zeigen kann und der Kunde seinen Geschmack viel schneller, viel präsenter hat und näher dran ist an dem, was möchte ich denn kaufen, als über bisherige Methoden. Also es bleibt spannend, dieser ganze Bereich. Wir sind angefangen in der letzten Woche und haben gesagt, Vorsicht, wir müssen auch ein bisschen die Erwartung bremsen.
Das, was Marketing will, ist heute vielleicht noch nicht alles machbar. Die heutigen Devices, die sind gut, wir können viel realisieren bereits, aber eben längst noch nicht alles. Wir sind noch dabei, selber zu üben.
Also ich spreche jetzt nicht bewusst Ralf Scheidt, Pion AG, sondern die Welt, die Menschen, aber es kommt. Und ich habe jetzt vor mir so ein paar Vorhersagen von verschiedenen Futurologen mal rausgesucht in Bezug auf Augmented Reality, Virtual Reality. Ich würde sie einfach mal bitten, selber einzuordnen, ihr Gefühl, wann diese Dinge kommen mögen.
Also das Thema Hand-Tracking in Mobile Virtual Reality. Ist das State-of-the-Art? Wann, glauben sie, kommt das, dass man selber reingreifen kann in diese Modelle? Mit der eigenen Hand in der Virtual Realität oder über ein Hilfsgerät, das man in der Hand hat? Das ist wahrscheinlich schon State-of-the-Art. Ja, also dass man selber reingreifen kann und das Gewicht und all die Dinge spürt.
Da ist die Hochschule Karlsruhe dran, die bauen einen Käfig, in dem man sich bewegt. Und eine sehr beeindruckende Situation, das ist die Frau Professor, Moment, ich schaue nach, Ofta Karova, die ist die Institutsleiterin von dem KIT, das ist das Institut in Karlsruhe, und die bauen einen Käfig, in dem man das relativitäts-, realitätsnah schon erleben kann. Und inwieweit man jetzt mit Gewichten und Spüren von Gerüchen und so weiter das wahrnehmen könnte, da arbeiten die auf Hochdruck dran.
Aber auf wissenschaftlicher Basis ist es keinerlei Marktreife. Kann man gerne im Internet einsehen, ist spannend. Vielleicht können Sie sich auch mal zum Interview wählen, weil sie da auf einem ganz anderen Weg unterwegs ist, aber die Wege sich irgendwann wieder treffen werden, auch mit uns.
Und bis das mal soweit ist, denke ich, dass es drei, vier Jahre noch hat. Das ist genau das, was die Futurologen auch sagen. Also meine Angaben, die ich hier habe, so um 2021 herum.
Ich meine, keiner kann in die Zukunft gucken, das ist nun mal so. Aber das sind Themen, die auch auf einem Radar von vielen Leuten sind. Das Thema klassischer Bildschirm, den wir heute noch haben.
Wir haben ganz viel über VR oder AR-Brillen auch gesprochen an der Stelle. Wann werden wir den los? Wann finden wir andere Arten, in der virtuellen Welt zu arbeiten? Ich denke, dass das eines der schnellsten Themen sein wird, weil sehr, sehr viele junge Leute einfach das Touchen und das Berühren mehr und damit zu arbeiten jetzt schon im Griff haben. Wenn Sie in Asien heute in ein Hotel gehen, dann verbinden Sie Ihr iPhone sofort mit dem großen Fernseher und arbeiten am iPhone die Sachen ab.
Das ist jetzt so ein Zwischenschritt noch. Aber wenn Sie heute in ein deutsches Hotel gehen, haben Sie das nicht. Da müssen Sie erst einen Dongle mitbringen und in den HDMI-Anschluss stecken und alles Mögliche tun, dass das mal geht.
In Asien ist es schon gang und gäbe, dass man so arbeitet, dass man gar keinen Laptop mehr dabei hat. Dass man nur durch Touch und Schieben bewegen kann, denke ich, ist auch… Naja, die nächsten zwei Jahre werden vieles zeigen, denke ich da. Klassischer Wildschirm ist hier prognostiziert mit 2025.
