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#92b - Die Zukunft von ERP im Maschinen- und Anlagenbau – ein Interview mit Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA
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Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist mit 3.200 Mitgliedern Europas größter Industrieverband. Als solcher berät und unterstützt der Verband auch bei der Softwareauswahl und der Gestaltung des Unternehmensdatenfundaments. Mit dem langjährigen Fachexperten Volker Schnittler unterhalte ich mich daher über die Vergangenheit und Zukunft von ERP.

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten.

In diesem Sinne: keep connected.

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast Folge 92 Die Zukunft von ERP im Maschinen- und Anlagenbau Ein Interview mit Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA Zweiter Teil Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist mit 3200 Mitgliedern Europas größter Industrieverband. Als solcher berät und unterstützt der Verband auch bei der Softwareauswahl und der Gestaltung des Unternehmensdatenfundaments Mit dem langjährigen Fachexperten Volker Schnittler unterhalte ich mich daher über die Vergangenheit und Zukunft von ERP. Viel Vergnügen! Herzlich willkommen zum ERP-Podcast.

Dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. Herzlich willkommen zurück zum ERP-Podcast.

Heute der zweite Teil zum Thema Zukunft von ERP. Ich freue mich, dass ich mit Volker Schnittler, der Fachreferent beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist, einen wirklichen Marktbegleiter und ERP-Experten gefunden habe, mit dem ich über das Thema diskutiere. Wir haben letzte Woche schon ganz, ganz viel über Ergonomie, über Veränderung gesprochen.

Wir werden diese Woche wieder in medias res gehen. Herzlich willkommen zurück hier in den ERP-Podcast. Herzlich willkommen, Volker Schnittler.

Ja, ich freue mich, dass ich wieder dabei sein darf, Herr Professor Winkelmann, und auf die kommende Session sozusagen zu dem Thema ERP, was natürlich sehr vielschichtig und komplex ist. Vielleicht können Sie für alle, die die letzte Folge nicht gehört haben oder nicht mehr ganz im Ohr haben, nochmal kurz sagen, wer sind Sie, wer ist der Mensch Volker Schnittler und wer ist der VDMA? Ja, also ich arbeite für den VDMA, das ist der Industrieverband des Maschinen- und Anlagenbaus, der also 3.200 Mitglieder hat rund aus dem Maschinenbau. Das sind mittelständische Unternehmen, die eben in dem Verband sind, freiwillig, um eben gewisse Informationen, Dienstleistungen und Unterstützung dort zu erfahren von den über 600 Mitarbeitern des VDMA, die eben in unterschiedlichsten Fragestellungen ein Mittelständisches Unternehmen begleiten und beraten können.

Das geht also von technischen Fragen über Messen, über Auftritte im internationalen Spektrum bis hin eben zu IT-Fragen. Also wenn man zum Beispiel wissen will, ob das aktuelle ERP-System noch den Anforderungen genügt oder ob es was Besseres im Markt gibt, dann geht man eben auch zu uns und da gehen die Unternehmen zu mir. Ich selbst komme von meiner Ausbildung hier aus dem Maschinen- und Anlagenbau, habe also nach dem Abitur Werkzeug machen gelernt, bin Industriemeister Metall und bin dann durch ein berufstagsleitendes Studium als Informatikbetriebswirt quasi in die IT hineingeraten, war dort im mittelständischen Unternehmen zehn Jahre IT-Leiter, bin dann von dort aus für drei Jahre in die Softwareindustrie gegangen zu einem amerikanischen ERP-Anbieter, wo ich also insbesondere die Manufacturing-Suite dieses Unternehmens eben auch betreut habe, wo ich später dann auch andere organisatorische Aufgaben übernommen habe und bin schließlich beim VDMA, dem Maschinenbauverband, gelandet, eben als Fachreferent für Kaufmanagement in Software und das umfasst neben ERP natürlich vor allen Dingen MES-Systeme, das umfasst das Thema Variantenkonfiguration, Variantenmanagement, was immer mehr in den letzten 20 Jahren zum Vorschein kommt und auch so Themen wie BI, Business Intelligence, bis hin zu neuerdings der Fragestellung auch Plattformökonomie, also wie wird sich eigentlich Geschäft in Zukunft über Internetplattformen entwickeln und da gibt es auch die Tendenz, die wir vielleicht auch noch besprechen werden, dass immer mehr ERP-Anbieter auch mit Blick auf die Plattformen quasi dieses autistische ERP-System in Richtung einer Kommunikation unternehmensübergreifend öffnen.

Das bringt mich direkt zu meiner ersten Frage. Wenn ich jetzt auf der Anlagen- und Maschinenbauindustrie, wenn ich als Unternehmen auf der Suche nach einem neuen ERP-System bin, wenn ich Expertise brauche, dann stehen Sie als Verband, dann stehen Sie als Person, Volker Schnittler, zur Verfügung, dort erste Hilfestellung zu geben. Das ist so, ja.

Das ist für die Unternehmen auch recht wichtig. Wir haben da auch eine relativ hohe Frequenz von Anfragen aus unserer Branche, von den Mitgliedern des VDMA, die einfach sagen, also Herr Schnittler, wir haben da seit 15, 16 Jahren oder seit 10 Jahren ein System im Einsatz. Das ist ja so der Regelfall, dass man schon was hat.

