Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist mit 3.200 Mitgliedern Europas größter Industrieverband. Als solcher berät und unterstützt der Verband auch bei der Softwareauswahl und der Gestaltung des Unternehmensdatenfundaments. Mit dem langjährigen Fachexperten Volker Schnittler unterhalte ich mich daher über die Vergangenheit und Zukunft von ERP.
Viel Vergnügen!
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In diesem Sinne: keep connected.
Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann
Transcript:
ERP-Podcast Folge 92 Die Zukunft von ERP im Maschinen- und Anlagenbau Ein Interview mit Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist mit 3200 Mitgliedern Europas größter Industrieverband. Als solcher berät und unterstützt der Verband auch bei der Softwareauswahl und der Gestaltung des Unternehmensdatenfundaments. Mit dem langjährigen Fachexperten Volker Schnittler unterhalte ich mich daher über die Vergangenheit und Zukunft von ERP.
Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast. Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten.
Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.
Liebe Zuhörer, herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast. Wieder eine neue Woche, wieder eine neue interessante Folge. Ich versuche ja immer so ein bisschen die Themen zu mischen, dass es für alle Zielgruppen interessant ist.
Ich glaube, heute ist wieder eine Folge, die ist für alle relevant, vom Anwendungsunternehmen bis zum ERP-Haus. Denn wir wollen uns heute ein bisschen über die Zukunft von ERP unterhalten. Zukunft von ERP.
Ich habe mir einen Branchen-, ich habe mir einen ERP-Experten heute ins Studio eingeladen. Ich freue mich, dass ich mit Volker Schnittler einen Fachreferenten des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau gewinnen konnte, hier ein bisschen mit mir über das Thema zu reden. Er ist langjähriger Beobachter, Marktbeobachter.
Er beschäftigt sich ganz viel mit Anwendungsunternehmen bei der Beratung, bei der Auswahl geeigneter Systeme. Und ich bin sehr, sehr gespannt, über was wir heute alles reden werden. Herzlich willkommen hier im ERP-Podcast.
Herzlich willkommen, Volker Schnittler. Ja, schönen guten Morgen, Herr Prof. Winkelmann. Bevor wir in medias res gehen sozusagen, die Frage, wer ist Volker Schnittler? Vielleicht können Sie ein paar Worte zu sich sagen, wer ist der Mensch, Volker Schnittler? Ja, sehr gerne.
Ich bin eigentlich nach meinem Abitur etwas untypisch gelernter Werkzeugmacher und Industriemeister Metall. Ich komme also durchaus aus der Maschinen- und Anlagenbauindustrie, habe dann dort im Wesentlichen Arbeitsvorbereitungen gemacht und Qualitätsmanagement und bin dann aber durch das Engagement bei einem mittelständischen Unternehmer letzten Endes dazu, in Anführungszeichen, verleitet worden, nochmal ein begrosst bedeutendes Studium zu machen, Informatikbetriebswirt, und kam dann mit der Jungfrau zum Kind in die ERP-Welt hinein. Also bin IT-Leiter geworden und habe dort ein ERP-System im Mittelstand betreut.
Zehn Jahre lang als IT- oder damals noch eigentlich EDV-Leiter gesagt, zu der Zeit der ASCII-Bildschirme noch. Also Sie merken schon, ich bin über 30 Jahre an dem Thema dran, in den unterschiedlichen Verantwortungsbereichen. Bin dann zum Millennium dem Ruf der Industrie gefolgt und bin in die Softwareindustrie hineingegangen, war dort bei einem amerikanischen Software- oder ERP-Anbieter beschäftigt und bin, nachdem die E-Business-Halbblase geplatzt bin, wieder gewechselt und jetzt im 18.
Jahr beim VDMA, dem Maschinenbauverband, und betreue dort die Maschinenbaumitglieder, aber auch die Softwarefirmen, die in unserem Verband Mitglied sind. Das heißt, ich kann jetzt alles eigentlich nutzen, was ich beruflich mal gemacht habe in dem Kontext, also bezüglich der Anwender, der Anwenderunternehmen, bezüglich der Softwarefirmen, das kann ich alles mit einbringen und auch die unterschiedlichen Positionen und Gesichtweisen dadurch auch gut verstehen und moderieren. Jetzt arbeiten Sie für einen Verband, das heißt, Sie haben über 3.000 Mitglieder unter sich, die Sie unterstützen, der Verband für Maschinen- und Anlagenbau.
