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#87 - Bedarf und Bedürfnis - ein historischer Ausflug in den Weltraum...
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Bedarf, Bedürfnis – was ist da eigentlich der Unterschied?
Wie verändern sich die Geschäftsmodelle und damit unser Datenfundament?
Und warum war gestern ein historisches Datum?
Eine Folge für alle, die sich mit dem Unternehmensdatenfundament und unseren Geschäftsmodellen beschäftigen.

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Bedarf und Bedürfnis – Ein historischer Ausflug in den Weltraum Bedarf? Bedürfnis? Was ist da eigentlich der Unterschied? Wie verändern sich die Geschäftsmodelle und damit unser Datenfundament? Und warum war gestern ein historisches Datum? Eine Folge für alle, die sich mit dem Unternehmensdatenfundament und unseren Geschäftsmodellen beschäftigen. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen.

Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann.

Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, ganz herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wieder eine neue Wochenmitte, wieder eine neue Folge hier rund um das Unternehmensdatenfundament.

Heute ist es eine Folge für alle. Wer ist alle? Ja, also natürlich hat auch dieser Podcast eine Zielgruppe. Ich habe ursprünglich mal gedacht, ERP-Podcast, als ich das Ganze angefangen habe, richtet sich vor allen Dingen an Leute, die vor der ERP-Auswahl stehen, die ERP einführen, die ERP betreiben.

Mittlerweile spreche ich gar nicht mehr so sehr über das Wort ERP, Enterprise Resource Planning. Ich spreche eher vom Unternehmensdatenfundament. Meine Ausführungen sind eigentlich viel, viel größer.

Ich stelle auch immer wieder fest an Rückmeldungen, dass der Kreis der Hörer immer größer geworden ist. ERP-Berater, IT-Leiter, IT-Fachabteilungen. Generell Fachabteilungen.

Natürlich verirrt sich auch mal der ein oder andere Studierende hier in dem Podcast, was mich auch sehr freut. Neulich schrieb mich ein IT-Revisor an und meinte, seine Zielgruppe hätte ich jetzt überhaupt noch gar nicht im Podcast irgendwo erwähnt. Also liebe Compliance-Manager, liebe Revisoren, liebe IT-Risk-Manager, liebe IT-Wirtschaftsprüfer, liebe alle, die ihr am Unternehmensdatenfundament arbeitet oder darüber nachdenkt, herzlich willkommen.

Das ist eine Folge, die ist heute für alle. Ich denke einfach so ein bisschen laut nach. Ich denke laut nach über das Thema Bedarf und Bedürfnis.

Was damit auf sich hat, das sage ich gleich. Es gibt vor allen Dingen drei Gründe für diese heutige Folge. Der erste Punkt ist, dass ich mal wieder in die Statistiken des Podcasts geschaut habe und es fällt auf, dass insbesondere drei Folgen ganz besonders stark abgerufen werden.

Zwei der drei Folgen, die Folgen 7 und 8. Das sind Folgen über die Kosten und den Nutzen von ERP-Systemen im Allgemeinen. Also eine Folge, die sicherlich jedem nützt, der sich mit dem Unternehmensdatenfundament, mit dem Aufbau, mit der Ablösung von Altsystemen, mit der Neueinführung eines ERP-Systems beschäftigen. Das leuchtet mir sofort ein.

Wir werden dazu sicherlich auch in der nächsten Zeit noch die eine oder andere Folge machen, weil ich glaube, das ist einfach ein Thema, was ganz zentral ist. Heute insbesondere das Thema Nutzen des Unternehmensdatenfundaments nochmal ganz stark im Vordergrund. So, das war das eine.

Das sind zwei Solo-Folgen von mir und die dritte Folge, die immer wieder herausragt, eigentlich von der Anzahl an Downloads, ist die Frage nach, wofür ist eigentlich Cloud gut? Wie nutze ich Cloud im ERP-Kontext ganz besonders sinnvoll? Es ist eine Folge, wenn ich es richtig im Kopf habe, ist die Folge 43. Wir verlinken das auch wieder, wo ich mit dem Gründer von WeClap einem aus meiner Sicht hochinteressanten Cloud-ERP-System darüber philosophiere, ob es sinnvoll ist, Cloud einzusetzen, wie es sinnvoll ist, Cloud einzusetzen und natürlich auch über das ERP-System. Also die drei Folgen sind sicherlich die Folgen, die am meisten gehört sind.