Wir sind uns aber nicht mehr sicher, ob das das Richtige ist und ob die Funktionalität dessen, was wir da haben, ausreicht. Und da ist natürlich dieser ERP-Markt für die Maschinenbauunternehmen mit einer guten dreistelligen Zahl von Anbietern sehr unübersichtlich. Es gibt also, selbst wenn man branchenspezifisch etwas eindampft, dann hat man immer noch über 50 Anbieter, die da durchaus infrage kommen, die Fragestellung zu lösen.

Und da muss man dann schon so ein bisschen in die Details reingehen. Also sprich Unternehmensgröße, sprich auch Portfolio der Anforderungen. Also montiere ich nur noch und lasse eben die Dinge zuliefern, was sehr stark in die logistische Richtung dann spielt.

Oder habe ich tatsächlich auch eine Fertigungsteam mit einer doch beachtlichen Produktionsabbildung im Unternehmen, dann muss ich eben in Richtung anderer Systeme schauen. Also das wird schon für jemanden, der im Tagesgeschäft sich eigentlich um diese ganzen Dinge in der Regel nicht kümmert, wird es schon sehr wichtig, dort eben beraten zu sein. Ich mache trotzdem so eine initiale Beratung.

Das sieht also nicht so aus, dass wir dann wie die beginnend wochenlang im Unternehmen sein können, um die zu begleiten, sondern einfach, um die Themen mal anzuschieben und eine gewisse Orientierung zu geben. Und da kommen dann eben auch andere Experten ins Spiel, die einerseits natürlich durchaus Auswahlberatung unterstützen im Klassenberatungskontext, aber auch, und das ist mir ganz wichtig, häufig vorgelagert, erstmal überhaupt jemand, der zum Thema Stammdatenqualität ein Projekt vorschiebt, weil das neue System wird mit korrupten Stammdaten nicht besser arbeiten als das alte. Ja, das ist eine Erkenntnis, die man, glaube ich, auch in den Projekten sehr schnell bekommt.

Also die Geschäftsführung möchte ja von Anfang an am besten vorgestern ein vollautomatisiertes System und die Realität sieht dann doch ein bisschen anders aus. Wie sieht denn aus Ihrer Sicht die Realität des Marktes aus? Wie hat sich der ERP-Markt für Sie verändert? Wie haben sich auch die Systeme entwickelt in den letzten Jahren? Ja, der Markt hat sich im Sinne einer Marktbereinigung eigentlich nicht unbedingt verändert. Ich war vor vielen Jahren mal ein bisschen verärgert eigentlich über die Kampagnen, die da gestartet wurden, weil man gesagt hat, die werden eigentlich alle verschwinden, bis auf zwei, drei Systeme, die dann den Markt erobern werden.

Und dieser Markt wird sich also entsprechend konsolidieren. Das war damals nicht richtig und ist heute auch nicht richtig. Also es gibt eher mehr als wenige Systeme.

Zu den klassischen Systemen, die dort sind, sind welche hinzugetreten, die internetbasiert oder zumindest hybrid, die meisten funktionieren hybrid heute. Bei den klassischen Systemen, die eigentlich da und dort totgesagt wurden, gibt es dann immer noch die Situation, dass einfach bei einer ausreichend groß installierten Basis sich selbst bei insolventen ERP-Anbietern dann wieder Nachfolgefirmen gefunden haben, die einfach den Kundenstau weiterhin betreuen und die Systeme, so gut das eben geht, aktualisieren. Also dass da eine Nacht wachliegen muss und sagen muss, um Himmels Willen, mein ERP-Anbieter ist pleitegegangen.

Jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich machen muss. Das ist ein Szenario, der der Wirklichkeit entspricht. Also erstmal so weit.

Also eine Konsolidierung des Marktes ist im Prinzip da nicht wirklich zu verzeichnen. Gibt es, okay, verstanden, aus Ihrer Sicht, bei den Systemen im Maschinen- und Anlagenbau relativ stabiler Markt. Das würde ich auch unterstreichen.

Wie sieht es funktional aus? Gibt es da eine bestimmte Konsolidierung? Gibt es bestimmte Grundanforderungen, die heute an ERP-Systeme gestellt werden? Also ich denke zum Beispiel an das Thema Internationalisierung von ERP-Systemen. Wie sieht das im Maschinen- und Anlagenbau aus? Ja, wir haben natürlich, weil der Maschinen- und Anlagenbau auch selbst eine Branche ist, die auf internationalem Parkett eigentlich erfolgsentscheidend unterwegs ist. Also das Geschäft wird nicht mehr in Deutschland ausschließlich oder vorwiegend gemacht, sondern vorwiegend zu 70 Prozent plus auf dem internationalen Markt.

Natürlich haben wir da die Anforderungen, sofern wir davon ausgehen, dass Systeme dann auch Unternehmen, im ganzen Unternehmen genutzt werden, haben wir einfach die Anforderungen natürlich, dass diese Systeme auch in den maßgeblichen Sprachen angeboten werden. Ob das immer der Königsweg ist, auf der ganzen Welt das gleiche ERP-System zu benutzen, glaube ich, das ist nicht immer der Königsweg. Es ist nicht immer sinnvoll, an der Stelle konsolidieren zu wollen, weil man doch mit einem immensen Aufwand teilweise Leuten Systeme und Funktionalitäten aufs Auge drückt, die völlig auch deren Arbeitsmodus und deren Arbeitsgewohnheiten widersprechen.