Ich sage mal, egal ob es zwei, drei, vier Jahre früher oder später kommt. Das sind die Themen, die uns in der nächsten Dekade natürlich sehr stark bewegen werden. Das Thema Holodeck haben wir auch schon so ein bisschen angesprochen, was heute schon möglich ist.
Wann sehen Sie die Ganzraum-Simulationen, Mixed-Reality-Reisen? Sind das Dinge, die realistisch sind, die irgendwann kommen werden? Ich denke schon. Aus dem Fraunhofer-Fraunhofer-Nürnberg hatte ja im Nordostpark das Holodeck. Die Betreiber, die dortigen Wissenschaftler, die das gemacht haben, die haben sich damit ja jetzt selbstständig gemacht und gehen in Freizeitparks, um das auszuprobieren.
Also sind ein spannendes Start-up. Start-up heißen auch Holodeck. Ich denke, dass diese Decks, auf denen man dann lernt, sie werden wahrscheinlich am Anfang Lernzwecke und Freizeitzwecke haben.
Für Lernzwecke ist es einfacher, weil man das immer wiederholen kann. Für den Freizeitzweck muss ich halt immer wieder den Kick geben und muss was Neues bringen und kann nicht stehen bleiben. Daher als Lernzweck vielleicht relativ nah, auch in den nächsten fünf Jahren.
Okay. Jetzt wird es dann langsam gruselig, auch in der Prognose der Fotorologen. Anschluss des menschlichen Gehirns direkt in die virtuelle Realität.
Naja, es gibt ja schon ein paar Verrückte, die sich ein Chip haben einsetzen lassen, um virtuell zu sehen oder irgend sowas zu machen. Das sind natürlich die Anfangsleute. Die Frage ist, ob man es über einen Chip einpflanzen muss oder ob man dann schon soweit sein wird, dass man gewisse Zellen über die Feldschwingung, die ein Körper eben abgibt – wir sind auch schwach stromdurchflossene Leiter – und ob man in diese Stromflüsse eine Informatiklogik reinbringt und uns dadurch anders konfigurieren kann und wir das auch anders nutzen können, dass wir gar nicht mehr irgendwas in uns hinein operieren lassen müssen, sondern über diese Feldströme steuern können.
Das ist ja momentan die große Frage. Wann das kommen wird? Naja, also ich denke, in 20 Jahren ist es da. Ja, also das ist auch genau das, was die Fotorologen vorhersagen.
20, 22, 25 Jahre, dann sind wir dort. Für alle die Zuhörer, die noch unter 65 sind, wird das mit sicherlich etwas sein, was uns bewegen wird. Und das ist natürlich sehr, sehr spannend, weil das zumindest in der betriebswirtschaftlichen Welt auch immer voll in das Unternehmensdatenfundament mit reingreift.
Herr Scheid, ich möchte mich ganz, ganz herzlich bedanken für die vielen, vielen Insights, die Sie uns gegeben haben zum Thema Augmented Reality. Ich glaube, wir haben heute und letzte Woche mit jemandem gesprochen, der wirklich ganz, ganz tief drin sitzt, der die Forschungsinstitutionen auch kennt, der wirklich weiß, was unten links passiert und oben rechts passiert und was geht und was nicht geht. Insofern danke ich doppelt dafür.
Ich möchte Sie aber nicht entlassen, ohne mit mir ein bisschen durch meine Fragen aus der Blitzlichtrunde gegangen zu sein. Sehr gerne. Ich bedanke mich auch sehr herzlich schon mal an der Stelle.
Jetzt haben Sie selber gesagt, Sie sind nur Betriebswirt. Da muss ich natürlich als Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik einhaken. Aber Sie sind ja nicht nur Betriebswirt, sondern Sie sind ganz viel auch mathematisch, ingenieurwissenschaftlich in Ihren Forschungsunternehmungen unterwegs.