Das ist für mich ein Grund, heute auch wieder über Nutzen von ERP, vom Unternehmensdatenfundament zu reden. Der zweite Grund für die heutige Folge ist, dass mir gestern Abend spontan noch ein Gesprächspartner abgesagt hatte, den ich eigentlich im Interview für nächste Woche, also für heute aus ihrer Sicht, eingeplant hatte. Selber schuld, wenn man so kurzfristig Interviewtermine macht, dann kann das passieren.

Das ist auch überhaupt nicht schlimm. Zwingt mich auch wieder mal, meine eigenen Gedanken vor dem Mikrofon loszuwerden und ich freue mich drauf, heute einfach ein bisschen was selber zu erzählen. Dann in der darauffolgenden Woche mal wieder ein Interview versprochen.

Ich habe ganz, ganz viele sehr, sehr spannende Partner, die ich gerne interviewen möchte zu ganz unterschiedlichen Themen rund um das Unternehmensdatenfundament. Ich musste einfach so ein bisschen aus der ja doch etwas eng getakteten Terminplanung das Beste machen. Das ist immer so ein bisschen mein Problem, wenn ich nicht genau absehen kann, wann ich Zeiten habe, um wirklich in Ruhe mit jemandem ein Interview zu führen.

Dann wird es immer ein bisschen schwierig. So eine Solofolge, die kann ich immer mal zwischendurch einschieben. So, also das ist der zweite Grund.

Wird nachgeholt, versprochen. Nächste Woche dann auch wieder eine Interviewfolge. Und der dritte Grund, und das passte jetzt natürlich wunderbar zu der Absage.

Heute ist der 27.02., also aus ihrer Sicht, aus meiner Sicht steht der Termin noch bevor. Und aus ihrer Sicht war gestern ein historisches Datum, aus Sicht des Unternehmensdatenfundaments. Warum? Dazu später mehr.

Ich muss ein bisschen ausholen in der Folge, denn die Folge wird wieder einmal reichen von der vorindustriellen Zeit bis heute in den Weltraum. Vielleicht ahnen Sie schon ein bisschen, wo ich hin will. Wenn nicht, lassen Sie sich einfach ein bisschen mitnehmen in meine Gedankenwelt.

So, also, wir hatten gesprochen in den Folgen, ich meine, es waren 40. Und ich schaue es schnell nach auf der Webseite. Sie wissen ja, auf der Webseite haben wir alles so ein bisschen thematisch geklastert, die ganzen Folgen.

Je nachdem, was also Ihr thematisches Interesse an dem Podcast ist, kriegen Sie dort immer das eine oder andere mit. Also, in den Folgen 40 und 81, genau, 81 ist es, habe ich so ein bisschen meine Familiengeschichte, meine Geschichte aus alten Zeiten, Zeiter und Winkelmann, eine Klavierbaufirma, erzählt. Habe so ein bisschen motiviert, wie eigentlich die vorindustrielle Zeit war, wie die industrielle Revolution Schritt für Schritt Einzug erhalten hat in Deutschland, wie das dazu geführt hat, dass die Unternehmen ihre Sitze verlagern konnten, dass die Unternehmen wachsen konnten.

Ich glaube, das kann man an der Firma ganz gut nachzeichnen. Wer das nicht gehört haben sollte, ich denke, es lohnt sich, auch mal in diese Folge reinzuhören. So, was haben die damals verkauft? Die haben Klaviere verkauft.

Warum haben sie Klaviere verkauft? Weil die Leute Musik machen wollten. So, und das ist jetzt wieder das Spiel von Bedarf und Bedürfnis. Wir differenzieren da, auch wenn man das gerne wortgleich verwendet in der Praxis, in der Wissenschaft, gerade in der Wirtschaftswissenschaft, sehr, sehr stark.

Also, das Bedürfnis ist sozusagen der subjektiv empfundene Mangel, der sich auch nicht immer so ganz genau ausdrücken lässt, während der Bedarf eben das tatsächliche Nachfragen darstellt. Also, der durch Kaufkraft gestützte Bedarf, der heißt tatsächlich Nachfrage. Nachfrage ist also letztendlich der als Mangel erlebte Wunsch einer Person, eines Konsumenten, neudeutschen Wirtschaftssubjekts, nach irgendwelchen Gütern und Dienstleistungen.