Das wird ein Brasilianer, der Chinesen nie so arbeiten wie ein Deutscher. Und ob wir uns als Deutsche jetzt hinstellen sollten und sagen, wir haben den Stein der Weisen gefunden und die Welt soll so zicken, wie wir das tun, das weiß ich nicht, ob das richtig ist. Also andere sind auch erfolgreich, aber eben auf ihre Art.

Also das war vorausgeschickt. Dennoch ist es so, dass natürlich die meisten Systeme im Vergleich zu früher heute zumindest mal in englischer Sprache bedienbar sind. Und einige sind eben da ganz beeindruckend.

Also nicht nur der Marktführer, sondern auch andere Systeme im Mittelstand sehr beeindruckend. International unterwegs mit einem großen Portfolio nicht nur unterschiedlichen Sprachen, die dort eben begleitet werden können, sondern vor allem auch den ganzen kaufmännischen Rechtsrahmen, der dort eben abgebildet ist. Das sind schon Themen, die also die Unternehmen umtreiben, aber auch andere Sachen, die dort eben entsprechend in Frage kommen können, wie die Vernetzung innerhalb des Internets oder mit anderen Systemen innerhalb von Wertschöpfungsketten spielen mehr und mehr eine Rolle.

Wir haben also gerade in unserer Branche im Maschinenbau bezüglich der Frage der Lieferketten, die wir brauchen, immense Herausforderungen uns dort schlank und schlagkräftig aufzustellen. Also da müssen einfach Systeme heute eben sich aus der Isolierung im Unternehmen lösen und unternehmensübergreifend eigentlich Informationen austauschen können und agieren können. Das ist heute in den wenigsten Fällen gegeben.

Das bringt mich jetzt ein bisschen zu der Frage, wenn ich mir die ERP-Hersteller angucke, es gibt einige wenige, die sind riesengroß. Die sind sicherlich nicht nur ERP-Hersteller, das sind betriebswirtschaftliche Softwarehersteller. Und dann gibt es eine Reihe von Softwareherstellern mittelständisch geprägt.

Ich sage was 100 Mitarbeiter, 200 Mitarbeiter. Inwieweit schafft es diese Größe von Softwareherstellern zukünftig den gestiegenen Bedarf, die gestiegene Komplexität aus dem Maschinen- und Anlagenbau mit ihrer Software auch zu bedienen? Ich denke, das ist in dem Maße durchaus zu leisten, indem man einfach Infrastruktur von anderen nutzt. Das halte ich auch für eine Tendenz, die ich da sehe, dass eben ERP-Anbieter sich in Richtung von Internetplattformen öffnen und deren Grundfunktionalitäten eben nutzen, die eben die Verteilung von Informationen im Netz, die Gestaltungsmöglichkeiten auf entsprechenden Plattformen, aber auch Fragen wie Security und andere Dinge, einfach dort aus ihrem System auslagern und eben nutzen und damit also durchaus einerseits den Kern und ihre Expertise in der Anwendungsgestaltung durchaus auswägen zu können, aber dass viele drumherum eine Dienstebereitstellung eben nicht haben müssen und damit eben auch durchaus auf Augenhöhe mit einem Hersteller kommen kann, der sagt, ich mache meine eigenen Webservices oder meine eigene Plattform, die biete ich als Anbieter mit an.

Zumal bei letzterem umfassenden Angebot natürlich durchaus eine relativ große Angst von Log-in-Effekten gegeben ist, also dass die Nutzer der marktführenden Software natürlich sich sehr genau überlegen, was passiert eigentlich, wenn ich mich darauf einlasse, eben nicht nur das ERP-System, sondern auch die Plattform und die Vernetzung von einem Hersteller zu haben. Komme ich da jemals aus dieser Nummer wieder raus? Das sind durchaus Fragen, die da diskutiert werden und wo Unternehmen durchaus erstmal eine Grundskepsis haben, sich darauf einzulassen, was vielleicht auch mit ein Problem ist, dass eben der Erfolg einer neuen Software dann von diesem Anbieter nicht sich so rasch vollzieht, wie man das eigentlich sich gedacht und gewünscht hätte. Wir hatten beim letzten Mal ein Thema angesprochen, kurz angetippt.

Das war das Thema Vernetzung. Die Fragestellung, wie gehen die Unternehmen eigentlich mit Kommunikationsstandard, mit dem Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Systemen beziehungsweise zwischen unterschiedlichen Unternehmen oder Organisationseinheiten um. Ist das aus Ihrer Sicht gelöst oder stehen wir ganz am Anfang? Ganz am Anfang stehen wir sicherlich nicht mehr.

Wenn ich daran denke, wie beschränkt die Möglichkeiten gewesen sind vor 20 Jahren oder noch weiter früher, Informationen auszutauschen, da sind wir doch erheblich weiter. Wir haben gerade in Richtung von Standards, die durchaus im Markt vorhanden sind, eine relativ große Offenheit und Möglichkeit, Dinge auszutauschen. Wenn wir uns jetzt in Richtung von Plattformen bewegen, dann wird diese Freiheit natürlich noch größer und noch besser, weil sich Standards etabliert und durchgesetzt haben inzwischen, die vielleicht nicht offiziell standardisiert sind, aber dennoch quasi Standard in unterschiedlichen Branchen sind.