Können Sie ein bisschen was sagen, was dieser Verband macht, was auch eine Bedeutung an der Stelle des Verbands ist? Ja, Sie haben schon die Mitgliederzahlen. Wir haben über 3.200 Unternehmen, die Mitglied bei uns sind. Das sind im Wesentlichen mittelständische Maschinenbauunternehmen, also die durchschnittliche Unternehmensgröße, wenn Sie sich das so vorstellen, 150 bis 200 Mitarbeiter, die natürlich nicht für jedes Fachthema nun einen Mitarbeiter bei sich haben können als Mittelständler, sondern diese Fachleute finden sie eben beim VDMA, wie wir selbst sind.
Ich sage immer 666 Mitarbeiter, das stimmt natürlich von der Zahl her nicht. Ich kann es gut merken, die Größenordnung stimmt schon. Das heißt, wir sind Europas größter Industrieverband.
Bei uns ist man freiwillig und wie angedeutet, sind wir eben so eine ausgelagerte Stabsstelle für mittelständische Unternehmen, die einfach ihre Expertise dort abrufen und dafür ihren Beitrag zahlen. Die werden natürlich unterstützt durch auch eine Begleitung bei politischen Dingen, die also die Gesetzgebung betreffen, zum Beispiel zur IT oder zu anderen Themen, wirtschaftsrechtliche Fragen. Wir machen Messen oder erarbeiten Messen zusammen mit den einzelnen Fachverbänden, die wir haben.
Also es gibt unterschiedliche Zuordnungen dann, je nachdem, welche Produkte die Unternehmen dort repräsentieren, seien es Pumpen, seien es Armaturen oder andere Angriffsmaschinen zum Beispiel, die bei uns eben ihre eigenen Fachverbände haben und dort eben auch gemeinsam gehen mit fachlichen Dingen, auch tief hinein in die Normung. All dies begleiten wir eben als Verband und wollen immer einen kompetenten Ansprechpartner für die mittelständischen Unternehmen haben, sodass die dann für jeden Topf einen Deckel haben, den man so schön nach dem Herzen schenkt. Vielleicht nochmal für unsere Hörer, die jetzt nicht unbedingt aus der Industrie, aus dem Maschinen- und Anlagenbau kommen, sondern aus Handel, Dienstleistung, Handwerk oder Ähnlichem.
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland ist industriell gesehen einer der größten oder der größte Arbeitgeber hier in Deutschland. Ist das richtig? Das ist richtig, ja. Wir sind, glaube ich, der größte.
Von der Anzahl der Mitarbeiter in unserem Unternehmen sind wir der größte. Ich denke mit über einer Million Beschäftigten, die wir in der Branche haben. Das heißt, der VDMA ist also hier in Deutschland wirklich das Sprachrohr für diese ganze Industrie? Absolut.
Wenn man das einfach mal belegen will, die Mitgliedschaft im VDMA ist eine freiwillige. Das heißt, wir sind keine Industrie- und Handelskammer, bei der man sein muss, sondern bei uns ist man, wenn man das für nützlich hält. Ich habe das vorher zu den Nutzenpotentialen ein bisschen aufgestellt.
Wir haben also mit diesen 3.200 Mitgliedern circa die Hälfte der Branche war uns organisiert, also die Hälfte der Maschinenbauunternehmen. Aber 80% des Umsatzes, das heißt, ich sage immer so ein bisschen flapsig, wir haben die bessere Hälfte erwischt. Also das sind schon auch die Unternehmen, die eben im Markt erfolgreich sind.
Da leite ich durchaus auch einen gewissen Zusammenhang ab, wer da bei uns ist und wie erfolgreich die sind. Also das ist schon eigentlich nur ein Verband auch, der sich dort seit über 125 Jahren aufstellt. 125 Jahre, das war, glaube ich, auch nochmal wichtig zu sagen.
Also die Verbandsarbeit hat schon während der Zweiten Industriellen Revolution eigentlich begonnen, ist heute aber nicht wesentlich unwichtiger oder ähnliches, sondern ist mindestens genauso wichtig, wie das am Anfang des industriellen Zeitalters auch gewesen ist. Vermutlich sogar wichtiger, weil einfach die Komplexität der Dinge, der Aufgabenstellung für Unternehmen, die rechtlichen Rahmenbedingungen, auch die Wettbewerbsbedingungen natürlich heute ungleich komplexer sind. Ich möchte nicht unbedingt sagen schwierig, aber durchaus komplexer sind.