Also, merken wir uns, Bedarf, das ist das, was wir ganz konkret messen können, weil die Leute kaufen ja unsere Produkte. Bedürfnis, das ist das, was eben subjektiv empfunden wird, was sich vielleicht auch gar nicht so sehr ausdrücken lässt, denn sehr, sehr häufig wissen die Leute gar nicht, was sie eigentlich wollen. Wenn wir jetzt das Klavier nochmal nehmen, der Bedarf war eben das Kaufen von Klavieren.

Das hat über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte hervorragend funktioniert. Wir hatten in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum eine sehr, sehr lange, über Jahrhunderte sehr lange Tradition des Instrumentenbaus, nicht nur Klavier, generell in Europa. Und wenn wir uns anschauen, wie viele Firmen es damals gab, Sie brauchen bloß mal bei Ebay nach Klavier größer 100 Jahre zu schauen, dann werden Sie feststellen, da sind unglaublich viele Namen, die uns heute überhaupt nichts mehr sagen.

So, also das ist eine lange Tradition und die Leute haben eben Klavier, dieses Beispiel, gekauft. Das war der Bedarf. Warum? Man wollte ja Musik machen.

Also es gab keine Möglichkeit, irgendwo zu hören. Man musste es selber machen. Es war sicherlich auch ein Wog.

Es war schick, Klavier zu spielen oder im Familienkreise zu musizieren etc. Wie gesagt, das Bedürfnis des Musikmachens führte eben dazu, dass man Instrumente gekauft hat. So, jetzt ist die Frage, was ist denn passiert, als die ersten Automaten kamen? Das Polyphon, das Grammophon, dann das Radio, die Schallplatte, Kassette und so weiter und so fort.

Plötzlich kam ein neues Bedürfnis auf, was eigentlich latent immer vorhanden war, nämlich Musik hören und nicht mehr Musik machen. Und das hat natürlich dazu geführt, dass die alten Geschäftsmodelle irgendwo abgesackt sind, nicht mehr so nachgefragt wurden. Natürlich, auch heute gibt es noch Klavierbauer, aber in ganz ganz kleinem Umfang.

Der Markt ist entsprechend klein geworden. Und das hat natürlich dazu geführt, dass viele damalige Unternehmen heute nicht mehr da sind. Und aus den Automaten dieser ersten Generation sind mittlerweile heute zentrale Datenbanken geworden, in denen wir Musik abspeichern.

Sowas wie Spotify, Amazon Prime Music, Audible, Google Music, was auch immer. Und wir haben heute schon gar keine Stereoanlagen im alten Sinne mehr, sondern nur noch kleine Boxen. Oder wir rufen diese zentral bereitgestellte Datenbankmusik direkt übers Handy auf etc.

pp. Und was noch viel, viel interessanter ist, also das hat schon einen gewissen erweiterten Nutzen, weil es jetzt nicht mehr nur rein um Musik hören von irgendeiner Musik geht, sondern wir können die Musik hören, die wir gerne hören wollen. Und wir gehen heute noch weiter.

Wir haben zum Beispiel solche Uhren, die den Puls messen etc. pp. Die es dann wieder an irgendeine Musikdatenbank zurückspielen, damit die Musikdatenbank Musik spielt, die zum Herzrhythmus passen, also zu den Schritten passen, zur Jogginggeschwindigkeit oder ähnliches.

Das heißt, wir haben plötzlich nutzungsbasiertes Musikhören. Wenn Sie so wollen, sind das nutzungsbasierte Dienstleistungen, technische Dienstleistungen, die hier bereitgestellt werden. Wir können sogar noch weitergehen für die Zukunft.

Musik ist eigentlich relativ mathematisch aufgebaut. Das heißt, wir können im Algorithmus eigentlich sagen, entwickel uns doch selber ein Musikstück. Und wenn jetzt die technischen Hilfsmittel dem Algorithmus bestimmte Indikatoren geben, wie ich hatte gerade Streit mit meiner geliebten Ehefrau oder ich bin gerade in einer sehr glücklichen Phase oder, oder, oder, kann man ja alles messen mit Sensoren heute, dann kann der Algorithmus das natürlich entsprechend berücksichtigen und uns sozusagen eine individuelle Musik zur Verfügung stellen, die vielleicht noch viel, viel besser zu unseren Bedürfnissen passt, als das ein Michael Jackson oder der neueste Poprock-Jazz-Schlagerstar überhaupt jemals konnte.