Da sehe ich weniger die Frage der technischen Möglichkeit, sich auszutauschen, als mehr die Frage der industriekulturellen Bereitschaft, sich dort zu verändern und zu einer größeren Offenheit zu gelangen. Ich versuche meine Fragen immer möglichst offen zu stellen, denn nicht meine Meinung ist relevant, sondern ich möchte gerne mit Ihnen diskutieren oder Ihre Meinung erfahren. Wir haben uns sehr lange am Lehrstuhl mit der Ausprägung der Standards, der realen Ausprägung beschäftigt und immer wieder festgestellt, dass es technisch gar kein Problem mehr darstellt, Daten auszutauschen, aber auf der inhaltlichen, auf der semantischen Ebene leider Gottes jeder die Standards ein bisschen anders anwendet und verbiegt, was dann dazu führt, dass das Handling immer komplexer wird und diese Komplexität eigentlich dazu führt, dass es immer schwieriger wird, in diesen digitalen Austausch zu kommen.

Vielleicht nicht innerhalb des eigenen Unternehmens, aber doch im Übergriff auf die Daten anderer Unternehmen es heute wahnsinnig schwierig geworden ist, diese Daten auszutauschen. Das ist durchaus ein Stück weit so, da würde ich Ihnen zustimmen. Allerdings bin ich dennoch der Meinung, dass es vor allen Dingen industriekulturelle Fragen sind, die uns da bewegen sollten und wo wir einfach ein besseres Verständnis des Miteinanders gewinnen sollten.

Ich darf Ihnen das vielleicht mal an einem Beispiel illustrieren. Wir haben im Maschinenanlagenbau die Situation, dass wir jetzt mal ganz grob über den Daumen gepeilt so 50 Prozent der Wertschöpfung selbst erbringen, wo also mit unserer eigenen Produktion die Dinge hergestellt werden und 50 Prozent eben zukaufen. Und nun ist es so, dass wir im Maschinenbau in der Regel relativ überschaubare einstellige Deckungsbeiträge haben, also große Volumina vom Geschäft, aber doch überschaubar eigentlich der Verdienst ist im Vergleich zum Markus-Unternehmen zum Beispiel.

Der eine Punkt des Problems ist, dass der Liefertermin in den Maschinenbau heilig ist, weil es ein Investitionsgut ist, mit dem der Kunde produzieren will. Das heißt, er hat seine Vorstellung, wann er die Maschine zum Einsatz bringen will. Das ist für ihn entscheidend, welchen Anbieter er für eine Maschine nimmt, weil er auf die Terminzuverlässigkeit des Lieferanten hofft.

Nun ist es so, dass unsere mittelständischen Firmen im Vergleich zu einem großen Automotive-Hersteller zum Beispiel nichts sagen können. Am 13. April 1812 stehst du vor Rampe 17, wir laden in der Reihenfolge ab, wie wir montieren.

Dafür sind die viel zu klein, da fehlt die Marktmacht. Dennoch bestellt er das, was er braucht, und kann sich aber nicht unbedingt auf diese Lieferketten, auf diese Lieferzutagen verlassen. Das heißt, die Sachen kommen teilweise nicht.

Die ERP-Systeme sind dann auch an der Stelle nicht sehr gut ausgeprägt. Ich kann wohl meinen Primärbedarf dort einlasten. Das System sagt mir dann auch, wenn du jetzt alles auflöst, was du da brauchst, da ist ein Teil dabei, das braucht vier Wochen Lieferzeit, der muss die jetzt bestellen, ist alles fein.

Dann bestelle ich also in vier Wochen meine Sachen, die ich brauche, an der Stelle. Dann stellt das System nach vier Wochen fest, du, der hat nicht geliefert, du musst mal mahnen, ist also auch alles noch fein und abgefangen. Aber dann kommt das Zeug nach sechs Wochen, und dann sagt das System eben nicht mehr, du, das hat jetzt sechs Wochen gedauert, dann müsstest du mal gucken, ob du deine Dispositionsparameter verändern musst, dann ist das System still, und das nächste Mal passiert mir das gleiche Mist wieder.

Also das ist so mal auf Seiten der ERPs, wo es einfach an einfachen Funktionalitäten fehlt. Auf der anderen Seite, wenn wir jetzt die Gesamtsituation betrachten von Unternehmen, die eben darauf angewiesen sind, dass Lieferketten funktionieren, aber feststellen, das ist nicht umsetzbar, was machen die dann? Einerseits legen sie natürlich viel zu früh und viel zu viele Dinge hin, damit sie ja montieren können, wenn es soweit ist, und wenn das nicht reicht, dann machen sie Überstunden. Das heißt, betriebswirtschaftlich ist es natürlich eine ganz schwierige Sache, wenn ich ohnehin an den Aufträgen nicht viel verdiene und dann auch Geld verliere, dadurch, dass ich mir ständig hinlege und Überstunden mache, dann ist das schon dramatisch.