Warum sind Sie, und ich hatte vorhin auch noch eine virtuelle Hausführung, das muss ich auch dazu sagen, Sie haben mir auch gezeigt, wie Sie künstlerisch arbeiten. Früher hätte man wahrscheinlich gesagt, ein Universalgelehrter oder ein Universalgenie, das mag die Geschichte zeigen. Aber warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Weil mich Leonardo da Vinci immer fasziniert hat, der ein Universalgelehrter war und eben von der Malerei seine Technik abgeleitet hat, was ich auch tue.
Dass ich durch die Malerei neue technische Ideen sehe, aus den Bildern, die für einen vielleicht nur ein komischer Strich sind. Für mich ist es dann halt ein Datenfluss oder irgend sowas, wo mir neue Dinge einfallen. Ich hatte natürlich die Chance, dass wir durch Scheid und Partner, da muss ich mich auch bei meinen sehr treuen Kunden bedanken, die uns die letzten 20 Jahre begleitet haben, dass die uns eine gesunde Finanzbasis gegeben haben.
Dass wir uns eben auch noch kreativ weiterentwickeln konnten und sagen konnten, okay, jetzt können wir da mal Geld in die Hand nehmen und können das investieren. Und dann halt in diese neuen Ideen. Und wenn man neue Ideen hat, trifft man Menschen, weiß jetzt nicht, ob das morphogenetische Felder sind oder so, die ähnlich denken.
Wie man sagt, das Gesagte wird ja, wenn einer was sagt das erste Mal, dann wissen es andere auch. Und dann trifft man sich in solchen Kreisen und entwickelt was zusammen und entwickelt neue Teams und sagt, okay, wir gehen jetzt da mal hin und machen ein neues Unternehmen. So ist die PionOne entstanden.
Also, die aus zwei Investoren besteht, dem Herrn Florian Pittroff und mir, die nicht durch eine Bank finanziert ist. Und wo wir jetzt wirklich sagen müssen, für unsere kleinen bescheidenen Fähigkeiten haben wir hier im einstelligen Millionenbereich investiert und haben keine Schulden gemacht. Wir sind also sozusagen unsere eigenen Geldgeber und hoffen, dass es klappt.
Würden Sie das auch als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen? Ja, schon. Welche Eigenschaften haben Sie, die man in Ihrem Beruf, soweit es ein Berufsbild überhaupt gibt, besonders gut brauchen kann? Dass ich betriebswirtschaftlich denken kann. Also das wird zwar von Ingenieuren und allen immer, der Kaufmann reitet auf dem Ingenieur, so der klassische Spruch, ja.
Aber wenn man mal ein bisschen mit Zahlen umgehen kann und sagen, hallo Leute, hier forschen wir ins Nirwana und da müssen wir stoppen und hier müssen wir einen Riegel vorschieben und das müssen wir hier beschleunigen und dann müssen wir hier was aufbauen, dass wir da ein Kostenmodell entwickeln können und dann können wir die Kosten von links nach rechts und dann geht’s. Also das hat mir schon jetzt ganz, ganz große Vorteile gebracht, in all dem kreativen und technischen Denken. Sie sind ja auch selber Dozent und bringen, glaube ich, Kreativen auch ganz viel betriebswirtschaftliches Know-how bei, oder? Also das war für mich wichtig.