So, also das ist Gegenwart bzw. Zukunft. Bedarf messbar, ökonomisch, durch Nachfrage definiert, Bedürfnis subjektiv, schwierig messbar, aber sobald sich etwas an den Produkten verändert, was eben ein neues Bedürfnis befriedigt, verschiebt sich natürlich relativ schnell der Bedarf an dieser Stelle.

Also, das war jetzt nochmal kurz das Wrap-Up Musikindustrie. Ich versuche das nochmal zu übertragen auf die reine Produktwelt. Nehmen wir zum Beispiel mal den Möbelhandel.

Ich glaube, ich habe auch mal kurz darüber gesprochen. Was weiß eigentlich heute der Produzent über sein rotes Sofa? Also, der produziert heute dieses Produkt, dieses Möbelstück, verkauft das auf irgendwelchen Messen in Stückzahl 1000 an einen Möbelhändler. Ja, und was passiert jetzt mit dem Möbelstück? Keine Ahnung.

Der Produzent weiß nicht, verkauft es der Händler ab, reduziert der Händler, weil es wie Blei im Laden steht, reduziert er den Preis, reißen ihm die Kunden das aus den Händen, gibt es permanent Ärger mit den Sprungfedern, ist das Textilmaterial auf der Sitzfläche vielleicht super, aber an den Lehnen völlig ungeeignet etc. pp. Also, der hat gar keine Ahnung, was eigentlich mit seinem Produkt passiert.

Da ist der Anlagenbauer heute gedanklich vielleicht schon einen Tacken weiter. Da reden wir über sowas wie Predictive Maintenance, also die Idee, dass derjenige, der die Anlage gebaut hat, die dann verkauft wird, letztendlich auch Informationen bekommt, wie diese Anlage genutzt wird, Informationen bekommt, wenn etwas an der Anlage nicht ganz passend ist, Informationen bekommt, dass eine bestimmte Wartung notwendig ist, dass die Anlage vielleicht auch nicht ganz optimal genutzt wird etc. pp.

All das sind natürlich auch schon nutzungsbasierte Dienstleistungen, Betreibermodelle, also das schönste Beispiel ist für mich immer die Bohrmaschine, das Produkt, was nicht mehr als Bohrmaschine abverkauft wird, sondern wo eben garantiert wird, dass immer Bohrer dort sind, die eben entsprechend scharf sind, mit denen gebohrt werden kann, also ein Leistungsversprechen, sozusagen ein nutzungsbasiertes Leistungsversprechen. Damit muss ich natürlich monitoren, damit brauche ich natürlich auch entsprechend die Daten, wie wird hier das Produkt genutzt, wie ist der Verschleiß etc. pp.

In Teilbereichen auch Predictive Maintenance, dass wir also auch bestimmte Voraussagen treffen auf der Datenbasis, um eben dann zu dem richtigen Zeitpunkt die Wartung beispielsweise anzustoßen. Wir haben jetzt gerade selber wieder im KI-Bereich einen Forschungsantrag getrieben, der sich mit dem Thema Predictive Maintenance mit KI-basierten Methoden, gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen auseinandersetzt. Ich bin also sehr gespannt, wie dem Projektträger unsere Idee gefällt.

So, ein drittes Beispiel, um nochmal was zu sagen, ist immer ein gern genommenes Beispiel von mir, das Fenster. Ja, wir verkaufen heute Fenster, die werden eingebaut und dann ist es für den Fensterbauer fertig. Aber was will der Kunde eigentlich, also was ist das eigentliche Bedürfnis? Will der ein Fenster kaufen oder will der vielleicht was ganz anderes, nämlich einfach durch sein Fenster auch durchsehen können.

Und durchsehen heißt eben, das Fenster muss sauber sein, streifenfrei und so weiter und so fort. In der alten Welt könnten wir entsprechend hingehen und sagen, okay, alle zwei, alle fünf, alle sechs, alle zehn, alle zwölf Monate kommt jemand und reinigt uns das Fenster. Das funktioniert auch einigermaßen, aber Sie wissen ja, die Vögel finden Fensterscheiben immer besonders dann toll, wenn sie gerade gereinigt worden sind, Murphy’s Law.