Und in dem Sinne fehlt natürlich bei den Systemen heute einfach die Möglichkeit, also einerseits die Möglichkeit, diese Dinge in den Lieferketten zu kommunizieren, auf der anderen Seite aber einfach eine Grundeinstellung, das ist das, was ich mit dem kulturellen Wandel meine, es fehlt eine Grundeinstellung, dass ich als Wertschöpfungsnetzwerk eigentlich nur so funktionieren kann, wenn ich gemeinsam vernünftig funktioniere und wenn ich meinem Kunden auch mal im Zweifelsfall sage, das klappt diesmal nicht termingerecht, und möglichst frühzeitig ihm das eben sagt, damit er noch Ersatzszenarien fahren kann. Nein, die Leute, die handeln so, wie ich das als junger Arbeitsvorbereiter auch gemacht habe, nämlich erstmal Füße stillhalten, vielleicht merkt der Kunde ja nicht, dass ich nicht liefern kann, und wenn der dann anruft, dann sagen, ach ja, gerade wollte ich Sie anrufen, das klappt diesmal nicht. Also das sind einfach Dinge, die in einer so komplex vernetzten Wirtschaft, wie sie heute sind, nicht mehr funktionieren als Strategie.

Und wo man also immer Geld liegen lässt und sich im Mitbewerb als gesamtes Wertschöpfungsnetzwerk einfach schwächt und in eine schlechte Position bringt. Das Thema Wertschöpfungsnetzwerke, Weitergabe, Austausch von Daten ist eigentlich ja ein ganz altes Thema auch. Wenn ich mir den Handel anschaue, Ende Anfang 90er Jahre, Efficient Consumer Response, wo man sich große Dinge erwartet hatte, eigentlich auch vom Austausch der Daten, rechtzeitige Benachrichtigung, Reduktion des Pulver-Effekts, der Schwankungen in der Lieferkette und so weiter und so fort.

Und trotzdem ist das nie so richtig zum Fliegen gekommen, weil einfach natürlich auch jeder Angst hat, dass mit der Herausgabe von Daten Betriebsgeheimnisse weitergegeben werden und so weiter und so fort. Das ist vielleicht auch weiterhin ein Problem, was wir, egal wie wir die ERP-Systeme der Zukunft aufbauen werden, auch haben werden, oder? Absolut, ja, weil es ist kein technisches Problem. Es ist wirklich karo einfach.

Ich habe ja seit vielen, vielen Jahren natürlich die Funktualität in meinen ERP-Systemen drin, dass ich eben capable to deliver bin oder wie immer man das in den unterschiedlichen Systemen nennt. Also die Systeme sind durchaus in der Lage zu erkennen und zu errechnen, wann ich eben einen Liefertermin erfüllen kann oder wann ich ihn nicht erfüllen kann. Das ist nicht das Problem, sondern das Problem ist die kulturelle Bereitschaft, sozusagen diesen schönen Schein, ich bin lieferfähig, aufzugeben und ehrlich seinem Partner zu sagen, du, das klappt diesmal nicht.

Also das ist wirklich eine Sache, keine Sache des Könnens, sondern eine Sache des Wollens. Und im Augenblick hängt es daran, dass eben die Beteiligten dort nicht wollen und einfach sagen, also eine Strategie, die den schönen Schein wartet, dass wir ein zu verlässlicher Lieferant sind und dass eigentlich erst dann in der Lieferantenbewertung, sozusagen als Leichenbeschau, dann deutlich wird, dass wir so gut gar nicht sind. Darauf lassen die es nach wie vor ein und halten da nach wie vor daran fest, was aber natürlich nicht im Sinne eines funktionierenden Liefernetzwerks zielführend ist.

Also das wesentliche Problem ist ein industriekulturelles Problem und kein technisches. Jetzt gibt es seit einigen Jahren in vielen Branchen die Überlegung, weg von dem eigenen Rechenzentrum, weg von der gekauften Lizenz, hin zu dem Begriff Cloud, also in einer Mietsoftware, die irgendwo gehostet ist. Das kann ja auch durchaus in einem deutschen Rechenzentrum sein.

Wie nehmen Sie das in Ihrer Branche wahr? Wie reagieren die Hersteller, also die ERP-Hersteller, und wie reagieren die Kunden, sprich die Anwendungsunternehmen? Ja, das Thema des Hostings ist ja kein neues Thema. Das hat sich vor 30 Jahren in den sogenannten Rechenzentren, wie man damals sagt, wo man seine ERP auch betrieben hat und wo man auch selten katastrophale Dinge gehört hat, im Sinne von das funktioniert nicht und die Daten liegen alle offen. Das ist eigentlich recht unkritisch.

Und ohne weiter zu machen natürlich ist immer so die Überlegung vom Bauchgefühl her, meine Software, mein Rechner, mein Keller, dass man sich also vorgibt, dort sicherer zu sein. Das ist aus technischer Sicht sicherlich nicht gegeben. Also wenn ein Rechenzentrum solche Services anbietet, dann sind die auf einem hohen Niveau abgesichert, weil wenn da was schief geht, dann kann das natürlich sehr geschäftskritisch sein.

Wenn ich meine eigene Software in meinem eigenen Keller stehen habe, ist das nur solange sicher, solange ich mich wirklich von einer Nutzung des Internets ausschließe und sozusagen, wie wir das früher gemacht haben bei den mittleren Datentechnikrechnern, in einem geschlossenen Netz innerhalb des Unternehmens bewege, das keine Verbindung zur Außenseite hat. Wenn ich diese Struktur aufgebe, dann bin ich in einem Rechenzentrum technisch gesehen immer besser aufgehoben als in meiner eigenen Firma. Natürlich ist es so, dass gerade gefühlsmäßig auch von den Unternehmen gesehen wird, ja, wenn ich in meinem eigenen Unternehmen die Software betreibe und eine große Zahl der Gefährdungen kommt natürlich durch eigene Mitarbeiter.