Wir haben heute einen Weltmarkt, wir haben heute eine europäische Rechtsprechung und sehr viele mittelbare Dinge. Wir haben ganz andere Marktzugänge und Markterfordernisse einfach, in denen sich ein mittelständisches Unternehmen zurechtfinden muss. Also der 120-Mann-Betrieb, der in Indonesien oder in China was machen will, das hat es in der Form eben früher nicht gegeben.
Und da ist eine ganz andere Qualität und ganz andere Tiefstandberatung durchaus auch erforderlich, um die Unternehmen zu begleiten, wenn man das mit früher vergleicht. Jetzt, wenn ich der Fachpresse glauben darf, dann ist der Roboterarm, Stichwort Industrie 4.0, irgendwo so das Herausragende, mit dem man sich beschäftigt als Unternehmen. Mein eigenes Plädoyer ist ja, dass ganz, ganz viele Unternehmen eigentlich ihre Hausaufgaben noch gar nicht gemacht haben bei diesem Unternehmensdatenfundament, sprich ERP und Co.
Aber mit Ihnen ist ja jetzt gegenüber, sitzt mir ja jemand, der wirklich die Insights hat. Was sind die wirklichen technischen, technologischen Themen, die den Maschinen- und Anlagenbau aus Ihrer Wahrnehmung zurzeit treiben? Ich denke, es geht sehr stark um das auch sehr viel gestresste Wort Digitalisierung. Das heißt, wir sind in der Tat in einer Phase, wo wir eben von der analogen Informationsverarbeitung sehr stark in die digitale gehen.
Das heißt, natürlich machen wir sehr viele Dinge seit sehr vielen Jahren, gerade im Bereich von ERP bereits digital. Wir haben also die kaufmännischen Prozesse in dem ERP seit vielen Jahren durchaus digitalisiert, wenn auch, da kommen wir sicherlich später noch darauf zurück, ein Stück weit doch lückenhaft, und natürlich der Datenqualität und der Datendurchgängigkeit ist da noch vieles, vieles zu tun. Aber zumindest haben wir sehr viele Dinge, die wir eben in der Praxis abwickeln, auch eine Produktion eben in diesen ERP-Systemen auch digital abgebildet.
Aber heute geht es halt noch ein gutes Stück weiter, dass wir eben auch in Richtung der Produkte und der Services, die eben nicht nur physisch ausführen, sondern auch digital, gerade als digitalen Twinning darstellen wollen und müssen. Und das sind natürlich Dinge, die unter anderem mit den genannten Industrie 4.0-Techniken, Sensorik, Aktorik, Hand in Hand gehen. Aber eben auch, das ist eben nicht die ganze Welt, sondern ein Teil dieser sehr wichtigen Welt sind eben auch die Prozesse, die man an der Stelle braucht.
Sie haben im Vorgespräch gesagt, dass Sie aktuell auch wahrnehmen, dass ganz, ganz viele Unternehmen erneut, zweite, dritte Generation, auf der Suche nach einem Unternehmensdatenfundament, nach einem vernünftig passenden ERP-System gerade sind, auch im insbesondere Maschinen- und Anlagenbau. Hat dort Ihre Industrie die Hausaufgaben noch nicht gemacht oder wie würden Sie das definieren? Das würde ich jetzt in dieser Form so nicht formulieren wollen, sondern die Hausaufgaben sind gemacht worden. Sie sind eben zeitgemäß erledigt worden.
Und wir beide wissen, das ERP-System wird sich natürlich durchaus verändern, kontinuierlich verändern, wenn ich an die Generation von ERP-Systemen denke, die zu meiner, als ich das erste Mal als Sachbearbeiter sozusagen ERP mit eingeführt und damit gearbeitet habe, da waren wir in der Zeit der ASCII-Bildschirme, da war das doch auch von der Funktionalität eines ERP doch relativ rudimentär, relativ ursprünglich. Es wurden also wenige Dinge, die konnten diese Systeme leisten im Vergleich zu heute. Und die Funktionalität ist eben mit den Jahren durchaus extrem gewachsen.