Ja, und dann ist der Flatschen halt den Rest des Jahres, bis wieder jemand kommt auf dem Fenster. Beziehungsweise das Fenster wird mal dreckiger in der Zeit, mal weniger dreckig. Wie schön wäre es, wenn der Reinigungsdienst nicht kommen würde, wenn wieder eine Periode rum ist, sondern wenn der Reinigungsdienst kommen würde, wenn die Fenster tatsächlich auch dreckig sind.

Also, wenn wir entsprechend Sensorik einbauen in unsere Produkte, egal ob es jetzt ein Sofa ist oder das Fenster, um zu erfassen, wie wird das Produkt genutzt im Fall des Fensters, wie viel Licht scheint durch das Produkt, durch das Fenster durch, dann haben wir natürlich plötzlich ganz andere Bedürfnisse, die wir befriedigen können und die dazu natürlich auch führen, dass ganz andere Geschäftsmodelle im Bedarf, also zur Nachfragebefriedigung, angeboten werden können. Und im Endeffekt bedeutet das eben, dass wir uns natürlich vom Datenfundament auf derartige Dinge auch einstellen müssen. Also, wo wir vorher gesagt haben, ERP, das sind Kundendaten, vielleicht Lieferandendaten, Produktdaten, kommen jetzt ganz andere Datentöpfe plötzlich in dieses Unternehmensdatenfundament mit hinein, über die Sendoren, technische Daten, über das Nutzungsverhalten, also Nutzungsdaten, individuelle Daten, Zahldaten und so weiter und so fort.

All das sind neuartige Datenarten, die jetzt in die BWL-Welt, in das Unternehmensdatenfundament mit aufgenommen werden müssen. Und wenn wir uns überlegen, dass so ein Aufbau eines ERP-Systems wirklich, bis es sehr reibungslos läuft, bis vieles automatisiert ist, bis die Datenqualität stimmt alleine schon, naja, sagen wir mal, ich will mich jetzt nicht festlegen lassen, weil es hängt natürlich schon von Branche, von Reifegrad des Unternehmens und so weiter ab, aber ich würde schätzen, so zwei, drei Jahre kann man locker mal rechnen, bis man wirklich auch ein gewisser Meister in der Benutzung, in der Ausreizung des ERP-Systems ist. Also ich denke, man braucht schon eine ganze Zeit, um überhaupt das ERP-Projekt vernünftig zum Laufen zu bringen.

Ich kenne Unternehmen, die haben auch 15 Jahre dafür gebraucht. Es mag auch Unternehmen geben, die sehr viel weniger Zeit dafür in Anspruch genommen haben, aber Fakt ist, wenn ich heute nicht damit anfange, und meine Konkurrenz eben mit völlig neuen Geschäftsmodellen auf den Markt kommen, dann bleibt mir vermutlich nicht genügend Zeit, um diesen Nachteil im Unternehmensdatenfundament auszugleichen. Für diese neuartigen, nutzungsbasierten Betreibermodelle, Geschäftsmodelle, brauche ich entsprechende Sensorik.

Klar, ich muss wissen, wie Produkte entsprechend genutzt werden. Ich muss wissen, wie sie eingesetzt werden. Und ich brauche natürlich auch eine Möglichkeit, überhaupt zu erkennen, welche Daten da sind, beziehungsweise überhaupt diese Daten abzugreifen.

Das ist in unserer heutigen Welt in Deutschland wahrscheinlich ein bisschen schwierig. Wir reden mittlerweile über 5G. Auch der Standard braucht noch ein bisschen.

Den brauchen wir natürlich auch ganz händeringend, genau für solche sensorischen Ansätze für neuartige Geschäftsmodelle. Warum? Wir haben natürlich auch heute bereits Mobilfunkstandards, aber der wesentliche Unterschied ist jetzt gar nicht so sehr in der Datengeschwindigkeit. Natürlich, der ist auch wahnsinnig unterschiedlich.

Aus meiner Sicht liegt da vor allem daran, dass ich viel, viel mehr sendende Einheiten, wie Sensoren, wie Handys, wie Laptops, was auch immer, in eine Funkzelle bekomme, als mit den vorhergehenden Mobilfunkstandards. 5G soll es uns ermöglichen, in eine Funkzelle bis zu 200.000 Devices einbinden zu können, ohne dass die Leistung hier merklich in die Knie geht. Und das ist natürlich ganz besonders notwendig, wenn wir Produkte in Zukunft viel, viel mehr mit Sensorik versorgen wollen, wenn wir viel mehr nutzungsbasierte Daten über die Produkte erheben wollen.