Wenn ich also im Mittelstand sage, ich sehe die Leute jeden Tag, jeder im Unternehmen ist natürlich sich darüber bewusst, wie wichtig es ist, dass wir eine Integrität, eine Souveränität unserer eigenen Daten haben und auch verteidigen und dass da eben die Arbeitsplätze der Mitarbeiter durchaus im Zweifel davon abhängen, dort sicher diese Daten zu halten und nichts rauszugeben, was nicht raus soll, dann hat es natürlich eine gewisse Berechtigung. Aber auch an der Stelle hat man natürlich dort Lücken drin, genauso wie man natürlich Lücken hat in einem Rechenzentrum, wenn ich so unterstellen würde, dass da einer arbeitet, der vielleicht finanziell in einer Schieflage ist und dann von außen ein Angebot bekommt, dem man nicht widersprechen kann. Also das halte ich für möglich.

Aber ich glaube auch, dass ein Missbrauch von Daten und ein missbräuchlicher Zugriff von Daten über ein Rechenzentrum, das modern ausgerüstet ist, schneller bemerkt wird als in einem mittelständischen Unternehmen, die also mit überschaubaren handwerklichen Mitteln einfach versuchen, ihre Datensicherheit hierher zu stellen. Also unterm Strich sehe ich einfach die Tendenz, dass sich gerade der Betrieb von Systemlösungen im Haus zu Ungunsten von Lösungen, die im Netz angeboten werden, verlagern wird. Dass man das auch aus operativen Gründen und aus Gründen von Leuten, die man eben hat, die sich damit beschäftigen sollen im Unternehmen, die man möglicherweise gar nicht hat oder gar nicht mehr hat, einfach aus den Unternehmen auslagern wird und hin zu Rechenzentren gehen wird.

Also ich kenne natürlich die ganzen Argumente und ich sehe und unterstreiche sie auch. Die Frage ist natürlich, inwieweit kommen sie in die Köpfe und in die Handlungen der Unternehmen, egal welcher Industrie oder Branche. Wird das in ihrer Branche auch so gesehen oder ist man doch eher der Meinung, die Daten, die ich innerhalb meines eigenen Hauses habe, die gehören mir und da sind sie auch sicher? Es gibt, wie gesagt, natürlich diese Auffassung, aber ich glaube, es ist ein gutes Stück weit natürlich auch eine Frage der Generationen oder des Generationenwechsels.

Als ich als IT-Leiter angefangen habe, in meinem früheren Unternehmen, wir haben da die Bildschirme von unserer Software verteilt, da sagte der Seniorchef, bei mir kommt kein Bildschirm rein, wenn ich was wissen will, frage ich meine Sekretärin, die sucht mir das dann raus. Als sein Sohn einstieg, er hat natürlich sofort den besten und schnellsten Rechner gehabt im ganzen Unternehmen, er hat einen ganz anderen Zugang gehabt. Und so ist das eben auch mit der Frage von Benutzung, von Internet-gestützten Dingen, die man heute hat, um sein Geschäft zu organisieren.

Da sind die Leute der jetzigen Generation, wie ich es schön nenne, deutlich entspannter als die alten Hasen, so wie ich, die das Klassische miterlebt haben und mitgestaltet haben. Ich denke, da gibt es eine sehr starke Erosion hin zu der Bereitschaft, im Internet zu arbeiten und Dienste aus dem Internet zu nutzen. Wir haben das auch in den vergangenen Monaten sehr stark festgestellt beim Thema Plattformökonomie, was ja auch eine Internet-gestützte Herangehensweise an neue Geschäftsmodelle ist.

Wir haben sowohl auf unser Mitgliedersammel in Nordrhein-Westfalen unter drei Themen, die angeboten waren, das als stärkstes gesehen, als auch auf unseren Kongress Maschinenbau vorausgedacht. Da wurde das Dach also mit Groß D, Groß A, Groß C, Ja geschrieben. Und Sie ahnen es, es war eben eine Veranstaltung mit unseren österreichischen und schweizer Kollegen zusammen.

Und auch dort wurde dieses Thema Plattformökonomie als interessantestes Thema von den Teilnehmern wahrgenommen und gebucht. Und das zeigt schon, dass die Bereitschaft, sich einfach mit den Themen auseinanderzusetzen und da durchaus neu zu denken, in den letzten Jahren doch sehr stark gestiegen ist. Und unsere Aussage vor einigen Jahren noch, also Cloud-Doppelpunkt, bei uns ist alles wolkenlos, die kann man so heute nicht mehr halten.

Also Sie meinen, auch die Denke in den Unternehmen verändert sich zurzeit ganz extrem? Sie verändert sich signifikant zumindest. Also ganz extrem wäre vielleicht etwas zu weit gegriffen, weil das ist erstens immer eine Momentaufnahme und zweitens ist der Maschinenbau durchaus nach wie vor eine wertkonservative Branche, die sich jetzt nicht so schnell verändert. Aber ich stelle schon fest, dass signifikant sich das verändert und dass die Unternehmen doch heute erheblich zugänglicher sind zu solchen Themen als vielleicht vor vier, fünf Jahren.