Ich habe mal den Mund etwas weit aufgerissen an der Fachhochschule und habe gesagt, warum gebt ihr denn euren ganzen Computer-Animations-Designern und Kommunikations-Designern und wie sie alle heißen und Informatikern keinen BWL und keine Rechtsstunden? Weil ich in den 20 Jahren, in denen ich mich mit der Agenturscheidung und Partner beschäftigt hatte, jetzt überwiegend meine Schwester macht mit dem ganzen Team, was auch schön ist, wir haben Mitarbeiter, die sind dort schon seit 22 Jahren tätig, ist unglaublich, aber ist schön und freut mich auch sehr. Und dass da immer viele Leute plötzlich an der Tür standen und geklingelt haben und gesagt haben, wissen Sie, ich brauche dringend Geld, ich habe zwei Kinder, mein Mann hat mich verlassen, ich habe das studiert und kein Kunde, für den ich Grafikdesign mache oder für den ich Webseiten entwickle, zahlt seine Rechnung ordentlich. Und gerade in diesen Berufen mal die Grundlagen kaufmännischen Handelns, wie ist denn ein Mahnverfahren und wie mache ich das alles und wann habe ich meinen Break-Even-Point erreicht? Nicht einfach gucken, das ist nichts Buntes, was man malt, sondern wie rechne ich den und wie rechne ich vielleicht vorher, bevor ich eine Grafikagentur, bevor ich eine Webprogrammierfirma aufmache, ein Mannbüro zu Hause, macht es überhaupt Sinn? Und vor allem dann auch noch als weiteren Schwerpunkt, hört man nicht gern, aber ist so, dass man auch mal sagt, Leute, wann ist es zu Ende, wenn ihr drei Jahre gearbeitet habt und habt jetzt 150.000 Euro Schulden mit eurer One-Man-Show? Wie komme ich denn da wieder weg, ohne eine Insolvenz anzumelden und wie kann ich geregelt, wenn ich einen Job finde, das alles wieder bezahlen? Weil die Leute haben wir ja sehr, sehr oft, dass sie einfach hoch verschuldet sind und dann halt flehendlich um eine Anstellung bitten und über Jahre das Abknabbern, wo sie von ihren Kunden, die sie wirklich gut betreut haben und für die sie unheimlich viel kreativ Leistung eingebracht haben, aber nie darüber nachgedacht hat, dass das ja mal was kosten muss.
Wie kann man das koordinieren? Und das hat sehr schön geklappt. Da hat die Firma Faber-Castell mit der privaten Hochschule, also dem Hochschulprogramm der Diploma BWL und Recht geschaffen. Also es gibt einen Rechtsdozenten, der das auch von rechtlicher Seite betreut, der ist in der Musik künstlerisch tätig, ich bin im Malen künstlerisch tätig, deswegen sind wir auch bei den Kreativen akzeptiert.
Das ist spannend und ich finde das immer toll, wenn Leute aus der Praxis, die, sage ich jetzt mal, nicht rein nur Praxis machen, sondern auch sicherlich in der Forschung behaftet sind, dann dieses Wissen, diese Erfahrung auch an vielen, vielen Stellen weitergeben. Das freut mich immer ganz besonders, weil das ist, glaube ich, unsere Verantwortung auch gegenüber der nächsten Generation, gegenüber den jungen Studierenden, die erst noch Erfahrung sammeln müssen. Erfahrung sammeln ist das Stichwort, Weiterbildung, lebenslanges Lernen.
Wie bildet man sich im Bereich AR? Wie bildet sich ein Ralf Scheidt weiter? Also ich muss sagen, das Internet eröffnet uns die Möglichkeit, uns weltweit weiterzubilden. Es ermöglicht uns hier gerade Ansätze, die aus Asien kommen, Ansätze, die aus Nordamerika kommen. Das sind sehr, sehr gute Leute, weil in Nordamerika, also AR kann man ja nun mal zurückführen ein bisschen auf die Spieleentwickler.
Wir haben in Kanada sehr viele Spieleentwicklungsfirmen sitzen. Man kann die neuesten Trends ablesen. Man kann auch aus den bestehenden Software-Geschichten, wie die Unity-Plattform, auf der ja viele Spiele aufsitzen, auf der sehr viele Entwickler ihre AR-Lösungen bauen, Vuforia, das PTC in Amerika, die die Marker-Erkennungs-Software für Kameras entwickelt haben.
Schauen, was gibt es Neues, was kann man tun, dass man das Rad eben kein zweites Mal erfindet. Das ist auch sehr wichtig, weil viele Leute entwickeln gerade mal irgendwas, was es schon gibt und dann auch noch als Open Source. Wie wird sich die Berufswelt in Ihrem Umfeld in den nächsten zehn Jahren verändern? Ein paar Prognosen haben wir ja schon gewagt.