Also da müssen wir einfach gucken, wie wir dort zurechtkommen. Ich denke, 5G wird dort ein Ansatz sein. Und jetzt habe ich gesagt, gestern 26.2., ob es jetzt historisch ist, sei mal dahingestellt, aber ein wichtiges Datum war gestern zumindest.

Das eine Thema ist, wie gesagt, 5G. Und das andere Thema ist Satelliteninternet. Also in der Wüste E-Mails checken, im Dschungel die neuesten Nachrichten lesen.

Das ist jetzt die Spielerei. Für die Sensorik ist das natürlich überhaupt nicht die Spielerei. Wir müssen, wenn wir sensorisch basierte Produkte bauen wollen zukünftig, und zwar in allen Branchen, dann müssen wir natürlich eine Infrastruktur zur Verfügung haben, wo überall auf der Welt auch entsprechend die Daten abgegriffen und genutzt werden können.

Und gestern, aus meiner Perspektive in der Zukunft, also ich hoffe erfolgreich, schickte Airbus den ersten OneWeb-Satelliten ins All. Das ist nicht nur einer gewesen, sondern das sind einige gewesen. OneWeb ist einer der Pioniere, wenn es darum geht, das Internet in der Orbit aufzubauen.

Der Hintergrund ist, dass man sagt, okay, die Satellitentechnologie, die Weltraumtechnologie ist mittlerweile so weit schon, dass es ja eigentlich viel sinnvoller ist, nicht mal die Kabel überall quer durch die Wüste eben zu vergraben, sondern die ganze Welt von oben, also über Satelliten abzudecken. Und ja, OneWeb ist hier entsprechend einer der Pioniere. OneWeb ist ein Gemeinschaftsprojekt getrieben von Greg Weiler, Internetpionier mit Beteiligung von Airbus, mit Beteiligung von vor allen Dingen verschiedenen Banken, aber auch teilweise Staaten, die sich an dem Projekt beteiligt haben.

Wenn Sie auf die Webseite gehen, dann lesen Sie eigentlich das Who is Who in der Branche. Also es ist wirklich unglaublich, wer dort alles mit investiert hat in dieses Projekt. Da sind Milliarden reingeflossen.

Hauptaktionär ist die Softbank, ein japanisches Technologieunternehmen. Und die haben eben das Ziel, sich gesetzt in den nächsten zwei Jahren 900 industriell produzierte Kleinstsatelliten mit 21 Raketenstarts in den Orbot zu schicken, um mit diesen Satelliten komplett die Erde mit Internetinfrastruktur aus dem Weltall zu versorgen. Und das Neue an dem Projekt ist, dass diese Satelliten eben auf einer ganz niedrigen Umlaufbahn sind.

Damit sind die Kosten entsprechend viel, viel, viel geringer. Sowieso die Kosten pro Satellit sind hier eher nur in dem sechs-, vielleicht siebenstelligen Bereich. Die Erdumlaufbahn des Ganzen soll eben nur bei 1200 Kilometern liegen.

Die normalen, die geostationären Satelliten, die sind meistens in etwa 35.000 Kilometern Höhe. Also ein Riesenunterschied hier schon. Und das bedeutet eben auch, dass die Daten natürlich viel kleinere Entfernungen zurücklegen müssen, was entsprechend der Latenz, also der Antwortzeit, auch zugutekommen soll.

So, OneWeb ist damit nicht alleine, um hier keine Werbung zu machen für einzelne Unternehmen. Aber es passt hier jetzt eben gerade so gut vom Datum. Also das sind jetzt die Ersten, die tatsächlich industriell massiv entsprechende bodennahe Satelliten in das Weltall schicken.

Auch Elon Musk hat mit Starlink ein ähnliches Vorhaben gegründet. Also der Tesla-Gründer will entsprechend auch dorthin. Der ist ja auch da schon dabei, mit SpaceX Satelliten zu produzieren.

Tausende sollen es bei ihm werden. Auch da ist das Ganze natürlich noch nicht serienreif, sondern in einer Testphase. Facebook hatte bereits 2014 ein Projekt ins Leben gerufen.

Die Idee mit der Internet-Drohne Aquila, ja eigentlich die ganze Welt zu versorgen. Die Idee war es, Fluggeräte, Drohnen zu bauen, die eben monatelang autonom in großer Höhe fliegen können, sollten. Der erste Testflug dann 2016 hat leider in einer Bruchlandung geendet.