Auch die Bildschirme sind gewachsen. Wenn ich mich zurückerinnere, wir hatten so 14-Zoll-Bildschirme eben mit ASCII-Masken. Heute hat man also deutlich größere Bildschirme, aber auch noch viel mehr Funktionalität.
Und wenn man darauf schaut, dann ist es eben, dass auch der Hintergrund des Wunsches von Unternehmen einfach sich dazu verändern, weil sie eben merken, dass die Funktionalität, die sie damals hatten oder die sie angeschafft haben mit den Systemen, heute nicht mehr das abdeckt, was gebraucht wird. Da ist natürlich immer die Frage zu stellen, wo stehst du überhaupt mit deinem System? Insbesondere auch bezüglich des eingesetzten Releases. Also wenn ich ein ERP-System einsetze, was ich seit fünf, sechs Jahren releasemäßig nicht mehr abgedatet habe, muss ich mich auch nicht wundern, wenn die Funktionalität fünf, sechs Jahre alt ist und nicht mehr dem entspricht, was heute ist.
Und wenn man fünf Jahre in der IT sieht, wie sich das entwickelt, dann weiß man, dass da natürlich sehr viel passiert. Vielleicht an der Stelle müsste man dann wieder fragen, da wurden doch die Ausgaben nicht gemacht, aber da kommen wir vielleicht später auch nochmal dazu. Ja, also ich würde da gerne nachher nochmal drauf zurückkommen.
Sehen Sie noch viel AS400-Systeme, also wirklich alte Systeme, die über Jahre, Jahrzehnte in den Unternehmen gewachsen sind, die gewartet wurden, Klammer auf oder auch nicht, Klammer zu? Es gibt durchaus noch einige, wobei sich das ausdünnt. Also Bestand gibt es noch. Es gibt durchaus auch noch Bestand, wo Systeme tatsächlich in dieser Systemwelt selbst entwickelt wurden.
Was erstaunlich ist, also in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, da gab es viele, die dann auch dieses System genommen haben und gesagt haben, die haben gar nicht die passende Software dazu, die schreiben das selbst. Oder eben Systeme, die dann sehr stark angepasst wurden. Auf der anderen Seite ist mir von einem der prominenten Anbieter von dieser AS400-Software gefragt worden, verkäuflich ist das heute nicht mehr.
Also es wird heute kaum mehr ein Neukunde in diese Systemwelt hineingehen, wie er mir also sagte. Deswegen, wie parallel auch ein moderneres System oder ein System auf einer moderneren Basis, Client-Server-Technologie damals entwickelt haben, die ja heute dann schon auch nicht mehr so ganz tausend ist, sondern auch in die Jahre zu kommenden neuen Überlegungen in Richtung Internet-basierter Systeme sich bewegt. Also ich mache das jetzt so ungefähr 20 Jahre.
Ich habe in der Zeit durchaus noch einige Systeme kennengelernt, die rein ASCII-basiert sind, teilweise AS400. Ich sehe auch heute noch Systeme am Markt. Wenn wir zum Beispiel an den Möbelhandel denken, da sind noch ganz viele alte Systeme aus den 80er-Jahren im Einsatz.
Die haben natürlich auch gewisse Vorteile, sind aber vermutlich nicht flexibel genug für die heutigen Anforderungen im Maschinen- und Anlagenbau. Das sind natürlich Systeme, die außerordentlich robust sind. Ich selbst habe nicht mit der AS400, aber mit der HP3000 als IT-Leiter oder ERV-Leiter die Erfahrung gemacht, da konnten Sie quasi in den Systemenlaufen mit einem Stecker aus der Wand ziehen von dem Rechner.
Dann ist der mit der USV geordnet runtergefahren. Dann haben Sie den Stecker wieder reingesteckt, ist er geordnet hochgefahren. Eigentlich konnten Sie weiterarbeiten, wenn Sie das mit einem kleinen Service-System machen, dass Sie 2 Wochen lang fummeln, bis Sie das wieder hingekriegt haben, wie das früher mal war.
Das macht diese Systeme, das ist durchaus ein großer Pluspunkt, der auch gerade in den Anfängen der IT sehr nützlich gewesen ist, weil natürlich die Leute, die wirklich Ahnung von IT hatten, auch überschaubar waren. Aber wie Sie richtig sagen, ist natürlich einfach die Möglichkeit, sich moderner aufzustellen, sei es in Bezug auf Benutzeroberflächen, wo natürlich auch entsprechende GUIs entwickelt wurden, die aber nicht mehr dem gerecht werden, was heute von insbesondere den jungen Leuten verlangt wird. Aber auch natürlich die Vernetzungsfähigkeit, der Austausch von Informationen, wie man das heute braucht, über das Internet auch und über Wertschöpfungsketten hinweg.