Also ich bin sehr gespannt auf Blockchain, was da kommt, weil das wird vielleicht mehr Wahrheit im Internet branden oder sichern. Und die Berufswelt wird sich so verändern, dass ich sehr viele Dinge eben virtuell machen kann, dass ich kein Gerät mehr habe, in das ich eintippe, dass sich die üblichen Beziehungen zu Banken und allem Möglichen automatisieren. Das ist manchmal auch so ein Horrorszenario, weil ich habe schon gern persönliche Berührungspunkte, aber das wird wahrscheinlich kommen.
Es bleibt spannend, wenn Sie jetzt, und das ist ja der Hintergrund unseres Podcasts, das Unternehmensdatenfundament anschauen, Unternehmenssoftware, insbesondere ERP, aber auch vielleicht Technologien drumherum. Was sind die ganz besonderen Herausforderungen, die Sie die nächsten Jahre dort sehen? Also ich denke, ERP-Systeme werden auf keinen Fall obsolet werden, sondern sie stellen einen wesentlichen Bestandteil dar. Und wenn alle immer über künstliche Intelligenz reden, dann sehe ich es eher so, dass künstliche Intelligenz, muss man mal definieren, was kann wurzeln jetzt zum Beispiel wirklich und was ist Maschinen-Learning? Bisher glaube ich, dass wir noch nicht da in so einer richtigen künstlichen Intelligenz sind, sondern wir sind in einem erweiterten Maschinen-Learning-Modus.
Und da brauche ich unbedingt ERP-Systeme, wie komme ich denn zu den ganzen Datensätzen? Also es bleibt spannend an der Stelle. Ja, ich würde Ihnen zustimmen, aber bevor ich jetzt hier aushole, schaffen wir noch einen dritten Teil. Insofern schließe ich das an dieser Stelle ab.
Möchte mich ganz herzlich bedanken. Die letzten Worte sind natürlich wie immer die meines Studiogastes. Nochmal herzlichen Dank.
Wir werden sehr, sehr viel Ihrer Dinge, die Sie uns auch genannt haben, einfach weil es um die virtuelle Welt geht, um Bilder, um Verständnis, werden wir natürlich auch links auf den Webseiten www.erp-podcast.de bzw. in den Shownotes verlinken. Also dafür ganz, ganz herzlichen Dank.
Und wie immer, die letzten Worte sind Ihre. Ich bin an dieser Stelle raus. Danke ganz herzlich und wünsche eine schöne Restwoche.
Ja, da bedanke ich mich auch ganz herzlich, Herr Prof. Winkelmann. Aber ich bedanke mich auch ganz herzlich bei den Zuhörern und wünsche mir natürlich, dass ich so verstanden werde, dass ich hier nicht der Geheimniskrämer mit der neuen Wunderplattform bin, sondern innovative Leute, die sich angesprochen fühlen, die sagen, okay, da sind wir auch unterwegs. Vielleicht können wir auch vieles besser als dieser Scheit.
Zeigen wir es ihm einfach mal. Wir sind nicht die, die sagen, wir haben jetzt die Welt neu erfunden, sondern wir sind gerne bereit zuzuhören, neue Ideen aufzunehmen, neue Businessmodelle zu bilden, uns zusammenzufinden und weiterzukommen. Denn das ist ein spannendes Umfeld, dieses AR.
Und es braucht wirklich kluge Leute, die sagen, okay, ich packe das auch an und Leute, die Mut haben, das zu tun. Und wir würden das auch gerne finanziell unterstützen, soweit es uns möglich ist. Vielleicht gibt es ja auch mal Fördermittel.
Mal schauen. Bisher waren wir leider schon zu weit in der Entwicklung. Aber da würde ich mich freuen, wenn man auf uns zukommen würde.
Herzlichen Dank. Ja, herzlichen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann.
Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.