Heißt ERP bleibt auch die nächsten 10, 20 Jahre unglaublich spannend, wird sich massiv verändern. Die Anforderungen haben sich schon sehr stark verändert aus der Branche, werden sich auch in Zukunft sehr stark verändern. Was dazu führt, dass sich auch die ERP-Hersteller an der Stelle vielleicht ein bisschen bewegen müssen, oder? Absolut, ich meine, das mussten sie immer und das müssen sie auch in Zukunft.

Es ist natürlich immer, und gerade bei so einem Markt, der ja auch gefettigt ist, immer eine Herausforderung, sich da zeitgemäß aufzustellen und immer wieder neu zu erfinden. Ich meine, der ERP-Markt ist nun mal, zumindest bei uns im Maschinen- und Anlagenbau, so, dass fast 100% der Unternehmen bereits ein System haben. Das heißt, wenn sie als ERP-Anbieter dort erfolgreich sein wollen, dann müssen sie eigentlich einen anderen vom Hof jagen, um da selbst zum Einsatz zu kommen mit ihrem System.

Das heißt, es braucht eine hohe Agilität. Sie müssen sich dauernd und immer Gedanken machen, wie kann ich mein Produkt verbessern, wie kann ich es attraktiver machen und kann eben den anderen Mitbewerber ausstechen? Also das ist den Leuten sozusagen seit vielen, vielen Jahren in die DNA gelegt, also seit eben der Markt eigentlich in der Branche aufgeteilt ist und es nur noch darum geht, eben einen anderen zu verdrängen. Seitdem ist es einfach so, dass ERP-Anbieter natürlich per se immer bestrebt sein müssen, dort wieder neu zu denken und neue Vorzüge ihres Systems auszuarbeiten.

Das geht eben nur dadurch, dass man sehr genau auf sein Zielmarkt und auf seine Kunden schaut und sich vor Augen führt, was brauchen die eigentlich. Es bleibt spannend. Herr Schnittler, kommen wir abschließend noch mal ein bisschen zu Ihnen, kommen wir abschließend noch mal zu unserer Blitzlichtrunde.

Ein paar Fragen an Sie persönlich. Warum sind Sie beruflich das geworden, was Sie heute sind? Das, ja, muss ich fast sagen, würde ich auch gerne, oder haben eigentlich meine Mitschüler, als wir Klassentreffen hatten, die haben mich auch ganz groß angeguckt und haben gesagt, was, Schnittler, du IT, das gibt es doch überhaupt nicht, der Antimathematiker. Also es hat sich einfach, und das macht mir auch andererseits sehr viel Freude, es hat sich so ergeben und es hat sich vielleicht daraus ergeben, dass ich immer weiter wollte und immer neue Perspektiven auch gesucht habe und eigentlich nie mich damit zufrieden gegeben habe, wo ich gerade stehe, sondern versucht habe, da Chancen zu ergreifen.

Wie gesagt, also nach dem Abitur untypisch, erst mal gesagt, ich mache mal eine Ausbildung, dann gesehen habe, okay, als Werknehmer hast du nicht wirklich viel zu melden, mach schon mal deinen Meister, dass du da die Möglichkeiten vergrößerst. Dann eben die Herausforderung im Unternehmen quasi eingestellt als rechte Hand des Unternehmers zu sagen, also das hat ja noch kein Meister hier rumflitzen, da müsstest du noch was machen, noch ein Studium dran gehängt und dann plötzlich den Ruf bekommen, wir brauchen da einen für die IT, für unsere neue und so weiter. Das hat sich also immer weiterentwickelt und das ist einfach der Ehrgeiz und die Neugier, voranzukommen und sich nach einer gewissen Zeit, wenn so alles Routine wird, nicht mehr damit zufrieden zu geben, etwas beizubehalten, sondern neue Wege zu gehen und neue Herausforderungen zu suchen.

Das ist mir so ein bisschen vielleicht eine Idee in A gelegt oder zumindest so das, was mich auch ein Stück weit ausmacht. Gab es auf diesem Weg einen bestimmten beruflichen Erfolg, den Sie als Ihren größten definieren würden? Also ich würde sagen, wo ich schon stolz gewesen bin, oder eines der Dinge, die mir erinnerlich ist, es gibt da sicherlich einige, aber eines der Dinge, die mir erinnerlich sind, ist die Einführung von Gantz-Diagrammen in ERP-Systemen in der Planung. Wir haben also damals ein Format gehabt, das hieß PPS Hausmesse in Fort-de-Marchand, wo wir quasi bestimmte Aufgabenstellungen herausgegeben haben, dann Unternehmen eingeladen haben, die dann auf diese Hausmesse eben, was weiß ich, 20 Systemanbieter angetreten sind und die ein Szenario vorgegeben haben und an der Stelle, als es um diese Gantz-Diagramme gegangen ist, gesagt haben, wir müssen einen Fertigungsfortschritt in den ERP-Systemen auch visualisieren, das muss sichtbar sein für die Beteiligten, wo sie in der Produktion stehen und wie sie vielleicht auch selbst durch ihr eigenes Engagement dann den Prozess voranbringen können.