Und da kommen wir so langsam auch in die Diskussion, wo muss das ERP eigentlich hingehen. Das ist bei diesen Systemen natürlich nicht gegeben, beziehungsweise außerordentlich schwer herzustellen. Bleiben wir noch mal einen Augenblick bei diesem Thema Ergonomie, Usability, Bedienbarkeit des Systems.
Sie haben irgendwann mal ein Pamphlet geschrieben, Zukunft des ERPs, Ihre Gedanken, wie das in einigen Jahren aussehen müsste. Und ein großes Thema, was Sie dort reingeschrieben haben, ist das Thema Ergonomie vor dem Hintergrund einer Komplexitätsfalle. Was meinen Sie damit? Ja, wir haben einfach die Situation, ich habe das vorhin schon mal so ein bisschen gestresst, Wir kamen ja her von Systemen, die relativ einfach waren, in eher funktionaler Tiefe, die ja auch dann eben entsprechend auf diesen 14-Zoll-Bildschirmen abgebildet waren mit den ASCII-Masken. Das war alles nur relativ überschaubar. Und dann sind die Systeme eigentlich gewachsen mit Anwenderanforderungen.
Das heißt, die Kunden haben, die Kunden dieses System haben gesagt, ich brauchte dies noch und ich brauchte jenes noch. Und das haben dann eben Softwareentwickler, wie ihnen geheißen, in diese Masken reingebracht. Die Bildschirme wurden größer, aber die Anzahl der Funktionalität wurde noch viel schneller größer.
Das heißt, man hat dann die Funktionalität versucht, in diese Masken hinein zu programmieren. Da hat man auch, und da möchte ich den Programmierern gar keinen Vorwurf machen, grundsätzliche Dinge, die die Ergonomie betreffen, nicht beachtet. Die Leute wussten es einfach nicht besser.
Das sind eben keine ausgebildeten Bildschirmdesigner gewesen, sondern das sind eben Programmierer gewesen, die dann dort den Knopf und dort den Knopf nochmal hingebaut haben. Möglicherweise auch mehrfach in einer Maske, sodass zum Beispiel eine grundlegende Anforderung, es gibt einen Eingang und einen Ausgang zum Beispiel, überhaupt nicht beachtet wurde. Und heute sind diese Systeme so kompliziert, wenn Sie zum Beispiel an die GUI des Marktführers denken.
Es sind so komplex und so kompliziert, dass man ohne Erklärung da gar nicht reinfindet. Natürlich hat sich auch dort sehr, sehr erfreulich teilweise die Modernisierung von Systemen bemerkbar gemacht. Sie haben heute, und da hätten wir von geträumt, durchaus textsensitive Felder, wo also diese Mauszeilen auf das Feld gehen und dort erklärt wird, was in dem Feld eigentlich gemeint oder gewollt ist.
Aber dennoch ist einfach diese Komplexität der Systeme in einer Weise schwierig, dass man also nachhaltigen Schulungsaufwand braucht, damit die Leute die Systeme richtig bedienen. Und das ist eben ganz anders als bei modernen Systemen, wenn Sie zum Beispiel an ein Smartphone denken, wenn Sie das also im Bahnhof liegen lassen und kein Passwort drauf haben. 14-jährige Jugendliche, der das findet, der hat sich da innerhalb von 10 Minuten reingekummelt und weiß, wie das Ding funktioniert wird, weil es eben ergonomisch gestaltet ist und weil sie eben vorgegebene Wege dort haben, wie sie etwas machen sollen oder wohin sie von einer Stelle, an der sie gerade sind, sinnvollerweise hin manövrieren können.
Und das sind eben Dinge, die ein ERP-System im Prinzip auch brauchte, dass man eben auf dem Bildschirm nicht alle Möglichkeiten sieht, die man haben könnte, sondern die Möglichkeiten sieht, die man eigentlich für seinen Prozess braucht und das System einem vorschlägt, wo man sinnvollerweise von A nach B geht. Das würde erstens dazu führen, dass Sie im Unternehmen natürlich Prozesse, Abläufe bekommen, die einheitlich sind. Und zweitens eben auch im Berufsschulungsaufwand deutlich besser sich aufstellen können, die Mitarbeiter also nicht die Unahmen des Vorgängers oder des Kollegen übernehmen mit dem System, sondern im System sachgerecht und vernünftig geführt werden.