Und das ganze Projekt ist 2016 aufgegeben worden. Google hat was ähnliches gemacht, Alphabet. Die haben überlegt, ob man nicht über Heißluftballons die Internetversorgung sicherstellen kann.

Und dann in Südafrika die Loon-Ballons in 18 Kilometer Höhe positioniert. Das hat auch noch nicht so richtig gut geklappt. Die ganze Branche weiß eigentlich, das geht um Tempo.

Der Erste, der jetzt dieses Spiel gewinnt, der Erste, der jetzt entsprechende Satelliten oder Weltraum-Internet-Infrastruktur zur Verfügung stellt, der hat dort natürlich die meisten Anteile, der kann sich hier schnell positionieren. Deswegen gehen die Vorhersagen auch davon aus, dass bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts, 2025, vielleicht 2027, also diese digitale Kluft entsprechend auch überwunden ist. Das heißt, wir wirklich flächendeckend weltweit Internet in akzeptabler Geschwindigkeit über Weltraum-Infrastruktur zur Verfügung stellen können.

Und das bedeutet eben, dass wir in den nächsten 5, 6, 7, 8 Jahren vermutlich in ganz, ganz vielen Branchen neue, nicht mehr reine Abverkaufsprodukte sehen werden, sondern viel, viel mehr nutzungsbasierte Geschäftsmodelle, technische Dienstleistungen, Betreibermodelle, bei denen entsprechend das Geschäftsmodell ein ganz anderes ist als heute und für die wir natürlich auch ein ganz, ganz anderes Unternehmensdatenfundament benötigen, als wir das heute brauchen. Es geht nicht mehr nur rein darum, ein Produkt an den Kunden abzuverkaufen, zu wissen, wer die Einzelteile geliefert hat, die Stückliste für die Produktion zu haben, sondern viele, viele Daten über das Nutzungs-, über das Wartungsverhalten, über Abonnements, über Zahlverhalten und so weiter und so fort abspeichern zu können. Das heißt, das Unternehmensdatenfundament wird viel, viel, viel größer, als wir das in der alten ERP-Welt kennen.

Und nochmal, auch ein ERP-System baue ich nicht in einem halben Jahr wirklich voll ausgebaut in das Unternehmen, in die Unternehmenslandschaft ein, sondern ich brauche schon meine Zeit und viele Geschäftsmodelle, die entstehen werden, die sieht man sicherlich nicht von außen in dem Moment, wo sie erdacht und hinter den Kulissen entwickelt werden, sondern man sieht sie dann teilweise auch erst, wenn der jeweilige Player damit auf einem Markt auftritt. Und dann wird es für viele, die das gar nicht geahnt haben, sehr, sehr schwierig werden, hier mit den alten, mit den traditionellen Geschäftsmodellen, mit dem auf dem alten Bedarf basierenden Geschäftsmodellen zu reagieren, in diese neue Welt reinzukommen, wenn sie eben versäumt haben, rechtzeitig das entsprechende Unternehmensdatenfundament aufzubauen. Das ist so ein bisschen mein Credo von der heutigen Folge.

Es zieht sich immer mal wieder durch die eine oder andere Folge, weil ich einfach wichtig finde, dass ich so ein bisschen meine Elfenbeinturben-Gedanken an der Stelle an Sie auch weitergebe, denn ich glaube, dass das ganz, ganz wichtig ist, dass wir diese Veränderung erkennen. Wie gesagt, 26.02.2019, ein in Bezug auf diese Veränderung wichtiges Datum. Ich wünsche Ihnen bei der Erweiterung, bei der Erneuerung, bei der Veränderung Ihres Unternehmensdatenfundaments, bei der Renovierung, bei der Innovierung Ihrer Geschäftsmodelle in Ihrer Branche ganz viel Erfolg.

Ich werde da sicherlich das eine oder andere in den nächsten Folgen auch nochmal beitragen, weil wir hier hinter den Kulissen natürlich auch vieles auch Hörens- und Nachdenkenswertes machen bei uns am Lehrstuhl. Ich kann immer nicht so sehr über ungelegte Eier sprechen, aber hier im Podcast halte ich sie auf dem Laufenden. Ihnen eine schöne Restwoche, alles Gute, keep connected, herzlichst, Ihr Axel Winkelmann.

Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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