Und da sind nachweislich, also wir haben dann das Szenario vorgegeben und jeder dieser Anbieter musste also das Szenario dann abbilden mit seinem System, so wie er das gemacht hat, und die Besucher kannten das Szenario und sind durchgegangen und haben gesagt, okay, das gefällt mir, das oder das. Und zu diesem Szenario, wo es um Produktionsmanagement, Produktionsplanung ging, da haben wir zum ersten Mal eben Gantz-Diagramme gesehen in ERP-Systemen, die es nachweislich vorher nicht gegeben hatte, wo auch dann Systemanbieter zu mir kamen. Das ist also, wir sind seit Jahren am Reden mit unserem Anbieter und dadurch, dass ihr das Thema jetzt draufgebracht habt, haben die das wirklich erst mal endlich umgesetzt und wir können jetzt wirklich sehen, wo wir da stehen.

Das hat mich dann schon auch ein Stück weit stolz gemacht. Das war schon eine gute Entwicklung. Das zeigt auch, dass wir eben als Industrieverband im Dialog mit den ERP-Anbietern schon maßgeblich auch Hinweise geben können, in welche Richtung sich Systeme entwickeln sollten.

Das heißt, auch als Industrieverband ist man permanent gefragt, sich weiterzuentwickeln, neue Dinge aufzugreifen, neue Dinge an seine Mitglieder weiterzugeben. Ich bin sicher, Sie lesen auch sehr viel. Gibt es Bücher, können Sie ein bestimmtes Buch den Zuhörern beruflich oder privat empfehlen? Es sind im Wesentlichen weniger Bücher, die ich jetzt lese, wo ich mein Wissen abhole.

Ich versuche also sehr stark, die permanente Diskussion in den Medien zu verfolgen. Insbesondere auch Ihr Podcast ist an der Stelle, wenn es um ERP geht, sehr hilfreich. Da findet man sehr viel und kann in ein paar dauerbaren Happen sich die Information abholen.

Ich glaube, da aufmerksam bleiben und sich vielleicht weniger tief in einzelne Fachliteratur reinzulesen, sondern mehr der allgemeinen Diskussion zu folgen in den unterschiedlichen Industriejournalen, aber eben auch im Internet. Das bringt einen auf einen relativ aktuellen Stand und auch auf einen sehr breiten Wissenshorizont, den man braucht, um da einigermaßen sicher zu navigieren in dieser Welt. Jetzt sind Sie schon ganz lange in dem Umfeld des Anlagenmaschinenbaus, kennen also die Veränderung in der Vergangenheit, können vielleicht ein bisschen in die Zukunft interpolieren.

Letzte Frage meinerseits. Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach die Berufswelt in Ihrem Umfeld in den nächsten zehn Jahren verändern? Also ich denke, es ist tatsächlich auch eine Frage, die uns auch umtreibt. Wir haben ja auch Arbeitskreise mit unseren IT-Leitern.

Und wir glauben, ich habe das vorhin schon ein bisschen anklingen lassen bezüglich der Verlagerung von eigentlich Softwarebetrieb in Rechenzentren. Ich glaube, dass die IT-Verantwortlichen der Zukunft viel mehr Moderatoren sein müssen, viel mehr Leute sein müssen, die einen Überblick haben über die ganzen Systemwelten, über die Integrationsfähigkeit dieser Systemwelten, über die Tauglichkeit und die Marktsfähigkeit entsprechender Systeme, dass sie also viel mehr so die Gestaltung der IT-Infrastrukturen eigentlich verstehen müssen und vordenken müssen und weniger die operative Ausprägung dieser Verfügungstellung von IT-Leistungen. Also mehr wissen eigentlich das Was und das Wie, aber weniger wissen bezüglich der operativen Umsetzung und der Dinge, die im Kleingefach da geschehen mit entsprechenden Sicherheits- oder Speichertechniken oder technischen Ausprägungen, wie man so im Unternehmen also die Verkabelung und dergleichen macht.

Das sind Dinge, die dann eher ausgelagert werden in Zukunft. Herr Schnittler, ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen bedanken für den Einblick nicht nur in den Maschinen- und Anlagenbau, sondern auch auf Ihre Sichtweise von ERP, auf die Veränderung im ERP-Umfeld. Wie immer die letzten Worte gehören meinem Studiogast, in diesem Falle Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA.

Ich bin raus. Herzlichen Dank für diese Woche. Alles Gute.

Ja, ich darf mich auch ganz herzlich bedanken, die Möglichkeit gehabt zu haben, mal so ein Stück weit meine Überlegungen und meine Erfahrungen auch hier in dem Podcast wiederzuspiegeln. Ich wünsche allen, die damit befasst sind, viel Erfolg, starke Nerven und auch immer, und das ist vielleicht besonders wichtig, auch eine wohlwollende Betrachtung Ihrer Aktivitäten seitens der Geschäftsführungen, weil es ist immer schwierig, etwas Immaterielles wie Software dann auch vernünftig zu vertreten, den Leuten klarzumachen, dass eben nicht nur nichtsnütziges Geld ausgehabt sind, sondern zielführende Investitionen für den Hauptbestand eines Unternehmens. Das ist, wie gesagt, nicht immer einfach zu moderieren oder an den Mann, an die Frau zu bringen.

Aber da wünsche ich viel Glück und Erfolg dabei, dass das gelingen möge und dass eben die IT dann ihren positiven Nutzen in Richtung der Unternehmensprozesse auch tatsächlich anbieten kann. Herzlichen Dank. Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können.

Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge. Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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