Jetzt habe ich Engelchen und Teufelchen sozusagen auf meinen Schultern sitzen, weil ich natürlich auch langjährige Softwareentwicklung gemacht, begleitet, wie auch immer habe und weiß, wie unglaublich schwierig das ist in dieser Komplexität, die heute die Betriebswirtschaft ja auch hat, Stichwort Integration. Die Daten werden überall benötigt in unterschiedlichen Funktionalitäten usw. usf.
Das ist natürlich was ganz anderes, als wenn ich eine Facebook-App habe oder irgendeine kleine funktionale Einheit, die ich als HTML5-App auf dem Smartphone bediene. Mir hat vor einiger Zeit mal ein langjähriger ERP-Geschäftsführer gesagt, wie schwierig das eigentlich ist, dieses Thema Einfachheit in den Systemen zu leben. Und er brachte ein Beispiel.
Er sagte ja, für bestimmte Felder, da haben wir einfach ein Zusatzfeld noch hingesetzt, weil die Leute immer sagten, wir brauchen mehr als die X-Zeichen. Und dann haben wir ein zweites Feld dort angeboten. Und dann hat wieder eine andere Gruppe von Anwendern geschrien, weil sie sagten, du kannst doch nicht einfach ein zweites Feld da reinsetzen.
Jetzt müssen wir ein zweites Feld pflegen bzw. brauchen eine weitere Tab antippen, um eben weiterzukommen auf der Maske. Das ist doch überhaupt nicht das, was wir wollen.
Das ist natürlich die Problematik aus der alten Welt, die die ERP-Hersteller in der Standardsoftwareentwicklung auch sehen, wenn sie mit dem Thema Einfachheit konfrontiert werden, oder? Natürlich, das ist valide und sehr ernst zu nehmen, was der Kollege gesagt hat, keine Frage. Aber deshalb ist man eben auch, und da ist natürlich auch die technische Voraussetzung bei Systemen sehr unterschiedlich, schon vor vielen Jahren eigentlich dazu übergegangen, Anwendermasken anzubieten, die eben kundenindividuell auch gestaltet werden können, dass man eben bestimmte Funktionalitäten quasi gar nicht mehr anbietet, sondern der Benutzer eigentlich nur das sieht, was er sehen soll und mit dem er arbeiten soll. Also ursprünglich ist es halt so gewesen, dass die Dinge gewachsen sind und man eigentlich mit dem ERP alle Möglichkeiten gesehen hat auf den GUIs, die man überhaupt anwenden könnte und viele Fälle aber in vielen Fällen überhaupt nicht genutzt wurden.
Und dass man also quasi eine unheimliche Fülle von Systemen hat, und je größer die Systeme wurden und je mehr sie eben auch in Richtung von einer Nutzung im Konzern angelegt waren, desto mehr wurde das auch von der Funktionalität her. Wenn wir also an den Marktführer von der Systeme denken, dann ist das schon gewaltig, was da angeboten wird. Und auch die Frage, wie man das überhaupt noch überblicken soll, stellt sich natürlich an der Stelle.
Aber da sind eben Anbieter auch seit einigen Jahren durchaus hingegangen und haben eben hilfsweise angeboten, diese Masken wiederum zur Entschlackung und entsprechende User-Cockpits anzubieten, wo der Mitarbeiter dann eben auch nur die Funktionalität gesehen hat, die er brauchte. Denn was soll ein Maschinenbauanwender mit Funktionalitäten tun, die spezifisch für jemanden gestaltet wurden, der ein Hotel betreibt. Aber dasselbe System quasi benutzt, aus demselben Softwarehaus, aus derselben Software-Schmiede, da hat man schon in den vergangenen Jahren durchaus angesetzt, Abhilfe zu schaffen.
Und das kann man natürlich noch weiter verfolgen. Ich sehe zurzeit drei unterschiedlich gut geeignete Lösungsansätze, die bei den moderneren Systemen gefahren werden. Das erste ist, die modernen Systeme lassen sich relativ schnell in den Masken modifizieren.
Also wo ich bei den älteren Systemen sicherlich, wenn ich ein Feld hinzufügen will auf einer Maske, mit ein, zwei externen Manntagen Programmierarbeit rechnen muss, kann ich bei den moderneren Systemen, zumindest als Administrator mit Mausklick, innerhalb von wenigen Minuten ein zusätzliches Feld einbringen, mit der Datenbasis verknüpfen und so weiter und so fort. Das ist der erste Aspekt. Der zweite Aspekt ist das, was ich so ein bisschen das Unternehmensdatenfundament auch nenne.
Wir müssen davon wegkommen, starre Benutzeroberflächen zu schaffen, die sozusagen rechts und links beschnitten sind, hin zu dem Angebot an die Anwendungsunternehmen in Form von Microservices oder betriebswirtschaftlichen Objekten, die ich eigentlich in beliebiger Form in unterschiedlichen Geschäftsmodellen auf selbst generierten Masken bauen kann. Das ist für mich der zweite Aspekt. Der dritte Aspekt, das diskutiere ich auch gerade sehr intensiv mit einigen ERP-Herstellern, ist, inwieweit können wir über selbst lernende Mechanismen, künstliche Intelligenz ist auch hier wieder das Passwort für alles, erkennen, was der Nutzer innerhalb dieser Transaktion tatsächlich an Feldern benötigt.
Noch besser, er braucht gar keine Felder, weil alles automatisiert ist in den BWL-Prozessen. Aber zumindest soweit, dass wir sagen, es ist eine Prozessvariante, die geht nach rechts oder links. Entsprechend passen sich automatisiert die Masken an das Verhalten des Nutzers bzw.
an die Situation, mit der der Nutzer umgehen muss, an. Wie weit halten Sie die drei Szenarien für realistisch? Wie weit werden sie gelebt im Maschinen- und Anlagenbau? Ich halte sie zumindest für alle drei durchaus valide, wobei Sie jetzt nicht zufällig auch diese Abfolge der Möglichkeiten genannt haben. Heute sind wir vielleicht bei dem ersten, was Sie bei den moderneren Systemen beschrieben haben, dass ich die Anwendermasken auf sehr einfache Weise den Gegebenheiten anpassen kann.
Das ist auch etwas, was die Unternehmen aktuell brauchen und nutzen, sofern sie die Möglichkeiten haben. Wir haben vorhin darüber geredet, dass die Welt in den Business-Prozessen viel schneller und komplexer geworden ist. Ich brauche, dass ich nicht über Jahre meine Geschäftsprozesse eins zu eins aufrechterhalte, sondern durchaus modifiziere.
Als Anwender natürlich erstens nicht ein Vierteljahr warten will, bis die entsprechenden Masken angepasst sind und dann auch noch eine fünfstellige oder eine höhere zu bezahlen will, um das umzusetzen. Das sind durchaus Dinge, die auch vor Jahren bei uns im Baudemar so definiert worden sind. Aber natürlich muss die Entwicklung weitergehen.
Wenn wir auf das Thema gehen, dass wir natürlich diese Systeme zerlegen und Apps anbieten, die die Anwender benutzen, dann sind wir natürlich schon sehr nah oder viel näher an den Bedürfnissen der Unternehmen, weil es sich auch zeigt, und das wäre natürlich wünschenswert, dass Unternehmen ganz spezifisch ihre Stärken und ihre Wertschöpfungsmethodik auch an den Systemen spiegeln wollen und ausprägen wollen. Und das eben mit einem System möglicherweise so eins zu eins nicht möglich ist, sondern aus einem Mix von unterschiedlichen Systemen oder unterschiedlichen Lösungsansätzen viel besser gestaltet werden könnte. Das ist natürlich durchaus eine Sache, die interessant ist.
Dazu müssten aber, gerade in dem Bereich ERP-Anbieter, sich die Modelle, wie man ERP-Geschäft macht, durchaus auch sehr stark verändern. Weil es ist zwar schon vor über zehn Jahren postuliert worden, dass das eigentlich der Weg sei, aber ernsthaft hat natürlich keiner der ERP-Anbieter gedacht, also ich verkaufe nur ein oder zwei meiner Module und den Rest soll jemand anders machen, sondern man versucht sie da natürlich immer ganzheitlich vorzugehen und sich im Sinne einer Appisierung weiterzuentwickeln. Da bedarf es einfach auch der Veränderung von Geschäftsmodellen bei diesen ERP-Anbietern.
Und wenn wir natürlich jetzt ganz nach vorne gehen, jetzt mal von einer historischen Entwicklung von Systemen in Richtung von KI, dann werden wir da sicherlich noch sehr viele spannende Dinge in der Zukunft auch in der näheren oder weiteren Zukunft sehen. Ich setze sehr viel darauf, dass man in Zukunft einfach Erfahrungswissen auch in dieser Form weiter ausprägen kann und die Systeme da auch logisch und sinnvoll weiter verbessern kann. Weil natürlich sind innerhalb dieser Geschäftsprozesse, die da abgewickelt werden, sehr viele wiederholende Sequenzen sozusagen, die man natürlich analysieren kann und aus der Analyse dann eben Schlussfolgerungen für Verbesserungen ziehen kann.
Also das sehe ich schon, dass das in einigen Jahren kommen wird und sich sehr positiv auswirken wird. Wir reden hier sehr, sehr stark noch über ERP. Das ist so die klassische Bezeichnung auch.
Aber gerade in Ihrem Bereich Maschinen- und Anlagenbau haben wir natürlich eine Fülle von Systemen oder Funktionalitäten, die zusätzlich angeboten werden, eingebunden werden müssen im Bereich der Maschineneinbindung, MES, Manufacturing Execution Systems, oder im Bereich der Produktionsplanung, Feinplanungstools, Dispositionstools und, und, und. Also eine Vielzahl wirklich von Systemen. Ist es überhaupt noch zeitgemäß, da von ERP zu reden, sich auf irgendwelche betriebswirtschaftlichen Dinge zu konzentrieren? Oder müsste man das Ganze nicht viel mehr öffnen? Es wäre aus Sicht der Anwender durchaus natürlich wünschenswert, dass da eine Öffnung der Systeme im Sinne der Kollaborationsfähigkeit dieser Systeme gegeben wäre, dass man eben nicht in einzelnen Schachteln sozusagen arbeitet miteinander, weil wir die wenig zu tun haben.
Wir haben das Thema seit vielen, vielen Jahren der Schnittstellen, auch wenn sich das heute durchaus verbessert hat und vereinfacht hat, ist es immer noch ein Thema, was natürlich nicht da ist. Und in dem Maße, wo man das natürlich abbauen kann, im Sinne, dass man eben auf miteinander kompatiblen Systemen eben in Form von überschaubaren Aufgaben handeln kann, dass man eben Apps entwickelt, die die verschiedenen Aufgaben übernehmen und dann wie ein Mosaik sich zusammensetzen können, würde natürlich die Möglichkeit eines durchgängigen Arbeitens und im Hintergrund natürlich einer durchgängigen Informationsaustausch zwischen den einzelnen Bausteinen, die man dort hat, sehr viel Ordnung und sehr viel Transparenz hineinbringen. Wenn man eben in drei Systemen zum Beispiel eben Stammdaten bezüglich Adresseninformationen verarbeiten muss, also man hat das ERP-System, hat vielleicht ein CRM-System und vielleicht noch ein System für die Versanddisposition, dann hat man natürlich auch eine dreifache Fehleranfälligkeit, wenn man dort nicht die Daten quasi gemeinsam nutzen kann.
Und in diesem Sinne wäre natürlich das schon außerordentlich übernützenswert, wenn sich die Entwicklung so vollzöge, dass man da quasi mit unterschiedlichen Systemen aus den gleichen Quellen schöpft und sozusagen diese Frage der Single Source of Truth beantworten könnte, positiv. Ich würde da gerne nochmal tiefer reingehen. Ich würde auch gerne mit Ihnen nochmal darüber sprechen, wie sich der Markt entwickelt hat, was wir heute für Systeme eigentlich sehen, wie sich die Systeme verändern, auch funktional verändern oder auch verändern müssen, was das Thema Internationalisierung an der Stelle auch angeht.
Mit Blick auf die Uhr würde ich Sie gerne nochmal einladen, mit mir in der nächsten Woche über diese Themen im Rahmen der Zukunft von ERP weiterzusprechen. Wenn das für Sie okay ist, würden wir für diese Woche einen Cut machen und ich darf mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Sehr gerne.
Bitte sehr. Vielen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.
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Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.